{"id":7062,"date":"2017-07-17T13:13:08","date_gmt":"2017-07-17T11:13:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=7062"},"modified":"2017-07-17T13:13:08","modified_gmt":"2017-07-17T11:13:08","slug":"der-wahlkampf-auf-instagram-4von-wolfgang-ullrich17-7-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2017\/07\/17\/der-wahlkampf-auf-instagram-4von-wolfgang-ullrich17-7-2017\/","title":{"rendered":"Der Wahlkampf auf Instagram (4)von Wolfgang Ullrich17.7.2017"},"content":{"rendered":"<p>K\u00f6rpersprache statt Dingsymbole<!--more--><\/p>\n<p>Der Bundestagswahlkampf 2017 ist der erste, in dem auch Bilder der Sozialen Medien, vor allem Bilder auf den Instagram-Accounts von Parteien und Abgeordneten eine Rolle spielen. Statt nur Reden zu halten oder Kundgebungen zu veranstalten, machen Politikerinnen und Politiker mittlerweile also auch zunehmend selbst Bilder, um f\u00fcr ihre Botschaften zu werben. Bis zur Bundestagswahl wird Wolfgang Ullrich\u00a0einzelne dieser Bilder in loser Folge genauer betrachten und Instagram als\u00a0Medium politischer Ikonografie in der Phase seiner Entstehung begleitend kommentieren.<\/p>\n<p>Teil 3 der Kooperation\u00a0von <a href=\"https:\/\/ideenfreiheit.wordpress.com\">Ideenfreiheit<\/a> und pop-zeitschrift.de<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/BWnkFSgAxsV\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-7063 size-full\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/07\/Bildschirmfoto-2017-07-17-um-13.06.55.png\" alt=\"Bildschirmfoto 2017-07-17 um 13.06.55\" width=\"698\" height=\"445\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/07\/Bildschirmfoto-2017-07-17-um-13.06.55.png 698w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/07\/Bildschirmfoto-2017-07-17-um-13.06.55-300x191.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 698px) 100vw, 698px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Noch knapp zehn Wochen sind\u2019s bis zur Wahl \u2013 allm\u00e4hlich beginnt die hei\u00dfe Phase des Wahlkampfs. Auch auf den Instagram-Accounts der Politikerinnen und Politiker ist das zu sp\u00fcren. Die einen erh\u00f6hen die Schlagzahl, mit der sie Bilder posten, andere hingegen vernachl\u00e4ssigen die Bilderproduktion, weil es f\u00fcr sie nun offenbar doch Wichtigeres und Wahlentscheidenderes gibt, als ein paar hundert Follower bei Laune zu halten.<\/p>\n<p>Auf einem Foto, das sie am 16. Juli 2017 publiziert hat, streckt Laura S. Dornheim, Berliner Bundestagskandidatin von B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen, der Kamera ihre beiden H\u00e4nde entgegen. Die ausgestreckten Finger stehen hier zuerst einmal nur f\u00fcr die zehn Wochen bis zur Wahl. Der Blick fixiert das Gegen\u00fcber, der Gesichtsausdruck ist ernst, eindringlich. Damit wirken die H\u00e4nde aber zugleich beschw\u00f6rend, und in Verbindung mit dem begleitenden Text geraten sie sogar zu einer Geste, mit der imaginiert werden soll, was noch alles m\u00f6glich ist. Die Politikerin erinnert nicht nur an die gro\u00dfen Themen ihrer Partei, sondern versucht, gewiss auch angesichts nur m\u00e4\u00dfiger Umfragen f\u00fcr die Gr\u00fcnen, ihre Follower davon zu \u00fcberzeugen, dass \u201enoch alles drin\u201c sei: Die eigene Partei \u201edeutlich\u201c \u00fcber 10%? Die AfD an der F\u00fcnf-Prozent-H\u00fcrde scheiternd?<\/p>\n<p>In ihrem Profiltext vermerkt Dornheim, sie m\u00f6ge \u201eTwitter lieber\u201c als Instagram. Tats\u00e4chlich <a href=\"https:\/\/twitter.com\/schwarzblond?lang=de\">twittert<\/a> sie schon lange ganz selbstverst\u00e4ndlich, w\u00e4hrend sie den Instagram-Account erst anlegte, nachdem sie zur Kandidatin nominiert worden war. Aber in ihrer Bewerbungsrede versprach sie auch, den \u201e<a href=\"http:\/\/lsdornheim.com\/2017\/04\/10\/a-flattering-week\/\">besten Online-Wahlkampf aller Zeiten<\/a>\u201c zu f\u00fchren. Mit ihrem H\u00e4nde-Selfie wahrt Dornheim noch die Chance, ihr Versprechen zu erf\u00fcllen. Denn hier gelingt es ihr, Text und Bild so miteinander zu verbinden, dass das Foto die Botschaft nicht nur unterstreicht, sondern auch ansteckend wirkt. Verleiht es nicht allen, die es sehen, ebenfalls die Kr\u00e4fte, die n\u00f6tig sind, um sich stark zu f\u00fchlen, ja um sogar wieder an bereits fast preisgegebene Ziele glauben zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Statt einen Text mit Pathos und Rhetorik aufladen zu m\u00fcssen, k\u00f6nnen Social Media-User den Anspruch, andere zu motivieren, heute also besser denn je an ein Foto delegieren. Eine \u00fcberraschende und zugleich evidente Geste ist einpr\u00e4gsam, sie l\u00e4sst sich auch einfach nachmachen \u2013 und sei\u2019s nur in der Vorstellung, wo sie immer noch einen Ruck ausl\u00f6sen kann. Spiegelneuronen werden auf diese Weise zu Wahlkampfinstrumenten. Und sie sind vermutlich noch wirksamer als Dingsymbole und Konsumprodukte, mit denen Instagram-User \u00fcblicherweise in Erscheinung treten, so wenn sie sich mit einem \u00f6kologisch produzierten Eistee zu Nachhaltigkeit oder mit einem bestimmten T-Shirt zum Feminismus bekennen. Auf K\u00f6rpersprache und nicht auf Influencer-Attit\u00fcden zu setzen \u2013 das sollte in diesem Wahlkampf viel \u00f6fter versucht werden. Wer wei\u00df, wie viele interessante Alternativen zur Merkel-Raute es noch geben k\u00f6nnte?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Wahlkampf auf Instagram:<\/p>\n<p>Teil 1:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2017\/06\/28\/der-wahlkampf-auf-instagram-1von-wolfgang-ullrich28-6-2017\/\">Mit dem\u00a0Regenbogenherz ins politische Sommerm\u00e4rchen<\/a><br \/>\nTeil 2:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2017\/07\/02\/der-wahlkampf-auf-instagram-2von-wolfgang-ullrich02-7-2017\/\">Martin Schulz in der Schule<br \/>\n<\/a>Teil 3: <a href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2017\/07\/09\/der-wahlkampf-auf-instagram-3von-wolfgang-ullrich9-7-2017\/\">Wochenende eines protestantischen L\u00e4ufers<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6rpersprache statt Dingsymbole<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[398,1082,1352,1509,1716,1799,1997,2105,2199,2407],"class_list":["post-7062","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-buendnis-90die-gruenen","tag-instagram","tag-laura-s-dornheim","tag-merkel-raute","tag-online-wahlkampf","tag-politik","tag-rhetorik","tag-selfie","tag-spiegelneuronen","tag-twitter"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7062","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7062"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7062\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7062"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7062"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7062"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}