{"id":867,"date":"2012-11-01T10:14:28","date_gmt":"2012-11-01T08:14:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=867"},"modified":"2012-11-01T10:14:28","modified_gmt":"2012-11-01T08:14:28","slug":"kleine-artikelrevue-oktobervon-thomas-hecken1-11-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2012\/11\/01\/kleine-artikelrevue-oktobervon-thomas-hecken1-11-2012\/","title":{"rendered":"Kleine Artikelrevue Oktobervon Thomas Hecken1.11.2012"},"content":{"rendered":"<p>In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden werden wir an dieser Stelle interessante Artikel der letzten Monate vorstellen, die im Internet frei zug\u00e4nglich sind.<!--more--><\/p>\n<p>Dieses Mal sind es Artikel von Camille Paglia zur Kunstszene, von Slavoj \u017di\u017eek zu \u00bbThe Dark Knight Rises\u00ab, von Wolfgang Streeck zu \u00bbMarkets and Peoples\u00ab, von Ulf Poschardt zur Vision einer urbanen CDU und von Holly Hilgenberg zu Lifestyle-Blogs.<\/p>\n<p>Camille Paglia verrichtet ihren Job als Pop- und Anti-PC-Autorin auf gewohnt zuverl\u00e4ssige, gut zu lesende, wenn auch nur selten \u00fcberzeugende Weise. In ihrem aktuellen Artikel <a title=\"Artikel Paglia\" href=\"http:\/\/online.wsj.com\/article\/SB10000872396390444223104578034480670026450.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbHow Capitalism Can Save Art\u00ab<\/a> greift sie ausgerechnet im \u00bbWall Street Journal\u00ab die Kunstszene an. Ein solider Pop-Schachzug von ihr ist es, die Genie- und Subjektivit\u00e4ts\u00e4sthetik im Namen des Designhandwerks zu attackieren. Ein weiterer Zug besteht darin, den Zusammenhang von bildender Kunst und universit\u00e4rer Theorie kritisch herauszustellen: \u00bbThe art world, like humanities faculties, suffers from a monolithic political orthodoxy \u2013 an upper-middle-class liberalism far from the fiery antiestablishment leftism of the 1960s.\u00ab Das f\u00fchrt sie zu der absurden Schlussfolgerung und Aufforderung, die heutigen K\u00fcnstler sollten sich als Unternehmer verstehen. Das muss man ihnen wirklich nicht mehr sagen.<\/p>\n<p>Der andere antiliberale, inzwischen noch viel erfolgreichere Matador des Pop-Feuilletonismus, Slavoj \u017di\u017eek, meldet sich im \u00bbNew Statesman\u00ab mit einem Update seiner Hollywood-Zeitgeistlekt\u00fcren: <a title=\"Artikel Zizek\" href=\"http:\/\/www.newstatesman.com\/culture\/culture\/2012\/08\/slavoj-%C5%BEi%C5%BEek-politics-batman\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbThe Politics of Batman\u00ab<\/a>. \u00bbHollywood blockbusters are precise indicators of the ideological predicaments of our societies\u00ab, hei\u00dft die Grundthese. Bei \u00bbThe Dark Knight Rises\u00ab lautet \u017di\u017eeks Fallinterpretation, dass im j\u00fcngsten Batman-Film Hollywood auf h\u00f6chst widerspr\u00fcchliche, aber doch sichtbare, ausgesprochene Weise dazu auffordere, sich von der Volksmacht einnehmen zu lassen. Wie \u017di\u017eek vom nur schlecht verdr\u00e4ngten Populismus zum \u00bbdictatorship of the proletariat in Manhattan\u00ab kommt, bleibt sein Geheimnis. Aber immerhin, Paglia wird teilweise zufrieden sein: wenigstens kein \u00bbupper-middle-class liberalism\u00ab.<\/p>\n<p>Politisch etwas verwirrender: Wolfgang Streecks zuerst in linksintellektuellem Zusammenhang publizierte scharfe Kritik an neoliberalen Therapien und an Finanzmarktexperten (bzw. \u203aGoldm\u00e4nnern\u2039) wie Mario Draghi wird neuerdings auch von deutschen Zeitschriften ver\u00f6ffentlicht, die linkssozialdemokratischer Umtriebe g\u00e4nzlich unverd\u00e4chtig sind (<a title=\"Artikel Streeck Merkur\" href=\"http:\/\/www.klett-cotta.de\/autor\/Wolfgang_Streeck\/29737\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbMerkur\u00ab<\/a>, Heft 9\/10 2012). Wenn man den grundlegenden Artikel <a title=\"Artikel Streeck New Left Review\" href=\"http:\/\/newleftreview.org\/II\/73\/wolfgang-streeck-markets-and-peoples\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbMarkets and Peoples\u00ab<\/a> von Streeck, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Direktor am Max-Planck-Institut f\u00fcr Gesellschaftsforschung, aus der \u00bbNew Left Review\u00ab bis zum Ende liest, st\u00f6\u00dft man jedoch auf den Schl\u00fcssel zum Allparteien-Gl\u00fcck: die Kritik am \u00bbself-destructive mass con\u00adsumerism\u00ab.<\/p>\n<p>Mit dem Massenkonsum hat auch Ulf Poschardt wenig zu tun, er w\u00fcnscht sich in der \u00bbWelt\u00ab (<a title=\"Artikel Poschardt\" href=\"http:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/kultur\/article110223877\/Wuerde-sie-CDU-waehlen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbW\u00fcrde sie CDU w\u00e4hlen?\u00ab<\/a>) nach der Niederlage der CDU bei der Oberb\u00fcrgermeisterwahl in Stuttgart vielmehr eine christ- und freidemokratische Partei mit urbanem, bohemehaftem Flair. \u00bbUnion wie FDP m\u00fcssen im H\u00e4userkampf Museum f\u00fcr Museum, Theater f\u00fcr Theater, Schwulendisco f\u00fcr Schwulendisco die Deutungshoheit der Linken angreifen\u00ab, ruft er in Gramsci- und Peter-Glotz-Tradition, angereichert freilich mit dem wohlfeilen Jargon des Pop-Schreibers.<\/p>\n<p>Tr\u00f6sten mag Poschardt vielleicht, dass der Zeitgeist nicht nur au\u00dferhalb metropolitaner Kulturst\u00e4tten schwerlich als \u203alinks\u2039 einzustufen ist. Holly Hilgenberg schreibt in \u00bbBitch\u00ab in kritischem, aber nicht denunziatorischem Tonfall \u00fcber \u00bbpersonal blogs\u00ab von Frauen \u00bbthat are just about, well, living life\u00ab. Lifestyle hei\u00dft hier: \u00bbThe pastels; soft-focus and color-saturated photo filters; optimistic, sunny tone; and tendency to address readers as \u203asweeties,\u2039 \u203adarlings,\u2039 and other diminutives characterize many of the most visible lifestyle blogs. Coupled with the focus on domesticity and the home, bloggers start to resemble a contemporary, superwoman version of a stereotypical 1950s housewife.\u00ab Und Hilgenberg vergisst in ihrem Artikel <a title=\"Artikel Hilgenberg\" href=\"http:\/\/bitchmagazine.org\/article\/better-homes-bloggers\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbBetter Homes &amp; Bloggers\u00ab<\/a> auch nicht zu erw\u00e4hnen, dass in popfeministischen New Yorker Bl\u00e4ttern wie \u00bbBust\u00ab die \u00bb\u203anew domesticity\u2039\u00ab schon l\u00e4nger eine etwas andere Variante des \u203aH\u00e4userkampfes\u2039 darstellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden werden wir an dieser Stelle interessante Artikel der letzten Monate vorstellen, die im Internet frei zug\u00e4nglich sind.<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[1309,1315,1816,1886,2589],"class_list":["post-867","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-kritik","tag-kultur","tag-pop","tag-presse","tag-zeitschrift"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/867","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=867"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/867\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=867"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=867"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=867"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}