{"id":6288,"date":"2016-10-24T16:02:59","date_gmt":"2016-10-24T14:02:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=6288"},"modified":"2016-10-24T16:02:59","modified_gmt":"2016-10-24T14:02:59","slug":"gilmore-girlsdas-ende-der-erzaehlungvon-maren-lickhardt24-10-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2016\/10\/24\/gilmore-girlsdas-ende-der-erzaehlungvon-maren-lickhardt24-10-2016\/","title":{"rendered":"\u00bbGilmore Girls\u00abDas Ende der Erz\u00e4hlungvon Maren Lickhardt24.10.2016"},"content":{"rendered":"<p>Serie und Narration<!--more--><\/p>\n<p>Um den Beitrag nicht mit dem abgedroschenen Superlativ \u201al\u00e4ngster Cliffhanger aller Zeiten\u2018 zu beginnen \u2013 eine Formulierung, die ohnehin leicht falsifizierbar w\u00e4re \u2013, sei moderat darauf verwiesen, dass es lange gedauert hat, bis es nun \u2013 fast zehn Jahre nach dem Ende der alten Staffeln \u2013 mit den <em>Gilmore Girls<\/em> weitergeht. Am 25. November startet auf Netflix die Fortsetzung <em>Gilmore Girls. A Year in the Life<\/em>, die schon gem\u00e4\u00df dem Titel mit (post-)moderner Fragmentarit\u00e4t und Serialit\u00e4t spielt.<\/p>\n<p>[youtube id=&#8220;fTnU5MG5Edw&#8220; autoplay=&#8220;no&#8220;]<\/p>\n<p>Eine zeitliche Begrenzung wird vorgegeben, die recht kontingent anmutet. Statt das Leben oder einen konsistenten Sinnabschnitt im Leben zu pr\u00e4sentieren, wird eben ein Jahr gew\u00e4hlt, und es bleibt zu vermuten, dass \u2013 im Falle des Erfolgs der Neuauflage \u2013 <em>Another Year in the Life<\/em> angeschlossen werden wird.<\/p>\n<p>Ein Schlaglicht oder mehrere hintereinander sind zu erwarten, was traditionelle Vorstellungen vom Erz\u00e4hlen als linearen Prozess mit einer inneren Intelligibilit\u00e4t einmal mehr zur\u00fcck l\u00e4sst. Nat\u00fcrlich ist in der Fiktion alles m\u00f6glich, d.h. es lie\u00dfen sich leicht Wege finden, ein Jahr gewisserma\u00dfen organisch abzurunden, aber es k\u00f6nnte noch leichter als Bruchst\u00fcck belassen werden und nach dem Prinzip von Schema und Variation in Serie gehen.<\/p>\n<p>Um einen Cliffhanger handelt es sich beim Schluss der alten Serie allerdings ohnehin nicht, denn es gab im Grunde keine offenen Enden, die einen wirklich unruhig zur\u00fcckgelassen haben. Die Serie hatte mit Rory Gilmores Eintritt in die Arbeitswelt eigentlich einen runden Abschluss, und auch die anderen Handlungsstr\u00e4nge schienen abgeschlossen. Dass Lorelai Gilmore und Luke Danes zusammenfinden w\u00fcrden, d\u00fcrfte f\u00fcr niemanden eine \u00dcberraschung gewesen sein, und kaum jemandes Phantasie ist wohl in die Richtung durchgegangen, eine baldige Trennung und neue Verwerfungen zu imaginieren oder gar zum wiederholten Male Christopher Hayden ins Spiel zu bringen. Aber zehn Jahre sp\u00e4ter darf man nun gespannt sein, denn dauerhafte Harmonie g\u00f6nnt man Serienfiguren nur nach dem Ende. Wenn es aber wieder anf\u00e4ngt, muss es mit der Harmonie vorbei sein.<\/p>\n<p>Lorelai hat eingewilligt, ihre Eltern weiterhin zu besuchen, und auch bei dieser Figurenkonstellation war au\u00dfer der Fortsetzung der alten Hassliebe sicher wenig Raum f\u00fcr Entwicklungen. Da Edward Hermann, der Darsteller des Vaters und Gro\u00dfvaters Richard Gilmore, im Jahr 2014 verstorben ist, k\u00f6nnte es allerdings zwischen Mutter und Tochter nun noch einmal richtig interessant werden, denn dass die Tatsache, dass Emily nun als Witwe auf sich selbst zur\u00fcck geworfen ist, eine gewisse \u2013 sagen wir \u2013 Dynamik produzieren wird, ist doch zu erwarten.<\/p>\n<p>Rory Gilmore \u2013 um nun zum wichtigsten zu kommen \u2013 zieht als Single in die Welt, um sie als Journalistin zu erobern. An ihrem zuk\u00fcnftigen beruflichen Erfolg d\u00fcrfte niemand gezweifelt haben.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Der ein oder andere hat sich m\u00f6glicherweise eine Vers\u00f6hnung mit Logan Huntzberger oder vielleicht sogar Jess Mariano vorgestellt. Aber man konnte sie eigentlich getrost auch ohne diese hypothetischen Revivals alter Beziehungen in den imagin\u00e4ren Raum entlassen, und sich damit begn\u00fcgen, dass sich irgendwann schon irgendwer f\u00fcr die 22j\u00e4hrige finden wird.<\/p>\n<p>Da es aber nun ein Revival der Serie gibt, war es ganz sicher keine \u00dcberraschung, dass Logan und Jess wieder in irgendeiner Form im Spiel sein w\u00fcrden, denn irgendwo muss man ja F\u00e4den wieder aufgreifen. Die Darsteller Matt Czuchry und Milo Ventimiglia stehen auf <em>imbd.com<\/em> auf der Cast List,<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> was unweigerlich die Vorstellung evoziert, dass einer der beiden nun das Rennen machen wird, aber um schlichte Erwartungen wie solche zu befriedigen, war die Serie eigentlich immer zu intelligent. Wir m\u00fcssen abwarten, auf welche Weise unsere durch die sp\u00e4rlichen Informationen zur Neuauflage angeregten Vermutungen hintergangen werden.<\/p>\n<p>Jared Padalecki, der Darsteller von Rorys erster Liebe Dean Forester, erscheint laut <em>imbd.com<\/em> nur in einer der neuen Folgen, was sicher kein Verlust ist, \u2013 \u00e4hm, liegt der Plot doch einfach schon zu weit zur\u00fcck. Dass sein Erscheinen nur kurz sein wird, ist das eigentlich Interessante. Unabh\u00e4ngig von der Frage, wie der Plot nun weitergeht, handelt es sich bei der Neuauflage schlie\u00dflich um ein Projekt, das auf die Nostalgie der fr\u00fcheren Fans setzen muss. Man m\u00f6chte die \u2013 mehr oder weniger \u2013 liebgewonnen Charaktere einfach einmal wieder sehen, und da reicht ja eigentlich ein Kurzauftritt mit Update von Dean als Collage oder Zitat seiner selbst \u2013 \u201aFiguren-dropping\u2018, weil Wiedererkennen und Wiedersehen allein um seiner selbst willen so sch\u00f6n ist.<\/p>\n<p>[youtube id=&#8220;Hjqrr7nss3s&#8220; autoplay=&#8220;no&#8220;]<\/p>\n<p>Dass Figuren um ihrer selbst willen einfach nur da sind und keine interessanten Handlungsstr\u00e4nge tragen, war in besonderem Ma\u00df ein Merkmal der <em>Gilmore Girls<\/em>. Da h\u00e4tten wir die dicke Sookie St. James, die sich im Lauf der Serie wenig entwickelt, sondern konstant f\u00fcr liebevolle und tollpatschige Momente zur Verf\u00fcgung steht, aber irgendwann Jackson heiratet und dann gewisserma\u00dfen im Serienformat Kinder produziert. Oder aber Kirk Gleason, die Figur mit dem gr\u00f6\u00dften Kultpotential, die durch pikareskes Unverst\u00e4ndnis und als Anlass f\u00fcrs Fremdsch\u00e4men immer wieder f\u00fcr Verbl\u00fcffung sorgt und neben ihrer festen Charakteristik und Funktion durch ihre wandelnden absurden T\u00e4tigkeiten der Homer Simpson der <em>Gilmore Girls<\/em> ist, also die Episodit\u00e4t und Nicht-Linearit\u00e4t der Serie spiegelt. Skurril ist auch B\u00fcrgermeister Taylor Doose, der auf die immer gleichen Kommentare zum kommunalen Geschehen und auf seine Leidenschaft zur durchaus kommerziell ausgebeuteten Heimat- und Geschichtspflege festgelegt ist und der permanent Winzigkeiten auf hysterisch-theatralische Weise aufbauscht.<\/p>\n<p>Es handelt sich um Figuren, die geschaffen sind f\u00fcr das Serielle, die keiner Narration bed\u00fcrfen oder innerhalb einer solchen Linie gewisserma\u00dfen Punkte erzeugen, und irgendwie spiegeln sie das auch reflexiv und metafiktional durch ihre Merkmale: serielle Reproduktion, episodische T\u00e4tigkeiten und Hyperbolik, durch die sich n\u00e4mlich st\u00e4ndig alles und gleichzeitig nichts \u00e4ndert, gro\u00dfe Unterschiede entstehen mit geringen Auswirkungen und Relevanz auf das Folgende. Gleichzeitig repr\u00e4sentieren diese Figuren wiedererkennbare Stereotype, d.h. als Klischees sind sie bei ihrem ersten Auftritt ohnehin immer schon Zitate gewesen. In jeder realen Kleinstadt gibt es sie und m\u00f6glicherweise noch nicht einmal in weniger drastischen Ausformungen.<\/p>\n<p>Der misslaunige franz\u00f6sische Concierge Michel Gerard sei last but not least erw\u00e4hnt, dessen fast konstant schlechte Laune und Aversion gegen\u00fcber so ziemlich allem und jedem, vor allem aber gegen Hotelg\u00e4ste, Kinder und gute Laune, f\u00fcr \u2013 es ist eine Tautologie, aber es muss so betont werden &#8211; erwartbarste Running Gags im positiven Sinn des Wortes sorgt. Erstaunlich ist dann, was er mag: seine strenge Di\u00e4t, Tanzen, Celine Dion, seine Chow Chows und seine oberfl\u00e4chliche Beziehung zu seiner Mutter. In ca. 140 Folgen erf\u00e4hrt man nicht mehr als das, obwohl gerade letzteres Stoff f\u00fcr unendliche psychologische Narrativierungen lieferte, aber der Reiz der Figur besteht gerade darin, dass dies ausbleibt, dass sie statisch in die Serie eingelassen ist mit festgelegten Charakteristika und Funktionen. Laut Medienberichten soll dies ein Ende haben und die Figur in der Neuauflage n\u00e4her durchleuchtet werden.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Hoffentlich nicht, denn ich m\u00f6chte gar nicht wissen, ob Michel nun als schwul oder hetero ausgewiesen wird.<\/p>\n<p>[youtube id=&#8220;g_N_2bGzvwc&#8220; autoplay=&#8220;no&#8220;]<\/p>\n<p>Denkt man nach fast zehn Jahren an die <em>Gilmore Girls<\/em> zur\u00fcck, sind es eben diese Kleinstadtcharaktere und andere Merkw\u00fcrdigkeiten, die ins Ged\u00e4chtnis kommen. Die Narration r\u00fcckt dagegen in den Hintergrund. Sogar die Figuren, die jene tragen oder durch jene entwickelt werden, repr\u00e4sentieren Typen und pr\u00e4gen vielleicht eher durch Marotten, isolierte Handlungen und Dialoge die Erinnerung. Was war nun noch mal der Plot?<\/p>\n<p>Da h\u00e4tten wir die Liebe in allen Variationen, und es sei dezidiert behauptet, dass sie f\u00fcr die Serie so gut wie irrelevant ist und ganz sicher kaum zu ihrem Erfolg beigetragen hat, obwohl sie sie in gewisser Weise strukturiert. Dass mit wechselnden Figuren und wechselnden Verh\u00e4ltnissen M\u00e4nner und Frauen Beziehungen eingehen und beenden und die Sympathien der Zusehenden hinsichtlich der Konstellationen unterschiedlich ausfallen, ist auch schon alles, was man zum Thema Liebe in der Serie sagen kann. Man verliebt sich eben in den falschen oder den richtigen Mann; n\u00e4hert sich an; es entsteht eine kleine Spannung auf Basis der Frage, ob dies auf Gegens\u00e4tzlichkeit basiert, und wenn ja, wann es zum ersten Kuss kommt; dann pl\u00e4tschert die Beziehung entweder vor sich hin oder wird problematisch; sie wird aber in jedem Fall beendet; und der n\u00e4chste Mann oder die n\u00e4chste Frau erscheint auf der Bildfl\u00e4che. Wie in einer Soap.<\/p>\n<p>Nun ist gegen Soaps nichts einzuwenden, aber damit allein w\u00e4re <em>Gilmore Girls<\/em> nicht beschrieben. Denn bei den Handlungsb\u00f6gen, die die Liebe generiert, also der Liebes-Narration, ist die Zweck-Mittel-Relation recht artifiziell umgekehrt. Charaktere, Handlungsweisen und Dialoge stehen nicht im Dienste der Ausgestaltung der Liebes-Plots, sondern diese sind als Vorwand da, um Charaktere, Handlungsweisen und Dialoge in Szene zu setzen, um ihnen Anlass und Geltung zu verschaffen. Die Narration r\u00fcckt in den Hintergrund, um ganz andere, punktuelle Elemente zu tragen. Ein bisschen tiefer geht vielleicht die Geschichte zwischen Lorelai und Christopher, die partiell durch Rory und Logan gespiegelt wird, aber dies f\u00fchrt bereits aus dem Liebes-Thema heraus zum eigentlichen gro\u00dfen Thema der Serie, um das sich das gr\u00f6\u00dfte Narrativ rankt, was dann aber noch lange nicht mit einer traditionellen Narration einher geht:<\/p>\n<p>White Anglo Saxon Protestants! In einem Familienepos \u00fcber drei Generationen wird die amerikanische Ostk\u00fcsten-Pseudo-Aristokratie gezeigt. Die \u00e4u\u00dferst wohlhabenden, alteingesessenen Gilmores \u2013 Yalies seit vielen Generationen, Mitglied im Golf-Club, im Country-Club, bei den Daughters of the American Revolution usw. usf. \u2013 erleben eine genealogische und axiologische Ersch\u00fctterung.<\/p>\n<p>Lorelai Leigh Gilmore, die Mittlere, also Tochter und Mutter zugleich, war, wie in Analepsen berichtet wird, im Alter von 16 Jahren ungeplant schwanger geworden, konnte also weder Schule noch Deb\u00fctantinnenb\u00e4lle weiterhin pflichtgem\u00e4\u00df absolvieren, wollte den bei allem Schock als angemessen angesehenen Vater des Kindes, Christopher Hayden, nicht heiraten, verlie\u00df das Elternhaus, um das Kind, Lorelai \u201aRory\u2018 Gilmore \u2013 ja, Lorelai geht in Serie \u2013, jenseits aller Konventionen und finanzieller Unterst\u00fctzung in der Kleinstadt Stars Hollow aufzuziehen. Die Tr\u00e4ume der Eltern, sich angemessen zu reproduzieren, waren zerplatzt, das Ansehen beschmutzt, w\u00e4hrend Lorelai selbstst\u00e4ndig \u2013 das kann man nun nicht anders als ein wenig ironisch anmerken \u2013 den amerikanischen Traum vom Zimmerm\u00e4dchen zur Hotelmanagerin lebte, sie die Herzen der Kleinst\u00e4dter gewann und eine \u00e4u\u00dferst intelligente, liebeswerte Tochter, sozusagen ihre beste Freundin und in gewisser Weise Abbild hervorgebracht hat.<\/p>\n<p>[youtube id=&#8220;fr9NyhPJ2Pk&#8220; autoplay=&#8220;no&#8220;]<\/p>\n<p>Die Serie setzt ein, als Rory ihrerseits 16 Jahre alt ist und sich Mutter und Tochter einig sind, dass sie nun eine teure Privatschule, die Chilton High, besuchen soll. Obwohl Lorelai erfolgreich bem\u00fcht ist, ihrer Tochter alternative Werte zu vermitteln, zeigt es sich, dass sie nicht alles abgelehnt hat, wof\u00fcr ihre Eltern stehen, denn Elite-Bildung ist der Punkt, den sie nicht hinterfragt, und dann ist Elitenbildung ja auch nicht mehr weit. Den Auftakt der Serie bildet ein Bescheid \u00fcber ein abgelehntes Stipendium, wodurch Lorelai wieder Kontakt zu ihren Eltern aufnimmt, die Rorys Schulbildung finanzieren sollen und wollen.<\/p>\n<p>Den Rahmen f\u00fcr fast jede Folge bildet nun ein Besuch bei den Eltern\/Gro\u00dfeltern, den diese daf\u00fcr erpressen. Die Freitage wiederholen sich im Folgenden wieder und wieder. Und es entspannt sich eine interessante Milieustudie. W\u00e4hrend im Naturalismus die soziale Determiniertheit des Menschen gerade an niedrigeren Milieus ausgelotet wurde, widmet sich dieses Verfahren hier der anderen Seite, d.h. mit naturalistisch ist nicht der Modus der Darstellung gemeint \u2013 die Serie ist vielmehr hochgradig artifiziell, intertextuell und metafiktional \u2013, sondern ein Ausloten von pers\u00f6nlichen Befangenheiten, milieubedingten Sichtweisen und begrenzten Handlungsm\u00f6glichkeiten innerhalb eines engen Erfahrungsspektrums, das an einen naturalistischen Monismus denken l\u00e4sst.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Emily und Richard \u2013 das lehrt die Serie \u2013 sind, wie sie sind. Sie k\u00f6nnen nichts daf\u00fcr! Sie sind weder in ihren pers\u00f6nlichen Beziehungen noch in ihrem gesellschaftlichen Verhalten b\u00f6se. Zwar sind sie \u00e4u\u00dferst distinguiert, aber gar nicht so besonders arrogant im Vergleich mit den Kleinst\u00e4dtern in Stars Hollow, die sehr wohl ihre Verhaltenskodizes ber\u00fccksichtigt wissen wollen und jenseits eines schmalen mittleren Grades nicht jeden akzeptieren; man denke an ihre Ablehnung des Punks Jess und des \u201aSnobs\u2018 Christopher. Emily kann nichts daf\u00fcr, dass sie nur eine begrenzte Vorstellung von einem gelungenen Leben hat, und dass sie sich das nun einmal f\u00fcr ihre einzige Tochter w\u00fcnscht. Sie kann nichts daf\u00fcr, dass sie jenseits ihrer Konversations- und Verhaltensrituale hilflos ist. Sie kann nichts daf\u00fcr, dass sie ihre Tochter kaufen will, statt Familienbande anderweitig herzustellen. Sie kann nichts daf\u00fcr, dass sie in einer Art Nervenzusammenbruch ein Flugzeug kaufen will, um sich abzureagieren.<\/p>\n<p>Die Serie verh\u00e4lt sich \u00e4u\u00dferst kritisch gegen\u00fcber einer sich auf Basis von Geld und toter Rituale selbst reproduzierenden Elite, aber Exklusion und andere unsympathische Z\u00fcge werden eindeutig als strukturelle Probleme und nicht als pers\u00f6nliches Fehlverhalten und Schw\u00e4che dargelegt. Wobei die beiden Lorelais, also die Mittlere und die J\u00fcngste, gemessen an der Ausgangssituation Auswege aufzeigen und diesen Kreislauf bis zu einem gewissen Grad durchbrechen k\u00f6nnen. Es wird sich zeigen, dass das dann auch in gewisser Weise das Ende der Narration bedeutet.<\/p>\n<p>Nur weil Erinnerung so sch\u00f6n ist, ein weiteres Beispiel zur Determiniertheit: Logan. Dieser Charakter ist intelligent, witzig, interessant, eloquent und charmant auch jenseits der erlernten Spielregeln der h\u00f6heren Gesellschaft. Er interessiert sich aufrichtig f\u00fcr Rory und ist in starkem Ma\u00df positiv gezeichnet. Er ist kein schlechter Mensch, sogar tolerant und mitf\u00fchlend. Als Rory und er aber in einem Anfall von jugendlichem Leichtsinn eine Yacht stehlen \u2013 was halt schon mal passieren kann \u2013, zeigt die Serie einmal \u2013 anhand von Rory \u2013 den unwahrscheinlichen Fall, dass eine Richterin kein Mitleid mit verw\u00f6hnten reichen Kindern hat und sie sie verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hoch bestraft, und einmal den Fall \u2013 anhand von Logan \u2013, dass die Straftat einfach keine Konsequenzen hat. Als Logan sein eigenes und fremdes Verm\u00f6gen von Investoren in Millionenh\u00f6he verliert, weil er eine Kleinigkeit \u00fcbersehen hatte \u2013 was wir schlie\u00dflich alle schon mal getan haben, als wir jung waren \u2013, muss er vor Schreck nach Las Vegas fliegen, um dort noch mehr Geld zu vertrinken und verspielen, und am Ende sind es die Anw\u00e4lte des Vaters, eines Medienmoguls, die die Sache zurechtr\u00fccken. So l\u00e4sst die Serie Logan am Ende nicht stehen, aber sie zeigt anhand dieser Figur die Folgenlosigkeit von Verhaltensweisen in einem Geld- und Ritual-gesch\u00fctzten Raum.<\/p>\n<p>Wenn es ein gro\u00dfes Narrativ in der Serie gibt, dann ist es das Familienepos. Wenn es ein gro\u00dfes Thema gibt, dann ist es diese Milieustudie. Bei n\u00e4herem Hinsehen l\u00f6st sich dies als Narration allerdings auf und zerf\u00e4llt in eine Aneinanderreihung von Schlaglichtern, anhand derer man metonymisch den Wertehorizont der Generationen rekonstruieren kann. Die gro\u00dfe Erz\u00e4hlung des Zusammenbruchs liegt schlie\u00dflich schon 16 Jahre zur\u00fcck und wird lediglich nachholend hineingeholt.<\/p>\n<p>Was in den ca. sechs Jahre der erz\u00e4hlten Zeit erz\u00e4hlt wird, ist Rorys Schulbildung vom Eintritt in die Chilton High bis zu ihrem Abschluss in Yale. Und was diese Erz\u00e4hlung weiterhin thematisch ausmacht, ist der neue Werterahmen der beiden j\u00fcngeren Generationen, der sich um Lebensfreude rankt. Nat\u00fcrlich sind auch die jungen Gilmores Gilmores und damit Profiteure dessen, wogegen sie opponieren. Ihnen geht es besser als anderen, und all ihre Qualit\u00e4ten beruhen auf der Gewissheit eines prinzipiellen \u00dcberflusses. Diese Dialektik von Partizipation und Provokation ist auch ein Merkmal der Pop-Kultur, und man muss wirklich nicht besonders genau hinsehen, um zu bemerken, dass sich die Pop-Kultur in der Serie selbst erz\u00e4hlt. Oder auch nicht <em>erz\u00e4hlt<\/em>.<\/p>\n<p>Die Narration oder Narrationen l\u00f6sen sich angesichts von Pop vollends auf. Pop ist Sampling, Kompilation, Collage, Zitat, Persiflage, Pastiche, Parodie, Ironie<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>\u2026 es ist das Zeigen des Bekannten in der reziproken Gewissheit zwischen Produzentin und Konsument, dass ich wei\u00df, dass du wei\u00dft, dass ich wei\u00df, was Du wei\u00dft, was ich wei\u00df\u2026 Wiedererkennung mit raffinierten kleinen Verschiebungen, und beides wird also solches goutiert. Pop basiert auf Szenen gemeinsamer Aufmerksamkeit,<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Skripten oder Szenographien<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> und f\u00fchrt diese in weiteren Szenen gemeinsamer Aufmerksamkeit fort, wie auch das Serienformat in seiner alten Variante \u2013 also Ausstrahlung im Fernsehen im w\u00f6chentlichen Rhythmus zu einer f\u00fcr alle verbindlichen Sendezeit \u2013 eine solche Szene gemeinsamer Aufmerksamkeit bildet.<\/p>\n<p>Wir konnten zwischen 2000 und 2007 wunderbar jede Woche dar\u00fcber diskutieren, wie schrecklich wir Emily nun finden \u2013 ich war immer ihr Fan \u2013, ob Lorelai am Ende nicht doch etwas nervt \u2013 bei aller Faszination f\u00fcr die Konstruktion der Figur: ja \u2013, und ob Rory nicht vielleicht ein wenig zu idealtypisch konstruiert ist \u2013 da wage ich ein vorsichtiges: Nein, passt schon. Wir hatten eine neue Szene gemeinsamer Aufmerksamkeit. Vielmehr aber ist die Serie eine Ansammlung von allem, was wir schon kennen, von bekannten Namen, Topoi, Plotelementen, Dialogfetzen, Figurenkonstruktionen, Szenarien etc., und es muss wohl nicht hinzugef\u00fcgt werden, dass wir f\u00fcr das Wiedererkennen nicht unsere lebensweltliche Erfahrung, sondern unsere intertextuelle Kompetenz aktivieren.<\/p>\n<p>Das f\u00e4ngt bei amerikanischer Kleinstadt an und h\u00f6rt bei amerikanischer Eliteuniversit\u00e4t auf. Wenn wir nicht chronologisch, sondern alphabetisch vorgehen \u2013 und warum auch nicht \u2013, f\u00e4ngt es bei Abschlussball an und h\u00f6rt bei Zeugnisvergabe auf. Wir wissen genau, dass der Junge dem M\u00e4dchen ein Ansteckstr\u00e4u\u00dfchen mitbringt \u2013 so Dean Rory \u2013, und wir haben das Umlegen der Quaste am Doktorhut\/Mortarboard schon hundert Mal gesehen \u2013 so Rory und Paris Geller . Der Plot von <em>Gilmore Girls<\/em> baut sich aus einer Reihung von solchen Standardsituationen auf. D.h. auch ohne die ber\u00fchmten Referenzen auf Marken, Stars, Musik, B\u00fccher und Filme handelt es sich weniger um Narration als um Kompilation.<\/p>\n<p>Nun aber zu einer Sammlung der Sammlung oder einem Best of des Best of, denn eine Best of-Sammlung der Pop-Kultur aus der Perspektive der Produzentin Amy Sherman-Palladino und dem Produktionsteam stellt uns dieses Pop-Artefakt vor, und diese sei nach meinem Geschmack \u2013 und die Sache mit dem Geschmack ist Pop<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> \u2013 im Folgenden verdichtet oder reduziert:<\/p>\n<p>Die Figur Lane Kim, Koreanerin der zweiten Generation aus katholischem Haus und beste Freundin der Gilmores, steht vor allem f\u00fcr die musikalischen Einfl\u00fcsse und Referenzen. Diese insgesamt oder auch nur in Bezug auf diese Figur aufzulisten, w\u00e4re unm\u00f6glich, aber zum Gl\u00fcck macht Lane selbst eine Liste, als sie per Zeitungsannonce als Drummerin eine Band sucht und zu dem Zweck ihre musikalischen Vorbilder benennt.<\/p>\n<p>Bei dieser Liste hat Lane die gleiche Not, wie die Verfasserin dieses Artikels in Bezug auf erw\u00e4hnenswerte Szenen, eine Auswahl zu treffen und ein Ordnungsschema zu entwickeln. Weil Zeilen Geld kosten, muss sie sich kurz fassen, was ihr die schier unm\u00f6gliche Aufgabe auferlegt, eine immer h\u00e4rtere Selektion vorzunehmen: In einem Zwischenschritt entspannt sich folgender Dialog mit Rory: \u201eLane: The Accelerators, The Adolescents, The Adverts, Agent Orange, The Angelic Upstarts, The Agnostic Front\u2026 Rory: Du gehst alphabetisch vor. Lane: So schien\u2018s mir klarer.\u201c Die arme Lane hatte bei A aber schon AC\/DC, The Animals und Aha \u2013 \u201eLane: ne uncoole Lieblingsband\u201c \u2013 gestrichen. (s03e03)<\/p>\n<p>Dass hier eine Kopplung anhand von Musikgruppen stattfindet, bildet ein allt\u00e4gliches pop-kulturelles Prinzip ab. Lane zeigt, wie pop-kulturelle Distinktion und Selbstverortung funktionieren.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Und anstelle weiterer Fiktionalisierungen und Narrativierungen sagt diese Liste alles \u00fcber Lane, was Zusehende wissen m\u00fcssen, nat\u00fcrlich nur, wenn die Bands ihnen etwas sagen. Und w\u00e4hrend man der Liste folgt, geht man auf der metafiktionalen Ebene in sich, pr\u00fcft sich, wie die eigene wohl aussehen w\u00fcrde, was man hinzuf\u00fcgen w\u00fcrde, was man weggelassen h\u00e4tte, und \u00fcber diesen nicht narrativen und auch nicht deutenden Vergleich mit Lane legt man sich \u00fcber sich selbst Rechenschaft und Bekenntnis ab. Dass ausgerechnet die Katholikin einen solchen Kult der Auserw\u00e4hlung und Selbstfindung vormacht, mag kein Zufall sein.<\/p>\n<p>Aber da die Liste absurd lang und alphabetisch angeordnet ist, kann an der Stelle keine Feinabstufung vorgenommen werden, sondern es wird eine Hommage an die Pop-Kultur schlechthin vorgef\u00fchrt, und auch an das Listenbilden selbst, das ein integraler Bestandteil der Pop-Kultur ist.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Schlie\u00dflich handelt es sich nicht nur um die einzige Bandliste, die in der Serie aufgef\u00fchrt wird \u2013 z.B. erhalten wir an anderer Stelle auch eine Liste der Bands, die ihre Karriere im CBGBs gestartet haben (s04e11). Vor allem aber r\u00fcckt die Liste in den Mittelpunkt, weil ihr schwieriges Zustandekommen thematisiert wird, und weil sie eben keine knackige Rangliste, sondern eine alphabetische Reihung darstellt, also den Anspruch der Serie spiegelt, eine Enzyklop\u00e4die der Pop-Kultur zu sein. Listen spielen allerdings in jeder Hinsicht eine gro\u00dfe Rolle in der Serie. So macht Rory eine Pro- und Contra-Aufstellung bei den allerexistentiellsten Lebensentscheidungen, d.h. auch die psychologische Selbstvergewisserung innerhalb der Fiktion funktioniert nicht im Modus der Narration, sondern im Modus des Aufz\u00e4hlens.<\/p>\n<p>[youtube id=&#8220;4zhzbp9p9nM&#8220; autoplay=&#8220;no&#8220;]<\/p>\n<p>Im Verlauf der Serie gr\u00fcndet Lane die Band Hep Alien, deren Besetzung f\u00fcr eine figurale Collage oder einfacher gesagt: eine Art Cameo sorgt: Sebastian Bach, S\u00e4nger der ab den 80er Jahre bekannten Heavy-Metal-Band Skid Row spielt den Gitarristen der Band. Interessanterweise spielt er aber nicht etwa in einem absurden Plot sich selbst, sondern eine fiktionalisierte Figur, aber dennoch hat er eigentlich keine Rolle und Funktion au\u00dfer als Sebastian Bach einfach da zu sein und die langen Haare zu sch\u00fctten, um das Wort Headbangen zu vermeiden. Das entspricht einem Kamee, einem Relief-Bild auf einem Schmuckstein, ist punktuell, skulptural, zitathaft, nicht linear, erz\u00e4hlt, originell. Und dabei nat\u00fcrlich total originell und ironisch, aber nat\u00fcrlich f\u00fcr diejenigen, die Sebastian Bach auch erkennen, d.h. der Spa\u00df ist auch ein bisschen exklusiv.<\/p>\n<p>Interessant ist noch, dass Hep Alien als Cover-Band startet, aber noch bemerkenswerter ist die weitere Zusammensetzung der Band. Der Bassist Brian entstammt n\u00e4mlich einem Experiment, das mit dem Begriff \u201eInterfigurality\u201c<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> beschrieben werden kann. Er ist eigentlich eine Figur aus einem anderen Genre, n\u00e4mlich der typische Nerd einer Teenager-Kom\u00f6die, der dem Schach- oder dem Teleskopclub angeh\u00f6rt und nicht einer Punk-Metal-Band. Der Inhalator, den der Allergiker braucht, ist neben der Wahl des Schauspielers, der ein bisschen schwach auf der Brust ist, und der Brille sicheres Zeichen dieses eigentlichen Kontextes, aus dem er deplatziert und zitathaft neben Sebastian Bach kompiliert wurde.<\/p>\n<p>Brians aktiv christliche \u00d6ko-Gutmenschen-Superp\u00e4dagogen-Eltern sind dann die einzigen G\u00e4ste beim ersten Auftritt der Band im legend\u00e4ren CBGBs. Die Mutter hat ihm in einer T\u00fcte gesch\u00e4lte M\u00f6hrchen mitgebracht, und Brian greift erfreut und schamfrei nach seinem Auftritt hinein. Reformuliert werden hier filmische Klischees zum Konflikt zwischen verschiedenen Jugend-Cliquen und den Generationen. Erz\u00e4hlt wird dies aber nicht. Man muss aus der Filmgeschichte die \u2013 damals noch in deutschen \u00dcbersetzungen so bezeichneten \u2013 Eierk\u00f6pfe der 80er Jahre ebenso wie die Geschichte der Punk- und Rock-Musik kennen, um zu verstehen, welche Witze das Bandensemble mit sich bringt. Aber oberfl\u00e4chliche Vertrautheit reicht, und wer\u02bcs nicht kennt, muss angesichts der Situation trotzdem grinsen.<\/p>\n<p>[youtube id=&#8220;Fp265pBKRQ0&#8243; autoplay=&#8220;no&#8220;]<\/p>\n<p>Joe Strummer wird in der Serie h\u00e4ufiger erw\u00e4hnt, und in einer Folge erh\u00e4lt Lorelai die Lederjacke, die er w\u00e4hrend der Pearl Harbour-Tour trug, als Geschenk (s03e18). Sein Tod wird in der Serie bedauert, aber in gewisser Weise ersteht er in ihr auf. Milo Ventimiglia, der Darsteller von Jess Mariano, hat \u00c4hnlichkeit mit Joe Strummer, was mit Sicherheit Zufall, vielleicht auch Einbildung der Verfasserin ist. Betrachtet man jedoch die g\u00e4ngigen bildhaften Inszenierungen von Joe Strummer, fallen durchaus Parallelen auf bzw. ist v\u00f6llig klar, dass sie ostentativ den gleichen Typus verk\u00f6rpern.<\/p>\n<p>Die Posen, die Lekt\u00fcre von Punk-Magazinen, die Kleidung, vor allem die Lederjacke, die Jess tr\u00e4gt, machen ihn nicht nur einfach zum filmtypischen Bad Guy, von dem alle Angst haben, dass er das unschuldige Vorstadtm\u00e4dchen verdirbt, sondern zu einem Zitat einer Musik-Ikone und einem Klischee. Die Ironie dabei ist nat\u00fcrlich, dass Lorelai zwar nat\u00fcrlich The Clash mag, aber bei Jess an die Grenzen der Toleranz ger\u00e4t und er ihr als Freund ihrer Tochter ein Dorn im Auge ist. Pop ist nur in seiner kanonisierten Variante f\u00fcr alle ertr\u00e4glich, wodurch fraglich wird, wie ungeschliffen und sub Pop bleiben kann oder werden darf.<\/p>\n<p>Man kann Jess als intertextuelle Anspielung verstehen, und die Figur in den Mustern der Joe Strummer-Biographie oder allgemeiner der Punk-Geschichte deuten. Aber der Clou an der Interfiguralit\u00e4t dieser Figur, ihrer Collageartigkeit \u2013 und er wird wirklich sichtbar gebrochen, also als unpassend und fremdartig in das Arrangement eingeklebt \u2013, ist der, dass die soeben get\u00e4tigten Assoziationen zu nichts f\u00fchren, was man in einem hermeneutischen Sinn als Erkenntnisgewinn verbuchen k\u00f6nnte.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Man versteht an der Stelle nicht mehr oder weniger, wenn man die genannten Bez\u00fcge durchdenkt. Der Plot und die Dialoge um diese Figur sind selbsterkl\u00e4rend und bed\u00fcrfen keiner intertextuellen Kompetenz. Dennoch ist Jess nicht irgendeine unpassende Liaison, sondern er ist ein Zitat. Und es wird einiges aufgewendet, um das Zitat so deutlich wie m\u00f6glich zu machen, ganz einfach weil gemeinsames Erinnerung in der Verschr\u00e4nkung von Produktion und Rezeption, also Zeigen und Erinnern so viel Spa\u00df macht.<\/p>\n<p>Und weil es eben so viel Spa\u00df macht, soll auf die beste Stelle in der Serie hingewiesen werden, in der die bildliche Inszenierung und die musikalische Untermauerung einen \u00e4u\u00dferst witzigen Clash produzieren (03e21). Ostk\u00fcste tritt gegen Westk\u00fcste an, Punk gegen Beach Boys, fehlt einzig ein Verweis auf das Whisky a Go Go im Kontrast zum h\u00e4ufiger erw\u00e4hnten CBGBs. Jess trifft auf der Suche nach seinem Vater in Venice ein. Am Ende muss er feststellen, dass sein Vater mit gef\u00fchlt hundert Hunden und einer Hippiefrau zwischen Traumf\u00e4ngern und Gl\u00f6ckchen lebt. Unmittelbar nach seiner Ankunft kommt es aber zu DER Einstellung \u00fcberhaupt: In voller Montur, mit dunkler Lederjacke und langer Hose steht Jess am Strand zwischen gut gelaunten, halb nackten Badeg\u00e4sten, w\u00e4hrend <em>Catch a wave<\/em> von den Beach Boys eingespielt wird. Es folgt ein Blick des Darstellers, den ich nicht zu beschreiben imstande bin\u2026<\/p>\n<p>[youtube id=&#8220;qtNHm8V9S5g&#8220; autoplay=&#8220;no&#8220;]<\/p>\n<p>Interessant ist, dass man in allen Ausstrahlungsl\u00e4ndern der Serie alle Versatzst\u00fccke des Bildes so gut kennt, dass diese Einstellung reicht, damit ein pop-kulturgeschichtlicher Abriss im Kopf abl\u00e4uft und die Ironie verstanden wird. Nichts weiter muss erz\u00e4hlt werden. Dass dies allerdings vergn\u00fcglich gewesen w\u00e4re, wussten auch die Produzenten, die gerne ein Spin Off zu den <em>Gilmore Girls<\/em> an der Westk\u00fcste mit Milo Ventimiglia in der Hauptrolle gedreht h\u00e4tten. Das Projekt konnte aus Kostengr\u00fcnden nicht zustande kommen. Schade, aber wir haben in dem Bild auch schon alles gesehen, damit sich das Narrativ in uns entfaltet. Wir bed\u00fcrfen nicht der Narration, auch wenn wir sie gerne gehabt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>V\u00f6llig sinnlos ist auch eine Szene, in der die \u00e4u\u00dferst distinguierte Urgro\u00dfmutter Lorelai Trix Gilmore aus England angereist ist, um die Familie zu besuchen. Im Gegensatz zu den Neu-England-Reichen hat diese Figur tats\u00e4chlich aristokratische Z\u00fcge, auch wenn sie keine Engl\u00e4nderin, sondern nur aus den USA nach England ausgewandert ist. Selbst und vor allem Emily zittert vor dieser Frau, die gekommen ist, um ihren Besitzstand in den USA zu kl\u00e4ren. Nachdem wir ein wenig Gelegenheit hatten, die strenge, furchteinfl\u00f6\u00dfende, erbarmungslose, \u00fcberaus abwertende, bissige, aber sehr witzige Figur kennenzulernen, merkt sie trocken zu ihrem Haus an: \u201eTrix: Im letzten Jahr habe ich doch mein Haus in Hartford vermietet, und zwar an eine Gruppe Musiker. Sie sind vor kurzem ausgezogen, also wollte ich mal nach dem Haus sehen und einen neuen Mieter suchen. Lorelai: Was waren das f\u00fcr Musiker? Trix: Eine Rock\u2019n\u2019Roll-Gruppe, wenn ich mich nicht t\u00e4usche. Ich glaube, sie nennen sich Korn. Lorelai: Die Metal-Band Korn? Rory: Ist das cool. Trix: Es waren anst\u00e4ndige Leute, die sich um alles gek\u00fcmmert haben, selbst um meine Rosen und Tulpen im Vorgarten.\u201c (03e10) Muss das noch weiter kommentiert werden?<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es auch das Fernsehen im Fernsehen und die Bilder in den Bildern. Aus diesem Fundus sei lediglich auf eine Szene verwiesen (s05e21). Als Luke und Kirk um den Kauf eines Hauses konkurrieren, \u00fcber das vordergr\u00fcndig der B\u00fcrgermeister und allseitige Strippenzieher Taylor Doose verf\u00fcgt, kommt eine omin\u00f6se Gruppe ins Spiel, die von Taylor als \u201ama\u00dfgebliche Stellen\u2018, \u201ama\u00dfgebliche Entscheidungstr\u00e4ger\u2018, \u201ah\u00f6chstes Gremium\u2018 und \u201a\u00c4ltestenrat\u2018 bezeichnet. Luke und Kirk d\u00fcrfen ihm vorsprechen, damit entschieden werden, wer das Haus erh\u00e4lt. Unvermittelt setzt die entsprechende Szene in einer Sauna ein, in der ein paar \u00e4ltere Herren versammelt sind. Luke fragt: \u201eWas soll das mit der Sauna hier, verdammt noch mal?\u201c Zusehende wissen es. Das Gesicht einer der Herren ist nicht zu sehen, weil er ein Handtuch so \u00fcber dem Kopf tr\u00e4gt, dass er aussieht wie ein Jedi Ritter, und Meister Yoda f\u00e4llt schlie\u00dflich auch mit einer bedeutungstr\u00e4chtigen Begr\u00fcndung den weisen Urteilspruch, dass Luke das Haus zum Kauf erhalten soll.<\/p>\n<p>Insgesamt zerf\u00e4llt die Narration in isolierte Fremdelemente, die als solche herausragen. Dass in Stars Hollow das Festival der lebenden Bilder gefeiert wird, stellt einen passenden Metakommentar dazu dar. Die Figuren aus der Kleinstadt verkleiden sich wie die Figuren ber\u00fchmter Gem\u00e4lde und m\u00fcssen nacheinander auf einer B\u00fchne jeweils einige Sekunden in dieser Aufmachung starr in dem Rahmen stehen. Es findet also eine Sukzession bekannter Bilder statt, aber keine Bewegung innerhalb derselben, nicht etwa ein B\u00fchnenspiel, das eine Narration bergen k\u00f6nnte. Was konnte die Serie besser metafiktional kommentieren?<\/p>\n<p>[youtube id=&#8220;V0kYwHWYlu4&#8243; autoplay=&#8220;no&#8220;]<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich Rorys Abschlussrede auf der Chilton, durch die nun endlich die Literatur im vorliegenden Beitrag zu ihrem Recht kommt: \u201eIch lebe in zwei Welten. Die eine ist die Welt der B\u00fccher, ich war Bewohnerin von Faulkners <em>Yoknapatawpha County<\/em>, jagte den wei\u00dfen Wal an Bord der Pequod, k\u00e4mpfte an der Seite Napoleons, fuhr auf dem Flo\u00df mit Huck und Jim, dachte mir Absudit\u00e4ten mit Ignatius J. Reilly aus, warf mich vor den Zug mit Anna Karenina und wanderte durch <em>Swanns Welt<\/em>. Es ist eine begl\u00fcckende Welt, aber meine zweite ist jedoch weit \u00fcberlegen. Diese Welt wird von Personen bev\u00f6lkert, die zwar nicht so exzentrisch, daf\u00fcr aber umso wirklicher sind. Menschen aus Fleisch und Blut, voller Liebe und W\u00e4rme. [\u2026] die allergr\u00f6\u00dfte Inspiration ist mir meine beste Freundin, die schillernde Frau, die mir meinen Namen gegeben und die mich zur Welt gebracht hat. Lorelai Gilmore. [\u2026] Immer hat sie unser Haus mit Liebe und Freude gef\u00fcllt, mit B\u00fcchern und Musik und mich mit Vorbildern versorgt von Jane Austen und Eudora Welty zu Pattie Smith. [\u2026] (s03e22)<\/p>\n<p>Hier zeigt sich der Lekt\u00fcrehorizont der Mutter der Serie Amy Sherman-Palladino. Und einmal mehr wird deutlich, dass Produktion und Rezeption durch einen geteilten intertextuellen Raum verbunden sind, ein gemeinsames pop-kulturelles Universum voraussetzen. Dass die Serie ganz artifiziell, avantgardistisch und poppig so konstruiert ist, dass man entdeckend von Anspielung zu Anspielung bzw. von Collage-Fragment zu Collage-Fragment hoppen kann, um in der paradigmatischen Aufsplitterung unendlich viele Geschichten, die aus der Fiktion hinausragen, zu kombinieren,<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\"><sup><sup>[14]<\/sup><\/sup><\/a> dass sie also nicht traditionell im Rahmen einer geschlossenen Diegese erz\u00e4hlt wird, bedeutet aber nicht, dass sie nicht absolut realistisch verf\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Im Fall von Sebastian Bach und Brian in der Band, von Jess am kalifornischen Strand, Trix und Korn und dem Jedi-Rat in der Sauna ragen die Bruchst\u00fccke ganz klar aus der Fiktion heraus, und die eigene Zitat- und Klischeehaftigkeit und der Witz werden innerhalb der Fiktion nicht bewusst. Aber an anderen Stellen, wie im obigen Zitat, ist es durchaus nicht so, dass nur wir als Zusehende ein Bewusstsein f\u00fcr die Zitate haben, sondern all dies wird in der Serie durchaus psychologisch-realistisch gegl\u00e4ttet. Die Figuren rezipieren ja ganz einfach innerhalb der Fiktion, was wir auch rezipiert haben. Wir erkennen nicht nur alles auf einer metafiktionalen Ebene wieder, sondern verfolgen, wie die Figuren innerfiktiv auf die Angebote aus Texten, B\u00fcchern, Filmen und Musik reagieren. Es bewegt sich v\u00f6llig im Rahmen einer realistischen Wahrscheinlichkeit, dass sich Figuren \u00fcber und anhand von Pop-Kultur unterhalten.<\/p>\n<p>Das tun wir auch den ganzen Tag, d.h. Intertextualit\u00e4t ist, ontisch betrachtet, keine Textgr\u00f6\u00dfe mehr, sondern Teil unserer kommunikativen Alltagshandlungen, eine szenographische Gr\u00f6\u00dfe, durch die sich textuelle Artefakte, kognitive Prozesse und soziale Handlungen koppeln. Indem die Serie in der Hinsicht auch ganz schlichtes Abbild allt\u00e4glichster Dialoge wird, wird das Nebens\u00e4chliche zur Hauptsache, wird f\u00fcr uns Unauff\u00e4lliges sichtbar. Wenn wir uns \u00fcber Liebeskummer unterhalten, unterhalten wir uns bewusst \u00fcber Liebeskummer. Dass wir dabei m\u00f6glicherweise heute, am 29. August 2016, auch auf Jennifer Lopez oder Jogi L\u00f6w zu sprechen kommen, ist nicht absolut unwahrscheinlich, wird aber von uns vielleicht kaum bemerkt.<\/p>\n<p>Und so sind auch folgende Dialoge mimetisch, v\u00f6llig realistisch und wahrscheinlich, k\u00f6nnten an jeder Stra\u00dfenecke aufgeschnappt werden: Ein beil\u00e4ufiges Gespr\u00e4ch zwischen Lorelai und Rory, in dem Lorelai versucht, ihre Tochter aus der Freitagabend-Vereinbarung mit den Gro\u00dfeltern herauszuhauen, sieht so aus: \u201eLorelai: Wei\u00dft Du, was ich denke? Rory: Mal sehn, Madonna und Sean Penn sollten wieder heiraten? Lorelai: Abgesehen davon, ich finde deine Golfexpedition sollte als Ersatz f\u00fcr das Essen gelten.\u201c(s01e03) An anderer Stelle ist Lorelai in Eile und m\u00f6chte Luke um Hilfe bitten. \u201eLorelai: [..] das hei\u00dft nat\u00fcrlich, dass ich gleich losfahren muss. Hoffentlich kriege ich unterwegs die Dilithium-Kristalle f\u00fcr den Warp-Antrieb des Jeeps, sonst schaff ich es niemals hin und zur\u00fcck.\u201c Luke bietet ihr seine Hilfe an und bemerkt: \u201eLuke: Und Pluspunkte f\u00fcr das Ding mit den Dilithium-Kristallen. Lorelai: Das hat man von Sex mit Irren.\u201c (s06e03) Aber nat\u00fcrlich hatten und haben die als Irre bezeichneten Nerds das aus dem Fernsehen.<\/p>\n<p>Als Lane von ihrer Schwangerschaft erf\u00e4hrt und an ihren Mutterqualit\u00e4ten zweifelt, erh\u00e4lt sie den zweifelhaften Trost von Rory, dass sie sicher eine bessere Mutter sein wird als Britney Spears, Courtney Love und Michael Jackson. \u201eRory: [\u2026] du nennst dein Kind nicht Blankett. Lane: Ganz sicher nicht. [\u2026] Stell Dir mal vor Blankett trifft Toms und Katies Baby Pillow. [\u2026] Sie sind bestens vorbereitet, wenn es Zeit zum Schlafen wird. Rory: Und dann k\u00f6nnten sie noch vielleicht Gwyneth\u02bc Apple einladen, als Snack nach dem Aufwachsen. Lane: Und Banjo, Rachel Griffith\u02bc Baby k\u00f6nnte ihnen was vorspielen. Rory: Und dann k\u00f6nnen sie sich alle in Mia Farrows Satchel verstecken und sich kaputt lachen \u00fcber \u2026 wie hei\u00dft er noch gleich? Lane: Oh, Pilot Inspector Lee.\u201c (s07202)<\/p>\n<p>Allenfalls die L\u00e4nge des Dialogs und ein Stolperstein \u2013 aus heutiger Perspektive \u2013 lassen die Stelle auff\u00e4llig erscheinen. Toms und Katies Kind hei\u00dft Suri. Katie wurde jedoch in den Medien eine Zeitlang unterstellt, sie sei gar nicht schwanger, sondern trage ein Kissen unter ihren Kleidern. Abgesehen von der L\u00e4nge und der vielleicht mittlerweile vergessenen \u2013 aber zum ersten Ausstrahlungszeitpunkt sehr wohl bekannten \u2013 Information aus der Boulevardpresse ist nichts an diesem Dialog merkw\u00fcrdig, unrealistisch oder unwahrscheinlich. \u2013 Mia Farrows Sohn scheint sich \u00fcbrigens als Erwachsener lieber Ronan Farrow zu nennen und nicht mit seinem vollst\u00e4ndigen Geburtsnamen Satchel Ronan O\u2019Sullivan Farrow.<\/p>\n<p>Nun bleibt abzuwarten, welche neuen Szenen gemeinsamer Aufmerksamkeit auf allen Fiktionsebenen in und auf Basis der Fortsetzung entstehen, und ob und wie sich die Narration bzw. Nicht-Narration im Folgenden entfaltet. Dass die Serie nicht erst durch den gro\u00dfen \u201aCliffhanger\u2018, sondern schlicht durch ihr serielles Format immer schon Leerstellen produziert hat, ist klar. Das war seit jeher Merkmal eines jedes Fortsetzungsroman und einer jeden Serie.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Damit haben diese Formate immer schon etwas Nicht-Erz\u00e4hlendes gehabt, denn auch unabh\u00e4ngig von szenographischen Anspielungen er\u00f6ffnet sich von Folge zu Folge stets ein Raum zwischen zwei schematisierten Ansichten, der nicht mit expliziter Narration, sondern mit Fantasie gef\u00fcllt wird. Dass zwischen zwei Folgen alle M\u00f6glichkeiten imaginiert werden k\u00f6nnen, hat etwas Nicht-Lineares.<\/p>\n<p>Nun ist aber gerade die neue Art, Serien zu rezipieren, n\u00e4mlich ganze Staffeln auf DVD oder auf Netflix in einem durch anzusehen, dieser Qualit\u00e4t abtr\u00e4glich. \u00dcber das neue epische Format der neuen Qualit\u00e4tsserien ist schon viel gesagt worden, und die M\u00f6glichkeit zu einer abgeschlossenen Rezeption ganzer Staffeln hat sicher etwas damit zu tun. Ob dies das Ende des Endes der Narration ist, bleibt dennoch fraglich, denn viele Serien bleiben zum einen in ihrem Arrangement recht fl\u00e4chig und folgen au\u00dferdem in einer intermedialen Anordnung einer Game-Logik, setzen also ludische Elemente um \u2013 <em>Breaking Bad<\/em>, <em>Game Of Thrones<\/em>, <em>House of Cards<\/em>, <em>Stranger Things<\/em> usw. usf. \u2013, die im Medium des Fernsehens zwar nicht mehr wirklich interaktiv funktionieren, aber vielleicht auch nicht mehr als Narration bezeichnet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sherman-Palladino jedenfalls hofft, dass Netflix die Staffel nicht sofort als Ganzes zug\u00e4nglich machen wird. Sie m\u00f6chte den Raum der Erwartungen von Folge zu Folge er\u00f6ffnet wissen. Au\u00dferdem m\u00f6chte sie den Kenntnisstand der Zusehenden synchronisieren, es verunm\u00f6glichen, dass jemand einfach entscheidet, die letzte Folge zuerst zu sehen.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Gemeinsame Aufmerksamkeit und Zwischenr\u00e4ume f\u00fcr Diskussionen, also pop-kulturelle Rezeptionsrituale, die (post-)moderne Serialit\u00e4t eine lange Zeit gepr\u00e4gt haben, sollen also, wenn es nach dem Wunsch der Produzentin geht, erhalten bleiben oder wieder etabliert werden. Ein Hinweis mehr darauf, dass <em>Gilmore Girls<\/em> als serielle Serie \u2013 aber keineswegs episodische! \u2013 nicht, nicht nur, nicht mehr und noch nicht wieder von der Narration lebt, sondern immer noch und wieder von deren Ende.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Hier weckt Showrunner Amy Sherman-Palladino Neugier, indem sie andeutet, dass Rory zum Auftakt der neuen Folgen durchaus nicht alles erreicht hat, was sie sich erhofft hatte (http:\/\/www.prosieben.de\/stars\/news\/gilmore-girls-mit-alexis-bledel-rory-in-der-midlife-crisis-052248).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt5435008\/fullcredits?ref_=tt_ov_st_sm.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> http:\/\/www.usmagazine.com\/entertainment\/news\/gilmore-girls-revival-michel-gerards-backstory-will-be-revealed-w211377.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Kafitz, Dieter: Johannes Schlaf. Weltanschauliche Totalit\u00e4t und Wirklichkeitsblindheit. Ein Beitrag zur Neubestimmung des Wirklichkeits-Begriffs und zur Herleitung totalit\u00e4rer Denkformen. Berlin 1992.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Wenn ein Satz wie \u201aPop ist\u2026\u2018 nur so einfach w\u00e4re: http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2012\/09\/09\/pop-aktuelle-definitionen-und-sprachgebrauchvon-thomas-hecken\/; http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2013\/03\/14\/pop-konzepte-der-gegenwartvon-thomas-hecken14-3-2013\/.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Tomasello, Michael: Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens. Zur Evolution der Kognition. Frankfurt\/Main: Suhrkamp 2006, S. 20; Bauer, Matthias: Szenen gemeinsamer Aufmerksamkeit. Medien als Kulturpoetik. Zum Verh\u00e4ltnis von Kulturanthropologie, Semiotik und Medienphilosophie. In: Christoph Ernst, Petra Gropp, Karl Anton Sprengard (Hrsg.): Perspektiven interdisziplin\u00e4rer Medienphilosophie. Bielefeld 2003, S. 94-118, S. 94f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Eco, Umberto: Lector in fabula. Die Mitarbeit der Interpretation in erz\u00e4hlenden Texten. M\u00fcnchen, Wien 1987, S. 99-103; Bauer, Matthias: \u201eBerlin ist eine ausf\u00fchrliche Stadt.\u201c Einleitende Bemerkungen zur Berliner Stadt-, Kultur- und Mediengeschichte. In: Matthias Bauer (Hrsg.): Berlin. Medien- und Kulturgeschichte einer Hauptstadt im 20. Jahrhundert. T\u00fcbingen 2007, S. 15f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Werber, Niels: Das graue Tuch der Langeweile. Der Dandy als Motiv und Verfahren der Literatur. 1900\/2000. In Alexandra Tacke\/Bj\u00f6rn Weyand (Hrsg.): Depressive Dandys. Spielformen der Dekadenz in der Pop-Moderne. K\u00f6ln u.a. 2009, 60-79, hier 75; Werber, Niels: Vortrag auf der Tagung <em>Szenarien der Ausnahme<\/em> an der Universit\u00e4t Siegen, 17.-19.09.2015; Werber, Niels: Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung der Forschungsstelle <em>Popul\u00e4re Kulturen<\/em> an der Universit\u00e4t Siegen im Wintersemester 2015\/16. Ich danke Niels Werber f\u00fcr die Bereitstellung der Manuskripte. Eine Zusammenfassung der Vortr\u00e4ge wird erscheinen in: LiLi 183 (2016): Szenarien der Ausnahme in der Popul\u00e4rkultur.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Venus, Jochen: Die Erfahrung des Popul\u00e4ren. Perspektiven einer kritischen Ph\u00e4nomenologie. In: Marcus S. Kleiner, Thomas Wilke (Hrsg.): Performativit\u00e4t und Medialit\u00e4t Popul\u00e4rer Kulturen. Theorien, \u00c4sthetiken, Praktiken. Wiesbaden 2013, S. 49-74, hier 54; Thomas Hecken, \u201ePop-Konzepte der Gegenwart\u201c, S. 96-99 in: <em>www.uni-m\u00fcnster.de\/Ejournals\/index.php.pop\/article\/view\/755\/720<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Schaffrick, Matthias: Listen als popul\u00e4re Paradigmen. Zur Unterscheidung von Pop und Popul\u00e4rkultur. In: KulturPoetik 16 (2016), Heft 1, S. 109-125.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> M\u00fcller, Wolfgang: Interfigurality. A Study on the Interdependance of Literary Figures. In: Heinrich Plett (Hrsg.): Intertextuality. Berlin 1991, S. 101-121.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Venus 2013, S. 56-57.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Rosenzweig, Mathias: The Importance of Music in Gilmore Girls. http:\/\/noisey.vice.com\/blog\/what-i-learned-about-music-from-gilmore-girls.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> B\u00fcrger, Peter: Theorie der Avantgarde. Frankfurt\/Main 1974, S. 107.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Iser, Wolfgang: <em>Die Appellstruktur der Texte. Unbestimmtheit als Wirkungsbedingung literarischer Prosa.<\/em> Konstanz 1970.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> http:\/\/www.ibtimes.com.au\/gilmore-girls-netflix-revival-spoilers-series-creator-mentions-one-thing-could-have-stopped-year.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"homepage lickhardt\" href=\"https:\/\/germanistik.uni-greifswald.de\/mitarbeitende\/mitarbeitende-e-l\/maren-lickhardt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Maren Lickhardt<\/a> ist Juniorprofessorin f\u00fcr Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universit\u00e4t Greifswald.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Serie und Narration<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[875,1615,1845,2404],"class_list":["post-6288","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-gilmore-girls","tag-narration","tag-popkultur","tag-tv-serie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6288","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6288"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6288\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6288"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6288"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6288"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}