{"id":6846,"date":"2017-06-12T08:30:28","date_gmt":"2017-06-12T06:30:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=6846"},"modified":"2017-06-12T08:30:28","modified_gmt":"2017-06-12T06:30:28","slug":"camp-nostalgie-queernessvon-stefanie-roenneke12-6-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2017\/06\/12\/camp-nostalgie-queernessvon-stefanie-roenneke12-6-2017\/","title":{"rendered":"Camp, Nostalgie, Queernessvon Stefanie Roenneke12.6.2017"},"content":{"rendered":"<p>H\u00f6her und niedriger?<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">[Auszug aus dem Buch \u00bb<a title=\"buchhinweis\" href=\"http:\/\/www.posth-verlag.de\/reihen\/schriften-zur-popkultur\/roenneke-camp\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Camp als Konzept<\/a>\u00ab, Posth Verlag, 2017]<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Wegen der Bedeutung der Popul\u00e4rkultur f\u00fcr viele Camp-Konzeptualisierungen der 1960er Jahre wurde \u203aCamp\u2039 auch in den Wissenschaften in ein Verh\u00e4ltnis zu massenhaft produzierten G\u00fctern der Popul\u00e4rkultur gestellt. Der Begriff \u203aCamp\u2039 wird unter anderem zur Erl\u00e4uterung der avantgardistischen Aneignung popul\u00e4rer Kultur und der Erweiterung des intellektuellen Interesses durch den so genannten \u203abad taste\u2039 verwendet. \u203aCamp\u2039 wird eine entscheidende Rolle in der Neubeschreibung zeitgen\u00f6ssischer Geschmackscodes und eine zentrale Position innerhalb der Evolution der Popkultur attestiert. Dem gegen\u00fcber steht die Annahme, dass Camp die\u00a0progessive Rolle innerhalb der Popkultur und eine kritische Rolle in Bezug auf die herrschende Kultur verliert &#8211; aus\u00a0\u203aCamp\u2039 werde \u203aCheese\u2039. Diesen Positionen soll im Folgenden nachgegangen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Neubeschreibung zeitgen\u00f6ssischer Geschmackscodes<\/p>\n<p>Bereits Susan Sontag begr\u00fcndet die nostalgische Note von Camp: \u00bbTime liberates the work of art from moral relevance, delivering it over to the Camp sensibility\u00ab<sup>1<\/sup> . F\u00fcr Andrew Ross wiederum entsteht der Camp-Effekt, wenn Produkte eines fr\u00fcheren Produktionsmodus nutzbar gemacht werden: \u00bbThe camp effect, then, is created not simply by change in the mode of cultural production, but rather when the products (stars, in this case) of a much earlier mode of production, which has lost its power to dominate cultural meanings, become available, in the present, for redefinition according to contemporary codes of taste.\u00ab<sup>2<\/sup><\/p>\n<p>[youtube id=&#8220;LJ9D0UHP7x4&#8243; align=&#8220;center&#8220; mode=&#8220;normal&#8220; autoplay=&#8220;no&#8220;]<\/p>\n<p>Daher bestehe die Funktion von Camp in einer Neubeschreibung zeitgen\u00f6ssischer Geschmackscodes:<sup>3<\/sup> \u00bbCamp, in this respect, is the re-creation of surplus value from forgotten times of labor\u00ab<sup>4<\/sup> . Camp sei charakterisiert durch eine Sichtbarmachung des historischen Verbrauchs und unterscheide sich gegen\u00fcber Pop folgenderma\u00dfen: \u00bbIn reviving period style, or elements of a period style that were hopelessly, and thus safely, dated, camp acted as a kind of memento mori , a reminder of Pop\u2019s own future oblivion, as I have argued, Pop contains within itself.\u00ab<sup>5<\/sup><\/p>\n<p>Bereits George Melly betonte Anfang der 1970er Jahre in \u00bbRevolt into Style. The Pop Arts\u00ab<sup>6<\/sup> , dass Camp eine zentrale Position in einem transitorischen Moment innerhalb der Evolution der Popkultur einnimmt: \u00bbit\u2019s central to almost every difficult transitional moment in the evolution of pop culture\u00ab<sup>7<\/sup> . Welchen Bestimmungen Camp in Pop nun unterliegt, fasst Melly mit bekannten Formulierungen zusammen: \u00bb\u203adated and\/or ridiculous\u2039 and yet somehow available\u00ab<sup>8<\/sup> . Camp habe dabei \u203ageholfen\u2039, dass Pop sein Referenzsystem erweitern konnte: \u00bbIt allowed pop to expand its terms of reference, its bank of images\u00ab<sup>9<\/sup> . Dank Camp habe Pop einen Bogen um den guten Geschmack gemacht und Vulgarit\u00e4t zuru\u0308ck in die Popkultur gebracht. Doch bereits Anfang der 1970er kommt Melly zu dem Schluss, dass Camp zu einem ermu\u0308denden Manierismus geworden sei.<sup>10<\/sup><\/p>\n<p>Die Rolle von Camp innerhalb eines transitorischen Moments innerhalb der Popkultur ist auch bei Dick Hebdige in \u00bbSubculture. The Meaning of Style\u00ab<sup>11<\/sup> von Relevanz. Hebdige fokussiert jedoch die Wandlung der Geschlechterdarstellungen, die eine zentrale Rolle innerhalb des Camp-Konzeptes spielen. Der Terminus \u203aCamp\u2039 wird am Beispiel des S\u00e4ngers David Bowie und seinen \u00bb\u203acamp\u2039 incarnations\u00ab<sup>12<\/sup> in den 1970er Jahren verwendet. Bowies verk\u00f6rperte Figuren st\u00fcnden f\u00fcr eine \u00e4sthetische Weltwahrnehmung, die einen Gegensatz zur \u203awahren\u2039 Welt markierte. Das betreffe insbesondere die Abwesenheit einer politischen oder gegenkulturellen Position.<sup>13<\/sup> Durch diese Attribute wird Camp erneut als \u00c4sthetizismus skizziert und der gesellschaftliche Einfluss eingeschr\u00e4nkt. Doch es wird auch betont, dass diese Perspektive einen Freiraum f\u00fcr Ver\u00e4nderung er\u00f6ffnet habe \u2013 hier die Frage nach Geschlechtlichkeit. Hebdige konstatiert, dass es im Glam Rock eine \u00c4nderung der subversiven Inhalte innerhalb der Rock-Musik gab \u2013 weg von Klassenfragen und Haltung der Jugendlichkeit hin zu Sexualit\u00e4t und geschlechtlicher Typisierung.<sup>14<\/sup> Bowies Fantasy- und Science-Fiction-Rollen wird zugesprochen, unter anderem die Flucht vor Klasse und Geschlecht als \u203aMeta-Message\u2039 zu besitzen.<\/p>\n<p>[youtube id=&#8220;wGb8WzcAlzE&#8220; align=&#8220;center&#8220; mode=&#8220;normal&#8220; autoplay=&#8220;no&#8220;]<\/p>\n<p>Diese Argumentation verfolgt genauer Van M. Cagle in einem 2006 erschienenen Aufsatz, der sich r\u00fcckblickend mit Glitter Rock auseinandersetzt. \u00c4hnlich wie Dick Hebdige kommt Cagle bez\u00fcglich Bowie zu folgender Schlussfolgerung: \u00bbSo verschob Glitter den Ansatzpunkt des Rock and Roll von den manifesten sozialen und politischen Themen der sp\u00e4ten Sechziger hin zu einer eher ichbezogenen Politik der Selbstidentifikation und lotete die M\u00f6glichkeiten des Selbst oder des Einzelnen aus, die rigiden Gender- und Sexualit\u00e4tskonstruktionen zu subvertieren und zu manipulieren\u00ab.<sup>15<\/sup><\/p>\n<p>Bowie, der einen \u00bbmethodischeren und raffinierteren Camp-Stil\u00ab<sup>16<\/sup> gepflegt habe, habe bestimmte Geschlechterzuordnungen unterlaufen, indem er androgyne B\u00fchnenpers\u00f6nlichkeiten geschaffen habe und gleichzeitig \u00bbdie Grenzlinien zwischen seiner wirklichen Person und dem B\u00fchnencharakter Ziggy Stardust verwischte\u00ab<sup>17<\/sup> . Folglich habe Glitter keine Homo- oder Bisexualit\u00e4t propagiert, sondern das, \u00bbwas wir heute Queerness nennen\u00ab<sup>18<\/sup>.<\/p>\n<p>Wie bei Hebdige spielt auch bei Cagle der durch Camp-Strategien (\u00bbTaft-Capes, M\u00e4nnerkleider, einteilige Jumper und \u203aSpace Make-up\u2039\u00ab<sup>19<\/sup>) erzeugte Freiraum eine gro\u00dfe Rolle. Denn erst dieser erm\u00f6gliche es, \u00bbeinen Raum zur Destabilisierung, Ersch\u00fctterung und Aushebelung von heterosexuellen Konstruktionen und Geschlechtertypisierungen\u00ab<sup>20<\/sup> zu schaffen: die Entkoppelung vom g\u00e4ngigen Mainstream als Notwendigkeit zur Formierung einer alternativen Perspektive. Die Verschachtelung von \u00c4sthetizismus und gesellschaftlichem Einfluss scheint dabei kein Widerspruch zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Kritik an der Massenkultur<\/p>\n<p>Thomas K\u00fcpper und Chuck Kleinhans erweitern den Ansatz, dass Camp durch die Aufwertung von minderwertigen Kulturg\u00fctern f\u00fcr eine Neubeschreibung zeitgen\u00f6ssischer Geschmackscodes stehen kann, durch eine kritische Perspektive, die von Camp ausgeht. Gem\u00e4\u00df K\u00fcpper ist es durch Camp m\u00f6glich, eine Nicht-Urspr\u00fcnglichkeit zur Schau zu stellen. Wenn Kitsch das Abgegriffene als origin\u00e4r, echt, wahr und spontan ausgebe, dann erweise Camp die Kategorie des Originals als fragw\u00fcrdig. Camp verdeutliche, \u00bbdass die \u203aSubstanz\u2039 der reaktualisierten Formen zu einem Schema geworden ist\u00ab<sup>21<\/sup> . Denn Kitsch, so K\u00fcpper, kennzeichne sich durch die Wiederverwendung lange etablierter Formen. Hierbei handle es sich um Muster, die in ihrer Variation h\u00f6chst standardisiert seien. K\u00fcpper beschreibt Camp dahingehend, dass Performativit\u00e4t deutlich werde. \u00bb[Camp] h\u00f6hlt die g\u00e4ngigen Setzungen aus, indem es vorf\u00fchrt, dass die wiederum g\u00e4ngigen Setzungen, nicht aber vorg\u00e4ngigen Wahrheiten folgen. Zur Demonstration zieht Camp insbesondere Kitsch-Elemente heran: Figuren, die so standardisiert sind, dass sie ohnehin dem Verdacht unterliegen, substanzlos zu sein.\u00ab<sup>22<\/sup><\/p>\n<p>Bereits Chuck Kleinhans hat hervorgehoben, dass sich Camp durch die Transformation von Massenkultur auszeichnet. Um das zu verdeutlichen, spricht Kleinhans von dem Kitschaspekt der Massenkultur. Er geht davon aus, dass kommerzielle Kultur nur noch auf sich selbst Bezug nimmt. Demzufolge w\u00fcrden industriell reproduzierte G\u00fcter, die auf traditioneller Kultur beruhen, immer nur auf den schon vorher konstituierten Standard verweisen.<sup>23<\/sup> Im Gegensatz dazu sei Camp eine Herausforderung vorherrschender Kultur, weil es eine kontr\u00e4re Position gegen\u00fcber der Massen- und Medienkultur besetze.<sup>24<\/sup> In diesem Sinne w\u00fcrde Camp eine Kritik an der Massenkultur implizieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u203aMass Camp\u2039<\/p>\n<p>Barbara Klinger diskutiert Camp im Zusammenspiel von medialen Events und sozialen Entwicklungen, wodurch sich Camp zu einem allgegenw\u00e4rtigen Ph\u00e4nomen entwickelt hat und \u00bbmass camp\u00ab entstanden sei.<sup>25<\/sup> Diese Entwicklung f\u00fchrt sie auf die Ver\u00f6ffentlichung von Susan Sontags Essay zur\u00fcck, aber auch auf die wachsende Bedeutung der Massenkultur sowie bestimmte Entwicklungen innerhalb dieser. Grundlegend ist f\u00fcr sie eine Demokratisierung innerhalb der Kultur zugunsten eher mittelm\u00e4\u00dfiger Kulturg\u00fcter. Das f\u00fchrt sie auf das Medienrecycling nach dem Zweiten Weltkrieg zur\u00fcck: Dieses habe unter anderem eine \u203acampy\u2039 Perspektive auf alte Hollywoodfilme gef\u00f6rdert. Durch zahlreiche Wiederholungen im Fernsehen und die Fernsehadaption klassischer Kinothemen wie Western sei der Zuschauer f\u00fcr die Erz\u00e4hlweise und den formalen Stil fr\u00fcherer Filme sensibilisiert worden: \u00bbThe mass camp sensibility entered mainstream culture ready to adore the mediocre, laugh at the overconventionalized, and critique archaic sex roles\u00ab<sup>26<\/sup>. Die Verbindung zwischen den Massenmedien und der \u00bbCamp-Attit\u00fcde\u00ab in Bezug auf das Kino werde besonders an den Produkten deutlich, in denen Stars und Filme parodiert werden<sup>27<\/sup>: \u00bbThese and other popular manifestations of camp attitudes have led to a greater awareness of prior conventions through parody, creating an intricate relation between convention and past. Mass camp, that is, has encouraged a sensibility that views past Hollywood films as inadvertent campy send-ups.\u00ab<sup>28<\/sup><\/p>\n<p>[youtube id=&#8220;UV4GsIe7Kvw&#8220; align=&#8220;center&#8220; mode=&#8220;normal&#8220; autoplay=&#8220;no&#8220;]<\/p>\n<p>Zudem sei es nach der Ver\u00f6ffentlichung von Sontags Camp-Essay innerhalb der Rockmusik zu einer starken Beeinflussung durch Camp-Auffassungen gekommen: David Bowie, The Kinks, Mick Jagger oder Lou Reed h\u00e4tten Aspekte des Dandyismus und des Crossdressing gewinntr\u00e4chtig angenommen.<sup>29<\/sup><\/p>\n<p>\u00bbMass camp\u00ab zeichne sich zwar auch durch die Infragestellung einer traditionellen \u00c4sthetik und sexueller Konventionen aus und teile das mit \u203atraditionellem\u2039 Camp. Jedoch fehle jenem \u00bbmass camp\u00ab der politische Biss. Dar\u00fcber hinaus f\u00fchre es zu keiner Gruppenidentit\u00e4t mehr. Daher versteht Klinger \u00bbmass camp\u00ab als einen fl\u00fcchtigen Trend<sup>30<\/sup> , der sich dem widmet, was gegenw\u00e4rtig mittelm\u00e4\u00dfig erscheint: \u00bbMass camp gains its pleasures in a sporadic manner, dipping in and out of the text, selecting those moments for response that seem especially antiquated to the contemporary eye.\u00ab<sup>31<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Camp und Cheese<\/p>\n<p>Diese Problematik spiegelt sich innerhalb einer Debatte Anfang der 1990er Jahre in den USA wieder. Wie in den 1960er Jahren wird die Entwicklung von Camp \u2013 von einer obskuren Sensibilit\u00e4t einer Minderheit hin zu einem allgemeinen Ph\u00e4nomen \u2013 festgestellt und mit einer Pr\u00e4ferenz des schlechten Geschmacks in Verbindung gesetzt: \u00bbCamp, an ironic taste for the outrageously tasteless, has gone from being an obscure sensibility with murky roots in the gay subculture to a cultural mainstay\u00ab<sup>32<\/sup>, stellt Gareth G. Cook in \u00bbThe Dark Side of Camp\u00ab fest. Auch Glasgow Philips macht Camp als einen festen Bestandteil der Popkultur aus<sup>33<\/sup>, er beklagt jedoch, dass Camp langweilig geworden sei.<\/p>\n<p>Philips bedauert insbesondere, dass die Camp-Erlebnisweise f\u00fcr jedermann zug\u00e4nglich ist: \u00bbAnd now that we all have access to that mode, it is cheap, as banal as the objects upon which it was originally turned.\u00ab<sup>34<\/sup> Als Indizien nennt Cook das Gefallen an alten Filmen, die als \u00bbKult-Klassiker\u00ab in den Videotheken gef\u00fchrt werden, oder die Popularit\u00e4t von TV-Shows und Filmen, in denen B-Movies humoristisch verarbeitet werden.<sup>35<\/sup> Ein besonderes Augenmerk legt Cook zudem auf die Popularit\u00e4t von stilistischen Merkmalen der wei\u00dfen amerikanischen Unterschicht: \u00bbIntegral to the camp sensibility is a mocking and superior attitude toward the lower classes, especially poor whites.\u00ab<sup>36<\/sup><\/p>\n<blockquote class=\"instagram-media\">\n<div style=\"padding: 8px\">\n<div style=\"background: #F8F8F8;line-height: 0;margin-top: 40px;padding: 50.0% 0;text-align: center;width: 100%\"><\/div>\n<p style=\"color: #c9c8cd;font-family: Arial,sans-serif;font-size: 14px;line-height: 17px;margin-bottom: 0;margin-top: 8px;overflow: hidden;padding: 8px 0 7px;text-align: center\"><a style=\"color: #c9c8cd;font-family: Arial,sans-serif;font-size: 14px;font-style: normal;font-weight: normal;line-height: 17px;text-decoration: none\" href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/BGffy39zZu0\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ein Beitrag geteilt von Von Dutch Official Page (@von_dutch_official)<\/a> am 10. Jun 2016 um 16:18 Uhr<\/p>\n<\/div>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: left\">Philips konzentriert sich mehr auf TV-Shows von Aaron Spelling, der unter anderem \u00bbBeverly Hills 90210\u00ab produziert hat. Joshua Glenn merkt jedoch kritisch an, dass diese Autoren nicht Camp, sondern \u00bbCheese\u00ab<sup>37<\/sup> beschreiben w\u00fcrden. Zu Cook hei\u00dft es: \u00bbNo: cheese\u2019s detachment is everywhere; cheese is a way of avoiding choices and responsibility. If a thoughtful writer like Cook is confused, just imagine how muddled others are.\u00ab<sup>38<\/sup> Der Unterschied liegt f\u00fcr Glenn zum einen in der Haltung des Akteurs. Cheese sei ein sarkastischer Abwehrmechanismus. Zum anderen basiere Cheese auf niederen Formen und Camp auf h\u00f6heren Formen der Absurdit\u00e4t: \u00bb<em>Cheese is a sensibility predicated upon lower forms of absurdity; camp is predicated upon higher ones<\/em><em>.<\/em>\u00ab<sup>39<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Michiko Kakutani \u00e4u\u00dfert sich weniger kryptisch. Seiner Meinung nach liege die entscheidende Differenz zwischen Camp und Cheese darin, dass sich Camp bei marginalen Ausdrucksformen bediene, Cheese jedoch in der Popkultur fest verankert sei: \u00bbCheese gravitates toward the best-known phenomena of pop culture\u00ab<sup>40<\/sup>. Zudem w\u00fcrde sich Cheese ausschlie\u00dflich auf das vors\u00e4tzlich Vulg\u00e4re und Tr\u00fcgerische beziehen. Bez\u00fcglich der Haltung des Akteurs greift Kakutani auf Sontag zur\u00fcck, dass Camp ein zartes Gef\u00fchl sei: \u00bbCamp tends to be inclusive and generous, whereas Cheese tends to be judgmental, cynical and detached. [&#8230;] \u203aCamp is a tender feeling.\u2039 This is not true of Cheese, a more mean-spirited, mocking esthetic.\u00ab<sup>41<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Literatur<\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><small>1 Susan Sontag, Notes on \u203aCamp\u2039 [1964], in: dies., Against Interpretation, and other Essays, New York 2001, 275-292, hier 285.<br \/>\n2 Andrew Ross, No Respect. Intellectuals and Popular Culture, New York 1989, 139.<br \/>\n3 Ebenso ist Frank Illing der Meinung, dass fu\u0308r den Camp-Geschmack neue \u00e4sthetische Wertma\u00dfst\u00e4be, gegenu\u0308ber modischen, kommerziellen, sowie Schund- und Massenkultur, kennzeichnend ist. Vgl. ders., Kitsch, Kommerz und Kult, Konstanz 2006, 228.<br \/>\n4 Andrew Ross, No Respect. Intellectuals and Popular Culture, New York 1989, 151.<br \/>\n5 Ebd., 152.<br \/>\n6 George Melly, Revolt into Style. The Pop Arts, New York 1971.<br \/>\n7 Ebd., 177.<br \/>\n8 Ebd.<br \/>\n9 Ebd.<br \/>\n10 Vgl. ebd., 177.<br \/>\n11 Dick Hebdige, Subculture, The Meaning of Style, London und New York 1979.<br \/>\n12 Ebd., 60.<br \/>\n13 Vgl. ebd., 61.<br \/>\n14 Vgl. ebd., 61-62.<br \/>\n15 Van M. Cagle, Glitter Rock, Kontext und Identit\u00e4tspolitik, in: Diedrich Diederichsen u.a. (Hg.), Golden Years. Materialien und Positionen zu queerer Subkultur und Avantgarde zwischen 1959 und 1974, Graz 2006, 283-295, hier 290.<br \/>\n16 Ebd., 292.<br \/>\n17 Ebd., 294.<br \/>\n18 Ebd., 286.<br \/>\n19 Ebd., 292.<br \/>\n20 Ebd., 290.<br \/>\n21 Thomas Ku\u0308pper, \u00bbIst es wahre Liebe&#8230;?\u00ab Kitsch und Camp aus evelutionstheoretischer Sicht, in: Sabine Kampmann u.a. (Hg.), Gender Studies und Systemtheorie, Bielefeld 2004, 141-158, hier 149.<br \/>\n22 Ebd.<br \/>\n23 Chuck Kleinhans, Taking out the Trash. Camp and the Politics of Parody, in: Moe Meyer (Hg.), The Politics and Poetics of Camp, London 1984, 182-201, hier 188.<br \/>\n24 Ebd.<br \/>\n25 Vgl. Barbara Klinger, Melodrama and Meaning. History, Culture and the Films of Douglas Sirk, Bloomington und Indianapolis 1994, 137ff.<br \/>\n26 Vgl. ebd., 139.<br \/>\n27 Als Beispiele nennt sie \u00bbThe Tonight Show\u00ab, \u00bbThe Carol Burnett Show\u00ab, \u00bbSaturday Night Live\u00ab, \u00bbSecond City TV\u00ab, \u00bbMystery Science Theater 3000\u00ab.<br \/>\n28 Vgl. ebd., 134.<br \/>\n29 Vgl. ebd., 138.<br \/>\n30 Vgl. ebd., 140.<br \/>\n31 Ebd., 142.<br \/>\n31 Gareth G. Cook, The Dark Side of Camp. Why Irony and Detachment sometimes Add up to Nastiness and Snobbery, in: The Washington Monthly, September 1995, Artikel online unter: http:\/\/www.washingtonmonthly.com\/features\/archives\/9509.cook.html.<br \/>\n33 Vgl. Glasgow Philips, Shiny Adidas Tracksuits and the Death of Camp, in: Might Magazine (Hg.), Shiny Adidas Tracksuits and the Death of Camp and other Essays, New York 1998, 35-40.<br \/>\n34 Ebd., 39.<br \/>\n35 Vgl. ebd.<br \/>\n36 Gareth G. Cook, The Dark Side of Camp. Why Irony and Detachment sometimes Add up to Nastiness and Snobbery, in: The Washington Monthly, September 1995, Artikel online unter: http:\/\/www.washingtonmonthly.com\/features\/archives\/9509.cook.html.<br \/>\n37 \u00bbCheesy\u00ab wird mit \u00bbcorny, tacky\u00ab beschrieben. Della Thompson (Hg.), The Concise Oxford Dictionary of Current English, 9. Auflage, Oxford 1998, 224. Der Begriff kann mit \u203aabgedroschen, bl\u00f6d, kitschig schmalzig\u2039 oder \u203ageschmacklos, sch\u00e4big, kitschig\u2039 u\u0308bersetzt werden.<br \/>\n38 Joshua Glenn, Camp, Kitsch &amp; Cheese, in: Hermenaut 11\/12 (1997), Artikel online unter: http:\/\/hilobrow.com\/2010\/06\/05\/camp-kitsch-cheese\/.<br \/>\n39 Ebd.<br \/>\n40Michiko Kakutani, Critic\u2019s Notebook. First there Was Camp. Now there\u2019s Cheese, in: New York Times, 07.08.1992, Artikel online unter: http:\/\/www.nytimes.com\/1992\/08\/07\/ arts\/critic-s-notebook-first-there-was-camp-now-there-s-cheese.html.<br \/>\n41 Ebd.<br \/>\n<\/small><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00bbCamp als Konzept\u00ab von Stefanie Roenneke ist im <a href=\"http:\/\/www.posth-verlag.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Posth-Verlag<\/a> erschienen. Bei dem ver\u00f6ffentlichten Auszug handelt es sich (mit Ausnahme des ersten Absatzes) um die Kapitel 6.2. bis 6.5 (S. 91-97).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00f6her und niedriger?<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[410,430,865,1845,1931],"class_list":["post-6846","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-camp","tag-cheese","tag-geschmacksurteil","tag-popkultur","tag-queer"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6846","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6846"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6846\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6846"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6846"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6846"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}