{"id":7217,"date":"2017-09-11T10:06:42","date_gmt":"2017-09-11T08:06:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=7217"},"modified":"2017-09-11T10:06:42","modified_gmt":"2017-09-11T08:06:42","slug":"das-schreckgespenst-des-begehrens-rezension-zu-ein-herz-und-eine-seele-geschichte-der-maennerfreundschaftvon-camilo-del-valle-lattanzio11-9-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2017\/09\/11\/das-schreckgespenst-des-begehrens-rezension-zu-ein-herz-und-eine-seele-geschichte-der-maennerfreundschaftvon-camilo-del-valle-lattanzio11-9-2017\/","title":{"rendered":"Das Schreckgespenst des Begehrens Rezension zu Andreas Kra\u00df, \u00bbEin Herz und eine Seele. Geschichte der M\u00e4nnerfreundschaft\u00abvon Camilo Del Valle Lattanzio11.9.2017"},"content":{"rendered":"<p>Der heterosexuelle Mann als Forschungsobjekt der Queer Studies<!--more--><\/p>\n<p>Der heterosexuelle Mann ist zu einem wichtigen und vielleicht sogar unumg\u00e4nglichen Forschungsobjekt der Queer Studies geworden, wobei wir das &#8218;Queere&#8216; dort finden, wo es ex negativo zum Vorschein kommt \u2013 abwesend und doch pr\u00e4sent, oder wie Andreas Kra\u00df schreibt: \u201eEinschluss und Ausschluss gehen Hand in Hand.\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Kra\u00df\u2018 j\u00fcngst erschienenes Buch &#8222;Ein Herz und eine Seele. Geschichte der M\u00e4nnerfreundschaft&#8220; ist ein exzellentes Beispiel einer solchen Heteronormativit\u00e4tsforschung, die den Fokus auf die Freundschaft zwischen heterosexuellen M\u00e4nnern legt, um jedoch genau dort das lauernde, bedrohliche Queere aufzuzeigen. Das Buch pr\u00e4sentiert ein Thema, das durch und durch allt\u00e4glich und doch unbemerkt ist; ein Thema, das in Kra\u00df\u2019 Buch, \u00e0 la Barthes\u2018 &#8222;Mythologies&#8220;, strukturiert entmythologisiert wird.<\/p>\n<p>Kra\u00df strebt \u201eeine kritische Analyse der Strategien\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> der heteronormativen Heiligsprechung dieser Art von Freundschaft an, die erst nach dem Tod ausdr\u00fccklich als Geschichte affektiver Intimit\u00e4t zelebriert werden kann, oder erst dann als solche zelebriert werden <i>darf<\/i>: n\u00e4mlich in Form einer Passionsgeschichte. Kra\u00df enth\u00fcllt eine implizite Maxime der Heteronormativit\u00e4t, die besagt: \u201eM\u00e4nner, die sich in dieser [passionierten] Weise lieben, m\u00fcssen leiden. M\u00e4nner, die in dieser Weise leiden, d\u00fcrfen sich lieben.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_7218\" style=\"width: 617px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/09\/Akhilleus_Patroklos_Antikensammlung_Berlin_F2278.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7218\" class=\"size-full wp-image-7218\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/09\/Akhilleus_Patroklos_Antikensammlung_Berlin_F2278.jpg\" alt=\"Achilles und Patroklos (Innenseite eines attischen rotfigurigen Kylix, um 500 v. Chr. Aus Vulci.)\" width=\"607\" height=\"599\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/09\/Akhilleus_Patroklos_Antikensammlung_Berlin_F2278.jpg 607w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/09\/Akhilleus_Patroklos_Antikensammlung_Berlin_F2278-300x296.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/09\/Akhilleus_Patroklos_Antikensammlung_Berlin_F2278-100x100.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 607px) 100vw, 607px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7218\" class=\"wp-caption-text\">Achilles und Patroklos (Innenseite eines attischen rotfigurigen Kylix, um 500 v. Chr. Aus Vulci.)<\/p><\/div>\n<p>Das Buch entwickelt eine Kulturgeschichte der Theatralik und Rhetorik der Freundschaft zwischen M\u00e4nnern, die sich an der unklaren Grenze zwischen nicht-sexuellem affektivem und erotischem Begehren befindet, und die im Laufe der europ\u00e4ischen Geschichte immer wieder anders kodiert wurde. Das Buch stellt die heterosexuelle Freundschaft ins Zentrum; die Thematik der Homosexualit\u00e4t bzw. des homoerotischen Begehrens bleibt jedoch als allgegenw\u00e4rtiges Abwesendes, ja als Bedrohliches im ganzen Buch pr\u00e4sent. Die diskursive Kodierung der Homosexualit\u00e4t ist somit dem Motiv der M\u00e4nnerfreundschaft als dem eigentlichen Thema des Buches eingeschrieben.<\/p>\n<p>Zwei wesentliche kulturhistorische bzw. diskursive Aspekte der M\u00e4nnerfreundschaft werden in der Analyse konturiert: die Annahme einer Br\u00fcderlichkeit \u2013 in manchen F\u00e4llen einer Wesensgleichheit \u2013 der m\u00e4nnlichen Freunde sowie die Figur der passionierten Beziehung bzw. der Passionsgeschichte der M\u00e4nnerfreundschaft. Dabei geht es um die Kritik einer impliziten Kausalit\u00e4t, zwischen einer causa prima (Verwandtschaft, Schicksal, Natur, Wesen und alles, was die Freundschaft als determiniert sieht) und einer causa finalis (der Tod und die Trauer dar\u00fcber als bestimmende Instanz bzw. Kulmination der M\u00e4nnerfreundschaft). Es geht um jene Kausalit\u00e4t, die sich aus einer bestimmten Diskursivierung der M\u00e4nnerfreundschaft in der Literaturgeschichte ergeben hat, die mitunter in ihrer von Kra\u00df sogenannter \u201aHeiligsprechung\u2018 kulminiert.<\/p>\n<p>Kra\u00df\u2019 Buch zeichnet sich durch seine Zug\u00e4nglichkeit aus. Die langen und hilfreichen Einf\u00fchrungen und Zusammenfassungen der behandelten Texte und der klare, deutliche und spannungsreiche Stil erwecken auch das Interesse nicht fachkundiger Leser. Das Buch ist aber nicht nur gut geschrieben, der Autor hat auch den Mut, neue Thesen aufzustellen; die Arbeit beschr\u00e4nkt sich nicht auf historische Darstellungen, vielmehr liefert sie innovative Lekt\u00fcren, die auf eine Theoriebildung abzielen.<\/p>\n<p>Niklas Luhmann dient hierbei als theoretischer Ausgangspunkt, wird aber nicht nur als Folie benutzt, sondern als Gespr\u00e4chspartner herangezogen. Kra\u00df f\u00fchrt Luhmanns Theorie weiter, kritisiert sie und pr\u00e4sentiert neue Ankn\u00fcpfungspunkte und theoretische \u00dcberlegungen. Was man sich unter einer vorbildlichen literaturwissenschaftlichen Arbeit vorstellt, wird hier eingel\u00f6st: das Buch ist wissenschaftlich fundiert, spannend, nachvollziehbar und herausfordernd.<\/p>\n<p>Im ersten Teil dieser &#8222;Geschichte der M\u00e4nnerfreundschaft&#8220; wird der theoretische und geschichtliche Horizont der literaturwissenschaftlichen Studie festgelegt: Andreas Kra\u00df geht von Luhmanns systemtheoretischer Auffassung der Geschichte der Freundschaft aus, um eine strukturierte &#8222;Typologie der Freundschaft&#8220; vorzuschlagen, die f\u00fcr eine Querlekt\u00fcre der Literaturgeschichte von der Antike bis in die Gegenwart produktiv gemacht werden soll.<\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe Leistung der vorgeschlagenen Typologie ist die gerechtfertigte Erweiterung von Luhmanns System: w\u00e4hrend letzterer eine dreistufige Diskursivierung der Freundschaft in der Geschichte skizziert, schl\u00e4gt Kra\u00df vier historische Paradigmen der Freundschaft vor; w\u00e4hrend Luhmann nur die Politik im Verh\u00e4ltnis zur Intimit\u00e4t als pr\u00e4gende Struktur der Freundschaftsdiskurse sieht, skizziert Kra\u00df eine viel komplexere und nicht abgeschlossene Kartographie zwischen Intimit\u00e4t, Politik, Religion, Kunst und Wissenschaft. Nach einer theoretischen Einf\u00fchrung in das Thema dient die historische Aufteilung Kra\u00df dazu, eine chronologische Strukturierung seiner Monographie zu fundieren: aus jeder der vier untersuchten Epochen werden literarische Prim\u00e4rtexte herangezogen, um diese parallel zu zeitgen\u00f6ssischen prominenten theoretischen Diskursen \u00fcber die Freundschaft zu lesen. Dieser Zugang wird indessen nur bedingt eingel\u00f6st, begn\u00fcgt sich der Vergleich oder die Kontrastierung der verschiedenen Texte doch gelegentlich auf blo\u00dfe Hinweise.<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich Kra\u00df\u2019 vierfacher historischen Aufteilung (Antike, Mittelalter, Fr\u00fche Neuzeit und Moderne), lohnt es sich zu fragen, ob man tats\u00e4chlich von <i>einem<\/i> Diskurs der Freundschaft in jeder dieser Epochen sprechen kann. Dies gilt besonders f\u00fcr die Moderne und die Fr\u00fche Neuzeit, deren Epochengrenze bei Kra\u00df nicht einmal n\u00e4her bestimmt werden. Mit Blick auf die Moderne stellt sich die Frage, ob es sich nicht eher um eine Vervielfachung der Diskurse, um einen Bruch mit den institutionalisierten hegemonialen Auffassungen handelt: Kann man \u00fcber <i>einen<\/i> modernen Freundschaftsbegriff sprechen und kann Maurice Blanchot (Kra\u00df\u2019 Beispiel der theoretischen Auseinandersetzung in der Moderne, das wohlbemerkt nur als Beispiel eines \u201eWiderstandspunktes\u201c pr\u00e4sentiert wird) als paradigmatisch f\u00fcr eine ganze, nur diffus abgegrenzte Epoche gelten? Die Texte, die in diesem Kapitel zur Moderne herangezogen werden, zeugen davon, dass ein einheitlicher moderner Freundschaftsdiskurs nicht denkbar ist.<\/p>\n<p>Besonders relevant in Kra\u00df\u2019 Monographie ist die Auseinandersetzung mit der ausgeschlossenen Homosexualit\u00e4t im Diskurs der M\u00e4nnerfreundschaft: mit einer Homosexualit\u00e4t, die vor dem Hintergrund einer Unterscheidung zwischen homosozialem und -sexuellem Begehren in der M\u00e4nnerfreundschaft latent enthalten ist: \u201eDas Schreckgespenst, das hinter der passionierten M\u00e4nnerfreundschaft lauert ist [\u2026] die Sodomie.\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Die Wichtigkeit des Ausgeschlossenen (die Homosexualit\u00e4t und, im Mittelalter und in der Fr\u00fchen Neuzeit, die sogenannte Sodomie), die Wichtigkeit dessen, was nicht manifest werden darf, entspricht einer Dialektik, die in Kra\u00df\u2019 Monographie wiederum historisch dargelegt wird. Kra\u00df bezieht sich auf\u00a0 Foucaults &#8222;Geschichte der Sexualit\u00e4t&#8220;, um diese durch Verbot abgesonderte Beziehung der zwei Begehrensarten zu erkl\u00e4ren. In dieser Hinsicht wird deutlich, dass Kra\u00df\u2019 Heteronormativit\u00e4tskritik sich durch und durch mit Kern-Thematiken der Queer Studies auseinandersetzt, und dies scheint die gr\u00f6\u00dfte Leistung der Studie zu sein (obwohl dies, wie gezeigt wird, dem Forschungsobjekt nicht vollends gerecht wird): Die M\u00e4nnerfreundschaft erscheint in dieser Perspektive als jenes kulturelle Szenario, in dem sich der heterosexuelle Mann der geschlechtlichen Rollenwechsel und den verbotenen homosexuellen Affekten unter der <i>Lizenz<\/i> einer dem passionierten Tod entsprechenden Trauer hingeben darf.<\/p>\n<p>Kra\u00df geht aber noch weiter, wenn er behauptet, dass sich in der passionierten Freundschaftsgeschichte und im Bild des toten Freundes eine homophobe und misogyne Seite des patriarchalischen Diskurses \u00e4u\u00dfert. Der Versuch heterosexueller Freunde, der Gefahr des homosexuellen Begehrens ein Ende zu setzen, indem es zum Tode und damit paradoxerweise zur Verewigung gebracht wird, und die zugeh\u00f6rige Trauer als ein Prozess der Verweiblichung entpuppen sich als eine Strategie der Heteronormativit\u00e4t, die die M\u00e4nnerfreundschaft und die Trennung zwischen Intimit\u00e4t und Sexualit\u00e4t und m. E. auch die Abgrenzungen zwischen den Geschlechtern strukturiert. Die Passionsgeschichten der M\u00e4nnerfreundschaft enth\u00fcllen die prek\u00e4ren Grenzen zwischen Homosoziabilit\u00e4t und Homosexualit\u00e4t, aber auch zwischen M\u00e4nnlichkeit und Weiblichkeit.<\/p>\n<p>Vor dieser Folie sind auch Kra\u00df\u2019 Bez\u00fcge auf Judith Butler zu verstehen: Im ganzen Verbot des homosexuellen Begehrens (\u201aHomosexualit\u00e4tstabu\u2018) versteckt sich der Kern einer Genderindentifikation. D. h. zwischen heterosexuellen M\u00e4nnern werden heteronormative Strategien der Ausschlie\u00dfung ausagiert, wobei das Ausgeschlossene stets pr\u00e4sent bleibt: die Tunte, die Frau, das Perverse. Kra\u00df bedient sich der Freud\u2019schen Begriffe der &#8218;Trauer&#8216; und der &#8218;Melancholie<i>&#8218;<\/i>, um dieses misogyne und heteronormative Schema darzustellen, indem er die Trauer der passionierten M\u00e4nnerfreundschaft in diesem Rahmen zu verstehen versucht: \u201eDer tote Freund verweist auf die \u00bboffene Wunde\u00ab des verleugneten Begehrens.\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Dieser theoretische Zugriff auf das Thema (der zuvor ein rein historischer war) ist nicht ganz unproblematisch: die Argumente einer &#8222;Melancholie der Geschlechter&#8220; lassen sich nur unter R\u00fcckgriff auf einen psychoanalytischen Apparat aufrechterhalten, was zur Gefahr einer Verk\u00fcrzung der Perspektive und einer Einschr\u00e4nkung des Zugangs f\u00fchren kann. Das Freud\u2019sche Unbewusste bzw. die gesamte Psychoanalyse bilden die Voraussetzung, um die ganze Konstellation der M\u00e4nnerfreundschaft in dieser Art und Weise erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen. Die psychologisierenden Folgen, die sich daraus ergeben, k\u00f6nnen jedoch die Erkenntnisse der historischen Lekt\u00fcren und Diskursanalyse gef\u00e4hrden. Diese psychoanalytisch geleitete Lekt\u00fcre f\u00fchrt dann zu einem a-historischen Ansatz, der (positiv betrachtet) eine produktive Theoriebildung bedingen kann, die sich jedoch (negativ betrachtet) gleichzeitig von der vom Autor selbst intendierten philologisch-historischen Analyse entfernt. Es gilt hier jedoch anzumerken, dass diese psychoanalytische Sicht nur im theoretischen Teil zu finden ist, im restlichen Teil der Analyse hingegen keine wesentliche Rolle mehr spielt. Es stellt sich dennoch die grunds\u00e4tzliche Frage, wof\u00fcr die Psychoanalyse hier nun genau in Anschlag gebracht wird.<\/p>\n<p>Im theoretischen Teil bleibt dar\u00fcber hinaus die Frage offen, inwiefern sich von der Freundschaft auf das Begehren, oder von der Freundschaft auf die affektiven \u00c4u\u00dferungen schlie\u00dfen l\u00e4sst. Wie ist die Beziehung zwischen Freundschaft und erotischem Begehren zu denken? Obwohl Kra\u00df sich darauf beschr\u00e4nkt, verschiedene historische Kodierungen der Freundschaft und ihre Beziehung zur Sexualit\u00e4t zu skizzieren, scheint bei ihm die affektive Eskalation der Freundschaft notwendigerweise in Erotik m\u00fcnden zu m\u00fcssen. Indem Kra\u00df den affektierten und \u00fcbersteigerten Affekt des Freundes in der Trauer beschreibt, um zur narzisstischen &#8222;Melancholie der Geschlechter&#8220;\u00a0zu kommen, unterl\u00e4uft er nicht nur die Grenze zwischen Freundschaft und Sexualit\u00e4t, sondern auch die Grenze zwischen dem Homosozialen und dem Homosexuellen. Wie diese heikle Liminalit\u00e4t zwischen dem Sozialen und dem Sexuellen zu denken w\u00e4re, wird nicht weiter pr\u00e4zisiert.<\/p>\n<p>Dieses Problem betrifft auch die historische Lekt\u00fcre, die dezidiert das Thema der Homosexualit\u00e4t ausklammert und den Fokus auf die heterosexuelle M\u00e4nnerfreundschaft setzen m\u00f6chte, f\u00fcr die aber immer wieder Erotisierungsprozesse ausgemacht werden. So werden etwa bei der Auswahl der literarischen Beispiele im Kapitel zur Moderne nur Texte herangezogen, in denen die Thematik der Homosexualit\u00e4t nicht sekund\u00e4r ist, sondern, ganz im Gegenteil, eines der Hauptthemen darstellt (wie bei Annie Proulxs &#8222;Brokeback Mountain&#8220;, Patricia Highsmiths &#8222;The talented Mr. Ripley&#8220; oder Wolfgang Hermsdorfs &#8222;Tschick&#8220;).<\/p>\n<p>Kra\u00df argumentiert, dass es sich hier nicht um \u201e\u00bbschwule\u00ab Geschichten\u201c handelt, weil \u201e[d]ie Protagonisten [\u2026] sich nicht als Homosexuelle identifizieren.\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Es stellt sich jedoch die Frage, ob das ein ausschlie\u00dfendes Kriterium ist, um eine Geschichte (bzw. deren Protagonisten) als \u201eschwul\u201c zu bezeichnen. In all diesen Geschichten geht es um eine Problematisierung der sexuellen Orientierung der Figuren; diese literarischen Beispiele lassen sich somit in den Bereich queerer Literaturgeschichte einordnen. Kra\u00df behauptet hingegen, etwa in Bezug auf Highsmiths Roman, in dem \u201eder Homosexualit\u00e4tsverdacht nicht nur peripheres, sondern zentrales Thema des Romans ist\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a>, oder auf Herrndorfs Erz\u00e4hltext, in dem \u201e[d]as Motiv der Homosexualit\u00e4t [\u2026] von langer Hand vorbereitet [wird], es ist das eigentliche Leitmotiv des Romans.\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Das Bestreiten des queeren Charakters dieser Texte w\u00fcrde zur problematischen Annahme f\u00fchren, dass queere Literatur nur von homosexuellen oder transgeschlechtlichen AutorInnen stammen k\u00f6nne bzw. von Figuren, die sich selbst bewusst als homosexuell oder transgeschlechtlich bezeichnen. Um dem heterosexuellen Forschungsobjekt gerecht zu werden, w\u00e4re das Beispiel &#8222;Winnetou&#8220;\u00a0von Karl May, dessen Bild das Cover des Buches ziert, und das kurz im letzten Unterkapitel genannt wird, viel passender gewesen.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>Inwiefern kann man hier von einem reinen heterosexuellen Diskurs sprechen?\u00a0 Wo ist die Grenze zwischen Freundschaft und Erotik? Wann kann man wirklich \u00fcber Homosexualit\u00e4t sprechen? Kra\u00df behauptet in Bezug auf <i>Brokeback Mountain<\/i>, dass die Novelle relevant sei, weil \u201esie vom k\u00f6rperlichen Verkehr zweier M\u00e4nner erz\u00e4hlt, die sich als Freunde, und zwar als <i>heterosexuelle <\/i>Freunde wahrnehmen. Die Geschichte handelt nicht von \u00bbschwulen Cowboys\u00ab, sondern von heterosexuellen M\u00e4nnerfreunden, die gelegentlich Sex miteinander haben. Dass sie sich nicht als Homosexuelle wahrnehmen, liegt in der Homophobie [\u2026].\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Haben wir es hier also mit homosexuellen M\u00e4nnern zu tun, die sich nur der Selbstbezeichnung \u201ehomosexuell\u201c verweigern, aber homoaffektiv lieben und einander homosexuell begehren? Und worin l\u00e4ge das Bedrohliche der Homosexualit\u00e4t, wenn diese k\u00f6rperlichen Begegnungen als heterosexuell zu verstehen w\u00e4ren? Diese Fragen pr\u00e4sentieren trotzdem einige Schwierigkeiten: eine davon ist der zu undeutlich umrissene Begriff der &#8218;Intimit\u00e4t&#8216;, der genau diese zwei Bereiche der Homosexualit\u00e4t und -soziabilit\u00e4t ununterscheidbar macht. Wie intim ist die sexuelle und wie intim die freundschaftliche Beziehung? Diese Problematik erweist sich im Falle der Beispiele aus der Fr\u00fchen Neuzeit (im Falle von Eduard II. und Gaveston oder Romeo und Mercutio) als besonders kompliziert.<\/p>\n<p>Das Thema der als heterosexuell bezeichneten M\u00e4nnerfreundschaft scheint genau den Kern der Frage nach der Zul\u00e4ssigkeit von homosexuellen Affekten zwischen M\u00e4nnern und, dar\u00fcber hinausgehend, der Erotik in jeder Art von freundschaftlicher Beziehung zu bestimmen. Kra\u00df hebt in Bezug auf Aelred von Rievaulx hevor, dass solche M\u00e4nnerfreundschaften auch \u201eden Eindruck gewinnen [lassen], dass es um mehr geht als das, was man heute Freundschaft nennt. [\u2026].\u201c<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Die Auseinandersetzung mit dem Thema der Freundschaft f\u00fchrt unvermeidbar zur Frage nach ihren Grenzen, die das markieren, was man als Homosexualit\u00e4t bezeichnet, die ausgeschlossen werden muss. Die Homosexualit\u00e4t kommt ex negativo in Spiel, auch bei jenen \u00e4lteren Beispielen, in denen die Homoerotik nicht explizit, aber implizit vorkommt. Es w\u00e4re interessant an dieser Stelle auch Aspekte jener Freundschaft in Betracht zu ziehen, die zwischen den verschiedenen Geschlechtern zustande kommt.<\/p>\n<p>Die historische Auseinandersetzung mit dem Topos der M\u00e4nnerfreundschaft f\u00e4ngt bei Kra\u00df mit einer klassischen Konzeptualisierung in der Antike an. Wie bereits erw\u00e4hnt, werden f\u00fcr jede Epoche ein theoretischer Text und literarisches Beispiel herangezogen; die Auswahlkriterien daf\u00fcr werden jedoch nicht explizit erkl\u00e4rt. Trotz der scheinbar willk\u00fcrlichen Zusammensetzung des Korpus entspricht dieses einem klaren Kanon, der dem theoretischen Rahmen und der Absicht der Monographie konsequent und gut entspricht. Ob Cicero (im Falle der Antike) als die exemplarischste theoretische Auseinandersetzung mit der Freundschaft gilt, muss allerdings fraglich bleiben, da das Denken Ciceros ja eher in einer platonischen und aristotelischen Tradition zu situieren ist. Andererseits repr\u00e4sentiert gerade Cicero einen historischen Mittelpunkt in der gro\u00dfen Spannweite des antiken Denkens, das Kra\u00df in seiner literarischen Auswahl gut darzustellen vermag: von der griechischen Antike und dem alten Judentum, \u00fcber die Sp\u00e4tantike bis hin zum fr\u00fchen Christentum. In dieser riesigen historischen Spanne werden von Kra\u00df einige Unterscheidungen getroffen und aufgrund klarer Parameter ausgew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Der sorgf\u00e4ltige Umgang mit Texten, der sich nicht in Referenzen auf Sekund\u00e4rliteratur verliert, liefert eine erneuerte und frische Lekt\u00fcre mit dem Kanon. Die genaue Zusammenfassung der Prim\u00e4rtexte erlaubt einen einfachen Einstieg in die Lekt\u00fcre, die sogar durch das Nacherz\u00e4hlen jedes Prim\u00e4rtextes einen anthologischen Charakter bekommt. Kra\u00df bezieht sich auf exemplarische Stellen, die jedoch immer wieder sehr klug und umsichtig in Beziehung zu anderen Texten gesetzt werden. Es handelt sich um eine Indiziensuche oder Akzentuierungslekt\u00fcre, die sich produktiv zwischen Partikul\u00e4rem und Allgemeinem situiert. Das Resultat ist sehr gelungen, da die Suche streng strukturiert bleibt und klare Resultate liefert.<\/p>\n<p>Es bleibt dennoch zu fragen, wie die Horizontalit\u00e4t bzw. synchronische Darstellung sehr unterschiedlicher Textarten zu bewerten ist. Im Kapitel zur Antike werden Texte parallel gelesen, die extrem heterogenen Kulturen und Zeitr\u00e4umen angeh\u00f6ren: biblische (David und Jonathan oder Jesus und Johannes) neben griechischen oder lateinischen Figuren (Achilles und Patroklos oder Pallas und Aeneas). Die kulturpr\u00e4gende Wichtigkeit der verschiedenen Figuren ist sehr unterschiedlich, und dies f\u00fchrt zu der Frage, inwieweit es legitim ist, gro\u00dfe Epochenunterschiede solcherart zu nivellieren. Kra\u00df selbst betont etwa in Bezug auf Aeneas und Pallas, dass es hier um eine sehr gro\u00dfe Verschiebung in der Darstellung der Freundschaft geht.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Ein anderes Beispiel ist die Freundschaftsgeschichte zwischen Jesus und Johannes, die sich m. E. nur schwer unter den leitenden Begriff der \u201aWaffenbr\u00fcder\u2018 subsumieren l\u00e4sst, der das ganze Kapitel zur Antike und Sp\u00e4tantike vereinheitlichen soll. Zu diesem Problem der horizontalen Lekt\u00fcre tritt das Problem der Wahl des jeweiligen theoretischen Textes: Wie m\u00fcsste dieser Text beschaffen sein, um repr\u00e4sentativ f\u00fcr eine ganze Epoche zu sein, die mehrere Jahrhunderte umfasst?<\/p>\n<p>Kra\u00df\u2018 detaillierte Lekt\u00fcren der verschiedenen M\u00e4nnerfreundschaften k\u00f6nnen als eine Spurensuche verstanden werden. Kra\u00df sucht dezidiert nach folgenden Spuren: (1) einem sterbenden\/verstorbenen und einem \u00fcberlebenden Freund, (2) einer Klage nach dem Tod des einen, (3) einer vom Affekt der Intimit\u00e4t dominierten Sprache \u00fcber den Freund, (4) der Effeminierung eines Freundes, (5) einer komplexen, sozial kodierten Darstellung der Beziehung zwischen Freundschaft und Sexualit\u00e4t, (6) einem Waffentausch oder einer symbolischen Handlung mit Gew\u00e4ndern oder anderen Objekten, (7) der Triangulation einer meistens weiblichen Vermittlung der passionierten Freundschaft, (8) einer angedeuteten sowohl geistigen als auch k\u00f6rperlichen Einheit (\u00bbein Herz und eine Seele\u00ab), (9) einer meistens narzisstischen Gleichheit der Freunde und (10) einer m\u00fctterlichen oder v\u00e4terlichen Rolle. In den einzelnen Lekt\u00fcren tauchen manche dieser Aspekte auf, andere spielen bisweilen keine Rolle; sie alle bilden jedoch ein Repertoire an Parametern f\u00fcr die Analyse, das konsequent beibehalten wird.<\/p>\n<p>Bei jeder Epoche kommen aber einige Elemente vor, die allen literarischen Texten inh\u00e4rent sind, und die jene diskursiven historischen Verschiebungen anschaulich werden lassen, wie sie Luhmann postuliert hat: so etwa in der Fr\u00fchen Neuzeit, wenn der Freund als eine Trostinstanz des Liebesleids fungiert, im Mittelalter, wenn sich das Freundespaar in Gott vereinigt, oder in der Antike, in der Waffen eine wichtige symbolische Rolle in der Br\u00fcderlichkeit der M\u00e4nnerfreunde spielen. Diese Aspekte oder Spuren werden in jedem Prim\u00e4rtext hervorgehoben und in Bezug zu den anderen Texten gestellt, um m\u00f6gliche Verschiebungen oder Erneuerungen in jedem neuen Zeitabschnitt markieren zu k\u00f6nnen. Die arch\u00e4ologische Arbeit Kra\u00df\u2018 ist in der Tat akkurat und sehr \u00fcberzeugend.<\/p>\n<p>Die Beschr\u00e4nkung auf diese Suchparameter stellt gleichzeitig eine gro\u00dfe interpretatorische Herausforderung dar, die von Kra\u00df stets beeindruckend gemeistert wird: Ein bemerkenswerter Fall ist die Freundschaft zwischen Werther und Wilhelm aus Goethes Briefroman, in dem die Qualit\u00e4t der Beziehung der beiden Figuren nie explizit zum Thema wird. Kra\u00df macht trotzdem sehr schl\u00fcssig Indizien im Werk aus, die die passionierte M\u00e4nnerfreundschaft dieser beiden Figuren vor Augen f\u00fchren. Die sehr mutige Lekt\u00fcre von Goethes Werk er\u00f6ffnet eine Perspektive, die auch rezeptions\u00e4sthetische Folgen mit sich bringe: der Leser wird, so Kra\u00df, in die passionierte Freundschaftsbeziehung einbezogen. Dies k\u00f6nnte meiner Meinung nach eine nachvollziehbare Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Selbstmordf\u00e4lle liefern, wie sie bei einigen zeitgen\u00f6ssischen Werther-LeserInnen auftraten. Besonders relevant (und das in Bezug auf das ganze Kapitel \u00fcber die Fr\u00fche Neuzeit) sind auch die poetologischen Folgen dieser Thematik, d. h. die Bez\u00fcge zwischen der M\u00e4nnerfreundschaft und einer Schrift- und Brief\u00e4sthetik: Die Schrift erscheint dann als Lizenz einer Passion, deren potentielle politische Folgen, die sich aus dem Sodomie-Verdacht ergeben, zu maskieren und zu verbergen sind.<\/p>\n<p>Ferner ist die Frage des Kanons in Bezug auf Kra\u00df\u2019 Buch nicht unproblematisch: Es \u00fcberrascht, dass die Auswahl nur europ\u00e4ische und zwei nordamerikanische Beispiele beinhaltet, obwohl die Hypothesen einen viel gr\u00f6\u00dferen Rahmen betreffen. Kra\u00df bezieht sich trotzdem im einleitenden ersten Kapitel auf \u201eGilgameschs Erbe\u201c, jegliche weitere Referenzen auf asiatische, arabische oder lateinamerikanische Beispiele bleiben jedoch ausgespart. Der europ\u00e4ische Fokus ist aber nicht das Auff\u00e4lligste in der Auswahl, sondern die markante Wende im letzten Kapitel des Buches: w\u00e4hrend zun\u00e4chst ausschlie\u00dflich prominente, ja klassische Werke der Literaturgeschichte behandelt werden (die Bibel, &#8222;Ilias&#8220;, &#8222;Rolandslied&#8220;, &#8222;Die Leiden des jungen Werthers&#8220;, u. a.) geht es im letzten Kapitel um Texte, die nicht unbedingt zum Kanon der Weltliteratur z\u00e4hlen (Hermsdorfs &#8222;Tschick&#8220;, Roulx\u2018 &#8222;Brokeback Mountain&#8220; und alle anderen).<\/p>\n<p>Diese Zusammensetzung des Korpus weist auf ein Problem hin, das den Kern der Kanon-Frage betrifft, und zwar mit Blick auf den diskursanalytischen Zugang. Was die Suche nach der Kodierung von M\u00e4nnerfreundschaft innerhalb der europ\u00e4ischen Diskursgeschichte betrifft, spielt die Frage der Kanonisierung mit Blick auf die Diskurspr\u00e4gung naturgem\u00e4\u00df eine zentrale Rolle: Es wurden n\u00e4mlich jene Figuren (Jesus, Achilles, usw.) ausgew\u00e4hlt, die durch und durch in unserem Denken und in unserer Gesellschaft pr\u00e4gend und pr\u00e4sent sind und daher nicht umsonst als kanonisch bezeichnet werden. Demgegen\u00fcber erscheint die Darstellung am Ende des Buches aber eher als eine \u201astichprobenartige\u2018 Auswahl, welche die relevante und nicht einfache Frage offen bleiben l\u00e4sst, welche Beispiele wir in der Moderne als kanonische M\u00e4nnerfreundschaftsdarstellungen betrachten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Eine der gr\u00f6\u00dften Leistungen von Kra\u00df\u2019 Darstellung ist die sehr genaue philologische und manchmal etymologische Lekt\u00fcre der Texte, die darauf zielt, die Maskierungen und Verschleierungen eines homosozialen Begehrens offenzulegen. Die schon besprochene heikle Grenze zwischen dem passionierten Affekt der Freundschaft und dem sexuellen Begehren bedarf einer sehr genauen Lekt\u00fcre, die Kra\u00df in seinem Buch durchaus leistet. W\u00fcnschenswert w\u00e4re allerdings gewesen, jeweils am Ende eines jeden Kapitels und auch am Ende des Buches eine Zusammenfassung zu liefern, in der das Analysierte in Beziehung zu den in der Einleitung pr\u00e4sentierten psychoanalytischen Hypothesen gebracht wird. Die einzelnen Textanalysen liefern zwar sehr gute Inhaltsangaben und stringente Lekt\u00fcren des Motivs der M\u00e4nnerfreundschaft, sie werden aber nicht ausf\u00fchrlich mit den anderen verglichen. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass einige Teile der recht langen Monographie aus fr\u00fcheren Artikeln des Autors bestehen.<\/p>\n<p>Zusammenfassend stellt Andreas Kra\u00df\u2019 &#8222;Geschichte der M\u00e4nnerfreundschaft&#8220; den erfolgreichen Versuch dar, ein als allt\u00e4glich und selbstverst\u00e4ndlich betrachtetes Ph\u00e4nomen in Frage zu stellen und seine innere Struktur zu analysieren. Kra\u00df zeigt in seiner Publikation, dass das Thema der Queerness nicht auf den Bereich der \u201aschwulen\u2018 Belletristik reduziert werden kann, sondern dass dieses Thema vielmehr die ganze europ\u00e4ische Literaturgeschichte betrifft. Kra\u00df\u2019 Buch pr\u00e4sentiert somit eine sehr wichtige Studie, die dem Repertoire deutschsprachiger Queer Studies sehr bereichert. Die politischen Konsequenzen und der soziale Einfluss dieses allt\u00e4glichen Bildes zweier Freunde, die \u201aein Herz und eine Seele\u2018 teilen, kann nicht mehr \u00fcbersehen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Kra\u00df, Andreas (2016): Ein Herz und eine Seele. Geschichte der M\u00e4nnerfreundschaft. Frankfurt a. M.: Fischer, 16.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Ebd., 301.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Ebd., 299.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Ebd., 78.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Ebd., 321.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Ebd., 343.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Ebd., 379.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Es gibt zahlreiche kanonische Beispiele heterosexueller Freundschaftsbeziehungen in der modernen Literatur, die nicht im Kanon schwuler Literatur zu finden sind: wie etwa die Freundschaft zwischen Eugen Onegin und Wladimir Lensky in Puschkins Versroman, die Beziehung zwischen Hans Castorp und Joachim Ziem\u00dfen in Thomas Manns Der Zauberberg, die Beziehung zwischen Alberto Fern\u00e1ndez und Ricardo Arana in Mario Vargas Llosas La ciudad y los perros oder die zwischen Sal Paradise und Dean Moriarty in Jack Kerouacs On the road, u. a..<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Ebd., 352.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Ebd., 151.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Ebd., 123.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"website lattanzio\" href=\"https:\/\/www.uni-salzburg.at\/index.php?id=208010\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Camilo Del Valle Lattanzio<\/a> ist Universit\u00e4tsassistent am Institut f\u00fcr Iberoamerikanische Kultur- und Literaturwissenschaft an der Universit\u00e4t Salzburg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der heterosexuelle Mann als Forschungsobjekt der Queer Studies<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[175,615,1019,1020,1167,1437,1679,1933,2120],"class_list":["post-7217","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-andreas-krass","tag-ein-herz-und-eine-seele","tag-homosexualitaet","tag-homosoziabilitaet","tag-judith-butler","tag-maennerfreundschaft","tag-niklas-luhmann","tag-queer-studies","tag-sexualitaet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7217","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7217"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7217\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7217"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7217"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7217"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}