{"id":6994,"date":"2017-07-02T13:02:10","date_gmt":"2017-07-02T11:02:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=6994"},"modified":"2017-07-02T13:02:10","modified_gmt":"2017-07-02T11:02:10","slug":"der-wahlkampf-auf-instagram-2von-wolfgang-ullrich02-7-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2017\/07\/02\/der-wahlkampf-auf-instagram-2von-wolfgang-ullrich02-7-2017\/","title":{"rendered":"Der Wahlkampf auf Instagram (2)von Wolfgang Ullrich2.7.2017"},"content":{"rendered":"<p>Martin Schulz in der Schule<!--more--><\/p>\n<p>Der Bundestagswahlkampf 2017 ist der erste, in dem auch Bilder der Sozialen Medien, vor allem Bilder auf den Instagram-Accounts von Parteien und Abgeordneten eine Rolle spielen. Statt nur Reden zu halten oder Kundgebungen zu veranstalten, machen Politikerinnen und Politiker mittlerweile also auch zunehmend selbst Bilder, um f\u00fcr ihre Botschaften zu werben. Bis zur Bundestagswahl wird Wolfgang Ullrich\u00a0einzelne dieser Bilder in loser Folge genauer betrachten und Instagram als\u00a0Medium politischer Ikonografie in der Phase seiner Entstehung begleitend kommentieren.<\/p>\n<p>Teil 2 der Kooperation\u00a0von <a href=\"https:\/\/ideenfreiheit.wordpress.com\">Ideenfreiheit<\/a> und pop-zeitschrift.de<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/BV64UCmFxGs\/?taken-by=martinschulzspd\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6995\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/07\/Bildschirmfoto-2017-07-02-um-12.48.13.png\" alt=\"Bildschirmfoto 2017-07-02 um 12.48.13\" width=\"697\" height=\"446\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/07\/Bildschirmfoto-2017-07-02-um-12.48.13.png 697w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/07\/Bildschirmfoto-2017-07-02-um-12.48.13-300x192.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 697px) 100vw, 697px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Als Instagram im Jahr 2010 gegr\u00fcndet wurde, verdankte die App ihre ersten Erfolge Filtern, die jedem Foto per Klick eine andere T\u00f6nung und Atmosph\u00e4re verleihen. Millionen von Usern machte es Spa\u00df, Bildern einen Gelbstich zu geben, so als seien sie schon Jahrzehnte alt, oder man veredelte sie durch einen Sepiaton oder mit einem k\u00fcnstlerischen Schwarz-Wei\u00df, so als w\u00e4ren es Vintage-Prints aus einer Galerie. Am beliebtesten aber waren Filter mit Polaroid-\u00c4sthetik, an die Instagram auch mit dem quadratischen Format der Fotos ankn\u00fcpfte. Das sollte eine Hommage an jene Bildkultur sein, in der Fotos erstmals nicht nur schnell zu produzieren, sondern auch schnell sichtbar zu machen waren. Zugleich assoziiert man mit Polaroids die Freude, die es bedeutete, gemeinsam mit anderen zu schauen, wie sich ein Foto entwickelte. Beides \u2013 das Tempo und die sozial-kommunikative Dimension von Bildern \u2013 hat sich durch die digitalen M\u00f6glichkeiten nochmals erheblich gesteigert.<\/p>\n<p>Instagram ist aber l\u00e4ngst weit mehr als ein Nachfolger von Polaroid, was sich auch daran zeigt, dass die Filter nicht mehr oft genutzt werden. Aber manchmal kommen sie doch noch zum Einsatz. So etwa bei einem Foto, das am 29. Juni 2017 auf dem Instagram-Account von Martin Schulz hochgeladen wurde. Man sieht den SPD-Kanzlerkandidaten hier in einem Klassenzimmer einer Berliner Oberschule, und der begleitende Text informiert, dass er eine \u201eVertretungsstunde im Fach Politik\u201c hielt, also in die Rolle eines Lehrers schl\u00fcpfte, was Hashtags wie #lehrer und #lehrerleben noch unterstreichen. Abgesehen davon, dass es entweder zu profan oder zu kokett, in jedem Fall aber nicht angemessen anmutet, wenn der Mann, der sich um das m\u00e4chtigste Amt der Republik bewirbt, so tut, als springe er als Aushilfe f\u00fcr ausfallenden Unterricht ein, ist erst recht unpassend, wie das Foto mit einem Filter bearbeitet wurde.<\/p>\n<p>Es handelt sich um den Filter \u201aNashville\u2018, der die Farben w\u00e4rmer erscheinen l\u00e4sst und Kontraste mildert. Empfohlen wird er, wenn man einem Bild einen nostalgischen Retro-Look verpassen will. Sollte es hier um ein Feuerzangenbowlengef\u00fchl gehen, und Martin Schulz wollte noch einmal nacherleben, wie es in seiner eigenen Schulzeit war? Aber was bringt eine solche Verkl\u00e4rung? Statt die Gegenwart sentimental in die Vergangenheit zur\u00fcckzuversetzen, m\u00fcsste ein Kanzlerkandidat doch Bilder einer besseren Zukunft heraufbeschw\u00f6ren, die er realisieren will. Oder er m\u00fcsste zumindest sichtbar machen, wo aktuelle Defizite liegen, m\u00fcsste zuspitzen und skandalisieren. Was also soll der Hashtag #gerechtigkeit, das Leitthema des SPD-Wahlkampfs, in Verbindung mit einem Foto, das durch den Filter so harmlos und r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt geworden ist, dass es garantiert niemanden zu irgendeinem Handeln, ja gar zu mehr Engagement und Kampfeswillen motiviert? Die User von \u201aNashville\u2018 \u201edon\u2019t try too hard in life\u201c, hei\u00dft es vielmehr <a href=\"http:\/\/blog.marketo.com\/2013\/03\/what-your-instagram-filter-says-about-you-infographic.html?fullsize=http:\/\/blog.marketo.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/What-Your-Instagram-Filter-Says-About-You3.png\">auf einem Marketing-Blog<\/a>, auf dem verschiedene Instagram-Filter charakterisiert werden.<\/p>\n<p>Der Account von Martin Schulz wurde im M\u00e4rz 2014 angelegt, als er Spitzenkandidat der Europ\u00e4ischen Sozialisten f\u00fcr die Europawahl war. Nach der Wahl im Mai 2014 wurde er nicht mehr weiter gepflegt, erst im Februar 2017, als Schulz das Amt des Kanzlerkandidaten \u00fcbernahm, wurde man wieder aktiv. Der Account ist also, anders als bei etlichen anderen Politikern, ein eindeutiges Wahlkampfinstrument. Umso merkw\u00fcrdiger, wie unentschieden alles auf diesem Account wirkt: Die Abst\u00e4nde, in denen Bilder gepostet werden, sind h\u00f6chst unterschiedlich, die Bildsprachen divergieren, es gibt weder wirklich interessantes Backstage-Material noch attraktive, effektorientierte Inszenierungen eines Spitzenpolitikers, schlie\u00dflich mangelt es auch an einer klaren \u2013 witzigen oder programmatischen \u2013 Hashtagpolitik. Dem Chef einer Werbeagentur kann man also nur zustimmen, <a href=\"https:\/\/www.wuv.de\/marketing\/wahlkampf_in_deutschland_die_spd_ist_wie_karstadt\">der k\u00fcrzlich meinte<\/a>, gerade die SPD habe bisher \u201everpennt\u201c, welche M\u00f6glichkeiten die Sozialen Medien f\u00fcr den Wahlkampf bieten. Also: ab in die Schule und nachsitzen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Wahlkampf auf Instagram:<br \/>\nTeil 1:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2017\/06\/28\/der-wahlkampf-auf-instagram-1von-wolfgang-ullrich28-6-2017\/\">Mit dem\u00a0Regenbogenherz ins politische Sommerm\u00e4rchen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Martin Schulz in der Schule<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[1082,1195,1465,1799,2164,2490],"class_list":["post-6994","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-instagram","tag-kanzlerkandidat","tag-martin-schulz","tag-politik","tag-social-media","tag-wahlkampf"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6994","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6994"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6994\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6994"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6994"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6994"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}