{"id":7205,"date":"2017-09-04T09:59:45","date_gmt":"2017-09-04T07:59:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=7205"},"modified":"2017-09-04T09:59:45","modified_gmt":"2017-09-04T07:59:45","slug":"hohe-kultur-8von-thomas-hecken4-9-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2017\/09\/04\/hohe-kultur-8von-thomas-hecken4-9-2017\/","title":{"rendered":"Hohe Kultur (8)von Thomas Hecken4.9.2017"},"content":{"rendered":"<p>Parteiprogramme: Kulturpolitik<!--more --><\/p>\n<p>Teil 8 der Serie von <a title=\"website merkur-blog\" href=\"https:\/\/www.merkur-zeitschrift.de\/blog\/\" target=\"_blank\">Merkur-Blog<\/a> und pop-zeitschrift.de<\/p>\n<p>Vor der Bundestagswahl 2017 liegen nat\u00fcrlich auch die kulturpolitischen Ansichten der Parteien in programmatischer Form vor. Selbst wenn das Parlament kaum \u00fcber M\u00f6glichkeiten einer direkten Einflussaufnahme auf die Errichtung von Museumsbauten, die Einstellung von Intendanten und der Subventionierung konkreter Kunstprojekte verf\u00fcgt, geben die vor der Wahl beschlossenen Papiere doch einen zuverl\u00e4ssigen Eindruck \u00fcber allgemeine Prinzipien der Parteien, die dann konkrete Entscheidungen ihrer B\u00fcrgermeister, Landesminister, regionaler Fraktionen etc. teilweise anleiten oder mindestens in offiziellen Stellungnahmen zur Legitimation bem\u00fcht werden.<\/p>\n<p>Da st\u00e4ndig Entscheidungen f\u00fcr oder wider bestimmte k\u00fcnstlerische Orte, Festivals, Direktoren usf. anstehen und wegen begrenzter Mittel nicht alles zur gleichen Zeit subventioniert werden kann (oder soll), ist es unumg\u00e4nglich, das eine zu bevorzugen und das andere unber\u00fccksichtigt zu lassen. Gr\u00fcndet man diese Auswahl nicht auf den (mehr oder minder zuf\u00e4lligen oder willk\u00fcrlichen) Geschmack der Entscheidungsberechtigten, ist es naheliegend, sich darauf zu berufen, dass die Auswahl der besseren Kultur entspreche bzw. diese f\u00f6rdere. Wie dies geschieht und begr\u00fcndet wird und ob dabei die \u201ahohe Kultur\u2018 noch von Bedeutung ist, diesen Fragen soll nun nachgegangen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Bundespr\u00e4sidiale Werte<\/p>\n<p>Bevor ein Blick auf die Programme der h\u00f6chstwahrscheinlich im n\u00e4chsten Bundestag vertretenen Parteien geworfen wird, soll zun\u00e4chst das Kulturverst\u00e4ndnis des Bundespr\u00e4sidenten betrachtet werden. Dieser nimmt in repr\u00e4sentativen Meinungsumfragen (unabh\u00e4ngig von seiner Person und seiner fr\u00fcheren Parteizugeh\u00f6rigkeit) seit Jahrzehnten fast durchgehend den Spitzenplatz bei den Beliebtheitswerten ein. Das Amt bildet f\u00fcr diese Mehrheit der Deutschen sozusagen die Mitte der Mitte und schwebt noch ein bisschen \u00fcber ihr als unparteiische Version des Politikers, halbwegs verk\u00f6rperte Staatsr\u00e4son und Allgemeinwohlvermutung.<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich der Er\u00f6ffnung der Hamburger Elbphilharmonie im Januar 2017 gab der Bundespr\u00e4sident (in diesem Fall Joachim Gauck) in einer <a title=\"rede bundespr\u00e4sident\" href=\"http:\/\/www.bundespraesident.de\/SharedDocs\/Reden\/DE\/Joachim-Gauck\/Reden\/2017\/01\/170111-Elbphilharmonie.html\" target=\"_blank\">Rede<\/a> zu Protokoll, was f\u00fcr ein \u201egewaltiges und sch\u00f6nes Werk\u201c mit diesem \u201eAmphitheater der Tonkunst\u201c entstanden sei, um anschlie\u00dfend sanft zu tadeln, es w\u00e4re angeraten gewesen, die finanziellen \u201eRisiken\u201c besser \u201eeinzuhegen\u201c. Gleichwohl zeigt er sich unver\u00e4ndert beeindruckt vom \u201egro\u00dfartigen Ergebnis\u201c der verschwenderischen Gabe \u00f6ffentlicher Hand. Der Schluss von teuerstem Bauwerk auf h\u00f6chsten kulturellen Inhalt dr\u00e4ngt sich deshalb auf, nicht aber nat\u00fcrlich dem Festredner. Der Bundespr\u00e4sident sieht vielmehr eine andere architektonische Konsequenz gegeben:<\/p>\n<p>\u201eDie Elbphilharmonie ist f\u00fcr mich auch ein Bau, der unserer offenen Gesellschaft entspricht. Ihre Architektur f\u00fchrt Unterschiedliches zusammen, ohne es gleichmachen zu wollen. Daf\u00fcr steht die Plaza als Ort der Begegnung, der f\u00fcr alle zug\u00e4nglich ist. Daf\u00fcr steht aber auch dieser Saal, in dem niemand zur\u00fcckgesetzt wird und dessen \u201aWei\u00dfe Haut\u2018 aus lauter Unikaten zusammengef\u00fcgt ist. Hier r\u00fccken wir n\u00e4her zusammen, f\u00fchlen uns geborgen in der Gemeinschaft, ohne uns in der Masse zu verlieren. Hier erleben wir ein Miteinander, ohne unsere Individualit\u00e4t aufgeben zu m\u00fcssen. So erfahren wir, alle zusammen und jeder f\u00fcr sich allein, die verbindende Kraft der Musik.\u201c<\/p>\n<p>Dennoch sorgt sich der Bundespr\u00e4sident, dass dieses \u201ewir\u201c, diese \u201eGemeinschaft\u201c noch nicht hinreichend verschiedenartig genug zusammengesetzt sei \u2013 eigentlich widersinnig, wenn die Elemente dieser \u201eGemeinschaft\u201c jeweils \u201eUnikate\u201c sind. Nun treibt ihn aber um, dass die individuellen Philharmoniebesucher lediglich \u00fcber eine stark begrenzte Zahl an Gruppenmerkmalen verf\u00fcgten. Wie er nicht von \u201ahoher Kultur\u2018 spricht, so auch nicht von \u201ahohen Schichten\u2018, dennoch f\u00e4llt seine Bilanz unmissverst\u00e4ndlich aus: \u201eWir wissen: Das Publikum in den deutschen Konzerts\u00e4len ist meist gebildet, gut situiert und oft schon ein wenig \u00e4lter. Es repr\u00e4sentiert nur einen kleinen Teil unserer deutschen Gesellschaft.\u201c<\/p>\n<p>Es ist nicht ganz klar, ob Bildung oder Alter die Bedingung des \u201agut Situierten\u2018 sind, deutlich wird aber, dass Bildung und Verm\u00f6gen gegenw\u00e4rtig eng zusammengeh\u00f6ren. Deutlich wird auch, dass f\u00fcr den Bundespr\u00e4sidenten die Befriedigung erst vollkommen w\u00e4re, wenn auch \u201eUnikate\u201c, die anderen \u201eTeil[en] der deutschen Gesellschaft\u201c angeh\u00f6ren, in der Elbphilharmonie die \u201eoffene Gesellschaft\u201c bildeten: \u201eUm mehr Vielfalt in die S\u00e4le zu holen, muss es deshalb gelingen, auch Menschen zu erreichen, die bislang nicht in Konzerte gehen. Und es muss gelingen, junge Menschen f\u00fcr klassische Musik zu begeistern.\u201c<\/p>\n<p>Das Gegenteil des \u201eoft schon ein wenig \u00e4ltere[en]\u201c deutschen Konzertsaalpublikums wird extra angesprochen (\u201ejunge Menschen\u201c), die beiden anderen Gruppen sind schon zu vulg\u00e4r, um in Umkehrung der zuvor benannten \u201aGesellschafts-Sektoren\u2018 (\u201egebildet, gut situiert\u201c) ausdr\u00fccklich benannt zu werden: \u201aEs muss gelingen, ungebildete, schlecht situierte Menschen f\u00fcr klassische Musik zu begeistern.\u2018 Nein, das kl\u00e4nge nicht gut.<\/p>\n<p>Trotz dieser Vermeidungsstrategie muss aber festgehalten werden, dass immerhin vom Bundespr\u00e4sidenten die Korrelation zuvor akzentuiert und nicht nur gefeiert wurde: \u201eKlassische Musik\u201c sei \u00fcberwiegend die Dom\u00e4ne der Gebildeten und Wohlhabenden. Wieso das so ist, wird allerdings nicht ergr\u00fcndet; ein kausaler Zusammenhang scheint nicht zu bestehen, sonst k\u00f6nnte ja nicht sofort anschlie\u00dfend dazu aufgerufen werden, diesen Zustand zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Die \u201aGrundlosigkeit\u2018 zeigt sich zudem in Gestalt des Dezisionismus (\u201ees muss gelingen\u201c), offenbar kann f\u00fcr den h\u00f6chsten deutschen Amtstr\u00e4ger die \u201aBegeisterung\u2018 f\u00fcr das \u201aKlassische\u2018 auch ohne \u00c4nderung der sozialen Ordnung und des Bildungsniveaus entstehen. N\u00e4her erl\u00e4utert wird nur, weshalb diese radikale \u00c4nderung eintreten soll:<\/p>\n<p>\u201eDas ist ein Gebot der Gerechtigkeit, weil neue Konzerts\u00e4le ja nicht nur dadurch entstanden sind, dass es Sponsoren und gro\u00dfherzige M\u00e4zene gibt, sondern da gibt es auch noch die \u00f6ffentliche Hand mit dem Steuerzahler, und da ist auch einiges verbaut worden, wie hier in Hamburg jeder wei\u00df. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnte man es als ein Gebot der Zukunft ansehen, den Wert der klassischen Musik auch dadurch zu bewahren, dass wir neue Menschengruppen, neue Teile der Bev\u00f6lkerung einladen, hier heimisch zu werden.\u201c<\/p>\n<p>Wieso es gerecht sein soll, dass alle \u201eSteuerzahler\u201c, auch die aus den Gruppen mit niedrigeren Einkommen, in der Elbphilharmonie tats\u00e4chlich in repr\u00e4sentativer St\u00e4rke im Publikum vorhanden sind, bleibt zwar in einer Hinsicht unklar \u2013 niemand wird ja daran gehindert, sich eine hoch subventionierte Karte zu kaufen \u2013, daf\u00fcr wird aber in anderer Hinsicht \u00fcberaus deutlich, weshalb dies geschehen sollte: Der Grund liegt im \u201eWert der klassischen Musik\u201c. Dieser Wert ist offenbar so hoch, dass es sehr wichtig w\u00e4re, wenn alle ihn best\u00e4tigten und seiner im Konzert teilhaftig w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Wieso dieser Wert so immens hoch ausf\u00e4llt, bleibt wiederum unerkl\u00e4rt, ob es wertlosere Musik gibt, ebenfalls. Dies ist angesichts des Preises des Bauwerks, in dem diese Musik mit \u201ewunderbarem Klang\u201c (Gauck) ert\u00f6nt, bemerkenswert. Nicht nur (oder unbedingt), weil der hohe \u00f6konomische Wert seine Entsprechung in einem maximalen kulturellen Wert sucht (suchen m\u00fcsste), sondern weil ohne die Abstufung zwischen hoher (\u201ahochwertiger\u2018) und niedriger (gar \u201awertloser\u2018) Kultur die M\u00f6glichkeit verbleibt, dass in billigeren Bauten unweit der Elbphilharmonie, die nicht einmal staatlich gef\u00f6rdert worden sind, kulturelle Werke von gleichem Rang erfahren werden k\u00f6nnten. Solange nicht begr\u00fcndet wird, weshalb das eine dem anderen an Wert und damit F\u00f6rderungsw\u00fcrdigkeit \u00fcberlegen ist, bleibt die unterschiedliche staatliche Subventionierungspraxis willk\u00fcrlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Wahlprogramme zur Kunst- und Kulturf\u00f6rderung<\/p>\n<p>In fast allen Parteiprogrammen wird dieses Problem gel\u00f6st, indem nicht nur auf die \u201aVielfalt des Publikums\u2018 (welche durch Spielst\u00e4tten an vielen Orten [nicht nur in \u201aMetropolen\u2018] und subventionierte, f\u00fcr viele erschwingliche Eintrittskarten staatlich gef\u00f6rdert werden soll) gedrungen wird, sondern auch auf die \u201aVielfalt des Angebots\u2018. Sie soll durch staatliche Gelder hergestellt werden. Der Willk\u00fcr soll also dadurch begegnet werden, dass sie nicht nur ein oder zwei Angebote betrifft. Damit wird sie nicht beseitigt, aber immerhin weniger sp\u00fcrbar.<\/p>\n<p>Unter dem Stichwort der \u201eoffenen Kultur\u201c tritt die <a title=\"wahlprogramm spd\" href=\"https:\/\/www.spd.de\/fileadmin\/Dokumente\/Bundesparteitag_2017\/Es_ist_Zeit_fuer_mehr_Gerechtigkeit-Unser_Regierungsprogramm.pdf\" target=\"_blank\">SPD<\/a> bei der \u201eKulturf\u00f6rderung\u201c sogar an einer Stelle f\u00fcr eine totale Unterschiedslosigkeit ein. Ausgerechnet die m\u00e4nnlich-konservative, jeder Extravaganz abgeneigte Partei Gerhard Schr\u00f6ders und Martin Schulz\u02bc g\u00f6nnt sich auf dem Feld der Kultur eine Ann\u00e4herung an eine fr\u00fcher unter linksalternativen Akademikern beliebte Grenz\u00fcberschreitungsformel: \u201eDie noch immer gebr\u00e4uchliche Unterscheidung zwischen Hoch- und Subkultur ist f\u00fcr uns veraltet und irref\u00fchrend. F\u00fcr uns gibt es nur Kultur!\u201c Hier ist auch sch\u00f6n zu sehen, dass selbst bei der Absage an den Vorrang oder auch nur an die Bestimmungsm\u00f6glichkeit \u201ahoher Kultur\u2018 die \u201aniedere Kultur\u2018 ungenannt bleibt; eingeschlossen in die \u201aeine Kultur\u2018 wird die besser klingende \u201eSubkultur\u201c (dazu <a title=\"Hohe Kultur Teil 2\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2017\/02\/28\/hohe-kultur-2von-thomas-hecken28-2-2017\/\" target=\"_blank\">Teil 2<\/a> dieser Reihe).<\/p>\n<p>Davor hei\u00dft es konkreter: \u201eDie Ausdrucksformen sind vielf\u00e4ltig \u2013 wie unser Kulturverst\u00e4ndnis. Klassische Orchester geh\u00f6ren dazu, genauso wie Laiench\u00f6re, Rock- und Popmusik, die elektronische Musik, Museen, soziokulturelle Zentren, Theater, Kinos und Literatur und die Spielebranche.\u201c Die Aufz\u00e4hlung soll hier vielleicht andeuten, dass noch mehr \u201eAusdrucksformen\u201c der \u201eKultur\u201c genannt werden k\u00f6nnten. Andererseits steht kein \u201aetc.\u2018 dahinter, also z\u00e4hlen zur \u201aVielf\u00e4ltigkeit\u2018 eventuell nur genau die genannten Bereiche von Orchester bis Spielebranche. Dies w\u00e4re dann doch eine recht enge Auffassung von Kultur. So oder so besitzt die Aufz\u00e4hlung den unsch\u00e4tzbaren Vorteil, dass dabei nicht angegeben werden muss, was nicht zur \u201eKultur\u201c und ihren \u201eAusdrucksformen\u201c z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Die Partei <a title=\"wahlprogramm die linke\" href=\"https:\/\/www.die-linke.de\/fileadmin\/download\/wahlen2017\/wahlprogramm2017\/die_linke_wahlprogramm_2017.pdf\" target=\"_blank\">Die Linke<\/a> hat eine \u00e4hnliche \u201aVielfalts\u2018-Aufz\u00e4hlung im Programm: \u201eWir wollen gute Rahmenbedingungen f\u00fcr Archive, Bibliotheken, Kinos, Museen, Musik- und andere Kunstschulen, Opernh\u00e4user, Orchester, soziokulturelle Zentren, Theater, Tanz, Volkshochschulen und die vielf\u00e4ltigen Vereine schaffen. Kultureinrichtungen, freie Szene und die vielf\u00e4ltigen Akteure kultureller Bildung in den Metropolen wie in den l\u00e4ndlichen R\u00e4umen brauchen eine sichere finanzielle und personelle Basis und l\u00e4ngerfristige Planungsm\u00f6glichkeiten.\u201c Die Ausweitung \u00f6ffentlicher F\u00f6rderung ist f\u00fcr die Partei auch deshalb wichtig, weil sie annimmt, dass \u201ekommerzielle Angebote [\u2026] nicht f\u00fcr alle Menschen zug\u00e4nglich und h\u00e4ufig nicht demokratisch gestaltet\u201c seien.<\/p>\n<p><a title=\"wahlprogramm gr\u00fcne\" href=\"https:\/\/www.gruene.de\/fileadmin\/user_upload\/Dokumente\/BUENDNIS_90_DIE_GRUENEN_Bundestagswahlprogramm_2017.pdf\" target=\"_blank\">B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen<\/a> tritt f\u00fcr \u201eFreir\u00e4ume jenseits einer reinen \u00d6konomisierung von Kulturproduktion und -vermarktung\u201c ein. Die Liste der F\u00f6rderobjekte geht \u201evom Filmstudio \u00fcber das Stadttheater bis zur freien Szene.\u201c<\/p>\n<p>Bei der <a title=\"wahlprogramm fdp\" href=\"https:\/\/www.fdp.de\/sites\/default\/files\/uploads\/2017\/08\/07\/20170807-wahlprogramm-wp-2017-v16.pdf\" target=\"_blank\">FDP<\/a> hei\u00dft es ohne Nennung besonderer F\u00f6rderungsabsichten und unter Angabe der Funktion der Kultur f\u00fcrs nationale Marketing: \u201eDas vielf\u00e4ltige und offene Kulturleben in Deutschland ist ein besonderes Aush\u00e4ngeschild der Bundesrepublik.\u201c<\/p>\n<p>Die <a title=\"wahlprogramm cdu\/csu\" href=\"https:\/\/www.cdu.de\/system\/tdf\/media\/dokumente\/170703regierungsprogramm2017.pdf?file=1\" target=\"_blank\">CDU\/CSU<\/a> setzt \u00e4hnlich an, engt die obligatorische \u201aVielfalt\u2018 aber erst st\u00e4rker auf \u201eunser reiches kulturelles \u201eErbe\u201c ein. Am Ende dann aber doch die Revision bzw. Erweiterung: \u201eDie Kulturnation Deutschland lebt von ihrem gro\u00dfartigen Erbe und von den beeindruckenden Leistungen zeitgen\u00f6ssischer Kunst und Kultur. Beides gilt es auch weiterhin zu sch\u00fctzen und zu st\u00e4rken.\u201c [Da es von der CSU zus\u00e4tzlich ein eigenes Wahlprogramm gibt, wird im Folgenden das Wahlprogramm der CDU\/CSU abgek\u00fcrzt unter \u201aCDU\u2018 gef\u00fchrt, der gesonderte Plan der CSU eben unter \u201aCSU\u2018.]<\/p>\n<p>Die <a title=\"wahlprogramm csu\" href=\"http:\/\/www.csu.de\/common\/download\/Beschluss_Bayernplan.pdf\" target=\"_blank\">CSU<\/a> macht au\u00dferhalb des gemeinsamen Wahlprogramms mit der CDU keine n\u00e4heren Angaben, operiert aber innerhalb ihres \u00e4u\u00dferst knappen Pflichtprogramms zur Kulturpolitik mit \u201aerlesenen\u2018 Metaphern: \u201eWir f\u00f6rdern Leuchtturmprojekte als kulturelle Glanzlichter und mit Weltgeltung genauso wie regionale Kostbarkeiten in den l\u00e4ndlichen Regionen.\u201c<\/p>\n<p>Die <a title=\"wahlprogramm afd\" href=\"https:\/\/www.afd.de\/wp-content\/uploads\/sites\/111\/2017\/06\/2017-06-01_AfD-Bundestagswahlprogramm_Onlinefassung.pdf\" target=\"_blank\">AfD<\/a> hingegen setzt scheinbar einen Kontrapunkt, indem sie auf die Bekanntgabe von F\u00f6rderabsichten ausdr\u00fccklich verzichtet, weil sie die Kultur von der aus ihrer Sicht staatlich verordneten \u201aEinfalt\u2018 befreien m\u00f6chte: \u201eNirgendwo ist die ideologische Beeinflussung seitens des Staates so stark wie in der Kulturpolitik. Die AfD will die Kulturpolitik an fachlichen Qualit\u00e4tskriterien und \u00f6konomischer Vernunft anstatt an politischen Vorgaben ausrichten. Dementsprechend m\u00fcssen der Einfluss der Parteien auf das Kulturleben zur\u00fcckgedr\u00e4ngt, gemeinn\u00fctzige private Kulturstiftungen und b\u00fcrgerliche Kulturinitiativen gest\u00e4rkt werden.\u201c Hier sind wir an einem interessanten Punkt angelangt, leider gibt die AfD aber in ihrem Programm nicht bekannt, was sie unter \u201efachlichen Qualit\u00e4tskriterien\u201c versteht. Und aus dem n\u00e4chsten Absatz geht hervor, dass von der AfD keineswegs an eine Aufgabe kulturpolitischer Ma\u00dfnahmen gedacht ist, sondern blo\u00df der seit langem bestehende, unangefochtene kulturpolitische Vorrang der L\u00e4nder unterst\u00fctzt wird (sicher auch im Sinne \u201aregionaler Kostbarkeiten\u2018). Mit der CDU wei\u00df sie sich zudem bei der \u201eErbe\u201c-Rhetorik einig: \u201eDie AfD bekennt sich zur Kulturhoheit der Bundesl\u00e4nder. Kulturelle F\u00f6rderprogramme des Bundes und der EU, die an ideologische Zielvorgaben gekoppelt sind, wollen wir durch F\u00f6rderlinien ersetzen, die der Bewahrung des kulturellen Erbes oder dessen w\u00fcrdiger Fortschreibung dienen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Kriterien der Kulturpolitik<\/p>\n<p>Von \u201ahoher Kultur\u2018 ist also bei keiner der Parteien, die wahrscheinlich in den n\u00e4chsten Bundestag einziehen, die Rede. Das weitgehende Bekenntnis zur \u201aVielfalt\u2018 (CDU, SPD, Gr\u00fcne, Linke) l\u00e4sst keinen Zweifel daran, dass einer fr\u00fcheren, bildungsb\u00fcrgerlichen Auffassung \u201ahoher Kultur\u2018 insofern abgesagt wird, als andere k\u00fcnstlerische Projekte ihr gleichrangig zur Seite gestellt werden.<\/p>\n<p>Keine Aussage ist dadurch aber \u00fcber \u201ahohe Kultur\u2018 im Sinne einer Metapher, die H\u00f6herwertigkeit anzeigt, getroffen. Dieser Verzicht versteht sich nicht von selbst, schlie\u00dflich muss bei der jeweiligen F\u00f6rderung innerhalb verschiedener Bereiche und Sparten (seien es Orchester oder soziokulturelle Zentren, regionale Kostbarkeiten oder Filmstudios) entschieden werden, was davon f\u00f6rderungsw\u00fcrdig ist (das eine Orchester oder das andere, etc.). Die Annahme liegt nahe, dass in den Augen der Akteure jeweils der vermeintlich bessere, \u201ah\u00f6here\u2018 Kulturgegenstand oder -prozess gef\u00f6rdert wird und nicht der vermutlich schlechtere.<\/p>\n<p>K\u00fcnstlerische und\/oder \u00e4sthetische Prinzipien f\u00fcr diese Auswahl werden von den Parteien aber nicht angegeben (nur SPD und AfD fassen den Punkt ins Auge, konkretisieren die von ihnen favorisierten \u201efachlichen Qualit\u00e4tskriterien\u201c [AfD] sowie \u201eExpertenjurys\u201c [SPD] jedoch nicht). Die Auswahlkriterien verbleiben im Dunkeln (das w\u00e4re die eine Deutungsm\u00f6glichkeit), oder (einzig verbleibende alternative Annahme) die Auswahl unterliegt Zufall und Willk\u00fcr.<\/p>\n<p>Heteronome Prinzipien kommen jedoch nicht selten sehr deutlich zur Sprache; zwar findet man in allen Wahlprogrammen (mit Ausnahme des Papiers der CSU) explizit oder implizit ein grunds\u00e4tzliches Bekenntnis zur Freiheit der Kunst (bei der SPD auch zur Verwendung autonomer Kriterien: \u201eWir wollen Kunst um ihrer selbst willen f\u00f6rdern und nicht erst dann, wenn sie \u00f6konomischen, sozialen oder politischen Zwecken n\u00fctzt. Bei Projektf\u00f6rderungen soll st\u00e4rker auf Expertenjurys zur\u00fcckgegriffen werden\u201c), doch schlie\u00dft das offenkundig die Etablierung anderer Ma\u00dfst\u00e4be nicht aus: In den Parteiprogrammen stehen zahlreiche, teils sehr unterschiedliche Aussagen, woran der Wert kultureller Ph\u00e4nomene in (aufmerksamkeits-)\u00f6konomischer, politischer, moralischer und (entwicklungs-)psychologischer Hinsicht zu messen sei.<\/p>\n<p>Diese Punkte seien nun kurz genannt, ich verzichte dabei auf Paraphrasen. Zum einen, um die Begriffe oder den Jargon zu erhalten, zum anderen, weil sich die Wiedergabe unproblematisch in rascher, abgek\u00fcrzter Form durchf\u00fchren l\u00e4sst. Vieles muss in den Programmen unter dem Oberbegriff \u201aKultur\u2018 abgehandelt werden, Kunst, Sitten, Werte, Vergangenheitsbew\u00e4ltigung, Sozialversicherung, Nationales, Eigentumsrecht, Feuilletonistisches, Rezeption, Organisationen, Produktion, politische Abgrenzungen zu anderen Parteien, Vorlieben des Ausschussvorsitzenden oder wichtiger Landesverb\u00e4nde, da bleibt kein Platz oder nicht einmal die M\u00f6glichkeit, \u00dcberg\u00e4nge zu bilden. Die Programme erl\u00e4utern oder begr\u00fcnden kaum, sie verlieren keine Zeit mit der Absch\u00e4tzung von Folgen oder der Diskussion m\u00f6glicher Alternativen. Feststellungen, W\u00fcnsche, Forderungen, Hoffnungen, Mittel und Ziele sind nicht immer unterscheidbar in der Abfolge der Programmpunkte:<\/p>\n<p>1. \u00d6konomische Kriterien: Gef\u00f6rdert werden solle im Bereich der Kunst und Kultur das \u201a\u00f6konomisch Vern\u00fcnftige\u2018 (AfD), die \u201e\u00f6konomische Kraftquelle\u201c (CSU);\u00a0der \u201eStandortfaktor\u201c sei nicht ganz zu vernachl\u00e4ssigen (CDU); \u201egute, existenzsichernde Arbeit, ein neues Normalarbeitsverh\u00e4ltnis und soziale Sicherung im Kulturbereich\u201c (Die Linke); \u201estabile soziale Absicherung und verbesserte Verdienstm\u00f6glichkeiten durch Mindestl\u00f6hne und Honoraruntergrenzen\u201c (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen); \u201eK\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler [\u2026] sozial besser absichern\u201c (SPD).<\/p>\n<p>2. Kriterien erfolgreicher nationaler oder regionaler Sichtbarkeit: \u201eAush\u00e4ngeschild der Bundesrepublik\u201c, \u201eRepr\u00e4sentationsfunktionen\u201c (FDP), \u201eLeuchtturmprojekte\u201c (CSU); indirekt auch die CDU: \u201eDeutschland ist das Land mit der h\u00f6chsten Dichte an Theatern, Opern, Orchestern, Museen, Literaturh\u00e4usern und Festivals weltweit. Nirgendwo werden mehr B\u00fccher geschrieben und gelesen als bei uns.\u201c<\/p>\n<p>3.Politische Kriterien. Hier gibt es nur zwei Parteien, die wenige Ma\u00dfst\u00e4be ins Feld f\u00fchren. Zum einen die CDU: Neben \u201egesellschaftlicher Integration\u201c (an anderer Stelle: \u201edas Entstehen von Parallelgesellschaften und von Multi-Kulti verhindern\u201c) ist bei ihr nur von einer \u201eKultur der Verst\u00e4ndigung in einer vielf\u00e4ltigen Gesellschaft\u201c sowie der \u201eErinnerung an die Folgen von Gewaltherrschaft und Diktatur\u201c lobend die Rede. Allerdings weisen einige Aussagen in eine gem\u00e4\u00dfigt nationalkulturelle Richtung: Was hier von der CDU als empirische Bilanz formuliert wird, besitzt wohl auch einen normativen Zug (\u201eKunst und Kultur sind Grundpfeiler unseres Zusammenlebens\u201c, \u201eVor allem aber ist Kultur Br\u00fcckenbauerin und T\u00fcr\u00f6ffnerin, Spiegel unseres Selbstverst\u00e4ndnisses\u201c; \u201eDie deutsche Sprache ist ein besonders wichtiger Teil unserer Identit\u00e4t und Leitkultur\u201c; \u201eWir haben unsere kulturellen Wurzeln bewahrt\u201c. [Welche \u201eWurzeln\u201c das sind, wird freilich nicht n\u00e4her ausgef\u00fchrt; und nach dem Pl\u00e4doyer f\u00fcr die deutsche Sprache hei\u00dft es sogleich: \u201eWeil wir ein weltoffenes Land mit starker internationaler Verflechtung sind, wollen wir umgekehrt auch das Erlernen von Fremdsprachen st\u00e4rker unterst\u00fctzen.\u201c]).<\/p>\n<p>Deshalb bleibt am Ende nur die FDP \u00fcbrig; sie listet tats\u00e4chlich kaum Normatives oder Anspruchsvolles auf. Au\u00dfer dem allgemeinen Hinweis auf die \u201egesellschaftliche Relevanz\u201c der Kultur, auf ihre besondere Bedeutung f\u00fcr die \u201eAu\u00dfenpolitik\u201c (F\u00f6rderung des \u201einternationalen Dialogs\u201c; \u201eRepr\u00e4sentationsfunktionen\u201c) sowie der bef\u00fcrworteten Unterst\u00fctzung von Gedenkst\u00e4tten zur \u201eAufarbeitung und Vermittlung der beiden deutschen Diktaturen\u201c sind im Wahlprogramm der FDP keine Anforderungen an die Kunst- und Kultursph\u00e4re zu verzeichnen (wohl auch, weil sie sich gegenw\u00e4rtig f\u00fcr dieses Feld kaum interessiert).<\/p>\n<p>Anders sieht es bei den \u00fcbrigen Parteien aus: Die Linke w\u00e4hnt mit der Kultur im Bunde oder verlangt von ihr in Zukunft: \u201eDemokratie\u201c, \u201eantifaschistische Kultur\u201c, \u201eGendergerechtigkeit\u201c, \u201ekritische Auseinandersetzung mit der Geschichte Deutschlands im 19. und 20. Jahrhundert\u201c, \u201ekritischer Umgang mit der kolonialen Vergangenheit\u201c, \u201eSt\u00e4rkung des \u00d6ffentlichen\u201c, \u201eVerst\u00e4ndigung zwischen den verschiedenen Gruppen der Gesellschaft\u201c, \u201eDialog und transkultureller Austausch\u201c, \u201edemokratische Kultur\u201c, \u201ein der alle in Deutschland Lebenden, unabh\u00e4ngig von ihrer Herkunft, ihre kulturelle Identit\u00e4t finden und ausdr\u00fccken k\u00f6nnen\u201c; \u201elebendige Erinnerungskulturen f\u00f6rdern, die an den Realit\u00e4ten der Einwanderungsgesellschaft orientiert sind\u201c.<\/p>\n<p>AfD: \u201eDie AfD bekennt sich zur deutschen Leitkultur. Diese fu\u00dft auf den Werten des Christentums, der Antike, des Humanismus und der Aufkl\u00e4rung. Sie umfasst neben der deutschen Sprache auch unsere Br\u00e4uche und Traditionen, Geistes- und Kulturgeschichte\u201c; \u201e\u201aMulti-Kultur\u2018 ist Nicht-Kultur oder Parallelit\u00e4t von Kulturen und damit Ausdruck von Parallelgesellschaften, die stets zu innenpolitischen Konflikten und zur Funktionsunf\u00e4higkeit von Staaten f\u00fchren\u201c; \u201eunser liberaler Rechtsstaat, unsere Wertsch\u00e4tzung von Bildung, Kunst und Wissenschaft und der sozialen Marktwirtschaft als Ausdruck menschlicher Kreativit\u00e4t\u201c; \u201edie aktuelle Verengung der deutschen Erinnerungskultur auf die Zeit des Nationalsozialismus ist zugunsten einer erweiterten Geschichtsbetrachtung aufzubrechen, die auch die positiv identit\u00e4tsstiftenden Aspekte deutscher Geschichte mit umfasst\u201c; gegen \u201e\u201apolitisch-korrekte\u2018 Kunst und Kultur\u201c.<\/p>\n<p>CSU: \u201eIn Deutschland gilt unsere Leitkultur\u201c; \u201eLeitkultur umfasst die bei uns geltende Werteordnung christlicher Pr\u00e4gung, unsere Sitten und Traditionen sowie die Grundregeln unseres Zusammenlebens. Leitkultur ist das Gegenteil von Multikulti und Beliebigkeit\u201c; \u201eKunst und Kultur sind [\u2026] gesellschaftliches Bindeglied\u201c; \u201ezum Grundkonsens unseres Zusammenlebens geh\u00f6rt die klare Absage an Rassismus und Antisemitismus in jeglicher Form\u201c; \u201ewir werden die Landsmannschaften, unsere deutschen Heimatvertriebenen und Aussiedler, weiterhin dabei unterst\u00fctzen, ihr vielf\u00e4ltiges kulturelles und geistiges Erbe zu bewahren sowie ihr Brauchtum lebendig zu halten.\u201c<\/p>\n<p>SPD: \u201eGedenken an die beiden deutschen Diktaturen\u201c; \u201eErinnerung an den systematischen V\u00f6lkermord an den europ\u00e4ischen Juden\u201c; \u201eWir wollen unser kulturelles Erbe bewahren und erlebbar machen\u201c; \u201eDialog\u201c, \u201eoffene und moderne Gesellschaft\u201c; \u201emigrantische Communities haben einen positiven kulturellen Einfluss\u201c; \u201eVielfalt geh\u00f6rt zum Einwanderungsland Deutschland\u201c; \u201edie Entscheidung, was und wie gef\u00f6rdert wird, muss auch nach Geschlechtergerechtigkeit, Inklusion, Nachhaltigkeit, Integration und Aspekten kultureller Bildung getroffen werden\u201c.<\/p>\n<p>B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen: \u201elebendige Demokratie\u201c, \u201eoffene Gesellschaft\u201c, \u201eKunst ist oft provozierend, h\u00e4lt der Gesellschaft den Spiegel vor\u201c, \u201eDialog\u201c, \u201elebendiger Austausch der Kulturen\u201c, \u201ein der Kultur darf es keine Grenzen geben, die im Namen einer angeblichen \u201ekulturellen Identit\u00e4t\u201c dar\u00fcber bestimmen, wer dazugeh\u00f6rt und wer nicht\u201c, \u201eF\u00f6rderung der Geschlechtergerechtigkeit im Kultur- und im Medienbereich\u201c.<\/p>\n<p>4. Moralische Kriterien: \u201ebeiderseitiger Nutzen\u201c von \u201eUrheber*innen und Verwerter*innen\u201c (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen); \u201eHumanit\u00e4t\u201c (CDU). Die Forderungen nach (mehr) Gerechtigkeit oder einer st\u00e4rkeren Ber\u00fccksichtigung christlicher Werte sind schon unter dem dritten Punkt (\u201ePolitische Kriterien\u201c) verbucht worden, sie h\u00e4tten aber ebenfalls hier stehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>5. Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung: \u201eKreativit\u00e4t und Schaffenskraft\u201c (AfD), \u201eindividuelle Pers\u00f6nlichkeitsentfaltung\u201c (CDU), \u201eSelbstvergewisserung\u201c, \u201eFantasie und Kreativit\u00e4t\u201c (Die Linke), \u201elebenslange Teilhabe\u201c, \u201eIdentit\u00e4tsbildung\u201c (SPD).<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Schluss: Programmatische Widerspr\u00fcche<\/p>\n<p>Auch diese Musterung der Parteiprogramme zeigt, in welch starkem Ma\u00dfe der Anspruch der \u201ahohen Kultur\u2018 sogar aus dem Arsenal der sich selbst mitunter noch gerne als \u201ab\u00fcrgerlich\u2018 bezeichnenden Parteien getilgt worden ist. Die FDP verzichtet zwar auf gr\u00f6\u00dfere sozialpolitische Anspr\u00fcche an Kultur und Kunst, trotzdem sind auch bei ihr insgesamt kaum Verbindungen zur b\u00fcrgerlichen Tradition zu erkennen. Bei der heutigen FDP gehen selbst Bildung und \u201ahohe Kultur\u2018 \u00fcberhaupt nicht mehr zusammen. Obwohl Bildung im Mittelpunkt des Wahlprogramms steht, sucht man vergeblich nach humanistischen Prinzipien, dem klassischen Kanon und einem traditionellen Pl\u00e4doyer f\u00fcr die zweckentbundene Entfaltung und Kultivierung der Pers\u00f6nlichkeit (in einer Schwundstufe davon wird Bildung als \u201eRessource\u201c bestimmt, die den Menschen bef\u00e4hige, auch in einer \u201ekomplexen Umwelt selbstbestimmt\u201c seinen \u201eWeg zu gehen\u201c).<\/p>\n<p>Das Ziel \u201eweltbester Bildung\u201c (so hei\u00dft es tats\u00e4chlich) tritt bei der FDP stattdessen nur indirekt hervor, indem Verbesserungen der Lehrk\u00f6rper und -mittel (mehr und besser bezahlte, praxisn\u00e4her geschulte Lehrer, Modernisierung und Digitalisierung der Schulen) sowie der Wettbewerb unter staatlichen und \u201afreien\u2018 Schulen gefordert werden. Das Ergebnis sollen viele Fachkr\u00e4fte sein, die durch die \u201eweltbeste Bildung\u201c (das Wort kommt oft vor im Programm) eine Chance zum \u201esozialen Aufstieg\u201c besitzen.<\/p>\n<p>Bei der CDU ist eine bildungsb\u00fcrgerliche Haltung ebenfalls nicht mehr wirksam; die Rhetorik des \u201egro\u00dfartigen Erbes\u201c stellt nur noch eine nostalgische Reminiszenz an sie dar. \u00c4hnliches gilt wahrscheinlich f\u00fcr die Partei Die Linke, wenn sie sich gegen die \u201ekommerzielle\u201c Kultur ausspricht; hier sind eventuell noch letzte Verbindungen zum realsozialistischen Versuch zu finden, das Erbe der b\u00fcrgerlich-aufkl\u00e4rerischen Kultur f\u00fcr sich zu reklamieren. In diese Richtung geht auch die AfD mit ihrer Additionsformel \u201eWerte des Christentums, der Antike, des Humanismus und der Aufkl\u00e4rung\u201c, Werte, von denen die Partei offenkundig, aber aus unbekannten Gr\u00fcnden glaubt, dass sie mit ihrem Kulturnationalismus vollst\u00e4ndig vereinbar seien. Ihre weitere Ausrichtung der Kulturpolitik an \u201efachlichen Qualit\u00e4tskriterien\u201c und \u201e\u00f6konomischer Vernunft\u201c hat allerdings mit einer bildungsb\u00fcrgerlichen Auffassung \u201ahoher Kultur\u2018 rein gar nichts mehr zu tun.<\/p>\n<p>Es bleibt deshalb bei der allgemein metaphorischen Dimension der \u201ahohen Kultur\u2018, die f\u00fcr die Parteiprogramme von gr\u00f6\u00dferer Bedeutung sein k\u00f6nnte. Wie gesehen vermeiden aber fast alle Parteien auch diese traditionelle Attit\u00fcde des \u201aHohen\u2018, indem sie sich f\u00fcr die \u201aVielfalt\u2018 einsetzen, am eindringlichsten die SPD, die ausruft: \u201eF\u00fcr uns gibt es nur Kultur\u201c \u2013 und damit die \u201eUnterscheidung zwischen Hoch- und Subkultur\u201c verwirft. Soll hei\u00dfen: Alles im Bereich der Kultur ist (gleich) gut, auch jene fr\u00fcher als \u201aniedrig\u2018 abgewertete Kultur ist (genauso) \u201ahochwertig\u2018 (wie alles andere Kulturelle) und folglich f\u00f6rderungsw\u00fcrdig.<\/p>\n<p>Mit dieser Maxime handeln sich aber viele Parteien (die FDP, wie gerade gezeigt, weitgehend ausgenommen), eine Schwierigkeit ein: Da sie ungeachtet ihrer Auffassung von der Gleichwertigkeit unterschiedlichster Kunstwerke doch spezielle Dinge und Bereiche gezielt (nicht etwa zuf\u00e4llig) f\u00f6rdern wollen, befinden sie sich im Widerspruch zu ihrem eigenen Leitgedanken \u2013 denn es gibt ja unter dem Zeichen kultureller Gleichwertigkeit keinen Grund mehr, etwas zu bevorzugen, weil es besser ist, und anderes zu benachteiligen oder zu ignorieren (also nicht zu f\u00f6rdern), weil es schlechter ist (dazu <a title=\"Hohe Kultur Teil 7\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2017\/08\/21\/hohe-kultur-7von-thomas-hecken21-8-2017\/\" target=\"_blank\">Teil 7<\/a> dieser Reihe).<\/p>\n<p>Nicht einmal \u00fcber den Zuschnitt der kulturellen Sph\u00e4ren kann das Problem gel\u00f6st werden. Da die k\u00fcnstlerische Freiheit emphatisch postuliert wird, f\u00e4llt es zumindest im Bereich der Kunst schwer (bzw. soll ausdr\u00fccklich vermieden werden), etwas als unk\u00fcnstlerisch auszugrenzen und damit von der F\u00f6rderung auszunehmen, ohne es als schlechte Kunst abzuwerten. Wenn Dada, Performances, Grindcore, Daily Soaps, Instagramfotos, aleatorische Musik, Filmkom\u00f6dien, blasphemische Satire, Autofiktion, Boygroups etc. auch zur Kunst z\u00e4hlen, m\u00fcssten sie grunds\u00e4tzlich genauso gef\u00f6rdert werden wie Stadtschreiber, Symphonieorchester, Strindberg-Auff\u00fchrungen, Rubens-Ausstellungen, documenta-Installationen usf.<\/p>\n<p>Mit solcher Unterschiedslosigkeit und Freiheit vertr\u00e4gt sich aber der f\u00fcr die jeweilige Kulturpolitik benannte Vorrang des \u201akulturellen Erbes\u2018, der \u201aLeuchtturmprojekte\u2018, der \u201aIdentit\u00e4tsbildung\u2018, des \u201aDialogs\u2018, der \u201aGeschlechtergerechtigkeit\u2018, der \u201aNachhaltigkeit\u2018 etc. pp. \u00fcberhaupt nicht. Da es nun einmal futuristische, marginale, aufl\u00f6sende, egomane, solipsistische, chauvinistische, modische Kunst gibt (wenn man den proklamierten weiten Kunstbegriff auch nur einigerma\u00dfen beherzigt), kollidiert die bevorzugte oder ausschlie\u00dfliche F\u00f6rderung anderer, gegenteiliger Kunst mit dem eigens bem\u00fchten Freiheitsbegriff.<\/p>\n<p>Dem Postulat gleichen Werts widerspricht sie ohnehin, hier d\u00fcrfte man ohne eine Wertsetzung und anschlie\u00dfende Begr\u00fcndung, warum man etwas bevorzugt, deshalb keineswegs auskommen. Dies gilt umso mehr, als es keine Schwierigkeit bereitet, die genannten Erbe-feindlichen, Identit\u00e4ts-aufl\u00f6senden, an Geschlechtergerechtigkeit desinteressierten etc. Kunstformen auch kulturell zu unterlegen. Sind mit \u201aKunst\u2018 k\u00fcnstlerische Werke und Prozesse gemeint und mit \u201aKultur\u2018 eine spezifische Art zu leben (die Gesten, Sitten, Trachten, Verst\u00e4ndigungsweisen umfasst), dann lassen sich zu den genannten Kunstformen leicht entsprechende Kreise, Szenen und (Sub-)Kulturen finden, f\u00fcr die die genannten Werke einen Teil ihrer (allt\u00e4glichen) Kultur darstellen.<\/p>\n<p>Der Widerspruch von Freiheit auf der einen und den F\u00f6rderungskriterien und -zielen auf der anderen Seite bleibt demgem\u00e4\u00df auch bestehen, wenn man \u00fcber die \u201aKultur\u2018 und nicht nur \u00fcber die \u201aKunst\u2018 redet. Dies trifft in gesteigerter Weise zu, wenn (wie v.a. bei SPD, B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen und Die Linke) die Wertgleichheit unterschiedlicher Kulturen betont wird. Angesichts der postulierten Freiheit der Kunst kann man immerhin noch das Argument ausprobieren, durch die kulturpolitische F\u00f6rderung nur spezieller Kunst beschneide man nicht die Freiheit der anderen, nicht gef\u00f6rderten Kunst \u2013 postuliert man aber prinzipiell die kulturelle und k\u00fcnstlerische Wertgleichheit, dann verf\u00fcgt man grunds\u00e4tzlich \u00fcber kein Argument mehr, bestimmte F\u00f6rderungen qualitativ zu begr\u00fcnden<\/p>\n<p>Diesen Widerspruch kann man versuchen aufzul\u00f6sen, indem man das, was man speziell f\u00f6rdern m\u00f6chte, zum Desiderat erkl\u00e4rt: Im Reigen der Vielfalt fehlt bisher noch x, mit der F\u00f6rderung von x k\u00e4me dies hinzu, dann w\u00e4re die Vielfalt noch vielf\u00e4ltiger. X w\u00e4re dadurch nicht zu etwas Besserem als y erkl\u00e4rt worden \u2013 alle Kulturen sind in den Augen dieser Kulturpolitiker weiterhin gleichwertig \u2013, es g\u00e4lte nur die Auffassung, dass gr\u00f6\u00dfere Vielfalt besser sei als geringere Vielfalt. Dadurch kommt aber das zuvor beschriebene Problem der Wertgleichheit nur auf anderer Stufe zum Tragen: Wegen der Devise der Vielf\u00e4ltigkeitssteigerung h\u00e4tte man kein Argument mehr parat, weshalb man irgendwann nicht auch z.B. den Proletkult oder die Macho-Kultur f\u00f6rdern m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Keines dieser argumentativen Probleme haben CSU und AfD. (Die CDU versucht fast alle Schwierigkeiten zu umgehen, indem sie einerseits die nationale Leitkultur an die oberste Wert-Stelle setzt, andererseits aber diese Kultur kaum bestimmt; argumentativ ist das also wenig ernst zu nehmen.) Mit ihrer klaren Eingrenzung der nationalen Kultur und ihrer Verpflichtung der Kulturpolitik auf die F\u00f6rderung dieser Nationalkultur entgehen CSU und vor allem AfD den Widerspr\u00fcchen der anderen Parteien. Ihr Problem liegt woanders: Sie m\u00fcssten darlegen, weshalb spezifische Gebr\u00e4uche, Kunstformen, Ideen etc. deutsch sind und all die anderen, die ebenfalls auf deutschem Boden (unabh\u00e4ngig sogar von der Frage, wann und in welchen Grenzen man \u201aDeutschland\u2018 beginnen l\u00e4sst und verortet) bei deutschen B\u00fcrgern nachzuweisen sind, nicht. Sie bem\u00fchen sich aber nicht einmal, das zu tun, darum bleibt ihr Ansatz hochgradig widerspr\u00fcchlich und ohne jede argumentative Substanz.<\/p>\n<p>Im Lichte dieser Widerspr\u00fcche und argumentativen Defizite tritt der Vorzug des bundespr\u00e4sidialen Ansatzes klar hervor. Zumindest in der Rede zur Er\u00f6ffnung der Elbphilharmonie trifft man auf eine deutliche Wertsetzung \u2013 der hohe \u201eWert der klassischen Musik\u201c \u2013, die nicht sofort dadurch abgemildert wird, dass auf die \u00e4hnlichen oder identischen Vorz\u00fcge anderer K\u00fcnste und\/oder Kulturen verwiesen wird.<\/p>\n<p>Allerdings wird in der Rede nicht erl\u00e4utert, worin dieser besondere Wert besteht, das verleiht der Aussage den Makel des Dezisionismus. Andererseits erkl\u00e4rt der Bundespr\u00e4sident die klassische Musik nicht zur spezifisch oder essentiell deutschen Musik, das befreit die Aussage zumindest von der Last des nationalkulturellen Dezisionismus.<\/p>\n<p>Der Wert klassischer Musik legitimiert hier nicht nur den Bau des teuren Veranstaltungsortes, er stiftet auch das kulturpolitische Programm des Bundespr\u00e4sidenten, das \u00fcber den Ort der Elbphilharmonie hinausweist: Es besteht in dem Auftrag, mehr Menschen, zumal j\u00fcngere, nicht \u201egut situierte\u201c und nicht \u201egebildete\u201c Menschen f\u00fcr die klassische Musik zu gewinnen. Die \u201ahohe Kultur\u2018 soll also nicht das Eigentum der \u201ahohen\u2018 \u2013 gemessen an Einkommen, Verm\u00f6gen und Bildungsgrad \u2013 Schichten bleiben.<\/p>\n<p>Der Bundespr\u00e4sident h\u00e4lt es demnach wohl f\u00fcr m\u00f6glich, dass diese \u201ahohen Schichten\u2018 ohne die Legitimation der f\u00fcr sie bislang exklusiven \u201ahohen Kultur\u2018 weiter ihre Vorrangstellung bewahren k\u00f6nnen \u2013 und er nimmt zugleich zweifelsfrei an, dass die \u201aniederen Schichten\u2018 bei guter \u201eVermittlung\u201c und angesichts des schon existierenden \u201ebeeindruckenden Konzertprogramms\u201c ihre Liebe zur klassischen Musik (bald) entdecken w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Viele der Parteien sehen das offenbar genauso (die AfD \u00e4u\u00dfert sich nicht dazu). Sie betonen, wie wichtig ihre politischen Projekte und F\u00f6rderungsma\u00dfnahmen seien, um Kunst und Kultur allgemein zu bef\u00f6rdern. Die Linke setzt sich f\u00fcr einen \u201egleichberechtigten Zugang zur Kultur\u201c ein; die SPD schreibt: \u201eWir erm\u00f6glichen Kultur unabh\u00e4ngig von Geldbeutel, Schulabschluss, Alter, Geschlecht oder Herkunft\u201c. B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen: \u201eKultur muss f\u00fcr alle Menschen zug\u00e4nglich sein.\u201c FDP: \u201eVielfalt und die Freiheit des Kulturlebens in Deutschland sichern und f\u00fcr alle Menschen in unserem Land zug\u00e4nglich machen.\u201c CDU: \u201eVielfalt der Kultur in der Fl\u00e4che st\u00e4rken\u201c.<\/p>\n<p>Zwar deckt sich das nicht direkt mit der Aussage des Bundespr\u00e4sidenten, weist aber sehr wohl in seine Richtung. Da sehr viele kulturelle Angebote heutzutage auch ohne staatliche oder \u00f6ffentlich-rechtliche F\u00f6rderung umsonst (werbefinanziert) vorliegen und die Anschaffung von Computern, Radioger\u00e4ten, Fernsehern nicht mehr viel Geld kostet, deutet die \u201aF\u00fcr alle\u2018-F\u00f6rderungs-Formel auf St\u00e4tten hin, in denen (zumindest bislang) in erster Linie klassische Musik, modernes Theater, antike Skulpturen, abstrakte Malerei, avantgardistische, subkulturelle, subversive Performances etc. dreidimensional gezeigt werden. Der politisch gef\u00f6rderte (dadurch stets kosteng\u00fcnstigere und mitunter p\u00e4dagogisch vermittelte) Zugang zu ihnen soll die breite Rezeption f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Zwar hat sich diese Rezeption, wie der Bundespr\u00e4sident beispielhaft an klassischer Musik festgestellt hat, trotz entsprechender jahrzehntelanger Bem\u00fchungen noch nicht eingestellt. Dies hindert aber die politischen Akteure keineswegs daran, das Ziel weiter zu verfolgen; es ist aus Sicht der Parteien wohl noch nicht genug gef\u00f6rdert worden, so lautet wahrscheinlich ihre sehr hoffnungsvolle Begr\u00fcndung.<\/p>\n<p>Gegen die weitere intensive F\u00f6rderung der bislang allenfalls bei gro\u00dfer Subventionierung manchmal etwas breiter rezipierten Kulturprojekte spricht aus ihrer Sicht offenkundig auch nicht, dass solch eine allgemeine Beliebtheit bei nicht wenigen Werken der Pop- oder Popul\u00e4rkultur bereits seit langem zu verzeichnen ist \u2013 von den Beatles bis James Bond, vom Oktoberfest bis zum \u201eDschungelcamp\u201c (als rein kommerzielle Produkte), vom \u201eTatort\u201c bis zur Fu\u00dfball\u00fcbertragung (die auch ohne \u00f6ffentlich-rechtliche Gelder ihr gro\u00dfes, schichten\u00fcbergreifendes Publikum f\u00e4nden).<\/p>\n<p>Wenn der Anspruch \u2013 \u201aKultur f\u00fcr alle\u2018 \u2013 tats\u00e4chlich gelten w\u00fcrde, l\u00e4ge es also nahe, viel mehr Projekte in diesen Feldern (Krimi, Popmusik, Fu\u00dfball, elegante Actionfilme, Freizeitevents, Reality-TV etc.) zu unterst\u00fctzen. Dies w\u00e4re aber wenig sinnvoll, weil es ja bereits gen\u00fcgend privatwirtschaftliche, billige Angebote gibt, eine solche Forderung liefe eher auf die Beendigung staatlicher Kulturf\u00f6rderung hinaus.<\/p>\n<p>Als Alternative bleibt dann zum einen, auf den hohen kulturellen Wert der exklusiven, haupts\u00e4chlich von \u201egut situierten\u201c und \u201egebildeten\u201c Schichten wahrgenommenen Werke hinzuweisen, ohne den Anspruch (oder die Illusion) aufrechtzuerhalten, diese Kunstg\u00fcter w\u00fcrden demn\u00e4chst sicher auch von anderen Kreisen gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Zum anderen bietet sich an, die F\u00f6rderung auf Werke und Events hin auszurichten, die von den \u201aschlecht Situierten\u2018 und \u201aUngebildeten\u2018 neuerdings oder traditionell goutiert werden, ohne bislang eine breitere Anerkennung erfahren zu haben; hier k\u00f6nnte also die Kulturpolitik auch viel \u201aVermittlungsarbeit\u2018 f\u00f6rdern und Auff\u00fchrungen an bislang unerreichbaren Orten finanzieren.<\/p>\n<p>Keine dieser Alternativen ist jedoch in den Programmen der wichtigsten, m\u00e4chtigsten deutschen Parteien zu finden. Unabh\u00e4ngig davon, wie man zu den Zielen und bisherigen Projekten ihrer Kulturpolitik in den Kommunen und L\u00e4ndern stehen mag, bleibt darum als Fazit: die kulturpolitischen Ausf\u00fchrungen in den Parteiprogrammen sind durch einen Grundzug ausgezeichnet \u2013 nennen wir ihn Argumentationsschw\u00e4che, Heuchelei, Ideologie oder Idealismus?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hohe Kultur:<br \/>\nTeil 1: <a title=\"Hohe Kultur Teil 1\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2017\/02\/02\/hohe-kultur-1merkur-blog-und-pop-zeitschrift2-2-2017\/\" target=\"_blank\"> Einleitung<br \/>\n<\/a>Teil 2: <a title=\"Hohe Kultur Teil 2\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2017\/02\/28\/hohe-kultur-2von-thomas-hecken28-2-2017\/\" target=\"_blank\">Hohe und niedrige Metaphern \u2013 \u201ahigh culture\u2018, \u201alow culture\u2018 u.a.<\/a><br \/>\nTeil 3: <a title=\"Hohe Kultur Teil 3\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2017\/03\/13\/hohe-kultur-3von-christina-dongowski13-3-2017\/\" target=\"_blank\">Elphi \u2013 oder Hochkultur als Subventionsbetrug<\/a><br \/>\nTeil 4: <a title=\"Hohe Kultur Teil 4\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2017\/03\/23\/hohe-kultur-4von-annekathrin-kohout23-3-2017\/\" target=\"_blank\">Die Verachtung der popul\u00e4ren Kultur durch die Neuen Rechten<br \/>\n<\/a>Teil 5:\u00a0<a title=\"Hohe Kultur Teil 5\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2017\/04\/10\/hohe-kultur-5von-stefan-krankenhagen10-4-2017\/\" target=\"_blank\">Priceless. Die hohe Kultur und das Geld<br \/>\n<\/a>Teil 6:\u00a0<a title=\"Hohe Kultur Teil 6\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2017\/06\/19\/hohe-kultur-6von-niels-werber19-6-2017\/\" target=\"_blank\">Unsere unkultivierte Gegenwart<\/a><br \/>\nTeil 7: <a title=\"Hohe Kultur Teil 7\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2017\/08\/21\/hohe-kultur-7von-thomas-hecken21-8-2017\/\" target=\"_blank\">Konservative und linksalternative Positionen<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Parteiprogramme: Kulturpolitik<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[97068,394,396,421,480,550,623,724,913,1010,1322,1741,2196,2256,2493],"class_list":["post-7205","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-afd","tag-bundespraesident","tag-bundestagswahl-2017","tag-cdu","tag-csu","tag-die-linke","tag-elbphilharmonie","tag-fdp","tag-gruene","tag-hohe-kultur","tag-kulturpolitik","tag-parteiprogramm","tag-spd","tag-subventionierung","tag-wahlprogramme"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7205","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7205"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7205\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7205"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7205"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7205"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}