{"id":8219,"date":"2018-09-10T09:34:18","date_gmt":"2018-09-10T07:34:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=8219"},"modified":"2018-09-10T09:34:18","modified_gmt":"2018-09-10T07:34:18","slug":"das-politische-konzept-heimatpopulismus-afd-csu-innenministeriumvon-annalina-lange10-9-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2018\/09\/10\/das-politische-konzept-heimatpopulismus-afd-csu-innenministeriumvon-annalina-lange10-9-2018\/","title":{"rendered":"Das politische Konzept \u201aHeimat\u2018Populismus, AfD, CSU, Innenministeriumvon Annalina Lange10.9.2018"},"content":{"rendered":"<p>Die Heimat der anderen<!--more--><\/p>\n<p>\u201aHeimat\u2018 ist ein ambivalenter Begriff, der historisch unterschiedlich definiert worden ist: Er kann sowohl einen Ort oder eine Landschaft als auch soziale Erinnerungen aus der Kindheit bezeichnen. Das Konzept \u201aHeimat\u2018 umschlie\u00dft darum \u201egeografische und geopolitische Auffassungen\u201c sowie \u201eeigene und fremde Wahrnehmungen und Sinnzuschreibungen.\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Diese beruhen auf fr\u00fchen Sozialisationserlebnissen und pr\u00e4gen weiterhin Identit\u00e4t und Weltauffassung einer Person.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Die Besch\u00e4ftigung mit einem Heimat-Raum beinhaltet deshalb u.a. auch dessen Rituale, Ideen und kulturelle Praktiken.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Bis zum 19. Jahrhundert war der Ausdruck \u201aHeimat\u2018 nur im Kontext des \u201aHeimatrechts\u2018 anzutreffen. Dies war ein sachlicher Begriff, der Rechts- und Versorgungsanspr\u00fcche eines Personenkreises regelte und einer Gemeinde zuwies.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> \u201aHeimat\u2018 war demnach regional gebunden und gew\u00e4hrleistete in Form des \u201eHeimatrechts\u201c materielle und emotionale Geborgenheit bzw. Kontrolle in Zeiten der Not.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Mit der Verfassung 1871 \u00fcbernahm der Staat jedoch diese Aufgaben und beseitigte so das Heimatrecht. Da der Staat jedoch anonymer und komplexer organisiert war und somit nicht die gleiche Betreuung bieten konnte, wurden die zuvor gekannten und erlebten Werte von Heimat emotional heraufbeschworen.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Mit der Industrialisierung kam es im 19. Jahrhundert zu Ver\u00e4nderungen im allt\u00e4glichen Leben, die von einigen als Bedrohung und Verlust des bisher Gewohnten wahrgenommen wurden. Gro\u00dfst\u00e4dte wurden f\u00fcr ihre K\u00fcnstlichkeit kritisiert<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> und fungierten darum als Grund f\u00fcr eine R\u00fcckbesinnung auf das Dorfidyll und die Vorstellung von einer \u201eunber\u00fchrte[n] Naturlandschaft\u201c.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Die \u201ebodenst\u00e4ndige Agrargesellschaft\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> wurde dabei zum imagin\u00e4ren Wunschbild und repr\u00e4sentierte eine Art Heimat.<\/p>\n<p>Mit der Wende zum 20. Jahrhundert kam die \u201aHeimatbewegung\u2018 auf, eine organisierte Reaktion auf die Industrialisierung. Sie zeigt sich in Jugend- und Wanderbewegungen, dem Unterrichtsfach \u201eHeimatkunde\u201c und Heimatschutzvereinen zur Erhaltung von Landschaft und Ortschaft. Auch die \u201aHeimatkunst\u2018 erlebt einen Aufschwung. Traditionelle G\u00fcter wie Trachten, Volkst\u00e4nze und Dialekte sollten bewahrt und konserviert werden. Dabei kam es auch zu einer Verkn\u00fcpfung von \u201aHeimat\u2018 und \u201aVaterland\u2018.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Diese Verkn\u00fcpfung verst\u00e4rkte sich in der Zwischenkriegszeit. \u201aHeimat\u2018 galt nicht mehr nur ein kleiner, regionaler Raum, sondern wurde gro\u00dfr\u00e4umig an \u201eVaterland und Nation\u201c gebunden. Nach dem verlorenen Krieg wandte man sich wieder verst\u00e4rkt der l\u00e4ndlichen Heimat und der Heimatkunde zu. \u201aHeimat\u2018 diente als mythologisch und ideologisch aufgeladener Propaganda-Begriff,<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> der nach 1930 von den Nationalsozialisten \u00fcbernommen wurde. Unter den Nationalsozialisten war \u201aHeimat\u2018 ein abstraktes, heroisierendes Bild, welches Nationalbewusstsein und Verteidigungswillen schaffen sollte.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Im Dritten Reich wurde \u201aHeimat\u2018 mit \u201eBlut und Boden\u201c gleichgesetzt und ist seit dem Untergang des Nationalsozialismus darum stark negativ konnotiert. Der Heimat-Begriff ist bis heute immer noch vorbelastet und wird deshalb mitunter tabuisiert.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten Fl\u00fcchtlinge und Vertriebene den Begriff f\u00fcr den Anspruch auf Grund und Boden. In der neuen Heimat hatte man nach einiger Zeit zwischen Vertrautem und Fremdem allerdings nur noch vage Erinnerungen an die vorherige Heimat.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/p>\n<p>In kulturindustriellen Produkten der 1950er Jahre wurde Heimat zum Klischee und Idyll: \u201aHeimatroman\u2018 und \u201aHeimatfilm\u2018. Mit dem \u201aWirtschaftswunder\u2018 verschwand die intensive Besch\u00e4ftigung mit Heimat zwar,<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> erlebte aber in den 1970er und 1980er Jahren eine Renaissance durch die Kritik an der Wachstumsgesellschaft.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Wie bereits w\u00e4hrend der Industrialisierung im 19. Jahrhundert f\u00fchrte dieser ver\u00e4ndernde Prozess zur R\u00fcckbesinnung auf Vorheriges und Vertrautes.<\/p>\n<p>Zugleich wurde der Heimat-Begriff aber in weiten Kreisen unver\u00e4ndert kritisch betrachtet, weil er f\u00fcr eine nationalistische und rassistische Politik nutzbar (geworden) war. Heimat galt linksliberalen Kritikern als eine \u201epolitisch gef\u00e4hrliche Gef\u00fchlsduselei\u201c,<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> nicht als ein legitimes soziales Gef\u00fchl. Daher war das Empfinden eines Heimat-Gef\u00fchls verp\u00f6nt und wurde als potentiell gef\u00e4hrlich eingestuft.<\/p>\n<p>Mit dem Aufkommen des Rechts-Populismus wird der Heimat-Begriff nun in politischen Diskussionen wieder verst\u00e4rkt verwendet und versuchsweise rehabilitiert. Die strikte Trennung zwischen dem \u201eEigenen\u201c und dem \u201eFremden\u201c<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a>, die reklamierte \u201eAngst vor \u00dcberfremdung und Durchmischung\u201c<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> der Gesellschaft geht zumindest zum Teil mit einer forcierten R\u00fcckbesinnung auf das \u201aHeimat-Gef\u00fchl\u2018 einher. Das hat aktuell unter dem CSU-Politiker Horst Seehofer sogar zur Umbenennung des Innenministeriums in \u201eBundesministerium des Innern, f\u00fcr Bau und Heimat\u201c gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Nicht immer wird auf den bekannten konservativen oder reaktion\u00e4ren Ansatz, im Namen der \u201aHeimat\u2018 Politik zu betreiben, mit einer grundlegenden Kritik am Heimat-Konzept geantwortet. Manchmal liest man auch davon, dass \u201aHeimat\u2018 nicht den \u201aRechten\u2018 \u00fcberlassen bleiben d\u00fcrfte, deshalb sei so etwas wie ein linker oder \u00f6kologisch inspirierter Versuch geboten, \u201aHeimat\u2018 als Schutzraum vor der \u201akapitalistischen Zersetzung\u2018 solidarischer Gemeinschaften und intakter Umwelt aufzurufen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich wird die Berufung auf \u201aHeimat\u2018 in Deutschland aber weit \u00fcberwiegend von rechten Str\u00f6mungen betrieben, die \u00fcber eine populistische Ausrichtung verf\u00fcgen. Bevor deren Heimat-Konzepte detailliert vorgestellt und analysiert werden, soll darum zun\u00e4chst ein Blick auf typisch populistische Politikvorstellungen geworfen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Populismus<\/p>\n<p>In seiner einfachsten Form ist Populismus ein \u201erhetorisches Stilmittel\u201c<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> und wird als \u201eStrategie des Machterwerbs\u201c<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> verwendet. Bei einer Erg\u00e4nzung gewisser inhaltlicher Aspekte kann man auch von einer \u201ed\u00fcnnen Ideologie\u201c<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> sprechen. Das fehlende Wertesystem verschafft dem Populismus eine inhaltliche Flexibilit\u00e4t und ist deshalb nicht nur als Schw\u00e4che einzustufen, da so jede beliebige Einstellung \u00fcbernommen werden kann. H\u00e4ufig wird Populismus als Cham\u00e4leon bezeichnet, das sich neuen Bezugssystemen anpasst und eine Anti-Haltung einnimmt.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a><\/p>\n<p>Innerhalb der variablen politischen Bez\u00fcge gibt es ein wichtiges Strukturelement: Zentral f\u00fcr den Populismus ist die enge Bindung ans \u201aVolk\u2018. Das \u201aVolk\u2018 gilt dabei als eine Gemeinschaft einfacher Leute, die strikt von der \u201aElite\u2018 abgegrenzt wird.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> Die Gesellschaft wird stark vereinfachend in das \u201ereine Volk\u201c und die \u201ekorrupte Elite\u201c<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> aufgeteilt. Diese Vorstellung ist \u201enicht politisch, sondern moralisch verankert\u201c.<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a> Populismus richtet sich gegen die sichtbar herrschende, \u201averborgene\u2018 oder im Aufstieg begriffene Elite und m\u00f6chte den Bed\u00fcrfnissen des \u201aVolkes\u2018 gegen sie Geh\u00f6r verschaffen. Dies erfolgt durch eine populistische F\u00fchrungsperson, die dem \u201aVolk\u2018 als Stimme dient.<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a> Diese ist in der Regel \u201echarismatisch, schillernd, unorthodox, extravagant, polarisierend\u201c<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a> und agiert im Modus des moralisierten Alleinvertretungsanspruchs: \u201eWir \u2013 und nur wir \u2013 repr\u00e4sentieren das wahre Volk.\u201c<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a><\/p>\n<p>Da die Abgrenzung von anderen Parteien sowie die angestrebte Volksn\u00e4he jedoch zu Vorgehensweisen und Zielen beinahe aller politischen Parteien geh\u00f6ren, trifft man h\u00e4ufig auf einzelne populistische rhetorische Elemente, ohne dass deshalb alle hinreichenden Charakteristika des Populismus erf\u00fcllt w\u00e4ren.<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a> Im westeurop\u00e4ischen Parteiensystem finden sich in der Praxis vieler Politiker populistische Elemente, ohne dass deren jeweilige Parteien darum zwingend populistisch w\u00e4ren.<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a><\/p>\n<p>Ein weiterer oft anzutreffender Bestandteil der populistischen Rhetorik sind Halbwahrheiten, Emotionalisierung und \u201aAngstmache\u2018.<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\">[32]<\/a> Probleme werden \u00fcbersteigert dargestellt, w\u00e4hrend zugleich eine vermeintlich einfache L\u00f6sung pr\u00e4sentiert wird. Dies geschieht nicht auf konstruktive Weise, sondern indem der Eindruck erweckt wird, dass die politischen Gegner sich bewusst und aus vermeintlich egoistischen Gr\u00fcnden einer L\u00f6sung verweigerten.<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\">[33]<\/a><\/p>\n<p>Ein bedeutendes Element des Populismus ist darum die Komplexit\u00e4tsreduktion. Die Komplexit\u00e4tsreduktion f\u00fchrt zu weiteren populistischen Stilmitteln: Provokation und Tabubruch.<a href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\">[34]<\/a> Populisten wollen ihrer Ansicht nach \u201etabuisierte, unliebsame und vernachl\u00e4ssigte Themen aufgreifen\u201c<a href=\"#_ftn35\" name=\"_ftnref35\">[35]<\/a> und diese direkt und ohne R\u00fccksicht auf <em>political correctness<\/em> ansprechen. Diese Rhetorik erweckt den Anschein, eine allgemein bekannte Tatsache ohne Besch\u00f6nigung zu adressieren und somit auch schwierige Thematiken und Probleme des \u201aVolkes\u2018 anzusprechen.<a href=\"#_ftn36\" name=\"_ftnref36\">[36]<\/a><\/p>\n<p>Als wichtigste, hinreichende Auspr\u00e4gung nicht nur der populistischen Rhetorik und Komplexit\u00e4tsreduktion, sondern des Populismus schlechthin ist wiederum das Freund-Feind-Verh\u00e4ltnis von \u201aVolk\u2018 und \u201aElite\u2018 zu nennen. Durch die Abgrenzung entstehen zwei Gegenpole. Die Dichotomie vereinfacht die Darstellung der Gesellschaft, reduziert das \u201aVolk\u2018 und die \u201aElite\u2018 aber auch auf wenige Merkmale.<a href=\"#_ftn37\" name=\"_ftnref37\">[37]<\/a> Das \u201aVolk\u2018 wird zur uniformen, tugendhaften Gemeinschaft,<a href=\"#_ftn38\" name=\"_ftnref38\">[38]<\/a> w\u00e4hrend der \u201aElite\u2018, den \u201ePolitikern und Meinungsmachern\u201c<a href=\"#_ftn39\" name=\"_ftnref39\">[39]<\/a>, Korrumpierbarkeit, Doppelz\u00fcngigkeit, Eigenn\u00fctzigkeit, Abgehobenheit und Arroganz zugesprochen wird.<\/p>\n<p>Der Volks-Begriff bleibt zwar ungenau und unhistorisch, zielt aber auf die Homogenit\u00e4t einer Gruppe. Das \u201aVolk\u2018 wird stets klassen- und schicht\u00fcbergreifend verstanden und besitzt einen einheitlichen Volkswillen.<a href=\"#_ftn40\" name=\"_ftnref40\">[40]<\/a> Es wird \u201ein seiner Gesamtheit romantisch verkl\u00e4rt und ausschlie\u00dflich als ehrlich, vern\u00fcnftig, hart arbeitend, anst\u00e4ndig und politisch m\u00fcndig dargestellt\u201c.<a href=\"#_ftn41\" name=\"_ftnref41\">[41]<\/a> Innerhalb der eigenen Gruppe kann es so nach dieser Ansicht nicht zu abweichenden Meinungen kommen. Das \u201eVolk\u201c ist hier ein \u201eeinheitlicher Organismus\u201c mit einer \u201eeinheitlichen (Volks-)Stimme\u201c.<a href=\"#_ftn42\" name=\"_ftnref42\">[42]<\/a><\/p>\n<p>Die \u201aElite\u2018 besteht im Weltbild des Populismus hingegen aus Privilegierten, die ihre Macht missbrauchen, statt den Willen des \u201aVolkes\u2018 zu artikulieren. Durch Korruption erhalten sie ihre m\u00e4chtige Position und schaffen so \u201esoziale und gesellschaftliche Probleme\u201c,<a href=\"#_ftn43\" name=\"_ftnref43\">[43]<\/a> die nicht ihnen, sondern der \u201aVolksgemeinschaft\u2018 schaden.<\/p>\n<p>Um den eigenen Forderungen Glaubhaftigkeit zu verleihen, verwenden Populisten das <em>common sense<\/em>-Argument. Dieses appelliert an den \u201agesunden Menschenverstand\u2018 und kn\u00fcpft an die Alltagserfahrungen der W\u00e4hler an. Dieser \u201agesunde Menschenverstand\u2018 beruht allerdings tats\u00e4chlich auf subjektiven Erfahrungen, aus denen ein generalisierter Sinn abgeleitet wird.<a href=\"#_ftn44\" name=\"_ftnref44\">[44]<\/a> So kann \u00fcber \u201emangelnde Rationalit\u00e4t und Logik\u201c<a href=\"#_ftn45\" name=\"_ftnref45\">[45]<\/a> hinwegget\u00e4uscht werden, weil die eigene Erfahrung einer Person deren Wahrnehmung von Realit\u00e4t pr\u00e4gt. Bei vielen <em>common sense<\/em>-Argumentationen werden \u201eprivate[r] und staatliche[r] Haushalt sowie [&#8230;] die Familie [mit der] Nation\u201c<a href=\"#_ftn46\" name=\"_ftnref46\">[46]<\/a> gleichgestellt. So wird eine einfachere Vorstellung komplexer Sachverhalte erm\u00f6glicht. Diese Operation f\u00fchrt zu einem simplen Weltbild, das \u201eauf Extreme reduziert\u201c<a href=\"#_ftn47\" name=\"_ftnref47\">[47]<\/a> wird.<\/p>\n<p>Mit diesem vereinfachten Weltbild verbunden ist ein \u201e<em>heartland\u201c<\/em>,<a href=\"#_ftn48\" name=\"_ftnref48\">[48]<\/a> eine positiv aufgeladene, \u00fcberschaubare, vertraute Lebenswelt. Dieses Universum stellt die \u201er\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Utopie einer romantisierten, idealen Welt\u201c dar.<a href=\"#_ftn49\" name=\"_ftnref49\">[49]<\/a> Das <em>heartland <\/em>bezeichnet das durch den <em>common sense<\/em> als nat\u00fcrlich wahrgenommene Weltbild, steht aber auch f\u00fcr lokale lebensweltliche Traditionen, die im Begriff der \u201aHeimat\u2018 verschmelzen. Diese wird nicht hinterfragt, erscheint aber als von innen und au\u00dfen bedroht.<a href=\"#_ftn50\" name=\"_ftnref50\">[50]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Rechts-Populismus<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Populismus allgemein die Unterscheidung von \u201aVolk\u2018 und \u201aElite\u2018 in Stellung bringt, unterscheidet der Rechts-Populismus spezifischer das Eigene vom Fremden. Das eigene \u201aVolk\u2018 steht im Rechts-Populismus gegen das Fremde, das Andere oder auch den Ausl\u00e4nder.<a href=\"#_ftn51\" name=\"_ftnref51\">[51]<\/a> Diese werden als st\u00f6rende Elemente einer sonst \u201egrunds\u00e4tzlich funktionierenden Ordnung\u201c<a href=\"#_ftn52\" name=\"_ftnref52\">[52]<\/a> angesehen. Rechts-Populismus entsteht, wenn die eigene \u201av\u00f6lkisch\u2018- oder nationalkulturelle Identit\u00e4t und Position im strikten Unterschied zu anderen Gruppen entworfen und im Vergleich mit ihnen aufgewertet wird. \u201ePolitische und soziale Teilhaberechte\u201c reserviert man dadurch f\u00fcr die \u201eeigene, autochthone Bev\u00f6lkerung\u201c<a href=\"#_ftn53\" name=\"_ftnref53\">[53]<\/a>.<\/p>\n<p>Ausgeschlossen werden im Rechts-Populismus alle, die nicht in den vermeintlich homogenen \u201aVolkscharakter\u2018 passen. Das sind meist \u201eImmigranten, Asylbewerber [oder] ethnische Minderheiten\u201c.<a href=\"#_ftn54\" name=\"_ftnref54\">[54]<\/a> Im aktuellen Diskurs betrifft dieser Ausschluss vorwiegend Muslime und Fl\u00fcchtlinge im Allgemeinen. Rechts-Populismus wirkt in erster Linie polarisierend zwischen einem nationalen \u201aWir\u2018 und \u201aden Anderen\u2018. Er setzt sich deshalb f\u00fcr die wirtschaftliche Entwicklung des eigenen \u201aVolkes\u2018 und den Schutz \u201aseiner\u2018 Kultur ein.<a href=\"#_ftn55\" name=\"_ftnref55\">[55]<\/a> Der Rechts-Populismus unterscheidet sich von anderen Auspr\u00e4gungen des Populismus also lediglich durch den besonderen Gegenpart zum \u201eVolk\u201c. Die Argumentationsgrundlagen sowie die Rhetorik bleiben gleich.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Gr\u00fcnde f\u00fcr den Populismus<\/p>\n<p>Populismus kann als Reaktion auf verschiedene Ursachen auftreten. Diese k\u00f6nnen sowohl \u00f6konomischer, politischer als auch kultureller Natur sein. In allen Ans\u00e4tzen fungiert Populismus jedoch als Krisen-Symptom. Wenn sich Teile der Bev\u00f6lkerung nicht mehr ausreichend ber\u00fccksichtigt und repr\u00e4sentiert f\u00fchlen, kann es zu einer akuten Krise kommen. Populismus artikuliert dann die Distanz von \u201aVolk\u2018 und \u201aElite\u2018 und tritt f\u00fcr \u201eVolkssouver\u00e4nit\u00e4t, [&#8230;] Volksbeteiligung und [&#8230;] mehr Kontrolle der Repr\u00e4sentanten\u201c ein.<a href=\"#_ftn56\" name=\"_ftnref56\">[56]<\/a> Populismus stellt demnach eine Reaktion auf die vorhandene oder gef\u00fchlte Distanz zur je aktuellen Ausgestaltung des politischen Systems dar.<\/p>\n<p>Die Konjunktur des Populismus kann zudem \u00f6konomische Grundlagen besitzen, etwa wenn sich wegen der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich die Mittelschicht vor dem sozialen Abstieg f\u00fcrchten muss.<a href=\"#_ftn57\" name=\"_ftnref57\">[57]<\/a> Solche Existenz\u00e4ngste k\u00f6nnen Betroffene politisch mobilisieren und das Vertrauen in herrschende Parteien und Politiker schw\u00e4chen. Zugleich verst\u00e4rkt sich dadurch das Bild der \u201ahart arbeitenden Bev\u00f6lkerung\u2018, abgesetzt von dem der \u201aeigenn\u00fctzigen Politiker\u2018.<\/p>\n<p>Populismus kann ebenfalls kulturell bedingt sein. Durch die Globalisierung ver\u00e4ndern sich moderne Gesellschaften, dies kann zur Angst vor Identit\u00e4tsverlust f\u00fchren, wenn die verst\u00e4rkte Durchl\u00e4ssigkeit f\u00fcr Waren, Dienstleistungen und Arbeitskr\u00e4ften aus vielen Teilen der Welt das Konstrukt einer \u201ahomogenen Kultur\u2018 bedroht.<a href=\"#_ftn58\" name=\"_ftnref58\">[58]<\/a> Populismus entsteht demnach meist aus einer Krise und den zugeh\u00f6rigen \u00c4ngsten, aus \u201eErfahrungen des Kontrollverlusts und des Ausgeliefertseins\u201c.<a href=\"#_ftn59\" name=\"_ftnref59\">[59]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Der Zusammenhang von Rechts-Populismus und \u201aHeimat\u2018<\/p>\n<p>Nach diesen Erl\u00e4uterungen zum Heimat-Konzept und dem des \u201aRechts-Populismus\u2018 soll im Folgenden ihre Verkn\u00fcpfung dargestellt werden. Der Zusammenhang von Rechts-Populismus und \u201aHeimat\u2018 wird in der bisherigen Populismus-Forschung zwar nicht umfangreich ber\u00fccksichtigt, ist aber durchaus ein wichtiger Faktor.<\/p>\n<p>Im Rechts-Populismus liegt der Fokus auf dem Eigenen, welches im Vergleich aufgewertet wird und wegen akuter Bedrohung bewahrt werden soll. \u201aHeimat\u2018 wiederum steht sowohl f\u00fcr einen Ort als auch f\u00fcr ein Gef\u00fchl. Dieses wird aus ersten Erinnerungen an Vertrautes gewonnen und bezeichnet darum etwas, das eine Person zu ihrem Eigenen z\u00e4hlt. \u201aHeimat\u2018 schafft die Grundlage f\u00fcr die wahrgenommene Identit\u00e4t und bestimmt auch Werte und Verhaltensformen. Das vertraute Eigene beruht folglich auf individuellen Erfahrungen und Auffassungen von Heimat. Diese k\u00f6nnen, m\u00fcssen aber nicht die Basis f\u00fcr das populistische Heimat-Konzept bilden. Zumindest muss jedoch durch eine erfolgreiche Evokation des \u201agesunden Menschenverstandes\u2018 und der \u201anat\u00fcrlichen Lebenswelt\u2018 beim jeweiligen Anh\u00e4nger populistischer Positionen der Eindruck entstehen, seine politische und weltanschauliche Anschauung sei mit der \u201aHeimat\u2018 unmittelbar verbunden.<\/p>\n<p>Im Rechts-Populismus kann beim gef\u00fchlten Verlust der Heimat sowohl der lokale als auch der psychologische Aspekt aufgegriffen werden. Auch wenn der Heimat-Begriff in diesem Zusammenhang nicht explizit genannt wird, wird durch den Appell an das Eigene auf ihn verwiesen. Da \u201aHeimat\u2018 seit vielen Jahrzehnten zudem teilweise ein sehr umstrittener Begriff ist, wird er f\u00fcr den Rechts-Populismus besonders interessant. Durch die Begriffsverwendung kann Aufmerksamkeit generiert, <em>political correctness<\/em> herausgefordert werden. Er verleiht der Rechten die M\u00f6glichkeit, sich als Tabu-Brecher zu inszenieren, welcher die Wahrheit offen ausspricht.<\/p>\n<p>Wenn im Rechts-Populismus der Heimat-Begriff verwendet wird, appelliert dieser an ein individuelles Gef\u00fchl, welches nicht weiter definiert werden muss. Diese emotionale Herangehensweise steht in Verbindung mit dem <em>common sense<\/em> und dem <em>heartland<\/em>, weil sie eine scheinbar nat\u00fcrliche Wahrnehmung der eigenen Lebenswelt darstellt. Dadurch, dass der Begriff klar und logisch erscheint, jedoch sehr individuell und vage ist, k\u00f6nnen viele Menschen angesprochen werden. Auch ohne genau nachweisen zu m\u00fcssen, was tats\u00e4chlich gef\u00e4hrdet ist, k\u00f6nnen \u00c4ngste gesch\u00fcrt und so Anh\u00e4nger und W\u00e4hler gewonnen werden.<\/p>\n<p>Der Heimat-Begriff ist somit ein wichtiger Bestandteil f\u00fcr den Wahlkampf von rechts-populistischen Parteien. Er muss in diesem Zusammenhang nicht immer klar benannt werden, sondern kann auch durch \u00e4hnliche Begriffe wie \u201adas Eigene\u2018 oder \u201aVertraute\u2018 ersetzt werden. Obwohl die Bindung an einen Staat kein individuelles Heimat-Gef\u00fchl darstellt, kann \u201aHeimat\u2018 aber auch wirkungsvoll in den nationalen Zusammenhang gestellt werden. Es ist deshalb sinnvoll, sich im Zusammenhang des Rechts-Populismus mit \u201aHeimat\u2018 auseinanderzusetzen und zu untersuchen, wie und wof\u00fcr der Heimat-Begriff genutzt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Populistische Elemente im Grundsatzprogramm der AfD<\/p>\n<p>Als ein Beispiel f\u00fcr eine (rechts-)populistische Rhetorik und Politikkonzeption darf teilweise das Grundsatzprogramm der AfD aus dem Jahr 2016 gelten. Wie ausf\u00fchrlich erl\u00e4utert, ist ein wichtiges populistisches Merkmal die Kritik an den herrschenden, \u201avolksabgewandten\u2018 Eliten. Diese vertreten nach populistischer Ansicht nicht mehr den Willen des \u201aVolkes\u2018, sondern erhalten lediglich ihre eigene Machtposition. Im Grundsatzprogramm der AfD hei\u00dft es entsprechend:<\/p>\n<p>\u201eHeimlicher Souver\u00e4n ist eine kleine, machtvolle politische F\u00fchrungsgruppe innerhalb der Parteien. Sie hat die Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte zu verantworten. Es hat sich eine politische Klasse von Berufspolitikern herausgebildet, deren vordringliches Interesse ihrer Macht, ihrem Status und ihrem materiellen Wohlergehen gilt. Es handelt sich um ein politisches Kartell, das die Schalthebel der staatlichen Macht, soweit diese nicht an die EU \u00fcbertragen worden ist, die gesamte politische Bildung und gro\u00dfe Teile der Versorgung der Bev\u00f6lkerung mit politischen Informationen in H\u00e4nden hat.\u201c<a href=\"#_ftn60\" name=\"_ftnref60\">[60]<\/a><\/p>\n<p>In diesem Abschnitt des Grundsatzprogramms werden die f\u00fchrenden Politiker anderer Parteien als abgehobene \u201aEliten\u2018 bezeichnet, welche f\u00fcr die Miseren der Vergangenheit und Gegenwart verantwortlich seien. Als aktuelles Beispiel f\u00fcr solch eine von den \u201aEliten\u2018 \u00a0herbeigef\u00fchrte Misere wird von der AfD oft die Asylpolitik angef\u00fchrt. Ihr werden weitreichende Folgen zugesprochen. Die Rede von der \u201erasante[n], unaufhaltsame[n] Besiedlung Europas\u201c<a href=\"#_ftn61\" name=\"_ftnref61\">[61]<\/a> \u00fcbersteigert das Problem und erweckt ein Untergangsszenario. Abgewendet werden kann diese \u201aunaufhaltsame\u2018 Krise nach Auffassung der AfD jedoch durch eine (scheinbar) einfache L\u00f6sung: \u201eKeine irregul\u00e4re Einwanderung \u00fcber das Asylrecht\u201c.<a href=\"#_ftn62\" name=\"_ftnref62\">[62]<\/a><\/p>\n<p>Das \u201eschleichende Erl\u00f6schen der europ\u00e4ischen Kulturen\u201c soll so verhindert,<a href=\"#_ftn63\" name=\"_ftnref63\">[63]<\/a> die eigene Identit\u00e4t gef\u00f6rdert werden. In der Pr\u00e4ambel des Grundsatzprogramms hei\u00dft es zudem: \u201eWir sind offen gegen\u00fcber der Welt, wollen aber Deutsche sein und bleiben.\u201c<a href=\"#_ftn64\" name=\"_ftnref64\">[64]<\/a> An diesen Stellen nimmt die AfD eine Unterscheidung des Eigenen und des Fremden vor, bei der die eigene Kultur und Identit\u00e4t stark aufgewertet werden. Beides scheint gef\u00e4hrdet und muss deshalb gesch\u00fctzt werden. Dies zeigt sich auch in der Ablehnung von \u201eMultikulturalismus\u201c, der als \u201eIdeologie\u201c bezeichnet und ebenfalls als \u201eBedrohung\u201c wahrgenommen wird.<\/p>\n<p>\u201eDie Ideologie des Multikulturalismus, die importierte kulturelle Str\u00f6mungen auf geschichtsblinde Weise der einheimischen Kultur gleichstellt und deren Werte damit zutiefst relativiert, betrachtet die AfD als ernste Bedrohung f\u00fcr den sozialen Frieden und f\u00fcr den Fortbestand der Nation als kulturelle Einheit. Ihr gegen\u00fcber m\u00fcssen der Staat und die Zivilgesellschaft die deutsche kulturelle Identit\u00e4t als Leitkultur selbstbewusst verteidigen.\u201c<a href=\"#_ftn65\" name=\"_ftnref65\">[65]<\/a><\/p>\n<p>Von Menschen mit Migrationshintergrund wird die Integration gefordert. Der Islam erf\u00e4hrt darum eine strikte Ablehnung, weil er nicht mit deutschen Werten in Einklang gebracht werden k\u00f6nne. Er gilt als Gefahrenquelle f\u00fcr Radikalisierung und \u201eislamische Parallelgesellschaften\u201c und h\u00e4lt als das schlechthin Andersartige folglich dem Vergleich mit dem Eigenen in keiner Weise stand. Die Abgrenzung zu ihm f\u00e4llt entsprechend klar aus:<\/p>\n<p>\u201eDer Islam geh\u00f6rt nicht zu Deutschland. In seiner Ausbreitung und in der Pr\u00e4senz einer st\u00e4ndig wachsenden Zahl von Muslimen sieht die AfD eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr unseren Staat, unsere Gesellschaft und unsere Werteordnung.\u201c<a href=\"#_ftn66\" name=\"_ftnref66\">[66]<\/a><\/p>\n<p>Diese Ablehnung des Anderen gr\u00fcndet sowohl auf einer Emotionalisierung als auch auf dem Urteil des \u201egesunden Menschenverstandes\u201c, weshalb es keiner weiteren Erkl\u00e4rung der genauen Gefahr bedarf. Der \u201em\u00fcndige B\u00fcrger\u201c ist f\u00fcr die AfD nicht der Wahlb\u00fcrger, sondern genauer derjenige, der \u00fcber \u201egesunden Menschenverstand\u201c verf\u00fcgt; f\u00fcr ihn erkl\u00e4rt sich die AfD als \u201e\u201aPartei des gesunden Menschenverstandes\u2018\u201c generell zust\u00e4ndig, insofern deklariert sich die AfD als Partei des \u201aVolks\u2018 bzw. des Volkssouver\u00e4ns. Der \u201egesunde Menschenverstand\u201c dient darum auch als Quelle und Erkl\u00e4rung f\u00fcr das selbstverst\u00e4ndliche Interesse der B\u00fcrger an Elementen direkter Demokratie:<\/p>\n<p>\u201eAls \u201aPartei des gesunden Menschenverstandes\u2018 setzen wir auf das politische Urteilsverm\u00f6gen und die Verantwortungsbereitschaft der m\u00fcndigen B\u00fcrger. Richtschnur unseres Handelns ist die Grund\u00fcberzeugung, dass die B\u00fcrger das politische Geschehen so weit wie m\u00f6glich selbst bestimmen k\u00f6nnen sollen.\u201c<a href=\"#_ftn67\" name=\"_ftnref67\">[67]<\/a><\/p>\n<p>Im Sinne des \u201agesunden Menschenverstands\u2018 kritisiert die AfD ebenfalls die Besch\u00f6nigung bzw. Tabuisierung von Themen. Diese sollen stattdessen offen angesprochen werden, wobei \u201epolitisch ,korrekte\u2018 Sprachvorgaben\u201c entschieden abgelehnt werden.<a href=\"#_ftn68\" name=\"_ftnref68\">[68]<\/a> Deshalb wendet sich die AfD etwa \u201egegen eine Diffamierung von Islamkritik als ,Islamophobie\u2018 oder ,Rassismus\u2018.\u201c<a href=\"#_ftn69\" name=\"_ftnref69\">[69]<\/a><\/p>\n<p>Festhalten kann man darum: Im Grundsatzprogramm der AfD finden sich populistische Elemente wie Kritik an Eliten, Komplexit\u00e4tsreduktion, Emotionalisierung, \u201aAngstmache\u2018 und die Forderung nach direkt-demokratischen Elementen sowie freier Rede \u00fcber tabuisierte Themen. Die Unterscheidung zwischen Eigenem und Fremden und die dazugeh\u00f6rige Auf- und Abwertung weist zudem eine rechts-populistische Tendenz auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Der Heimat-Begriff im Grundsatzprogramm der AfD<\/p>\n<p>Der Heimat-Begriff findet sich im Grundsatzprogramm der Alternative f\u00fcr Deutschland aus dem Jahr 2016 mit Bezug auf Asylbewerber und deren Herkunftsl\u00e4nder, aber auch mit Bezug auf Deutschland wieder. \u201aHeimat\u2018 wird auch anderen zugestanden, allerdings nur in ihrer vermeintlich angestammten Umwelt: Asylbewerbern solle \u201eder Verlust der Heimat\u201c<a href=\"#_ftn70\" name=\"_ftnref70\">[70]<\/a> erspart und \u201emenschenw\u00fcrdiges Leben in ihrer Heimat\u201c<a href=\"#_ftn71\" name=\"_ftnref71\">[71]<\/a> erm\u00f6glicht werden, darum sollte die \u201eFluchtursache im Heimatland\u201c<a href=\"#_ftn72\" name=\"_ftnref72\">[72]<\/a> bek\u00e4mpft werden. Weitere Formulierungen dieser Art sind \u201eWiederaufbau des Heimatlandes\u201c,<a href=\"#_ftn73\" name=\"_ftnref73\">[73]<\/a> \u201eheimatnahe Fl\u00fcchtlingslager\u201c<a href=\"#_ftn74\" name=\"_ftnref74\">[74]<\/a> und \u201ein ihrer Heimat haben sie alle Br\u00fccken abgebrochen\u201c.<a href=\"#_ftn75\" name=\"_ftnref75\">[75]<\/a><\/p>\n<p>Auf Deutschland bezogen findet sich der Heimat-Begriff bei der Forderung nach Integration (jeder Einwanderer muss sich \u201eseiner neuen Heimat\u201c<a href=\"#_ftn76\" name=\"_ftnref76\">[76]<\/a> anpassen), Wohnungspolitik (\u201eWohneigentum schafft Heimatbindung\u201c<a href=\"#_ftn77\" name=\"_ftnref77\">[77]<\/a>) und der Forderung, Gold in Deutschland aufzubewahren (\u201eGold heimholen\u201c<a href=\"#_ftn78\" name=\"_ftnref78\">[78]<\/a>), wieder. Des Weiteren ist die Rede von \u201eeinheimischen Unternehmen\u201c,<a href=\"#_ftn79\" name=\"_ftnref79\">[79]<\/a> \u201eeinheimischer Bev\u00f6lkerung\u201c,<a href=\"#_ftn80\" name=\"_ftnref80\">[80]<\/a> \u201eeinheimischer Kultur\u201c,<a href=\"#_ftn81\" name=\"_ftnref81\">[81]<\/a> \u201eeinheimischen Potentialen\u201c<a href=\"#_ftn82\" name=\"_ftnref82\">[82]<\/a> und \u201eheimischen Fischereiprodukten\u201c.<a href=\"#_ftn83\" name=\"_ftnref83\">[83]<\/a> Was genau mit \u201aHeimat\u2018 bezeichnet wird, geht aus dem Grundsatzprogramm der AfD demnach nicht klar hervor. Es werden sowohl geografische Orte, Personen und Produkte sowie \u201eKultur\u201c und \u201ePotentiale\u201c dazu gez\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Ein anderer Begriff, der vergleichsweise h\u00e4ufig genutzt wird, ist \u201aKultur\u2018. Wie bereits bei der Heimat-Definition erl\u00e4utert, ist \u201aHeimat\u2018 nicht nur an einen Ort gebunden, sondern auch ein soziales Konstrukt. Deshalb kann \u201aHeimat\u2018 auch kulturelle Praktiken eines Raumes beinhalten und in unmittelbarer Verbindung zur Kultur einer Region stehen. Weitere in diesem Zusammenhang genannte Begriffe sind \u201aWerte\u2018, \u201aIdentit\u00e4t\u2018 und \u201aTradition\u2018. Auch ohne den Heimat-Begriff direkt aufzurufen, wird mit Hilfe solcher W\u00f6rter an das Heimat-Gef\u00fchl appelliert. Ein Beispiel daf\u00fcr bietet eine bereits zuvor zitierte Passage:<\/p>\n<p>\u201eDie Ideologie des Multikulturalismus, die importierte kulturelle Str\u00f6mungen auf geschichtsblinde Weise der einheimischen Kultur gleichstellt und deren Werte damit zutiefst relativiert, betrachtet die AfD als ernste Bedrohung f\u00fcr den sozialen Frieden und f\u00fcr den Fortbestand der Nation als kulturelle Einheit. Ihr gegen\u00fcber m\u00fcssen der Staat und die Zivilgesellschaft die deutsche kulturelle Identit\u00e4t als Leitkultur selbstbewusst verteidigen.\u201c<a href=\"#_ftn84\" name=\"_ftnref84\">[84]<\/a><\/p>\n<p>Hier kommt es zu einer Gegen\u00fcberstellung des in diesem Zusammenhang negativ konnotierten Multikulturalismus und der positiv konnotierten einheimischen Kultur. Die beiden Begriffe wirken wie ein Oppositionspaar, welches eine dritte M\u00f6glichkeit ausschlie\u00dft. Multikulturalismus wird dabei als eine Ideologie bezeichnet, die lediglich \u201ekulturelle Str\u00f6mungen\u201c, keine richtige Kultur, von anderswo ins Land holt und diese dann mit der einheimischen Kultur gleichsetzt. Da der Multikulturalismus nach diesem Verst\u00e4ndnis weniger wert ist, schm\u00e4lert er so den Wert der einheimischen Kultur. Gleichzeitig ist auch eine klare Distanzierung von Eigenem und Fremden erkennbar. Durch das hinzugef\u00fcgte Adjektiv \u201egeschichtsblind\u201c kommt es zu einer weiteren negativen Wertung des Multikulturalismus. Ein weiteres Beispiel daf\u00fcr stellt der folgende Absatz dar; auch dieser besch\u00e4ftigt sich nur indirekt mit Heimat bzw. dem Heimat-Gef\u00fchl, zeigt aber klar die Abgrenzung zwischen Eigenem und Fremden.<\/p>\n<p>\u201eDie multikulturelle Gesellschaft ist gescheitert. Um mit Einwanderern in der Zukunft friedlich zusammenleben zu k\u00f6nnen, ist deren Integration unerl\u00e4sslich. Nur so l\u00e4sst sich auch das weitere Vordringen von Gegen- und Parallelgesellschaften in unserem Land verhindern. [&#8230;] Jeder Einwanderer hat eine unabdingbare Bringschuld, sich zu integrieren; er muss sich seiner neuen Heimat anpassen, nicht umgekehrt.\u201c<a href=\"#_ftn85\" name=\"_ftnref85\">[85]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Der Heimat-Begriff im Wahlprogramm der AfD<\/p>\n<p>Das bundesweite Wahlprogramm der AfD zur Bundestagswahl 2017 nutzt den Heimat-Begriff im Zusammenhang von Wehrpflicht (\u201eHeimatschutzkr\u00e4ften\u201c<a href=\"#_ftn86\" name=\"_ftnref86\"><sup>[86]<\/sup><\/a>), \u201eheimatnahen Staaten\u201c<a href=\"#_ftn87\" name=\"_ftnref87\"><sup>[87]<\/sup><\/a>, straff\u00e4llig gewordenen Ausl\u00e4ndern<a href=\"#_ftn88\" name=\"_ftnref88\"><sup>[88]<\/sup><\/a>, sowie \u201eheimat- und kulturnahen Regionen [&#8230;] bereits geflohene[r] Menschen\u201c<a href=\"#_ftn89\" name=\"_ftnref89\"><sup>[89]<\/sup><\/a>, Deutschland als \u201eneue Heimat\u201c<a href=\"#_ftn90\" name=\"_ftnref90\"><sup>[90]<\/sup><\/a> und bezeichnet zudem \u201eeinheimische Bev\u00f6lkerung\u201c<a href=\"#_ftn91\" name=\"_ftnref91\"><sup>[91]<\/sup><\/a>, \u201eeinheimische Sch\u00fcler\u201c<a href=\"#_ftn92\" name=\"_ftnref92\"><sup>[92]<\/sup><\/a> und \u201eeinheimische Versicherte\u201c<a href=\"#_ftn93\" name=\"_ftnref93\"><sup>[93]<\/sup><\/a>. Die direkte Verwendung des Heimat-Begriffs bezieht sich demnach auf geographische Orte, Heimatschutz sowie Menschen.<\/p>\n<p>Auch ohne den Heimat-Begriff immer zu verwenden, geht es im Wahlprogramm der AfD h\u00e4ufig um eine starke Abgrenzung sowie \u00dcberh\u00f6hung des Eigenen. Dies l\u00e4sst sich an folgendem Abschnitt illustrieren:<\/p>\n<p>\u201eW\u00e4hrend die europ\u00e4ische Bev\u00f6lkerung \u00fcberaltert und schrumpft, explodiert die Bev\u00f6lkerungszahl in Afrika und in den arabisch-muslimischen L\u00e4ndern des Nahen und Mittleren Ostens. [&#8230;] Im Verh\u00e4ltnis zum wohlhabenden Europa stellt Afrika ein Armenhaus der Welt dar. Aus beiden Ursachen \u2013 dem Bev\u00f6lkerungswachstum Afrikas und dem Wohlstandsgef\u00e4lle zu Europa \u2013 entsteht ein Wanderungsdruck, der Dimensionen einer V\u00f6lkerwanderung hat. [&#8230;] Eine zunehmende Zahl sogenannter \u00b4Failed States\u00b4 und fehlende Geburtenkontrollen tragen ihren Teil zu dieser schier unl\u00f6sbaren Situation bei.\u201c<a href=\"#_ftn94\" name=\"_ftnref94\"><sup>[94]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>In diesem Absatz kommt es zu einer Gegen\u00fcberstellung des positiv konnotierten Europa und dem negativ konnotierten Afrika. Diese Wertung erfolgt durch die Ausdr\u00fccke \u201eexplodiert\u201c, \u201eArmenhaus\u201c, \u201eWohlstandsgef\u00e4lle\u201c und \u201e\u201aFailed States\u2018\u201c, welche eine klar negative Beurteilung vornehmen. In diesem Zusammenhang stehen auch die Begriffe \u201eWanderungsdruck\u201c, \u201eV\u00f6lkerwanderung\u201c und \u201eschier unl\u00f6sbare Situation\u201c, welche ebenfalls negativ sind und die vorherige Bewertung unterst\u00fctzen. Europa steht hingegen im Kontrast zu diesem gezeichneten Bild als \u201ewohlhabend[er]\u201c Kontinent. Durch die gew\u00e4hlten Formulierungen entsteht nicht nur eine Abgrenzung und kontr\u00e4re Bewertung von zwei Erdteilen, es wird zudem das emotionale Bild evoziert, dass bald ganze V\u00f6lker des \u201eexplodierenden\u201c afrikanischen Kontinents ins \u201ewohlhabende\u201c Europa kommen k\u00f6nnten und sich so alles Bekannte, Heimische verfl\u00fcchtigen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Diese Verlust\u00e4ngste zeigen sich auch im weiteren Verlauf des Zitats, wenn es hei\u00dft: \u201eDie Zukunft Deutschlands und Europas muss langfristig gesichert werden. Wir wollen unseren Nachkommen ein Land hinterlassen, das noch als unser Deutschland erkennbar ist.\u201c Das Possessivpronomen \u201eunser\u201c trennt erneut zwischen dem Eigenen und dem Fremden. Res\u00fcmieren l\u00e4sst sich deshalb, dass die AfD wertende Verben und Adjektive sowie Schlagworte und neue Wort-Kreationen verwendet, um zu polarisieren und das Bild einer Gef\u00e4hrdung des Eigenen, Vertrauten, oder auch der Heimat, hervorzurufen. In der Konsequenz wendet sich die Partei gegen diese scheinbaren Entwicklungen und m\u00f6chte das Eigene besch\u00fctzen. Der gef\u00fchlte Verlust, welcher als gegeben dargestellt wird, bezieht sich dabei stets auf etwas Vertrautes und appelliert damit ans Heimat-Gef\u00fchl, ohne den Begriff explizit zu gebrauchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201aHeimat\u2018 in Reden von AfD-Politikern<\/p>\n<p>In seiner Neujahrsansprache im Dezember 2016 f\u00fchrte der Landesvorsitzende der AfD Bayern, Petr Bystron, aus: \u201eEin Jahr geht zu Ende. Es wird Bilanz gezogen und gleichzeitig das neue Jahr eingesch\u00e4tzt. Bei all dem tr\u00e4gt uns die Hoffnung, dass vieles, was wir \u00fcber die Jahre lieb gewonnen haben, erhalten bleibt und dass sich einiges wieder zum Guten kehrt. Wozu wir durch eigene Vors\u00e4tze und Pl\u00e4ne beitragen wollen. Die Hoffnung ist das Bindeglied zwischen der Vergangenheit des alten und der Zukunft des neuen Jahres.\u201c<a href=\"#_ftn95\" name=\"_ftnref95\">[95]<\/a><\/p>\n<p>Herausgestellt wird in diesem Abschnitt die Hoffnung, welche ein positiv konnotiertes Schlagwort ist. Sie bezieht sich auf den Erhalt von Vertrautem sowie eine Wendung zur\u00fcck \u201ezum Guten\u201c. Mit dieser Formulierung impliziert Bystron, dass ungenannte Sachverhalte in der Vergangenheit besser waren, als sie es heute sind. Daraus geht ein bereits erlittener Verlust hervor. Die Alternative f\u00fcr Deutschland m\u00f6chte zum Erhalt bzw. zur R\u00fcckf\u00fchrung beitragen und proklamiert sich selbst als L\u00f6sung. Die \u201eWir\u201c-Formulierung schlie\u00dft die Zuh\u00f6rer gleicherma\u00dfen mit ein, weshalb der Satz auch als Appell gelesen werden kann. Weiter hei\u00dft es:<\/p>\n<p>\u201eSo wie die Hoffnung die Zeiten miteinander verbindet, so verbindet Vertrauen die Menschen untereinander. Je l\u00e4nger Menschen friedlich zusammenleben, je mehr sie gemeinsame Geschichte, Werte, Kultur teilen, desto gr\u00f6\u00dfer ist das Vertrauen untereinander. Das gr\u00f6\u00dfte Vertrauen findet sich in der Regel in der Familie. Oder in der Umgebung des Hauses, in der Heimat.\u201c<a href=\"#_ftn96\" name=\"_ftnref96\">[96]<\/a><\/p>\n<p>In diesem Abschnitt wird Vertrauen, ebenfalls ein Schlagwort mit positiver Konnotation, herausgestellt. Auch dieser wird die F\u00e4higkeit, etwas zu verbinden, zugeschrieben. Wie bereits im Grundsatzprogramm wird auch in dieser Rede von friedlichem Zusammenleben gesprochen. Dieses Zusammenleben erfolgt von Menschen mit \u201egemeinsamer Geschichte, Werten und Kultur\u201c, die sich untereinander vertrauen. Diese Formulierung bezieht sich auf die einheimische deutsche Bev\u00f6lkerung und stellt das Eigene, Bekannte und Heimische heraus. Besonders stark sei dieses Vertrauen innerhalb der Familie oder der Heimat zu sp\u00fcren. Diese bezieht sich auf \u201edie Umgebung des Hauses\u201c und ist somit nicht nur \u00f6rtlich eingegrenzt, sondern offenbar f\u00fcr jeden, der \u00fcber eine Wohnstatt verf\u00fcgt, gegeben. Im Verlauf der Rede stellt Bystron aber im Kontrast dazu den scheinbaren Verlust des Eigenen stark heraus:<\/p>\n<p>\u201eIm permanenten Ausnahmezustand au\u00dfer Kraft gesetzten Rechts und selbst gef\u00e4lschter Statistiken sprechen diejenigen von \u201aBewahrung unserer Werte\u2018, die diese Werte ohne Bedenken \u00fcber Bord werfen: Unsere Kultur, unsere Sicherheit, Demokratie und Freiheit.\u201c<a href=\"#_ftn97\" name=\"_ftnref97\">[97]<\/a><\/p>\n<p>Hier werden wertende Adjektive zur Verst\u00e4rkung von Oppositionspaaren eingesetzt. Die aktuelle Situation wird zu einem \u201eAusnahmezustand\u201c erkl\u00e4rt, was nicht weiter erl\u00e4utert wird und ein realit\u00e4tsstiftendes Nomen darstellt. Das Problem wird weiter durch die Angaben \u201eau\u00dfer Kraft gesetztes Recht\u201c und \u201egef\u00e4lschte[] Statistiken\u201c verbal hochgetrieben. So kritisiert Bystron die aktuelle Politik scharf und grenzt gleichzeitig die der AfD von ihr ab. Er wirft den herrschenden Politikern zudem vor, zwar von der \u201eBewahrung unserer Werte\u201c zu sprechen, diese aber gleichzeitig (bildlich gesprochen) \u201e\u00fcber Bord\u201c zu werfen. In Gefahr sieht Bystron dabei die eigene Kultur, Sicherheit, Demokratie und Freiheit. All diese Begriffe sind positiv konnotierte Schlagworte, \u201aKultur\u2018 steht dabei im Zusammenhang mit Vertrautem. Durch die explizite Nennung von Sicherheit und Freiheit wird das Gef\u00fchl der Gefahr sowie der daraus resultierende vermeintliche Handlungsbedarf deontisch verst\u00e4rkt. Die Rede trennt zudem populistisch zwischen den \u201akorrupten Politikern\u2018 und dem \u201aVolk\u2018; dessen Gemeinschaft und gemeinsame Haltung k\u00f6nne aber nie vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt werden, daf\u00fcr sei die nat\u00fcrliche Ausrichtung zu stark, daf\u00fcr steht bei in der Rede der Begriff der \u201aHeimat\u2018 ein: \u201eBei allem, was uns unter dem Vorwand der \u201aBewahrung unserer Werte\u2018 aktuell genommen wird: Niemand kann uns unsere Erfahrung nehmen: [&#8230;] Wir empfinden Liebe \u2013 F\u00fcr unsere Angeh\u00f6rigen. F\u00fcr unsere Heimat.\u201c<a href=\"#_ftn98\" name=\"_ftnref98\">[98]<\/a><\/p>\n<p>In der Neujahrsansprache wird demnach ein klares Oppositionspaar zwischen aktuellen Politikern und dem \u201aVolk\u2018 aufgestellt. Bystron wirft der herrschenden Politik vor, f\u00fcr aktuelle Probleme verantwortlich zu sein und den Verlust von Werten und Sicherheit zu f\u00f6rdern. Dabei dienen sowohl \u201aHeimat\u2018 als auch weitere positive Schlagworte wie \u201aKultur\u2018, \u201aFamilie\u2018 und Demokratie zur Emotionalisierung. Der gef\u00fchlte Verlust wird so verst\u00e4rkt. Zugleich entsteht auch Handlungsbedarf. Die Alternative f\u00fcr Deutschland steht dabei auf der Seite der B\u00fcrger und ist im \u201eWir\u201c und in der \u201eHeimat\u201c mit inbegriffen.<\/p>\n<p>Diese stilistischen und weltanschaulichen Mittel lassen sich auch in weiteren Reden der AfD finden, etwa in der Rede Martin Renners (des damaligen NRW-Landesverband-Sprechers und heutigen Bundestagsabgeordneten) auf dem Landesparteitag 2015 in Bottrop. Renners Ansicht nach planten die anderen politischen Parteien die \u201eEntnationalisierung\u201c und \u201eAbschaffung der nationalen Identit\u00e4ten\u201c.<a href=\"#_ftn99\" name=\"_ftnref99\">[99]<\/a> Das Ziel der AfD ist es selbstverst\u00e4ndlich, dieser Gefahr entgegenzuwirken und Eigenes zu erhalten:<\/p>\n<p>\u201eDie Alternative f\u00fcr Deutschland muss deutsche Interessen in allen Bereichen des Politischen formulieren. Und die vornehmste und wichtigste Aufgabe unserer Partei ist: Die Verteidigung des Eigenen, die Bewahrung der nationalen Identit\u00e4t. In der Kulturanthropologie nennt man f\u00fcr den Begriff \u201eHeimat\u201c, die Trinit\u00e4t von \u201eGemeinschaft, Raum und Traditionen\u201c. Die Bewahrung dieser Trinit\u00e4t ist gem\u00e4\u00df der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen ein unver\u00e4u\u00dferliches Grundrechtsgut.\u201c<a href=\"#_ftn100\" name=\"_ftnref100\">[100]<\/a><\/p>\n<p>In diesem Abschnitt werden die politischen Ziele der AfD klar benannt. Oberste Priorit\u00e4t bekommt \u201edie Verteidigung des Eigenen\u201c. Dies liege in deutschem Interesse: \u201eBewahrung der nationalen Identit\u00e4t\u201c. Renner definiert Heimat nach Ma\u00dfgabe einer nicht n\u00e4her benannten Quelle aus der \u201eKulturanthropologie\u201c und verweist auf deren Status als Grundrecht, wobei er irref\u00fchrend den Eindruck erweckt, die zitierte \u201eTrinit\u00e4t\u201c finde sich direkt in der UN-Menschenrechtsrechtscharta.<\/p>\n<p>F\u00fcr Renner l\u00e4sst sich Heimat sowohl auf Menschen als auch auf Orte und Traditionen beziehen. Damit instrumentalisiert er Heimat nicht nur, um die Tragweite des Verlustes zu verdeutlichen, sondern macht es zu einem Recht, seine Heimat zu verteidigen. Dies hat eine deontische Funktion und appelliert zugleich an den <em>common sense<\/em>. Es erscheint rechtens, dieses Gef\u00fchl zu teilen und sich f\u00fcr den Erhalt von Vertrautem einzusetzen. Dieses Engagement schreibt Renner der Alternative f\u00fcr Deutschland zu.<\/p>\n<p>Renner nutzt das <em>common sense<\/em>-Argument sowie die scharfe Kritik an der herrschenden Politik w\u00e4hrend seiner Rede noch h\u00e4ufiger. Beispielhaft daf\u00fcr ist der folgende Absatz: \u201eObwohl alle wissen, dass wir uns mit der aktuellen Interpretation des Asylsrechts \u2013 auch als Beugung zu bezeichnen \u2013 das Chaos, die Korruption, die Barbarei und die Dysfunktionalit\u00e4t der Dritten Welt in unser Land, in unsere Heimat, holen werden.\u201c<a href=\"#_ftn101\" name=\"_ftnref101\">[101]<\/a> Auch an dieser Stelle arbeitet die Rede mit realit\u00e4tskonstruierenden Nomen (\u201eBeugung\u201c) und mit negativen Schlagworten (\u201edas Chaos, die Korruption, die Barbarei und die Dysfunktionalit\u00e4t\u201c), welche mit dem Anderem, dem Fremden verbunden werden. Diese rhetorischen Methoden helfen bei der Bildung von Oppositionspaaren. Die \u201eDritte Welt\u201c steht gegen \u201eunsere Heimat\u201c. Die eigene Heimat wird dabei aufgewertet, w\u00e4hrend sie zugleich gef\u00e4hrdet scheint.<\/p>\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich deshalb sagen, dass auch in politischen Reden der AfD die bereits aus der schriftlichen Kommunikation bekannten Methoden verwendet werden. Stilistisch zeigt sich dies in positiv oder negativ konnotierten Schlagworten, in der Bildung von Oppositionspaaren und der Trennung des Eigenem vom Fremden. Auch das Mittel der Problem\u00fcberspitzung und der Alleinvertreteranspruch f\u00fcr die L\u00f6sung des Problems kommen in diesen Reden zur Geltung.<\/p>\n<p>\u201aHeimat\u2018 wird in den Reden st\u00e4rker f\u00fcr eine Emotionalisierung genutzt als im Grundsatz- und Wahlprogramm. Dies liegt daran, dass sie in Reden weiter ausgef\u00fchrt und beschrieben wird, w\u00e4hrend \u201aHeimat\u2018 in der schriftlichen Kommunikation ein selbsterkl\u00e4render Begriff zu sein scheint. In der m\u00fcndlichen Kommunikation r\u00fcckt die scheinbare Gef\u00e4hrdung der Heimat st\u00e4rker in den Mittelpunkt und wird umfassender beschrieben. W\u00e4hrend im Grundsatzprogramm die Parteipositionen und im Wahlprogramm die Ziele nach der Wahl definiert werden, dienen die Reden st\u00e4rker dem Zweck, Sympathien zu gewinnen. Durch \u00dcberspitzung und Vereinfachungen, aber auch durch ihre K\u00fcrze und direkte Kommunikation sollen sie mehr potentielle W\u00e4hler erreichen.<\/p>\n<p>Auch wenn nicht alle politischen Reden im unmittelbaren Wahlkampf gehalten werden, vertreten sie dennoch die Positionen der Partei. Die Nutzung des Heimat-Begriffs dient deshalb sowohl f\u00fcr die Stimmengewinnung als auch f\u00fcr die Pr\u00e4sentation der Partei. Dank der Reklamation des Heimat-Begriffs scheint diese n\u00e4her an den B\u00fcrgern zu sein; der Eindruck soll entstehen, dass die AfD nat\u00fcrlicherweise als einzige deren Interessen vertritt. Den anderen Parteien wird folglich die Zerst\u00f6rung des Vertrauten zugeschrieben. Durch populistische Elemente wie die Berufung auf den <em>common sense<\/em> und durch starke Vereinfachungen soll verdeutlicht werden, dass nur die Alternative f\u00fcr Deutschland eine Alternative zum vermeintlichen Untergangsszenario, dem Verlust der Identit\u00e4t und Heimat, biete.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Der Heimat-Begriff im Wahlprogramm der CSU<\/p>\n<p>Zum Vergleich soll nun das Bundestagswahlprogramm der CSU untersucht werden. Der sogenannte \u201eBayern-Plan\u201c, welcher das Wahlprogramm f\u00fcr die Bundestagswahl 2017 der CSU darstellt, verwendet den Heimat-Begriff zuerst im Kontext von gelungener Integration<a href=\"#_ftn102\" name=\"_ftnref102\"><sup>[102]<\/sup><\/a> und bezieht sich au\u00dferdem auf \u201eHeimatl\u00e4nder\u201c<a href=\"#_ftn103\" name=\"_ftnref103\"><sup>[103]<\/sup><\/a> bzw. \u201eHeimatstaaten\u201c<a href=\"#_ftn104\" name=\"_ftnref104\"><sup>[104]<\/sup><\/a> von Gefl\u00fcchteten sowie die \u201eheimische\u201c<a href=\"#_ftn105\" name=\"_ftnref105\"><sup>[105]<\/sup><\/a> deutsche Bev\u00f6lkerung. Dem Thema \u201eHeimat und Zusammenhalt\u201c wird zudem das Kapitel VII des Bayern-Plans gewidmet. Dieses wird eingeleitet mit den S\u00e4tzen:<\/p>\n<p>\u201eHeimat stiftet Identit\u00e4t und spendet den Menschen Sicherheit. Wir sind offen f\u00fcr Fortschritt und pflegen gleichzeitig Tradition und Brauchtum. Heimat und Weltoffenheit stehen f\u00fcr das freiheitliche bayerische Lebensgef\u00fchl. Zusammenhalt braucht gemeinsam gelebte Werte. Die CSU steht f\u00fcr dieses Miteinander und f\u00fcr eine starke Gemeinschaft. Wir lieben unsere Heimat.\u201c<a href=\"#_ftn106\" name=\"_ftnref106\"><sup>[106]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>\u201aHeimat\u2018 wird in diesem Zitat durchweg positiv konnotiert und stark mit dem bayerischen Lebensgef\u00fchl verbunden. Dem Begriff werden Attribute zugeschrieben wie Identit\u00e4tsstiftung, \u201eSicherheit\u201c, \u201eZusammenhalt\u201c, \u201eMiteinander\u201c und \u201estarke Gemeinschaft\u201c. Heimat wird dabei aber auch in den Zusammenhang von Tradition und Brauchtum und gelebten Werten eingeordnet und dabei indirekt der \u201eWeltoffenheit\u201c entgegengestellt. In diesem Zitat bezeichnet \u201aHeimat\u2018 demnach st\u00e4rker das Vertraute, Eigene, statt offen f\u00fcr andere Welteinfl\u00fcsse zu sein.<\/p>\n<p>Der Heimat-Begriff zeigt sich in diesem Kapitel au\u00dferdem in den Formulierungen \u201eunsere deutschen Heimatvertriebenen\u201c<a href=\"#_ftn107\" name=\"_ftnref107\"><sup>[107]<\/sup><\/a>, \u201eB\u00fcrger, die hier eine neue Heimat gefunden haben\u201c<a href=\"#_ftn108\" name=\"_ftnref108\"><sup>[108]<\/sup><\/a>, \u201eHeimatverbundenheit\u201c<a href=\"#_ftn109\" name=\"_ftnref109\"><sup>[109]<\/sup><\/a> sowie in der Bezeichnung von Kommunen und l\u00e4ndlichem Raum als \u201eHeimat der Menschen\u201c<a href=\"#_ftn110\" name=\"_ftnref110\"><sup>[110]<\/sup><\/a>. Die Verbindung von Heimat und l\u00e4ndlichem Raum wird besonders im Kapitel \u201eIX: Verantwortung f\u00fcr die Sch\u00f6pfung\u201c veranschaulicht. Hier ist die Rede von \u201eunsere[r] bayrische[n] Heimat\u201c<a href=\"#_ftn111\" name=\"_ftnref111\"><sup>[111]<\/sup><\/a>, \u201eheimatverbundene[m] Fortschritt\u201c<a href=\"#_ftn112\" name=\"_ftnref112\"><sup>[112]<\/sup><\/a>, \u201eheimische[r] Land- und Forstwirtschaft \u201c<a href=\"#_ftn113\" name=\"_ftnref113\"><sup>[113]<\/sup><\/a> \u201eheimische[n] Erzeuger[n]\u201c<a href=\"#_ftn114\" name=\"_ftnref114\"><sup>[114]<\/sup><\/a> sowie dem Wald als \u201eHeimat f\u00fcr Tiere und Pflanzen\u201c<a href=\"#_ftn115\" name=\"_ftnref115\"><sup>[115]<\/sup><\/a>. In diesem Kapitel steht Heimat stark im Zusammenhang mit l\u00e4ndlichem Raum, welcher \u201eauch in Zukunft Heimat f\u00fcr die Menschen und die regional verankerte Wirtschaft sein [soll].\u201c<a href=\"#_ftn116\" name=\"_ftnref116\"><sup>[116]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Des Weiteren setzt die CSU \u201esich daf\u00fcr ein, dass unsere Landschaft mit ihren Bergen und Seen, Wiesen und W\u00e4ldern so bleibt, wie wir sie kennen. [&#8230;] Wir wollen Ehrenamtlichen mehr M\u00f6glichkeiten geben, sich f\u00fcr unsere bayerische Heimat einzusetzen. Freiwillige Helfer tragen ma\u00dfgeblich zum Erfolg des Natur- und Umweltschutzes bei.\u201c<a href=\"#_ftn117\" name=\"_ftnref117\"><sup>[117]<\/sup><\/a> Der CSU ist zudem wichtig, \u201eWohlstand im Einklang mit Heimat und Natur auszubauen, vom Tourismus \u00fcber Infrastrukturma\u00dfnahmen bis zur Energiegewinnung.\u201c<a href=\"#_ftn118\" name=\"_ftnref118\"><sup>[118]<\/sup><\/a> \u201aHeimat\u2018 bezeichnet demnach im Bayern-Plan sowohl die einheimische Bev\u00f6lkerung als auch stark den l\u00e4ndlichen Raum sowie Tradition und Brauchtum.<\/p>\n<p>Die eigene Heimat wird von den Heimatl\u00e4ndern Gefl\u00fcchteter abgegrenzt. Die Abgrenzung von Eigenem und Fremden zeigt sich auch im Kontext von gelungener Integration. \u00c4hnlich wie die AfD setzt die CSU das Aktiv-Werden von Eingewanderten voraus, beschreibt dies jedoch etwas genauer als Aufbauen einer Existenz, Leistung und Einbringung in die Gesellschaft. An anderer Stelle hei\u00dft es: \u201eUnsere Verantwortung ist eine doppelte: gegen\u00fcber unserer heimischen Bev\u00f6lkerung und gegen\u00fcber den wirklich schutzbed\u00fcrftigen Fl\u00fcchtlingen.\u201c<a href=\"#_ftn119\" name=\"_ftnref119\"><sup>[119]<\/sup><\/a> An diesem Zitat zeigt sich nicht nur die Abgrenzung der eigenen Bev\u00f6lkerung von Gefl\u00fcchteten, es wird zudem unterstellt, dass nicht alle Gefl\u00fcchteten \u201ewirklich schutzbed\u00fcrftig\u201c seien. Diese Erg\u00e4nzung kann den Anschein erwecken, dass ein Gro\u00dfteil der \u201eAnderen\u201c unrechtm\u00e4\u00dfig in Deutschland w\u00e4re und der Staat deshalb keine Verantwortung gegen\u00fcber diesen Menschen habe.<\/p>\n<p>Das Eigene wird dagegen stark \u00fcberh\u00f6ht dargestellt: \u201eWir sorgen daf\u00fcr, dass [&#8230;] Deutschland weltweit Vorzeigeland bleibt f\u00fcr beste Stra\u00dfen, Schienen und Wasserwege\u201c<a href=\"#_ftn120\" name=\"_ftnref120\"><sup>[120]<\/sup><\/a>, \u201eBayern ist bei ausl\u00e4ndischen wie inl\u00e4ndischen Touristen so beliebt wie noch nie.\u201c<a href=\"#_ftn121\" name=\"_ftnref121\"><sup>[121]<\/sup><\/a>, \u201eSchon immer kommen Menschen in gro\u00dfer Zahl nach Bayern. Die Menschen kommen zu uns, weil es hier herausragende Lebensperspektiven gibt\u201c<a href=\"#_ftn122\" name=\"_ftnref122\"><sup>[122]<\/sup><\/a>, \u201eBayern hat bei der Bew\u00e4ltigung der Fl\u00fcchtlingskrise mit den vielen ehrenamtlichen Helfern und dem Engagement der Kommunen eine einzigartige Visitenkarte der Humanit\u00e4t abgegeben\u201c<a href=\"#_ftn123\" name=\"_ftnref123\"><sup>[123]<\/sup><\/a>, \u201eMit der Marke Bayern positionieren wir unsere Lebensmittel im Premiumsegment\u201c<a href=\"#_ftn124\" name=\"_ftnref124\"><sup>[124]<\/sup><\/a>. An diesen Formulierungen zeigt sich die scheinbare \u00dcberlegenheit des Eigenen, was die positive Konnotation dieses Begriffs verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Nachdem man diese Abgrenzung vorgenommen hat, betont man erneut die Dringlichkeit der Erhaltung des Eigenen. Dies findet sich im Kapitel \u201eV. Damit Deutschland Deutschland bleibt\u201c: \u201eWir sind ein Land mit gewachsener Identit\u00e4t. Unsere Leitkultur ist nichts Beliebiges, das man austauschen kann. Vielmehr ist sie das, was unser Land stark gemacht hat. Unsere Identit\u00e4t mit unserer unverwechselbaren Leitkultur gibt uns Kraft und Stabilit\u00e4t, auch f\u00fcr die Zukunft. Wer zu uns kommen will, hat sich nach uns zu richten.\u201c<a href=\"#_ftn125\" name=\"_ftnref125\"><sup>[125]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>In diesem Zitat zeigt sich erneut eine Erh\u00f6hung des Eigenen durch positive Formulierungen wie \u201eLand mit gewachsener Identit\u00e4t\u201c, \u201eLand stark gemacht\u201c, \u201eunverwechselbare Leitkultur\u201c und \u201eKraft und Stabilit\u00e4t\u201c. Deutschland wird so als starkes, f\u00fchrendes Land dargestellt, was unter anderem mit der \u201eunverwechselbaren Leitkultur\u201c begr\u00fcndet wird. Dem entgegengestellt wird der Andere, der neu in Deutschland ist und sich diesem Land anpassen m\u00fcsse, damit es seine St\u00e4rke und Stabilit\u00e4t nicht verliere. Der Begriff \u201eLeitkultur\u201c steht dabei im Zusammenhang mit Identit\u00e4t und umfasst \u201edie bei uns geltende Werteordnung christlicher Pr\u00e4gung, unsere Sitten und Traditionen sowie die Grundregeln unseres Zusammenlebens. Leitkultur ist das Gegenteil von Multikulti und Beliebigkeit.\u201c<a href=\"#_ftn126\" name=\"_ftnref126\"><sup>[126]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>In diesem Zitat zeigt sich eine Abgrenzung zwischen Leitkultur und \u201eMultikulti und Beliebigkeit\u201c, was auch durch das Possessivpronomen \u201euns\u201c bzw. \u201eunserer\u201c hervorgerufen wird. Das Eigene wird somit bestimmt und bewusst vom Fremden abgegrenzt. Dies tritt sich auch in den weiteren Unterkapiteln zutage: \u201eUnser Land ist und bleibt christlich gepr\u00e4gt\u201c<a href=\"#_ftn127\" name=\"_ftnref127\"><sup>[127]<\/sup><\/a>, \u201eEs geht um eine offensive Verteidigung unserer Werte\u201c<a href=\"#_ftn128\" name=\"_ftnref128\"><sup>[128]<\/sup><\/a>, \u201eBayern ist das Land der gelingenden Integration\u201c<a href=\"#_ftn129\" name=\"_ftnref129\"><sup>[129]<\/sup><\/a>, \u201eIntegration nach dem Grundsatz des Forderns und F\u00f6rderns\u201c<a href=\"#_ftn130\" name=\"_ftnref130\"><sup>[130]<\/sup><\/a>, \u201eIn Deutschland gilt ausnahmslos deutsches Recht, nicht die Scharia\u201c<a href=\"#_ftn131\" name=\"_ftnref131\"><sup>[131]<\/sup><\/a>, \u201eDie Burka hat in Deutschland nichts verloren\u201c<a href=\"#_ftn132\" name=\"_ftnref132\"><sup>[132]<\/sup><\/a> und \u201eAusl\u00e4ndischen Einfluss auf Muslime in Deutschland reduzieren\u201c<a href=\"#_ftn133\" name=\"_ftnref133\"><sup>[133]<\/sup><\/a>. Lediglich das letzte Unterkapitel \u201eEs darf keinen neuen Antisemitismus in Deutschland geben\u201c<a href=\"#_ftn134\" name=\"_ftnref134\"><sup>[134]<\/sup><\/a> konzentriert sich nicht auf Unterschiede zwischen Eigenem und Fremden, sondern postuliert, \u201edass antisemitische oder ausl\u00e4nderfeindliche Hetze bei uns nicht geduldet wird.\u201c<a href=\"#_ftn135\" name=\"_ftnref135\"><sup>[135]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass der Bayernplan den Heimatbegriff sowohl geographisch f\u00fcr seine eigene Bev\u00f6lkerung und die Heimatl\u00e4nder anderer als auch im ideologischen Sinne nutzt. Auch der l\u00e4ndliche Raum steht stark im Bezug zu solcher \u201aHeimat\u2018. Heimatliebe geh\u00f6rt nach der CSU zum freiheitlichen bayrischen Lebensgef\u00fchl und kommt auch in diesem Wahlprogramm klar zum Ausdruck. \u201aHeimat\u2018 wird im Zusammenhang von Werten verwendet, steht dabei aber auch f\u00fcr Tradition, Brauchtum und Dialekte<a href=\"#_ftn136\" name=\"_ftnref136\"><sup>[136]<\/sup><\/a> und beschreibt demnach eher das Vertraute, Eigene. Dieses wird stark vom Anderen abgegrenzt. Das Eigene wird dabei populistisch \u00fcberh\u00f6ht, w\u00e4hrend das Fremde abgewertet wird. In diesem Punkt gleicht der Bayernplan dem Bundestagsprogramm der AfD, wenngleich er Heimat sowie \u201eHeimatverbundenheit\u201c<a href=\"#_ftn137\" name=\"_ftnref137\"><sup>[137]<\/sup><\/a> klarer benennt und st\u00e4rker betont.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Der Heimat-Begriff in der Antrittsrede des Bundesministers des Innern, f\u00fcr Bau und Heimat Horst Seehofer und in der Selbstdarstellung des Ministeriums<\/p>\n<p>Am 23.03.2018 hielt Horst Seehofer (CSU) in der Generaldebatte im Deutschen Bundestag seine Antrittsrede als Minister des u.a. um den Komplex \u201eHeimat\u201c ausgeweiteten Innenministeriums (Bundesministerium des Innern, f\u00fcr Bau und Heimat). In seiner Rede besch\u00e4ftigt sich Seehofer \u00fcberwiegend mit den zuk\u00fcnftigen Zielen \u201eSicherheit\u201c, \u201eMigration\u201c und \u201esozialer Frieden\u201c, geht im letzten Punkt aber auch kurz auf den Heimat-Begriff ein:<\/p>\n<p>\u201eIch will auch noch etwas zu dem omnipr\u00e4senten Thema Heimat sagen. Hier gibt es offenkundig einige Missverst\u00e4ndnisse. Bei Heimat geht es nicht um Folklore, Braucht\u00fcmelei oder Nostalgie. Wer dies so versteht, der hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Bei Heimat geht es um die Verankerung und Verwurzelung, um ein kulturell angestammtes Umfeld in einer globalisierten Welt. Es geht schlicht und einfach um Zusammenhalt, um Geborgenheit, um den Halt, den jeder Mensch in unserem Lande braucht, auch wir.\u201c<a href=\"#_ftn138\" name=\"_ftnref138\">[138]<\/a><\/p>\n<p>In diesem Redeabschnitt stellt Seehofer zun\u00e4chst fest, dass Heimat ein aktuelles und wichtiges Thema sei, zu dem es verschiedene Definitionen gebe. Seine Definition von Heimat bezieht sich dabei nicht auf \u201eFolklore, Braucht\u00fcmelei oder Nostalgie\u201c, was in diesem Zusammenhang abwertend erscheint. Seehofers Heimat-Begriff umfasst stattdessen \u201eZusammenhalt, [..] Geborgenheit, [&#8230;] Halt\u201c, was vage, emotional aufgeladene Begriffe sind, die sich vor allem auf Zwischenmenschliches beziehen. Politisch aufgeladen wird der Heimat-Begriff implizit, indem unterstellt wird, dass eine kulturelle \u201eVerwurzelung\u201c nicht nur generell positiv zu werten sei, sondern dass sie auch im Kontrast zur Globalisierung st\u00fcnde.<\/p>\n<p>Die angestrebte \u201eGeborgenheit\u201c wird aber keineswegs nur auf \u201akulturelle\u2018 Art und Weise angestrebt, wie Seehofer mit seiner folgenden Aussage deutlich macht: \u201eWir werden \u00fcber die Heimatabteilung zum einen den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland st\u00e4rken und zum anderen daf\u00fcr k\u00e4mpfen, dass wir gleichwertige Lebensverh\u00e4ltnisse \u00fcberall in Deutschland bekommen. Das gilt f\u00fcr Ost wie f\u00fcr West.\u201c<a href=\"#_ftn139\" name=\"_ftnref139\">[139]<\/a><\/p>\n<p>Die Arbeit des neuen Heimatministeriums bezieht sich demnach vor allem auf \u201egesellschaftlichen Zusammenhalt\u201c, sowie \u201egleichwertige Lebensverh\u00e4ltnisse\u201c. Dies sind positive Schlagworte, welche sich konkret auf Rente, Pflege, Gesundheit und Wohnraum beziehen. Diese Definition von Heimat erscheint eher sachlich und ist vergleichbar mit dem Heimatrecht vor dem 19. Jahrhundert. Wenn Horst Seehofer vor dem Deutschen Bundestag von Heimat spricht, bezieht sich dies demnach zum einen auf ein Gef\u00fchl von \u201eVerankerung und Verwurzelung\u201c, besitzt zum anderen jedoch auch eine sachliche Komponente, welche sich auf Rechts- und Versorgungsanspr\u00fcche bezieht.<\/p>\n<p>Dies findet auch auf der Internetseite des Bundesministeriums des Innern, f\u00fcr Bau und Heimat seinen Niederschlag. Dort ist die Abteilung \u201eHeimat und Integration\u201c vorwiegend f\u00fcr \u201egesellschaftlichen Zusammenhalt\u201c, \u201eDemografie\u201c und \u201eRaumordnung\u201c zust\u00e4ndig. Au\u00dferdem werden dort ohne jeden emotionalen Appell die Themen \u201eb\u00fcrgerschaftliches Engagement\u201c, \u201enationale Minderheiten\u201c, \u201eStaat und Religion\u201c, \u201eKriegsfolgen\u201c sowie \u201eIntegration\u201c behandelt.<a href=\"#_ftn140\" name=\"_ftnref140\">[140]<\/a><\/p>\n<p>Der populistische Grundzug zahlreicher Verwendungsweisen des Heimat-Begriffs \u2013 die Abwehr des \u201aVolksfremden\u2018, des kulturell \u201aUnverwurzelten\u2018 \u2013 wird dadurch in eine gro\u00dfe Zahl an Projekten und Verwaltungsma\u00dfnahmen \u00fcberf\u00fchrt. Aus der genauen Angabe heimatlicher \u201aIdentit\u00e4t\u2018 und ,Kultur\u2018 wird auf der Website des Ministeriums die unbestimmtere Aufgabe, \u201eZuwanderinnen\u201c und \u201eZuwanderer\u201c im \u201eweltoffenen\u201c Deutschland in die \u201eGesellschaft\u201c zu integrieren und ihnen im Zuge solcher Integrationsma\u00dfnahmen sowohl Rechte zu gew\u00e4hren als auch darauf zu achten, dass sie (nicht n\u00e4her benannte) \u201ePflichten beachten\u201c. <a href=\"#_ftn141\" name=\"_ftnref141\">[141]<\/a><\/p>\n<p>Die Unbestimmtheit dieses \u201ePflichten\u201c-Begriffs ist wiederum das sichere Einfallstor populistischer Politik, denen \u201aHeimat\u2018 entgegen ihrer eigenen \u201aNat\u00fcrlichkeits\u2018-Vorstellungen letztlich auch nichts Gegebenes, sondern etwas \u201aPflichtgem\u00e4\u00dfes\u2018 ist, von dem sie freilich glauben, dass die \u201aAnderen\u2018 es weder erf\u00fcllen wollten noch k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Donig (2009) S.19.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. Weiss (2005) S.316.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. Donig (2009) S.19.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. Neumeyer (1992) S.8f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. Kaschuba (1979) S.12.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl. Neumeyer (1992) S.13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl. ebd. S.17f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> ebd. S.21.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> ebd. S.19.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Vgl. ebd. S.24ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Vgl. ebd. (1992) S.32ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Vgl. ebd. S.36ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Vgl. Hecht (2000) S.14.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Vgl. Neumeyer (1992) S.39ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Vgl. ebd. S.44ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Vgl. ebd. S.48ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Hecht (2000) S.15.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Gebhard (2007) S.13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Donig (2009) S.36.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Wolf (2017) S.7.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Priester (2011) S.185.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Stanley (2008) S.95ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Vgl. Priester (2012b).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Vgl. Wolf (2017) S.6.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Mudde (2004) S.543.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a>\u00a0 Priester (2012b).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Vgl. Wolf (2017) S.18.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Hartleb (2004) S.68.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> M\u00fcller (2016).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> Vgl. Geden (2006) S.20.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> Vgl. Wolf (2017) S.8.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> Vgl. ebd. S.8.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref33\" name=\"_ftn33\">[33]<\/a> Vgl. Pfahl-Traughber (1994) S.18f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref34\" name=\"_ftn34\">[34]<\/a> Vgl. Wolf (2017) S.8.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref35\" name=\"_ftn35\">[35]<\/a> Priester (2012b).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref36\" name=\"_ftn36\">[36]<\/a> Vgl. Wolf (2017) S.9.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref37\" name=\"_ftn37\">[37]<\/a> Vgl. ebd. S.8f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref38\" name=\"_ftn38\">[38]<\/a> Vgl. Mudde (2004) S.545.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref39\" name=\"_ftn39\">[39]<\/a> Priester (2011) S.191.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref40\" name=\"_ftn40\">[40]<\/a> Vgl. Wolf (2017) S.11.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref41\" name=\"_ftn41\">[41]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref42\" name=\"_ftn42\">[42]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref43\" name=\"_ftn43\">[43]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref44\" name=\"_ftn44\">[44]<\/a> Vgl. ebd. S.9.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref45\" name=\"_ftn45\">[45]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref46\" name=\"_ftn46\">[46]<\/a> ebd..<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref47\" name=\"_ftn47\">[47]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref48\" name=\"_ftn48\">[48]<\/a> Taggart (2004) S.274.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref49\" name=\"_ftn49\">[49]<\/a> Priester (2012b).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref50\" name=\"_ftn50\">[50]<\/a> Vgl. Priester (2011) S.196.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref51\" name=\"_ftn51\">[51]<\/a> Vgl. Wolf (2017) S.12f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref52\" name=\"_ftn52\">[52]<\/a> H\u00e4usler (2016) S.29.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref53\" name=\"_ftn53\">[53]<\/a> Priester (2012b).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref54\" name=\"_ftn54\">[54]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref55\" name=\"_ftn55\">[55]<\/a> Vgl. Zwahr (2006b) S.754.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref56\" name=\"_ftn56\">[56]<\/a> Diehl (2016) S.329.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref57\" name=\"_ftn57\">[57]<\/a> Vgl. Th\u00f6ndl (2015) S.167.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref58\" name=\"_ftn58\">[58]<\/a> Vgl. ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref59\" name=\"_ftn59\">[59]<\/a> M\u00fcller (2016).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref60\" name=\"_ftn60\">[60]<\/a> Alternative f\u00fcr Deutschland (2016) S.8.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref61\" name=\"_ftn61\">[61]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref62\" name=\"_ftn62\">[62]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref63\" name=\"_ftn63\">[63]<\/a> ebd. S.59.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref64\" name=\"_ftn64\">[64]<\/a> ebd. S.6.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref65\" name=\"_ftn65\">[65]<\/a> ebd. S.47.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref66\" name=\"_ftn66\">[66]<\/a> ebd. S.49.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref67\" name=\"_ftn67\">[67]<\/a> ebd. S.10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref68\" name=\"_ftn68\">[68]<\/a> ebd. S.47.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref69\" name=\"_ftn69\">[69]<\/a> ebd. S.49.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref70\" name=\"_ftn70\">[70]<\/a> ebd. S.30.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref71\" name=\"_ftn71\">[71]<\/a> ebd. S.32.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref72\" name=\"_ftn72\">[72]<\/a> ebd. S.59.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref73\" name=\"_ftn73\">[73]<\/a> ebd. S.59.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref74\" name=\"_ftn74\">[74]<\/a> ebd. S.60.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref75\" name=\"_ftn75\">[75]<\/a> ebd. S.64.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref76\" name=\"_ftn76\">[76]<\/a> ebd. S.63.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref77\" name=\"_ftn77\">[77]<\/a> ebd. S.94.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref78\" name=\"_ftn78\">[78]<\/a> ebd. S.77.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref79\" name=\"_ftn79\">[79]<\/a> ebd. S.32.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref80\" name=\"_ftn80\">[80]<\/a> ebd. S.41.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref81\" name=\"_ftn81\">[81]<\/a> ebd. S.47.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref82\" name=\"_ftn82\">[82]<\/a> ebd. S.62.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref83\" name=\"_ftn83\">[83]<\/a> ebd. S.88.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref84\" name=\"_ftn84\">[84]<\/a> ebd. S.74.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref85\" name=\"_ftn85\">[85]<\/a> ebd. S.63.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref86\" name=\"_ftn86\">[86]<\/a>Alternative f\u00fcr Deutschland (2017) S.19.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref87\" name=\"_ftn87\">[87]<\/a> ebd. S.23.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref88\" name=\"_ftn88\">[88]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref89\" name=\"_ftn89\">[89]<\/a> ebd. S.30.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref90\" name=\"_ftn90\">[90]<\/a> ebd. S.32.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref91\" name=\"_ftn91\">[91]<\/a> ebd. S.37.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref92\" name=\"_ftn92\">[92]<\/a> ebd. S.44.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref93\" name=\"_ftn93\">[93]<\/a> ebd. S.62.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref94\" name=\"_ftn94\">[94]<\/a> ebd. S.28.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref95\" name=\"_ftn95\">[95]<\/a> Alternative f\u00fcr Deutschland, Landesverband Bayern (2016).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref96\" name=\"_ftn96\">[96]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref97\" name=\"_ftn97\">[97]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref98\" name=\"_ftn98\">[98]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref99\" name=\"_ftn99\">[99]<\/a> Alternative f\u00fcr Deutschland, Landesverband Nordrhein-Westfalen (2015).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref100\" name=\"_ftn100\">[100]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref101\" name=\"_ftn101\">[101]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref102\" name=\"_ftn102\">[102]<\/a> Vgl. CSU (2018) S.14.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref103\" name=\"_ftn103\">[103]<\/a> ebd. S.15, S.17.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref104\" name=\"_ftn104\">[104]<\/a> ebd. S.16.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref105\" name=\"_ftn105\">[105]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref106\" name=\"_ftn106\">[106]<\/a> ebd. S.17.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref107\" name=\"_ftn107\">[107]<\/a> ebd. S.18.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref108\" name=\"_ftn108\">[108]<\/a> ebd. S.18.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref109\" name=\"_ftn109\">[109]<\/a> ebd. S.18.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref110\" name=\"_ftn110\">[110]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref111\" name=\"_ftn111\">[111]<\/a> ebd. S.23.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref112\" name=\"_ftn112\">[112]<\/a> ebd. S.24.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref113\" name=\"_ftn113\">[113]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref114\" name=\"_ftn114\">[114]<\/a> ebd. S.25.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref115\" name=\"_ftn115\"><\/a>\u00a0[115]ebd. S.26.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref116\" name=\"_ftn116\">[116]<\/a> ebd. S.19.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref117\" name=\"_ftn117\">[117]<\/a> ebd. S.23.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref118\" name=\"_ftn118\">[118]<\/a> ebd. S.24.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref119\" name=\"_ftn119\">[119]<\/a> ebd. S.16.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref120\" name=\"_ftn120\">[120]<\/a> ebd. S.12.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref121\" name=\"_ftn121\">[121]<\/a> ebd. S.26.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref122\" name=\"_ftn122\">[122]<\/a> ebd. S.14.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref123\" name=\"_ftn123\">[123]<\/a> ebd. S.15<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref124\" name=\"_ftn124\">[124]<\/a> ebd. S.25.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref125\" name=\"_ftn125\">[125]<\/a> ebd. S.13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref126\" name=\"_ftn126\">[126]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref127\" name=\"_ftn127\">[127]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref128\" name=\"_ftn128\">[128]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref129\" name=\"_ftn129\">[129]<\/a> ebd. S.14.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref130\" name=\"_ftn130\">[130]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref131\" name=\"_ftn131\">[131]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref132\" name=\"_ftn132\">[132]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref133\" name=\"_ftn133\">[133]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref134\" name=\"_ftn134\">[134]<\/a> ebd. S.15.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref135\" name=\"_ftn135\">[135]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref136\" name=\"_ftn136\">[136]<\/a> Vgl. ebd. S.18.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref137\" name=\"_ftn137\">[137]<\/a> ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref138\" name=\"_ftn138\">[138]<\/a> Bundesministerium des Innern, f\u00fcr Bau und Heimat (2018b).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref139\" name=\"_ftn139\">[139]<\/a> Bundesministerium des Innern, f\u00fcr Bau und Heimat (2018b).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref140\" name=\"_ftn140\">[140]<\/a> Bundesministerium des Innern, f\u00fcr Bau und Heimat (2018a).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref141\" name=\"_ftn141\">[141]<\/a> Bundesministerium des Innern, f\u00fcr Bau und Heimat (2018c).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Literatur<\/p>\n<p>Albertazzi, Daniele\/McDonnell, Duncan (2008): Twenty-first century populism. The spectre of Western European democracy. Basingstoke: Palgrave Macmillan.<\/p>\n<p>Aschemeier, Rainer (Red.) (2009): Der Brockhaus. In einem Band. 13. Auflage. Leipzig, Mannheim: F.A. Brockhaus.<\/p>\n<p>Ballnu\u00df, Petra (1996): Leitbegriffe und Strategien der Begriffsbesetzung in den Grundsatzprogrammen von CDU und SPD. In: Josef Klein\/Hans-Joachim Diekmannshenke (Hg.): W\u00f6rter in der Politik. Analysen zur Lexemverwendung in der politischen Kommunikation. Opladen: Westdeutscher Verlag, S.29-75.<\/p>\n<p>Bebnowski, David (2016): \u00bbGute\u00ab Liberale gegen \u00bbb\u00f6se\u00ab Rechte? In: Alexander H\u00e4usler (Hg.): Die Alternative f\u00fcr Deutschland. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden, S. 25-35.<\/p>\n<p>Ceyhan, Sara (2016): Konservativ oder doch schon rechtspopulistisch? Die politischen Positionen der AfD-Parlamentskandidaten im Parteienvergleich. In: Zeitschrift f\u00fcr Politikwissenschaft 26 (1), S. 49-76.<\/p>\n<p>Decker, Frank (2006): Populismus in Europa. Gefahr f\u00fcr die Demokratie oder n\u00fctzliches Korrektiv? 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