{"id":7054,"date":"2017-07-09T12:09:06","date_gmt":"2017-07-09T10:09:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=7054"},"modified":"2017-07-09T12:09:06","modified_gmt":"2017-07-09T10:09:06","slug":"der-wahlkampf-auf-instagram-3von-wolfgang-ullrich9-7-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2017\/07\/09\/der-wahlkampf-auf-instagram-3von-wolfgang-ullrich9-7-2017\/","title":{"rendered":"Der Wahlkampf auf Instagram (3)von Wolfgang Ullrich9.7.2017"},"content":{"rendered":"<p>Wochenende eines protestantischen L\u00e4ufers<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Bundestagswahlkampf 2017 ist der erste, in dem auch Bilder der Sozialen Medien, vor allem Bilder auf den Instagram-Accounts von Parteien und Abgeordneten eine Rolle spielen. Statt nur Reden zu halten oder Kundgebungen zu veranstalten, machen Politikerinnen und Politiker mittlerweile also auch zunehmend selbst Bilder, um f\u00fcr ihre Botschaften zu werben. Bis zur Bundestagswahl wird Wolfgang Ullrich\u00a0einzelne dieser Bilder in loser Folge genauer betrachten und Instagram als\u00a0Medium politischer Ikonografie in der Phase seiner Entstehung begleitend kommentieren.<\/p>\n<p>Teil 3 der Kooperation\u00a0von <a href=\"https:\/\/ideenfreiheit.wordpress.com\">Ideenfreiheit<\/a> und pop-zeitschrift.de<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/BWTCxZDgKLn\/?taken-by=petertauber\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-7055\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/07\/Bildschirmfoto-2017-07-09-um-11.57.14.png\" alt=\"Bildschirmfoto 2017-07-09 um 11.57.14\" width=\"694\" height=\"445\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/07\/Bildschirmfoto-2017-07-09-um-11.57.14.png 694w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/07\/Bildschirmfoto-2017-07-09-um-11.57.14-300x192.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 694px) 100vw, 694px\" \/><\/a><\/p>\n<p>F\u00fcr den CDU-Generalsekret\u00e4r Peter Tauber war es wohl eine seiner unangenehmsten Wochen. <a href=\"https:\/\/twitter.com\/petertauber\/status\/881966006138220544\">Ein Tweet am Montagabend<\/a>, wonach Leute mit Minijobs selbst schuld an ihrer Lage seien, weil sie nichts \u201eOrdentliches gelernt haben\u201c, l\u00f6ste einen Shitstorm aus: Weltfremdheit, Zynismus, soziale K\u00e4lte \u2013 dies und etliches mehr wurde Tauber vorgeworfen. Und was soll heutzutage \u00fcberhaupt etwas \u201aOrdentliches\u2019 sein, fragte nicht nur <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/web\/digitalisierung-der-arbeit-kolumne-ueber-die-bildungsluege-und-berufe-a-1156053.html\">Sascha Lobo<\/a>. Die Debatte lenkte aber auch von dem Spott ab, den Tauber kurz zuvor auf sich gezogen hatte \u2013 und der einem der krudesten Hashtags zukommt, die jemals erfunden wurden: <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/explore\/tags\/fedidwgugl\/\">#fedidwgugl.<\/a> Das Akronym des Wahlkampfmottos der Union \u201eF\u00fcr ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben\u201c, das Unionspolitiker nun krampfhaft auf ihren Accounts repetieren, wirkt so sperrig, als w\u00fcrden selbst seine Urheber unter akuter Politikverdrossenheit leiden.<\/p>\n<p>Grund genug also f\u00fcr Peter Tauber, das Wochenende zu nutzen, um etwas Abstand zu gewinnen. Schon am Freitagabend \u2013 nach etlichen Tagen Funkstille \u2013 postete er auf seinem Instagram-Account das Bild eines Sonnenuntergangs mit Wald und Wiese und den Hashtags #heimat, #sonne, #wald. Damit tat er kund, nicht nur weit weg von Berlin, sondern genauso weit weg von Hamburg zu sein, wo zeitgleich das totale Gegenteil einer Idylle stattfand.<\/p>\n<p>Am Samstagabend folgte ein Foto, das viel \u00fcber Taubers Gem\u00fctslage verr\u00e4t. Wieder viel Natur:\u00a0ein Weiher, Wald, eine Wiese. Am Ufer ein Schlauchboot, im Vordergrund zwei Laufschuhe, mit den Spitzen auf den Weiher und den fr\u00fchabendlichen Himmel ausgerichtet. Sie sind der Stellvertreter f\u00fcr die Person, die von hier aus in die Landschaft blickt und die Ruhe genie\u00dft. Sie sind aber zugleich ein Zeichen daf\u00fcr, dass diese Person alles andere als unt\u00e4tig ist. Im begleitenden Kommentar teilt Tauber denn auch mit, gerade 28 Kilometer gelaufen zu sein. Wer seinen Account verfolgt, wei\u00df, dass das nicht un\u00fcblich f\u00fcr ihn ist. Er bezeichnet sich nicht nur als \u201eL\u00e4ufer\u201c, sondern postet auch zum gro\u00dfen Teil Bilder von seinen L\u00e4ufen, seinen Laufpartnern, seinen Laufrouten, seinen Laufschuhen. Eine Zeitlang nutzte er sogar eine App, die auf jedem Foto die gelaufenen Kilometer vermerkte. Das alles signalisiert, wie sehr es Peter Tauber selbst in der Freizeit um Leistung, um Disziplin, um Wettbewerb geht. In seinem Account stellt er sich \u2013 dazu passend \u2013 auch als \u201eProtestant seit 1517\u201c vor, identifiziert sich also mit der strengen Version protestantischer Ethik, die, nicht nur nach Max Weber, den Geist des Kapitalismus \u00fcberhaupt erst hervorgebracht hat.<\/p>\n<p>So kann man eine Verbindung herstellen zwischen dem protestantischen L\u00e4ufer und dem Politiker, der darauf pocht, dass die Leute etwas Ordentliches lernen, um dann auch Anspruch auf beruflichen Erfolg zu haben. Mit seinem Foto best\u00e4tigt Tauber sein Weltbild also einmal mehr, findet zugleich aber eine ganz und gar unaggressive Form, sich dazu zu bekennen. So zeugt die Aufnahme von einer gel\u00e4uterten Stimmung: Jemand bleibt sich allem Gegenwind zum Trotz treu, besinnt sich aber auch und ist um eine Atmosph\u00e4re bem\u00fcht, die von seinen Gegnern bestenfalls als ein Friedensangebot angenommen wird.<\/p>\n<p>Aber sogar noch mehr. Im Kommentar zu dem Foto teilt Tauber weiter mit, dass das der letzte Lauf mit diesen Schuhen gewesen sei, die ihn \u201e\u00fcber 1000 Kilometer begleitet haben\u201c. Er dankt den Schuhen, setzt ihnen mit diesem Foto ein kleines Denkmal und verr\u00e4t damit eine Sentimentalit\u00e4t, die man einem Politiker wie ihm nicht unbedingt zutraut. Auf einmal erkennt man neben allem Stolz auf die eigene Leistung auch die F\u00e4higkeit, auf das, was passiert ist, zur\u00fcckzublicken. Und vielleicht kann jemand, der einsieht, seine Laufleistung nicht zuletzt einem Paar Schuhe zu verdanken, erst recht einsehen, dass auch seine anderen Leistungen\u00a0nicht sein alleiniges Verdienst sind. Und kann anerkennen, dass es immer von vielen Faktoren abh\u00e4ngt, wie viel Erfolg\u00a0jemand hat \u2013 im Beruf oder anderswo. Das Foto der Laufschuhe nimmt dann sogar den Charakter eines Eingest\u00e4ndnisses an, es ist Peter Taubers \u2013 sehr dezenter \u2013 Versuch einer Entschuldigung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Wahlkampf auf Instagram:<\/p>\n<p>Teil 1:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2017\/06\/28\/der-wahlkampf-auf-instagram-1von-wolfgang-ullrich28-6-2017\/\">Mit dem\u00a0Regenbogenherz ins politische Sommerm\u00e4rchen<\/a><br \/>\nTeil 2:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2017\/07\/02\/der-wahlkampf-auf-instagram-2von-wolfgang-ullrich02-7-2017\/\">Martin Schulz in der Schule<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wochenende eines protestantischen L\u00e4ufers<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[87104,1082,1764,1799],"class_list":["post-7054","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-fedidwgugl","tag-instagram","tag-peter-tauber","tag-politik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7054","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7054"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7054\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7054"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7054"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7054"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}