{"id":6054,"date":"2016-08-15T09:29:22","date_gmt":"2016-08-15T07:29:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=6054"},"modified":"2016-08-15T09:29:22","modified_gmt":"2016-08-15T07:29:22","slug":"social-media-augustvon-annekathrin-kohout15-8-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2016\/08\/15\/social-media-augustvon-annekathrin-kohout15-8-2016\/","title":{"rendered":"Social Media Augustvon Annekathrin Kohout15.8.2016"},"content":{"rendered":"<p>Pok\u00e9mon gestern und heute<!--more --><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Bild_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-6050\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Bild_1-1024x753.jpg\" alt=\"Bild_1\" width=\"695\" height=\"511\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Bild_1-1024x753.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Bild_1-300x221.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Bild_1-768x565.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Bild_1.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Mein erster Gameboy war violett und leicht transparent, so dass man seine Mechanik sehen konnte. Bevor ich begann, Pok\u00e9mon auf ihm zu spielen, habe ich die dazugeh\u00f6rige Serie gesehen. Im deutschen Fernsehen lief Pok\u00e9mon jeden Nachmittag direkt nach Sailor Moon. Es war eine tolle Serie, ich war vermutlich elf Jahre alt und zum ersten Mal verliebt: in <a title=\"hinweis ash\" href=\"http:\/\/www.pokewiki.de\/Ash_Ketchum\" target=\"_blank\">Ash Ketchum<\/a>. Er war so cool. Ich wei\u00df noch genau, wie eifers\u00fcchtig ich immer war, wenn er mit seiner Freundin Misty anbandelte.<\/p>\n<p>Im Spiel war es daher merkw\u00fcrdig, pl\u00f6tzlich selber Ash zu sein. Nat\u00fcrlich konnte man sich auch einen alternativen Avatar erstellen \u2013 oder Blau w\u00e4hlen \u2013, aber das h\u00e4tte sich wie ein Verrat angef\u00fchlt. Bis endlich die gelbe Edition herauskam und ich ein lang ersehntes Pikachu bekam, w\u00e4hlte ich als erstes Pok\u00e9mon immer Shiggy, denn mit ihm lie\u00df sich in der Fels-Arena trumpfen, und in der Quell-Arena hatte man zumindest einen gleichwertigen Gegner zu erwarten. Die Auswahl des ersten Pok\u00e9mon war vielleicht die strategischste Stelle des Spieles, sie war aussagekr\u00e4ftiger als jeder Marshmallow-Test.<\/p>\n<p>Zusammen mit meiner Schwester habe ich st\u00e4ndig gespielt und \u00fcber ein ziemlich kurzes Kabel Pok\u00e9mon getauscht. Ich stellte mir immer vor, dass die Pok\u00e9mon durch das Kabel \u201eflie\u00dfen\u201c, ein einschl\u00e4giges Ger\u00e4usch verst\u00e4rkte diese Fantasie noch.<\/p>\n<p>Irgendwann h\u00f6rte ich auf, Pok\u00e9mon zu spielen und Pok\u00e9mon zu schauen. All diese Serien und Spiele hatten ihre Zeit, und die hielt oft nicht l\u00e4nger als zwei bis drei Jahre an, dann wuchs man heraus. Man wollte nicht mehr eines dieser Kinder sein, die Pok\u00e9mon spielen (und wenn, machte man das heimlich). Es war eine Zeit, in der Spiele noch etwas f\u00fcr Kinder oder Nerds waren. Unterschiedliche Spiele wurden mit unterschiedlichen Altersgruppen assoziiert, bei Pok\u00e9mon war man so 11 bis 14, h\u00f6chstens. Ich war die 150(151)-Pok\u00e9mon-Generation. Mittlerweile gibt es \u00fcber 700.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Bild_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-6051\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Bild_2-1024x469.jpg\" alt=\"Bild_2\" width=\"695\" height=\"318\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Bild_2-1024x469.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Bild_2-300x137.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Bild_2-768x352.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Kinder spielen Pok\u00e9mon &#8211; fr\u00fcher (um 1998) und heute (2016).<\/em><\/p>\n<p>Meine Eltern haben sich \u00fcbrigens nicht f\u00fcr dieses Spiel interessiert. Dar\u00fcber habe ich mich bis heute auch nie gewundert. Erwachsene spielten eben kein Gameboy. Aber sie spielen mit dem Smartphone &#8211; und seit Pok\u00e9mon GO spielen Erwachsene auch Pok\u00e9mon. Ich wei\u00df das, weil ich selbst zu den Erwachsenen z\u00e4hle und auch manchmal Pok\u00e9mon GO spiele, vor allem wei\u00df ich es nat\u00fcrlich aus den Medien. Ehrlich gesagt, wundert mich das Interesse. Als ehemaliger Pok\u00e9mon-Fan muss ich sagen: Die Grafik ist langweilig, und dass man nur in Arenen k\u00e4mpfen kann, ist fad. Eier ausbr\u00fcten? Bonbons f\u00fcttern? Das ist doch kein Training!<\/p>\n<p>Faszinierend jedoch: Die bekannte Pok\u00e9mon-Welt ist pl\u00f6tzlich unsere eigene. Pok\u00e9mon in unserem Alltag, auf unseren Stra\u00dfen. Das ist fantastisch. Ich habe vor kurzem den Roman \u201eDas Jahr 2440: ein Traum aller Tr\u00e4ume\u201c von Louis-Sebastien Mercier aus dem Jahr 1771 gelesen. Es ist der erste utopische Roman, der nicht an einem Fantasieort \u2013 wie Atlantis \u2013 oder im Weltall spielt, sondern in der eigenen Stadt. Jetzt wei\u00df ich, wie sich das angef\u00fchlt haben muss.<\/p>\n<p>Trotzdem frage ich mich, ob Menschen, die Pok\u00e9mon vorher noch nie gespielt haben, wirklich Freude daran haben. Und wenn ja: warum? Hierf\u00fcr m\u00fcsste man wissen, welche erwachsenen Menschen Pok\u00e9mon spielen. Sicher sind es schon mal all jene, die Pok\u00e9mon halbwegs gut kennen, etwa aus ihrer eigenen Kindheit. Hinzu kommen alle, die neugierig sind auf Augmented-Reality. Vielleicht noch einige Game-Nerds, die sich freuen, dass endlich alles mit dem Smartphone\u00a0gespielt wird und man nicht mehr den Gameboy auspacken muss \u2013 heimlich, weil sich das f\u00fcr Erwachsene nicht ziemt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Bild_3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6052\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Bild_3.png\" alt=\"Bild_3\" width=\"494\" height=\"552\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Bild_3.png 494w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Bild_3-268x300.png 268w\" sizes=\"auto, (max-width: 494px) 100vw, 494px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Aber mit meinen Vermutungen liege ich weitgehend falsch. K\u00fcrzlich hat selbst das M\u00fcnchner Zentralinstitut f\u00fcr Kunstgeschichte auf Facebook Bilder von Pok\u00e9mon GO gepostet. Auch sonst bekennen sich viele Intellektuelle, Wissenschaftler oder Journalisten zum Spiele-Hype. Nat\u00fcrlich gilt hier ebenfalls, was in den Sozialen Medien stets als Ursache auszumachen ist: Man folgt Jugendtrends, um nicht abgeh\u00e4ngt zu werden, oder weil man Jugendliche weiter als Zielgruppe ansprechen will. Bestes Beispiel der letzten Zeit: Snapchat.<\/p>\n<p>Aber bei Pok\u00e9mon GO ist es anders als bei Snapchat. Wenn Snapchat ein Witz w\u00e4re, w\u00fcrde man Pok\u00e9mon GO als Insider-Witz klassifizieren m\u00fcssen. Intellektuelle wollten gerne rebellisch sein, als sie sich nicht mehr der Hoch-, sondern der Popkultur zuwendeten. Snapchat ist in diesem Sinne einfach das neue Fu\u00dfball. Es ist cool, dar\u00fcber zu schreiben, weil man noch immer glaubt, Popkultur sei gegen den intellektuellen Mainstream. Dabei ist das Gegenteil der Fall. (Ich finde das ja erf\u00fcllend. Endlich sind wir Mainstream-Fans selbst irgendwie Mainstream). Nat\u00fcrlich merkt man das und daher der Hype um Pok\u00e9mon GO: Er ist nicht nur Mainstream, sondern nerdiger Mainstream.<\/p>\n<p>Deshalb\u00a0bekennen sich alle so aufdringlich dazu. Vor dem Zentralinstitut f\u00fcr Kunstgeschichte gibt es Habitaks? Das einzig Interessante an dieser Information ist, wie fremd vielen Intellektuellen die Welt der heutigen Jugend geworden ist. Ich interpretiere diesen Facebook-Eintrag als Hilferuf.<\/p>\n<p>Dabei leben wir l\u00e4ngst alle in der Internet-Welt. Selbst meine Omi. Das Internet oder die Sozialen Medien sind nicht der Jugend oder Insidern oder einer Jugendsprache oder Insider-Witzen vorbehalten. Es muss endlich verstanden werden, dass es dort auch seri\u00f6se und \u201eerwachsene\u201c Orte geben kann.\u00a0Die Social Media-Accounts vieler sonst seri\u00f6ser Institutionen, Zeitungen und Zeitschriften oder gar der Bundesregierung wollen so krampfhaft jung und hip sein. Aber das m\u00fcssen sie nicht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Bild_4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-6053\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Bild_4-1024x353.jpg\" alt=\"Bild_4\" width=\"695\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Bild_4-1024x353.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Bild_4-300x103.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/08\/Bild_4-768x265.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Erwachsene spielen Pok\u00e9mon GO &#8211; am liebsten im Museum. Von links nach rechts: ein Dodri in der Metropolitan Museum of Art&#8217;s Charles Engelhard Court Gallery, Mauzi im Brandywine River Museum of Art, Krabby in der Metropolitan Museum of Art Gallery 401, Fukano im Museum of Contemporary Art (Los Angeles), Evoli in der National Gallery of Art (Washington).<\/em><\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu Pok\u00e9mon GO und der noch unbeantworteten Frage, warum es all jene spielen, die sonst nichts mit Pok\u00e9mon am Hut haben. Die Antwort lautet: wegen der Screenshots. Pok\u00e9mon GO-Screenshots wurden nur wenige Tage nach dem Relaunch des Spiels bei \u201e<a title=\"website\" href=\"http:\/\/knowyourmeme.com\/memes\/pokemon-go-in-game-screenshots\" target=\"_blank\">Know Your Meme<\/a>&#8220; eingestellt; ins Spiel selbst ist der Aufruf zum Fotografieren integriert. Traf man bei dem Gameboy-Spiel auf wilde Pok\u00e9mon, hat man gegen sie gek\u00e4mpft. Das war ein wesentlicher Anreiz, auch weil man dadurch seine Pok\u00e9mon trainieren konnte. Heute k\u00e4mpft man nicht mehr, sondern fotografiert sie. Mit diesen Bildern kann man sich auf anderen Sozialen Netzwerken ohne gro\u00dfe Umst\u00e4nde als kreativ erweisen, weitere Bilder erzeugen, die spielerisch und spontan sind. Das ist eine gelungene \u00dcbersetzung ins Jahr 2016.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"kohout tumblr\" href=\"http:\/\/akohout.tumblr.com\/\" target=\"_blank\">Annekathrin Kohout<\/a> ist freie Autorin und Fotografin. Der Beitrag ist eine leicht bearbeitete Version eines Artikels, der auf ihrem <a title=\"kohout blog\" href=\"https:\/\/sofrischsogut.wordpress.com\/\" target=\"_blank\">Blog<\/a> zu finden ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pok\u00e9mon gestern und heute<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[1795,2164],"class_list":["post-6054","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-pokemon","tag-social-media"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6054","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6054"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6054\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6054"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6054"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6054"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}