{"id":6102,"date":"2016-09-10T10:32:56","date_gmt":"2016-09-10T08:32:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=6102"},"modified":"2016-09-10T10:32:56","modified_gmt":"2016-09-10T08:32:56","slug":"mode-septembervon-sarah-held10-9-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2016\/09\/10\/mode-septembervon-sarah-held10-9-2016\/","title":{"rendered":"Mode Septembervon Sarah Held10.9.2016"},"content":{"rendered":"<p>Fashionable Feminism?<!--more --><\/p>\n<p>Nicht nur in der Mode feiern die 90er Jahre, mit der aktuellen Retrowelle, eine Renaissance. Auch innerhalb der Popkultur zeigen sich diverse Ph\u00e4nomene aus den 90ern, allen voran das Revival von <em>Girl Power<\/em>, das vorwiegend mit leeren und wenig feministisch konnotierten Phrasen der Spice Girls assoziiert wurde und wird.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie diverse andere massenkompatible Erscheinungen hat auch der popfeministische Spice-Girls-Slogan einen aktivistischen und\/oder subversiven Background. Vor dem Bubble-up zur nahezu inhaltsleeren Oberfl\u00e4chenrhetorik des Pop-Mainstreams der 90er Jahre positionierte sich die punkinduzierte <em>Riot Grrrl<\/em>-Bewegung mit emanzipatorischen Slogans wie <em>Revolution Girl Style Now.<\/em> Diese dienten zur Identit\u00e4tsbildung und -verortung sowie dezidiert zum aufr\u00fchrerischen Verhalten, aber vor allem zur Bandenbildung innerhalb einer feministischen \u201eSisterhood\u201c.\u00a0Als genderorientiertes Punksubgenre weist die <em>Riot-Grrrl<\/em>-Bewegung einerseits \u00e4sthetische Verwandtschaft zum Punk auf, bildete aber eine eigene Bildsprache heraus, die heute innerhalb der <em>Riot-Grrrl<\/em>-Retrowelle reproduziert und erweitert wird.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Im Folgenden werden einige Beispiele aus der aktuellen Popkultur \u2013 wie bspw. Vermarktung feministischer Slogans \u2013 und deren Verwendung als Tool zur Identit\u00e4tsbildung durch vestiment\u00e4re Praxen skizziert und kurz diskutiert.<\/p>\n<p>Nicht nur in sozialen Netzwerken und szeneorientierten Kontexten sind feministische Mode und ein sogenannter <em>Riot-Grrrl<\/em>-Style sichtbar. Der Onlineshop <em>Feminist Apparel<\/em> hat sein Sortiment komplett auf <em>Radical Chic<\/em> ausgelegt, so kann sich dort von Kopf bis Fu\u00df mit feministischem Merchandise eingedeckt werden, glitzernde Accessoires inklusive. Es werden Nischen ge\u00f6ffnet und kleine Untergrund-Designlabels, beispielsweise <em>Indyanna<\/em><a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> gegr\u00fcndet, die ihre Kollektionen mit aufr\u00fchrerisch klingenden Titeln wie<em> riots start everywhere<\/em> benennen und sich am Kleidungsstil von <em>Riot-Grrrl<\/em>-Bands wie <em>Bikini Kill<\/em>, <em>Bratmobile<\/em> oder <em>Le Tigre<\/em> orientieren.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/09\/apparel.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6104\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/09\/apparel.png\" alt=\"apparel\" width=\"827\" height=\"581\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/09\/apparel.png 827w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/09\/apparel-300x211.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/09\/apparel-768x540.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 827px) 100vw, 827px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Quelle: www.feministapparel.com<\/em><\/p>\n<p>Was fr\u00fcher als subkulturelle do-it-yourself-Mode der Riot-Grrrl-Bewegung entstand, wurde mittlerweile \u00fcber Indielabel bis hin zu globalen Modeketten kommerzialisiert. Den endg\u00fcltigen Schritt weg von der Szene markiert das T-Shirt mit feministischem Druck des schwedischen Modehauses H&amp;M aus dem Jahr 2015.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/09\/fem.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6105\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/09\/fem.png\" alt=\"fem\" width=\"1877\" height=\"1120\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/09\/fem.png 1877w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/09\/fem-300x179.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/09\/fem-768x458.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/09\/fem-1024x611.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1877px) 100vw, 1877px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Quelle: www.hm.com\/at<\/em><\/p>\n<p>Die Verwendung von feministischen Symboliken und Bildsprachen unter kapitalistischen Interessen gro\u00dfer globaler Marken ist kritisch zu betrachten, und auch hier muss wie bei verschiedenen aktuellen feministischen Erscheinungen in der Produktvermarktung (z.B. Disneyprinzessinnen wie Merida, Brave 2012, Elsa, Frozen 2013 oder diversifizierte K\u00f6rper bei Mattels Barbiepuppen) das Framing mitgedacht werden. Wer agiert, wie wird agiert, was sind die Rahmenbedingungen und unter welchen Pr\u00e4missen werden welche Absichten verfolgt? Bei der H&amp;M-Kampagne handelt es sich weniger um eine ideell orientierte Massenverbreitung von feministisch-emanzipatorischen Inhalten als um eine kapitalistische Verwertungslogik. Feminismus wird hier zur zentralen Marketingstrategie hipper Labels reduziert.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/09\/firi.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6106\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/09\/firi.jpg\" alt=\"firi\" width=\"800\" height=\"531\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/09\/firi.jpg 800w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/09\/firi-300x199.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/09\/firi-768x510.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Bildrechte: Marina Firi; Kollektion: <\/em>the riot starts everywhere<em> von Indyanna;<\/em><br \/>\n<em>Quelle: https:\/\/missy-magazine.de\/2016\/05\/30\/riot-grrrl-chic<\/em><\/p>\n<p>Aktivistisch bleibt es eher an der Oberfl\u00e4che, wenn Jacken mit glitzernden <em>riot-<\/em>Schriftz\u00fcgen verziert werden. Bildsprachlich werden hingegen modische Praxen mit feministisch-subversiven Inhalten assoziiert. Das erinnert latent an Beyonc\u00e9 Knowles, deren feministisches Engagement und \u00f6ffentliche Selbstbezeichnung als Feministin in radikal-feministischen Kreisen kritisch diskutiert werden.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>An dieser Stelle muss eingeworfen werden, dass eine Ikone wie Beyonc\u00e9 Knowles einen gr\u00f6\u00dferen Einfluss auf ein breites, zumeist junges Publikum hat als die einschl\u00e4gigen Diskussionen der Genderforschung und radikal-aktivistischer Gruppierungen. Im Sinne eines <em>spread-the-word <\/em>sind die aktuellen Entwicklungen durchaus f\u00f6rderlich f\u00fcr die Verbreitung feministischer Intentionen, um die \u201eSisterhood\u201c zu erweitern. Zudem verhilft die poppige Variante Feminismen zu einem Imagewechsel: sich buchst\u00e4blich in neuem Kleid zeigen.<\/p>\n<p>Kurzum: es tr\u00e4gt dazu bei, die Attraktivit\u00e4t einer feministischen Selbstbezeichnung zu erh\u00f6hen, denn es gilt in bestimmten Kreisen als schick, Feminist*in zu sein. Es bereitet zudem m\u00f6glicherweise einen Einstieg, sich auch tiefergehend mit der Materie zu besch\u00e4ftigen und nicht nur feministisch motivierte Bildsprachen auf Textilien zu tragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0 <a title=\"artikel missy\" href=\"https:\/\/missy-magazine.de\/2016\/05\/30\/riot-grrrl-chic\/\" target=\"_blank\">https:\/\/missy-magazine.de\/2016\/05\/30\/riot-grrrl-chic<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0 <a title=\"website indyanna\" href=\"http:\/\/indyanna.squarespace.com\/\" target=\"_blank\">http:\/\/indyanna.squarespace.com<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0 <a title=\"artikel european\" href=\"http:\/\/www.theeuropean-magazine.com\/julia-korbik--3\/9500-feminism-as-a-trend\" target=\"_blank\">http:\/\/www.theeuropean-magazine.com\/julia-korbik&#8211;3\/9500-feminism-as-a-trend<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"website held\" href=\"http:\/\/www.feministisches-institut.de\/author\/sheld\/\" target=\"_blank\">Sarah Held<\/a> promoviert an der Goethe Universit\u00e4t Frankfurt und an der Akademie der Bildenden K\u00fcnste Wien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fashionable Feminism?<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[734,1541,2007],"class_list":["post-6102","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-feminist-chic","tag-mode","tag-riot-grrrl"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6102","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6102"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6102\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6102"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6102"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6102"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}