{"id":7225,"date":"2017-09-08T08:37:01","date_gmt":"2017-09-08T06:37:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=7225"},"modified":"2017-09-08T08:37:01","modified_gmt":"2017-09-08T06:37:01","slug":"die-ewige-stille-dieser-unendlichen-weltenraeumephilosophische-aspekte-in-der-filmmusik-zu-gravity-2013-von-attila-kornel8-9-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2017\/09\/08\/die-ewige-stille-dieser-unendlichen-weltenraeumephilosophische-aspekte-in-der-filmmusik-zu-gravity-2013-von-attila-kornel8-9-2017\/","title":{"rendered":"\u00bbDie ewige Stille dieser unendlichen Weltenr\u00e4ume\u00abPhilosophische Aspekte in der Filmmusik zu Gravity (2013) von Attila Kornel8.9.2017"},"content":{"rendered":"<p>Stille Filmmusik?<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Blaise Pascal und die Leere<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Mit der Faszination am Sternenhimmel verkn\u00fcpft sich oftmals eine tiefe Nachdenklichkeit. Bereits Blaise Pascal (1623\u201362) fl\u00f6\u00dfte \u201edie ewige Stille dieser unendlichen Weltenr\u00e4ume [\u2026] schreckliche Angst ein.\u201c<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> Zu einer Zeit der wissenschaftlichen Neuerungen wurde seine Neugier schon in jungen Jahren durch das p\u00e4dagogische Prinzip der knappen Unterforderung nach Michel de Montaigne (1533\u201392) angeregt.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a> Pascal wurde daher sein Leben lang vom wissenschaftlichen Interesse an dem luftleeren Raum getrieben. Doch trotz seines rationalen Sachverstandes erfasste ihn zeitlebens auch eine religi\u00f6se Ehrfurcht, in der er bereits als hochsensibles Kind Zuflucht suchte und sp\u00e4ter in der Str\u00f6mung des Jansenismus<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a> auslebte. Entsprechend beinhaltet seine apologetische Schrift- und Notizensammlung \u201ePens\u00e9es\u201c (1663) Argumente zur g\u00f6ttlichen Gnade<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a> in einer Zeit, in der die Physik Umw\u00e4lzungen erfuhr.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Evangelista Torricelli (1608\u201347), ein Sch\u00fcler Galileis, erneuerte die alte Vorstellung vom <i>Horror vacui<\/i>, d.\u00a0h. der Vorstellung, dass die Natur leere R\u00e4ume nicht dulde. Stattdessen bewies er, dass Luft ein Gewicht hat und ein Vakuum experimentell zu erzeugen war. Zuvor galt die Physik f\u00fcr den Raum bis zum Mond, im translunaren Raum f\u00fcllte eine geistige Substanz \u2013 der \u00c4ther, <i>Quinta essentia,<\/i> wurde auch als Kraft Gottes verstanden <i>\u2013<\/i> den leeren Raum.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a> Der experimentelle Nachweis, dass es leeren Raum geben kann, negierte diesen theologisch-physikalischen Zusammenhang \u2013 der Begriff des Leeren wurde enttheologisiert und Pascal folgte der Pr\u00e4misse, dass die Wahrheit durch Experimente zu ergr\u00fcnden war.<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Dennoch blieb er gespalten zwischen empirischer Forschung und emotionalem Gottesglauben. Verloren war fortan die \u201eanthropologische Behaglichkeit der aristotelischen Physik, die die Leere nicht kannte.\u201c<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a> Stattdessen be\u00e4ngstigte die neue Physik eine Unwissenheit \u00fcber die Leere zwischen stofflicher Ebene und dem Nichts. In seiner kosmologisch situierten Anthropologie verortet Pascal den Menschen als \u201eMitte zwischen Nichts und All\u201c<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a>, der die Unendlichkeit niemals begreifen kann, \u201egleicherma\u00dfen unf\u00e4hig, das Nichts zu fassen, aus dem wir gezogen wurden, wie das Unendliche, von dem wir verschlungen werden.\u201c<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00a0Das Sound-Design von Gravity<\/p>\n<p>Im Film Gravity (USA, UK 2013) sieht sich die Astronautin Dr. Ryan Stone (Sandra Bullock) hautnah mit dieser Leere des Weltalls konfrontiert, freischwebend, da ihre Station durch Satellitentr\u00fcmmer zerst\u00f6rt wurde. Der Film von Regisseur Alfonso Cuar\u00f3n und der Soundtrack von Steven Price wurden bereits mehrfach ausgezeichnet. Doch wie funktioniert Musik im Weltraum, wo doch die Luft zur \u00dcbertragung des Schalls fehlt? Regisseur Cuar\u00f3n wollte die Absicht der Filmmusik m\u00f6glichst realistisch mit der Stille verbinden:<\/p>\n<p>\u201eWe knew we needed to express silence. We didn\u00b4t want the score to be descriptive, but psychological and emotional. We composed a score which is expressive of surroundings. Here the music is moving around you all the time.\u201c<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Sound-Designer Glenn Freemantle beschr\u00e4nkte sich deshalb auf durch Kontakt und Ber\u00fchrung der Astronauten \u00fcbertragene Ger\u00e4usche \u2013 h\u00f6rbar sind die Vibrationen \u00fcber den K\u00f6rper und die Luft im Raumanzug.<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[11]<\/a> Mittels der Abmischung in Dolby Atmos folgen die Musik und das Sound-Design der Position der Filmfiguren, bewegen sich st\u00e4ndig und interagieren. Die Zuschauer werden dadurch in diese unendliche Weite mit eingebunden.<\/p>\n<p>\u201eDer gesamte Film dreht sich um die Hauptfigur, und deshalb ist auch ist auch die Tonspur komplett aus ihrer Perspektive gestaltet. [\u2026] Wenn die Kamera bei ihr im Helm ist, w\u00e4hrend sie wild durch das All schleudert, dreht sich auch der Sound passend dazu.\u201c<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Stille Filmmusik? Eine Analyse<\/p>\n<p>Der Film steckt voller \u00dcberraschungen und spielt mit den \u00c4ngsten der Zuschauer \u2013 nicht nur mithilfe von Schreckmomenten, den sogenannten \u201ecat scares\u201c<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[13]<\/a>. In der Stille des Weltalls ist ein zerbrechendes Spaceshuttle nicht h\u00f6rbar, sodass der Komponist Price diese Leere f\u00fcllen musste. Er tat dies, indem er mithilfe seiner Musik die Gef\u00fchle der Charaktere vermittelte.<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[14]<\/a> Daf\u00fcr mischte er akustische und elektronische Kl\u00e4nge als Ausdruck f\u00fcr das Eindringen der k\u00fcnstlich-mechanischen Erkundungsmission in die freie Natur des Weltraums. Price verarbeitete Instrumente wie ein Cello (z.\u00a0B. im Track &#8222;The Void&#8220;) oder eine menschliche Stimme durch Klangsynthese, um einen v\u00f6llig neuen Klang zu generieren. F\u00fcr &#8222;Above Earth&#8220;, den ersten Track auf dem Soundtrack und zugleich die Er\u00f6ffnungsmusik im Film, verlangsamte Price das Projekt, an dem er arbeitete, auf ein 60tel der urspr\u00fcnglichen Geschwindigkeit. \u201eBasically, what you\u2019re hearing is the space between the notes.\u201c<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[15]<\/a> Zun\u00e4chst erklingen weiche Akkorde (g-Moll und F-Dur im Wechsel) mit Synthesizer und einem dezenten Chor, doch sofort w\u00e4chst darin unterschwellig ein aufdringlicheres Ger\u00e4usch, erinnernd an eine abst\u00fcrzende Flugzeugturbine. Allm\u00e4hlich steigern sich dazu elektronische Kl\u00e4nge mit einem angespannten Grundrauschen, das nach 38 Sekunden kurzzeitig an die Grenze der zumutbaren Lautst\u00e4rke geht:<\/p>\n<!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-7225-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/09\/Beispiel_1_Above_Earth_Beginn.mp3?_=1\" \/><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/09\/Beispiel_1_Above_Earth_Beginn.mp3\">http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/09\/Beispiel_1_Above_Earth_Beginn.mp3<\/a><\/audio>\n<p>Price spielt hier mit extremen Kontrasten, denn das Rauschen rei\u00dft ebenso schnell ab und es folgt Stille. Die Analyse des Frequenzspektrums zeigt zwar, dass nach zwei Sekunden bei -93 Dezibel anschwellende Basskl\u00e4nge einsetzen, doch ist der langsam einsetzende Ton erst nach f\u00fcnf Sekunden ann\u00e4hernd h\u00f6rbar und nach wiederum etwa sieben Sekunden harmonisch erg\u00e4nzt, um anschlie\u00dfend in einer Ambient-Fl\u00e4che auszuklingen:<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-7225-2\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/09\/Beispiel_2_Above_Earth_Stille_Ambient.mp3?_=2\" \/><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/09\/Beispiel_2_Above_Earth_Stille_Ambient.mp3\">http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/09\/Beispiel_2_Above_Earth_Stille_Ambient.mp3<\/a><\/audio>\n<p>Der Film beginnt mit schwarzem Bild, dazu leise Pieps-Ger\u00e4usche elektronischer Ger\u00e4te. N\u00fcchterne wissenschaftliche Fakten werden pr\u00e4sentiert: 600 km \u00fcber der Erde schwankt die Temperatur zwischen +258 und -148 Grad Fahrenheit. \u201eThere is nothing to carry sound. No air pressure. No oxygen. Life in space is impossible.\u201c Der dramatische H\u00f6hepunkt des Rauschens (Musikbeispiel 1) und die abrupte Stille erklingen hier bereits nach elf Sekunden. Nachdem kurz der Filmtitel erscheint, rei\u00dft die Musik urpl\u00f6tzlich ab und das ruhige Bild der Erde, die von der hellen Sonne beschienen wird, f\u00fcllt den Bildschirm.<\/p>\n<p>Statt der Ambient-Fl\u00e4che, erklingen Funkspr\u00fcche in die Stille hinein. Um dem Anspruch des Regisseurs nach Authentizit\u00e4t gerecht zu werden, wurden die mehrfach im Film zu h\u00f6renden Funkspr\u00fcche von vier tats\u00e4chlichen NASA-Mitarbeitern eingesprochen.<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[16]<\/a> Diese elf Sekunden erz\u00e4hlen wie eine Ouvert\u00fcre bereits die Grundsituation des Films: Panisches Chaos und danach der Herauswurf in die stille, lebensfeindliche Umgebung des Weltraums. Abstrakter gedacht ist es der Nervenzusammenbruch der Protagonistin, erdr\u00fcckt vom Stress rauschen ihr die Ohren und lassen sie in Ohnmacht fallen, aus der sie sich im Laufe der Filmreise m\u00fchsam herausk\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Die Handlung beginnt zun\u00e4chst mit einem sehr langen Zoom-Out, der in einer fast 14-min\u00fctigen Kamerafahrt fortgef\u00fchrt wird. Anfangs f\u00fcllt die Erde fast den gesamten Bildschirm, der Anteil des Weltraums nimmt aber stetig zu und darin wird das sich n\u00e4hernde Space-Shuttle erkennbar. Visuell kommt hier Pascals philosophischer Gedanke zum Ausdruck, sich von der Erde weg in eine kosmische Perspektive zu versetzen:<\/p>\n<p>\u201eAlso bedenke der Mensch die ganze Welt in ihrer hohen und weiten Herrlichkeit, er banne aus seinem Blick das Niedrige, das ihn umgibt. Er schaue das blendende Licht, das, um das All zu erhellen, wie eine ewige Leuchte gegeben ist. [\u2026] Die ganze sichtbare Welt ist nur ein unmerklicher Zug in der weiten H\u00f6hlung des Alls. Keinerlei Begreifen kommt ihr nahe.\u201c<a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[17]<\/a><\/p>\n<p>Das Bild l\u00e4sst kurzzeitig eine Symmetrie entstehen, in der Erde und Weltraum jeweils eine H\u00e4lfte des Bildschirms einnehmen. Die Atmosph\u00e4re ist konzentriert, aber entspannt und selbst der prophetische Spruch \u201eI\u00b4ve got a bad feeling about this.\u201c<a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\">[18]<\/a> kann die Stimmung nicht tr\u00fcben. Unterstrichen wird es durch den Country-Song &#8222;Angels are hard to find&#8220; von Hank Williams Jr., den Astronaut Matt Kowalski (George Clooney) \u00fcber Funk laufen l\u00e4sst. Zun\u00e4chst wird der Szene durch diesen diegetischen Musikeinsatz lediglich ein Subtext hinzugef\u00fcgt: Die Zuschauer k\u00f6nnen sich leichter mit den Protagonisten identifizieren \u2013 die Musik suggeriert, dass in deren Welt (obwohl im unwirklichen Weltraum schwebend) alles in Ordnung ist.<a href=\"#_edn19\" name=\"_ednref19\">[19]<\/a><\/p>\n<p>Gleichzeitig baut sich eine Erwartung auf, die im tats\u00e4chlichen Verlauf der Handlung aufgehoben wird.<a href=\"#_edn20\" name=\"_ednref20\">[20]<\/a> Die unpassende Musik f\u00fcr die visuelle Umgebung des Weltraums erzeugt eine Irritation beim Zuschauer, auf der sich weitere Spannung bilden kann. Doch der Blick auf den Songtext verr\u00e4t einen weiteren, emotionaleren Subtext der Musik: Im Song besingt Williams eine verlorene Liebe und bittet Gott darum, bei der Suche nach einer neuen behilflich zu sein. Das kann als Prophezeiung gedeutet werden, denn es wird sich herausstellen, dass Dr. Stone in der Stille des Weltalls mit den Erinnerungen an den Verlust ihrer Tochter konfrontiert ist. Nicht zuf\u00e4llig bricht die Musik auf ihre Bitte hin bei der Textzeile \u201eIt\u00b4s my fault I lost the first one you sent to me.\u201c<a href=\"#_edn21\" name=\"_ednref21\">[21]<\/a> ab. Die Country-Musik ist hier als Kommentar angelegt, \u00e4hnlich wie in John Carpenters &#8222;Dark Star&#8220; (USA, 1974).<a href=\"#_edn22\" name=\"_ednref22\">[22]<\/a><\/p>\n<p>Ohne Filmmusik wird der Fokus folgend auf das Sound-Design gelenkt, d.\u00a0h. h\u00f6rbar sind jetzt die Ger\u00e4usche durch den Anzug von Dr. Stone, die mit R\u00e4dchen hantiert, Metallstreben ber\u00fchrt u.\u00a0\u00e4. Auf Kowalskis Frage, was sie hier oben am meisten genie\u00dfe, antwortet die Astronautin: \u201eThe silence. I could get used to it.\u201c<a href=\"#_edn23\" name=\"_ednref23\">[23]<\/a> Im weiteren Verlauf des Films wird ihr die v\u00f6llige Stille Todesangst einjagen. Die Dramatik steigert sich langsam, zun\u00e4chst erklingt nach knapp sieben Minuten zum ersten Mal \u00fcber den Funkkontakt mit der Erde die Information, dass es einen Zusammensto\u00df von Satelliten gab und Schrottteile mit 20.000 km\/h umhereilen \u2013 diese w\u00fcrden aber nicht in den Radius des Shuttles gelangen. Nach zehn Minuten setzt die Musik unterschwellig ein und es erscheint die Warnmeldung \u201eMission abort!\u201c. Es ist zwar dieselbe Kamerasequenz, doch die Kamerabewegung wird hektischer, indem sie den Flugbewegungen Kowalskis folgt. Die Spannungssteigerung in der Musik nimmt zu, bis ein Crewmitglied (\u201eMan down!\u201c<a href=\"#_edn24\" name=\"_ednref24\">[24]<\/a>) und das Shuttle von ersten Tr\u00fcmmerteilen getroffen werden.<\/p>\n<p>In ihrer Not muss Dr. Stone ein Kabel l\u00f6sen, um sich aus den rotierenden Shuttleresten zu befreien. An dieser zentralen Szene<a href=\"#_edn25\" name=\"_ednref25\">[25]<\/a> setzte der Regisseur den ersten erkennbaren Schnitt. Erzeugte die Kamera bis dahin mittels digitaler Montagetechniken die Illusion einer einzigen, 13-min\u00fctigen Kamerafahrt, unterstreicht hier der bewusste Schnitt die Situation von Dr. Stone, abgeschnitten vom Shuttle. Diese Szene wurde als Aufh\u00e4nger im Filmtrailer benutzt, allerdings reduziert um die tieffrequenten Streicher-Sounds im Film:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Gravity - Official Main Trailer [2K HD]\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/OiTiKOy59o4?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Nun beginnt die Panik, denn Dr. Stone trudelt unkontrolliert in den Weltraum hinaus. Ein ambivalentes Angstszenario wird entworfen: Einerseits die Hilflosigkeit in der scheinbar endlosen Leere des Alls, in dem es keine M\u00f6glichkeit gibt, sich festzuhalten. Andererseits klaustrophobisch eingesperrt in den engen Raumanzug, dessen Sauerstoffvorrat aber lebensnotwendig ist. Die Kamera r\u00fcckt n\u00e4her, lenkt den Fokus auf Dr. Stones Empfindung, bis das Bild schlie\u00dflich nach exakt 15 Minuten flie\u00dfend in die Perspektive innerhalb des Helms eintritt \u2013 zum ersten Mal wird der Zuschauer hautnah an die Protagonistin gef\u00fchrt und kurzzeitig zeigt die Kamera die verzweifelnd suchende Egoperspektive. Die Musik betont das schnell schlagende Herz durch hektisches Pulsieren.<\/p>\n<p>Astronaut Kowalski findet die in der Leere treibende Frau und zieht beide mittels Schubd\u00fcsen am Anzug in Richtung der noch intakten ISS. Der Track &#8222;Don\u00b4t Let Go&#8220; erklingt elf Minuten lang, w\u00e4hrend Ryan Stone Matt Kowalski ihre Beweggr\u00fcnde f\u00fcr diese Mission offenbart. Sie wollte der Erde entfliehen. Der Country-Song<a href=\"#_edn26\" name=\"_ednref26\">[26]<\/a> taucht wieder auf, verbunden mit warmen Sonnenstrahlen, die dem Zuschauer und den Protagonisten neue Hoffnung suggerieren. &#8222;Don\u00b4t Let Go&#8220; l\u00f6st den Country-Song vollst\u00e4ndig ab,<a href=\"#_edn27\" name=\"_ednref27\">[27]<\/a> d.\u00a0h. die Musik wechselt auf die nicht-diegetische und damit emotionalere Ebene. Im Moment, wenn Dr. Stone offenbart, dass sie eine Tochter hatte, erklingt ein trauriger Akkord (gis-Moll).<a href=\"#_edn28\" name=\"_ednref28\">[28]<\/a> Komponist Price variiert hier anschlie\u00dfend \u00fcber Fis-Dur (mit der verminderten Quarte Bb als Bass-Ton)\u00a0zu E-Dur und nutzt einen klassischen Sprung zur Paralleltonart H-Dur und Subdominante cis-Moll. Die Zuschauer k\u00f6nnen dadurch emotional ohne gro\u00dfen Aufwand gefesselt werden. Diese harmonische Episode mit dem Monolog von Dr. Stone klingt nach zwei Minuten wieder aus, als verschwinde sie wie ein Nebel in der Stille des Weltalls. Abgel\u00f6st wird sie vom statischen Rauschen und geht \u00fcber in bedrohlichere Musik, denn der Sauerstoffvorrat neigt sich dem Ende zu und die Zuflucht der ISS ist noch weit entfernt.<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-7225-3\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/09\/Beispiel_3_DontLetGo_gisMoll.mp3?_=3\" \/><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/09\/Beispiel_3_DontLetGo_gisMoll.mp3\">http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/09\/Beispiel_3_DontLetGo_gisMoll.mp3<\/a><\/audio>\n<p>Die Musik untermalt diese Szene mit wechselnden Gefahrenmomenten, ausgehend von dezenten Ambient-Kl\u00e4ngen zu einem hektisch-treibenden nerv\u00f6sen Klangbild. Das Tempo schwankt, abh\u00e4ngig von den Emotionen der Charaktere \u2013 Musik und Film interagieren. Komponist Price sieht an dieser Stelle die Synthese beider Elemente besonders gelungen.<a href=\"#_edn29\" name=\"_ednref29\">[29]<\/a> Der letzte Dialog mit Kowalski wird zum symbolischen Gespr\u00e4ch mit der sterbenden Tochter, denn Dr. Stone muss loslassen und einen Menschen der Totenstille \u00fcbergeben:<\/p>\n<p>\u201eYou have to let me go. \u2013 No. \u2013 The ropes are too loose. I\u00b4m pulling you with me. Let me go or we both die. \u2013 I\u00b4m not letting you go! We\u00b4re fine! \u2013 Ryan, let go. \u2013 No, no. You\u00b4re not going anywhere. \u2013 It\u00b4s not up to you.\u201c<a href=\"#_edn30\" name=\"_ednref30\">[30]<\/a><\/p>\n<p>Kowalski opfert sich, um Dr. Stone nicht mit in die Leere des Alls zu ziehen. Er l\u00f6st die Verbindung und sie muss ihre existenzielle Reise fortan alleine meistern.<\/p>\n<p>Eine erste Rettungsinsel findet Dr. Stone kurzzeitig in Form einer Kapsel innerhalb der ISS-Tr\u00fcmmer.<a href=\"#_edn31\" name=\"_ednref31\">[31]<\/a> Au\u00dfergew\u00f6hnlich zeigt sich die klangliche Ber\u00fccksichtigung der Stille, wenn die ISS durch die Tr\u00fcmmer zerst\u00f6rt wird, doch die Explosion konsequenterweise nicht durch das Vakuum des Alls sondern lediglich durch die Vibrationen des Raumanzugs \u00fcbertragen werden:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"&quot;I hate space!&quot; - intense scene from Cuaron&#039;s &quot;Gravity&quot;.\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/E4nL-eoqBPA?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Der Komponist nutzt hier erneut die Kontrastwirkung: W\u00e4hrend der Gefahrensituation im Weltraum h\u00f6rt man das pochende Herz mit elektronisch-verzerrten aggressiven T\u00f6nen, die sich steigern und pl\u00f6tzlich verstummen, als Dr. Stone die Luke schlie\u00dfen kann. In der Stille der Raumkapsel ist nur noch das wilde Keuchen zu h\u00f6ren, denn ihr Helm ist angereichert mit CO<sub>2<\/sub>. Sie dreht die Luftzufuhr auf und passend zur steigenden Prozentanzeige erklingen schrittweise wieder Ger\u00e4usche \u2013 die Luft als Tr\u00e4gerin des Schalls kehrt zur\u00fcck. Wenn Dr. Stone in f\u00f6taler Position durch die Zuflucht der Kapsel schwebt, finden sich visuelle Anleihen an &#8222;2001 -Odysee im Weltraum&#8220; (USA, 1968) und &#8222;Contact&#8220; (USA, 1997). Gerettet ist sie noch l\u00e4ngst nicht, doch beschreibt das Drehbuch die \u00c4sthetik dieses ruhevollen Moments: \u201eFor a moment, Ryan simply hangs in suspension, a fly in amber, surrendering to the poetry of the planets, rotating slowly in the cabin\u00b4s womb.\u201c<a href=\"#_edn32\" name=\"_ednref32\">[32]<\/a><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Gravity Sleeper Scene 2013\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/ny2E0BY5s-0?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Nachdem im Track &#8222;ISS&#8220; ebenfalls die etablierte Akkord-Folge aufgegriffen wurde, erzeugt Price am Ende einen \u00fcberraschenden Sound, indem er die Aufnahme einer Trompete durch einen alten Synthesizer schickte.<a href=\"#_edn33\" name=\"_ednref33\">[33]<\/a> Doch der Sound zerst\u00f6rt das Ger\u00e4t, h\u00f6rbar ist das unwiederbringliche Sterben des Synthesizers.<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-7225-4\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/09\/Beispiel_4_ISS_Ende.mp3?_=4\" \/><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/09\/Beispiel_4_ISS_Ende.mp3\">http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2017\/09\/Beispiel_4_ISS_Ende.mp3<\/a><\/audio>\n<p style=\"text-align: center\">Die Reise der Heldin durch das Abenteuer<\/p>\n<p>Die Protagonistin kommt an ihren Tiefpunkt und schaltet im Moment der Hoffnungslosigkeit die Ger\u00e4te ab.<a href=\"#_edn34\" name=\"_ednref34\">[34]<\/a> Die Verzweiflung korrespondiert mit dem Grauen Blaise Pascals im Angesicht der Endlichkeit, \u201ewenn ich bedenke, dass das ganze Weltall stumm und der Mensch ohne Einsicht sich selbst \u00fcberlassen ist wie ein Verirrter in diesem Winkel des Weltalls.\u201c<a href=\"#_edn35\" name=\"_ednref35\">[35]<\/a> Beeinflusst vom Sauerstoffmangel k\u00e4mpft ihr Unterbewusstsein um ihren Lebenswillen, manifestiert als Halluzination des verschollenen Astronauten Kowalski. Dessen Abbild erzeugt die Illusion, als w\u00fcrde er von au\u00dfen die Luke \u00f6ffnen \u2013 die Astronautin im Inneren hat allerdings ihren Helm nicht mehr auf. An dieser Stelle tritt v\u00f6llige Stille ein.<a href=\"#_edn36\" name=\"_ednref36\">[36]<\/a> F\u00fcr 32 Sekunden, die Kowalski ben\u00f6tig, um die Kapsel zu betreten und den Sauerstoff zu aktivieren, werden alle Ger\u00e4usche und jede Musik vom Vakuum des Weltalls geschluckt. Kowalski f\u00fchrt ihren inneren Monolog, den Kampf mit der depressiven Hoffnungslosigkeit und dem Verlust der Tochter. Darin formuliert sich der Kerngedanke, der sie zur\u00fcck ins Leben f\u00fchren wird: \u201eYou gotta plant both your feet on the ground and start living life.\u201c<a href=\"#_edn37\" name=\"_ednref37\">[37]<\/a><\/p>\n<p>Im letzten Viertel des Films gewinnt die Reise der Heldin durch das Abenteuer an Fahrt. Sie gelangt zur chinesischen Station Tiangong und schafft nach aufregender Flucht die Landung auf die Erde, allerdings in einen See hinein. Das Schicksal droht hier mit einem makaber-grausamen Scherz: War die Gravitation den gesamten Film \u00fcber sehnsuchtsvoll zu erreichende Heimkehr, zeigt sie hier ihre ambivalente Seite, indem sie die Kapsel unter Wasser h\u00e4lt. Das einstr\u00f6mende Wasser schluckt kurzzeitig alle Ger\u00e4usche. Doch auch diese letzte Gefahr meistert die Protagonistin, k\u00e4mpft um ihr Leben und den Glauben an dessen Sch\u00f6nheit, der ihr die Kraft verleiht, die Gefahren ihrer Reise zu meistern und letztendlich wieder Boden unter ihren F\u00fc\u00dfen zu f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Der Film wird hier zur Metapher einer \u00fcberwundenen Depression, die Erdanziehung zum dialektischen Januskopf: Die gleiche physikalische Bedingung, die den Menschen am Boden h\u00e4lt, hat durch die orbitale Gravitation die Tr\u00fcmmerteile in Bewegung gehalten und die Katastrophe erzeugt. Die Erde als Sinnbild der Bodenhaftung und der nat\u00fcrlichen Lebendigkeit wird durch den Frosch untermalt, der zusammen mit Dr. Stone aus dem Wasser auftaucht: \u201eThe Frog crosses in front of her, effortlessly swimming on its way to the surface.\u201c<a href=\"#_edn38\" name=\"_ednref38\">[38]<\/a> Komponist Price pr\u00e4sentiert hier im Titeltrack &#8222;Gravity&#8220;<a href=\"#_edn39\" name=\"_ednref39\">[39]<\/a> erneut die bekannte Akkordfolge aus &#8222;Don\u00b4t Let Go&#8220; (H\u00f6rbeispiel 4), um die heroische Heldinnenreise musikalisch konventionell zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Insgesamt changiert die Musik zwischen wundersch\u00f6nen melodischen Kl\u00e4ngen und be\u00e4ngstigendem aggressiven Krach. Leider wagten es die Filmemacher nicht, gegen die von Hollywood gepr\u00e4gten Konventionen und H\u00f6rgewohnheiten der Rezipienten anzugehen und der Stille des Weltraums tats\u00e4chlich nur mittels Sound-Design diegetisch zu begegnen, d.\u00a0h. auf Musik zu verzichten. Dennoch untermalt die zus\u00e4tzliche Ebene der nondiegetischen Filmmusik die Spannungsmomente und Emotionen der Protagonisten in gelungener Weise. Steven Price greift routiniert auf dissonante Klangkulissen zur\u00fcck, die durch Science-Fiction-Filme wie &#8222;2001&#8220; und Horrorfilme wie &#8222;Rosemaries Baby (1968) l\u00e4ngst zum musikalischen Standard<a href=\"#_edn40\" name=\"_ednref40\">[40]<\/a> geh\u00f6ren. Zwar wagt Price keine avantgardistischen Kompositionen, doch finden sich auch musikalisch Gemeinsamkeiten zu 2001, wo das ber\u00fchmte St\u00fcck &#8222;Atmosph\u00e8res&#8220; (1961) von Gy\u00f6rgy Ligeti (1923\u20132006) Verwendung fand und mittels Cluster-Kl\u00e4ngen \u201eungeachtet der scheinbar statischen Klangfl\u00e4che eine gespannte Unruhe und Nervosit\u00e4t\u201c<a href=\"#_edn41\" name=\"_ednref41\">[41]<\/a> andeutet.<\/p>\n<p>Wie Andreas Weidinger aus seiner eigenen Erfahrung als Filmkomponist zugibt, ist \u201edie Angst vor Stille, vor vermeintlicher Langeweile [\u2026] oft im Schneideraum sehr gro\u00df.\u201c<a href=\"#_edn42\" name=\"_ednref42\">[42]<\/a> Dies f\u00fchre dazu, \u201eder Kraft der Schauspieler und der Inszenierung nicht mehr zu trauen und aus Angst vor einem Ab- bzw. Umschalten der Zuschauer Musik einzusetzen, um eine emotionale Bedeutung zu suggerieren.\u201c<a href=\"#_edn43\" name=\"_ednref43\">[43]<\/a> Im Fall von Gravity sind die Schauspieler hochkar\u00e4tig, die Vermeidung der v\u00f6lligen klanglichen Stille erleichtert die Illusion der filmischen Geschichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Schlussbemerkungen<\/p>\n<p>In gewisser Weise eint Pascal und Dr. Stone dieselbe Angst. F\u00fcr den Philosophen als abstrakte Furcht, f\u00fcr die Astronautin als konkrete Bedrohung des Weltalls. W\u00e4hrend sich jedoch der eine Hoffnung in die Vorstellung an Gott projiziert, erkennt die andere ihre inh\u00e4rent selbstbestimmte Kraft. Die Raumfahrt wird zur Metapher von Leben und Tod, die Filmmusik zur Vermittlerin der ambivalenten Stille: Einerseits ersehnt Ryan Stone die innere Stille als L\u00e4uterung ihres Geistes, um den Tod ihrer Tochter zu verdr\u00e4ngen. Andererseits konfrontiert sie die eisige Totenstille des Alls mit ihrer eigenen Existenz und dem Willen zu leben. Im Sinne Pascals flieht sie in Zerstreuung in den Weltraum, um der Konzentration ihrer eigentlichen Probleme zu entgehen. Erst durch die Konzentration auf sich selbst gelingt die Auseinandersetzung mit ihrer Trauer.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Pascal in dieser \u00dcberwindung der Zerstreuung<a href=\"#_edn44\" name=\"_ednref44\">[44]<\/a> und des unruhigen Herzens die N\u00e4he zu Gott suchte, appelliert der Film zeitgem\u00e4\u00df an das Individuum ohne g\u00f6ttliche Instanz. Die Musik von Steven Price ist hierbei nicht ausschm\u00fcckendes Beiwerk, sondern vertont die immerw\u00e4hrende Bedrohung im menschenfeindlichen Orbit und die zwischen Hoffnung und Verzweiflung wechselnden Gef\u00fchle der Protagonisten. Dr. Stone befreit sich von der physischen Fessel ihres Anzugs durch die Kraft ihres Geistes, der als m\u00e4chtiges Werkzeug Antrieb und Lebenswillen verleiht. Die Raumanz\u00fcge werden zum Symbol der biologischen Unzul\u00e4nglichkeit des Menschen im Angesicht der Naturgewalten, nicht nur im eisigen Weltraum. Letztendlich spiegelt sich hier die Zerbrechlichkeit des Menschen &#8211; Pascal nennt ihn das zerbrechlichste Schilfrohr, dessen F\u00e4higkeit zu Denken ihm aber W\u00fcrde und Aufrichtigkeit verleiht:<\/p>\n<p>\u201eEs ist nicht n\u00f6tig, dass das All ihn vernichten w\u00fcrde, so w\u00e4re der Mensch doch edler als das, was ihn zerst\u00f6rt, denn er wei\u00df, dass er stirbt und erkennt die \u00dcbermacht des Weltalls \u00fcber ihn; das All wei\u00df aber nichts davon.\u201c<i><\/i><a href=\"#_edn45\" name=\"_ednref45\">[45]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> \u201eLe silence \u00e9ternel de ces espaces infinies m\u00b4effraie\u201c, zit. nach: Wilhelm Schmidt-Biggemann, Blaise Pascal, M\u00fcnchen 1999: Verlag C.H. Beck, S. 135.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Vgl. Ebd., S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> Die \u00c4rzte-Br\u00fcder Deschamps vermittelten der Familie 1646 spirituelle Ratgeber des Klosters Port-Royal. Siehe dazu: Ebd., S. 14f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> Vgl. Ebd., S. 29.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> Die Physik vor und nach Pascal beschreibt Biggemann ausf\u00fchrlich in: Ebd., S. 37\u201342.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> Vgl. Ebd., S. 40.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> Ebd., S. 42.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> Blaise Pascal, \u00dcber die Religion und \u00fcber einige andere Gegenst\u00e4nde (Pens\u00e9es), Fragment 72, \u00fcbertragen und hrsg. von Ewald Wasmuth, 8. Auflage, Heidelberg 1978: Verlag Lambert Schneider, S. 43.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a> Pascal, Pens\u00e9es, Fragment 72, nach: Biggemann (wie Anm. 1), S. 135.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a> Angela Watercutter: \u201eThe Sound of Silence: How Gravity Created a Terrifying Score for Outer Space\u201c, in: Wired.com, 07.10.2013, online: https:\/\/www.wired.com\/2013\/10\/gravity-space-silence-composer (zuletzt aufgerufen am 6.07.2017)<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[11]<\/a> Vgl. Friedrich Gerst: \u201eThe Sound of Silence\u201c, S. 14, in: 0db, Nr. 1, hrsg. von Auditorium, S. 12\u201316.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[12]<\/a> Alfonso Cuar\u00f3n, zit. nach: Gerst: \u201eThe Sound of Silence\u201c (wie Anm. 11), S. 16.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[13]<\/a> Benannt nach der ersten Schreck-Szene dieser Art in Cat People (USA, 1942). Manchmal auch als \u201eLewton bus\u201c bezeichnet, da das Bremsger\u00e4usch eines Busses auftaucht. Auch hier schweigt die Musik, um Spannung aufzubauen. Siehe dazu: Guido Heldt: \u201eFurchtbar lustig. Musik in Horrorkom\u00f6dien\u201c, S. 145, in: FilmMusik, Musik in der Filmkom\u00f6die (hrsg. von Guido Heldt, Tarek Krohn u.a.), M\u00fcnchen 2017: edition text + kritik, S. 130\u2013 175.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[14]<\/a> Vgl. Watercutter: \u201eThe Sound of Silence\u2026\u201c (wie Anm. 10).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[15]<\/a> Steven Price, zit. nach: Watercutter: \u201eThe Sound of Silence\u2026\u201c (wie Anm. 10).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[16]<\/a> Vgl. Gerst: \u201eThe Sound of Silence\u201c (wie Anm. 11), S. 14.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[17]<\/a> Blaise Pascal, Pens\u00e9es (wie Anm. 8), S. 41.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\">[18]<\/a> Dieser stammt aus den Star Wars-Filmen auf und wird in Gravity als Running Gag mehrfach aufgegriffen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref19\" name=\"_edn19\">[19]<\/a> Wie Musik den Subtext einer Handlung beeinflusst, ist nachzulesen in: Andreas Weidinger, Filmmusik, Konstanz 2006: UVK Verlagsgesellschaft, S. 18f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref20\" name=\"_edn20\">[20]<\/a> Zum diegetischen Musikeinsatz in Filmen vgl. Tarek Krohn: \u201e\u00dcberlegungen zum filmmusikalischen Gag\u201c, S. 37ff., in: FilmMusik, Musik in der Filmkom\u00f6die (hrsg. von Guido Heldt, Tarek Krohn u.a.), M\u00fcnchen 2017: edition text + kritik, S. 11\u201342.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref21\" name=\"_edn21\">[21]<\/a> Alfonso Cuar\u00f3n: Gravity, USA 2013, DVD Gravity, Warner Bros. Entertainment 2014, Min. 04:09.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref22\" name=\"_edn22\">[22]<\/a> Siehe dazu: Knut Holtstr\u00e4ter: \u201eScience-Fiction-Film\u201c, S. 460, in: Lexikon der Filmmusik, hrsg. von Manuel Gervink und Matthias B\u00fcckle, Laaber 2012: Laaber-Verlag, S. 459\u2013461.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref23\" name=\"_edn23\">[23]<\/a> DVD Gravity (wie Anm. 21), Min. 8:36.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref24\" name=\"_edn24\">[24]<\/a> Ebd., Min. 13:07.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref25\" name=\"_edn25\">[25]<\/a> Ebd., Min 13:51.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref26\" name=\"_edn26\">[26]<\/a> Ebd., Min. 24:58.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref27\" name=\"_edn27\">[27]<\/a> Ebd., Min. 26:22.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref28\" name=\"_edn28\">[28]<\/a> Ebd., Min. 27:17.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref29\" name=\"_edn29\">[29]<\/a> Vgl. Mike Ayers: \u201eSecrets of the &#8218;Gravity&#8216; Soundtrack. Composer Steven Price on the score of 2013&#8217;s biggest movie\u201c, 9.10.2013, in: Rollingstone.com, online: http:\/\/www.rollingstone.com\/movies\/news\/secrets-of-the-gravity-soundtrack-20131009 (zuletzt aufgerufen am 6.07.2017).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref30\" name=\"_edn30\">[30]<\/a> DVD Gravity (wie Anm. 21), Min. 31:39\u201332:16.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref31\" name=\"_edn31\">[31]<\/a> Ebd., Min. 37:22.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref32\" name=\"_edn32\">[32]<\/a> Gravity Making-Of Featurette, Min. 0:55. Online: https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=uJEkPq1WA3g (zuletzt aufgerufen am 6.07.2017).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref33\" name=\"_edn33\">[33]<\/a> Watercutter: \u201eThe Sound of Silence\u2026\u201c (wie Anm. 10).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref34\" name=\"_edn34\">[34]<\/a> DVD Gravity (wie Anm. 21), Min. 1:00:00.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref35\" name=\"_edn35\">[35]<\/a> Blaise Pascal, Pens\u00e9es (wie Anm. 8), Fragment 693, S. 318.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref36\" name=\"_edn36\">[36]<\/a> DVD Gravity (wie Anm. 21), Min 1:01:32\u20131:02:04.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref37\" name=\"_edn37\">[37]<\/a> Ebd., Min. 1:04:11.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref38\" name=\"_edn38\">[38]<\/a> Gravity Making-Of Featurette (wie Anm. 16), Min. 1:09.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref39\" name=\"_edn39\">[39]<\/a> Vgl. Steven Price, Gravity, Bearbeitung f\u00fcr Klavier solo, K\u00f6ln 2013: Alfred Publ., S. 2ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref40\" name=\"_edn40\">[40]<\/a> Vgl. Peter Moormann (Hg.): Klassiker der Filmmusik, Stuttgart 2009: Reclam, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref41\" name=\"_edn41\">[41]<\/a> Sascha Koebner: \u201e2001 \u2013 Odyssee im Weltraum\u201c, S. 184, in: Moormann (Hg.): Klassiker der Filmmusik (wie Anm. 40), S. 183\u2013186.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref42\" name=\"_edn42\">[42]<\/a> Weidinger (wie Anm. 19), S. 26.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref43\" name=\"_edn43\">[43]<\/a> Ebd., S. 21, Fu\u00dfnote 5.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref44\" name=\"_edn44\">[44]<\/a> Pascal versteht hierunter eher unterhaltenden Zeitvertreib (Divertissement). Siehe dazu: Biggemann (wie Anm. 1), S. 127.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref45\" name=\"_edn45\">[45]<\/a> Blaise Pascal, Pens\u00e9es (wie Anm. 8), Fragment 200\/347, S. 167.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.uni-muenster.de\/Musikwissenschaft\/kornel.html\">Attila Kornel<\/a>\u00a0promoviert\u00a0zur Stille als Ambivalenz moderner chinesischer Musik\u00a0am Institut f\u00fcr Musikwissenschaft der WWU\u00a0M\u00fcnster.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stille Filmmusik?<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[104647,179,347,756,886,901,1357,2059,2092,2178,2180,2235,2239,2517],"class_list":["post-7225","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-alfonso-cuaron","tag-andreas-weidinger","tag-blaise-pascal","tag-filmmusik","tag-glenn-freemantle","tag-gravity","tag-leere","tag-sandra-bullock","tag-science-fiction","tag-sound","tag-sound-design","tag-steven-price","tag-stille","tag-weltraum"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7225","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7225"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7225\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7225"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7225"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7225"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}