{"id":8058,"date":"2018-06-27T09:53:40","date_gmt":"2018-06-27T07:53:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=8058"},"modified":"2018-06-27T09:53:40","modified_gmt":"2018-06-27T07:53:40","slug":"mode-sommer-2018von-diana-weis27-6-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2018\/06\/27\/mode-sommer-2018von-diana-weis27-6-2018\/","title":{"rendered":"Mode Sommer 2018von Diana Weis27.6.2018"},"content":{"rendered":"<p>Oversize\u00a0<!--more--><\/p>\n<p>Keypieces der kommenden Herbst\/Winter-Saison sind M\u00e4ntel, die aussehen sollen, als w\u00e4ren sie mindestens drei Nummern zu gro\u00df. Ann\u00e4hernd kn\u00f6chellang, g\u00fcrtellos getragen mit \u00fcberschnittenen Schultern und \u00c4rmeln, die gerne bis an die Fingerspitzen reichen d\u00fcrfen. Die gestaltbare Fl\u00e4che zwischen Hals und F\u00fc\u00dfen wird von diesen M\u00e4nteln gleichsam annektiert, verschluckt und zu einer monolithischen Masse modelliert.<\/p>\n<div id=\"attachment_8060\" style=\"width: 979px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8060\" class=\"size-full wp-image-8060\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/06\/Bildschirmfoto-2018-06-26-um-16.38.48.png\" alt=\"\" width=\"969\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/06\/Bildschirmfoto-2018-06-26-um-16.38.48.png 969w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/06\/Bildschirmfoto-2018-06-26-um-16.38.48-300x149.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/06\/Bildschirmfoto-2018-06-26-um-16.38.48-768x380.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 969px) 100vw, 969px\" \/><p id=\"caption-attachment-8060\" class=\"wp-caption-text\">Von links nach rechts: <a href=\"http:\/\/www.vogue.it\/en\/shows\/show\/collections-fall-winter-2018-19\/stella-mccartney\">Stella McCartney F\/W 2018\/19<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.vogue.com\/fashion-shows\/fall-2018-menswear\/vetements\/slideshow\/collection#12\">Vetements F\/W 2018\/19<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.theskinnybeep.com\/2018\/02\/marni-fall-winter-2018-mens-collection-milan-fashion-week\/\">Marni F\/W 2018\/19<\/a><\/p><\/div>\n<p>Zwar erinnern die Entw\u00fcrfe vage an das <i>Power Dressing<\/i> der gerade wieder in Mode kommenden 1980er Jahre, die Wirkung ist jedoch eine ganz andere: Vor 40 Jahren kollidierte der Oversize-Stil mit dem Aufkommen der Gym-Kultur und einer hypermuskul\u00e4ren m\u00e4nnlichen Silhouette. Die \u00fcberbreiten Schultern der M\u00e4ntel sollten auch Frauen das Aussehen eines Superhelden verleihen und standen f\u00fcr Macht und St\u00e4rke. Die Anti-Passform der M\u00e4ntel, die gegenw\u00e4rtig auf den Laufstegen und an den Leibern der Influencer zu sehen sind, lassen ihre Tr\u00e4gerinnen und Tr\u00e4ger dagegen eher schwach, zart und schutzbed\u00fcrftig aussehen.<\/p>\n<p>Das passt zu den beiden Ursprungsmythen der Oversize-Mode: Ende der 1970er Jahre begannen die ersten Popper, Hamburger Gymnasiasten, damit, die abgelegten Burberry-Trenchcoats ihrer V\u00e4ter zu tragen. Der Oversize-Look war anf\u00e4nglich nicht \u2013 wie bei Jil Sanders sp\u00e4teren Entw\u00fcrfen &#8211; gewollt, sondern verwies unfreiwillig auf die physische sowie finanzielle \u00dcbermacht der V\u00e4ter.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Am anderen Ende des soziokulturellen Spektrums waren es die afro-amerikanischen H\u00e4ftlinge, die etwa zur selben Zeit mit ihrer schlechtsitzenden Gef\u00e4ngniskleidung den Baggy-Stil der urbanen Hip-Hop-Kultur etablierten.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Demonstrativ zu gro\u00df getragene Kleidung evoziert immer die Vorstellung eines imagin\u00e4ren, machtvollen anderen K\u00f6rpers, wie auch die mittlerweile \u00fcberholte Bezeichnung <i>Boyfriend<\/i>-Stil belegt. Je nach Ausrichtung kann Oversize-Mode daher erm\u00e4chtigend oder verniedlichend wirken.<\/p>\n<p>Als Facebook-Gr\u00fcnder Mark Zuckerberg im Fr\u00fchjahr diesen Jahres zu den Missbrauchsvorw\u00fcrfen privater Daten seiner Firma vor dem US-Kongress aussagen musste, trug er einen Anzug, der von der Presse eifrig kommentiert wurde. Als bemerkenswert wurde nicht nur die Tatsache empfunden, dass Zuckerberg, der f\u00fcr seine immer gleiche <i>Normcore<\/i>-Uniform aus Hoodies und Jeans bekannt ist, sich \u00fcberhaupt in dieses formelle Kleidungsst\u00fcck zw\u00e4ngte, sondern vor allem, dass dieser Anzug ihm augenscheinlich zu gro\u00df war. Es muss angenommen werden, dass Zuckerberg \u2013 der bei anderen Gelegenheiten bewiesen hatte, durchaus \u00fcber gutsitzende Modelle zu verf\u00fcgen \u2013 diesen Anzug bewusst gew\u00e4hlt hatte, um bei seinem \u00f6ffentlichen Auftritt Sympathien und Mitleid zu erwecken.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Facebook\u2019s Mark Zuckerberg Wears a Suit on Capitol Hill\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/7jCsXwbqMS4?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Der Raum zwischen K\u00f6rper und Kleid kann als Indikator des Unbehagens begriffen werden, das Ersterem im sozialen Kontext zugewiesen wird. Das Spiel von N\u00e4he und Distanz kann einmal dazu genutzt werden, Details seiner konkreten Beschaffenheit selbst ins Zentrum der modischen Aufmerksamkeit zu r\u00fccken, indem es diese betont und ausstellt oder \u2013 wie im Fall der aktuell angesagten Oversize-M\u00e4ntel \u2013 dazu genutzt werden, die Eigenschaften des physischen Leibes zu verbergen und an ihrer Stelle eine textile Ersatzoberfl\u00e4che zu generieren.<\/p>\n<p>Am jeweiligen Grad des Ent- oder Verh\u00fcllens lassen sich zeitgeistliche \u00c4ngste und W\u00fcnsche in Bezug auf den K\u00f6rper festmachen. Die europ\u00e4ische Modegeschichte zeigte in den letzten beiden Jahrhunderten exemplarisch, dass sich Enganliegendes sowie Aussparungen in Zeiten steigender Liberalit\u00e4t und Freiz\u00fcgigkeit durchsetzen konnten, w\u00e4hrend Verklemmung und Bigotterie ihren vestiment\u00e4ren Ausdruck in stoffreichen, die nat\u00fcrlichen Konturen verzerrenden Gebilden fanden.<\/p>\n<p>Durchaus interessant erscheint in diesem Zusammenhang auch die 1926 ver\u00f6ffentlichte und ebenso oft best\u00e4tigte wie widerlegte \u201eRocksaumtheorie\u201c des US-amerikanischen \u00d6konomen George W. Taylor, die eine negative Korrelation zwischen dem modischen Stoffverbrauch und dem wirtschaftlichen Wachstum feststellte:<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> In Phasen des Aufschwungs w\u00fcrden die von Frauen getragenen R\u00f6cke k\u00fcrzer und beim Abschwung wieder l\u00e4nger werden.<\/p>\n<p>Als gef\u00fchlte Wahrheit kann somit vorerst festgehalten werden: Anschwellende soziale sowie sexuelle Verunsicherungen beg\u00fcnstigen den Trend zu volumenreicher Kleidung. W\u00e4hnen sich Mensch und Mode demnach zurzeit dem Untergang nahe? Der Kampf um knapper werdende Ressourcen versch\u00e4rft sich ebenso wie der Ton \u00f6ffentlicher Diskurse um geschlechtliche und kulturelle Identit\u00e4t. Dennoch w\u00e4re es zu kurz gegriffen, etwa Donald Trump, die Popularit\u00e4t dystopischer Serienformate oder die <i>#metoo<\/i>-Bewegung als ausl\u00f6sende Faktoren des Oversize-Revivals zu benennen.<\/p>\n<p>Die Wechselbeziehungen zwischen K\u00f6rper und Kleid sind weitaus komplexer als die psychohistorische Parallelisierung gesellschaftlicher und modischer Str\u00f6mungen glauben macht. K\u00f6rper und Kleid m\u00fcssen als zwei Systeme der Bedeutungsproduktion betrachtet werden, die nicht scharf voneinander abgegrenzt werden k\u00f6nnen, sondern sich in einem parasit\u00e4ren Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis fortlaufend zur gleichen Zeit gegenseitig bedingen und bedrohen.<\/p>\n<p>Besonders deutlich wird dies, wenn die Kleidung\u00a0sich nicht damit begn\u00fcgt, den K\u00f6rper zu verh\u00fcllen, sondern ihm ihre eigenen kaprizi\u00f6sen Formen aufzwingt:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0Wie zum Beispiel bei Rick Owens als Hommage an Rei Kawakubos <i>Dress Meets Body, Body Meets Dress<\/i> (SS 1997) konzipierter Kollektion.<\/span><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Merce Cunningham: Scenario\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/MBlzeehZIeE?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><em>Merce Cunningham: Scenario, Kost\u00fcme von Rei Kawakubo (1997)<\/em><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"RICK OWENS Fall 2018\/2019 Paris - Fashion Channel\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/NV4VfbyEs5Q?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><em>Rick Owens F\/W 2018\/19<\/em><\/p>\n<p>Die disruptive Qualit\u00e4t dieser Entw\u00fcrfe kennzeichnet den Modek\u00f6rper \u00fcberdeutlich als hybrides Gebilde. Die von einigen Seiten ge\u00e4u\u00dferte Lesart, solcherlei skulpturale Kleidung w\u00fcrde den K\u00f6rper nicht mehr ben\u00f6tigen oder diesen lediglich zum passiven Tr\u00e4germaterial degradieren,<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> setzt dagegen ein Eigeninteresse der Mode voraus, sich als Symbiont des menschlichen K\u00f6rpers zu bem\u00e4chtigen<span class=\"Apple-converted-space\">.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><i>Don\u2019t let the clothes wear you<\/i> lautet ein gerne zitiertes Fashion-Bonmot. Tats\u00e4chlich wirken manche der wagemutigeren Oversize-Teile der letzten Saisons auf den ersten Blick, als f\u00fchrten sie ihren Wirt spazieren &#8211; und nicht umgekehrt.<\/p>\n<div id=\"attachment_8061\" style=\"width: 959px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8061\" class=\"size-full wp-image-8061\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/06\/Bildschirmfoto-2018-06-26-um-16.39.42.png\" alt=\"\" width=\"949\" height=\"456\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/06\/Bildschirmfoto-2018-06-26-um-16.39.42.png 949w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/06\/Bildschirmfoto-2018-06-26-um-16.39.42-300x144.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/06\/Bildschirmfoto-2018-06-26-um-16.39.42-768x369.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 949px) 100vw, 949px\" \/><p id=\"caption-attachment-8061\" class=\"wp-caption-text\">Von links nach rechts: <a href=\"https:\/\/people.com\/style\/kim-kardashian-style-suit-jacket\/\">Kim Kardashian 2017<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.elle.com\/culture\/celebrities\/news\/a46468\/justin-bieber-has-apparently-decided-to-wear-every-look-at-once\/\">Justin Bieber 2017<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.dailymail.co.uk\/tvshowbiz\/article-2930962\/Rihanna-dresses-oversize-denim-jacket-steps-dinner-LA.html\">Rihanna 2015<\/a><\/p><\/div>\n<p>In aktuellen modetheoretischen Diskursen wird die k\u00f6rpernormierende Materialit\u00e4t der Bekleidung zumeist nur dann als problematisch bewertet, wenn sie dem Leib Grenzen setzt, die dieser nicht einzuhalten vermag oder gewillt ist.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]\u00a0<\/a>So betrachtet erscheint der Oversize-Trend als begr\u00fc\u00dfenswert, da er den nat\u00fcrlichen Konturen des K\u00f6rpers gen\u00fcgend Raum f\u00fcr dessen Ausdehnung \u00fcber g\u00e4ngige Idealma\u00dfe hinaus zu bieten scheint.<\/p>\n<p>Ein Kleidungsst\u00fcck kann aber nicht an oder f\u00fcr sich Oversize sein, sondern wird dies erst im Zusammentreffen mit einem spezifischen K\u00f6rper. Ebenso wie der fleischliche Leib modische Interventionen ben\u00f6tigt, um sich in ein sozial interpretierbares Konstrukt zu verwandeln, blieben die Entw\u00fcrfe ohne den performativen Akt des Getragenwerdens weitgehend bedeutungslos.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die konkrete Beschaffenheit des K\u00f6rpers bildet dabei einen \u00fcberaus wichtigen Subtext. Schlie\u00dflich macht es einen gro\u00dfen Unterschied, ob man etwas verbergen m\u00f6chte oder lediglich bescheiden darauf verzichtet, es zur Schau zu stellen. Ein <i>hard body<\/i> ist daher die unbedingte Voraussetzung f\u00fcr ein Gelingen dieses Stils.<\/p>\n<p>In Zeiten der visuellen \u00dcbers\u00e4ttigung mit pornografischen K\u00f6rpern ger\u00e4t das modische Versteckspiel zu einer ausgefeilten Form der Koketterie, die letztlich dazu dient, auf die \u00fcberlegenen Qualit\u00e4ten des abwesenden Leibes zu verweisen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_8059\" style=\"width: 926px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8059\" class=\"size-full wp-image-8059\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/06\/Bildschirmfoto-2018-06-26-um-16.40.18.png\" alt=\"\" width=\"916\" height=\"434\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/06\/Bildschirmfoto-2018-06-26-um-16.40.18.png 916w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/06\/Bildschirmfoto-2018-06-26-um-16.40.18-300x142.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/06\/Bildschirmfoto-2018-06-26-um-16.40.18-768x364.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 916px) 100vw, 916px\" \/><p id=\"caption-attachment-8059\" class=\"wp-caption-text\">Von links nach rechts: <a href=\"https:\/\/www.vogue.com\/fashion-shows\/spring-2017-ready-to-wear\/comme-des-garcons\">Comme des Gar\u00e7ons S\/S 2017<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.royalcollection.org.uk\/collection\/404444\/elizabeth-i-when-a-princess\">William Scrots: Elizabeth I.<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.harpersbazaar.com\/fashion\/trends\/g16669590\/fall-2018-fashion-trends\/?slide=11\">Balenciaga F\/W 2018\/19<\/a><\/p><\/div>\n<p>Stoffreiche und ausladende Kleidung wurde bereits im Feudalismus dazu genutzt, die biologische Gleichwertigkeit von Adel und Volk zu negieren. So entstanden textile Fantasiek\u00f6rper, welche die als angeborenes Recht begriffene Privilegierung, den Raumanspruch ihrer Tr\u00e4gerinnen und Tr\u00e4ger sinnbildhaft Ausdruck verliehen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Auch die zeitgen\u00f6ssischen Oversize-Entw\u00fcrfe erf\u00fcllen durchaus eine \u00e4hnliche Funktion, umso mehr, da sie mit der ironischen Brechung konventioneller Regeln der Passform sicherstellen, dass das ostentative Protzen und Prahlen mit Designerkleidung eher als intellektuelle Spielerei denn als Ausdruck niedermotivierter Geltungssucht begriffen werden kann.<\/p>\n<p>Bekleidung l\u00e4sst sich jedoch nicht auf ihre Au\u00dfenwirkung reduzieren, sie beeinflusst auch das psychische Empfinden ihrer Tr\u00e4gerinnen und Tr\u00e4ger. So ist es wohl kein Zufall, dass sich gerade der Oversize-Mantel, der wie kein zweites Kleidungsst\u00fcck f\u00fcr die symbolische Geste des Besch\u00fctzens steht, in der kommenden Saison die modische Vormachtstellung erobert.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>So stellte der britische Psychoanalytiker J. C. Fl\u00fcgel bereits 1930 fest, dass der hochgeschlagene Mantelkragen in Wahrheit nicht dem eisigen Winde trotzen sollte, sondern der allgemeinen Unfreundlichkeit der Welt.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dr. Diana Weis (1974) unterrichtet Modesoziologie und \u00c4sthetik an der Universit\u00e4t Hamburg sowie Modetheorie an der AMD Berlin. Als freie Autorin schreibt sie f\u00fcr zahlreiche Magazine Stilkritiken und hat 2012 das Buch \u201eCool aussehen. Mode &amp; Jugendkulturen\u201c herausgegeben. 2017 promovierte sie an der Universit\u00e4t Hamburg mit einer kulturwissenschaftlichen Arbeit \u00fcber Botox.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Frohmann, Christiane (2012): Was lacostet die Welt Geld spielt keine Rolex! Die Bieder- und Protestmode der Popper, in: Weis, Diana (Hg.): Cool Aussehen. Mode und Jugendkulturen, Berlin.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Demby, Gene (2014): Sagging Pants And The Long History Of &#8218;Dangerous&#8216; Street Fashion, in:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.npr.org\/sections\/codeswitch\/2014\/09\/11\/347143588\/sagging-pants-and-the-long-history-of-dangerous-street-fashion?t=1529981173864\">https:\/\/www.npr.org\/sections\/codeswitch\/2014\/09\/11\/347143588\/sagging-pants-and-the-long-history-of-dangerous-street-fashion?t=1529981173864<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Mark Zuckerberg\u2019s I\u2019m Sorry Suit, in: New York Times 10.April 2018, in:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2018\/04\/10\/fashion\/mark-zuckerberg-suit-congress.html\">https:\/\/www.nytimes.com\/2018\/04\/10\/fashion\/mark-zuckerberg-suit-congress.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> A Hemline Index, Updated \u2013 How Does Society Change in a Bad Economy? , in: New York Times<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>18. Oktober 2008 (online:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2008\/10\/19\/weekinreview\/19lewin.html\">https:\/\/www.nytimes.com\/2008\/10\/19\/weekinreview\/19lewin.html<\/a>)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Lehnert, Gertrud (2013): Mode. Theorie, Geschichte und \u00c4sthetik einer kulturellen Praxis, Bielefeld.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Haller, Melanie (2015): Mode Macht K\u00f6rper \u2013 Wie sich Mode-K\u00f6rper-Hybride materialisieren, in: Body Politics 3, Heft 6, 2015.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Fl\u00fcgel, Johann Carl (1930): Die Psychologie der Kleidung, in: Bovenschen, Silvia (Hg.): Die Listen der\u00a0Mode, Frankfurt\/Main 1986.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oversize\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[286,378,460,1185,1227,1440,1456,1462,1507,1541,1731,1879,1971,2002,2005,2230,2456,2541],"class_list":["post-8058","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-balenciaga-f-w-2018-19","tag-boyfriend-stil","tag-comme-des-garcons-s-s-2017","tag-justin-bieber","tag-kim-kardashian","tag-mantel","tag-mark-zuckerberg","tag-marni-f-w-2018-19","tag-merce-cunningham","tag-mode","tag-oversize","tag-power-dressing","tag-rei-kawakubo","tag-rick-owens","tag-rihanna","tag-stella-mccartney-f-w-2018-19","tag-vetements-f-w-2018-19","tag-william-scrots-elizabeth-i"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8058","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8058"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8058\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8058"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8058"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8058"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}