{"id":764,"date":"2012-10-23T09:19:13","date_gmt":"2012-10-23T07:19:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=764"},"modified":"2012-10-23T09:19:13","modified_gmt":"2012-10-23T07:19:13","slug":"kredit-und-fortgesetzte-kriseteil-1von-thomas-hecken23-10-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2012\/10\/23\/kredit-und-fortgesetzte-kriseteil-1von-thomas-hecken23-10-2012\/","title":{"rendered":"Kredit und fortgesetzte Krise(Teil 1)von Thomas Hecken23.10.2012"},"content":{"rendered":"<p>Finanz und Pop<!--more-->Am Ende des Artikels \u00bbKredit und Krise\u00ab im ersten Heft der Printausgabe von \u00bbPop. Kultur und Kritik\u00ab war von der \u00bbangek\u00fcndigten, in gr\u00f6\u00dferem Stil noch ausstehenden Sozialisierung spanischer Banken-Abschreibungen und den rezessiven Konsequenzen der auferlegten Sparpolitik\u00ab die Rede. Wenig \u00fcberraschend, ist dieser Prozess kurz nach Abfassung dieses Artikels (Ende M\u00e4rz 2012) so richtig in Schwung gekommen. Bereits im Fr\u00fchjahr stiegen die Zinsen f\u00fcr spanische Staatsanleihen betr\u00e4chtlich \u2013 und ger\u00e4t das Land immer tiefer in die Rezession. In raschem Schritt reiht sich seitdem eine Ma\u00dfnahme der europ\u00e4ischen F\u00fchrungsm\u00e4chte an die andere, die Krise zu begrenzen.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher h\u00e4tte man gesagt, man k\u00f6nne wegen der Schnelllebigkeit von Pop keine Zeitschrift zum Thema herausbringen, die nur alle sechs Monate erscheint. Die musikalischen und damit oftmals verbundenen modischen Trends und Szenen w\u00fcrden einen schnelleren Rhythmus geradezu erzwingen, lautete das g\u00e4ngige Urteil. Wenn man hingegen heute selbst nur in die Jahresr\u00fcckblicke der einschl\u00e4gigen Musikzeitschriften schaut, muss man nicht das Gef\u00fchl bekommen, Wichtiges verpasst zu haben. Wahrscheinlich reicht es auch aus, alle drei, vier Jahre hineinzubl\u00e4ttern, wenn man sich nicht stark f\u00fcr kleinere Entwicklungen und vor allem f\u00fcr Neuerscheinungen interessiert (die \u00e4sthetisch genauso wertvoll sein k\u00f6nnen wie Stilumschw\u00fcnge, Gr\u00fcndungsdokumente und hochoriginelle Werke \u2013 aber das ist hier nicht der springende Punkt).<\/p>\n<p>Viel rasanter und in manchen L\u00e4ndern einschneidender geht es an den Finanzm\u00e4rkten zu. Soll man sie deshalb zur Popkultur schlagen? Ganz falsch ist es sicherlich nicht. Das Bild vom langweiligen, blassen Banker ist seinerseits l\u00e4ngst blass geworden, an seine Stelle treten die Aufnahmen der slicken, modernen Angestellten und Hedgefondspekulanten in mond\u00e4nen und mitunter auch hippen Clubs oder vor verspiegelten Oberfl\u00e4chen. Zwar stellt das mittlerweile auch schon wieder ein Zerrbild in Zeiten dar, in denen die Finanzbranche nicht mehr blo\u00df von smarten, entscheidungsfreudigen Brokern, sondern von den Programmen der Spitzenabsolventen universit\u00e4rer Mathematik- und Physikinstitute bestimmt wird. Aber es ist zumindest insofern kein v\u00f6llig tr\u00fcgerisches Bild, als die im Schnitt noch recht jungen Investmentbanker trotz ihrer oft teuer erkauften Master-of-Business-Administration-Abschl\u00fcsse, die recht zuverl\u00e4ssig auf eine Herkunft aus der oberen Mittelschicht hindeuten, zumeist kaum noch der Bildungstradition verhaftet sind \u2013 also seltener in Theater oder Oper und h\u00e4ufiger in Diskotheken oder Stadionlogen anzutreffen sind, eher Aufputschdrogen als Rotwein bevorzugen, usf.<\/p>\n<p>Es ist auch deshalb kein tr\u00fcgerisches Bild, weil die Finanzinvestments wegen ihres zumeist kurzen zeitlichen Horizonts besser mit den Moden der Popkultur als mit den l\u00e4ngeren Zyklen der alten, vormodernen Welt vergleichbar sind. Falsch ist an diesem Vergleich jedoch die Annahme, dass kurzatmiger, spekulativer Exzess in wichtigem Ma\u00dfe von den Bedingungen einer Pop-Sozialisation abh\u00e4nge. Soweit bekannt, wird an den MBA-Ausbildungsst\u00e4tten nicht Lady Gaga gelehrt, sondern neoklassisches, neoliberales Denken in mathematische Formeln gegossen sowie Leistungsbereitschaft, F\u00fchrungsst\u00e4rke, Teamf\u00e4higkeit anerzogen \u2013 und ein kurzer Blick in die Geschichtsb\u00fccher reicht aus, um sich zu \u00fcberzeugen, dass auch Banker mit bildungsb\u00fcrgerlichen Vorlieben keineswegs vorausschauender, vern\u00fcnftiger, kontrollierter, vorsichtiger (oder wie immer man das zu nennen beliebt) gehandelt haben bzw., besser gesagt, in der Summe und unter den Bedingungen \u00f6konomischer Konkurrenz handeln konnten.<\/p>\n<p>[zu den momentanen Ergebnissen und weltanschaulichen Einfassungen dieser \u00f6konomischen Konkurrenz demn\u00e4chst mehr im zweiten Teil von \u00bbKredit und fortgesetzte Krise\u00ab]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Finanz und Pop<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[947,1299,1305,1309,1315,1816,2335,2589],"class_list":["post-764","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-hecken","tag-kredit","tag-krise","tag-kritik","tag-kultur","tag-pop","tag-thomas","tag-zeitschrift"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/764","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=764"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/764\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=764"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=764"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=764"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}