{"id":7375,"date":"2017-10-16T08:22:34","date_gmt":"2017-10-16T06:22:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=7375"},"modified":"2017-10-16T08:22:34","modified_gmt":"2017-10-16T06:22:34","slug":"star-trek-discoverythe-trouble-with-prequels-oder-warum-aristoteles-die-serie-vielleicht-nicht-gemochte-haette-von-maren-lickhardt-16-10-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2017\/10\/16\/star-trek-discoverythe-trouble-with-prequels-oder-warum-aristoteles-die-serie-vielleicht-nicht-gemochte-haette-von-maren-lickhardt-16-10-2017\/","title":{"rendered":"Star Trek DiscoveryThe Trouble with Prequels oder Warum Aristoteles die Serie vielleicht nicht gemocht h\u00e4tte von Maren Lickhardt 16.10.2017"},"content":{"rendered":"<p>Will ich etwas \u00fcber den Krieg mit den Klingonen wissen? Eigentlich nicht.<!--more--><\/p>\n<p><i>The Trouble with Tribbles <\/i>(<i>TOS<\/i>, s02e13) hei\u00dft eine Folge der <i>Star Trek Original Series<\/i>, in der es die Crew der Enterprise nicht nur mit Klingonen aufnehmen muss, sondern auch mit niedlichen kleinen Pelztieren, die allerdings einen entscheidenden Haken haben. \u201eTribbles werden schwanger geboren, was ihnen einen enormen Anstieg der Population erm\u00f6glicht. Sie scheinen bisexuell zu sein. Die Vermehrungsrate liegt grob gesch\u00e4tzt bei zehn Nachkommen alle zw\u00f6lf Stunden.\u201c <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Man kann sich vorstellen, wo das Problem auf einem Raumschiff liegt, so s\u00fc\u00df diese Tierchen auch sind.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Star Trek - A New Generation Every Three Hours\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Bprgl_4z6gY?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck geben explosionsartige Vermehrungen von Serien, von Prequels, Sequels, Reboots, Remakes und allen transmedialen Verarbeitungen usw. usf. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> keine derartigen Probleme auf, weder hinsichtlich der Speicherkapazit\u00e4ten noch der Aufnahmef\u00e4higkeit und -willigkeit seitens der RezipientInnen. Und zum Gl\u00fcck hat sich das <i>Star Trek-<\/i>Universum im Laufe der Jahre um den Faktor f\u00fcnf ausgedehnt. Naja, vielleicht ist der Enthusiasmus bei der f\u00fcnften Serie nicht ganz angebracht. Nun kommt die sechste Serie <i>Star Trek Discovery<\/i> hinzu, hinsichtlich derer ich mich einem abschlie\u00dfenden Urteil nach zwei Folgen enthalte. Es wird sich noch zeigen, ob diese Aktualisierung ein Gl\u00fccksfall ist.<\/p>\n<p>Man kann auf den Gedanken kommen, dass die Reproduktion oder besser gesagt Vermehrung der Tribbles und der <i>Star Trek-<\/i>Serien etwas miteinander zu tun haben, werden die Tribbles doch inter- und metatextuell in der Folge <i>Trials and Tribble-actions<\/i> (<i>DS9<\/i>, s05e06) in <i>Star Trek Deep Space Nine<\/i> wieder aufgegriffen. Allerdings tauchen nicht einfach nur die Tribbles auf, sondern einige Figuren aus <i>DS9<\/i> reisen durch die Zeit auf die alte Enterprise, wo sie auch auf das alte Problem mit den Tribbles sto\u00dfen bzw. wo sie in die alte Folge geraten, in der dieses Problem auftaucht. Aufnahmen der urspr\u00fcnglichen Tribbles-Folge finden dazu in der neuen Serie Verwendung; die aktuelle Crew \u201ageht durch\u2018 das Set der alten Serie. Die beiden Tribbles-Folgen und somit auch die beiden Serien werden teilweise ineinander geschnitten und collagiert.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Tribbles Side-by-Side Comparison\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/LWkrAh_Xanw?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Tribbles BAR FIGHT Side-by-Side Comparison\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/l6KGOkzbf_c?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Dabei k\u00f6nnen sowohl die Figuren aus <i>DS9<\/i> als auch Zusehende nostalgisch werden, denn sie blicken auf ihre gemeinsame Geschichte zur\u00fcck, also auf Sternzeit 4523.3 oder den 29. Dezember 1967. Fakt und Fiktion werden zusammengef\u00fchrt, indem Captain Benjamin Sisko von der Raumstation Deep Space 9 Captain Kirk von der Enterprise einen Einsatzplan zum Unterzeichnen reicht, und zwar weil er das unbedingt m\u00f6chte, nicht weil es n\u00f6tig w\u00e4re. Dies simuliert den Wunsch von Fans nach Autogrammen bei einer realen Begegnung mit William Shatner oder die Lust von Fans sich in <i>Star Trek<\/i>-Figuren zu verwandeln und in Kost\u00fcmen auf Conventions zu gehen oder in der Fanfiction Szenen nachzuspielen oder zu erweitern. Sisko ist der figurierte Fan, f\u00fcr den Captain Kirk innerhalb der Diegese nicht weniger ein Idol darstellt als f\u00fcr uns.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Star Trek DS9 Sisko Meets Kirk\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/v6h4czclAgQ?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Das liegt daran, dass <i>Star Trek<\/i> seine eigene Geschichte hat. Die Serien im <i>Star Trek-<\/i>Franchise sind alle mehr oder weniger auf einer Zeitlinie angesiedelt, wodurch sich nach und nach die Historie der F\u00f6deration entfaltet und damit auch eine Utopie, die in <i>DS9<\/i> dann durchaus reflexiv gebrochen wird. Henry Jenkins hat das Konzept des Transmedia Storytelling f\u00fcr solche Expansionen diskutiert, und wesentliche \u00dcberlegungen k\u00f6nnen bei Andreas Rauscher nachgelesen werden, <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> die im Folgenden nicht wiederholt werden sollen.<\/p>\n<p>Kurz gesagt basiert das <i>Star Trek-<\/i>Universum auf einem Arsenal von Regeln, die innerhalb der Diegese den Wertrahmen der F\u00f6deration markieren und auf der metafiktionalen Ebene M\u00f6glichkeiten der Plotstrukturierung vorgeben: F\u00f6rderationsvertrag, oberste Direktive,, Protokolle f\u00fcr Erstkontakte, milit\u00e4rische Hierarchie, diverse Friedens- und Nichtangriffs-Vereinbarungen, bestimmte Genderkonstruktionen usw. usf.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem geht es nat\u00fcrlich um Science und damit um einen bestimmten Rahmen technologischer M\u00f6glichkeiten, die ebenfalls inner- wie metafiktional wirksam werden, d.h. die innerhalb der Geschichte angewendet und thematisiert werden und hinsichtlich der Gestaltung der Serie Konsequenzen f\u00fcr das Tempo, Dialoge etc. haben, z.B. Warp-Geschwindigkeit, Beamen, der Universal-Translator etc. Hinzu kommen erz\u00e4hlgrammatische Vorgaben, die die Entwicklung von Figuren oder Handlung betreffen und die sich im Laufe der Serien stark von den ersten Ideen Gene Roddenberrys entfernt haben. Indem die Serien z.B. von episodischer Strukturierung auf eine progressive Erz\u00e4hlweise umschalten \u2013 in Ans\u00e4tzen in <i>Next Generation<\/i> und dann konsequent in <i>DS9<\/i> und <i>Voyager<\/i> \u2013 gewinnen sie sehr an Komplexit\u00e4t.<\/p>\n<p>Alle Faktoren zusammen bilden ein bestimmtes Schema aus, das im Verlauf einer Serie und mehr noch in der Folge mehrerer Serien variiert werden kann. Nun geht es aber nicht um eine Schema-Variation-Diskussion, wie sie \u2013 vor allem in der Literaturwissenschaft \u2013 gerne und oftmals in Bezug auf popul\u00e4re Artefakte gef\u00fchrt wird, sondern im <i>Star Trek-<\/i>Franchise ist wesentlich, dass im Erz\u00e4hlverlauf mit all seinen Variationen eine unhintergehbare Geschichte gestaltet wird. Nat\u00fcrlich kann man mit Zeitlinien und Zeitparadoxa spielen, aber im Wesentlichen w\u00e4chst die Komplexit\u00e4t des Universums, weil jede Variation Fakten schafft, die im weiteren Erz\u00e4hlverlauf ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Den gr\u00f6\u00dften Meilenstein hat Ira Steven Behr mit dem Ende von <i>DS9<\/i> gesetzt. <i>DS9<\/i> ist die letzte Serie, die im F\u00f6rderationsgebiet endet in dem Sinne, dass die Geschichte des Alpha-Quadranten gestaltet wird. \u2013 Freilich ist <i>Voyager<\/i> in Bezug auf die Borg nicht nur f\u00fcr den Delta-Quadranten relevant. \u2013 Behr hat die letzte Folge nicht umsonst <i>What You leave behind<\/i> genannt, denn er hat der Welt mit der gesamten Serie nicht nur etwas Wunderbares hinterlassen, sondern auch alle losen F\u00e4den zusammengef\u00fchrt und die Handlung so geschlossen und abgerundet, dass sie kaum wieder direkt aufgegriffen werden kann.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"What You Leave Behind Trailer\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/EFU18SC1ODs?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Das mag einer der Gr\u00fcnde sein, warum sich niemand traut, die <i>Star Trek-<\/i>Geschichte weiter in die Zukunft zu schreiben. Mit dem Prequel <i>Enterprise<\/i> (<i>ENT<\/i>) ist man in die Vorgeschichte der Zukunft zur\u00fcckgegangen, um die ersten Schritte der Menschheit im All zu verfolgen, um das Wie zu gestalten auf dem Weg zu dem Was, das dann mit <i>TOS<\/i> in den 1960er Jahren einsetzt. Es wurde zwar mit Zeitlinien gespielt, aber alles im allen handelte es sich um eine Nostalgie-Serie, in der man miterleben konnte, wie alles begann. Auf Nostalgie konnte in <i>ENT<\/i> ab 2001 deshalb gesetzt werden, weil schon der \u00fcberaus erfolgreiche achte Kinofilm <i>First Contact<\/i> im Jahr 1996 einen Blick in die eigene Vergangenheit des Universums gew\u00e4hrt hatte.<\/p>\n<p>Nun war <i>ENT<\/i> bekannterma\u00dfen nicht so erfolgreich, was neben Schw\u00e4chen im Plot sicher auch daran lag, dass man hinter die technischen M\u00f6glichkeiten des bekannten <i>Star Trek-<\/i>Universums zur\u00fcck fallen musste. Das f\u00fchrt zum einen zu ungewohnten Limitationen des Handlungsspektrums. Zum anderen wird dies visuell gespiegelt. Die Enterprise, die Kulisse etc. sehen recht einfach aus und entsprechen nicht unseren <i>Star Trek<\/i>-Sehgewohnheiten.<\/p>\n<p>Die Idee, einen Teil der Leerstelle zu schlie\u00dfen, die zwischen unserer Lebenszeit und der Handlungszeit der urspr\u00fcnglichen <i>TOS<\/i>-Fiktion liegt, ist in gewisser Hinsicht von vorne herein problematisch. Vielleicht funktioniert ihre Ausf\u00fchrung auch deshalb nicht, weil mit <i>ENT<\/i> nicht nur Zeiten \u00fcberwunden, sondern auch Dimensionen verbunden werden \u2013 die m\u00f6glicherweise besser getrennt bleiben sollten. Denn die Serie baut nicht nur eine Br\u00fccke zwischen unserer Zeit und der Zeit der <i>TOS<\/i>-Fiktion, sondern auch zwischen der Realit\u00e4t und der Phantasie, und da sollte doch eigentlich immer ein Sprung n\u00f6tig sein. Fiktion ist immer Fiktion, aber der Grad der Unbestimmtheit oder das Ma\u00df an gef\u00fchlter Fiktionalit\u00e4t ist in und wird mit <i>ENT<\/i> deutlich reduziert, weil das Szenario n\u00e4her r\u00fcckt und L\u00fccken geschlossen werden.<\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte mir gew\u00fcnscht, dass nach <i>ENT<\/i> jemand den Mut gehabt h\u00e4tte, die Handlung der n\u00e4chsten <i>Star Trek-<\/i>Serie nach <i>DS9<\/i> anzusiedeln. Der gealterte Jake Sisko h\u00e4tte das Bindeglied sein k\u00f6nnen, durch das der weitere Verbleib der alten Figuren h\u00e4tte gekl\u00e4rt werden k\u00f6nnen, der sich gemeinsam mit uns h\u00e4tte erinnern k\u00f6nnen, und dann h\u00e4tte man das Universum weiter nach vorne gestalten k\u00f6nnen, mit dem Gamma-Quadranten, dem Dominion im Nachkriegszustand, Sektion 31, neuen V\u00f6lkern und Figuren\u2026 Da ich ja zum Gl\u00fcck keine Drehbuchschreiberin bin, darf ich mir so etwas w\u00fcnschen, ohne genaue Vorstellungen davon zu haben, wie man das h\u00e4tte ausgestalten k\u00f6nnen. In jedem Fall h\u00e4tte man weiter in die Utopie und den Raum noch unbeschriebener, neuer M\u00f6glichkeiten vordringen k\u00f6nnen. Der Konjunktiv wird in diesem Absatz nicht zuf\u00e4llig \u00fcberstrapaziert.<\/p>\n<p>Und das M\u00f6gliche ist auch f\u00fcr Aristoteles zentral, wenn es um Dichtung geht. Aus Sicht der <i>Star Trek-<\/i>Diegese w\u00e4re ein Fortschreiten in der Zeit im aristotelischen Sinne Dichtung par excellence gewesen, denn \u201e\u03a6\u03b1\u03bd\u03b5\u03c1\u1f78\u03bd \u03b4\u1f72 \u1f10\u03ba \u03c4\u1ff6\u03bd \u03b5\u1f30\u03c1\u03b7\u03bc\u03ad\u03bd\u03c9\u03bd \u03ba\u03b1\u1f76 \u1f45\u03c4\u03b9 \u03bf\u1f50 \u03c4\u1f78 \u03c4\u1f70 \u03b3\u03b5\u03bd\u03cc\u03bc\u03b5\u03bd\u03b1 \u03bb\u03ad\u03b3\u03b5\u03b9\u03bd, \u03c4\u03bf\u1fe6\u03c4\u03bf \u03c0\u03bf\u03b9\u03b7\u03c4\u03bf\u1fe6 \u1f14\u03c1\u03b3\u03bf\u03bd \u1f10\u03c3\u03c4\u03af\u03bd, \u1f00\u03bb\u03bb&#8216; \u03bf\u1f37\u03b1 \u1f02\u03bd \u03b3\u03ad\u03bd\u03bf\u03b9\u03c4\u03bf \u03ba\u03b1\u1f76 \u03c4\u1f70 \u03b4\u03c5\u03bd\u03b1\u03c4\u1f70 \u03ba\u03b1\u03c4\u1f70 \u03c4\u1f78 \u03b5\u1f30\u03ba\u1f78\u03c2 \u1f22 \u03c4\u1f78 \u1f00\u03bd\u03b1\u03b3\u03ba\u03b1\u1fd6\u03bf\u03bd.\u00a0\u1f41 \u03b3\u1f70\u03c1 \u1f31\u03c3\u03c4\u03bf\u03c1\u03b9\u03ba\u1f78\u03c2 \u03ba\u03b1\u1f76 \u1f41 \u03c0\u03bf\u03b9\u03b7\u03c4\u1f74\u03c2 \u03bf\u1f50 \u03c4\u1ff7 \u1f22 \u1f14\u03bc\u03bc\u03b5\u03c4\u03c1\u03b1 \u03bb\u03ad\u03b3\u03b5\u03b9\u03bd \u1f22 \u1f04\u03bc\u03b5\u03c4\u03c1\u03b1 \u03b4\u03b9\u03b1\u03c6\u03ad\u03c1\u03bf\u03c5\u03c3\u03b9\u03bd (\u03b5\u1f34\u03b7 \u03b3\u1f70\u03c1 \u1f02\u03bd \u03c4\u1f70 \u1ffe\u0397\u03c1\u03bf\u03b4\u03cc\u03c4\u03bf\u03c5 \u03b5\u1f30\u03c2 \u03bc\u03ad\u03c4\u03c1\u03b1 \u03c4\u03b5\u03b8\u1fc6\u03bd\u03b1\u03b9 \u03ba\u03b1\u1f76 \u03bf\u1f50\u03b4\u1f72\u03bd \u1f27\u03c4\u03c4\u03bf\u03bd \u1f02\u03bd \u03b5\u1f34\u03b7 \u1f31\u03c3\u03c4\u03bf\u03c1\u03af\u03b1 \u03c4\u03b9\u03c2 \u03bc\u03b5\u03c4\u1f70 \u03bc\u03ad\u03c4\u03c1\u03bf\u03c5 \u1f22 \u1f04\u03bd\u03b5\u03c5 \u03bc\u03ad\u03c4\u03c1\u03c9\u03bd)\u00b7 \u1f00\u03bb\u03bb\u1f70 \u03c4\u03bf\u03cd\u03c4\u1ff3 \u03b4\u03b9\u03b1\u03c6\u03ad\u03c1\u03b5\u03b9, \u03c4\u1ff7 \u03c4\u1f78\u03bd \u03bc\u1f72\u03bd \u03c4\u1f70 \u03b3\u03b5\u03bd\u03cc\u03bc\u03b5\u03bd\u03b1 \u03bb\u03ad\u03b3\u03b5\u03b9\u03bd, \u03c4\u1f78\u03bd \u03b4\u1f72, \u03bf\u1f37\u03b1 \u1f02\u03bd \u03b3\u03ad\u03bd\u03bf\u03b9\u03c4\u03bf. \u03b4\u03b9\u1f78 \u03ba\u03b1\u1f76 \u03c6\u03b9\u03bb\u03bf\u03c3\u03bf\u03c6\u03ce\u03c4\u03b5\u03c1\u03bf\u03bd \u03ba\u03b1\u1f76 \u03c3\u03c0\u03bf\u03c5\u03b4\u03b1\u03b9\u03cc\u03c4\u03b5\u03c1\u03bf\u03bd \u03c0\u03bf\u03af\u03b7\u03c3\u03b9\u03c2 \u1f31\u03c3\u03c4\u03bf\u03c1\u03af\u03b1\u03c2 \u1f10\u03c3\u03c4\u03af\u03bd\u00b7 \u1f21 \u03bc\u1f72\u03bd \u03b3\u1f70\u03c1 \u03c0\u03bf\u03af\u03b7\u03c3\u03b9\u03c2 \u03bc\u1fb6\u03bb\u03bb\u03bf\u03bd \u03c4\u1f70 \u03ba\u03b1\u03b8\u03cc\u03bb\u03bf\u03c5, \u1f21 \u03b4&#8216; \u1f31\u03c3\u03c4\u03bf\u03c1\u03af\u03b1 \u03c4\u1f70 \u03ba\u03b1\u03b8&#8216; \u1f15\u03ba\u03b1\u03c3\u03c4\u03bf\u03bd \u03bb\u03ad\u03b3\u03b5\u03b9.\u201c<\/p>\n<p>Kleiner Scherz. \u201eAus dem Gesagten ergibt sich auch, da\u00df es nicht Aufgabe des Dichters ist mitzuteilen, was wirklich geschehen ist, sondern vielmehr, was geschehen k\u00f6nnte, d.h. das nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit oder Notwendigkeit M\u00f6gliche. Denn der Geschichtsschreiber und Dichter unterscheiden sich nicht dadurch voneinander, da\u00df sich der eine in Versen und der andere in Prosa mitteilt \u2013 man k\u00f6nnte ja auch das Werk Herodots in Verse kleiden, und es w\u00e4re in Versen um nichts weniger ein Geschichtswerk als ohne Verse \u2013; sie unterscheiden sich vielmehr dadurch, da\u00df der eine das wirklich Geschehene mitteilt, und der andere, was geschehen k\u00f6nnte. Daher ist Dichtung etwas Philosophischeres und Ernsthafteres als Geschichtsschreibung, denn die Dichtung teilt mehr das Allgemeine, die Geschichtsschreibung hingegen das Besondere mit.\u201c <a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Insgesamt kann der Einsatz von Aristoteles ohnehin nur als Scherz verstanden werden, denn selbstverst\u00e4ndlich handelt es sich bei <i>Discovery<\/i> um eine Fiktion. Hinsichtlich dieses ontischen Status sollte kein Missverst\u00e4ndnis aufkommen. Aber diese Fiktion ist apriori limitiert. Sollten keine Zeitlinienspielereien eingebaut werden, wissen wir, wohin die Reise geht, wodurch das utopische Potential von <i>Star Trek<\/i>, neue M\u00f6glichkeiten zu schaffen, verschenkt wird, auch wenn es m\u00f6glicherweise sehr spannend und kurzweilig werden wird zu verfolgen, wie alles kam, wie es gekommen ist, also zu verfolgen, wie die Selbst-Historisierung von <i>Star Trek<\/i> betrieben wird. Im Moment sieht es aber danach aus, dass im Wesentlichen die eigene Geschichtsschreibung der Serien geschrieben wird, und nicht das philosophischere und ernsthaftere Gesch\u00e4ft betrieben wird: zu zeigen, was dar\u00fcber hinaus noch alles geschehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Das Intro von <i>Star Trek Discovery<\/i> weist sowohl hinsichtlich der visuellen Gestaltung als auch der Musik sehr gro\u00dfe \u00c4hnlichkeiten zur Er\u00f6ffnung der Serie <i>Da Vinci\u2019s Demons<\/i> (2013-2015) auf. Diese Serie wird zwar in ihrem kurzen Verlauf immer esoterischer und verworrener, setzt aber mit dem Protagonisten auf einen der ersten gro\u00dfen Naturwissenschaftler unserer Geschichte. In gewisser Weise ist diese Serie Science Fiction, die in die Vergangenheit f\u00fchrt, und genau damit haben wir es ja bei <i>Discovery<\/i> zu tun.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Star Trek Discovery Opening Sequence (Without Titles)\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/wX1byq2C9ng?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Da Vinci&#039;s Demons opening.\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/FlPluCKnt64?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Was die Utopie betrifft: <i>DS9<\/i> konnte vermutlich auch deshalb keinen Ankn\u00fcpfungspunkt f\u00fcr ein Sequel bilden, weil es vielen vielleicht schwer f\u00e4llt, sich ein Szenario vorzustellen, in dem Formwandler gesellschaftlich integriert sind, be\u00e4ngstigende Feinde zu Freunden werden, Infiltrations\u00e4ngste \u00fcberwunden sind. Stattdessen spricht <i>Discovery<\/i> schon in den ersten beiden Folgen gerne von Terror-Attacken, was mir doch sehr suspekt ist.<\/p>\n<p><i>Discovery<\/i> f\u00fchrt zehn Jahre vor die Zeit zur\u00fcck, in der <i>TOS<\/i> einsetzt, sodass alte Kriege und Wunden thematisiert werden. Interessanterweise setzt die Serie mit einer Rede in klingonischer Sprache im Feindesland ein, was ein unbehagliches Gef\u00fchl evoziert, und zwar nicht nur, weil der Feind direkt als Feind vor Augen gef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=f8mesUEFjas<\/p>\n<p>https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=JsYu9jsmlHc<\/p>\n<p>Vielmehr wird damit in gewisser Weise eine implizite <i>Star Trek<\/i>-\u201aErz\u00e4hlregel\u2018 verletzt, n\u00e4mlich die, dass das diegetische Zentrum bzw. die Perspektive ein Raumschiff oder eine Station bildet, auf dem oder der wir uns zu Hause f\u00fchlen, dass es einen idyllischen Kern gibt, der durch ein bestimmtes Raumgef\u00fchl gepr\u00e4gt ist, dass eine sichere Basis geschaffen wird, auf die man sich immer wieder zur\u00fcck ziehen kann. Stattdessen beginnt die Handlung also mit den Klingonen und \u2013 wie es mir scheint \u2013 \u00fcberdurchschnittlich vielen Au\u00dfen-, also Weltraumaufnahmen, die die Fremde und Weite dieses Raumes eher zum Ausdruck bringen, als dass sie das vertraute <i>Star Trek<\/i>-Szenario aktualisieren. Selbst die neuen Figuren der F\u00f6deration lernen wir auf einem W\u00fcstenplaneten kennen und nicht auf dem Schiff.<\/p>\n<p>Hinzu kommt die starke Verfremdung der Klingonen. Dass deren Maske ver\u00e4ndert wurde, ist nicht neu. Das ist bereits von <i>TOS<\/i> zu <i>TNG<\/i> geschehen. Die urspr\u00fcnglich v\u00f6llig menschlich aussehenden Klingonen wurden f\u00fcr <i>TNG<\/i> in eine gewisserma\u00dfen archaische und animalische Variante des Menschen verwandelt. In <i>Discovery<\/i> sind die Klingonen nun deutlicher dehumanisiert und zu Aliens transformiert. Zur Entmenschlichung kommt noch hinzu, dass sie, wie bereits erw\u00e4hnt, in der lautlich sehr fremd klingenden Sprache sprechen.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte nun einen kleinen Scherz einbauen und die neuerliche physiognomische Ver\u00e4nderung als Re-Aktualisierung des alten Aussehens der Klingonen ausweisen, auch wenn es absolut keine \u00c4hnlichkeit gibt. In der eingangs besprochenen <i>DS9<\/i>-Tribbles-Folge trifft es sich, dass die Figuren von Deep Space Nine mit den alten Klingonen in Kontakt kommen. Da alte Aufnahmen in die neue Folge hinein geschnitten sind, kann der im Grunde metafiktionale Unterschied der Maske innerhalb der Diegese kaum verschwiegen werden. Die Figuren von DS9 fragen also Whorf, warum die Klingonen auf der alten Enterprise so anders aussehen, und Whorf weicht mit dem Kommentar aus, dass Klingonen mit Au\u00dfenstehenden dar\u00fcber nicht sprechen. Das k\u00f6nnte in <i>Discovery<\/i> nun aufgekl\u00e4rt werden.<\/p>\n<p>Aber will ich etwas \u00fcber den Krieg mit den Klingonen wissen? Eigentlich nicht. Nat\u00fcrlich bleibt abzuwarten, wie sich die Serie entwickeln wird. In Ans\u00e4tzen erscheint mir das Gef\u00fcge in mehrfacher Hinsicht etwas reaktion\u00e4r, was bei <i>Star Trek<\/i> mehr als ungew\u00f6hnlich ist, aber das kann sich ja noch \u00e4ndern. Gute Dialoge und Charaktere und die Tatsache, dass man dieses mal mit der visuellen Gestaltung und den Effekten bzw. den technologischen M\u00f6glichkeiten der Sternenflotte in die Vollen haut und nicht hinter <i>Star Trek<\/i>-Sehgewohnheiten zur\u00fcck f\u00e4llt, versprechen gute Unterhaltung. Nat\u00fcrlich hoffe ich, dass sich mit der weiblichen Michael Burnham auf keinen Fall irgendwelche Tom-Paris-Geschichten aus <i>VOY<\/i> oder Whorf Geschichten aus <i>TNG<\/i> und <i>DS9<\/i> um Schuld, Identit\u00e4t und Wandlung wiederholen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Nicht-Trekkis ist die Serie bestimmt sehr sehenswert. Trekkis m\u00fcssen abwarten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> http:\/\/de.memory-alpha.wikia.com\/wiki\/Tribble.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> http:\/\/henryjenkins.org\/blog\/2007\/03\/transmedia_storytelling_101.html; Jenkins, Henry: Searching for the Origami Unicorn &#8211; The Matrix and Transmedia Storytelling. In: Jenkins, Henry: Convergence Culture \u2013 Where Old and New Media Collide. New York: New York University Press, 2006; Rauscher, Andreas: A Long Time Ago in a Transmedia Galaxy Far, Far Away \u2013 Die Star Wars-Saga als World-Building\u201d in: Karl N. Renner, Dagmar von Hoff, Matthias Krings (Hg.): Medien. Erz\u00e4hlen. Gesellschaft: Transmediales Erz\u00e4hlen im Zeitalter der Medienkonvergenz. Berlin: De Gruyter Verlag, 2013*.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. FN 2.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Aristoteles: Poetik. \u00dcbersetzt und herausgegeben von Manfred Fuhrmann. Stuttgart 2001.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Will ich etwas \u00fcber den Krieg mit den Klingonen wissen? 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