{"id":6508,"date":"2017-01-24T10:36:44","date_gmt":"2017-01-24T08:36:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=6508"},"modified":"2017-01-24T10:36:44","modified_gmt":"2017-01-24T08:36:44","slug":"der-populaere-golem-rezension-zu-georg-seesslen-trump-populismus-als-politikvon-aristotelis-agridopoulos24-1-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2017\/01\/24\/der-populaere-golem-rezension-zu-georg-seesslen-trump-populismus-als-politikvon-aristotelis-agridopoulos24-1-2017\/","title":{"rendered":"Der popul\u00e4re Golem Rezension zu Georg See\u00dflen, \u00bbTrump! POPulismus als Politik\u00abvon Aristotelis Agridopoulos24.1.2017"},"content":{"rendered":"<p>Performer<!--more--><\/p>\n<p>Der 8. November 2016 liegt nicht lange zur\u00fcck und schon wird die letzte US-Wahl als Z\u00e4sur des 21. Jahrhunderts gedeutet: Der 45. Pr\u00e4sident der USA hei\u00dft Donald Trump. Wirklich? Nein, das kann doch nicht wahr sein, unm\u00f6glich! Bisher war etwas so Bizarres, dass Trump Pr\u00e4sident wird und seiner Nachfolgerin Lisa Simpson ein bankrottes Amerika zur\u00fcckl\u00e4sst, nur bei den <em>Simpsons<\/em> (im Jahr 2000) denkbar.<\/p>\n<p>Nun also auch in unserer Wirklichkeit, die sich doch seltsam unwirklich anf\u00fchlt, wenn sich pl\u00f6tzlich die Prophezeiung einer Comicserie bewahrheitet und so Realit\u00e4t und Fiktion zu verschwimmen scheinen. Georg See\u00dflen versucht in seinem 144 Seiten umfassenden Heftchen eine erste Diagnose des Ph\u00e4nomens Trump, das er, der Titel sagt es bereits, irgendwo zwischen Pop, Populismus und Politik zu verorten und zu erkl\u00e4ren sucht: \u00bbDarth Vader ist also im Wei\u00dfen Haus gelandet. Eine schwer atmende Projektion. Der Wahnsinn von der dunklen Seite der Macht. Pop ist an die Stelle der Wirklichkeit getreten.\u00ab (16)<\/p>\n<p>In f\u00fcnf Kapiteln und einem anschlie\u00dfenden Epilog zeichnet See\u00dflen den Aufstieg Donald Trumps vom Selfmademan und Sugardaddy bis hin zum amerikanischen Pr\u00e4sidenten nach; m\u00f6glich gemacht durch eine \u00bbendg\u00fcltige Verschmelzung von Pop und Politik\u00ab (13), die die \u203aMarke\u2039 Trump zum Bestseller unter amerikanischen W\u00e4hlerInnen avancieren lie\u00df.<\/p>\n<p>Seine zeitdiagnostische Ausgangthese lautet, dass im kollektiven Imagin\u00e4ren der westlichen Gesellschaften \u00bbzwei gro\u00dfe Erz\u00e4hlungen\u00ab aufzufinden seien: \u00bbder \u00f6konomisch-politische Diskurs\u00ab, der alles mit \u00bbLogik und Vernunft\u00ab erkl\u00e4ren will (8) und der Diskurs der \u00bbpopul\u00e4ren Mythologie\u00ab, der auf Entertainment, Shows, Emotionen und Effekten basiert (9). Hier treffen sich \u00bbAngst und Begierde [&#8230;] Panik und Gel\u00e4chter\u00ab, um sich mit dem Wahnsinn \u00bbvom elit\u00e4ren Instrument der Vernunft befreien zu k\u00f6nnen\u00ab (ebd.).<\/p>\n<p>See\u00dflen zieht f\u00fcr seinen Essay nicht nur amerikanische Filme der sp\u00e4ten 1930er und fr\u00fchen 40er Jahre, die so genannten New-Deal-Filme, wie <em>Mr. Smith geht nach Washington<\/em> und <em>Citizen Kane<\/em> hinzu, sondern auch Serien wie <em>Sex &amp; the City<\/em>, Cartoons wie <em>Looney Tunes<\/em> und Filme wie Scorseses <em>The Wolf of Wall Street<\/em>, um aufzuzeigen, wie die aktuellen Tr\u00e4ume von Machos und Barbie-Frauen in einer neoliberalen Welt mit der Figur Trumps reaktualisiert werden (44ff.).<\/p>\n<p>Es scheint, als ob 25 % der AmerikanerInnen (ca. 63 Millionen Stimmen), die Trump zum Pr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt haben, eine neue amerikanische Erz\u00e4hlung begehren, um die alten, konservativen Ideale wiederzubeleben. Trump sch\u00fcrte die Ressentiments der \u00bbWhite Working Class\u00ab und sogar vieler Frauen gegen das nichtamerikanische \u203aFremde\u2039 und das politische Establishment. Jene 63 Millionen US-Amerikaner konnte Trump jedenfalls mit diesen aggressiven Launen \u00fcberzeugen; die Masse \u00bbliebt das Monster f\u00fcr die Angst\u00ab, folgert See\u00dflen, \u00bbdie es nun eben bei dem Establishment hervorruft. Es ist der Golem, den man sich schafft, um Unterdr\u00fccker zu bezwingen und die Fremden zu vertreiben, aber das Wesen aus der B\u00fcchse der Pandora bringt vielleicht doch mehr an Verderben als gedacht.\u00ab (61f.) Trump wurde und hat sich erschaffen lassen und ist nun, so schlie\u00dft See\u00dflen den Kreis, mit Frankensteins Monster gleichzusetzen: \u00bbIm Monster jedenfalls steckt stets ein gar nicht so heimlicher Wunsch nach der Katastrophe, nach einem Ende-Machen.\u00ab (62).<\/p>\n<p>Trump besitzt nicht nur ein Gesicht, sondern viele. See\u00dflen versucht die multiplen Gesichter Trumps aufzuzeigen, mit denen es ihm gelingt, in unterschiedliche Sozialfiguren zu schl\u00fcpfen (23ff.): Mal ist er der Volksheld, mal Animationsclown, stets aber der Patriarch und Selfmademan. Dann wandelt er sich wiederum vom Rassisten, Macho und Sugardaddy zum Superhelden, Wanderprediger, Joker und Gangsterpaten, der von seinem Palast aus, dem Trump Tower, regieren k\u00f6nnte und dazu auch nicht das Wei\u00dfe Haus ben\u00f6tigt. Alle Figuren verschmelzen in einer Person.<\/p>\n<p>See\u00dflens sehr treffende Beschreibungen werden jedoch von der Stelle an \u00fcberdehnt, an der er zus\u00e4tzlich versucht, Trump zur Cartoonfigur \u00e0 la Goofy, Popeye, Bugs Bunny und Homer Simpson zu stilisieren. In allen sieht See\u00dflen einen gemeinsamen Nenner, den auch Trump besitzt: \u00bbNicht um das Durchdachte ist es ihnen je zu tun gewesen, sondern um den direktesten Ausdruck der Launen und der Empfindungen des Performers.\u00ab (72)<\/p>\n<p>Teilweise kann dies auch zustimmen, vergessen sollten wir jedoch nicht, dass Trump ebenfalls von spezialisierten PR-Managern beraten wird. Seine Worte scheinen nicht durchdacht, sind aber gerade deshalb wohl sehr bedacht. See\u00dflen kommt zu dem Schluss, dass Trumps \u00bbAuftritte [&#8230;] \u203aEinstellungen\u2039 und \u203aComic-Panels\u2039 [sind]\u00ab (31). Trumps widerspr\u00fcchliche Sozialfiguren zeigen Wirkung bei dem Versuch, die hegemoniale kapitalistische Androkratie wiederherzustellen. Hat Trump also auch von der Krise der M\u00e4nnlichkeit profitiert? Man erf\u00e4hrt von See\u00dflen sogar, dass Trump der erste US-Pr\u00e4sident ist, der schon als \u203aBunny\u2039 auf dem Titelcover des Playboys zu sehen war (38) (\u00bbPlayboy\u00ab, US-Ausgabe, M\u00e4rz 1990).<\/p>\n<p>Es ist offensichtlich, dass Frauen f\u00fcr Trump nur Sexobjekte sind, die, so See\u00dflen, \u00bbin den Niederungen der Popkultur schon l\u00e4nger vorgeformt\u00ab wurden (40). Das Ergebnis ist die \u00bbNeo-Barbiesierung der Frauenrolle\u00ab, die \u00bbzu einer neoliberalen Renaissance des Patriarchats gef\u00fchrt hat\u00ab (41). Frau Melania Trump ist ohne Eigenschaften, sie schweigt. Sie steht einfach nur neben dem Big Boss. Sie ist das Negativ von Michelle Obama. Trumps rechte Wende nach der Obama-\u00c4ra bedeutet eine \u00bbFamilialisierung der Politik\u00ab und eine \u00bbPolitisierung der Familie\u00ab (47). Der Rechtsruck in den USA geht mit der Platzierung der Frau an ihre alte traditionelle Stelle im Universum des staatlich gef\u00f6rderten Patriarchats einher: Private Reproduktionsarbeit (Haus und Familie) und Dienerin der Nation und des hart schuftenden Ehemannes. Frauen sind in Imperium Trumps nur \u00bbLuxusgegenstand [&#8230;] Beute und Dekoration\u00ab (44).<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich repr\u00e4sentiert Trumps Ehefrau, das Ex-Model und nun First Lady Ms. Trump, perfekt diese Barbiepuppe, die neben ihrem Ehemann einfach nur \u203asch\u00f6n\u2039 und \u203astumm\u2039 glitzert. Ihre goldene Residenz im Trump-Tower ist ein fiktiver Ort, den sich aber viele AmerikanerInnen selbst w\u00fcnschen. See\u00dflen urteilt: \u00bbDie Trumps sind ihre eigene Reality-Show. [&#8230;] Sie sind Erfindungen der Design-Industrie.\u00ab (106)<\/p>\n<p>Trump ist nach See\u00dflens Auffassung zufolge eine \u203aMarke\u2039 und eine \u00bbMedienfigur\u00ab, die schlie\u00dflich zum \u00bbMediengespenst\u00ab wurde (66f.), als er 2015 seine Pr\u00e4sidentschaftskandidatur bekanntgab. See\u00dflen fasst Trumps wenige unverwechselbare Charakteristika zusammen: seine goldene Haarpracht, seine st\u00e4ndigen sich wiederholenden Aussagen (\u203aMake America Great Again\u2039, eigentlich ein Wahlslogan von Ronald Reagan aus dem Jahr 1979\/80) und seine Gesten (\u203aTrump-Daumen\u2039). Das war\u2019s.<\/p>\n<p>Er koppelt diese in einer sehr einfachen Sprache mit Drohgeb\u00e4rden gegen das Establishment und ethnische und religi\u00f6se Minderheiten. Trumps wichtigste Waffe ist Twitter. Er gewinnt nicht nur Medienk\u00e4mpfe mit 140 Zeichen, sondern wie wir gesehen haben, auch das Pr\u00e4sidentenamt f\u00fcr sich.<\/p>\n<p>Keiner wei\u00df, wer sich hinter den Masken Trumps verbirgt, vielleicht ist dort auch Nichts zu finden, vielleicht ist Trump einfach das, was er spielt. Hier verschwimmt wieder einmal Realit\u00e4t und Fiktion. Trumps erfolgreiche Reality-Show <em>The Apprentice<\/em>, die von 2004 bis 2015 auf NBC ausgestrahlt wurde, spielt eine Schl\u00fcsselfunktion in der Vermarktung Trumps. Hier konnten Millionen von amerikanischen Zuschauern erneut die Luft des amerikanischen Aufstiegstraumes schnuppern und einen erfolgreichen Messias bewundern, der eine neue Ordnung konstituiert. See\u00dflen kommentiert dies: \u00bbNiemand, vielleicht nicht einmal der Protagonist selbst, schien zu bemerken, wie sich der \u00dcbergang von der zweiten zur ersten Wirklichkeit vollzog und dass sich ein Mann, der sich selbst zu einer Kunstfigur der popul\u00e4ren Kultur gemacht hatte, in die politische Wirklichkeit bewegte.\u00ab (69)<\/p>\n<p>In seinem letzten Kapitel zeigt See\u00dflen vor allem, wie Trumps Imperium selbst mit dem der amerikanischen Wirtschafts- und Politikelite verflochten ist (107ff.). Trumps Revolte ist jedoch keine gegen\u00fcber dem globalen Kapitalismus, wie viele f\u00e4lschlicherweise betonen, nur, weil er auf die Renationalisierung der Wirtschaft pocht.<\/p>\n<p>Man schaue sich nur an, wer seine Ministerposten einnimmt, und man ist nicht wirklich \u00fcberrascht, dass hier lediglich um einen Austausch von \u00f6konomischen und politischen Eliten handelt. Es sind Milliard\u00e4re und Lobbyisten, die Trump ausgew\u00e4hlt hat (112f.). Sein Diskurs gegen das Establishment im Wahlkampf ist damit verpufft, und trotzdem wird er diesen lebendig halten m\u00fcssen und gegen Clinton, Obama und Co. und vor allem gegen die Medien und ab und an gegen die Geheimdienste ausf\u00e4llig werden.<\/p>\n<p>Mal sehen, wie lange er diese Fassade vor seinen W\u00e4hlerInnen aufrechterhalten kann, vor allem die versprochene Umsetzung seiner unz\u00e4hligen Projekte: \u00bbdie Mauer gegen das Fremde, die wirtschaftliche \u203aGesundung\u2039, die Wiederherstellung der alten Gr\u00f6\u00dfe und der alten Ordnung\u00ab. (43) Bisher zeigte sein Anti-Establishment-Getue Wirkung und Erfolg: Trump wird von seinen Anh\u00e4ngern geliebt, auch von Frauen, die das Bild einer emanzipierten und selbstbestimmten Frau abzulehnen scheinen, so See\u00dflen: \u00bbTrumps offener Sexismus, seine \u00dcbergriffe, seine Verachtung haben offenkundig viele Frauen eben nicht davon abgehalten, ihn zu w\u00e4hlen.\u00ab (42)<\/p>\n<p>Der Women\u2019s March in zahlreichen St\u00e4dten innerhalb und au\u00dferhalb der Staaten hat jedoch nach seiner Ernennung zum Pr\u00e4sidenten deutlich gemacht, dass Millionen von Frauen, die f\u00fcr Selbstbestimmung und demokratische Freiheitsrechte k\u00e4mpfen, sich diese neokonsernativen und antifemininen Attacken nicht gefallen lassen werden.<\/p>\n<p>Im Epilog liefert See\u00dflen sein politischstes Kapitel. Hier offenbart er: \u00bbDer Sieg Trumps wurde in diesem Essay nicht \u203aerkl\u00e4rt\u2039, er ist auch nicht wirklich der Kern unserer Geschichte. Sie handelt davon, dass die Demokratie, so wie wir sie kannten (so sagt man wohl), mit all ihren Schw\u00e4chen und Widerspr\u00fcchen, nicht mehr der Normalfall sein wird und dass ihre Erz\u00e4hlung langsam im Nebel eines Diskursm\u00e4rchens verschwinden wird.\u00ab (137) Aufeinander folgend stellt See\u00dflen vierzehn Fragen zum Zustand und zur Zukunft der Demokratie, etwa wenn er fragt: \u00bbWas ist, wenn jede kritische Frage beantwortet wird mit \u203aYou\u2019re fired!\u2039?\u00ab. (139)<\/p>\n<p>Erleben wir also nun den Untergang der liberalen (Post-)Demokratie und ihren \u00dcbergang in eine neue \u00c4ra des rechten Autoritarismus? See\u00dflen schlie\u00dft sein B\u00fcchlein mit einem optimistischen Pessimismus \u00e0 la Gramsci ab, wenn er schreibt: \u00bbDie Demokratie ist nicht zu retten. Es sei denn, man w\u00fcrde sie neu erfinden.\u00ab (139) F\u00fcr die Linke hat er noch einen Ratschlag im Petto: \u00bbDas Volk und die Linke haben miteinander nichts gemein. Dies freilich w\u00e4re nur dann eine schlechte Nachricht, wenn die Linke auf den Begriff \u203aVolk\u2039 hereinf\u00e4llt, den die Rechte und der Neoliberalismus vorgeben, n\u00e4mlich im Sinne einer nationalistischen und rassistischen Menge von Kunden [&#8230;].\u00ab (135)<\/p>\n<p>Sein politisches Pl\u00e4doyer am Ende des B\u00fcchleins ist ein klares Statement gegen Formen des Linkspopulismus, die vor allem von Intellektuellen wie Chantal Mouffe und Oliver Nachtwey (2016) als Antwort auf die regressive Modernisierung und die rechtspopulistischen Erfolge in unseren Postdemokratien eingesetzt werden k\u00f6nnen. Die Occupy- und die Anti-Austerit\u00e4ts-Bewegungen in S\u00fcdeuropa und auch der wohl bessere Kandidat als Hillary Clinton, Bernie Sanders, haben allerdings aufgezeigt, dass ein linker und inklusiver Populismus gegen die Finanzmarktideologie der Konsens-Eliten und gegen den erstarkenden Rechtsruck durchaus solidarische Bewegungen und damit ein Gegengewicht zur Rechten ins Leben rufen kann. So verbleiben See\u00dflens politische Anmerkungen im Register der Kritik, ohne einen Ausweg f\u00fcr die Linke aufzuzeigen.<\/p>\n<p>See\u00dflen hat mit seiner neuesten Publikation, die die erste deutschsprachige Buchver\u00f6ffentlichung zum frisch gekr\u00f6nten 45. US-Pr\u00e4sident ist, eine sehr instruktive Deutung zu Trumps spektakul\u00e4ren Aufstieg geliefert. Seine feuilletonistischen Analysen versuchen auch, die sozialwissenschaftliche zu integrieren, wenn gelegentlich auch in einem lapidaren Duktus, der wohl der schnellen Publikation geschuldet ist. See\u00dflens B\u00fcchlein kommt insgesamt ohne eine einzige Fu\u00dfnote aus, was aus wissenschaftlicher Perspektive zu bedauern ist, weil See\u00dflen mit kultursoziologischen und sozialwissenschaftlichen Annahmen hantiert, die seit geraumer Zeit sowohl die Fusion von Politik und Unterhaltung (\u203aPolitainment\u2039), den aufsteigenden Rechtspopulismus und sein Verh\u00e4ltnis zu den Massenmedien als auch die Oligarchisierung demokratischer Politik zum Thema haben (vgl. D\u00f6rner 2001, Diehl 2011, Ranci\u00e8re 2011).<\/p>\n<p>Trump ist wirklich in aller Munde: So wurden erst gerade in den <em>Bl\u00e4ttern f\u00fcr deutsche und internationale Politik<\/em> allen voran intellektuelle US-amerikanische Stimmen \u2013 die sich ebenfalls mit dem Ereignis und der Z\u00e4sur Trump auseinandergesetzt haben \u2013 ins Deutsche \u00fcbertragen (vgl. Bl\u00e4tter 2017). Sogar Alain Badiou, der die amerikanische Wahlnacht w\u00e4hrend einer Vortragsreise in den USA miterlebte, hat ein B\u00fcchlein mit dem gleichen Titel angek\u00fcndigt (2017). Wir werden wohl eine Schwemme von Analysen zu Trump in n\u00e4chster Zeit auf dem Markt erleben.<\/p>\n<p>Die Untersuchung populistischer Diskurse steht jedoch nicht im Fokus See\u00dflens, wie der Untertitel dem Leser suggeriert. Die Kursivsetzung der ersten drei Buchstaben im Untertitel <em>Pop<\/em>ulismus verweist vielmehr auf See\u00dflens Schwerpunkt der popul\u00e4ren Medieninszenierung Trumps. See\u00dflen integriert insgesamt 43 Fotos rund um Trumps fulminantes und inszeniertes Medienleben, die gut in seinen Text eingebunden werden. Schauspiel und Authentizit\u00e4t sind nicht mehr auseinanderzuhalten: Trump ist sich stets sein eigener Schauspieler und ein narzisstischer Machtmensch zugleich, der es geschafft hat, \u00fcber den Umweg einer TV-Show als \u203aVolksheld\u2039 ins h\u00f6chste Amt des m\u00e4chtigsten Milit\u00e4rstaates der Welt aufzusteigen.<\/p>\n<p>Den zeitdiagnostischen Nerv einer rechtspopulistischen Epoche trifft See\u00dflen genau und blickt auf die aktuelle Transformation eines der bedeutendsten politischen Systeme weltweit. Die westliche Kulturkrise ist f\u00fcr See\u00dflen eine sich zu spitzende Demokratiekrise, die bisher fast ausschlie\u00dflich rechte Antworten anbietet. Sicherlich wird der neue CEO der USA sein protektionistisches Zeitalter mit autorit\u00e4reren Formen des Kapitalismus umsetzen (vgl. Fuchs 2017), welches im europ\u00e4ischen Kontext schon seit Beginn des Krisenmanagements im Hinblick auf die Austerit\u00e4tspolitik offen zutage trat.<\/p>\n<p>Trump meint es ernst, man sieht es auch an seiner neuesten Ank\u00fcndigung, den nationalen F\u00f6rderungstopf f\u00fcr Geisteswissenschaften komplett zu streichen. Er will der intellektuellen und kulturellen Elite der USA die Mittel beschneiden (Spektrum 2017), weil er ganz genau wei\u00df, dass von ihrer Seite aus der kritische Gegenwind in Namen der Demokratie, der Freiheitsrechte und der Emanzipation wehen wird.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Literatur<\/p>\n<p>Alain Badiou (2017): <em>Trump. Der Tag der Wahl<\/em>, Wien: Passagen (i.E.).<\/p>\n<p>Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale Politik (2017): Trumps Amerika: Lehren f\u00fcr die Linke, Nr. 1\/17, S. 41\u00ad\u201355.<\/p>\n<p>Paula Diehl (2011): Populismus, Antipolitik, Politainment, in: Berliner Debatte Initial 22, 1, S. 27\u201338.<\/p>\n<p>Andreas D\u00f6rner (2001): <em>Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft<\/em>. Frankfurt\u00a0am Main: Suhrkamp.<\/p>\n<p>Christian Fuchs (2017): Donald Trump: A Critical Theory-Perspective on Authoritarian Capitalism, in: tripleC 15, 1, S. 1\u201372.<\/p>\n<p>Oliver Nachtwey (2016): <em>Die Abstiegsgesellschaft. \u00dcber das Aufbegehren in der regressiven Moderne<\/em>, Berlin: Suhrkamp.<\/p>\n<p>Jacques Ranci\u00e8re (2011): <em>Der Hass der Demokratie.<\/em> K\u00f6ln\/Berlin: August.<\/p>\n<p>Spektrum Online: Pr\u00e4sident Trump beendet die staatliche F\u00f6rderung der Geisteswissenschaften. <a href=\"http:\/\/scilogs.spektrum.de\/engelbart-galaxis\/praesident-trump-beendet-die-staatliche-foerderung-der-geisteswissenschaften\/\">http:\/\/scilogs.spektrum.de\/engelbart-galaxis\/praesident-trump-beendet-die-staatliche-foerderung-der-geisteswissenschaften\/<\/a>, 21.1.2017, letzter Aufruf: 22.1.2017.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bibliografischer Nachweis:<\/strong><br \/>\nGeorg See\u00dflen:<br \/>\nTrump! <em>POP<\/em>ulismus als Politik<br \/>\nBerlin 2017<br \/>\nBertz &amp; Fischer Verlag<br \/>\nISBN: 978-3-86505-745-7<br \/>\n144 Seiten, 43 Fotos<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"homepage agridopoulos\" href=\"http:\/\/www.ifs.uni-frankfurt.de\/mitarbeiter_in\/aristotelis-agridopoulos\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aristotelis Agridopoulos<\/a> ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut f\u00fcr Sozialforschung in Frankfurt am Main.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Performer<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[1864,2096,2394],"class_list":["post-6508","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-popularkultur","tag-seeslen","tag-trump"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6508","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6508"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6508\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6508"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6508"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6508"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}