{"id":7921,"date":"2018-04-26T08:48:14","date_gmt":"2018-04-26T06:48:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=7921"},"modified":"2018-04-26T08:48:14","modified_gmt":"2018-04-26T06:48:14","slug":"social-media-aprilvon-annekathrin-kohout26-04-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2018\/04\/26\/social-media-aprilvon-annekathrin-kohout26-04-2018\/","title":{"rendered":"Social Media Aprilvon Annekathrin Kohout26.4.2018"},"content":{"rendered":"<p>Soziale Medien und Aneignungsstrategien: Wie die Kunst ins Hintertreffen geraten ist<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Selbstredend m\u00fcssen sich K\u00fcnstler mit den Bildern und Bildtypen besch\u00e4ftigen, die in und mit den Sozialen Medien entstehen. Wie sich K\u00fcnstler auch mit den Bildern der Presse, des Fernsehens und der Werbung besch\u00e4ftigen mussten, als diese eine ernstzunehmende visuelle Macht auszu\u00fcben begannen. Das gilt insbesondere in Hinblick darauf, wer die wichtigeren Bilder macht und wer dar\u00fcber entscheidet, welche Bilder in das historische kollektive Ged\u00e4chtnis aller gelangen (und welche nicht). Wer Bilder schaffen wollte \u2013 und das waren nat\u00fcrlich nicht alle, sondern zun\u00e4chst wenige \u2013, die pr\u00e4gend sein sollten, hatte sich eben auch mit den konkurrierenden visuellen Medien zu besch\u00e4ftigen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Der Kronzeuge dieser Praxis ist sicherlich Andy Warhol, dem es auf eine gewisse Weise und anders als vor ihm Marcel Duchamp darum ging, seine Kunst an die \u00c4sthetik der allt\u00e4glichen Lebenswelt, des Supermarkts, der Werbung und der Presse anzugleichen \u2013wohlwissend, wie wirksam popul\u00e4re Bilder sind. Dagegen ging es bei den Readymades von Marcel Duchamp, der Gegenst\u00e4nde der Alltagswelt wie das Pissoir oder den Flaschentrockner in den Kunstkontext setzte, gerade darum, den Unterschied zwischen Objekten des Alltags und der Kunst m\u00f6glichst effektvoll zu inszenieren. Zwar findet sowohl im Readymade als auch in der Pop Art eine Kontextverschiebung statt (von \u201aLow\u2019 zu \u201aHigh\u2019), doch gibt es entweder eine Priorisierung der Kunst oder der Popul\u00e4rkultur: So erw\u00e4chst der Reiz des Readymades aus der Fremdheit des Alltagsobjekts im Ausstellungsraum, wo man sonst Kunstwerke erwartet. Der Reiz eines Pop-Art-Bildes verdankt sich hingegen der Fremdheit des Kunsthaften im popul\u00e4ren Bild: An Jasper Johns \u201eFlag\u201c irritieren vor allem die Spachtelspuren.<\/p>\n<p>In beiden Genres geht es um Strategien der Aufwertung. Doch ist das Readymade eine Anerkennung der Macht der Kunst, ihrer F\u00e4higkeit, selbst die banalsten Objekte unermesslich im Wert zu steigern. Dagegen ist die Pop Art eine Anerkennung der Macht der popul\u00e4ren Bilder, Aufsehen zu erregen und das kollektive Ged\u00e4chtnis, die Gesellschaft und politische Macht zu pr\u00e4gen und zu beeinflussen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Anerkennung kann sowohl im Lob als auch in der Kritik zum Ausdruck gebracht werden. Beim Readymade kann es manchmal darum gehen, mit den Kriterien der Kunst die Sch\u00f6nheit eines Alltagsobjektes zu zeigen (wenn es ihnen standh\u00e4lt) \u2013 oder aber seine H\u00e4sslichkeit und Absurdit\u00e4t zum Ausdruck zu bringen. In der Pop Art kann die Popularit\u00e4t eines Motivs gew\u00fcrdigt oder kritisiert werden. Dabei sind die kritischeren manchmal die interessanten Werke, insofern sie nicht nur eine Spiegelwirkung aus\u00fcben (wie bei Jasper Johns, dessen Gem\u00e4lde \u201cFlag\u201d von 1954-1955 seinen Betrachtern sagen soll: \u201aSeht her, so sieht eine amerikanische Flagge, so sieht Patriotismus aus! Findet selbst heraus, was ihr davon haltet.\u2018). Vielsagender wird es, wenn in dem Spiegel noch etwas Unerwartetes auftaucht, das man vorher nicht bewusst oder nicht unter \u00e4sthetischen Gesichtspunkten wahrgenommen hatte. Andy Warhols \u201eElectric Chair\u201c von 1963 ist ein gutes Beispiel daf\u00fcr: Wo sonst Ikonen der Film- und Fernsehindustrie oder Supermarktprodukte zu Siebdrucken gemacht wurden, erschien pl\u00f6tzlich der elektrische Stuhl. Er unterschied sich insofern nicht von Marilyn Monroe und Co., als auch er seinerzeit ein in der Presse viel und kontrovers diskutierter Gegenstand war, da der US-Bundesstaat New York den Vollzug von Todesstrafen auf dem elektrischen Stuhl tats\u00e4chlich noch vorsah.<\/p>\n<p>Etwas anders verh\u00e4lt es sich bei Aneignungsformen wie der Appropriation Art oder dem Reenactment. Denn hier geht es nicht nur um die vorhandenen oder \u00fcbernommenen Bilder, sondern um den Akt des Kopierens selbst. Appropriation Art wird meist als Reflexion \u00fcber k\u00fcnstlerische Strategien und k\u00fcnstlerisches Schaffen (welchen Status besitzt das Original gegen\u00fcber der Kopie etc.) oder als Infragestellung der Kunst an sich angesehen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ob Readymade, Pop Art oder Appropriation Art: ihre Aneignungsverfahren sind keinesfalls historisch, sondern insbesondere in der Gegenwartskunst popul\u00e4r. Das ist wiederum keine neue Einsicht. So hat etwa der Kunsttheoretiker Andr\u00e9 Rottmann in einem Aufsatz in \u201eTexte Zur Kunst\u201c 2008 festgestellt: \u201e[I]n den letzten Jahren [ist] der Umgang mit Referenzen zum vorherrschenden produktions\u00e4sthetischen Modell in der zeitgen\u00f6ssischen Kunst geworden\u201c (Nr. 71, S. 83). Nichts anderes sind Readymade, Pop Art und Appropriation Art: ein Umgang mit Referenzen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Techniken dieser Genres aus der Kunst werden mittlerweile aber nicht nur \u2013 weiterhin und immer mehr \u2013 von zeitgen\u00f6ssischen K\u00fcnstlern verwendet, sondern genauso auch von allen anderen Menschen, insbesondere jenen (und das sind viele), die an der Internetkultur teilnehmen: Praktiken, die bisher der Kunst eigent\u00fcmlich waren, sind nunmehr in allen Bereichen, auch in der Alltagskommunikation, v\u00f6llig g\u00e4ngig.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_7923\" style=\"width: 672px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7923\" class=\"size-full wp-image-7923\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-12.25.18.png\" alt=\"\" width=\"662\" height=\"486\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-12.25.18.png 662w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-12.25.18-300x220.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 662px) 100vw, 662px\" \/><p id=\"caption-attachment-7923\" class=\"wp-caption-text\">Oben links und mittig: Remixes aus dem Netz: Grumpy Cat als Warhol-Werk; Unten (und oben rechts) Foto einer Politikerin als Vorlage f\u00fcr Meme (unter dem Hashtag #WeidelKickingThings)<\/p><\/div>\n<p>Wo immer mehr mit Bildern kommuniziert wird, wo private Fotoalben tagt\u00e4glich auf Instagram ausgestellt werden (und insofern man Follower hat und behalten will: ausgestellt werden m\u00fcssen), wo die Herstellung und Bearbeitung von Bildern sehr schnell und kosteng\u00fcnstig m\u00f6glich ist \u2013 da helfen gerade urspr\u00fcnglich k\u00fcnstlerische Strategien im Umgang mit Referenzen. Denn, so Felix Stalder in seinem 2016 publizierten Buch \u201eKultur der Digitalit\u00e4t\u201c: \u201eEine, wenn nicht DIE grundlegende Methode, mit der Menschen \u2013 alleine und in Gruppen \u2013 an der kollektiven Verhandlung von Bedeutung teilnehmen, besteht in der Kultur der Digitalit\u00e4t darin, Bez\u00fcge herzustellen. Referentielle Verfahren spielen sowohl bei der Bedeutungs- als auch Formgebung in vielen Bereichen eine wichtige Rolle. [\u2026] Dabei wird bereits mit Bedeutung versehenes Material \u2013 im Unterschied zu sogenanntem Rohmaterial \u2013 verwendet, um neue Bedeutung zu schaffen.\u201c Was einst haupts\u00e4chlich in der Kunst, freilich auch in ihren angewandten Bereichen wie Design und Werbung unter anderem mit den Verfahren des Readymade, der Pop Art und der Appropriation Art praktiziert wurde, wird gegenw\u00e4rtig also von jedem angewendet, der sich etwa mit einem Mem oder einem anderen Internetph\u00e4nomen an der Kultur der Sozialen Medien beteiligt.<\/p>\n<p>Eine beliebte Bildvorlage f\u00fcr Meme stellt beispielsweise die Mona Lisa dar. Sie wird f\u00fcr verschiedenste Statements verwendet, sei es um politische Geschehnisse zu kommentieren (dann wird das Gesicht durch das eines Politikers ersetzt), um Stimmungen zum Ausdruck zu bringen (z.B. die \u201eMonday Lisa\u201c mit zerzaustem Haar) oder um das ber\u00fchmte Portr\u00e4t als erstes Selfie der Kunstgeschichte zu interpretieren (z.B. \u201eThe evolution of selfies as illustrated by Mona Lisa\u201c).<\/p>\n<div id=\"attachment_7924\" style=\"width: 965px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7924\" class=\"wp-image-7924 size-full\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-12.28.29.png\" alt=\"\" width=\"955\" height=\"320\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-12.28.29.png 955w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-12.28.29-300x101.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-12.28.29-768x257.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 955px) 100vw, 955px\" \/><p id=\"caption-attachment-7924\" class=\"wp-caption-text\">Mona Lisa Meme<\/p><\/div>\n<p>Dabei bedienen sich die Macher solcher Meme der Aneignungsformen der Kunstgeschichte \u2013 nur in umgekehrter Weise. Wie beim Readymade findet ein Transformationsprozess statt: Das hehre Bild der Kunst wird seinem urspr\u00fcnglichen Kontext (dem Museum) entnommen und in die popul\u00e4re Bildwelt des Internets versetzt. Hier findet keine Eroberung von Alltagsbildern und -Objekten seitens der Kunst \u2013 sondern anders herum eine Eroberung von Bildern der Kunst seitens der Popul\u00e4rkultur statt. Wolfgang Ullrich hat in seinem Aufsatz \u201e<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/meinung\/kommentare\/revolutionaer-freier-zugang-zu-technik-und-oeffentlichkeit-der-neue-bildersozialismus-ld.124997\">Der neue Bildersozialismus<\/a>\u201c 2016 bereits festgestellt, dass dieses Verfahren eine ikonoklastische Dimension besitzt: \u201eOffenbar bereitet es vielen grosse Freude, Ressentiments gegen die Hochkultur sowie Profanisierungsphantasien auszuleben \u2013 jetzt, da sie mehr Verf\u00fcgungsgewalt denn je \u00fcber die Bilder haben.\u201c<\/p>\n<p>Wo also die Aneignungsformen der Kunst zu Alltagspraktiken geworden sind, stellt sich aber auch die Frage, wie zeitgen\u00f6ssische K\u00fcnstler wiederum auf Bilder aus den Sozialen Medien reagieren. Und es zeigt sich: Meistens nur mit den gleichen g\u00e4ngigen Aneignungsverfahren. Darin besteht eine gewisse Tragik: Die Kunst vermag nicht darauf zu antworten, dass man ihr ihre einschl\u00e4gigen Techniken weggenommen hat.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Bevor Beispiele j\u00fcngerer K\u00fcnstler besprochen werden sollen, sei zun\u00e4chst ein Blick auf solche geworfen, die in den Kopier-Techniken trainiert sind. Beginnen wir also mit Richard Prince, einem der wichtigsten Vertreter der Appropriation Art. Freilich und folgerichtig hat auch er sich mit Bildern aus den Sozialen Medien besch\u00e4ftigt, genauer: aus Instagram. Erstmals stellte er im Oktober 2014 Leinwanddrucke von Instagram-Bildern ber\u00fchmter Pers\u00f6nlichkeiten wie Kate Moss oder Pamela Anderson in der Gagosian-Galerie unter dem Titel \u201eNew Portraits\u201c aus. 2015 hat der K\u00fcnstler dann auf der Frieze Art Fair in New York weitere gro\u00dfformatige Instagram-Drucke f\u00fcr 90.000 Dollar verkauft, diesmal allerdings ohne prominente Sujets. Was sich zun\u00e4chst als 1:1-\u00dcbertragung anh\u00f6rt, ist allerdings mit vielen Eingriffen versehen worden: beginnend bei der Partizipation am Bild selbst (Prince hatte unter dem satirischen Nutzernamen \u201erichardprince1234\u201c bei den entsprechenden Bildern Kommentare hinterlassen, die Teil der Screenshots sind, die schlie\u00dflich auf Leinwand gedruckt wurden), \u00fcber die Auswahl (es wurden nicht willk\u00fcrlich irgendwelche Bilder ausgew\u00e4hlt, sondern solche mit formaler Qualit\u00e4t) und fotografische Aufnahme (insofern der Screenshot auch als ein fotografisches Verfahren gilt) und den vergr\u00f6\u00dfernden Ausdruck auf Leinwand, bis hin zur Urheberrechtsverletzung durch Ausstellung und Verkauf auf einer Kunstmesse (der den Akt des Diebstahls selbst zur Kunst erkl\u00e4rt). Die Arbeit ist formal und konzeptuell anspruchsvoll und hat zudem zu Diskussionen \u00fcber Kunst angeregt. \u201eFurchtbar viel Arbeit hat der bekannte amerikanische K\u00fcnstler Richard Prince nicht, daf\u00fcr, dass er ordentlich abkassiert. Die vergr\u00f6\u00dferten, auf Leinwand aufgezogenen Screenshots fremder Instagram-Portr\u00e4ts bringen ihm \u00fcppige Honorare ein\u201c, schrieb Spiegel Online. Und warum sollte die Frage nach der Wertsteigerung bei Readymades oder Appropriation Art keine Berechtigung haben? Im Gegenteil sollte doch immer wieder unter Beweis gestellt werden m\u00fcssen, dass es sich lohnt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Interessant und auch neu an der Serie von Prince ist, dass er sich in eine Interaktion mit den Bildproduzenten der Sozialen Medien begibt. Nicht nur im Kommentarbereich, sondern auch mit der Machtdemonstration, die das Ausstellen mit sich bringt. Es ist eine interessante Reaktion auf die Bilder im Netz, denen immer mehr Wirkmacht einger\u00e4umt wird \u2013 sei es f\u00fcr die Werbeindustrie oder beim Schaffen von zumindest kurzzeitig ikonischen Bildern. Zuletzt lacht aber der K\u00fcnstler \u2013 so l\u00e4sst sich die Geste von Prince interpretieren \u2013, wenn er sie im Galerieraum f\u00fcr 90.000 Dollar verkauft und m\u00f6glicherweise im kunsthistorischen Kanon wie im kollektiven Ged\u00e4chtnis f\u00fcr deutlich l\u00e4ngere Zeit damit assoziiert ist.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Zugleich reagierten Nutzer wiederum auf diese Geste, inszenierten sich vor den Arbeiten oder verkauften die gleichen Bilder zu g\u00fcnstigeren Preisen.<\/p>\n<div id=\"attachment_7925\" style=\"width: 878px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7925\" class=\"size-full wp-image-7925\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-12.39.23.png\" alt=\"\" width=\"868\" height=\"513\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-12.39.23.png 868w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-12.39.23-300x177.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-12.39.23-768x454.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 868px) 100vw, 868px\" \/><p id=\"caption-attachment-7925\" class=\"wp-caption-text\">Links: Die Nutzerin \u201eNitecore Girl\u201c vor ihrem Bild von Richard Prince; Rechts: Prince verwendete mehrere Bilder des Accounts \u201esuicidegirls\u201c, die daraufhin ihre Bilder selbst f\u00fcr nur 90 \u2013 statt 90.000 \u2013 Dollar verkauften.<\/p><\/div>\n<p>Ein anderes popul\u00e4res Beispiel f\u00fcr die Aneignung von Bildern aus dem Social Web ist das Reenactment der Fotografie von Alan Kurdi durch Ai Weiwei. Am 2. September 2015 wurde der vor der K\u00fcste bei Bodrum ertrunkene dreij\u00e4hrige Junge von einem t\u00fcrkischen Barmann geborgen und am Strand abgelegt, woraufhin eine Journalistin (Nil\u00fcfer Demir) Fotos von der Situation machte, die \u00fcber die t\u00fcrkische Nachrichtenagentur DHA (Dogan Haber Ajansi) von fast s\u00e4mtlichen t\u00fcrkischen Tageszeitungen abgedruckt wurden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Das aussagekr\u00e4ftigste und zugleich verbreitetste Foto eignete sich Ai Weiwei durch eine bildliche Nachstellung einige Monate sp\u00e4ter, im Januar 2016, an. Das Reenactment entstand bei einem Fotoshooting mit \u201eIndia Today\u201c und wurde am Stand der Zeitung auf der India Art Fair in Neu-Delhi gerahmt und mit Passepartout ausgestellt. Die Aneignung \u2013 die als politisch-k\u00e4mpferischer Akt verstanden werden wollte, als eine Solidarit\u00e4tsbekundung mit den Gefl\u00fcchteten \u2013 wirkte in ihrer Gestalt auf der Kunstmesse allerdings fadenscheinig. Ist das Ziel des k\u00fcnstlerischen Reenactments oder der Appropriation Art n\u00e4mlich gesteigerte Aufmerksamkeit, so muss sie gegen die Dynamiken des Social Webs verlieren \u2013 wo das originale Bild von Alan Kurdi und die unterschiedlichsten nicht-k\u00fcnstlerischen Aneignungen die Diskussionen \u00fcber die Gefl\u00fcchteten l\u00e4ngst erheblich st\u00e4rker befeuert hatten, als es Kunstwerke jemals verm\u00f6gen werden.<\/p>\n<p>So gingen die urspr\u00fcnglichen Bilder bereits unter dem t\u00fcrkischen Hashtag #KiyiyaVuranInsanlik (die fortgesp\u00fclte Menschlichkeit) auch im Netz viral \u2013 \u00fcber drei Millionen Mal wurden die Fotos allein auf Twitter in der ersten Woche geteilt. Den Verlauf der enormen Verbreitung dokumentierten Farida Vis und Olga Goriunova in ihrer Studie \u201e<a href=\"http:\/\/research.gold.ac.uk\/14624\/1\/KURDI%252520REPORT.pdf\">The Iconic Image on Social Media: A Rapid Research Response to the Death of Aylan Kurdi<\/a>\u201c ebenso wie die Wirkung des Bildes auf die Debatte \u00fcber Gefl\u00fcchtete im Allgemeinen. Das Bild wurde lange vor Ai Weiwei zum Symbolbild f\u00fcr das politische Versagen angesichts der sogenannten Fl\u00fcchtlingskrise. Es folgten sofort zahlreiche Aneignungen durch Nutzer im Social Web genauso wie durch K\u00fcnstler. Tobias Wendl nennt in seinem Aufsatz \u201eDie Wiederkehr der Bilder: Zur Aneignung fotografischer Bildikonen in ausgew\u00e4hlten K\u00fcnstlerprojekten zwischen 1945 und 2005\u201c, der im Katalog zur Ausstellung \u201eAffect Me. Social Media Images in Art\u201c (hg. von Julia H\u00f6ner und Kerstin Schankweiler) ver\u00f6ffentlicht ist, unter anderem Sandskulpturen, Graffitis und eine Kunststoffskulptur von Pekka Jylh\u00e4, einem finnischen Bildhauer.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_7929\" style=\"width: 705px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7929\" class=\"size-large wp-image-7929\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-24-um-15.00.32-1024x458.png\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"311\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-24-um-15.00.32-1024x458.png 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-24-um-15.00.32-300x134.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-24-um-15.00.32-768x343.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-24-um-15.00.32.png 1045w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><p id=\"caption-attachment-7929\" class=\"wp-caption-text\">Links oben: Das originale Foto von Nil\u00fcfer Demir; Links unten: Anonyme Sandskulptur (Foto via <a href=\"https:\/\/www.mirror.co.uk\/news\/world-news\/aylan-kurdis-death-recreated-30-6415214\">Mirror<\/a>); Mitte: das von Latifa Ahrar initiierte Reenactment (Foto via <a href=\"https:\/\/www.mirror.co.uk\/news\/world-news\/aylan-kurdis-death-recreated-30-6415214\">Mirror<\/a>); Rechts oben: Kunststoffskulptur von Pekka Jylh\u00e4 (Foto via <a href=\"http:\/\/alastonkriitikko.blogspot.de\/2016\/03\/julkaistua-746-kuinka-myotaelaa.html\">alastonkriitikko<\/a>); Rechts unten: Ai Weiweis Reenactment (via <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/panorama\/Ai-Weiwei-stellt-Bild-von-Aylan-Kurdi-nach-article16902596.html\">N-TV<\/a>)<\/p><\/div>\n<p>Au\u00dferdem fand wenige Tage nach der ersten Ver\u00f6ffentlichung des Fotos, am 10. September 2015, eine Art Flashmob statt, bei dem 30 Menschen (organisiert von der marokkanischen Schauspielerin Latifa Ahrar) in derselben Kleidung wie Alan Kurdi seinen geborgenen Leichnam am Strand nachstellten. Dieses Reenactment ging dem von Ai Weiwei also um mehrere Monate voraus. Hier kommt der K\u00fcnstler, anders als bei Prince, eindeutig zu sp\u00e4t. Und er hat keine k\u00fcnstlerische Antwort auf die Dynamiken im Netz parat. Man k\u00f6nnte sogar sagen, es sei arrogant und zynisch gegen\u00fcber den unz\u00e4hligen Aktivisten im Netz und vor Ort, zu suggerieren, es brauche ihn, den gro\u00dfen K\u00fcnstler, um auf die verstorbenen Gefl\u00fcchteten im Mittelmeerraum aufmerksam zu machen. Insofern stellen sich durchaus moralische Fragen an die Fotografie von Ai Weiwei, zum Beispiel inwiefern er bereits vorhandene Aufmerksamkeits\u00f6konomien instrumentalisiert. K\u00fcnstlerische Fragen stellen sich allerdings nicht. Dass er Ende 2017 das Foto ein zweites Mal nachgestellt hat, wirkt umso absurder und als Beleg daf\u00fcr, dass ihn die Kritik gar nicht erreicht hat \u2013 oder er nur trotzig darauf reagiert.<\/p>\n<p>Weniger politisch gestaltet sich die k\u00fcnstlerische Aneignung spezieller Bildtypen und -Ph\u00e4nomene, die die Sozialen Medien selbst hervorgebracht haben. Wenn es sich dabei \u00fcberhaupt um eine Aneignung handelt \u2013 oder nicht vielmehr um eine Wiederholung von l\u00e4ngst im Netz etablierten Praktiken: aus Versehen, Unwissenheit oder bewusster Ignoranz. Nicht ganz deutlich wird das zum Beispiel bei der Fotoserie \u201eNahrungsaufnahme\u201c der K\u00fcnstlerin Kyung-Nyu Hyun von 2014, f\u00fcr die sie tagt\u00e4glich ihr Essen fotografiert hat.<\/p>\n<div id=\"attachment_7926\" style=\"width: 1006px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7926\" class=\"size-full wp-image-7926\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-13.03.20.png\" alt=\"\" width=\"996\" height=\"315\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-13.03.20.png 996w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-13.03.20-300x95.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-13.03.20-768x243.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 996px) 100vw, 996px\" \/><p id=\"caption-attachment-7926\" class=\"wp-caption-text\">Links: #food auf Instagram; Rechts: Serie \u201eNahrungsaufnahme\u201c von Kyung-Nyu Hyun (Bilder von der <a href=\"https:\/\/iamkyung.com\/work\/nahrungsaufnahme\/\">Website der K\u00fcnstlerin<\/a>)<\/p><\/div>\n<p>Dass es sich dabei im Grunde um ein Reenactment von Foodphotography und Foodporn handelt, wie man es etwa auf Instagram findet, und dass dieser Bildtypus sogar in seiner Verhei\u00dfung (die minuti\u00f6se Dokumentation der Nahrung) auf die Spitze getrieben wird, bringt die K\u00fcnstlerin selbst jedoch nicht zur Sprache. Deshalb muss man wohl davon ausgehen, dass sie rein zuf\u00e4llig dasselbe macht, was Tausende anderer jenseits der Kunst machen. Zwar wird sie in journalistischen Beitr\u00e4gen mit der Referenz zur Foodphotography im Netz angeteasert (\u201eIn einer Zeit, in der alle Instagrammer und #foodporn-User ihr Essen fotografieren\u2026\u201c, hei\u00dft es etwa bei Bento), sie selbst versucht jedoch ihre Fotografien nicht in der Auseinandersetzung mit dem so \u00e4hnlichen Instagram-Bildph\u00e4nomen zu verorten. Vielmehr ist sie bem\u00fcht, sich als originell zu inszenieren, ihre Arbeit als \u2013 \u00dcberraschung! \u2013 Kritik an der digitalen Kultur zu verkaufen. So sagt sie in einem Interview \u00fcber die Serie: \u201e<a href=\"http:\/\/www.bento.de\/art\/gute-aussichten-fotografin-kyung-nyu-hyun-ueber-ihr-projekt-nahrungsaufnahme-322869\/\">Obwohl der digitale Fortschritt uns erm\u00f6glicht, t\u00e4glich unser Essen aufzunehmen, steht er im selben Moment f\u00fcr die Vereinsamung des Individuums, so nehme ich das zumindest wahr. Die soziale Komponente des Essens f\u00e4llt weg, der Genuss der Mahlzeit ist zweitrangig und wird durch den Konsum von Medien ersetzt. Essen wird zu einer l\u00e4stigen Nebensache.<\/a>\u201c Die Aussage ist insofern befremdlich, als sie die Foodbilder, wie sie zahlreich in den Sozialen Netzwerken kursieren, affirmiert.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Auch eine Arbeit der K\u00fcnstlerin Stephanie Sarley k\u00f6nnte unter Foodporn verbucht werden. Sie hat 2016, vor allem aber 2017 Bilder und Videos von aufgeschnittenen sexualisierten Fr\u00fcchten (die zum Teil befingert werden) gemacht, um auf die fehlende Sichtbarkeit der Vulva aufmerksam zu machen. Dabei wiederholt sie Bilder und Bildtypen, die l\u00e4ngst umfangreich im Netz kursieren, ohne gro\u00dfe Abweichungen (vielmehr mit Verfeinerungen und in besserer Bildqualit\u00e4t) und stellt diese in den Kunstkontext.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Solche Bilder aus ihrer Hand waren jedoch nicht immer Kunst. Auf ihrem Instagram-Account kann man verfolgen, wie sie 2015 begonnen hat, Fr\u00fcchte mit Piercings zu inszenieren und andere K\u00f6rperbez\u00fcge herzustellen. Das war zu dieser Zeit ein \u00fcblicher Social-Media-Trend, zahlreiche Fotografen, darunter Maya Fuhr, Ren Hang oder Gorsad.Kiev, gestalteten Fr\u00fcchte als Synonym f\u00fcr das weibliche Geschlecht und regten damit unz\u00e4hlige Nutzer in den Sozialen Medien (damals insbesondere Tumblr) dazu an, das gleiche zu tun. Inspiriert zu diesen Motiven waren sie nicht zuletzt auch von Werbebildern. Vor allem Gleitgele werben schon seit Jahren immer wieder mit erotisierten Fr\u00fcchten.<\/p>\n<p>Stephanie Sarley ist also Teil einer gr\u00f6\u00dferen Bewegung im Netz. Seit circa zwei Jahren erkl\u00e4rt sie diese Bilder und Videos zu Kunstwerken. Das gelingt durch eine entsprechende Pr\u00e4sentation auf der Website der K\u00fcnstlerin sowie mit beschreibenden Texten, die ihre Werke als Kunst kennzeichnen, ebenso in Form von Ausstellungen. In ihrem \u201eArtist Statement\u201c hei\u00dft es etwa: \u201e<a href=\"http:\/\/stephaniesarley.com\/about\/\">I approach my art in search of the unseen and unexpected<\/a>\u201c, wobei sie ausblendet, dass es dieselben Bildph\u00e4nomene im Netz gibt. Ebenso wie solche der Werbeindustrie (z.B. THINX, die 2015 mit einer halbierten Grapefruit f\u00fcr Slips w\u00e4hrend der Periode warb, oder Calvin Klein, die Kendall Jenner f\u00fcr ihre Fr\u00fchjahrskollektion 2016 eine Grapefruit leicht quetschen lie\u00dfen, sodass die Assoziation zur feuchten Vulva hergestellt wurde) tauchen sie bei ihr als Referenz schlichtweg nicht auf. Vielleicht ja, weil es ihr selbstverst\u00e4ndlich ist, dass ihre Bilder und Videos Teil der Bildwelt des Internets sind und sich vielfach im Netz verbreiten. Als feministischer Aktionismus sind sie insofern durchaus ernstzunehmen und sogar hoch zu sch\u00e4tzen, weil sie es verm\u00f6gen \u2013 anders als gemeinhin die Werke der Kunst \u2013 ein gro\u00dfes Publikum anzusprechen und zur Partizipation zu inspirieren. \u201aAls Kunst\u2018 bleibt die Arbeit allerdings eine uninteressante Kopie, blo\u00dfe Redundanz.<\/p>\n<div id=\"attachment_7927\" style=\"width: 705px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7927\" class=\"size-large wp-image-7927\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-13.25.31-1024x466.png\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"316\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-13.25.31-1024x466.png 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-13.25.31-300x137.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-13.25.31-768x350.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-13.25.31.png 1373w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><p id=\"caption-attachment-7927\" class=\"wp-caption-text\">Linke H\u00e4lfte: Bilder aus dem Netz (gepostet 2012 bis 2015); Mitte: Foto von Shutterstock; Mitte oben: Foto von Stephanie Sarley 2015 (<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/3ul1X5pCnl\/?taken-by=stephanie_sarley\">Instagram<\/a>); Rechts oben: Stephanie Sarley: <a href=\"http:\/\/stephaniesarley.com\/work\/\">Grapefruit 2017<\/a>; Rechts unten: Tyler Shields: <a href=\"https:\/\/www.artsy.net\/artwork\/tyler-shields-grapefruit\">Grapefruit 2017<\/a><\/p><\/div>\n<p>Auch Florian Freier erw\u00e4hnt nicht, dass es sich bei seinen animierten Gifs und Bildern, den \u201eUntitled Snapchats\u201c, um ein \u00fcbliches Social-Media-Ph\u00e4nomen handelt. Seit es die sogenannten \u201eLinsen\u201c von Snapchat gibt, mit denen das Gesicht in Echtzeit transformiert wird (in einen Hund, eine alte Frau, versehen mit Sternchen und Herzchen und vieles mehr), werden diese nicht nur auf das eigene Gesicht und andere Gesichter angewendet, sondern auch auf Tiere, Bilder und Werke der Kunstgeschichte. Selbstredend wurde auch die Mona Lisa bereits vielfach vor Snapchat-Linsen gehalten. Sie ist (noch) nicht in der Auswahl Freiers vertreten, in deren Logik man auch sonst wenig Einblick erh\u00e4lt. Es bleibt unklar, warum bestimmte Werke ausgesucht und ob die Snapchat-Gifs und -Bilder vor dem Original oder anhand irgendeiner Reproduktion gemacht wurden. Gerade bei Freier ist nicht auszuschlie\u00dfen, dass er wirklich nicht wei\u00df, wie popul\u00e4r das, was er macht, l\u00e4ngst ist.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Doch das spielt auch keine Rolle bei der Frage, was seine Kunst gegen\u00fcber dem gleichen Bild im Netz soll und leisten kann. Gegen\u00fcber einem Bild, das \u2013 anders als bei den Readymades Duchamps \u2013 selbst schon eine k\u00fcnstlerische Aneignung ist.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_7928\" style=\"width: 893px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7928\" class=\"size-full wp-image-7928\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-13.31.23.png\" alt=\"\" width=\"883\" height=\"340\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-13.31.23.png 883w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-13.31.23-300x116.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-25-um-13.31.23-768x296.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 883px) 100vw, 883px\" \/><p id=\"caption-attachment-7928\" class=\"wp-caption-text\">Linke H\u00e4lfte: Mona Lisa (nur <em>ein<\/em> Beispiel) unter Snapchat-Linsen aus dem Netz; Rechte H\u00e4lfte: Florian Freier: Untitled Snapchat (Bilder via <a href=\"http:\/\/www.florianfreier.de\/untitledsnapchats\/\">Website des K\u00fcnstlers<\/a>)<\/p><\/div>\n<p>Reicht die Wiederholung und Deklarierung als Kunst noch aus? Nein, das gen\u00fcgt nicht. Ob bei Hyun, Sarley oder Freier: Bleiben die Referenzen bei einer Aneignung unerw\u00e4hnt, stellt die Zuordnung \u201aKunst\u2018 nur noch eine blo\u00dfe Machtgeste dar. Sie dient lediglich dazu, den Bildern mehr Bedeutung zu verleihen als jene sie haben, die Laien im Internet ver\u00f6ffentlichen. Kunst wird mit Nennung des K\u00fcnstlers besprochen \u2013 andere Bilder finden als Teil eines Ph\u00e4nomens nur selten Erw\u00e4hnung. Doch wer sich k\u00fcnstlerisch mit vorhandenen Bildern besch\u00e4ftigt, sie affirmiert oder kopiert, sollte k\u00fcnftig auch auf die Bilder der Laien im Netz, die auf die gleichen Strategien und Techniken zur\u00fcckgehen, antworten k\u00f6nnen. Zumindest dann, wenn gute Kunst daraus werden soll.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Soziale Medien und Aneignungsstrategien: Wie die Kunst ins Hintertreffen geraten ist<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[87246,100236,100930,182,183,216,766,1119,1329,1340,1753,1817,1954,2000,2164,2165,2189,2232],"class_list":["post-7921","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-kiyiyavuraninsanlik","tag-ai-weiwei","tag-alan-kurdi","tag-andy-warhol","tag-aneignung","tag-appropriation-art","tag-florian-freier","tag-jasper-johns","tag-kunst","tag-kyung-nyu-hyun","tag-pekka-jylhae","tag-pop-art","tag-readymade","tag-richard-prince","tag-social-media","tag-social-media-art","tag-soziale-medien","tag-stephanie-sarley"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7921","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7921"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7921\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7921"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7921"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7921"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}