{"id":7671,"date":"2018-01-15T12:22:08","date_gmt":"2018-01-15T10:22:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=7671"},"modified":"2018-01-15T12:22:08","modified_gmt":"2018-01-15T10:22:08","slug":"industrial-musikvon-dennis-baesecke-beltrametti-15-01-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2018\/01\/15\/industrial-musikvon-dennis-baesecke-beltrametti-15-01-2017\/","title":{"rendered":"Industrial-Musikvon Dennis B\u00e4secke-Beltrametti 15.1.2017"},"content":{"rendered":"<p>Zwischen Pop und Anti-Pop<!--more--><\/p>\n<p>Industrial ist das Abgr\u00fcndige hinter den bunt schillernden Kulissen der gef\u00e4lligen Charts und Tanzfl\u00e4chen. Wer die zerst\u00f6rerische Musikkultur genauer untersucht, stellt schnell fest, dass es sich hier nicht blo\u00df um ein bitterb\u00f6ses Maskenspiel handelt, sondern dass die K\u00fcnstler*innen sprichw\u00f6rtlich die Axt an die Wurzel der Kultur legen wollten. Dieser Text soll eine \u00dcbersicht der Grundgedanken, der \u00c4sthetik und der Entwicklung des Industrials geben. Jason James Hanleys teilt in seiner Dissertation \u201eMetal Machine Music\u201c die Industrial Bewegung historisch und inhaltlich in drei Generationen auf: Eine Einteilung, die ich \u00fcbernehmen m\u00f6chte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Erste Industrial-Generation (1975-1983)<\/p>\n<p>Mitte der Siebzigerjahre des letzten Jahrhunderts konfrontierte eine Gruppe von K\u00fcnstler*innen \u2013 die ersten Protagonist*innen der Industrial Music Culture \u2013 sich und ihr Publikum mit dem B\u00f6sen, den menschlichen Abgr\u00fcnden. Perversionen, Massenmorde, Krankheiten und Okkultismus wurden in den Fokus ger\u00fcckt. Insbesondere die Frage nach dem Allt\u00e4glichen und Menschlichen an diesen Themen wurde beleuchtet. Die von der bestehenden Pop-Kultur entworfene bunt gefleckte Scheinwelt sollte um die Schattenseiten menschlicher Existenz erg\u00e4nzt werden. Industrial stellt so dem Lustvollen das Leidvolle, dem Hellen das Dunkle, dem Guten das B\u00f6se gegen\u00fcber. Figuren wie Charles Manson oder die Schrecken des Nationalsozialismus werden schnell zu Lieblingsmotiven und drastischen Metaphern der jungen Industrial Szene \u2013 die Schock\u00e4sthetik geh\u00f6rt von Anfang an zu den wichtigsten Merkmalen und wirkt bis in die kontroversen Kunstfiguren Marylin Manson oder Rammstein nach.<\/p>\n<p>Friedrich Nietzsche bezeichnete in \u201eDie Geburt der Trag\u00f6die aus dem Geiste der Musik\u201c die ihn umgebende Kulturlandschaft als \u201eKultur der Oper\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> und meinte damit eine Kultur, die \u201eaus einem Bed\u00fcrfnis un\u00e4sthetischer Art\u201c entstehe: Eine sich allein aus dem Affekt geb\u00e4rende verkl\u00e4rte Kunst des heiteren Optimismus und der Bequemlichkeit ohne jegliches Bewusstsein f\u00fcr das Unerreichte, Verlorene und Leidende. Diesen Kunstformen m\u00f6chte er mit Ekel zurufen: \u201eWeg mit dem Phantom!\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Und: \u201eWer die Oper vernichten will, mu\u00df den Kampf gegen jene alexandrinische Heiterkeit aufnehmen, die sich in ihr so naiv \u00fcber ihre Lieblingsvorstellung ausspricht, ja deren eigentliche Kunstform sie ist.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>In der beginnenden Industrial-Musik der 1970er Jahre kann man diesen angeekelten Aufschrei deutlich vernehmen. Blixa Bargeld von den Einst\u00fcrzenden Neubauten formulierte in einem Interview mit dem Sender arte: \u201eWas das f\u00fcr eine Musikkultur war Ende der 70er Anfang der 80er Jahre \u2013 es war grauenvoll! Man musste dem etwas auf der anderen Seite entgegensetzen. Und selbst etwas, das unangenehm war, war immer noch besser als das &#8230; das war furchtbar!\u201c Diese \u00c4u\u00dferung Bargelds ist exemplarisch. In der h\u00f6hnisch br\u00fcllenden Coverversion \u201eJet\u2019m\u201c des seichten Pop-Songs \u201eJe t\u2019aime\u201c ist sie Klang geworden: \u201eSchalt den Film ab! Schalt den Film ab!\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>In der Tat befindet sich der fr\u00fche Industrial in einem Schwebezustand zwischen Pop und Anti-Pop. Industrial entspringt der performativ theatralen und der bildenden Kunst in dem Moment, in dem aus der britischen Performance Gruppe COUM Transmissions um Genesis P-Orridge 1975 die Band Throbbing Gristle wird und das erste Album \u201eThe Second Annual Report\u201c auf dem eigenen Label Industrial Records ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Throbbing Gristle - Very Friendly (Pt. I)\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/9q1-lB4WofA?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>COUM Transmissions war in Ankn\u00fcpfung an die Praktiken des Wiener Aktionismus mit extremen, Selbstverletzung beinhaltenden K\u00f6rper-Performances an eine Grenze gesto\u00dfen, \u00fcber die k\u00f6rperlich nicht mehr hinaus gegangen werden konnte. Nun wurde das Extrem im Klang gesucht und aus der Performance Gruppe mit musikalischer Beigabe wurde eine Band mit performativer Strategie. Trotzdem blieb Industrial eine Kunstform des performativen Extrems. Blixa Bargeld berichtet: \u201eSo, wie die 20 bis 30-j\u00e4hrigen Einst\u00fcrzenden Neubauten auf der B\u00fchne in den achtziger Jahren gespielt haben, h\u00e4tten sie nicht immer weiter spielen k\u00f6nnen. Sie h\u00e4tten sich irgendwann voraussehbar den Arm abgehackt, oder aus Versehen w\u00e4re jemand im Publikum ernsthaft zu Schaden gekommen. Wir konnten es eine Weile \u00fcberleben, aber es war f\u00fcr uns auch extrem gesundheitssch\u00e4dlich.\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Neben den Wiener Aktionisten dienen auch die Strategien des Dadaismus als Referenz, zudem das Selbstverst\u00e4ndnis der Futuristen mit ihren Manifesten\u2013 zu deren Hofkomponisten Luigi Russolo f\u00fchren \u00fcberdies ganz direkte klang\u00e4sthetische Linien.\u00a0 Gedanklich beziehen sich die Musiker_Innen auf Nietzsche, Marx oder William S. Burroughs. Musikalisch sch\u00f6pfen sie sowohl aus dem breiten Spektrum der Pop-Musik von Krautrock bis zu Velvet Underground, als auch aus den Ideen eines John Cage, den Schichtungsstrukturen eines Edgard Var\u00e8se oder der Musik Karlheinz Stockhausens. Das Interesse ist hier selbstverst\u00e4ndlich auf die teils aggressiv-impulsive Klang\u00e4sthetik und nicht auf die komplexen Strukturen im Inneren der Musik gerichtet. In diesem Sinne sind auch die Bez\u00fcge zur Philosophie und zu anderen Kunstformen zu verstehen. Es geht um Ankn\u00fcpfungspunkte durch individuelle Rezeptionsperspektiven und Deutungen der Musiker*innen, nicht um reflexive Verarbeitung im Sinne eines akademischen Diskurses.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Industrial als Pop-Musik<\/p>\n<p>Zum einen werden Popformate wie das Album mit dazugeh\u00f6rigem Artwork, das Musikvideo, sowie Lichtshows, Kost\u00fcme und B\u00fchnenmakeups verwendet, zum anderen gibt es (zumindest zu Beginn) erkl\u00e4rende Werkeinf\u00fchrungen und Handouts zum besseren Verst\u00e4ndnis. Auch wird das Pop-Instrumentarium mit Gitarren, Synthesizern und Drum Computern bespielt, allerdings auf unkonventionelle Art \u2013 n\u00e4mlich mit einer Ger\u00e4usch\u00e4sthetik, die an Helmut Lachenmanns Musique Concr\u00e8te Instrumentale denken l\u00e4sst. Der Einsatz dieser Effekte unterscheidet sich in seiner \u00e4sthetischen Bedeutung radikal von dem bei Jimi Hendrix, The Who oder anderen Gruppen, wo sie vielmehr Ornament sind. Hier werden die Ger\u00e4usche zur Kernsubstanz und zum musikalisches R\u00fcckgrat \u2013 oder mit Hanleys Worten: \u201eMany of these techniques had previously been used (&#8230;) as effects within a performance, but did not constitute the body oft the song.\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Zum einen gibt es die Figur des Fronts\u00e4ngers einer Gruppe, zum anderen aber ist er als Performer klar von den Mitmusikern in der Spielhaltung getrennt. Damit entsteht ein Vordergrund-Hintergrund-Verh\u00e4ltnis, das theatralischen Elementen ein klares Podium vor fast technisch agierenden Musikern bietet. Die typischen \u201eRock-Posen\u201c bei allen Bandmitgliedern tauchen erst in der sp\u00e4teren Entwicklung auf und sind damit bereits ein Symptom des Aufl\u00f6sungsprozesses der Industrial-Subkultur.<\/p>\n<p>Kurzum: Industrial ist Pop Musik mit der Umwertung all ihrer Parameter; Pop im Selbstzerst\u00f6rungsmodus oder wie es die slowenische Gruppe Laibach im Artwork ihres Albums \u201eVolk\u201c formulierte: \u201ePop is music for sheep and we are wolves disguised as shepherds.\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"LAIBACH - Israel\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/71203487?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"625\" height=\"469\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>Was die Ger\u00e4usche im Industrial betrifft, muss in zweifacher Hinsicht auf Luigi Russolo und die Futuristen verwiesen werden. Erstens entspricht einander die geschilderte Umwertung des Ger\u00e4uschklanges zum Wesentlichen der Musik, bei Russolo sogar zum evolution\u00e4r n\u00e4chsten Schritt der Musikgeschichte stilisiert. Dabei nehmen beide Bewegungen eine k\u00e4mpferischer Umsturzhaltung gegen\u00fcber der bestehenden Musikkultur ein: \u201eWir m\u00fcssen diesen engen Kreis der T\u00f6ne durchbrechen und den unersch\u00f6pflichen Reichtum der Ger\u00e4usch-T\u00f6ne erobern. (&#8230;) Wir Futuristen haben die Harmonien der gro\u00dfen Meister ohne Ausnahme lieben und sch\u00e4tzen gelernt. (&#8230;) Jetzt aber sind wir ihrer \u00fcberdr\u00fcssig und erfreuen uns st\u00e4rker an geschickt kombinierten Ger\u00e4uschen von Stra\u00dfenbahnen, Vergasermotoren, Wagen und kreischenden Menschenmengen als beispielsweise am wiederholten H\u00f6ren der \u201aEroica\u2018 oder der \u201aPastorale\u2018.\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>Zweitens findet man wie bei Russolo, dem Erfinder der Intonarumori (Ger\u00e4uschintonatoren), auch im Industrial das Bed\u00fcrfnis vor, die Ger\u00e4usch-Kl\u00e4nge mit neuen Instrumenten zu spielen. Denn tats\u00e4chlich wird das Instrumentarium h\u00e4ufig durch selbstgebastelte Ger\u00e4uschinstrumente und umfunktionierte Alltagsgegenst\u00e4nde erweiter t:\u201e(\u2026) Wir machten daraus einen Klang. Der Einkaufswagen \u2013 ein Gitterkorb aus Draht \u2013 ist in sich zwar schon eine Art Resonanzk\u00f6rper, allerdings wird er erst mit Tonabnehmer zum klingenden Objekt. Wir haben eine spezielle Spieltechnik entwickelt, mit einem Stick innerhalb des Gitterk\u00e4stchens hin und her zu fahren. Das ergibt einen metallisch klingenden Phasing-Effekt. Den Einkaufswagen kann man eigentlich nur als Ambient-Instrument spielen.\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>Hierbei sind grunds\u00e4tzlich Musiker mit einem haptischen Ansatz, wie die Einst\u00fcrzenden Neubauten, welche auf allen m\u00f6glichen und unm\u00f6glichen Gegenst\u00e4nden Musik machen, von den Tonband- und Synthesizer-T\u00fcftlern wie Throbbing Gristle oder Cabaret Voltaire als zwei Typen des Industrials erster Generation zu unterscheiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Mit Schmerzen h\u00f6ren \u2013 \u00c4sthetik der Industrial Culture<\/p>\n<p>Wo aber ist das Wesentliche des Industrials zu suchen? Im Ger\u00e4usch-Klang, der Schock-\u00c4sthetik und der Wahl drastischster Metaphern oder in der Stossrichtung politischer \u00dcberzeugungen?<\/p>\n<p>\u201eIt echoes the anti-modernism of dada, of primitivism, of \u201eoutsider\u201c art, and does so in order not to leave existing society behind, not even to subvert it, but to pervert it, to encourage continual transgression and rebellion, in the form of interferences.\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Drew Daniels beschreibt im einleitenden Teil seines Portraits des Throbbing Gristle Albums \u201e20 Jazz Funk Greats\u201c sehr anschaulich den Reiz der Industrial Music Culture in den 1970er Jahren. Er erz\u00e4hlt, wie er auf der Suche nach immer extremerer Musik im Sinne eines k\u00f6rperlichen Ausnahmezustandes irgendwann auf das Album \u201eThe Second Annual Report Of Throbbing Gristle\u201c stie\u00df und was die besondere Wirkung dieser kreischenden Klangcollagen war: \u201e\u2026but by the end of side one, the piercing synthetic shrieks, ferociously overdriven fuzz bass and visceral low-end throb (\u2026) captured on \u201aSlug Bait\u2018 and \u201aMaggot Death\u2018 had given me a truly punishing headache. I never made it to side two that day. I had finally found art strong enough to cause me physical pain, and I loved it. (\u2026) after my first encounters with TG, I felt exhausted and oppressed, as if I\u2019d inhaled antimatter. It was a bummer to listen to, but you somehow felt stronger afterward because you could take it. Perversely, in a logic that perhaps only anorexics and straight-edgers can relate to, I desired it because it was anti-pleasure.\u201d<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>Es ging darum, Unangenehmes auszuhalten, seine eigene Kraft in diesem Aushalten zu erfahren und gereinigt aus dieser Extremsituation hervorzugehen. Eine Schilderung, die sich mit dem Credo gewordenen Song-Titel der Einst\u00fcrzenden Neubauten \u201eH\u00f6r mit Schmerzen\u201c zusammenfassen, aber auch auf jede Menge anderer Musik \u00fcbertragen l\u00e4sst, die mit extremen Kl\u00e4ngen, Ger\u00e4uschen und Lautst\u00e4rken arbeitet. Schlie\u00dflich hat sich auch der Punk als Anti-(Pop)-Musik verkauft und im Heavy Metal wird seit Jahrzehnten die Lautst\u00e4rke in absurde H\u00f6hen geschraubt. \u00dcber die avantgardistische Doom-Metal-Formation SunO))) schreibt Jens Balzer: \u201eDerma\u00dfen stark vibrieren die B\u00e4sse, dass sie wie Wellen einer Detonation in das Publikum dr\u00fccken, sie bringen die Knochen zum Zittern und die Z\u00e4hne zum Schreien. Bald kommen grell strahlende Feedbacks hinzu, die im Stirnbereich und in den Schl\u00e4fenlappen wie ein pl\u00f6tzlicher Migr\u00e4neschub schmerzen. (&#8230;) Wenn am Ende alles zittert, dr\u00f6hnt und vibriert, verwandelt sich die angstlust- und schmerzbestimmte Erfahrung vor Beginn des Auftritts und w\u00e4hrend der ersten Konzertminuten in das sonderbare selbstwiderspr\u00fcchliche Gl\u00fcck des Einswerdens mit dem monotonen Krach und der von ihm konstituierten musikalischen Zeit: negative Dialektik einer unm\u00f6glichen Kontemplation.\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Zudem ging es den Musiker*innen der Industrial-Szene auch metaphorisch darum, ein \u201eSt\u00f6rsignal\u201c in der Gesellschaft und im Musik-Business (das als \u201eH\u00f6hle des kapitalistischen L\u00f6wen\u201c galt) zu sein. \u201eNoise in the system\u201c nennt es Genesis P-Orridge von Throbbing Gristle:\u201c\u2026real total war has become information war, it is being fought now&#8230;(\u2026) It&#8217;s a hell of a big battle and you can&#8217;t even be sure who is in charge. For all they know, they might be doing exactly what they are already programmed to do, in fact, because any &#8222;control process&#8220; needs antagonism, it needs people fighting against it. Its biggest strength is it controls information. Basically thee power in this world rests with thee people who have access to thee most information and also control that information.\u201d<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Alexander Hacke von den Einst\u00fcrtzenden Neubaten formulierte es etwas sportlicher: \u201eWir haben das damals nicht gemacht, um Ideenlieferanten f\u00fcr die Hitproduzenten von morgen zu sein, sondern um zu st\u00f6ren, zu nerven, Schmerzen zu verursachen. Andrew Unruh hat damals auf die Frage, welche Musik ihn beeinflusst h\u00e4tte, geantwortet: \u201aWieso? Musik interessiert mich nicht. Ich will nur nerven.\u2018 Das war die Stimmung in Berlin.\u201c<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/p>\n<p>Bei aller Flapsigkeit solcher \u00c4u\u00dferungen weisen sie uns doch darauf hin, dass die Essenz dieser Musik nicht beim Parameter der Dynamik und in der konstanten \u00dcbersteuerung zu suchen ist, sondern im Ph\u00e4nomen der Dissonanz. Die Idee der Dissonanz ist der musikalische Spiegel der hier geschilderten Grundhaltung. Der permanente Nadelstich im gesellschaftlichen Gewissen. Hier ist der inhaltliche Kern dieser Musik zu finden. Es geht insbesondere um die unaufgel\u00f6ste Dissonanz.<\/p>\n<p>\u201eVerstehen wir doch jetzt, was es hei\u00dfen will, in der Trag\u00f6die zugleich schauen zu wollen und sich \u00fcber das Schauen hinauszusehnen: welchen Zustand wir betreff der k\u00fcnstlerisch verwendeten Dissonanz eben so zu charakterisieren h\u00e4tten, da\u00df wir h\u00f6ren wollen und \u00fcber das H\u00f6ren uns zugleich hinaussehnen. Jenes Streben ins Unendliche, der Fl\u00fcgelschlag der Sehnsucht, bei der h\u00f6chsten Lust an der deutlich perzipierten Wirklichkeit, erinnern daran, da\u00df wir in beiden Zust\u00e4nden ein dionysisches Ph\u00e4nomen zu erkennen haben, das uns immer von neuem wieder das spielende Aufbauen und Zertr\u00fcmmern der Individualwelt als den Ausflu\u00df einer Urlust offenbart (&#8230;).\u201c<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Dieser Gedanke bietet eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr Reiz und Wirkung der oben beschriebenen Ger\u00e4usch\u00e4sthetik an, insofern man das ungewohnte Ger\u00e4usch als eine Form der Dissonanz auffasst.<\/p>\n<p>Erweitert man den Dissonanzbegriff nun generell auf Brechungen des musikalischen Sprachcodes, wie die Dekontextualisierung musikalischer oder lyrischer Fragmente in der Cut-Up-Technik oder die st\u00e4ndige Infragestellung der verwendeten musikalischen Topoi, wie sie in der Assimilationstechnik der zweiten Generation der Industrial-Musik \u2013 durch Throbbing Gristles \u201e20 Jazz Funk Greats&#8220; (1979) erstmals vorgezeichnet \u2013 auftaucht, so kann man die \u00c4sthetik des Industrials mit dem Dissonanzbegriff ziemlich umfassend beschreiben, ohne den Ger\u00e4usch- oder Maschinenklang als Kern misszuverstehen.<\/p>\n<p>Es wird sich zeigen, dass\u00a0das Missverst\u00e4ndnis das Scheitern der Bewegung schon in ihrem ersten Zeugnis \u201eThe Second Annual Report\u201c von Throbbing Gristle aus dem Jahr 1977 antizipiert: Oft wird der schroffe Klang des ersten Throbbing Gristle-Albums, seine brutalen und d\u00fcsteren Text-Themen und sein kompromissloser Krach-Sound \u2013 vor allem von sp\u00e4teren Industrial-Musikern selbst \u2013 als Blaupause des Industrials gelesen und als Epizentrum epigonaler Bestrebungen verwendet. Diese Sichtweise \u00fcbersieht, dass das Entscheidende an dieser Kombination das Brechen der Erwartung eines Publikums war; sprich das ganze Album als Meta-Dissonanz auf der Rezeptionsebene gemeint war. Schon mit dem dritten Album steuerten Throbbing Gristle mit allen Kr\u00e4ften gegen diese Deutung, indem sie unter dem Titel \u201e20 Jazz Funk Greats&#8220; elf (!) St\u00fccke versammeln, die eher schlechte Stilkopien anderer Pop-Stile zu sein scheinen als \u201eIndustrial\u201c \u2013 \u201eHot On The Heels Of Love\u201c pr\u00e4sentiert eine Persiflage der lasziven Disco-Hymnen der 70er Jahre, \u201eExotica\u201c erscheint als unangenehme Ambient-Idylle, \u201eWalkabout\u201c als eine schlichte Elektropop-Fantasie, die aber den Einsatz des Beats verweigert. Es herrscht ein viel weicherer und konsumentenfreundlicherer Klang, der von der optischen Dissonanz unterst\u00fctzt wird: Einem Artwork, welches die Band in bunten Freizeitkleidern auf einer Wiese zeigt \u2013 die R\u00fcckseite ist rosa. Sieht man von der perfiden Tatsache ab, dass die genannte Wiese auf dem Cliff \u201eBeachy Head\u201c liegt, welcher in den 1970ern seiner H\u00f6he wegen vor allem als Suizid-Schauplatz bekannt war, so ist es ein konsumentenfreundliches Artwork.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ASRbBvJePII\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ASRbBvJePII<\/a><\/p>\n<p>Genesis P-Orridge schrieb 2001 f\u00fcr das Mojo Magazine \u00fcber dieses Cover: \u201cFor some reason, for all the wrong, contrary reasons, this idea stuck in my head. Why not seem to please mum and the general public\u2019s idea of good taste and pleasentness and yet still, secretly, maintain our perversity?\u201d<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/p>\n<p>Das Ziel war, die Erwartungen des eigenen Publikums zu brechen, die sich von der Ger\u00e4usch\u00e4sthetik und der Aura der abgr\u00fcndigen Themen angezogen gef\u00fchlt hatten. Throbbing Gristle versuchten so das Element der unaufgel\u00f6sten Dissonanz aufrecht zu erhalten \u2013 gerade durch die Metaebenen des Artworks. Die unaufgel\u00f6ste Dissonanz bezieht ihre Wirkung vor allem aus der Verweigerung ihrer Aufl\u00f6sung. In dieser Verweigerung von Erwartetem und der anhaltenden Irritation \u00e4hnelt sie der gedanklichen Welt des Komponisten Helmut Lachenmann \u2013 sowohl wegen des Ziels der Ger\u00e4uschemanzipation im Sinne einer Erweiterung der musikalischen Farbpalette und des erkundenden Spiel traditioneller Instrumente mit dem Industrial, als auch wegen dem Credo von der Verweigerung des Erwarteten. Ferner findet sich in der Vokalmusik Lachenmanns eine differenzierte Zerlegung der Worte in ihre klanglichen Bestandteile. Dies scheint eine konsequente Weiterf\u00fchrung der Cut-Up-Technik zu sein, die die Klanglichkeit und teils auratische Wirkung von Worten wahrt, aber die Sprache selbst als Zeichen- und Kontrollsystem dekonstruiert.<\/p>\n<p>Sowohl Lachenmann als auch Musiker*innen des Industrial \u00fcbertragen dieses Vorgehen auch auf musikalische Strukturen, die dann als Fragment-Collagen von Vertrautem erscheinen und das Gesicht des heimelig Gewohnten und B\u00fcrgerlichen zur gnadenlosen Fratze einer un-heimlichen Gesellschaft verzerren. Damit entzieht sich hier wie dort die Wirkung einer stabilen Kultur und es bleiben nur Tr\u00fcmmer oder Fetzen von ihr zur\u00fcck. Bitterer Nachgeschmack dieser Montagen ist die Ahnung, dass die heitere Unterhaltungsmusik nur br\u00f6ckelnde Oberfl\u00e4che einer Gesellschaftsordnung sein k\u00f6nnte, deren wahres Gesicht dem klanglichen Friedhof, in dem sie hier erklingt, \u00e4hnlicher ist, als uns lieb ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Der Informationskrieg<\/p>\n<p>\u201cMany Industrial musicians made trips to meet Burroughs. Genesis P-Orridge of Throbbing Gristle struck up a friendship with him when they both lived in London during the mid-1970s and Burroughs helped him write a grant proposal for a series of performance art shows.\u201d<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> William S. Burroughs sprach von einem tobenden \u201eInformation War\u201c, bei dem die Herrschenden die \u201eArbeiterklasse\u201c durch die Steuerung der Informationen kontrollieren. Die Musiker*innen des fr\u00fchen Industrials sahen sich als K\u00e4mpfer in diesem Krieg und machten sich bereit, eine Art Informationsterrorismus zu verfolgen. Das Ziel war die Zerschlagung des hierarchischen gesellschaftlichen Systems \u2013 in der Konsequenz also die Zerschlagung aller Kontrollinstanzen und Konventionen, damit auch jeglicher Hierarchien: der Familie als Instanz und der Sprache. Das Kontrollsystem des Kapitalismus nannte Burroughs Money Machine: \u201cAnd what does the money machine eat to shit out? It eats youth, spontaneity, life, beauty and above all it eats creativity. It eats quality and shits out quantity. (\u2026) Now the machine is eating faster than what it eats can be replaced\u2026 People want money to buy what the machine eats to shit money out. The more the machine eats the less remains. So your money buys always less\u2026 The machine is eating it all.\u201d<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a><\/p>\n<p>Es ging Burroughs wie den Musiker*innen um das Aufbrechen von Tabus, um das Streuen verschwiegener Informationen und \u00fcberhaupt darum, den ganzen Apparat der Informationskontrolle ins Wanken zu bringen, ihn mindestens aber zu entlarven.\u00a0 \u201eThrobbing Gristle and Industrial Records placed themselves as guerillas in the system, using the enemies\u2019 weapons against them. It was hoped that the reaction to the Industrial Records marketing campaign would force their audiences to realize that the same kind of propaganda techniques were being used against them in a more subtle way by those in power.\u201d<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> Dass dieses Bewusstsein und der Begriff \u201aInformation War\u2018 auch in der weiteren Entwicklung des Industrials entscheidend bleiben, mag der Text des 1996 ver\u00f6ffentlichten Titeltrack von Skinny Puppy\u2019s Album The Process verdeutlichen:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201c(\u2026) aims to make individual freedom<br \/>\nspiritual bounds mental shackles<br \/>\nto heal the wound of separation<br \/>\nto question the unquestioning of the mind<br \/>\noffers an alternative to mass control<br \/>\nthe center of the information war<br \/>\nprogressed<br \/>\nwe have progressed<br \/>\nphysically as far as we can go&#8230; next stage mental<br \/>\nthe process is you (\u2026)\u201d<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a><\/p>\n<p>F\u00fcr den Angriff auf die (Kontroll-) Struktur im politischen und gesellschaftlichen Sinne begaben sich die K\u00fcnstler*innen in das Herz der kapitalistischen Maschinerie: In die Pop-Kultur. Was zu Nietzsches Lebzeiten noch kirchliche, staatliche oder gesellschaftliche Strukturen waren, ist im 20. Jahrhundert der Kapitalismus mit seinen Gesetzen des Marktes: die alles verschlingende \u201eMoney Machine\u201c.<\/p>\n<p>Um der Bedeutung der Informationen Rechnung zu tragen, gestalteten Throbbing Gristle ihr erstes Album-Artwork nicht in der sp\u00e4ter \u00fcblichen rei\u00dferischen Manier, sondern im n\u00fcchternen Antlitz einer beh\u00f6rdlichen Akte.<\/p>\n<p>Bei aller Verbitterung und konspirativen Verschrobenheit, ist angesichts der digitalen Revolution und der Aktualit\u00e4t von Begriffen wie \u201aFake News\u2018, \u201aAlternative Facts&#8216; oder \u201aWhistleblower\u2018 der Musik ein zeitgem\u00e4\u00dfer Bezug zur Gesellschaft des anbrechenden dritten Jahrtausends nicht abzusprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Industrial und Faschismus<\/p>\n<p>Das Symbol von Industrial Records wurde einige Zeit zusammen mit anderen architektonischen postindustriellen Bildern verwendet, bevor Throbbing Gristle einen Skandal mit der Information erzeugte, dass es sich hier um ein Foto des Verbrennungsofens von Auschwitz handelte. Dabei ging es nicht um eine Verh\u00f6hnung der Opfer, sondern um eine Demonstration der Macht einer Information: nicht das Dargestellte l\u00f6se den Skandal aus, sondern die Information. Nicht das Geb\u00e4ude sei schuldig, sondern die Menschen, die es f\u00fcr solch abartige Verbrechen benutzt hatten. Gleichzeitig eignete sich das Bild, sowie \u00fcberhaupt das Motiv \u201aNationalsozialismus\u2018 ikonographisch f\u00fcr die Bewegung, da dieses finstere Kapitel den grausamen Gipfel des Kapitalismus als Nachbeben der Industrialisierung versinnbildlichte.<\/p>\n<p>Zum Gebrauch und der Wirkung faschistischer Symbole bei Throbbing Gristle berichtete mir der in London lebende Schriftsteller Ken Hollings, der zu den wenigen Besuchern der ersten Throbbing-Gristle-Konzerte geh\u00f6rt hatte, am Rande der Konferenz \u201ePop! Goes Tragedy\u201c in Z\u00fcrich im Oktober 2015. Sie seien in der damaligen britischen Pop-Szene sehr beliebt gewesen. Zu dieser Zeit gab es, so Hollings, eine starke neo-faschistische Bewegung in England, deren Symbol der Blitz war. Diesen Blitz trugen auch Throbbing Gristle auf ihren Armbinden. Durch die \u00dcberspitzung und drastische Inszenierung dieser Symbole und des dazugeh\u00f6rigen Kontextes wollten Throbbing Gristle, so Hollings weiter, die wahre Herkunft und das wahre Gesicht der Symbole und der Ideologie dahinter sichtbar machen. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich beispielsweise mit dem Song \u201eThe Land Of Rape And Honey&#8220;<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> der Band Ministry, der das Sample eines \u201eSieg-Heil-Rufes\u201c aus dem Film \u201eDie Blechtrommel\u201c als Kernmotiv verwendet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=bKYCwtnLj_8\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=bKYCwtnLj_8<\/a><\/p>\n<p>Dazu schreibt Hanley: \u201cMinistry\u2019s intent was to use analogy to demonstrate that the American government is a controlling force disguising their true fascist selves. (\u2026) Ministry is careful to explain the ideology behind their performance before they begin it. Their actions on stage then support their ideology and focus the performance into a sharp critique of the social\/political situation in the United States.\u201d<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a><\/p>\n<p>Solch doppelb\u00f6dige Techniken und die absehbaren Missverst\u00e4ndnisse f\u00fchrten leider dazu, dass in der Industrial-Szene sowie auch sp\u00e4ter in der Gothic-Szene h\u00e4ufig antifaschistische und neofaschistische Fans, Communities und Bands praktisch nebeneinander existierten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Die zweite Generation (1983-1989)<\/p>\n<p>Die zweite Generation der Industrial-Kultur, die auch gerne als Post-Industrial bezeichnet wird, beginnt Anfang der 1980er Jahre als trojanisches Pferd in der Musikindustrie verschiedenste Pop-Stile zu assimilieren, sie auszuh\u00f6len und zu pervertieren. So entstehen parallel elektronische, rockartige und hybride Spielarten des Industrials, die aber stets auch Element der widerst\u00e4ndigen Brechung wahren.<\/p>\n<p>Post-Industrial ist als Oberbegriff f\u00fcr diese Generation \u00fcblich, aber innerhalb der Subkultur gibt es ab diesem Zeitpunkt eine gewisse Pluralit\u00e4t an Substil-Bezeichnungen: EBM (Electronic Body Music), Industrial Rock oder Industrial Noise. Bei der Beobachtung der Assimilationstechnik dieser Gruppen sind die Grenzen selbstverst\u00e4ndlich schwimmend. Schlie\u00dflich ist es kaum m\u00f6glich Musik, die Rock ist, von Musik zu unterscheiden, die so tut als w\u00e4re sie Rock. Effektiv kann sich dies auch im Verlauf eines Albums von Track zu Track \u00e4ndern. Hier zeichnet sich bereits der Verlust des inhaltlichen R\u00fcckgrats des Industrials ab.<\/p>\n<p>Von Burroughs \u00fcbernimmt man nicht nur die Gedanken zum Information War sondern auch die sogenannte Cut-Up-Technik; die Collage von Fetzen zuvor zerschnittener Texte. So wird auch der neu kontextualisierende Gebrauch von Sprachsamples aus Filmen und politischen Reden typisch f\u00fcr den Industrial Sound. Dies ist als Attacke auf das m\u00e4chtigste Kontrollorgan, die Sprache selbst, zu verstehen. Gleichzeitig ist diese Technik nat\u00fcrlich \u00e4u\u00dferst ambivalent, wenn es darum gehen soll Informationen zu streuen und Dinge offen zu legen. Denn die entstehenden Gebilde sind oft vage und verlangen eigene Interpretationen und Projektionen bei der Rezeption. \u00dcbrig bleibt h\u00e4ufig nur die Aura der Worte oder im Extremfall nur ihre Eigenschaft als Ger\u00e4uschklang. Klarheit wird zu Gunsten eines Appells an einen aktiven Rezipienten preisgegeben.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a><\/p>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr einen solchen erpresserbriefartig hergestellten Text ist Dogshit von Skinny Puppy aus dem Jahre 1988:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201c(&#8230;) Crystal Marble Powder Shot Glass Overflow<br \/>\nDreams Amaze Me<br \/>\nTime Escapes Me<br \/>\nMirror Shades What Should Be<br \/>\nFlight Not Taking<br \/>\n[Rest] A Bodies Burning<br \/>\n[Compose] Ears Of Rock<br \/>\nGuilty Grey Formaldehyde<br \/>\nCripples Hound A Wheelchair<br \/>\nGuilty Grey<br \/>\nA Wheelchair Hounds<br \/>\nYou Asshole (&#8230;)\u201d<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a><\/p>\n<p>Hier wird der Reiz der Technik deutlich; ein Balanceakt zwischen Bezugslosigkeit, semantischen Ahnungen und Stimmung, die aus der auratischen Wirkung der Einzelw\u00f6rter entsteht.<\/p>\n<p>\u00dcber die Jahre erprobte die kanadische Band Skinny Puppy verschiedenste Formen der Sprachsabotage: Verzerrung der Gesangsspur bis zur v\u00f6lligen Unkenntlichkeit, aberwitzige Beschleunigung oder \u00dcberlagerung verschiedener Schichten zum Sprachgewirr. Au\u00dferdem wurden die destruktiven Techniken auch auf die musikalische Struktur angewendet. Denn wie k\u00f6nnte der Soundtrack der Zersetzung anders klingen, als eine sich zersetzende musikalische Struktur?<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Die dritte Generation (1989-1996)<\/p>\n<p>Mit der dritten Generation des Industrials erfolgt Anfang der 1990er Jahre schlie\u00dflich ein entscheidender Paradigmenwechsel. Der Industrial assimiliert nun nicht mehr andere Stile, sondern diese entdecken in ihm eine \u00fcppige Vorratskammer an mittlerweile gut vermarktbaren \u201eSchmuddelthemen\u201c und kantig brachialer Klanglichkeit. Aus den elektronischen Spielarten des Industrials (der EBM) entwickeln sich Stile wie Aggrotech oder Cyberpunk, von der scharfkantig gitarrenlastigen Musik Ministrys lassen sich Gruppen wie Rammstein inspirieren, die erstaunlich wenig mit den urspr\u00fcnglichen Ideen des Industrial gemeinsam haben. Aus der stilhybriden Musik, etwa von Skinny Puppy, erw\u00e4chst der \u201eIndustrial Pop\u201c eines Marilyn Manson.<\/p>\n<p>In den folgenden Jahre wird die Musik, die Industrial als Bezeichnung stolz vor sich her tr\u00e4gt \u2013 und mit ihr die Bez\u00fcge zu Denkern wie Nietzsche oder Burroughs \u2013 im wahrsten Wortsinne immer oberfl\u00e4chlicher. Auf der einen Seite erstarrt der Klang zum reinen Krach-Fetischismus, der seine kraftvolle Rolle als z\u00fcgelloses St\u00f6rger\u00e4usch fast v\u00f6llig aufgegeben hat. Auf der anderen Seite verk\u00fcmmert der Inhalt zur voyeuristischen Lust am Leid. Das Ergebnis ist eine Musik, die durch ihr Einf\u00fcgen in Popmusik-Formen und -Konventionen und das Joch der eigenen Topoi im Moment ihres Erklingens nicht nur aufh\u00f6rt Industrial zu sein, sondern auch verhindert, dass Industrial nach ihr \u00fcberhaupt noch denkbar ist.<\/p>\n<p>Dieser Vorgang kann anhand des ver\u00e4nderten Umgangs mit dem ber\u00fchmten Ausspruch Friedrich Nietzsches nachvollzogen werden; \u201eGott ist tot!\u201c erscheint isoliert und rekontextualisiert in verschiedenen Industrial-Songs. Etwa bei den Einst\u00fcrzenden Neubauten: In ihrem Song \u201eHaus der L\u00fcge\u201c beschreibt Blixa Bargeld die Stufen des hierarchischen Kontrollsystems Kirche in metaphorischen Geschossen eines Geb\u00e4udes. Von \u201eblinden Gl\u00e4ubigen\u201c im Erdgeschoss \u00fcber \u201ekatholisch violette Gedankeng\u00e4nge\u201c hin zu \u00e4msigen Lakeien. Im Dachgeschoss schlie\u00dflich treffen wir auf den alten sterbenden Gott. Dieser Gott stirbt aber nicht \u2013 wie bei Nietzsche \u2013 erw\u00fcrgt von seinem Mitleid oder unter den Messern der Menschen, sondern richtet sich selbst. So endet der Song mit der Zeile: \u201e(&#8230;) Gott hat sich erschossen, ein Dachgeschoss wird ausgebaut.\u201c<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a><\/p>\n<p>1994 erscheint der Ausruf im Track \u201eHeresy&#8220; von Nine Inch Nails als w\u00f6rtliches Nietzsche-Zitat. Im enger werdenden Korsett des Rocksongs mit Noise-Gewand wird abermals der ertr\u00e4umte Gott der Christenheit zu Grabe getragen, wobei das zentrale Postulat zum wirkungsvoll hymnischen Mitsing-Chorus umgearbeitet erscheint:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201c(&#8230;)He sewed his eyes shut because he is afraid to see<br \/>\nHe tries to tell me what I put inside of me<br \/>\nHe&#8217;s got the answers to ease my curiosity<br \/>\nHe dreamed a god up and called it Christianity<br \/>\nYour god is dead and no one cares<br \/>\nIf there is a hell I&#8217;ll see you there (&#8230;)\u201d<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a><\/p>\n<p>Ein weiteres Jahrzehnt sp\u00e4ter verwendet die mexikanische Band Hocico das Nietzsche-Zitat im Song \u201eAbout A Dead\u201c. Hier ist es jedoch zur Plattit\u00fcde geworden, die der Musik lediglich einen provozierenden und intellektuellen Anstrich verleihen soll. Das Postulat wird zum Schlagwort gegen die Kirche in einem Protestlied gegen Priester, die Kinder missbrauchen. An diesem Beispiel l\u00e4sst sich zudem die Gl\u00e4ttung in der Klang\u00e4sthetik und der Gebrauch von Samples als nebens\u00e4chlichen Effekt \u00fcber einem geradlinig designten Beat nachempfinden.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Hocico - About a dead\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/S3tRrQ5jY1s?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Die Aufl\u00f6sung der Subkultur wirft schon in \u201eThe Second Annual Report\u201c von Throbbing Gristle zweifach seinen Schatten voraus: Zum einen im finsteren Klang, der allzu leicht Selbstzweck wird, zum anderen im Wort \u201eIndustrial\u201c selbst, welches schnell auf Maschinenmusik-\u00c4sthetik reduziert und damit missverstanden werden kann. So, wie Nietzsche den Verfall aufzeigte und brandmarkte, versank er schlie\u00dflich in Krankheit und Umnachtung. So, wie es am Anfang selbst prophezeit wurde: \u201eDie Money-Machine wird alles verschlingen!\u201c st\u00fcrzt sich der Industrial ihr schlie\u00dflich selbst in den Rachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eMeint ihr nicht<br \/>\nwir k\u00f6nnten unsere Z\u00fcge<br \/>\nzigtausendfach, in falschen Farben<br \/>\nweltbewegend scheinen lassen?<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Meint ihr nicht:<br \/>\nWir k\u00f6nnten uns vergolden<br \/>\nauf vierzig Sprossen<br \/>\nf\u00fcr unters Volk gebrachte Massen<br \/>\nviele Monde thronen?<br \/>\nWir k\u00f6nnten, aber\u201c<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Nietzsche 1871, S. 141 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Ebd. S. 147.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Einst\u00fcrzende Neubaten, Jet\u2019m, Kollaps, 1981, ZickZack Records<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Dax (Hrsg.) 2006: \u201eNur was nicht ist ist m\u00f6glich\u201c, S. 84<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Hanley, 2011, Seite 11<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> 2006, Mute Records<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Ullmaier, Johannes (Hrsg.): Luigi Russolo 1916, S. 7-8<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Dax (Hrsg.): Andrew Unruh in \u201eNur was nicht ist ist m\u00f6glich\u201c, 2006, S. 175<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Paul Hegarty 2007, S. 116<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Daniels 2008, S.10 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Jens Balzer 2016, S. 54 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Sterneck 1998: Genesis P-Orridge, Distributing Information, 1979<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Dax (Hrsg.) 2006, S.18<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Nietzsche 1871, S. 180\/181<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> vgl. Daniels 2008, S. 51 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Zitiert aus Daniels 2008, S. 30<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Hanley 2011, S. 175\/176<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Zitiert aus Hanley, 2011, S. 176<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Hanley 2011, S. 230<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Skinny Puppy: Process, 1996, 1:35 Min. ff, American Recordings\/Warner Bros. Records<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Ministry, 1988, Sire\/ Warner Bros.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Hanley 2011, S. 354\/355<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Auch hier hakt Reed ein und weist auf das Dilemma hin, dass kaum etwas autorit\u00e4rer ist, als eine Band, die ihrem Publikum sagt, wie es zu denken hat; selbst wenn es um einen Apell zum selbstst\u00e4ndigen Denken geht. Vgl. Reed 2013, S. 189<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Skinny Puppy: Dogshit, VIVIsectVI, 1988, Nettwerk America<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Vgl. Analogie zu Lachenmann S. 10 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Einst\u00fcrzende Neubauten: Haus der L\u00fcge (1989), Rough Trade Records<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Nine Inch Nails: Heresy (1994), Nothing Records<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Blixa Bargeld, Prolog 1989<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Literatur<\/p>\n<p>Balzer, Jens (2016): Pop. Ein Panorama der Gegenwart. Berlin, Verlag: Rowohlt.Berlin<\/p>\n<p>B\u00fcsser, Martin (2002): Popmusik. Hamburg, Europ\u00e4ische Verlagsanstalt | Sabine Groenewold Verlage<\/p>\n<p>Daniels, Drew (2008): 33 1\/3. 20 Jazz Funk Greats. New York, The Continuum International Publishing Group Inc.<\/p>\n<p>Dax, Max; Defcon, Robert (Hrsg.) (2006): Nur was nicht ist ist m\u00f6glich. Die Geschichte der Einst\u00fcrzenden Neubauten. Berlin,\u00a0 Verlag: Bosworth Music GmbH<\/p>\n<p>Elflein, Dietmar (2010): Schwermetallanalysen. Die musikalische Sprache des Heavy Metal. Bielefeld, transcript Verlag<\/p>\n<p>Goer, Charis; Greif, Stefan; Jacke, Christoph (Hrsg.) (2013): Texte zur Theorie des Pop. Stuttgart, Verlag: Philipp Reclam jun. GmbH &amp; Co. KG<\/p>\n<p>Hanley, Jason James (2011): Metal Machine Music: Technology, Noise, and Modernism in Industrial Music 1975-1996. Stony Brook NY, Stony Brook University, ProQuest LLC.<\/p>\n<p>Hegarty, Paul (2007): Noise\/Music. A History. New York, London, The Continuum International Publishing Group Inc.<\/p>\n<p>Lachenmann, Helmut (2002): Eine musikalische Handlung. Stuttgart, Kairos (CD-Booklet)<\/p>\n<p>Nietzsche, Friedrich (1871): Die Geburt der Trag\u00f6die aus dem Geiste der Musik. Frankfurt am Main, Insel Verlag Berlin (1987, 3. Auflage 2012)<\/p>\n<p>Reed, S. Alexander (2013): Assimilate. A Critical History of Industrial Music. New York, Oxford University Press<\/p>\n<p>Wicke, Peter (2011): Rock und Pop. Von Elvis Presley bis Lady Gaga, M\u00fcnchen, Verlag C.H. Beck oHG<\/p>\n<p>Wicke, Peter; Ziegenr\u00fccker, Kai-Erik; Ziegenr\u00fccker, Wieland (1997): Handbuch der popul\u00e4ren Musik. Berlin, Leipzig, Schott Musik International<\/p>\n<p>Ullmaier, Johannes (Hrsg.)( 2000\/2005): Luigi Russolo: Die Kunst der Ger\u00e4usche (1916). Mainz, Verlag: Schott Musik International<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Internetquellen<\/p>\n<p>Sterneck, Wolfgang (1998): Genesis P-Orridge: Distributing Information (1979) Aus: Kampf um die Tr\u00e4ume \u2013 Musik und Gesellschaft. o.O. Quelle: http:\/\/www.sterneck.net\/musik\/p-orridge-industrial\/index.php Zugriff: 21. Mai 2017<\/p>\n<p>www.scribd.com\u00a0 Zugriff: 22.4.2017<\/p>\n<p>Tagesanzeiger.ch\/Newsnet erstellt am 6. 2. 2014 Zugriff: 2.5.2017<\/p>\n<p>www.theprovince.com erstellt am 27. 2. 2014 Zugriff: 2.5.2017<\/p>\n<p>https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Skinny_Puppy Zugriff: 30.4.2017<\/p>\n<p>www.sputnikmusic.com\/review\/58042\/ Skinny-Puppy-Last-Rights\/ Zugriff: 3.5.2017<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.zhdk.ch\/person\/159403\">Dennis B\u00e4secke-Beltrametti<\/a> ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Department Musik der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen Pop und Anti-Pop<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[],"class_list":["post-7671","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7671","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7671"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7671\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7671"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7671"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7671"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}