{"id":5382,"date":"2016-02-01T15:58:04","date_gmt":"2016-02-01T13:58:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=5382"},"modified":"2016-02-01T15:58:04","modified_gmt":"2016-02-01T13:58:04","slug":"konsum-boheme-kreative-klasse-von-thomas-hecken1-2-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2016\/02\/01\/konsum-boheme-kreative-klasse-von-thomas-hecken1-2-2016\/","title":{"rendered":"Konsum, Boheme, kreative Klasse von Thomas Hecken1.2.2016"},"content":{"rendered":"<p>Wassertrinker<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">[zuerst erschienen in: Dirk Hohnstr\u00e4ter (Hrsg.): \u201eKonsum und Kreativit\u00e4t\u201c. Transcript: Bielefeld 2016, S. 61-76]<\/p>\n<p>Opernbesucher wissen, die Boheme existiert in Armut. Das erste Bild von Puccinis <em>La Boh\u00e8me<\/em> zeigt den Schriftsteller Rodolfo und den Maler Marcello im Winter frierend in einer kargen Mansarde. Sie haben weder Brennholz noch etwas zu essen. Damit ein wenig W\u00e4rme erzeugt werden kann, verfeuert Rodolfo eines seiner Manuskripte, das ihm niemand abkaufen und ver\u00f6ffentlichen m\u00f6chte. Ohne verkaufte Produkte kein Konsum, sondern blo\u00df Selbstverzehrung.<\/p>\n<p>In der Vorlage f\u00fcr Puccinis Oper \u2013 Henri Murgers <em>Sc\u00e8nes de la Vie de Boh\u00e8me<\/em> aus der Mitte des 19. Jahrhunderts \u2013 sieht es in sch\u00f6neren Jahreszeiten auch nicht wesentlich besser aus. Eine der Erz\u00e4hlungen, die Murger 1847 bis 1849 im Feuilleton einer kleinen Zeitung ver\u00f6ffentlichte und \u2013 nachdem die B\u00fchnenfassung <em>La Vie de Boh\u00e8me<\/em> von Murger und Th\u00e9odore Barri\u00e8re 1849 einigen Erfolg hatte \u2013 in einem Buch versammelte, zeigt den Boheme-Helden sogar seiner Unterkunft beraubt: \u201eRudolf war von einem ungastlichen Hauswirt vor die T\u00fcr gesetzt worden und lebte seit einiger Zeit unsteter als die Wolken; er vervollkommnete sich nach Kr\u00e4ften in der Kunst, zu Bett zu gehen, ohne zu Abend gegessen zu haben oder zu Abend zu essen, ohne zu Bett zu gehen; sein Koch war der Zufall, und oft \u00fcbernachtete er bei Mutter Gr\u00fcn.\u201c Der muntere Ton der Erz\u00e4hlung l\u00e4sst aber erahnen, dass es insgesamt nicht schlecht um ihn steht. Gleich weiter hei\u00dft es. \u201eIndessen gab es zwei Dinge, die Rudolf nie verlie\u00dfen, auch nicht inmitten dieser m\u00fchseligen Irrfahrten: seine gute Laune und das Manuskript des \u201aR\u00e4chers\u2018, eines Dramas, das schon in allen Theaterb\u00fcros von Paris l\u00e4ngeren Aufenthalt genommen hatte.\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Die heitere Stimmung und das unbeirrte Festhalten am eigenen Werk besitzen auch aufs Ganze gesehen einen guten Grund. Es ist nicht blo\u00df wegen der w\u00e4rmeren Jahreszeit m\u00f6glich, diesmal auf die Vernichtung des Manuskripts zu verzichten. Am Ende der Geschichte feiern die K\u00fcnstler mit ihren Werken Erfolge beim zahlungskr\u00e4ftigen Publikum. Die Zeit des Mangels ist vorbei. Marcel lehnt sogar das sentimentale Angebot Rodolphes ab, noch einmal in ihr altes Lokal zu gehen, \u201e\u201awo wir immer so gro\u00dfen Hunger hatten, wenn wir mit dem Essen fertig waren.\u2018\u201c Die Antwort f\u00e4llt entschieden negativ aus: \u201e\u201aWahrhaftig, nein, ich danke!\u2018 rief Marcel, \u201aich will gern in die Vergangenheit blicken, aber durch eine gute Flasche Wein und von einem guten Sessel aus. Sag, was du willst, ich bin nun mal verdorben. Ich liebe nur noch das Angenehme!\u2018\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Das ist das letzte Wort der <em>Sc\u00e8nes de la Vie de Boh\u00e8me<\/em>.<\/p>\n<p>Anders geht es bei den \u201eWassertrinkern\u201c aus, einer weiteren Bohemegruppe, von der Murger erz\u00e4hlt. Wie der Name schon sagt, lebt die K\u00fcnstlergruppe in gro\u00dfer Armut, mehr als Wasser steht oftmals nicht auf ihrem Speiseplan. Ihre Armut erf\u00fcllt sie aber geradezu mit Stolz, sie ist der Ausweis ihrer k\u00fcnstlerischen Integrit\u00e4t. Lukrative Angebote, die ihnen unlauter erscheinen, lehnen sie trotz ihrer Zwangslage konsequent ab. Einem bildenden K\u00fcnstler, der gegen dieses Gebot verst\u00f6\u00dft, h\u00e4lt ein Wassertrinker entgegen: \u201e\u201aTreibe dein Handwerk, wie es dir beliebt; f\u00fcr mich bist du kein Bildhauer mehr, f\u00fcr mich bist du ein Gipsfigurenfabrikant! Freilich wirst du nun Wein trinken k\u00f6nnen, aber wir, die wir nach wie vor unser Wasser trinken und Kommi\u00dfbrot essen, wir bleiben K\u00fcnstler.\u2018\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Das alles ist nicht nur eine literarische Fantasie. Zwar haben die Wassertrinker, zu denen Murger selbst zeitweilig geh\u00f6rte, Gelegenheitsjobs angenommen, Armut und Hunger haben sie aber tats\u00e4chlich erlitten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Bohemien und B\u00fcrger<\/p>\n<p>Verst\u00e4ndlich sind darum Definitionen der Boheme, die deren miserable Lage betonen. Julius Bab etwa, der Chronist der Berliner Boheme, zitiert 1904 eine Erinnerung des Naturalisten Arno Holz, in der \u201ehungrig\u201c und \u201efrostverklammt\u201c zu den wichtigen Vokabeln geh\u00f6ren. Babs Gesetz der Boheme lautet folgerichtig: \u201e[\u00dc]berall wo die schlechte wirtschaftliche Lage jungen, mehr auf die k\u00fcnstlerische Lebenserfassung und Gestaltung, als auf den Lebensunterhalt bedachten Leuten die F\u00fchrung einer \u201agesellschaftsf\u00e4higen\u2018 Existenz verwehrt, da ist materielle Notwendigkeit gegeben f\u00fcr das Entstehen einer Boh\u00e9me.\u201c Hinzutreten muss dann noch der \u201egeistige Anla\u00df\u201c, nach Bab zu finden in jenen \u201eeigenwilligen K\u00f6pfen und lebensdurstigen, k\u00fcnstlerisch gestimmten Sinnen\u201c, die den \u201eherrschenden Lebensgewohnheiten\u201c opponieren.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Diese Definition und historische Erkl\u00e4rung pr\u00e4gt viele Schriften zur Boheme. Gew\u00f6hnlich ist aber anstelle der \u201aherrschenden Lebensgewohnheiten\u2018 vom B\u00fcrger zu lesen, der als Widersacher der Boheme fungiert. Der B\u00fcrger bringt nicht nur keine Begeisterung, nicht einmal Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die kreativ-experimentellen Kunstwerke der Bohemiens auf, auch sein Lebensstil, sofern er von der Ausrichtung auf Nutzbarkeit und materiellen Erfolg bestimmt wird, ist dem der Bohemiens entgegengesetzt. Umgekehrt erf\u00fcllt die Bohemiens die Kunst- und Lebensauffassung der B\u00fcrger mit Abscheu, deshalb halten sie konsequent an ihrer Art zu malen und zu schreiben fest. F\u00fcr viele Bohemiens ist ihr Lebensstil nicht blo\u00df von der Not diktiert, sondern in mancher Hinsicht auch eine Tugend.<\/p>\n<p>Lebensweise und Kunst bilden bei vielen Bohemiens, die schreiben oder malen, demnach nicht blo\u00df deshalb einen Zusammenhang, weil der mangelnde kommerzielle Ertrag ihrer Werke ihren Alltag bestimmt. Ein gemeinsamer Grund existiert auch in der Ablehnung von Regeln, in der Betonung nonkonformer Individualit\u00e4t. Wie das Werk sich g\u00e4ngigen, erfolgversprechenden Mustern verweigert, so auch die Lebenspraxis den Anforderungen b\u00fcrgerlicher Provenienz. Man glaubt, dass es an der Entt\u00e4uschung von Gewohnheiten liegt, weshalb die eigene Kunst auf wenig lukrative Resonanz st\u00f6\u00dft, und sieht in der unb\u00fcrgerlichen Art zu leben ein passendes Gegenst\u00fcck dazu. Die bohemische Lebensweise gilt ihnen deshalb letztlich als Ausdruck der Wahl, nicht des Zwangs. Selbst wenn gr\u00f6\u00dfere materielle Mittel zur Verf\u00fcgung st\u00fcnden, w\u00fcrde man nicht von ihr lassen. Mitunter weist diese Einstellung schon auf die avantgardistischen Topoi voraus, abgeschlossene Werke abzulehnen und die Kunst im Leben aufgehen lassen zu wollen: Das Boheme-Leben ist dann bereits die Kunst.<\/p>\n<p>Helmut Kreuzer, dessen Habilitationsschrift unz\u00e4hlige Belege f\u00fcr diese Boheme-Einstellung versammelt, h\u00e4lt darum fest: \u201eNicht die Armut ist entscheidend f\u00fcr die Definition des Bohemiens, sondern ein bestimmter, intentionell unb\u00fcrgerlicher Stil seines Lebens (der sich allerdings nicht unabh\u00e4ngig von den materiellen Existenzbedingungen der Armutsboheme ausformt) in der Verbindung mit gegenb\u00fcrgerlicher Einstellung.\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Als Autostereotyp des B\u00fcrgers (\u201e\u201ab\u00fcrgerliche Tugenden\u2018\u201c) nennt Kreuzer u.a. \u201eOrdnungsliebe, Reinlichkeit, Sparsamkeit, Arbeitssamkeit, P\u00fcnktlichkeit, wirtschaftliche Sicherheit\u201c. In der despektierlichen, kritischen Sicht der Boheme werden daraus Autorit\u00e4tsh\u00f6rigkeit, Leidenschaftslosigkeit, Konformismus, Rigidit\u00e4t, Kleingeistigkeit, Selbstzwang, Herzlosigkeit, N\u00fctzlichkeitsfixierung, Mittelm\u00e4\u00dfigkeit, Materialismus.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Sie m\u00fcssen nicht nur theoretisch widerlegt und angegriffen, sondern hier und jetzt, in der Boheme-Praxis, \u00fcberwunden werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Stellung zum Konsum<\/p>\n<p>Die antib\u00fcrgerliche Richtung der Boheme erstreckt sich auf alle m\u00f6glichen Bereiche, nicht nur den der Produktion. Kreuzer stellt im Einzelnen auch die \u201eParteinahme f\u00fcr die \u201aInnerlichkeit\u2018 gegen die \u201a\u00c4u\u00dferlichkeit\u2018 (der b\u00fcrgerlichen Besitz- und Konsumobjekte)\u201c als Grundzug der Boheme heraus,<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> er verweist auf die Kritik an \u201eArbeit und Ware als Zwang zum Konsum\u201c als bohemische Weiterf\u00fchrung solcher Frontstellung.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>Folgt man dem, kann man die Armut der Boheme wiederum nicht nur als aufgeherrscht, als erlitten charakterisieren. In gewisser Weise selbstgew\u00e4hlt, zumindest weltanschaulich erh\u00f6ht ist die Armut wie gesehen zum einen, weil die (k\u00fcnstlerische) Erfolglosigkeit am Markt ein trefflicher Ausweis der G\u00fcte der eigene Produkte und Werke sein soll. Zum anderen aber steckt hinter der Armut dann eine Lebenseinstellung, die am Erwerb, an der Ansammlung und Ausstellung von G\u00fctern nicht sonderlich interessiert ist \u2013 ja, die vielen dieser Formen regelrecht feindlich gegen\u00fcbersteht. Die \u00c4rmlichkeit der Bohemiens w\u00e4re also gar kein Schicksal, sondern blo\u00df das Anzeichen des selbstbewussten Konsumverzichts, zumal des Verzichts auf demonstrativen oder anh\u00e4ufenden Konsum.<\/p>\n<p>Belege f\u00fcr die Richtigkeit dieser These gibt es mehr als genug. Verwiesen sei etwa auf jene Bohemiens, die versuchen, soweit es geht aus der Warenwirtschaft auszutreten, und sich auf dem Land vom eigenen Anbau ern\u00e4hren. Dennoch handelt es sich bei der These allenfalls um die halbe historische Wahrheit. Das Verh\u00e4ltnis von Boheme und Konsum darf nicht derart einfach angesetzt werden.<\/p>\n<p>Um zu anderen Einsichten \u00fcber die Haltungen von Bohemiens zum Konsum zu gelangen, muss man nur Murgers <em>Szenen<\/em> vollst\u00e4ndig lesen. Mehr als einmal handeln sie davon, dass mehr oder minder zuf\u00e4llig sich einstellende Geldbetr\u00e4ge sofort ausgegeben werden. Das ist zwar gut mit dem Prinzip vereinbar, sich in antib\u00fcrgerlicher Absicht nicht sparsam und rigide zu verhalten, geht aber unvermeidlich mit Konsumakten einher. Abgeschw\u00e4cht wird dieser Versto\u00df immerhin dadurch, dass oftmals \u00fcberfl\u00fcssige Dinge angeschafft werden oder das Geld in Kneipen verjubelt wird, also sich nicht in bleibenden Objekten niederschl\u00e4gt. Gesteigert werden kann das sogar durch Kredite. Keine Vorstellung b\u00fcrgerlicher Rechtschaffenheit h\u00e4lt die Bohemiens davor zur\u00fcck, bei Wirten anschreiben zu lassen.<\/p>\n<p>Es bleibt aber nicht bei einer augenblicklichen, exzessiven Aufl\u00f6sung der Geldwerte. Steht das Leben der Bohemiens auch notwendigerweise \u00fcber weite Strecken unter dem Gebot der Armut, ist der Geschmack von Murgers Helden jedoch keineswegs \u00e4rmlich, Sinn f\u00fcr teure Anz\u00fcge, Spazierst\u00f6cke usf. beweisen sie durchaus. Es ist f\u00fcr sie nur nichts, f\u00fcr das sie Opfer der Arbeit oder der Sparsamkeit erbringen w\u00fcrden. Wenn sie durch Zufall oder durch kleine Gaunereien an sie gelangen, wissen sie sie allerdings momentan zu sch\u00e4tzen, ohne freilich von ihrem Besitz abh\u00e4ngig zu sein oder nichts anderes neben ihnen gelten zu lassen. Murger findet daf\u00fcr in der Vorrede zu den <em>Szenen<\/em> eine einpr\u00e4gsame feuilletonistische Formel: \u201eDie Bohemiens wissen alles und gehen \u00fcberall hin, je nachdem sie Lackstiefel tragen oder zerrissene Schuhe. Man trifft sie eines Tages, wie sie sich an den Kamin eines Salons der Gesellschaft lehnen, und am Tage darauf an Tischen unter den Lauben der Tanzlokale.\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>Wohlgemerkt, hier geht es nicht darum, zwei verschiedene Fraktionen der Boheme zu schildern. Murger meint ein und dieselben Leute, die von einem Tag zum anderen an unterschiedlichsten Pl\u00e4tzen und in unterschiedlichster Aufmachung erscheinen. Das bedeutet aber auch: Die unterschiedlichsten Gegenst\u00e4nde k\u00f6nnen das Ziel ihrer Aneignung werden. Der Bohemien wird nach dieser Lesart zum potenziell uneingeschr\u00e4nkten Konsumenten, f\u00fcr den sich Lackstiefel und zerrissene Schuhe nicht wechselseitig ausschlie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Eine neue \u201eKonsumtionsethik\u201c<\/p>\n<p>Eingang findet diese N\u00e4he von Boheme zum entgrenzten Konsum in die Beschreibungen und Selbstbeschreibungen der Boheme jedoch lange Zeit nicht, Murger findet keine Nachahmer oder jemanden, der sein Bonmot zu l\u00e4ngeren, grunds\u00e4tzlichen Betrachtungen nutzt. Die Praxis manches Bohemiens spricht allerdings in dieser Hinsicht beredt. Helmut Kreuzer verweist z.B. in seinen Ausf\u00fchrungen zur Kleidung der Bohemiens auf \u201edandyistische Eleganz wie extreme Vernachl\u00e4ssigung der \u00e4u\u00dferen Erscheinung\u201c, auf \u201eseltsame Kombinationen\u201c, \u201ePhantasietrachten\u201c, auf \u201ehistorisierende, folkloristisch exotisierende und sakralisierende Kost\u00fcme\u201c.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Es ist nicht m\u00f6glich, all diese Varianten rein auf das Konto der Armut abzubuchen.<\/p>\n<p>Der wahrscheinlich erste gr\u00f6\u00dfer ansetzende Beitrag, in dem das Verh\u00e4ltnis der Boheme zum Konsum eine neue Fassung bekommt, stammt aus dem Jahr 1934. In seinem autobiografisch gef\u00e4rbten Buch zu den US-amerikanischen 1920er Jahren schreibt der Dichter und Journalist Malcolm Cowley, Herausgeber von <em>The New Republic<\/em>, \u00fcber einen \u201eWar in Bohemia\u201c. Die Kriegsparteien sind bekannt, auf der einen Seite \u201emiddle-class America\u201c, auf der anderen \u201eAmerican disciples of art and artistic living\u201c, es geht um den \u201eeternal warfare of bohemian against bourgeois, poet against propriety\u201c.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>In vertrauter Manier berichtet Cowley \u00fcber einen Angriff der B\u00fcrger, hier in Gestalt der <em>Saturday Evening Post<\/em>, auf Bohemia, genauer gesagt auf Greenwich Village. Das Village werde bewohnt von \u201efools and fakers\u201c, besser, sie w\u00fcrden schnell geheilt von ihren Narrheiten und kehrten zur\u00fcck in ihre kleinst\u00e4dtischen Geburtsorte, um dort Autos zu verkaufen \u2013 so der Tenor der <em>Post<\/em> nach Cowleys Zeugnis. Die \u201eVillagers\u201c h\u00e4tten darauf nicht direkt reagiert, sondern weiter ihre grunds\u00e4tzlichen Todesanzeigen auf die standardisierte Kultur der USA verfasst. So weit, so bekannt.<\/p>\n<p>Gar nicht vertraut klingt jedoch die Einsch\u00e4tzung Cowleys zu diesem Kulturkampf. Cowley h\u00e4lt beide Positionen f\u00fcr falsch, Gr\u00fcnde f\u00fcr einen Krieg vermag er \u00fcberhaupt nicht mehr zu erkennen. Er begr\u00fcndet sein originelles Urteil, indem er die Prinzipien der Bohemiens auff\u00fchrt, um sie anschlie\u00dfend auf ihre \u00f6konomischen Wirkungen hin zu \u00fcberpr\u00fcfen. Zur \u201edoctrine\u201c \u2013 sie habe sich seit den Tagen Murgers nicht wesentlich, aber in einigen Auspr\u00e4gungen ge\u00e4ndert \u2013 z\u00e4hlt Cowley u.a.:<\/p>\n<p>\u2013 die \u00dcberzeugung, dass in jedem viele kreative M\u00f6glichkeiten l\u00e4gen, die aber durch eine standardisierte und repressive Gesellschaft und Erziehung zerst\u00f6rt w\u00fcrden;<\/p>\n<p>\u2013 die Wertsch\u00e4tzung pers\u00f6nlichen Ausdrucks. Durch expressives, kreatives Tun k\u00f6nne man sich selbst verwirklichen, seine Individualit\u00e4t entdecken (\u201eeach man\u2019s, each woman\u2019s, purpose in life is to express himself, to realize his full individuality through creative work\u201d);<\/p>\n<p>\u2013 die Betonung der Gegenw\u00e4rtigkeit; man solle im Hier und Jetzt leben, statt die Freuden auf einen unbestimmten Zeitpunkt zu verschieben;<\/p>\n<p>\u2013 der Akzent auf der Freiheit, auf der Mobilit\u00e4t, auf der Ungebundenheit, der Affekt gegen Konventionen allgemein und gegen Regeln in der Kunst im Besonderen.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Die Pointe Cowleys ist nun, dass diese Doktrin 1920 \u00fcberhaupt nicht mehr im Widerstreit mit der b\u00fcrgerlichen Lebensweise gelegen habe. Die Anklagen der <em>Saturday Evening Post<\/em> gegen Bohemia, aber auch die kulturkritischen Untergangsvisionen der Villager sind f\u00fcr Cowley blo\u00df Reflexe einer bereits untergegangenen Welt, einer mittlerweile gegenstandslosen ideologischen Auseinandersetzung. Tats\u00e4chlich sei Bohemia in den 1920er Jahre verblichen, gestorben am eigenen Erfolg: \u201eAmerican business and the whole of middle-class America had been going Greenwich Village.\u201c Der Tod Bohemias bedeutet nicht seinen Untergang, sondern seine Allgegenwart.<\/p>\n<p>Diese Diagnose l\u00e4sst Cowley nicht als k\u00fchne Behauptung stehen, er liefert neben einigen Belegen auch eine hoch abstrakte These dazu: Die \u00e4ltere Moral, die den Krieg zwischen B\u00fcrger und Bohemien begr\u00fcndet habe, sei eine Produktionsethik gewesen, die Flei\u00df, Gen\u00fcgsamkeit, Sparsamkeit verlangt habe. Mit dem Anwachsen der Produktivit\u00e4t falle jedoch die Notwendigkeit dieser \u201eproduction ethic\u201c weg. F\u00fcr die Abnahme der gestiegenen G\u00fctermenge sei sie geradezu hinderlich, eine neue Auffassung liegt darum nahe: \u201eThere must be a new ethic that encouraged people to buy, a consumption ethic.\u201c<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n<p>Daf\u00fcr nun eignen sich nach Darstellung Cowleys die \u00dcberzeugungen der Boheme auf hervorragende Weise. \u201eLiving for the moment meant buying an automobile, radio or house, using it now and paying for it tomorrow\u201c, der Vorrang des kreativen Selbstausdrucks und des Unkonventionellen beg\u00fcnstigt die Nachfrage nach vielerlei G\u00fctern, die das Lebensnotwendige \u00fcbersteigen.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/p>\n<p>Zwar r\u00e4umt Cowley ein, dass es wohl der Boheme nicht bedurft h\u00e4tte, um die neue Konsummoral zu etablieren. \u00dcber die wirtschaftlichen Daten hinaus nennt er als wichtige Faktoren noch die Lage w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs \u2013 die Abwesenheit der V\u00e4ter l\u00e4sst der jungen Generation ungeahnte Freiheiten \u2013 und das neue Massenmedium Kino. In dieser geschichtlichen Situation habe aber Bohemia eine hohe Pr\u00e4gekraft besessen: \u201eThe Village, older in revolt, gave form to the movement, created its fashions, and supplied the writers and illustrators who would render them popular.\u201c<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/p>\n<p>Das Ergebnis ist besagter paradoxer t\u00f6dlicher Erfolg: Greenwich Village \u201ewas dying because it became so popular that too many people insisted on living there. It was dying because women smoked cigarettes on the streets of the Bronx, drank gin cocktails in Omaha and had perfectly swell parties in Seattle and Middletown\u201d.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Differenz<\/p>\n<p>Von nun an wird man die Diagnose, die Boheme sei ein Vorreiter des Konsumismus und ein Motor des liberal-kapitalistischen Systems, h\u00e4ufig h\u00f6ren. In den 1950er und beginnenden 1960er Jahren kann man \u00fcber den Umschwung vom einschr\u00e4nkenden Puritanismus zu flexibleren Verhaltens- und Anpassungsformen bei David Riesman und in den Schriften der Kritischen Theorie ausgedehnte Passagen lesen, Ende der 1960er Jahre wird diese Erkenntnis aus aktuellem Anlass verst\u00e4rkt auf die Underground-Szene bezogen. Fast immer kritisch gemeint, wird der vermeintlichen Gegenkultur oftmals attestiert, mit ihrem Willen zur Abweichung stets neue Produkte f\u00fcr das jugendliche Publikum hervorzubringen.<\/p>\n<p>Seit 1968 geh\u00f6rt die Diagnose zum festen Bestand der erweiterten Kommerzialisierungs- und Konsumkritik aus Reihen der alten und Neuen Linken. In den 1990er Jahren gab es sogar eine Zeitschrift, den amerikanischen <em>Baffler<\/em>, der solche Kritik zum zentralen Anliegen seiner Artikel machte. Die \u201ecountercultural idea\u201c bestehe nach wie vor in folgender Leitlinie: \u201eThe establishment demands homogeneity; we revolt by embracing diverse, individual lifestyles. It demands self-denial and rigid adherence to convention; we revolt through immediate gratification, instinct uninhibited, and liberation of the libido and the appetites.\u201c<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/p>\n<p>Der <em>Baffler<\/em> h\u00e4lt diese gegenkulturelle Hauptidee f\u00fcr vollkommen falsch und \u00fcberholt: \u201eConsumerism is no longer about \u201aconformity\u2018 but about \u201adifference\u2018\u201c,<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> deshalb seien die abweichenden Gesten der vermeintlichen Gegenkultur nichts als konsumistische Winke. \u201eIts frenzied ecstasies have long since become an official aesthetic of consumer society, a monotheme of mass as well as adversarial culture\u201c.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> Der \u201erebel\u201c sei zum \u201ecentral image\u201c der Konsumkultur aufgestiegen, in seinem Namen w\u00fcrde die belanglose, modische Abl\u00f6sung eigentlich noch brauchbarer Gegenst\u00e4nde zum Wohle der kapitalistischen \u00d6konomie zuverl\u00e4ssig bewerkstelligt.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a><\/p>\n<p>Das w\u00e4re also aus dem unb\u00fcrgerlichen Lebensstil der Boheme geworden: ein Transmissionsriemen f\u00fcr das kapitalistische Wachstum. F\u00fcr Kapitalismusgegner und f\u00fcr Bohemiens, die in ihrer Andersartigkeit einen Gegenentwurf zum Bestehenden sehen, nat\u00fcrlich eine \u00e4u\u00dferst negative bzw. niederschmetternde Bilanz. F\u00fcr B\u00fcrger, die an \u00e4lteren Bildungsvorstellungen und\/oder puritanischer Arbeitsmoral h\u00e4ngen, allerdings nicht minder. Es hat darum lange gedauert, bis die nachhaltige \u00c4nderung in der Einsch\u00e4tzung der Boheme, wie sie Malcolm Cowley immerhin bereits Anfang der 1930er Jahre vornahm, einen greifbaren weltanschaulichen Ausdruck fand.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eBobos\u201c und \u201ekreative Klasse\u201c<\/p>\n<p>Seit gut einem Jahrzehnt liegen solche Anschauungen aber in vielbeachteter Form vor. Im Buch <em>Bobos in Paradise<\/em> fasst David Brooks 2000 die \u201enew upper class\u201c als Zusammensetzung aus \u201ebourgeois\u201c und \u201ebohemian\u201c. Viel Zeit verwendet Brooks darauf, diese Neuheit an den Konsumvorlieben zu demonstrieren. Der Gl\u00e4tte der Yuppies und dem Protz der \u201emoneyed elite\u201c setze derbourgeois bohemian\u201c rauere, kleinere, unauff\u00e4lligere, wenn auch genauso teure Dinge entgegen.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> Brooks sieht in dieser meritokratisch ausgew\u00e4hlten, gebildeten F\u00fchrungsschicht \u00fcberwiegend positiv eine Klasse an Leuten, die Rassismus, Misogynie und krassen Materialismus hinter sich gelassen h\u00e4tten, denen es nicht nur um Macht und Geld, sondern auch um Selbstverwirklichung, Gemeinschaftssinn und kreative Visionen und Arbeitsformen gehe. Deshalb kommt er zu dem Schluss, bei den \u201eeducated elites\u201c handele es sich um eine Symbiose aus B\u00fcrger und Bohemien.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a><\/p>\n<p>Richard Florida spricht von dieser Gruppe als der \u201ecreative class\u201c. In bestimmten kapitalistischen Unternehmen (etwa in den Firmen der Multimediabranche), allgemein in den Research &amp; Development-Abteilungen, wegen der eminent anwachsenden \u00f6konomischen Bedeutung von \u201ecreativity, innovation, and knowledge\u201c h\u00e4tten Leute, die fr\u00fcher in \u201eBohemia\u201c marginalisiert gewesen seien, Einzug gehalten.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> Folgerichtig ruft er in unz\u00e4hligen Schriften und vor allem Reden Politiker und Stadtverwaltungen dazu auf, \u201egay-and-bohemian-friendly\u201c zu agieren;<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> nur so k\u00f6nne man erfolgreiche Firmen anziehen und prosperierende \u00d6konomien aufbauen.<\/p>\n<p>Zur Erfolg garantierenden kreativen Klasse rechnet Florida 30% der amerikanischen Arbeitnehmer,<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> Wissenschaftler, K\u00fcnstler, Designer, Manager, Ingenieure, Finanzanalysten, Rechtsanw\u00e4lte etc.<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a>. Zwar ist die \u201ecreative class\u201c nicht die umfangreichste Schicht, \u00fcbertroffen wird sie darin von der \u201eservice class\u201c, sie ist aber nach Einsch\u00e4tzung Floridas die bedeutendste Klasse \u2013 was in seiner These, wir lebten heute in einer \u201ecreative economy\u201c,<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a> \u00fcberaus deutlich wird.<\/p>\n<p>Die \u201ecreative class\u201c stattet Florida insgesamt mit bohemischen Z\u00fcgen aus: Das \u201ecreative ethos\u201c sei nonkonformistisch, ja \u201esubversive\u201c,<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a> die kreative Klasse sei st\u00e4rker auf Erlebnisse als auf Konsumobjekte ausgerichtet,<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a> ihre Mitglieder seien nicht nur und zunehmend weniger an der traditionellen Hochkultur als an der \u201estreet-level culture\u201c interessiert,<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a> einer eklektischen Kultur, die ein breites Spektrum von Blues \u00fcber Rock und Weltmusik bis Techno umfasse.<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a><\/p>\n<p>Obwohl er also an einer Stelle noch Bohemia-Mitglieder innerhalb der umfangreichen kreativen Klasse identifiziert, muss er wegen der f\u00fcr ihn dort \u00fcberall anzutreffenden Nonkonformit\u00e4t und postmodernen Disposition aufs Ganze gesehen zu dem Ergebnis kommen, dass Unterschiede zwischen B\u00fcrger und Bohemien in der kreativen Klasse gar nicht mehr auszumachen seien. Die Begriffe \u201ebourgeois and bohemian\u201c habe man \u201atranszendiert\u2018:<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\">[32]<\/a> \u201eHighbrow and lowbrow, alternative and mainstream, work and play, CEO and hipster all are morphing together today.\u201c<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\">[33]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Kategoriale Verh\u00e4ltnisse<\/p>\n<p>Mit Cowleys, Brooks und Floridas Thesen hat die Zuordnung von B\u00fcrger und Bohemien alle denkbaren Stufen durchlaufen: Von ihrer harten Entgegensetzung bis zur Behauptung, dass sie ineinander aufgegangen, die Begriffe zum Zwecke einer Erfassung der gegenw\u00e4rtigen Verh\u00e4ltnisse damit unbrauchbar geworden seien.<\/p>\n<p>Als wichtige Zwischenstufen sind Helmut Kreuzers und Jerrold Seigels Vermittlungen zu nennen. Kreuzer hebt nicht nur \u2013 rein logisch \u2013 hervor, dass die Boheme in ihrer unabl\u00e4ssigen Negation des B\u00fcrgerlichen an den B\u00fcrger gefesselt bleibt, er stellt auch heraus, dass b\u00fcrgerliche Projekte \u2013 etwa die Absage an die h\u00f6fische Regelpoetik, die Befreiung des K\u00fcnstlers von kirchlichen und aristokratischen Auftraggebern, die Aufl\u00f6sung von Zunft- und St\u00e4ndeordnungen die Boheme-Existenz erst erm\u00f6glichten. Die Boheme des 19. Jahrhunderts sei demnach \u201enicht nur als ein Gegensatz zur b\u00fcrgerlichen Gesellschaft aufzufassen\u201c, sondern \u201eals ihr Produkt und Element\u201c.<a href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\">[34]<\/a><\/p>\n<p>Seigel geht noch weiter. Er betont nicht nur, dass sich B\u00fcrger und Bohemien gegenseitig anz\u00f6gen.<a href=\"#_ftn35\" name=\"_ftnref35\">[35]<\/a> Wichtiger ist f\u00fcr ihn ein anderer Gedanke. Wegen der b\u00fcrgerlich-liberalen Aufl\u00f6sung der sittlichen und st\u00e4ndischen Ordnung habe sich die Frage nach den Begrenzungen pers\u00f6nlicher Kultivierungsm\u00f6glichkeiten ganz neu stellen m\u00fcssen, ohne noch einer religi\u00f6s-absolutistisch unbestreitbaren Antwort zugef\u00fchrt werden zu k\u00f6nnen. Bohemia sei genau der Ort gewesen, an dem die kontingenten b\u00fcrgerlichen Antworten stets herausgefordert wurden, es habe sich um eine innerb\u00fcrgerliche Auseinandersetzung um die Reichweite der Liberalit\u00e4t, um die Richtigkeit (vorl\u00e4ufig) eingezogener Grenzen gehandelt: \u201eBohemia [\u2026] was the appropriation of marginal life-styles by young and not so young bourgeois, for the dramatization of ambivalence toward their own social identities and destinies.\u201c<a href=\"#_ftn36\" name=\"_ftnref36\">[36]<\/a><\/p>\n<p>Sp\u00e4testens mit Floridas dominanter kreativer Klasse m\u00fcsste man diese historische Betrachtungsweise endg\u00fcltig einer fernen Zeit zuweisen: Wenn im Namen der Kreativit\u00e4t in weiten Bereichen der \u00d6konomie auf immer neue Abweichungen gesetzt w\u00fcrde, g\u00e4be es gar keine wichtigen b\u00fcrgerlichen Identit\u00e4tsstiftungen und sozialen Verhaltensnormen mehr, die von mehr oder minder \u201eyoung bourgeois\u201c dramatisch herausgefordert werden m\u00fcssten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Bewertung<\/p>\n<p>Der \u00dcberblick zu wichtigen Boheme-Bestimmungen bietet einige \u00fcberraschende Thesen, zumindest gemessen an der \u00fcblichen Entgegensetzung von B\u00fcrger und Boheme sowie dem popul\u00e4rkulturell einigerma\u00dfen bekannten Bild des unordentlichen, armen K\u00fcnstlers. Doch sind sie \u2013 vor allem mit Blick auf die Gegenwart \u2013 auch richtig?<\/p>\n<p>Zur Beantwortung der Frage ist zun\u00e4chst festzuhalten, dass in einer Hinsicht wirklich ein bedeutender Wandel vollzogen wurde: Widerst\u00e4nde gegen Neuerungen und Abweichungen im k\u00fcnstlerischen Bereich sind heutzutage kaum noch festzustellen. Im Gegenteil, Abweichungen werden geradezu gefordert, dienen der Kunstwelt als Beweis f\u00fcr wahres K\u00fcnstlertum. Dies gilt sogar in den westlichen Staaten \u00fcberwiegend aus Sicht der politischen Akteure und staatlichen Organisationen. Auf rechtliche und moralische Bedenken und Einschr\u00e4nkungen verzichten sie weitgehend. Staatliche und \u00f6ffentlich-rechtliche Stellen machen sich sogar die F\u00f6rderung solch transgressiver oder innovativer Kunst zur Aufgabe, falls sie am Markt nicht re\u00fcssieren kann. Mit b\u00fcrgerlichen Widerst\u00e4nden gegen das Neue und verst\u00f6rend Kreative in der Kunst kann mangelnder Erfolg von Schriftstellern, Malern etc. heute schwerlich begr\u00fcndet oder geadelt werden.<\/p>\n<p>Zudem schl\u00e4gt sich mangelnder Erfolg \u2013 abgelehnte Manuskripte, schlecht bezahlte Auftragsarbeiten \u2013 heute nicht mehr in bedrohlicher Armut nieder. Wenigstens das Hungern und Frieren verhindert die gew\u00e4hrte Sozialhilfe. In Deutschland sorgt die K\u00fcnstlersozialkasse seit 30 Jahren auch f\u00fcr einen Zuschuss bei der Sozialversicherung.<\/p>\n<p>Drittens hat auf semantischer Ebene tats\u00e4chlich eine weite Verbreitung einstiger Boheme-Vorstellungen stattgefunden. Wenn etwa C\u00e9sar Gra\u00f1a im Anschluss an Malcolm Cowley davon spricht, das erste Ideal des \u201eromantic movement\u201c und mit ihm der Boheme sei das der \u201eself-expression\u201c gewesen (\u201ethe most important purpose in life is to express yourself through creative work and to realize fully one\u2019s individuality\u201c),<a href=\"#_ftn37\" name=\"_ftnref37\">[37]<\/a> dann bleibt nur die Diagnose, dass dieses Ideal heutzutage nicht das Privileg oder Stigma der Boheme, sondern eine allgemeine Phrase darstellt, die nahezu alle unterschreiben: Fast jeder, nicht nur die Menge der K\u00fcnstler, m\u00f6chte individuell und kreativ sein.<\/p>\n<p>Hinge die Boheme allein an diesen drei Punkten, k\u00f6nnte man heute nicht l\u00e4nger von ihr sprechen. Nur die Feststellung bliebe: Es gibt keine Boheme mehr. Da aber als Boheme-Kriterium oftmals nicht nur k\u00fcnstlerisches Schaffen, sondern eine bestimmte Lebensweise herangezogen wird, darf die Untersuchung noch weitergehen. Nur deshalb auch k\u00f6nnen \u00fcberhaupt Konsum-Ph\u00e4nomene im Boheme-Zusammenhang Erw\u00e4hnung finden.<\/p>\n<p>Zu diesem Punkt lassen sich auch zumindest einige klare Aussagen treffen. H\u00e4lt man sich an Murgers Beobachtung, nach der Bohemiens \u00fcberall Eingang finden bzw. sich heimisch f\u00fchlen und entsprechend mit vielerlei Gegenst\u00e4nden \u2013 Lackstiefel ebenso wie zerrissene Schuhe \u2013 vertraut sind, kann man zweifellos den Bohemiens eine Vorreiterschaft in postmodernem Geschmack zuerkennen. Mit der Pointe, dass heutzutage die besch\u00e4digten Schuhe nicht unbedingt Armut und langen Gebrauch beweisen, sondern vielleicht extra produziert wurden. Zumindest das Attribut \u201edestroyed look\u201c z\u00e4hlt bereits zum festen Repertoire der Schuhmode, im Jeanssektor hat sich das L\u00f6chrige in fabrizierter Form l\u00e4ngst eingeb\u00fcrgert.<\/p>\n<p>An diesem Beispiel kann man auch sch\u00f6n \u2013 bzw. in bewusst h\u00e4sslicher Manier \u2013 sehen, in welch starkem Ma\u00dfe durch Bohemiens eine Entgrenzung des Brauchbaren und Konsumierbaren vorbereitet wurde. Wenn sich der Raum auf das Interessante, ja sogar auf das traditionell als h\u00e4sslich Angesehene hin \u00f6ffnet, bietet sich ebenfalls ein gr\u00f6\u00dferer Raum f\u00fcr Gegenst\u00e4nde und Ereignisse, die zum Verkauf produziert werden. Zumal die Verbreiterung im Sinne des Interessanten bei den Bohemiens nicht nur mit Blick auf Kunstwerke, sondern auf Lebensweisen postuliert wird. Der Bourgeois als Fabrikant hat diese M\u00f6glichkeit in sein Produktions- und Marketingrepertoire aufgenommen, der Bourgeois als moralisches Subjekt und Staatsdiener setzt dem Vertrieb und dem Konsum solcher Waren keine nennenswerten Reputations- und Rechtsschranken mehr entgegen.<\/p>\n<p>Die Vergr\u00f6\u00dferung des Spielraums kann selbstverst\u00e4ndlich genutzt werden, um in einer zeitlichen Abfolge immer wieder neue G\u00fcter und Ereignisse einander abl\u00f6sen zu lassen. Sobald die Entgrenzung allgemein anerkannt ist, l\u00e4sst sich zwar nicht mehr das Drama des existenziellen Bruchs herbeif\u00fchren, f\u00fcr Abwechslung und relative Neuheit reicht es aber noch. Da es f\u00fcr den einzelnen K\u00e4ufer ohnehin unm\u00f6glich ist, alles auf einmal zu konsumieren, harmonieren solche modischen Abl\u00f6sungsprozesse recht gut mit seinem Budget und seinen Kapazit\u00e4ten. Der Hinweis, den Malcolm Cowley erstmals f\u00fcr die US-amerikanischen 20er Jahre gab \u2013 dass einige Maximen der Boheme einem expandierenden Konsumg\u00fctersektor nicht abtr\u00e4glich sind \u2013, l\u00e4sst sich darum best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>Dennoch bleibt fraglich, ob die angesprochene Neuerung der Boheme zugeordnet werden kann. Schlie\u00dflich ging es ihr um eigene kreative, ungew\u00f6hnliche Werke und Lebensweisen, nicht um den Konsum von Dingen. Die Boheme f\u00fcr einen vergr\u00f6\u00dferten und beschleunigten Umschlag an Konsumg\u00fctern verantwortlich zu machen, geht deshalb zu weit. Konzedieren muss man allerdings, dass die Neigung der Boheme zu Spontank\u00e4ufen, zu gelegentlicher, gerne auch kreditgest\u00fctzter Verschwendung als Signum des Unb\u00fcrgerlichen sich auf l\u00e4ngere Sicht gut in eine moderne Konsumwirtschaft einpasst.<\/p>\n<p>Falls Bohemiens heute sich vor der Diagnose bzw. dem Vorwurf sch\u00fctzen wollen, sie bef\u00f6rderten die kapitalistische Warenwirtschaft, bleibt ihnen ein einfacher Weg: Sie m\u00fcssen sich lediglich an ihre alte Methode, aus der \u00e4rmlichen Not eine Tugend zu machen, erinnern. Um dem Vorwurf zu entgehen, d\u00fcrfen sie also die Boheme-Tugend nicht in dem Konsum und der Verfertigung (angeblicher) origineller Dinge und Events entdecken \u2013 und auch nicht in einer exaltierten Konsumweise. Stattdessen m\u00fcssen sie weitgehend auf den Kauf von Waren verzichten. Dadurch entgehen sie nicht nur dem Konsumismus, sondern k\u00f6nnen ebenfalls dem Lohnerwerb entfliehen \u2013 auch dem in den Betrieben der sog. kreativen Klasse \u2013, der n\u00f6tig ist, wenn man sich eine breitere Palette an Waren leisten m\u00f6chte. Dass der Verzicht darauf nicht l\u00e4nger \u2013 wie zu den Zeiten Murgers \u2013 mit Hunger und K\u00e4lte bezahlt werden muss, tr\u00e4gt wohl kaum zur geringeren Attraktivit\u00e4t der M\u00f6glichkeit bei.<\/p>\n<p>Nicht mehr zur\u00fcckgreifen kann man freilich auf die hoch attraktive Annahme, ein \u00e4rmlicher Lebensstil sei innerhalb der Boheme ein Ausweis f\u00fcr ein besonders gro\u00dfes kreatives Verm\u00f6gen. Mindestens genauso schwer wiegt ein weiterer Verlust: Wenn man in Reihen der Boheme keineswegs mehr sicher sein kann, dass die eigenen kreativen Werke vom B\u00fcrger zur\u00fcckgewiesen und vom Markt ferngehalten werden, dann stehen notwendigerweise alle eigenen Artefakte, Handlungen und Stilformen unter Verdacht, dem Warenkonsum Vorschub zu leisten. Dies mag die Freude an der Kreativit\u00e4t nachhaltig tr\u00fcben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Murger, Henri: Boheme. Szenen aus dem Pariser K\u00fcnstlerleben [\u00dcbersetzung von \u201eSc\u00e8nes de la Vie de Boh\u00e8me\u201c (1951)], Stuttgart: Reclam 1967, S. 77.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Ebd., S. 381.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Ebd., S. 275.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Bab, Julius: Die Berliner Boh\u00e8me [Artikelserie, Berliner Volkszeitung, 1904; zuerst als Buch ver\u00f6ffentlicht: 1904], Paderborn: Igel-Verlag 1994, S. 46, 8.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Kreuzer, Helmut: Die Boheme. Analyse und Dokumentation der intellektuellen Subkultur vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Stuttgart: Metzler Verlag 1968, S.43.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Ebd., S. 146ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Ebd., S. 148.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Ebd., S. 152.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> H. Murger: Boheme, S. 16f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> H. Kreuzer: Boheme, S. 155ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Cowley, Malcolm (1976): Exile\u2019s Return. A Literary Odyssey of the 1920s [1934; rev. Aufl. 1951]. New York u.a., S. 53.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Ebd., S. 60f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Ebd.: S. 61f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Ebd.: S. 62.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Ebd.: S. 64.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Ebd.: S. 65.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Frank, Thomas: \u201eWhy Johnny Can\u2019t Dissent\u201c [in: The Baffler, 1995], in: Ders.\/Matt Weiland (Hg.), Commodify Your Dissent. Salvos from The Baffler, New York und London: Norton 1997, S. 32.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Ebd.: S. 34.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Ebd.: S. 33.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Frank, Thomas: \u201eAlternative to What?\u201c [in: \u201eThe Baffler\u201c, 1993], in: Ders.\/Matt Weiland (Hg.), Commodify Your Dissent. Salvos from The Baffler, New York und London: Norton 1997, S. 151.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Brooks, David: Bobos in Paradise. The New Upper Class and How They Got There [2000], New York: Simon &amp; Schuster 2004, S. 84ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Ebd.: S. 43.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Florida, Richard: \u201eBohemia and Economic Geography\u201c, in: Ders., Cities and the Creative Class, New York und London: Routledge 2005, S. 115f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Florida, Richard: The Flight of the Creative Class. The New Global Competition for Talent. New York: Collins 2007, S. 55.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Florida, Richard: The Rise of the Creative Class. And How It\u2019s Transforming Work, Leisure, Community and Everyday Life, New York: Basic Books 2002, S. 74.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Ebd., S. 69.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Ebd., S. 44.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Ebd., S. 31.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Ebd., S. 168.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> Ebd., S. 182.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> Ebd., S. 184f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> Ebd., S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref33\" name=\"_ftn33\">[33]<\/a> Ebd., S. 191.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref34\" name=\"_ftn34\">[34]<\/a> H. Kreuzer: Boheme, S. 45.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref35\" name=\"_ftn35\">[35]<\/a> Seigel, Jerrold: Bohemian Paris. Culture, Politics, and the Boundaries of Bourgeois Life, 1830-1930, Baltimore und London: Viking 1986, S. 5.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref36\" name=\"_ftn36\">[36]<\/a> Ebd., S. 11.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref37\" name=\"_ftn37\">[37]<\/a> Gra\u00f1a, C\u00e9sar: Bohemian versus Bourgeois. French Society and the French Man of Letters in the Nineteenth Century, New York und London: Basic Books 1964, S. 67.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Bab, Julius (1994): Die Berliner Boh\u00e8me [Artikelserie, Berliner Volkszeitung, 1904; zuerst als Buch ver\u00f6ffentlicht: 1904], Paderborn.<\/p>\n<p>Brooks, David (2004): Bobos in Paradise. The New Upper Class and How They Got There [2000], New York.<\/p>\n<p>Florida, Richard (2002): The Rise of the Creative Class. And How It\u2019s Transforming Wor, Leisure, Community and Everyday Life, New York.<\/p>\n<p>Florida, Richard (2005): \u201eBohemia and Economic Geography\u201c, in: Ders., Cities and the Creative Class, New York und London, S. 113-128.<\/p>\n<p>Florida, Richard (2007): The Flight of the Creative Class. The New Global Competition for Talent, New York.<\/p>\n<p>Frank, Thomas (1997a): \u201eWhy Johnny Can\u2019t Dissent\u201c [in: The Baffler, 1995], in: Ders.\/Matt Weiland (Hg.), Commodify Your Dissent. Salvos from The Baffler, New York und London, S. 31-45.<\/p>\n<p>Frank, Thomas (1997b): \u201eAlternative to What? \u201c [in: \u201eThe Baffler\u201c, 1993], in: Ders.\/Matt Weiland (Hg.), Commodify Your Dissent. Salvos from The Baffler, New York und London, S. 145-161.<\/p>\n<p>Gra\u00f1a, C\u00e9sar (1964): Bohemian versus Bourgeois. French Society and the French Man of Letters in the Nineteenth Century, New York und London.<\/p>\n<p>Kreuzer, Helmut (1968): Die Boheme. Analyse und Dokumentation der intellektuellen Subkultur vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Stuttgart.<\/p>\n<p>Murger, Henri (1967): Boheme. Szenen aus dem Pariser K\u00fcnstlerleben [\u00dcbersetzung von \u201eSc\u00e8nes de la Vie de Boh\u00e8me\u201c (1951)], Stuttgart.<\/p>\n<p>Seigel, Jerrold (1986): Bohemian Paris. Culture, Politics, and the Boundaries of Bourgeois Life, 1830-1930, Baltimore und London.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Transcript Verlags.<\/p>\n<p>N\u00e4here Angaben zum Sammelband, in dem der Aufsatz erschienen ist, <a title=\"verlagsseite transcript\" href=\"http:\/\/www.transcript-verlag.de\/978-3-8376-2865-4\/konsum-und-kreativitaet\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wassertrinker<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[364,478,1270,1296],"class_list":["post-5382","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-boheme","tag-creative-class","tag-konsum","tag-kreative-klasse"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5382","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5382"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5382\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5382"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5382"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5382"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}