{"id":5994,"date":"2016-07-18T21:37:24","date_gmt":"2016-07-18T19:37:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=5994"},"modified":"2016-07-18T21:37:24","modified_gmt":"2016-07-18T19:37:24","slug":"gruende-fuer-einen-linken-populismus-rezension-zu-oliver-nachtwey-die-abstiegsgesellschaftvon-martin-seeliger18-7-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2016\/07\/18\/gruende-fuer-einen-linken-populismus-rezension-zu-oliver-nachtwey-die-abstiegsgesellschaftvon-martin-seeliger18-7-2016\/","title":{"rendered":"Gr\u00fcnde f\u00fcr einen linken Populismus Rezension zu Oliver Nachtwey, \u00bbDie Abstiegsgesellschaft\u00abvon Martin Seeliger18.7.2016"},"content":{"rendered":"<p>Linke Imagination<!--more--><\/p>\n<p>Wenn das Bildungssystem immer mehr Abiturienten und Hochschulabschl\u00fcsse produziert, wenn Forschung und Entwicklung immer innovativer, die Produktion immer gr\u00f6\u00dfer, die Arbeitsorganisation im Dienstleistungssektor immer effizienter werden und sich damit, wie Adam Smith es einst formulierte, der Reichtum der Nationen von Jahr zu Jahr vermehrt, wieso \u2013 so fragt Oliver Nachtwey in seinem neuen Buch \u2013 steigt dann eigentlich die Ungleichheit unter den Menschen weiter an?<\/p>\n<p>Diese Frage beantwortet der Autor mit Blick auf die Bundesrepublik Deutschland nicht nur empirisch umfangreich und mit politischem Scharfsinn, sondern auch mit Blick auf einige theoretische Probleme an der Schnittstelle verschiedener sozialwissenschaftlicher Subdisziplinen. Der praktische Ausgangspunkt Nachtweys liegt hierbei in der Beobachtung, dass Probleme sozialer Ungleichheit und Deprivation gegenw\u00e4rtig wieder auftreten, die durch die Expansion des Wohlfahrtsstaats und unter Bedingungen des Klassenkompromisses nach dem Zweiten Weltkrieg \u2013 zumindest in den westlichen Industrienationen \u2013 weithin als \u00fcberwunden galten. Als die \u201esoziale Moderne\u201c mit der \u00d6lkrise zu Beginn der 1970er Jahre zu Ende geht, wandelt sich, so die Zeitdiagnose, eine \u201eGesellschaft des Aufstiegs und der sozialen Integration\u201c in eine \u201eGesellschaft des sozialen Abstiegs, der Prekarit\u00e4t und Polarisierung.\u201c (7f).<\/p>\n<p>In Auseinandersetzung mit Ulrich Becks Arbeiten zur Individualisierung (vgl. Beck 1986), entwickelt der Autor seine Darstellung der politischen Implikationen dieser Entwicklung. W\u00e4hrend Becks These einer (vor allem durch Bildungsexpansion und Beteiligung der Arbeiter am gesellschaftlichen Wohlstand) bedingten Erosion der Inklusionskraft sozialer Klassen zugunsten einer Diversifizierung von Lebensstilen auch die Aufl\u00f6sung des Klassenkonfliktes als Motor gesellschaftlicher Entwicklung impliziert, erkennt Nachtwey entsprechende Auseinandersetzungen als eindeutige Effekte einer \u201eregressiven Modernisierung\u201c.<\/p>\n<p>Im Zuge fortschreitender Globalisierung und Finanzialisierung erodierten die Machtfundamente der nationalen Arbeiterschaften westlicher Industriel\u00e4nder als Resultat zunehmender Standortkonkurrenz (Lohndruck und Steuerwettbewerb), wie auch durch einen allgemeinen kulturellen Wandel (hier hatte Beck schon Recht!!). Wenn unter Bedingungen sinkender Ertr\u00e4ge, so Nachtwey anschlie\u00dfend an Marx, die Kapitalakkumulation verlangsamt wird, beeinflusst dies auch den anhaltenden Verteilungskonflikt zwischen Kapital und Arbeit im sog. <em>Postwachstumskapitalismus<\/em>.<\/p>\n<p>Dieser Verteilungskonflikt manifestiert sich im Ergebnis in einer Flexibilisierung des Arbeitsmarktes sowie einer R\u00fccknahme wohlfahrtsstaatlicher Leistungen. Um unter Bedingungen der Globalisierung Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu gew\u00e4hrleisten, so lautet zumindest die neoliberale Legitimationserz\u00e4hlung, werden prek\u00e4re Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse als \u201erelevanter Teil des Arbeitsmarkts\u201c (13) institutionalisiert. \u201e[N]eue Unterschichtungen\u201c (162) produziert in Deutschland (und im Zuge der Austerit\u00e4tspolitik der Euro-Zone mittelbar auch dar\u00fcber hinaus) die Agenda-Politik der Bundesregierung.<\/p>\n<p>Die insgesamt fortschreitende Prekarisierung der Erwerbst\u00e4tigkeit vor Augen, nimmt f\u00fcr die Mittelschichten nicht unbedingt die objektive, aber zumindest die Sorge vor dem sozialen Abstieg zu. Dass die Ber\u00fccksichtigung der subjektiven Ebene institutionellen Wandels insgesamt eine St\u00e4rke der Ausf\u00fchrungen Nachtweys darstellt, zeigt sich auch bei seiner Analyse der individuellen Wirksamkeit von Ideologien: \u201eDer moderne Kapitalismus funktioniert nicht ohne die Mitarbeit, nicht ohne die freiwillige Teilhabe der Individuen\u201c (78). Durch die Kultivierung eines Ideals von Eigenverantwortung plausibilisiert die Kultur die materiellen Zumutungen der Abstiegsgesellschaft.<\/p>\n<p>Der meritokratische Fetisch der Chancengleichheit ziehe hierbei, so Nachtwey, einen paradoxen Effekt nach sich: Anstelle egalit\u00e4rer Verteilungsergebnisse bedingt dieser in erster Linie eine Intensivierung des Wettbewerbs am Arbeitsmarkt. Den zuvorderst auch von Boltanski und Chiapello beschriebenen Wandel der Arbeitswelt beschreibt der Autor hierbei aus Arbeitnehmersicht als \u201efaustischen Pakt\u201c (84): Ein \u201amehr\u2018 an Eigenst\u00e4ndigkeit brachte hier nicht nur einen Verlust an Sicherheit, sondern auch h\u00f6here Leistungsanforderungen mit sich.<\/p>\n<p>Auf dieser ideologischen Ebene liegt der Krisendiagnose Nachtweys die Abwertung des Leistungsprinzips der meritokratischen Gesellschaft zugrunde. W\u00e4hrend die Idee leistungsgerechter Entlohnung, bzw. eines vollumf\u00e4nglichen Statuswettbewerbs zwar schon immer einen Mythos darstellte (so w\u00fcrde sie ja z.B. einen Erbschaftssteuersatz von 100% erfordern), diagnostiziert der Autor zudem eine Ver\u00e4nderung: \u201e[S]tattdessen entstand eine Kultur des Erfolgs, in der nicht der Aufwand, sondern das Ergebnis z\u00e4hlt\u201c (113). Die Deutungsmacht dar\u00fcber, was Leistung sei, liege hierbei bei den \u201e\u00f6konomischen und politischen Eliten\u201c, welche sich selbst deutungsm\u00e4chtig zu Leistungstr\u00e4gern stilisierten. Hierhin erkennt Nachtwey ein Gerechtigkeitsproblem f\u00fcr das Gleichheitspostulat des demokratischen Gemeinwesens.<\/p>\n<p>Die wohlfahrtsstaatliche Schleifung und der arbeitsmarktpolitisch induzierten Lohndruck bei einer immer weiter abnehmenden Repr\u00e4sentation schwacher Interessen im parlamentarischen Prozess stellt f\u00fcr Nachtweys (unter konfliktsoziologischen Gesichtspunkten marxistisch inspirierte) Darstellung ein klassenpolitisches Problem dar, geht es ihm hier doch um den \u201eZusammenhang von \u00f6konomischer Position und politischer Macht\u201c (93). Als Resultat eines (ideologischen) Klassenkampfes von oben erscheint ihm vor diesem Hintergrund ein \u201egrundlegender Strukturwandel der Politik\u201c vom \u201e<em>genitivus objectivus<\/em> zum <em>genitivus subjectivus<\/em> in der Formulierung Regierung <em>der<\/em> M\u00e4rkte\u201c (94).<\/p>\n<p>Im Schlusskapitel \u201eDas Aufbegehren\u201c wagt Nachtwey auf Grundlage seiner Analyse j\u00fcngerer Proteste gegen die von ihm aufgearbeiteten Entwicklungen einen Ausblick auf etwaige politische Folgen. Die Logik hierhinter ist relativ einfach: \u201ePrekarit\u00e4t und Abstiege f\u00fchren [\u2026] zu Akten des Aufbegehrens\u201c (179). W\u00e4hrend er entsprechende Mobilisierung einerseits in der Gr\u00fcndung der Linkspartei oder den Protesten im Rahmen von Occupy erkennt, ist er sich gleichzeitig der Gefahr eines autorit\u00e4ren Regress bewusst, die im politischen Streben national orientierter Gegenakteure wie Pegida oder der AfD veranlagt ist.<\/p>\n<p>Dankenswerterweise r\u00e4sonniert der Soziologe Nachtwey hier sensibler als so mancher politischer Aktivist, wenn er die Aussage, bei Pegida handele es sich um \u201eganz normale B\u00fcrger, die sich Sorgen machen\u201c (217f) als \u201enicht ganz falsch\u201c (218) bezeichnet. Denn wo Vertreter von Occupy, die Linkspartei und vermutlich auch die ein oder andere Antifa-Gruppe eine Auseinandersetzung zwischen Arm und Reich (bzw. Kapital und Arbeit) erkennt, sehen die Pegida-Deutschen zwar einen Konflikt zwischen In- und Ausl\u00e4ndern. Die \u00c4ngste vor der praktischen Konsequenz der Verwerfungen, die der moderne Kapitalismus potenziell f\u00fcr jeden bereith\u00e4lt, erscheint aber gleicherma\u00dfen als Triebkraft der politischen Mobilisierung. (Und wer annimmt, f\u00fcr autorit\u00e4re Mentalit\u00e4ten b\u00f6te sich bei der Antifa kein Raum, irrt selbstverst\u00e4ndlich obendrein.)<\/p>\n<p>Allgemein, so der zumindest prinzipiell optimistische Schluss, tr\u00fcgen die Proteste allerdings das Potenzial in sich, \u201ein Zukunft zu erneuerten Klassenbewegungen zu werden\u201c (226). Einen gemeinsamen Nenner erkennt Nachtwey hier in einer \u201ediffusen Kontrastierung einer Elite und der Bev\u00f6lkerungsmehrheit\u201c (260). Prekarit\u00e4t, so die wesentliche Neuerung, werde von den Beteiligten nicht l\u00e4nger als (wom\u00f6glich selbstverschuldetes) Einzelschicksal, sondern zumindest als kollektive Erfahrung wahrgenommen. In Ermangelung eines umfassenden Narratives sei ein entsprechendes Unbehagen noch in kein \u201eTelos\u201c (228) eines Konfliktes mit klaren Konturen \u00fcberf\u00fchrt worden. Die Entwicklung eines entsprechenden Deutungsrahmens benennt der Autor perspektivisch als Aufgabe \u201eder linken Imagination\u201c (232).<\/p>\n<p>Angesichts ihrer politischen wie theoretischen Implikationen, stellte sich mir beim Lesen die Frage, um was f\u00fcr eine Art Text es sich bei der \u201eAbstiegsgesellschaft\u201c eigentlich handelt. Eine zeitdiagnostische Streitschrift? Oder vielleicht eine Einf\u00fchrung in die politische Soziologie und Sozialstrukturanalyse? F\u00fcr ersteres w\u00fcrde zumindest die eindeutige politische Tendenz, f\u00fcr den zweiten Punkt hingegen die leicht nachvollziehbar Darstellung und die zug\u00e4ngliche Ausdruckweise sprechen.<\/p>\n<p>Bei genauerem Hinsehen stellt man dar\u00fcber hinaus fest, dass der Text \u2013 dem lockeren Schreibstil zum Trotz \u2013 auf sachkundiger empirischer Arbeit beruht. Wenn Nachtwey etwa die betrieblichen Auswirkungen des strategischen Einsatzes von Leiharbeit oder die klassenpolitischen Implikationen der r\u00e4umlichen Segmentierung einer von ihm untersuchten Automobilfabrik schildert, wird deutlich, dass hier nicht nur Literatur referiert, sondern von eigenst\u00e4ndigen Forschungsprojekten berichtet wird (ich habe den Eindruck, dass das bei oberfl\u00e4chlichem Lesen nicht unbedingt klar wird).<\/p>\n<p>Nachtweys nach eigener Aussage \u201evon der Kritischen Theorie beeinflusste[n] Zugang\u201c (74), vermeidet gl\u00fccklicherweise jenen elitistischen Frankfurter Duktus (und h\u00e4ufig auch Argumentationsgang), den man in den Kulturkritiken Horkheimers und Adornos findet. Dass der Autor keine hochtrabend-abstrakten Schlussfolgerungen anstellt, bedeutet nicht, dass der Text nicht auch sozialtheoretisch anschlussf\u00e4hig w\u00e4re. Tats\u00e4chlich erscheint mir die Darstellung der deutschen Gesellschaftsentwicklung im L\u00e4ngsschnitt eher beeinflusst von der Theorie des historischen Institutionalismus (Skocpol 1979). Zahlreiche Bez\u00fcge zur Disziplin der Politischen \u00d6konomie bleiben (aus meiner Sicht) eher implizit. Zwar weist Nachtwey nach, dass es sich bei der bundesdeutschen Wirtschaftsordnung (zumindest heute nicht mehr) um das System einer \u201aCoordinated Market Economy\u2018 (Hall\/Soskice 2001) handelt. Entsprechende Verweise sucht man im Buch allerdings vergeblich (obwohl sie sicher gut hineinpassen w\u00fcrden!).<\/p>\n<p>Zwei wesentliche Leerstellen fallen in der konzeptionellen Rahmung der Studie auf: Zum einen vernachl\u00e4ssigt diese, wie der Autor selbst bemerkt, transnationale Aspekte zumindest im Bereich der politischen Mobilisierung einer Gegenbewegung zur regressiven Modernisierung. Gibt es eventuell eine gemeinsame politische Klammer, die den Protesten (etwa in Form von Arbeitsk\u00e4mpfen) zus\u00e4tzliche Legitimation und Durchsetzungsf\u00e4higkeit verschafft, indem sie ihre G\u00fcltigkeit jenseits nationaler Grenzen gewinnt? Und falls nein, wieso endet die Mobilisierung dann an genau diesen Grenzen?<\/p>\n<p>Ein zweiter Punkt liegt in der Nicht-Ber\u00fccksichtigung \u00f6kologischer Fragen und Problemstellungen. Das ist zwar kein allgemeines Problem (und evtl. kein empirisches, denn vermutlich stellt die von der Bundesrepublik ausgehende Bedrohung der \u00f6kologischen Sph\u00e4re im globalen Ma\u00dfstab ein im internationalen Vergleich eher geringes Risiko dar). Es erscheint mir aber zumindest als w\u00fcnschenswert, die Vernachl\u00e4ssigung dieser Problemstellung etwas genauer zu begr\u00fcnden (und sei es nur, um der alternativen Schwerpunktsetzung auf Ungleichheit und mangelnde Demokratie zus\u00e4tzliche Legitimit\u00e4t zu verschaffen).<\/p>\n<p>Der kapitalismustheoretische Exkurs im Unterkapitel zum Post-Wachstums-Kapitalismus dient Nachtwey, wie ich es verstehe, (unter anderem) zur Begr\u00fcndung einer Dynamik des Kapitalismus, die Entwicklungen der Liberalisierung\/\u00d6konomisierung\/Vermarktlichung\/Landnahme\/De-Institutionalisierung (etc.), die seine \u201espezifische Direktionalit\u00e4t\u201c (Streeck 2009) zumindest in Ans\u00e4tzen erkl\u00e4ren soll. Ein Verweis auf tendenziell sinkende Profite muss hier als Verweis gen\u00fcgen. Warum unter Bedingungen kapitalistischer M\u00e4rkte nur Liberalisierung m\u00f6glich ist (oder war das gar nicht die Aussage? Irgendwie passt sie ja auch nicht unbedingt zu den Perspektiven, die der Autor sp\u00e4ter f\u00fcr den politischen Protest aufzeigt). Aber vielleicht war das auch gar nicht das Thema.<\/p>\n<p>Mit ihren zahlreichen empirischen Implikationen bietet Nachtweys Zeitdiagnose eine Reihe praktischer Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr die sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung. Spannend erscheint mir hierbei zum einen die Frage, inwiefern die zunehmende Prekarisierung des Arbeitsmarktes f\u00fcr Sozialwissenschaftler nicht m\u00f6glicherweise eine Einschr\u00e4nkung der Reflexionsf\u00e4higkeit mit sich bringt. Wenn die Laufzeit von Arbeitsvertr\u00e4gen immer k\u00fcrzer wird, der Publikationsdruck weiter steigt und die Vergabe von Forschungsgeldern mehr und mehr an die praktische Verwendbarkeit, bzw. die szientistisch angemessene Formatierung geplanter Studien, gekn\u00fcpft wird (auch hierin sind schlie\u00dflich mittelbar Resultate neoliberaler Kulturdiffusion zu sehen), k\u00f6nnen wir das zeitdiagnostische Potenzial der Disziplin dann als weiterhin gew\u00e4hrleistet ansehen?<\/p>\n<p>Unter Bedingungen eines immer prek\u00e4rer werdenden Wissenschaftsbetriebes stellen Arbeiten wie die \u201eAbstiegsgesellschaft\u201c, vor allem von Angeh\u00f6rigen des akademischen Mittelbaus keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit mehr da. Dass es dem Autor gelingt, die Ergebnisse einzelner, an unterschiedlichen Orten durchgef\u00fchrter Forschungsprojekte zu diesem scharfsinnigen und argumentativ \u00fcberzeugenden Beitrag zu verkn\u00fcpfen, erscheint vor diesem Hintergrund als besonders bemerkenswert.<\/p>\n<p>Ein weiterer Ansatzpunkt f\u00fcr zuk\u00fcnftige Untersuchungen l\u00e4ge in einer international vergleichenden Untersuchung in Anlehnung an Nachtweys Design in der Bundesrepublik. K\u00f6nnen wir \u00e4hnliche (oder sogar noch st\u00e4rkere) Dynamiken in den Krisenl\u00e4ndern der Eurozone erkennen? Und wie ist es um den globalen S\u00fcden bestellt? Und was ist mit der Mobilisierungspotenzial des chinesischen Proletariats, das doch zumindest zahlenm\u00e4\u00dfig die umfangreichste Gruppe nationale Arbeiterschaft konstituiert?<\/p>\n<p>In einem Gastbeitrag f\u00fcr Zeit-Online schl\u00e4gt Nachtwey einen <a title=\"artikel nachtwey zeit online\" href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2016-05\/populismus-europa-frankreich-liberalismus-ungleichheit\/komplettansicht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201alinken Populismus\u2018<\/a> als m\u00f6glichen politischen Impulsgeber vor: \u201eEin linker Populismus, der die \u00c4ngste der B\u00fcrger ernst nimmt und sie in einen Kampf f\u00fcr ein solidarisches Gemeinwesen lenkt, k\u00f6nnte in der europ\u00e4ischen Abstiegsgesellschaft sich deshalb als Gl\u00fccksfall f\u00fcr die Demokratie erweisen.\u201c Es w\u00e4re spannend zu diskutieren, wie solch ein linker Populismus m\u00f6glichst ohne autorit\u00e4re Anleihen zu gestalten w\u00e4re.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Literatur<\/p>\n<p>Beck, Ulrich (1986): Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt a.M.: Suhrkamp<\/p>\n<p>Hall, Peter; Soskice, David (2001): Varieties of Capitalism. Oxford: Oxford University Press<\/p>\n<p>Skocpol, Theda (1979): States and Social Revolutions. New York<\/p>\n<p>Streeck, Wolfgang (2009): Re-Forming Capitalism. Institutional Change in the German Political Economy. Oxford: Oxford University Press<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bibliografischer Nachweis:<\/strong><br \/>\nOliver Nachtwey<br \/>\nDie Abstiegsgesellschaft. \u00dcber das Aufbegehren in der regressiven Moderne<br \/>\nBerlin 2016<br \/>\nSuhrkamp Verlag<br \/>\nISBN 978-3518126820<br \/>\n264 Seiten<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Linke Imagination<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[1508,1870,2191],"class_list":["post-5994","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-meritokratie","tag-populismus","tag-soziale-ungleichheit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5994","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5994"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5994\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5994"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5994"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5994"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}