{"id":7807,"date":"2018-03-19T10:21:52","date_gmt":"2018-03-19T08:21:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=7807"},"modified":"2018-03-19T10:21:52","modified_gmt":"2018-03-19T08:21:52","slug":"kulturkritik-pop-auffassungen-neue-rechtevon-thomas-hecken19-3-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2018\/03\/19\/kulturkritik-pop-auffassungen-neue-rechtevon-thomas-hecken19-3-2018\/","title":{"rendered":"Kulturkritik, Pop-Auffassungen, Neue Rechtevon Thomas Hecken19.3.2018"},"content":{"rendered":"<p>Konjunkturen und Varianten rechter Kulturvorstellungen<!--more--><\/p>\n<p>Seit dem letzten Jahr hat sich unter Zeitdiagnostikern und vielen Politikern eine Deutung durchgesetzt, mit der die zuletzt stark angewachsene Popularit\u00e4t neurechter Parteien erkl\u00e4rt werden soll: Zulauf bek\u00e4men sie, weil ihre Anh\u00e4nger zu den Globalisierungsverlierern geh\u00f6rten, deshalb protestierten sie gegen die liberalen Eliten, die Globalisierungsgewinner.<\/p>\n<p>Diese Diagnose ist aus zwei Gr\u00fcnden zu bezweifeln: Erstens bringen Deutschland, Frankreich, \u00d6sterreich, USA, Holland etc. innerhalb der \u201aKonkurrenzen\u2018, die ihre Einwohner fast alle durchlaufen m\u00fcssen, auch ohne den seit den 1990er Jahren noch einmal verst\u00e4rkten internationalen Handel bereits seit vielen Jahrzehnten systematisch \u201aGewinner\u2018 und \u201aVerlierer\u2018 hervor \u2013 zum einen in Schule und Universit\u00e4t beim Erwerb von Bildungszertifikaten, die oftmals \u00fcber den Berufseinstieg entscheiden, zum anderen beim Wettbewerb auf dem Berufs-, G\u00fcter-, Wohnungs- und Kapitalmarkt. Der momentane beachtliche Anstieg der Popularit\u00e4t rechter Bewegungen und Parteien muss also (mindestens auch) andere Gr\u00fcnde haben.<\/p>\n<p>Zweitens kann an dem Argument nicht vollst\u00e4ndig die Pointe \u00fcberzeugen, neurechte Ausrichtung exklusiv bei \u201asozial Abgeh\u00e4ngten\u2018 und \u201aBildungsfernen\u2018 zu verorten. Der Versuch, eine neurechte Hegemonie \u00fcber die liberalkonservative \u201awestliche\u2018 Position hinaus zu gewinnen, ist zu wichtigen Teilen auch ein Projekt von Akademikern, Offizieren, mittelst\u00e4ndischen Unternehmern etc.<\/p>\n<p>Das zweite Argument kann aber insofern viel st\u00e4rker als das erste \u00fcberzeugen, als hier in der historischen Tiefendimension tats\u00e4chlich ein beachtlicher Unterschied zu verzeichnen ist. Die Kritik an der westlichen Zivilisation und am Kosmopolitismus, das Bedauern \u00fcber den Verlust von \u201aHeimat\u2018, \u201aGemeinschaft\u2018, \u201aBrauchtum\u2018, \u201aAnstand und Sitte\u2018 und \u201agewachsener Kultur\u2018 ist in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts unter Professoren, Studenten, Parteipolitikern, hohen Beamten, Klerikern, Verb\u00e4ndevertretern etc. noch viel weiter verbreitet und f\u00fcr viele von ihnen von zentraler Bedeutung gewesen. Besonders in Deutschland ist die Entgegensetzung von (deutscher) \u201aKultur\u2018 und (vor allem franz\u00f6sischer, zu Teilen auch englischer) \u201aZivilisation\u2018 lange Zeit ein Gemeinplatz. Dieser weltanschauliche Grundzug, der sich sp\u00e4ter auch in der Abwehr US-amerikanischer \u201aMassen- und Kommerzkultur\u2018 zeigte, steht heute nicht mehr durchg\u00e4ngig im Mittelpunkt rechter Projekte.<\/p>\n<p>Woran dies liegt \u2013 und ob die teilweise geschwundene Bedeutung solcher Kulturkritik an \u201awestlich-liberaler Zivilisation\u2018 vielleicht nur ein Zwischenstadium darstellt \u2013 soll in diesem Aufsatz er\u00f6rtert werden. Ebenfalls soll dabei dargelegt werden, welche Elemente der Kulturkritik unver\u00e4ndert bedeutsam f\u00fcr rechte \u00dcberzeugungen sind. Dazu wird zuerst die Tradition der Kulturkritik erl\u00e4utert; im zweiten Schritt soll das Verh\u00e4ltnis von Pop-Anschauungen zur\u00a0 Kulturkritik kurz dargestellt werden; abschlie\u00dfend dann Anmerkungen zum Verh\u00e4ltnis von Kulturkritik und neurechten Anschauungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Definitionen und historische Auspr\u00e4gungen der Kulturkritik<\/p>\n<p>In seiner \u201eGeschichte der Kulturkritik\u201c h\u00e4lt Georg Bollenbeck fest: Unter Kulturkritik verstehe man gew\u00f6hnlich \u201eKlagen \u00fcber den allgemeinen Verfall der Sitten und der Gesellschaft, \u00fcber Entfremdung und Rationalisierung, \u00fcber die unheilvolle Herrschaft des Geldes, der Technik oder der Medien.\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Wenn man heute noch von \u201aKulturkritik\u2018 spricht, redet man \u00fcberwiegend weiterhin von Bestrebungen, die moderne Gesellschaft insgesamt zu kritisieren, um ihrer Tendenz zu \u201amaterialistischen\u2018 Einstellungen, zur \u201aVermassung\u2018, \u201aSpezialisierung\u2018 usf. ein besonderes Idealbild entgegenzusetzen, das sich stark aus angenommenen Vorz\u00fcgen der Bereiche \u201agemeinsinniger\u2018, \u201aechter\u2018 Bildung und volksm\u00e4\u00dfiger Kultur ergibt.<\/p>\n<p>Die stark fixierte Bedeutung des Begriffs l\u00e4sst sich auch unschwer daran erkennen, dass er im angloamerikanischen Sprachraum mitunter un\u00fcbersetzt verwendet wird. Das neutrale \u201acultural criticism\u2018 kann vieles bedeuten, \u201aKulturkritik\u2018 nicht. Terry Eagleton z.B. benutzt in \u201eThe Idea of Culture\u201c den deutschen Ausdruck, um nicht nur bei Spengler, sondern auch bei Matthew Arnold und F.R. Leavis den Widerstand gegen die Moderne (\u201eabstract, alienated, fragmented, mechanistic, utilitarian, in thrall to a crass faith in material progress\u201c) herauszustellen.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>In zwei (leider heutzutage nicht mehr viel gelesenen) B\u00fcchern sind die kulturkritischen deutschen Anl\u00e4ufe materialreich und scharfsichtig untersucht worden: in Fritz Sterns \u201eThe Politics of Cultural Despair\u201c aus dem Jahr 1961 (dt. \u00dcbersetzung 1963 unter dem Titel \u201eKulturpessimismus als politische Gefahr. Eine Analyse nationaler Ideologie in Deutschland\u201c) und vor allem in Fritz K. Ringers im gleichen Jahrzehnt, 1969, ver\u00f6ffentlichter Abhandlung \u201eThe Decline of the German Mandarins. The German Academic Community, 1890-1933\u201c (die \u00dcbersetzung ins Deutsche erfolgte 1983 unter dem Titel \u201eDie Gelehrten. Der Niedergang der deutschen Mandarine 1890-1933\u201c).<\/p>\n<p>Ringer und Stern z\u00e4hlen zu den Grundz\u00fcgen der Kulturkritik: die Kritik an der \u201eKommerzialisierung\u201c, \u201eVerst\u00e4dterung\u201c, \u201eVerweltlichung\u201c, an der \u201eVorherrschaft von Vernunft und Routine\u201c, an \u201eLiberalismus\u201c und \u201eParlamentarismus\u201c, \u201eParteiwesen\u201c und \u201eMangel an politischer F\u00fchrung\u201c, am Verlust \u201efr\u00fchere[r] v\u00f6lkische[r] Einheit\u201c, an den \u201enivellierenden Tendenzen der Massengesellschaft\u201c,<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> an materialistischer Einstellung, \u201eegoistischem Utilitarismus\u201c, \u201ePragmatismus\u201c, unheldischem Komfort, am Niedergang ganzheitlicher und interesseloser Bildung und an der Mechanisierung der K\u00fcnste.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Mit den eigenen Worten der sogenannten \u201aKulturkritiker\u2018 vom Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts (die selber den Begriff nicht gebrauchen): Die \u201edeutsche Geselligkeit\u201c habe sich \u201ever\u00e4u\u00dferlicht\u201c, bedauert Julius Langbehn 1890 in \u201eRembrandt als Erzieher\u201c; \u201eman verlangt materiell weit mehr und leistet ideell weit weniger als noch vor vierzig Jahren\u201c, \u201eVergn\u00fcgungssucht\u201c \u00fcberwiege. Trotz dieser betr\u00fcblichen Diagnose setzt Langbehn unentwegt darauf, dass \u201edem kosmopolitischen Materialismus, Skeptizismus, Demokratismus\u201c der \u201edeutsche Idealismus, der deutsche Glaube, der deutsche Aristokratismus\u201c mit seinem v\u00f6lkischen Kontinuum vom Bauer zum Adel erfolgreich entgegenwirken werde. Langbehn ruht im Wissen, dass bei den Deutschen \u201eWahrhaftigkeit\u201c und \u201eWehrhaftigkeit\u201c eng beieinander liegen.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Kulturk\u00e4mpferisch gesinnt ist auch Werner Sombart. Er stellt den Gegensatz von \u201eH\u00e4ndlern und Helden\u201c nicht zuf\u00e4llig zu Beginn des Ersten Weltkriegs auf. Sombart verurteilt das \u201ehundsgemeine\u201c Ideal der englischen H\u00e4ndler-Utilitaristen \u201e\u201avom Gl\u00fcck der gr\u00f6\u00dften Anzahl\u2018\u201c, um die deutschen \u201eHelden\u201c zu feiern und ins Recht zu setzen. Die unmilit\u00e4rische Orientierung an der \u201eKommerzialisierung\u201c verachtet Sombart an den Engl\u00e4ndern: \u201e\u201aGl\u00fcck\u2018 ist Behagen in Ehrbarkeit; <em>Comfort mit<\/em> <em>Respectability<\/em>: <em>Apple-pie<\/em> und Sonntagsheiligung, Friedfertigkeit und <em>Foot-ball<\/em>, Geldverdienen und Mu\u00dfe f\u00fcr irgendein <em>hobby<\/em>\u201c. Da solch ein bequemes \u201ekleines, bi\u00dfchen Leben\u201c im Grunde \u201edas Tote\u201c sei, ist der Krieg der deutschen Helden also recht besehen eine lebensspendende Mission, in jedem Fall als Feldzug gegen \u201eMaterialismus\u201c und \u201eKomfortismus\u201c ein Einsatz f\u00fcr jene \u201ewahre\u201c Kunst und \u201egeistige\u201c Kultur, die den Engl\u00e4ndern fehlt. Eine Gefahr stellt dieser Kampf nicht dar, denn gegen das unorganische, individuell differenzierte England kann das nicht nur im Krieg, aber besonders durch den Krieg vereinte deutsche \u201eVolk\u201c nur gewinnen.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Am Ende des Ersten Weltkriegs, die Niederlage vor Augen, verwendet Thomas Mann in den \u201eBetrachtungen eines Unpolitischen\u201c weiterhin solche gut eingef\u00fchrten kulturkritischen Gegensatzpaare, um die Schlacht gegen den \u201eWesten\u201c grunds\u00e4tzlich zu legitimieren,<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> etwa wenn er die \u201eMasse\u201c gegen das \u201eVolk\u201c stellt. Solche Gegensatzpaare werden nie rein deskriptiv verwendet, sondern besitzen stets einen starken Wertungsakzent. Auch Thomas Mann liefert die \u00fcbliche v\u00f6lkische Pointe, demokratische Abstimmungen k\u00f6nnen f\u00fcr ihn keine wertvollen Ergebnisse hervorbringen: \u201eIst ein Volk \u201amehr als die Summe seiner Teile\u2018, so hat das Volk nicht gesprochen, wenn man die Teile einzeln abgefragt hat.\u201c Der \u201eWille eines Volkes\u201c sei keineswegs identisch mit dem der \u201e\u201aSumme\u2018, der Masse\u201c.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Nach diesem Muster werden ebenfalls geschieden: \u201eIndividuum und Pers\u00f6nlichkeit\u201c, \u201esoziales und metaphysisches Leben\u201c, \u201eZivilisation und Kultur\u201c. Kulturkritik bedeutet also, folgt man Thomas Mann und anderen Deutschen, nicht: Kritik an der Kultur, sondern Kritik im Namen der Kultur an der Zivilisation. Der zivilisatorischen \u201eN\u00fctzlichkeitskultur\u201c, die sich an individuellen Interessen, rationalen Erw\u00e4gungen und sozialen Reformen orientiert, wird harsch die Kultur einer h\u00f6heren Gemeinschaft, die Kultur des \u201eh\u00f6hern geistigen Lebens der Nation\u201c entgegengehalten.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>Weitere Gegensatzpaare lauten \u201eSeele und Gesellschaft\u201c, \u201eFreiheit und Stimmrecht\u201c, deutscher \u201eB\u00fcrger\u201c und internationaler \u201eBourgeois\u201c.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Den jeweils ersten Begriff schl\u00e4gt Mann positiv der Seite der Kultur, den zweiten negativ der Seite der westlichen Zivilisation zu. Kulturkritik bedeutet grunds\u00e4tzlich, von der Warte der Kultur (und nicht zuletzt der romantischen Musik) die zivilisatorische Politik zu kritisieren. Falls den Erzeugnissen und Verhaltensformen der modernen Welt \u00fcberhaupt ein kultureller Status zugestanden wird, dann ein niedriger. Diagnostiziert wird allenthalben ein Kulturverfall; um den Niedergang aufzuhalten, wird eine R\u00fcckbesinnung auf \u00e4ltere oder allein wahrhafte Formen der Kultur anempfohlen. Hebt Thomas Mann recht originell in seinen \u201eBetrachtungen\u201c w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs besonders jene Kunst hervor, die ohne soziales Engagement, ohne Botschaften auskommt, geh\u00f6rt es zum Charakteristikum der \u00fcbrigen Kulturkritiker \u00fcber die Jahrzehnte hinweg, unter Kultur ein \u201aorganisches\u2018 Gebilde zu verstehen, das von v\u00f6lkischer Substanz oder (abseits spezialisierter Wissenschaft, technisch-b\u00fcrokratischen Fachmenschentums) von \u00fcbergreifender, werthaltiger, idealistischer Bildung erf\u00fcllt ist.<\/p>\n<p>Stehen sich diese beiden Auspr\u00e4gungen manchmal teilweise feindlich gegen\u00fcber, treffen sie sich doch regelm\u00e4\u00dfig u.a. bei der tiefen Abneigung gegen die mechanisierte, standardisierte, sinnlich aufreizende oder am\u00fcsant-oberfl\u00e4chliche Kultur bzw. \u2013 aus ihrer Sicht \u2013 Unkultur. In politischer Hinsicht stimmen sie bei der Ablehnung von Partei- und Interessenpolitik, Internationalismus, Liberalismus ebenfalls zuverl\u00e4ssig \u00fcberein.<\/p>\n<p>Unpolitisch im allgemeinen Sinne sind sie nat\u00fcrlich beide nicht. Ihre gemeinsame Bevorzugung st\u00e4ndischer Ordnung, v\u00f6lkischen Geistes, von Obrigkeits- und F\u00fchrerstaat, nationaler Sitte und konservativer Beharrung ist sogar hochgradig politisch. Kulturkritik zeichnet allerdings aus, dass sie ihre Vorstellungen, wie Nation und Staat gepr\u00e4gt sein sollten, kaum auf dem Wege institutionalisierter Verfahren erreichen will. Auch geht es ihr nicht um politische \u00c4nderungsvorschl\u00e4ge im engeren Sinne. Sie appelliert stattdessen an Ordnungssinn und Gemeinschaftsgef\u00fchl, versucht Werte zu stiften, ruft kanonische Werksch\u00f6pfer auf, erinnert an vormoderne Traditionen, ergeht sich in vorgeblich reiner Anschauung, beschw\u00f6rt den Volksgeist, feiert wissenschaftlichen Idealismus und Ganzheitssinn, warnt vor Barbaren, sucht mit organischer Kunst und Bildung Tapferkeit und Volkstum zu heben.<\/p>\n<p>An der Aufz\u00e4hlung wird unmittelbar deutlich, dass es bei den politischen Zielen (\u00fcber die ungeachtet der \u201aunpolitischen\u2018 Grundhaltung nicht wenige Kulturkritiker mindestens implizit verf\u00fcgen) keine Generallinie der Kulturkritik geben kann. Verfechter des Kulturstaats (die sich mit der Garantie humanistischer, zweckfreier Bildung unter der F\u00fchrung von Philosophie und Altphilologie zufrieden geben), Konservative (die den St\u00e4ndestaat restaurieren m\u00f6chten), Nationalisten (die ihr Volk reinigen und in neue Schlachten f\u00fchren wollen) finden zwar angesichts ihrer modernen Gegner und des jenen zugeschriebenen Kulturverfalls manchmal zusammen, entdecken aber sp\u00e4testens im Augenblick des Erfolgs wieder ihre Unterschiede.<\/p>\n<p>So sehr auch radikale Nationalisten in die Kritik von Dekadenz und Zersetzung, von atomisierter Gesellschaft und grenz\u00fcbersteigender Nivellierung, von Bequemlichkeit, N\u00fctzlichkeitsdenken, Ehrlosigkeit einstimmen, f\u00fcr den Vorrang interesseloser Bildung, asketisch-elit\u00e4rer Strenge oder selbstgen\u00fcgsamer, traditionsverpflichteter Gemeinschaft treten sie, falls sie Macht erlangen, im Regelfall ebenso wenig ein, wie sie zuvor bei ihren Anstrengungen, an die Macht zu kommen, auf die Mobilisierung und populistische Ansprache der Massen verzichten. Nur diejenigen konservativen Bildungsb\u00fcrger, die ihre Vorstellungen vom Kulturstaat und der Bildungselite in hohem Ma\u00dfe an v\u00f6lkische, rassistische und imperialistische Ideen binden, k\u00f6nnen sich dem Siegeszug chauvinistischer Bewegungen auf l\u00e4ngere Zeit ohne wachsende Distanz anschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Eine Deckungsgleichheit von \u201eKulturpessimismus\u201c und nationalsozialistischer Anschauung behaupten darum selbst die sch\u00e4rfsten Widersacher der Kulturkritik nicht. Dennoch mag es angesichts der N\u00e4he kulturkritisch-v\u00f6lkischer zu nationalsozialistischen Positionen verwundern, dass ausgerechnet nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis in die 1960er Jahre hinein besonders die Kritik an der Massengesellschaft und Massenkultur zu den hervorragendsten Anliegen der deutschen Feuilletonisten, Professoren und Schriftsteller geh\u00f6rt.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>Es gibt aber verst\u00e4ndliche Gr\u00fcnde f\u00fcr die Fortf\u00fchrung dieses kulturkritischen Topos. Zu den wichtigsten z\u00e4hlen: Die kulturkritische Rede erm\u00f6glicht es den Intellektuellen der Nachkriegsjahre erstens, mit der deutschen nationalsozialistischen Vergangenheit auf eine Weise zu brechen, die elementare Selbstkritik ausspart, weil viele von ihnen so zu konservativen Ansichten zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen, die sie bereits in den 1920er Jahren ge\u00e4u\u00dfert haben (sie verweisen seltener oder gar nicht auf den Anteil der Kulturkritik am nationalsozialistischen Aufstieg, sondern darauf, mit ihrer Kritik am Massenmenschen, die etwa in den 1920er Jahren ein wichtiger Topos bei Carl Schmitt und Martin Heidegger gewesen ist, einen wichtigen Grundzug des Nationalsozialismus vorab kritisiert zu haben). Zweitens tr\u00e4gt die kulturkritische Ablehnung von Standardisierung und Nivellierung zur Streuung der Aufmerksamkeit bei; von vornherein steht nicht nur die Analyse und Aufarbeitung nationalsozialistischer Herrschaft im Mittelpunkt; im Namen der Massen-Kritik r\u00fcckt sogleich die sowjetische Alternative zum Nationalsozialismus in den kritischen Blick. Drittens kann im Namen einer Kritik an der Massenkultur Distanz gegen\u00fcber der amerikanischen Besatzungsmacht signalisiert werden, ohne sie politisch direkt anzugreifen.<\/p>\n<p>Immer wieder wird Ende der 1940er Jahre und in den 1950er Jahren in \u00e4u\u00dferst kritischer Manier darauf hingewiesen, dass der moderne, nivellierte Mensch seine moralische und kulturelle Identit\u00e4t, seinen festen Platz in einer geordneten Gemeinschaft verloren habe. Nun erl\u00e4gen alle innerhalb der amerikanisierten, kapitalistischen Welt dem Imperativ des Konsums. In gro\u00dfer Zahl produzierte Waren und Medienangebote uniformieren in Sicht der Bildungsb\u00fcrger den Rest der Bev\u00f6lkerung zu einer blo\u00dfen Masse. Auf dem Felde der Kultur kann man so auch mehr oder minder unterschwellig seine Abneigung gegen die bestehende Demokratie zum Ausdruck bringen. Konservative Kr\u00e4fte fordern eine st\u00e4rkere Beschneidung der Wahl- und Mitspracherechte, sie bestehen auf dem Vorrecht einer (Bildungs-)Elite.<\/p>\n<p>Dies muss aber nicht die alleinige Konsequenz entsprechender Kulturdiagnosen bleiben. Der vierte wichtige Grund f\u00fcr die Fortf\u00fchrung kulturkritischer Reden nach dem Zweiten Weltkrieg liegt darin, dass sie unterschiedlichen politischen Positionen zug\u00e4nglich sind. Auch bildungsb\u00fcrgerliche Liberale und Kommunitaristen sehen die moderne Bindungslosigkeit mit gro\u00dfer Sorge. Im Rahmen der Totalitarismustheorie bef\u00fcrchten Liberale, dass die aus st\u00e4ndischen und sittlichen Bez\u00fcgen herausgel\u00f6sten menschlichen \u201aAtome\u2018 leicht von F\u00fchrern manipuliert und in der Akklamation f\u00fcr sie auf missliche Art und Weise neu versammelt werden k\u00f6nnten. Zu solchen \u201aF\u00fchrern\u2018 z\u00e4hlt man nicht nur \u201apopulistische Demagogen\u2018 und Sozialideologien, sondern ebenfalls \u201arei\u00dferische\u2018 und schlichte Entertainmentangebote. Ihnen wird dann von den bildungsb\u00fcrgerlichen Liberalen nicht unbedingt im Namen elit\u00e4rer Kunst, aber erweiterter Erziehung, \u00f6ffentlich-rechtlicher Programme, gehobener Unterhaltung und aufkl\u00e4rerischer Kunst abgesagt.<\/p>\n<p>Auch neulinke Intellektuelle bezweifeln, dass es sich bei Meinungen und Vorlieben der Mehrheit um das Ergebnis freier einzelner, sinnvoller Entscheidungen handelt, weil sie ebenso wie die Konservativen von der verderblichen Macht der modernen Medien- und Konsumkultur ausgehen. Wenn es auch bei der Einsch\u00e4tzung von Nationalismus und Autorit\u00e4t, Urbanit\u00e4t und Gemeinschaftssinn keinerlei \u00dcbereinstimmungen gibt, treffen sich rechte Kultur- und neulinke Kulturindustriekritik doch zumeist bei der Abwertung moderner Popul\u00e4r- und Popkultur.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt wegen solcher Einsch\u00e4tzungen u.a. aus Reihen der Kritischen Theorie konnte die Kulturkritik \u00fcber die unmittelbare Nachkriegszeit hinaus partiell beachtliche Verbreitung finden. Sie profitierte davon, dass die links-alternative Systemkritik allgemein (die von der zweiten H\u00e4lfte der 1960er bis hinein in die 1980er Jahre im geisteswissenschaftlichen und im k\u00fcnstlerischen Bereich hegemoniale Kraft besa\u00df) st\u00e4rker die \u201aEntfremdung der Menschen\u2018 als die \u201aAusbeutung der Lohnabh\u00e4ngigen\u2018 ins Visier fasste. Wenn auch von ihr kein Weg zu Nationalismus und Volksgeist oder Elitarismus und abgehobener Bildung f\u00fchrte, konnten doch einige andere wichtige \u00e4ltere kulturkritische Topoi \u2013 die Anklage des Verlusts der Ganzheit, nicht-instrumenteller Handlungen, authentischen Ausdrucks, unangetasteter Lebenswelt, Gemeinschaft, Nat\u00fcrlichkeit, unkommerzieller Kunst \u2013 in neulinken Zusammenh\u00e4ngen mehr oder weniger modifiziert \u00fcberdauern.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Kulturkritische Auffassungen zur Musik<\/p>\n<p>Nach der Inspektion der historisch feststellbaren grunds\u00e4tzlichen kulturkritischen Positionen sollen nun an einem spezielleren Punkt Dimensionen und Variationen der rechten Kulturkritik aufgezeigt werden: Welche Anschauungen zeichnet jene Kulturkritik, wie sie Stern und Ringer definiert haben, bei der Einsch\u00e4tzung und Bestimmung musikalischer Werke und Handlungen aus?<\/p>\n<p>Einiges kann man leicht prognostizieren und dann auch an vielen geschichtlichen Beispielen kulturkritischer Musikbetrachtung aufzeigen, wenn man sich nur an die bislang benannten und zitierten Attribute h\u00e4lt: Selbstverst\u00e4ndlich muss f\u00fcr Kulturkritiker auch die Musik authentisch, gemeinschaftsinnig, unkommerziell usf. sein. Aber im Einzelnen lassen sich noch andere L\u00f6sungen und manche Abwandlungen und spezifische Varianten finden. An drei Beispielen sollen Standards und kleine Varianten bzw. zeitspezifische Sto\u00dfrichtungen kurz gezeigt werden:<\/p>\n<p>Erstes Beispiel: Das \u201elebendige Poetische\u201c erkennt Herder in positivem Sinne 1773 in einem \u201egemeinen, popul\u00e4ren J\u00e4gerliede\u201c.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Herders \u201enat\u00fcrliches\u201c Volk besitzt Lieder, die \u2013 ungeachtet anderer wichtiger nationaler Unterschiede \u2013 aus einer \u201esinnlichen, wenn auch einf\u00e4ltigen, aber sichern, kurzen, starken, R\u00fchrung- und Inhaltvollen Denkart\u201c entspringen.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> \u201eEs ist wohl nicht zu zweifeln\u201c, meint Herder, dass Poesie urspr\u00fcnglich ganz \u201eVolksartig\u201c gewesen sei, \u201ed. i. leicht, einfach, aus Gegenst\u00e4nden und in der Sprache der Menge, so wie der reichen und f\u00fcr alle f\u00fchlbaren Natur\u201c.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/p>\n<p>Wie das Volk, so auch seine Lieder; wie die Beurteilung des Volks, so auch die Bewertung seiner Ges\u00e4nge. Weil Herder das sinnliche, nat\u00fcrliche Volk hoch sch\u00e4tzt, preist er dessen einfache, kr\u00e4ftige Dichtung. Die Natur habe den \u201eunpolicirten Nationen\u201c einen \u201eTrost\u201c gegeben, den \u201eschwerlich Menschliche K\u00fcnsteleien d\u00f6rften ersetzen k\u00f6nnen, Freiheitliebe, Liebe des M\u00fc\u00dfigganges oder des Taumels: und wohin alles gewisserma\u00dfe zusammenflie\u00dft, Gesang.\u201c In der Hitze der Begeisterung f\u00e4llt die zivilisierte Gegenwart gegen\u00fcber der eingebildeten Vergangenheit stark ab: \u201eNatur hat den Menschen frei, lustig, singend gemacht: Kunst und Zunft machen ihn eingeschlossen, mi\u00dftrauisch, stumm.\u201c<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/p>\n<p>Zweites Beispiel: Keine Hoffnungen in das singende und dichtende Volk setzt Werner Sombart 1911 mehr. Unter den Bedingungen der modernen Technik sieht er 1911 die \u201eWurzeln der alten aus dem Boden gewachsenen Musik verdorrt: das Volkslied ist durch den Gassenhauer verdr\u00e4ngt, der gleichsam mechanisch gemacht wird, wie das Volkslied organisch wuchs.\u201c In den \u201euntern Sph\u00e4ren\u201c siedelt Sombart auch die \u201eheutige Operettenerzeugung\u201c an, eine \u201eklichierte Melodienfabrikation\u201c, die mit \u201eeigentlicher musikalischer Sch\u00f6pfung wenig mehr zu tun\u201c habe. Es handele sich generell um eine \u201eflache, internationalisierte und egalisierte Gassenhauermusik\u201c. Besonders bezeichnend daf\u00fcr sei der Erfolg des amerikanischen \u201etwo-step\u201c, der den Walzer auf dem alten Kontinent verdr\u00e4ngt hat, auf \u201eda\u00df Amerika schlechthin auch den Sieg in der Musik davontr\u00e4gt!\u201c Die \u201emusikalische Eigenart des \u201etwo-step\u201c: Er habe durch seinen \u201estrengen Rhythmus und nur noch Rhythmus den Tanz gleichsam maschinell gemacht\u201c und verhalte sich \u201ezu jedem Nationaltanz wie die Leitung einer Pr\u00e4zisionsmaschine zu der Leistung eines lebendigen Menschen.\u201c Entsprechend schildert Sombart jene \u201aMenschen\u2018 in den \u201eGro\u00dfst\u00e4dten\u201c (sind es \u00fcberhaupt noch Menschen?), die diese Musik h\u00f6ren. Da sie \u201enerv\u00f6s und \u00fcberhastet\u201c seien, verlangten sie \u201eentweder Kitschmusik oder L\u00e4rmmusik, die ihre Nerven ersch\u00fcttert.\u201c<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p>Aber auch in der h\u00f6heren Sph\u00e4re macht sich f\u00fcr Sombart die Wirkung der technisierten Stadt und ihrer unorganischen Kultur stark bemerkbar. In der \u201eHast und dem L\u00e4rm unseres modernen Lebens\u201c, ausger\u00fcstet \u201emit dem ganzen Apparat\u201c der modernen Technik, sei ein Mozart oder Beethoven, ein Schubert oder Chopin undenkbar. Sie konnten und k\u00f6nnten nur in einer \u201eklingenden und singenden Welt\u201c, nicht aber in der Gro\u00dfstadt-\u201eW\u00fcste\u201c gedeihen.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/p>\n<p>Immerhin stellt Sombart als \u201esegensreiche[n] Einfluss\u201c der \u201etechnischen Fortschritte\u201c und der \u201eDemokratisierung\u201c heraus, dass durch \u201eOrchestrion, Phonola, Grammophon\u201c in der \u201ekleinsten Schnapskneipe\u201c (nicht l\u00e4nger nur im Konzertsaal) f\u00fcr \u201ebilliges Geld die allerbeste Musik\u201c dargeboten und dadurch zur \u201eHebung und Veredelung der Massen\u201c beigetragen werden k\u00f6nne. Das kann aber, muss man als Leser wohl erg\u00e4nzen, blo\u00df alte Musik sein, wenn sie denn \u00fcberhaupt darauf abgespielt wird. Denn wie Sombart im gleichen Absatz selbstwiderspr\u00fcchlich ausf\u00fchrt, entspreche der \u201eForm\u201c der \u201eMusikmaschine\u201c der \u201eTwo-step\u201c als \u201eInhalt\u201c.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a><\/p>\n<p>Drittes Beispiel: Der Chefredakteur des nationalsozialistischen \u201eV\u00f6lkischen Beobachter\u201c, Alfred Rosenberg, l\u00f6st solchen Widerspruch konsequent zur apokalyptischen Seite auf. Er schreibt 1928 in der Zeitschrift \u201eWeltkampf\u201c unter dem Titel \u201eDer Schicksalskampf der deutschen Kultur\u201c \u00fcber die drohende Gefahr der \u201eVernichtung der rassischen Substanz der deutschen Nation \u00fcberhaupt\u201c und zugleich der \u201eVernichtung aller k\u00fcnstlerischen Ideale\u201c. \u201eHeute\u201c droht die Gefahr, das h\u00e4lt Rosenberg im n\u00e4chsten Satz fest, \u201eaus den Tiefen der uns alle verseuchenden Weltst\u00e4dte\u201c. Aus ihnen steige der \u201eUntermensch\u201c herauf. \u201eMillionen von Bastarderscheinungen\u201c seien auf den \u201eAsphalt geworfen, arm an Raum, entnationalisiert, richtungslos, preisgegeben jeglicher schillernden Demagogie\u201c. Diese vielen atomisierten Gestalten werden unter dem Eindruck der urbanen Propaganda zu einer neuen Masse manipulativ zusammengeballt, die st\u00e4ndischer, \u201ablutsm\u00e4\u00dfiger\u2018, nationaler, organischer Einheit entr\u00e4t. Als demagogisches Subjekt benennt Rosenberg den \u201e\u201awunderlichen Sohn des Chaos\u2018, der folgerichtigerweise dem gesamten Europ\u00e4ertum heute in seiner Weltpresse Mulatten- und Negerkultur als die h\u00f6chsten Errungenschaften der Jetztzeit aufzutischen wagt.\u201c<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> Im Artikel \u201eKultur-Bolschewismus\u201c f\u00fchrt ein anderer \u201eWeltkampf\u201c-Autor 1931 pr\u00e4ziser zu dieser massenhaften Bedrohung durch die sogenannte \u201aNegerkultur\u2018 aus, dass in der Heimat Bachs, Mozarts und Wagners \u201eHunderttausende sich an Niggersongs begeistern und sich nach kreischenden Jazz-Rhythmen mit freudigster Hingebung zu zappelnden Marionetten machen\u201c.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Kulturkritische Z\u00fcge in Pop- und Rock-Auffassungen<\/p>\n<p>Vom breiten Strom der Kulturkritik als von Akademikern h\u00e4ufig anerkannte Kritik an der modernen Massengesellschaft und als dominantes Bildungskonzept ist in der deutschen Gegenwart blo\u00df wenig \u00fcbrig geblieben \u2013 vor allem wegen der in den F\u00fchrungsschichten der Universit\u00e4ten, gro\u00dfen Unternehmen und staatlichen Verwaltungen politisch beinahe vollst\u00e4ndig durchgesetzten Westbindung Deutschlands und wegen der Ausrichtung betr\u00e4chtlicher Teile k\u00fcnstlerischer und studentischer Kreise an der angloamerikanischen Popkultur seit Mitte der 1960er Jahre. Besonders im Laufe der 1980er Jahre geraten die kulturkritischen Positionen in Teilen jugendkultureller Szenen und in avantgardistischen universit\u00e4ren wie k\u00fcnstlerischen Str\u00f6mungen zunehmend unter Druck, in den 1990er Jahren verlieren sie schlie\u00dflich auf breiter Front an Verfechtern. Mit der Durchsetzung postmoderner Haltungen und Vorlieben im Zeichen des Stilisierten, Sekund\u00e4ren, Hybriden f\u00e4llt nicht nur keineswegs zuf\u00e4llig das Ende der linksalternativen Hegemonie im kulturellen Sektor zusammen, sondern verliert ebenfalls das kulturkritische Argument enorm an Verbreitung.<\/p>\n<p>Man kann Grundz\u00fcge der Popaffirmation, seien sie nun lebensweltlich sichtbar oder intellektuell zu Papier gebracht, einfach erfassen, indem man die traditionellen kulturkritischen Positionen mit einem anderen Vorzeichen versieht. Was jene ablehnen, favorisieren diese, was diese mit Freude erf\u00fcllt, erschreckt jene. Was Mitte der 1950er Jahre in Reihen der englischen Independent Group und in der ersten H\u00e4lfte der 1960er Jahre im Zuge von amerikanischer Pop-Art an \u00e4sthetischen Urteilen und zeitdiagnostischen Einsch\u00e4tzungen formuliert und im Laufe der Jahre und Jahrzehnte auch in Deutschland aufgegriffen wurde, stellt als \u201aPop-Theorie\u2018 oder \u201aPop-Diskurs\u2018 eine weitgehende Verabschiedung kulturkritischer Topoi und Wertungsgr\u00fcnde dar. Das K\u00fcnstliche, Internationale, Kreischende, Mechanische, Oberfl\u00e4chliche, Funktionale, Urbane, \u00dcberhastete, Reizvolle wird in mancher Auspr\u00e4gung und Kombination hochgehalten.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a><\/p>\n<p>Um ein journalistisches, am\u00fcsant pointiertes Kurzbeispiel zu geben, das ein Kondensat dieser teils theoretisch anspruchsvollen, \u00fcberwiegend aber selbstverst\u00e4ndlich im Modus des entschiedenen \u00e4sthetischen Urteils ausgetragenen Einlassungen wider die Kulturkritik darstellt: Im speziellen Fall aus dem Jahr 1982 geht es um eine Frontstellung wider kulturkritische Anschauungen aus dem Lager der linksalternativen Szene. Die Redaktion der Musikzeitschrift \u201eSounds\u201c, unter deren Mitarbeitern zu diesem Zeitpunkt Pop-Anh\u00e4nger und Theoretiker gut vertreten waren, skizziert in einer Antwort auf einen Leserbrief ihr materialistisches, unverantwortliches, hedonistisches, konsumistisches, dennoch vorgeblich nicht unpolitisches Programm:<\/p>\n<p>\u201eDer Kapitalismus herrscht und hat sich all die alternativen Werte zu eigen gemacht. Hippies sitzen in der Regierung und geiler Konsum (du wei\u00dft schon: Genu\u00df ohne Reue, z. B.: McDonalds, Haircut 100, Walkmen etc.) ist z. Z. l\u00e4ngst von den Herrschenden verp\u00f6nt worden. Der Bundespr\u00e4sident tr\u00e4gt l\u00e4ngst eine \u201aJute statt Plastik\u2018-T\u00fcte. Wir setzen dagegen mehr auf das K\u00e4mpfen im Kleinen, auf Ersch\u00fctterungen der immer gleichen Leitideen, die dir von allen Vertretern der Herrschaft vorgeleiert werden. Dazu geh\u00f6rt auch, da\u00df wir all die kleinen Teenie-Obsessionen f\u00f6rdern und ausleben, die wir damals wie heute haben und die wir uns nicht von rigider alternativer Moral zerst\u00f6ren lassen wollen, aber auch unsere ernsthafteren Erwachsenen-Obsessionen kommen nicht zu kurz. Trotzdem bleiben wir aufrechte Bolschewiken, bzw. Salonmenschewiken, je nachdem, nur in modernisierter Version\u201c.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a><\/p>\n<p>Folgerichtig werden in den Artikeln und LP-Rezensionen dieser Ausgabe (September 1982) alle Eintr\u00e4ge genutzt, die dem Kulturkritiker Schmerzen bereiten. Gelobt wird \u201e\u00fcberdrehte Tanzmusik\u201c \u201eLegoland-Elektronik\u201c \u201ecleverster Pop\u201c, die \u201eglitzernde, ungebremste Realisierung von Kino-Tr\u00e4umen auf Schallplatten, ohne an Streichern und Styling zu sparen\u201c,<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> \u201erelaxter, h\u00fcbscher Soft-Disco-Stoff\u201c<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a>, \u201ek\u00fchne, moderne Tanzmusik\u201c,<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> \u201eTrash-Beat\u201c,<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a> \u201edumpfer, narkotischer, mit Psychedelia angereicherter New-York-Heavy-Metal\u201c,<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a> \u201ezynisch-alberne[] Kinderliedeinlage\u201c,<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a> \u201eunterhaltsame Funk\/City-Musik\u201c,<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a> \u201egaragig, mit leichtem Blues-Touch\u201c.<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a><\/p>\n<p>Rock-Freunde, seien es nun Musiker, Kritiker, Fans, zollen ihr Lob hingegen vorzugsweise unkommerzielleren Gegenst\u00e4nden, den besonders intensiven Augenblicken, den gro\u00dfen Gemeinschaftserlebnissen, den ihrer Ansicht nach kreativen, k\u00fcnstlerisch wertvollen Werken. Dem Glatten, Harmlosen, Funktionalen, Tanzbaren, leicht Konsumierbaren, Narzisstischen, K\u00fcnstlichen, Konventionellen \u2013 dem, was sie negativ als \u201aPop\u2018 einstufen \u2013 sagen sie im Umkehrschluss ab. Derart munitioniert, f\u00e4llt es ihnen leicht, von den Kunstwerken und ihrem Publikum eine Br\u00fccke zu Politik und Kultur zu schlagen: Auch die soll empathisch, gemeinschaftsinnig, aufrichtig, unegoistisch, \u00fcbergreifend, engagiert, vision\u00e4r, kreativ, unbequem sein. Neben \u201aRock\u2018 stehen Begriffe wie \u201aUnderground\u2018, \u201aAlternative\u2018, \u201aIndependent\u2018, \u201aSinger-Songwriter\u2018 daf\u00fcr ein. Pop wird dar\u00fcber mitunter zum Schimpfwort.<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a><\/p>\n<p>Ohne jeden Zweifel steht darum nach 60 Jahren Rock- und Popgeschichte fest: Engagement gegen das Bequeme und Materialistische muss nicht nur unter klarem rechten Vorzeichen stattfinden. Auf Nation und F\u00fchrer, Krieg und Volksgemeinschaft haben die linken und alternativen Rockfreunde nun wirklich nicht gesetzt. Das verlieh ihrer Position gro\u00dfe \u00dcberzeugungskraft, lie\u00df es doch weitgehend vergessen, in welch starkem Ma\u00dfe ihre kulturellen Ideen mit reaktion\u00e4ren \u00dcberzeugungen vertr\u00e4glich waren.<\/p>\n<p>Es gibt diese teilweisen \u00dcberschneidungen aber. Erstens bestehen sie in der Kritik an Versuchen, das Privatleben als Ausgleich, Ruhezone, Schutz- und Freizeitbereich zu etablieren. Wenn Pop als angenehme, reizvolle, bunte, ablenkende, funktionale, harmlose, am\u00fcsante, modische, raffinierte oder verspielte Unterhaltung daherkommt oder aufgefasst wird, sind Rockanh\u00e4nger (und auch Pop-Linke) oftmals \u00e4hnlich alarmiert wie ein Werner Sombart angesichts englischer Hobbys. Aber auch die intensiven Ereignisse der Popgeschichte k\u00f6nnen nicht auf ihre Sympathie sto\u00dfen, falls sie auf die Freizeit beschr\u00e4nkt bleiben und keine Auswirkungen \u00fcber das Privatleben hinaus besitzen \u2013 falls sich der T-Shirt-Tr\u00e4ger mit den satanistischen Symbolen oder dem Guevara-Emblem als gem\u00fctlicher Bierchentrinker entpuppt oder der Dauert\u00e4nzer am Morgen doch zur Arbeits- oder Ausbildungsst\u00e4tte zur\u00fcckkehrt und sich dort funktional einpasst.<\/p>\n<p>Ein einpr\u00e4gsamer Beweis f\u00fcr den Zusammenhang von althergebrachter und \u201arockiger\u2018 Kulturkritik: Kulturrevolution\u00e4r gesinnte rechte \u00c4stheten k\u00f6nnen mitunter selbst Musikstilen, die sie sicher nicht gerne h\u00f6ren (und die ein Sombart nat\u00fcrlich ganz unertr\u00e4glich gefunden h\u00e4tte), etwas abgewinnen, wenn sie nur \u00fcber die Wohnzimmer, Clubs, Diskotheken hinausdringen. Ein gutes Beispiel daf\u00fcr sind Karl Heinz Bohrers Kommentare zur Punk-Bewegung: Bohrer adelt 1978 den \u201eHa\u00df\u201c der Punks als eine \u201eEmotion\u201c, die \u201emehr Lebendigkeit und Kreativit\u00e4t besitzt als jener emotionslose, friedfertige Stumpfsinn, den man einer Freizeitgesellschaft ohne Utopie predigt\u201c.<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\">[32]<\/a><\/p>\n<p>Die zweite, noch wichtigere, weil h\u00e4ufiger anzutreffende \u00dcberschneidung besteht in der vehementen Kritik an der Kommerzialisierung. Ist die Kritik am Freizeitspa\u00df im Namen von Ekstase, allseitig revolutionierten Verh\u00e4ltnissen, entgrenztem Spiel das Vorrecht von avantgardistischen K\u00fcnstlern, situationistischen, poststrukturalistischen oder marcusianischen Theoretikern, findet sich die Kommerzkritik auch in der Amazon-Kundenrezension breit vertreten. Nicht jede dieser Varianten kann mit der traditionellen rechten Kulturkritik kurzgeschlossen werden, wohl aber jene, die mit der Aufl\u00f6sung angeblich organisch gewachsener Gemeinschaften kritisch ins Gericht geht. Ohne die kapitalistische Vermarktung, ohne die Kommerzialisierung w\u00e4re die lokale oder regionale Szene intakt geblieben, ihre Musik authentischer und damit reiner, besser, weniger schematisch, glatt, beliebig, so geht der vielfach erhobene Vorwurf.<\/p>\n<p>Damit keine Missverst\u00e4ndnisse entstehen, soll aber wiederholt werden: Es gibt einen bedeutsamen Unterschied zwischen dieser Variante der Kulturkritik und ihrer rechten Tradition: Auf die H\u00f6he von Nation, Rasse, Kulturkrieg schwingt sie sich im Pop- und Rockbereich nur selten. Dies ist kein Unterschied ums Ganze, aber ein lebenswichtiger. Dennoch bleibt festzuhalten, dass an die antikommerziellen, vitalistischen, gemeinschaftsverbundenen, \u201am\u00e4nnlich-nat\u00fcrlich unzivilisierten\u2018 Positionen von Rock-Auffassungen selbst neofaschistische Szenen anschlie\u00dfen konnten, von den englischen Skinheads bis zum deutschen Rechtsrock gibt es bereits in den letzten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts einige Beispiele daf\u00fcr.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Kulturkritik und aktuelle rechte Str\u00f6mungen<\/p>\n<p>Wie steht es jedoch mit neurechten Bewegungen und Organisationen, deren Reichweite seit einigen Jahren die der Jugendszenen und der mit ihnen mehr oder minder lose verbundenen Kleingruppen und -parteien beachtlich \u00fcbersteigt? Spielt die Aversion gegen die angloamerikanische Popkultur und andere (post)moderne Erscheinungsformen der \u201awestlichen Zivilisation\u2018 bei ihnen eine wichtige Rolle? Und grunds\u00e4tzlich gefragt: In welchem Ma\u00dfe und in welchen Teilen \u00fcbernehmen sie die Anschauungen der Kulturkritik?<\/p>\n<p>Auf die letzte Frage f\u00e4llt die Antwort leicht: f\u00fcr Gemeinschaft, Nationalkultur, m\u00e4nnliche St\u00e4rke, \u201anat\u00fcrliches\u2018, \u201aunverbildetes\u2018 Gebaren und Reden treten sie alle nach wie vor ein, insofern sind die neuen auch die alten Rechten, in Deutschland wie international. Auch die scharfe Kritik an \u201aFernstenliebe\u2018 und \u201aGutmenschentum\u2018 steht in der Linie der Kritik an der (sozial)demokratischen Zivilisation. Diese kulturkritische Auffassung richtet sich traditionell gegen gro\u00dfangelegte staatlich-politische Plansteuerungen und p\u00e4dagogische Reformma\u00dfnahmen, die auf der \u00dcberzeugung von der Erziehbarkeit und der wandelbaren \u201a(Un)Natur\u2018 der Menschen beruhen (und nicht annehmen, eine feste kulturelle Pr\u00e4gung oder das S\u00fcndhafte, B\u00f6se des Menschen machten solch einen \u201aHumanitarismus\u2018 unm\u00f6glich bzw. f\u00fchrten zu ganz misslichen Ergebnissen).<\/p>\n<p>\u201aNeu\u2018 sind die neuen Rechten darum nur im Hinblick auf ihre Haltung zur \u201awestlichen Zivilisation\u2018 und speziell zur Popkultur zu nennen. Hier treten tats\u00e4chlich Unterschiede zur \u00e4lteren rechten Kulturkritik hervor. Bei den neuen Rechten spielt die Kritik an US-amerikanischem Materialismus und Kommerzialismus, an den \u201aentseelten\u2018 Produkten der Massengesellschaft, an blo\u00dfer Unterhaltung, an bequemen Hobbys, an den nicht \u201aorganisch gewachsenen\u2018, sondern hochgradig k\u00fcnstlichen, moralisch verderblichen, die Familie \u201azersetzenden\u2018 Erzeugnissen der Popkultur momentan keine tragende Rolle.<\/p>\n<p>Diese Antwort auf die vorhergehende Frage muss allerdings sehr differenziert erfolgen, besonders was die Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Haltung erfolgreicher neuer Rechter anbelangt. Erstens haben diese Unterschiede etwas mit den verschiedenen Orten zu tun, an denen die Parteien und einflussreichen Organisationen der neuen Rechten heutzutage ihre Erfolge feiern, so unterschiedlichen Orten wie Dover, Texas, Sachsen, Berlin, Elsass, Nizza:<\/p>\n<p>Auch die franz\u00f6sischen Anh\u00e4nger des Front National berufen sich selbstverst\u00e4ndlich auf ihre Nation, hier auf eine \u201el\u2019identit\u00e9 nationale\u201c, die nun einmal \u00fcblicherweise durch nicht-national eingehegte Prinzipien (Freiheit, Gleichheit, Rationalit\u00e4t, Meritokratie, Laizismus) definiert wird. Es ist also f\u00fcr den Front National schwer bis unm\u00f6glich, so wie etwa deutsche Rechte der Zivilisation weitgehend abzusagen (zur Pr\u00e4sidentschaftswahl 2017 erkl\u00e4rt Marine Le Pen ihre Wahl ganz im Gegenteil programmatisch zur \u201echoix de civilisation\u201c; in den 144 Punkten ihres Wahlaufrufs [\u201eLes 144 engagements pr\u00e9sidentiels\u201c] wird \u00fcber das allgemeine Bekenntnis zu\u00a0\u201eles valeurs et les traditions de la civilisation fran\u00e7aise\u201c [Punkt 91] kein spezifisches Kulturprogramm sichtbar, vielsagend blo\u00df:\u00a0\u201eRenforcer l\u2019unit\u00e9 de la nation par la promotion du roman national et le refus des repentances d\u2019\u00c9tat qui divisent\u201c [Punkt 97]).<\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtig sind in Frankreich kaum bedeutende Versuche erkennbar, den neurechten \u201aMangel\u2018 an Zivilisationskritik durch eine scharfe Absage an die angloamerikanische Popkultur zu kompensieren (Jean-Marie Le Pen spricht sich im September 2014 noch f\u00fcr den \u201echanson populaire fran\u00e7aise\u201c und gegen\u00a0\u201eles attaques barbares que sont le rap et autres manifestations d\u00e9lirantes\u201c aus, Marion Mar\u00e9chal-Le Pen hingegen bekennt im Juni 2015 \u201eJe vais peut-\u00eatre vous surprendre mais j\u2019\u00e9coute du rap aussi\u201c, vor Wahlkampfauftritten der Parteichefin Marine Le Pen wird 2017 freilich Ravels \u201eBolero\u201c eingespielt); schwerer wiegt f\u00fcr die Partei insgesamt die Abneigung gegen die \u201ahochsubventionierte\u2018 linksliberale K\u00fcnstlerschaft.<\/p>\n<p>Bei den englischen Brexit-Anh\u00e4ngern wiederum bleibt die Last oder Zierde jenes Traditionsverst\u00e4ndnisses bestehen, das Materialismus und Free Trade durchaus nicht in Bausch und Bogen als \u201aunenglisch\u2018 abzuqualifizieren erlaubt. In offiziellen Dokumenten der Brexit-Partei Ukip bleibt unterbestimmt, was genau \u201eBritish culture\u201c bzw.\u00a0\u201emajority culture\u201c positiv ausmache, genau erkl\u00e4rt wird nur, was sie nicht ist: der mangelnde \u201epatriotism\u201c der\u00a0\u201eliberal metropolitan elite\u201c und vor allem die \u201ecultures\u201c der\u00a0\u201edifferent ethnic and religious groups\u201c (\u201eUkip 2015 Manifesto\u201c, S. 61).<\/p>\n<p>Speziell die Popkultur dr\u00e4ngt sich f\u00fcr sie als Gegner wohl deshalb nicht auf, weil Gro\u00dfbritannien eines der Mutterl\u00e4nder des Pop ist, und es auch keine gr\u00f6\u00dferen (schon gar nicht erfolgreiche) Bestrebungen \u201aBr\u00fcsseler B\u00fcrokraten\u2018 gibt, daran etwas zu \u00e4ndern. Auch im Zuge der mannigfachen Bestrebungen, gegen \u201emulticulturalism\u201c vorzugehen, tritt die m\u00f6gliche Auffassung, Popkultur sei doch Ausdruck und Motor solch einer Absage an die\u00a0\u201eBritish culture\u201c (gerade an den \u201eway of life\u201c der \u201eforefathers\u201c), zumindest bei offiziellen Reden nicht in den Vordergrund (Ukip-Parteichef Henry Bolton, 30.9.2017).<\/p>\n<p>F\u00fcr Vertreter der Tea Party und neuere Anh\u00e4nger Trumps gilt das in \u00e4hnlicher Weise. Western, Gangsterfilm, Billboards, TV-Serien, Rock \u02bcn\u02bc Roll etc. z\u00e4hlen auch f\u00fcr sie zur amerikanischen Kultur, nicht nur Country Music. Hollywood wird nicht grunds\u00e4tzlich wegen der Machart der Genrefilme abgelehnt, sondern blo\u00df wegen spezifischer, liberaler Inhalte, die einige dieser Filme mitunter momentan \u201atransportieren\u2018.<\/p>\n<p>Dies erkl\u00e4rt wohl auch, weshalb es unter wichtigen, viel rezipierten Sprechern der neuen Rechten Amerikas zwar zumindest einige Versuche gibt, die neuere Popkultur in gr\u00f6\u00dferem Rahmen zu diskreditieren (und nicht nur, weil ihre Stars \u00fcberwiegend f\u00fcr Hillary Clinton eintraten), sie sich letztlich aber doch nicht zu einer kulturkritischen Generalabrechnung aufschwingen. Paul Joseph Watson z.B. schm\u00e4ht die zeitgen\u00f6ssische \u201epopular culture\u201c als \u201eplastic, empty, meaningless, grotesque\u201c \u2013 kommt also der alten Kulturkritik auffallend nahe \u2013, am Ende bleibt er aber doch als \u201aRockist\u2018, der auf \u201aAuthentizit\u00e4t\u2018 und eine \u201aechte Gegenkultur\u2018 schw\u00f6rt, der modernen \u201epopular culture\u201c stark verbunden (dazu ausf\u00fchrlich der Beitrag von Annekathrin Kohout auf <a href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2017\/03\/23\/hohe-kultur-4von-annekathrin-kohout23-3-2017\/\">dieser Seite<\/a>).<\/p>\n<p>F\u00fcr Deutschland gelten freilich all diese Gr\u00fcnde bekanntlich nicht. Hier l\u00e4ge es darum sehr nahe, die Aversion gegen die liberale, kosmopolitisch ausgerichtete Zivilisation mit einem Lob deutscher Kultur zu bekr\u00e4ftigen, die sich wieder viel st\u00e4rker auf ihre \u201avolksm\u00e4\u00dfigen Wurzeln\u2018 besinnen und der Popkultur der \u201aMainstream-Medien\u2018 absagen m\u00fcsse. Dennoch findet man das im Programm der AfD nicht. Im Wahlprogramm der AfD zur Bundestagswahl 2017 steht zwar das Bekenntnis zur \u201edeutschen Leitkultur\u201c (S. 47): \u201eDiese fu\u00dft auf den Werten des Christentums, der Antike, des Humanismus und der Aufkl\u00e4rung. Sie umfasst neben der deutschen Sprache auch unsere Br\u00e4uche und Traditionen, Geistes- und Kulturgeschichte. Unser liberaler Rechtsstaat, unsere Wertsch\u00e4tzung von Bildung, Kunst und Wissenschaft und der sozialen Marktwirtschaft als Ausdruck menschlicher Kreativit\u00e4t und Schaffenskraft sind damit engstens verbunden.\u201c (Ebd.)<\/p>\n<p>Die damit verbundene Gegnerschaft zur \u201eIdeologie des \u201aMultikulturalismus\u2018\u201c schlie\u00dft aber z.B. nicht ausdr\u00fccklich die Gegnerschaft zur afroamerikanisch gepr\u00e4gten Jazz- und Popmusik oder zu anderen US-amerikanischen Showformaten ein. Zum Schutz der deutschen Kultur und der \u201edeutsche[n] kulturelle[n] Identit\u00e4t\u201c wird aus einem anderen Grund aufgerufen: \u201eDer in Europa bereits stattfindende Kulturkampf zwischen Abendland und dem Islam als Heilslehre und Tr\u00e4ger von nicht integrierbaren kulturellen Traditionen und Rechtsgeboten kann nur abgewendet werden durch ein B\u00fcndel von defensiven und restriktiven Ma\u00dfnahmen, die eine weitere Zerst\u00f6rung der europ\u00e4ischen Werte des Zusammenlebens aufgekl\u00e4rter B\u00fcrger verhindern\u201c (ebd.; zur Stellung des AfD-Programms unter den anderen Wahlprogrammen der popul\u00e4ren deutschen Parteien siehe den Artikel auf <a href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2017\/09\/04\/hohe-kultur-8von-thomas-hecken4-9-2017\/\">dieser Seite<\/a>).<\/p>\n<p>Das ist also der zweite wichtige Grund f\u00fcr das Zur\u00fccktreten der Kritik an Kommerzialismus, \u201aunheldischer\u2018 Freizeit und \u201aseelenloser\u2018 Massenkultur: die neurechte Konzentration auf den \u201abedrohlichen Islam\u2018 und seine Lebensformen. Und da bekannterma\u00dfen die Erzeugnisse der britischen und US-amerikanischen Kulturindustrie von vielen Koran-Schulen nicht hoch in ihren Kanon-R\u00e4ngen platziert werden, l\u00e4sst sich implizit aus der vehementen Gegnerschaft der neuen Rechten zu Formen und Str\u00f6mungen des Islams sogar eine gewisse N\u00e4he zu jenen Praktiken und Werken theoretisch ableiten, die von den \u00e4lteren Rechten kulturkritisch geschm\u00e4ht worden sind.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich f\u00fchrt das Prinzip \u201aDer Feind meines Feindes ist mein Freund\u2018 aber bei der AfD nicht zu einer durchgehenden, prinzipiellen Revision der Kulturkritik. Zu \u201eunsere[n] Br\u00e4uchen und Traditionen\u201c z\u00e4hlt die angloamerikanische Popkultur offenbar immer noch nicht, zumindest liest man nichts Entsprechendes im Wahlprogramm; auch folgt aus der Absage an \u201aMultikulti\u2018 keineswegs ein Lob eines (anzustrebenden) unifizierenden, totalen \u201aUS-Kulturimperialismus\u2018.<\/p>\n<p>Hier waltet auch kein Realit\u00e4tsprinzip mehr, die vorgetragene Sorge vor einem angeblich bereits \u201estattfindenden\u201c, offenbar sogar schon sehr verlustreichen \u201eKulturkampf\u201c mit \u201edem Islam als Heilslehre\u201c l\u00e4sst den l\u00e4ngst weitgehend verlorenen \u201aKulturkampf\u2018 gegen die amerikanischen und britischen Massen- und Pop-Produkte bei den neuen Rechten in den Hintergrund treten. Es gibt zwar immer wieder Versuche, die alte Kulturkritik im Sinne der Massen- und Popkulturkritik ins Zentrum zu r\u00fccken (im Wahlprogramm der s\u00e4chsischen AfD vom 2.3.2014 wird z.B. eindringlich davor gewarnt, \u201eden formatierten und hochmanipulativen Produkten von Privatradio, Musikindustrie oder serieller Seichtbelletristik auf den Leim zu gehen\u201c [S. 23]), diese Ans\u00e4tze haben aber innerhalb der Partei noch keine gro\u00dfe Kraft entfalten k\u00f6nnen. Selbst die f\u00fcr viele in der Partei wichtigen Hinwendungen zum russischen Autoritarismus, selbst die Versuche, gegen die Sichtbarkeit queerer Szenen erneut stark anzugehen, haben noch nicht zu einem Wiedererstarken solcher Anti-Pop-Kulturkritik gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die neue Fassung rechter Kulturkritik besteht demnach darin, sich zwar weiterhin gegen \u201awestlich-zivilisatorischen\u2018 Liberalismus und Kosmopolitismus zu richten, sich aber trotz der Begeisterung f\u00fcr \u201anationale Gemeinschaft und Kultur\u2018 nicht l\u00e4nger frontal gegen eine \u201amechanische\u2018, \u201ak\u00fcnstliche\u2018, \u201aunmoralische\u2018, \u201aheimatlose\u2018 Massen- oder Popkultur zu wenden, die vor allem US-amerikanischen und international-j\u00fcdischen Akteuren zugeschrieben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Diese neue Fassung rechter Kulturkritik hat mit f\u00fcr etwas Paradoxes gesorgt: f\u00fcr eine Internationale der rechten Nationalisten. Die auch unter vielen Rechten lange gewohnte Frontstellung Deutschland vs. USA, England vs. Deutschland, etc. verliert durch diese Neufassung betr\u00e4chtlich an Sch\u00e4rfe. Zur Trennung f\u00fchren unterschiedliche Kulturauffassungen, die bei den Rechten zwangsl\u00e4ufig national bestimmt sind (abgesehen von jenen Konservativen, die sich st\u00e4rker regional als national ausrichten), momentan also ungew\u00f6hnlicherweise nicht; geeint ist man durch die Gegnerschaft zum Islam und zu den verbleibenden liberalen F\u00fchrungsschichten, vereint vor allem durch die imaginierte Gr\u00f6\u00dfe der \u201aislamischen Gefahr\u2018.<\/p>\n<p>Bei weiteren Erfolgen der neuen Rechten in unterschiedlichen L\u00e4ndern d\u00fcrfte\u00a0die jeweilige nationalkulturelle Ausrichtung aber h\u00f6chstwahrscheinlich wieder st\u00e4rker betont werden, womit die alten Frontstellungen ebenfalls wieder an Wucht gewinnen w\u00fcrden \u2013 und damit auch die Tradition der Kulturkritik in Deutschland wieder zur G\u00e4nze Bedeutung. Diese Prognose erscheint nach den geschichtlichen Erfahrungen plausibler als die Vorstellung von einer zuk\u00fcnftigen transnationalen Rechten, die sich auf eine von afroamerikanischen, jamaikanischen u.a. Traditionen gereinigte, internationale Pop- oder Massenkultur einigen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Bollenbeck 2007, 7.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Eagleton 2000, 11.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Stern 1963, 1, 2, 3, 8.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Ringer 1983, 172f., 231, 236.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Langbehn [1890] 1922, 376, 365.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Sombart 1915, 15, 19f., 108, 100, 50, 67.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Mann 1990, 587.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Ebd., 267.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Ebd., 248f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Ebd., 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Vgl. Schildt 1995.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Herder 1993, S. 478.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Herder 1990a, S. 24.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Herder 1990b, S. 230.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Herder 1990a, S. 60.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Sombart 1911, 343f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Ebd., 343.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Ebd., 347.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Alfred Rosenberg, Der Schicksalskampf der deutschen Kultur, in: Der Weltkampf V, 1928, zit. n. John 1994, 203.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Hans Hauptmann, Kultur-Bolschewismus, in: Der Weltkampf VIII, 1931, zit. n. John 1994, 284.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Vgl. Hecken 2009.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Red. 1982, S. 4.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Anonymus 1982, S. 9.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Diederichsen 1982a, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Kid P. 1982, S. 37.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> H. in H\u00fclsen 1982, S. 56.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Diederichsen 1982b, S. 57.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Keller 1982, S. 60.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> D.D. 1982, S. 66.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> Weiss 1982, S. 62.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> Vgl. Hecken 2009.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> Bohrer 1978, S. 25.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Literatur<\/p>\n<p>Anonymus: <em>Compact Organisation<\/em>. In: Sounds. H. 9 (1982), S. 9.<\/p>\n<p>Bohrer, Karl Heinz: <em>Ha\u00df als Zeitbombe in einer Gesellschaft ohne Liebe<\/em>. In: FAZ (13.04.1978), S. 25.<\/p>\n<p>Bollenbeck, Georg: <em>Eine Geschichte der Kulturkritik. Von J.J. Rousseau bis G. Anders<\/em>. M\u00fcnchen 2007.<\/p>\n<p>D.D. [= Diedrich Diederichsen]: [Rez. zu:] <em>Unknown Gender: \u201eLive in Oldenburg\u201c.<\/em> In: Sounds. H. 9 (1982), S. 66.<\/p>\n<p>Diederichsen, Diedrich: <em>Singles<\/em>. In: Sounds. H. 9 (1982a), S. 10.<\/p>\n<p>Diederichsen, Diedrich: [Rez. zu:] <em>The Lords Of The New Church: Dto.<\/em> In: Sounds. H. 9 (1982b), S. 57.<\/p>\n<p>H. in H\u00fclsen: [Rez. zu:] <em>39 Clocks: \u201eSubnarcotic\u201c<\/em>.In: Sounds. H. 9 (1982), S. 56.<\/p>\n<p>Hecken, Thomas: <em>Pop. Geschichte eines Konzepts 1955-2009.<\/em> Bielefeld 2009.<\/p>\n<p>Herder, Johann Gottfried: <em>Alte Volkslieder.<\/em> [1773\/74] In: Ders.: <em>Werke. Bd. 3<\/em>. Hg. von Ulrich Gaier. Frankfurt\/M. 1990a, S. 9-68.<\/p>\n<p>Herder, Johann Gottfried: <em>Auszug aus einem Briefwechsel \u00fcber Ossian und die Lieder alter V\u00f6lker.<\/em> [1773] In: <em>Werke. Bd. 2<\/em>. Hg. von Gunter E. Grimm. Frankfurt am Main 1993, S. 447-497.<\/p>\n<p>Herder, Johann Gottfried: <em>Volkslieder. Nebst untermischten andern St\u00fccken. Zweiter Teil. <\/em><em>[<\/em><em>1779<\/em><em>]<\/em> In: Ders.: <em>Werke. Bd. 3<\/em>. Hg. von Ulrich Gaier. Frankfurt am Main 1990b, S. 229-430.<\/p>\n<p>John, Eckhard: <em>Musikbolschewismus. Die Politisierung der Musik in Deutschland 1918-1938.<\/em> Stuttgart und Weimar 1994.<\/p>\n<p>Keller, Hans: [LP-Sammelbesprechung]. In: Sounds. H. 9 (1982), S. 60.<\/p>\n<p>Kid P.: <em>Das kleine ABC des Lebens, Teil 1<\/em>. In: Sounds. H. 9 (1982), S. 36-39.<\/p>\n<p>Langbehn, Julius [als Vf. wird auf dem Titelblatt angegeben: \u201eVon einem Deutschen\u201c]: <em>Rembrandt als Erzieher.<\/em> [1890] autorisierte Neuausgabe, Leipzig 1922.<\/p>\n<p>Mann, Thomas: <em>Betrachtungen eines Unpolitischen.<\/em> [1918] In: Ders.: <em>Gesammelte Werke in dreizehn B\u00e4nden<\/em>. <em>Bd. 12<\/em>. Frankfurt am Main 1990, S. 7-589.<\/p>\n<p>Red.: [<em>Antwort auf einen Leserbrief<\/em>]. In: Sounds. H. 9 (1982), S. 4.<\/p>\n<p>Ringer, Fritz K.: <em>Die Gelehrten. Der Niedergang der deutschen Mandarine 1890-1933<\/em>. Stuttgart 1983.<\/p>\n<p>Schildt, Axel: <em>Moderne Zeiten. Freizeit, Massenmedien und \u201eZeitgeist\u201c in der Bundesrepublik der 50er Jahre<\/em>. Hamburg 1995.<\/p>\n<p>Sombart, Werner: <em>H\u00e4ndler und Helden. Patriotische Besinnungen.<\/em> M\u00fcnchen und Leipzig 1915.<\/p>\n<p>Sombart, Werner: <em>Technik und Kultur<\/em>. In: Archiv f\u00fcr Sozialwissenschaft und Sozialpolitik 23 (1911), S. 305-347.<\/p>\n<p>Stern, Fritz: <em>Kulturpessimismus als politische Gefahr. Eine Analyse nationaler Ideologie in Deutschland<\/em>. Bern u.a. 1963.<\/p>\n<p>Weiss, Betty: [LP-Sammelbesprechung]. In: Sounds. H. 9 (1982), S. 62.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[Teile dieses Beitrags gehen zur\u00fcck auf folgende Buchpublikation: Thomas Hecken, Kulturkritik und Pop-Auffassungen. Definitionen und historische Auspr\u00e4gungen der Kulturkritik, in: Fernand H\u00f6rner (Hg.): \u00bbKulturkritik und das Popul\u00e4re in der Musik\u00ab, M\u00fcnster und New York 2016, S. 17-32.]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konjunkturen und Varianten rechter Kulturvorstellungen<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[97068,800,985,1266,1320,1353,1857,1960,1963,2018,2339,2413,2597],"class_list":["post-7807","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-afd","tag-front-national","tag-herder","tag-konservative","tag-kulturkritik","tag-le-pen","tag-poptheorie","tag-rechte-kulturpolitik","tag-rechtspopulisten","tag-rockism","tag-thomas-mann","tag-ukip","tag-zivilisationskritik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7807","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7807"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7807\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7807"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7807"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7807"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}