{"id":7968,"date":"2018-05-18T12:03:58","date_gmt":"2018-05-18T10:03:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=7968"},"modified":"2018-05-18T12:03:58","modified_gmt":"2018-05-18T10:03:58","slug":"social-media-maivon-anika-meier18-04-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2018\/05\/18\/social-media-maivon-anika-meier18-04-2018\/","title":{"rendered":"Social Media Maivon Anika Meier18.5.2018"},"content":{"rendered":"<p>Kunst nach den Sozialen Medien: Wie die Kunst gewinnt<!--more--><\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch zwischen Petra Collins und Marilyn Minter beginnt, als w\u00e4re ihr der Heiland erschienen. Minter steigt mit einer Liebeserkl\u00e4rung ein: \u201eJust to start, here\u2019s what I love about you: you\u2019re the punk, the one I\u2019ve been looking for.\u201c Den Grund nennt sie nat\u00fcrlich auch: \u201eI\u2019ve been saying there\u2019s a backlash to this Photoshop-robotic-auto-bullshit, and you\u2019re it. I\u2019ve been waiting for you.\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Collins ist f\u00fcr sie die Rettung vor der Barbiefizierung der Werbeindustrie, die Frauen immer noch schlanker und makelloser zeigen m\u00f6chte. Die beiden tauschen sich \u00fcber ihre Karrieren aus. Auf der einen Seite ist die Grande Dame Marilyn Minter, 70 Jahre alt, die \u2013 wie sie Collins erz\u00e4hlt \u2013\u00a0von der Kunstwelt 1992 versto\u00dfen und als Verr\u00e4terin des Feminismus wegen ihrer explizit pornografischen Werke scharf kritisiert wurde. Heute wird sie daf\u00fcr gefeiert. Auf der anderen Seite ist die kanadische Fotografin Petra Collins, 25 Jahre jung, das Postergirl der neuen K\u00fcnstlergeneration, die durch Soziale Medien wie Tumblr und Instagram bekannt wurde. Sie hat mittlerweile knapp 760.000 Follower <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/petrafcollins\/\">auf Instagram<\/a>.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ihr Leben lang sei sie kritisiert worden, sagt Minter, aber sie, Collins, habe heute ganz andere M\u00f6glichkeiten. Ihre Generation k\u00f6nne sie sehen, w\u00e4hrend sie selbst f\u00fcr ihre Generation damals nicht sichtbar gewesen sei. Der Hauptgrund daf\u00fcr, erkl\u00e4rt ihr Collins, sei das Internet. Weil sie f\u00fcr sich und andere M\u00e4dchen vor Jahren keinen Platz gefunden hat, an dem sie ihre Arbeiten zeigen und sich austauschen k\u00f6nnen, hat sie beispielsweise im Jahr 2010 die Online-Plattform <a href=\"http:\/\/www.theardorous.com\/\"><i>The Ardorous<\/i><\/a> ins Leben gerufen.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Collins schreibt in ihren B\u00fcchern offen dar\u00fcber, dass sie in der Pubert\u00e4t ein verzerrtes Bild von sich selbst gehabt habe, weil ihr in Magazinen, in Filmen und im Fernsehen gezeigt wurde, dass sie sich als junge Frau durch ihr \u00c4u\u00dferes zu definieren habe, um m\u00e4nnlichen Zuspruch zu bekommen. Also hielt sie sich an genau das, was ihr in Magazinen, in Filmen und im Fernsehen gezeigt wurde.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Im Gespr\u00e4ch mit Minter sagt sie jetzt:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eWell, that\u2019s what people are going to see. Those are the audiences that you need to reach. TV and movies, ads, are the vehicles that give us all of our information. Even if you\u2019re not seeking it [as a viewer], you\u2019re getting it anyway.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>It\u2019s our duty to change it by working inside of it, instead of just creating elite art, because that\u2019s not going how people see the world.\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/BcCzBoOAkxf\/?taken-by=petrafcollins\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-7969\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/05\/Bildschirmfoto-2018-05-18-um-07.51.06.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"414\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/05\/Bildschirmfoto-2018-05-18-um-07.51.06.png 789w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/05\/Bildschirmfoto-2018-05-18-um-07.51.06-300x191.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/05\/Bildschirmfoto-2018-05-18-um-07.51.06-768x489.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Sie kehrt der Kunst nicht den R\u00fccken, die Kunst ist ihr nur einfach nicht genug. Der Erfolg in der Kunstwelt steht f\u00fcr sie an zweiter Stelle. Minter kommt wieder auf die Vergangenheit zu sprechen und bekr\u00e4ftigt Collins: \u201eHigh and low cultures weren\u2019t melded like they are today. I love you millenials because you are not elitist!\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Collins wiederum erkl\u00e4rt ihr, dass ihre Generation wisse, wie wichtig der Informationsfluss sei, weshalb sie selbst in beiden Welten zu Hause sein wolle, in der Mode und in der Kunst, weil so die Bilder mehr zirkulieren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Und hier liegt vielleicht das Missverst\u00e4ndnis, wenn Kunstkritiker und Kunstwissenschaftler sich mit den Werken dieser neuen K\u00fcnstlergeneration befassen. Das Ziel ist nicht in erster Linie, Kunst zu schaffen, die Kunstkritiker als gute Kunst loben. Wie will man heute \u00fcberhaupt noch allgemeinverbindlich zu einem Urteil kommen? Unter dem Titel \u201eSoziale Medien und Aneignungsstrategien: Wie die Kunst ins Hintertreffen geraten ist\u201c <a href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2018\/04\/26\/social-media-aprilvon-annekathrin-kohout26-04-2018\/\">kritisierte Annekathrin Kohout an dieser Stelle im April<\/a>, wie zeitgen\u00f6ssische K\u00fcnstler und besonders junge K\u00fcnstler auf Bilder aus den Sozialen Medien reagieren. Sie schreibt: \u201eUnd es zeigt sich: Meistens nur mit den gleichen g\u00e4ngigen Aneignungsverfahren. Darin besteht eine gewisse Tragik: Die Kunst vermag nicht darauf zu antworten, dass man ihr ihre einschl\u00e4gigen Techniken weggenommen hat.\u201c Gemeint sind unter anderem Appropriation und Reenactment, als Beispiele dienen ihr Richard Prince, Ai Weiwei und junge K\u00fcnstler wie Stephanie Sarley, die aus dem Netzph\u00e4nomen Food Porn so etwas wie Fruit Porn macht, um damit humorvoll und verspielt einer feministischen Agenda zu folgen. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf die weibliche Sexualit\u00e4t. Das Fazit von Kohout:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eReicht die Wiederholung und Deklarierung als Kunst noch aus? Nein, das gen\u00fcgt nicht. Ob bei Hyun, Sarley oder Freier: Bleiben die Referenzen bei einer Aneignung unerw\u00e4hnt, stellt die Zuordnung \u201aKunst\u2018 nur noch eine blo\u00dfe Machtgeste dar. Sie dient lediglich dazu, den Bildern mehr Bedeutung zu verleihen als jene sie haben, die Laien im Internet ver\u00f6ffentlichen. (&#8230;) Doch wer sich k\u00fcnstlerisch mit vorhandenen Bildern besch\u00e4ftigt, sie affirmiert oder kopiert, sollte k\u00fcnftig auch auf die Bilder der Laien im Netz, die auf die gleichen Strategien und Techniken zur\u00fcckgehen, antworten k\u00f6nnen. Zumindest dann, wenn gute Kunst daraus werden soll.\u201c<\/p>\n<p>Vor fast einem Jahr hat der Kunstwissenschaftler Wolfgang Ullrich in seinem <a href=\"https:\/\/www.perlentaucher.de\/essay\/wolfgang-ullrich-ueber-kuratoren-und-kunstmarktkunst.html\">Essay \u201eZwischen Deko und Diskurs\u201c<\/a> auf ein Schisma in der Kunst hingewiesen. Er unterscheidet zwischen Werken f\u00fcr Kuratoren, die das Distinktionsbed\u00fcrfnis der Diskurseliten bedienen, und Werken f\u00fcr den Markt, die das Diskursbed\u00fcrfnis der Superreichen befriedigen. Beide w\u00fcrden sich soweit abspalten, dass der gemeinsame Begriff Kunst nicht mehr zutreffe. \u201eIm Gegenteil hat man sich, je weiter man auseinanderdriftet, umso weniger zu sagen. Schlie\u00dflich nimmt man sich gegenseitig kaum noch wahr\u201c, so Ullrich. Dass diese Abspaltung aufgrund eines Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisses eher unwahrscheinlich ist, darauf hat schon bald der Modeblogger Carl Jakob Haupt hingewiesen. Haupt schreibt: \u201eDas klang f\u00fcr mich erst einmal schl\u00fcssig, aber dann dachte ich, dass der erstere Bereich, der Kunst sozusagen als sehr teure Dekoration vertreiben w\u00fcrde, doch die Distinktion des zweiten Bereiches br\u00e4uchte, um die hohen Preise zu rechtfertigen, die ihn erm\u00f6glichten und eine Abspaltung schon deshalb nicht passieren w\u00fcrde.\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/Bgtp4ZqAUWU\/?taken-by=arvidabystrom\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-7970\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/05\/Bildschirmfoto-2018-05-18-um-07.52.17.png\" alt=\"\" width=\"649\" height=\"418\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/05\/Bildschirmfoto-2018-05-18-um-07.52.17.png 783w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/05\/Bildschirmfoto-2018-05-18-um-07.52.17-300x193.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/05\/Bildschirmfoto-2018-05-18-um-07.52.17-768x494.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 649px) 100vw, 649px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die junge K\u00fcnstlergeneration, die sich wie Stephanie Sarley, Arvida Bystr\u00f6m, Molly Soda, Amalia Ulman, Alexandra Marzella, Andy Kassier, Signe Pierce uvm. in den Sozialen Medien einen Namen macht, ist nicht \u2013\u00a0und darum beneidet Minter Collins \u2013\u00a0vom Markt und Kuratoren abh\u00e4ngig. Gatekeeper wie Kritiker und Kuratoren verlieren im Zeitalter des Internets an Bedeutung.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Als die Kunstwelt Minter die T\u00fcre vor der Nase zugeschlagen hatte, musste sie warten, bis ihr wieder aufgemacht wurde. Junge K\u00fcnstler finden ihr Publikum heute dort, wo sie selbst als Digital Natives zu Hause sind: In sozialen Medien wie Tumblr und Instagram. Das Distinktions- und Diskursbed\u00fcrfnis der eigenen Peergroup wird bedient. Genau in diesem Kontext muss die Kunst funktionieren, sprich verstanden werden. Und genau dort wird sie auch bewertet. Die W\u00e4hrung sind Likes, Kommentare und Follower.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Was hat sich durch die sozialen Medien f\u00fcr K\u00fcnstler ver\u00e4ndert?<\/p>\n<p>Im Jahr 2006 sa\u00dfen in New York auf einem Panel moderiert von Lauren Cornell zum Thema \u201eNet Aesthetics 2.0 Conversation\u201c Cory Arcangel, Michael Bell-Smith, Michael Connor, Caitlin Jones, Marisa Olson und Wolfgang Staehle. Cory Arcangel ist f\u00fcr seine Arbeit \u201eSuper Mario Clouds\u201c bekannt. Vom Nintendo Spiel Super Mario Brothers hat er nur die Wolken \u00fcbriggelassen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Cory Arcangel - Super Mario Clouds - 2002\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/fCmAD0TwGcQ?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Diese Arbeit, das erz\u00e4hlte er auf dem Panel, hat er f\u00fcr das Internet gemacht, weil er nicht die M\u00f6glichkeit hatte, in einer Galerie auszustellen. Sp\u00e4ter wurde ihm angeboten, das Video in einer Galerie zu zeigen, und so wurde daraus eine Installation. <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Das Internet und die Sozialen Medien f\u00fchren zu mehr Sichtbarkeit, sie f\u00fchren aber auch dazu, dass K\u00fcnstler sich pl\u00f6tzlich einen Raum mit Laien teilen und neben ihnen um Aufmerksamkeit k\u00e4mpfen. Cory Arcangel brachte diese k\u00fcnstlerische Krise auf dem New Yorker Panel auf den Punkt. Er sagte:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eAll this stuff out there made by all these people is probably better than the stuff I\u2019m making. How do you deal with that? That\u2019s one part of the question, and the second part of the question is where do I fit in with that, because essentially I\u2019m doing the same thing that they are. As an artist, what is my role in the internet? The first part is like a daily battle. I call it the fourteen-year-old Finnish-kid syndrome. Basically there are people doing things on the internet right now that are above and beyond. I will see stuff daily and think, Oh my God, that\u2019s the greatest thing I\u2019ve ever seen in my life, and in an art context it could work. (&#8230;) I think of it as a real benefit, as someone who\u2019s making work right now, because I not only have this community of friends that I trust and we\u2019re always bouncing projetcs around, but I also have this global community that inspires me on a daily basis, and that I have to keep abreast of. In a way, my daily battle is just to try to, when I make something, make sure that it not only fits in an art context but that it also fits in online.\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>W\u00e4hrend fr\u00fcher allein K\u00fcnstler und Institution den Kontext bestimmt haben, mischt in den Sozialen Medien der Rezipient mit, indem durch Rebloggen und Teilen ein neuer Kontext entsteht \u2013 der Rezipient wird gleichzeitig zum Produzenten.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Wer in den Sozialen Medien unterwegs ist, stellt zwangsl\u00e4ufig Inhalte in (neue) Bedeutungszusammenh\u00e4nge, seien es eigene Bilder und Texte oder seien es fremde Bilder und Texte. Was dabei allerdings zuerst verloren geht, sind die Informationen \u00fcber den Urheber wie Name, Titel und Entstehungsdatum.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Brad Troemel merkt an: \u201eSuch contextual information is occasionally omitted on purpose as a way for a savvy Tumblr owner to wink at a historically informed audience whose members are quickly able to identify the work without description.\u201c<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>Eine Erw\u00e4hnung der Referenzen w\u00fcrde folglich der Kultur der Digitalit\u00e4t (Felix Stalder) mit ihren referentiellen Verfahren wie Mem, Mashup, Appropriation, Remix uvm. widersprechen. Denn es ist g\u00e4ngige Alltagspraxis im Internet, von Laien und K\u00fcnstlern zugleich, sich referentieller Verfahren zu bedienen.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Die Referenzpunkte werden als bekannt vorausgesetzt, da man sich gemeinsam zur gleichen Zeit in einem digitalen Raum aufh\u00e4lt. Viralhits verbreiten sich innerhalb weniger Tage, manchmal sogar in wenigen Stunden und Minuten.<\/p>\n<p>Um Beispiele zu bringen: K\u00fcnstler wie Amalia Ulman und Andy Kassier, die in ihren Performances auf Instagram weibliche und m\u00e4nnliche Rollenklischees thematisieren, sind so erfolgreich, weil der aufgespannte Referenzrahmen nur zu gut bekannt ist. Auf Instagram begegnen wir t\u00e4glich der sexy jungen Frau, die sich ganz authentisch gibt und einen Lifestyle inszeniert, der Sch\u00f6nheit, Sex und Glamour zelebriert. Wir kennen auch alle den jungen Mann, der gutaussehend und erfolgreich um die Welt jettet und auf Instagram seine Macht und St\u00e4rke demonstriert. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte man jetzt sagen: Vielen Dank, ja, aber nein, Selbstinszenierung in den Sozialen Medien f\u00fchren t\u00e4glich hunderte Influencer ad absurdum, das m\u00fcssen sich nicht auch noch K\u00fcnstler zur Aufgabe machen. Doch, das m\u00fcssen sie, denn es ist Aufgabe der Kunst gesellschaftlich relevante Fragestellungen zu reflektieren. Und im Internet kann die Kunst nur gewinnen, denn sie erreicht Menschen in ihrem Alltag. Dort, wo sie vielleicht am Wenigsten damit rechnen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_7972\" style=\"width: 532px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7972\" class=\"size-full wp-image-7972\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/05\/Bildschirmfoto-2018-05-18-um-08.01.36.png\" alt=\"\" width=\"522\" height=\"713\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/05\/Bildschirmfoto-2018-05-18-um-08.01.36.png 522w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/05\/Bildschirmfoto-2018-05-18-um-08.01.36-220x300.png 220w\" sizes=\"auto, (max-width: 522px) 100vw, 522px\" \/><p id=\"caption-attachment-7972\" class=\"wp-caption-text\">Oben: Instagram-Post des Profils &#8222;Rich Kids Of Instagram&#8220;; unten: Instagram-Post aus dem Profil des K\u00fcnstlers Andy Kassier<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Petra Collins: Coming of Age. New York: Rizzoli 2017, S. 88.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Ein Buch folgte. Petra Collins: Babe. M\u00fcnchen, London, New York: Prestel 2015.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Ebd., S. 8f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Collins 2017, S. 89.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Ebd., S. 89.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Carl Jakob Haupt: Bilder von allem, Bilder von Nichts. In: Tagesspiegel Berliner, 9.9.2017, S. 12-23, hier S. 22.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Siehe hierzu auch Felix Stalder: Kultur der Digitalit\u00e4t. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2016, S. 141. \u201eHinzu kommt, dass die Funktion des Kritikers, der \u00fcber das Interpretationsmonopol verf\u00fcgt, um ein Bild f\u00fcr alle verbindlich zu bewerten, kaum noch von Bedeutung ist. Die Qualit\u00e4t eines Bildes wird stattdessen prim\u00e4r danach beurteilt, ob \u201aandere es m\u00f6gen\u2019, also danach, wie es im kontinuierlichen Popularit\u00e4tswettbewerb innerhalb einer bestimmten Nische abschneidet.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Net Aesthetics 2.0 Conversation, New York City, 2006: Part 1 of 3, in: Mass Effect. Art and the Internet in the Twenty-First Century, hrsg. von Lauren Cornell und Ed Halter. Cambridge: The MIT Press 2015, S. 99-106, hier S. 104.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Dazu auch ausf\u00fchrlich Stalder 2016.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Siehe dazu Brad Troemel: Art After Social Media, in: You Are Here. Art After the Internet, hrsg. von Omar Kholeif. London: Cornerhouse 2014, S. 36-43, hier S. 39.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Ebd., S. 39f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Ausf\u00fchrlich nachzulesen in Stalder 2016.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anika Meier ist Kunstwissenschaftlerin, freie Autorin und Kuratorin. In<a href=\"https:\/\/monopol-magazin.de\/blogs\/die-schnelle-kammer\"> ihrem Blog<\/a> f\u00fcr das Kunstmagazin Monopol schreibt sie \u00fcber Kunst in den Sozialen Medien. Auf Instagram betreibt sie das Fotografie-Projekt <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/thisaintartschool\/?hl=de\">This Ain\u2019t Art School<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kunst nach den Sozialen Medien: Wie die Kunst gewinnt<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[104490,109172,181,240,1329,1551,1765,2133,2189,2232],"class_list":["post-7968","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-alexandra-marzella","tag-amalia-ulman","tag-andy-kassier","tag-arvida-bystroem","tag-kunst","tag-molly-soda","tag-petra-collins","tag-signe-pierce","tag-soziale-medien","tag-stephanie-sarley"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7968","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7968"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7968\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7968"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7968"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7968"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}