{"id":8068,"date":"2018-07-09T09:59:17","date_gmt":"2018-07-09T07:59:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=8068"},"modified":"2018-07-09T09:59:17","modified_gmt":"2018-07-09T07:59:17","slug":"authentizitaet-im-kontext-von-rap-und-gentrifzierungvon-christian-schulz9-7-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2018\/07\/09\/authentizitaet-im-kontext-von-rap-und-gentrifzierungvon-christian-schulz9-7-2018\/","title":{"rendered":"\u203aAuthentizit\u00e4t\u2039 im Kontext von Rap und Gentrifzierungvon Christian Schulz9.7.2018"},"content":{"rendered":"<p>\u00bbOld Brooklyn, not this new shit, shift feel like a spoof\u00ab<!--more--><\/p>\n<p>\u00bbAuthentizit\u00e4t\u00ab ist ohne Zweifel noch immer ein wichtiges Schlagwort. Sucht man bei Amazon nach dem Begriff, finden sich gleich unter den ersten Treffern drei einschl\u00e4gige B\u00fccher, aus deren Titeln wie <i>Authentizit\u00e4t \u2013 Die Wissenschaft vom gl\u00fccklichen Leben,<\/i>\u00a0<i>Selbstbewusstsein &amp; Authentizit\u00e4t: \u00dcber die Kunst man selbst zu sein<\/i> oder <i>Der Mai Tai trinkende M\u00f6nch und die Lehre der Authentizit\u00e4t<\/i> bereits ersichtlich wird, dass es sich um Ratgeber handelt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Die B\u00fccher sind innerhalb eines Jahres erschienen, auch im Kreise der Ratgeber-Autor*innen ist man sich offensichtlich der Konjunktur des Begriffes bewusst. Im Klappentext des Buches von Jonathan Sierck hei\u00dft es sogar: \u00bb<i>Authentizit\u00e4t ist zu einem verw\u00e4sserten Modebegriff geworden\u00ab<\/i>. Doch was sagt diese Konjunktur aus? Um mich einer Antwort auf diese Frage praxistheoretisch <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> anzun\u00e4hern, m\u00f6chte ich einen kleinen Umweg machen und den Zusammenhang von Rap und Gentrifizierung untersuchen.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"PTK - ANTI TURISTA (produziert von 86kiloherz)\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/u9XYCHWVmGM?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Auf den ersten Blick haben die Musikrichtung Rap und die allseits in Gro\u00dfst\u00e4dten beobachtbaren Prozesse der Gentrifizierung scheinbar wenig miteinander zu tun. Einerseits die dem HipHop zugeh\u00f6rige, subversiv gepr\u00e4gte und origin\u00e4r als Sprachrohr von ethnischen Minderheiten verstandene Kunstform des Rap \u2013 andererseits die zum diagnostischen Schlagwort avancierte, f\u00fcr neoliberale Profitgier und innerst\u00e4dtische Verdr\u00e4ngungsprozesse stehende Gentrifizierung. Die Rollen k\u00f6nnten nicht klarer verteilt sein. Doch Rap gilt nicht nur seit jeher als Spiegel gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse und Prozesse, weshalb das Thema Gentrifizierung als eines unter vielen auch hin und wieder Eingang in die Texte von Rap-Interpret*innen findet und es mittlerweile sogar eine ganze Palette an Songs hierzu gibt.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Vielmehr ist Rap auch ein konstitutives Narrativ zum Herstellen von Authentizit\u00e4t und als solches ganz konkret mit dem, was gemeinhin unter Gentrifizierung verstanden wird \u2013 also dem problematischen Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Gro\u00dfst\u00e4dten \u2013, verkn\u00fcpft.<\/p>\n<p>Gentrifizierer und Gentrifiziererinnen eignen sich Rap als ein Authentizit\u00e4t erzeugendes Narrativ an, wie ich im Folgenden am Beispiel einer Pizzeria im New Yorker Viertel Bedford-Stuyvesant zeigen m\u00f6chte. Um diese Verbindung zu verdeutlichen, ist es zun\u00e4chst notwendig, die zentrale Rolle von \u203aAuthentizit\u00e4t\u2039 als origin\u00e4re Triebfeder sowohl von Rap als auch von Gentrifizierung herauszustellen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Authentizit\u00e4t und Rap<\/p>\n<p>Das Wort \u203aAuthentizit\u00e4t\u2039 stammt urspr\u00fcnglich aus dem Griechischen (gr. \u03b1\u1f50\u03b8\u03b5\u03bd\u03c4\u03b9\u03ba\u03cc\u03c2 <i>authentik\u00f3s<\/i>) und bedeutet so viel wie \u203aEchtheit\u2039 im Sinne eines Originals. Das Wort geht hierbei auf den griechischen Begriff f\u00fcr Herr oder Gewalthaber (gr. \u03b1\u03c6\u03ad\u03bd\u03c4\u03b7\u03c2) zur\u00fcck und kann auch jemanden bezeichnen, der als Urheber \u00bb<i>etwas mit eigener Hand, dann auch aus eigener Gewalt vollbringt<\/i>.\u00ab<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Diese Verbindung zur Autorit\u00e4t spiegelt sich im \u00dcbrigen auch noch im lateinischen Adjektiv \u00bbauctoritas\u00ab (dt. Ansehen, Glaubw\u00fcrdigkeit, Autorit\u00e4t) wider.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Wie Johann Heinrich Zedler im 18. Jahrhundert schrieb, bezeichnet \u00bbAuthenticus\u00ab die Deutungshoheit von \u00bb[&#8230;] <i>ansehnlichen glaubw\u00fcrdigen Leuten\u00ab<\/i> und folglich etwas das aufgrund deren gesellschaftlicher Stellung gilt und angenommen wird.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Als an eine Autorit\u00e4t gebundenes Konzept ist der Begriff der \u00bbAuthentizit\u00e4t<i>\u00ab<\/i> mit der Idee einer absoluten Wahrheit verbunden, deren Definition ebenjener Autorit\u00e4t unterliegt und deren Anerkennung somit auch die Voraussetzung f\u00fcr jegliche Form von \u00bbWahrheitsproduktion\u00ab darstellt.<\/p>\n<p>Die Idee der absoluten Wahrheit ist hierbei zutiefst romantisch und eng mit dem Begriff der Einzigartigkeit verkn\u00fcpft, wie ihn etwa Jean-Jacques Rousseau in seinen <i>Bekenntnissen<\/i> entfaltet.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Dort erscheint das Authentische als Gegenteil des K\u00fcnstlichen, es wird als das \u00bbEchte<i>\u00ab<\/i> (bei Rousseau auch das \u00bbNat\u00fcrliche\u00ab) pr\u00e4miert und charakterisiert. Im 19. Jahrhundert definiert die <i>Allgemeine deutsche Real-Encyklop\u00e4die f\u00fcr die gebildeten St\u00e4nde<\/i> schlie\u00dflich das Authentische in Bezug auf die Echtheit von Schriften, wonach man eine glaubw\u00fcrdige Schrift eine authentische Schrift nennt. \u00bb<i>Die Gesetzerkl\u00e4rung hei\u00dft authentisch, wenn sie von dem Gesetzgeber selbst oder dessen Bevollm\u00e4chtigten gegeben wird\u00ab<\/i>, hei\u00dft es dort.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>Auch wenn in diesem Gesetzeskontext der Aspekt der Deutungshoheit ganz klar zugeordnet ist, n\u00e4mlich der Instanz des Gesetzgebers, l\u00e4sst sich dieser auch in Bezug auf den Urheber von literarischen Schriften oder Kunstwerken beziehen. Hier muss dann allerdings gefragt werden, ob die- oder derjenige Verfasser*in glaubw\u00fcrdig erscheint (z. B. durch Reputation), womit die Anerkennung dieser Autorit\u00e4t \u2013 also des jeweiligen Autors \u2013 seiner Institution oder auch des Diskurses f\u00fcr das Konzept des Authentischen wesentlich ist. Demnach betrifft das Konzept des Authentischen in erster Linie den Modus des Hervorbringens, womit Produktion und Rezeption, Schein und Sein, Person und Werk im Idealfall als deckungsgleich wahrgenommen und infolgedessen als authentisch bewertet werden.<\/p>\n<p>Authentizit\u00e4t ist also nichts nat\u00fcrlich Gegebenes und von vornherein Feststehendes, sie muss vielmehr kontinuierlich erzeugt werden. In diesem Modus des Hervorbringens l\u00f6st sich die Dichotomie zwischen Gegebenem und Gemachtem, zwischen Nat\u00fcrlichem und K\u00fcnstlichem auf.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Zusammenfassend l\u00e4sst sich Authentizit\u00e4t als untrennbar mit der Anerkennung der durch sie hervorbringenden oder repr\u00e4sentierenden Person bzw. definierenden Instanz oder des vorherrschenden Diskurses beschreiben. Diese Person bzw. Instanz oder der Diskurs muss hierbei als \u00bbecht\u00ab, \u00bbwahrhaftig\u00ab oder \u00bbsinnhaft\u00ab wahrgenommen werden. Dadurch kann Authentizit\u00e4t immer nur als Praxis verstanden werden, da sie permanent erzeugt bzw. reproduziert werden muss, sich also gewisserma\u00dfen st\u00e4ndig im Fluss befindet.<\/p>\n<p>In dieser Hinsicht ist der Begriff der \u203aAuthentizit\u00e4t\u2039 dann auch mit dem Begriff der \u203aIdentit\u00e4t\u2039 verwandt, wie auch die eingangs aufgelisteten Ratgeber-Titel und deren Klappentexte schon nahelegen. Denn \u00bbauthentisch\u00ab sein kann man schlie\u00dflich nur, wenn man zumindest eine ungef\u00e4hre Idee hat, wer man ist oder sein m\u00f6chte. Insofern ist es nur folgerichtig, dass z. B. unl\u00e4ngst auch der franz\u00f6sische Philosoph Fran\u00e7ois Jullien seinen Begriff von \u203aIdentit\u00e4t\u2039 ganz \u00e4hnlich definiert. Jullien zufolge gibt es so etwas wie eine kulturelle Identit\u00e4t nicht, sondern sie muss \u2013 \u00e4hnlich wie bei der \u00bbAuthentizit\u00e4t\u00ab \u2013 immer neu hervorgebracht werden.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Doch wie geht diese Konstruktion des \u00bbAuthentischen\u00ab nun ganz konkret vonstatten und vor allem: welche Rolle erf\u00fcllt diese im Kontext der popul\u00e4ren Musikform Rap und den sich in s\u00e4mtlichen Gro\u00dfst\u00e4dten diagnostizierbaren Gentrifizierungsprozessen?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst zu Rap: Rap als ein Element von HipHop (neben DJing, Breakdance und Graffiti) ist Mitte der 1970er Jahre als Teil der ersten Stra\u00dfenkultur entstanden, die sich von der South Bronx in New York, einem der \u00e4rmsten Ghettos der USA, weltweit ausgebreitet hat. Ausgangspunkt waren die sogenannten \u203aurban dance parties\u2039, bei denen DJs nicht nur Platten auflegten, sondern manuell mittels mehrerer Plattenspieler Sounds ineinander mixten \u2013 was den Songs einen individuellen Stempel des DJs verlieh. Mit dem Breakdance wurde tanzstilistisch die passende Antwort auf aus \u203aScratches\u2039 und \u203aMixes\u2039 hervorgehende Breakbeats gegeben, wohingegen der \u203aMC (Master of Ceremony)\u2039 \u2013 als Vorl\u00e4ufer des Rappers \u2013 ebenjene zum Weitermachen animierte.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Etwa zeitgleich gesellte sich als viertes Element die visuelle Kunstform Graffiti hinzu. Dies kulminierte 1982 in dem Film <i>Wild Style <\/i>(Regie: Charlie Ahearn), der in gewisser Weise diese vier Elemente b\u00fcndelt und als Gr\u00fcndungsmythos oder Ursprungserz\u00e4hlung der HipHop-Kultur gilt.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Wild Style DVD Trailer\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Hee38-NV11E?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Die Grundaussage des Films ist gleicherma\u00dfen einfach wie folgenreich f\u00fcr HipHop und Rap: Egal wie hart das Leben im Ghetto ist, man kann und muss sich durchsetzen, indem man in einer oder mehrerer dieser vier Disziplinen seinen eigenen Stil kreiert und diesen \u00f6ffentlich pr\u00e4sentiert. Als (HipHop-)Praxisgemeinschaft l\u00e4sst sich so der Ausweg- und Hoffnungslosigkeit haupts\u00e4chlich afroamerikanisch-hispanisch gepr\u00e4gter Ghettos entfliehen. HipHop und Rap als lyrische Kunstform waren also implizit immer schon politisch, noch bevor mit der Gruppe <i>Public Enemy<\/i> und dem \u00bbGangsta Rap\u00ab von der amerikanischen Westk\u00fcste (<i>N.W.A<\/i>., <i>Ice T<\/i> etc.) Rap explizit politisiert und das Ghetto als zentrales Bildmotiv endg\u00fcltig zementiert wurde.<\/p>\n<p>Ebenjenes Bildmotiv des Ghettos ist es dann auch, das bis heute nachwirkt und vorherrschend ist. Durch die Dekontextualisierung von HipHop und Rap in andere kulturelle Felder und den damit einhergehenden Transfer von \u00bbschwarzer Kultur\u00ab in \u00bbwei\u00dfe Kultur\u00ab sieht sich Rap zwangsl\u00e4ufig mit einer vermeintlichen Entpolitisierung und einem Verlust an Authentizit\u00e4t konfrontiert.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Dies f\u00fchrt zum Aufrufen des Ursprungsmythos, der sich in vornehmlich drei Authentizit\u00e4t stiftenden Prinzipien manifestiert, die permanent sowohl diskursiv wie performativ in unterschiedlichen Kontexten und Konstellationen erneuert werden m\u00fcssen. Hierzu geh\u00f6ren das Beharren auf ethnischer und\/oder \u00f6konomischer Klassenzugeh\u00f6rigkeit, politisches Bewusstsein bzw. Engagement und das herausragende K\u00f6nnen in einer der vier Rap-Disziplinen, den sogenannten \u00bbskills\u00ab, die nicht nur in j\u00fcngerer Zeit vielleicht den wichtigsten Aspekt darstellen. Das liegt wohl nicht zuletzt daran, dass sich mit der enormen Popularisierung von Rap auch eine ethnisch heterogenere Praxisgemeinschaft herausgebildet hat, z. B. nun auch wei\u00dfe Jungs aus der gehobenen Mittelschicht rappen.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie von Malinowski beschrieben, hat der Ursprungsmythos von HipHop damit keinen rein fiktionalen Charakter.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Vielmehr rekurriert dieser als sinnstiftender Diskurs sowohl auf die vom Ursprungsmythos <i>Wildstyle <\/i>implizit gesetzten Authentizit\u00e4ts-Prinzipien als auch deren best\u00e4ndige performative Erneuerung einer oder mehrerer der drei damit transportierten Verhaltensregeln und erzeugt so das Gef\u00fchl von Authentizit\u00e4t oder sogenannter \u00bbRealness\u00ab. Gerade deshalb ist das Credo von Authentizit\u00e4t wohl in keiner anderen popkulturellen Kunstform so wichtig wie im Rap.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Authentizit\u00e4t und Gentrifizierung<\/p>\n<p>\u00bbGentrifizierung\u00ab ist im Vergleich zu \u00bbAuthentizit\u00e4t\u00ab ein relativ junger Begriff, der in den 1960er Jahren ma\u00dfgeblich von der britischen Soziologin Ruth Glass gepr\u00e4gt wurde, die sich in ihrem Buch <i>London: Aspects of Change<\/i> mit strukturellen Ver\u00e4nderungen im Londoner Stadtteil Islington auseinandersetzt.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Abgeleitet vom englischen Wort \u00bbgentry\u00ab (dt. niederer Adel) wird der Begriff infolgedessen zur Charakterisierung sozialr\u00e4umlicher Entwicklungsprozesse von Stadtbezirken verwendet. In der sozialwissenschaftlichen Forschung fasst man unter den Begriff \u00bbGentrifizierung\u00ab i. d. R. eine im Zuge von Erneuerungsma\u00dfnahmen oder Eigent\u00fcmerwechsel entstehende Dominanz von einkommensstarken Haushalten zulasten gering verdienender Bev\u00f6lkerungsgruppen.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Diese Prozesse ereignen sich meist in f\u00fcr attraktiv befundenen Vierteln bzw. Wohnlagen und verlaufen selten konfliktfrei.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p>Doch welche Viertel oder Wohnlagen werden als attraktiv befunden \u2013 und warum? Hier ist zu konstatieren, dass es in erster Linie die traditionellen Arbeiterbezirke einer Stadt sind, die das Interesse von potentiell Zuziehenden wecken. Einerseits h\u00e4ngt das ma\u00dfgeblich mit den geringen Mietpreisen zusammen. Andererseits verf\u00fcgt ein Viertel besonders dann \u00fcber Attraktivit\u00e4t, wenn ihm \u00bbAuthentizit\u00e4t\u00ab zugeschrieben wird. So geh\u00f6ren Arbeiterbezirke zu den Vierteln, in denen dieselben Menschen und Familien schon f\u00fcr Dekaden, nicht selten gar f\u00fcr Generationen leben. Diese Menschen repr\u00e4sentieren mit ihren Leben und den Alltagsgeschichten gewisserma\u00dfen das Ursprungs-Narrativ des Bezirks, sie werden von Zugezogenen h\u00e4ufig respektvoll als \u00bbkernig\u00ab oder \u00bbgrobk\u00f6rnig\u00ab beschrieben und verleihen dem Viertel ganz im Sinne der f\u00fcr Authentizit\u00e4t notwendigen Autorit\u00e4tszuschreibung seinen \u00bbechten\u00ab und \u00bbrauen\u00ab Charme. Insofern ist es also unabdingbar, dass es etwas \u00bbrau\u00ab und \u00bbgrobk\u00f6rnig\u00ab zugeht, schlie\u00dflich definiert sich der oder die Zugezogene doch zu einem nicht geringen Teil \u00fcber diese distinktiven Eigenschaften.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Neben diesem Ursprungs-Narrativ, bedarf es freilich auch der kontinuierlichen performativen Reproduktion dieses Narrativs. Dies bezeichnet die amerikanische Stadtsoziologin Sharon Zurkin als die s\u00e4mtlichen Gentrifizierungsprozessen innewohnende Spannung zwischen Ursprungserz\u00e4hlung und Neuanf\u00e4ngen (\u00bb<i>tension between origins and new beginnings\u00ab<\/i>).<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> Insbesondere wenn sich immer weniger der urspr\u00fcnglichen Bewohner*innen die mit dem Gentrifizierungsprozess einsetzenden steigenden Mietpreise leisten k\u00f6nnen, erzeugt dies gewisserma\u00dfen ein \u00bbAuthentizit\u00e4ts-Vakuum\u00ab, das durch entsprechende Reproduktionen und Variationen der Ursprungserz\u00e4hlung gef\u00fcllt werden muss. Und genau hier kommt die popkulturelle Form des Rap ins Spiel.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Bedford-Stuyvesant<\/p>\n<div id=\"attachment_8070\" style=\"width: 705px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8070\" class=\"size-large wp-image-8070\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/BedStuy-1024x617.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"419\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/BedStuy-1024x617.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/BedStuy-300x181.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/BedStuy-768x462.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/BedStuy.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><p id=\"caption-attachment-8070\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Christian Schulz<\/p><\/div>\n<p>Besonders deutlich wird dies derzeit in Bedford-Stuyvesant, einem Viertel des New Yorker Stadtteils Brooklyn. Bedford-Stuyvesant, auch \u00bbBed-Stuy\u00ab genannt, ist seit den 1950er Jahren \u00fcberwiegend afroamerikanisch gepr\u00e4gt. Mit einstmals 85% der ca. 153.000 Einwohner stellten und stellen Afroamerikaner auch heute noch die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung dar. Gleichwohl d\u00fcrfte der Anteil der afroamerikanischen \u203aResidents\u2039 heute nur noch bei ca. 60% liegen.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> Besonders durch im 19. Jahrhundert entstandene Brownstone-H\u00e4user gepr\u00e4gt, die in gewisser Weise f\u00fcr Bed-Stuy heute das zentrale Kapital auf dem Immobilienmarkt darstellen, wurde das Viertel seit den 1960er-Jahren durch die sich ausbreitenden \u203aGang-Wars\u2039 (Bandenkriege) und die in den 1980er und 1990er-Jahren grassierende \u203aCrack-Epidemie\u2039 als Ghetto ber\u00fchmt und ber\u00fcchtigt:<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> versinnbildlicht im f\u00fcr die 1980er und -90er Jahre sicherlich programmatischen Slogan \u00bbDo or die Bed-Stuy\u00ab.<\/p>\n<p>So verwundert es auch nicht, dass \u2013 neben dem Entertainer und Schauspieler Chris Rock oder dem Regisseur Spike Lee \u2013 \u00fcberwiegend Rapper aus dem Viertel stammen. <i>The Notorious B.I.G<\/i>, <i>Jay-Z<\/i>, <i>Big Daddy Kane<\/i>, <i>Lil\u2019 Kim<\/i> oder <i>Mos Def<\/i> geh\u00f6ren zu den einflussreichsten K\u00fcnstler*innen der Rap-Geschichte und haben ma\u00dfgeblich dazu beigetragen Bed-Stuy weltweit auf die Karte zu setzen. Eine der bekanntesten und meistzitierten Zeilen von <i>Ready to Die<\/i>, dem ersten 1994 erschienenen Album von <i>The Notorious B.I.G.<\/i> er\u00f6ffnet den Song <i>Unbelievable<\/i> und lautet: \u00bb<i>Live from Bedford-Stuyvesant, the livest one, Representing BK<\/i> (\u203aBrooklyn\u2039, Anm. d. Verfassers) <i>to the fullest\u00ab<\/i>.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Butcher Brown - Unbelievable (The Notorious B.I.G Cover) (Live)\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/E5LPfqdv0f0?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><i>Jay-Z<\/i> hat diese Zeile erst j\u00fcngst auf seinem 2017 erschienenen Album <i>4:44 <\/i>in dem Song <i>Marcy Me<\/i> referenziert. Ganz wie bei \u00bbBiggie\u00ab, so der Spitzname des Rappers, er\u00f6ffnet diese Zeile den Song, in dem <i>Jay-Z<\/i> seine Jugend in Bed-Stuy und den Marcy Houses \u2013 einem dortigen Sozialbau-Komplex \u2013 thematisiert. Dort hei\u00dft es ein paar Zeilen weiter aber auch: \u00bb<i>Old Brooklyn, not this new shit, shift feel like a spoof\u00ab<\/i>, womit Shawn Carter (<i>Jay-Zs<\/i> b\u00fcrgerlicher Name) augenscheinlich Kritik an den seit Beginn der 2000er-Jahre allm\u00e4hlich einsetzenden Gentrifizierungsprozesse \u00fcbt.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"JAY-Z - Marcy Me\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/i5fxxMRzi1Q?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Vor allen in den Ecken um die Subway-Stationen <i>Nostrand Ave. <\/i>und <i>Kingston Throop<\/i> hat die Gentrifizierung in den letzten Jahren einen H\u00f6hepunkt erreicht. Das spiegelt sich auch in den Statistiken wider: Der <i>New York Times<\/i> zufolge gab es in Bed-Stuy zwischen den Jahren 2000 und 2010 einen Anstieg wei\u00dfer Bev\u00f6lkerungsgruppen um 633%, was den gr\u00f6\u00dften Bev\u00f6lkerungszuwachs einer ethnischen Gruppe in ganz New York darstellt.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> Dies geht nat\u00fcrlich zulasten einer in Bed-Stuy ans\u00e4ssigen (unteren) schwarzen Mittelschicht, deren Angeh\u00f6rige oft in Manhattan arbeiten. Insbesondere aber sind die in Armut lebenden oder von Armut bedrohten Gruppen betroffen, die in Bed-Stuy ebenfalls \u00fcberwiegend schwarzer oder hispanischer Herkunft sind und infolgedessen in andere Bezirke wie z. B. East New York abwandern m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Auch die positiven Effekte dieses Gentrifizierungsprozesses sind nicht zu leugnen. Durch die steigenden Mietpreise und eine durch die NYPD eingeleitete Offensive zur Verbrechungsbek\u00e4mpfung ist z. B. die Mordrate in Bed-Stuy zwischen 2010 und 2016 um 67% zur\u00fcckgegangen. Trotzdem leben nach wie vor 30% der Bev\u00f6lkerung unterhalb der Armutsgrenze, und die Kriminalit\u00e4tsrate geh\u00f6rt unver\u00e4ndert zu den h\u00f6chsten in ganz New York, weshalb viele Ecken in Bed-Stuy auch nach wie vor als Ghetto bezeichnet werden m\u00fcssen. Ein regelm\u00e4\u00dfiger Blick auf die lokalen Nachrichten best\u00e4tigt dies. So gab es allein in der Woche vor Weihnachten 2017 in Bed-Stuy drei Schussopfer infolge von \u00bbDrive-Bys\u00ab (Schusswaffengebrauch aus fahrenden Autos) oder gezielten T\u00f6tungen. Von der Ermordung zweier NYPD-Beamten, die landesweit Emp\u00f6rung in den USA ausgel\u00f6st hat, im Dezember 2015 ganz zu schweigen. Zwar m\u00f6gen diese vereinzelten F\u00e4lle l\u00e4cherlich anmuten im Vergleich zum alten Bed-Stuy, das Jay-Z in <i>Marcy Me<\/i> berappt. Dennoch hat er nicht ganz unrecht, wenn er in seiner Autobiographie \u203a<i>Decoded\u2039<\/i>\u00a0schreibt: \u00bb<i>Bed-Stuy today has been somewhat gentrified, but the projects are like gentrification firewalls<\/i>.\u00ab<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a><\/p>\n<p>Paradox ist, dass das Viertel trotz dieser regelm\u00e4\u00dfigen Gewaltdelikte best\u00e4ndig als einer der hippsten Bezirke in ganz New York bezeichnet oder vielmehr herbeigeschrieben wird (auch in Deutschland z. B. bei Spiegel Online) und im Zuge dessen auch nie der Verweis auf das kulturelle Verm\u00e4chtnis in Form von HipHop bzw. Rap ausbleibt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a><\/p>\n<p>\u00dcberhaupt, so kann man vor Ort in Bed-Stuy feststellen, ist Rap in den sogenannten \u00bbHipster-Bastionen\u00ab in Form von Restaurants oder Caf\u00e9s sehr pr\u00e4sent. Beispielsweise schm\u00fcckt im <i>BraviRagazzi<\/i>, einer Pizzeria auf der <i>Putnam Ave. 570<\/i>, die von Italoamerikanern betrieben wird, eine wei\u00dfe Krone auf schwarzem Hintergrund ein Bild an der Wand. Der Insider oder \u00bbResident\u00ab, der mit der Musik von <i>The Notorious B.I.G<\/i> vertraut oder aufgewachsen ist, erkennt sofort die Anspielung auf ein ber\u00fchmtes Pressefoto des K\u00fcnstlers, das im \u00dcbrigen auch als fassadenf\u00fcllendes Graffiti an einer H\u00e4userwand ein paar Blocks weiter, unweit seines Geburtshauses, angebracht ist.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-8072\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/BR_3.png\" alt=\"\" width=\"957\" height=\"519\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/BR_3.png 957w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/BR_3-300x163.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/BR_3-768x417.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 957px) 100vw, 957px\" \/><\/p>\n<p>Wirft man dann einen Blick auf die Speisekarte, so hat man es u. a. mit einem Starter namens <i>Juicy<\/i> in Anspielung auf einen der gr\u00f6\u00dften Hits des Rappers oder einem <i>Big Poppa<\/i>-Salat in Anlehnung an einen weiteren Song-Titel sowie Spitznamen von Biggie zu tun. Dazu gesellen sich ein <i>Jump Off<\/i>-Salat, als Referenz an einen <i>Lil\u2019 Kim<\/i>-Song, eine <i>99 Problems<\/i>-Pizza in Anlehnung an <i>Jay-Zs<\/i> gro\u00dfen Hit sowie Pizzen mit den Namen <i>He got Game<\/i> und <i>Do the right thing<\/i>, womit auch noch zwei Spike Lee-Filmen symbolisch der Hof gemacht wird. Auch Spike Lee muss hierbei im Kontext von Rap betrachtet werden, hat er doch mit Musikvideos u. a. zu <i>Fight the Power <\/i>(<i>Public Enemy<\/i>) und <i>Hip Hop Hooray<\/i> (<i>Naughty by Nature<\/i>) zwei der ganz gro\u00dfen Hits der Rap-Geschichte visualisiert. Und als w\u00e4re dies nicht schon genug Referenz auf schwarze Kultur, gibt es auch noch eine <i>Marcus Garvey<\/i>-Pizza, benannt nach der Ikone der schwarzen B\u00fcrgerrechtsbewegung. Von <i>Big Daddy Kane<\/i>&#8211; oder <i>Mos Def<\/i>-Referenzen fehlt in der Pizzeria und auf der Speisekarte dann allerdings jede Spur. Diese beiden Rapper sind wahrscheinlich zu \u00bbunderground\u00ab.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-8073\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/BR_Menu.png\" alt=\"\" width=\"1007\" height=\"679\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/BR_Menu.png 1007w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/BR_Menu-300x202.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/BR_Menu-768x518.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1007px) 100vw, 1007px\" \/><\/p>\n<p>Im <i>BraviRagazzi<\/i> scheint man nichtsdestotrotz seine Hausaufgaben in Bezug auf die (Rap-)Geschichte Bed-Stuys gemacht zu haben, denn eine Pizzeria in dieser Gegend ruft beim Besucher oder der Besucherin unweigerlich eine zentrale Szene aus Spike Lees immer noch aktuellem Film <i>Do the right thing<\/i> (1989) ins Ged\u00e4chtnis. Dort kommt es in Sal\u2019s Pizzeria zu einem Konflikt mit dem afroamerikanischen Aktivisten \u00bbBuggin Out\u00ab, der sich von Besitzer Sal, einem Italoamerikaner, und seiner \u00bbHall of Fame\u00ab \u2013 bestehend aus Fotos von italienischen Stars und Sternchen wie Luciano Pavarotti und Sophia Loren \u2013 provoziert f\u00fchlt und \u00bbschwarze Br\u00fcder und Schwestern\u00ab in ebendieser vermisst. Der Konflikt eskaliert im Laufe des Films infolge von Polizeigewalt und einem damit einhergehenden Mord an \u00bbRadio Raheem\u00ab, einem Kumpel von \u00bbBuggin Out\u00ab, der stolz ein T-Shirt mit Bed-Stuy-Schriftzug tr\u00e4gt und nie ohne Boombox, aus der best\u00e4ndig Rap-Musik dr\u00f6hnt, aus dem Haus geht. Die Stimmung ist infolgedessen derart aufgeheizt, dass Sal\u2019s Pizzeria von einem aufgebrachten Mob Afroamerikaner vollst\u00e4ndig niedergebrannt wird.<\/p>\n<p>In gewisser Weise existiert dieser zentrale Konflikt zwischen den verschiedenen ethnischen Bev\u00f6lkerungsgruppen, den Lee\u2019s Film thematisiert, in Bed-Stuy nach wie vor.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> Das merkt man als Angeh\u00f6riger einer wei\u00dfen Minderheit schon bei einem einfachen Gang durch die Stra\u00dfen Bed-Stuys oder dem Weg zur n\u00e4chsten Subway-Station. Sofern man nicht in das n\u00e4chste Hipster-Caf\u00e9 einkehrt, das in diesem Fall direkt ums Eck vom <i>BraviRagazzi<\/i>, eine Stra\u00dfe weiter auf dem <i>Marcus Garvey Blvd.<\/i> liegt und <i>Everyday Coffee<\/i> hei\u00dft.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Selbst in der Pizzeria <i>BraviRagazzi<\/i>, die zwar afroamerikanische Bedienungen angestellt hat, sind schwarze G\u00e4ste scheinbar eher die Ausnahme, auch wenn man hin und wieder mal eine afroamerikanische Familie beim Abendessen beobachten kann. Diese scheint dann aber nicht unbedingt repr\u00e4sentativ f\u00fcr den typischen \u00bbResident\u00ab, der hier in Abstammung dritter Generation lebt, sondern vielmehr einer neuen bessergestellten \u00bb<i>black upper middle class\u00ab<\/i>\u00a0zu entspringen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-8071\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/BR_2.png\" alt=\"\" width=\"953\" height=\"613\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/BR_2.png 953w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/BR_2-300x193.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/BR_2-768x494.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 953px) 100vw, 953px\" \/><\/p>\n<p>Die Referenzen auf HipHop- und Rap-Gr\u00f6\u00dfen aus Bed-Stuy fungieren hier also einerseits als Signal an ebenjene \u00bb<i>residential black people\u00ab<\/i>\u00a0und sollen zeigen, dass man sich der (HipHop-)Geschichte und der Bedeutung des Viertels f\u00fcr schwarze Kultur sehr wohl bewusst ist. Als solche sind sie in gewisser Weise sicherlich auch pr\u00e4ventiv deeskalierend gedacht. Andererseits wirkt dies gerade deshalb auch als eine Form von Authentizit\u00e4ts-Narrativ, indem mit solchen Referenzen auch Bezug auf die Ursprungserz\u00e4hlung des HipHop (und damit implizit wieder Bed-Stuy) genommen wird. Hiervon zeugen neben der Einrichtung, die im \u00dcbrigen auch \u00bbgetaggte\u00ab (dt. beschmierte) W\u00e4nde umfasst und so den Graffiti-Bezug herstellt, sowie der Speisekarte mit den zahlreichen HipHop-Referenzen nicht zuletzt die Fotos auf dem Instagram-Account der Pizzeria.<\/p>\n<p>Dort wird z. B. f\u00fcr den Flyer, der das Weihnachts-Special der Pizzeria bewerben soll, auf das ber\u00fchmte Pressefoto Biggie Smalls zur\u00fcckgegriffen (nur anstatt einer Krone hat man Biggie nun eine Weihnachtsm\u00fctze per Photoshop aufgesetzt<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a>); es werden stolz die vor auf Rap und schwarzer Kultur generell strotzenden \u00bbselbst gefertigten\u00ab Tische pr\u00e4sentiert; der Besitzer Mike l\u00e4sst sich von einem Graffiti-Artist portr\u00e4tieren; und es gibt sogar zwei Bilder von G\u00e4sten, die afroamerikanischer Abstammung sind, allerdings ebenjener gehobenen Mittelklasse der Zugezogenen zu entspringen scheinen, wie man den entsprechenden Verlinkungen auf den Instagram-Fotos und den Profilen der G\u00e4ste entnehmen kann, womit viel eher ein Hinweis auf das eigentliche Publikum im <i>BraviRagazzi <\/i>gegeben ist: n\u00e4mlich das der gehobeneren Mittelklasse.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-8074\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/BraviRag1.png\" alt=\"\" width=\"957\" height=\"611\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/BraviRag1.png 957w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/BraviRag1-300x192.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/BraviRag1-768x490.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 957px) 100vw, 957px\" \/><\/p>\n<p>Zum Vervollst\u00e4ndigen dieses Authentizit\u00e4ts-Narrativs des <i>BraviRagazzi<\/i> fehlt allerdings ein ganz entscheidender Punkt, und zwar der \u00bb<i>black local resident\u00ab<\/i>, der den Ball gewisserma\u00dfen zur\u00fcckspielt bzw. die Authentizit\u00e4t so verifiziert. Damit wird einmal mehr deutlich, dass Gentrifizierung in den USA einerseits unweigerlich mit der Rassenfrage verbunden ist, worauf z. B. auch der amerikanische Journalist und Bestseller-Autor Ta-Nehisi Coates mit seinem nicht ganz unumstrittenen Buch <i>We were eight Years in Power<\/i> publikumswirksam hingewiesen hat.<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> Andererseits muss Gentrifizierung vielschichtiger und differenzierter betrachtet werden \u2013 und darf nicht ausschlie\u00dflich auf die Rassenfrage reduziert werden. Schlie\u00dflich gibt es, wie die Soziologin Kay Hymowitz herausstellt, auch ebenjene neue \u00bb<i>black upper middle class\u00ab<\/i>\u00a0die es aus ganz \u00e4hnlichen Gr\u00fcnden wie alle anderen nach Bed-Stuy zieht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Und so verwundert es nicht, dass auch Hymowitz am Beispiel der ebenfalls in Bed-Stuy situierten <i>Therapy Wine Bar<\/i> implizit eine \u00e4hnliche Geschichte erz\u00e4hlt wie die des <i>BraviRagazzi<\/i>. Mit dem Unterschied, dass der Besitzer der <i>Therapy Wine Bar<\/i> ein \u00bbresident\u00ab und das Publikum \u00fcberwiegend schwarz ist. Auch in dieser Bar mangelt es nicht an Referenzen auf HipHop oder Rap in Form von Plattencovern ber\u00fchmter Bed-Stuy-K\u00fcnstler wie Jay-Z oder Referenzen auf Spike Lee-Filme, allen voran nat\u00fcrlich <i>Do the right thing<\/i> (verk\u00f6rpert in Form eines Stra\u00dfenschildes mit der Aufschrift \u00bb<i>Do the right thing\u00ab<\/i>). Wie Anthony, der Besitzer, sich gegen\u00fcber Hymowitz \u00e4u\u00dfert, besteht das Publikum auch hier aus \u00fcberwiegend akademisch gebildeten Menschen aller Couleur, vorwiegend aus dem mittleren Westen.<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-8076\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/Bildschirmfoto-2018-07-08-um-15.40.59.png\" alt=\"\" width=\"931\" height=\"595\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/Bildschirmfoto-2018-07-08-um-15.40.59.png 931w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/Bildschirmfoto-2018-07-08-um-15.40.59-300x192.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/07\/Bildschirmfoto-2018-07-08-um-15.40.59-768x491.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 931px) 100vw, 931px\" \/><\/p>\n<p>Dem Instagram-Account und entsprechenden Verlinkungen der Weinbar ist dennoch zu entnehmen, dass \u00bbResidents\u00ab durchaus Teil des Publikums sind, wof\u00fcr insbesondere auch die im Vergleich zum <i>BraviRagazzi<\/i> moderaten Preise auf der Speisekarte sprechen und v. a. in der Bar stattfindende Konzerte mit lokalen aus Bed-Stuy stammenden Nachwuchsrappern. Zudem bem\u00fcht Anthony, der nahezu t\u00e4glich Bilder bei Instagram posted, das Authentizit\u00e4ts-Narrativ in Form von HipHop-Referenzen nicht ganz so h\u00e4ufig und plakativ wie die Pizzeria ein paar Blocks weiter und seine Posts zeugen generell von einem etwas tieferen HipHop-Verst\u00e4ndnis wie insbesondere Referenzen auf Rapper, die nicht unbedingt dem Mainstream zuzuordnen sind, belegen (z. B. <i>Common<\/i>).<\/p>\n<p>Ganz \u00e4hnlich wie im <i>BraviRagazzi<\/i> fungiert auch hier der R\u00fcckgriff auf die Ursprungserz\u00e4hlung HipHop bzw. Rap als Authentizit\u00e4ts-Narrativ. Allerdings wird nur in der <i>Therapy Wine Bar<\/i> dieses Narrativ performativ erneuert, weshalb sie auch als der authentischere Ort wahrgenommen wird: Anthony erf\u00fcllt die ethnische wie \u00f6konomische Klassenzugeh\u00f6rigkeit, l\u00e4sst politisches Bewusstsein durchblicken (wie z. B. die dezenten Spike Lee-Referenzen aber auch geschickt eingestreute Verweise auf Barack Obama belegen) und sorgt durch regelm\u00e4\u00dfige Konzerte mit lokalen Nachwuchsrappern auch f\u00fcr die entsprechenden \u00bbskills\u00ab. Er erf\u00fcllt damit beide f\u00fcr die Wahrnehmung von Authentizit\u00e4t wichtigen Kriterien: das Rekurrieren auf ein Ursprungs-Narrativ sowie dessen permanente performative Erneuerung.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Authentizit\u00e4t als Singularisierung<\/p>\n<p>In Deutschland werden die Diskussionen \u00fcber Gentrifizierungsprozesse nicht mit einer derartigen emotionalen Intensit\u00e4t gef\u00fchrt wie in den USA. Das resultiert nicht zuletzt aus der Geschichte der Rassentrennung und einer diesbez\u00fcglich nach wie vor herrschenden Ungleichheit in vielen Bereichen. Hinzu kommt, dass Rap in Deutschland trotz aller Popularit\u00e4t noch nicht denselben Status genie\u00dft wie in den USA. An den Beispielen der Pizzeria <i>BraviRagazzi<\/i> und der <i>Therapy Wine Bar<\/i> wird ersichtlich, dass der Begriff der \u00bbAuthentizit\u00e4t\u00ab eine kulturelle Form der Machtaus\u00fcbung darstellt, die man als gouvernemental bezeichnen kann.<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a> Diese kulturelle Form der Machtaus\u00fcbung, die Foucault in seinem Sp\u00e4twerk detailliert herausgearbeitet hat und die sich aus einer Verschr\u00e4nkung von Herrschaftstechnologien (Fremdf\u00fchrung) und Technologien des Selbst (Selbstf\u00fchrung) speist \u2013 sich also sowohl selbst- als auch fremdbestimmt gibt \u2013, zementiert im vorliegenden Kontext implizit eher Klassenverh\u00e4ltnisse, als dass es diese durchl\u00e4ssig macht und ist dabei zutiefst mit dem Entwurf der eigenen Identit\u00e4t und der eigenen Geschichte verwoben.<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a> Dies erkl\u00e4rt auch die Konjunktur im Zusammenhang mit den eingangs erw\u00e4hnten Ratgebern bzw. verwandter Begriffe wie dem der \u00bbSelbstverwirklichung\u00ab und der damit einhergehenden st\u00e4ndigen Arbeit an sich selbst (\u00bbSelbstoptimierung\u00ab).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a><\/p>\n<p>Zudem gelingt es so den jeweiligen Akteuren, die Konsequenzen ihres Handelns leichter auszublenden. Schlie\u00dflich w\u00e4re ein Hinterfragen von Gentrifizierungs-Praxen gleichsam ein Hinterfragen der f\u00fcr die Identit\u00e4t wichtigen, wenn nicht gar konstitutiven Handlung. Viel entscheidender als dieser gouvernementale Aspekt ist aber, dass Authentizit\u00e4tszuschreibungen damit sowohl eine \u00e4sthetische als auch eine ethische Dimension besitzen, die untrennbar miteinander verschr\u00e4nkt sind. Insofern trifft auf jegliche Praktiken der Authentizit\u00e4tszuschreibung auch zu, was der Kultursoziologe Andreas Reckwitz<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 \u203a<\/span>Singularisierungsprozesse\u2019 nennt. Reckwitz schreibt in seinem 2017 erschienenen Buch <i>Die Gesellschaft der Singularit\u00e4ten<\/i>: \u00bb<i>Wenn es einem Gut <\/i>(im Sinne von Entit\u00e4t, Anm. d. Verfassers)<i> gelingt, als singul\u00e4r bewertet und erlebt zu werden, dann wirkt es authentisch.\u00ab<\/i><a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a><\/p>\n<p>Authentizit\u00e4t bedeutet somit immer auch Singularisierung, die durch das sich im Subjekt ereignende Zusammenfallen von Fremd- und Selbstf\u00fchrung \u00fcberhaupt erst den N\u00e4hrboden f\u00fcr eine gouvernementale Machtaus\u00fcbung schafft. In gewisser Weise ist diese Singularisierung auch gleichsam das zentrale Credo von Rap als popkultureller Kunstform und jeglichem Gentrifizierungsprozess. Denn es geht in beiden Bereichen darum, sich als m\u00f6glichst einzigartig zu pr\u00e4sentieren und wahrgenommen zu werden, was in fundamentaler Weise \u00fcber die hier beispielhaft dargestellten Authentizit\u00e4ts-Narrative funktioniert. Im Rap \u00e4u\u00dfert sich das bei einem Misslingen dieser Performance, in dem nach wie vor sehr verbreiteten Vorwurf des \u00bb<i>Bitens\u00ab<\/i>\u00a0\u2013 des Nachahmens \u2013, was dem Gegenteil einer Authentizit\u00e4tszuschreibung entspricht und somit als \u00bb<i>Fake<\/i>\u00bb bezeichnet wird.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Im Bereich der Gentrifizierung entspricht dies der Abwanderung der ersten Generation von Gentrifizierer*innen, denen es mit der steigenden Zahl von Zuziehenden, also ihresgleichen, in einem Viertel nicht mehr einzigartig bzw. authentisch genug ist und die sich im Zuge dessen nach neuen \u00bbauthentischeren\u00ab Wohngegenden umsehen. Damit einhergehend kann sich gleichzeitig auch eine Aush\u00f6hlung von Authentizit\u00e4ts-Narrativen \u2013 in diesem Fall einer subversiv gepr\u00e4gten Kunstform wie HipHop \u2013 vollziehen, die zu einem blo\u00dfen Label verkommen kann.<\/p>\n<p>Die Pizzeria <i>BraviRagazzi<\/i> in Bed-Stuy, wo der Gentrifizierungsprozess gerade erst so richtig Fahrt aufnimmt, liefert diesbez\u00fcglich ein Paradebeispiel. Hier ist man sich der Konsequenzen dieses Gesch\u00e4ftsmodells f\u00fcr die langj\u00e4hrige Bev\u00f6lkerung des Viertels aber offensichtlich gar nicht bewusst und so verwundert es auch nicht, dass Mike eines Abends zu mir sagte, Williamsburg im Norden von Brooklyn sei viel zu teuer und zudem f\u00fchle es sich nicht mehr an wie das \u00bbechte\u00ab Brooklyn. Aber hier in Bed-Stuy h\u00e4tte man noch das Gef\u00fchl im wirklich \u00bbechten\u00ab<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0\u00a0<\/span>Brooklyn zu sein. Ein Gef\u00fchl, das sowohl Jay-Z in seinem Song (<i>Marcy Me<\/i>) als auch viele der \u00bbResidents\u00ab nicht zu teilen scheinen, da letztere sonst wahrscheinlich auch im <i>BraviRaggazi<\/i> zu Gast w\u00e4ren und dieses damit implizit als \u203aauthentisch\u2019 verifizieren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt ist von \u00bbGef\u00fchl\u00ab nicht nur viel die Rede, wenn man \u00fcber Rap und Gentrifizierung bzw. deren Zusammenhang mit den jeweiligen Akteuren spricht. Den Gef\u00fchlen muss vielmehr eine tiefgreifende Rolle bei Authentizit\u00e4tszuschreibungen einger\u00e4umt werden, insofern sie sowohl f\u00fcr \u00e4sthetische als auch ethische Implikationen innerhalb von Singularisierungsprozessen ma\u00dfgeblich sind. Gerade deshalb ist das \u00bbAuthentische\u00ab auch erst als Teil einer Form der gouvernementalen Machtaus\u00fcbung zu denken, die sich gewisserma\u00dfen den \u00bb<i>Idealen der Authentizit\u00e4t\u00ab<\/i>\u00a0bedient.<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a> Diese die \u00bb<i>Ideale der Authentizit\u00e4t\u00ab<\/i>\u00a0produzierenden Aspekte sind \u2013 wie Eva Illouz schreibt, \u2013als relationale Gef\u00fcge zu denken, als \u00bb [&#8230;] <i>Netzwerke von Objekten und Personen, in dem Gef\u00fchle die Verbindungen ausdr\u00fccken, die Objekte und Subjekte miteinander eingehen<\/i>.\u00ab<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\">[32]<\/a> Gef\u00fchle stellen also gewisserma\u00dfen den (un-)sichtbaren Kitt zwischen allen beteiligten Entit\u00e4ten im Authentizit\u00e4ts-Gef\u00fcge dar.<\/p>\n<p>Dementsprechend gilt es, \u00bbAuthentizit\u00e4t\u00ab nicht genuin an Personen gebunden zu betrachten, sondern als ein eigenes Netz, das zun\u00e4chst zwar einen Mythos oder eine Ursprungserz\u00e4hlung ben\u00f6tigt, kurzum ein stabiles Narrativ auf das rekurriert werden kann, das aber f\u00fcr die Fortschreibung des \u00bbAuthentischen\u00ab einer performativen Erneuerung bedarf, an derer Menschen wie Dinge gleicherma\u00dfen mitweben. Letztere stellen in der Pizzeria des <i>BraviRagazzi <\/i>z. B. die Speisekarte samt der auf Rap und schwarze Kultur referenzierenden Gerichte, die Innenausstattung mit dem ber\u00fchmten Pressefoto von The Notorious B.I.G. sowie die zahlreichen Anspielungen auf Flyer, die Graffitis, und selbst der Instagram-Account mit den zirkulierenden Bildern und Verlinkungen dar. Die Gef\u00fchlszust\u00e4nde des Authentischen sind also ma\u00dfgeblich auch mit Dingen assoziiert und von ihnen hervorgerufen. Gleichwohl sie der menschlichen Verifikation bed\u00fcrfen, die im Falle des <i>BraviRagazzi<\/i> ausbleibt und im Falle der <i>Therapy Wine Bar<\/i> gelingt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Obgleich Rap hierzulande (noch) nicht als Authentizit\u00e4ts-Narrativ im Kontext von Gentrifizierungsprozessen fungiert, ist die Reflexion dieser Problematik in deutschsprachigem Rap unbestritten. Am differenziertesten haben sich bislang <i>Zugezogen Maskulin <\/i>aus Berlin in ihrem Song <i>H\u00e4userkampf<\/i> mit dem Thema besch\u00e4ftigt. Die beiden Rapper <i>Grim<\/i> <i>104<\/i> und <i>Testo<\/i>, selbst aus Stralsund und Friesland zugezogen, nehmen in der ersten Strophe dieses Songs die Sicht eines Gentrifizierers und in der zweiten Strophe die eines Gentrifizierungs-Gegners ein, nur um im Anschluss an den Refrain s\u00e4mtliche Namen von anderen Berliner Rappern (u. a. <i>Bushido <\/i>und <i>Massiv<\/i>) aufzuz\u00e4hlen und auf ihren Background als Zugezogene zu verweisen.\u00a0Damit wird in doppelter Hinsicht das Authentizit\u00e4ts-Narrativ in Frage gestellt: Auf rap-interner Ebene wird der Ursprungs-Mythos und das damit einhergehende \u00bbreal keepen\u00ab persifliert. In den beiden Strophen werden rigide und klischeehafte Argumentationsmuster beider Seiten, Gentrifizierungs-Bef\u00fcrworter wie -Gegner, mit der entsprechenden Portion Sarkasmus und Zynismus bedacht, womit man auf einer k\u00fcnstlerischen Ebene der Komplexit\u00e4t dieser Problematik gerecht wird.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Zugezogen Maskulin - H\u00e4userkampf [HD]\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/n_P6CHhymTI?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Der Song ist insofern paradigmatisch, als er deutlich macht, wie man sich mittels der subversiv gepr\u00e4gten Kunstform Rap einem gesellschaftlichen Problem wie der Gentrifizierung widmen kann \u2013 ohne einer allzu gro\u00dfen Komplexit\u00e4tsreduktion und klischeehaften Argumentationen anheim zu fallen. Gleichwohl dieser Song nat\u00fcrlich keine L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge anbietet, was \u00a0auch nicht die Aufgabe einer popul\u00e4ren Kunstform ist, zeigt er in seiner ironischen Dialektik nichtsdestotrotz eine m\u00f6gliche k\u00fcnstlerische Strategie im differenzierten Umgang mit Gentrifizierungsprozessen auf.<\/p>\n<p>In Deutschland beschr\u00e4nkt sich Rap im Zusammenhang mit Gentrifizierung bestenfalls oder zum Gl\u00fcck auf diese Rolle. Was nicht hei\u00dft, dass es in der Zukunft nicht zu \u00e4hnlichen Aneignungsversuchen von Gentrifizierer*innen wie in den USA kommen kann. Wenn sich z. B. 2017 zwei der erfolgreichsten Rapper Deutschlands, <i>Sido<\/i> und <i>Kool Savas<\/i>, im Zuge der PR-Kampagne f\u00fcr ihr Album <i>Royal Bunker<\/i> f\u00fcr das Online-HipHop-Format <i>Backspin TV<\/i> \u00fcber eine Stunde lang vor dem ehemaligen Geb\u00e4ude des gleichnamigen in Szenekreisen Kultstatus genie\u00dfenden Labels (<i>Royal Bunker<\/i>, Anm. d. Verfassers) interviewen lassen, in Stuttgart im Stadtmuseum eine Ausstellung zur Kolchose \u2013 einem losen K\u00fcnstlerverbund, dem Interpreten wie <i>Freundeskreis<\/i>, <i>Massive T\u00f6ne<\/i> oder <i>Afrob<\/i> entsprungen sind \u2013 stattfindet oder in Heidelberg Stadtf\u00fchrungen von und um eine der ersten deutschsprachigen Rap-Gruppen \u00fcberhaupt, <i>Advanced Chemistry<\/i>, organisiert werden, so ist dies f\u00fcr HipHop bzw. Rap auf der einen Seite positiv, weil er institutionelle Anerkennung erf\u00e4hrt. Auf der anderen Seite werden damit aber auch zwangsl\u00e4ufig Schritte in Richtung einer m\u00f6glichen Vereinnahmung gegangen, die irgendwann auch dem Zweck einer Gentrifizierung dienen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Gerade deshalb ist es vielleicht wichtiger denn je, dass es inmitten des von Heterogenit\u00e4t strotzenden Genres Rap mit aktuellen Str\u00f6mungen wie z. B. dem sogenannten \u00bbCloud Rap\u00ab<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\">[33]<\/a> auch eine Renaissance von politisch motiviertem Rap zu geben scheint, wovon nicht zuletzt u. a. das 2015 erschienene und international hochgepriesene Album <i>To Pimp a Butterfly<\/i> von <i>Kendrick Lamar<\/i> oder hierzulande eben besagte Gruppe <i>Zugezogen Maskulin<\/i>, aber auch \u00bbStra\u00dfenrapper\u00ab wie <i>Celo &amp; Abdi<\/i> zeugen. Rap und Gentrifizierung jedenfalls sind \u00fcber das Ideal der Authentizit\u00e4t enger miteinander verbunden als man gemeinhin denken w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0Stephan Joseph, Elisabeth Liebl: Die neue Wissenschaft vom gl\u00fccklichen Leben, Kailash Verlag M\u00fcnchen 2017; Jonathan Sierck: Selbstbewusstsein &amp; Authentizit\u00e4t: \u00dcber die Kunst man selbst zu sein, CreateSpace M\u00fcnchen 2016; Stefan Weiss: Der Mai Tai trinkende M\u00f6nch und die Lehre der Authentizit\u00e4t, Goldmann Verlag M\u00fcnchen 2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0Andreas Reckwitz: Grundelemente einer Theorie sozialer Praktiken, in: ders.: Unscharfe Grenzen. Perspektiven der Kultursoziologie, Transript Bielefeld 2008, S. 97-130.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0F\u00fcr einen kleinen \u00dcberblick im deutschsprachigen Raum siehe: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/musik\/musikclips-gegen-gentrifizierung-a-888569.html\">http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/musik\/musikclips-gegen-gentrifizierung-a-888569.html<\/a><span class=\"Apple-converted-space\"><br \/>\n<\/span><br \/>\n<a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a>\u00a0Kurt R\u00f6ttgers, Reinhard Fabian: \u201eAuthentisch\u201c, in Joachim Ritter, Karlfried Gr\u00fcnder (Hg.): Historisches W\u00f6rterbuch der Philosophie, Bd. I, Schwabe Basel 1971, Sp. 691f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a>\u00a0Siehe auch Susanne Knaller: Genealogie des \u00e4sthetischen Authentizit\u00e4tsbegriffs, in: dies.\/Harro M\u00fcller (Hg.): Authentizit\u00e4t, Wilhelm Fink Verlag Paderborn 2008, S. 17-35.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a>\u00a0Johann Heinrich Zedler: \u201eAuthenticus\u201c, in: ders. (Hg.): Grosses vollst\u00e4ndiges Universal-Lexicon aller Wissenschaften und K\u00fcnste, Halle 1732, Sp. 2266.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a>\u00a0Jean-Jacques Rousseau: Die Bekenntnisse, dtv M\u00fcnchen 2012 [zuerst 1782].<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a>\u00a0\u201eAuthentie\u201c, in: Allgemeine deutsche Real-Encyklop\u00e4die f\u00fcr die gebildeten St\u00e4nde. Conversations-Lexikon, Bd. I, Brockhaus Leipzig 1833, S. 560.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a>\u00a0Zur Reproduktion solch problematischer Dichotomien siehe Bruno Latour: Wir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie, Suhrkamp Frankfurt a. M. 1998.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a>\u00a0Fran\u00e7ois Jullien: Es gibt keine kulturelle Identit\u00e4t. Wir verteidigen die Ressourcen einer Kultur, Suhrkamp Berlin 2017, S. 45ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Zur Geschichte des HipHop siehe Gabriele Klein, Malte Friedrich: Is this real? Die Kultur des HipHop, Suhrkamp 2003, insbesondere S. 14-18.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Ebd., S.57 ff.<a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a>\u00a0Bronislaw Malinowski: Die Rolle des Mythos im Leben, in: Fritz Kramer (Hg.): Bronislaw Malinowksi. Schriften zur Anthropologie, Europ\u00e4ische Verlagsanstalt Frankfurt a. M. 1992, S. 139-144.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Ruth Glass: London: Aspects of Change, Centre for Urban Studies London 1964.<a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a>\u00a0Siehe auch Ingrid Breckner: Gentrifizierung im 21. Jahrhundert, online: <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/apuz\/32813\/gentrifizierung-im-21-jahrhundert?p=all\">http:\/\/www.bpb.de\/apuz\/32813\/gentrifizierung-im-21-jahrhundert?p=all<\/a> (abgerufen am 15.01.18<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a>\u00a0Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a>\u00a0Sharon Zurkin: Naked City. The Death and Life of Authentic Urban Places, Oxford University Press New York 2010, xi.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a>\u00a0Siehe auch Kay S. Hymowitz: The New Brooklyn: What It Takes to Bring a City Back, Rowman &amp; Littlefield Lanham 2017, S. 91ff.<a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a>\u00a0Siehe zur \u201aCrack-Epidemie\u2019 z. B. auch den Bildband von Eugene Richards: Cocaine True, Cocaine Blue, Aperture New York 1994.<a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a>\u00a0http:\/\/www.nytimes.com\/2011\/08\/05\/nyregion\/in-bedford-stuyvesant-a-black-stronghold-a-growing-pool-of-whites.html<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a>\u00a0Shawn Carter: Decoded Jay-Z, Spiegel &amp; Grau New York 2010, S. 176.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a>\u00a0Siehe z. B. <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/reise\/staedte\/new-york-city-warum-bed-stuy-das-neue-angesagte-viertel-ist-a-1141089.html\">http:\/\/www.spiegel.de\/reise\/staedte\/new-york-city-warum-bed-stuy-das-neue-angesagte-viertel-ist-a-1141089.html<\/a><span class=\"Apple-converted-space\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a>\u00a0Auch Spike Lee selbst hat hierzu eine nicht ganz unumstrittene Position bezogen, wenn er vom \u201e<i>Christopher Columbus Syndrome<\/i>\u201c spricht, das viele der zuziehenden Wei\u00dfen in Bed-Stuy befallen habe. Damit gie\u00dft er tendenziell eher \u00d6l ins Feuer. Erst Recht wenn er beispielsweise Fotos eines T-Shirts mit \u201e<i>Boycott Sal\u2019s<\/i>\u201c in Anspielung auf seinen eigenen Film auf seinem Instagram-Account ver\u00f6ffentlicht. Siehe hierzu auch: http:\/\/nymag.com\/daily\/intelligencer\/2014\/02\/spike-lee-amazing-rant-against-gentrification.html<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a>\u00a0Die Krone ist hierbei selbst eine Referenz an das von Jean-Michel Basquiat gestaltete<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Cover zur Single <i>Beat Bop <\/i>von <i>K-Rob<\/i> aus dem Jahr 1983.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a>\u00a0Ta-Nehesi Coates: We were eight years in power. Eine amerikanische Trag\u00f6die, Hanser Berlin 2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a>\u00a0Hymowitz, S. 91ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a>\u00a0Michel Foucault: Die Gouvernementalit\u00e4t, in: Ulrich Br\u00f6ckling, Susanne Krasmann, Thomas Lemke (Hg.): Gouvernementalit\u00e4t der Gegenwart. Studien zur \u00d6konomisierung des Sozialen, Suhrkamp Frankfurt a. M. 2000, S. 41-67.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a>\u00a0Siehe weiterf\u00fchrend auch Thomas Lemke: Eine Kritik der politischen Vernunft: Foucaults Analyse der modernen Gouvernementalit\u00e4t, Argument Verlag Hamburg 1997.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Siehe hierzu Stefanie Duttweiler, Robert Gugutzer, Jan-Hendrik Passoth, J\u00f6rg Str\u00fcbing (Hg.): Leben nach Zahlen. Self-Tracking als Optimierungsprojekt, Transcript Bielefeld 2016.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> Andreas Reckwitz: Die Gesellschaft der Singularit\u00e4ten. Zum Strukturwandel der Moderne, Suhrkamp Berlin 2017, S. 139.<a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a>\u00a0Eva Illouz: Einleitung \u2013 Gef\u00fchle als Waren, in: dies. (Hg.): Wa(h)re Gef\u00fchle. Authentizit\u00e4t im Konsumkapitalismus, Suhrkamp Berlin 2018, S. 13-48, hier S. 37.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a>\u00a0Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref33\" name=\"_ftn33\">[33]<\/a> Der Begriff \u201aCloud Rap\u2019 bezeichnet eine Spielform von Rap, die \u00fcberwiegend Synthesizer einsetzt, um fl\u00e4chige und langsame Passagen als Grundger\u00fcst f\u00fcr die Musik zu schaffen und sich thematisch meist um Drogen, Geld und Frauen dreht, dabei aber ma\u00dflos \u00fcbertreibt. Fast immer geht mit \u201aCloud Rap\u2019 eine gewisse DIY-\u00c4sthetik einher und es werden h\u00e4ufig unfertige Songs \u00fcber Plattformen wie Soundcloud oder YouTube verbreitet, worauf auch der Name \u201aCloud Rap\u2019 (von Soundcloud) zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Zentrale K\u00fcnstler im internationalen Raum sind der unl\u00e4ngst ermordete <i>XXXtentacion<\/i> oder <i>Lil\u2019 Peep<\/i>. Im deutschsprachigen Raum sind <i>Crack Ignaz<\/i>, <i>Young Hurn<\/i> oder <i>LGoony<\/i> zentrale Vertreter dieser Bewegung.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref33\" name=\"_ftn33\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kw.uni-paderborn.de\/institut-fuer-medienwissenschaften\/personal-a-z\/personen\/?tx_upbperson_personsite%5BpersonId%5D=72684&amp;tx_upbperson_personsite%5Bcontroller%5D=Person&amp;cHash=6bf4489462df0d7e2078f012b9c2947d\">Christian Schulz<\/a> ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut f\u00fcr Medienwissenschaften\u00a0an der Universit\u00e4t Paderborn und im Arbeitsbereich\u00a0&#8222;Medien, Algorithmen und Gesellschaft&#8220; t\u00e4tig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbOld Brooklyn, not this new shit, shift feel like a spoof\u00ab<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[263,304,335,386,842,995,1120,1381,1566,1661,1947,2124,2202,2315],"class_list":["post-8068","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-authentizitat","tag-bedford-stuyvesant","tag-big-daddy-kane","tag-brooklyn","tag-gentrifizierung","tag-hiphop","tag-jay-z","tag-lil-kim","tag-mos-def","tag-new-york","tag-rap","tag-sharon-zurkin","tag-spike-lee","tag-the-notorious-b-i-g"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8068","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8068"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8068\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8068"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8068"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8068"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}