{"id":5882,"date":"2016-06-04T17:41:45","date_gmt":"2016-06-04T15:41:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=5882"},"modified":"2016-06-04T17:41:45","modified_gmt":"2016-06-04T15:41:45","slug":"gesamtkunstwerk-und-gesamtkonsum-von-joerg-scheller4-6-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2016\/06\/04\/gesamtkunstwerk-und-gesamtkonsum-von-joerg-scheller4-6-2016\/","title":{"rendered":"Gesamtkunstwerk und Gesamtkonsum von J\u00f6rg Scheller4.6.2016"},"content":{"rendered":"<p>Zur materialistisch-\u00e4sthetischen Kultur<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">\u00a0[zuerst ver\u00f6ffentlicht in: <span id=\"fbPhotoSnowliftCaption\" class=\"fbPhotosPhotoCaption\"><span class=\"hasCaption\">Joseph Imorde\/Andreas Zeising (Hgg.), Wahn und Wirkung. Perspektiven auf Richard Wagner, Siegen: Universi Verlag, 2014<\/span><\/span>]<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Warum Richard Wagners antikapitalistische und antikonsumistische Anliegen in Kapitalismus und Konsumismus bestens \u201eaufgehoben\u201c sind \u2013 im doppelten Wortsinn<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Vorbemerkung<\/p>\n<p>In diesem Essay m\u00f6chte ich Richard Wagner zur Stichhaltigkeit seiner Konsum-, Kommerz- und Kapitalismuskritik befragen, auch wenn er mir nicht mehr antworten kann. Offen gestanden, bin ich dar\u00fcber nicht traurig, w\u00e4re die Diskussion doch sicherlich hitzig und letztlich ergebnislos verlaufen. Schlie\u00dflich wird es mir im Folgenden darum gehen, Wagner eine Komplizenschaft mit ebenjenen Ph\u00e4nomenen nachzuweisen, die er aus tiefster deutscher Seele verachtete oder zu verachten vorgab \u2013 Konsum, Kommerz, Betrieb, Oberfl\u00e4che.<\/p>\n<p>Anstatt Wagners Weltanschauung als gleichsam nat\u00fcrliches \u00c4quivalent seines k\u00fcnstlerischen Werks zu akzeptieren und ein pr\u00e4stabiliertes Verh\u00e4ltnis zwischen diesen zu unterstellen, gilt es, die Kluft zwischen Anspruch und Wirkung respektive Wirklichkeit zu vermessen.<\/p>\n<p>Wagners Gesamtkunstwerk, so die These, ist ein nie versiegender Quell f\u00fcr die \u00c4sthetik der Existenz in avancierten Konsumkulturen, die im Folgenden mit dem Neologismus \u201eGesamtkonsum\u201c umrissen wird. An diesem Quell laben sich selbst diejenigen Verfertiger kulturindustrieller Artefakte und Architekten konsumistischer Erlebniswelten, welche von seiner Existenz nichts wissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eTraulich und treu ist\u2019s nur in der Tiefe.\u201c Wagners Kommerzkritik<\/p>\n<p>Da sich Wagner wortgewandt als Zeitkritiker gerierte und sein Werk als Alternative zum prosaisch-kapitalistischen Kulturbetrieb insbesondere franz\u00f6sischer Pr\u00e4gung inszenierte, mochte es manchen Zeitgenossen und sp\u00e4teren Rezipienten scheinen, als umschiffe er tats\u00e4chlich die flachen Untiefen der Konsumkultur. Immer wieder gei\u00dfelte Wagner den Kommerz und die \u2013 seiner Ansicht nach \u2013 Selbstl\u00e4ufigkeit und K\u00e4uflichkeit des Kulturbetriebs.<\/p>\n<p>So blickte er in einer autobiographischen Skizze auf seine Zeit in Paris 1840-41 mit Abscheu zur\u00fcck: \u201eIn Paris hat kein K\u00fcnstler Zeit, sich mit einem andern zu befreunden, jeder ist in Hatz und Eile um seiner selbst willen.\u201c Hal\u00e9vy etwa sei \u201enur so lange von Enthusiasmus f\u00fcr seine Kunst entflammt gewesen, als es galt, einen gro\u00dfen Succe\u00df zu gewinnen: sobald dieser davongetragen und er in die Reihe der privilegirten Komponisten-Lions eingetreten war, hatte er nichts weiter im Sinne, als Opern zu machen und Geld daf\u00fcr einzunehmen.\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Von hier bis zum Antisemitismus als notorischem <em>sidekick<\/em> der Kapitalismus-, Kommerz- und Konsumkritik ist es nicht weit. In der zweiten, erweiterten Fassung von Wagners Aufsatz \u201eDas Judenthum in der Musik<span style=\"text-decoration: underline\">\u201c<\/span> von 1869 heisst es: \u201eDer Jude ist nach dem gegenw\u00e4rtigen Stande der Dinge dieser Welt wirklich bereits mehr als emancipirt: er herrscht, und wird so lange herrschen, als das Geld die Macht bleibt, vor welcher all unser Thun und Treiben seine Kraft verliert.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Geld verwandelte f\u00fcr Wagner alles in Oberfl\u00e4che \u2013 und Oberfl\u00e4che war f\u00fcr ihn der Gegensatz zur tiefsinnigen, innerlichen deutschen Kultur, die im <span style=\"text-decoration: underline\">Rheingold<\/span>, im Gesang der Rheint\u00f6chter, evoziert wird: \u201eTraulich und treu ist\u2019s nur in der Tiefe: \/ falsch und feig \/ ist was dort oben sich freut!\u201c Dort oben, da leben Menschen, die allen Ernstes glauben, dass Dinge n\u00fctzlich sein d\u00fcrften. Diese Menschen waren f\u00fcr Wagner undeutsch, bedeutete Deutschsein f\u00fcr ihn doch, \u201edie Sache, die man treibt, um ihrer selbst willen und der Freude an ihr willen treiben; wogegen das N\u00fctzlichkeitswesen, d.h. das Princip, nach welchem eine Sache des au\u00dferhalb liegenden pers\u00f6nlichen Zwecks betrieben wird, sich als undeutsch herausstellt.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Wagners Gleichsetzung des Judentums mit dem Kapitalismus und seine Gleichsetzung des Kapitalismus mit dem Untergang der authentischen deutschen \u201eKultur\u201c als Gegenpol zur inhumanen \u201eZivilisation\u201c, steht im unheilvollen Lichte dessen, was Bazon Brock wie folgt auf den Punkt brachte: \u201e[mit seinem Antisemitismus] hat Wagner das Programm Todespolitik als Welterl\u00f6sungsstrategie der Deutschen ein f\u00fcr alle Mal verbindlich festgehalten.\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Wagners Kulturkritik, die trotz seiner unbestrittenen Modernit\u00e4t als Komponist und Regisseur im Kern naiv-nostalgisch blieb, war ein \u201arectified readymade\u2018 aus der Fr\u00fchromantik. In Wackenroders und Tiecks \u201eHerzensergie\u00dfungen eines kunstliebenden Klosterbruders<span style=\"text-decoration: underline\">\u201c<\/span> aus dem Jahr 1796 begegnet man zahlreichen protowagnerianischen Postulaten wie: \u201eVergebens sucht man ihn [den edlen K\u00fcnstler] unter den K\u00fcnstlern unsrer Zeiten, welche wohl <em>auf sich eitel<\/em>, aber nicht <em>stolz auf ihre Kunst <\/em>sind\u201c oder: \u201eBilders\u00e4le werden betrachtet als Jahrm\u00e4rkte, wo man neue Waren im Vor\u00fcbergehen beurteilt, lobt und verachtet.\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Schon Goethe mokierte sich \u00fcber die Weltfremdheit und Pfaffenhaftigkeit dieser Auslassungen. Vor diesem Hintergrund sind Wagners Ressentiments nicht gerade originell.<\/p>\n<p>In Wagners fr\u00fcherem Bewunderer Friedrich Nietzsche reiften mit der Zeit nicht nur Zweifel am Antisemitismus als solchem,<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> sondern auch an der Glaubw\u00fcrdigkeit des kunstreligi\u00f6sen Wagner\u2019schen Gegenprogramms zur Markt-Moderne. Ein Schl\u00fcsselerlebnis war sein Besuch der ersten Bayreuther Festspieltage von 1876: \u201eDer wirkliche Wagner, das wirkliche Bayreuth war mir wie der schlechte allerletzte Abzug eines Kupferstichs auf geringem Papier. Mein Bed\u00fcrfnis, wirkliche Menschen und deren Motive zu sehen, war durch diese besch\u00e4mende Erfahrung ungemein angereizt.\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p>Was hatte Nietzsche derart entt\u00e4uscht? Dass sich in Bayreuth schon damals die High Society vornehmlich an sich selbst und an prunkvollen Banketten delektierte. Die f\u00fcr Nietzsche heilige Musik, welche doch eine Wiedergeburt des griechischen Mythos h\u00e4tte einleiten sollen, wurde zur angenehmen Nebensache degradiert. Man konsumierte Kunst wie eine Ware unter vielen, Wackenroder und Tieck lie\u00dfen gr\u00fc\u00dfen. War es also m\u00f6glich, dass der Ex-Revolution\u00e4r Wagner in seinem Erfolgs-, Wirkungs- und Machtstreben einen Pakt mit den Geistern der Konsumzivilisation geschlossen hatte?<\/p>\n<p>Dieser F\u00e4hrte m\u00f6chte ich im Folgenden folgen und dabei vor allem die Eigendynamik nicht-intentionaler Verbindungen zwischen der Funktionslogik der Konsumkultur und dem Gesamtkunstwerk herauspr\u00e4parieren. Inwiefern lassen sich Analogien zwischen dem sozialrevolution\u00e4ren Gesamtkunstwerk des 19. Jahrhunderts und jenem sozialevolution\u00e4ren Gesamtkonsum beobachten, der zu Wagners Lebzeiten immer mehr Bev\u00f6lkerungsschichten erfasste und zum dominanten Merkmal der globalisierten Gegenwartskultur geworden ist?<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte zeigen, dass a) Wagners \u00e4sthetische und Kunst-Theorie ein Lehrbuch f\u00fcr hochentwickelte Konsum- und Medienkulturen <em>nolens volens<\/em> ist, dass b) Charakteristika des Konsums als Integrations- und Vergesellschaftungsstrategie vor allem im Konzept des Gesamtkunstwerks und des Festspiels aufscheinen, und dass c) gerade hinsichtlich ihres universalen Geltungsanspruchs Verbindungen zwischen Wagner und Warenwelt bestehen.<\/p>\n<p>Drei Begriffspaare dienen mir als Pr\u00fcfsteine f\u00fcr die Schl\u00fcssigkeit meiner Thesen:<\/p>\n<ul>\n<li>Kollektiv &amp; Universalismus<\/li>\n<li>\u00c4sthetisierung &amp; Immersion<\/li>\n<li>Mythos &amp; Verzauberung<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zun\u00e4chst seien einige Bemerkungen zur Genese und zu den Kennzeichen der Konsumkultur vorausgeschickt. Vereinfacht gesagt, l\u00e4sst sich die Konsumkultur als die sozio\u00f6konomische Konsequenz der S\u00e4kularisierung, der Industrialisierung, der Verb\u00fcrgerlichung und der materialistischen Mentalit\u00e4t seit dem 18. und verst\u00e4rkt im 19. Jahrhundert definieren. Erst als die sp\u00e4tfeudale Gesellschaft erodierte und die Bindekr\u00e4fte der Religion schwanden, erst als das B\u00fcrgertum seinen Aufstieg forcierte und im selben Zuge Industrialisierung, Kapitalismus, Liberalismus und Demokratie ihren \u2013 vorl\u00e4ufigen \u2013 Siegeszug antraten, erst dann entstand in ihren Grundz\u00fcgen die Konsumkultur, wie wir sie heute kennen.<\/p>\n<p>In der Konsumkultur entscheidet nicht l\u00e4nger der gesellschaftliche Status \u00fcber Kaufkraft und Kaufentscheidungen, vielmehr sind es Kaufkraft und Kaufentscheidungen, die \u00fcber den gesellschaftlichen Status entscheiden. Vor diesem Hintergrund l\u00e4sst sich der Konsumkultur und dem ihr zugrunde liegenden Wirtschaftssystem des Kapitalismus eine demokratische, progressive Tendenz attestieren. Marx und Engels waren sich dieser Tendenz bewusst, als sie im \u201eKommunistischen Manifest\u201c von 1848 \u00fcber die Bourgeoisie schrieben: \u201eAlle festen eingerosteten Verh\u00e4ltnisse mit ihrem Gefolge von altehrw\u00fcrdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgel\u00f6st, alle neugebildeten veralten, ehe sie verkn\u00f6chern k\u00f6nnen. Alles St\u00e4ndische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit n\u00fcchternen Augen anzusehen.\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>Die Konsumkultur ist insofern eine genuin materialistisch-\u00e4sthetische, der Immanenz zugewandte Kultur, als sie Identit\u00e4t nicht \u00fcber abstrakte Begriffe, sondern \u00fcber Dingbesitz, Dinggebrauch, Dingdesign und Selbstdesign konstituiert. An Stelle von G\u00f6ttern, Glaube, Tradition, Blut und Boden treten fl\u00fcchtige Moden und performative Lebensentw\u00fcrfe. Genau diese vermeintliche Verflachung war es, die alteurop\u00e4ische Kulturkritiker von Flaubert \u00fcber Schiller, Nietzsche und Wagner bis hin zu Heidegger und Hans Sedlmayr dazu brachte, in ihr den Untergang des Abendlandes zu erblicken. Wo bleibt bei so viel Schein das Sein, wo bei so viel Physischem das Metaphysische?<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich war und ist die Sache komplizierter. Schon Marx nannte die Ware ein \u201esinnlich-\u00fcbersinnliches Ding\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a>. Wolfgang Ullrich verweist auf den Soziologen Colin Campbell, demzufolge \u201edie moderne Konsumgesellschaft gerade nicht materialistisch ist, bringt sie doch Dinge hervor, die vor allem in Phantasien und als Sinnstiftung eine Rolle spielen\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a>. Konsumkultur und Metaphysik sind so gedacht keine Gegens\u00e4tze, sondern die zwei Seiten einer Medaille \u2013 wenigstens in hochentwickelten Konsum- und Wohlstandskulturen. Kommen wir nun zu den besagten drei Begriffspaaren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Kollektiv &amp; Universalismus. Margaret Thatcher und Wagner als Gesellschafter<\/p>\n<p>Wagners zentrales Anliegen war es, durch Kunst Gemeinschaft zu stiften und die damals wie heute beklagte Vereinzelung, Zersetzung und Zersplitterung in der modernen, arbeitsteiligen Gesellschaft zu kurieren. Dezidiert als Ersatzreligion angelegt, sollten seine Festspiele als Medium einer mythischen Wiedervereinigung dienen. Die in diesem Zusammenhang programmatischen S\u00e4tze stehen in Wagners Schrift <em>Das Kunstwerk der Zukunft<\/em>, die er 1849 im Z\u00fcrcher Exil verfasste: \u201eDas Kunstwerk der Zukunft ist ein gemeinsames, und nur aus einem gemeinsamen Verlangen kann es hervorgehen. Dieses Verlangen, das wir bisher nur, als der Wesenheit der einzelnen Kunstarten nothwendig eigen, theoretisch dargestellt haben, ist praktisch nur in der Genossenschaft aller K\u00fcnstler denkbar, und die Vereinigung aller K\u00fcnstler nach Zeit und Ort, und zu einem bestimmten Zwecke, bildet diese Genossenschaft.\u201c<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>Was tut diese Genossenschaft? Sie kollaboriert an einem v\u00f6lkischen Gemeinschaftsdrama, wie es Nietzsche in seinem Trag\u00f6dienbuch beschrieb, und damit am Gesamtkunstwerk als der Summe aller Kunstgattungen, die etwas anderes ist als ihre Teile, n\u00e4mlich ein umfassender Existenzentwurf: \u201eDas grosse Gesamtkunstwerk, das alle Gattungen der Kunst zu umfassen hat, um jede einzelne dieser Gattungen als Mittel gewissermassen zu verbrauchen, zu vernichten zu Gunsten der Erreichung des Gesamtzwecks aller, n\u00e4mlich der unbedingten, unmittelbaren Darstellung der vollendeten menschlichen Natur.\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Manchmal gebraucht Wagner statt \u201eNatur\u201c den nebul\u00f6sen universalistischen Begriff des \u201eReinmenschlichen\u201c.<\/p>\n<p>Angesichts der Beschw\u00f6rung der \u201emenschlichen Natur\u201c und des \u201eReinmenschlichen\u201c scheint es auf den ersten Blick weit hergeholt, eine Verbindung zu Kapitalismus und Konsumkultur herstellen zu wollen. Sind diese nicht Promotoren der Isolation und der Denaturierung, verschlumpfen sie nicht den einst gottebenbildlichen <em>homo heroicus<\/em> bis hin zur krassesten Degenerationsstufe, dem hobbit\u00e4hnlichen, kr\u00e4merischen \u201eletzten Menschen\u201c (Nietzsche)? Die \u00dcberwindung der Natur, das Vakuum epischer Gef\u00fchle, die Bejahung des Eigennutzes, der Konkurrenz und des Neides ist ein Kernbestandteil der Fremd- und teils auch Selbstdefinitionen der kapitalistischen Konsumkultur. Doch was bei Wagner einzig als zersetzende Kraft erscheint, kann auch als eine integrative interpretiert werden \u2013 und wurde auch h\u00e4ufig so interpretiert.<\/p>\n<p>Bereits Hesiod schrieb dem Neid und der Konkurrenz eine produktive Kraft f\u00fcr die Gesellschaft zu. Die G\u00f6ttin Eris, in der griechischen Mythologie zust\u00e4ndig f\u00fcr Zwietracht und Streit, hatte f\u00fcr ihn eine segensbringende Seite: \u201eSieht n\u00e4mlich der Nichtstuer, wie sein reicher Nachbar mit Eifer pfl\u00fcgt, s\u00e4t und sein Haus wohl bestellt, dann eifert der Nachbar dem Nachbarn nach, der zum Wohlstand eilt. F\u00f6rdernd ist solcher Wetteifer f\u00fcr die Menschen, und so grollt der T\u00f6pfer dem T\u00f6pfer und der Zimmermann dem Zimmermann, der Bettler neidet dem Bettler, und der S\u00e4nger dem S\u00e4nger.\u201c<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n<p>In der Moderne waren es \u00d6konomen wie Adam Smith und Joseph Schumpeter oder Soziologen wie Georg Simmel, die in der Konkurrenz eine \u201evergesellschaftende Wirkung\u201c<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> (Simmel) beobachteten. Etymologisch aufschlussreich ist, dass sich \u201eKonkurrenz\u201c von lateinisch \u201econ\u201c (zusammen) und \u201ecurrere\u201c (laufen) herleitet: \u201ezusammen-laufen\u201c. Bezeichnend also, dass wir heute sagen: \u201emiteinander konkurrieren\u201c. Konkurrenz wird in dieser Formulierung implizit als vergesellschaftender Vorgang definiert.<\/p>\n<p>Zwar stellte Margaret Thatcher 1987 die ber\u00fchmte und seitdem immer wieder im Zusammenhang mit der Kritik am Neoliberalismus zitierte Suggestivfrage: \u201eAnd who is society? There is no such thing!\u201c Diese \u00c4u\u00dferung der wohl umstrittensten Kr\u00e4merstochter aller Zeiten \u2013 ausgerechnet Kr\u00e4merstochter! \u2013 ist Wasser auf die M\u00fchlen der Wagnerianer, die sich die Erneuerung der mythischen Bande zwischen den Menschen ersehnen. Doch gemeint war die Frage anders, weshalb sie von Thatcher-Kritikern meist aus dem Zusammenhang gerissen wird. Thatcher fuhr n\u00e4mlich wie folgt fort: \u201eThere are individual men and women and there are families and no government can do anything except through people and people look to themselves first. It is our duty to look after ourselves and then also to help look after our neighbour and life is a reciprocal business and people have got the entitlements too much in mind without the obligations.\u201c<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/p>\n<p>Thatchers These lautete also, dass Gesellschaft \u2013 in ihren Worten: \u201ereciprocal business\u201c \u2013 nur dann entstehen kann, wenn Menschen gewillt sind, f\u00fcr sich selbst zu sorgen. Wie sollte auch jemand, der nicht einmal f\u00fcr sich selbst sorgen kann, sich um andere k\u00fcmmern k\u00f6nnen? Doch jeder zur Selbstsorge bef\u00e4higte Mensch ist auch verpflichtet \u2013 die von Thatcher genannten \u201eobligations\u201c \u2013, seinen Nachbarn zu helfen. Gesellschaft entsteht Thatchers Verst\u00e4ndnis nach aus der erweiterten Sorge um sich selbst. Nur wer sich selbst nutzt, kann anderen nutzen. Ich bin kein Anh\u00e4nger der Politik Thatchers, aber es ist wichtig, das Zitat in seinen korrekten Zusammenhang zu r\u00fccken. Auch bei Thatcher ist das Ziel, wie bei Hesiod: Vergesellschaftung durch Eigennutz. Der Fluchtpunkt ist letztlich doch das Kollektiv, nur wird es hier nicht vom Kollektiv her (deduktiv, vom Ganzen auf den Einzelnen), sondern auf das Kollektiv hin gedacht (induktiv, vom Einzelnen auf das Ganze). Nur gute Einzelne ergeben ein gutes Ganzes, ein gutes Ganzes aber nicht zwingend gute Einzelne, so die Argumentation Thatchers.<\/p>\n<p>Dem bekennenden Kapitalisten und Verfasser des \u201eKonsumistischen Manifests\u201c Norbert Bolz zufolge sind die Konsumkultur und die \u201euniversale Geldwirtschaft\u201c alles andere als Motoren der Entfremdung. Im Gegenteil, sie beerben die Religion und f\u00fchren zu \u201eeinem einzigen Lebensstil\u201c, also zu einer Form des Kollektivs. Wagner wiederum verfocht den \u201euniversellen Charakter\u201c der Kunst und ihre \u201eenge Bindung an Mythos und Religion\u201c<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a>. Wie Manfred Frank \u00fcberzeugend argumentiert, forderte Wagner, Kunst solle \u201eeine an <em>alle<\/em> gerichtete und alle verbindende Universalsprache\u201c sein, die bedauerlicherweise jedoch nur in einem homogenen Kollektiv verstanden werden k\u00f6nne.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/p>\n<p>Das gleiche lie\u00dfe sich von Kapitalismus und Konsumismus behaupten. Sie reichen allen V\u00f6lkern, Kulturen und Individuen die Hand, doch nur unter der Bedingung, dass diese bereit sind, s\u00e4mtliche bestehenden qualitativen Unterschiede qua Geld in universale \u00c4quivalenzbeziehungen zu setzen. So schlie\u00dft sich der Ring. Wenn nicht in der Wahl und in der Moralit\u00e4t der Mittel, so doch im Zweck sind Wagnerianer und Marktapologeten geeint. Die Vektoren ihrer Bestrebungen konvergieren in der universalistischen Vision des Kollektivs, wenngleich unterschiedliche Auffassungen bez\u00fcglich dessen Charakters bestehen.<\/p>\n<p>Bei Wagner sollte die Vereinigung durch das Gesamtkunstwerk und durch den Rekurs auf sinnstiftende Ur-Mythen, in seinem Fall germanische, erreicht werden. Bei Thatcher, Bolz &amp; Co. soll die Vereinigung \u2013 nur vordergr\u00fcndig paradoxerweise \u2013 durch Egoismus und Konkurrenz erreicht werden, welche die kapitalistische Marktwirtschaft und die Konsumkultur erfordern. Wenn alle Menschen untereinander konkurrieren, sind sie vereint durch Konkurrenz. Wenn alle Menschen nach dem h\u00f6heren Wohlstand ihrer Nachbarn streben, wie Hesiod es beschrieb, gleichen sie sich unweigerlich einander an. Wagnerianer und Konsumisten sind kongeniale Kon-kurrenten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00c4sthetisierung &amp; Immersion. Zur untergr\u00fcndigen Verwandtschaft zwischen B\u00fchnen und Burgern<\/p>\n<p>Die Visionen oder besser gesagt: Utopien von Richard Wagner und Norbert Bolz haben gemeinsam, dass sie post-religi\u00f6ser Natur sind. Ihre Autoren glauben nicht mehr an die herk\u00f6mmliche Metaphysik der Religionen als sinnstiftende, integrative Kr\u00e4fte. Wagner l\u00f6ste sich von den sakralen Bindungen der klassischen Musik und setzte die Kunst an die Stelle der Kirche. Bei Bolz f\u00fcllen Kapitalismus und Konsumismus das geistige Vakuum der Moderne. Gesamtkunstwerk und Gesamtkonsum sind zwei unterschiedliche Modi postmetaphysischer Vergesellschaftung und Vergemeinschaftung: die eine kommunal, die andere agonal.<\/p>\n<p>Wenn aber Kunst einerseits und Konsum andererseits nicht mehr nur sch\u00f6ne Bereicherungen des Lebens sein sollen, sondern von ihnen verlangt wird, dass sie einen h\u00f6heren, ja den h\u00f6chsten Stellenwert einnehmen, so ist eine naheliegende Folge dieser Ideologie eine Aufwertung der \u00c4sthetik oder genauer gesagt: die \u00c4sthetisierung der Existenz.<\/p>\n<p>Warum hat die Apotheose sowohl von Kunst als auch von Konsum die \u00c4sthetisierung der Existenz zur Folge? Hinsichtlich der Kunst beinhaltet der Begriff des Gesamtkunstwerks eigentlich schon die Antwort. Wagner strebte eine Kunstform an, die sich nicht nur auf ein Medium, eine Gattung, ja nicht einmal auf einen Ort beschr\u00e4nkte. Die Festspiele waren Vorschein und Katalysator einer neuen Form von \u00d6ffentlichkeit: \u201e\u00c4hnlich der antiken Trag\u00f6die, deren moderne Form das Gesamtkunstwerk werden soll, dr\u00e4ngt Wagners Musikdrama \u2026 in den Bereich der \u00d6ffentlichkeit, aus der privaten Sph\u00e4re aller Theaterkunst in die Sph\u00e4re jener Allgemeinheit, die man als politische wohl bezeichnen darf.\u201c<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a><\/p>\n<p>Folglich werden die K\u00fcnstler zu Designern des soziopolitischen Lebens, da sie, durch die Brille Wagners betrachtet, als einzige in der Lage sind, alle Sph\u00e4ren durch \u00c4sthetisierung zu verbinden. Aus diesem Grund \u201e\u00fcbersteigt [Wagners Kunstbegriff] bei weitem die bis dahin g\u00e4ngigen Erwartungen, die mit Kunst und k\u00fcnstlerischen Leistungen verbunden waren. Und dies vor allem und zentral deshalb, weil er seine \u00c4sthetik politisch und p\u00e4dagogisch aufl\u00e4dt und damit seinem Musikdrama Aufgaben zuweist, die \u00fcberlicherweise in arbteitsteilig organisierten Gesellschaften der Moderne anderen Funktionsbereichen, zum Beispiel dem der Erziehung und dem der Politik, zugewiesen werden.\u201c<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a><\/p>\n<p>Heute l\u00e4sst sich dasselbe f\u00fcr Kommerz, Konsum und mit ihnen verbundene \u00e4sthetische Verfahren aus Kunst und Kreativwirtschaft sagen. Mehr noch, es hat sich bereits der Begriff \u201eKonsumb\u00fcrger\u201c \u2013 im wahrsten Sinn des Wortes \u2013 eingeb\u00fcrgert: \u201eDie Konsumwelt ist zu einer gro\u00dfen F\u00fcrsorgema\u00dfnahme f\u00fcr das Individuum geworden. Einzelne Dinge nehmen dabei die Rollen von Lehrern, Therapeuten, Trainern oder besten Freundinnen ein. [&#8230;] Galt es lange Zeit als Fetischismus oder zumindest als infantile Geste, wenn Dinge vermenschlicht und als Partner angesehen wurden, so findet eine solche Distanzierung in der entwickelten Markenkultur kaum noch statt.\u201c<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a><\/p>\n<p>Peter Sloterdijk hat die Ausbreitung der Konsumkultur in der post-kommunistischen \u00c4ra als \u201eAbkehr vom Primat der Thymotik zugunsten einer Erotisierung ohne Grenzen\u201c bezeichnet, wobei \u201eErotik\u201c nicht vom \u201eSonderfall der sexuellen Libido\u201c her gedacht werden solle. Erotisierung verweise vielmehr auf das Reich des \u201eHabenwollens\u201c, man k\u00f6nnte auch sagen: des Verf\u00fchrtwerdens durch best\u00e4ndige \u201eStimulierung von Mangelideen\u201c. <a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> Wagner wiederum intendierte eine strukturell vergleichbare Ersetzung thymotischer Energien, selbstverst\u00e4ndlich nicht durch banale Erotisierung und Verf\u00fchrung, sondern durch die dem Geist der Romantik des 19. Jahrhunderts angemessene, idealistische \u201eLiebe\u201c. An Stelle herk\u00f6mmlicher Organisationsformen menschlichen Lebens sollte etwas treten, das Wagner \u2013 wie immer raunend und schwammig \u2013 \u201ewahre Liebe\u201c nannte.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> Diese Liebe, die von Wagner mit \u201eLeben und Freiheit fast synonym gesetzt\u201c<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> wurde, hypostasiert sich in einer \u201eegalit\u00e4re[n] und frei kommunizierende[n] Sozialgemeinschaft\u201c<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a>.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu mutma\u00dflich repressiven politischen Diskursen und Verfahren sollte Kunst eine freie, offene, radikaldemokratische bis hin zu anarchistische Kommunikation erm\u00f6glichen, die an alle Sinne und Erfahrungsmodi appellierte. Schl\u00fcsselressource der neuen Gesellschaft war f\u00fcr Wagner neben alten und neu zu erschaffenden Mythen, von denen noch die Rede sein wird, die Kreativit\u00e4t \u2013 ein Schelm, wer an einen Vorschein der Kreativwirtschaft denkt. Weil sich die Kreativit\u00e4t seinem Verst\u00e4ndnis nach in starren Institutionen nicht entfalten kann, sollten letztere verschwinden \u2013 ein Schelm, wer an einen Vorschein des R\u00fcckzugs des Staates in neoliberalen Zeiten denkt. Wie dem auch sei, die neue, nur durch Kreativit\u00e4t und Liebe kommunizierende, mit vereinten Kr\u00e4ften am Gesamtkunstwerk arbeitende Gesellschaft sollte dezentral und flexibel organisiert sein.<\/p>\n<p>Was Wagner anstrebte, war eine umfassende \u00c4sthetisierung der \u00d6ffentlichkeit; eine egalit\u00e4re Kommunikation nicht nur durch Sprache und Texte, sondern auch durch Musik und Bilder; eine Flexibilisierung aller Strukturen und eine Aufl\u00f6sung aller alten Institutionen des gesellschaftlichen und politischen Lebens. Erinnert das, suggestiv gefragt, nicht verd\u00e4chtig an die flexibilisierten, konsumistischen Existenzverh\u00e4ltnisse in den postindustriellen Gesellschaften mit kollaborativen Medien 2.0 wie YouTube und Wikipedia, bei denen Konsumenten zugleich Produzenten sind? Denn auch das erm\u00f6glicht die avancierte Konsumkultur: das Aufkommen der \u201eProsumenten\u201c (Alvin Toffler).<\/p>\n<p>Angesichts der umfassenden und sicherlich heillos \u00fcberzogenen Anspr\u00fcche an und Hoffnungen auf Gesamtkunstwerk und Gesamtkonsum bietet es sich an, den Begriff der \u201eImmersion\u201c aus seinem gel\u00e4ufigen Zusammenhang mit Cyberspace, Virtual Reality und Augmented Reality zu l\u00f6sen und ihn f\u00fcr sozio\u00e4sthetische, politisch-\u00e4sthetische und \u00f6konomisch-\u00e4sthetische Ph\u00e4nomene wie Gesamtkunstwerk und Gesamtkonsum fruchtbar zu machen. Rufen wir zun\u00e4chst den lateinischen Wortstamm von \u201eImmersion\u201c in Erinnerung: \u201eimmersio\u201c, die \u201eEintauchung\u201c. \u201eImmersion\u201c ist dann gegeben, wenn wir v\u00f6llig in eine Umgebung eintauchen wie der Kopf eines Gl\u00e4ubigen bei der Flusstaufe ins Wasser.<\/p>\n<p>Wagner schl\u00fcpfte in die Rolle des Obert\u00e4ufers und strebte an, dass die Zuschauer seiner Auff\u00fchrungen g\u00e4nzlich vom B\u00fchnengeschehen absorbiert w\u00fcrden, dass sie die Grenzen des Theaterraumes verg\u00e4\u00dfen. Sie sollten aber auch insofern ins Geschehen eintauchen, als sie es hinaus ins Leben tragen sollten, also selbst zu T\u00e4ufern, eben zu \u201eProsumenten\u201c avant la lettre, w\u00fcrden. Die tempor\u00e4re Immersion sollte zu einer permanenten Fortsetzung des B\u00fchnengeschehens im Leben an sich f\u00fchren. Immersion findet hier somit auf zweifache Weise statt: zum einen situativ im Festspieltheater, zum anderen im erweiterten Sinn auf politisch-sozialer Ebene.<\/p>\n<p>Mit dem Gesamtkonsum verh\u00e4lt es sich \u00e4hnlich. Nur wenn der Konsum immersiv wird, wenn die Welt also mit einem engmaschigen Netz aus Konsumtempeln, Konsumfesten und Konsumwettbewerben \u00fcberzogen ist, ist die Menschheit vollumf\u00e4nglich geeint \u2013 so lie\u00dfe sich die Utopie des Gesamtkonsums zusammenfassen. Eine zugespitzte Version dieser Utopie formulierte der Journalist Thomas L. Friedman, als er 1996 in der \u201eNew York Times\u201c mit dem Gedanken spielte, man m\u00fcsse weltweit nur m\u00f6glichst viele McDonald\u2019s-Filialen errichten, um globalen Frieden zu schaffen.<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a><\/p>\n<p>Zwar relativierte Friedman diese These im weiteren Verlauf seines Artikels. Aber die Stossrichtung war klar: ein weiterer Fall von erweiterter Immersion, hier einmal sozio\u00f6konomisch gedacht \u2013 Burger statt B\u00fchne. Damit nicht genug. Hinzu kommt, dass Friedman den McDonald\u2019s-Manager James Cantalupo zitierte, der die Wirkung seines Unternehmens als prim\u00e4r \u201esymbolisch\u201c einstuft und dessen Erfolg damit wiederum sozio\u00e4sthetisch begr\u00fcndet: Symbole stiften Einheit, so die These Walter Benjamins, der Symbole (organisch) und Allegorien (bruchst\u00fcckhaft) voneinander unterschied.<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a><\/p>\n<p>Wagners Ziele hat erst der demokratisch-kapitalistische Konsumismus in den Wohlstandsgesellschaften de facto erreicht, und zwar jenseits von sozialrevolution\u00e4ren Visionen und Utopien. Die Evolution der modernen Technologien und Medien im Verbund mit dem Massenkonsum und der liberaldemokratischen Mentalit\u00e4t hat zur Entstehung einer neuen Art von Gesamtkunstwerk gef\u00fchrt, wie Gianni Vattimo in seinem Buch \u201eDas Ende der Moderne\u201c von 1985 nahezulegen scheint. Weit entfernt von den in den alteurop\u00e4ischen Geisteswissenschaften \u00fcblichen Vorbehalten gegen die mutma\u00dflich entfremdende und denaturierende Techno-Moderne stellt er fest: \u201eDie Identifizierung der Sph\u00e4re der Medien mit dem \u00c4sthetischen mag sicherlich auf Einw\u00e4nde sto\u00dfen. Es sollte aber nicht so schwer sein, sich mit dieser Identifizierung anzufreunden, wenn man bedenkt, da\u00df die Medien \u2026 eine gemeinsame Sprache im sozialen Bereich konsensf\u00e4hig machen, sie initiieren und intensivieren. Es handelt sich nicht um Mittel f\u00fcr die Masse im Dienste der Masse, sondern es sind Mittel der Masse in dem Sinn, da\u00df sie sie als solche konstituieren, als \u00f6ffentliche Sph\u00e4re der Zustimmung zu allgemeinen Geschmacksrichtungen und Empfindungen.\u201c<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a><\/p>\n<p>So betrachtet, handelt es sich bei der viel beschworenen \u201eMediengesellschaft\u201c oder der \u201eEventkultur\u201c in der Tat um krypto-wagnerianische Ph\u00e4nomene, die keinen programmatischen Charakter und keinen ideologischen Kern haben m\u00fcssen, sondern auch nicht-intentionaler, nicht-expliziter Art sein k\u00f6nnen. Andererseits gibt es Stimmen, die kapitalistisch-konsumistische Events wie Kulturfestivals oder Sport-Gro\u00dfereignisse explizit als Motoren sozialen Wandels anpreisen. Bevor ich f\u00fcr letzteres ein Beispiel nenne, sei noch einmal hervorgehoben, dass das Festspiel, also die ereignishafte \u00f6ffentliche Zusammenkunft, f\u00fcr Wagner eminente Bedeutung hatte. Das Festspiel war f\u00fcr ihn die zyklische Erneuerung der Gemeinschaft in Anlehnung an die Dionysus-Rituale im alten Athen; ein Ereignis, das immer wieder aufs Neue von und mit der Gemeinschaft inszeniert werden musste.<\/p>\n<p>Eine \u00e4hnliche Funktion und Wirkung von Festspielen attestierte James Bidwell von der Tourismusbeh\u00f6rde \u201eVisit London\u201c den olympischen Spielen 2008 in Peking: \u201eI have just returned from a week in Beijing, where I\u2019ve witnessed an amazing spectacle. There is no doubt in my mind that the Olympic Games are a real catalyst for change. I have seen first-hand the power of the Games to transform a city and unify a nation, and it is humbling. [&#8230;] The Olympics really are like no other event. They are much more than just two weeks of sport. They showcase a city and nation, its energy, its culture and its people.\u201c<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a><\/p>\n<p>Hier kommen alle Wagner\u2019schen Kategorien zusammen. Nat\u00fcrlich, von Wagner aus betrachtet, in pervertierter, kapitalistischer Schrumpfform. Aber immerhin \u2013 das \u201espectacle\u201c ist das \u00c4quivalent zum \u201eFestspiel\u201c; der \u201ecatalyst for change\u201c das \u00c4quivalent zum revolution\u00e4ren \u201eKunstwerk der Zukunft\u201c; die \u201eunification of a nation\u201c das \u00c4quivalent zur mythischen Kommunion des Volkes.<\/p>\n<p>Roger Fornoff warnt zwar vor \u201eeiner \u00dcberdehnung des Gesamtkunstwerk-Begriffs\u201c<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a>, gesteht aber gleichzeitig ein, dass gerade in der Konsumkultur beziehungsweise in kapitalistischen Unternehmen neue Formen des Gesamtkunstwerks entstanden sind. Als Beispiel f\u00fchrt er die Autostadt des Volkswagen-Konzerns in Wolfsburg an, die er als das \u201earchitektonische \u201aZentralheiligtum\u2018 des <em>VW<\/em>-Konzerns\u201c bezeichnet. Die Autostadt sei \u201eder Prototyp eines neuen kultisch-kapitalistischen Gesamtkunstwerks, das mit der pluralen Struktur der modernen Weltgesellschaft seinen Frieden gemacht, zugleich aber seine kritischen utopischen Energien verloren hat\u201c<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a>.<\/p>\n<p>Schon Theodor Adorno und Max Horkheimer nannten den Siegeszug des Kapitalismus in ihrer \u201eDialektik der Aufkl\u00e4rung<em>\u201c <\/em>die \u201ehohnlachende Erf\u00fcllung des Wagnerschen Traums vom Gesamtkunstwerk. Die \u00dcbereinstimmung von Wort, Bild und Musik gelingt um so viel perfekter als im Tristan, weil die sinnlichen Elemente, die einspruchslos allesamt die Oberfl\u00e4che der gesellschaftlichen Realit\u00e4t protokollieren, dem Prinzip nach im gleichen technischen Arbeitsgang produziert werden und dessen Einheit als ihren eigentlichen Gehalt ausdr\u00fccken.\u201c<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a> Wie ich weiter oben angedeutet habe, teile ich diese ihrerseits totalisierende und sich selbst hermetisierende Pauschalkritik nicht und w\u00fcrde gegen sie einwenden wollen, dass gerade die \u201ehohnlachende Erf\u00fcllung\u201c des Traums vom Gesamtkunstwerk durch Kapitalismus-Konsumismus ihm viel von seinem deutscht\u00fcmelnden Idealismus und von seiner Rigorosit\u00e4t genommen hat. Nicht alles, was \u201aGutes\u2018 zeitigt, muss \u201agute\u2018 Intentionen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Mythos &amp; Verzauberung. Wagner als Stichwortgeber des Heavy Metal<\/p>\n<p>Dass Wagner fasziniert von Mythen war, braucht hier nicht eigens erw\u00e4hnt werden. In seinem Weltbild zeichnete sich die Moderne dadurch aus, dass sie dem Mythos den Kampf angesagt und die Menschen auf diese Weise von ihren sinn- und gemeinschaftstiftenden Urspr\u00fcngen getrennt hatte. In dieser Hinsicht waren der fr\u00fche Nietzsche und Wagner Br\u00fcder im Geiste. In der \u201eGeburt der Trag\u00f6die\u201c, die Wagner in h\u00f6chsten T\u00f6nen lobte, schrieb Nietzsche 1872: \u201eOhne Mythus aber geht jede Cultur ihrer gesunden sch\u00f6pferischen Naturkraft verlustig; erst ein mit Mythen umstellter Horizont schliesst eine ganze Culturbewegung zur Einheit ab.\u201c<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\">[32]<\/a><\/p>\n<p>Genau hundert Jahre sp\u00e4ter sollte Leszek Ko\u0142akowski dem Mythos eine \u00e4hnliche Funktion zuschreiben, allerdings ohne die v\u00f6lkische und alarmistische Komponente Nietzsches und Wagners. F\u00fcr Ko\u0142akowski war der Mythos eine Erz\u00e4hlung, die den Gesetzen der Erfahrung und der Logik der Wissenschaft widerspricht und folglich keinen Anspruch auf Allgemeing\u00fcltigkeit erheben kann. Doch gerade weil der Mythos oftmals anti-empirisch, irrational und fantastisch ist, kann er die Menschen aus dem klaustrophobischen Bezirk der Faktizit\u00e4t, also dem jeweiligen Ist-Zustand, geleiten, und ihnen den Bereich dessen er\u00f6ffnen, was Ernst Bloch in \u201eDas Prinzip Hoffnung\u201c die \u201eOntologie des Noch-Nicht\u201c nannte.<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\">[33]<\/a><\/p>\n<p>So betrachtet, sind Mythen immer auch Aufforderungen, \u00fcber den Tellerrand des Hier-und-Jetzt hinauszublicken. Mythen erm\u00f6glichen nicht zuletzt Freiheit, denn sie schaffen, wie Ko\u0142akowski schrieb, ein dem \u201erealen Werden enthobenes Paradigma\u201c, dem es im realen Werden nachzueifern gilt \u2013 als nichts anderes konzipierte Wagner den \u201eRing des Nibelungen\u201c. Zusammenfassend folgert Ko\u0142akowski: \u201eDie blo\u00dfe Gegenw\u00e4rtigkeit des spezifisch menschlichen Bewu\u00dftseins schafft eine untilgbare, mythogene Situation in der Kultur, wobei sowohl die bindungsstiftende Rolle des Mythos im sozialen Leben wie seine Interpretationsfunktion im Organisierungsproze\u00df des Einzelbewu\u00dftseins unersetzbar scheinen \u2026\u201c<a href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\">[34]<\/a> In diesen S\u00e4tzen steckt eine geh\u00f6rige Prise Wagner, allerdings \u2013 wie gesagt \u2013 ohne den ideologischen Ballast, der Wagner \u2013 und in geringerem Ma\u00dfe Nietzsche \u2013 anhaftet.<\/p>\n<p>Erneut ist festzuhalten, dass die mutma\u00dflich seichte, einseitig materialistische und im rasenden Stillstand gefangene Konsumkultur eine Wagner\u2019sche Verhei\u00dfung wahr gemacht hat, n\u00e4mlich die Remythisierung der Gesellschaft. Ich m\u00f6chte an dieser Stelle nicht n\u00e4her auf Adorno und Horkheimer eingehen, die diesen Aspekt in der \u201eDialektik der Aufkl\u00e4rung\u201c einer unerbittlichen Analyse unterzogen und dabei den Nexus zwischen Mythos, Aufkl\u00e4rung und Totalitarismus \u00fcberstrapazierten, ja soweit gingen, die gesamte \u00c4ra der Aufkl\u00e4rung als totalit\u00e4r abzustempeln. Stattdessen soll eine Stimme aus den USA zu Wort kommen, die als eine der ersten die kapitalistischen Wohlstandsgesellschaften mit ihren postmodernen Konsumkulten als mythenfreundliche, gewissermassen \u201ewiederverzauberte\u201c Gesellschaften interpretierte. Die Rede ist von Leslie Fiedler und seinem Aufsatz \u201eCross the Border, Close the Gap\u201c von 1969. In diesem Text zieht Fiedler einen \u2013 nicht g\u00e4nzlich \u00fcberzeugenden, aber im f\u00fcr meinen Essay entscheidenden Punkt zutreffenden \u2013 Vergleich zwischen der \u00c4ra der Romantik, die von einer Wiederverzauberung der Welt tr\u00e4umte, und seiner Zeit, der angloamerikanisch gepr\u00e4gten Postmoderne: \u201eDie gegenw\u00e4rtige Bewegung \u2013 nicht nur in ihrer Suche nach Mythen, sondern auch darin, da\u00df sie die Sentimentalit\u00e4t der Ironie vorzieht \u2013 erinnert an die Anf\u00e4nge der Romantik mit ihrer Sehnsucht nach dem Naiven und in ihrem Versuch, authentische Quellen f\u00fcr die Dichtung in Volksformen wie dem <em>M\u00e4rchen <\/em>oder der Ballade zu finden.\u201c<a href=\"#_ftn35\" name=\"_ftnref35\">[35]<\/a> Hinzuzuf\u00fcgen w\u00e4re: die internationale oder globale Popkultur ist eine volkst\u00fcmliche Kultur ohne Volkstum und eine mythische Kultur ohne Ursprungsmythos.<\/p>\n<p>Heute ist es offensichtlich, dass wir in mythischen Zeiten leben. Die Belege reichen von den gro\u00dfen Erz\u00e4hlungen des Neoliberalismus und den florierenden Esoterik-Messen \u00fcber die allgegenw\u00e4rtigen Superhelden-Filme, deren Comicvorlagen Umberto Eco auf luzide Weise als Nachfolger des griechischen G\u00f6tterkosmos deutete,<a href=\"#_ftn36\" name=\"_ftnref36\">[36]<\/a> bis hin zur R\u00fcckkehr der Religionen und der Sehnsucht nach Mystik, Ekstase, Exotik und Gefahr, die sich in Vampir- und Zombiefilmen oder in Extremsportarten, Body Modification und dem Konsum harter Pornographie kristallisiert. Immer dann, wenn Existenzverh\u00e4ltnisse als profan, selbstl\u00e4ufig oder selbstgen\u00fcgsam empfunden werden, kehrt der Mythos zur\u00fcck, um dem Sinn mit dem Schl\u00fcssel des Unsinns die T\u00fcr zu \u00f6ffnen. So war es bei Wagner und so ist es heute wieder.<\/p>\n<p>Vielleicht erkl\u00e4rt dieser Umstand, warum Richard Wagner gerade im Heavy Metal, gewisserma\u00dfen auf der dunklen Seite der Pop- und Konsumkultur, intensiv rezipiert wird. Heavy Metal steht Wagner insofern inh\u00e4rent nahe, als sich das Genre ebenfalls als Medium der Zeit- und Kulturkritik versteht, andererseits offen ist f\u00fcr die j\u00fcngsten technischen und k\u00fcnstlerischen M\u00f6glichkeiten, und sich gleichzeitig durch starke Affinit\u00e4t zu Mythos und Vormoderne auszeichnet.<a href=\"#_ftn37\" name=\"_ftnref37\">[37]<\/a><\/p>\n<p>Insbesondere die US-amerikanische True-Metal-Gruppe Manowar nennt Wagner als gro\u00dfes Vorbild f\u00fcr ihren mythenschwangeren, auf ein im Dezibelrausch vereintes Fankollektiv abzielenden Bombast-Rock. Beim \u201eEarthshaker Fest\u201c 2005 in Geiselwind hielt Bandboss und Bassist Joey DeMaio in bester Volkstribun-Manier eine Ansprache, in welcher er behauptete: \u201eGermans own Heavy Metal. But many of you might not know why you own Heavy Metal.\u201c Die Antwort folgte sogleich: \u201eBecause Richard Wagner was born here! [\u2026] He played louder, heavier, more dramatic music than anybody could ever imagine!\u201c <a href=\"#_ftn38\" name=\"_ftnref38\">[38]<\/a><\/p>\n<p>Als habe Nietzsche Manowars Wagner-Spleen vorausgesehen, bedachte er dessen Musik 1878 mit veritablen Metal-Attributen. Wagner habe \u201enicht e r z \u00e4 h l e n, nicht b e w e i s e n, sondern \u00fcberfallen, umwerfen, qu\u00e4len, spannen, entsetzen [wollen]\u201c \u2013 auf diese Diagnose w\u00e4re jeder Metal-Musiker stolz. Fernerhin sei Wagners \u201eKunst der A m p l i f i c a t i o n sehr gross\u201c und \u201eimmer auf den e x t r e m s t e n Ausdruck bedacht\u201c.<a href=\"#_ftn39\" name=\"_ftnref39\">[39]<\/a> Was k\u00f6nnte es Sch\u00f6neres geben f\u00fcr ein Genre, das sich das Motto \u201eif it\u2019s too loud, you\u2019re too old\u201c auf die Fahnen geschrieben hat?<\/p>\n<p>Um ihrem nach Walhall entschwebten Idol posthum die Ehre zu erweisen, kontaktierten Manowar im Vorfeld des Geiselwind-Gastspiels Wagners Enkelsohn Wolfgang Wagner und erboten sich, ihm eine Goldene Schallplatte aus dem Hause Manowar zu \u00fcberreichen. Erwartungsgem\u00e4\u00df lehnte Wagners B\u00fcro das Angebot mit deutlichen Worten ab und machte klar, dass der Familienname nicht f\u00fcr Marketingzwecke Manowars benutzt werden solle.<\/p>\n<p>Zwar leuchtet es spontan ein, dass sich der Wagner-Clan von Manowars Metal-Mummenschanz abgrenzt, bei dem man nie so recht wei\u00df, ob postmodernistische Ironie oder neomodernistische Ideologie im Spiel ist \u2013 die teils fanatischen Fans legen eher letzteres nahe.<\/p>\n<p>Aber haben Manowar nicht doch irgendwo recht, wenn sie sich auf Wagner berufen? War es nicht Wagner, der das Licht im Konzertsaal l\u00f6schte, das Orchester aufstockte und auf \u00dcberw\u00e4ltigung, Immersion und Mythologie setzte, nur eben f\u00fcr ein elit\u00e4r statt popkulturell sozialisiertes Publikum, was in einem gewissen Widerspruch zu seinen demokratisch-anarchistischen Wurzeln stand? Liegt der Mythos, wie Roland Barthes richtig bemerkte, nicht immer schon instrumentalisiert vor, und ist nicht die Konsum- und Popkultur deshalb der geeignetere Ort f\u00fcr ihn, da sie zumindest im Mainstream den Gesetzen der instrumentellen Vernunft folgt?<\/p>\n<p>Ich schliesse mich R\u00fcdiger Safranski an, der in seiner Nietzsche-Biographie treffend konstatiert: \u201e[Wagner] wird &#8230; selbst zum Exponenten des von ihm so geha\u00dften Kunstbetriebs. Seine Kunst wird, wie es schon Zeitgenossen kritisch vermerkten, zum Generalangriff auf alle Sinne. Das verleiht seinem Werk, das gegen die kapitalistische Moderne protestiert, eine eigent\u00fcmliche Modernit\u00e4t. Denn das Primat der Wirkung und der Wirkungsabsicht geh\u00f6rt zum Charakter dieser Moderne, in der die \u00d6ffentlichkeit sich als Markt organisiert. [\u2026] Originalit\u00e4tssucht und Effekthascherei sind die Folge.\u201c<a href=\"#_ftn40\" name=\"_ftnref40\">[40]<\/a><\/p>\n<p>Eine noch unmissverst\u00e4ndlichere Kritik formuliert Lars Quadfasel in seinen \u00dcberlegungen zur \u201eUrszene der Kulturindustrie\u201c. Ihm zufolge ist es kein Zufall, dass die Filmmusik von Peter Jacksons \u201eDer Herr der Ringe\u201c an Wagners \u201eParsifal\u201c erinnert \u2013 \u201egerade Wagners mythischer Bombast bannt ihn \u2026 in jene Sph\u00e4re des Kommerzes, gegen die er sich so wortreich emp\u00f6rt. Die Musik, die, als den Subjekten entr\u00fcckte, sich wie ein Flor verkl\u00e4rend \u00fcbers blo\u00dfe Sosein ausbreitet, taugt wie kaum eine andere zur Filmmusik; insbesondere dort, wo der Film selbst das Sosein zugleich zum Symbol f\u00fcr ein H\u00f6heres, Ewiges stilisiert, in Western also oder Fantasy.\u201c<a href=\"#_ftn41\" name=\"_ftnref41\">[41]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Conclusio: Vom Crown Funding zum Crowd Funding<\/p>\n<p>Ich schlie\u00dfe mit der Feststellung, dass Wagners antikapitalistische und antikonsumistische Anliegen im Kapitalismus, im Konsumismus und in ihrem kulturellen \u00c4quivalent, der Popkultur, im doppelten Wortsinn bestens \u201eaufgehoben\u201c sind \u2013 gerade heute, in Zeiten des Web 2.0, der \u201eWikinomics\u201c (Don Tapscott), des Crowd Funding und der \u201eShare Economy\u201c (Martin Weitzmann).<\/p>\n<p>In der digitalen \u00c4ra ist es ohne gro\u00dfe Hindernisse m\u00f6glich geworden, das f\u00fcr Wagner unumg\u00e4ngliche \u201aCrown Funding\u2018 durch ein emanzipatorischeres \u201eCrowd Funding\u201c abzul\u00f6sen und das volksbegl\u00fcckende Genie, das der Herr des Rings verk\u00f6rperte, durch kollaborative Graswurzelarbeit zu ersetzen. Wer auf adelige Geburtslotteriegewinner und Gro\u00dfindustrielle angewiesen ist, wer \u00fcberhaupt best\u00e4ndig auf Geldsuche ist, um seine Geldphobien und Kommerzneurosen zu kultivieren, treibt den Teufel durch den Beelzebub aus.<\/p>\n<p>Der Gesamtkonsum \u2013 nat\u00fcrlich nur, insofern er Teil einer demokratisch-liberalen Ordnung ist \u2013 l\u00f6st Wagners Verhei\u00dfungen von \u00d6ffentlichkeit, Gemeinschaftlichkeit, Integration, Partizipation, Wiederverzauberung und Remythisierung bei gleichzeitiger Modernisierung glaubw\u00fcrdiger ein als \u2013 zugegeben genialische \u2013 H\u00fcgelspektakel in Bayern. Erst wenn seine weltanschaulichen Wurzeln verdorrt sind, erbl\u00fcht das Gesamtkunstwerk. Das letzte Wort geb\u00fchrt Nietzsche: \u201eWagner erinnert an die Lava, die ihren eigenen Lauf durch Erstarrung hindert und pl\u00f6tzlich sich durch Bl\u00f6cke gehemmt f\u00fchlt, die sie selbst bildet.\u201c<a href=\"#_ftn42\" name=\"_ftnref42\">[42]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Zitiert nach: Houston Stewart Chamberlain: Richard Wagner. Auswahl seiner Schriften, Leipzig 1910, S. 14.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Richard Wagner: Das Judenthum in der Musik, Leipzig 1869, S. 11.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Zitiert nach: Robert Louis: Die Weltanschauung Richard Wagners, Hamburg 2012 (i.O. 1898), S. 174.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Peer Zickgraf im Gespr\u00e4ch mit Bazon Brock, 17. Dezember 2012, auf: <a href=\"http:\/\/www.einseitig.info\/html\/content.php?txtid=974\">http:\/\/www.einseitig.info\/html\/content.php?txtid=974<\/a>. [Link nicht mehr aktiv].<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wilhelm Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck: Herzensergie\u00dfungen eines kunstliebenden Klosterbruders, Ditzingen 2005 (i.O. 1797). S. 67.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl. u.a. Friedrich Nietzsche: Morgenr\u00f6te. Gedanken \u00fcber die moralischen Vorurteile, 1881, Drittes Buch, Abschnitt 205 \u201eVom Volke Israel\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Friedrich Nietzsche: Nachla\u00df 1875 \u2013 1879. Kritische Studienausgabe, hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, M\u00fcnchen\/Berlin\/New York 1999, S. 495.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Karl Marx und Friedrich Engels: Werke, Berlin 1959, Band 4, S. 465.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Karl Marx: Das Kapital, Paderborn keine Jahresangabe (i.O. 1867-1894), S. 65.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Wolfgang Ullrich: Habenwollen. Wie funktioniert die Konsumkultur?, Frankfurt a.M. 2006, S. 30.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Richard Wagner: Das Kunstwerk der Zukunft, Leipzig 1850, S. 206.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Wagner: Das Kunstwerk der Zukunft (wie Anm. 11), S. 32.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Hesiod: Werke und Tage, Stuttgart 2007 (i.O. um 700 v. Chr.), S. 5.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Georg Simmel: Soziologie. Untersuchungen \u00fcber die Formen der Vergesellschaftung, hrsg. von Otthein Rammstedt, Frankfurt am Main 1992 (i.O. 1908), S. 327.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Zitiert nach: <a href=\"http:\/\/www.margaretthatcher.org\/document\/106689\">http:\/\/www.margaretthatcher.org\/document\/106689<\/a>. Letzter Zugriff 31. Dezember 2013.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Roger Fornoff: Die Sehnsucht nach dem Gesamtkunstwerk. Studien zu einer \u00e4sthetischen Konzeption der Moderne, Hildesheim 2004, S. 171.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Manfred Frank: Mythend\u00e4mmerung. Richard Wagner im fr\u00fchromantischen Kontext, M\u00fcnchen 2008, S. 59.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Udo Bermbach: Der Wahn des Gesamtkunstwerks. Richard Wagners politisch-\u00e4sthetische Utopie, Frankfurt a.M. 1994, S. 225.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Bermbach: Der Wahn des Gesamtkunstwerks (wie Anm. 18), S. 230-31.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Ullrich: Habenwollen (wie Anm. 10), S. 34.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Peter Sloterdijk: Zorn und Zeit. Politisch-psychologischer Versuch, Frankfurt a.M. 2006, S. 294.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Vgl. Bermbach: Der Wahn des Gesamtkunstwerks (wie Anm. 18), S. 242-245.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Bermbach: Der Wahn des Gesamtkunstwerks (wie Anm. 18), S. 245.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Bermbach: Der Wahn des Gesamtkunstwerks (wie Anm. 18), S. 243.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Vgl. Thomas L. Friedman: \u201eForeign Affairs Big Mac I\u201c, 8. Dezember 1996, auf: <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/1996\/12\/08\/opinion\/foreign-affairs-big-mac-i.html\">http:\/\/www.nytimes.com\/1996\/12\/08\/opinion\/foreign-affairs-big-mac-i.html<\/a>. Letzter Zugriff am 31. Dezember 2013.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Friedman: \u201eForeign Affairs Big Mac I\u201c (wie Anm. 21): \u201eI feel these [developing, Anm. J.S.] countries want McDonald&#8217;s as a symbol of something \u2013 an economic maturity and that they are open to foreign investments.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Gianni Vattimo: Das Ende der Moderne, Stuttgart 1989 (i.O. 1985), S. 60.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> James Bidwell: \u201e2012 spectacle can transform the capital and unify the nation\u201c, 20. August 2008, auf: <a href=\"http:\/\/www.standard.co.uk\/olympics\/2012-spectacle-can-transform-the-capital-and-unify-the-nation-6878562.html\">http:\/\/www.standard.co.uk\/olympics\/2012-spectacle-can-transform-the-capital-and-unify-the-nation-6878562.html<\/a>. Letzter Zugriff am 31. Dezember 2013.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Fornoff: Die Sehnsucht nach dem Gesamtkunstwerk (wie Anm. 16), S. 16.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> Fornoff: Die Sehnsucht nach dem Gesamtkunstwerk (wie Anm. 16), S. 24.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> Max Horkheimer und Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufkl\u00e4rung, Frankfurt a.M. 2006 (i.O. 1944), S. 132.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> Friedrich Nietzsche: Die Geburt der Trag\u00f6die, hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, M\u00fcnchen\/Berlin\/New York 1999 (i.O. 1872), S. 145.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref33\" name=\"_ftn33\">[33]<\/a> Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung, 1. Band, Frankfurt a.M. 1974 (i.O. 1954), S. 12.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref34\" name=\"_ftn34\">[34]<\/a> Leszek Ko\u0142akowski: Die Gegenw\u00e4rtigkeit des Mythos, M\u00fcnchen: R. Piper &amp; Co., 1973 (i.O. 1972), S. 148.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref35\" name=\"_ftn35\">[35]<\/a> Leslie Fiedler: \u201e\u00dcberquert die Grenze, schlie\u00dft den Graben!\u201c in: Wolfgang Welsch (Hg.), Wege aus der Moderne. Schl\u00fcsseltexte der Postmoderne-Diskussion, Weinheim 1988, S. 71-72.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref36\" name=\"_ftn36\">[36]<\/a> Vgl. Umberto Eco: \u201eThe Myth of Superman\u201c, in: Diacritics, Vol. 2, No. 1, Spring 1972, S. 14-22.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref37\" name=\"_ftn37\">[37]<\/a> Vgl. u.a. Rolf Nohr und Dieter Schwaab (Hg.): Metal Matters. Heavy Metal als Kultur und Welt, M\u00fcnster 2012, Kapitel III \u201eMetal vs. Moderne\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref38\" name=\"_ftn38\">[38]<\/a> Vgl. <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=nh-6pUHgnX8\">http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=nh-6pUHgnX8<\/a>. Letzter Zugriff am 31. Dezember 2013.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref39\" name=\"_ftn39\">[39]<\/a> Nietzsche: Nachla\u00df 1875 \u2013 1879 (wie Anm. 7), S. 491.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref40\" name=\"_ftn40\">[40]<\/a> R\u00fcdiger Safranski: Nietzsche. Biographie seines Denkens, M\u00fcnchen\/Wien 2000, S. 92.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref41\" name=\"_ftn41\">[41]<\/a> Lars Quadfasel: \u201eDie Urszene der Kulturindustrie\u201c, in: Versorgerin, Nr. 99, September 2013, S. 7.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref42\" name=\"_ftn42\">[42]<\/a> Nietzsche: Nachla\u00df 1875 \u2013 1879 (wie Anm. 7), S. 495.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Universi Verlags.<\/p>\n<p>Weitere Hinweise zum Sammelband \u201eWahn und Wirkung. Perspektiven auf Richard Wagner\u201c, in dem der Aufsatz zuerst erschienen ist, <a title=\"verlagsseite\" href=\"http:\/\/www.universi.uni-siegen.de\/katalog\/reihen\/bild_u_kunst\/592346.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Wenn Sie den Aufsatz im wissenschaftlichen Zusammenhang zitieren wollen, benutzen Sie bitte die Buchfassung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"homepage scheller\" href=\"http:\/\/www.joergscheller.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00f6rg Scheller<\/a> ist Dozent f\u00fcr Kunsttheorie und Kunstgeschichte im Departement Kunst &amp; Medien, Bachelor Medien &amp; Kunst, Vertiefung Fotografie an der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur materialistisch-\u00e4sthetischen Kultur<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[859,1270,1369,1877,2001],"class_list":["post-5882","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-gesamtkunstwerk","tag-konsum","tag-liberalismus","tag-postmoderne","tag-richard-wagner"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5882","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5882"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5882\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5882"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5882"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5882"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}