{"id":5977,"date":"2016-07-18T21:21:01","date_gmt":"2016-07-18T19:21:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=5977"},"modified":"2016-07-18T21:21:01","modified_gmt":"2016-07-18T19:21:01","slug":"mode-julivon-ursula-graf18-7-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2016\/07\/18\/mode-julivon-ursula-graf18-7-2016\/","title":{"rendered":"Mode Julivon Ursula Graf18.7.2016"},"content":{"rendered":"<p>Alles Rose!<!--more --><\/p>\n<p>\u00dcber Susanne Bisovsky<\/p>\n<p>[vimeo id=&#8220;62258095&#8243; autoplay=&#8220;no&#8220;]<\/p>\n<p>Ein Besuch im Wohnsalon der Wiener Modemacherin Susanne Bisovsky in der Beletage einer alten Seidenfabrik am Wiener Brillantengrund entf\u00fchrt in eine andere und doch so vertraute Welt. Gemeinsam mit ihrem Partner Joseph Gerger h\u00fctet sie hier ein Archiv vestiment\u00e4rer Gepflogenheiten. Die Sammelleidenschaft der beiden geht aber weit dar\u00fcber hinaus und erstreckt sich auf H\u00fcte, Kn\u00f6pfe, Borten oder Stickereien, fein s\u00e4uberlich aufbewahrt in Regalen, Vitrinen, Schubladen und Kredenzen. Die Wohnk\u00fcche ist eine einzige Wunderkammer mit einer die W\u00e4nde f\u00fcllenden Sammlung an bunten Blechdosen (vorwiegend mit Rosendekor) sowie einem Marienwinkel mit Madonnenstatuen und weiteren Devotionalien gleich neben dem Esstisch. Die R\u00e4umlichkeiten sind erf\u00fcllt von Geschichte und pers\u00f6nlichen Geschichten. Das Ambiente als \u201edritte Haut\u201c, so nah, so intensiv und inspirierend.<\/p>\n<p>Leben, Wohnen und Arbeiten erfolgt quasi auf Rosen gebettet. Rosen auf Kissen und Fauteuils, ein kunstvolles Rosenmosaik \u00fcber der Sp\u00fcle und nat\u00fcrlich tr\u00e4gt auch das Caf\u00e9service Rosen. Rosen wohin das Auge schweift. Im Salon breitet sich das \u201eGwand\u201c, die \u201ezweite Haut\u201c, gegenw\u00e4rtig mit der Kollektion \u201e3Maederlhouse\u201c, nicht denkbar ohne Rosen aus. Susanne Bisovsky setzt die Rose, das Rosenmotiv auf T\u00fcchern, Taschen, Str\u00fcmpfen, Handschuhen, Oberteilen, R\u00f6cken oder als Kopfschmuck in allen ihren Kollektionen, von der \u201eeverlasting collection\u201c, \u201ewiener chic\u201c, \u201efrida\u201c, \u201emitGift\u201c bis zum \u201e3Maederlhouse\u201c, so exzessiv wie gekonnt ein.<\/p>\n<p>Am 25. Oktober 2003 gab Susanne Bisovsky eine \u201efashion procession\u201c in Wien. Zehn \u201eWiener M\u00e4dchen\u201c, gekleidet in Bisovsky-Entw\u00fcrfen v.a. aus der \u201eWiener Chic\u201c Kollektion, machten sich auf einen l\u00e4ngeren Spaziergang durch die Stadt, gestartet wurde vor dem Hotel Imperial, Fixpunkte der etwa zweist\u00fcndigen Runde waren Besuche in einigen Modegesch\u00e4ften und Lokalit\u00e4ten, mit einer \u201eDanksagung\u201c an Fred Adlm\u00fcller und diversen anderen Aktionen. Dieser lust-, liebe- und humorvolle, spielerische Umgang mit Brauchtum zeichnet Susanne Bisovskys und Joseph Gergers Aktionen und Pr\u00e4sentationen aus. Am 19. Juni 2016 gab Susanne Bisovsky im Rahmen des \u201eWir sind Wien-Festivals\u201c ein \u00e4hnliches Stelldichein, einer Landpartie im Linienbus 38A entlang der H\u00f6henstra\u00dfe mit Picknick am Cobenzl und mindestens drei\u00dfig sch\u00f6nen Wienerinnen in Susanne Bisovsky.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/07\/20160313_SWW_204_SusanneBisovsky-detail.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-5984\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/07\/20160313_SWW_204_SusanneBisovsky-detail-709x1024.jpg\" alt=\"20160313_SWW_204_SusanneBisovsky-detail\" width=\"695\" height=\"1004\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/07\/20160313_SWW_204_SusanneBisovsky-detail-709x1024.jpg 709w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/07\/20160313_SWW_204_SusanneBisovsky-detail-208x300.jpg 208w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/07\/20160313_SWW_204_SusanneBisovsky-detail-768x1110.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/07\/20160313_SWW_204_SusanneBisovsky-detail.jpg 1990w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Bisovskys 3 Maederlhouse im Swarovski Kristallwelten Store auf der K\u00e4rntener Stra\u00dfe, Mai 2016<\/em><\/p>\n<p>Was hat es nun mit dem Rosenmotiv auf sich? Ist die Rose das Medium, um Vergangenes zu vergegenw\u00e4rtigen? Und wenn ja, welche Aspekte welcher Vergangenheit? Es ist das Gef\u00fchl der Verbundenheit mit einem Ort, Bisovskys Heimat, dessen Qualit\u00e4t und Eigenheit die K\u00fcnstlerin intuitiv ertastet, pflegt und zul\u00e4sst. Im Rosennetz gefangen? Gefangen wie bereits Harald Szeemann mit seinem Ausstellungsprojekt anl\u00e4sslich der Tausendjahr-Feier \u00d6sterreichs (1996, MAK), im Ausstellungstitel \u201eAustria im Rosennetz\u201c Herzmanovsky-Orlando zitierend, bzw. adaptiert f\u00fcr Z\u00fcrich: \u201eWunderkammer \u00d6sterreich\u201c?<\/p>\n<p>Befragt ob der Omnipr\u00e4senz des Rosenmotivs, sind sich Bisovsky und Gerger einig. Es ist schlicht und ergreifend ein graphischer Zugang: die Sch\u00f6nheit der Blume ist einfach unausweichlich. Doch im Gespr\u00e4ch stellt sich sehr bald heraus dass hier doch noch einiges mehr mitschwingt: In erster Linie ist es f\u00fcr Joseph Gerger der sinnliche Aspekt der Rose: Der Duft der Rose, Ekstase, Blut, Dornen, Dornenkronen, Dornr\u00f6schen, Sch\u00f6nheit, Schmerz, Erbl\u00fchen und Vergehen.<\/p>\n<p>Einen Aspekt w\u00fcrde ich gerne aufgreifen und etwas n\u00e4her betrachten: Die Rose als marianisches Symbol und Instrumentarium zur Wahrung des Vielv\u00f6lkerstaates in der Habsburgermonarchie: In Zeiten der Gegenreformation r\u00fcckte die Immaculata, das Dogma der unbefleckten Empf\u00e4ngnis Marias, bei den Habsburgern neben dem katholischen Glaubenseifer und der Sakramentsverehrung als eines der drei S\u00e4ulen, auf denen die Herrschaft \u00d6sterreichs ruhte, in den Vordergrund. Die Pietas Austriaca, die \u00f6sterreichische Fr\u00f6mmigkeit (wobei hier die Casa d\u00b4Austria, das Haus \u00d6sterreich gemeint ist), wurde in der Barockzeit als die wichtigste Tugend der habsburgischen Dynastie propagiert. Der Katholizismus war de facto Staatsreligion im Reich. Durch Wallfahrten und Marienkult, aber auch durch kompromisslose H\u00e4rte in der Religionspolitik wurden die Grundfeste f\u00fcr den barocken Katholizismus gelegt, der die habsburgischen L\u00e4nder f\u00fcr lange Zeit pr\u00e4gte und seine Spuren bis heute hinterlassen hat.<\/p>\n<p>Aus der Religion sch\u00f6pften die Habsburger das Recht auf unumschr\u00e4nkte Herrschaft, das Gottesgnadentum war verankert mit der Idee des Kaisertums, verst\u00e4rkt durch den religi\u00f6sen Nimbus um die kaiserlichen Majest\u00e4t, bef\u00f6rdert durch Riten der katholischen Kirche. Wichtige staatspolitische oder auch famili\u00e4re Ereignisse wurden von Dankgottesdiensten, Bittprozessionen, feierlichen Hoch\u00e4mtern oder \u00f6ffentlichen Andachten begleitet. Um Prozessionen, v.a. um die Fronleichnamsprozession entwickelte sich ein reiches Brauchtum. Die Rosen streuenden Kinder finden wir zum Beispiel auch beim Einzug von Kaiser Franz I. in Wien nach dem Pariser Frieden am 16. Juni 1814 in einem Gem\u00e4lde von Johann Peter Krafft.<\/p>\n<p>In Bisovskys Kollektionen ist es zumeist die stark gef\u00fcllte Rose, eine Rosa centifolia (100-bl\u00e4ttrige Rose), Ende des 16. Jahrhunderts in Holland durch Z\u00fcchtung entstanden, bei den Stillleben Malern als \u201eRose des Peintres\u201c zur Lieblingsblume avanciert und v.a. als Vanitas- sowie als marianisches Symbol firmiert. Von den \u00fcber 200 Zentifolien, die im 17. und 18. Jahrhundert an den europ\u00e4ischen H\u00f6fen kultiviert wurden, sind heute nur noch etwa 20 Sorten im Handel. Neben Rocaille, Kartusche, Muschel-Motiven und Mosa\u00cfque wird die Zentifolie in ihrer vielgestaltigen Pracht zum Inbegriff barocker Opulenz und zum ultimativen Bestandteil der Wand- und Deckendekorationen in Kirchen und Pal\u00e4sten.<\/p>\n<p>Die Rose scheint wie keine andere Blume einen barocken Dualismus, von Lebenslust und Todesn\u00e4he, zu verk\u00f6rpern. Dar\u00fcber hinaus wird sie unter Kaiserin Maria Theresia zum marianischen Symbol schlechthin und fraglos zu einem identit\u00e4tsstiftenden Moment habsburgischen Katholizismus. Das Wissen um dieses kulturimmanente Faktum zeigt Bisovsky im von Rosenfauteuils gerahmten Marienwinkel.<\/p>\n<p>Paramente geben Aufschluss \u00fcber den Prozess, wie die Rose, in allen Schichten der Bev\u00f6lkerung des Vielv\u00f6lkerstaates als Botschafterin der Liebe Muttergottes\u02bc, Fu\u00df fasst. Im 17. Jahrhundert treten religi\u00f6se Bildmotive zugunsten einer Blumenornamentik allm\u00e4hlich in den Hintergrund. Die Voraussetzung f\u00fcr diese Entwicklung ist im aufkeimenden Naturalismus und in der Vereinzelung der Objekte als Tr\u00e4ger inhaltlicher Botschaften im autonomen holl\u00e4ndischen Stillleben zu finden. Damit ist eine wichtige\u00a0 Option er\u00f6ffnet: Die Rose kann thematisch motiviert zugleich Bildgegenstand und Ornament sein.<\/p>\n<p>Erwin Panofsky spricht in diesem Zusammenhang von einem \u201eversteckten Symbolismus\u201c, von unter der \u201eH\u00fclle der Erscheinungen verborgenen religi\u00f6sen Tiefenstrukturen\u201c. Der marianische Rosen-Topos wird nicht nur im Kirchenraum an Antependien und Baldachinen, sondern auch an Priesterroben in Prozessionen und Wallfahrten zur Schau getragen. Als Stifterin von Paramenten verstand es Maria Theresia vorz\u00fcglich ihre M\u00fctterlichkeit und Volksn\u00e4he auch durch die handwerkliche Besch\u00e4ftigung mit den Objekten selbst, \u201eIhrer Majest\u00e4t Schn\u00fcrlarbeit\u201c, hervorzustreichen. Verteilt \u00fcber Kirchen, Kapellen, Stifte und Kl\u00f6ster des gesamten Reichs fungierten die Paramente als Botschafter zur Verherrlichung Gottes und wohl auch des Hauses Habsburg-Lothringen, vereint im Glauben, als Unterpfand himmlischer Herrlichkeit.<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich des von der Unesco 2001 ausgerufenen \u201eWelttages f\u00fcr kulturelle Entwicklung\u201c erschien im Mai 2013 eine Schwerpunktausgabe des \u201eStandards\u201c. Lisa Nimmervoll lotet als Koordinatorin der Ausgabe in ihrem Leitartikel \u201eMetamorphosen der Kultur(en)\u201c das Spannungsfeld aus: Welche Kultur und wie viel Vielfalt wird gefeiert, wenn am 21. Mai der von der Unesco, der Kulturorganisation der Vereinten Nationen, proklamierte \u201eWelttag der kulturellen Vielfalt f\u00fcr Dialog und Entwicklung\u201c begangen wird?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/07\/bisovsky_3maederl_03.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-5981\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/07\/bisovsky_3maederl_03-682x1024.jpg\" alt=\"bisovsky_3maederl_03\" width=\"682\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/07\/bisovsky_3maederl_03.jpg 682w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/07\/bisovsky_3maederl_03-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 682px) 100vw, 682px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Die Familie von Susanne Bisovsky stammt aus Polen. Eine historische Tracht aus Lowicz.<\/em><\/p>\n<p>Bebildert wurde diese Schwerpunktausgabe mit Filmstills aus Bisovskys Kurzfilm MitGift (2013), durch \u00dcberblendungen der Modelle wird ein inspirierendes \u00dcberlagern und \u00dcberschreiben suggeriert.<\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/07\/bisovsky_3maederl_07.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-5982\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/07\/bisovsky_3maederl_07-630x1024.jpg\" alt=\"bisovsky_3maederl_07\" width=\"630\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/07\/bisovsky_3maederl_07.jpg 630w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/07\/bisovsky_3maederl_07-185x300.jpg 185w\" sizes=\"auto, (max-width: 630px) 100vw, 630px\" \/><\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Ein Model im Augarten-Porzellanbl\u00e4ttchenoberteil von Bisovsky mit der \u201eWiener Rose\u201c (Die \u201eWiener Rose\u201c wurde\u00a0 im Jahre 1740 in der K\u00f6niglichen Porzellanmanufaktur entworfen)<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Es gibt keine \u201eOriginaltracht\u201c, ist Susanne Bisovsky \u00fcberzeugt. Immer hat man \u00fcber Grenzen hinweg Dinge \u00fcbernommen und weiter entwickelt. Eine bessere und umfassendere Versinnbildlichung zur F\u00f6rderung des interkulturellen Dialogs, welcher angesichts intra- und interreligi\u00f6ser Konflikte ein Schl\u00fcsselaspekt des Friedens sei, ist auch heute kaum vorstellbar.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/07\/bisovsky_3maederl_02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-5983\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/07\/bisovsky_3maederl_02-681x1024.jpg\" alt=\"bisovsky_3maederl_02\" width=\"681\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/07\/bisovsky_3maederl_02.jpg 681w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/07\/bisovsky_3maederl_02-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 681px) 100vw, 681px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Das Muster dieses Kleides stammt von einem Serviertablett mit russischer Lackmalerei.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Kultur tr\u00e4gt das Heterogene in sich. Die Rose als h\u00f6chst ambivalentes Symbol \u00a0&#8211; kein Licht ohne Schatten &#8211; zwischen Wollust und Tod, himmlischer und irdischer Liebe, ist hierzulande wohl vorwiegend christlich konnotiert. Andererseits vermittelt die Rose gen\u00fcgend nicht religi\u00f6se Inhalte und damit das Potenzial integrierend und gemeinschaftsbildend zu wirken.<\/p>\n<p>Das Wiener Neobarock steht auf einer breiten Basis. 1880 propagierte der Kunsthistoriker Albert Ilg in seinem Pamphlet \u00fcber die \u201eZukunft des Barockstils\u201c einen ethisch nicht eingegrenzten, supranational konnotierten Stil. Im Barock sah Ilg das fr\u00f6hliche allen erdenkbaren Lustbarkeiten zugetane \u201e\u00f6sterreichische Wesen\u201c. Ilg argumentiert mit einer \u201enat\u00fcrlichen Verwachsenheit\u201c des Barock im \u00d6sterreichtum und fordert eine heimische Kunst aus dem Geist des Barock. Der Begriff \u201eBarock\u201c scheint auch heute nicht fassbar zu sein. Selbst j\u00fcngste Versuche wie jener von Markus Neuwirth in \u201eBarock. Kunstgeschichte eines Wortes\u201c neigt abschlie\u00dfend zu \u201eeiner mehrschichtigen Ableitung, die man sich als \u00fcbereinandergelagerte, diffundierende Ebenen vorstellen k\u00f6nnte. Die Unsicherheit in der exakten Zuordnung ist Teil des Sprachspiels und im Variationsreichtum liegt zugleich der Wert des Wortes Barock, symptomatisch f\u00fcr die Epoche.\u201c<\/p>\n<p>In diesem Sinn k\u00f6nnte man bei Bisovsky durchaus barocke Tendenzen verorten. Dies auch mit der j\u00fcngst im Swarovski Kristallwelten Flagshipstore\u00a0 in der K\u00e4rntner Stra\u00dfe gestalteten Vitrine. Ein \u201eelektromagnetisches 3 Maederlhouse\u201c auf einer B\u00fchne: Die 3 tanzenden, kopflosen Puppen schweben \u00fcber kreuz- und quer \u00fcbereinandergelegte moldavische Rosenteppiche mit schwarzem Grund und leuchten aus sich heraus. Chiaroscuro, die von Caravaggio so meisterhaft eingesetzte Hell-Dunkel-Malerei kommt in den Sinn. Das \u00fcppige, rosenreiche Ambiente mit den schweren, gerafften Vorh\u00e4ngen und dem leichten Spitzenmuster, welches direkt auf die Vitrine affichiert ist, l\u00e4sst an einen schon l\u00e4nger zur\u00fcckliegenden Deutungsversuch von Wilhelm Hausenstein (1920) denken: \u201eDer Barocke Stil hat dies Geheimnis: seine Einheit auf die Verbindung des Auseinanderstrebenden zu begr\u00fcnden. Er ist die Konzentration des Exzentrischen. Er ist die Synthese des ewig Dualistischen.\u201c<\/p>\n<p>In Brosch\u00fcren von Wien Tourismus rangierte Bisovsky unter den 10 besten Mitbringseln aus Wien: Susanne Bisovskys \u201eGwand\u201c gewisser Ma\u00dfen auf einer Stufe mit der Imperial Torte, jedes ein Wiener Original! Mythenbildung, Kischee oder Tourismuswerbung? Wie sagt die \u00f6sterreichische Autorin, Filmmacherin und Zeichnerin Andrea Maria Dusl in ihrem j\u00fcngst erschienen Buch: \u201eSo geht Wien! Von Arschkappelmuster bis Zwiebelparlament.\u201c So sch\u00f6n: Wien ist nicht nur die Stadt mit den meisten Klischees pro Quadratzentimeter, sie ist auch die Welthauptstadt der Geheimnisse.<\/p>\n<p>[vimeo id=&#8220;173724096&#8243; autoplay=&#8220;no&#8220;]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles Rose!<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[2030,2263,2535],"class_list":["post-5977","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-rosen","tag-susanne-bisovsky","tag-wiener-mode"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5977","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5977"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5977\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5977"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5977"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5977"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}