{"id":5932,"date":"2016-06-27T19:05:39","date_gmt":"2016-06-27T17:05:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=5932"},"modified":"2016-06-27T19:05:39","modified_gmt":"2016-06-27T17:05:39","slug":"pop-archiv-junivon-bodo-mrozek27-6-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2016\/06\/27\/pop-archiv-junivon-bodo-mrozek27-6-2016\/","title":{"rendered":"Pop-Archiv Junivon Bodo Mrozek27.6.2016"},"content":{"rendered":"<p><!-- [if !mso]&gt;--><\/p>\n<p>v\\:* {behavior:url(#default#VML);}<br \/>\no\\:* {behavior:url(#default#VML);}<br \/>\nw\\:* {behavior:url(#default#VML);}<br \/>\n.shape {behavior:url(#default#VML);}<\/p>\n<p><!-- [if gte mso 9]&gt;--><\/p>\n<p><!-- [if gte mso 9]&gt;--><\/p>\n<p>Normal<br \/>\n0<br \/>\nfalse<\/p>\n<p>21<\/p>\n<p>false<br \/>\nfalse<br \/>\nfalse<\/p>\n<p>DE<br \/>\nX-NONE<br \/>\nAR-SA<\/p>\n<p><!-- [if gte mso 9]&gt;--><\/p>\n<p><!-- [if gte mso 10]&gt;--><\/p>\n<p> \/* Style Definitions *\/<br \/>\ntable.MsoNormalTable<br \/>\n{mso-style-name:&#8220;Normale Tabelle&#8220;;<br \/>\nmso-tstyle-rowband-size:0;<br \/>\nmso-tstyle-colband-size:0;<br \/>\nmso-style-noshow:yes;<br \/>\nmso-style-priority:99;<br \/>\nmso-style-parent:&#8220;&#8220;;<br \/>\nmso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt;<br \/>\nmso-para-margin-top:0cm;<br \/>\nmso-para-margin-right:0cm;<br \/>\nmso-para-margin-bottom:8.0pt;<br \/>\nmso-para-margin-left:0cm;<br \/>\nline-height:107%;<br \/>\nmso-pagination:widow-orphan;<br \/>\nfont-size:11.0pt;<br \/>\nfont-family:&#8220;Calibri&#8220;,&#8220;sans-serif&#8220;;<br \/>\nmso-ascii-font-family:Calibri;<br \/>\nmso-ascii-theme-font:minor-latin;<br \/>\nmso-hansi-font-family:Calibri;<br \/>\nmso-hansi-theme-font:minor-latin;<br \/>\nmso-fareast-language:EN-US;}<\/p>\n<p>Eine Seife namens Elvis. Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine Olfaktorik des Pop<!--more --><\/p>\n<p>Wie roch Pop?<\/p>\n<p>Das <em>objet trouv\u00e9<\/em>, von dem ausgehend ich dieser Frage nachgehen m\u00f6chte, ist 8 cm lang, 5 cm breit, 3 cm hoch und wiegt 95 Gramm. Es handelt sich dabei um einen Quader, der in blau bedrucktes Papier gewickelt ist und den Aufdruck \u201eElvis Toilettenseife\u201c tr\u00e4gt. Er kam als Flohmarktfund in den Besitz des Autors und kann daher im Wortsinn als eines jener \u201eFundst\u00fccke\u201c bzw. Archivalien gelten, denen sich diese Rubrik widmet. Schlie\u00dflich gelten private Sammlungen und Second Hand-L\u00e4den (mithin auch Flohm\u00e4rkte) als \u201eArchive zweiter Ordnung\u201c.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Der rudiment\u00e4re \u00dcberlieferungszusammenhang und die fehlenden Kontextinformationen verleihen den folgenden \u00dcberlegungen allerdings einen hypothetischen, in weiten Z\u00fcgen spekulativen Charakter. Da das Objekt ungew\u00f6hnliche sensorische Perspektiven erlaubt, soll es hier dennoch behandelt werden.<\/p>\n<p>Dazu eine Vorbemerkung. Die \u201eWahrnehmungsanordnung Pop\u201c ist ein stark medial gepr\u00e4gter Referenzrahmen, in dem phonographische und visuelle Informationen eine vorherrschende Rolle spielen. Er wird, so Diederichsen, dominiert von \u201eBildern, Performances, (meist popul\u00e4rer) Musik, Texten und [\u2026] Erz\u00e4hlungen\u201c, aber auch u.a. von \u201eKleidermode, K\u00f6rperhaltung, Make-Up und urbanem Treffpunkt\u201c.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Wenn mit Make-Up schon die Hygiene als eine K\u00f6rperpraxis der Moderne angesprochen ist, die auf medizinischem, aber auch \u00e4sthetischem \u2013 n\u00e4mlich kosmetischem \u2013 Wissen basiert, so l\u00e4sst sich mit dem Olfaktorischen eine weitere Dimension hinzuf\u00fcgen, die zumeist ignoriert wird.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Mit ihrer materiellen Wende haben die Kulturwissenschaften sich in den vergangenen Jahren vor allem f\u00fcr die Medialit\u00e4ten \u00e4sthetischer Informationen interessiert. Aus Sicht einer historischen Popforschung geriet etwa die Vinylschallplatte als multimediale Quelle in den Blick, aber auch die Architektur von Klangr\u00e4umen besch\u00e4ftigt unter dem Paradigma des Sound die Musikforschung.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Das Stichwort Intersensualit\u00e4t er\u00f6ffnet auch der Erforschung der Wahrnehmungsanordnung Pop weitere Dimensionen: Geh\u00f6rt wird \u2013 wie die <em>Sound Studies<\/em> vielfach betont haben \u2013 nicht nur mit dem Ohr, sondern mit dem ganzen K\u00f6rper, der Vibrationen auch als taktile Informationen aufnehmen kann. Pop-R\u00e4ume sind daher immer multisensorisch. Neben dem Auditiven ist auch das Visuelle von B\u00fchnenperformances entscheidend, hier kommen auch sinnesver\u00e4ndernde Technologien wie die Lichtorgel oder das Stroboskop zum Einsatz. Welche Rolle aber spielt der Geruch?<\/p>\n<p>Der Frage lie\u00dfe sich auf zwei Feldern nachgehen.<\/p>\n<p><em>Erstens<\/em> k\u00f6nnte man die Olfaktorik von Pop-R\u00e4umen erforschen, etwa die Rolle von Wohl- und \u00dcbelger\u00fcchen auf Konzerten, bei Massenveranstaltungen, oder bestimmten Objekten. So hat Valerie Steele auf die spezifischen Geruchseigenschaften der Lederjacke hingewiesen, einer fetischisierten Ikone des Rock\u2019n\u2019Roll.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Oder die von der Stadt Hannover praktizierte osmotische <a title=\"TV-Beitrag 1967\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=O5_DPoM_TmE&amp;feature=youtu.be&amp;t=248\" target=\"_blank\">Kriegsf\u00fchrung<\/a> gegen jugendliche Gammler, die durch das Verspr\u00fchen von scharfen Chemikalien von \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen fern gehalten werden sollten.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte <em>zweitens<\/em> aber auch Parfums selbst unter einem erweiterten Popbegriff subsumieren, da sie als Tr\u00e4ger sensorisch wahrnehmbarer alltags\u00e4sthetischer Informationen \u2013 \u00fcberspitzt gesagt \u2013 im gleichen Ma\u00dfe wie Tontr\u00e4ger Medien der Popkultur sind. In diesem Sinne hat Uta <a title=\"beitrag poiger\" href=\"http:\/\/pophistory.hypotheses.org\/2006\" target=\"_blank\">Poiger<\/a> unl\u00e4ngst \u00fcber die Funktion von Kosmetikprodukten bei der Konstruktion von Authentizit\u00e4t und Geschlecht gesprochen.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Objekt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00a0<a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/Seife-Foto.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-5931\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/Seife-Foto-1024x684.jpg\" alt=\"Seife Foto\" width=\"695\" height=\"464\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/Seife-Foto-1024x684.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/Seife-Foto-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/Seife-Foto-768x513.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/Seife-Foto.jpg 1386w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/a><em>Ding-Quelle der Popkultur: die \u201eElvis Toilettenseife\u201c. Foto: B. Mrozek<\/em><\/p>\n<p>Die \u201eToilettenseife Elvis\u201c stellt aus dieser Perspektive einen Gl\u00fccksfall dar, denn sie l\u00e4sst sich beiden Sph\u00e4ren zuordnen und fungiert gewisserma\u00dfen als Bindeglied: Von der Funktion her ist sie ein massenkultureller Gebrauchsartikel, dem der Begriff \u201eToilettenseife\u201c im spatialen Sinn eine ganz spezifische \u00d6rtlichkeit zuweist. Durch die Namensgebung \u201eElvis\u201c verweist sie gleichzeitig auf Pop im Sinne eines musikalischen Genres, repr\u00e4sentiert hier durch den Namen eines seiner prominentesten Vertreter im 20 Jahrhundert. Schon das Produktsignet oszilliert damit zwischen der Intimzone h\u00e4uslicher Hygiene und der Maximal\u00f6ffentlichkeit eines globalen Starkultes, zu dessen Ausweitung der benannte K\u00fcnstler wesentlich beitrug.<\/p>\n<p>Welche Informationen also bietet das Objekt?<\/p>\n<p>Betrachten wir es aus der N\u00e4he. Sein Erhaltungszustand l\u00e4sst sich als gut bezeichnen, die Papierverpackung ist rundum erhalten. Auf das \u00d6ffnen wurde aus konservatorischen Erw\u00e4gungen verzichtet, doch l\u00e4sst sich unter dem Papier eine Pr\u00e4gung ertasten, die h\u00f6chstwahrscheinlich mit dem auf der Packung aufgedruckten Signet identisch ist. Das Alter des Objektes l\u00e4sst sich nur sch\u00e4tzen, doch kann man davon ausgehen, dass es in der Hochzeit der Popularit\u00e4t des namensgebenden S\u00e4ngers datiert, und zwar mutma\u00dflich in der Fr\u00fchphase der 50er oder 60er Jahre. Der \u2013 zweifellos schon verblasste \u00a0\u2013 Duft, den das Objekt noch immer verstr\u00f6mt, deutet auf eine starke Parf\u00fcmierung des Artikels hin, der sich geschlechtsneutral verwenden lie\u00df, da Seife \u2013 anders als Parfum \u2013 Mitte des 20. Jahrhunderts noch kaum mit Geschlechtszuschreibungen codiert war.<\/p>\n<p>Von seiner Funktion her verweist das Objekt auf die kulturelle Praxis des Sich-Waschens, die in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts aufgrund medizinischen und epidemologischen Wissens den Gesundheitsregimen der K\u00f6rpererhaltung folgt, aber auch eine Regulierungsbewegung im Sinne Foucaults war.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Der Subjektk\u00f6rper, den sie hervorbrachte, war ein sauberer, gewaschener oder auch reinlicher, wie er seit dem 17. Jahrhundert in Mitteleuropa wesentlich auch durch den Einsatz von Kunstd\u00fcften konstituiert wurde.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Diese Konkretisierung ist in unserem Zusammenhang nicht banal, denn im zeitgen\u00f6ssischen Diskurs wurde die Sph\u00e4re des Rock\u2019n\u2019Roll, als dessen prototypischer Vertreter Elvis Presley galt (wenngleich er auch Interpret von Duetten und Schnulzen war), im Zusammenhang von \u201eSchund und Schmutz\u201c thematisiert.<\/p>\n<p>Mit diesem \u00e4lteren Diskurs wurden negative Sozialklischees aus dem 19. Jahrhundert wie der \u201eHalbstarke\u201c oder der \u201eEckensteher\u201c aktualisiert.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Das Attribut \u201eschmutzig\u201c diente in den f\u00fcnfziger Jahren der Charakterisierung abweichender Typologien jugendlicher K\u00f6rper, die damit in einem sozialen \u201eUnten\u201c und gesellschaftlichen \u201eAu\u00dfen\u201c verortet wurden. Es wurde nicht nur metaphorisch verwendet, sondern in einen konkreten Kontext mit Praktiken der Hygiene gesetzt. Die Distanzformulierung \u201eungewaschen\u201c geh\u00f6rte ebenso wie sp\u00e4ter \u201elanghaarig\u201c zu den Phrasen, die sich in kulturpessimistischen Medienberichten \u00fcber Rock\u2019n\u2019Roll und \u201eHalbstarkentum\u201c ebenso fanden wie in der Rhetorik von Polizeiakten, in denen der Verweis auf Schmutz bzw. \u201emangelnde Hygiene\u201c der Klassifizierung und Verpolizeilichung normabweichender Jugendlicher diente.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/Polizeibericht-Beat-Veranstaltung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-5930\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/Polizeibericht-Beat-Veranstaltung-1024x702.jpg\" alt=\"Polizeibericht-Beat-Veranstaltung\" width=\"695\" height=\"476\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/Polizeibericht-Beat-Veranstaltung-1024x702.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/Polizeibericht-Beat-Veranstaltung-300x206.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/Polizeibericht-Beat-Veranstaltung-768x527.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/Polizeibericht-Beat-Veranstaltung.jpg 1187w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u201eVerdreckte Pelzjacken\u201c und \u201enicht sauberer wirkende \u201aIsche[n]\u2018\u201c. Quelle: Polizeilicher \u201eErfahrungsbericht \u00fcber den polizeilichen Einsatz anl\u00e4sslich von Beat-Veranstaltungen in d<\/em><em>er \u201aNeuen Welt\u2018 und im \u201aEuropa-Palast\u2018\u201c, [West-]Berlin, 23.12.1966, Bl. 4; Polizeihistorische Sammlung (PhS) Berlin, 3.43.3.<\/em><em> Repro: B. Mrozek.<\/em><\/p>\n<p>Der Name Elvis auf einer Seife muss daher eher \u00fcberraschen. Zwar prangte er in den USA schon in den F\u00fcnfzigern im Rahmen eines pr\u00e4zedenzlosen Lizenz-Marketings auf diversen Artikeln des t\u00e4glichen Bedarfs wie Bekleidungsst\u00fccken und Accessoires. Dazu geh\u00f6rten auch Kosmetika wie Lippenstifte in den nach Elvis-Songs benannten Farben \u201eTutti-frutti-red\u201c und \u201etender pink\u201c sowie ein ebenfalls nach einem Hit benanntes Parfum \u201eTeddy-Bear\u201c.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Solche Produkte richteten sich prim\u00e4r an die neue Konsumentengruppe der Teenager, die im Zuge des demographischen \u201eBaby Boom\u201c auch mit wirtschaftlicher Handlungsmacht ausgestattet waren. Die meisten dieser Fanartikel waren daher billige Massenprodukte, die sich an dem engen \u00f6konomischen Verf\u00fcgungsrahmen der Zeitgenossen des <em>temps de l\u2019argent de poche<\/em> (Jean Fran\u00e7ois Sirinelli) orientierten.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Das Parfum \u201eRock\u2019n\u2019Roll\u201c, das Salvador Dal\u00ed 1957 f\u00fcr Paco Rabanne gestaltete, sprach dagegen im Paratext der Anzeigenwerbung (\u201eune arme nouvelle \/ pour la femme actuelle\u201c) eine weibliche K\u00e4uferschaft an, die \u00fcber mehr als nur Taschengeld verf\u00fcgte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00a0<a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/Parfum-RnR.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-5929\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/Parfum-RnR-1024x970.jpg\" alt=\"Parfum RnR\" width=\"695\" height=\"658\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/Parfum-RnR-1024x970.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/Parfum-RnR-300x284.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/Parfum-RnR-768x728.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/06\/Parfum-RnR.jpg 1145w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/a><em>\u201eEine neue Waffe f\u00fcr die aktuelle Frau\u201c: Das Parfum Rock\u2019n\u2019Roll, Foto: B. Mrozek <\/em><\/p>\n<p>Ob es sich bei dem vorliegenden Fundst\u00fcck um ein Mitglied der Produktfamilie lizensierter Markennamen des Elvis-Managements handelt, ist nicht bekannt, erscheint aber wenig wahrscheinlich. Die internationale Vermarktung von Star-Imagos als Konsummarken steckte noch in den Kinderschuhen, und der Aufschrift zufolge handelt es sich hier um ein deutsches Fabrikat. In den Sechzigern wurde der s\u00e4kulare Devotionalienhandel mit lizensierten Fan-Artikeln ma\u00dfgeblich vom Beatles-Management vorangetrieben. Das vorl\u00e4ufige Ende dieser Entwicklung sind die Abmahn-Regime, mit denen K\u00fcnstler wie Prince oder Kraftwerk die Verwendung ihrer K\u00fcnstlernamen selbst auf g\u00e4nzlich musikfremden Produkten sanktionieren.<\/p>\n<p>Diese markenstrategischen Bestrebungen der Gegenwart, die auch eine Ausweichreaktion auf Gewinneinbu\u00dfen der Musikindustrie in Zeiten illegaler Downloads sind, m\u00f6gen in der \u201eToilettenseife Elvis\u201c einen fr\u00fchen Wegbereiter haben, auch wenn aufgrund mangelhafter \u00dcberlieferung offen bleiben muss, ob es sich bei ihr um den \u00dcberrest (im Sinne Droysens) einer globalisierten Starmarke oder gar den einer fr\u00fchen Markenpiraterie handelt.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Festhalten l\u00e4sst sich, dass popkulturelle Images in allt\u00e4glichen Produkten ebenso wie in Luxusartikeln pr\u00e4sent waren und somit auch eine Rolle bei der Etablierung der Popkultur (hier des Genres Rock\u2019n\u2019Roll) gegen zeitgen\u00f6ssische Schmutz-und Schundvorw\u00fcrfe spielten &#8212; und umgekehrt auch aufmerksamkeits\u00f6konomisch an ihnen partizipierten. Wenn die eingangs gestellte Frage nach dem Geruch von Pop damit auch nicht beantwortet ist, so illustriert das hier vorgestellte Fundst\u00fcck doch ein Desiderat der gegenw\u00e4rtigen Klang-, Bild- und Textfixierten Popforschung \u2013 um nicht zu sagen: ein Desodorat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Rolf Grossmann: \u201eDie Geburt des Pop aus dem Geist der phonographischen Reproduktion\u201c, in: Christian Bielefeld\/Udo Dahmen\/ders. (Hg.): <em>PopMusicology. Perspektiven der Popmusikwissenschaft,<\/em> Bielefeld: Transcript 2008, S. 119-134, hier: 127.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. Diedrich Diederichsen: <em>\u00dcber Pop-Musik.<\/em> K\u00f6ln: Kiepenheuer &amp; Witsch 2014, S. XI.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Zu Kosmetik als Normalisierung vgl. grundlegend Annelie Ramsbrock: <em>Korrigierte K\u00f6rper. Eine Geschichte k\u00fcnstlicher Sch\u00f6nheit in der Moderne,<\/em> G\u00f6ttingen: Wallstein 2011, bes. S: 99-101.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Zu Schallplatten als historischen Quellen vgl. Detlef Siegfried: \u201eSgt. Pepper &amp; Co. Plattencover als Ikonen der Popkultur\u201c, in: Gerhard Paul (Hg.): <em>Bilder, die Geschichte schrieben. 1900 bis heute,<\/em> G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht 2011, S. 189-195; Bodo Mrozek<em>:<\/em> \u201eGeschichte in Scheiben. Schallplatten als zeithistorische Quellen\u201c, in: <em>Zeithistorische Forschungen\/Studies in Contemporary History<\/em> 8 (2010), S. 295-304; Kalle Laar: \u201eVinyl Culture und Zeitgeschichte. Schallplattencover als Quellen der visual history\u201c, in: Bodo Mrozek\/Alexa Geisth\u00f6vel\/J\u00fcrgen Danyel: <em>Popgeschichte<\/em>. <em>Bd. 2: Zeithistorische Fallstudien 1958-1988,<\/em> Bielefeld: Transcript 2014, S. 361-370.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Valerie Steele: <em>Fetish. Mode, Sex und Macht,<\/em> Berlin: Berlin Verlag 1996, S. 149.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl. Christiane K\u00f6nig\/Massimo Perimelli\/Olaf Stieglitz: \u201eEinleitung Praktiken\u201c, in: Netzwerk K\u00f6rper (Hg.): <em>What Can A Body Do? Praktiken des K\u00f6rpers in den Kulturwissenschaften,<\/em> Frankfurt a.M.\/New York: Campus 2012, S. 11-15, hier: S. 12.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl. Kelvin E. Y. Low: \u201eOlfactive frames of remembering. Theorizing self, senses, and society\u201c, in: <em>The Sociological Review <\/em>61 (2013), S. 688-708.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Vgl. Kaspar Maase: <em>Die Kinder der Massenkultur. Kontroversen um Schmutz und Schund seit dem Kaiserreich,<\/em> Frankfurt a.M.: Campus 2012; Martina Krenn: <em>Schmutz \u2013 Sex \u2013 Drogen. Jugend und das Populare 1955-1975,<\/em> Wien: L\u00f6cker 2009.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Vgl. Susan Doll: \u201eElvis Presley Collectibles\u201d, http:\/\/entertainment.howstuffworks.com\/elvis-presley-collectibles1.htm, (Abruf: 2.8.2013).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Jean-Fran\u00e7ois Sirinelli: <em>Les Baby-Boomers. Une g\u00e9n\u00e9ration 1945-1969,<\/em> Paris: Fayard 2003, S. 54ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Vgl. Johann Gustav Droysen: <em>Historik. Vorlesungen \u00fcber Enzyklop\u00e4die und Methodologie der Geschichte,<\/em> hrsg. v. Rudolf H\u00fcbner, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1977 [zuerst: 1857], \u00a7 22.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"website mrozek\" href=\"http:\/\/www.geschkult.fu-berlin.de\/e\/fmi\/arbeitsbereiche\/ab_nolte\/doktorandInnen\/bmrozek.html\" target=\"_blank\">Bodo Mrozek<\/a> ist Autor, Historiker sowie Redakteur des Blogs <a title=\"website pophistory\" href=\"http:\/\/pophistory.hypotheses.org\/\" target=\"_blank\">PopHistory<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>v\\:* {behavior:url(#default#VML);} o\\:* {behavior:url(#default#VML);} w\\:* {behavior:url(#default#VML);} .shape {behavior:url(#default#VML);} Normal 0 false 21 false false false DE X-NONE AR-SA \/* Style Definitions *\/ table.MsoNormalTable {mso-style-name:&#8220;Normale Tabelle&#8220;; mso-tstyle-rowband-size:0; mso-tstyle-colband-size:0; mso-style-noshow:yes; mso-style-priority:99; mso-style-parent:&#8220;&#8220;; mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; mso-para-margin-top:0cm; mso-para-margin-right:0cm; mso-para-margin-bottom:8.0pt; mso-para-margin-left:0cm; line-height:107%; mso-pagination:widow-orphan; font-size:11.0pt; font-family:&#8220;Calibri&#8220;,&#8220;sans-serif&#8220;; mso-ascii-font-family:Calibri; mso-ascii-theme-font:minor-latin; mso-hansi-font-family:Calibri; mso-hansi-theme-font:minor-latin; mso-fareast-language:EN-US;} Eine Seife namens Elvis. 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