{"id":6029,"date":"2016-08-06T17:05:20","date_gmt":"2016-08-06T15:05:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=6029"},"modified":"2016-08-06T17:05:20","modified_gmt":"2016-08-06T15:05:20","slug":"pop-archiv-augustvon-philipp-pabst-6-8-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2016\/08\/06\/pop-archiv-augustvon-philipp-pabst-6-8-2016\/","title":{"rendered":"Pop-Archiv Augustvon Philipp Pabst6.8.2016"},"content":{"rendered":"<p>1949: Haustiere und Heidegger. \u00dcber ein St\u00fcck Erziehung aus der <em>H\u00f6r Zu!<\/em><!--more --><\/p>\n<p>\u201eFreundschaft mit Tieren\u201c hei\u00dft ein Beitrag in der Reihe \u201eDu und Deine Kinder\u201c im Frauenfunk des NWDR vom Mittwoch, den 02. M\u00e4rz 1949. Obwohl die Sendung nur rund f\u00fcnf Minuten umfasst (8.55 bis 9.00 Uhr), weist das Frontblatt der gr\u00f6\u00dften Rundfunkzeitung nach dem Zweiten Weltkrieg extra mit einem Foto auf den Programmtipp hin.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Archivrubrik-Pabst-Ho-rZu-Abb-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-6040\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Archivrubrik-Pabst-Ho-rZu-Abb-1-723x1024.jpg\" alt=\"Archivrubrik Pabst Ho rZu Abb 1\" width=\"695\" height=\"984\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Archivrubrik-Pabst-Ho-rZu-Abb-1-723x1024.jpg 723w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Archivrubrik-Pabst-Ho-rZu-Abb-1-212x300.jpg 212w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Archivrubrik-Pabst-Ho-rZu-Abb-1-768x1087.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Archivrubrik-Pabst-Ho-rZu-Abb-1.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Fotografie stammt nicht etwa aus dem Filmklassiker <em>Lassie<\/em> <em>Come Home<\/em> von 1943 (<em>MGM<\/em>, R.: Fred M. Wilcox). Das Bild zeigt die US-amerikanische Schauspielerin Marsha Hunt bei einem <em>Publicity Shooting <\/em>f\u00fcr <em>Paramount Pictures<\/em><em>. <\/em>Der Collie ist dennoch kein Zufall. <em>Lassie<\/em> war zu dieser Zeit schon bekannt, in Deutschland kam der Film unter dem Titel <em>Heimweh <\/em>in die Kinos.<\/p>\n<p>In geradezu ostentativer Form inszeniert der <em>Publicity Shot<\/em> freundschaftliche Verbundenheit. \u00dcber die Blickachse, die Lippenfarbe und Frisur, die Stellung der rechten Hand und die Manik\u00fcre bis zur irritierenden Quaste sowie dem linken Arm, der den Collie umschlie\u00dft und den sprechenden Hintergrund f\u00fcr die Ank\u00fcndigung des Sendungsthemas liefert, analogisiert die Fotografie die Abgebildeten auf bestm\u00f6gliche Weise. Anthropomorphisierung bzw. Animalisierung unterstreichen die N\u00e4he zwischen ,Frauchen\u2018 und Collie.<\/p>\n<p>Gerade vor dem Hintergrund der Sendereihe muss man das inszenierte Verh\u00e4ltnis zwischen Frau und Tier als ein gegendertes begreifen. Dass das Haustier beinahe auf dem Scho\u00df der Schauspielerin sitzt und dadurch als Vertrauter sowie potentielles Erziehungsmittel in Position gebracht wird, ist ein Effekt der fotografischen Inszenierung im Kontext des Hefts.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a> Zus\u00e4tzlich zu dieser Verkn\u00fcpfung von Frau, Tier und Erziehung \/ Haushalt weht nicht zuletzt ein Hauch von Hollywood durch die deutschen Wohnstuben. Die Bildunterschrift \u201eFoto: Paramount\u201c sowie Hunts <em>style<\/em>, von der Quaste einmal abgesehen, zeigen es an.<\/p>\n<p>Titelbilder wie dieses geh\u00f6ren zum Standardrepertoire der fr\u00fchen<em> H\u00f6r Zu!<\/em> Filmstars sowie Archivfotografien von putzigen Kleinkindern und Haustieren wechseln sich auf den Frontseiten der Zeitung ab oder werden zur Affektsteigerung direkt miteinander kombiniert. Mit geringem oder keinem Bezug zum Heftinhalt verf\u00fcgen die Bilder \u00fcber einen emotionalisierenden Eigenwert, auf Hunt wird im Heft beispielsweise gar nicht eingegangen. Spontane Assoziationen wie ,niedlich\u2018, ,witzig\u2018, ,sch\u00f6n\u2018 etc. sind neben dem Programmhinweis der prim\u00e4re Zweck der Bildwahl, die ganz im Dienst der allgemeinen Linie des Blatts steht.<\/p>\n<p><em>H\u00f6r Zu!<\/em> wird 1946 von Axel Springer unter Lizenz der britischen Milit\u00e4rregierung in Hamburg gegr\u00fcndet und dann in die redaktionelle Betreuung des Journalisten Eduard Rhein gegeben.<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a> In unterhaltender und dezidiert unpolitischer Ausrichtung konzentrieren sich Rhein und seine MitarbeiterInnen auf die Dokumentation des Rundfunkprogramms sowie die Vermittlung traditioneller Werte.<\/p>\n<p>Die Zeitung folgt darin grob der Re-Education der Alliierten, gibt sich aber vor allem heiter und optimistisch, erbaulich, informativ und stets unverf\u00e4nglich. Neben den obligatorischen Programmbeschreibungen liefert <em>H\u00f6r Zu!<\/em> R\u00e4tsel und Witze, Informationen \u00fcber Rundfunktechnik und Portraits von Rundfunkschaffenden in den Rubriken <em>Den m\u00f6chte ich sehen<\/em> sowie <em>Wo sie blieben und was sie trieben<\/em>.<\/p>\n<p>Vor allem im Zuge der Neuausrichtung der Zeitung ab Herbst 1949 nimmt die Wertvermittlung noch einmal merklich zu. <em>H\u00f6r Zu!<\/em> verdoppelt den Umfang und entwickelt sich zeitweilig zur auflagenst\u00e4rksten Illustrierten Europas. Im Zentrum ihres gesellschaftlichen Auftrags steht kennzeichnend f\u00fcr die 1950er Jahre das christliche Idealkonstrukt ,Familie\u2018 mit seinen Eckpfeilern Harmonie, Behaglichkeit, Sicherheit und Produktivit\u00e4t. Fortan wird Eduard Rhein die LeserInnen der Zeitung als ,<em>H\u00f6r Zu!<\/em>-Familie\u2018 adressieren: Auf zahlreichen Seiten bietet das Blatt alltagspraktische Tipps, Hilfe verschiedener Art und die M\u00f6glichkeit der Beratung an, am bekanntesten sicher in der von Walther von Hollander geleiteten Rubrik \u201eFragen Sie Frau Irene\u201c.<\/p>\n<p>Abgerundet wird die Leserbindung durch kluges <em>branding<\/em>. An seiner Spitze steht der Zeitungsigel Mecki, Signum der 1950er Jahre, Namensgeber f\u00fcr einen Haarschnitt, Comic-Protagonist und bieder-gem\u00fctlicher Modellleser, in dem sich die <em>H\u00f6r Zu!<\/em>-Familie wiederfinden soll.<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a> Nahbarkeit ist ein Schl\u00fcsselwort dieses Presseerfolgs, der Kritiker dazu veranlasst hat, der <em>H\u00f6r Zu!<\/em> den Beinamen ,neue Gartenlaube\u2018 zu geben.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a><\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 1949 ist all dies noch entfernt, auch wenn es sich andeutet. Vor allem das Ende der Programmbeschreibung zur Sendung \u201eFreundschaft mit Tieren\u201c in der Reihe \u201eDu und Deine Kinder\u201c zeigt schon in die erbaulich-famili\u00e4re Richtung. Erziehungspraktisch orientiert lautet der Rat:<\/p>\n<p>\u201eWir sollten den Kindern solche gl\u00fcckvollen Freundschaften mit Tieren, wenn es irgend geht, gew\u00e4hren. Denn sie gewinnen nicht nur Sch\u00e4tze f\u00fcr ihr sp\u00e4teres Leben, sondern sie lernen auch manches in ihrem erwachenden und wachsenden Herzen an liebevoller Duldsamkeit dem schw\u00e4cheren Wesen gegen\u00fcber.\u201c<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a><\/p>\n<p>Helga Prollius, die Leiterin des NWDR Frauenfunks, formuliert durchaus im getragenen, mitunter ein wenig geschraubt daherkommenden Duktus der Zeit; Tiere und Kinder, das passt zusammen, vielleicht machen Haustiere die Kleinen sogar zu tugendhafteren Menschen \u2013 ein vers\u00f6hnliches <em>closing statement<\/em>.<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[vii]<\/a> \u201eTiere im Heim! Eine Quelle der Freude und Belehrung, eine Erholung und Entspannung\u201c, hei\u00dft es \u00e4hnlich in Ingo Krumbiegels \u201eVon Haustieren und ihrer Geschichte\u201c (1947), einer Buchbeigabe des <em>Kosmos.<\/em> <em>Gesellschaft der Naturfreunde<\/em>, die \u201ein Worten die jeder versteht [\u2026], von Tieren und Blumen der Heimat und ferner L\u00e4nder\u201c berichten will<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[viii]<\/a>. Dagegen schl\u00e4gt der Beginn der <em>H\u00f6r Zu!<\/em>-Programmbeschreibung zun\u00e4chst eine geradezu verbl\u00fcffende Richtung ein:<\/p>\n<p>Freundschaften mit Tieren bringen in das Leben manches Menschen warme und tiefe Freude. Ja, es gibt viele, die zu der traurigen Erkenntnis kommen, dass Tiere besser seien als Menschen. Auch Philosophen, Staatsm\u00e4nner und K\u00fcnstler \u2013 denken Sie an Schopenhauer und dessen Pudel Atma \u2013 haben sich zur stummen Kreatur hingezogen gef\u00fchlt und ein ganz pers\u00f6nliches Verh\u00e4ltnis zu ihr gepflegt.<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[ix]<\/a><\/p>\n<p>Schopenhauer-Anekdoten f\u00fcr die erziehenden Radioh\u00f6rerInnen? Diese betont bildungsbeflissene Konturierung der <em>H\u00f6r Zu!<\/em> wird im Laufe der 1950er-Jahre kaum mehr eine Rolle spielen. 1949 ist sie lediglich das Warm-Up f\u00fcr einen Sprung in weit elit\u00e4rere Sph\u00e4ren. Erziehung hei\u00dft in Prollius\u2019 Beitrag nicht zuletzt Erziehung der H\u00f6rerInnen in R\u00fcckgriff auf die abendl\u00e4ndische Bildungstradition. Von Atma aus geht es im zweiten und dritten Passus \u00fcber zu existential-ontologischen Ausf\u00fchrungen \u00e0 la Heidegger:<\/p>\n<p>Der Mensch setzt sich durch seinen sch\u00f6pferisch denkenden Geist vielfach in Widerspruch zu Welt und All. Er mu\u00df es auch, weil er allein aus diesem Gegensatz seine st\u00e4rksten Pers\u00f6nlichkeitswerte hervorzul\u00e4utern vermag. Das Tier hingegen steht fest und unbewu\u00dft sicher im Kosmos; widerspruchslos ruht es als Kreatur im Sein. Es ist in sich geschlossen, ganz f\u00fcr sich. Ohne R\u00fcckbiegung (Reflexion) auf sich selber passt es sich in seine Umwelt ein.<\/p>\n<p>Seit je ist durch dieses einfache Da-Sein, das so ohne Frage ist, das Tier dem Menschen in fast heiligem Licht erschienen. Die alten Kulturv\u00f6lker verehrten ihre Gottheiten in Tiergestalten: die Chinesen im Drachen Lung, die \u00c4gypter im Stier Apis. Noch Homer gab seinen G\u00f6ttinnen Hera und Athene die Beinamen ,boopis\u2018 und ,glaukopis\u2018, hergeleitet vom majest\u00e4tisch blickenden Auge der Kuh und dem scharffassenden Sehen der klugen Eule. Alles Beweise, da\u00df das Anders-Sein der Tiere, ihr Freisein von schw\u00e4chlicher Verwirrung und Verstrickung in Eitelkeit und Laster mancher Art, den Menschen ergriffen und besch\u00e4ftigt haben mu\u00df.<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[x]<\/a><\/p>\n<p>Als schillernde Ausnahmen innerhalb der <em>H\u00f6r Zu!<\/em> partizipieren solche Textstellen an einem breiten Diskursph\u00e4nomen der sp\u00e4ten 1940er Jahre. Metaphysische und ontologische Argumentationen mit ihren bisweilen salbungsvollen Universalisierungen sind <em>en vogue. <\/em>Abstrakte Gro\u00dfkategorien wie ,Sein\u2018, ,Seele\u2018, ,Geist\u2018 und ,Abendland\u2018 dienen als Eckpfeiler der r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten Erneuerung nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein Beitrag wie \u201eFreundschaft mit Tieren\u201c popularisiert dieses Ph\u00e4nomen. Er entlehnt den Duktus samt der f\u00fcr Heidegger charakteristischen Worttrennungsstriche und hebt mit Hilfe des philosophischen Vokabulars Verfasser, Gegenstand und Adressaten gleicherma\u00dfen auf einen Sockel.<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[xi]<\/a> Versatzst\u00fccke aus dem Arsenal der humanistischen Tradition (<em>boopis<\/em>, <em>glaukopis<\/em> etc.) flankieren die Diskursstrategie und offerieren den LeserInnen Erbauung im Rahmen einer als privilegiert ausgewiesenen, bildungsges\u00e4ttigten Erfahrung.<\/p>\n<p>Auch in den 1950er Jahren sind Tiere nach wie vor ein Dauerthema der <em>H\u00f6r Zu!<\/em> Doch der weihevolle Ton ist verschwunden. Die Beitr\u00e4ge, in denen die Tiere h\u00e4ufig selbst ,zu Wort kommen\u2018, verbinden Heimat- und Domestikationssemantiken mit vorwiegend humoristischem Einschlag.<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[xii]<\/a> \u201eSchwarzkittel wird Zivilist\u201c ist der Titel einer Bildergeschichte von 1956. Mecki wird es gefreut haben:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Archivrubrik-Pabst-Ho-rZu-Abb-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-6041\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Archivrubrik-Pabst-Ho-rZu-Abb-2-724x1024.jpg\" alt=\"Archivrubrik Pabst Ho rZu Abb 2\" width=\"695\" height=\"983\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Archivrubrik-Pabst-Ho-rZu-Abb-2-724x1024.jpg 724w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Archivrubrik-Pabst-Ho-rZu-Abb-2-212x300.jpg 212w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Archivrubrik-Pabst-Ho-rZu-Abb-2-768x1087.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Archivrubrik-Pabst-Ho-rZu-Abb-2.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i] <\/a>Das verwendete Material stammt aus dem <a title=\"website uni m\u00fcnster\" href=\"http:\/\/www.uni-muenster.de\/Kulturpoetik\/medienarchive\/pop-archiv\/\" target=\"_blank\">Pop-Archiv<\/a> des Germanistischen Instituts der Westf\u00e4lischen Wilhelms-Universit\u00e4t M\u00fcnster.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii] <\/a>Julia Bodenburg hat in verschiedenen Texten auf das Gendering im Verh\u00e4ltnis von Tieren und Frauen \/ M\u00e4nnern hingewiesen. Vgl. etwa \u201eTranshumanistische Erweiterungen. Gender und Animal Studies\u201c, in: <em>Diversity Trouble. Vielfalt \u2013 Gender \u2013 Gegenwartskultur,<\/em> hg. v. Peter C. Pohl und Hania Siebenpfeiffer, Berlin, o.S. [erscheint 2016].<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii] <\/a>Vgl. Seegers, Lu: <em>H\u00f6r zu! Eduard Rhein und die Rundfunkprogrammzeitschriften (1931-1965)<\/em>, 2. Aufl., Potsdam 2003, S. 159-174 (= Ver\u00f6ffentlichungen des deutschen Rundfunkarchivs, Bd. 34). Zur beruflichen Biografie Eduard Rheins vgl. S. 39-86.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv] <\/a>Vgl. Seegers: <em>H\u00f6r zu!<\/em> S. 191-208.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v] <\/a>Vgl. Becker, Rolf: \u201eDie neue Gartenlaube\u201c. In: <em>Der Monat<\/em>, Jg. 13 (1960), S. 52-58.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[vi] <\/a>Prollius, Helga: \u201eFreundschaft mit Tieren\u201c. In: <em>H\u00f6r Zu! <\/em>10 (1949), S. 5. Die erw\u00e4hnte \u201eDuldsamkeit dem schw\u00e4cheren Wesen gegen\u00fcber\u201c ist wom\u00f6glich als implizite Abgrenzung gegen\u00fcber der NS-Ideologie zu verstehen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[vii] <\/a>Wie zahlreiche MitarbeiterInnen der <em>H\u00f6r Zu!<\/em> war Prollius (Jg. 1910) bereits vor 1945 beim Rundfunk t\u00e4tig, zun\u00e4chst in Berlin, dann in Frankfurt am Main, schlie\u00dflich in Prag. Hier promovierte sie sich mit einer Arbeit \u00fcber Rilke, anschlie\u00dfend ist sie als Assistentin am Philosophischen Seminar angestellt. Nach dem Krieg ist sie parallel zum NWDR freie Mitarbeiterin bei der Zeitschrift <em>Constanze<\/em>, 1959 ver\u00f6ffentlicht sie mit Alma De L\u2019Aigle eine <em>Kleine Erziehungsfibel<\/em>. Vgl. Kuhnhenne, Michaela: Frauenleitbilder und Bildung in der westdeutschen Nachkriegszeit. Analyse am Beispiel der Region Bremen, Wiesbaden 2005, S. 203.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[viii] <\/a>Krumbiegel, Ingo: <em>Von Haustieren und ihrer Geschichte<\/em>. Stuttgart 1947, S. 2 und 6 (= Kosmos-B\u00e4ndchen).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[ix] <\/a>Prollius: \u201eFreundschaft mit Tieren\u201c. S. 5.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[x] <\/a>Prollius: \u201eFreundschaft mit Tieren\u201c. S. 5.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[xi] <\/a>Auf die argumentativen Parallelen kommt es weniger an, obgleich es sie gibt. So erinnert der Gedanke des \u201eganz f\u00fcr sich sein\u201c des Tiers, seine Reflexionslosigkeit (ohne \u201eR\u00fcckbiegung\u201c) im \u201eeinfachen Da-Sein\u201c, vage an Heideggers Freiburger Vorlesung zu den <em>Grundlagen der Metaphysik<\/em> aus dem Wintersemester 1929 \/ 30. \u00dcber das \u201eauff\u00e4llig[e] Beispiel\u201c der \u201eHaustiere\u201c hei\u00dft es dort: \u201eAber wir leben nicht mit ihnen, wenn Leben besagt: <em>Sein<\/em> in der Weise des Tieres. Gleichwohl <em>sind<\/em> wir <em>mit<\/em> ihnen. Dieses Mitsein ist aber auch kein <em>Mitexistieren<\/em>, sofern ein Hund nicht existiert, sondern nur lebt\u201c. Da es ,nur lebt\u2018 ist das Tier durch ein \u201eSich-zu-eigen-sein\u201c gekennzeichnet, das meint, \u201esich selbst Eigentum zu sein, ohne Reflexion\u201c. Heidegger fragt in \u00a7 50 nach dem \u201eSichversetze[n] des Menschen in das Tier\u201c, das erst durch das Tier prinzipiell erm\u00f6glicht wird, anders als etwa im Falle des Steins, der ein Sichversetzen in ihn nicht zul\u00e4sst. Allerdings bedeutet dies nicht, dass dieses Sichversetzen in das Tier in der gleichen Weise gelingt, in der es zwischen Menschen m\u00f6glich ist: \u201eEin Mitgehen, eine Versetzheit \u2013 und doch nicht\u201c. Freundschaft spielt schon allein aufgrund dieser Bestimmung des menschlichen Verh\u00e4ltnisses zum Tier in Heideggers \u00dcberlegungen keine Rolle. Vgl. Heidegger, Martin: <em>GA<\/em> 29\/30. S. 308 und 342 [Hervorhebungen im Original]. Eine \u00e4hnliche Differenzmarkierung klingt 1946 im Brief \u201e\u00dcber den ,Humanismus\u2018\u201c an, in dem Heidegger eine \u201eVertierung des Menschen\u201c von Seiten der anthropologischen und humanistischen Tradition konstatiert. Der Mensch werde \u201evon der animalitas her und nicht zu seiner humanitas hin\u201c gedacht, wodurch eine Bestimmung des menschlichen Wesens verhindert w\u00fcrde. Vgl. Heidegger, Martin: \u201eBrief \u00fcber den ,Humanismus\u2018\u201c. In: Ders.: <em>Wegmarken<\/em>. Frankfurt a.M. 1967, S. 145-194, hier S. 154. Zum Tier in Heideggers Philosophie vgl. D\u00e4rmann, Iris: \u201eVon Tieren und Menschen. Martin Heidegger, Jaques Derrida und die zoologische Frage\u201c, in: <em>ZKph<\/em> 5 (2011), S. 303-325, bes. S. 307-320.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[xii] <\/a>Dabei spielt die Rundfunkzeitschrift heimische Tiere immer wieder gegen als ,faszinierend\u2018, aber ,gef\u00e4hrlich\u2018 markierte Exotismen aus. Vgl. etwa die Beitr\u00e4ge \u00fcber die Tsetse-Fliege oder das US-amerikanische Bullenreiten in der <em>H\u00f6r Zu! <\/em>10 (1949), S. 15 und 11 (1956), S. 26. Die Heimatsemantik pr\u00e4gt den Diskurs \u00fcber Tiere und Haustiere nach 1945. Krumbiegels <em>Von Haustieren und ihrer Geschichte<\/em> beginnt mit dem kuriosen Gedanken, Zoos k\u00f6nnten aufgrund der in ihnen zu betrachtenden Artenvielfalt, den \u201eGro\u00dfstadtmenschen\u201c \u201enaturfrem[d]\u201c machen, d. h., ihn von heimischen Tieren entfremden. Man beachte den insistierenden Zusatz: \u201eEine derartige Behauptung mag \u00fcbertrieben klingen, aber es steckt ein wahrer Kern in ihr\u201c. Krumbiegel: \u201eVon Haustieren und ihrer Geschichte\u201c. S. 5.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"website pabst\" href=\"http:\/\/www.uni-muenster.de\/Germanistik\/Lehrende\/pabst_p\/\" target=\"_blank\">Philipp Pabst<\/a> ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Germanistischen Institut der Universit\u00e4t M\u00fcnster.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1949: Haustiere und Heidegger. \u00dcber ein St\u00fcck Erziehung aus der H\u00f6r Zu!<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[1024,1349,2039,2349],"class_list":["post-6029","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-hoer-zu","tag-lassie","tag-rundfunk","tag-tiere"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6029","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6029"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6029\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6029"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6029"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6029"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}