{"id":5885,"date":"2016-06-05T18:01:03","date_gmt":"2016-06-05T16:01:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=5885"},"modified":"2016-06-05T18:01:03","modified_gmt":"2016-06-05T16:01:03","slug":"social-media-junivon-annekathrin-kohout5-6-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2016\/06\/05\/social-media-junivon-annekathrin-kohout5-6-2016\/","title":{"rendered":"Social Media Junivon Annekathrin Kohout5.6.2016"},"content":{"rendered":"<p>Snapchat-Linsen<!--more --><\/p>\n<p>\u201eTo be or not to be\u201c, schreibt Madonna unter ein Bild, das sie auf Instagram hochgeladen hat.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a> Sein oder nicht Sein, das ist hier die Frage \u2013 und heute als ein millionenfach gebrauchtes Hamlet-Zitat ein popul\u00e4rer Ausspruch, mit dem man einer Situation oder Beobachtung existentielle Bedeutung zuschreibt, meist in stilisiert-ironischer Form, so auch bei Madonna.<\/p>\n<p>Sie befindet sich selbst auf dem Bild, hat eine Hundemaske auf und reckt dem Betrachter eine \u00fcberdimensionale Zunge entgegen. Wer den Kontext nicht kennt, findet dieses Bild wahrscheinlich befremdlich: Was m\u00f6chte Madonna dem Betrachter damit sagen? Handelt es sich um eine indirekte Liebesbekundung zum Comic-Genre oder einfach um eine verschl\u00fcsselte Botschaft, einen Insider-Witz? Weder noch.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5887\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild1.png\" alt=\"SocialMediaSnapchat_Bild1\" width=\"813\" height=\"597\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild1.png 813w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild1-300x220.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild1-768x564.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 813px) 100vw, 813px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Mit dem Bild zeigt Madonna auf Instagram, dass sie Snapchat benutzt, denn die Hundemaske ist keine analoge Kost\u00fcmierung, sondern eine der beliebtesten Snapchat-Linsen. Die im September 2015 eingef\u00fchrten Linsen sind Effekte, die auf einer Gesichtserkennung basieren und die dadurch entstandene Transformation in Echtzeit animieren. Au\u00dferdem sind sie interaktiv und k\u00f6nnen durch Handlungen, die von der App angewiesen werden, beeinflusst werden. \u201e\u00d6ffne Deinen Mund\u201c ist beispielsweise die Handlungsanweisung zur Hundemaske. Befolgt man diese, breitet sich eine riesige Zunge \u00fcber das Display aus. Denkt man nun zur\u00fcck an das Hamlet-Zitat, f\u00e4llt auf, dass der Kontrast kaum gr\u00f6\u00dfer sein k\u00f6nnte. Einer der einflussreichsten S\u00e4tze der Hochkultur steht hier neben einem Bild, das einen Popstar hinter einer animierten Hundemaske zeigt. Es scheint absurd: Madonna benutzt Snapchat, eine Handy-App, um ihr Gesicht als H\u00fcndchen animiert zu sehen, und fragt sich offenbar selbst, warum.<\/p>\n<p>Nicht nur Madonna ist fasziniert von der unerkl\u00e4rlichen Anziehungskraft der Snapchat-Linsen. \u201eSo i got snapchat and i dont know what im doing\u201c,<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a> bemerkt ein M\u00e4dchen unter einem Bild, das sie selbst mit einer Blumenkrone zeigt. \u201eWhy do I do this\u201c, fragt sich eine andere.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a> Und jemand kommentiert: \u201eCan\u2019t stop me from over using this filter.\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a> Doch worin besteht die Faszination dieser Effekte?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-5888\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild2-1024x450.jpg\" alt=\"SocialMediaSnapchat_Bild2\" width=\"695\" height=\"305\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild2-1024x450.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild2-300x132.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild2-768x337.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Grundlage f\u00fcr jede Snapchat-Linse ist das Selfie. Ist schon das \u00fcbliche Selfie als Kommunikationsmedium anlassgebunden und zielgerichtet\u00a0 &#8211; da sich bei jeder Aufnahme die Frage stellt, wem man es schickt oder wo man es postet -, wurde es doch immer wieder der Selbstdarstellung beschuldigt. Entkr\u00e4ftet wurde dieser Vorwurf unter anderem von Wolfgang Ullrich, der das Selfie in Analogie zum Emoticon deutete.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><sup><sup>[5]<\/sup><\/sup><\/a> So veranschaulichte er anhand von Selfie-Posen \u2013 den weit aufgerissenen Augen, herausgestreckten Zungen und dem sogenannten \u201eDuckface\u201c &#8211; wie unnat\u00fcrlich und begrenzt die Gesichtsausdr\u00fccke auf Selfies sind und wie sehr sie in dieser Stilisierung den Emoticons entsprechen.<\/p>\n<p>Was in Selfies schon angelegt ist, kommt jedoch mit den Snapchat-Linsen erst richtig zum Ausdruck. Nicht nur, dass sie das Gesicht in eine Comic-\u00e4hnliche Gestalt ver\u00e4ndern und damit \u00e4sthetisch in die N\u00e4he von Emoticons gelangen. Auch gibt es ein Set an Charakteren und Emotionen, das zwar variiert &#8211; jeden Tag kommen neue Linsen hinzu und \u00e4ltere verschwinden -, aber insgesamt stets vielf\u00e4ltige Ausdrucksm\u00f6glichkeiten bietet. So erfreut man sich vor allem an Linsen, mit denen sich Traurigkeit anzeigen l\u00e4sst, wenn auch nicht selten aus ironischer Distanz. Denn: \u201eit\u2019s actually really human\u201c, bemerkt die Autorin Leonora Epstein auf ihrem Blog.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><sup><sup>[6]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5889\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild3.png\" alt=\"SocialMediaSnapchat_Bild3\" width=\"634\" height=\"256\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild3.png 634w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild3-300x121.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 634px) 100vw, 634px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die positive Resonanz auf die M\u00f6glichkeit, unterschiedliche Emotionen ausdr\u00fccken zu k\u00f6nnen, ist insbesondere eine Reaktion auf die immer gr\u00f6\u00dfer werdende Kritik an der Makellosigkeit und Normierung auf einem anderen Sozialen Netzwerk, das vor allem mit Bildern kommuniziert: Instagram. H\u00e4ufig werden Stimmen laut, die den gesch\u00f6nten Bildern auf Instagram unterstellen, eine Provokation darzustellen: \u201eManche Menschen leben sehr gut davon, dass sie versuchen, andere Menschen mit ihrem Leben neidisch zu machen\u201c, schrieb Laura Ewert in ihrem umstrittenen und viel diskutierten Artikel \u201eInstagram macht uns alle zu Psychopathen\u201c.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><sup><sup>[7]<\/sup><\/sup><\/a> Es bringt \u201emehr Frust als Lust, sich solche Bilder anzuschauen\u201c, hei\u00dft es im Kommentar einer Diskussion zu ihrem Text, und weiter: \u201ees kann eine verheerende Wirkung auf die eigene Wahrnehmung haben &#8211; alles wird aus dem perfektionierten Instagramblickwinkel betrachtet &#8211; und welcher normale Alltag kann da schon mithalten?\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><sup><sup>[8]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Doch wieso lassen sich die Nutzer des sozialen Netzwerkes derartig von diesen Bildern provozieren? Worin genau besteht der Frust beim Anblick einer gelungenen Inszenierung? K\u00f6nnte es tats\u00e4chlich daran liegen, dass die Betrachter vergessen, dass Bilder auf Instagram nur suggerieren, privat und authentisch zu sein? Sp\u00fcren sie noch immer ein \u201eEs-ist-so-gewesen\u201c, wie einst Roland Barthes, als er in Anblick einer Fotografie von J\u00e9r\u00f4me, des j\u00fcngsten Bruders von Napoleon, \u201evoller Erstaunen\u201c ausrief: \u201eIch sehe die Augen, die den Kaiser gesehen haben\u201c?<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><sup><sup>[9]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich d\u00fcrfte der Glaube an die Authentizit\u00e4t des Bilder &#8211; wie er im \u00dcbrigen auch durch diverse Retro-Filter, vor allem in der Anfangszeit von Instagram, forciert wurde &#8211; Grund f\u00fcr die Kritik an der App sein. Und wom\u00f6glich wird ihr gerade dieser Glaube bald zum Verh\u00e4ngnis.<\/p>\n<p>Denn so sehr die als makellos wahrgenommene Welt von Instagram zu Frustrationen f\u00fchrt, so deutlich entlastet wiederum Snapchat von dem Druck, der durch die Perfektionierung ausgel\u00f6st wird. Wie Arnold Gehlen einst die Technik als Werkzeug der Entlastung definierte, des Ausgleichs einer fehlender Ausstattung, so darf man auch die Snapchat-Linsen als Entlastung &#8211; wie sich zeigen wird &#8211; von Sch\u00f6nheitswahn und Kreativit\u00e4tsdruck beschreiben.<\/p>\n<p>Wird man durch die Snapchat-Linsen selbst zur Karikatur, stellt sich die Frage nach Sch\u00f6nheit und Perfektion nicht mehr. Auch sehr verschiedene Menschen k\u00f6nnen unter der jeweiligen Linse sehr \u00e4hnlich aussehen und befinden sich unter ihr in einem konkurrenzfreien Raum. Wenn auch allen Linsen eine Weichzeichnung der Haut zugrunde liegt &#8211; und damit eine Versch\u00f6nerung -, dienen sie nicht der Perfektionierung, sondern bieten Perfektionierung zur Entlastung an. Die Weichzeichnung der Haut ist vielmehr als eine Senkung der Hemmschwelle zu deuten und als Versuch, einen Vergleich auf optischer Ebene gar nicht erst aufkommen zu lassen.<\/p>\n<p>Somit liegt Sch\u00f6nheit oftmals nicht mehr als Ziel vor Augen, sondern die Karikatur einer lustigen, frohen oder traurigen Person. Die kommunikative Funktion steht im Vordergrund. Sie f\u00fchrt dazu, dass Sch\u00f6nheit nicht mehr die Voraussetzung daf\u00fcr ist, erfolgreich an einer Bildwelt teilzuhaben.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild4.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-5890\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild4-1024x423.png\" alt=\"SocialMediaSnapchat_Bild4\" width=\"695\" height=\"287\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild4-1024x423.png 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild4-300x124.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild4-768x317.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild4.png 1042w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/a>Interessanterweise werden diese Mechanismen immer dann gest\u00f6rt, wenn die Bilder von Snapchat in andere soziale Netzwerke, insbesondere Instagram, transferiert werden. Denn dort stehen sie pl\u00f6tzlich in Konkurrenz zu anderen Bildern. Sie werden ihrer Verg\u00e4nglichkeit enthoben &#8211; eine Snapchat-Nachricht l\u00f6scht sich ansonsten von selbst &#8211; und in eine Konstellation zu anderen Bildern gesetzt &#8211; bei Snapchat sieht man Bilder oder Filme immer nur nacheinander. So kommt es nicht selten vor, dass gerade auf fremden sozialen Netzwerken die weichgezeichnete Haut wieder zum Anlass wird, Sch\u00f6nheit zu thematisieren: \u201eMensch der neue Snapchat Filter macht ja eine Sch\u00f6nheit aus mir\u201c, hei\u00dft es im Kommentar zu einem Bild auf Instagram, das urspr\u00fcnglich von Snapchat aufgenommen wurde. Und erh\u00e4lt darauf die zu erwartende Antwort: \u201eDu bist ohne Filter schon wundersch\u00f6n.\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><sup><sup>[10]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild5.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5891\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild5.png\" alt=\"SocialMediaSnapchat_Bild5\" width=\"807\" height=\"589\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild5.png 807w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild5-300x219.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild5-768x561.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 807px) 100vw, 807px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Doch auch auf einer anderen Ebene haben Snapchat-Linsen die Funktion der Entlastung: \u201eWe all use Snapchat filters as sort of safety net when we are having a slow news day AKA we have nothing else to snap about.\u201c<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\"><sup><sup>[11]<\/sup><\/sup><\/a> schreibt die Bloggerin Biscayne Boeck. Tats\u00e4chlich dienen die Linsen als Werkzeug der Kreativit\u00e4t und befreien so von dem Zwang, sich jeden Tag etwas Neues \u00fcberlegen zu m\u00fcssen. Das \u00fcbernimmt Snapchat, indem es t\u00e4glich neue Linsen zur Verf\u00fcgung stellt und somit den Effekt der Kreativit\u00e4tsentlastung auch \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume aufrechterh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Nun ist es nicht selten die Konkurrenzsituation &#8211; sei es auf dem Feld der Sch\u00f6nheit oder der Kreativit\u00e4t -, die zur Produktion von Inhalten motiviert. Was setzt sich demnach an die Leerstelle, die entsteht, wenn man sich pl\u00f6tzlich vom Konkurrenzdruck entlastet vorfindet? Was ersetzt die zentralen Funktionen, die einst Filter bei Instagram \u00fcbernommen hatten: Versch\u00f6nerung und Normierung?<\/p>\n<p>Auf der re:publica 2016 wurde der 14-J\u00e4hrige Sch\u00fcler Joshua Arntzen eingeladen, Snapchat zu erkl\u00e4ren. In seinem Vortrag \u201eSnapchat f\u00fcr Erwachsene\u201c hat er auf die Frage nach der Motivation eine simple, doch nicht zu untersch\u00e4tzende Antwort gegeben: der \u201eFun Faktor\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\"><sup><sup>[12]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Und tats\u00e4chlich unterscheidet sich Snapchat gerade dort von anderen sozialen Netzwerken, wo es spielerischer ist. Indem die Eintr\u00e4ge &#8211; private Nachrichten l\u00f6schen sich, nachdem sie angesehen wurden, an alle Follower adressierte \u201eStories\u201c nach 24 Stunden &#8211; kurzlebig sind, werden sie spontaner und verlieren die Ambition, einen sich selbst repr\u00e4sentierenden Inhalt zu produzieren. Selbstverst\u00e4ndlich sind Screenshots nicht zu vermeiden, doch geh\u00f6ren sie nicht zum guten Ton. Und wenngleich einem die Anzahl an Views einer Story angezeigt wird &#8211; sicher eine Funktion, die Influencer-Marketing m\u00f6glich machen soll-, so entzieht sich Snapchat insgesamt der Sichtbarkeit einer Like-\u00d6konomie. So reproduziert Snapchat mehr denn je soziale Situationen und M\u00fcndlichkeit. Nicht zuletzt deshalb vergleichen viele Nutzer das Verwenden von Snapchat, besonders der Linsen, mit der T\u00e4tigkeit des Spielens. H\u00e4ufig werden Screenshots von Snapchat-Linsen-Selfies so mit \u201ePlaying with snapchat\u201c kommentiert.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5892\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild6.jpg\" alt=\"SocialMediaSnapchat_Bild6\" width=\"998\" height=\"745\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild6.jpg 998w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild6-300x224.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild6-768x573.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 998px) 100vw, 998px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Was bedeutet es, im Spiel zu sein? Es hei\u00dft vor allem, das Bewusstsein der Fiktionalit\u00e4t nicht zu verlieren. F\u00fcr die Zukunft der sozialen Medien kann das bedeuten, endlich aufgekl\u00e4rt zu sein.<\/p>\n<p>Bisher h\u00e4lt sich der Glaube an die fotografische Authentizit\u00e4t hartn\u00e4ckig. Obwohl sich zahlreiche Theorien, insbesondere nach dem Aufkommen der Digitalfotografie und den damit verbundenen M\u00f6glichkeiten der Bildbearbeitung, gegen dieses Verst\u00e4ndnis wandten, wird bis heute, wie sich zeigte, das makellose, weichgezeichnete Gesicht auf Instagram sehr ernst genommen, das Selfie noch immer als Selbstdarstellungssucht interpretiert. Nur deshalb l\u00e4sst es sich \u00fcberhaupt als Provokation rezipieren.<\/p>\n<p>Snapchat birgt hingegen aufkl\u00e4rerisches Potenzial. Das Potenzial, den Glauben an die Authentizit\u00e4t des Fotografischen zu \u00fcberwinden und Bilder endlich nicht mehr als Provokation wahrzunehmen &#8211; denn obwohl Snapchat im h\u00f6chsten Ma\u00dfe authentisch und k\u00fcnstlich zugleich ist, liegt die Priorit\u00e4t beim Spielen. Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage. Und die wird jede Runde neu gestellt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild7.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-5893\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild7-1024x911.jpg\" alt=\"SocialMediaSnapchat_Bild7\" width=\"695\" height=\"618\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild7-1024x911.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild7-300x267.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/SocialMediaSnapchat_Bild7-768x683.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/BEM1qUkGEaW\/?taken-by=madonna\">https:\/\/www.instagram.com\/p\/BEM1qUkGEaW\/?taken-by=madonna<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"http:\/\/kawaiinerd4ever.tumblr.com\/post\/143606460118\/so-i-got-snapchat-and-i-dont-know-what-im-doing\">http:\/\/kawaiinerd4ever.tumblr.com\/post\/143606460118\/so-i-got-snapchat-and-i-dont-know-what-im-doing<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"http:\/\/mkwearscrocs.tumblr.com\/post\/144944037683\/why-do-i-do-this\">http:\/\/mkwearscrocs.tumblr.com\/post\/144944037683\/why-do-i-do-this<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"http:\/\/paytronxo.tumblr.com\/post\/144085506433\/cant-stop-me-from-over-using-this-filter\">http:\/\/paytronxo.tumblr.com\/post\/144085506433\/cant-stop-me-from-over-using-this-filter<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\"><sup><sup>[5]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/ideenfreiheit.wordpress.com\/2015\/10\/12\/aufsatz-selfies-als-weltsprache-und-blogparade\/\" target=\"_blank\">https:\/\/ideenfreiheit.wordpress.com\/2015\/10\/12\/aufsatz-selfies-als-weltsprache-und-blogparade\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\"><sup><sup>[6]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"http:\/\/hellogiggles.com\/snapchat-many-sad-filters\/\" target=\"_blank\">http:\/\/hellogiggles.com\/snapchat-many-sad-filters\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\"><sup><sup>[7]<\/sup><\/sup><\/a>\u00a0https:\/\/www.welt.de\/kultur\/medien\/article138471077\/Instagram-macht-uns-alle-zu-Psychopathen.html<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\"><sup><sup>[8]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"http:\/\/www.thisisjanewayne.com\/news\/2015\/03\/18\/welt-de-hat-einen-artikel-uber-meinen-instagram-account-geschrieben\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.thisisjanewayne.com\/news\/2015\/03\/18\/welt-de-hat-einen-artikel-uber-meinen-instagram-account-geschrieben\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\"><sup><sup>[9]<\/sup><\/sup><\/a> Barthes, Roland: Die Helle Kammer. S. 11.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\"><sup><sup>[10]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/BEOJa24jCs0\/\" target=\"_blank\">https:\/\/www.instagram.com\/p\/BEOJa24jCs0\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\"><sup><sup>[11]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"http:\/\/www.hgabmag.com\/dos-donts-using-snapchat-filters\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.hgabmag.com\/dos-donts-using-snapchat-filters\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\"><sup><sup>[12]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/re-publica.de\/16\/session\/snapchat-erwachsene\">https:\/\/re-publica.de\/16\/session\/snapchat-erwachsene<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"kohout tumblr\" href=\"http:\/\/akohout.tumblr.com\/\" target=\"_blank\">Annekathrin Kohout<\/a> ist freie Autorin und Fotografin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Snapchat-Linsen<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[1390,1417,2159,2455],"class_list":["post-5885","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-linsen","tag-madonna","tag-snapchat","tag-verzerrungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5885","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5885"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5885\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5885"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5885"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5885"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}