{"id":6264,"date":"2016-10-14T09:48:04","date_gmt":"2016-10-14T07:48:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=6264"},"modified":"2016-10-14T09:48:04","modified_gmt":"2016-10-14T07:48:04","slug":"social-media-oktobervon-annekathrin-kohout14-10-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2016\/10\/14\/social-media-oktobervon-annekathrin-kohout14-10-2016\/","title":{"rendered":"Social Media Oktobervon Annekathrin Kohout14.10.2016"},"content":{"rendered":"<p>Vulva- und Vaginabilder<!--more --><\/p>\n<p>Nirgends hat sich in letzter Zeit so eindr\u00fccklich gezeigt, wie tiefsitzend und popul\u00e4r Sexismus heute noch ist, als an dem Video, in dem Donald Trump mit sexuellen \u00dcbergriffen prahlt: \u201eJust kiss. I don\u2019t even wait. And when you\u2019re a star they let you do it. You can do anything.\u201c Und weiter: \u201eGrab them by the pussy.\u201c<\/p>\n<p>Der letzte Satz gelangte in den Medien zu besonderem Erfolg. Sicher nicht zuletzt wegen der unverfrorenen Verwendung des Wortes \u201apussy\u2018, welches sonst in der massenmedialen \u00d6ffentlichkeit gerne ausgespart oder umgangen wird. In der US-amerikanischen Late Night Show \u201eFull Frontal\u201c zeigte Samantha Bee Ausschnitte diverser Nachrichtensendungen, in denen sich die Sprecher und Sprecherinnen sichtlich schwer tun mit dem Versuch einer Wiedergabe des \u201eGrab them by the pussy\u201c-Ausspruchs von Trump. So kommen Zitationen zustande wie \u201eGrabbing women by \u2026 their private parts\u201c, \u201e\u2026 their kitty cat\u201c, \u201e\u2026 the p-word \u2013 forgive me\u201c und nicht zuletzt \u201eGrab them by the \u2026 I cant\u2019t say that on television.\u201c Bee reagiert daraufhin mit einer nicht enden wollenden Auflistung s\u00e4mtlicher Synonyme und erl\u00f6st dadurch das Publikum vom Unausgesprochenen:<\/p>\n<div style=\"width: 625px;\" class=\"wp-video\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('video');<\/script><![endif]-->\n<video class=\"wp-video-shortcode\" id=\"video-6264-1\" width=\"625\" height=\"354\" preload=\"metadata\" controls=\"controls\"><source type=\"video\/mp4\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Full_Frontal_Clipping.mp4?_=1\" \/><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Full_Frontal_Clipping.mp4\">http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Full_Frontal_Clipping.mp4<\/a><\/video><\/div>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Ausschnitt aus <a title=\"video full frontal\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_gk72KC4jWc\" target=\"_blank\">\u201eFull Frontal with Samantha Bee\u201c<\/a> vom 10.10.2016<\/em><\/p>\n<p>Dieselbe Beobachtung \u2013 dass Reden vom weiblichen Geschlecht mit Scham belastet ist \u2013 machte Gloria Steinem, eine Ikone des Feminismus, bereits in den 1960er Jahren. Deshalb pr\u00e4gte sie den Ausspruch von der \u201eDa-unten-Generation\u201c.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a> Statt jene\u00a0Organe zu benennen, die mit weiblicher Sexualit\u00e4t zu tun hatten, begn\u00fcgten sich Frauen mit einem verlegenen \u201ada unten\u2018.<\/p>\n<p>Dass es sich bei der \u201ada unten\u2018-Verlegenheit \u2013 selbst im Privaten \u2013 keinesfalls um ein historisches Ph\u00e4nomen handelt, stellt Margarethe Stokowskis in ihrem dieses Jahr ver\u00f6ffentlichten Buch \u201eUntenrum frei\u201c unter Beweis. Nicht zuf\u00e4llig ist ihr feministisches Initiationsereignis ein Sturz vom Fahrrad als Vierj\u00e4hrige, bei dem es ihr \u201auntenrum\u2018 schmerzt, sie sich jedoch nicht traut, ihren Eltern davon zu berichten: \u201eWie denn auch? Wie soll ich sagen, dass ich mir an meiner \u2026 Dings weh getan habe?\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Doch der Ausspruch \u201aDa-unten-Generation\u2018 zielt nicht darauf ab, die Karikatur einer besch\u00e4mten oder gar pr\u00fcden Frau zu zeichnen. Jedes Wort und jede Sprachwendung hat vielmehr auch eine eigene und nur schwerlich abzuwendende Dimension, sei sie ihrer konkreten Herkunft oder vertrauten Assoziationen geschuldet.<\/p>\n<p>\u201aDa unten\u2018 impliziert etwa eine Zeigerichtung: n\u00e4mlich in die Tiefe \u2013 in das Loch \u2013, auf das die Vagina f\u00fcr lange Zeit reduziert wurde, mit der Konsequenz, dass die Vulva unsichtbar geworden ist. Verantwortlich daf\u00fcr ist nicht zuletzt die (Tiefen)Psychologie eines Sigmund Freud (\u00fcbrigens auch eines Jacques Lacan) mit ihrer St\u00e4rkung des Phallus als Symbol des Begehrens.<\/p>\n<p>Die g\u00e4ngige Verwendung des Wortes \u201aVagina\u2018 beinhaltet die Deutung des weiblichen Geschlechts als etwas Innen-Liegendes und Nicht-Sichtbares. Die Feministin Mithu M. Sanyal untersucht in ihrem Buch \u201eVulva: Die Enth\u00fcllung des &#8218;unsichtbaren Geschlechts\u2019\u201c (2009) das Ungleichgewicht der begrifflichen Verwendungen. Spricht man beim m\u00e4nnlichen Geschlecht folgerichtig von \u201aPenis\u2018 \u2013 anstatt beispielsweise von \u201aHoden\u2018 \u2013, nimmt man den Begriff \u201aVagina\u2018 trotz Fehlbeschreibung \u2013 bei ihr handelt es sich eigentlich nur um die K\u00f6rper\u00f6ffnung \u2013 bis heute hin. Problematisch ist, dass somit die Konnotation des Lochs und der Leerstelle bestehen bleibt. Sanyal pl\u00e4diert darum f\u00fcr die Verwendung des Begriffs \u201eVulva\u201c, der die \u00e4u\u00dfere Form des weiblichen Genitals \u2013 zudem die gut sichtbare und griffige \u2013 beschreibt.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Feministinnen und Feministen bedeuteten all diese Konnotationen im Umkehrschluss, dass die weibliche Sexualit\u00e4t insgesamt als Mangel wahrgenommen wird: \u201eMan nehme einen Menschen \u2013 also einen Mann \u2013 entferne den Penis und erhalte so eine Frau\u201c,\u00a0hei\u00dft es\u00a0etwa in dem\u00a0feministischen Magazin <a title=\"artikel emma\" href=\"http:\/\/www.emma.de\/artikel\/sexualitaet-die-vulva-attacke-264030\" target=\"_blank\">\u201eEmma\u201c<\/a>.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich am Beispiel der Wiedergabe des \u201eGrab them on the pussy\u201c-Ausspruchs von Donald Trump in einem traditionellen Massenmedium wie dem Fernsehen zeigt, wie hartn\u00e4ckig die \u201eDa-unten-Generation\u201c weiter besteht, kann man im Internet und im Zuge der vierten Welle des Feminismus starke gegens\u00e4tzliche Tendenzen wahrnehmen. War es das Ziel von\u00a0Gloria Steinem und mit ihr der sogenannten zweiten Welle des Feminismus, die Vagina in das Zentrum der Aufmerksamkeit zu r\u00fccken, sie aus ihrem \u201ada unten\u2018-Schlaf zu erwecken, versuchen gegenw\u00e4rtig die Feministinnen und Feministen einer vierten Welle, sie\u00a0neu zu codieren.<\/p>\n<p>Wegen der \u00fcblichen Codierung der Vagina als Loch ist es besonders wichtig, ihr visuell ein \u00f6ffentlich wirksames Gesicht zu verleihen. Tats\u00e4chlich haben vor allem die sozialen Medien die Sichtbarkeit der Vagina \u2013 jenseits von Pornografie \u2013 in gro\u00dfem Umfang vorangetrieben. Ihre\u00a0 Ikonografien\u00a0sind\u00a0vielf\u00e4ltig, genauso wie die damit verbundenen Aussagen. In all den Bildern zeigt sich jedoch eines ganz deutlich: die Vagina ist l\u00e4ngst nicht mehr eine Leerstelle, sondern hat \u2013 von Vulva bis Uterus \u2013 eine ganz eigene und spezifische Form. Zehn Beispiele:<\/p>\n<ol>\n<li style=\"text-align: center\">Zuf\u00e4llige Assoziationen<\/li>\n<\/ol>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_1_ZA.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6254\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_1_ZA.png\" alt=\"bild_1_za\" width=\"1437\" height=\"1040\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_1_ZA.png 1437w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_1_ZA-300x217.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_1_ZA-768x556.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_1_ZA-1024x741.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1437px) 100vw, 1437px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die\u00a0Form der Vulva ist so\u00a0eigen und bekannt, dass man sie \u00fcberall wiederentdeckt: sei es in Rosenbl\u00e4ttern, Tischdecken oder Gebirgsrissen. Wo die Vagina sonst oft problematisiert wird \u2013 etwa als defizit\u00e4rer Phallus \u2013, nimmt ihr das Spielerische der formalen Wiederentdeckungen jeden\u00a0Ernst und betont ihre formale Spezifik.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li style=\"text-align: center\">Die Vagina als Frucht<\/li>\n<\/ol>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_2_Frucht.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6255\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_2_Frucht.png\" alt=\"bild_2_frucht\" width=\"1303\" height=\"677\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_2_Frucht.png 1303w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_2_Frucht-300x156.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_2_Frucht-768x399.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_2_Frucht-1024x532.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1303px) 100vw, 1303px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Eines der beliebtesten Motive in den sozialen Medien im Kontext des weiblichen Geschlechts ist die Frucht. Eine naheliegende Assoziation, die symbolhaft ist. Wer\u00a0diese Bilder einmal zur Kenntnis genommen hat, kann kaum umhin, nicht in jeder aufgeschnittenen Orange eine Vagina zu entdecken. Gleichzeitig haben die Fr\u00fcchte eine gewisse Lupenwirkung, tragen vergr\u00f6\u00dfert nach Au\u00dfen, was manchmal hinter Schamhaar oder kleinen Vulven verborgen liegt. Denn sie betonen das Fleischige und ber\u00fchren den Tastsinn.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li style=\"text-align: center\">Die Menstruation<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_3_Menstruation.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6256\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_3_Menstruation.png\" alt=\"bild_3_menstruation\" width=\"1330\" height=\"944\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_3_Menstruation.png 1330w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_3_Menstruation-300x213.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_3_Menstruation-768x545.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_3_Menstruation-1024x727.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1330px) 100vw, 1330px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p>\u201eAm wirksamsten als Liebeszauber ist das das Beibringen von Menstrualblut in Speise oder Trank, am liebsten Kaffee\u201c,<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a> hei\u00dft es im Handw\u00f6rterbuch des deutschen Aberglaubens. Schaut man sich darin die unterschiedlichen Verwendungsweisen des Menstruationsblutes an, f\u00e4llt auf, dass es meistens in der gleichen Logik stand wie Speichel oder Schwei\u00df. In ihrer Wirkung wurde es\u00a0oft als Steigerung gegen\u00fcber anderen K\u00f6rperausfl\u00fcssen wahrgenommen: So reicht das Tunken einer Semmel in Schwei\u00df, um einen Mann zu verf\u00fchren.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a> Zur Liebe bedarf es jedoch des Menstruationsblutes.<\/p>\n<p>Darin m\u00fcndet letztlich auch die feministische Kritik an der fehlenden \u00f6ffentlichen Sichtbarkeit der weiblichen Menstruation: Ihre Wegrationalisierung diene dazu, das Bild der reinen \u2013 unbeschmutzten \u2013 Frau zu erhalten. W\u00e4hrend der Schwei\u00df des Mannes sogar erotisch codiert werden kann, ist der Schwei\u00df der Frau und ihr Menstruationsblut ein Zeichen f\u00fcr fehlende Aufmerksamkeit bei der Hygiene. Die sogenannte \u201eNew Feminism Wave\u201c schafft daher Bilder, die den monatlichen Blutungen ihre Selbstverst\u00e4ndlichkeit zur\u00fcckgeben sollen.<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li style=\"text-align: center\">Die Madonna Mandorla<\/li>\n<\/ol>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_4_Mandorla.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6270\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_4_Mandorla.png\" alt=\"bild_4_mandorla\" width=\"710\" height=\"518\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_4_Mandorla.png 710w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_4_Mandorla-300x219.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer Kunst oder Kunstgeschichte studiert hat, d\u00fcrfte bereits eine Menge Madonnen gesehen haben. Goldene Madonnen, Madonnen mit langen H\u00e4lsen, Madonnen mit Kind und Madonnen ohne Kind. Thronende Madonnen, stillende Madonnen, betende Madonnen und trauernde Madonnen. Madonnen in blauen Gew\u00e4ndern. Madonnen, die auf einer Sichel stehen. Madonnen, die ein Strahlenkranz umringt. An eine Vagina hatte wohl keine dieser Madonnen erinnert. Schon gar nicht wurde dies vermittelt. Das hat sich stark ge\u00e4ndert. In den sozialen Medien werden pl\u00f6tzlich Madonnen-Bildnisse \u2013 insbesondere die Madonna Mandorla (Madonna in der Mandel) \u2013 zu Synonymen f\u00fcr das weibliche Geschlecht. Urspr\u00fcnglich, indem man sie einfach im Kontext feministischer Blogs ver\u00f6ffentlichte. Nun werden zunehmend eigene Mandonna-Mandorla-Kreationen als Gifs oder Collagen angefertigt, um die Vagina-Assoziation zu st\u00e4rken, etwa wenn eine Madonna vor eine ge\u00f6ffnete Auster gesetzt wird.<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li style=\"text-align: center\">Kosmische Vagina<\/li>\n<\/ol>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_5_Kosmos1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6258\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_5_Kosmos1.png\" alt=\"bild_5_kosmos\" width=\"1267\" height=\"1044\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_5_Kosmos1.png 1267w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_5_Kosmos1-300x247.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_5_Kosmos1-768x633.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_5_Kosmos1-1024x844.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1267px) 100vw, 1267px\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u201eDer S\u00fcndenfall unserer Spezies liegt in der Abkehr von der Tradition der Verehrung des Weiblichen\u201c, hei\u00dft es in dem <a href=\"http:\/\/www.nybooks.com\/articles\/2012\/09\/27\/pride-and-prejudice\/?pagination=false\">umstrittenen<\/a> Buch \u201eVagina. Eine Geschichte der Weiblichkeit\u201c von Naomi Wolf.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><sup><sup>[5]<\/sup><\/sup><\/a> Und tats\u00e4chlich galt schon vor Jahrtausenden die Vulva als Machtsymbol \u2013 so wie heute der Phallus. Das lag vor allem am Zyklischen: Wie die Himmelsk\u00f6rper in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden erscheinen und verschwinden, ist auch der weibliche K\u00f6rper von sichtbaren und monatlich wiederkehrenden Erscheinungen gekennzeichnet: den Monatsblutungen. \u201eEs gibt eine Vagina-Geist-Beziehung, die der Westen zu verschleiern suchte\u201c, schreibt Wolf. Die gegenw\u00e4rtige Bildwelt zeigt, dass diese Analogie durchaus noch oder wieder erinnert wird.<\/p>\n<ol start=\"6\">\n<li style=\"text-align: center\">Der Uterus<\/li>\n<\/ol>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_6_Uterus.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6259\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_6_Uterus.png\" alt=\"bild_6_uterus\" width=\"1393\" height=\"773\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_6_Uterus.png 1393w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_6_Uterus-300x166.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_6_Uterus-768x426.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_6_Uterus-1024x568.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1393px) 100vw, 1393px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Bilder vom Uterus sind allen voran der Faszination an den verborgenen Formen des weiblichen Geschlechts geschuldet. Gleichzeitig bildet er ein Pendant zur Dominanz der Penisform, die auch deshalb so popul\u00e4r ist, weil man sie sich gut einpr\u00e4gen kann. Der Uterus ist jedoch mindestens genauso einpr\u00e4gsam \u2013 daf\u00fcr muss er nur noch in Erscheinung gebracht werden. Und das wird er.<\/p>\n<ol start=\"7\">\n<li style=\"text-align: center\">Die Raute<\/li>\n<\/ol>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_7_Raute.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6260\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_7_Raute.png\" alt=\"bild_7_raute\" width=\"1471\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_7_Raute.png 1471w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_7_Raute-300x122.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_7_Raute-768x313.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_7_Raute-1024x418.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1471px) 100vw, 1471px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nicht erst seit Angela Merkel das Handzeichen ausf\u00fchrt, ist es als das Zeichen f\u00fcr Yoni bekannt. Yoni ist eine Begr\u00fc\u00dfungsgeste, bei der die Form des weiblichen Genitals nachgeformt wird, und ein <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/904621\/Warum-Yoni-das-Symbol-weiblicher-Macht-ist\">Symbol f\u00fcr weibliche Macht<\/a>.<\/p>\n<ol start=\"8\">\n<li style=\"text-align: center\">Vagina dentata<\/li>\n<\/ol>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_8_Dentata.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6261\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_8_Dentata.png\" alt=\"bild_8_dentata\" width=\"1380\" height=\"870\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_8_Dentata.png 1380w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_8_Dentata-300x189.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_8_Dentata-768x484.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_8_Dentata-1024x646.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1380px) 100vw, 1380px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Angeblich wurde die Vagina dentata \u2013 die bezahnte Vagina \u2013 von M\u00e4nnern mit Kastrationsangst erfunden. Es wird Sigmund Freud nachgesagt, anl\u00e4sslich dieser Legenden den Begriff \u201eVagina dentata\u201c, gepr\u00e4gt zu haben. Nahm die Popul\u00e4rkultur das\u00a0Motiv lange Zeit noch relativ ernst, ist es gegenw\u00e4rtig meistens\u00a0ironisch konnotiert.<\/p>\n<ol start=\"9\">\n<li style=\"text-align: center\">Schaamhaar<\/li>\n<\/ol>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_9_Schamhaar.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6262\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_9_Schamhaar.png\" alt=\"bild_9_schamhaar\" width=\"1226\" height=\"429\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_9_Schamhaar.png 1226w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_9_Schamhaar-300x105.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_9_Schamhaar-768x269.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_9_Schamhaar-1024x358.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1226px) 100vw, 1226px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einerseits ist die Vagina nackter denn je, andererseits bekleideter. Auch das Schamhaar ist Ausdruck feministischen Protestes \u2013 und seine Zurschaustellung wird ferner als solcher interpretiert. Etwa wenn ein Bild von <a href=\"http:\/\/www.petracollins.com\/?page_id=222\">Petra Collins auf Instagram<\/a> gel\u00f6scht wird, nur weil unter ihrem Slip gekr\u00e4useltes Haar hervorlugt. Hier wird nicht daf\u00fcr pl\u00e4diert, die sonst verborgene Vulva sichtbar zu machen, indem man sie von der verdeckenden Haarpracht befreit. Das ist jedoch keinesfalls widerspr\u00fcchlich, denn die Intimrasur hatte vor allem zur Folge, dass es auch f\u00fcr die Vulva ein Sch\u00f6nheitsideal gibt. Und sie entsprechend sch\u00f6nheitsoperiert wird.<\/p>\n<ol start=\"10\">\n<li style=\"text-align: center\">L\u2019Origine du Monde<\/li>\n<\/ol>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_10_Courbet.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6263\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_10_Courbet.png\" alt=\"bild_10_courbet\" width=\"1560\" height=\"803\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_10_Courbet.png 1560w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_10_Courbet-300x154.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_10_Courbet-768x395.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/10\/Bild_10_Courbet-1024x527.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1560px) 100vw, 1560px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Gustave Courbets\u00a0\u201eL\u2019Origine du Monde\u201c von 1866 gilt als eines der pornografischsten Kunstwerke der Moderne, dessen Rezeption von heftigen Reaktionen gekennzeichnet ist. Fast 100 Jahre nach seiner Entstehung kaufte Jacques Lacan das Original. Es galt noch immer als derartig obsz\u00f6n, dass er seinen Schwager \u2013 den K\u00fcnstler Andr\u00e9 Masson \u2013 beauftragte, einen verstellbaren Doppelrahmen daf\u00fcr zu bauen, der auf der Vorderseite\u00a0ein Landschaftsgem\u00e4lde zeigte. Insofern ist das Bild ein Inbegriff f\u00fcr die Ablehnung pornografischer Inhalte. Gegenw\u00e4rtig wird es deshalb auch gerne daf\u00fcr hergenommen, sich \u00fcber die Zensur der sozialen Medien lustig zu machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00a0Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a> Siehe das Vorwort von Gloria Steinem in: Ensler, Eve: The Vagina Monologues, 2001.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a> Stokowski, Margarete: Untenrum frei, 2016. S. 18.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a> Lemma \u201eSemmel\u201c; In: \u201eHandw\u00f6rterbuch des deutschen Aberglaubens\u201c, hrsg. von Hoffmann-Krayer, E.; B\u00e4chtold-St\u00e4ubli, Hanns. Berlin und Leipzig 1935\/36, Sp. 1644.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\"><sup><sup>[5]<\/sup><\/sup><\/a> Wolf, Naomi: <a href=\"http:\/\/www.amazon.com\/gp\/product\/0061989169?ie=UTF8&amp;tag=thneyoreofbo-20&amp;linkCode=as2&amp;camp=1789&amp;creative=9325&amp;creativeASIN=0061989169\">Vagina: A New Biography<\/a>, 2012.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"kohout tumblr\" href=\"http:\/\/akohout.tumblr.com\/\" target=\"_blank\">Annekathrin Kohout<\/a> ist freie Autorin und Fotografin. Der Beitrag ist eine aktualisierte Version eines Artikels, der auf ihrem <a title=\"kohout blog\" href=\"https:\/\/sofrischsogut.wordpress.com\/\" target=\"_blank\">Blog<\/a> zu finden ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vulva- und Vaginabilder<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[584,1051,1920,2164,2441,2484],"class_list":["post-6264","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-donald-trump","tag-ikonographie","tag-pussy","tag-social-media","tag-vagina","tag-vulva"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6264","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6264"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6264\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6264"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6264"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6264"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}