{"id":6476,"date":"2017-01-15T21:12:59","date_gmt":"2017-01-15T19:12:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=6476"},"modified":"2017-01-15T21:12:59","modified_gmt":"2017-01-15T19:12:59","slug":"social-media-januarvon-annekathrin-kohout15-1-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2017\/01\/15\/social-media-januarvon-annekathrin-kohout15-1-2017\/","title":{"rendered":"Social Media Januarvon Annekathrin Kohout15.1.2017"},"content":{"rendered":"<p>Kleines Body-Positive-Hashtag-Lexikon<!--more --><\/p>\n<p>2016 war ein erfolgreiches Jahr f\u00fcr die Body-Positive-Bewegung. Das Jahr begann mit der Einf\u00fchrung neuer Barbie-Modelle: darunter namentlich \u201ecurvy\u201c, \u201epetit\u201c und \u201etall\u201c <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a> \u2013 in der Hoffnung, dass sich Kinder fortan nicht mehr nur noch mit einer standardisierten K\u00f6rperform identifizieren.<\/p>\n<p>Im Februar ver\u00f6ffentlichte \u201eSports Illustrated\u201c das erste Magazincover mit einem Over-Size-Model: Ashley Graham. Auf ihrem Instagram-Account h\u00e4lt sie die Freude nicht zur\u00fcck: \u201eTruly speechless!!! This cover is for every woman who felt like she wasn&#8217;t beautiful enough because of her size.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Im Sommer machte das Dessous-Label \u201eLonely Lingerie\u201c auf sich aufmerksam, als es Lena Dunham und Jemima Kirke in Spitzenunterw\u00e4sche pr\u00e4sentierte. Daf\u00fcr gab es Lob: Endlich werde der Welt gezeigt, \u201ewie Frauen tats\u00e4chlich in Unterw\u00e4sche aussehen.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Sogar H&amp;M haben ihre Herbstkollektion in einem Video mit k\u00f6rperlicher Vielfalt beworben, mit unrasierten, f\u00fclligen oder muskelbepackten Frauen. Im Oktober kam Body Positive schlie\u00dflich ins deutsche Fernsehen. \u201eCurvy Supermodel\u201c ist der Name einer Casting-Show, die Plus-Size-Models sucht.<\/p>\n<p>Und jetzt, gleich in den ersten Tagen von 2017, publiziert die amerikanische Glamour ein Cover, auf dem die Hauptdarstellerinnen der Serie \u201eGirls\u201c zu sehen sind &#8211; inklusive Cellulite an den Schenkeln.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6479\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_1.png\" alt=\"BPM_Bild_1\" width=\"922\" height=\"583\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_1.png 922w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_1-300x190.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_1-768x486.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 922px) 100vw, 922px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Es scheint so, als sei Body Positive im Mainstream angekommen, nachdem es noch im Jahr zuvor eine feministische Subszene innerhalb der sozialen Medien war, von der sich weder Werbung noch Massenmedien \u00fcberm\u00e4\u00dfig inspirieren lie\u00dfen, auch weil sich Body Positive bisher nicht gut verkaufen lie\u00df.<\/p>\n<p>Man denke nur an den Versuch der Frauenzeitschrift \u201eBrigitte\u201c von 2010, Leserinnen statt Models f\u00fcr ihr Editorial posieren zu lassen, und daran, wie das Konzept nach drei Jahren wieder eingestellt werden musste. \u201eDie Idee ist ja gut, aber manchmal will man einfach nur die Mode sehen\u201c, soll in einem der zahlreichen Leserbriefe gestanden haben, die sich kritisch zu den Models von Nebenan \u00e4u\u00dferten.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Body Positive ist die vage Bezeichnung f\u00fcr eine Bewegung, die um Akzeptanz f\u00fcr alle K\u00f6rperformen k\u00e4mpft. Als ihr Mantra kann der Satz \u201eJeder K\u00f6rper ist sch\u00f6n!\u201c gelten. Diese Auffassung hat eine lange Tradition, bekam jedoch erst im Zuge des Netz-Feminismus und durch die virale Kraft der sozialen Medien eine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung und Verbreitung.<\/p>\n<p>Angesicht der vielen verschiedenen Netzwerke, ihrer \u201eAnh\u00e4ngerinnen\u201c und der zahlreichen Aktionen und Projekten f\u00e4llt es schwer, den \u00dcberblick zu behalten. Es folgt daher ein kleines und selektives Hashtag-Lexikon der Body-Positive-Bewegung.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">#effyourbeautystandards (Sch\u00f6nheitsideale)<\/p>\n<p>Die Kritik der Body-Positive-Bewegung zielt im Kern auf die eng gefassten Sch\u00f6nheitsideale, die durch die Medien entstanden sind und von ihnen beworben werden. Das f\u00fchre einerseits dazu, dass die meisten Menschen durch die Medien nicht repr\u00e4sentiert werden. Andererseits folge daraus eine gef\u00e4hrliche Klassifizierung und damit unweigerlich Diskriminierung: K\u00f6rper in unter-, normal- und \u00fcbergewichtig einzuteilen hat Stigmatisierung und Pathologisierung zur Folge \u2013 lautet eine g\u00e4ngige Prognose.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6480\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_2.png\" alt=\"BPM_Bild_2\" width=\"615\" height=\"571\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_2.png 615w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_2-300x279.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 615px) 100vw, 615px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ersteres ist ein Anspruch an Medien, der selten erkl\u00e4rt, aber immer vorausgesetzt wird. Er basiert auf der Feststellung, dass Medien unser Bild von der Realit\u00e4t derart pr\u00e4gen, dass letztlich nur das existent bleibt, was auch in ihnen vorkommt. Wer also nicht durch die Medien repr\u00e4sentiert wird, f\u00fchlt sich ausgesto\u00dfen. Dass es sich dabei auch tats\u00e4chlich um eine Ausgrenzung handelt, zeigt sich f\u00fcr die \u201eBetroffenen\u201c in der Reaktion von Mitmenschen, in Diskriminierung und Body-Shaming.<\/p>\n<p>Diese Medienwirkung hat G\u00fcnther Anders bereits 1956 zum Anlass genommen, die Geschichte der Schauspielerin V. zu erz\u00e4hlen.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><sup><sup>[5]<\/sup><\/sup><\/a> Gesegnet mit einem nat\u00fcrlichen, charakterstarken und zugleich einmaligen Aussehen, verwandelt sie sich durch die Medienkultur zu einer Matrize: zur Massen- und \u201eFertigware\u201c. Hierf\u00fcr nimmt es V. mit s\u00e4mtlichen H\u00fcrden auf: vom Sch\u00f6nheitssalon bis zum Chirurgen. V. m\u00f6chte Bild werden, Vorbild werden. Sie m\u00f6chte sich nicht mehr den Idealbildern der Medien ann\u00e4hern, sondern selbst ein Ideal sein, an dem sich die Massen orientieren. Nicht nur aus \u201eRuhmsucht\u201c, wie Anders bemerkt, sondern vor allem, um in der medialen Welt, die der realen l\u00e4ngst zum Vorbild geworden ist, pr\u00e4sent zu sein und dadurch \u201e\u00fcberhaupt erst zu\u00a0 s e i n.\u201c \u201eSie litt unter fehlendem ontologischen Prestige\u201c,<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><sup><sup>[6]<\/sup><\/sup><\/a> res\u00fcmiert Anders. Die Schauspielerin V. habe sich in der Bilderwelt wom\u00f6glich so gef\u00fchlt, wie zu fr\u00fcheren Zeiten ein B\u00fcrger in der feudalen Welt: als nicht-existent, weil er nicht repr\u00e4sentiert war.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend G\u00fcnther Anders die Medien und ihre Wirkung prinzipiell infrage stellte, gestaltet sich die Body-Positive-Bewegung nicht als Kritik an den Medien, sondern an deren Inhalten. Man erkennt die Medien als Hilfsmittel bei der \u00c4nderung und Beseitigung von Sch\u00f6nheitsidealen an und sieht in ihrer Nutzung das Potential zum Perspektivwechsel.<\/p>\n<p>So k\u00e4mpfen nicht zuletzt Over-Size-Models f\u00fcr die Diversifizierung medialer Pers\u00f6nlichkeiten und Vorbilder. Tess Holiday hat daher den Hashtag #effyourbeautystandards etabliert, unter dem vor allem Instagrammerinnen aktiv sind, die dem g\u00e4ngigen Ideal nicht entsprechen und mit der Ver\u00f6ffentlichung ihrer Bilder ausdr\u00fccken, dass diese ihnen nicht l\u00e4nger etwas bedeuten: \u201eEff\u201c steht f\u00fcr fuck.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">#celestechallengeaccepted<\/p>\n<p>Wie weltfremd Sch\u00f6nheitsideale in den Massenmedien und Celebrity-Bildern seien, m\u00f6chte die australische Comedian Celeste Barber mit ihren Instagram-Bildern beweisen. Seit Mai 2015 ver\u00f6ffentlich sie regelm\u00e4\u00dfig Nachstellungen von oftmals spontan oder absurd anmutenden Star-Shootings. Dabei parodiert sie den Lifestyle ihrer Vorg\u00e4ngerinnen.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><sup><sup>[7]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6481\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_3.png\" alt=\"BPM_Bild_3\" width=\"774\" height=\"295\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_3.png 774w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_3-300x114.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_3-768x293.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 774px) 100vw, 774px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">#bodylove (Aktionismus\/Vernetzung)<\/p>\n<p>Das Internet und die sozialen Medien haben die Body-Positive-Bewegung enorm beg\u00fcnstigt. Gab es bereits in den 1980er Jahren einen \u201eBoom\u201c an Zeitschriften, die f\u00fcr die Akzeptanz <em>jeder<\/em> K\u00f6rperform k\u00e4mpften, blieben diese doch weitestgehend in kleinem und subkulturellen Kreis. Beispiele f\u00fcr derartige Zeitschriften sind \u201eRadiance. The Magazine for large Women\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><sup><sup>[8]<\/sup><\/sup><\/a>, \u201eFAT!SO? : Because You Don&#8217;t Have to Apologize for Your Size\u201c \u2013 mittlerweile von Marilyn Wann zu einem Buch zusammengefasst \u2013<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><sup><sup>[9]<\/sup><\/sup><\/a> oder \u201eI\u2019m so fucking beautiful\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><sup><sup>[10]<\/sup><\/sup><\/a> \u2013 das 2013 in die Anthologie \u201eRiot Grrrl Collection\u201c aufgenommen wurde.<\/p>\n<p>Diese fr\u00fchen Magazine wurden weitgehend in Amerika etabliert. Seit den 1980er Jahren steigt die Zahl adip\u00f6ser Menschen in den USA an. Wenn auch der 1996 gefasste Entschluss der WHO, \u00dcbergewicht bereits mit einem BMI ab 25 festzulegen, zu einem erh\u00f6hten Anstieg der als \u00fcberwichtig Klassifizierten gef\u00fchrt haben d\u00fcrfte, ist diese Tendenz nicht zu leugnen. Damit liegt das K\u00f6rperbild der Medien und das tats\u00e4chliche in den USA weiter auseinander als etwa in Deutschland.<\/p>\n<p>Blieben derartige Engagements weitgehend unbekannt, haben die sozialen Medien sowohl die M\u00f6glichkeiten der Vernetzung erleichtert als auch die Verbreitung aktivistischer Engagements vorangetrieben. Insbesondere mithilfe von Hashtags werden die Werte \u2013 Vielfalt und Toleranz \u2013 sowie die Ziele der Bewegung \u2013 Akzeptanz aller K\u00f6rperformen, Ann\u00e4herung der Medienlandschaft an \u201ereale\u201c Frauen statt an Ideale \u2013 bef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Initiiert werden Hashtags wie #bodylove oder #mybodyisabikinibody gezielt von \u201eInfluencern\u201c. Meistens nutzen sie hierf\u00fcr Instagram. Insgesamt kann man feststellen, dass die Body-Positive-Bewegung eine sehr visuelle Bewegung ist. Als Form des gesellschaftlichen Wiederstands zeigt sich die umfassende Akzeptanz des K\u00f6rpers am glaubhaftesten, wenn der K\u00f6rper in Bildern pr\u00e4sentiert wird. Darum ist es kein Zufall, dass die Akzeptanz-Bewegungen oft in einer Darstellung \u201eproblematisierter\u201c K\u00f6rperbilder und -Vorstellungen m\u00fcnden: etwa Bilder, die den Fokus gezielt auf Speckfalten, Achselhaare oder Cellulite legen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_4.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6482\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_4.png\" alt=\"BPM_Bild_4\" width=\"920\" height=\"396\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_4.png 920w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_4-300x129.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_4-768x331.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 920px) 100vw, 920px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">#iamallwoman (Empowerment)<\/p>\n<p>\u201eEmpowerment\u201c ist der zentrale Begriff der Body-Positive Bewegung. Urspr\u00fcnglich stammt er aus einem Bereich der amerikanischen Psychologie, der sich mit den Auswirkungen gesellschaftlicher Ungleichheit auseinandersetzt. Julian Rappaport hat in den 1980er Jahren Empowerment als Strategie in der Sozialarbeit etabliert.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\"><sup><sup>[11]<\/sup><\/sup><\/a> Damit sollten Personen unterst\u00fctzt werden, die sich macht- und einflusslos f\u00fchlen. Im Kontext feministischer Statements wird der Begriff f\u00fcr Produkte der Popkultur verwendet, die Selbstverantwortung oder selbstbestimmtes Leben thematisieren und dadurch auch andere dazu inspirieren.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\"><sup><sup>[12]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_5.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6483\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_5.png\" alt=\"BPM_Bild_5\" width=\"662\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_5.png 662w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_5-300x196.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 662px) 100vw, 662px\" \/><\/a><\/p>\n<p>2011 wurde Christina Aguilera\u2019s Lied \u201eBeautiful\u201c von 2003 zum \u201eMost Empowering Pop Song\u201c gek\u00fcrt.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\"><sup><sup>[13]<\/sup><\/sup><\/a> Im Video sieht man Christina Aguilera mit Piercing unter dem Kinn und in der Nase, sie kauert verzweifelt in der Ecke eines gro\u00dfen dunklen und nahezu leeren Raumes, dessen Fenster mit Zeitungspapier verh\u00e4ngt sind. Sie singt \u201eYou are beautiful, no matter what they say.\u201c Zwischendurch werden verschiedene Szenen eingeblendet: Darunter ein Transvestit, der sich gerade zurecht macht. Ein magers\u00fcchtiges M\u00e4dchen in Unterw\u00e4sche, das sich skeptisch im Spiegel betrachtet. Ein homosexuelles P\u00e4rchen im l\u00e4rmenden Stadtverkehr \u2013 kritischen Blicken ausgesetzt. Im Verlauf des Musikvideos emanzipieren sich die Protagonisten von ihrem jeweiligen Leid. Sie zerschlagen Spiegel, verbrennen Zeitschriften, lachen. Es wird ein mentaler Sieg \u00fcber die gesellschaftlichen Konventionen inszeniert. Doch der ist nur von kurzer Dauer, Aguilera kauert sich schlie\u00dflich wieder in die Zimmerecke, unglaubw\u00fcrdige Blicke breiten sich in den Gesichtern der anderen Protagonisten aus.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Song eine Anti-Hymne gegen Mobbing, Homophobie und Frauenhass darstellt und das Empowerment seine Kraft aus der Inszenierung einer Gegenkultur bezieht, zielt gegenw\u00e4rtiges Empowerment auf Inklusion. Die \u201eAnh\u00e4ngerinnen\u201c der Body-Positive-Bewegung wollen gerade nicht eine Subkultur bleiben und als solche anerkannt werden, sondern zum Bestandteil des Mainstreams werden. Das f\u00fchrt oft zu einer blo\u00dfen Nachahmung der Codes und Konventionen der Mode- und Medienwelt, zu denselben Spiegel-Selfies und Schmollm\u00fcndern, wie sie ihre Vorbilder aus der Size-Zero-Welt zelebrieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_6.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6484\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_6.png\" alt=\"BPM_Bild_6\" width=\"947\" height=\"331\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_6.png 947w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_6-300x105.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_6-768x268.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 947px) 100vw, 947px\" \/><\/a>[Von links nach rechts: Denise Bidot, Barbie Ferreira und Tess Munster]<\/p>\n<p>Gerade in der Zusammenarbeit mit professionellen Werbefirmen und Fotografen zeigt sich jedoch gro\u00dfes Potential, eine eigene \u00c4sthetik zu etablieren, die sich g\u00e4nzlich von der bestehenden l\u00f6st, oft jedoch noch an der Jugendkultur orientiert ist. Wichtige Einflussgeber in diesem Feld sind die Frauen um Tavi Gevinson oder Petra Collins, die mit dem Magazin \u201eRookie\u201c und ihren Fotografien sehr nachhaltige Bilder geschaffen haben, an denen sich gro\u00dfe Empowerment-Kampagnen heute orientieren &#8211; eine dieser Kampagnen ist \u201eiamallwoman\u201c:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_7.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6485\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_7.png\" alt=\"BPM_Bild_7\" width=\"713\" height=\"549\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_7.png 713w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_7-300x231.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">#ladylike #choosebeautiful #ichsagja #mybeautymysay (Werbung)<\/p>\n<p>2016 haben sich Werbekampagnen geh\u00e4uft, die von der Body-Positive-Bewegung inspiriert wurden. Esprit hat die #ImPerfect-Kampagne des Vorjahres fortgesetzt. Erstmal befand sich darunter auch ein Plus-Size-Model.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\"><sup><sup>[14]<\/sup><\/sup><\/a> Im Juli hat Tschibo die Bademoden mit Frauen beworben, die keine Model-Ma\u00dfe besitzen.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\"><sup><sup>[15]<\/sup><\/sup><\/a> Und auch die Herbstkollektion von H&amp;M hat durch einen Werbefilm Aufsehen erregt, der die Vielf\u00e4ltigkeit der Charakter- und K\u00f6rpertypen unter dem Hashtag #ladylike propagiert.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\"><sup><sup>[16]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Als Vorl\u00e4ufer derartiger Werbekampagnen darf nicht nur Dove gelten (\u201eKeine Models, aber straffe Kurven.\u201c von 2005), die \u00fcbrigens auch in ihrem Werbefilm von 2016 \u2013 #mybeautymysay<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\"><sup><sup>[17]<\/sup><\/sup><\/a> \u2013 Frauen zu Wort kommen lassen, die sich mit an sie herangetragenen Vorw\u00fcrfen und Vorurteilen auseinandersetzten, sondern auch das Modelabel United Colors of Benetton. In den sp\u00e4ten 90er Jahren machte es mit einer Plakatreihe von sich reden, die Menschen unterschiedlichster Herkunft zeigt, die sich in den Armen liegen. Das Aufsehen resultierte \u00fcbrigens weniger aus dem Toleranz-Statement als aus der fehlenden Provokation, die die Kampagnen von United Colors of Benetton bis dahin immer ausgel\u00f6st hatten: indem sie beispielsweise Aids- oder Kriegsdarstellungen auf Plakate drucken lie\u00dfen. Auch hier wird bereits beim Thema Akzeptanz inklusiv gedacht und nicht mehr provokativ.<\/p>\n<p>Immer wieder wird Kritik am sogenannten \u201eFemvertising\u201c<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\"><sup><sup>[18]<\/sup><\/sup><\/a> laut, das die Frauen lediglich als wichtige Zielgruppe erkannt habe. \u201eMarken wie H&amp;M oder Dove legen es nicht wirklich darauf an, Weltbilder und Strukturen zu ver\u00e4ndern\u201c, formuliert etwa Julia Korbik ihre Kritik an dem \u201everw\u00e4sserten\u201c Feminismus der Werbung.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\"><sup><sup>[19]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_8.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6486\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_8.png\" alt=\"BPM_Bild_8\" width=\"1007\" height=\"223\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_8.png 1007w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_8-300x66.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_8-768x170.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1007px) 100vw, 1007px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">#ThisBody (Brands)<\/p>\n<p>Die Body-Positive-Bewegung hat viele neue Labels hervorgebracht, die nicht nur Mode in allen Gr\u00f6\u00dfen zug\u00e4nglich machen wollen, sondern sich auch gegen den Zynismus der Modeindustrie richten. Dieser \u00e4u\u00dfert sich darin, dass bestimmte Modest\u00fccke entweder nur in \u201ekleinen\u201c Gr\u00f6\u00dfen zur Verf\u00fcgung gestellt wird oder f\u00fcr diese konzipiert sind \u2013 und deshalb bei abweichenden K\u00f6rperma\u00dfen kaum getragen werden k\u00f6nnen. 2016 stach besonders \u201eLane Bryant\u201c heraus, die eine Video-Kampagne unter dem Hashtag #ThisBody gestartet hat.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\"><sup><sup>[20]<\/sup><\/sup><\/a> In der Herbstkampagne konfrontiert Lane Bryant Videoaufnahmen ihrer Plus-Size-Models mit zum Teil diskriminierenden Social-Media-Kommentaren.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\"><sup><sup>[21]<\/sup><\/sup><\/a> Andere Beispiele sind \u201eGabi Fresh\u201c<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\"><sup><sup>[22]<\/sup><\/sup><\/a>, \u201eCurvy Kate\u201c<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\"><sup><sup>[23]<\/sup><\/sup><\/a>, \u201eAYA\u201c<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\"><sup><sup>[24]<\/sup><\/sup><\/a>, \u201eNeon Moon\u201c<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\"><sup><sup>[25]<\/sup><\/sup><\/a> und viele mehr. Bei den meisten handelt es sich um Lingerie-Labels.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">#bodyshaming (Opferstatus\/Body-Shaming\/Diskriminierung)<\/p>\n<p>So bildlastig und visuell die Body-Positive-Bewegung einerseits ist, so selten setzen sich ihre \u201eAnh\u00e4ngerinnen\u201c theoretisch oder historisch mit Medien, Stereotypen und Sch\u00f6nheitsidealen auseinander. Haltung und Ziele werden nicht selbstkritisch infrage gestellt, sondern beziehen ihre Evidenz h\u00e4ufig aus dem Opfer-Status der \u201eBetroffenen\u201c, ihren Emotionen und Erlebnissen. So enthalten viele B\u00fccher, Artikel oder Statements im Wesentlichen Erfahrungsberichte. Darin wird die pers\u00f6nliche Geschichte ihrer Diskriminierung oder Unsicherheit erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>So begleitet etwa das Model Charli Howard, Gesicht der \u201eiamallwoman\u201c-Kampagne, ein Bild auf Instagram mit folgender Erz\u00e4hlung: \u201eI may be smiling in the photo on the left, but in reality, I was miserable. I hated life, but at the same time, I was ambitious. I associated success with thinness, just like the size 0-era influenced many girls my age. I didn&#8217;t care that my gums constantly bled, that I got constant cramps in my feet, that my hands were always cold, my periods irregular (if they came), that my skin was horrific or that my moods were erratic, because all I wanted to be was THIN.\u201c<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\"><sup><sup>[26]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Dadurch nehmen die betroffenen Frauen einerseits dem Status des Opfers an, verwenden ihn jedoch andererseits dazu, eine Aufstiegsgeschichte, eine Emanzipationsgeschichte effektvoll zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">#celebratingdiversity<\/p>\n<p>Einer der beliebtesten Begriffe zum Bewerben von Body-Positive-Inhalten ist \u201eCelebrating\u201c. Feiern statt trauern kann als Versuch gedeutet werden, von Strategien der Problematisierung abzusehen und sich von der Position des Opfers zu distanzieren.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_9.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6487\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_9.png\" alt=\"BPM_Bild_9\" width=\"840\" height=\"459\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_9.png 840w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_9-300x164.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_9-768x420.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">#fatshion (Fat Acceptance)<\/p>\n<p>Als historischer Vorl\u00e4ufer der Body-Positive-Bewegung gilt das Fat Acceptance Movement. Zwar zielt Body Positive auf jede Abweichung von etablierten Sch\u00f6nheitsidealen, doch erfahren \u201edicke\u201c Menschen oft st\u00e4rkere Diskriminierungen und sind eher von Body Shaming betroffen als etwa sehr schlanke, gro\u00dfe oder kleine Menschen.<\/p>\n<p>Der \u201eFat Feminism\u201c<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\"><sup><sup>[27]<\/sup><\/sup><\/a> entstand in den sp\u00e4ten 1960er Jahren und im Zuge der zweiten Welle des Feminismus. 1973 ver\u00f6ffentlichten zwei Anf\u00fchrerinnen der Bewegung das \u201eFat Liberation Manifest\u201c<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\"><sup><sup>[28]<\/sup><\/sup><\/a>, in dem die wesentlichen Kritikpunkte verfasst wurden, die auch noch heute f\u00fcr die Body Positive Bewegung g\u00fcltig sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">#mermaidlegs<\/p>\n<p>Magersucht und andere Essst\u00f6rungen dienen der Body-Positive-Bewegung als faktische Grundlage f\u00fcr die negative Wirkung von Sch\u00f6nheitsidealen. Der Hashtag \u201e#mermaidlegs\u201c wurde als Gegenbewegung zu \u201e#thighgaps\u201c initiiert \u2013 worunter vor allem magere M\u00e4dchen ihre Oberschenkel posten, um zu zeigen, dass sich zwischen ihnen eine L\u00fccke befindet. Mit #mermaidlegs sollte auf den Magerwahn des als gef\u00e4hrlich geltenden Oberschenkel-Vergleichs hingewiesen werden, indem man mit dem Motiv der Meerjungfrauen-Beine ein \u00e4sthetisches Pendant setzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_10.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6488\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_10.png\" alt=\"BPM_Bild_10\" width=\"701\" height=\"464\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_10.png 701w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/01\/BPM_Bild_10-300x199.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 701px) 100vw, 701px\" \/><\/a>[\u201eThigh Gaps\u201c (obere Reihe) versus \u201eMermaid Legs\u201c (untere Reihe)]<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">#healthnotsize (Gesundheit)<\/p>\n<p>In vielerlei Hinsicht spielt Gesundheit eine zentrale Rolle innerhalb der Body-Positive-Bewegung. Einerseits k\u00e4mpfen ihre \u201eAnh\u00e4ngerinnen\u201c gegen ungesunde Ideale, die etwa Schlankheitswahn, Magersucht und andere Essst\u00f6rungen zur Folge haben. Andererseits und insofern es sich um Plus-Size-Tr\u00e4gerinnen handelt, f\u00fchlen sie sich selbst dem Vorwurf ausgesetzt, unges\u00fcnder als andere zu leben. Es ist daher ein gro\u00dfes Anliegen der Bewegung, sich gegen den Vorwurf zu wehren, dass \u201eDicke\u201c ungesund leben w\u00fcrden und unsportlich sind. Auch weil tats\u00e4chliche Auswirkungen \u2013 etwa auf die H\u00f6he der Krankenkassenbeitr\u00e4ge \u2013 existieren.<\/p>\n<p>Deshalb hat beispielsweise Mirna Valerio den Blog \u201eFat Girl Running\u201c<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\"><sup><sup>[29]<\/sup><\/sup><\/a> gegr\u00fcndet, auf dem sie t\u00e4glich von ihrem Workout berichtet und es fotografisch dokumentiert. \u201eDie Leute sagen immer zu mir ,Jeder, der so viel l\u00e4uft wie du, verdient es d\u00fcnn zu sein.\u2018 Aber was sie wirklich damit meinen: ,Wenn du so viel rennst, warum bist du immer noch so fett?\u2019\u201c, erz\u00e4hlt Valerio in einem Interview.<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\"><sup><sup>[30]<\/sup><\/sup><\/a> Darin dr\u00fcckt sich eine weitere Vorstellung aus, gegen die Body Positive antritt: Dass alle ihren K\u00f6rper stets ver\u00e4ndern und optimieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">#justmegeorgeous (Echtheit\/Nat\u00fcrlichkeit)<\/p>\n<p>Die Vorstellung, dass jeder f\u00fcr seinen K\u00f6rper selbst verantwortlich ist und ihn eigenm\u00e4chtig formen kann, hat sich im Zuge des K\u00f6rper- und Fitnesskultes durchgesetzt. Daher f\u00fchlen sich \u201edicke\u201c Menschen oft mit Schuldzuweisungen konfrontiert: Sind sie es doch selbst, die zu wenig Sport treiben oder zu viel essen. Deshalb m\u00f6chte die Body-Positive-Bewegung zu der Idee zur\u00fcckkehren, dass es auch k\u00f6rperliche Anlagen gibt, die f\u00fcr eine bestimmte Figur verantwortlich sind. Zugleich wird das Mantra \u201eJeder K\u00f6rper ist sch\u00f6n\u201c als Nat\u00fcrlichkeit-Paradigma ausgelegt. So zeichnen sich viele Body-Positive-Kampagnen dadurch aus, dass sie weitgehend auf Retusche verzichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">#Revealyourselfie<\/p>\n<p>#Revealyourselfie ist eine Hashtag-Aktion, die von dem Produktionsteam des \u201eStraight-Curve-Films\u201c \u2013 eine Dokumentation \u00fcber die Body Positive Revolution in der Modewelt, die im Fr\u00fchjahr 2017 erscheinen wird \u2013 initiiert wurde.<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\"><sup><sup>[31]\u00a0 <\/sup><\/sup><\/a>Der Film gibt sich hoffnungsvoll bez\u00fcglich der Zukunft von Body Positive. &#8222;I don&#8217;t call this a movement, I call this evolution\u201c lautet das Fazit von Gay Dakin, Agent einer Model-Agentur.<\/p>\n<p>[vimeo id=&#8220;166135618&#8243; autoplay=&#8220;no&#8220;]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/www.netzwelt.de\/news\/157021-barbie-gibt-dicker-kleiner-groess.html\">https:\/\/www.netzwelt.de\/news\/157021-barbie-gibt-dicker-kleiner-groess.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/BBwRtkezZ2z\/\">https:\/\/www.instagram.com\/p\/BBwRtkezZ2z\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a> http:\/\/www.musikexpress.de\/ohne-photoshop-lena-dunham-und-jemima-kirke-in-dessous-fuer-lonely-lingerie-656709\/<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/lebensart\/mode\/2012-09\/brigitte-professionelle-models\">http:\/\/www.zeit.de\/lebensart\/mode\/2012-09\/brigitte-professionelle-models<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\"><sup><sup>[5]<\/sup><\/sup><\/a> G\u00fcnther Anders: \u00a727 und \u00a7 28 Die Metamorphose der Schauspielerin V. in eine Reproduktion ihrer Reproduktion. In: Ders.: Die Antiquiertheit des Menschen 1. \u00dcber die Seele im Zeitalter der zweiten industriellen Revolution. S. 204-211.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\"><sup><sup>[6]<\/sup><\/sup><\/a> Anders S. 207.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\"><sup><sup>[7]<\/sup><\/sup><\/a> https:\/\/www.instagram.com\/celestebarber\/<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\"><sup><sup>[8]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"http:\/\/www.radiancemagazine.com\/issues\/backissue.html\">http:\/\/www.radiancemagazine.com\/issues\/backissue.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\"><sup><sup>[9]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/www.amazon.com\/FAT-SO-Because-Dont-Apologize\/dp\/0898159954\">https:\/\/www.amazon.com\/FAT-SO-Because-Dont-Apologize\/dp\/0898159954<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\"><sup><sup>[10]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/clio.columbia.edu\/catalog\/6155725\">https:\/\/clio.columbia.edu\/catalog\/6155725<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\"><sup><sup>[11]<\/sup><\/sup><\/a> Julian Rappaport: In praise of paradox. A social policy of empowerment over prevention, in: American Journal of Community Psychology, Vol. 9 (1), 1981, 1-25 (13), Originaltext: \u201eHaving rights but no resources and no services available is a cruel joke.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\"><sup><sup>[12]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"http:\/\/queer-lexikon.net\/queer\/feminismus\">http:\/\/queer-lexikon.net\/queer\/feminismus<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\"><sup><sup>[13]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"http:\/\/www.starpulse.com\/christina-aguileras-beautiful-named-most-empowering-pop-song-1848049861.html\">http:\/\/www.starpulse.com\/christina-aguileras-beautiful-named-most-empowering-pop-song-1848049861.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\"><sup><sup>[14]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"http:\/\/www.wuv.de\/marketing\/esprit_startet_mit_imperfect_in_den_herbst\">http:\/\/www.wuv.de\/marketing\/esprit_startet_mit_imperfect_in_den_herbst<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\"><sup><sup>[15]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=z3JAF0PhOAk\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=z3JAF0PhOAk<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\"><sup><sup>[16]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/youtu.be\/8-RY6fWVrQ0\">https:\/\/youtu.be\/8-RY6fWVrQ0<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\"><sup><sup>[17]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_XOa7zVqxA4\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_XOa7zVqxA4<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\"><sup><sup>[18]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/lifeandstyle\/2015\/oct\/12\/femvertising-branded-feminism\">https:\/\/www.theguardian.com\/lifeandstyle\/2015\/oct\/12\/femvertising-branded-feminism<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\"><sup><sup>[19]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"http:\/\/www.thisisjanewayne.com\/news\/2016\/10\/31\/feminismus-und-konsum-kann-konsum-feministisch-sein\/\">http:\/\/www.thisisjanewayne.com\/news\/2016\/10\/31\/feminismus-und-konsum-kann-konsum-feministisch-sein\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\"><sup><sup>[20]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=wjEYb_f7bJM&amp;feature=youtu.be\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=wjEYb_f7bJM&amp;feature=youtu.be<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\"><sup><sup>[21]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/youtu.be\/ZKHS4PIVRxg\">https:\/\/youtu.be\/ZKHS4PIVRxg<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\"><sup><sup>[22]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"http:\/\/gabifresh.com\">http:\/\/gabifresh.com<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\"><sup><sup>[23]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"http:\/\/www.curvykate.com\">http:\/\/www.curvykate.com<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\"><sup><sup>[24]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"http:\/\/www.asyouareintimates.com\">http:\/\/www.asyouareintimates.com<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\"><sup><sup>[25]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/www.neonmoon.co\">https:\/\/www.neonmoon.co<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\"><sup><sup>[26]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/BNca6gSjvCa\/?taken-by=charlihoward\">https:\/\/www.instagram.com\/p\/BNca6gSjvCa\/?taken-by=charlihoward<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\"><sup><sup>[27]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Fat_feminism%23cite_note-6\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Fat_feminism#cite_note-6<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\"><sup><sup>[28]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/www.dicker-verein.de\/english-pages\/manifesto\/\">https:\/\/www.dicker-verein.de\/english-pages\/manifesto\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\"><sup><sup>[29]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"http:\/\/fatgirlrunning-fatrunner.blogspot.de\">http:\/\/fatgirlrunning-fatrunner.blogspot.de<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\"><sup><sup>[30]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/editionf.com\/Mirna-Valerio-Laeuferin-fit-trotz-Uebergewicht\">https:\/\/editionf.com\/Mirna-Valerio-Laeuferin-fit-trotz-Uebergewicht<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\"><sup><sup>[31]<\/sup><\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/straightcurvefilm\/\">https:\/\/www.instagram.com\/straightcurvefilm\/<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.straightcurvefilm.com\">http:\/\/www.straightcurvefilm.com<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"website kohout\" href=\"https:\/\/sofrischsogut.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Annekathrin Kohout<\/a> ist freie Autorin und Fotografin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kleines 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