{"id":5505,"date":"2016-03-05T12:29:57","date_gmt":"2016-03-05T10:29:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=5505"},"modified":"2016-03-05T12:29:57","modified_gmt":"2016-03-05T10:29:57","slug":"social-media-maerzvon-niklas-barth-und-elke-wagner5-3-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2016\/03\/05\/social-media-maerzvon-niklas-barth-und-elke-wagner5-3-2016\/","title":{"rendered":"Social Media M\u00e4rzvon Niklas Barth und Elke Wagner5.3.2016"},"content":{"rendered":"<p>Erhitzte \u00d6ffentlichkeit<em> \u2013 <\/em>zur medialen Transformation \u00f6ffentlicher Kommunikation auf Facebook<\/p>\n<p><!--more --><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">1. Ein Verfall der digitalen \u00d6ffentlichkeit?<\/p>\n<p>In der Fr\u00fchphase des Internets wurden digitale \u00d6ffentlichkeiten noch als telematisches Pfingstwunder gefeiert. Den Grundtenor der \u00f6ffentlichen Debatte um digitale \u00d6ffentlichkeiten bildete dabei das Lob auf vernetzte Kommunikationssysteme: Erst im Medium des Computers wird es m\u00f6glich, die Vorteile schwacher Netzwerke zu nutzen und Teilpublika, die vorher unvernetzt nebeneinander existierten, zusammenzuf\u00fchren. Diese fast selbstverst\u00e4ndliche Euphorie scheint heute verflogen.<\/p>\n<p>Netzkommunikation wird heute eher als das irrationale W\u00fcten eines digitalen <em>P\u00f6bels <\/em>wahrgenommen, der das Internet als Ort des kollektiven Ressentiments missbrauche, ja seinen Leidenschaften und sogar seinem ungehemmten Hass dort freien Lauf lasse. Diesem digitalen P\u00f6bel gehe gerade jene <em>rationale Distanz<\/em> ab, die der b\u00fcrgerliche \u00d6ffentlichkeitsdiskurs seit jeher als Bedingung der M\u00f6glichkeit gelungener \u00f6ffentlicher Diskursivierung veranschlagt. Und tats\u00e4chlich hat diese Diagnose ja auch einige Plausibilit\u00e4t, wenn man sieht, wie sich der Ton im Zuge der Fl\u00fcchtlingskrise in den sozialen Netzwerken radikalisiert hat.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/03\/1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-5501\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/03\/1.jpg\" alt=\"1\" width=\"820\" height=\"461\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/03\/1.jpg 820w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/03\/1-300x169.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/03\/1-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 820px) 100vw, 820px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Abb. 1: \u201e<a title=\"website perlen aus freital\" href=\"https:\/\/perlen-aus-freital.tumblr.com\/\" target=\"_blank\">Perlen aus Freital<\/a>\u201c<\/p>\n<p>Auf Hinarbeiten des Justizministers Heiko Maas hat Facebook nun eine Task-Force ins Leben gerufen, um effektiver gegen Hassbotschaften und Volksverhetzung in seinem Netzwerk vorzugehen. Und Angela Merkel hat Mark Zuckerberg h\u00f6chstpers\u00f6nlich auf einer UNO-Veranstaltung das Versprechen abgenommen, sich gegen menschenverachtende Parolen auf Facebook einzusetzen. Die Debatte um digitale \u00d6ffentlichkeiten ist also auch auf dem Radar der Politik aufgetaucht.<\/p>\n<p>Aber nicht nur das. Folgt man den <em>P\u00f6bel<\/em>-Diagnosen, dann zehrt die Logik des Internetkommentars nicht nur die diskursiven Ressourcen einer b\u00fcrgerlichen \u00d6ffentlichkeit aus \u2013 sie habe sich vielmehr selbst bereits in die Logik des Politischen eingeschrieben. Der Erfolg des Rechtspopulismus in Europa, das Erstarken der AfD in Deutschland oder Figuren wie Donald Trump in den USA werden in dieser Lesart zum Symptom einer Gesellschaft, die in den digitalen Kommentarspalten eine neue thymotische Spannung ein\u00fcbt.<\/p>\n<p>Die Amadeu-Antonio-Stiftung, die f\u00fcr die F\u00f6rderung einer demokratischen Debattenkultur im Netz zusammen mit Facebook arbeitet, empfiehlt gegen \u201eHate-Spech\u201c etwa Checklisten und Tests (wie den 3-D Test gegen Antisemitismus), die helfen sollen, wie man demokratisch-produktive und grundrechtlich verb\u00fcrgte Meinungsbekundungen von demokratisch-unproduktiven oder rechtlich nicht mehr gedeckten Hassbotschaften unterscheiden k\u00f6nne. Das mag politisch opportun sein, oder es sich vielleicht auch etwas zu einfach machen. Es sieht in jeden Fall an dem Punkt vorbei, dass die b\u00fcrgerliche Form der \u00d6ffentlichkeit selbst ein hoch voraussetzungsreicher Medieneffekt ist. Der Diskurs um digitale \u00d6ffentlichkeiten im Web 2.0 operiert in weiten Teilen mit einem statischen Begriff von \u00d6ffentlichkeit, der oftmals schon vor aller Analyse wei\u00df, was ein \u00f6ffentliches Datum ist \u2013 und was nicht. Dieser Beitrag versucht deshalb einen anderen Weg einzuschlagen. Dazu nimmt er die kommunikative Herstellung von \u00d6ffentlichkeit im Medium der SNS Facebook <em>empirisch<\/em> in den Blick.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li style=\"text-align: center\">Eine mediale \u201eInversionswetterlage\u201c: Erhitze \u00d6ffentlichkeit \u2013 erkaltete Privatheit<\/li>\n<\/ol>\n<p>Anhand von Interviews und Online-Ethnographien, die im Rahmen des DFG-Projekts &#8218;\u00d6ffentlichkeit und Privatheit 2.0&#8216; (Wagner\/Stempfhuber) entstanden sind, wollen wir schematisch zeigen, wie sich im Medium des Netzwerks der Status des \u00d6ffentlichen ver\u00e4ndert. Wir sprechen von einer Art \u201aInversionswetterlage\u2018 von \u00d6ffentlichkeit und Privatheit, die sich unter digitalen Bedingungen beobachten l\u00e4sst. Die Achsen, entlang derer \u00f6ffentliche bzw. private Kommunikation an die Metapher der K\u00e4lte bzw. W\u00e4rme bisher historisch gekoppelt war, scheinen sich vor dem allt\u00e4glichen Horizont sozialer Netzwerke zu verschieben:<\/p>\n<p>Die Kommunikation einer literalen Privatheit der \u201eErgie\u00dfung des Herzens\u201c (Habermas 1990: 107ff), die sich paradigmatisch in der b\u00fcrgerlichen Briefkommunikation des 17. und 18. Jahrhunderts niederschl\u00e4gt, erlebt ein mediales \u201eErkalten\u201c. Der kommunikative Stil des Briefs der Empfindsamkeit entschl\u00fcsselt sich nach einem Code der W\u00e4rme, der authentische Verbundenheit inszenierte, um mediale Distanzen zu \u00fcberbr\u00fccken.<\/p>\n<p>Albrecht Koschorke (1999) sieht die Bedingungen f\u00fcr eine Rhetorik der Innerlichkeit in der b\u00fcrgerlichen \u201eUmwertung der Einsamkeit\u201c, die mit der Literalisation dieser Tr\u00e4gerschicht einherging. Wenn Koschorkes Argument damit einsetzt, dass der b\u00fcrgerliche Briefeschreiber vor allem einsam in seinem Zimmer sitzt und schreibt, dann setzt unser Argument damit ein, dass der post-b\u00fcrgerliche Netzwerker dabei immer schon mit unterschiedlichen Publika <em>connected<\/em> ist. Die \u201eUmwertung der Einsamkeit\u201c produzierte einen Sprache, \u201edie N\u00e4he suggeriert und eine Sprache der Distanzlosigkeit freigibt.\u201c (Koschorke: 1999, S.195) Die <em>Umwertung der Vernetzung, <\/em>so lie\u00dfe sich f\u00fcr Schreibpraktiken der Privatheit im Medium Facebook dann formulieren, k\u00fchlt Formen privater Kommunikation herunter, die stets mit dem bestimmten Ausschluss unbestimmter Publika konfrontiert ist.<\/p>\n<p>Statt offener Gef\u00fchlsinszenierungen im Netz (oder aber einem demonstrativen R\u00fcckzug in die Romantik der Offline-Welt) zeichnen sich im Web 2.0 durchaus sehr private Praktiken des Sich-Entziehens, der Ironie, der Distanz oder des \u201eZwischen-den-Zeilen-Schreibens\u201c (Strauss: 2009) ab, mit denen auf die permanente Vernetztheit in SNS reagiert wird. Wir haben die Funktionalit\u00e4t von kalten Praktiken der Privatheit vor dem Hintergrund digitaler Medienkulturen an anderer Stelle ausgearbeitet (vgl. Barth\/Wiestler: 2015).<\/p>\n<p>Dieser Beitrag bringt nun das Argument vor, dass sich im Zuge dieser \u201eInversionswetterlage\u201c auch das klassisch strenge Bild einer \u201ekalten\u201c \u00d6ffentlichkeit im Sinne eines zwanglosen Zwangs des besseren Arguments (Habermas) oder auch der distanzierten und taktvollen \u00f6ffentlichen Geste (Plessner) zu \u201eerhitzen\u201c scheint, indem sich auf Facebook kollektive Praktiken der Affektivit\u00e4t, Authentizit\u00e4t und Intensit\u00e4t abzeichnen. Der kulturkritische oder demokratietheoretisch-normative Diskurs digitaler \u00d6ffentlichkeiten kann diese Praktiken dann zwar als Schrumpfformen einer b\u00fcrgerlichen \u00f6ffentlichen Praxis entlarven, er kann sie jedoch nicht als medien\u00e4bh\u00e4ngige Normalform \u00f6ffentlicher Diskursvierung beschreiben.<\/p>\n<p>Die heuristische Kontrastfolie f\u00fcr die Transformation \u00f6ffentlicher Kommunikation auf SNS bilden dabei die klassischen \u00d6ffentlichkeitstheorien Helmut Plessners und J\u00fcrgen Habermas\u02bc. Wir m\u00f6chten und k\u00f6nnen das im Folgenden nur in aller K\u00fcrze andeuten und auch auf die Darstellung der methodischen Vorgehensweise sowie des medientheoretischen Unterbaus weitgehend verzichten.<\/p>\n<p>Helmut Plessner konzipiert \u201a\u00d6ffentlichkeit\u2018 als theatrale Misstrauenswelt gegen\u00fcber den Zumutungen anwesender K\u00f6rper, die in den nachrevolution\u00e4ren Zeiten der Weimarer Republik mit ihren Gemeinschaftssehns\u00fcchten auf die Stra\u00dfe dr\u00e4ngen. Diesem \u201eIdeal einer gl\u00fchenden Gemeinschaft.\u201c (Kracauer 1990, S.269) stellt Helmut Plessner seine Verhaltenslehren der Distanz entgegen. Die \u00f6ffentliche Person solle sich gerade nicht mit ihren Befindlichkeiten in die \u00d6ffentlichkeit wagen, sondern als Duellsubjekt in der kalten R\u00fcstung von Takt, Diplomatie und Formalit\u00e4t auftreten (vgl. Plessner 2001).<\/p>\n<p>Die Metaphern der R\u00fcstung und der Maske verweisen bereits darauf, dass Plessner sein \u00d6ffentlichkeitskonzept am Medium des K\u00f6rpers eng f\u00fchrt. In der hitzigen Atmosph\u00e4re der Weimarer Republik und nach den Wirren des Ersten Weltkrieges dr\u00e4ngen mit dem Vitalismus der Jugendbewegung, den rechtsradikalen Putschversuchen (Kapp-Putsch; Hitler-Putsch) und den linksextremistischen Umsturzversuchen (Rote Ruhrarmee) gerade radikalisierte K\u00f6rper auf die Stra\u00dfe, um sich als politische \u201eGemeinschaft des Blutes\u201c zu formen (vgl. Fischer 2002, S.136). Gegen dieses Fieber der politischen Gemeinschaftszumutungen bringt Plessner seine \u201eVerhaltenslehren der K\u00e4lte\u201c in Stellung (vgl. Lethen 1994, S.75ff.). F\u00fcr Plessner tritt in der Arena der \u00d6ffentlichkeit eine reflexive Person auf die B\u00fchne, die in stetem Alarmzustand um Grenzziehungen und Affektkontrolle bem\u00fcht ist.<\/p>\n<p>J\u00fcrgen Habermas konzipiert die b\u00fcrgerliche \u00d6ffentlichkeit weniger als eine Arena affektiver K\u00f6rper als vielmehr eine Gr\u00fcnde-Welt der philosophischen Unterredung und des gelehrten Artikels. Dabei zielt sein Konzept deliberativer Demokratie darauf, die Vernunftpotentiale der Moderne in deren kommunikative Verfl\u00fcssigung hin\u00fcber zu retten. Zwar entsteht hier vor dem Hintergrund des Medienverbundes der Buchkultur ein leidenschaftlich sich selbst thematisierendes b\u00fcrgerliches Publikum. Habermas regulative Idee der der Diskursethik, die auf die erfolgreiche Mehrung der Arenen und Kan\u00e4le \u00f6ffentlicher Kommunikation regiert, k\u00fchlt dann aber einen lesenden Blick herunter, der \u00d6ffentlichkeit gerade als Austausch vern\u00fcnftiger Argumente begreift (vgl. Habermas 1981). Debatten sollen gerade nicht aus moralischem Affekt heraus kochen, sondern durch den Filter der Diskursethik <em>vern\u00fcnftig<\/em> temperiert werden.<\/p>\n<p>Indem wir \u00d6ffentlichkeit an der W\u00e4rme\/K\u00e4lte-Metapher engf\u00fchren, behaupten wir keineswegs historische Tiefensch\u00e4rfe, noch wollen wir in der unscharfen Abgrenzung von Medienepochen Differenzen tilgen, Kontinuit\u00e4ten unterschlagen oder die Unterscheidung als Form der Kulturkritik einf\u00fchren (vgl. Lethen: 1987). Es geht uns auch nicht darum, eine Gesellschaftsdiagnose in toto zu stellen. Die moderne Gesellschaft kennt unz\u00e4hlige Kontexte, in denen die \u00f6ffentliche Praxis auf dem Austausch vern\u00fcnftiger Argumente oder auf Formen distanzierter Theatralit\u00e4t beruht.<\/p>\n<p>Es geht uns vielmehr darum, \u00fcber die Heuristik des Vergleichs einen Bruch sichtbar zu machen, der auf ein kontextspezifisches Problem \u00f6ffentlicher Kommunikation im Medium des Netzwerks verweist. Der Beitrag verspricht, die kommunikativen Ermergenzmechanismen des \u00d6ffentlichen auf der SNS Facebook empirisch zu rekonstruieren. Wie \u00e4ndern sich die <em>Formen<\/em> von Kommunikation, wenn sich die <em>Medien <\/em>\u00e4ndern, mit der eine Gesellschaft Kommunikation organisiert (vgl. Baecker: 2007)?<\/p>\n<p>Dieser Eigensinn der Medien wird heute, in Zeiten einer \u201etechnologischen Sinnverschiebung\u201c (H\u00f6rl 2011, S.7), aus unterschiedlichen Perspektiven nochmals prominent betont, sei es von Seiten der Medientheorie, der <em>Digital Humanities<\/em>, der <em>Interface- <\/em>und<em> Software Studies<\/em> oder der <em>Actor-Network-Theory<\/em>. Das soziale Netzwerk, das \u00f6ffentliche, wie private Kommunikationspraktiken zwischen den Nutzern vermittelt, ist dann nicht einfach nur ein passives Element der Kommunikation, sondern generiert eine Art kommunikativen Eigensinn. Medien pr\u00e4gen unser Verst\u00e4ndnis davon, was wir \u00fcberhaupt als privat und was als \u00f6ffentlich erfahren, sie wirken operativ Wirklichkeit konstituierend und zeitigen Komplexit\u00e4tseffekte, die kommunikativ erst wieder eingeholt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Kommunikation auf SNS steht vor dem (analogen) Problem, das Verh\u00e4ltnis von \u00d6ffentlichkeit und Privatheit jeweils f\u00fcr den Moment neu zu justieren. Den medialen Rahmen f\u00fcr die kommunikativen Vexierspiele bildet die Tatsache, dass \u00fcber die Plattform zun\u00e4chst zwar unbestimmte Publika angesprochen werden k\u00f6nnen (vgl. Wagner\/Stempfhuber 2014), dass aber ein ganz bestimmtes Publikum <em>anders<\/em> angesprochen werden soll als wiederum ein anderes. Die spezifische Medialit\u00e4t des Netzwerks Facebook moduliert die Unterscheidung von \u00d6ffentlichkeit und Privatheit. Wir fragen deshalb nach den generativen Effekten des Mediums auf die \u00f6ffentliche Diskursivierungspraxis: \u00fcber welche Erz\u00e4hl- und Darstellungsweisen wird die \u00d6ffentlichkeit auf Facebook sichtbar? Welche Sprecherpraxis und welche Diskurspraxis entstehen hierbei? Und wie verh\u00e4lt sich diese Diskurspraxis zu herk\u00f6mmlichen (b\u00fcrgerlichen) Formen von \u00d6ffentlichkeit?<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li style=\"text-align: center\">Erhitzte \u00d6ffentlichkeit 2.0 \u2013 authentische Sprecher und kollektive Erregung<\/li>\n<\/ol>\n<p>Digitale \u00d6ffentlichkeiten geraten heute deshalb in den Fokus der Kritik, weil sie sich ihrer gesellschaftlichen Integrationsfunktion geradezu entziehen und nicht mehr diejenige Adresse im sozialen Raum simulieren k\u00f6nnen, der es gelingt, als Arena gesellschaftliche Konflikte zu fungieren. Es ist gerade das \u201eFehlen eines \u00f6ffentlichen Raums der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft mit ihrem Wunsch nach dem einen legitimen Geschmack, der einen legitimen Lebensform, der einen sozialmoralischen Intuition und der Vereinheitlichung politischer Konfliktlinien\u201c (Nassehi 2014), an der der \u00f6ffentlichkeitssoziologische Diskurs das Scheitern \u00f6ffentlicher Diskursvierungspraxis auf SNS festmacht. Die im Folgenden pr\u00e4sentierten Ergebnisse zeigen jedoch empirisch, dass deren Nutzer gerade nicht daran scheitern, \u00d6ffentlichkeit herzustellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">3.1 <em>\u201eDie Taktung ist total hoch\u201c <\/em><em>\u2013 <\/em>\u00d6ffentlichkeit im Durchlauferhitzer des Netzwerks<\/p>\n<p>In der Tradition b\u00fcrgerlicher \u00d6ffentlichkeit wird \u00f6ffentliche Rede in Anschluss an Kant als Vernunftgebrauch eines <em>Gelehrten<\/em> vor der <em>Leserwelt<\/em> konzipiert (vgl. H\u00f6lscher 1998). Dazu haben sich eigens spezielle Sprecherrollen ausgebildet, die die Besonderheit der \u00f6ffentlichen Sph\u00e4re verdeutlichen sollen: neben dem \u201eGelehrten\u201c, treten vor allem der \u201eIntellektuelle\u201c, der \u201eBerufspolitiker\u201c und der \u201eJournalist\u201c mit guten Gr\u00fcnden auf die \u00f6ffentliche B\u00fchne (vgl. Wagner 2011).<\/p>\n<p>Mit Blick auf elektronische Massenmedien und digitale \u00d6ffentlichkeiten wurde vielfach beschrieben, dass sich die Figur des \u201eProsumers\u201c diesen Sozialfiguren des \u00d6ffentlichen hinzugesellt (vgl. Reichert 2008). Dieser aktive Medienkonsument h\u00e4lt Informationsnetzwerke dar\u00fcber am Laufen, indem er selbst stetig Information in das Netzwerk einspeist. Die \u00f6ffentliche Laienrolle wird aufgewertet, die Expertise des besseren Arguments zu partiellen Sprechkulturen symmetrisiert. Ein Nutzer beschreibt mit Blick auf seine Nutzungspraxis gerade die gestiegenen Partizipationsgrade an \u00f6ffentlicher Kommunikation:<\/p>\n<p><em>\u201e<\/em>(\u2026) und da kann dann jeder wieder irgendwie was zu sagen. Und des entwickelt sich dann irgendwie ganz (Pause) also es nimmt v\u00f6llig unabsehbare \u00e4hm (Pause) Entwicklungen an dann. Da kann dann wieder jeder mitmachen irgendwie. Und dann spricht man \u00fcbers Land pl\u00f6tzlich irgendwie und dann wieder \u00fcber die Stadt und dann ist man da und da (Pause).\u201c (A-5, Z. 211-215)<\/p>\n<p>Digitale \u00d6ffentlichkeiten entwickeln, so steigt unser Nutzer ein, also kommunikative Fliehkr\u00e4fte, die sich vom Zentrum autoritativer Sprecherrollen hin zu einer <em>partizipativen Masse<\/em> bewegen. \u201eJeder k\u00f6nne irgendwie mitmachen\u201c \u2013 und am Ende spricht man \u00fcber dies und das, ist pl\u00f6tzlich \u201eda und da\u201c.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeit auf Facebook entspringt dabei einer eigent\u00fcmlichen Dynamik \u2013 in dem uns vorliegenden empirischen Material entsteht sie oftmals \u00fcber einen evolution\u00e4ren Mechanismus. Die Erz\u00e4hlung betont also gerade die Evolution des Netzwerks selbst. Die Nutzer auf Facebook sehen sich damit einem Publikum gegen\u00fcber, das sich immer weiter differenziert. Netzwerke affizieren Netzwerke, was wiederum nicht zu einer einmal stabilen Form der Kontaktierung f\u00fchrt, sondern die Vernetzungspraktik immer weiter fortsetzt. Das Netzwerk etabliert deshalb ein dynamisches Verh\u00e4ltnis sozialer Offenheit und Geschlossenheit, indem es eine unbestimmte, zeitlich nicht still gestellte \u00d6ffentlichkeit erzeugt.<\/p>\n<p>Die algorithmisch gesteuerte Struktur des Newsfeeds auf Facebook bringt anhand stetig neuer Nachrichten in Text, Bild und Ton \u00d6ffentlichkeiten in Form von Kommunikationswellen hervor, die \u2013 schnell geliked, geteilt oder kommentiert werden \u2013 oder auch einfach ungesehen wieder versiegen. Die Erz\u00e4hlungen unser Nutzer zielen nun gerade auf eine durch das Netzwerk erzeugte Halbwertszeit kommunikativer Offerten ab:<\/p>\n<p>\u201eWeil das Medium sehr, als sehr schnellen benutzt wird. Also ich denke mal, die durchschnittliche L\u00e4nge von nem Kommentarpost, wo wird die liegen? Bei vielleicht drei S\u00e4tzen.\u201c (I-NB-5, Z. 30-32).<\/p>\n<p>\u201e(\u2026.) also ich w\u00fcrde sagen, ich benutze das ganz stark also so\u2019n, das hat auch wirklich nur ne ganz, ganz kurze Halbwertszeit, also was gestern bei Facebook passiert ist, ist heute schon wieder total egal. \u00c4hm, das hat schon so den, ich glaube dieses Witze, Spr\u00fcche, trifft es ganz gut, es ist pointiert, ich kann mir aber auch nichts davon kaufen, dass ich da gestern was Gutes gemacht habe. Die Taktung ist total hoch und das ist sozusagen alles, was ich dann tats\u00e4chlich, worauf ich mich festnageln m\u00fcsste morgen rechtfertigen m\u00fcsste, was morgen dann wieder interessant sein k\u00f6nnte, ist eigentlich nichts, was ich in dem Medium Facebook interessant finde, oder was ich gern diskutiere oder gerne lese auch. Also so grade dieser Szepanski z.B., das gibt meinen Aufmerksamkeit gar nicht her, das ist schon so\u2019n runter scrollen durch den Newsfeed, schnell was lesen oder man liest nur zwei Zeilen, klickt drauf, klickt nicht drauf, (\u2026)\u201c (I-NB-3, Z. 281-296)<\/p>\n<p>Die Logik des Verbreitungsmediums, so der Nutzer, l\u00e4uft gewisserma\u00dfen hei\u00df. Die Dynamik der Startseite auf Facebook pr\u00e4gt die dortige Diskursivierungspraxis auf ganz spezifische Weise. Sie f\u00fchrt eine zeitliche Taktung ein, die der langwierigen diskursiven Suche nach dem besseren Argument entgegen l\u00e4uft. Papacharissi und Oliviera beschreiben diese kommunikative Dynamik sozialer Netzwerke als \u201eaffective news streams\u201c (Papacharissi\/Oliviera 2012). Indem die Eigenzeit dieser news streams ihre Nutzer affiziert, also unter Zugzwang setzt, zeitigt sie auch Effekte auf die kommunikative Ordnung.<\/p>\n<p>\u201eUnd dann dadurch eben so, dass es schnell lesbar ist, pr\u00e4gnant ist, so taktak, dadurch verschwinden nat\u00fcrlich halt alle Inhalte. So kann man ja keinen Diskurs f\u00fchren. \u00dcber ein komplexes Thema.\u201c (I-NB-5, Z. 6-7).<\/p>\n<p>Anstatt \u00fcber den zwanglosen Zwang des besseren Argumentes gute Gr\u00fcnde zu verknappen, stellt sich im Durchlauferhitzer des Netzwerks vielmehr eine Multiplikation von Sprechern und kommunikativen Offerten ein. Die Logik des Verbeitungsmediums wirkt beschleunigend auf Kommunikationspraktiken und l\u00e4uft gewisserma\u00dfen hei\u00df. Das l\u00e4sst Praktiken des hitzigen Kommentierens an die Stelle vern\u00fcnftiger Deliberation treten. Anstatt sich in reservierter Zur\u00fcckhaltung zu \u00fcben, wird diese Form erhitzter \u00f6ffentlicher Teilhabe geradezu erwartet.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">3.2 <em>\u201e<\/em><em>Das ist bei mir so ziemlich emotionsgeladen\u201c<\/em> \u2013 \u00f6ffentliche Befindlichkeitskommunikation<\/p>\n<p>Einerseits er\u00f6ffnen SNS einen hybriden Raum zwischen \u00d6ffentlichkeit und Privatheit. Im lose gekoppelten Netzwerk sind damit ganz heterogene Teil\u00f6ffentlichkeiten inkludiert. Andererseits bilden sich eher hermetisch anmutende Nischen des \u00d6ffentlichen innerhalb des Netzwerkes aus, die \u00fcber spezifische Ein und Ausschlie\u00dfmechanismen operieren. Beobachten l\u00e4sst sich insofern eine \u201eIntimisierung des \u00d6ffentlichen\u201c (Wagner 2014). Eine Userin f\u00fchrt zu diesen Exklusionspraktiken aus:<\/p>\n<p>\u201eJa obwohl, ich wei\u00df von einer, die haben paar Leute irgendwie blockiert oder verborgen, weil es die unglaublich genervt hat, dass die nur noch irgendwie Shanti Joga gepostet hat, also da kenn ich n paar, die die Person irgendwann geblockt haben, weil sie\u2019s nicht mehr ausgehalten haben, weil sie nur noch Zeugs von der kriegen.\u201c (I-NB-1, Z. 348-352)<\/p>\n<p>Dieser Interviewauszug impliziert mehrerlei: Einerseits wird deutlich, dass sich die \u00f6ffentliche Diskursivierung auf Facebook \u00fcber die Kommunikation pers\u00f6nlicher Informationen speist. Gerade dass die im Auszug kritisierte Nutzerin \u201enur noch irgendwie Shanti-Joga\u201c postet, wird der hier zitierten Nutzerin wiederum zu viel. Anderseits werden \u00fcber die Mechanismen des <em>Hidens <\/em>und <em>Blockens (Kontakte aus dem Newsfeed verbergen) <\/em>\u00d6ffentlichkeiten auf Facebook partikularisiert, indem derart private Nischen erzeugt werden. Diese intimisierten Nischen entstehen also gerade erst durch die Inklusions- und Exklusionspraktiken der Nutzer.<\/p>\n<p>Facebook erm\u00f6glicht nicht nur die Teilhabe von m\u00f6glichst vielen Freundschaftskontakten innerhalb eines Netzwerks. Es erm\u00f6glicht auch die spezifische Exklusion von Freundschaftskontakten, das hei\u00dft Netzwerk-Kontakte, die einmal als Freundschaftskontakte innerhalb eines Netzwerks akzeptiert wurden, k\u00f6nnen verborgen werden, so dass deren Postings nicht mehr auf der individuellen Startseite auf Facebook erscheinen.<\/p>\n<p>Der Begriff der \u201eFilter-Bubble\u201c, den Eli Pariser (2012) gepr\u00e4gt hat, stellt ebenso auf die technischen Verzerrungseffekte des \u00d6ffentlichen ab. Indem der Algorithmus den Nutzern nur solche Kommunikationsangebote unterbreitet, die sich aus ihren eigenen Pr\u00e4ferenzen ableiten, verenge sich \u00d6ffentlichkeit unbewusst immer mehr zu einer sich selbst reproduzierenden Blase. In der Sozialdimension erscheint dann ein \u00f6ffentlicher Universalismus im Sinne der allgemeinen Zug\u00e4nglichkeit nur mehr bedingt gegeben. Und in der Sachdimension scheitern diese intimisierten \u00d6ffentlichkeiten, so die Kritik, dann an der Herstellung kanonisierbarer Themen.<\/p>\n<p>Alltagsdiskurs wie Internetsoziologie begr\u00fc\u00dfen in den 90er Jahren zun\u00e4chst neue kulturelle Praxen digitaler \u00d6ffentlichkeiten emphatisch als deliberative Hoffnungstr\u00e4ger um bald darauf doch ihre Kurzlebigkeit und Oberfl\u00e4chlichkeit festzustellen. Gerade das partizipatorische Potential neuer Medientechnologien, so hat es f\u00fcr einen ganzen Diskurs stilpr\u00e4gend Kurt Imhof beschrieben (2011), bedinge keinen Automatismus, der zu gesteigerter Teilhabe im Sinn deliberativer \u00d6ffentlichkeit f\u00fchre; stattdessen verpuffe die eigentliche Diskursrelevanz durch den personalisierten Bias \u00f6ffentlicher Kommunikation immer mehr in oberfl\u00e4chlichen Affekten, denen gerade jene k\u00fchle, reflexive Distanz abgehe, die auch Plessner mit seinem \u00d6ffentlichkeitsmodell im Blick hatte.<\/p>\n<p>Richard Sennett hat die Intimisierung der \u00d6ffentlichkeit noch ohne Blick auf die Realit\u00e4t der Sozialen Netzwerk bereits zur Zeitdiagnose erhoben. Und auch die im Folgenden zitierte Nutzerin beschreibt \u00f6ffentliche Kommunikation auf Facebook gerade als eine emotionalisierte Kommunikation, die nicht reflexiv-k\u00fchl funktioniert, sondern affektiv-ad hoc strukturiert ist:<\/p>\n<p>\u201eJa, aber so viel denke ich da gar nicht dr\u00fcber nach, muss ich sagen. Das ist bei mir so ziemlich emotionsgeladen, ok was hei\u00dft emotionsgeladen, also sehr ad hoc, dass ich das sehe, mir gef\u00e4llt\u2019s und dann poste ich es, da \u00fcberlege ich nicht so sehr: mache ich das? Kommentiere ich es jetzt? Ich mach\u2019s und dann war\u2019s so. Da gibt es nicht so 2 Tage \u00fcberlegen, welches Foto poste ich aus dem Urlaub sowas, also (Pause).\u201c (I_NB_FB_1, Z357-362).<\/p>\n<p>Liest man diese Beschreibung ihrer Nutzungspraxis funktionalistisch n\u00fcchtern, so l\u00e4sst sich dabei keineswegs beobachten, dass die Nutzer daran scheitern w\u00fcrden, \u00d6ffentlichkeit herzustellen. Jedoch \u00e4ndert sich innerhalb der Medienkultur der Sozialen Netzwerke der Status, was als \u00f6ffentliches Datum gilt \u2013 und was nicht: gerade personalisierte Kommunikation scheint sich daf\u00fcr besonders zu bew\u00e4hren. Die Kulturkritik kapriziert sich aber vor allem auf jene Praxen der User, die an der b\u00fcrgerlichen Erwartung scheitern, <em>politische \u00d6ffentlichkeiten <\/em>herzustellen. Was man empirisch jedoch auf SNS wie Facebook vorfindet, sind geradezu unterschiedliche \u201eKulturen des Kritischen\u201c (vgl. Wagner 2011), die zwar nicht mehr im b\u00fcrgerlichen Meinungsstreit aufgehen, aber auch nicht, wie dies Imhof problematisiert (2003), daran scheitern, sich als politische Inhalte an die Logik neuer Medien anzupassen. Am folgenden Bildausschnitt aus der Jugend-Kampagne gegen Feminismus auf der offiziellen Facebookseite der Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD) wird die Praxis g\u00e4ngiger Meinungsbekundung im Web 2.0 exemplarisch sichtbar:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/03\/2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5502 size-full\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/03\/2.png\" alt=\"2\" width=\"497\" height=\"742\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/03\/2.png 497w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/03\/2-201x300.png 201w\" sizes=\"auto, (max-width: 497px) 100vw, 497px\" \/><\/a><em>Abb. 2<\/em>: <a title=\"facebook JA\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/media\/set\/?set=a.220581474799061.1073741835.109330799257463\" target=\"_blank\">personalisierte Meinungsbekundungen<\/a><\/p>\n<p>Das selbstgew\u00e4hlte private Setting der Personen (z.B. Wohnzimmer) oder auch die selbstgeschriebenen Plakate zeigen, dass sich dauerhaft festgelegte und wom\u00f6glich autorit\u00e4re Sprecherrollen und Argumentationslinien einer \u201akalten\u2018 \u00d6ffentlichkeit von \u201amaskierten\u2018 Funktionstr\u00e4gern nach Plessner hier eher nicht erkennen lassen \u2013 prinzipiell kann sich jeder zu jedem Thema ganz pers\u00f6nlich \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>Insbesondere dient die Kommentarfunktion jeder Form von Bekundung der eigenen Meinung \u2013 von sachlicher Kritik \u00fcber pers\u00f6nliche Kleinkriege bis hin zu radikalen Allgemeinaussagen. Nicht die intellektuelle Pers\u00f6nlichkeit, das ver\u00f6ffentlichende Medium oder der kollektivit\u00e4tsstiftende Inhalt bilden einen dauerhaften Gradmesser f\u00fcr die \u00f6ffentliche Meinung. Auf der Facebookseite zerstreut sich die Vorstellung vom symmetrisierten Disput \u00fcber Wahrheitsfragen zum Austausch von Wahrnehmungsfragen. Statt der diskursethischen Verknappung von Argumenten \u00fcber ethische Diskursregelungen folgt die Logik einer steten Pluralisierung von Sprechkulturen, die allenfalls noch, wenn sie Gr\u00fcnde braucht, auf den differenten Ort ihrer authentischen Sprecher (z.B. die eigenen Erfahrungen) verweist. Durchaus skeptisch hebt der folgende Nutzer zur Kritik einer Art Wahrnehmungskultur auf Facebook an:<\/p>\n<p>\u201eAlso ich glaube nicht, dass da jemand in den Diskurs treten will und Erkenntnis zu Tage f\u00f6rdern will und Positionen schildern will [\u2026] diese breite aufgestellte Partizipationsm\u00f6glichkeit [\u2026] gibt die M\u00f6glichkeit, ne Befindlichkeit zu \u00e4u\u00dfern und sich selbst zu inszenieren f\u00fcr den Fragestellenden oder den Pseudobeitragenden\u201c(NB_I_3_Z48-50, 68-71)<\/p>\n<p>Die Erz\u00e4hlung problematisiert gerade die Form von Inszenierung \u00f6ffentlicher Kommunikation auf Facebook, die zu einer Art <em>Befindlichkeitskommunikation <\/em>gerinnt. Und tats\u00e4chlich treffen wir auf SNS nicht nur auf ver\u00e4nderte Sprecher, sondern auch auf einen ver\u00e4nderten Kommunikations<em>stil <\/em>des \u00d6ffentlichen, der je nach Kontext zwischen Emp\u00f6rung, Befindlichkeit und Entertainment switcht, in Trendwellen aufsch\u00e4umt oder aber auch nach kurzer Zeit wieder einfach verebbt.<\/p>\n<p>Folgen wir den weiteren Kommentaren zur AfD-Jugendkampagne, so scheint das Web 2.0 vor allem aber einen besonders attraktiven Raum f\u00fcr alternative Formen des Sprechens zu bieten, die weniger auf Argumente und Wissensfragen verweisen als auf Wahrnehmungsfragen und Emotionen. Die Unterscheidung von Performanz und Argument bricht hier vielmehr zusammen. Die Kommunikation von pers\u00f6nlicher Meinung und authentischer Befindlichkeiten wird nicht hinter einer \u00f6ffentlichen Maske, wie sie Plessner im Blick hatte, verborgen, sondern geradezu erwartet. Und die Wahrhaftigkeit der eigenen Weltsicht tritt dabei nicht in den Streit um Geltungsanspr\u00fcche ein, sondern dient selbst eher der Legitimation des Gesagten. Dabei l\u00e4sst sich ein Umschalten der Kommunikationslogik von Rationalit\u00e4t auf Authentizit\u00e4t beobachten. Statt vern\u00fcnftiger Argumente gen\u00fcgt es authentische Befindlichkeiten zu kommunizieren, um als \u00f6ffentlicher Sprecher sichtbar und geh\u00f6rt zu werden.<\/p>\n<p>\u00dcber individuelle emotionale Wahrnehmung und authentisches Gef\u00fchlserleben l\u00e4sst sich aber nur streiten, wenn man gleichzeitig unterstellt, dass etwas nicht wahrhaftig gemeint ist \u2013 dass etwas gef\u00e4llt oder authentisch erlebt wurde, kann aber nicht argumentativ mit Verweis auf besseres Wissen abgesprochen werden (vgl. Wagner 2011, S.181). Es kann dann nur noch moralisch abgelehnt werden.<\/p>\n<p>Das Medium des Netzwerks produziert somit selbst noch jenes Hitzemomentum, von dem es zehrt. Einerseits wird damit authentische Kommunikation zu einer legitimen \u00f6ffentlichen Ausdrucksform. Andererseits zieht dies dann Formen affektiv-moralischer Ablehnung nach sich, die sich in der hei\u00df laufenden Befindlichkeitskommunikation auf SNS niederschl\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00a03.3 \u201e<em>Mir macht es auch mal Spa\u00df dann rumzupoltern<\/em>\u201c \u2013 agonistische Publika<\/p>\n<p>\u00d6ffentliche Diskurse flottieren dabei nicht frei im Netzwerk, sondern entz\u00fcnden sich an bestimmten Hosts, wie \u00f6ffentlichen Personen oder \u00f6ffentlichen Nachrichtenseiten. Auf Facebook haben sich \u201eexponierte Pers\u00f6nlichkeiten\u201c etabliert, oftmals Journalisten, die es verm\u00f6gen, die Fliehkr\u00e4fte des Netzwerks zu b\u00fcndeln, indem sie als Gatekeeper f\u00fcr erh\u00f6hte Sichtbarkeit im Newsfeed sorgen. Damit leiten sie einen universalen Diskurs an, an dem sich jeder qua Freundschaftsanfrage oder Abonnement beteiligen kann. Gleichzeitig stellt sich auf diesen \u00f6ffentlichen Seiten jedoch ein kommunikativer Effekt ein, der einen universalen Diskurs eher karikiert. Ein anderer User berichtet weniger von vern\u00fcnftigen Diskursen als vielmehr von \u201eFacebook-Dramen\u201c, die sich innerhalb der \u00f6ffentlichen Diskussion auf der Social Network Site abspielen. Diskurse auf Facebook scheinen geradezu zu \u201eKleinkriegen\u201c hei\u00df zu laufen.<\/p>\n<p>\u201eNee, mm. Also da jetzt irgendwie zum Beispiel, wenn so ein Facebook-Drama ist zwischen irgendwelchen Leuten \u2013 das lese ich mir dann durch und dann ist man schon so versucht, irgendwie was drunter zu schreiben. Da denk ich mir so: nee. Das ist nicht mein Ding Schr\u00e4gstrich Niveau, auf Facebook irgendwelche Kleinkriege auszuf\u00fchren. (I: Mhm, mhm.) A: Das finde ich total d\u00e4mlich so. Wenn mich jemand nervt, dann wird eher geblockt oder ignoriert, oder ich \u00fcberlese es halt dann.\u201c (I_3_Z. 20-27)<\/p>\n<p>Hier st\u00f6\u00dft die Erz\u00e4hlung selbst auf die affektive Dynamik der \u00f6ffentlichen kommunikativen Praxis, die sich in den Kommentarspalten auf Facebook entspinnt. Der hier zitierte Nutzer versucht sich dem universalen Facebook-Drama immer wieder zu entziehen, er rechnet jedoch auch stets damit. Ein anderer User gesteht in seiner Erz\u00e4hlung zu, an dieser Form der taktlosen \u00f6ffentlichen Kommunikationspraxis teilzuhaben, ja sie in gewisser Art sogar zu sch\u00e4tzen:<\/p>\n<p>\u201eIch glaube, wenn ich jetzt von mir ausgehe, kommentiere ich am h\u00e4ufigsten in folgender Form: ich sehe ein Reizthema, schaue mir die Kommentare an und wenn ich merke, es hat so\u2019n Mobcharakter, so, die Kommentare sind alle etwa gleich und in nem haarstr\u00e4ubenden Deutsch geschrieben, dann g\u00f6nne ich mir den Spa\u00df und ich wei\u00df auch, dass es vollkommen \u00fcberfl\u00fcssig ist, und ich g\u00f6nne mir den Spa\u00df, dass ich dazwischen funke und dann irgendwas bissiges dazu schreibe und ja Argumentationen zerpfl\u00fccke oder es zumindest versuche, aber wie gesagt, definitiv nicht konstruktiv, sondern polemisch.\u201c (I-NB-9, Z. 136-143)<\/p>\n<p>\u201eIch nehms eher als (Pause), wie soll ich das jetzt sagen, das ist halt ein Ventil der kollektiven Enthemmung. Ja, also ganz viele Leute nutzen das, um mal die Sau rauszulassen. Ich m\u00fcsste l\u00fcgen, wenn ich sagen w\u00fcrde, ich bin da v\u00f6llig gefeit davon, ja. Also ich hab\u2019s schon angedeutet: mir macht es auch mal Spa\u00df dann rumzupoltern. Das stimmt schon.\u201c (I-NB-9, Z. 191-195).<\/p>\n<p>Die Erz\u00e4hlung dieses Nutzers kn\u00fcpft den Einstieg in die \u00f6ffentliche kommunikative Praxis gerade an \u201eReizthemen\u201c. Durchaus reflektiert wird dabei auch der Kontext der \u00f6ffentlichen \u00c4u\u00dferung miteinkalkuliert, der aus dem Kommunikationsstil bereits Informationen \u00fcber den zu erwartenden \u201eMobcharakter\u201c zieht. Was aber gerade nicht erwartet wird, ist, dass sich dort ein \u201eGespr\u00e4ch\u201c entspinnt. Die Erfahrung des Nutzers weist darauf hin, dass es v\u00f6llig normal zu sein scheint, \u201ekeine Antwort zu bekommen\u201c. Gerade \u201eDiskussionen\u201c seien, so der Nutzer, auch auf den Seiten der klassischen Printmedien geradezu unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>Selbst dort, wo man einen n\u00fcchternen Kommunikationsstil erwarten w\u00fcrde, bei \u201eJournalisten und Publizisten\u201c, die der User abonniert hat, finden sich diese Praktiken der \u201ekollektiven Enthemmung\u201c. Nun besteht aber in diesem \u201eMobcharakter\u201c der Kommunikation f\u00fcr den Nutzer gerade der Antrieb f\u00fcr die \u00f6ffentliche Diskursivierungspraxis. Eine gewisse \u201ePolemik\u201c, das \u201eRumpoltern\u201c, auf das der Nutzer abhebt, versteht er zwar durchaus als Spa\u00df, es ist aber auch als Kommunikationsversuch zu lesen, selbst \u00d6ffentlichkeit zu erzeugen. Er \u201efunkt\u201c dann dazwischen, l\u00e4sst sich hinrei\u00dfen, bleibt also gerade nicht k\u00fchl-distanziert.<\/p>\n<p>Die Kommunikationslogik, auf die der Nutzer hier abhebt, ist nicht die des Takts, der Diplomatie und der distanzierten \u00f6ffentlichen Geste oder des argumentativen Austauschs. Es ist vielmehr die Logik einer hitzigen Affektivit\u00e4t. \u00d6ffentlichkeit entz\u00fcndet sich hier f\u00f6rmlich an diesem Kommunikationsstil, den es selbst noch hervorbringt. Unter der Pr\u00e4misse einer modernen Diskurs\u00f6ffentlichkeit im b\u00fcrgerlichen Stil sollen Debatten ja nun gerade nicht \u201ekochen\u201c, sondern Diskursmacht verfl\u00fcssigen und auf den \u201ezwanglosen Zwang des besseren Arguments\u201c (Habermas 1972, S.137) \u201aherunterk\u00fchlen\u2018. Die User auf Facebook sind jedoch in keiner Weise irritiert, wenn Offerten zum (politischen) Streit auftauchen. Sie scheitern nicht daran \u00d6ffentlichkeit herzustellen, sondern nutzen \u00fcber die Praktiken des <em>Hatens<\/em>, <em>Flamens<\/em> und <em>Trollens <\/em>die bewusste kommunikative Sabotage diskursiver Prozesse als diskursive Ressource.<\/p>\n<p>Diese neuen Labels bezeichnen dabei allesamt Praktiken, die von affektiv-emotionaler Befindlichkeitskommunikation bis hin zur offenen Aggression reichen (vgl. McCosker 2013). Die Ergebnisse zeigen nun, dass es weit gefehlt w\u00e4re, diese Formen affektiver Befindlichkeitskommunikation nur als Schrumpfform des \u00d6ffentlichen zu entlarven, sondern stellen vielmehr deren Funktion f\u00fcr die kommunikative Ordnungsbildung heraus.<\/p>\n<p>McCosker beschreibt die provokative Praxis des <em>Trollens<\/em> in Anlehnung an Chantal Mouffe als eine produktive Form \u201eagonistischer \u00d6ffentlichkeitsbildung.\u201c (McCosker 2013, S.215) Die Funktion dieser bisweilen giftig bis hasserf\u00fcllten Kommunikationspraktiken, die McCosker in den Kommentarspalten zu YouTube-Videos von Naturkatastrophen analysiert, liegt dann gerade darin, kompetitiv-aggressive Reaktionen hervorzurufen, die zwar nicht selten genauso giftig ausfallen, aber eben dennoch \u201eexpressive tools\u201c darstellen, um in einem \u201eagonistic contest\u201c mit anderen \u00d6ffentlichkeit zu erzeugen.<\/p>\n<p>Falsch w\u00e4re es also, den Verlauf der Befindlichkeitskommunikation automatisch als irritativen Moment zu verstehen, mit dem man nicht gerechnet hat oder der daran scheitern w\u00fcrde, \u00d6ffentlichkeit kommunikativ herzustellen. Diese Formen <em>agonistischer Kommunikation <\/em>werden von den Nutzern, so legen es unsere Ergebnisse nahe, vielmehr einkalkuliert und halten die Praxis des \u00d6ffentlichen geradezu aufrecht. Statt Argumente diskursethisch zu verknappen, multiplizieren sich Sprecherpositionen vielmehr zu <em>agonistischen Publika<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">3.4 <em>\u201eEin wildes Biest ohne Namen\u201c<\/em> \u2013 partizipative Massen<\/p>\n<p>Als Beschreibungsfolie f\u00fcr diese kommunikativen Formen \u201ekollektiver Enthemmungen\u201c hat sich in der \u00d6ffentlichkeit das Label der \u201eShitstorms\u201c prominent etabliert. Mit Gabriel Tarde l\u00e4sst sich diese affektive Dynamik \u00f6ffentlicher Diskursivierung nun als hitzige massenhafte Kommunikation lesen. Anhand der Figur der Masse zeigt Tarde, wie man sich Nachahmungsprozesse in energetischen Metaphern vorstellen kann:<\/p>\n<p>\u201eEine Masse ist ein seltsames Ph\u00e4nomen: Sie ist eine Versammlung heterogener Elemente, die sich gegenseitig unbekannt sind; aber sobald ein Funke der Leidenschaft entstanden ist, der von einem ihrer Elemente ausgeht, wird dieses Durcheinander elektrisiert; auf diese Weise findet ein spontaner und pl\u00f6tzlicher Organisationsproze\u00df statt. Die Inkoh\u00e4renz wird koh\u00e4rent, der L\u00e4rm wird zur Stimme, und die Tausende eng zusammengepferchten Leute verwandeln sich in nichts anderes als eine einzige Bestie, ein wildes Biest ohne Namen, das mit einer unaufthaltsamen Finalit\u00e4t seinem Ziel entgegenstrebt.\u201c (Tarde, zitiert nach St\u00e4heli 2009, S. 401)<\/p>\n<p>An Gabriel Tardes Begriff der Masse lassen sich nun nicht nur Parallelen zu digitalen Massen ausmachen, sondern auch ein entscheidender Unterschied. Einerseits \u201eelektrisiert\u201c sich auch das Netzwerk, so legen es die Erz\u00e4hlungen unserer Nutzer nahe, gewisserma\u00dfen von selbst. Im Prozess \u00f6ffentlicher Diskursivierung entsteht ein kommunikatives Durcheinander, ja L\u00e4rm, der sich am \u201eFunken der Leidenschaft\u201c entz\u00fcndet.<\/p>\n<p>Tarde stellt nun gerade auf die Irrationalit\u00e4t der Masse ab, wenn er beschreibt, wie der \u201eL\u00e4rm zur Stimme\u201c und die Masse zum \u201ewilden Biest ohne Namen wird\u201c. Andererseits findet in diesem \u201eW\u00fcten\u201c digitaler Massen aber ja gerade kein \u201eOrganisationsprozess\u201c statt, der aus der Eigendynamik gleichzeitig pr\u00e4senter K\u00f6rper entsteht. Susanne L\u00fcdemann weist in diesem Zusammenhang auf eine Pr\u00e4senz der Masse hin, \u201edie hier und jetzt stattfinden muss, um wirklich zu sein\u201c (L\u00fcdemann 2014, S.106). Die digitale Masse individueller User ist aber gerade nicht auf Pr\u00e4senz und nicht auf einen gemeinsamen Zweck hin ausgerichtet \u2013 sie besitzt weder Finalit\u00e4t noch Zweck, geschweige denn Koh\u00e4renz in einem artikulierten \u201eWir\u201c strategischen Handelns.<\/p>\n<p>Fragt man jedoch nochmals bei den Nutzern nach, so ist dort dennoch von regelrechten Emp\u00f6rungswellen die Rede, die aus dem Nichts losgetreten werden, sich \u201espontan organisieren\u201c und tats\u00e4chlich auf ein diffuses Ziel hin verdichten. Ein User berichtet etwa von dem Fall des Moderators \u201eMarkus Lanz\u201c, dessen Karriere bei der ZDF-Sendung \u201eWetten Dass\u2026?\u201c durch einen Shitstorm im Internet beeintr\u00e4chtigt wurde:<\/p>\n<p>Kucken wir uns mal diese Petition an zu Markus Lanz, wei\u00dfte noch? Als der in seiner Talkshow, als Wetten-Dass begann und in seiner Talkshow, da wurde der ja wie die letzte Sau durchs Dorf getrieben. Und irgendwann gab\u2019s dann ne \u00f6ffentliche Petition an die \u00f6ffentlichen Rundfunkanstalten, Markus Lanz abzusetzen. Wie krass ist das denn? Da unterschreiben mehrere 10.000 Leute in diesem Petitionsformular mit Namen, Adresse usw. stehen also namentlich daf\u00fcr ein, dass ein Mensch Schei\u00dfe ist. (I_NB_FB_4, Z85-91)<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich die Idee des personenorientierten Shitstorms an die klassische Petition als Kritikmedium anschmiegt, gesellen sich neben derlei erhitzten Echauffierungspraxen nicht selten auch sogenannte candystorms als Flut an Solidarit\u00e4ts-, Beileids- oder Supportbekundungen. Entscheidend ist nun daran nur, dass Shit- wie Candystorm einerseits auf einen emotionalisierten und personalisierten \u00f6ffentlichen Kommunikationsstil hindeuten. Und andererseits, dass sie sich gerade als massenhafte Praktiken der Nachahmung beschreiben lassen.<\/p>\n<p>Gemeinhin versteht man Shitstorms als unkontrollierte Ausw\u00fcchse der affektiven Enthemmung und damit stets wiederum als St\u00f6rvariable der Kommunikation. In dieser Lesart werden die kommunikativen Wellen, die ein Shitstorm ausl\u00f6st, heute ja tats\u00e4chlich als das massenhafte W\u00fcten eines \u201ewilden Biests ohne Namen\u201c wahrgenommen. Zum einen \u00e4hnelt diese p\u00f6belnde digitale Masse den radikalisierten, auf die Stra\u00dfe dr\u00e4ngenden Massen, die Helmut Plessner im Blick hatte. Zum anderen erinnert der kommunikative Wildwuchs dieser <em>Shitstorms<\/em>, der sich eher an der Irrationalit\u00e4t der eigenen Befindlichkeit statt an der Rationalit\u00e4t des gedruckten Wortes orientiert, nat\u00fcrlich an Habermas Verdikt \u00fcber die modernen Massenmedien. Die Realit\u00e4t der elektronischen Massenmedien entspricht nicht seinen Anspr\u00fcchen an politische \u00d6ffentlichkeit, sondern gerinnt eher zu dem \u201egedankenlosem gro\u00dfen Haufen\u201c, von dem schon Kant in seiner Aufkl\u00e4rungsschrift sprach.<\/p>\n<p>Der \u201eWildwuchs\u201c im Netz (Habermas 2008, S.159f), l\u00e4sst sich mit Habermas h\u00f6chstens als \u201eEinbruch des Massenhaften\u201c lesen, \u00f6ffentlichkeitstheoretisch aber nicht wirklich ausbuchstabieren: hier funktioniert Masse stets nur als das Andere der \u00d6ffentlichkeit. Die Einheit einer legitimen \u00d6ffentlichkeit differenziert sich hier in die un\u00fcberschaubaren Publika der <em>Massen<\/em>medien aus. Gerade die <em>partizipative Masse<\/em> an neuen Sprecherpositionen wird dann zum Lackmus-Test gelungener \u00f6ffentlicher Diskursivierung.<\/p>\n<p>Der \u00d6ffentlichkeits-Diskurs verwirft diese Massen heute gerne als irrationales W\u00fcten eines digitalen <em>P\u00f6bels. <\/em>Digitalen Massen gehe gerade jene <em>rationale Distanz<\/em> ab, die der \u00d6ffentlichkeitsdiskurs als Bedingung der M\u00f6glichkeit gelungener \u00f6ffentlicher Diskursiverung veranschlagt. Und er steht damit gewisserma\u00dfen in fachkonstituierender historischer Tradition, denn die Masse war f\u00fcr die Soziologie seit jeher ein \u201esoziales Dissoziationsprodukt\u201c, ein \u201eamorphes, undifferenziertes, strukturloses Gebilde\u201c und damit gar \u201cdas Andere der Ordnung\u201c (L\u00fcdemann 2014, S. 104f). Die <em>Unvernunft<\/em> der Masse wurde dabei stets als Gegenbegriff zur <em>Vernunft<\/em> der \u00d6ffentlichkeit gedacht. Gleichzeitig l\u00e4sst er aber empirische Substrate daf\u00fcr vermissen, welche Funktion der Masse f\u00fcr die Entstehung \u00f6ffentlicher Praktiken tats\u00e4chlich zukommt.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich erscheint uns heute auch die p\u00f6belnde <em>digitale Masse<\/em> wieder als ein seltsames Ph\u00e4nomen. Auch sie neigt zu \u201cfiebrigen Erregungen des Publikums\u2018 als einer Art \u00dcberhitzungseffekt (Tarde 2015, S. 54). Blicken wir auf die \u00d6ffentlichkeiten des Social Web, so finden wir tats\u00e4chlich Tardes turbulente Massen, \u201edie durch die Stra\u00dfe marschieren und schreiend irgend etwas hochleben lassen oder zu Tode verw\u00fcnschen\u201c (Tarde 2015, S. 18). Als Beschreibung dieser affektiven Nachahmungsprozesse hat sich hierf\u00fcr der Verweis auf die <em>Viralit\u00e4t<\/em> von Netzwerken etabliert. Die Metapher hebt dabei vor allem auf den Mechanismus der unbewussten massenhaften Ansteckung ab, durch die sich \u00d6ffentlichkeit herstellt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/03\/3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5503\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/03\/3-300x238.png\" alt=\"3\" width=\"350\" height=\"278\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/03\/3-300x238.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/03\/3.png 686w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/03\/4.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5504\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/03\/4-252x300.png\" alt=\"4\" width=\"300\" height=\"357\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/03\/4-252x300.png 252w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/03\/4.png 398w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Abb. 3 und 4:<\/em> Das Publikum als virales Netzwerk<\/p>\n<p>In den obigen Abbildungen stellt gerade das Weiterleiten von Kommunikationsofferten (als Ansteckungspraxis) die entscheidende \u00f6ffentliche Involvierung dar. Die beiden Screenshots, aber auch die aktuell im August 2015 anschwellenden Aufrufe zur Solidarit\u00e4t und Hilfe f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge und die massenhafte Kritik der ver\u00fcbten rechtsradikalen Brandanschl\u00e4ge auf Fl\u00fcchtlingsheime stehen dabei exemplarisch f\u00fcr das Entstehen massenhafter \u00d6ffentlichkeiten. Sie verweisen auf die Simultaneit\u00e4t virtueller Meinungsbekundungen und \u00f6rtlicher politischer Agitation (Hardt\/Negri 2004), die sich in viralen Wellen verbreitet.<\/p>\n<p>Legt man die oben genannten kulturkritischen Beschreibungen funktionalistisch tiefer, so l\u00e4sst sich dennoch nicht daran vorbeisehen, dass man sich die \u00f6ffentliche Diskursvierung auf Facebook oftmals als einen Prozess der Elektrisierung vorstellen muss, bei dem Netzwerke Netzwerke massenhaft affizieren. \u00d6ffentlichkeit auf Social Network Sites charakterisiert sich deshalb \u00e4hnlich wie die Masse durch \u201edie Spontaneit\u00e4t ihrer Bildung, durch die Ansteckung einer Emotion, die einen Passanten nach dem anderen erfa\u00dft.\u201c (Tarde, zitiert nach St\u00e4heli 2009, S. 403) Das Prinzip der affektiven Nachahmung wird hier zum Emergenzmechanismus des \u00d6ffentlichen.<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li style=\"text-align: center\">Fazit: Ein medialer Klimawandel des \u00d6ffentlichen<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die These des Beitrags ist es, dass sich im Medium des Netzwerks die Achsen verschieben, entlang derer historisch \u00d6ffentlichkeit jeweils um den W\u00e4rme\/K\u00e4lte-Pol gekoppelt war und damit eine Art Klimawandel des \u00d6ffentlichen hervor bringt. L\u00e4sst sich die b\u00fcrgerliche \u00f6ffentliche Praxis als vern\u00fcnftige und distanzierte Kommunikation beschreiben, so werden im medialen Kontext der sozialen Netzwerke vielmehr \u00f6ffentliche Kommunikationspraktiken der hitzigen Affektivit\u00e4t funktional.<\/p>\n<p>Gerade die soziologische Klassik hat diese Medialit\u00e4t des \u00d6ffentlichen stets betont. Der Strukturwandel der \u00d6ffentlichkeit ist dabei nicht von seinem medientheoretischen Argument zu trennen, denn den Anfangspunkt dieses Struktur<em>wandels<\/em> bildet gerade ein <em>Medien<\/em>wandel. Erst \u00fcber die neuen medialen Praktiken des Brief- und Tagebuchschreibens wurde eine neue Form von b\u00fcrgerlicher Innerlichkeit einge\u00fcbt: \u201eBriefe schreibend entfaltet sich das Individuum in seiner Subjektivit\u00e4t.\u201c (Habermas: 1990, S.113)<\/p>\n<p>Und umgedreht sind es gerade die privaten Lesegewohnheiten durch die ein \u00f6ffentliches an der Rationalit\u00e4t des Arguments orientiertes Diskutieren auf Augenh\u00f6he erst salonf\u00e4hig wird. Als kommunikative Infrastruktur entstehen im \u00dcbergang vom Modell der repr\u00e4sentativen \u00d6ffentlichkeit zur b\u00fcrgerlichen \u00d6ffentlichkeit kleine Lesegesellschaften in den architektonisch neuen Salons. Inwiefern \u00e4ndert sich das Verh\u00e4ltnis von \u00d6ffentlichkeit und Privatheit mit der Umstellung von Literazit\u00e4t auf Digitalit\u00e4t?<\/p>\n<p>In der Diskussion um digitale \u00d6ffentlichkeiten ist dieser konstitutive Status des Medialen jedoch vermehrt zu Gunsten von Krisendiagnosen des \u00d6ffentlichen gewichen. Diese kulturkritischen Positionen arbeiten in all ihrer Disparatheit stets mit einem emphatischen Begriff des \u00d6ffentlichen, der schon vor aller Analyse wei\u00df, was ein \u00f6ffentliches Datum ist \u2013 und was nicht. Der analytische Vorteil unseres Beitrags besteht demnach darin, die Praktiken des \u00d6ffentlichen in ihrer Emergenz herausarbeiten zu k\u00f6nnen, statt sie vor aller Empirie bereits in ihrer Form vorauszusetzen.<\/p>\n<p>Unsere empirischen Ergebnisse zeigen, dass die \u00f6ffentliche Praxis des temperierten deliberativen Austauschs und der taktvoll-distanzierten Geste <em>erhitzt<\/em>. Das soziale Netzwerk erzeugt private Nischen\u00f6ffentlichkeiten, die stets aufeinander bezogen bleiben, sich wechselseitig beobachten und irritieren k\u00f6nnen. Innerhalb dieser <em>intimate publics<\/em> treffen dann authentische Sprecher aufeinander, die oftmals weder vern\u00fcnftig diskutieren, noch selbstreflexiv in Distanz zu sich gehen, sondern vielmehr eine Form affektiver Befindlichkeitskommunikation als erhitzte \u00f6ffentliche Praxis inszenieren.<\/p>\n<p>Plessner stellt \u00d6ffentlichkeit am Medium des <em>K\u00f6rpers<\/em> scharf, J\u00fcrgen Habermas hingegen im Medium <em>guter Gr\u00fcnde<\/em>. Im Medium des <em>Netzwerks<\/em> finden wir auf SNS nun erhitzte \u00f6ffentliche Praktiken der Authentizit\u00e4t. Der repr\u00e4sentative Funktionstr\u00e4ger Helmut Plessners, der mit der Ehre seines Namens, mit Takt und Diplomatie als formelles Duellsubjekt auf die \u00f6ffentliche B\u00fchne tritt, wird zum teilweise anonymen Netzb\u00fcrger, der sich informell emp\u00f6rt und polemisiert, sich dabei affizieren l\u00e4sst und die gemeinschaftliche N\u00e4he einer elektrisierten Masse sucht.<\/p>\n<p>Der sachliche argumentierende \u00f6ffentliche Sprecher J\u00fcrgen Habermas&#8216; wird dabei zum authentischen Sprecher, dem es weniger um Wahrheitsfragen als um Wahrnehmungsfragen geht und der selbst die Sabotage diskursiver Regeln als diskursive Ressource begreifen kann. Indem das Netzwerk alle zu legitimen Sprechern demokratisiert, transformiert es jenen erhitzten kommunikativen Stil mit, der einer deliberativen \u00f6ffentlichen Praxis geradezu entgegenl\u00e4uft. Das hei\u00dft jedoch nicht, dass die \u00f6ffentliche Praxis des Argumentierens oder der distanzierten Geste auf SNS g\u00e4nzlich verschwindet. Es verschiebt sich nur der Ort \u2013 und zwar ins Private. Dies zeigen abschlie\u00dfend nochmals die folgenden zwei Interviewausz\u00fcge:<\/p>\n<p>\u201eIch halte das auch f\u00fcr komplette Zeitverschwendung mittlerweile einen Artikel von Spiegel Online zum Beispiel zu kommentieren, das ist eine totale Ersatzhandlung. Ich k\u00f6nnte nicht behaupten, dass da irgendeine Form von Diskurs entsteht, also es gibt ja was sehr interessant ist, diese Metaseiten auf Facebook, die ja nur noch sozusagen diese Kommentare als Screen-Shots ver\u00f6ffentlichen, das reicht dann schon, dann wei\u00df man eigentlich alles. Dann zieht man sich, um das politische Argument \u00f6ffentlich wieder hervorzubringen, zieht man sich eigentlich wieder in spezifische Gruppen oder private Zirkel zur\u00fcck. Also es wird nicht in der Arena, auf dem Marktplatz vorgetragen, sondern an dem gemeinsamen Tisch.\u201c (I-NB-9, Z. 228-237)<\/p>\n<p>\u201eAlso doch ich w\u00fcrde schon ganz klar sagen, dass ist mir tats\u00e4chlich zu privat, das m\u00f6chte ich nicht in so nem Kreis diskutieren, ich w\u00fcrde aber auch sagen, dass es da gar nicht so funktioniert, sowas zu diskutieren, also es h\u00e4tte \u00fcberhaupt keinen Sinn, ne ernsthafte politische Meinung zu vertreten&#8230; .\u201c (I-N-B-3_261-264)<\/p>\n<p>Den \u00f6ffentlichen Austausch von Argumenten h\u00e4lt der eine Nutzer f\u00fcr \u201ekomplette Zeitverschwendung\u201c. F\u00fcr den anderen Nutzer ist das Vertreten einer \u201eernsthaften politischen Meinung\u201c tats\u00e4chlich zu privat. Das \u201epolitische Argument\u201c, so der Nutzer, wird dann gerade nicht mehr in der Arena des Netzwerks, sondern vielmehr am \u201egemeinsamen Tisch\u201c vorgetragen.<\/p>\n<p>In Bezug auf \u00d6ffentlichkeit f\u00fchrt diese Praxis zu einer Entwicklung, die der Gestalt einer b\u00fcrgerlichen \u00d6ffentlichkeit geradezu entgegenzulaufen scheint. W\u00e4hrend auf den \u00f6ffentlichen Seiten des Netzwerks affektive Befindlichkeitskommunikation authentischer Sprecher einge\u00fcbt wird, entwickeln sich<em> gleichsam aus der Mitte der \u00f6ffentlichen Sph\u00e4re<\/em> wieder private Zirkel, die unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit in geschlossenen Foren und Gruppen diskutieren und dort \u201eintime \u00d6ffentlichkeiten\u201c (Wagner 2014) des deliberativen Austauschs hervorbringen. Das l\u00e4sst die beiden letzten Zitate dann fast schon als eine Parodie auf den Strukturwandel der \u00d6ffentlichkeit lesbar werden, den J\u00fcrgen Habermas im Blick hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>5. Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Barth, N. \/ Wiestler, D. (2015): Erkaltete Privatheit, erhitzte \u00d6ffentlichkeit. Politische Teilhabe und Lebensexperimente auf Social Network Sites, in: Ackermann, U. (Hg.): Selbstbestimmung oder Fremdbestimmung. Soziales Leben im Internet. Humanities Online. S. 15-33.<\/p>\n<p>Baecker, D. (2007): Studien zur n\u00e4chsten Gesellschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp.<\/p>\n<p>Habermas, J. (1981): Theorie des kommunikativen Handelns. Frankfurt am Main: Suhrkamp. 2Bd.<\/p>\n<p>Habermas, J. (1990): Strukturwandel der \u00d6ffentlichkeit. Frankfurt am Main: Suhrkamp.<\/p>\n<p>Habermas, J. (2008): Hat die Demokratie noch eine epistemische Dimension? In: ders., Ach, Europa. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 138-191.<\/p>\n<p>Habermas, J. (2013a): Im Sog der Technokratie. Kleine politische Schriften XII, Berlin: Suhrkamp.<\/p>\n<p>Han, B.- C. (2013): Im Schwarm<em>.<\/em> Berlin: Matthes &amp; Seitz.<\/p>\n<p>H\u00f6lscher, T. (1998): \u00d6ffentliche R\u00e4ume in fr\u00fchen griechischen St\u00e4dten. Heidelberg: Winter Verlag.<\/p>\n<p>H\u00f6rl, E. (2011): Die technologische Bedingung. Berlin: Suhrkamp.<\/p>\n<p>Imhof, K. (2003): Politik im &#8217;neuen&#8216; Strukturwandel der \u00d6ffentlichkeit. In: A. Nassehi &amp; M. Schroer, Hrsg. Der Begriff des Politischen. Sonderband 14 der Sozialen Welt. Baden-Baden: Nomos. S. 401-418.<\/p>\n<p>Imhof, K. (2011): Die Krise der \u00d6ffentlichkeit. Kommunikation und Medien als Faktoren des sozialen Wandels. Frankfurt\/New York: Campus.<\/p>\n<p>Kracauer, S. (1990): Philosophie der Gemeinschaft, in: Ders.: Schriften, Aufs\u00e4tze (1915-1926), M\u00fclder Bach, I. (Hg.). Frankfurt am Main: Suhrkamp.<\/p>\n<p>Lethen, H. (1987): \u201eLob der K\u00e4lte. Ein Motiv der historischen Avantgarden\u201c, in: D. Kamper \/ W. van Reijen (Hrsg.), Die unvollendete Vernunft. Moderne versus Postmoderne, Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 282-324.<\/p>\n<p>Lethen, H. (1994): Verhaltenslehren der K\u00e4lte. Lebensversuche zwischen den Kriegen, Frankfurt am Main: Suhrkamp.<\/p>\n<p>L\u00fcdemann, S. (2014): Zusammenhanglose Bev\u00f6lkerungshaufen, aller inneren Gliederung bar. Die Masse als das Andere der Ordnung im Diskurs der Soziologie, in: BEHEMOTH. A Journal on Civilization 7, S. 103-117.<\/p>\n<p>McCosker, A. (2013): Trolling as provocation: YouTube&#8217;s agonistic publics, in: Convergence: The International Journal of Research into New Media Technologies, 12 September, S. 1-17.<\/p>\n<p>Nassehi, A. (2006): Der soziologische Diskurs der Moderne<em>.<\/em> Frankfurt am Main: Suhrkamp.<\/p>\n<p>Nassehi, A. (2014): Die Zurichtung des Privaten. Gibt es analoge Privatheit in einer digitalen Welt? In: Ders. (Hrsg.), Privat 2.0. Kursbuch 177. Hamburg: Murmann, S. 27-47.<\/p>\n<p>Pariser, E. (2012): The Filter Bubble: How the New Personalized Web Is Changing What We Read and How We Think. New York: Penguin.<\/p>\n<p>Papacharissi, Z. \/ de Fatime Oliveira, M. (2012): Affective News and Networked Publics: The Rhythms of News Storytelling on #Egypt. In: Journal of Communication 62, S. 262-288.<\/p>\n<p>Plessner, H. (2001): Grenzen der Gemeinschaft. Eine Kritik des sozialen Radikalismus (1924), Frankfurt am Main: Suhrkamp.<\/p>\n<p>Reichert, R. (2008): Amateure im Netz. Selbstmanagement und Wissenstechnik des Web 2.0, Bielefeldt: transcript.<\/p>\n<p>Reichert, R. (Hrsg.) (2014): Big Data. Analysen zum digitalen Wandel von Wissen, Macht und \u00d6konomie, Bielefeld: transcript.<\/p>\n<p>Rheingold, H. (2002): Smart Mobs. The next social revolution, Cambridge\/Mass: Perseus.<\/p>\n<p>Sennett, R. (2002): Verfall und Ende des \u00f6ffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimit\u00e4t, Frankfurt am Main: Suhrkamp.<\/p>\n<p>St\u00e4heli, U. (2009): \u00dcbersteigerte Nachahmung &#8211; Tardes Massentheorie, in: C. Borch \/ Ders. (Hrsg.), Soziologie der Nachahmung und des Begehrens. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 397-416.<\/p>\n<p>Strauss, L. (2009): Verfolgung und die Kunst des Schreibens, in: Hiepko, Andreas (Hrsg.), Kunst des Schreibens, Merve, S.23-51.<\/p>\n<p>Tarde, G. ( 1901\/2015): Masse und Meinung. Konstanz: Konstanz University Press.<\/p>\n<p>Thacker, E. (2009): Netzwerke &#8211; Schw\u00e4rme &#8211; Multitudes. In: Horn, E. \/ Gisi, L. M. (2009): Schw\u00e4rme &#8211; Kollektive ohne Zentrum., Schw\u00e4rme &#8211; Kollektive ohne Zentrum. Bielefeld: Transcript, S. 27-68.<\/p>\n<p>Wagner, E. (2011): Kulturen des Kritischen. Zum Strukturwandel des \u00d6ffentlichen am Beispiel medizinkritischer Publika, in: Soziale Systeme 17, S. 162-185.<\/p>\n<p>Wagner, E. (2014): Intimate Publics 2.0. In: K. Hahn (Hrsg.), E&lt;3Motion. Intimit\u00e4t der Medienkultur, Wiesbaden: Springer, S. 125-149.<\/p>\n<p>Wagner, E. \/ Stempfhuber, M. (2014): Die Omni-Pr\u00e4senz unbestimmter Publika. In: K. Hahn \/ M. Stempfhuber (Hrsg.), Pr\u00e4senzen 2.0. Medienkulturen im digitalen Zeitalter, Wiesbaden: VS Verlag, S. 185-204.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Prof. Dr. Elke Wagner und Niklas Barth arbeiten am <a title=\"website dfg-projekt\" href=\"http:\/\/www.blogs.uni-mainz.de\/fb02-publicprivate\/\" target=\"_blank\">DFG-Projekt<\/a> \u201e\u00d6ffentlichkeit und Privatheit 2.0. Die medialen Bedingungen der Praxis von Publika in Social Networking Sites\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erhitzte \u00d6ffentlichkeit \u2013 zur medialen Transformation \u00f6ffentlicher Kommunikation auf Facebook<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[701,926,1478,1700,1789],"class_list":["post-5505","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-facebook","tag-habermas","tag-masse","tag-oeffentlichkeit","tag-plessner"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5505","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5505"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5505\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5505"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5505"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5505"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}