{"id":8203,"date":"2018-09-04T10:01:53","date_gmt":"2018-09-04T08:01:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=8203"},"modified":"2018-09-04T10:01:53","modified_gmt":"2018-09-04T08:01:53","slug":"philosophie-im-fernsehen-philosophie-des-fernsehensmetamorphosen-philosophischen-wissens-im-fernseh-format-prechtvon-marcus-s-kleiner4-9-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2018\/09\/04\/philosophie-im-fernsehen-philosophie-des-fernsehensmetamorphosen-philosophischen-wissens-im-fernseh-format-prechtvon-marcus-s-kleiner4-9-2018\/","title":{"rendered":"Philosophie im Fernsehen \u2013 Philosophie des FernsehensMetamorphosen philosophischen Wissens im Fernsehformat Prechtvon Marcus S. Kleiner4.9.2018"},"content":{"rendered":"<p>PowerPointPr\u00e4sentation philosophischen Denkens<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">[zuerst in: Marcus S. Kleiner, Thomas Wilke (Hg.): \u00bbPopul\u00e4re Wissenschaftskulissen. \u00dcber Wissenschaftsformate in Popul\u00e4ren Medienkulturen\u00ab, Transcript Verlag, Bielefeld 2017, S. 99-128.]<\/p>\n<p>Popul\u00e4re Kulturen werden als kommerzialisierte und industriell produzierte (Massen-)Unterhaltungskulturen aufgefasst, wobei zwischen Unterhaltung als Kommunikationsweise, als Funktion der Massenmedien, als soziale Institution und als \u00e4sthetische Kategorie unterschieden werden kann (vgl. H\u00fcgel 2003b, 74; H\u00fcgel 2007, 13-57).<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Als Unterhaltungskulturen tragen sie die Signatur der Wiederholung und Verdopplung von Wirklichkeit. Sie erscheinen als (Medien-)Kulturen der Redundanz.<\/p>\n<p>Distanz und Reflexivit\u00e4t, Grundformen wissenschaftlicher Forschungspraxis, werden hingegen nicht als Charakteristika Popul\u00e4rer Kulturen betrachtet. Im Unterschied zur Wissenschaft haben sich Popul\u00e4re Kulturen nicht von der Wissenschaft distanziert. Vielmehr geh\u00f6ren Wissens- und Wissenschaftspopularisierungen seit der Formierung von Popul\u00e4ren Kulturen ab Mitte des 19 Jh. zum festen Ensemble ihrer Formate, Produktionen, Serien und Figurenkonstellationen.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Die exemplarische Diskussion der Funktion und Bedeutung von Popul\u00e4ren Kulturen hinsichtlich des Komplement\u00e4rverh\u00e4ltnisses von Wissen\/Wissenschaft und Wissens-\/Wissenschaftspopularisierung<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>; deren synergetischen Beziehungen; die Eigenlogik sich wandelnder Medienformate und Pr\u00e4sentationsformen sowie ihrer Einschreibung in den Prozess der Wissenskonstitution ist aus diesem Grund bisher kaum gef\u00fchrt worden. Einen produktiven Unterschied machen in diesem Kontext die Cultural Studies, weil sie Popul\u00e4re Kulturen immer (auch) als Wissenskulturen aufgefasst und hinsichtlich der Aneignungen ihrer Wissensvermittlungen analysiert haben.<\/p>\n<p>Das Gleiche gilt f\u00fcr die popul\u00e4rkulturelle In-Formierung von Wissen, die Produktion sowie Vermittlung von popul\u00e4rem Wissen und das hieraus resultierende Performativ-Werden von Wissenschaften in Popul\u00e4ren (Medien-)Kulturen sowie ihre medienbedingten Transformationen und soziokulturellen Auswirkungen.<\/p>\n<p>Die historische und theoretische Bestimmung des (sozialen und \u00e4sthetischen) Eigensinns popul\u00e4rkultureller Wissensformen und Wissensproduktionen sowie die Auseinandersetzung mit ihren Akteuren, Kulissen, Medien und Formen sind daher (auch) in Studien zur Wissen(schafts)popularisierung unterrepr\u00e4sentiert.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Zudem bleibt die Frage nach dem Bildungserfolg<i> <\/i>popul\u00e4rkultureller Wissens-\/Wissenschaftspopularisierungen gr\u00f6\u00dftenteils unbeantwortet.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Mein Beitrag befasst sich vor diesem Hintergrund mit der Fernseh-Talkshow als popul\u00e4rkulturellem Format der Wissens- und Wissenschaftspopularisierung. Der Fokus meiner \u00dcberlegungen liegt auf der wenig popul\u00e4ren philosophischen Fernsehtalkshow. Dieses unpopul\u00e4re Format wird von \u2013 im wissenschaftlichen und journalistischen Kontext sowie im \u00f6ffentlichem Bewusstsein \u2013 (relativ) popul\u00e4ren Personen moderiert. Bei den Talkg\u00e4sten handelt es sich ebenfalls um bekannte(re) Pers\u00f6nlichkeiten. Diese Unpopularit\u00e4t des Formats soll durch die Popularit\u00e4t der diskutierenden Personen kompensiert werden. Die Popularit\u00e4t von Themen ist im Vergleich hierzu sekund\u00e4r. Mit popul\u00e4ren Fernsehtalkshows verbindet die philosophischen Fernsehgespr\u00e4che, das sie ebensowenig Ergebnis-orientiert sind. In diesem Spannungfeld von Popularit\u00e4t und Unpopularit\u00e4t formiert sich die Wissens- und Wissenschaftspopularisierung dieses popul\u00e4rkulturellen Formats.<\/p>\n<p>Am Beispiel der ZDF-Philosophie-Talkshow \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c werde ich das Thema der Wissens- und Wissenschaftspopularisierung diskutieren. In diesem Kontext wird die Differenz zwischen Popularit\u00e4t und Unpopularit\u00e4t bzw. zwischen <i>richtiger Philosophie<\/i> und <i>Nicht-Philosophie<\/i> selbst reflektiert \u2013 und zwar in den Formaten und durch die Formate. Bezeichnenderweise kritisiert Peter Sloterdijk<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>, dessen philosophische TV-Dialoge als <i>esoterisch<\/i> bezeichnet werden k\u00f6nnen, seinen TV-Nachfoler Richard David Precht als exoterischen, nicht-philosophischen, sondern journalistischen \u201ePopularisator\u201c philosophischen Denkens. Im Gegensatz zu Precht, ohne beim Zeitpunkt der Aussage selbst schon eine Sendung von ihm gesehen zu haben, stellt Sloterdijks Moderationspartner R\u00fcdiger Safranski heraus, dass das \u201ePhilosophische Quartett\u201c ein Ort war, an dem Fernsehen und Philosophie bestm\u00f6glich zusammengedacht werden konnten und dadurch philosophisch miteinander in einen Dialog traten: \u201eEs ging uns um eine bestimmte Kommunikationsform, darum, die G\u00e4ste ausreden zu lassen und Hysterie zu d\u00e4mpfen. Es ging darum, ein Klima zu schaffen, das man als philosophisch bezeichnen k\u00f6nnte, eine Art Verlangsamung, ein Nach-Denken eben. Da hockten vier Leute herum und unterhielten sich ungezwungen, nicht unterbrochen durch Einspielungen aller Art. So etwas gibt es ja kaum noch. Heute blicken sie als Gast, wenn sie etwas komplizierter formulieren, sofort in die nerv\u00f6s flackernden Augen des Moderators. Wenn Sloterdijk die Sendung mit einer nicht enden wollenden, anspruchsvollen Ausf\u00fchrung begann, wusste doch jeder Gast: Das darf ich auch. Bei uns war die Angst, dass da jemand wegzappen k\u00f6nnte, einfach nicht erlaubt.\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Das Philosophische Quartett |2012| Die Kunst des Aufh\u00f6rens (Martin Walser, Michael Kr\u00fcger)\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/HkJ7z8TStHc?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Im Fokus meiner Analyse stehen die intermediale Konkurrenz von M\u00fcndlichkeit (<i>Philosophie im Fernsehen<\/i>) und Bild (<i>Philosophie des Fernsehens<\/i>) sowie das Verh\u00e4ltnis von Abstraktion (M\u00fcndlichkeit) und Konkretion (Bild). Das Erkenntnisinteresse wird durch zwei Fragen geleitet:<\/p>\n<p>(1) Welche Metamorphosen philosophischen Wissens k\u00f6nnen durch ihre fernsehmediale Inszenierung beobachtet werden (<i>Philosophie im Fernsehen<\/i>)?<\/p>\n<p>(2) F\u00fchrt die kommunikative und visuelle Inszenierung philosophischen Wissens im Fernsehen zu eigensinnigen philosophischen Formen und Formaten (<i>Philosophie des Fernsehens<\/i>)?<\/p>\n<p>Ich beginne mit einer Skizze der Bedeutung des Dialogs als grundlegendem Medium der Philosophie (Kap. 2). Daran anschlie\u00dfend werde ich die <i>Philosophie des Fernsehens<\/i> anhand der beiden Konzepte des \u201eTelevisive[n] Denken[s]\u201c (Engel\/Fahle 2006b, 7) und der \u201eTelevisualit\u00e4t\u201c (Caldwell 1995; vgl. Fahle 2006; Engell 2012, 49-55) kurz rekonstruieren (Kap. 3). Dies schafft die Grundlage, um das Fernsehformat \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c als Beispiel f\u00fcr <i>Philosophie im Fernsehen<\/i> zu analysieren (Kap. 4). Abschlie\u00dfen werde ich meine Ausf\u00fchrungen darauf aufbauend mit der Diskussion der beiden folgenden Fragen: In welchem Verh\u00e4ltnis stehen die <i>Philosophie im Fernsehen<\/i> und die <i>Philosophie des Fernsehens<\/i>? Muss der Diskurs zur <i>Philosophie des Fernsehens<\/i> durch die <i>Philosophie im Fernsehen<\/i> modifiziert werden (Kap. 5)?<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Philosophische Denkform \u2013 Dialog<\/p>\n<p>Der Dialog, von gr. <i>dialogos<\/i> ,Gespr\u00e4ch\u2018, stellt in der griechischen und r\u00f6mischen Antike die Grundform philosophischen Denkens dar und ist zugleich das wesentliche Medium des Philosophierens.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Seit Sokrates und Platon geht es in philosophischen Dialogen um \u201edie Entwicklung einer Meinung zur Wahrheit\u201c (Horster 2008, 112) ohne Zuhilfenahme der Anschaulichkeit. Der Dialog dient zur sachlichen Kl\u00e4rung eines Begriffs oder eines Themas. Durch Rede und Gegenrede, Analyse und Synthese von Begriffen, Bildung von Hypothesen und die \u00dcberpr\u00fcfung von Thesen an Antithesen wird die Darstellung philosophischer Probleme anschaulich gemacht. Die Dialektik ist hierbei die Erkenntnismethode.<\/p>\n<p>Die sokratisch-platonischen Dialoge besitzen dar\u00fcber hinaus das Ziel, eine moralische Haltung im theoretischen Dialog auszubilden: \u201eDie Menschen sollten f\u00e4hig werden, mit anderen zu kommunizieren und ihre eigene Meinung zu korrigieren. Dialogprinzip ist also die Anerkennung der Gleichwertigkeit und das Ernstnehmen aller Gespr\u00e4chspartner\u201c (ebd.). Die entscheidenden Dialogprinzipien sind Gleichberechtigung und Gleichheit.<\/p>\n<p>Im Unterschied zu den Sophisten geht es nicht um die unbedingte Durchsetzung der eigene Meinung, indem man durch geschickte Redekunst seinen Gespr\u00e4chspartner \u00fcberredet \u2013 Sophisten sind aus dieser Perspektive prim\u00e4r Wortk\u00fcnstler und keine Philosophen. Aus der Perspektive von Sokrates und Platon stehen bei den Sophisten geschw\u00e4tzige Scheinweisheiten im Vordergrund und nicht der Wahrheitsanspruch einer Aussage. Hierbei wird die Bedeutung der Sophisten hinsichtlich der aufkl\u00e4rerischen Popularisierung des philosophischen Denkens ausgeblendet.<\/p>\n<p>Die moderne Philosophie hat den Begriff der Dialogphilosophie hervorgebracht.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Martin Buber hat die Dialogphilosophie grundlegend in seinem Hauptwerk \u201eIch und Du\u201c (1923\/2008) entwickelt. Ein intersubjektiv gelingender Dialog ist f\u00fcr Buber nur durch die wechselseitige Anerkennung des Dialogpartners als Menschen, dem ich vertrauen kann, m\u00f6glich. Nur hierbei handelt es sich um eine wirkliche Begegnung, in der man f\u00fcr den anderen in seiner Individualit\u00e4t bedeutsam ist. Diese menschliche Beziehung zueinander ist f\u00fcr Buber entscheidender als die argumentative Verst\u00e4ndigung. Nur so kann man, auch bei subjektiven Differenzen in der Begegnung, im dialogischen Denken und Handeln zueinander finden. Einen Dialog f\u00fchrt man dar\u00fcber hinaus, so Buber, nicht nur sprachlich, sondern auch durch \u201eBeobachtung\u201c, \u201eBetrachtung\u201c und \u201eInnewerdung\u201c. Die Inszenierung dieser Art von dialogischer Beziehung und Anerkennung zwischen Precht und seinem jeweiligen Gast ist entscheidend f\u00fcr die Rezeption des philosophischen Dialogs und seine Bewertung durch die Zuschauer.<\/p>\n<p>Noch eine andere Position der modernen Dialogphilosophie hilft bei der philosophischen Einordnung der Fernsehdialoge von \u201ePrecht\u201c: das Konzept der \u201eDialogik\u201c von Goldschmidt (1948\/1993), in dessen Zentrum die produktive Bedeutung des Widerspruchs im dialogischen Denken steht. Hiermit formuliert Goldschmidt eine Kritik an der Dialektik als erkenntnisleitende Methode in den sokratisch-platonischen Dialogen: \u201eWo ein Widerspruch laut wird, dort, meint man, sei etwas falsch, statt zu begreifen, dass dort, wo kein Widerspruch vorliegt, etwas falsch sein muss\u201c (ebd., 15). F\u00fcr Goldschmidt ist entscheidend, dass sich widersprechende Standpunkte auszuhalten und in ihrer gleichberechtigten Bedeutung anzuerkennen sind. Nur so kann die Anerkennungssituation jeden Gegen\u00fcbers im Dialog verwirklicht werden.<\/p>\n<p>Philosophische Dialoge finden insgesamt an der Grenze von Experten- und Laienpublikum statt und k\u00f6nnen als erste mediale Form philosophischer Wissenspopularisierung bezeichnet werden. In der Gegenwartsphilosophie ist das Genre des philosophischen Dialogs hingegen bedeutungslos geworden, wie H\u00f6sle (2006, 3) betont. In der Mediengegenwart des deutschen Fernsehens wird Philosophie<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> gleichwohl fast ausschlie\u00dflich in Dialogform pr\u00e4sentiert &#8211; und ist gefordert, sich auf die spezifische Medialit\u00e4t des Fernsehens, seine Inszenierungslogiken, auf seine, so es sie geben sollte, Philosophie eigensinnig einzulassen.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Philosophie des Fernsehens \u2013\u00a0Televisives Denkenund Televisualit\u00e4t<\/p>\n<p>Das Fernsehen hat, wie Engell und Fahle (2006b, 7) betonen, \u201eseine eigene Philosophie\u201c.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Darunter verstehen sie eine besondere \u201eForm des Denkens, die das Fernsehen [\u2026] praktiziert und wir mit ihm\u201c (ebd.). Diese Denkform bezeichnen sie als \u201etelevisive[s] Denken\u201c (ebd.), in dessen Zentrum die Auseinandersetzung mit dem Fernsehen als Medium des schaltbaren Bilds steht:<\/p>\n<p>\u201ePhilosophie des Fernsehens [\u2026] w\u00e4re [\u2026] der Beitrag, den das Fernsehen zu seiner eigenen Konstitution leistet, oder anders: der \u2013 nicht-begriffliche \u2013 Begriff, den das Fernsehen von sich selbst hat und der \u2013 nicht-diskursive \u2013 Diskurs, in den das Fernsehen sich selbst operationalisiert und fortschreibt\u201c (ebd., 7ff.).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Philosophie des Fernsehens wird anhand der drei Leitbegriffe <i>Bild<\/i>, <em>Ereignis<\/em><a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a>und <i>Serie<\/i><a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> (vgl. zu Letzterem Cavell 2001) entfaltet, \u201ein denen das Fernsehen sich sehen l\u00e4sst, sich ereignet und auf sich zur\u00fcckweist\u201c (Engell\/Fahle 2006b, 11). Die Perspektive einer <i>Philosophie des Fernsehens<\/i>, wie sie von Engell und Fahle (2006b, 14) rekonstruiert wird, wendet ihren medienphilosophischen Blick vom (herk\u00f6mmlichen) Verst\u00e4ndnis des Fernsehens im Rahmen der Bedeutungsproduktion sowie Wissensvermittlung ab. Vielmehr fokussieren sich die Autoren auf die Auseinandersetzung mit der Eigensinnlichkeit des Fernsehbildes, auf die Reflexion der eigenen Sichtbarkeit und des Sichtbaren durch das Fernsehbild und auf die Abgrenzung des Fernsehbildes zu anderen Bildtypen: \u201eDas Bild ist die Form, in der das Fernsehen seine eigene Sinnlichkeit als Visualit\u00e4t [&#8230;] zun\u00e4chst organisiert und dann reflektiert. Im Fernsehbild wird die Wahrnehmung des Fernsehens ihrerseits wahrnehmbar\u201c (ebd., 12).<\/p>\n<p>Ein instruktives Beispiel f\u00fcr eine so verstandene medienphilosophische Reflexion des Fernsehbildes stellt Caldwell (1995) mit seinen Untersuchungen zur <i>Televisualit\u00e4t<\/i> dar, der das <i>televisive<\/i> Bilduniversum als Performanz von Bildstilen begreift, die sich als Prozesse visueller Performanz darstellen bzw. als ein Interferieren verschiedener Bildstile. Caldwell entwickelt seine \u00dcberlegungen mit Blick auf die Transformationen im US-amerikanischen Fernsehen seit den sp\u00e4ten 1970er Jahren bis in die fr\u00fchen 1990er Jahre. Diese Ver\u00e4nderungen f\u00fchrten dazu, dass ein visueller Stil in den Mittelpunkt der Fernsehproduktion r\u00fcckt. Die Sender und Sendungen erhalten durch neue, eigensinnige Bildgestaltungen bzw. durch einen neuen charakteristischen Look der Fernsehbilder eine visuelle Identit\u00e4t \u2013 durch neue Technologien der Bilderzeugung und -bearbeitung (z.B. digitale Videotechnologie oder AVID-Technologie).<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Dieser neue televisuelle Look soll Zuschauer beeindrucken und binden bzw. neue Publika f\u00fcr ein neues Fernsehen finden. Das Fernsehbild bzw. sein charakteristischer Look werden nicht mehr als Rahmen, Illustration oder Bote von Inhalten, Themen, Texten und Ideen betrachtet, ebenso wenig wird das Fernsehen im Kontext der Dichotomien von Form und Inhalt oder Medium und Botschaft beschrieben. Die Fernsehsender zeichnen sich vielmehr durch \u201eeinen je spezifischen visuellen <i>Stil <\/i>aus [\u2026] [und] <i>Stil<\/i> [wird] zum eigentlichen Signifikat des Fernsehens [Hervorhebung im Original]\u201c (Engell 2012, 52). Das Fernsehen beginnt hierbei, sich selbst sichtbar zu machen und dadurch \u201eselbst eine Praxis der <i>Theoretisierung<\/i> [Hervorhebung im Original]\u201c (ebd., 51 f.) auszubilden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Philosophie im Fernsehen \u2013 Pr<i>e<\/i>cht<b><i><br \/>\n<\/i><\/b><\/p>\n<p>\u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c\u00a0ist eine philosophische Talkshow, die im ZDF seit dem 02. September 2012 in unregelm\u00e4\u00dfiger Folge am sp\u00e4ten Sonntagabend ausgestrahlt und auf 3sat wiederholt wird. Bis zum 21. Mai 2017 wurden 31 Folgen gesendet. Der Gast- und Namensgeber der Sendung ist der im deutschsprachigen Raum popul\u00e4re Philosoph und erfolgreiche Publizist Richard David Precht. In jeder Folge diskutiert er mit einem prominenten Gast aus Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft oder Politik f\u00fcnfundvierzig Minuten lang ein aktuelles Thema der Gegenwartsgesellschaft und sucht nach originellen sowie pragmatischen Erkenntnissen zu grundlegenden Fragen des menschlichen Lebens. Diskutiert wurde bisher u.a. \u00fcber Bildung, Freiheit, Gerechtigkeit, Geld, Arbeit, Europa, Big Data, Heimatliebe und Fremdenhass oder Krieg und Frieden.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Macht Lernen dumm?\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/_aMwcujipqI?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Die Sendung wird redaktionell von Werner von Bergen betreut, der als Fernsehjournalist und leitender Redakteur in der Hauptredaktion Kultur und Wissenschaft des ZDF t\u00e4tig ist, und in einem Berliner Filmstudio vom Regisseur und Fernsehautor Gero von Boehm produziert. Das Ziel der Sendung besteht darin, \u201edie Philosophie im Dialog mit anderen Disziplinen zur\u00fcckzuf\u00fchren zu ihrer eigentlichen Aufgabe: die Probleme der Menschen in ihrem Alltag zu verstehen und nach einer L\u00f6sung zu streben\u201c.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Das ZDF setzt mit \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c als direkter Nachfolgesendung der im Jahr des Sendestarts eingestellten philosophischen Talk- bzw. Dialogshows \u201enachstudio\u201c (1997-2012, Gastgeber und Moderator: Volker Panzer) und \u201eDas Philosophische Quartett\u201c (2002-2012, Gastgeber und Moderatoren: Peter Sloterdijk und R\u00fcdiger Safranski) weiterhin auf <i>Philosophie im Fernsehen<\/i>.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> Diese drei Sendungen stehen in der Tradition der puristischen Literatursendung \u201eDas Literarische Quartett\u201c (urspr\u00fcnglich 1988-2001, Gastgeber und Moderatoren, hinzu kam jeweils ein Gastkritiker: Marcel Reich-Ranicki, Hellmuth Karasek, Sigrid L\u00f6ffler): Worte gegen die fernsehmediale Bilderflut, das war das Credo dieser Sendungen und ist es bedingt auch weiterhin bei \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c. Gerade dadurch konnte das ZDF zur popul\u00e4ren Wissensproduktion beitragen, wie der ehemalige Leiter der ZDF-Hauptredaktion Kultur und Wissenschaft, Peter Arens, betont: \u201eF\u00fcr viele unserer Zuschauer war das laute Nachdenken, sind die h\u00e4ufig \u00fcberraschenden Einblicke und manchmal provozierenden Ausblicke am sp\u00e4ten Sonntagabend zum wertvollen und anregenden Wochenausklang im Fernsehen geworden.\u201c<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a><\/p>\n<p>Die Fernsehsendung \u201ePrecht\u201c erhielt bereits kurz nach ihrem Sendestart den \u201eDeutschen Fernsehpreis 2013\u201c in der Kategorie \u201eBesondere Leistungen\u201c.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> Die Juryvorsitzende Christiane Ruff betonte, dass \u201eRichard David Precht mit seinen aufregenden und anregenden Gespr\u00e4chen schon im ersten Sendejahr die deutsche Fernsehlandschaft\u201c bereichert.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a><\/p>\n<p>Als gestalterisches Merkmal der Sendung dient ihr <i>Look <\/i>\u2013 dessen Adresse die <i>Philosophie des Fernsehens<\/i> ist. Mit diesem spezifischen \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c-Look wird das Ziel verfolgt, nicht nur diskursiv und durch die Pers\u00f6nlichkeit Richard David Precht<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a>, sondern auch visuell ein spezifisches \u201ePrecht\u201c-Publikum <i>herzustellen<\/i>: In der n\u00e4chtlich wirkenden Studioatmosph\u00e4re fokussiert sich alles auf das Gespr\u00e4ch von Precht und seinen G\u00e4sten. Ein Publikum gibt es nicht. Die m\u00e4andernden hellen und dunklen Leuchtkreise, die auf dem schwarzen Bildhintergrund w\u00e4hrend der gesamten Sendungen erscheinen, erinnern an den abstrakten Kurzfilm \u201eAn Optical Poem\u201c von Oskar Fischinger aus dem Jahr 1938, den er f\u00fcr die Filmproduktions- und -verleihgesellschaft MGM drehte und in dem er sich schon zu Beginn des Tonfilms Gedanken \u00fcber die Verbindung von Musik und visuellen Effekten macht. F\u00fcr \u201eAn Optical Poem\u201c hat Fischinger die \u201eUngarische Rhapsodie Nr. 2\u201c von Franz List verwendet. Eine Rhapsodie passte als musikalische Form zur experimentellen Form des abstrakten Kurzfilms, um die Beziehungen und Hierarchien zwischen dem auditiven und visuellen Rhythmus zu erproben, denn die musikalischen Themen einer Rhapsodie stehen nicht in unmittelbarer Beziehung zueinander.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"An Optical Poem (1938) - Classic Short Film\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/_kTbt07DZZA?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Zum <i>Look<\/i> von \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c geh\u00f6rt v.a. die Studioatmosph\u00e4re, die wesentlich durch den Einsatz von Licht hergestellt wird: \u201eLicht ist<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>[&#8230;]<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>ein Prototyp einer Erzeugenden von Atmosph\u00e4ren\u201c (B\u00f6hme 2013, 139) und das wichtigste Mittel zur Inszenierung des Raumes. B\u00f6hme (ebd., 135) unterscheidet in seiner Auseinandersetzung mit der Herstellung von Atmosph\u00e4ren zwischen Licht und Helle, denn \u201edie Erfahrung des Lichts als solchem\u201c ist die \u201eHelligkeit\u201c, die nicht mit einer Lichtquelle gleichzusetzen ist: Es \u201eist nicht ein Sehen von etwas, sondern quasi ein Sehen schlechthin\u201c (ebd., 147). Das Wahrnehmen der \u201eHelle ist die Grunderfahrung des Sehens\u201c (ebd., 150). Abstufungen der Helle bestimmen die Weisen der Raumwahrnehmung und unser \u201eGef\u00fchl, im Raum zu sein\u201c (ebd., 152). F\u00fcr die Inszenierungskunst von R\u00e4umen ist die Helle als Gestaltungsmittel dazu da, Dinge auf bestimmte Art und Weise zu zeigen. In der Fernsehsendung \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c wird die Beleuchtungskunst, zusammen mit der Nahaufnahme, zum wesentlichen Mittel der Herstellung der spezifischen televisuellen Studio- bzw. \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201catmosph\u00e4re.<\/p>\n<p>Zur Kontrastierung von hell (Vordergrund, Gespr\u00e4chsraum) und dunkel (Hintergrund, Kulisse) werden in der Fernsehsendung beide Gespr\u00e4chspartner an einem Tisch platziert, der von zahlreichen niedrig geh\u00e4ngten Rundlampen eingekreist wird, die als Spots den intimen Gespr\u00e4chsort markieren und mit dem Tisch, der als runder Leuchtkegel erscheint, korrespondieren. Hierdurch wird der Eindruck erzeugt, dass das Gespr\u00e4ch im Licht der Erkenntnis stattfindet und eine, \u00fcberspitzt formuliert, <i>Erkenntnislichtung<\/i> hervorbringt. Der helle Kreisfokus der Lampen und des Tisches stehen in Opposition zum schwarzen Hintergrund und den auf diesem m\u00e4andernden dunkleren Leuchtkreisen. Durch diesen Einsatz von verschiedenen Formen der Helligkeit und Dunkelheit wird ein eigensinniger televisueller Raum (<i>Philosophie des Fernsehens<\/i>) erzeugt, in dem im Fernsehbild die Wahrnehmung des Fernsehens als Performanz von Bildstilen wahrnehmbar wird, und zugleich ein Aufmerksamkeitsraum geschaffen, der die Wahrnehmung von der <i>Philosophie im Fernsehen<\/i> erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Die Nahaufnahmen erzeugen zudem den Eindruck von Intimit\u00e4t, weil der Zuschauer durch sie an die Gespr\u00e4chspartner herangef\u00fchrt wird und das Gef\u00fchl erhalten soll, mit den Gespr\u00e4chspartner einerseits immer auf Augenh\u00f6he, also indirekt in die Diskussion involviert zu sein<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> bzw. das Denken und Reden der Gespr\u00e4chspartner live zu erleben &#8211; die Fernsehdialoge selbst.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Im Vorspann wird Precht entsprechend im Studio sitzend beim Denken und Schreiben vor der Sendung gezeigt. Dieser Vorspann endet mit einem auffordernden-autorit\u00e4ren Blick von Precht in die Kamera und der zeitversetzten Einblendung der einzelnen Worte des jeweiligen Sendungsthemas. Anschlie\u00dfend befindet sich der Zuschauer direkt in der Studiosituation, in der Precht hektisch eine kurze und aufgeregte Anmoderation in die Kamera spricht. Gelassenheit und Mu\u00dfe, die etwa f\u00fcr sokratisch-platonische Dialoge konstitutiv sind, fehlen bei \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c\/Precht mit Blick auf die Sendezeit (f\u00fcnfundvierzig Minuten) und hinsichtlich des Sendungsbewusstseins der beiden Gespr\u00e4chspartner, die sich kaum zum Denken, (Nach-)Fragen oder Zweifeln Zeit lassen, sondern sekundenschnell ihre (vorbereiteten) Thesen pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Die Nahaufnahmen beim Gespr\u00e4ch sollen zudem den Eindruck von Authentizit\u00e4t und Aufrichtigkeit erzeugen: Die Zuschauer k\u00f6nnen beiden Gespr\u00e4chspartnern permanent <i>ins Gesicht sehen<\/i>.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> Dieser Eindruck wird durch das Hin- und Herschwenken der Kamera bei den Nahaufnahmen erzielt, ebenso wie durch die Einblendung von Halbtotalen, um zu zeigen, dass die beiden Gespr\u00e4chspartner sich fast kontinuierlich ansehen, auch wenn der andere redet, und mit h\u00f6chster Aufmerksamkeit am Gespr\u00e4ch teilhaben und dem anderen zumeist demonstrativ durch Kopfnicken zustimmen.<\/p>\n<p>Grundlegend f\u00fcr die von Precht und seinem jeweiligen Gast aufgezeichnet-inszenierte <i>Philosophie im Fernsehen<\/i> ist das Performativ-werden der Anerkennungssituation. Das ist gleicherma\u00dfen entscheidend f\u00fcr die in diesem Format inszenierte <i>Philosophie des Fernsehens<\/i> \u2013 mit Blick auf die Bilder der wechselseitigen Beobachtung, Betrachtung und Innewerdung.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> Kamera, Licht und Schnitt er\u00f6ffnen einen parallel stattfindenden Dialog ohne sprachliche Zeichen, der entscheidend ist f\u00fcr die Produktion des philosophischen Fernsehdialogs und seine anschlie\u00dfende Rezeption durch die Zuschauer. Interessant hierbei ist, dass dieses Nicht-Sprachliche (<i>Bilder von Dialogen als Bild-Dialoge<\/i>) letztlich zur Bedingung der M\u00f6glichkeit f\u00fcr die Rezeption des Sprachlichen (<i>konkrete Dialoge<\/i>) wird.<\/p>\n<p>Ausnahmen hiervon stellen die wenigen Situationen dar, in denen die Gespr\u00e4chsteilnehmer, v.a. aber Precht selbst, zur Seite schauen und in sich hinein denken bzw. die Zuschauer sie beim <i>lauten Denken<\/i> beobachten k\u00f6nnen. Die Nahaufnahmen werden so zur Produktion des Bildes von der Vorstellung der Intimit\u00e4t eines Dialogs, an dem man als beobachtender Zuschauer unmittelbar teilnimmt. Dieser Eindruck des intimen Involviertseins der Zuschauer wird durch die starke Inszenierung der Mimik und Gestik der Gespr\u00e4chspartner erm\u00f6glicht, als wolle man auf B\u00e9la Bal\u00e1zs\u2019 (2001, 16ff.) Beschreibung des \u201esichtbaren Menschen\u201c zur\u00fcckweisen, auch wenn jener sich nur auf den Stummfilm bezog:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eSeine Geb\u00e4rden [die des Menschen der visuellen Kultur] bedeuten [&#8230;] unmittelbar sein irrationelles Selbst, und was sich auf seinem Gesicht und in seinen Bewegungen ausdr\u00fcckt, kommt von einer Schichte der Seele, die Worte niemals ans Licht f\u00f6rdern k\u00f6nnen. Hier wird der Geist unmittelbar zum K\u00f6rper, wortlos, sichtbar. [&#8230;] Der Film ist es, der den unter Begriffen und Worten versch\u00fctteten Menschen wieder zu unmittelbarer Sichtbarkeit hervorheben wird.\u201c<\/p>\n<p>Diese eigensinnige und ausdrucksstarke \u201eTelevisualit\u00e4t\u201c (Caldwell 1995) der Fernsehsendung \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c muss im Kontext allgemeiner fernseh\u00e4sthetischer Ver\u00e4nderungen betrachtet werden, wie sie von Stauff (2014, 314) rekonstruiert werden:<\/p>\n<p>\u201eMit einer Vervielf\u00e4ltigung und Ausdifferenzierung der technischen Verbreitungswege und mit einer Flexibilisierung und Individualisierung des Zugriffs auf die zahlreicher werdenden Programme adressiert das Fernsehen immer weniger eine anonyme (und m\u00f6glichst breite) Zuschauerschaft; stattdessen werden durch unterschiedliche Genres, Themen und Stile verschiedene Zielgruppen definiert. Dies hat zur Folge, dass die unterschiedlichen Sendungen auch st\u00e4rker differenziert werden und einen sofort wiedererkennbaren ,look\u2018 erhalten. Fernsehsendungen erlangen nicht zuletzt durch Anlehnung an filmische Inszenierungsformen oder durch Einsatz von (digitalen) Grafiken eine Identit\u00e4t, die sie aus dem Flow der Programme herausl\u00f6st und zugleich das (sub-)kulturelle Wissen bestimmter Zuschauergruppen aufgreift.\u201c<\/p>\n<p>Nicht nur der <i>Look<\/i> der Sendung soll zur \u00e4sthetischen Aufmerksamkeitsbindung und Markenbildung beitragen, sondern auch die Titelmusik. Der hierzu verwendete Song \u201eXOXO\u201c<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> vom deutschen Rapper Casper feat. Thees Uhlmann<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a>, der 2011 auf seinem gleichnamigen Album beim Label \u201eFour Music (Sony Music)\u201c erschienen ist, wird im <i>Intro<\/i> von einer Computerstimme (\u201eelection establish\u201c) und von computerisierten Selektions- und Schaltger\u00e4uschen eingeleitet und im <i>Outro<\/i> hiervon mit dem Satz \u201eelection aborted\u201c beendet. Diese selbstreflexive Rahmung der Sendung verweist darauf, dass man weniger davon ausgeht, im linearen Fernsehen gesehen zu werden, sondern vielmehr nicht-linear auf <i>second screens<\/i> in der ZDF-Mediathek. Auch hierdurch soll die Individualisierung der Fernsehnutzung im Allgemeinen und der Sendungsrezeption im Speziellen erh\u00f6ht werden.<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a> Die Titelmusik erklingt nur akustisch. Inhaltliche Bez\u00fcge zwischen dem Song und der Sendung bestehen nur latent: u.a. Drogen und Depression, als Beispiele f\u00fcr aktuelle gesellschaftliche Themen; oder die zerbrechliche Intensit\u00e4t einer Intimbeziehung. Die Interpretationswollust sollte hier allerdings nicht \u00fcberreizt werden, denn als Selektionsgr\u00fcnde k\u00f6nnen auch schlicht der Musikgeschmack der Redaktion und des Gastgebers fungieren sowie der Versuch, mit einem popul\u00e4ren K\u00fcnstler und einem <i>catchy<\/i> Song bzw. einem <i>Ohrwurm<\/i>, ein neues Fernsehformat zu popularisieren und dem popul\u00e4ren Song-Ged\u00e4chtnis hinzuzuf\u00fcgen sowie die Sendung \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c (auch) f\u00fcr eine j\u00fcngere Zielgruppe attraktiv erscheinen zu lassen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ein konkreter Bezugspunkt zwischen Song und Sendung besteht allerdings in einer Hinsicht: die Pippi-Langstrumpf-Philosophie der alternativen Wirklichkeitsperspektiven und <i>utopischen<\/i> bzw. <i>anarchistischen<\/i> Wirklichkeitsumgestaltungen:<\/p>\n<p>\u201eUnd immer wieder diese s\u00fc\u00dfen Endorphine-Sch\u00fcbe \/ Fliegen \u00fcber den Dingen \/ Leben die Lieder, die wir lieben \/ Die Pl\u00e4ne, die wir schmieden \/ Ungenau, jung und dumm \/ Wir malen uns die Welt in kuntergraudunkelbunt\u201c (Casper feat. Thees Uhlmann, <i>XoXO<\/i>).<\/p>\n<p>Die Beurteilung, ob Precht und seine G\u00e4ste diesen inhaltlich Anspruch einl\u00f6sen, d.h. alternative, unerwartete oder originelle Wirklichkeitsperspektiven herausarbeiten, und das von Precht formulierte Ziel der Sendung erreicht wird, also L\u00f6sungsangebote f\u00fcr die gegenw\u00e4rtigen Alltagsprobleme der Menschen zu formulieren, ist nicht Gegenstand meiner \u00dcberlegungen. Vielmehr geht es mir abschlie\u00dfend um die Diskussion der fernsehmedialen Umsetzung der spezifischen Gespr\u00e4chsform von \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c: Sind die Gespr\u00e4che bei \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c fernsehgerechte Formen eins philosophischen Dialogs?<\/p>\n<p>Die Fernsehdialoge von \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c kommen ohne die performative Dialektik des philosophischen Dialogs aus und inszenieren einen philosophischen Dialog ohne Dialogizit\u00e4t.<b> <\/b>Es findet keine Entwicklung einer Meinung zu einer konkreten Position statt \u2013 stellvertretend f\u00fcr das, was in sokratisch-platonischen Dialogen als Wahrheit bezeichnet wird \u2013, sondern es wird zumeist ein wortgewaltiger Crash-Kurs zu den jeweils zur Diskussion stehenden Themen pr\u00e4sentiert, fokussiert auf die bereits mehr oder weniger bekannten Thesen der Gespr\u00e4chspartner. Der <i>Sound<\/i> bzw. der <i>Klang<\/i> des Gesagten erscheint dabei h\u00e4ufig wichtiger als das Gesagte.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ergibt sich keine \u00fcberraschende Argumentationskonstellation, weil sich die beiden Gespr\u00e4chspartner zumeist einig sind. Die Gespr\u00e4che bei \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c sind daher \u00e4u\u00dferst selbstbez\u00fcglich. Entsprechend finden weder kontroverse Diskussionen noch Erl\u00e4uterung bzw. Problematisierung der vorgestellten Thesen statt, aber auch keine sachlich-explikativen Kl\u00e4rungen der verwendeten Leitbegriffe. Es gibt nur vereinzelt R\u00fcckbez\u00fcge in die Philosophiegeschichte, die aber nicht konkret kontextualisiert werden und so eher wie ein <i>Namedropping<\/i> oder die Ausstellung der eigenen philosophischen Gelehrsamkeit wirken, wodurch sie eine intellektuelle Alibifunktion erhalten. Der Dialog als Gespr\u00e4chsform dient bei \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c nicht zur sachlichen Kl\u00e4rung eines Begriffs oder eines Themas.<b> <\/b>Die Sendungsthemen werden nicht, wie es f\u00fcr die Darstellung philosophischer Probleme in Dialogen \u00fcblich ist, durch Rede und Gegenrede, Analyse und Synthese von Begriffen, Bildung von Hypothesen und die \u00dcberpr\u00fcfung von Thesen an Antithesen anschaulich gemacht.<\/p>\n<p>Hingegen dominieren in allen Folgen der Fernsehsendung zumeist starke und plakative Formulierungen wie z.B. die folgenden: \u201eZukunft spielt keine Rolle mehr\u201c, \u201eradikale Gegenwartsbezogenheit von Politik\u201c oder \u201eDiktatur der Gegenwart\u201c (Harald Welzer in der Sendung vom 08.09.2013 zum Thema \u201ePolitik ohne Plan \u2013 Wer denkt die Zukunft?\u201c)<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a>; \u201eWir konnten nichts gegen das B\u00f6se tun.\u201c (Ferdinand von Schirach in der Sendung vom 03.11.2013 zum Thema \u201eDas B\u00f6se im Menschen\u201c) oder \u201eHaben wir eigentlich eine Willensfreiheit, und gibt es \u00fcberhaupt Schuldf\u00e4higkeit?\u201c (Richard David Precht, ebd.)<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a>; \u201eIch glaube, dass Deutschland die beste Mitte Europas hat.\u201c (Nikolaus Blome in der Sendung von 05.02.2017 zum Thema \u201eVerlust der Mitte \u2013 Wohin driftet unsere Gesellschaft?\u201c) oder \u201eUnd ich glaube, das die gro\u00dfe Herausforderung, auf die wir zukommen, ist, Wohlstand f\u00fcr alle m\u00f6glicherweise nicht mehr auf der Basis von Arbeit f\u00fcr alle zu erm\u00f6glichen. Wenn wir das hinkriegen, haben wir vielleicht eine Chance, das, was uns heute in der Mitte wichtig ist, auch in der zuk\u00fcnftigen Gesellschaft halten zu k\u00f6nnen\u201c (Richard David Precht ebd.)<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a>.<\/p>\n<p>Diese dramatische Thesenakrobatik intendiert die Durchsetzung der eigenen bzw. gemeinsamen Meinungen, indem man durch geschickte Redekunst seinen Gespr\u00e4chspartner \u00fcberredet. Die Adresse dieser rhetorischen Stilistik stellen aber gr\u00f6\u00dftenteils die Zuschauer dar, die hierdurch eingeladen werden, sich von den pr\u00e4sentieren Meinungen \u00fcberreden zu lassen. Das Weiterdenken bleibt somit ausschlie\u00dflicher Gegenstand der individuellen Ereignisrezeption und ihrer potentiellen (lebensweltlichen oder professionellen) Fortf\u00fchrung. Eine vom ZDF initiierte \u00f6ffentliche Feedback-Kultur zur Sendung in den sozialen Medien, die eine Art kollektives Weiterdenken oder gemeinsames diskutieren der in den Sendungen vorgestellten Thesen erm\u00f6glicht, gibt es nicht \u2013 ebenso wenig einen von den Zuschauern eingerichteten Blog zur Sendung. Aus der Perspektive von Sokrates und Platon k\u00f6nnte man Precht und seine Gespr\u00e4chpartner insofern auch als Sophisten bezeichnen, weil in der Sendung \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c eine dramatische Wort- und Thesenakrobatik im Vordergrund steht und nicht der Wahrheitsanspruch einer Aussage.<\/p>\n<p>Die Gespr\u00e4che bei \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c zeichnen sich zudem h\u00e4ufig wie die sokratisch-platonischen Dialoge durch die Bildung einer moralischen Haltung aus: \u201eWenn wir jetzt nichts \u00e4ndern, wird es unser Land bald nicht<b> <\/b>mehr geben\u201c (Gerald H\u00fcther in der Sendung vom 02.09.2013 zum Thema \u201eSkandal Schule \u2013 Macht Lernen dumm?\u201c).<b><a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a> <\/b>Oder: \u201eTja, eigentlich ist Nicht-W\u00e4hlen keine M\u00f6glichkeit. Aber W\u00e4hlen unter den gegenw\u00e4rtigen Bedingungen auch nicht\u201c (Richard David Precht in der Sendung vom 08.09.2013 zum Thema \u201ePolitik ohne Plan \u2013 Wer denkt die Zukunft?\u201c).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=MnYzP3SbLk0\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=MnYzP3SbLk0<\/a><\/p>\n<p>Im Gegensatz zu einer dialogischen Erarbeitung von unterschiedlichen Perspektiven oder des Zueinanderfindens im Denken nach einer kontroversen und differenzierten Diskussion, bleiben am Ende der Gespr\u00e4che zumeist Merks\u00e4tze (im Ged\u00e4chtnis der Zuschauer) \u00fcbrig \u2013 nur zu wenigen Folgen hat das ZDF diese Merks\u00e4tze auf der \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c-Website dokumentiert. Als Beispiel hierf\u00fcr k\u00f6nnen die Merks\u00e4tze aus der Sendung vom 08.09.2013 zum Thema \u201ePolitik ohne Plan \u2013 Wer denkt die Zukunft?\u201c aufgef\u00fchrt werden. Dieses Thema diskutiert Richard David Precht mit dem Sozialpsychologen Harald Welzer:<\/p>\n<p>\u201eHARALD WELZER: Alle westlichen Gesellschaften sind in einer Situation angekommen, wo Zukunft keine Rolle mehr spielt, sondern wo es nur noch um die Restauration, um die Aufrechterhaltung eines br\u00fcchig gewordenen Status quo geht. Das hei\u00dft eine radikale Gegenwartsbezogenheit von Politik, man k\u00f6nnte beinahe sagen die Diktatur der Gegenwart, das Verschwinden von Zukunft \u2013 und das ist etwas, das in sich Demokratie gef\u00e4hrdend ist.\u201c<\/p>\n<p>\u201eRICHARD DAVID PRECHT: \u201eWir leben in einer Gesellschaft, in der das Netz so fest gezogen ist, dass, wenn sie irgendeine Ver\u00e4nderung machen wollen, sie sofort Lobbys auf die F\u00fc\u00dfe treten. [&#8230;] Wir leben in einer Aufregungsdemokratie \u2013 durch die Massenmedien \u2013, in der der am l\u00e4ngsten lebt, der sich am wenigsten aufregt, sondern m\u00f6glichst unbeteiligt \u2013 wie Angela Merkel zum Beispiel \u2013 durch alles hindurch geht.\u201c<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\">[32]<\/a><\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel f\u00fcr diese Philosophie der Merks\u00e4tze stellt die Sendung vom 07.09.2014 zum Thema \u201eBig Data \u2013 Wer kontrolliert die digitalen Superm\u00e4chte?\u201c dar, in der Precht mit dem Journalisten Gabor Steingart diskutiert:<\/p>\n<p>\u201eGABOR STEINGART: Es geh\u00f6rt zum aufkl\u00e4rerischen Charakter dieser Diskussion \u00fcber die Macht von Daten und Daten sammelnden Firmen dazu, dass man sich selbst Zeugnis ablegt \u00fcber die Janusk\u00f6pfigkeit dieser Veranstaltung: Dass man in der Tat Bequemlichkeit bekommt und daf\u00fcr Daten und damit produkt\u00e4hnliche Bestandteile liefert.\u201c<\/p>\n<p>\u201eRICHARD DAVID PRECHT: Wenn es die Normalit\u00e4t ist, dass ich alle Daten zur Verf\u00fcgung stelle und meine Pers\u00f6nlichkeit transparent mache, dann wird ja jeder, der das nicht macht, verd\u00e4chtig [&#8230;] Dazu passt auch, dass Google-Chef Eric Schmidt gesagt hat: ,Wenn Du nicht willst, dass wir etwas \u00fcber Dich wissen, dann tue es am besten erst gar nicht.\u2018\u201c<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\">[33]<\/a><\/p>\n<p><i><\/i>Durch diese plakative Philosophie der Merks\u00e4tze entsteht an der Stelle von philosophischer Erkenntnis ein Meinungskarussell bzw. -klima.<i> <\/i>Die Demonstration und Zitation von (philosophischem) Wissen findet hierbei journalistisch medien-reflexiv statt und wird vom medienpraktischen Wissen um die erfolgreiche sowie Adressaten-gerechte \u00d6konomie der Aufmerksamkeit bestimmt.<\/p>\n<p>\u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c pr\u00e4sentiert das philosophische Denken als eine Art <i>televisueller PowerPointPr\u00e4sentation<\/i>: P(r<i>e<\/i>chts) P(opul\u00e4res) P(laudern) und eben keine (dialogische) <i>Philosophie im Fernsehen<\/i> bzw. kein Philosophieren im Fernsehen. Genau darin besteht der performative Selbstwiderspruch der Sendung.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu den beiden anderen ZDF-Philosophiesendungen \u201enachtstudio\u201c und \u201eDas Philosophische Quartett\u201c, die sich durch einen <i>Fetisch der Komplexit\u00e4t<\/i> ausgezeichnet haben, dominiert bei \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c scheinbar das Pathos des Allgemeinen und Allgemeinverst\u00e4ndlichen. Gleichwohl wird die Sendung durch ein <i>Diktat des Individuellen<\/i> bestimmt, d.h. durch die Performativit\u00e4t von ICH-Positionen und ICH-Botschaften der beiden Gespr\u00e4chspartner, die nur ein latent sendungsbezogenes WIR bilden und sich dabei eher um individuelle Aufmerksamkeit als um kollektive Anschlussf\u00e4higkeit bem\u00fchen. Die philosophische Popularisierung von Wissen und die Philosophie als Adresse der Sendung werden so letztlich zu einer Fernseh-Sackgasse, in die der Bestseller-Autor Precht mit dem Medium Buch nicht zu geraten scheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Fazit<\/p>\n<p>An der Fernsehsendung<b> <\/b>\u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c wird deutlich, dass Philosophiesendungen im Fernsehen immer die Frage formulieren, ob Philosophie \u00fcberhaupt eine fernsehgerechte und popul\u00e4re Angelegenheit ist, die auf fernsehmediale Vermittlung dr\u00e4ngt. <i>Philosophie im Fernsehen<\/i> wird in Deutschland zumeist als philosophische Talkshow pr\u00e4sentiert, die den Dialog als Medium der philosophischen Wissenspopularisierung w\u00e4hlt, ohne dabei aber letztlich dialogisch im philosophischen Sinne zu sein. Dies gilt auch f\u00fcr die anderen beiden ZDF-Philosophiesendungen \u201enachtstudio\u201c und \u201eDas Philosophische Quartett\u201c, die zwar etwas dialogischer, aber letztlich doch zumeist monologisch waren. Das Fernsehen deckt hierbei unmittelbar den nicht fernsehkompetenten Gestus des Philosophierens bzw. der Philosophie als Inszenierung auf und setzt der philosophischen Wissenspopularisierung mediale Grenzen. Tiefgreifende Metamorphosen philosophischen Wissens durch die fernsehmediale Inszenierung von Philosophie fanden mit Blick auf die deutschen und deutschsprachigen Philosophiesendungen bisher nicht statt.<\/p>\n<p>Der Dialog ist anscheinend nicht das ad\u00e4quate Medium, um philosophische Gedanken im Fernsehen zu pr\u00e4sentieren und zu popularisieren.<b> <\/b>Hingegen k\u00f6nnte die von \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c pr\u00e4sentierte <i>televisuelle PowerPointPr\u00e4sentation<\/i> philosophischen Denkens, trotz der vorausgehenden Kritik, einen neuen Raum f\u00fcr die <i>Philosophie im Fernsehen<\/i> \u00f6ffnen, der f\u00fcr die beiden anderen ZDF-Philosophiesendungen \u201enachtstudio\u201c und \u201eDas Philosophische Quartett\u201c nicht vorstellbar war.<a href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\">[34]<\/a> Die nicht-dialogische und nicht-lineare Aneinanderreihung von plakativ-wortgewaltigen Formulierungen sowie Thesen bzw. das assoziative Denken von Precht und seinen Gespr\u00e4chspartnern ist fernsehmedial anschlussf\u00e4higer und einpr\u00e4gsamer als die komplexe dialogische Entwicklung von philosophischen Argumentationen.<b> <\/b>Diese plakative Popularisierung kann als unterhaltsame oder herausfordernde Einladungen verstanden werden, die eklektisch popul\u00e4r-philosophischen Wissens- und Meinungsfragmente weiterzudenken<a href=\"#_ftn35\" name=\"_ftnref35\">[35]<\/a> oder in die eigenen Argumentationen zu den jeweiligen Themen zu integrieren \u2013 vergleichbar den politischen Talkshows im Fernsehen.<\/p>\n<p>Im Fernsehformat \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c fungiert das Fernsehen als ein kulturelles Forum der Unterhaltung und Wissensvermittlung (vgl. Newcomb\/Hirsch 1983), vorausgesetzt, man l\u00e4sst sich darauf ein. Die Fernsehgespr\u00e4che in der Sendung \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c k\u00f6nnen zudem als eine eigensinnige Form <i>televisueller Essayistik<\/i> beschrieben werden. Das Fernsehen kann hier ein \u201eprivilegierte[r] Ort der popul\u00e4ren, interdiskursiven Wissensproduktion [sein]: Das Fernsehen greift selektiv auf die verschiedensten Wissensbest\u00e4nde und Ansichten einer Gesellschaft zu und \u00fcbersetzt diese \u2013 auch angesichts der Unbekanntheit des Publikums \u2013 meist in allgemein verst\u00e4ndliche und pr\u00e4gnante Bilder und Narrative\u201c (Stauff 2014, 310). <i>Philosophie im Fernsehen<\/i> braucht daher mit Blick auf \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c den aktiven Zuschauer, der sich konkret f\u00fcr die Personenkonstellationen und Themendramaturgien interessiert. Nur so erhalten die Sendungen einen Unterhaltungswert, ohne den das Fernsehen \u2013 in doppelter Hinsicht \u2013 nicht sendet.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick hat das Fernsehformat \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c nichts mit der von Engell und Fahle (2006b) skizzierten <i>Philosophie des Fernsehens<\/i> zu tun. Richard David Precht diskutiert als Moderator mit seinen jeweiligen G\u00e4sten. Sein spezifisches Sendungsformat definiert die Kommunikationsregeln, die M\u00f6glichkeiten ihrer Varianz und ihrer seriellen Fortsetzung. \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c ist so ein Beispiel f\u00fcr <i>Philosophie im Fernsehen<\/i>. Hierbei nutzt Richard David Precht die fernsehmediale \u00d6ffentlichkeit zur Bedeutungsproduktion und zur Inszenierung des philosophischen Dialogs \u2013 mit dem Effekt einer unterhaltend-unterhaltsamen Kommunikationsauff\u00fchrung und Wissensvermittlung. Die performative Stilistik von Precht und seinen G\u00e4sten dominieren hierbei die Gespr\u00e4chsf\u00fchrung. Insofern spielt die Anschlussf\u00e4higkeit des Gesagten nur eine untergeordnete Rolle und wird v.a. durch die demonstrative Darstellung von Pers\u00f6nlichkeit, Habitus, Stil und intellektuellem Kapital erzeugt.<a href=\"#_ftn36\" name=\"_ftnref36\">[36]<\/a> Die diskutierten Themen spielen in der \u00f6ffentlichen Auseinandersetzung mit den jeweiligen Themen kaum eine Rolle. Zudem m\u00fcnden diese Fernsehdialoge (zumeist) nicht in einem Konsens oder einer Synthese des Gesagten, sondern verbleiben ergebnisoffen oder enden mit der Ausstellung von Uneinigkeit (<i>seriell bedingte Variation<\/i>).<\/p>\n<p>Die Serialit\u00e4t dieser Performativit\u00e4t und Stilistik der Rede und Gegenrede sowie der Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale f\u00fchrt in den einzelnen Sendungen zu einer hohen inszenatorischen sowie kommunikativen Redundanz, die v.a. durch das Sendungsformat erzeugt wird (<i>seriell bedingte Wiederholung<\/i>). Gleichzeitig besteht in dieser Formatgrenze des Fernsehtalks eine gro\u00dfe Variabilit\u00e4t an Kommunikationsm\u00f6glichkeiten. Das Format \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c formatiert so den Fernsehtalk bzw. \u201eder Programmcharakter des Fernsehens f\u00fchrt zur Formatierung aller Inhalte\u201c (Stauff 2014, 310). Zugleich versuchen sich Precht und seine G\u00e4ste in ihren Fernsehgespr\u00e4chen dieser Formatierung zu entziehen, indem sie dem gew\u00f6hnlichen Fernsehtalk eine h\u00f6here kommunikative und intellektuelle Komplexit\u00e4t gegen\u00fcberstellen, um damit das herk\u00f6mmliche Format des Fernsehtalks bedingt zu subvertieren (<i>seriell bedingte Variation<\/i>).<\/p>\n<p>Die Auseinandersetzung mit der <i>Philosophie im Fernsehens<\/i> und der <i>Philosophie des Fernsehens<\/i> f\u00fchrt, wenn man beide Aspekte aufeinander bezieht, zur folgenden Frage: Kann man mit Blick auf den Dialog als Erkenntnismedium der Philosophie eine <i>Philosophie des Fernsehens<\/i> entwerfen, ohne Reflexion der grundlegenden Medialit\u00e4t des Philosophierens, also von Rede und Sprache bzw. der M\u00fcndlichkeit? Die aus der Perspektive der <i>Philosophie des Fernsehens<\/i> resultierende kategorische Ausblendung der M\u00fcndlichkeit und die daran anschlie\u00dfende ausschlie\u00dfliche Fokussierung auf das Fernsehbild erscheint eindimensional und theoretisch bem\u00fcht.<\/p>\n<p>Das Fernsehen ist im Unterschied zum Film ein konstitutiv redend-beredetes Medium und nicht nur ein Medium des schaltbaren Bildes, das sich wesentlich durch die Performanz von Bildstilen auszeichnet. Insofern muss bei der <i>Philosophie des Fernsehens<\/i> auch die eigensinnliche und eigensinnige M\u00fcndlichkeit des Fernsehens, als eine mit dem Bild gleichwertige und gleichgewichtige, explizit Betrachtung finden. Die M\u00fcndlichkeit des Fernsehens ist, ebenso wie seine Visualit\u00e4t, grundlegend zu unterscheiden von der des Films oder des Radios. Sie ist eine fernsehmediale Eigensinnigkeit, die nicht von einer techno-\u00e4sthetischen Perspektive auf das Fernsehen ignoriert werden bzw. zu einem allgemeinen Wesenszug jedweder medialen M\u00fcndlichkeit verkl\u00e4rt werden darf. Dar\u00fcber hinaus sind die von Engell und Fahle (2006b) herausgestellten Leitbegriffe der <i>Philosophie des Fernsehens<\/i>, v.a. die Begriffe Ereignis und Serie, auch geeignet, um die spezifische fernsehmediale M\u00fcndlichkeit zu begreifen. Diese Begriffe sind daher weder hinreichend noch notwendig exklusive Analysebegriffe des Fernsehbildes.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus leistet die von mir beschriebene visuelle Inszenierung philosophischen Wissens, also die \u201eTelevisualit\u00e4t\u201c der Fernsehesendung \u201ePrecht\u201c, einen Beitrag zu eigensinnigen philosophischen Formen und Formaten der <i>Philosophie des Fernsehens<\/i>.<\/p>\n<p>Die <i>Philosophie des Fernsehens<\/i> wie sie von Engell (2012), Fahle (2006) und Engell\/Fahle (2006b) rekonstruiert wird scheitert mit Blick auf die Fernsehsendung \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c daran, dass sie konstitutiv die M\u00fcndlichkeit ausblendet und sie nicht als gleichbedeutend mit der Bildlichkeit des Fernsehens zusammendenkt. Irritierend ist hierbei die voraussetzungslose Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der dieser Vorrang eingef\u00fchrt und ohne einen begr\u00fcndenden Vergleich <i>legitimiert<\/i> wird. Es handelt sich hierbei um einen performativen Selbstwiderspruch, einem Grundproblem der Philosophie im Herzen der (deutschen) Fernseh- und Medienphilosophie.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Das Philosophische Quartett: \u00dcberleben die St\u00e4rksten? Sozialdarwinismus als Irrglaube\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/5wiIz3PNTuY?start=10&#038;feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0Zur Unterscheidung verschiedener Konzepte Popul\u00e4rer Kultur vgl. u.a. die Beitr\u00e4ge in H\u00fcgel (2003a); Hecken (2007); Guins\/Cruz (2008). John Storey (1997, 6ff.) stellt sechs grundlegende Funktionen der popul\u00e4ren Kultur heraus: (1) Popul\u00e4re Kultur ist bei einer gro\u00dfen Zahl der Gesellschaftsmitglieder beliebt und wird von ihnen als Unterhaltungskultur massenhaft konsumiert bzw. rezipiert. (2) Popul\u00e4re Kultur ist Kultur ohne hochkulturelle Elemente. (3) Popul\u00e4re Kultur wird industriell produziert und massenmedial vermittelt f\u00fcr den (stereotypen, manipulativen, verdummenden) Massenkonsum. (4) Popul\u00e4re Kultur kommt aus dem Volk. (5) Popul\u00e4re Kultur ist widerst\u00e4ndig (Subkultur) und kritisiert die hegemoniale (Hoch-)Kultur. Gleichzeitig kann sie aber wiederum hegemonial werden, etwa in Form der kulturindustriell-entfremdenden Aneignung von erfolgreichen Subkulturen, wie etwa dem Punk. (6) Popul\u00e4re Kultur weist die Trennung zwischen hoher und popul\u00e4rer Kultur zur\u00fcck. Erg\u00e4nzen m\u00fcsste man: (7) Im Unterschied zur Hochkultur verfolgt die popul\u00e4re Kultur kein \u00fcbergeordnetes soziales und \u00e4sthetisches Ziel. Diese Auffassung fasst zahlreiche prominente Positionen zur Popul\u00e4ren Kultur, die seit den 1960er Jahren im anglo-amerikanischen Raum vertreten werden, zusammen (vgl. u.a. Swingewood 1977, 107; Grossberg\/Wartella\/Whitney 1998, 37).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0Die Epoche des Popul\u00e4ren beginnt ab Mitte des 19. Jahrhunderts, ist ein kultureller Zusammenhang moderner Gesellschaften und wird durch die Verb\u00fcrgerlichung der Unterhaltung bestimmt (vgl. H\u00fcgel 2003a, 3 u. 6).: \u201eSolange feste soziale, kirchliche und st\u00e4ndische Ordnungen vorherrschen, geht den kulturellen Ph\u00e4nomenen jener Deutungsspielraum ab, der f\u00fcr ,Popul\u00e4re Kultur\u2018 charakteristisch ist. [\u2026] Ohne Rezeptionsfreiheit, verstanden sowohl als Freiheit, das zu Rezipierende auszuw\u00e4hlen, als auch den Bedeutungs- und Anwendungsprozess mitzubestimmen \u2013 also ohne ein bestimmtes Ma\u00df an b\u00fcrgerlichen Freiheiten -, gibt es keine ,Popul\u00e4re Kultur\u2018.\u201c An anderer Stelle erg\u00e4nzt H\u00fcgel (2003c, 81): \u201eHistorizit\u00e4t der Unterhaltung bedeutet [\u2026] aber nicht nur, dass sie \u00fcber andere soziale Institutionen (v.a. solche der Medien) am geschichtlichen Prozess beteiligt ist, sondern dass sie selbst eine eigene institutionelle Tradition ausbildet. Und es ist die von dieser Tradition gestiftete Kultur, die wir als popul\u00e4r bezeichnen\u201c (vgl. hierzu das Phasenmodell zur Entwicklungsgeschichte der Popul\u00e4ren Kultur von 1850 bis 2000 in H\u00fcgel 2007, 92f.; vgl. zur Begriffs- und Diskursgeschichte des Wortes \u201epopul\u00e4r\u201c H\u00fcgel 2003c; 2007, 95-109; Kleiner 2017).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0Unter Popularisierung verstehe ich mit Blaseio\/Pompe\/Ruchatz (2005b, 9) allgemein den Versuch, \u201ebei einem im wesentlichen unspezifischen Publikum \u00fcber besondere Formen der Darbietung eine m\u00f6glichst breite Annahme von Aussagen zu erreichen. Und popul\u00e4r sind diejenigen, denen es gelingt, auf allgemeine Akzeptanz zu sto\u00dfen\u201c. Den Begriff Popularisierung verwende ich nicht normativ und hierarchisierend. Popul\u00e4res Wissen ist daher kein \u201eErgebnis einer Transformation wissenschaftlichen Wissens, sondern Resultat eines komplexen Prozesses der Herstellung und des Aneignens von Wissen, der durch alltagsweltliche, religi\u00f6se und mentale Voraussetzungen und Aushandlungen, durch explizite und implizite Wissensformen bestimmt ist\u201c (Boden\/M\u00fcller 2009, 8).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a>\u00a0Zwei Ausnahmen stellen die Sammelb\u00e4nde \u201ePopularisierung und Popularit\u00e4t\u201c (Blaseio\/Pompe\/Ruchatz 2005) sowie \u201ePopul\u00e4res Wissen im medialen Wandel seit 1850\u201c (Boden\/M\u00fcller 2009) dar. Allerdings markieren und diskutieren die Autor\/innen in beiden Kontexten nicht die Eigenst\u00e4ndigkeit Popul\u00e4rer Kulturen in den von ihnen beschriebenen popul\u00e4ren Projekten der Wissens-\/Wissenschaftspopularisierung. Popularisierung bezieht sich in diesen B\u00e4nden zumeist auf die Verwendung von popul\u00e4ren Medien der Zeit (Dia-Vortrag, Literatur, Radio, Film etc.); auf popul\u00e4re Ereignisse und interaktive Erlebniswelten (etwa die Weltausstellung) und auf die Idee der strategischen Popularisierung von Themen, Produkten und Personen (z.B. Kosmetik-Produkte und Hygiene-Diskurse oder Markenpers\u00f6nlichkeiten), um gr\u00f6\u00dfere Reichweite bzw. Bekanntheit zu erreichen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a>\u00a0Boden und M\u00fcller (2009, 7f.) weisen in diesem Kontext auf die ver\u00e4nderte Wahrnehmung von Wissens-\/Wissenschaftspopularisierungen seit Mitte der 1980er Jahre hin: \u201eFr\u00fche Beschreibungsmodelle, in denen Wissenspopularisierung als mehr oder weniger hierarchisch verlaufender und einseitig ausgerichteter Transfer zwischen Experten und Laien aufgefasst wurde, treten zunehmend hinter Konzepten zur\u00fcck, die R\u00fcckkopplungsprozesse zwischen Wissensproduzenten, Kommunikatoren und \u00d6ffentlichkeit betonen. Sie legen einen neuen Begriff der Popularisierung zugrunde, der nicht mehr ausschlie\u00dflich die allgemeinverst\u00e4ndliche und publikumswirksame Verbreitung (natur-)wissenschaft-lichen Wissens in den Blick nimmt, sondern kultur- und alltagsgeschichtliche, religi\u00f6se und andere identit\u00e4tsstiftende Voraussetzungen als Bedingungen der Rezeption und zugleich Produktion dieses Wissens einbezieht. Auf diese Weise erscheint Popularisierung nicht mehr als ein Prozess, der komplexes wissenschaftliches Wissen in manipulationsstrategischer Absicht simplifiziert, sondern als ein Vorgang, in dem sich Transformationen und Neuordnungen des Wissens als eine Interferenz zwischen Wissenschaft und \u00d6ffentlichkeit beschreiben lassen.\u201c Vgl. in diesem Kontext auch die Beitr\u00e4ge in Ohlendorf\/Reichart\/Schmidtchen (2015) und Mrozek\/Geisth\u00f6vel\/Danyel (2014). In beiden B\u00e4nden werden die Begriffe Popul\u00e4r\/Pop sowie Popul\u00e4rkultur\/Popkultur undifferenziert synonym verwendet (vgl. zur Differenzierung dieser beiden Begriffspaare Kleiner 2008, 2017; sowie die Beitr\u00e4ge in Kleiner\/Hecken 2017).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a>\u00a0http:\/\/www.zeit.de\/2012\/20\/Interview-Sloterdijk-Safranski (zuletzt aufgerufen am 15.08.2017).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a>\u00a0Ebd. vgl. hierzu auch die beiden Fernsehvortr\u00e4ge von Pierre Bourdieu (1998), \u201edie am 18. M\u00e4rz 1996 im Rahmen einer Reihe vom Coll\u00e8ge de France produzierter und vom Privatsender Paris Premi\u00e8re im Mai 1996 ausgestrahlter Kurse entstanden\u201c (ebd., 9). Hiermit \u00fcbt Bourdieu Fernsehkritik im Fernsehen, indem er durch eine selbstbestimmte Produktion auf alle konventionellen Inszenierungslogiken und Dramaturgien des Fernsehens verzichtet, um so die manipulativen Produktionsbedingungen des Fernsehens aufzudecken. Auch in diesem Fernsehexperiment bilden Popularit\u00e4t und Unpopularit\u00e4t ein spannungsreiches Interdependenzgeflecht: Bourdieu m\u00f6chte f\u00fcr seine Fernsehkritik eine breitere \u00d6ffentlichkeit und nicht nur wie gew\u00f6hnlich die Hochschul\u00f6ffentlichkeit ansprechen, verzichtet hierbei aber auf alle dazu relevanten popul\u00e4ren Inszenierungstechniken des Fernsehens, um eine entfremdete Rezeptionssituation zu erzeugen. Aus der daraus resultierenden Distanz zum Rezeptionsgegenstand soll bestenfalls eine kritische Reflexion \u00fcber die Produktion von Sichtbarkeit und von fernsehmedialen Diskursen initiiert werden.<b> <\/b>Dar\u00fcber hinaus kann auf die Diskurs-H\u00f6rb\u00fccher im <i>Suppos\u00e9-Verlag<\/i> verwiesen werden: so z.B. \u201e2 x 2 = Gr\u00fcn\u201c (Heinz von F\u00f6rster) oder \u201eFaktor X. Das Ding und die Leere\u201c (Slavoj Zizek). Popul\u00e4re Medien werden f\u00fcr (relativ) unpopul\u00e4re Wissenspr\u00e4sentationen genutzt, die sich aber in den entsprechenden Wissenschaftsszenen wiederum als popul\u00e4r erweisen. Es findet hierbei letztlich aber kein Einlassen auf die Eigensinnigkeit von Wissens- und Wissenschaftspopularisierungen im Medium Fernsehen sowie H\u00f6rbuch statt, ebenso wenig eine instruktive mediale Transformation wissenschaftlicher Wissensproduktion. Das Popul\u00e4r-Mediale wird hierbei als Mittel zum Zweck, nicht aber als Zweck an sich selbst betrachtet.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a>\u00a0H\u00f6sle (2006, 32) differenziert zwischen Dialog und Gespr\u00e4ch wie folgt: \u201e,Dialog\u2018 bezeichne ein literarisches Genre, ,Gespr\u00e4ch\u2018 eine direkte soziale Interaktion.\u201c Das literarische Genre des philosophischen Dialogs \u201espiegelt bzw. transformiert\u201c, so H\u00f6sle (ebd., 8), \u201eein reales Ph\u00e4nomen, den philosophischen Austausch zwischen verschiedenen Menschen. Dieser Austausch geh\u00f6rt [&#8230;] wesentlich zur Praxis des Philosophierens [&#8230;].\u201c Philosophisches Denken ist, wie Schn\u00e4delbach (1989, 24) betont, immer dialogisch: \u201eIn der Reflexion, d.h. dem Denken des Denkens, dem Nachdenken \u00fcber das Gedachte, der Thematisierung unserer Thematisierungsweisen usf., \u00fcbernimmt man stets abwechselnd die Rolle von Proponent und Opponent; man macht sich selbst Einw\u00e4nde, um sie nach M\u00f6glichkeit zu entkr\u00e4ften oder seine \u00dcberzeugungen mit Gr\u00fcnden zu \u00e4ndern.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a>\u00a0Vgl. v.a. Martin Buber (1923\/2008); Ferdinand Ebner (1921\/2009); Franz Rosenzweig (1921\/1988); Hermann Levin Goldschmidt 1948\/1993).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a>\u00a0Neben der Sendung \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c k\u00f6nnen exemplarisch die beiden Sendungen \u201eSternstunde Philosophie\u201c (SRF Kultur Gespr\u00e4chsreihe, 3sat) oder das ARTE-Magazin \u201ePhilosophie\u201c genannt werden.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a>\u00a0Interessanterweise sind im Unterschied zu seinen philosophischen Fernsehdialogen, die keine sonderlich bemerkenswerten Einschaltquoten erzielen oder besonders relevante Anschlusskommunikationen erzeugen, die publizistischen T\u00e4tigkeiten von Precht bedeutend erfolgreicher. In diesem Feld funktioniert die philosophische Wissenspopularisierung effektiver und nachhaltiger.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a>\u00a0Es geht mir in diesem Kapitel lediglich um eine knappe Skizze der Grundgedanken der <i>Philosophie des Fernsehens<\/i> wie sie von Engell und Fahle (2006a, 2006b) beschrieben wird, um diese mit Blick auf das Fernsehformat \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c von der <i>Philosophie im Fernsehen <\/i>heuristisch zu unterscheiden. Dar\u00fcber hinaus soll in Anlehnung an die hier rekonstruierten Bausteine einer <i>Philosophie des Fernsehens<\/i> gefragt werden, ob man das Fernsehformat \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c auch als Beispiel f\u00fcr die <i>Philosophie des Fernsehens<\/i> fungieren kann und nicht ausschlie\u00dflich <i>Philosophie im Fernsehen<\/i> repr\u00e4sentiert, gerade mit Blick auf die spezifische Performanz der Bildstile des Fernsehformats \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a>\u00a0Das <i>Ereignis<\/i> ist der zweite, zeitbezogene Leitbegriff der <i>Philosophie des Fernsehens<\/i>: \u201eEs hat zunehmend den Bildern vom Ereignis die ereignishaften Bilder zur Seite gestellt, also solche, die ihrerseits vor\u00fcbergehend sind, genauer: die ihren Charakter als vor\u00fcbergehende reflektieren. Die Bilder des Fernsehens sind nicht nur an- und abschaltbar, an- und abw\u00e4hlbar; sondern nur als schalt- und w\u00e4hlbare sind sie \u00fcberhaupt Bilder. [&#8230;] Das Fernsehen begreift sich [&#8230;] nicht mehr [&#8230;] \u00fcber das (andauernde, sichtbare) Bild selbst als vielmehr \u00fcber die ereignisf\u00f6rmige Differenz zwischen den Bildern, die es wiederum als Bild organisiert und reflektiert\u201c (ebd., 15).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a>\u00a0Die Organisation und Ordnung sowie den Zusammenhang und -halt des Fernsehens beschreiben Engell und Fahle (ebd., 17) mit der Zeitfigur der <i>Serie<\/i>: \u201eIm Konzept der Serie [&#8230;] denkt das Fernsehen \u00fcber die Wiederholung als notwendige Strukturgebung im Reich der Ereignis gewordenen Bilder nach, das das Fernsehen ist. Serien verkn\u00fcpfen nicht nur Ereignisse nach bestimmten Schemata miteinander, machen sie dadurch erwartbar und erinnerbar und verleihen den Ereignisketten eine je spezifische Identit\u00e4t, sondern sie reflektieren diese Verkn\u00fcpfungen und Varianten, machen sie sichtbar.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a>\u00a0Die leitenden televisuellen Technologie sind f\u00fcr Caldwell (1995): <i>Videoausspielung<\/i>, <i>Motion Control<\/i>, <i>elektronischer und nicht-linearer Schnitt<\/i>, <i>digitale Effekte<\/i>, <i>neues Filmmaterial<\/i> (<i>T-Korn<\/i>) und <i>Rank-Cintel<\/i>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a>\u00a0Vgl. http:\/\/www.intersciencefilm.de\/produktionen\/precht.html (zuletzt aufgerufen am 08.08.2017).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a>\u00a0In allen drei Philosophiesendungen werden stets, so rudiment\u00e4r auch immer, die vier Grundfragen der Philosophie (Wissen\/Tun\/Hoffen\/Mensch) adressiert. Dies dient einerseits als der Selbstidentifikation als Philosophie bzw. Philosoph, ist aber andererseits zugleich unter den Bedingungen des Fernsehens h\u00e4ufig das Einfallstor der Banalisierung philosophischen Wissens.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a>\u00a0http:\/\/www.intersciencefilm.de\/produktionen\/detail\/article\/precht-1.html (zuletzt aufgerufen am 08.08.2017).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a>\u00a0Vgl. http:\/\/www.deutscher-fernsehpreis.de\/archiv\/archiv-2013\/preistraeger-2013\/ (zuletzt aufgerufen am 08.08.2017).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a>\u00a0http:\/\/www.presseportal.de\/pm\/7840\/2564413 (zuletzt aufgerufen am 08.08.2017). Im Gegensatz zu dieser Auszeichnung gibt es von akademischer Seite aus kaum eine (\u00f6ffentliche) Anerkennung als bemerkenswerte Form der <i>Philosophie im Fernsehen <\/i>oder der <i>Philosophie des Fernsehens<\/i>. Die journalistische Auseinandersetzung mit \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c wurde in den ersten beiden Jahren nach dem Sendestart zumeist von h\u00e4mischer und despektierlicher Kritikwollust bestimmt: \u201eLeichter denken mit Richard David Precht. [&#8230;] Er liebt die Philosophie. Aber nicht hart gesch\u00fcttelt, sondern weichger\u00fchrt f\u00fcr\u2019s breite Publikum. Wie Hochgeistiges zum Softdrink wird, das kann man jetzt im ZDF nachvollziehen. [&#8230;] Da erklingen Weisheiten wie: Kinder sind keine F\u00e4sser, die man mit Wissen abf\u00fcllt. Oder: Das Bildungssystem ist keine Plantage, in der ein Obstg\u00e4rtner alles auf gleich trimmen kann. So reden Coaches\u201c (Marc Reichwein am 02.09.2012 in der WELT). \u201ePrecht macht dumm\u201c (Maximilian Probst am 03.09.2012 in ZEIT ONLINE). \u201eBildungsprotzer im Lichterkranz\u201c (Joachim Huber am 08.04.2013 in DER TAGESSPIEGEL). Nach 2013 ist diese starke Sendungskritik zur\u00fcckgegangen. Die Sendung wurde insgesamt positiver aufgenommen. Mittlerweile l\u00f6st \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c keine bemerkenswerten journalistischen Debatten mehr aus. Auch hier steht die Sendung in der Tradition mit den anderen beiden ZDF-Philosophiesendungen \u201enachtstudio\u201c und \u201eDas philosophische Quartett\u201c, die au\u00dferhalb von vereinzelten Feuilleton-Reaktionen, keinen bemerkenswerten Einfluss auf die \u00f6ffentliche Diskussion in Deutschland genommen haben. In Deutschland ist <i>Philosophie im Fernsehen<\/i> fast ausschlie\u00dflich ein Feuilletonthema.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a>\u00a0Das ZDF betreibt in diesem Kontext, hier repr\u00e4sentiert durch Peter Arens, einen strategischen Personenkult und versteht sich auch als mitverantwortlich f\u00fcr den gro\u00dfen publizistischen Erfolg von Precht: \u201e,Pr<i>e<\/i>cht\u2018 kommt! Das ZDF freut sich auf Richard David Precht, den Philosophen, der wie kein Zweiter in Deutschland das Modell des b\u00fcrgernahen, sichtbaren, engagierten Intellektuellen etabliert hat, wie die ZEIT einmal attestierte. Ein junger homme de lettres, \u00f6ffentlich und \u00f6ffentlichkeitswirksam, so wie es ihn allenfalls in den angels\u00e4chsischen, hispanischen oder franz\u00f6sischsprachigen Kulturen gibt. Ein Denker mit Abstand zum akademischen Elfenbeinturm, ein eminenter Erz\u00e4hler, ein nimmersatter Weltenbummler in den Gefilden der abendl\u00e4ndischen Philosophie, der so anschaulich und vergn\u00fcglich \u00fcber die schwierigsten Fragen unseres Lebens schreibt, dass seine Werke zu ph\u00e4nomenalen Auflagenh\u00f6hen kamen und kommen. Anfangs \u00fcbrigens nicht ganz ohne hilfreiche Unterst\u00fctzung aus dem ZDF. Es war Elke Heidenreich, die 2008 in ihrer Sendung ,Lesen!\u2018 Prechts Buch mit dem zum gefl\u00fcgelten Wort gewordenen Titel ,Wer bin ich und wenn ja, wie viele?\u2018 einer gro\u00dfen \u00d6ffentlichkeit als ,unverzichtbar\u2018 angepriesen und damit fast \u00fcber Nacht zu einem Longseller gemacht hat\u201c\u00a0http:\/\/www.intersciencefilm.de\/produktionen\/detail\/article\/precht-1.html (zuletzt aufgerufen am 09.08.2017).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a>\u00a0Allerdings bleiben die Zuschauer bei den philosophischen Fernseh-Dialogen, ebenso wie die Leser bei philosophischen (Text-)Dialogen, nur <i>Beobachter<\/i>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a>\u00a0Auffallend ist in diesem Kontext die rhetorische Typographie des Sendungstitels \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c: Precht ist echt, aber das Echte ist im Sendungstitel \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c in der Schieflage.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a>\u00a0Die N\u00e4he der Fernsehdialoge von \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c zur Dialogphilosophie von Martin Buber (1923\/2008) wird hierbei ebenso deutlich wie zu den sokratisch-platonischen Dialoge, f\u00fcr die die Anerkennung der Gleichwertigkeit und das Ernstnehmen aller Gespr\u00e4chspartner konstitutiv ist.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a>\u00a0\u201eXOXO\u201c steht im Netzjargon bei Emails, WhatsApp, SMS oder Chats f\u00fcr \u201eKuss (,X\u2018) und Umarmung (,O\u2018)\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a>\u00a0Thees Uhlmann ist ein popul\u00e4rer deutscher Musiker (S\u00e4nger von \u201eTomte\u201c, Solok\u00fcnstler) und Buchautor.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a>\u00a0Auch dies entspricht den allgemeinen fernsehmedialen Entwicklungen der letzten Jahre: \u201eDie zeitliche Entkopplung von Programmstruktur und Flow wird dabei durch neue Formen crossmedialer Ordnungssysteme kompensiert, die einen <i>audience flow<\/i> zwischen verschiedenen Ger\u00e4ten und Plattformen erm\u00f6glichen.<b> <\/b>[&#8230;]<b> <\/b>Die Individualisierung des Zugriffs wird begleitet von der Re-Sozialisierung des Fernsehschauens durch sogenanntes ,Social TV\u2018: W\u00e4hrend das Fernsehen mit seiner <i>Liveness<\/i> sowohl die Inhalte als auch die Rhythmen der Social-Media-Kommunikation erheblich mitstrukturiert, so integrieren Fernsehsendungen immer h\u00e4ufiger Verfahren, die eine zur Fernsehrezeption parallel laufende Nutzung von Social Media motivieren und strukturieren. Tablets und Mobiltelefone werden so zum <i>second screen<\/i> \u2013 einem den Fernsehschirm erg\u00e4nzenden und technisch sowie thematisch mit diesem verbundenen zweiten Display<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>[Hervorhebungen im Original]\u201c (Stauff 2014, 315).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a>\u00a0Vgl. https:\/\/www.zdf.de\/gesellschaft\/precht\/zitate-von-harald-welzer-und-precht-100.html (zuletzt aufgerufen am 15.08.2017).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a>\u00a0https:\/\/www.zdf.de\/gesellschaft\/precht\/zitate-von-precht-und-schirach-100.html (zuletzt aufgerufen am 15.08.2017).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a>\u00a0https:\/\/www.zdf.de\/gesellschaft\/precht\/precht-166.html (zuletzt aufgerufen am 15.08.2017).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a>\u00a0Vgl. https:\/\/www.zdf.de\/gesellschaft\/precht\/zitate-von-harald-welzer-und-precht-100.html (zuletzt aufgerufen am 15.08.2017).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> Vgl. https:\/\/www.zdf.de\/gesellschaft\/precht\/zitate-von-harald-welzer-und-precht-100.html (zuletzt aufgerufen am 14.08.2017).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\"><\/a><a href=\"#_ftnref33\u201c name=\">[33]<\/a>\u00a0Vgl. https:\/\/www.zdf.de\/gesellschaft\/precht\/zitate-von-steingart-und-precht-100.html (zuletzt abgerufen am 14.08.2017).<a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref34\u201c name=\">[34]<\/a>\u00a0Ganz vergleichbar geht das Arte-Magazin \u201ePhilosophie\u201c (seit 2008) vor, das vom franz\u00f6sischen Philosophen Rapha\u00ebl Enthoven\u00a0produziert und moderiert wird.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref35\u201c name=\">[35]<\/a>\u00a0Hierzu werden etwa zu einigen Sendungen spezifischen Lesetipps angeboten: https:\/\/www.zdf.de\/gesellschaft\/precht\/precht-166.html (zuletzt aufgerufen am 16.08.2017).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref36\u201c name=\">[36]<\/a> Die Ausstellung und h\u00e4ufig diskutierte Attraktivit\u00e4t der Person Richard David Precht ist eine Strategie der F\u00fchrung und Verf\u00fchrung, die von den Produzenten und professionellen Rezipienten (etwa Journalisten) gleicherma\u00dfen (positiv sowie kritisch) genutzt wird. Hierdurch soll eine unmittelbare kommunikative Anschlussf\u00e4higkeit erzeugt werden, auch wenn man den gef\u00fchrten philosophischen Diskursen nicht folgen kann, sich nicht wirklich f\u00fcr diese interessiert oder die Sendung gar nicht sieht. Das Ziel besteht darin, die Medienmarke Richard David Precht aufmerksamkeits\u00f6konomisch erfolgreich in den \u00f6ffentlichen Diskurs zu bringen bzw. dessen \u00f6ffentliche Bekanntheit weiter auszubauen. Gleichzeitig dient diese Adressierung h\u00e4ufig auch zur Diskreditierung der Person Richard David Precht als Show-Philosoph bei und zur Abwertung der Sendung als pseudo-philosophisch. Zumeist sind also weder die Inhalte noch das Medium Fernsehen Gegenstand der Auseinandersetzung mit dem Format \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c, sondern prim\u00e4r die Person Richard David Precht. F\u00fcr eine Auseinandersetzung im Kontext der <i>Philosophie des Fernsehens<\/i> erscheint \u201ePr<i>e<\/i>cht\u201c daher nicht relevant.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Literatur<\/p>\n<p>Bal\u00e1zs, B\u00e9la (2001): Der sichtbare Mensch oder die Kultur des Films. Frankfurt\/M.<\/p>\n<p>Blaseio, Gereon\/Pompe, Hedwig\/Ruchatz, Jens (Hrsg.) (2005): Popularisierung und Popularit\u00e4t. K\u00f6ln.<\/p>\n<p>Boden, Petra\/M\u00fcller, Dorit (Hrsg.) (2009): Popul\u00e4res Wissen im medialen Wandel seit 1850. Berlin.<\/p>\n<p>B\u00f6hme, Gernot (2013): Atmosph\u00e4re. Essays zur neuen \u00c4sthetik. Frankfurt\/M.<\/p>\n<p>Bourdieu, Pierre (1998): \u00dcber das Fernsehen. Frankfurt\/M.<\/p>\n<p>Buber, Martin (2008): Ich und Du. Stuttgart.<\/p>\n<p>Caldwell, John T. (1995): Televisuality: Style, Crisis and Authority in American Television. Brunswick, N.J.<\/p>\n<p>Cavell, Stanely (2001): Die Tatsache des Fernsehens. In: Ralf Adelmann\/Jan O. Hesse\/Judith Keilbach\/Markus Stauff\/Matthias Thiele (Hrsg.): Grundlagentexte zur Fernsehwissenschaft. Theorie \u2013 Geschichte \u2013 Analyse. Konstanz, 125-164.<\/p>\n<p>Ebner, Ferdinand (2009): Das Wort und die geistigen Relationen. Pneumatologische Fragmente. Hamburg.<\/p>\n<p>Engell, Lorenz (2012): Fernsehtheorie zur Einf\u00fchrung. Hamburg.<\/p>\n<p>Fahle, Oliver (2006): Das Bild und das Sichtbare. Eine Bildtheorie des Fernsehens. In:<b> <\/b>Oliver<b> <\/b>Fahle\/Lorenz Engell (Hrsg.): Philosophie des Fernsehens. M\u00fcnchen, 77-90.<\/p>\n<p>Fahle, Oliver\/Engell, Lorenz (2006a) (Hrsg.): Philosophie des Fernsehens. M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Fahle, Oliver\/Engell, Lorenz (2006b): Philosophie des Fernsehens \u2013 Zur Einf\u00fchrung. In: Dies. (Hrsg.): Philosophie des Fernsehens. M\u00fcnchen, 7-19.<\/p>\n<p>Goldschmidt, Hermann Levin (1993): Philosophie als Dialogik. Fr\u00fche Schriften. Werke 1. Wien.<\/p>\n<p>Guins, Raiford\/Cruz, Omayra Zaragoza (Hrsg.) (2008): Popular Culture. A Reader. Los Angeles\/London\/New Dehli\/Singapore.<\/p>\n<p>Hecken, Thomas (2007): Theorien der Popul\u00e4rkultur. Drei\u00dfig Positionen von Schiller bis zu den Cultural Studies. Bielefeld.<\/p>\n<p>Horster, Detlef (2008): Dialog. In: Peter Prechtl\/Franz-Peter Burkard (Hrsg.): Philosophie. Begriffe und Definitionen. Stuttgart\/Weimar, 112-113.<\/p>\n<p>H\u00f6sle, Vittorio (2006): Der philosophische Dialog. Eine Poetik und Hermeneutik. M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>H\u00fcgel, Hans-Otto (2007): Lob des Mainstreams. Zu Begriff und Geschichte von Unterhaltung und Popul\u00e4rer Kultur. K\u00f6ln.<\/p>\n<p>H\u00fcgel, Hans-Otto (Hrsg.) (2003a): Handbuch Popul\u00e4re Kultur. Begriffe, Theorien und Diskussionen. Stuttgart\/Weimar.<\/p>\n<p>H\u00fcgel, Hans-Otto (2003b): Einf\u00fchrung. In: Ders. (Hrsg.): Handbuch Popul\u00e4re Kultur. Begriffe, Theorien und Diskussionen. Stuttgart\/Weimar, 1-22.<\/p>\n<p>H\u00fcgel, Hans-Otto (2003c): Popul\u00e4r. In: Ders. (Hrsg.): Handbuch Popul\u00e4re Kultur. Begriffe, Theorien und Diskussionen. Stuttgart\/Weimar, 342-348.<\/p>\n<p>Kleiner, Marcus S. (2008): Pop fight Pop. Leben und Theorie im Widerstreit. In: Dirk Matejovski\/Marcus S. Kleiner\/Enno Stahl (Hrsg.): Pop in R(h)einkultur. Oberfl\u00e4chen\u00e4sthetik und Alltagskultur in der Region. Essen, 11-42.<\/p>\n<p>Kleiner, Marcus S. (2017): Popul\u00e4r und Pop. In: Marcus S. Kleiner\/Thomas Hecken (Hrsg.): Handbuch Popkultur. Stuttgart\/Weimar, 246-252.<\/p>\n<p>Kleiner, Marus S.\/Hecken Thomas (Hrsg.) (2017): Handbuch Popkultur. Stuttgart\/Weimar.<\/p>\n<p>Kretschmann, Carsten (Hrsg.) (2003): Wissenspopularisierung. Konzepte der Wissenspopularisierung im Wandel. Berlin.<\/p>\n<p>Mrozek, Bodo\/Geisth\u00f6vel, Alexa\/Danyel, J\u00fcrgen (Hrsg.) (2014): Popgeschichte. Bd. 2: Zeithistorische Fallstudien 1958-1988. Bielefeld.<\/p>\n<p>Newcomb, Horace M.\/Hirsch, Paul M. (1983): Television as a cultural forum: Implications for research. In: Quarterly Review of Film Studies, 8\/3, 45-55.<\/p>\n<p>Ohlendorf, Wiebke\/Reichart, Andr\u00e9\/Schmidtchen, Gunnar (Hrsg.) (2015): Wissenschaft meets Pop. Eine interdisziplin\u00e4re Ann\u00e4herung an die Popul\u00e4rkultur. Bielefeld.<\/p>\n<p>Rosenzweig, Franz (1988): Der Stern der Erl\u00f6sung. Frankfurt\/M.<\/p>\n<p>Schn\u00e4delbach, Herbert (1989): Zum Verh\u00e4ltnis von Diskurswandel und Paradigmenwechsel in der Geschichte der Philosophie. In: Dieter Krohn\/Detlef Horster\/J\u00fcrgen Heinen-Tenrich (Hrsg.): Das Sokratische Gespr\u00e4ch \u2013 Ein Symposium. Hamburg, 21-31.<\/p>\n<p>Stauff, Markus (2014): Fernsehen\/Video\/DVD. In: Jens Schr\u00f6ter (Hrsg.): Handbuch Medienwissenschaft. Stuttgart\/Weimar, 307-315.<\/p>\n<p>Storey, John (1997): An Introduction to Cultural Theory and Popular Culture. Hemel Hempstead.<\/p>\n<p>Swingewood, Alan (1977): The Myth of Mass Culture. London\/Basingstoke.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Zuerst ver\u00f6ffentlicht worden in: Marcus S. Kleiner, Thomas Wilke (Hg.): \u00bb<a href=\"https:\/\/www.transcript-verlag.de\/978-3-8376-3219-4\/populaere-wissenschaftskulissen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Popul\u00e4re Wissenschaftskulissen. \u00dcber Wissenschaftsformate in Popul\u00e4ren Medienkulturen<\/a>\u00ab, Transcript Verlag, Bielefeld 2017, S. 99-128.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"website kleiner\" href=\"http:\/\/medienkulturanalyse.de\/wp\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dr. Marcus S. Kleiner<\/a> ist Professor f\u00fcr Kommunikations- und Medienwissenschaft an der SRH Hochschule der popul\u00e4ren K\u00fcnste in Berlin und dort Studiengangleiter des Master-Studiengangs <a title=\"website srh\" href=\"https:\/\/www.hdpk.de\/de\/studium\/master\/erlebniskommunikation\/?gclid=EAIaIQobChMIy_-G2_3n1QIVZbXtCh01rQhjEAAYASAAEgKsDPD_BwE\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Erlebniskommunikation<\/a>. Beim SWR hat er die beiden Radio-Rubriken \u201eMusik-Professor\u201c und \u201eAnsichtssache\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\"><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PowerPointPr\u00e4sentation philosophischen Denkens<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[739,740,1489,1762,1771,1772,1999,2036],"class_list":["post-8203","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-fernseh-talkshow","tag-fernsehen","tag-medienphilosophie","tag-peter-sloterdijk","tag-philosophie","tag-philosophisches-quartett","tag-richard-david-precht","tag-ruediger-safranski"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8203","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8203"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8203\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8203"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8203"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8203"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}