{"id":6647,"date":"2017-03-27T08:32:00","date_gmt":"2017-03-27T06:32:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=6647"},"modified":"2017-03-27T08:32:00","modified_gmt":"2017-03-27T06:32:00","slug":"oink-oink-die-schweine-der-filmgeschichtevon-hans-j-wulff27-3-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2017\/03\/27\/oink-oink-die-schweine-der-filmgeschichtevon-hans-j-wulff27-3-2017\/","title":{"rendered":"Oink! Oink! Die Schweine der Filmgeschichtevon Hans J. Wulff27.3.2017"},"content":{"rendered":"<p>Vieldeutige Wesen<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">[eine Druckfassung erschien in: <i>Augenblick<\/i>, 60, 2014, S. 7-25]<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">\u201eDu bist ein Schwein!\u201c \u2013 eine Beleidigung, die jeder versteht. Mit der man den Beschimpften der Ehrlosigkeit, des Eigennutzes, der Schmutzigkeit seiner Verhaltensweisen bezichtigt. <i>M\u00e4nner sind Schweine<\/i> singt die Berliner Punkrock-Band <i>Die \u00c4rzte<\/i>; und so ist auch der deutsche Verleihtitel <i>M\u00e4nner sind Schweine<\/i> der US-Kom\u00f6die <i>My Best Friend&#8217;s Girl<\/i> (2008, Howard Deutch) eigentlich aggressiv und abwertend \u2013 doch im einen wie im anderen Falle ist\u2018s ironisch gemeint und kann in dieser Allgemeinheit nicht stehenbleiben. Wenn aber Stefan Stolze, der von G\u00f6tz George gespielte Protagonist des TV-Dreiteilers <i>Das Schwein \u2013 Eine deutsche Karriere<\/i> (BRD 1995, Ilse Hofmann), schon im Titel als \u201eSchwein\u201c bezeichnet wird, als einer, der mit seiner Skrupel- und R\u00fccksichtslosigkeit Karriere macht, ist die Bezeichnung durchaus ernst gemeint.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Wir kennen das \u201eFrontschwein\u201c beim Milit\u00e4r, die \u201ePistensau\u201c beim Skilaufen; wir kennen das \u201eSchwein\u201c auch in sexueller Hinsicht, als einen, der sich \u00fcber alle Ziemlichkeiten und \u00fcber allen Anstand hinwegsetzt <a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a>. Doch schon die \u201eRampensau\u201c beim Theater meint etwas anderes, einen, der in jeder Situation sich der \u00d6ffentlichkeit seines Auftretens gewiss ist (und der dieses genie\u00dft). Der \u201eSchweinepriester\u201c enth\u00e4lt eine vollkommen andere Bewertung als der \u201eSaupreu\u00dfe\u201c oder der \u201eSchweinehund\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Wie soll man das verallgemeinern? Ist das Schwein tats\u00e4chlich ein Tier, das nur dazu pr\u00e4destiniert ist, zum Symbol des Schmutzigen, des Unm\u00e4\u00dfigen und des Ruchlosen zu werden? Oder wohnt ihm die Vieldeutigkeit inne, die wir schon an den sprachlichen Wendungen beobachten? Man kann den Fokus erweitern und sagen: \u201eSchwein gehabt!\u201c Und meint dann ganz etwas anderes, als wenn man jemanden als \u201eSchwein\u201c, \u201eFerkel\u201c oder \u201eSau\u201c tituliert (eigenartigerweise kann man \u00fcbrigens niemanden als \u201eEber\u201c beschimpfen!).<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Yellow Strom Werbung - Innerer Schweinehund (1)\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/omMvNInmFUs?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Viel Wissen um das Schwein ist mit Anekdoten garniert, die zumindest auf den ersten Blick zu erkl\u00e4ren scheinen, wie das Schwein mit seinen diversen Bedeutungen in Ber\u00fchrung gekommen ist. Es gibt Schweinsfig\u00fcrchen, die symbolhafte Kraft tragen \u2013 das Gl\u00fccksschwein, das das gute Omen anzeigt, weil das Schwein wohl schon zu Zeiten der Germanen ein Zeichen f\u00fcr Wohlstand und Reichtum und ein Symbol der Fruchtbarkeit und St\u00e4rke war (eine Bedeutung, die aus jener Zeit auf uns gekommen ist, sagt die Anekdote).<\/p>\n<p>Wenn zu Silvester ein Gl\u00fccksbringer \u00fcberreicht wird, der den Empf\u00e4nger \u00fcber das kommende Jahr begleiten soll, ist es oft ein Marzipanschwein (nach dem Motto: Wenn man am Anfang genug zu essen hat, wird es so bleiben!). Das \u201eSchwein gehabt!\u201c entstammt m\u00f6glicherweise Wettbewerben des Mittelalters, in denen der letzte ein Schwein als Trostpreis erhielt (so behauptet es zumindest eine Volksetymologie der Redewendung). Und auch das Sparschwein ist verstanden worden als ein Vorbote kommenden Wohlstands, so, wie eine Sau mit einem Wurf von mehreren Ferkeln den Wohlstand des Besitzers nur mehren konnte.<\/p>\n<p>Ganz offensichtlich: Schweine sind vieldeutige Wesen, bedeuten gleicherma\u00dfen Gl\u00fcck (zu Silvester) oder Unordnung (wie in der Rede vom \u201eSaustall\u201c zu beobachten), sind Sinnbilder f\u00fcr Schmutz ebenso wie f\u00fcr Sparsamkeit <a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a>. Und sie sind eingefasst durch eine F\u00fclle von Geschichten, Erkl\u00e4rungen, historischen Anekdoten, Halbwahrheiten. Das Schnitzel auf dem Tisch und das Schwein im Stall sind nur das eine Ende der Bedeutungsvielheiten, das Schwein als kulturelle Einheit, als Sujet des Wissens, des Erz\u00e4hlens und des Redens ist aber offensichtlich etwas ganz anderes.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Xwev59AYHCs\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Xwev59AYHCs<\/a><\/p>\n<p>Das Feld der Schweinebedeutungen ist komplex, umfa\u00dft nicht nur den Vergleich des Menschen mit Schweinen als Beschimpfung und ist von Beginn an widerspr\u00fcchlich. Darum lohnt es, genauer hinzusehen. Es geht weder um die Naturgeschichte oder die Ethologie des Schweins; und auch die Geschichte seiner Kultivierung als Haus- und Nutztier hat daf\u00fcr keine gro\u00dfe Bedeutung. Vielmehr geht es um die symbolische Inbesitznahme des Schweins.<\/p>\n<p>Die folgenden Notizen sind auf die Film- und Fernsehgeschichte des Schweins und seiner Rollen und Darstellungen gem\u00fcnzt \u2013 es wird gehen um die Geschichten, die sich um Schweine ranken und in denen sie Haupt- oder Nebenrollen spielen, oder die Beziehungen, die sie zu ihren Besitzern haben. Und nat\u00fcrlich um die Charaktermerkmale, die ihnen zugewiesen werden (und die selten, das kann man schon eingangs der \u00dcberlegungen festhalten, mit jenen pejorativen Assoziationen belastet sind, die im beleidigenden Gebrauch des Schweinenamens so vordringlich sind).<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Vom Nutztier zum Haustier<\/p>\n<p>Das Schwein mag als Haustier gelten, doch ist es selten individualisiert, es tr\u00e4gt keinen Namen, es teilt nicht die Wohnung. Es ist Haustier, weil es ein Nutztier ist und die menschliche K\u00fcche mit Fleisch beliefert <a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a>. Insofern tr\u00e4gt es materielle Werte. Soziale Werte (wie sie die Freundschaft mit dem Hund umfassen mag), individuelle oder subjektive Bedeutungen (wie sie manchen Pferden in der Beziehung vor allem junger Figuren vielleicht zukommen) und Imagewerte lassen sich mit Schweinen nicht erreichen \u2013 mit Ausnahmen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kommt es zur \u00dcberschreitung der Regel, die die Anonymit\u00e4t der Beziehungen von Menschen zu Schweinen festlegt \u2013 manche Schweine werden tats\u00e4chlich zu Haustieren, wie man es von Hunden gewohnt ist <a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a>. Das <i>Rennschwein Rudi R\u00fcssel<\/i> tr\u00e4gt einen Namen, es wird in die Familie aufgenommen, die ihren Alltag ver\u00e4ndert, sie zieht sogar in eine neue Wohnung (in dem gleichnamigen Film, BRD 1995, Peter Timm). Dass es sich um einen Kinderfilm handelt, mag auch mit dem anarchistischen Witz zusammenh\u00e4ngen, der mit der Umdeutung des Schweins vom Nutz- zum Haustier zusammenh\u00e4ngt (und an dem Kinder so gro\u00dfes Vergn\u00fcgen haben).<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Rennschwein Rudi R\u00fcssel - Trailer (deutsch\/german)\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/rVcPgmdzAoc?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Der Lacher ist dem Film auch in anderen Varianten der Umwertung des Schweins aus Haustier sicher. Schon in <i>Waikiki Wedding<\/i> (USA 1937, Frank Tuttle) setzt ein Werbeagent zu Werbezwecken (sprich: um aufzufallen!) ein Schwein ein, das die Gewinnerin an einem Sch\u00f6nheitswettbewerb wie einen luxuri\u00f6sen Hund an der Leine f\u00fchrt <a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a>. Mit eher schwarzem Humor vollzieht die romantische Kom\u00f6die <i>Doc Hollywood<\/i> (USA 1991, Michael CatonJones) den Wechsel eines Schweins vom Nutz- zum Haus- und zur\u00fcck zum Nutztier: Ein junger Arzt wird in einer Kleinstadt von einem Mann, den er von Zahnschmerzen befreite, mit einem Schwein bezahlt, mit dem er seinerseits die Reparaturen, die eine Werkstatt an seinem Wagen gemacht hatte und die keine Kreditkarten akzeptiert, bezahlt; nach kurzem erf\u00e4hrt er, dass er das Schwein nicht zur\u00fcckkaufen kann, sondern dass die Garage das Schwein an den Metzger weiterverkauft hat \u2013 das Schwein, das der Arzt vorher als \u201eJasmine\u201c zu seinem pers\u00f6nlichen Haustier gemacht hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Nutztieraspekte, Schlachtung, Schlachthaus<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich erz\u00e4hlt der Film auch von der Bedeutung der Schweine als Fleischlieferanten. Dramaturgisch besonders interessant sind die F\u00e4lle, wenn man das Fleisch heimlich transportieren muss. Eine Episode in <i>Operation Petticoat<\/i> (<i>Unternehmen Petticoat<\/i>, USA 1959, Blake Edwards) erz\u00e4hlt davon, dass ein kleiner Trupp von U-Boot-Soldaten Nahrungsmittel f\u00fcr die Besatzung besorgen will; tats\u00e4chlich gelingt es, ein Schwein einzutauschen, das man in eine Uniformjacke zw\u00e4ngt, um mit ihm durch die Wachen zu kommen; auch dieses gelingt, das Schwein geht als Funker Hornsby durch, der seinen Rausch ausschlafe (allerdings sagt einer der Milit\u00e4rpolizisten zum anderen, dass der Funker \u201ewie ein Schwein\u201c ausgesehen habe).<\/p>\n<p>Ein anderes Beispiel ist die Kom\u00f6die <i>La travers\u00e9e de Paris<\/i> (<i>Zwei Mann, ein Schwein und die Nacht von Paris<\/i>, Frankreich 1956, Claude Autant- Lara), der 1942\/43 in Paris zur Zeit der deutschen Besatzung spielt; ein arbeitsloser Taxifahrer \u00fcbernimmt gelegentlich Transporte f\u00fcr den Schwarzmarkt; ein Metzger \u00fcbergibt ihm ein schwarz geschlachtetes Schwein in vier Koffern, das nachts quer durch das besetzte Paris transportiert werden muss und dabei nat\u00fcrlich diversen Gefahren ausgesetzt ist.<\/p>\n<p>Gerade in Zeiten des Hungers, der Lebensmittelrationierung und der allgemeinen Armut ist Fleisch ein hohes Gut <a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a>. Wenn dann auch noch das Halten von Nutztieren unter Strafe steht, entsteht Stoff f\u00fcr Geschichten. Das vielleicht pr\u00e4gnanteste Beispiel ist <i>A Private Function<\/i> (<i>Magere Zeiten<\/i>; aka: <i>Magere Zeiten \u00a0Der Film mit dem Schwein<\/i>, Gro\u00dfbritannien 1984, Malcolm Mowbray), der im England des Jahres 1947 spielt; zwar ist der Krieg schon zwei Jahre vorbei, doch ist Fleisch nach wie vor rationiert; als eine Gruppe von Gesch\u00e4ftsleuten anl\u00e4sslich der Hochzeit von Prinzessin Elizabeth den lokalen Regierungsbeh\u00f6rden imponieren will, indem sie ein gro\u00dfes Fest ausrichtet, auf dem auch das Fleisch des illegal aufgezogenen Schweins Betty kredenzt werden soll; als dieses jedoch gestohlen wird, setzt eine turbulente Kette von Ereignissen ein.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist in der Tradition der Haushaltung von Schweinen die Schlachtung ein entscheidender dramatischer Punkt. Dass sie als Schlachtfest zumindest in Teilen ritualisiert und dem Fest als einer Grundform der Stabilisierung von sozialen Lebensgemeinschaften assoziiert ist, deutet darauf hin, dass hier tiefere Bedeutungen im Spiel sind \u2013 mit Elementen des Erntedankfestes, einer Passage und eines Heraustretens aus den Routinen allt\u00e4glicher Arbeit. In einer langen Sequenz von <i>Novecento<\/i> (<i>Neunzehnhundert<\/i>, Italien 1976, Bernardo Bertolucci) wird ein Schlachtfest als markante Erinnerung an eine Kindheit auf dem Lande inszeniert. Noch weiter geht<i> Emmas Gl\u00fcck<\/i> (BRD 2006, Sven Taddicken), der die Schlachtung von Schweinen als letzte intime Begegnung der Protagonistin und ihrer Tiere darstellt, ein Moment, der das T\u00f6ten des Tieres als Augenblick einer fast sakral anmutenden Einheit von Mensch und Tier und als Geste einer gro\u00dfen Dankbarkeit ausgibt.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Emmas Gl\u00fcck\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/radnK_NIjao?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Dem stehen die Bilder industrialisierter Schweineschlachtung in den Tierfabriken und Schlachth\u00e4usern ebenso entgegen wie die Aufnahmen endloser Laufb\u00e4nder, an denen Schweineh\u00e4lften durch die Hallen bef\u00f6rdert und sukzessive zerteilt werden. Filme wie <i>We Feed the World \u00a0Essen global<\/i> (\u00d6sterreich 2005, Erwin Wagenhofer) oder <i>Entr\u00e9e du personnel <\/i>(IT: <i>Staff Entrance<\/i>, Frankreich 2011, Manuela Fr\u00e9sil) geh\u00f6ren in einen Kontext \u00f6kologisch motivierter Kritik an der Nahrungsmittelindustrie, das flie\u00dfbandartige Schlachten von Tieren als Metapher f\u00fcr eine tiefe Entfremdung von Mensch und Natur gleicherma\u00dfen ausweisend.<\/p>\n<p>Die Rettung vor dem Schlachthaus dr\u00e4ngt sich naturgem\u00e4\u00df als dramatisches Motiv auf. Vor allem Kinderfilme, die zun\u00e4chst das Schwein als Protagonisten und Sympathietr\u00e4ger des Zuschauers etabliert haben, spielen sie als finalen Konflikt mehrfach durch. Erinnert sei an <i>Gordy<\/i> (USA 1994, Mark Lewis), in dem ein Ferkel den Job eines jungen FinanzMagnaten \u00fcbernimmt; als es von seiner Familie getrennt wird, macht es sich auf die Suche nach ihnen; auf seiner Reise schlie\u00dft er Freundschaft mit dem Enkel eines reichen Industriellen, hilft ihm, das Familiengesch\u00e4ft zu erhalten; am Ende rettet es auch seine eigene Familie vor dem Schlachthof <a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a>.<\/p>\n<p>Mit einem \u00e4hnlichen Happy-End geht auch <i>Rennschwein Rudi R\u00fcssel<\/i> (BRD 1995, Peter Timm) aus: Bei einer Tombola gewinnt die Familie G\u00fctzkow das Schwein Rudi R\u00fcssel als ersten Preis; den G\u00fctzkows wird ihre Stadtwohnung gek\u00fcndigt; der arbeitslose Arch\u00e4ologe G\u00fctzkow wird Platzwart beim \u00f6rtlichen Fu\u00dfballverein, weshalb das Ferkel nun mit den Fu\u00dfballern um die Wette laufen kann; es nimmt an einer Meisterschaft im Schweinerennen teil, die es gewinnt; durch ein Ungl\u00fcck ger\u00e4t es zum Schlachthof und muss in einer dramatischen Aktion gerettet werden.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Gordy Drowning Scene\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/vDEBMho16Bg?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Schweinefabriken treten aus dem nat\u00fcrlichen Zusammenhang von Mensch und Natur heraus, die Beziehungen zwischen Betreibern und Tieren gehen in ein kapitalistisch-entfremdetes Verh\u00e4ltnis \u00fcber. Das Tier wird zur Ware, es wird zum werthaltigen Objekt; die moralisch-ethischen Verpflichtungen, die den Bauer und seine Tiere (zumindest in einer naiv-idealisierten Vorstellung) verbinden, werden durch eine kalte Produktionslogik abgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Es sind nicht nur industriekritische Dokumentarfilme, die sich dieses \u00dcbergangs annehmen <a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a>, sondern mehrfach auch Serienkrimis des deutschen Fernsehens. Ein Beispiel ist <i>Schweineleben<\/i> (BRD 2008, Eoin Moore) aus der Polizeiruf-110-Reihe, der in einem mecklenburgischen Dorf spielt, in dem ein holl\u00e4ndischer Investor will eine riesige Schweinezucht aufbauen will, gegen die sich Natursch\u00fctzer zur Wehr setzen. Ein anderes Beispiel ist <i>Pfarrer Braun: Schwein gehabt!<\/i> (BRD 2010, Wolfgang F. Henschel), der mit dem Tod eines Schweinez\u00fcchters beginnt und der ebenfalls mit Pl\u00e4nen, auf Usedom eine gewaltige Schweinemastanlage hochzuziehen, zusammenh\u00e4ngt <a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[9]<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">B\u00f6se Schweine<\/p>\n<p>Dass Schweine tats\u00e4chlich Allesfresser sind, dass sie sich sogar ihresgleichen einverleiben, ist allgemein bekannt. Als Nebenmotiv bietet sich die Tatsache im Horror- und Krimigenre an, auch wenn es selten genutzt worden ist. Ein fr\u00fches Beispiel ist der amerikanische Exploitationsfilm <i>Daddy&#8217;s Deadly Darling<\/i> (USA 1972, Marc Lawrence <a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[10]<\/a>): Eine junge Frau, die ihren Vater get\u00f6tet hatte, als er sie vergewaltigen wollte, flieht aus einer psychiatrischen Anstalt und findet Unterschlupf bei einem Farmer und Truck-Stop-Betreiber, der ihm unangenehme Leute aus dem Weg r\u00e4umt und die Leichen in zerst\u00fcckelter Form an seine Schweine verf\u00fcttert.<\/p>\n<p>Eine einschl\u00e4gige Szene findet sich auch in <i>Snatch<\/i> (<i>Snatch \u00a0Schweine und Diamanten<\/i>, Gro\u00dfbritannien\/USA 2000, Guy Ritchie), in dem der Verbrecherboss die zerst\u00fcckelten Leichen seiner Feinde an die Schweine auf seiner Farm verf\u00fcttert. Manchmal ist das Motiv, das den Morden zugrundeliegt, nackte Habgier; in dem zur Postkutschenzeit spielenden Film <i>L&#8217;auberge rouge<\/i> (<i>L&#8217;Auberge Rouge \u00a0Mord inklusive<\/i>, aka: <i>Das Gasthaus des Schreckens<\/i>, Frankreich 2007, G\u00e9rard Krawczyk) etwa lebt ein Wirt vom Mord an den Reisenden, die in seinen Gasthof einkehren und die er ausraubt und umbringt; die Leichen verf\u00fcttert er an Schweine <a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[11]<\/a>.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Six Pieces, Sixteen Pigs - Snatch (5\/8) Movie CLIP (2000) HD\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/2xUynRdzzsM?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Eines der wenigen Beispiele aus dem Tierhorror-Genre, in dem Schweine eine Rolle spielen, ist der motivisch der <i>Insel des Dr. Moreau<\/i> nachempfundene Splatterfilm <i>Squeal<\/i> (<i>Pigs \u00a0Slaughter Farm<\/i>, USA 2008, Tony Swansey <a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[12]<\/a>): Eine Rockband, die mit ihrem Auto liegengeblieben ist, wird von einem Schweinemutanten entf\u00fchrt und in einen Zwinger gesperrt; er wurde nach einem wissenschaftlichen Experiment ebenso zu einem Zwischenwesen wie ein Zwerg und eine Frau <a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[13]<\/a>. Mit der heute h\u00f6chst modern anmutenden Phantasie, durch Genmanipulation Schweine zu vergr\u00f6\u00dfern und so die drohenden Ern\u00e4hrungsprobleme der Welt zu bek\u00e4mpfen, hatte \u00fcbrigens schon Jack Arnolds <i>Tarantula<\/i> (USA 1955) gespielt.<\/p>\n<p>Killer-Schweine sind filmhistorisch selten, auch wenn der Kampf gegen wilde und m\u00e4chtige Keiler in vielen M\u00e4rchen zu den h\u00e4rtesten Pr\u00fcfungen geh\u00f6rt, denen der Held sich aussetzen kann <a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[14]<\/a>. Der Klassiker dieser Spielart ist <i>Razorback<\/i> (<i>Razorback \u00a0Kampfkoloss der H\u00f6lle<\/i>, Australien 1984, Russell Mulcahy): Die Titelfigur ist ein pferdegro\u00dfes Wildschwein; nachdem ein kleiner Junge und eine Reporterin umgekommen sind, nimmt der Mann der Toten die Jagd auf.<\/p>\n<p>Ein neueres Beispiel ist der s\u00fcdkoreanische Film <i>Chaw<\/i> (<i>Keiler<\/i>; aka: <i>Keiler \u00a0Der Menschenfresser<\/i>, S\u00fcdkorea 2009, Shin Jeongwon), der in einer koreanischen Kleinstadt spielt; nachdem bereits einige Gr\u00e4ber ge\u00f6ffnet und die Leichen verst\u00fcmmelt und zwei Menschen zerfleischt aufgefunden wurden, wird ein riesiger, mutierter Keiler als T\u00e4ter identifiziert; ein J\u00e4ger erschie\u00dft das Weibchen, woraufhin der Keiler ein Dorffest \u00fcberf\u00e4llt und zahlreiche Tote hinterl\u00e4sst.<\/p>\n<p>Auch in <i>Pig Hunt<\/i> (<i>Pig Hunt \u00a0Dreck, Blut und Schweine<\/i>, USA 2008, James Isaac) tritt ein Riesenwildschwein auf und mischt sich in die Jagd ein, die Hinterw\u00e4ldler auf eine Gruppe von Jugendlichen machen. In <i>Evilspeaks<\/i> (<i>Der Teufelsschrei<\/i>, USA 1981, Eric Weston) findet ein von seinen Kameraden schikanierter Rekrut im Keller der Kapelle der Milit\u00e4rschule ein uraltes Buch mit satanischen Versen, Formeln und Anleitungen zu Teufelsbeschw\u00f6rungen und schwarzen Messen, das er am Ende in einer infernalischen Rache-Orgie nutzt, um die Schweine der Akademie zu M\u00f6rderschweinen zu machen \u2013 sie fressen tats\u00e4chlich ein M\u00e4dchen in einer Badewanne auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Magische und phantastische Schweine<\/p>\n<p>Die Geschichte des phantastischen Films kennt eine ganze Reihe kluger, oft sprechender Tiere <a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[15]<\/a>, die ihren Herren helfen, sie retten, ihnen Zugang zu verbotenen oder unzug\u00e4nglichen R\u00e4umen verschaffen. Derartige Helfer-Schweine sind aber au\u00dferordentlich selten. Ein Beispiel ist der Animationsfilm <i>The Black Cauldron<\/i> (aka: <i>Taran and the Magic Cauld\u00adron<\/i>; dt.: <i>Taran und der Zauberkessel<\/i>, USA 1985, Ted Berman, Richard Rich), der in dem K\u00f6nigreich Prydain spielt, in dem ein b\u00f6ser K\u00f6nig eine Armee von Untoten aufstellen will, um mit Hilfe eines Zauberkessels die Herrschaft \u00fcber die Welt zu erlangen; doch der junge Schweinehirt Taran, der ein Schwein mit hellseherischen F\u00e4higkeiten h\u00fctet, das den Weg zum Kessel kennt, stellt sich ihm in den Weg.<\/p>\n<p>Es war die Zauberin Circe, Tochter des Sonnengottes Helios und Zauberin, die die Gef\u00e4hrten des Odysseus \u2013 mit Ausnahme des Eurylochos, der die Gefahr ahnte \u2013 in Schweine verwandelte (so berichtet in der <i>Odyssee<\/i>). <i>My Brother the Pig<\/i> (<i>Immer \u00c4rger mit Schweinchen George<\/i>; USA 1999, Erik Fleming) s\u00e4kularisiert und modernisiert das Motiv: Eine 13j\u00e4hrige verwandelt eher zuf\u00e4llig ihren kleinen Bruder in ein Schwein; nun muss sie nach Mexiko reisen, weil nur die Gro\u00dfmutter den Zauber wieder r\u00fcckg\u00e4ngig machen kann, bevor die Eltern aus dem Urlaub zur\u00fcckkommen.<\/p>\n<p>Anders als etwa die B\u00e4ren, die eine bis in die Vorgeschichte reichende religi\u00f6se Verehrung genossen haben, ist das Schwein in den religi\u00f6sen Traditionen von keinerlei Bedeutung. In der Filmgeschichte finden sich wenige Beispiele, die aber Erw\u00e4hnung verdienen. Der Fantasy-Film <i>Sa Majest\u00e9 Minor<\/i> (<i>Seine Majest\u00e4t das Schwein<\/i>, Frankreich\/Spanien 2007, Jean-Jacques Annaud) erz\u00e4hlt von Minor, der bei den Schweinen aufgewachsen ist und sich selbst auch f\u00fcr eines h\u00e4lt; er kann nur grunzen, nicht sprechen; als er wegen eines Angriffs auf die Frau des Metzgers vor Gericht gestellt wird und ihn die Tochter des Stammesf\u00fchrers verteidigt, wird er zwar nicht zum Tode verurteilt, sondern muss als Vogelscheuche auf dem Feld arbeiten; er macht dabei Bekanntschaft mit Nymphen, Zentauren und Satyren; er st\u00fcrzt und kann zum Erstaunen aller sprechen \u2013 die Dorfbewohner halten das f\u00fcr ein Zeichen der G\u00f6tter, Minor wird zum K\u00f6nig der Insel.<\/p>\n<p>Steht hier das Schwein in einer Linie mit den Menschen und kann es sogar Menschen sozialisieren (die Romulus-und-Remus-Geschichte steht deutlich im Hintergrund von Annauds Film), wird in anderen Kontexten das Tier als grotesker Stellvertreter des Menschen gesetzt. Diesen ganz anderen Weg geht der englisch-franz\u00f6sische Kriminaldrama <i>The Hour of the Pig<\/i> (<i>Pesthauch des B\u00f6sen<\/i>, Frankreich\/Gro\u00dfbritannien 1993, Leslie Megahey): Er spielt im sp\u00e4tmittelalterlichen Frankreich des 15. Jahrhunderts; ein junger, aus Paris stammender Advokat soll vor einem Provinzgerichtshof ein Schwein verteidigen, das einer Zigeunerin geh\u00f6rt und des Mordes an einem kleinen Jungen angeklagt wurde; zun\u00e4chst akzeptiert er zynisch seine Aufgabe, doch kommt es zur Aufdeckung eines ganzen Geflechts von Verschw\u00f6rung und Korruption.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Niedliche und naive Schweine<\/p>\n<p>Es sind vor allem einige Kinderfilme, die Schweine als ebenso arglose wie unbedarfte Protagonisten und als flache Charaktere exponieren. Die Moral von der Geschichte ist dann fast immer greifbar, Skepsis tritt nicht auf. Fast immer geht es um Freundschaften zwischen verschiedenen Tieren. In <i>Charlotte&#8217;s Web<\/i> (<i>Schweinchen Wilbur und seine Freunde<\/i>, USA 2006, Gary Winick) \u2013 nach dem erfolgreichen Kinderbuch gleichen Titels von E.B. White (1952) \u2013 etwa rettet eine Spinne (Charlotte) ein Schwein vor dem Kochtopf, indem sie nachts ein Netz \u00fcber dem Schwein (Wilbur) spinnt, auf dem in Gro\u00dfbuchstaben \u201eTERRIFIC\u201c zu lesen ist; das Schwein wird vom ganzen Land bewundert, Spinne und Schwein werden gute Freunde <a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[16]<\/a>. Die h\u00f6chst naive Geschichte positioniert den Leser bzw. Zuschauer ganz auf Seiten der Tiere, immuisiert vor allem das Schwein gegen alle kulturellen und landwirtschaftlichen Verwertungszusammenh\u00e4nge.<\/p>\n<p>Etwas anders gelagert ist der Disney-Animationsfilm <i>Piglet\u2018s Big Movie<\/i> (<i>Ferkels Grosses Abenteuer<\/i>, USA 2003, Francis Glebas), in dem \u201eFerkel\u201c vier anderen Tieren (Winnie Puuh, Tigger, Rabbit und IAah) dabei hilft, Honig aus einem Bienenstock zu gewinnen; sie nehmen ihn aber nicht in ihren Freundschaftsbund auf, weil er zu klein ist; erst als sie vor den Bienen in Ferkels Haus fl\u00fcchten, entdecken sie ein Bilderalbum, in dem das kleine Schwein alle gemeinsamen Erlebnisse festgehalten hatte; als dann noch Puuh in Gefahr ger\u00e4t und Ferkel ihn rettet, wird der Bund der f\u00fcnf geschlossen und sie feiern ein gemeinsames Fest. Auch hier ist die Moral klar \u2013 es geht um soziale Zugeh\u00f6rigkeit und um die Aufnahme in (kindliche) Freundschaftsgruppen.<\/p>\n<p><i>Babe<\/i> (<i>Ein Schweinchen namens Babe<\/i>, Australien\/ USA 1995, Chris Noonan, nach dem Kinderbuch <i>The Sheep Pig<\/i> von Dick KingSmith, 1983) handelt von Bew\u00e4hrung und vom Gl\u00fcck, akzeptiert zu werden: Nachdem Babe seine Eltern durch den Schlachter verloren hat, schlie\u00dft es Freundschaft mit einer Collie-H\u00fcndin, die auf dem Hof als Sch\u00e4ferhund arbeitet; Babe lernt, wie man mit Schafen umgeht; als es ihm gelingt, Viehdiebe vom Hof zu vertreiben, beschlie\u00dft er, Sch\u00e4ferschwein zu werden; der Bauer ist beeindruckt und meldet das Schwein kurzerhand beim Sch\u00e4ferhundwettbewerb an \u2013 Babe gewinnt, ihm wird die Schlachtung erspart bleiben.<\/p>\n<p>Das Sequel <i>Babe: Pig in the City<\/i> (<i>Schweinchen Babe in der gro\u00dfen Stadt<\/i>, Australien 1998, George Miller) erz\u00e4hlt die Geschichte nur oberfl\u00e4chlich weiter, setzt ganz andere thematische und moralische Akzente: Nun geht es darum, dass Babe mit der Frau des schwerverletzten Farmers in die Stadt f\u00e4hrt, um Geld f\u00fcr die verschuldete Farm aufzutreiben; dabei geraten sie in eine Pension, in der deren Besitzerin herrenlose Tieren aus der Stadt Asyl gew\u00e4hrt; als auch sie einen Unfall hat, werden die Tiere ins Tierheim gesperrt \u2013 Babe befreit sie, alle werden auf seiner Farm unterkommen. Das Helden-Schwein wird hier zur globalen Helferfigur, nimmt Impulse mancher Action-Helden auf (der Regisseur George Miller ist durch die Mad-Max-Filme bekannt geworden).<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Ein Schweinchen namens Babe - Trailer\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/JuJLXQ_5Wvw?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Wer \u00fcber die Filmgeschichte der Schweine nachdenkt, muss die unz\u00e4hligen Zeichentrickfiguren zumindest erw\u00e4hnen, die in den Studios ersonnen wurden. Man denkt fast automatisch an <i>Porky Pig<\/i> (<i>Schweinchen Dick<\/i>), das 1935 von Bob Clampett konzipiert wurde und erstmals im Kurzfilm <i>I Haven&#8217;t Got a Hat<\/i> (1935, Friz Freleng) auftrat; bekannt wurde sie nicht nur durch zahllose Auftritte in Warner-Zeichentrickfilmen der Looney-Tunes-Reihe, sondern auch durch die <i>Porky Pig Show<\/i> (1964-72); die Figur ist gleichbleibend als freundlich und liebenswert gekennzeichnet; sie stottert, ist sch\u00fcchtern, naiv und ein wenig dumm.<\/p>\n<p>Auch die <i>Three Little Pigs<\/i> (die <i>Drei kleinen Schweinchen<\/i>) aus der Feder Walt Disneys kommen einem in den Sinn; nach dem Vorbild eines englischen M\u00e4rchens entwarf Disney das Trio mit den Namen <i>Fiddler<\/i>, <i>Piper<\/i> und <i>The Practical Pig<\/i> (<i>Fiedler<\/i>, <i>Pfeifer<\/i> und <i>Schweinchen Schlau<\/i>) f\u00fcr den Film <i>Three Little Pigs<\/i> (<i>Die drei kleinen Schweinchen<\/i>, 1933) aus der Silly-Symphonies-Reihe; die Moral von der Geschichte, dass sich Flei\u00df und harte Arbeit auszahlen, blieb erhalten.<\/p>\n<p>So kindlich-unbedarft viele dieser Schweinefiguren auch wirken, gab es von Beginn an Parodien. Tex Averys MGM-Antinazi-Cartoon <i>Blitz Wolf<\/i> (USA 1942) etwa machte sich \u00fcber die Naivit\u00e4t des Drei-Schweinchen-Konzepts lustig, die ihr Land \u201ePigmania\u201c gegen \u201eAdolf Wolf\u201c verteidigen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Eine pr\u00e4gende Figur der Geschichte der animierten Schweine und keineswegs niedlich oder naiv ist <i>Miss Piggy<\/i>, die nach einem Auftritt in dem Sketch <i>Return to Beneath the Planet of the Pigs<\/i> (1975) seit 1976 zum festen Personal von Jim Hensons <i>Muppet Show<\/i> geh\u00f6rt und die sich schnell von einer Neben- zu einer der tragenden Figuren der Serie entwickelte; sie geh\u00f6rt der ungarischen Mangalica-Rasse an, glaubt sich pr\u00e4destiniert dazu, ein Star zu sein; sie ist pummelig, kaprizi\u00f6s, manchmal charmant und verf\u00fchrerisch, oft eigensinnig, eingebildet und eitel, mit luxuri\u00f6sen Kleidern angetan; aber sie wechselt manchmal zu pl\u00f6tzlicher Wut und Gewaltt\u00e4tigkeit; sie ist sterblich in die Froschfigur Kermit verliebt, der sie aber nicht gegenliebt und den sie manchmal h\u00f6chst gereizt attackiert. Sie trat auch in den Muppets-Filmen auf <a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[17]<\/a>.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Miss Piggy Snackcercise\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/oK52qGcpdzo?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Metaphorische und symbolische Schweine<\/p>\n<p>Die wohl bekannteste Allegorie, in der Schweine die Hauptrollen spielen, ist George Orwells Roman <i>Animal Farm<\/i>, eine Satire auf stalinistische Herrschaftsverh\u00e4ltnisse aus dem Jahre 1945. Die Geschichte bildete die Grundlage f\u00fcr den ersten englischen Animationsfilm <i>Animal Farm<\/i> (<i>Animal Farm \u00a0Aufstand der Tiere<\/i>; aka: <i>Aufstand der Tiere<\/i>, Gro\u00dfbritannien 1954, Joy Batchelor, John Halas) sowie die Realfilm-Neuadaptation <i>Animal Farm<\/i> (<i>Animal Farm<\/i>, USA 1999, John Stephenson): Erz\u00e4hlt wird die Geschichte einer Revolte einer Gruppe von Tieren gegen ihren grausamen Bauern, der sie unterdr\u00fcckt und ausbeutet, die ihren Hof selbst regieren wollen; die Unterweisung und Organisation des Gemeinwesens f\u00e4llt den Schweinen zu; erst wird \u201eSchneeball\u201c der Anf\u00fchrer und besticht durch seine Klugheit und sein Organisationstalent; doch sein Konkurrent \u201eNapoleon\u201c l\u00e4sst Schneeball t\u00f6ten und wird der neue Anf\u00fchrer. Zwar lautet der Wahlspruch der Tiere: \u201eAlle Tiere sind gleich!\u201c Doch insgeheim gilt: \u201eEinige sind gleicher!\u201c \u2013 zun\u00e4chst unmerklich und dann mit offener Gewalt entsteht eine Schreckensherrschaft. Am Ende ist kein Unterschied zwischen der Unterdr\u00fcckung der Tiere am Anfang mehr zu erkennen <a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\">[18]<\/a>.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Animal Farm (1954)\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/YGCo5Tva39s?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Es sind fast immer politische Szenarien, in denen Schweine zu allegorischen Figuren werden. Ein besonderer Fall ist Neil Jordans Film <i>The Butcher Boy<\/i> (<i>Der Schl\u00e4chterbursche<\/i>, USA 1997; nach einem Roman von Patrick McCabe, 1992 <a href=\"#_edn19\" name=\"_ednref19\">[19]<\/a>), der die Geschichte eines irischen Jungen in den fr\u00fchen 1960\u00adern, der in seinem Dorf nach dem Selbstmord der Mutter und dem Tod des alkoholabh\u00e4ngigen Vaters verwahrlost und von allen Dorfbewohnern gemieden wird; nur der Schlachter gibt ihm Arbeit. Der Film erz\u00e4hlt vom Entstehen der Wut und von der zunehmenden Verzweiflung, die den Jungen ergreift und sich in die Bereitschaft wandelt, sich gewaltt\u00e4tig und symbolisch zur Wehr zu setzen. Die englische reiche Nachbarin hatte die Familie des Jungen als \u201eSchweine!\u201c bezeichnet, sie wird zum Objekt der Angriffe des Jungen. Mit einer Schweinemaske \u00fcber dem Gesicht dringt er in ihr Haus ein, schreibt in gro\u00dfen roten Lettern \u201ePig\u201c \u00fcber Familienphotos, den Fernseher und die W\u00e4nde, bevor er in den Flur schei\u00dft. Tote und blut\u00fcberstr\u00f6mte Schweine beginnen seine Alptr\u00e4ume zu bev\u00f6lkern. Am Ende erschie\u00dft der Junge die Engl\u00e4nderin mit einem Bolzenschu\u00dfger\u00e4t, wie es auch die Schlachter benutzen.<\/p>\n<p>Der Film setzt das Schwein in vielf\u00e4ltige Beziehungen, die den historischen Ort in einer h\u00f6chst widerspr\u00fcchlichen Art mit diegetisch eigentlich unm\u00f6glichen Verweisungen markieren \u2013 im Fernsehen l\u00e4uft ein Ausschnitt aus dem Film <i>The Atomic Cafe<\/i> (1982!), in dem es um Atombombenversuche geht und die Menschen, die dem Fallout ausgesetzt sind, als \u201eGuinea pigs\u201c bezeichnet werden; und auch das \u201ePig\u201c, mit dem er die Wohnung der Nachbarin sch\u00e4ndet, verweist auf den gegen\u00fcber der Handlungszeit des Films viel sp\u00e4teren Mord der Manson-Family an Sharon Tate (1969!). Die Schweine des Films werden zu symbolischen Repr\u00e4sentanten der irischen <i>lower class<\/i>, ja sogar der Iren \u00fcberhaupt; was den Schweinen in den Tr\u00e4umen geschieht, wird zum Bild der historischen Unterdr\u00fcckung des irischen Volkes.<\/p>\n<p>Auch der schwedische Film <i>Grisjakten<\/i> (IT: <i>Pig Hunt<\/i>, Schweden 1970, Jonas Cornell) instrumentalisiert Schweine auf einer allerdings viel schlichteren Ebene als Element einer politischen Satire: Alle Schweine in Schweden sollen ausgerottet werden; zust\u00e4ndig daf\u00fcr ist ein pedantischer B\u00fcrokrat, der sich wundert, dass aus ihm unerfindlichen Gr\u00fcnden die Bauern sich gewaltt\u00e4tig gegen die Arbeit seiner Abteilung wehren \u2013 ihnen w\u00fcrde eine Lebensgrundlage entzogen. Rassismus, Gentechnik, Satire: Manche politischen Parabeln gehen noch weiter als <i>Grisjakten<\/i>, treiben die Geschichten bis in die Burleske und die Groteske hinein. Der sich j\u00fcdisch w\u00e4hnende Titelheld des zutiefst skurril wirkenden Films <i>Leon the Pig Farmer<\/i> (Gro\u00dfbritannien 1992, Vadim Jean, Gary Sinyor) erf\u00e4hrt zuf\u00e4llig, dass er nicht nur das Ergebnis einer k\u00fcnstlichen Befruchtung ist, sondern zudem auch noch die Spermaproben vertauscht wurden; sein biologischer Vater war Schweinefarmer; Leon verbindet Judentum und Familientradition und geht daran, ein koscheres Schwein zu z\u00fcchten (an dem auch noch ein Schaf mitwirkt).<\/p>\n<p>Schweine gelten sowohl in der islamischen wie in der j\u00fcdischen Welt als unrein, der Verzehr von Schweinefleisch ist verboten, ja, die Tiere d\u00fcrfen nicht einmal den Boden der L\u00e4nder betreten. Das vietnamesische H\u00e4ngebauchschwein, das vom Schiff gefallen ist und das ein pal\u00e4stinensischer Fischer in dem Film <i>Le cochon de Gaza<\/i> (<i>Das Schwein von Gaza<\/i>, Frankreich\/Deutschland\/Belgien 2011, Sylvain Estibal) bei seinem t\u00e4glichen Versuch, ein paar Fische zu fangen, im Netz gefunden hat, ist ihm von vornherein ein Problem: Er k\u00f6nnte es an die christlichen UNO-Truppen verkaufen \u2013 doch die lehnen ab. Zuf\u00e4llig ergibt es sich, dass eine junge russische J\u00fcdin es mit dem Schweineverbot nicht so ernst nimmt, sie sucht einen Eber, mit dessen Samen sie im Lager Schweine z\u00fcchten kann; der Fischer l\u00e4\u00dft sich darauf ein, h\u00e4lt das Schwein heimlich auf seinem Schiff, nimmt ihm Samen von Hand ab (nachdem er Bilder von Miss Piggy und anderen weiblichen Schweinen zur sexuellen Erregung an die Wand gepinnt hatte); einmal f\u00fchrt er es sogar in einen Schafspelz verkleidet \u00f6ffentlich aus; und das Schwein mu\u00df Socken tragen, damit es den Boden des geheiligten Landes nicht ber\u00fchrt. Immer ist der Held von Entdeckung bedroht.<\/p>\n<p>Das Schwein ist in dieser Geschichte Katalysator der Geschehnisse und des Nachdenkens \u00fcber die Beziehungen zwischen den verfeindeten Parteien zugleich. Und es f\u00fchrt den Zuschauer bis an die Grenzen der Groteske. \u201eDieses Schwein ist eine Bedrohung f\u00fcr unser Land!\u201c, ruft einmal ein israelischer Soldat einer Gruppe bewaffneter Pal\u00e4stinenser zu. \u201eF\u00fcr unser Land auch!\u201c, antwortet deren Anf\u00fchrer, bis ihn einer seiner Kameraden verwirrt fragt: \u201eWelches Land?\u201c Das Ende f\u00fchrt die Parteien wieder zusammen: Kriegsversehrte beider Lager feiern ein gemeinsames Fest an einem phantastisch wirkenden Strand, von dem unklar ist, wie genau die Fliehenden dorthin gelangt sind; sie f\u00fchren dabei trotz der Behinderungen Break-Dances auf \u2013 und geben der so vers\u00f6hnlichen Botschaft der manchmal so bitteren Kom\u00f6die ein \u00fcberraschendes, die Widerspr\u00fcche und Konflikte des Films noch einmal zusammenf\u00fchrendes Gesicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Summa und Ausblick<\/p>\n<p>Die Durchmusterung der Schweinefiguren aus der Filmgeschichte, die in einem allerdings erstaunlich gro\u00dfen Korpus nachgewiesen werden konnten, hat gezeigt, dass das Feld der Rollenbilder denkbar heterogen ist. Abgesehen von der k\u00f6rperlichen Erscheinung bzw. vom K\u00f6rperbild lassen sich weder die Rollen noch die textsemantischen Funktionen, die Schweine im Lauf der Filmgeschichte erf\u00fcllen, \u00fcber einen Kamm scheren. Es ist \u2013 wie bei so vielen anderen Gegenst\u00e4nden des kulturellen Wissenszusammenhanges \u2013 eine Vielheit der Bedeutungen, auf die wir sto\u00dfen, eine Vielheit, die gleichwohl alle vom gleichen Objekt ausgehen bzw. darauf zu verweisen scheinen. Bleibt zu fragen, ob es nur ein Schwein des Wissens gibt oder ob es mehrere sind, eine Familie \u00e4hnlicher Konzeptionen, die mit dem gleichen biologischen K\u00f6rper verbunden sind.<\/p>\n<p>Gleichwohl die Heterogenit\u00e4t der dramaturgischen und bildhaften Vorstellungen des Schweins im Film bei der Durchmusterung des Korpus auf eine \u00e4hnliche Vielfalt von Bedeutungen gezeigt werden konnte, wie sie schon eingangs an den sprachlichen und dinglichen Bedeutungen des Schweins erw\u00e4hnt wurde, bleiben doch mehrere Fragen, denen weiter nachzusp\u00fcren bleibt:<\/p>\n<p>(1) Es f\u00e4llt auf, dass sich die Schweine im Verlauf der Filmgeschichte erstaunlich vermehrt haben: Das Gros der Filme entstammt den Jahren nach 1980, ist zum Teil sogar noch deutlich j\u00fcnger. Eine einfache Antwort auf die daraus resultierende Frage nach dem Warum? zu finden d\u00fcrfte schwerfallen. Klar d\u00fcrfte allerdings sein, dass die meisten der Filme, die sich mit der industrialisierten Schweinehaltung und -schlachtung befassen, sicher in unmittelbarem Zusammenhang mit dem ver\u00e4nderten Umweltbewusstsein stehen. Sie sind Indizien einer umfassenden \u00d6kologisierung \u00f6ffentlichen Wissens und geh\u00f6ren einem offen ausgetragenen, in sich mehrfach aspektivierten und multithematischen Diskurs um Fragen der Ern\u00e4hrung, der Gesundheit, der Mensch-Natur-Beziehung, des Tierschutzes usw. an.<\/p>\n<p>(2) So sehr nicht nur die narrativen Funktionen von Schweinen als Prot- und Antagonisten, als Katalysatoren, Opfer oder Helfer, als Rebellen usw. sie mit sym- oder antipathischen Emotionen aufzuladen, so sehr sind auch die Potentiale klar, Filmschweine als Symbole zu behandeln (sei es, als Gesch\u00f6pfe Gottes, die menschlicher Zuwendung bed\u00fcrfen, sei es, als Figuren in Allegorien und Fabeln). Es geht allerdings vor allem in den Kinderfilmen weniger um die Aussch\u00f6pfung dieses semiotischen Potentials \u2013 hier stehen die Niedlichkeit der Akteure, die Exklusivit\u00e4t und Extraordinarit\u00e4t als Haustiere und die den Figuren zukommende Naivit\u00e4t und intellektuelle und soziale Unbedarftheit eher im Zentrum der Inszenierung. Es sind aber durchaus Charakteristen, die auch in den Schweinesymboliken eine Rolle spielen (denen die <i>character traits<\/i>, die sie als antagonale Figuren tragen, scharf entgegenstehen).<\/p>\n<p>(3) Es mag sein, dass die Vorstellung des Schweins als unschuldiger Begleiter und Doppel des Kindes das j\u00fcngste der Schweinebilder ist, das erst mit den Cartoons aus der Disney-Fabrik zu semiotischem Leben erweckt wurde. Doch muss es ein Projekt der Kulturgeschichte des Schweins bleiben, dem genauer nachzugehen.<\/p>\n<p>(4) Nationale Besonderheiten sind nicht zu erkennen. Eine Ausnahme m\u00f6gen die Filmschweine im ostasiatischen, insbesondere im Kontext der japanischen Anime-Filme sein \u2013 das war hier kein Thema und bed\u00fcrfte einer eigenen kulturhistorischen und -vergleichenden Untersuchung.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Family Guy - Schwein mit F\u00e4usten\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/6c4fKZLxfpo?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p>[*] F\u00fcr Hinweise bin ich Christine Noll Brinckmann, Ludger Kaczmarek, Daniel M\u00f6hle und Ina Wulff zu Dank verpflichtet.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Erinnert sei an die folgende Anekdote, die genau auf den Vieldeutigkeiten des \u201eSchweins\u201c aufsetzt: Ein findiger St.-Pauli-Wirt k\u00fcndigte anfangs der 1960er Jahre f\u00fcr sieben Mark Eintritt \u201eSchweinefilme\u201c an und hatte ein \u00fcberf\u00fclltes Haus \u2013 voller ebenso \u00fcberraschter wie entt\u00e4uschter oder \u00e4rgerlicher G\u00e4ste, die Filme \u00fcber die Schweinezucht zu sehen bekamen. Einen Hinweis auf diese fast an ein Happening erinnernde Aktion findet sich in: <i>Der Spiegel<\/i>, 24, 12.6.1963. Nicht nur mundartlich werden Pornographica bis heute als \u201eSchwein(s)kram\u201c bezeichnet, Sex- und Pornofilme (vor allem in der konservativen Kritik) als \u201eSchweinefilme\u201c.<\/p>\n<p>Ob man die pejorative Bedeutung des Schweins in sexueller Hinsicht mit der (beobachtbaren), f\u00fcr viele ebenso faszinierenden wie absto\u00dfenden\u00a0 Hemmungslosigkeit, die die Tiere bei Nahrungsaufnahme und Sexualverhalten zeigen, begr\u00fcnden kann, wie es manchmal in der popul\u00e4ren Literatur \u00fcber die kulturellen und sprachlichen Bedeutungen des Schweins geschieht, sei dahingestellt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Die Kulturgeschichte des Schweins ist ebenso bunt, vielgestaltig und widerspr\u00fcchlich wie die Vielfalt seiner Erscheinungen und Rollen im Film. Vgl. dazu etwa Schlieben, Adolf: <i>Das Schwein in der Kulturgeschichte<\/i> (Wiesbaden: R. Bechtold &amp; C. 1895); <i>Schwein gehabt. Natur und Kulturgeschichte des Schweins<\/i> (hrsg.v. Sabine Weimbs u. Alfred Hendricks. G\u00fctersloh: Linnemann 2000); <i>Arme Schweine. Eine Kulturgeschichte<\/i> (hrsg. von der Stiftung Schloss Neuhardenberg in Verbindung mit Thomas Macho. Berlin: Nicolai 2006); Wuketits, Franz M.: <i>Schwein und Mensch. Die Geschichte einer Beziehung<\/i> (Hohenwarsleben: WestarpWiss. 2011 [Die neue BrehmB\u00fccherei. 674.]).<\/p>\n<p>Zu den semiotischen Potenzialen des Schweins ist bislang kaum gearbeitet worden; vgl. dazu Schmauks, Dagmar: \u201eRingelschwanz und R\u00fcssel. Stilisierungen des Schweins in Werbung und Cartoon\u201c (in: <i>Image: Zeitschrift f\u00fcr interdisziplin\u00e4re Bildwissenschaft<\/i>, 3, 2006, URL: http:\/\/www.gib.unituebingen.de\/image\/ausgaben?function=fnArticle&amp;showArticle=82), die sich explizit den linguistischen Niederschl\u00e4gen der kulturell erschlossenen (und oft naturalistisch begr\u00fcndeten) Wissensbest\u00e4nde und ihrer Widerspiegelung in visuellen Schweinedarstellung (ausschlie\u00dflich in Standbildern) widmet.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> Dass es sogar einen steuerlichen Unterschied macht, ob ein Tier als Nutz- oder als Haustier eingestuft wird, zeigt der 10min\u00fctige Zeichentrickfilm <i>Pigs Is Pigs<\/i> (USA 1954, Jack Kinney): Ein Stationsvorsteher bekommt zwei Meerschweinchen (<i>Guinea pigs<\/i>) angeliefert; als der Besitzer sie abholen will, werden ihm 48 Cent Geb\u00fchren berechnet, da es sich um \u201eSchweine\u201c handele; doch der Besitzer beharrt darauf, dass die Tiere Meerschweinchen und Haustiere seien, die nur 44 Cent kosten d\u00fcrften, und verweigert die Annahme; der Fall geht durch s\u00e4mtliche Instanzen, verursacht Unmengen an Papierverkehr und endet schlie\u00dflich mit der Entscheidung: Meerschweinchen sind Haustiere! In der Zwischenzeit haben die Meerschweinchen allerdings Junge bekommen; statt zwei bev\u00f6lkern inzwischen eine Million und zwei Meerschweinchen das Bahnhh\u00e4uschen; der Besitzer ist verzogen; der Stationsvorsteher l\u00e4\u00dft die Tiere zu seinen Vorgesetzten transportieren \u2013 in Zukunft wird er alle Tiere als Haustiere klassifizieren. Die Kurzgeschichte von Ellis Parker Butler (1902) wurde bereits 1910 und 1914 verfilmt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> Der \u00dcbergang ist insbesondere dann markant, wenn das Schwein vorher als Figur in einer Erz\u00e4hlstruktur gefa\u00dft worden war. Ein Beispiel ist Pigby, so der Name eines Schweins aus der Serie <i>Pushing Daisies<\/i> (2. Staffel, Episode 6: <i>Bad Habits \/ Schwestern des g\u00f6ttlichen Tr\u00fcffel<\/i>, USA 2008), das in seiner ersten Episode als M\u00f6rder einer Nonne identifiziert wurde, die in einem Kloster versucht hatte, k\u00fcnstlich wei\u00dfe Tr\u00fcffeln zu z\u00fcchten; in der Folgezeit geh\u00f6rte Pigby neben Rigby, einem Golden Retriever, zu den Haustieren einer Hauptfigur der Serie.<\/p>\n<p>Eine Individuierung von Figuren erfolgt immer dann fast automatisiert, wenn sie in narrative Strukturen oder in soziale Strukturen der dargestellten Welt eingebunden sind. Ein besonders skurriler Auftritt als Mitspieler oder sogar in einer Kernrolle ist das fernsehs\u00fcchtige Schwein \u201eArnold\u201c, das auf der Farm des Anwalts Oliver Douglas und seiner ungarischen Frau wohnt (in der Serie <i>Green Acres<\/i>, USA 1965-71).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> Ein weiteres Beispiel findet sich in <i>How to Lose Friends &amp; Alienate People<\/i> (<i>New York f\u00fcr Anf\u00e4nger<\/i>, Gro\u00dfbritannien 2008, Robert B. Weide), in dem ein Journalist mit einem Schwein am Halsband (es handele sich um \u201eBabe 3&#8243;!) \u00fcber den roten Teppich auf eine Prominenten-Party zu schmuggeln versucht.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> Wenn Schweine noch vor den Menschen an die Essensabf\u00e4lle gelassen werden (wie in dem 13min\u00fctigen brasilianischen Agitprop-Film <i>Ilha das Flores<\/i> (<i>Insel der Blumen<\/i>, 1990, Jorge Furtado), so ist dies bis heute eine scharfe Attacke gegen die Mi\u00dfachtung, die menschlicher Armut entgegengebracht wird, die die Emp\u00f6rung des Zuschauers fast unvermittelt anspricht.<\/p>\n<p>Der Effekt mag auch darin begr\u00fcndet sein, dass das Schwein im gesellschaftlichen Ansehen als schmutziger Allesfresser und als eines der niedersten Tiere gilt. Verwiesen sei auch auf den Beruf des Schweinehirten, der in der Welt der Fiktionen zu den wohl am geringsten angesehenen T\u00e4tigkeiten \u00fcberhaupt rechnet. Adel trifft auf Subproletariat \u2013 im M\u00e4rchen findet sich das Motiv mehrfach. Man denke insbesondere an <i>Die Prinzessin und der Schweinehirt<\/i> (BRD 1953, Herbert B. Fredersdorf) nach einem M\u00e4rchen von Andersen (neu als 55min\u00fctiger TV-Film adaptiert, \u00d6sterreich 1970, Florian Lepuschitz; erinnert sei auch an die 14min\u00fctige Puppenfilm-Adaption <i>Pas\u00e1<br \/>\nek vep\u00cd\u00e7<\/i>, CSSR 1958, Herm\u00edna T\u00fdrlov\u00e1). Verwiesen sei auch auf <i>Swiniopas<\/i> (<i>Schweinehirt<\/i>, Polen 2008, Wihelm Sasnal): Ein Schweinehirt fungiert als Mittelsmann zwischen der verdeckten Liebschaft zweier Bauernt\u00f6chter, nicht ohne eigene Interessen zu verfolgen, bis ein Landstreicher die M\u00e9nage \u00e0 Trois aufl\u00f6st. <i>Bice skoro propast sveta<\/i> (<i>Es regnet auf mein Dorf<\/i>, Jugoslawien 1968, Aleksandar Petrovi\u0083) erz\u00e4hlt zugleich eine bizarre Liebesgeschichte und vom Schicksal eines Schweinehirten, der von den Dorfbewohnern geplagt, betrogen und schlie\u00dflich get\u00f6tet wird; der Film ist nicht nur als Parabel menschlicher Intoleranz gegen\u00fcber Schwachen gelesen worden, sondern auch als harsche Kritik an den sozialen Verh\u00e4ltnissen in einem kommunistischen Staat.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> &lt;Bedrohung durch das Schlachten &#8211; Flucht &#8211; Rettung&gt; ist ein narratives Motiv, das sich mehrfach findet. Ein Beispiel ist <i>Das Ferkel Fritz<\/i> (BRD 1997, Peter Timm), in dem zwei Kinder, die Urlaub auf dem Bauernhof machen, ein Ferkel in ihr Herz schlie\u00dfen und ihm den Namen Fritz verleihen; sie sind fest entschlossen, das Tier mit in die Stadt zu nehmen; das Ferkel, das ein Ende als Spanferkel f\u00fcrchtet, nimmt Rei\u00dfaus; die Kinder folgen, als sie davon h\u00f6ren, und ihnen folgen die Eltern. Am Ende kommen alle Beteiligten zusammen \u2013 und das Ferkel kann im Garten der Gro\u00dfmutter weiterleben.<\/p>\n<p>Aus dem negativen Image der Tierschlachtung gewinnt auch Michael Hanekes Film <i>Bennys Video<\/i> (\u00d6sterreich\/Schweiz 1992) einen kleinen Wirkungs-Impuls, wenn der jugendliche M\u00f6rder auf dem Bauernhof von Verwandten eine Schweineschlachtung filmt und \u2013 nachdem er das Video unz\u00e4hlige Male angeschaft hat \u2013 das auf dem Hof verwendete Bolzenschu\u00dfger\u00e4t weiter\u00a0 als Mordwaffe benutzt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> Erinnert sei an den 45min\u00fctigen WDR-Film <i>Knor \u00a0Ein Schweineleben oder 110 Kilo in 25 Wochen<\/i> (BRD 2003\/04, Machteld Detmers): Die holl\u00e4ndische Filmemacherin erz\u00e4hlt das Leben eines einzelnen Tieres von seiner Geburt im Zuchtbetrieb \u00fcber den Mastbetrieb bis zum Schlachthof; Jochen Busse spricht aus dem Munde des Tieres per Voice-Over. Mit dem Problem der Schweine\u00fcberproduktion befa\u00dft sich der 45-Min\u00fcter <i>Schweine f\u00fcr den M\u00fcllcontainer<\/i> (BRD 2012, Edgar Verheyen). Schweine spielen in der Kritik der Massentierhaltung seit den fr\u00fchen 1970ern vielfach eine zentrale Rolle. So widmete Bernhard Grzimek einen Beitrag in der 119. Ausgabe seiner Reihe <i>Ein Platz f\u00fcr Tiere<\/i> (am 13.11.1973) der Schweinezucht; zu erw\u00e4hnen ist auch Horst Sterns Film <i>Bemerkungen \u00fcber das Hausschwein<\/i> aus seiner Reihe <i>Sterns Stunde<\/i> (Erstsendung 1971), der viel \u00f6ffentliche Erregung provozierte (sp\u00e4ter auch als Thema eines Buches: <i>Bemerkungen \u00fcber das Tier im Handel. Bemerkungen \u00fcber das Hausschwein<\/i>. M\u00fcnchen: Knaur 1989).<\/p>\n<p>Gegen die klare Parteilichkeit dieser Filme f\u00e4llt die Sachlichkeit \u00e4lterer Filme \u00fcber Schweinezucht und -mast deutlich auf (wie etwa in der 44min\u00fctigen deutschen Produktion <i>Die Schweinezucht<\/i>, 1935\/1936, in dem 15min\u00fctigen DEFA-Lehrfilm <i>Gro\u00dfgruppenhaltung in der Schweinemast<\/i>, DDR 1963, Ulrich Kluck, oder in dem US-amerikanischen Kurzfilm <i>Suckling Pigs<\/i> [aka: <i>Hot Meals at All Hours<\/i>], 1899, \u00fcber eine Sau und ihre zw\u00f6lf Ferkel). Hingewiesen sei auch auf den 45min\u00fctigen WDR-Dokumentarfilm <i>Arme Sau \u00a0Das Gesch\u00e4ft mit dem Erbgut<\/i> (BRD 2006, Christian Jentzsch) \u00fcber den Versuch der amerikanischen Firma Monsanto, Teile des Schweineerbgutes f\u00fcr sich patentieren zu lassen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a> Die fingierten F\u00e4lle korrespondieren durchaus realen Konflikten mit industriell aufgezogenen Schweinezucht-Betrieben; erinnert sei an die Machenschaften des holl\u00e4ndischen Tiermast-Industriellen Adrianus Straathof (genannt \u201eSchweinek\u00f6nig\u201c), der in Ostdeutschland das weltweit gr\u00f6\u00dfte Netz von Mastbetrieben aufbaut, ohne sich um beh\u00f6rdliche Vorschriften oder Abstimmung mit den Nachbarn zu k\u00fcmmern. Vgl. dazu den Beitrag <i>Es stinkt zum Himmel \u2013 Schweinez\u00fcchter auf Expansionskurs<\/i> im MDR-Magazin <i>Exakt<\/i> (Regie: Thomas Kasper, Sendung: 14.11.2012). Vgl. dazu auch Deggerich, Markus: \u201eDie Spur der Schweine\u201c (in: <i>Der Spiegel<\/i>, 3, 16.1.2012).<\/p>\n<p>Gerade in der Tatort-Reihe ist mehrfach \u00fcber die Nahrungsmittelindustrie als kriminogenes Milieu gehandelt worden. Man denke an <i>T\u00f6dliche H\u00e4ppchen<\/i> (BRD 2012, Josh Broecker) spielt in einem Schlachthof mit angeschlossener Gro\u00dfk\u00fcche; es geht um verdorbenes Fleisch. <i>Falsch verpackt<\/i> (\u00d6sterreich 2011, Sabine Derflinger) spielt in der Gefl\u00fcgel-Industrie und erz\u00e4hlt von der Umdeklarierung minderwertiger Lebensmittel zu hochwertiger Biokost. <i>Schweinegeld<\/i> (BRD 2009, Bodo F\u00fcrneisen) basiert auf der jahrelangen, mit EU-Geldern subventionierten Verschiebung verdorbenen Fleisches zwischen der Urkraine und Berlin. Es f\u00e4llt auf, dass die Filme in der Zeit nach der Jahrtausendwende deutlich h\u00e4ufiger werden, was durchaus ein Indiz f\u00fcr das wachsende \u00f6ffentliche Bewusstsein \u00fcber die \u00f6kologischen Problematiken der Nahrungsmittelindustrie ist. Schon in den 1990ern f\u00fchrte die Tatort-Folge <i>T\u00f6dliche Freundschaft<\/i> (1995, Hermann Zschoche) auf eine Schweinefabrik zur\u00fcck \u2013 man hatte genmanipulierte Schweine gez\u00fcchtet und deren Fleisch in einem Altersheim ausprobiert; der der M\u00f6rder f\u00e4llt am Ende \u00fcbrigens in einen Tank voller Schweineg\u00fclle.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a> Der Film ist unter zahlreichen Filmen in mehr oder weniger gek\u00fcrzten Fassungen gelaufen; nachweisbar waren: <i>Pigs \/ Horror Farm \/ Lynn Hart \/ The Strange Love Exorcist \/ The Strange Exorcism of Lynn Hart.<\/i><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[11]<\/a> Ein weiteres Beispiel entstammt der US-amerikanischen Serie <i>Deadwood<\/i> (2004-06), in der der Chinese Mr. Wu eine Schweinezucht betreibt; seine Schweine gelten als Delikatesse, ihr Geschmack kommt dem von Kobe-Rindern nahe \u2013 bis sich herausstellt: weil er die Tiere mit St\u00f6renfrieden, Landstreichern und anderen f\u00fcttert, die er in der N\u00e4he seines Gasthauses finden und umbringen kann.<\/p>\n<p>Zu erw\u00e4hnen ist auch die zweite Episode von Pier Paolo Pasolinis satirischer Polit-Groteske <i>Porcile<\/i> (<i>Der Schweinestall<\/i>, Italien 1969), die 1967 in der BRD spielt; ihr Held ist der Sohn eines Industriellen, der Beziehungen zu Schweinen solchen zu seiner politisch aufgekl\u00e4rten Freundin vorzieht; er wird schlie\u00dflich von den Schweinen aufgefressen; der Vater vertuscht die Umst\u00e4nde des Todes des Jungen \u2013 in der Art, wie mit derartigen Vorf\u00e4llen im Dritten Reich umgegangen wurde, in dessen Verbrechen er verstrickt war. Zu Pasolinis Film vgl. Brisolin, Viola: \u201eMartyrdom Postponed: The Subject between Law and Transgression and Beyond. Reading Pasolini&#8217;s <i>Porcile<\/i> with Lacan\u201c (in:<i> Italian Studies<\/i> 65,1, March 2010, S. 107122) sowie Frey, Mattias: \u201cReConnecting the Body \u201ain\u2018 to the Body \u201aof\u2018 Pasolini with <i>Porcile<\/i> (in: <i>Film and Sexual Politics: A Critical Reader<\/i>. Ed. by Kylo-Patrick R. Hart. Newcastle: Cambridge Scholars Press 2006, S. 128134).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[12]<\/a> Auch hier sind mehrere Titelvarianten nachweisbar: <i>Squeal \u00a0A Twisted Tail of Horror<\/i> \/ dt.: <i>Pigs<\/i> \/ dt.: <i>Pigs &#8211; Slaughter Farm<\/i> \/ dt.: <i>Squeal \u00a0Die SchweinekillerMutanten<\/i>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[13]<\/a> Mutantenwesen finden sich auch im Anime-Film. Ein Beispiel ist <i>Kurenai no Buta<\/i> (<i>Porco Rosso<\/i>, Japan 1992, Hayao Miyazaki), dessen Titelheld ein Mann mit dem Kopf eines Schweines ist; vgl. dazu Moist, Kevin M. \/ Bartholow, Michael: \u201eWhen Pigs Fly. Anime, Auteurism, and Miyazaki\u2019s <i>Porco Rosso<\/i>\u201c (in: <i>Animation<\/i> 2,1, March 2007, S. 2742), der den Film in seinen kulturellen wie \u00e4sthetischen Kontext setzt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[14]<\/a> Man denke nicht nur an das Grimmsche M\u00e4rchen vom tapferen Schneiderlein, das durch einen schlauen Trick den wilden Eber fing, vor dem sich sogar die J\u00e4ger f\u00fcrchteten (verfilmt: DDR 1956, Helmut Spie\u00df; als Puppenfilm DDR 1964, Kurt Weiler), sondern auch an die antiken Geschichten \u00fcber Herakles, der den Erymanthischen Eber fangen mu\u00dfte, oder an das Nibelungenlied, in dem Hagen einen gef\u00e4hrlichen Keiler erlegte. Und auch die <i>Edda<\/i> kommt in den Sinn, deren Helden t\u00e4glich den Keiler S\u00e4hrimnir jagen, der am n\u00e4chsten Morgen aufersteht und erneut gejagt werden kann und muss.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[15]<\/a> Eines der wenigen Beispiele ist der TV-Film <i>Tierisch verknallt<\/i> (BRD 2012, Christian Theede), in dem ein Hund und ein Schwein etwa 25 Minuten lang als Protagonisten agieren; sie wurden als Animationen in den Realfilm eingef\u00fcgt, aber schon real sprechanimiert.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[16]<\/a> Das h\u00f6chst erfolgreiche und immer noch greifbare Buch (gesch\u00e4tzte Auflage: 45 Millionen Exemplare, 23 \u00dcbersetzungen) ist bereits 1973 einmal adaptiert worden \u2013 in dem Animationsfilm <i>Charlotte&#8217;s Web<\/i> (<i>Zuckermann&#8217;s Farm \u00a0Wilbur im Gl\u00fcck<\/i>, USA 1973, Charles A. Nichols, Iwao Takamoto); dazu entstand das animierte Direct-to-Video-Sequel <i>Charlotte&#8217;s Web 2: Wilbur&#8217;s Great Adventure<\/i> (USA 2003, Mario Piluso), in dem Wilbur Freundschaft mit einem Schaf schlie\u00dft und dieses mit den drei Spinnen-T\u00f6chtern von Charlotte bekanntmacht; am Ende muss das Schaf, das auf eine andere Farm verkauft wurde, von Schwein und Spinenn gefunden und gerettet werden.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[17]<\/a> Zur Figur der Miss Piggy vgl. Fisher, Maryanne \/ Cox, Anthony: \u201eThe Uniquely Strong but Feminine Miss Piggy\u201c (in: <i>Kermit Culture. Critical Perspectives on Jim Henson&#8217;s Muppets<\/i>. Ed. by Jennifer C. Garlen. Jefferson, N.C.: McFarland 2009, S. 181-201) sowie Wasem, Erich: \u201eMiss Piggy und ihr Part auf neoaufkl\u00e4rerischer B\u00fchne\u201c (in: <i>Medien zwischen Kultur und Kult. Zur Bedeutung der Medien in Kultur und Bildung<\/i>. Zum 65. Geburtstag von Heribert Heinrichs hrsg. von Rudolf W. Keck u. Walter Thissen. Bad Heilbrunn, Obb.: Klinkhardt 1987, S. 138149). Vgl. auch die parodistische Weiterentwicklung <i>Muppets from Space<\/i> (<i>Schweine im Weltall<\/i>, USA 1999, Tim Hill), eine Star-Trek.Verulkung, in der eine Schweinecrew (bestehend aus Captain Link Ringelschwanz, Miss Piggy und dem Wissenschaftsoffizier Dr. Julius Speckschwarte) mit ihrem Raumschiff <i>USS Swinetrek<\/i> ins All fliegen, um Gonzo zu retten; der Film wurde nach diversen Episoden in der Muppets-Show (seit der 2. Staffel, 1977) konzipiert.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte eine gro\u00dfe Anzahl weiterer und vor allem neuerer Figuren aus Animationsfilmen und TV-Serien auflisten \u2013 etwa Hampton J. Pig aus den <i>Tiny Toon Adventures<\/i> (1990-92), <i>Pumbaa<\/i>, das Warzenschwein aus dem DisneyFilm <i>The Lion King<\/i> (<i>K\u00f6nig der L\u00f6wen<\/i>, 1994, Roger Allers, Rob Minkoff) und eine der beiden Hauptfiguren aus der Zeichentrickserie <i>Timon and Pumbaa<\/i> (<i>Abenteuer mit Timon und Pumbaa<\/i>, 1995-98), <i>Specky<\/i>, das Sparschwein, aus den der Computeranimation <i>Toy Story<\/i> (USA 1995, John Lasseter) und ihren Sequels, <i>Fluffy<\/i>, das Hausschwein von Eric Cartmann aus der US-Serie <i>South Park<\/i> (1997ff). Auf eine detaillierte Auflistung der verschiedenen Serien und Filme muss ich hier verzichten, zumal die japanische Anime-Tradition \u2013 der viele der Beispiele entstammen \u2013 nochmals eigene Charakter- und Bildvorstellungen von Schweinen entwickelt hat, die eigene Aufmerksamkeit verdient.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\">[18]<\/a> Wenn die Kontrolle durch den Menschen aufgehoben ist und sich eine neue Ordnung des Zusammenlebens der Tiere erst herausbilden muss, m\u00fcssen Machtk\u00e4mpfe folgen und es entsteht im schlimmsten Fall Chaos. Der aus Fiktion und Dokumentation gemischte Dokumentarfilm <i>La vie sauvage des animaux domestiques<\/i> (<i>Die wilde Farm<\/i>, Frankreich 2009, Dominique Garing, Fr\u00e9d\u00e9ric Goupil) erz\u00e4hlt von einem Geh\u00f6ft in Frankreich, das der alte Bauer, der ins Krankenhaus muss, unbeaufsichtigt zur\u00fcckl\u00e4sst; die Schweine durchbrechen ihr Gatter und holen ihr Futter bei den H\u00fchnern, der Kater macht sich erst an den Goldfisch, dann an die H\u00fchner heran, der Fuchs entdeckt die G\u00e4nse, die Schweine treffen im Wald auf Wildschweine \u2013 Chaos bricht aus; erst als die Kinder des Bauern dazukommen, kehrt wieder Ruhe ein. Der Film erz\u00e4hlt von einer Zeit der Aufhebung aller Ordnungen, von einer anarchischen Phase eines ebenso turbulenten wie komischen Dazwischen; die konservative und revolutionsskeptische Botschaft, die der Film auch illustriert, sagt aber, dass die Tiere unter den Bedingungen des Zusammenlebens auf einer Farm neue und eigene Ordnungen nicht finden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref19\" name=\"_edn19\">[19]<\/a> Vgl. dazu Sweeney, Ellen E.: \u201eMrs Nugent\u2018s Little Piggy Went to Town. Abjected Identities and the Traumatic Return in Neil Jordan\u2019s <i>The Butcher Boy<\/i>\u201c (in: <i>Cultural Dynamics<\/i> 15,3, Nov. 2003, S. 267286); Sweeney, Ellen E.: \u201ePigs! Polluting bodies and knowledge in Neil Jordan&#8217;s <i>The Butcher Boy<\/i>\u201c (in: <i>National cinema and beyond<\/i>. Ed. by Kevin Rockett &amp; John Hill. Dublin: Four Courts 2004, pp. 7788 [Studies in Irish Film. 1.]); Eldred, Laura G.: \u201eFrancie Pig vs. the Fat Green Blob from Outer Space: Horror Films and <i>The Butcher Boy<\/i>\u201c (in: <i>New Hibernia Review<\/i> 10,3, Autumn 2006, S. 5367); zum weiteren Kontext vgl. Cullingford, Elizabeth: \u201eVirgins and Mothers: Sinead O&#8217;Connor, Neil Jordan, and <i>The Butcher Boy<\/i>\u201c (in: <i>The Yale Journal of Criticism<\/i> 15,1, Spring 2002, S. 185-210). Zum Roman vgl. Potts, Donna: \u201eFrom T\u00edr na n\u00d3g to T\u00edr na Muck: Patrick McCabe&#8217;s <i>The Butcher Boy<\/i>\u201c (in: <i>New Hibernia Review \/ Iris \u00c9ireannach Nua<\/i> 3,3, Autumn 1999, S. 8395).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"homepage wulff\" href=\"http:\/\/www.ndl-medien.uni-kiel.de\/personal\/professoren\/hans-juergen_wulff\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hans J\u00fcrgen Wulff<\/a> ist Professor f\u00fcr Medienwissenschaft an der Universit\u00e4t Kiel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vieldeutige Wesen<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[754,755,934,2090],"class_list":["post-6647","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-filmanalyse","tag-filmgeschichte","tag-hans-j-wulff","tag-schwein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6647","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6647"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6647\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6647"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6647"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6647"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}