{"id":6245,"date":"2016-10-11T22:53:27","date_gmt":"2016-10-11T20:53:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=6245"},"modified":"2016-10-11T22:53:27","modified_gmt":"2016-10-11T20:53:27","slug":"prekarisierung-rezension-zu-zwei-buechern-von-oliver-marchart-und-mona-motakefvon-martin-seeliger11-10-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2016\/10\/11\/prekarisierung-rezension-zu-zwei-buechern-von-oliver-marchart-und-mona-motakefvon-martin-seeliger11-10-2016\/","title":{"rendered":"Prekarisierung Rezension zu zwei B\u00fcchern von Oliver Marchart und Mona Motakefvon Martin Seeliger11.10.2016"},"content":{"rendered":"<p>Gesellschaftstheorie<!--more--><\/p>\n<p>Wenn es in der Soziologie um Prekarit\u00e4t geht, besagt eine der am h\u00e4ufigsten Einsch\u00e4tzungen, dass es sich bei dem Konzept um einen \u201eschillernden Begriff\u201c handelt. W\u00e4hrend Prekarisierung eine weithin geteilte Diagnose darstellt, unterscheiden sich die verschiedenen Beitr\u00e4ge mit Blick auf Form, Wirkung, und Ausma\u00dfe. Dem Ziel einer differenzierteren Auseinandersetzung im Wege einer klareren Begriffsbestimmung widmen sich mit Marchart (2013) und Motakef (2015) zwei grundlagentheoretische Beitr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Mit der Vielfalt der Begriffsverst\u00e4ndnisse in der Debatte setzt sich Marchart (2013: 12) gleich zu Beginn seiner umfangreichen Literaturstudie auseinander und betont so den sozialen Konstruktionscharakter des soziologischen Prekarit\u00e4tsverst\u00e4ndnisses. Als Gegenbild zu Prekarit\u00e4t identifiziert Marchart die Institution des Normalarbeitsregimes der westlich-fordistischen L\u00e4nder im Nachkriegszeitalter. Zum Zweck der Herausarbeitung der Normalit\u00e4tsimplikationen dieses Verst\u00e4ndnisses stellt der Autor die weitere Analyse in den Begriffen und Konzepten der diskursanalytischen Hegemonietheorie dar.<\/p>\n<p>Das folgende Kapitel zur \u201eDislozierung des Sozialen\u201c arbeitet den theoretischen Rahmen unter Bezug auf vier Literaturstr\u00e4nge aus: die Regulationstheorie, Gouvernmentality Studies, Postoperaismus und pragmatische Soziologie (nicht US-amerikanischer, sondern franz\u00f6sischer Provenienz). Insgesamt etabliert der Autor auf diese Weise einen gesellschaftstheoretischen Rahmen, der Makrostrukturen und ein weithin wirksames Repr\u00e4sentationssystem umfasst.<\/p>\n<p>Dieser Ansatz erm\u00f6glicht, so Marchart (2013: 41), eine Reihe von Einsichten, namentlich einen \u201eradikalen Relationalismus\u201c, einen \u201eBegriff von \u00d6konomie [\u2026], der die Grenze zwischen Akkumulation und Regulation und damit die Vorstellung einer in sich abgeschlossenen und endogenen Gesetzen gehorchenden Sph\u00e4re des \u00d6konomischen zunehmend br\u00fcchig werden l\u00e4sst\u201c, sowie die Dingfestmachung einer \u201eAkkumulation wie Regulation umfassende[n] hegemoniale[n] Formation [\u2026] in der zwar die Regulationsform der Prekarisierung (von Arbeitsverh\u00e4ltnissen) eine wichtige Funktion besitzt, im weiteren, hegemonietheoretischen Sinn aber die gesamte Textur des Sozialen (also auch jenseits der Arbeitsverh\u00e4ltnisse) Prekarisierungsprozessen unterworfen ist\u201c (ebd.).<\/p>\n<p>Als historisch-materiellen Ausgangspunkt der Prekarisierungsentwicklungen identifiziert Marchart (2013: 36) aus regulationstheoretischer Sicht einen \u201eWechsel im Akkumulationsregime und die ihn begleitenden Verschiebungen nach Ansicht der Regulationsweise.\u201c An der Kreuzung materialistischer und idealistischer Gedankenwege erkennt Marchart den Neoliberalismus als gegenhegemoniales Projekt, das sich in Auseinandersetzung mit dem fordistisch-keynesianischen Steuerungsparadigma behaupten musste. Im Wege weitreichenden institutionellen Wandels (diese Formulierung verwendet Marchart allerdings nicht) \u201egelang es, ein neues Plausibilit\u00e4tsregime zu errichten, das die Dislozierungserfahrungen mit einer Erkl\u00e4rung versah und einen L\u00f6sungsvorschlag anbot\u201c (Marchart 2013: 109)<\/p>\n<p>Unter Bezug auf das poststrukturalistische Konzept des Dispositivs als Verschr\u00e4nkung kultureller Diskurse und institutioneller Regelungen pl\u00e4diert der Autor schlie\u00dflich f\u00fcr ein m\u00f6glichst weitreichendes Prekarisierungskonzept:<\/p>\n<p>\u201eDenn w\u00e4hrend Prekarisierung f\u00fcr verschiedene Gruppen je nach ihrer Position in der Sozialstruktur unterschiedlich dramatische Folgen annimmt, was sich nicht zuletzt in der subjektiv erfahrenen jeweiligen Balance aus Angst- und Freiheitskomponenten niederschlagen wird, k\u00f6nnen diese Folgen doch nur vor dem gemeinsamen Hintergrund der umgreifenden hegemonialen Verschiebungen von fordistischen zu postfordistischen Arbeits-, Regulations- und Subjektivierungsnormen analytisch sinnvoll eingeordnet werden\u201c (ebd.: 76).<\/p>\n<p>Dass dieses weite Verst\u00e4ndnis des Begriffs nicht nur zur analytisch-heuristischen Erfassung zeitgen\u00f6ssischer Lebens- und Besch\u00e4ftigungsformen, sondern auch als Bezugsrahmen politischer Mobilisierung geeignet ist, zeigt der Autor im zweiten Teil des Buches anhand einer empirischen Untersuchung der \u201aEuroMayDay\u2018-Bewegung. Zum Gegenstand seiner diskursanalytischen Untersuchung werden hierbei rund 50 Aufrufe zu sogenannten EuroMayDay-Paraden, im Rahmen derer Aktivistinnen und Aktivisten gegen die Deregulierung des Arbeitsmarkt- und Wohlfahrtsregimes demonstriert haben.<\/p>\n<p>Als grundlegende Herausforderung bei der politischen Mobilisierung prek\u00e4r Besch\u00e4ftigter identifiziert Marchart (2013: 175) das \u201eProblem, einen gemeinsamen Nenner dieser Positionen formulieren zu m\u00fcssen.\u201c Wie es Marchart mit Hilfe seiner Diskursanalyse zu zeigen gelingt, ist es eben diese Unbestimmtheit des Prekarit\u00e4tsbegriffs, die den Aktivisten zu einer m\u00f6glichst breiten Ansprache unterschiedlich Betroffener verhilft. \u201eMit dem schillernden Begriff der Prekarisierung\u201c, so Marchart (2013: 175), \u201egelingt es dem Bewegungsdiskurs, einen hinreichend entleerten Signifikanten zu entwickeln, der eine ganze Reihe von sozialen Ph\u00e4nomenen und Erfahrungen abzudecken in der Lage ist, die vom hegemonialen Diskurs, wie wir ihn etwa an der deutschen Unterschichtendebatte analysieren konnten, als weitgehend unzusammenh\u00e4ngend definiert werden.\u201c<\/p>\n<p>Das Verh\u00e4ltnis von empirischer Analyse und theoretischer Reflexion stellt sich mit Blick auf den Gesamtumfang des Textes als h\u00f6chst asymmetrisch dar. Tats\u00e4chlich liest sich der Text vor allem im ersten Teil des Buches streckenweise wie eine Einf\u00fchrung in die (post-)marxistische Kulturtheorie. Den Kriterien einer soliden polit\u00f6konomischen Analyse h\u00e4lt der Text hingegen nicht stand. So bleibt etwa der Zusammenhang von Prekarisierung und Finanzialisierung der \u00d6konomie weitgehend im Dunkeln.<\/p>\n<p>Eine weitere Beschr\u00e4nkung entsteht durch den Fokus auf westlich-fordistische Gesellschaften. Das ist zwar kein allgemeines Problem, denn auch diese geh\u00f6ren untersucht. Aber wenn man zu einem allgemeinen Konzept von Prekarit\u00e4t gelangen m\u00f6chte, m\u00fcsste man den Bogen wohl weiter spannen und die Nationalgesellschaften des globalen S\u00fcdens genauso in Betracht ziehen wie die fern\u00f6stlichen L\u00e4nder.<\/p>\n<p>Institutionentheoretischen Ans\u00e4tzen zur Erkl\u00e4rung von Liberalisierung (siehe etwa Streeck 2009) f\u00fcgt Marchart mit seinen Ausf\u00fchrungen ein ideologietheoretisches Argument hinzu. Das ist erstmal gut! Und auch die Betonung politischer Potenziale einer Ent-Prekarisierung l\u00f6st den Anspruch einer umfassenden politischen Soziologie der Wirtschaft ein, nicht nur Marktentbettung, sondern auch etwaige Gegenbewegungen in Betracht zu ziehen.<\/p>\n<p>Aber insgesamt bleibe ich bei der Beurteilung des Textes etwas skeptisch: Wenn das ein Buch \u00fcber die EuroMayDay-Bewegung war, erfuhr man insgesamt recht wenig. Wenn es ein Buch zur theoretischen Rahmung der Analyse politischer Proteste gegen Prekarit\u00e4t war, bin ich nicht sicher, was ich aus dem Text gelernt haben sollte.<\/p>\n<p>Insgesamt finde ich im Buch viele interessante Gedanken und theoretische Referenzen, aber ein wesentlicher Fortschritt mit Blick auf die methodische Operationalisierung von Forschung zum Thema ist f\u00fcr mich schwierig zu erkennen. Aber vielleicht ist auch das theoretische Abstraktionsniveau gramscianischer Analyseraster zu hoch f\u00fcr mich. W\u00fcrde eine handlungstheoretische Betrachtung des Engagements der Protestakteure nicht eigentlich ohne den theoretischen Ballast auskommen k\u00f6nnen? Wenn ich es richtig sehe, wissen wir recht wenig \u00fcber die Prek\u00e4ren und ihre Proteste. Aus meiner Sicht empfiehlt es sich, das Unterfangen einer empirisch-explorativen Untersuchung von Prekarit\u00e4t mit leichtem theoretischem Gep\u00e4ck anzugehen.<\/p>\n<p>In ihrem Einf\u00fchrungsbuch unternimmt Mona Motakef (2015: 133) eine \u201elange Reise durch die vielen Ver\u00e4stelungen der Prekarisierungsdebatte\u201c. Als \u201apoint of departure\u2018 dient hierbei ein konstruktivistischer Grundgedanke: \u201eDie Prekarisierungsdebatte ist ein machtvoller und umk\u00e4mpfter Ort, in dem um Hegemonie dar\u00fcber gerungen wird, was prek\u00e4r war, ist und sein wird\u201c (ebd.: 11).<\/p>\n<p>Bereits die knappe Einf\u00fchrung macht fr\u00fch deutlich, wohin diese Reise f\u00fchrt: Es geht um eine programmatische Kritik der Diskussion aus feministischer Perspektive. Indem sie die Geschichte der Prekarisierungsdebatte \u00fcber ihre Entstehung im franz\u00f6sischen Kontext (und unter besonderem Bezug auf Robert Castel, Pierre Bourdieu sowie Luc Boltanski und Eve Chiapello) und ihre Adaption in Deutschland (vornehmlich in Verbindung mit den Arbeiten aus dem Jenaer Umfeld unter Federf\u00fchrung Klaus D\u00f6rres) erz\u00e4hlt, konstituiert sie den Gegenstand ihrer Kritik im Wege einer historischen Rekonstruktion.<\/p>\n<p>Den Strukturwandel der Erwerbsarbeit im Verlauf der vergangenen vier Jahrzehnte legt die Autorin nachfolgend anhand der in der deutschen Diskussion entwickelten Begriffe und Konzepte dar (Subjektivierung und Entgrenzung von Arbeit, Arbeitskraftunternehmer). Anders als bei Marchart erfolgt die Vorstellung des Forschungsstandes sehr systematisch (dies vermutlich nicht zuletzt, weil der Literaturstand in der arbeitssoziologischen Prekarisierungsforschung um einiges \u00fcberschaubarer ist).<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund ihrer Rekonstruktion gelangt die Autorin zu dem Ergebnis, dass es der arbeitssoziologischen Prekarisierungsforschung gelungen ist, \u201eeine gro\u00dfe Wahrnehmung f\u00fcr die Unsicherheiten in der Erwerbssph\u00e4re in der Arbeits- und Industriesoziologie zu schaffen\u201c (Motakef 2015: 66). Den anerkennenden Worten l\u00e4sst Motakef allerdings eine fundamentale Kritik folgen: Zu spezifizieren w\u00e4ren nicht nur der verwendete Klassenbegriff, das Verh\u00e4ltnis von Prekarit\u00e4t und Armut sowie der Zusammenhang mit der Sozialstruktur (ebd.: 67). Einem vierten (und im Buch mit Abstand am st\u00e4rksten repr\u00e4sentierten) Kritikpunkt zu Folge, l\u00e4sst sich die arbeits- und industriesoziologische Prekarisierungsdebatte auch als \u201em\u00e4nnliche Nabelschau\u201c einstufen, weil, so Motakef (2015: 67f) weiter, \u201esie mit ihrer Themensetzung vor allem jene Bereiche skandalisiert, die die Besch\u00e4ftigungssituationen von M\u00e4nnern betreffen\u201c (67f).<\/p>\n<p>Nehme man aber das Normalarbeitsverh\u00e4ltnis, dessen Normalit\u00e4tsimplikation den vollerwerbst\u00e4tigen Mann zum Alleinern\u00e4hrer voraussetzt, zum Ausgangspunkt der Konzeptentwicklung, k\u00f6nne \u201eprek\u00e4re Besch\u00e4ftigung immer nur als Verlust von m\u00e4nnlichen Privilegien in den Blick genommen, w\u00e4hrend hingegen die bereits seit der Nachkriegszeit prek\u00e4ren Lebenslagen von Frauen und Migrant_innen aus dem Blick geraten\u201c (ebd.).<\/p>\n<p>Der Darstellung des Standes komplement\u00e4rer Erkenntnisse dient das folgende Kapitel zum Thema der Prekarisierung im Feld der Geschlechterforschung. Die beiden Grundfragen einer geschlechtersensiblen Prekarisierungsforschung formuliert die Autorin wie folgt: Zum einen gehe es darum, \u201ewie sich durch Prekarisierungsprozesse Geschlechterungleichheiten ver\u00e4ndern\u201c, und zum anderen um die \u201eFrage, ob Geschlechternormen br\u00fcchig werden\u201c (ebd.: 104).<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend an eine knappe Darstellung verschiedener theoretischer Konzepte der Geschlechterforschung (Geschlecht als Strukturkategorie, interaktionistisches Paradigma, Intersektionalit\u00e4t) begr\u00fcndet Motakef die Notwendigkeit einer Perspektiverweiterung der arbeits- und industriesoziologischen Perspektive unter Bezug auf eine Reihe von Themenfeldern (geschlechterspezifische Arbeitsmarktsegregation, Zusammenhang von Erwerbsarbeit, Migration und Geschlecht, die sozialpolitische Aktivierung und Geschlecht mit besonderem Fokus auf aktivierende Familienpolitik und das neue Elterngeld, sowie prek\u00e4re Familien- und Haushaltsformen).<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie bereits Marchart widmet sich Motakef in einem weiteren Kapitel der (potenziellen) Bedeutung post-operaistischer Ans\u00e4tze f\u00fcr die Erforschung von Prekarit\u00e4t und thematisiert in diesem Zusammenhang auch die Proteste im Rahmen der EuroMayDay. In der st\u00e4rkeren Ber\u00fccksichtigung solcher Ans\u00e4tze im Bereich der Arbeits- und Industriesoziologie erkennt die Autorin weiteren Entwicklungsbedarf f\u00fcr die von ihr insgesamt stark kritisierte Disziplin.<\/p>\n<p>Im letzten Kapitel folgt schlie\u00dflich das Fazit aus dieser Kritik in Form eines vierfachen Vorschlags zur Erweiterung des alten Konzeptes von Prekarit\u00e4t, wie es in der Arbeits- und Industriesoziologie verbreitet sei. Zu \u00fcberwinden sei, so schreibt Motakef bereits in der Einleitung (2015: 7), Androzentrismus, eine Verbindung mit Rassifizierungsprozessen und Migrationsregimen, eine mangelnde Ber\u00fccksichtigung von Sexualit\u00e4t als Grenzmarker sowie eine historische Komponente, die in Betracht zieht, \u201edass f\u00fcr viele selbstst\u00e4ndige Berufsgruppen unsichere Erwerbsverh\u00e4ltnisse immer die Regel waren\u201c (ebd.).<\/p>\n<p>Diese Desiderate werden im letzten Kapitel noch erweitert. Zum einen regt Motakef eine gesellschaftstheoretische Ausarbeitung der Argumentation an. Zweitens gelte es, auch Gesellschaften jenseits der westlichen Industrienationen in den Blick zu r\u00fccken. Zus\u00e4tzlich zur weiteren Etablierung umwelt- und k\u00f6rpersoziologischer Perspektiven fordert sie weiterhin zu einer st\u00e4rkeren Subjektorientierung auf, die sich in der Rekonstruktion subjektiver Perspektiven manifestieren soll. Um eine stark konzeptionell gepr\u00e4gte Debatte vom Kopf auf die F\u00fc\u00dfe stellen zu k\u00f6nnen, erscheint mir dieser Punkt besonders bedeutsam.<\/p>\n<p>Dass die beiden B\u00fccher eine eindeutige politische Tendenz verfolgen, zeigt sich nicht nur im Verlauf der Kapitel immer wieder sehr deutlich, sondern auch in den expliziten Forderungen nach einer Politik der Entprekarisierung, die Marchart und Motakef im Rahmen ihrer abschlie\u00dfenden Erw\u00e4gungen stark machen.<\/p>\n<p>Der Vorschlag einer diskursanalytischen Untersuchung politischer Mobilisierungsversuche bei Marchart erscheint im Rahmen der Debatte um Prekarit\u00e4t genauso innovativ wie die epistemologisch-politische Kritik Motakefs. Inwiefern die Operationalisierung Marcharts dem Umfang seiner theoretischen Erw\u00e4gungen entspricht, erscheint mir fraglich. Aber als Anregung lassen sich seine Darstellungen in jedem Fall verstehen.<\/p>\n<p>Die Kritik der Geschlechterforschung an der Arbeitssoziologie ist so alt wie berechtigt (Bock\/Duden 1976). Dass Motakefs Text aus meiner Sicht eigentlich einen Untertitel wie \u201eEine feministische Kritik der Prekarisierungsforschung\u201c tragen k\u00f6nnte, ist damit also keinesfalls als Abwertung zu verstehen. Wie genau eine solche Perspektiverweiterung aussehen k\u00f6nnte, w\u00e4re auf dem Wege empirischer Forschung zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Literatur<\/p>\n<p>Bock, Gisela\/Duden, Barbara (1976): Arbeit aus Liebe \u2013 Liebe als Arbeit. Berlin: Courage.<\/p>\n<p>Streeck, Wolfgang (2009): Re-Forming Capitalism. Oxford: Oxford University Press.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bibliografische Nachweise:<\/strong><br \/>\nOliver Marchart<br \/>\nDie Prekarisierungsgesellschaft. Prek\u00e4re Proteste. Politik und \u00d6konomie im Zeichen der Prekarisierung<br \/>\nBielefeld 2013<br \/>\ntranscript<br \/>\nISBN 978-3-8376-2192-1<br \/>\n248 Seiten<\/p>\n<p>Mona Motakef<br \/>\nPrekarisierung<br \/>\nBielefeld 2015<br \/>\ntranscript<br \/>\nISBN 978-3-8376-2566-0<br \/>\n184 Seiten<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gesellschaftstheorie<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[1554,1710,1885],"class_list":["post-6245","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-mona-motakef","tag-oliver-marchart","tag-prekarisierung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6245","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6245"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6245\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6245"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6245"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6245"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}