{"id":8270,"date":"2018-10-22T10:10:16","date_gmt":"2018-10-22T08:10:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=8270"},"modified":"2018-10-22T10:10:16","modified_gmt":"2018-10-22T08:10:16","slug":"social-media-oktober-von-sebastian-loewe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2018\/10\/22\/social-media-oktober-von-sebastian-loewe\/","title":{"rendered":"Social Media Oktobervon Sebastian L\u00f6we22.10.2018"},"content":{"rendered":"<p>Rhetorik der Einflussnahme. Die Influencerin als \u00e4sthetisches Identifikations- und Sinnangebot<!--more--><\/p>\n<p>Das Ph\u00e4nomen der Influencerin \u2013vor allem das komplizierte Spiel aus Bild, Sprache und Interaktion auf der Plattform Instagram\u2013, das von Wolfgang Ullrich in \u201ePop. Kultur und Kritik\u201c (Nr. 12, Fr\u00fchling 2018) unter dem Titel \u201eGanz ohne Einflussangst. Zur Karriere der Influencer\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> in den Mittelpunkt seiner Untersuchung gestellt wurde, muss erg\u00e4nzt und wom\u00f6glich neu gedacht werden.<\/p>\n<p>Ullrich deutet die Influencerin aus kunstgeschichtlicher Perspektive im Grunde als verhinderte K\u00fcnstlerin, die angstfrei ihren Mangel an kreativer Leistung, Originalit\u00e4t und Genialit\u00e4t im Medium Instagram auslebt. Mehr noch, das Ph\u00e4nomen der Influencerin ist Ullrich zufolge erst aus diesem k\u00fcnstlerischen Defizit erkl\u00e4rbar. Zur Promoterin der Warenwelt werde die Influencerin gerade deswegen, weil sie nicht permanent sinnvolle, kreative Beitr\u00e4ge posten k\u00f6nne und daher aus Verlegenheit, ein digitales Lebenszeichen von sich geben zu m\u00fcssen, zu Konsumprodukten greift und sie inszeniert. Ullrich definiert die Influencerin konsequent im Lichte der Abwesenheit von Kreativit\u00e4t: \u201eDas ist ein Mensch, der aus Mangel an Ideen darauf kommt, ihm gerade zur Verf\u00fcgung stehende Konsumprodukte zu fotograferen und zu filmen &#8230; .\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Doch erkl\u00e4rt ein Mangel an bzw. die Abwesenheit von etwas nicht den positiven Inhalt eines zu erkl\u00e4renden Ph\u00e4nomens. Wenn es Verlegenheit ist, die Influencerinnen zu solchen macht, wieso praktizieren sie es \u00fcberhaupt? Keine Inhalte zu haben, m\u00fcsste doch bedeuten, dass man aufh\u00f6rt zu posten. Stattdessen werden Influencerinnen zu ausgezeichneten Handwerkerinnen, die teilweise stundenlange Vorbereitung in ein einziges Foto investieren, das sie nicht einmal mehr selbst machen. Die Frage dr\u00e4ngt sich auf: Was praktizieren also Influencerinnen, wenn es offenbar kein Abzug von ihrer Authentizit\u00e4t ist, wenn sie sich inszenieren?<\/p>\n<p>Wolfgang Ullrich weist zurecht darauf hin, dass Influencerinnen Glaubw\u00fcrdigkeit inszenieren und dadurch ein St\u00fcck weit ihr Publikum verf\u00fchren. Aber statt sie der Manipulation zu inkriminieren, m\u00f6chte ich fragen, worin ihre Inszenierung besteht und weshalb diese so attraktiv ist, dass man \u00fcberhaupt von so etwas wie Einflussnahme sprechen kann. Eine solche genaue Untersuchung bleibt trotz Wolfgang Ullrichs Vorsto\u00df ein Desiderat; sie scheint aber n\u00f6tig, um das Ph\u00e4nomen erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen. Ich m\u00f6chte daher die kunstgeschichtliche Sicht um eine \u00e4sthetiktheoretische, kultur- und medienwissenschaftliche Perspektive in der Hoffnung erg\u00e4nzen, damit dem Ph\u00e4nomen der Instagram-Influencerin n\u00e4her zu kommen.<\/p>\n<p>Ein Blick auf Instagram verr\u00e4t, dass das Medium vielf\u00e4ltig und durchaus sehr unterschiedlich genutzt wird \u2013 als Ort ungefilterter Zeugenschaft, als k\u00fcnstlerisches Medium oder als virtuelle Galerie, als Archiv oder Tagebuch, als Kochbuch, DIY-Plattform, Community-Ratgeber oder als Werbekanal f\u00fcr Unternehmen.<\/p>\n<p>Schaut man sich die Accounts der Influencerinnen an,<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> f\u00e4llt auf, dass sie ein im Vergleich dazu fokussierteres bildliches und sprachliches Vokabular haben. Bei ihnen wird der Instagram-Account in den allermeisten F\u00e4llen zur Plattform f\u00fcr die Inszenierung ihrer Person, ihres Leben, ihrer Taten, ihrer Vorlieben, kurz ihrer Pers\u00f6nlichkeit und pers\u00f6nlichen Weltsicht. Meine These ist, dass, egal auf welche Themenbereiche Influencerinnen spezialisiert sind, sie \u00fcber ein spezielles visuell-narratives Verfahren der Sinnstiftung, die das Medium erm\u00f6glicht und unterst\u00fctzt, Identifikationsangebote machen, die letztlich ihren Einfluss auf andere Menschen begr\u00fcnden. Zu beweisen wird sein, auf welche Art und Weise Influencerinnen das tun und welche Rolle Bild, Sprache und Vernetzung auf Instagram als sozialem Medium spielen.<\/p>\n<p>Um sich dem Ph\u00e4nomen vorsichtig zu n\u00e4hern, soll zun\u00e4chst einmal ein erster Blick auf die Accounts einiger Influencerinnen geworfen werden. Ich habe daf\u00fcr zuf\u00e4llig exemplarische Nutzerkonten ausgew\u00e4hlt. Unter den Accounts finden sich die deutsche Fitness-Influencerin Pamela Reif (@pamela_rf), das selbstbetitelte \u201efat girl\u201c Gabi Fresh (@gabifresh), die Kolumbianerin Maria Perez (@maria_perezxox), der Unternehmer Joel Contartese (@joelcontartese), die Fashion-Beauty-Lifestyle-Influencerinnen Desi Perkins (@desiperkins), Bonnie Strange (@bonniestrange) und Caroline Daur (@carodaur), sowie den queeren Influencer Ricardo Simonetti (@riccardosimonetti) und den Bodybuilder Andy Frisella (@andyfrisella). Diese Auswahl ist weder abschlie\u00dfend noch repr\u00e4sentativ, sondern soll ein mehr oder weniger facettenreiches Bild der Szene zeigen. Alle genannten Accounts zeigen Ausformungen eines noch zu bestimmenden Lebens dieser Personen. Auf der ersten Ebene der Begegnung mit dem Leben dieser Menschen treffen Nutzerinnen auf eine endlose Reihung von Fotos, wie hier exemplarisch bei Caroline Daur gezeigt wird.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-8274\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/09\/Abbildung-1-455x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"455\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/09\/Abbildung-1-455x1024.jpg 455w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/09\/Abbildung-1-133x300.jpg 133w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/09\/Abbildung-1.jpg 582w\" sizes=\"auto, (max-width: 455px) 100vw, 455px\" \/><\/p>\n<p>Jedes dieser Fotos wurde zu einem bestimmten Zeitpunkt gepostet; das Datum und meist auch der Ort sind an dem Bild vermerkt. Auf dieser Ebene reihen sich die bildlichen Repr\u00e4sentationen zu einer langen Kette von \u201aLebenszeichen\u2018 dieser Person. Man k\u00f6nnte auch sagen, dass man es mit einer unabgeschlossenen Erz\u00e4hlung zu tun hat, die das Medium permanent zur Fortsetzung ausschreibt. Entscheidend ist hier folgende subtile Verschiebung: Diese visuelle Erz\u00e4hlung, gerade weil jeder einzelne Post so stark an einen konkreten Zeitpunkt und Raum gekn\u00fcpft ist, legt in ihrer Gesamtheit nicht nur nahe, dass es sich um Dokumente aus dem Leben der Leute handelt, sondern um Dokumente des Alltags. Wo das t\u00e4gliche Leben dokumentiert wird, kann es auch als allt\u00e4gliches Leben interpretiert werden. Diese Verwischung von t\u00e4glich und allt\u00e4glich, die das Medium Instagram hier m\u00f6glich macht und die die Influencerinnen bewusst einsetzen, ist folgenreich.<\/p>\n<p>Schaut man sich die Dokumente in ihrer Gesamtheit an, die zu einem Bild des Alltags zusammengesetzt werden, dann besteht das t\u00e4gliche Leben einer Influencerin wie Caroline Daur aus solchen Dingen, Orten und Aktivit\u00e4ten, die im Alltag vieler Menschen nur einen marginalen Platz haben. Reisen ist eine Aktivit\u00e4t, die sich auf die Urlaubszeit beschr\u00e4nken muss, Fitness-Studio-Besuche m\u00fcssen am Abend stattfinden, Ausf\u00fcge und Parties am Wochenende. In der Welt der Influencerinnen jedoch nehmen diese Events einen zentralen Platz ein. In der Welt der Influencerinnen scheint es einen erm\u00fcdenden und anstrengenden Arbeitsalltag nicht zu geben. In dieser Abfolge gl\u00fccklicher und ausgelassener Momente, ist das Au\u00dfergew\u00f6hnliche Normalit\u00e4t, hat\u00a0das Negative und Beschwerliche keinen Platz. Wir haben es hier zun\u00e4chst einmal mit dem visuellen Narrativ einer unbesch\u00e4digten Welt zu tun, die weder Antagonismen noch Br\u00fcche kennt.<\/p>\n<p>Das Subjekt selbst ist in dieser Welt im wahrsten Sinne des Wortes Mittelpunkt der Erz\u00e4hlung; es wird fast immer in die Bildmitte gesetzt. Damit unterstreicht die Erz\u00e4hlung vom unbesch\u00e4digten Leben, wie sehr es diesem Subjekt gem\u00e4\u00df ist; oder anders ausgedr\u00fcckt, wie sehr die Interessen des Subjekts nach einem guten und au\u00dfergew\u00f6hnlichen Leben in dieser, seiner Welt aufgehoben und verwirklicht sind. Somit hat man es schon auf dieser ersten, grundlegenden Ebene mit einem Sinnangebot zu tun, das zur Identifikation mit der Influencerin einl\u00e4dt. Es ist das Angebot, die Welt der Influencerin im Lichte ihrer subjektgem\u00e4\u00dfen Ausformung zu interpretieren, sie als subjektgem\u00e4\u00df zu begreifen. Man ist eingeladen, Zeugin des unbesch\u00e4digten Lebens dieser Person zu werden. Mit Rekurs auf Daniel Martin Feige ist das Design von Instagram als \u00e4sthetische Form der praktischen Welterschlie\u00dfung<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> eine, die die Welt der Influencerin im Modus dieser Sinnvorstellung erschlie\u00dft. Freilich ist die Differenz zum eigenen, viel h\u00e4rteren Leben nat\u00fcrlich damit nicht geleugnet. Ganz im Gegenteil, scheint die Attraktivit\u00e4t gerade in der Differenz zum eigenen Leben zu liegen.<\/p>\n<p>Die Bildebene unterst\u00fctzt inhaltlich diese Differenzmarkierung. Interessant ist, wie der nicht-allt\u00e4gliche Alltag \u00e4sthetisch inszeniert und beglaubigt wird. Ein kurzer Streifblick: Desi Perkins steht vor einer Villa am Strand im schicken Kleid, dann steht sie vor einer zweiten Villa in Santa Barbara in Bikini und M\u00e4ntelchen oder am Strand im Badeanzug mit ihrem Freund. Joel Contartese sieht man in wei\u00dfer Hose und wei\u00dfem Hemd die Treppen eines barocken Schlosses hinaufsteigen, man sieht seinen Blick auf einen Nachmittagskaffee in Los Angeles mit einem spannenden Buch daneben oder mit modischem Pullover und Skinny-Jeans neben moderner Kunst in einer kalifornischen Galerie. Pamela Reif posiert nach dem Work-Out mit TV-Star Selena Gomez, sie sitzt dann beim Sonnenuntergang in einem Adria-Hafen irgendwo in Montenegro und betrachtet Luxusjachten, ist dann auf dem Hockenheimring bei der Formel Eins ganz nah am Geschehen oder zeigt sich im Bikini am Malediven-Strand. Beglaubigt wird die Differenz zum \u201anormalen\u2018 Leben weniger durch den jeweiligen Inhalt, der f\u00fcr sich genommen auch f\u00fcr Durchschnittsmenschen ab und zu erreichbar ist, als vielmehr durch zwei Aspekte eines professionell inszenierten Accounts.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst wird deutlich, dass das Zeitalter des Selfies bei den Influencerinnen l\u00e4ngst vorbei ist. Fast ausschlie\u00dflich sind die Protagonistinnen dieser Erz\u00e4hlungen von Fotografen oder so genannten \u201aInstagram-Husbands\u2018<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> in Szene gesetzt worden. Das Foto von Pamela Reif vom Hockenheimring mit wohl definierten Kontrasten, satten Farben und einem Spiel von Sch\u00e4rfe und Unsch\u00e4rfe, das von einer dynamischen Bildkomposition unterstrichen wird, stammt von Paul Ripke, einem Fotografen, der auch andere Influencerinnen inszeniert.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-8272\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/09\/Abbildung-2-1024x741.png\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"503\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/09\/Abbildung-2-1024x741.png 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/09\/Abbildung-2-300x217.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/09\/Abbildung-2-768x555.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/09\/Abbildung-2.png 1554w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/p>\n<p>Wenn Pamela Reif derart aus ihrem Leben erz\u00e4hlt, dann gerinnt ein ganzer Tag am Hockenheimring in solch einem durchkomponierten Foto zum visuellen Monument. Es steht stellvertretend f\u00fcr eine ganze Reihe gro\u00dfartiger und zerstreuender Erlebnisse; nicht umsonst spielen die drei Badges, die um Reifs Hals h\u00e4ngen mit einem Assoziationsraum zwischen Troph\u00e4e, Medaille und VIP- Zugangsberechtigung. Es ist unserer Phantasie \u00fcberlassen auszumalen, wie erf\u00fcllt dieser Tag f\u00fcr Reif war, der hier visuell konzentriert wiedergegeben wird. In jedem Fall zeichnet sich das \u00e4sthetische Moment auf der\u00a0Ebene des einzelnen Dokuments durch eine enorme Verdichtung des guten Lebens aus. Auf der Ebene der Reihung jedes dieser Dokumente wird deren einzelne Wirkung noch einmal zu einer Gesamtwirkung verst\u00e4rkt, denn in der Abfolge zeigt jedes Foto die Influencerinnen in der Regel in einem neuem Setting mit unterschiedlicher Garderobe. So addieren sich die einzelnen konzentrierten visuellen Zeugnisse des guten Lebens zu einer Summe, die erst die Qualit\u00e4t des bruchfreien Lebens der Influencerinnen und damit den qualitativen Unterschied zum eigenen Leben \u00e4sthetisch inszenieren.<\/p>\n<p>Eine solche Erz\u00e4hlung ist nicht etwa ein unauthentisches Leben, wie einige Kritikerinnen anmerken, sondern der Kern dessen, was die Authentizit\u00e4t des erz\u00e4hlenden Subjekts im Medium Instagram ausmacht. Denn \u2013 in Anlehnung an Adorno<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>\u00a0\u2013 kommt es bei der Frage, was authentisch ist, weniger auf den Inhalt des Gesagten als vielmehr darauf an, auf welche Art und Weise jemand etwas hervorbringt. Authentisch ist, wenn der ganze Mensch rede, wenn das Gesagte aus der \u201eTiefe des redenden Subjekts\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> komme, in einem \u201eGef\u00fchl dankbarer Zustimmung zum Dasein\u201c.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Das Instagram-Subjekt ist authentisch, wenn es von sich und dem eigenen unbesch\u00e4digten Leben berichtet. Dies muss\u00a0allerdings mit jedem Post \u00e4sthetisch und rhetorisch neu bewiesen werden, um glaubw\u00fcrdig und damit authentisch zu bleiben. Das Medium Instagram zwingt, k\u00f6nnte man fast sagen, durch seine mediale Verfasstheit und sein mediales Dispositiv die Influencerinnen dazu, mit jedem Post zu zeigen, dass sie ihr Leben wirklich so leben und darin ganz bei sich sind. So verwundert es nicht, dass sich in den visuellen Narrativen der Influencerinnen nicht der geringste Hinweis findet, der das Bild vom unbesch\u00e4digten Leben br\u00fcchig und damit unauthentisch werden l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend wird auch die sprachliche Ebene der Instagram-Posts von den Influencerinnen genutzt, um ihr Identifikationsangebot zu bekr\u00e4ftigen. Die meisten Influencerinnen nutzen die Captions, also die Bildunterschriften, um die oft deutliche Differenz zum Leben der Followerinnen durch eine direkte Ansprache zu relativieren, indem sie darauf verweisen, was Influencerin und Followerin eint. So schreibt Gabi Fresh an ihre Fans: \u201eHappy #nationalbikiniday!!! thank you to every person who has shared photos of themselves in swimwear over the past 5 years, helping our culture move toward inclusivity and self love \u201c.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-8273\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/09\/Abbildung-3-1024x755.png\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"512\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/09\/Abbildung-3-1024x755.png 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/09\/Abbildung-3-300x221.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/09\/Abbildung-3-768x566.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/09\/Abbildung-3.png 1514w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/p>\n<p>Die Gemeinsamkeit mit dem vernetzten Beobachter wird hier durch die Behauptung einer gemeinsamen Kultur hergestellt. Gabi Fresh mag ja besonders mutig sein im Kampf gegen stereotype Vorstellungen von Sch\u00f6nheit und dabei besonders coole Bikinis tragen, so die Botschaft ihrer visuellen Ansprache, aber sie ist eben nur Teil einer viel umfassenderen Kultur, zu der sich jeder Mensch mit \u00dcbergewicht z\u00e4hlen darf.<\/p>\n<p>Maria Perez nutzt die Captions fast ausnahmslos f\u00fcr Sinnspr\u00fcche wie \u201eTo be the best you must be able to handle the worst\u201c, um ein Gef\u00fchl von Gemeinsamkeit herzustellen. Daf\u00fcr eignen sich Sinnspr\u00fcche besonders, weil sie die Gemeinsamkeit mit den Followerinnen durch eine in aller Regel allgemein geteilte, sinnstiftende Interpretation des Lebens abrufen. Wer mag sich nicht hinter solch ein poetisches und positives Menschenbild stellen?<\/p>\n<p>Alle Influencerinnen beherrschen die Kunst des rhetorischen Framings ihrer Posts, egal ob sie durch so genannte rhetorische Fragen Parallelen zum Leben ihrer Follower herstellen (\u201eGeht es euch nicht auch so&#8230;\u201c), geschlossene Fragen stellen (\u201ehabt ihr schon mal versucht euch mit links zu schminken oder zu schreiben?\u201c), Schmeicheleien austauschen (\u201eIhr seid so s\u00fc\u00df&#8230;\u201c), humoristische Einlagen bringen (\u201eMy mom\u2019s genes in these mom jeans\u201c), sich gemeinsam freuen (\u201eTGIF&#8230;thank god it\u2019s Friday\u201c), Frust im Liebesleben eingestehen\u00a0(\u201eSometimes he makes me want to throw my chancla across the room but I love him #marriage\u201c), Unsicherheiten zugeben (\u201eI have insecurities too, we all do and it is not a bad thing &#8230;\u201c), gemeinsam Hitzewellen ertragen (\u201elet\u2019s get cool in the pool\u201c) oder Alltagsrituale zeigen, die Nutzerinnen auch betreiben (\u201eMy little family sunday\u201c). Die Bandbreite dieser rhetorischen Identifikationsangebote ist damit noch nicht ersch\u00f6pft; sie soll an dieser Stelle aber gen\u00fcgen.<\/p>\n<p>Mit diesen pers\u00f6nlichen Ansprachen an die Nutzerin schaffen die Influencerinnen ein Interpretationsangebot ihrer Posts, das die visuelle Inszenierung auf interessante Weise erg\u00e4nzt. Die Fotos m\u00f6gen als Ausweis einer qualitativen Differenz der Influencerin interpretiert werden, die verbale Ansprache r\u00fcckt diese Differenz in ein neues Licht, denn die Betonung der Gemeinsamkeit mit den Followerinnen macht die Influencerin zu einer nahbaren, bescheidenen und ehrlichen Person. Indem die Influencerinnen das Angebot an die Betrachterinnen machen, die Differenz zu ihrem Leben als ideell \u00fcberwunden zu begreifen, st\u00e4rken sie das Identifikationsangebot und festigen damit ihre Vorbildrolle, ihre Position als Beeinflusserinnen. Das Leben der Influencerin im Lichte der Gemeinsamkeit zu interpretieren, bedeutet f\u00fcr die Betrachterinnen, das unbesch\u00e4digte Leben nicht mehr als Ausnahmeerscheinung zu deuten, sondern als Prototyp des eigenen Lebens. Indem sich Instagram-Nutzerinnen letztlich mit der Influencerin im Modus der Sinnvorstellung des gemeinsamen Lebensentwurfs eines unbesch\u00e4digten Lebens identifizieren, werden sie erst zu Anh\u00e4ngerinnen, Unterst\u00fctzerinnen, kurz Followerinnen.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>Wie dieses identifikatorische Spiel aus N\u00e4he und Distanz ausgestaltet wird, um Identifikation zu schaffen und die Authentizit\u00e4t des eigenen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Lebens \u00e4sthetisch zu beglaubigen, ist den Influencerinnen \u00fcberlassen. Manche von ihnen betonen Sex-Appeal und ihren K\u00f6rper \u2013 wie Maria Perez \u2013, andere Style und Geschmack \u2013 wie Caroline Daur. Bonnie Strange spielt mit dem Bild einer unangepassten jungen Frau, die trotzdem einem g\u00e4ngigen Sch\u00f6nheitsideal entspricht. Gabi Fresh ist F\u00fcrsprecherin eines alternativen Frauenbildes, Pamela Reif Vertreterin einer Arbeite-hart-dann-schaffst-du-es-Mentalit\u00e4t, die sie visuell und sprachlich aufruft. Joel Contartese gibt den einf\u00fchlsamen Mann, Ricardo Simonetti den queeren Paradiesvogel und Andy Frisela den harten Typen, den nichts aufh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Dabei begrenzen sich die Influencerinnen nicht auf ein bestimmtes Feld, sondern deklinieren jeweils f\u00fcr sich die Kategorien K\u00f6rper\/Sex-Appeal, Geschmack, Reichtum\/Luxus, Erholung und Motivation durch. Ohne dass sie dabei selbst zu Stereotypen werden, rufen sie feste Vorstellungen, verbreitete Topoi und Stereotypen des guten Lebens im Kapitalismus auf. Es ist ein Leben, in dem sich das Subjekt immer wieder gegen andere und den eigenen Unwillen durchsetzt, attraktiv ist und daher von Anderen begehrt und akzeptiert wird, in sich ruht und monet\u00e4re Mittel nicht thematisieren muss. Es ist letztlich die Vorstellung des Lebens eines Konkurrenzsubjekts, das die Konkurrenz um materielle und ideelle G\u00fcter gewinnt, der die dankbare Zustimmung zum Dasein erteilt wird. Dass an dieser Sinnvorstellung festgehalten wird, selbst wenn das eigene Leben gar nichts von dem Leben einer Influencerin hat, zeigt sich besonders deutlich in den Reaktionen der Nutzerinnen, die sich gegen\u00fcber kritisch werden und\u00a0schlie\u00dflich depressiv.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Die Unternehmen in Gestalt der Marketing-Manager beziehen sich auf diese mittlerweile hoch professionalisierte Welt der Influencerinnen ganz im Modus der Absatzgenerierung durch Marketingkommunikation. Wolfgang Ullrich hat zurecht herausgestellt, dass Influencerinnen Werbung f\u00fcr Firmen viel authentischer betreiben k\u00f6nnen. Allerdings denken Unternehmen auch in dieser Frage offensiv. Influencerinnen werden in der Regel nicht mit Produkten bedient, um ihnen den Aufwand der Selbstinszenierung zu erleichtern. Genutzt werden die Influencerinnen aus Sicht der Unternehmen, um sich langfristig in die jeweils um die Influencerin kreisenden Beauty-, Lifestyle-, Fashion-, Fitness-, Food-, Sport-, und Freizeit-Communities einzupflanzen.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Nicht nur die Influencerin, sondern potenziell die gesamte Community soll \u00fcber die Marke sprechen und damit zu mehr oder weniger aktiven Markenbotschafterinnen geformt werden. Eine solche Form der Bet\u00e4tigung als Influencerin ist \u00fcber die Anstrengungen der Marketing-Manager in der Konkurrenz der Unternehmen l\u00e4ngst zum eigenst\u00e4ndigen Beruf geworden, mit Einkommen, die es teilweise mit Managergeh\u00e4ltern aufnehmen k\u00f6nnen. Angesichts dieser Lage, stellt sich f\u00fcr Influencerinnen die Frage eigentlich nicht mehr, ob sie Marken promoten wollen, sondern nur noch, welche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Ullrich, Wolfgang: Ganz ohne Einflussangst. Zur Karriere der Influencer. In: POP. Kultur und Kritik. 12 (2018), S. 45-49.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Ebd. S. 46.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> F\u00fcr diese Untersuchung reichte mir eine Recherche in einschl\u00e4gigen Quellen wie dem Wirtschaftsmagazin Forbes, das jedes Jahr eine Liste der angesagtesten, interessantesten und neuesten Influencerinnen zusammenstellt. Abgegrenzt werden muss der Begrif der Influencerin gegen Prominente au\u00dferhalb von Instagram, die ihren Instagram-Account als zus\u00e4tzliches Medium f\u00fcr den Anschluss an Fans nutzen. Ich m\u00f6chte mich dem Ph\u00e4nomen der Influencerin widmen, deren Bekanntheit sich ganz aus der Nutzung von Instagram und anderen Sozialen Medien ergibt.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Feige, Daniel Martin: Design. Eine philosophische Analyse. Suhrkamp: Berlin 2018.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Popul\u00e4r gemacht haben diesen Terminus US-amerikanische Comedians rund um das Comedy-Format<br \/>\nMystery Hour: https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fFzKi-o4rHw (abgerufen am 15.8. 2018).<br \/>\n<a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Adorno, T.W.: Jargon der Eigentlichkeit. Suhrkamp: Frankfurt\/M. 1967, S. 11.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Ebd. S. 16.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Ebd. S. 23.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> So kommt es, dass Followerinnen ganz ohne Zynismus kommentieren k\u00f6nnen, wenn eine Influencerin wieder eine neue Marke vorstellt, die sie regelm\u00e4\u00dfig als ihre \u201eFamilie\u201c \u00fcberh\u00f6ht: \u201eOh sch\u00f6n, wird das jetzt auch wieder deine neue Familie?\u201c Oder im Kommentar zum selben Post: \u201eSweetie, ich war so erleichtert von deinem Post neulich, dass du mal gechillt und deinen Kalender mal vergessen hast. Ich dachte schon fast, du seist kein Mensch.\u201c Ebenfalls in diesem Post bringt folgender Kommentar dann die Identifikation und Vorbildrolle der Influencerin auf den Punkt: \u201eYou doing what you love i can see that ! You inspire &amp; awake The heart of others to do the same !\ud83d\ude0a keep it up!\ud83d\ude01\u201c<br \/>\n<a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Wulf, Veronika: Sch\u00f6nheit stresst. In: S\u00fcddeutsche Zeitung, 05.04.2018, S. 17.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Kotler, Philip\/ Hermawan Kartajaya\/ Iwan Setiawan: Marketing 4.0. Der Leitfaden f\u00fcr das Marketing der Zukunft. Campus: Frankfurt\/M. 2017.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Literatur<\/p>\n<p>Adorno, Theodor W.: <i>Jargon der Eigentlichkeit.<\/i> Suhrkamp: Frankfurt\/M. 1967.<\/p>\n<p>Feige, Daniel Martin: <i>Design. Eine philosophische Analyse<\/i>. Suhrkamp: Berlin 2018.<\/p>\n<p>Kotler, Philip\/ Hermawan Kartajaya\/ Iwan Setiawan: <i>Marketing 4.0. Der Leitfaden f\u00fcr das Marketing der Zukunft<\/i>. Campus: Frankfurt\/M. 2017.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ullrich, Wolfgang: Ganz ohne Einflussangst. Zur Karriere der Influencer. In: <i>POP. Kultur und Kritik.<\/i> 12 (2018), S. 45-49.<\/p>\n<p>Wulf, Veronika: Sch\u00f6nheit stresst. In: <i>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/i>, 05.04.2018, S. 17.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sebastian L\u00f6we lehrt derzeit als Professor f\u00fcr Designmanagement u.a. zum Thema Influencer-Marketing an der Mediadesign Hochschule Berlin. Er war als Social-Media-Manager beim Berliner Fotokunst-Start-up seen.by zust\u00e4ndig f\u00fcr Influencer-Marketing. Zudem forschte L\u00f6we als Post-Doc-Researcher im Fachbereich Design an der HMKW Berlin, wurde vorher an der Martin-Luther Universit\u00e4t mit einer interdisziplin\u00e4ren Studie \u00fcber Kitsch als diskursives Ph\u00e4nomen promoviert, studierte Medienkunst an der Burg Giebichenstein Halle und in Tokio, sowie Medienwissenschaft an der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rhetorik der Einflussnahme. Die Influencerin als \u00e4sthetisches Identifikations- und Sinnangebot<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[180,366,417,525,811,1070,1071,1082,1139,1449,1736,1998],"class_list":["post-8270","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-andy-frisella","tag-bonnie-strange","tag-caroline-daur","tag-desi-perkins","tag-gabi-fresh","tag-influencer","tag-influencer-marketing","tag-instagram","tag-joel-contartese","tag-maria-perez","tag-pamela-reif","tag-ricardo-simonetti"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8270","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8270"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8270\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8270"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8270"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8270"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}