{"id":8870,"date":"2018-11-27T10:29:13","date_gmt":"2018-11-27T08:29:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=8870"},"modified":"2018-11-27T10:29:13","modified_gmt":"2018-11-27T08:29:13","slug":"social-media-novembervon-katja-gunkel27-11-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2018\/11\/27\/social-media-novembervon-katja-gunkel27-11-2018\/","title":{"rendered":"Social Media Novembervon Katja Gunkel27.11.2018"},"content":{"rendered":"<p>#instamood<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">[zuerst in: Katja Gunkel: \u00bb<a href=\"https:\/\/www.transcript-verlag.de\/978-3-8376-4445-6\/der-instagram-effekt\/\">Der Instagram-Effekt.\u00a0Wie ikonische Kommunikation in den Social Media unsere visuelle Kultur pr\u00e4gt<\/a>\u00ab, Transcript Verlag, Bielefeld 2018.]<\/p>\n<p>Einer Statistik auf der Instagram-Metaseite Webstagram zufolge z\u00e4hlt #instamood zu den 35 popul\u00e4rsten Hashtags innerhalb der Social-Media-Anwendung.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Das Hashtag steht in Verbindung mit dem gleichnamigen Instagram-Account @instamood,<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> stellt jedoch nicht zwangsl\u00e4ufig einen Verweis auf jenes Profil dar; vielmehr dient #instamood der Typisierung bzw. ad\u00e4quaten Verschlagwortung wie Verortung von \u201aStimmungsbildern\u2018: \u201eYou\u2019re supposed to use the #instamood hashtag if the photo you\u2019ve taken reflects your mood.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Da sich jeder Aufnahme eine bestimmte Form von Stimmung zuordnen l\u00e4sst, ist #instamood potentiell auf s\u00e4mtliche Bilddateien anwendbar und wird communityintern dementsprechend inflation\u00e4r und motivisch undifferenziert, zumeist als Floskel bzw. automatisch in Hashtagverb\u00fcnden mitzitiertes F\u00fcllwort, verwendet. Neben Phrasen wie #instagood und #instalikes dient auch #instamood vorrangig dazu, die Reichweite und folglich die Resonanz eines Bilds zu vergr\u00f6\u00dfern.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Nimmt man das titelgebende Hashtag beim Wort, impliziert jene Chiffre zugleich multiple Lesarten und somit Bedeutungsvariationen: Erstens eine \u2013 wie auch immer konkret geartete \u2013 Stimmung, die kennzeichnend f\u00fcr die mobile Mediensoftware und deren Bildpraxis ist; sozusagen die spezifische Insta(gram)-mood als Wesensmerkmal. Analog zur eingangs zitierten Definition k\u00f6nnte das Hashtag zweitens auch die momentane Stimmung, die insta(nt) mood, des Nutzers kennzeichnen oder, drittens, auf den vorgefertigten, apparativ in der Funktion Grafikfilter zur sofortigen One-Click-Anwendung bereitliegenden Stimmungseffekt, quasi den insta(nt) mood (filter), abzielen. Dass alle drei Bedeutungsebenen passend sind, wird nachfolgend anhand eines Internetbilds beschrieben, das sich auf knowyourmeme.com im dort angelegten Bildpool zu Instagram finden l\u00e4sst.<\/p>\n<div id=\"attachment_8871\" style=\"width: 312px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8871\" class=\" wp-image-8871\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.08.05.png\" alt=\"\" width=\"302\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.08.05.png 431w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.08.05-209x300.png 209w\" sizes=\"auto, (max-width: 302px) 100vw, 302px\" \/><p id=\"caption-attachment-8871\" class=\"wp-caption-text\">K\u00fcnstlerische Interpretation des \u201eInstagram-Prinzips\u201c \u2013 Grafikfilter als affektive Marker.<\/p><\/div>\n<p>Bei der schwarzwei\u00df gehaltenen, reduzierten Strichzeichnung handelt es sich um eine stilisierte Darstellung des Bildbearbeitungsmen\u00fcs von Instagram. Zum Zwecke der Bildaussage wurde das tats\u00e4chliche Interfacelayout des betreffenden Men\u00fcbildschirms leicht abgewandelt, so dass alle verf\u00fcgbaren Filter unmittelbar auf jener Startseite sichtbar sind. Die quadratische Rahmenlinie demarkiert die zu bearbeitende Aufnahme: Deren Inhalt liegt jedoch nicht als Bild vor, sondern wird vielmehr verbal als \u201emy current situation\u201c beschrieben. Jene aktuelle Lagebestimmung des antizipierten Instagram-Nutzers ist demnach ganz offensichtlich motivindifferent. F\u00fcr die Intention des Zeichners ist somit weder entscheidend, um welche Situation es sich konkret handelt, noch wie diese bildlich umgesetzt wird; von Relevanz ist einzig die gegenw\u00e4rtige G\u00fcltigkeit der Selbstaussage. Als deren Platzhalter fungiert der formatf\u00fcllend zentriert gesetzte handschriftliche Text.<\/p>\n<p>Durch die Applikation einer weiteren Bedeutungsebene erm\u00f6glichen die zweizeilig unterhalb des eigentlichen Bilds aufgereihten Effektfilter eine n\u00e4here Charakterisierung jener dargestellten bzw. in den Bildrahmen gesetzten tempor\u00e4ren Subjektposition. In der gew\u00e4hlten k\u00fcnstlerischen Interpretation des Bildbearbeitungsprinzips von Instagram handelt es sich bei s\u00e4mtlichen Filternamen um Adjektive, welche die Gem\u00fctsverfassung des kommunizierenden Subjekts\u00a0genauer beschreiben: I am \u2013 im Geiste addiert \u2013 silly, dramatic, horny, envious, deeply contemplative usw. \u2013 oder auf die sprachliche Formel gebracht:\u00a0\u201eI am [\u2026] now.\u201c Die L\u00fccke l\u00e4sst sich je nach Gusto mit einem der softwareseitig bereitgestellten pr\u00e4dikativen Adjektive f\u00fcllen. Hierdurch \u00e4ndert sich die inhaltliche Aussage des Satzes und, \u00fcbertragen auf die eigentlich von Instagram verarbeiteten bildbasierten Mediendateien, folglich die Bildbedeutung.<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df der beschriebenen k\u00fcnstlerischen Auslegung der Programmlogik ist in jedem Filtereffekt ein \u201aStimmungsbegriff\u2018 codiert. Die Auswahl des situativ zutreffenden Grafikfilters dient demnach als Instrument, um die subjektiv-gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfige, aktuelle Situation n\u00e4her zu charakterisieren. Ergo besteht die Aussagefunktion nicht in einer Standortbestimmung der \u00e4u\u00dferen Realit\u00e4t \u2013 diese Funktion erf\u00fcllt das Geotagging \u2013 vielmehr ist die qua Grafikfilter bildsprachlich zu spezifizierende Lage eine innerliche.<\/p>\n<p>Nie zuvor versprach ikonische Artikulation mehr Spontaneit\u00e4t und Unmittelbarkeit als in der Fusion von Social Media und internetf\u00e4higem Mobilger\u00e4t, basiert deren temporale Logik infolge maximaler mobiler Internetnutzung doch gerade auf Echtzeitlichkeit. Speziell im Kontext von Instagram beziehen Bilder ihre Relevanz vorrangig aus ihrer Aktualit\u00e4t bzw. unmittelbaren Teilhabe. In Kombination mit der integrierten Kamera bieten Smartphones erstmalig die M\u00f6glichkeit einer instantanen ikonischen Kommunikation \u00fcber r\u00e4umliche Grenzen hinweg. Im Kontext zeitgen\u00f6ssischer mobiler digitaler Bildproduktion wandelt sich das von Roland Barthes formulierte Noema der Fotografie \u201eEs-ist-so-gewesen\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> laut Ullrich zu einer situativen Ich-Botschaft mit stark begrenzter Halbwertszeit, einer im Pr\u00e4sens formulierten subjektiven Aussage: Es-ist-bei-mir-gerade-so.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Seinen Wahrheitsanspruch beziehe das mobile digitale Bild demzufolge aus seinem Status als Live-Erlebnis.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Jene Gegenw\u00e4rtigkeit der Aufnahme, die auf der Annahme einer nahtlos anschlie\u00dfenden Ver\u00f6ffentlichung basiert und mithin an die \u201eIdeologie der Realzeit-Verf\u00fcgbarkeit von Internetmedien\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> andockt, dient somit als deren authentifizierendes Signum. Dass Instagram in der kollektiven Vorstellung mit unverz\u00fcglicher ikonischer Kommunikation assoziiert wird, l\u00e4sst sich auch an den Konventionen im Bereich des social tagging ablesen: So sind Mediendateien, die nicht unmittelbar nach ihrer Aufnahme in das kontinuierlich wachsende Bildarchiv von Instagram eingespeist werden, sprachlich als solche zu kennzeichnen. Signifikanten zeitlicher Asynchronizit\u00e4t sind hierbei Hashtags wie #latergram oder #throwbackthursday; usergenerierte Schlagw\u00f6rter, deren etablierte Verwendung innerhalb der Online-Community bereits indiziert, dass jedwede Nachtr\u00e4glichkeit, jedes post festum ver\u00f6ffentlichte Dokument eine Abweichung von der Norm, d.h. von der kollektiv g\u00e4ngigen Bildpraxis darstellt und folglich als solche zu deklarieren ist.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>Die allenthalben proklamierte und derart normative Instant-Kommunikation steigert den Authentizit\u00e4ts-(ein-)druck der Bilder und l\u00e4sst fotografische Aufnahmen erwarten, die durch ihre vorgeblich unmittelbare Ver\u00f6ffentlichung wie \u201aaus dem Leben gegriffene\u2018 Realien erscheinen. Irritiert wird jener Authentizit\u00e4tstopos jedoch durch die stark stilisierte Bildsprache der fotografischen (Selbst-) Darstellungen auf Instagram, vermittels welcher die softwaregest\u00fctzte grafische Nachbearbeitung offenkundig zutage tritt. Hierdurch scheint jedoch weder die Glaubw\u00fcrdigkeit der Aufnahmen, geschweige denn deren Suggestivkraft nennenswert Schaden zu nehmen. Authentizit\u00e4t beziehen die Bilder folglich nicht aus ihrem dokumentarischen Charakter, sondern, mit Ullrich \u00fcbereinstimmend, aus ihrem \u201eemotionale[n] Erlebniswert\u201c.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Die Bildbearbeitung diene, so Ullrich weiter, daher prim\u00e4r dazu, den \u201eakut richtigen Stimmungswert[ ]\u201c<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> hervorzuheben bzw. diesen bisweilen gar unter Ber\u00fccksichtigung der anvisierten Adressaten individuell zu gestalten. Indem eine bestimmte Kombination aus schablonierten Stilelementen \u2013 im Fall von Instagram namentlich Farbe, Gradation und Struktureffekte \u2013 im jeweiligen Grafikfilter zur Anwendung bereitsteht, erf\u00fcllt dieses semiotische Konglomerat, Ullrichs Argumentation gem\u00e4\u00df, den Zweck einer atmosph\u00e4rischen Intensivierung der fotografischen Botschaft: Dem Sujet k\u00f6nne \u201eim Moment des Fotografierens [\u2026] die gegenw\u00e4rtige eigene Stimmung [aufgepfropft werden].\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Sprachliche Wendungen wie \u201aWeltanschauung\u2018 oder \u201aF\u00e4rbung des Gem\u00fctszustandes\u2018 bedienen sich zur Beschreibung von Effekten sowie Wirkweisen der Stimmung geh\u00e4uft optischer Metaphern, insbesondere aus dem Bereich der Farbwahrnehmung. Jener Nexus zwischen dem Polysem Stimmung und dem \u00e4sthetischen Ph\u00e4nomen Farbe ist im allt\u00e4glichen Sprachgebrauch fest verankert.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Als wahrnehmungspsychologische Variable verstanden, wird Stimmung daher vornehmlich durch das Stilmittel Farbe bedingt bzw. sinnbildlich repr\u00e4sentiert.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Dementsprechend mag es kaum verwundern, dass Farbe sowohl f\u00fcr die Funktion Grafikfilter in Instagram als auch f\u00fcr die in Hipstamatic formalisierten visuellen Effekte als wesentliche gestaltende Komponente gelten kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Wie die Analyseergebnisse eindr\u00fccklich zeigen, erf\u00e4hrt die Farbigkeit des Ausgangsbilds durch Anwendung eines Filtereffekts in jedem Fall eine Modulation, selbst wenn die zwei weiteren zentralen Gestaltungselemente, Vignettierung und Oberfl\u00e4chenstrukturierung, nicht zum Tragen kommen. Denkt man die vorangehenden Ausf\u00fchrungen mit jener Beobachtung zusammen, l\u00e4sst dies erstens die Schlussfolgerung zu, dass Stimmung \u2013 verstanden als subjektbezogene, durch Ich-Qualit\u00e4t gekennzeichnete \u00e4sthetische Gr\u00f6\u00dfe<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> \u2013 im Fall von Instagram in der Funktion Grafikfilter codiert ist.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Da Farbe als dessen zentrales Gestaltungselement fungiert, kann die mittels Anwendung eines pr\u00e4figurierten Effektfilters realisierte Farbt\u00f6nung der Aufnahme als zentrales Ausdrucksmittel gelten. Die Postproduktion in Instagram fokussiert folglich haupts\u00e4chlich jenen Prozess der Umf\u00e4rbung, welcher \u2013 in \u00dcbereinstimmung mit Ullrich \u2013 die fotografische Botschaft mit dem augenblicklich ad\u00e4quaten Stimmungston versieht.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> Auf exakt dieser Beobachtung basiert die nachfolgende Hypothese, welche dem vorliegenden Kapitel gleichsam als Ausgangspunkt dient:\u00a0In Korrespondenz mit der beschriebenen, auf Konfigurierbarkeit wie Modularit\u00e4t basierenden Logik des (mobilen) digitalen Bilds gr\u00fcndet dessen Dokumentwert nicht auf einer dokumentarisch-objektiven fotografischen Repr\u00e4sentation der Lebenswelt, sondern auf der echtzeitlichen Kommunikation von individuellen Sinnbildern, die das selbstkommunizierende Subjekt zentrieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Farbe als semiotische Ressource und zentrales Element bildhafter\u00a0 (Selbst-)Kommunikation<\/p>\n<p>Das Kunstprojekt #reallifeinstagram des brasilianischen Designers Bruno Ribeiro untermauert nochmals die Relevanz der Farbt\u00f6nung f\u00fcr die Wiedererkennbarkeit der instagramesken Bild\u00e4sthetik. Der Titel weist bereits auf das zugrunde liegende Konzept, die \u00dcbersetzung der mobilen Mediensoftware in den Realraum, hin. Konkret geschieht dies in Form von Installationen, die in London, Tokyo und anderen Metropolen realisiert werden. Auf Augenh\u00f6he im Hochformat werden hierzu an Stra\u00dfenlaternen, Bauz\u00e4unen und anderen im Stadtraum vorgefundenen Objekten gro\u00dfe Schilder aus wei\u00df gestrichener Pappe befestigt. Etwas oberhalb der Mitte befindet sich eine quadratische, in der Breite nahezu formatf\u00fcllende Aussparung, in die eine semitransparente Farbfolie eingepasst ist; selbige materialisiert wortw\u00f6rtlich die stilistische Essenz des Instagram-Looks. \u00dcber wie unterhalb dieser gerahmten Folie platziert Ribeiro Grafikelemente, die das Instagram-spezifische Interfacedesign und dessen Layout unverkennbar nachbilden.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> Die Fensterung des Kartons erm\u00f6glicht die Durchsicht auf eine nunmehr farbig get\u00f6nte und derart homogenisierte Umgebung. Das offene Fenster, als welches Ribeiro das Prinzip Instagram inszeniert, pr\u00fcft das im Ausschnitt sichtbare Motiv nicht blo\u00df auf seine fotogenen Qualit\u00e4ten und folglich bildliche Eignung, sondern f\u00fchrt sogleich eine Wahrnehmungsver\u00e4nderung herbei. Konkret fungiert die Farbfolie als k\u00fcnstlerisches Gestaltungselement der Realit\u00e4tswahrnehmung. Im \u00fcbertragenen Sinne und mit Hinblick auf die Bedeutung der Fenstermetapher (fenestra aperta) von Leon Battista Alberti f\u00fcr die visuelle Wahrnehmung wie pikturale Darstellung der Wirklichkeit versinnbildlicht sie zugleich den spezifischen geistigen Hintergrund, aus dem sie hervorgegangen ist.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a><\/p>\n<p>Mithilfe einer L\u00e4ngsschnittbetrachtung von Instagram l\u00e4sst sich die Konstanz und demzufolge ungebrochene, gar akzentuierte Relevanz von Farbe als zentrales gestalterisches Mittel mobiler Bildbearbeitung sowohl mit Blick auf die zunehmend elaborierte Bildpraxis professioneller Nutzer als auch hinsichtlich der medienstrukturellen Ver\u00e4nderungen, insbesondere der softwareseitig angebotenen Bildbearbeitungsm\u00f6glichkeiten und des hierin implementierten Bildprogramms, belegen. Beide Aspekte greifen dabei fraglos ineinander und beeinflussen sich dementsprechend wechselseitig.<\/p>\n<p>Aus praxeologischer Perspektive kann zum einen festgehalten werden, dass Instagram-Nutzer mit zunehmender Routine in der Verwendung des mobilen Bildmediums auf den Gebrauch der optional angebotenen Bildrahmen verzichten.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> Zum anderen findet eine Abkehr von stark stilisierten Filtereffekten, welche sich mimetisch an vorg\u00e4ngige Medientechnologien und deren Stofflichkeit anlehnen, statt. Ein derart \u00fcbersteigert-artifizieller \u201aRetro-Look\u2018 spielt in der Bildsprache augenscheinlich kaum mehr eine Rolle. Vielmehr haben sich jener urspr\u00fcngliche instagrameske Bildstil und die hieraus resultierende \u00e4sthetische Uniformit\u00e4t der Bilder, deren Stilelemente vor allem f\u00fcr die verwendete App charakteristisch waren, \u00fcber die Zeit immer weiter ausdifferenziert. Der Programmstil der Anf\u00e4nge ist, so die These, einem Individualstil gewichen: Insbesondere professionelle Instagram-Nutzer, die innerhalb der Social-Media-Anwendung \u00f6konomische Interessen verfolgen, versuchen einen signature look f\u00fcr ihre Bilder zu kreieren, um im besten Fall optische Wiedererkennbarkeit \u00fcber eine konstante wie signifikante Bildsprache zu gew\u00e4hrleisten. Als bedeutsame zeitgen\u00f6ssische Werbefiguren wie -tr\u00e4ger sind speziell Blogger bzw. \u201aInfluencer\u2018 allein schon aus Gr\u00fcnden der Wirtschaftlichkeit Profis im Bereich medialer Selbstinszenierung und distinguierter Mediennutzung.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> Deshalb kann die ihrerseits etablierte Bildpraxis wie -sprache als richtungsweisend f\u00fcr eine finanziell verwertbare Mainstream\u00e4sthetik eingestuft werden. Innerhalb einer \u201e\u00d6konomie der Sichtbarkeit\u201c<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> dienen consistency filter der visuellen Selbstcharakterisierung wie Distinktion gleicherma\u00dfen, gilt es doch, sich von der einf\u00f6rmigen \u00e4sthetischen Sauce des Feeds abzuheben bzw. aus dieser pr\u00e4gnant herauszustechen, um derart bestenfalls das kontinuierliche Scrolling nicht blo\u00df zu verlangsamen, sondern zugunsten einer eingehenderen Betrachtung des Einzelbilds zu unterbrechen.<\/p>\n<div id=\"attachment_8872\" style=\"width: 728px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8872\" class=\"size-full wp-image-8872\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.10.30.png\" alt=\"\" width=\"718\" height=\"489\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.10.30.png 718w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.10.30-300x204.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 718px) 100vw, 718px\" \/><p id=\"caption-attachment-8872\" class=\"wp-caption-text\">Screenshot von Jenny Mustards YouTube-Tutorial zum Thema mobile Bildbearbeitung und Gestaltung ihres Instagram-Feeds.<\/p><\/div>\n<p>Konsistenz gilt im Kontext des Social-Media-Marketing als zentrale Ingredienz eines erfolgreichen Firmen-, Marken-, Produkt- oder Personenauftritts. Hierbei spielt auch die Wahl der Bildbearbeitung eine entscheidende Rolle. Neben anderen Faktoren, wie beispielsweise ritualisierten Abl\u00e4ufen, empfehlen Werbestrategen unisono die Beibehaltung eines Farbschemas, um Wiedererkennbarkeit zu gew\u00e4hrleisten und das Gef\u00fchl von Wertbest\u00e4ndigkeit zu suggerieren.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> Grafikfilter in Instagram stellen hierbei ein stark vereinfachtes und daher maximal benutzerfreundliches Hilfsmittel zur formal-\u00e4sthetischen Integration des Einzelbilds in das plurale Bildensemble der Profilansicht zur Verf\u00fcgung. Durch ein Set gleichbleibender stilistischer (Bildbearbeitungs-)Parameter werden die Einzelbilder zu einem konsistenten \u201aatmosph\u00e4rischen Ganzen\u2018,<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> der visuellen Selbstinszenierung, vereinigt.<\/p>\n<p>Pers\u00f6nlichkeit wird zunehmend \u00fcber Farbschemata transportiert und der Aufnahme \u2013 um in der Photoshop-Metaphorik zu bleiben \u2013 in Form einer zus\u00e4tzlichen Bildebene, dem eigens abgemischten Kolorit, appliziert. Die Art und Weise der Medienverwendung, vor allem jedoch die individuelle Bildbearbeitung, dient folglich indirekt der Artikulation von Identit\u00e4t, die im Kontext von Social Media selbst warenf\u00f6rmig zugerichtet wird.<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> Die schwedischst\u00e4mmige Bloggerin Jenny Mustard legt auf Nachfrage ihrer Follower per YouTube-Video die einzelnen Arbeitsschritte ihres mobilen Bildbearbeitungsworkflows<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a> sowie ihre konzeptuellen Erw\u00e4gungen bei der Gestaltung ihrer cleanen, farblich reduzierten Bildsprache offen: \u201e[\u2026] how i manage my minimalist theme \u2013 with mostly black, white, and greys, a cool tone and without cluttering my feed.\u201c<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a> Direkt zu Beginn des Videos weist Mustard auf das anvisierte Darstellungsziel, eine m\u00f6glichst gro\u00dfe stilistische Koh\u00e4sion des eigenen Profiltableaus hin \u2013 \u201ethe most cohesive it [the theme; K.G.] is, the better.\u201c<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a> Im Mittelpunkt des gestalterischen Interesses steht die Entwicklung einer eigenen, bestenfalls unverkennbaren Bildsprache, welche aufgrund ihrer Koh\u00e4renz wie Konsistenz \u2013 \u201ebe consistent\u201c<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a> \u2013 in der Lage ist, als signature look ihrer Urheberin zu fungieren.<\/p>\n<div id=\"attachment_8873\" style=\"width: 708px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8873\" class=\" wp-image-8873\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.10.44.png\" alt=\"\" width=\"698\" height=\"531\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.10.44.png 803w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.10.44-300x228.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.10.44-768x584.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 698px) 100vw, 698px\" \/><p id=\"caption-attachment-8873\" class=\"wp-caption-text\">Screenshot der ersten vier Suchergebnisse zur Freitexteingabe \u201einstagram theme\u201c auf YouTube (sortiert nach Relevanz)<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_8874\" style=\"width: 708px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8874\" class=\" wp-image-8874\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.10.59.png\" alt=\"\" width=\"698\" height=\"344\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.10.59.png 804w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.10.59-300x148.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.10.59-768x378.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 698px) 100vw, 698px\" \/><p id=\"caption-attachment-8874\" class=\"wp-caption-text\">\u201eVSCO filter hacks\u201c via Pinterest.<\/p><\/div>\n<p>Sowohl die Bildnachbearbeitung als auch die Gestaltung bzw. formal-\u00e4sthetische wie inhaltliche Leitmotiventwicklung des profileigenen Bildensembles \u2013 theme genannt \u2013 sind gefragter Betreff von Videotutorials. Unter instagram edit und instagram theme haben sich auf YouTube in den letzten Jahren eigenst\u00e4ndige Genres entwickelt, die laut Ergebnisanzeige jeweils bereits Uploads im zweistelligen Millionenbereich umfassen. Neben dem Bewegtbildformat des Erkl\u00e4rvideos auf YouTube existiert auch unter Pinterest-Nutzern ein reger Austausch \u00fcber mobile Bildstile. Jene \u00fcberwiegend unter Verwendung von VSCO<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a> erstellten customized presets werden zumeist streng schematisch mithilfe von vier im Hintergrund platzierten Vorschaubildern visualisiert.<\/p>\n<p>Im Bem\u00fchen um eine signifikante Bildsprache fallen die Farbschemata einzelner Blogger bzw. \u201aInfluencer\u2018 auffallend unterschiedlich aus: W\u00e4hrend der gew\u00e4hlte Ausschnitt aus dem Profiltableau von @love_aesthetics von wei\u00df dominiert wird und ausschlie\u00dflich unbunte Farbwerte umfasst, nimmt das \u2013 ebenfalls weitgehend achromatische \u2013 Farbschema von @mija_mija verschiedene Helligkeitsabstufungen eines orangenen Farbtons hinzu.<\/p>\n<div id=\"attachment_8875\" style=\"width: 921px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8875\" class=\"size-full wp-image-8875\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.14.00.png\" alt=\"\" width=\"911\" height=\"599\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.14.00.png 911w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.14.00-300x197.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.14.00-768x505.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 911px) 100vw, 911px\" \/><p id=\"caption-attachment-8875\" class=\"wp-caption-text\">(1) @love_aesthetics, (2) @mija_mija und (3) @fabianhart. Farbschemata extrahiert mit Adobe Color CC \u2013 Version 1.3.0, Voreinstellung \u201eFarbig\u201c.<\/p><\/div>\n<p>Das entsprechende Farbprofil des Fragmentes aus dem Profiltableau von @fabianhart verzichtet demgegen\u00fcber komplett auf eine signifikante Verwendung von Reinwei\u00df. Charakteristisch f\u00fcr den gew\u00e4hlten Ausschnitt seines Tableaus sind Pastellt\u00f6ne; unter diesen stechen Cremebeige und Puderrosa, das sogenannte \u201aMillenial Pink\u2018,<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a> besonders hervor.<\/p>\n<p>In Abh\u00e4ngigkeit zur Nutzungsdauer und der hierdurch zunehmenden Souver\u00e4nit\u00e4t im Umgang mit mobiler Bildproduktion macht sich folglich eine steigende Individualisierungstendenz bemerkbar. Bezogen auf die Ich-Bildung qua Apps, dient die mobile digitale Bilddatei nunmehr als sprichw\u00f6rtliches Containerformat f\u00fcr eine im Idealfall einmalige und in ihrer Originalit\u00e4t wiedererkennbare Bildsprache. Diese ist zu einem wesentlichen Teil durch die individuelle Kombination vorgefertigter, standardisierter und apparativ verf\u00fcgbarer Effektschablonen, die derart selbst Warencharakter besitzen, gekennzeichnet. Obgleich weitaus weniger offensichtlich ist das aus jenem spezifischen Workflow hervorgegangene Bild dadurch ebenfalls ein aus warenf\u00f6rmigen Filtereffekten zusammengesetztes Zeichenensemble im Dienste der pers\u00f6nlichen Distinktion.<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\">[32]<\/a> Ablesbar wird diese Trendentwicklung beispielsweise am Werbeslogan der mobilen Mediensoftware Mextures.<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\">[33]<\/a> Wie anhand der Werbetexte von Hipstamatic und Instagram herausgearbeitet, galt Sch\u00f6nheit dem initialen Werbespruch von Mextures \u2013 \u201eNever has beautiful been so easy\u201c \u2013 ebenfalls als schlagendes Verkaufsargument. Mit unique verschiebt sich der Fokus der werbetr\u00e4chtigen Losung von der bereits beschriebenen Instant-\u00c4sthetisierung zu einer softwaregest\u00fctzten, \u201abeispiellos einfachen\u2018 Individualisierung \u2013 \u201e[\u2026] create something unique.\u201c<a href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\">[34]<\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_8876\" style=\"width: 720px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8876\" class=\" wp-image-8876\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.49.26.png\" alt=\"\" width=\"710\" height=\"257\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.49.26.png 984w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.49.26-300x109.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.49.26-768x278.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px\" \/><p id=\"caption-attachment-8876\" class=\"wp-caption-text\">Startbildschirm der offiziellen Homepage der App \u201eMextures\u201c, Screenshots vom (1) 09.02.2015 und (2) 25.09.2017.<\/p><\/div>\n<p>Mobile Kamera-Apps liefern demzufolge konfektioniertes, semiotisches Rohmaterial zur Gestaltung eines personalisierten Bedeutungskomplexes. Ensemblebildung dieser Art ist Schwer zufolge charakteristisches Merkmal der Identit\u00e4tsarbeit innerhalb einer stark ausdifferenzierten Konsumkultur.<a href=\"#_ftn35\" name=\"_ftnref35\">[35]<\/a><\/p>\n<p>Neben jenen beobachtbaren Ver\u00e4nderungen in der Bildpraxis wird diezunehmende Fokussierung des Stilmittels Farbt\u00f6nung auch mit Blick auf die Weiterentwicklung der Grafikfilter-Palette deutlich. In Version 7.3.0 wurden die bereits bekannten 19 Presets um acht weitere erg\u00e4nzt.<\/p>\n<div id=\"attachment_8877\" style=\"width: 613px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8877\" class=\"size-full wp-image-8877\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.50.25.png\" alt=\"\" width=\"603\" height=\"448\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.50.25.png 603w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.50.25-300x223.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 603px) 100vw, 603px\" \/><p id=\"caption-attachment-8877\" class=\"wp-caption-text\">\u00dcbersicht der in Instagram \u2013 Version 7.3.0 verf\u00fcgbaren Grafikfilter. S\u00e4mtliche hellgrau unterlegten Filtereffekte existierten bereits in Version 3.4.1.<\/p><\/div>\n<p>F\u00fcnf davon ver\u00e4ndern lediglich den Farbton des Ausgangsbilds und dies auch nur minimal. Wie die mit Adobe Color CC<a href=\"#_ftn36\" name=\"_ftnref36\">[36]<\/a> extrahierten Farbschemata der einzelnen Grafikfilter veranschaulichen, f\u00fchren die verbleibenden drei \u2013 Slumber (#4), Ludwig (#6) und Perpetua (#8) \u2013 zwar eine Auff\u00e4cherung der Tonwerte herbei; deren Effekt f\u00e4llt bei den beiden erstgenannten jedoch so dezent aus, dass er sich mit blo\u00dfem Auge kaum wahrnehmen l\u00e4sst. Aufgrund eines deutlich sichtbaren horizontalen Farbverlaufs \u2013 von einem graustichigen Cyan in der oberen Bildh\u00e4lfte zu Graugelb in der unteren \u2013 springt aus diesen acht Effektschablonen einzig Perpetua heraus.<\/p>\n<div id=\"attachment_8878\" style=\"width: 643px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8878\" class=\"size-full wp-image-8878\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.50.54.png\" alt=\"\" width=\"633\" height=\"443\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.50.54.png 633w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.50.54-300x210.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 633px) 100vw, 633px\" \/><p id=\"caption-attachment-8878\" class=\"wp-caption-text\">Farbschema der einzelnen Grafikfilter in Instagram \u2013\u00a0Version 7.3.0; extrahiert aus den Testbildern.<\/p><\/div>\n<p>\u00dcber den gesamten Forschungszeitraum l\u00e4sst sich eine zunehmende Konzentration auf die Farbigkeit des Bilds bei gleichzeitiger Abkehr von optischen Struktureffekten beobachten; und das sowohl auf Seiten der usergenerierten Inhalte als auch im Hinblick auf die Softwareentwicklung. Gestaltung und Rezeption von Instagram befinden sich in einem Prozess kontinuierlicher Wechselwirkung \u2013 ein zirkul\u00e4rer Ansatz, der sich mit der heutigen Konsumrealit\u00e4t aktiver Verbraucher \u2013 Stichwort prosumer \u2013 deckt.<a href=\"#_ftn37\" name=\"_ftnref37\">[37]<\/a><\/p>\n<p>Durch Rekurs auf vorg\u00e4ngige Medienformate und deren -\u00e4sthetik verleihen Bildrahmen, Vignettierung und Oberfl\u00e4chenstrukturierung dem mobilen digitalen Bild eine haptische wie historische Qualit\u00e4t. Die Relevanz jener formalen Suggestionsmittel eines vorg\u00e4ngigen technischen Mediums wie Realobjekts verh\u00e4lt sich umgekehrt proportional zur Dauer der Mediennutzung. Je etablierter eine Medientechnologie, d.h. je erfahrener die Nutzer im Umgang mit selbiger werden, desto weniger besteht die Notwendigkeit, bereits Bekanntes im Interface- bzw. Programmdesign mimetisch nachzubilden. Aus diesem Grund nimmt der Abstraktionsgrad der bildlichen Metaphorik deutlich zu.<a href=\"#_ftn38\" name=\"_ftnref38\">[38]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">[&#8230;]<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201ePictorial Gaze\u201c<a href=\"#_ftn39\" name=\"_ftnref39\">[39]<\/a> \u2013 \u00c4sthetik des Pittoresken und Instantane Sinn-Bild-werdung der Realit\u00e4t<\/p>\n<p>Mit Slogans wie \u201eFilter your World\u201c<a href=\"#_ftn40\" name=\"_ftnref40\">[40]<\/a> oder \u201ea real life photo filter\u201c<a href=\"#_ftn41\" name=\"_ftnref41\">[41]<\/a> referiert die schottische Firma tens zur Vermarktung ihrer Sonnenbrillen auf digitale Bildbearbeitung, insbesondere auf das im Bereich von Social Media durch Instagram popul\u00e4r gewordene instant editing mittels vorgefertigter Grafikfilter. Wie bereits an anderer Stelle dargelegt, modifizieren diese digitales Bildmaterial haupts\u00e4chlich kraft einer farbigen T\u00f6nung. Ihre Funktionsweise \u00e4hnelt daher strukturell einer Sonnenbrille, deren get\u00f6nte Gl\u00e4ser die Farben der durch sie betrachteten Umgebung ebenso entsprechend ver\u00e4ndern. Die Wahl des Farbtons basiert hierbei vor allem auf pragmatischen bzw. funktionalen Erw\u00e4gungen, dient sie doch prim\u00e4r dem Schutz der Augen vor der Sch\u00e4digung durch direkte Sonneneinstrahlung. Eingef\u00e4rbte Lichtschutzgl\u00e4ser haben eine lange Tradition und existierten bereits im R\u00f6mischen Reich. Die F\u00e4rbung der Gl\u00e4ser ver\u00e4nderte sich jedoch in Abh\u00e4ngigkeit des wissenschaftlichen Kenntnisstandes im Laufe der Jahrhunderte.<a href=\"#_ftn42\" name=\"_ftnref42\">[42]<\/a> Das Novum der von tens produzierten und 2014 initial mithilfe von Crowdfunding finanzierten Sonnenbrille besteht laut Selbstaussage des Start-ups in der spezifischen Farbt\u00f6nung der verbauten Gl\u00e4ser. In wissenschaftlichen Untersuchungen bewiesen, tr\u00fcge die in jahrelanger Forschung perfektionierte Farbigkeit der Linse \u2013 tens lens genannt \u2013 dazu bei, die Sinneswahrnehmung zu intensivieren. Sie sei in der Lage, die Produktion des Botenstoffes Endorphin anzuregen und derart Gl\u00fccksgef\u00fchle zu aktivieren. Wo herk\u00f6mmliche Gl\u00e4ser die Farben leblos und stumpf erscheinen lie\u00dfen, transformiere tens lens die Wahrnehmung der Umgebung in eine lebendige und bunte Erfahrung, so dass der Alltag unter Zuhilfenahme jener Sonnenbrillen nicht nur sogleich \u201azehn Mal\u2018 besser aussehe, sondern sich auch nennenswert besser anf\u00fchle \u2013 \u201e[\u2026] making everyday life look and feel ten times better.\u201c<a href=\"#_ftn43\" name=\"_ftnref43\">[43]<\/a> Der Kauf einer tens lens ist f\u00fcr den potentiellen Tr\u00e4ger folglich gleich mit zwei Vorteilen verbunden: Einerseits verhilft die Sonnenbrille, wenn getragen, unmittelbar bzw. buchst\u00e4blich in der \u201aLiveview\u2018 zu einer \u00c4sthetisierung des Alltags und befreit diesen von seiner Eint\u00f6nigkeit und Tristesse. Bezogen auf die ver\u00e4nderte Farbwahrnehmung wird der \u2013 durch das achromatische, fahl und farblose Grau repr\u00e4sentierte, mit Langeweile und Monotonie assoziierte \u2013 \u201agraue Alltag\u2018 eingef\u00e4rbt und erh\u00e4lt durch seine Aufwertung via Farbt\u00f6nung eine besondere, positiv konnotierte Erlebnisqualit\u00e4t.<a href=\"#_ftn44\" name=\"_ftnref44\">[44]<\/a> Dar\u00fcber hinaus hebt ein Blick durch ihre in einem warmen Orangebraun get\u00f6nten Gl\u00e4ser sogleich die Stimmung und wirkt sich demzufolge positiv auf den Gem\u00fctszustand aus.<\/p>\n<p>Das Prinzip tens lens \u2013 farbig get\u00f6nte Brillengl\u00e4ser, die \u00fcber ihre Lichtschutzfunktion hinausgehenden physiopsychischen Nutzen versprechen \u2013 l\u00e4sst sich im 21. Jahrhundert allein schon aufgrund der immensen Diversit\u00e4t verf\u00fcgbarer Brillenmodelle schwerlich als Innovation bezeichnen; zumal dieses Verkaufsargument \u00fcber eine lange Historie verf\u00fcgt, sagte man dem Blick durch farbige Edelsteine bereits im R\u00f6mischen Reich eine positive, entspannende Wirkung nach.<a href=\"#_ftn45\" name=\"_ftnref45\">[45]<\/a> Im 19. Jahrhundert wurden blau get\u00f6nte Lichtschutzgl\u00e4ser sogar explizit als \u201aErholungsbrillen\u2018 vermarktet.<a href=\"#_ftn46\" name=\"_ftnref46\">[46]<\/a> Der Erfolg und die Nachfrage von tens lens ist somit weniger ein Verdienst der faktischen Originalit\u00e4t des Produktes. Auch das Design des Brillengestells stellt keine Reform dar \u2013 im Gegenteil. Vielmehr greift es offensichtlich die ikonische Form des Kultstatus genie\u00dfenden Sonnenbrillenmodells Wayfarer von Ray-Ban auf und macht somit von dessen Popularit\u00e4t Gebrauch. Orientiert wird sich demzufolge am zeitgen\u00f6ssischen Modegeschmack des Mainstreams, dem die Wayfarer als Konsens gilt.<\/p>\n<p>Indem tens ihr Produkt jedoch bereits im Slogan direkt mit Instagram in Verbindungen bringen, profitieren sie wie viele andere erfolgreiche Crowdfunding-Projekte<a href=\"#_ftn47\" name=\"_ftnref47\">[47]<\/a> unmittelbar vom Hype um die App und ihre unverkennbare \u2013 bereits zu dem Zeitpunkt ikonisch gewordene \u2013 Bild\u00e4sthetik, die auf der Bildbearbeitung mittels schablonierter Filtereffekte basiert. Das Prinzip tens lens wird in einem Werbeclip explizit mit Instagram verglichen: Wer selbige sein Eigen nenne, brauche kein Instagram mehr, um den Alltag gesch\u00f6nt wahrzunehmen, allein die richtige Sonnenbrille gen\u00fcge.<a href=\"#_ftn48\" name=\"_ftnref48\">[48]<\/a> Beworben wird die Brille somit als analoger Instant-Beautifier, modisches Accessoires wie optische Prothese, welche die Sichtweise auf die Realit\u00e4t unter \u00e4sthetischen Gesichtspunkten transformiert. Ver\u00e4nderung wird hierbei synonym zu Verbesserung verstanden, sozusagen eine permanente Optimierung des optisch Wahrnehmbaren, die ganz ohne Technologie auskommt \u2013 \u201ea real life photo filter\u201c.<a href=\"#_ftn49\" name=\"_ftnref49\">[49]<\/a><\/p>\n<p>Das beworbene \u00c4sthetisierungsverm\u00f6gen der tens lens \u00e4hnelt frappierend einem historischen optischen Instrument: dem Claude-Glas. Arnaud Maillet zufolge handelt es sich hierbei um einen runden wie flachen Filter aus sehr d\u00fcnnem farbigem Glas, der im 18. Jahrhundert bevorzugt zur Landschaftsbetrachtung eingesetzt wurde.<a href=\"#_ftn50\" name=\"_ftnref50\">[50]<\/a> Wie die gew\u00e4hlte Abbildung aus einem 1856 ver\u00f6ffentlichten Warenkatalog veranschaulicht, besteht die Verkaufseinheit aus einem Satz verschiedenfarbiger Eingl\u00e4ser, die sich je nach Bedarf wechseln oder miteinander zu einem neuen Farbton kombinieren lassen:<\/p>\n<p>\u201eEach Claude Lorrain glass has a very well-defined color: blue, green, red, yellow,<br \/>\norange, dark brown, and so on. These filters are mounted on the arms of a fan-shaped protective frame, generally made of horn. The user can unfold the arms one by one or choose combinations in order to vary the effects of the color. [\u2026] The Claude glass has at least two arms, each for one different glass (for example, red and green) [\u2026].\u201c<a href=\"#_ftn51\" name=\"_ftnref51\">[51]<\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_8879\" style=\"width: 366px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8879\" class=\"size-full wp-image-8879\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.51.58.png\" alt=\"\" width=\"356\" height=\"532\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.51.58.png 356w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.51.58-201x300.png 201w\" sizes=\"auto, (max-width: 356px) 100vw, 356px\" \/><p id=\"caption-attachment-8879\" class=\"wp-caption-text\">(1) tens Sonnenbrille \u2013 Modell \u201eClassic\u201c;<br \/>(2) grafische Darstellung eines Claude-Glases aus dem Jahr 1856.<\/p><\/div>\n<p>Nach Einsch\u00e4tzung von Maillet ist jenes optische Hilfsmittel untrennbar an die im England des 18. Jahrhunderts aufkommende Mode des Pittoresken gebunden, welche die k\u00fcnstlerische Herangehensweise an Naturdarstellungen grundlegend ver\u00e4ndert bzw. die bis dato bestehende Logik von Vorbild und Abbild umgekehrt habe. Galt die Landschaft zuvor als Gradmesser f\u00fcr ihre bildliche Repr\u00e4sentation, wurde sowohl ihre Wahrnehmung im Speziellen als auch die der Natur im Allgemeinen nunmehr durch das Gem\u00e4lde und somit das Medium der Malerei konditioniert: \u201e[\u2026]\u201a[W]e are not dealing here with an attempt to reproduce nature in a picture\u2018 rather \u201athe picture is projected onto nature.\u2018\u201c<a href=\"#_ftn52\" name=\"_ftnref52\">[52]<\/a> \u00c4sthetische Vorbildfunktion habe hierbei namentlich der Personalstil des franz\u00f6sischen Landschaftsmalers Claude Lorrain (1600-1682) erf\u00fcllt. Seine idealisierten Landschaftsbetrachtungen seien insbesondere f\u00fcr ihre weichen und heiteren Farbt\u00f6ne gesch\u00e4tzt worden: \u201e\u201aThey [the Claude Lorrain glasses; K.G.] are combined of two or three different colors; and if the hues are well sorted, they give the object of nature a soft mellow tinge, like the coloring of that master.\u2018\u201c<a href=\"#_ftn53\" name=\"_ftnref53\">[53]<\/a> Auf diese Weise habe sich die bildliche Repr\u00e4sentation der lorrainschen Landschaftsmalerei als \u00e4sthetisches Ideal etabliert und sei, so Maillet, nachfolgend in andere k\u00fcnstlerisch-kulturelle Bereiche der damaligen Zeit, beispielsweise in die Landschaftsarchitektur, diffundiert.<a href=\"#_ftn54\" name=\"_ftnref54\">[54]<\/a><\/p>\n<p>Aus Sicht von Maillet ist jener \u201amalerische Blick\u2018<a href=\"#_ftn55\" name=\"_ftnref55\">[55]<\/a> untrennbar mit dem, seit der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts wachsenden, Interesse an Himmelsph\u00e4nomenen und Lichtvariationen verkn\u00fcpft, weswegen die Landschaftsgem\u00e4lde Lorrains vor allem wegen ihrer brillanten Farbwiedergabe und atmosph\u00e4rischen Qualit\u00e4ten gefragt waren.<a href=\"#_ftn56\" name=\"_ftnref56\">[56]<\/a> Die Claude-Gl\u00e4ser h\u00e4tten sich daher nicht nur unter Amateurmalern gro\u00dfer Popularit\u00e4t erfreut, sondern zugleich auch wohlhabende englische Touristen begeistert. Durch die Simulation von Farbver\u00e4nderungen<a href=\"#_ftn57\" name=\"_ftnref57\">[57]<\/a> bei verschiedensten Licht- und Witterungsverh\u00e4ltnissen erlaubte es ihre Verwendung, bestimmte Lichtstimmungen<a href=\"#_ftn58\" name=\"_ftnref58\">[58]<\/a> k\u00fcnstlich herzustellen bzw. gezielt zu simulieren: \u201e[\u2026] [T]he Claude glasses especially, allowed tourists \u2013 those quickly passing visitors \u2013 to discover in an instant the luminous effects produced by nature, for which they would otherwise have to wait.\u201c<a href=\"#_ftn59\" name=\"_ftnref59\">[59]<\/a> Reisende betrachteten die landschaftliche Kulisse durch die farbigen Gl\u00e4ser indirekt in Echtzeit, um derart die reale Naturerfahrung zu \u00e4sthetisieren bzw. der \u00e4sthetischen Erfahrung eine andere, gleichwohl imagin\u00e4re Qualit\u00e4t zu verleihen.<a href=\"#_ftn60\" name=\"_ftnref60\">[60]<\/a> Indem die Claude-Gl\u00e4ser die wahrgenommene Landschaft mit einem lorrainschen Kolorit \u00fcberziehen und somit unmittelbar an das malerische Medium angleichen, scheint es gerade so, als ob die Betrachtenden selbst ein Gem\u00e4lde Lorrains durchwanderten. Das \u00e4sthetische Vergn\u00fcgen einer idealisierten Landschaftsdarstellung werde durch das preiswerte Konsumobjekt der Claude-Gl\u00e4ser demokratisiert.<a href=\"#_ftn61\" name=\"_ftnref61\">[61]<\/a> Die Suche nach dem Pittoresken, die Jagd nach seltenen Ansichten, sei in der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts zu einer weit verbreiteten Freizeitaktivit\u00e4t avanciert.<a href=\"#_ftn62\" name=\"_ftnref62\">[62]<\/a><\/p>\n<p>Die vordefinierten Effektfilter bildbasierter mobiler Mediensoftware, jedoch insbesondere deren Weiterentwicklung in Form der Live-Photo-Filter-Funktion propriet\u00e4rer Kamerasoftware, weisen signifikante Gemeinsamkeiten mit besagtem historischen Artefakt auf, so dass sich von einer Art geistigem Verwandtschaftsverh\u00e4ltnis sprechen l\u00e4sst. Indem sie verschiedenste Presets anbieten, um digitales Bildmaterial bereits vor der Aufnahme \u00e4sthetisch zu optimieren, erfahren die abgebildeten, zumeist profanen und zudem beil\u00e4ufig aufgenommenen allt\u00e4glichen Sujets eine \u00e4sthetische Nobilitierung. Jener bildkosmetische Eingriff tr\u00e4gt im doppelten Sinne zu ihrer Veredelung bei: Die Aufnahme und somit das auf ihr Abgebildete wird idealisiert und zugleich probeweise in ein Dokument transformiert. Diese Beobachtung ist Bestandteil eines Ph\u00e4nomens, das Nathan Jurgenson als \u201adokumentarische Sicht(-weise)\u2018<a href=\"#_ftn63\" name=\"_ftnref63\">[63]<\/a> bezeichnet: Der aktive Gebrauch von Social Media zum Zwecke der Selbstdarstellung und Kommunikation kultiviere zunehmend eine neue Art der Realit\u00e4tswahrnehmung.<a href=\"#_ftn64\" name=\"_ftnref64\">[64]<\/a> Latent permanent auf der Suche nach geeigneten Motiven werde die Umgebung auch ohne Kamera als bereits fotografisch repr\u00e4sentiert betrachtet: \u201eEven without the camera in hand the world becomes transformed into the status of a potential-photograph.\u201c<a href=\"#_ftn65\" name=\"_ftnref65\">[65]<\/a> Demnach pr\u00e4ge die prim\u00e4r ikonische Kommunikation innerhalb des social web nicht blo\u00df bestimmte formale wie inhaltliche Darstellungskonventionen, sondern konditioniere die Nutzer zudem darauf, fl\u00fcchtige Ereignisse bzw. Szenerien ihres Alltags immer schon als potentielles visuelles Dokument der eigenen Autobiografie wahrzunehmen bzw. auf ihren Dokumentenwert, ihre Fotogenit\u00e4t zu \u00fcberpr\u00fcfen.<a href=\"#_ftn66\" name=\"_ftnref66\">[66]<\/a> Jurgenson perspektiviert zeitgen\u00f6ssische mobile Bildpraktiken wiederum auf das optische Hilfsmittel des Claude-Spiegels,<a href=\"#_ftn67\" name=\"_ftnref67\">[67]<\/a> welchen er irrt\u00fcmlich als Claude-Glas bezeichnet. Bei selbigem handelt es sich Jurgensons Lesart zufolge um eine externe Prothese, die eine mediatisierte Liveview der Realit\u00e4t erm\u00f6gliche, da lediglich die Reflexion der Landschaft im Medium des Spiegels zum Gegenstand der Anschauung und somit des visuellen Erlebens werde. Heutige durch Social Media geschulte Realit\u00e4tswahrnehmung sei gleichwohl durch Mediatisierung gekennzeichnet, jedoch mit dem signifikanten Unterschied, dass das hierf\u00fcr erforderliche Medium bereits durch Konditionierung inkorporiert worden sei: Die Sichtweise der Digital Natives habe die apparative Optik des fotografischen Kameraauges vollst\u00e4ndig adaptiert. In beiden F\u00e4llen entspreche die eingenommene Perspektive auf die Realit\u00e4t, so schlussfolgert Jurgenson aus dem historischen Vergleich, bereits einer idealisierten Dokumentation.<a href=\"#_ftn68\" name=\"_ftnref68\">[68]<\/a> Gleichsam wie die Claude-Gl\u00e4ser zielt laut Maillet auch der Claude-Spiegel auf eine idealisierte Landschaftsbetrachtung: \u201eThe Claude mirror eliminates particular details and imperfections. This removal of triviality brings forth an abstraction, that of ideal beauty.\u201c<a href=\"#_ftn69\" name=\"_ftnref69\">[69]<\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_8880\" style=\"width: 409px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8880\" class=\"size-full wp-image-8880\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.52.16.png\" alt=\"\" width=\"399\" height=\"489\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.52.16.png 399w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-25-um-12.52.16-245x300.png 245w\" sizes=\"auto, (max-width: 399px) 100vw, 399px\" \/><p id=\"caption-attachment-8880\" class=\"wp-caption-text\">Internet-versus-Real-life-Mem,Britney Version.<\/p><\/div>\n<p>Integraler Bestandteil des Internetdiskurses \u00fcber softwarebasierte \u00c4sthetisierungsprozesse und den fragw\u00fcrdigen Dokumentwert des mobilen digitalen Bilds ist der Memkomplex internet vs. real life. Zwei Bilder werden zueinander in Beziehung gesetzt mit der Absicht, die gesch\u00f6nte, realit\u00e4tsverzerrende (Selbst-)Darstellung innerhalb Social Media zu parodieren. Im gew\u00e4hlten Bildbeispiel wurden hierf\u00fcr zwei Portraits von Britney Spears verwendet. Inszeniert die linke Fotografie die S\u00e4ngerin mit leicht ge\u00f6ffnetem Mund, einem durchdringenden Blick aus schwarz umrandeten Augen und offenen, \u00fcber die nackten Schultern wallenden Haaren als verf\u00fchrerische Femme fatale, zeigt das rechte Portrait eine bebrillte, pausb\u00e4ckige und vermutlich auch j\u00fcngere Version von Spears mit deutlich breiterer Nase und Schulm\u00e4dchenz\u00f6pfen. Der Begleittext \u201eThere\u2019s nothing a little Valencia can\u2019t fix\u201c verweist auf den gleichnamigen Instagram-Grafikfilter, der in seiner bildkosmetischen Funktion als \u201aInstant-Beautifier\u2018 zur idealisierten, in dem Fall offenkundig erotisierten Selbstdarstellung verhilft. Als Lebensweisheit bzw. Geheimtipp der besten Freundin gewandet und somit die Werberhetorik von Frauenzeitschriften aufgreifend, implizieren die zur Gegen\u00fcberstellung gew\u00e4hlten Portraits des Popstars dabei gleicherma\u00dfen eine sexistische Lesart: die (Notwendigkeit der) Zurichtung des nunmehr verdinglichten \u201aWeiblichen\u2018 im Sinne des male gaze.<\/p>\n<p>In \u00dcbereinstimmung mit Jurgenson ergeben sich mehrere Parallelen zur mobilen Bildproduktion der Gegenwart: einerseits die Besch\u00f6nigung des Wahrgenommenen, das andererseits bereits w\u00e4hrend der Betrachtung auf seinen Dokumentwert gepr\u00fcft bzw. probehalber in ein Dokument verwandelt wird. Diese Bildpraxis steht im Dienste autobiografischer Selbststilisierung und l\u00e4sst sich demnach, Jurgenson zufolge, als \u201e[d]igitally [p]icturesque\u201c<a href=\"#_ftn70\" name=\"_ftnref70\">[70]<\/a> beschreiben.<\/p>\n<p>Im Unterschied zu der Klaviatur an verschiedenen Farbt\u00f6nen, die Instagram nunmehr virtuell zur Verf\u00fcgung stellt, ist das mittels der Claude-Gl\u00e4ser eingef\u00e4rbte und derart \u00e4sthetisierte Bild der Wirklichkeit ephemer, sein Anblick l\u00e4sst sich nicht konservieren. Im Dienste der modulierbaren \u201aatmosph\u00e4rischen\u2018 Naturwahrnehmung werden die gew\u00fcnschten Lichtstimmungen in spezifischen, am Darstellungsideal der Malerei orientierten Farbt\u00f6nungen codiert und, auf diese Weise standardisiert, in eine Warenform bzw. ein Readymade<a href=\"#_ftn71\" name=\"_ftnref71\">[71]<\/a> \u00fcberf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Zwar erm\u00f6glicht die doppelte Logik der Archivstruktur von Instagram und anderen sozialen Medien die Verstetigung und Sammlung der eigenen Bilddokumente im Profiltableau, die Medienstruktur des auf Echtzeitlichkeit basierenden Newsfeeds ist demgegen\u00fcber jedoch maximal ephemer und daher durchaus mit dem historischen Vorg\u00e4nger vergleichbar. Wie die Claude-Gl\u00e4ser zielt auch die als unmittelbar angenommene bildliche Kommunikation in Instagram gerade auf eine Intensivierung des Pr\u00e4senzerlebens, des unmittelbar Gegenw\u00e4rtigen ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> In 184.423.486 Posts verwendet, rangiert es zum Abfragezeitpunkt am 30.06.2017 auf Platz 34. Mittlerweile ist die Rangliste der 100 beliebtesten Hashtags auf Webstagram nicht mehr verf\u00fcgbar. Vgl. http:\/\/websta.me\/hot (zuletzt aufgerufen am 01.06.2018). Eine hashtagbasierte Suche in Instagram selbst verzeichnet am 01.06.2018 \u201e202.824.239 \u00f6ffentliche Beitr\u00e4ge\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Unter dem Slogan \u201eMood &amp; Tone of Everyday Life\u201c werden hierauf in erster Linie fotografische Naturaufnahmen \u2013 geh\u00e4uft Fotografien von Sonnenunterg\u00e4ngen, Nahaufnahmen von Pflanzen, insbesondere Bl\u00fcten, sowie Tieren \u2013 ver\u00f6ffentlicht. Vgl. https:\/\/www.instagram.com\/instamood\/ (zuletzt aufgerufen am 01.06.2018).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Lancet, Yaara: The Complete Guide to Cryptic Instagram Hashtags No One Understands, http:\/\/www.makeuseof.com vom 01.11.2013, http:\/\/www.makeuseof.com\/tag\/\u2028the-complete-guide-to-cryptic-instagram-hashtags-no-one-understands\/ (zuletzt aufgerufen am 01.06.2018).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. hierzu bspw. Kobilke, Kristina: Das muss man \u00fcber Hashtags bei Instagram wissen, http:\/\/www.gruenderszene.de vom 15.05.2015, http:\/\/www.gruenderszene.de\/all\u2028gemein\/instagram-hashtags-buch (zuletzt aufgerufen am 01.06.2018).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Barthes, Roland: Die helle Kammer. Bemerkung zur Photographie, Frankfurt a.M. 1985, S. 87.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> \u201e\u201aEs-ist-gerade-So[sic!]\u2018\u201c im Original. Ullrich: Die R\u00fcckkehr der Aura in der Handy-Fotografie, o.S; Herv. i.O.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl. a.a.O.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Becker, Ilka: Fotografische Atmosph\u00e4ren. Rhetoriken des Unbestimmten in der zeitgen\u00f6ssischen Kunst, M\u00fcnchen 2010, S. 105.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Der Absatz wurde in Teilen dem folgenden Aufsatz entnommen: Gunkel\/Richard: Feiern bis das Bild kommt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Ullrich: Die R\u00fcckkehr der Aura in der Handy-Fotografie, o.S.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> A.a.O.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> A.a.O.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Vgl. Welsch\/Liebmann: Farben, S. 3.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Als wegweisend f\u00fcr das Interesse am optischen Ph\u00e4nomen Farbe als Sinneswahrnehmung gilt Johann Wolfgang von Goethes 1810 ver\u00f6ffentlichte Abhandlung Zur Farbenlehre. Goethes Motivation f\u00fcr die Anfertigung dieses umfassenden Kompendiums sind seine Untersuchungen des subjektiven Farbempfindens. Triadisch aufgebaut liegt der inhaltliche Schwerpunkt auf dem \u201edidaktischen Teil\u201c, der unter anderem Goethes Vorstellungen von der \u201esinnlich-sittlichen Wirkung\u201c der Farbe beinhaltet: \u201eDie Erfahrung lehrt uns, da\u00df die einzelnen Farben besondre Gem\u00fctsstimmungen geben.\u201c Goethe, Johann Wolfgang von: Didaktischer Teil, in: Manfred Wetzel (Hg.): Zur Farbenlehre. Das gesamte Hauptwerk von 1810, Frankfurt a.M. 1991, S. 21-294, hier S. 248, Nr. 762. Goethe schreibt \u201eGelb, Rotgelb (Orange), Gelbrot (Mannig, Zinnober)\u201c eine positive psychische Wirkung zu, da die Farben das Gem\u00fct \u201eregsam, lebhaft, strebend\u201c stimmten. Ebd., Nr. 764. Negative Effekte provozierten demgegen\u00fcber \u201eBlau, Rotblau und Blaurot. Sie stimmen zu einer unruhigen, weichen und sehnenden Empfindung\u201c. Ebd., S. 252, Nr. 777. Goethe formulierte derart erstmalig die Idee von Farbe als prim\u00e4r gef\u00fchlsbezogen. Demzufolge geht der Konnex von Farbe und Emotion, d.h. das Interesse an der psychophysiologischen Wirkungs\u00e4sthetik der Farbe, auf seine Farbtheorie zur\u00fcck. Diese bedient sich der Stimmung als subjektbezogene, den Charakter grundlegend formende und determinierende Kategorie. Vgl. hierzu Leeuwen, Theo van: The Language of Colour. An Introduction, New York [u.a.] 2011, S. 22 f. sowie Gage, John: Kulturgeschichte der Farbe. Von der Antike bis zur Gegenwart, Ravensburg 1994, S. 201.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Diese Minimaldefinition bezieht sich auf eine von zwei grundlegend verschiedenen Sinndimensionen, die David Wellbery zufolge simultan Bestandteil des Stimmungsbegriffs sind: besagte subjektbezogene sowie eine subjektunabh\u00e4ngige Seite. Gem\u00e4\u00df Wellbery unterminiert jene semantische Offenheit eine eindeutige Klassifikation entlang bin\u00e4rer Kategorien wie innen\/au\u00dfen oder Subjekt\/Objekt. Obgleich die Begriffsgeschichte der Stimmung selbst innerhalb der wenig differenzierten \u00c4sthetischen Theorie durch heterogene Sinnzuschreibungen und Bedeutungswandel gepr\u00e4gt sei, lie\u00dfen sich im Ph\u00e4nomenbereich des Stimmungsbegriffs dennoch drei distinkte Verwendungszusammenh\u00e4nge \u2013 namentlich \u201eIchbezug, Integrationspotential [sowie ihre; K.G.] kommunikative Wirksamkeit\u201c \u2013 identifizieren. Alle drei weisen \u201eeinen pr\u00e4reflexiven Charakter\u201c auf, d.h. \u201e[d]ie jeweilige Leistung der Stimmung vollzieht sich vorthematisch.\u201c Wellbery, David E.: Stimmung, in: Karlheinz Barck\/Friedrich Wolfzettel (Hg.): Postmoderne \u2013 Syn\u00e4sthesie (= \u00c4sthetische Grundbegriffe. Historisches W\u00f6rterbuch in sieben B\u00e4nden, Band 5), Stuttgart [u.a.] 2010, S. 703-733, hier S. 705. Vgl. hierzu auch Gisbertz, Anna-Katharina: Wiederkehr der Stimmung? in: Dies. (Hg.): Stimmung. Zur Wiederkehr einer \u00e4sthetischen Kategorie, M\u00fcnchen 2011, S. 7-13 sowie Wetz, Franz Josef: Stimmung, in: Joachim Ritter\/Karlfried Gr\u00fcnder\/Gottfried Gabriel (Hg.): St \u2013 T (= Historisches W\u00f6rterbuch der Philosophie, Band 10), Basel 1998, S. 173-176.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Bez\u00fcglich Hipstamatic verh\u00e4lt es sich etwas anders, da der endg\u00fcltige visuelle Effekt aus der funktionalen Trias Linse \u2013 Film \u2013 Blitz und den jeweils hierin verbauten Grafikelementen resultiert. Die finale bildver\u00e4ndernde Matrize ergibt sich folglich erst im Zuge einer nutzerseitig definierten Kombinatorik und liegt demnach nicht a priori als Schablone zur Anwendung bereit.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Vgl. Ullrich: Die R\u00fcckkehr der Aura in der Handy-Fotografie, o.S. Ilka Becker weist ebenfalls darauf hin, dass es sich bei Farbt\u00f6nung um ein integrales Element bzw. \u201eeine zentrale Eigenschaft [\u2026] atmosph\u00e4rischer Zeichenumgebung\u201c handelt. Becker: Fotografische Atmosph\u00e4ren, S. 97.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Das kreisf\u00f6rmige Selbstportrait nebst Usernamen, in seinem Fall das Alias nitchows, ein Geotag, das in #reallifeinstagram mit der Position der jeweiligen Folie im Stadtraum korrespondiert, sowie Likes und Hashtags \u2013 Funktionen, welche durch die \u00dcberf\u00fchrung ins Materielle ihre Funktionalit\u00e4t einb\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Vgl. K\u00fcmmerling, Franziska: Bildmetaphern des Sehens, in: Stephan G\u00fcnzel\/Dieter Mersch (Hg.): Bild. Ein interdisziplin\u00e4res Handbuch, Stuttgart 2014, S. 32-39, hier \u2028S. 33 f. sowie Kittler: Optische Medien, S. 70 f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Wie anhand der Analyse von Interfacedesign und Medienstruktur dargelegt, l\u00e4sst sich das plurale Bildensemble des Profiltableaus als koh\u00e4rentes Identit\u00e4tsnarrativ einer Person lesen (vgl. Kap. 3.2.3). Mit Zunahme medienspezifischer Bildkompetenz besteht jene Koh\u00e4renz nicht nur nominell, sondern wird insbesondere formal aktiv mittels einer veinheitlichenden Gestaltung der gerasterten pluralen Bildform erzeugt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Ihr \u00f6konomisches Kapital bemisst sich an ihrer Reichweite im social web, das wiederum die Haupteinnahmequelle darstellt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Foucault, Michel: \u00dcberwachen und Strafen. Die Geburt des Gef\u00e4ngnisses, Frankfurt a.M. 1994, S. 241.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Vgl. hierzu bspw. Craftsposure: A Guide to Crafting a Beautiful Instagram Feed, https:\/\/www.craftsposure.com, o.D., https:\/\/www.craftsposure.com\/blog\/crafting-a-be\u2028autiful-instagram-feed oder Lui, Lesya: How to Craft a Strong Instagram Branding, https:\/\/lesyalui.com, o.D., https:\/\/lesyaliu.com\/craft-strong-instagram-branding\/. Alle Internetquellen zuletzt aufgerufen am 01.06.2018.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Laut Wellbery befasst sich der zweite Diskursstrang des Stimmungsbegriffs innerhalb der \u00c4sthetischen Theorie mit Atmosph\u00e4ren der \u00e4u\u00dferen Umgebung. Das Zusammenspiel verschiedenster, als \u201astimmig\u2018 empfundener Elemente generiere demzufolge eine koh\u00e4rent erlebte Stimmungskomplexion. In diesem Sinne erf\u00fclle \u201eStimmung gegen\u00fcber den Gegenst\u00e4nden und ihren Eigenschaften eine integrative Funktion, vereinigt sie zu einer in sich geschlossenen Ganzheit, ohne da\u00df sich Regeln f\u00fcr diese Zusammenf\u00fcgung angeben lie\u00dfen.\u201c Wellbery: Stimmung, S. 705.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Blogger sowie \u201aInfluencer\u2018 stehen hierbei prototypisch f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Selbst\u00f6konomisierung, geht es doch darum, das auf Basis der eigenen Person geschaffene Image bestenfalls als lukrative Marke zu etablieren.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Neben der Bildbearbeitungsfunktion von Instagram verwendet sie laut Eigenaussage zus\u00e4tzlich die Apps Facetune und VSCO.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> How I edit my Photos + my minimal white theme (2016, Jenny Mustard), \u20286:46 min., https:\/\/www.youtube.com vom 19.05.2016, https:\/\/www.youtube.com\/\u2028watch?v=y1TibvXgR34. Textzitat aus dem Begleittext in der Infobox (zuletzt aufgerufen am 01.06.2018).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Ebd., 0:42 min.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Ebd., 0:53 min.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> Wie Instagram ist auch das 2011 erstver\u00f6ffentlichte VSCO ein mobiler Softwarehybrid mit Kamera- sowie Bildbearbeitungsfunktion und einer angeschlossenen Community. VSCO bietet ebenfalls teils kostenpflichtige Grafikfilter zur Bildbearbeitung an, mit diesen lassen sich differenziertere und weit weniger \u201adramatische\u2018 Stilisierungseffekte erzielen. Urspr\u00fcnglich f\u00fcr professionelle Fotografen und Grafikdesigner konzipiert sind Qualit\u00e4t wie Originalit\u00e4t G\u00fctekriterien zur Beurteilung einer Aufnahme. So unterliegt die kuratierte Zusammenstellung communityintern ver\u00f6ffentlichter Fotografien im sogenannten VSCO grid beispielsweise nicht etwa einer algorithmischen Selektion anhand aufmerksamkeits\u00f6konomischer Parameter, sondern wird durch ein fotografisch geschultes Team an Mitarbeitern vorgenommen. Vgl. Marikar, Sheila: VSCO Cam. Filtered Photos, No Emojis Allowed, https:\/\/www.nytimes.com\/ vom 20.02.2015, https:\/\/www.nytimes.com\/2015\/02\/20\/fashion\/vsco-cam-filtered-photos-no-emojis-allowed.html?_r=0 (zuletzt aufgerufen am 01.06.2018).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> Vgl. hierzu Kohout, Annekathrin: Clean-Pop als \u201aSafeSpace\u2018 der Mode, in: POP. Kultur und Kritik (#6) 2 (2017), S. 10-14.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> Vgl. Habermas: Geliebte Objekte, S. 190.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref33\u201c name=\">[33]<\/a> Der Neologismus aus den englischen Begriffen mix und textures deutet bereits auf die zentrale Funktion der App hin: Urspr\u00fcnglich als reine \u201etexture overlay app\u201c konzipiert wurde Mextures mit der am 09.04.2014 ver\u00f6ffentlichten Version 2.0 zu einem vollwertigen Bildbearbeitungsprogramm weiterentwickelt. Das Kernprinzip der App basiert jedoch weiterhin auf der Suggestion verschiedenster Medienmaterialit\u00e4ten des chemo-physikalischen fotografischen Abzugs. Vgl. https:\/\/www.mextures.com\/ (zuletzt aufgerufen am 01.06.2018).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref34\u201c name=\">[34]<\/a> Ebd., o.S.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref35\u201c name=\">[35]<\/a> Vgl. Schwer: Produktsprachen, S. 155.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref36\u201c name=\">[36]<\/a> Unter Zuhilfenahme der mobilen, vormals Adobe Kuler genannten Anwendung Adobe Color CC lassen sich entweder aus zuvor aufgenommenen Rastergrafiken oder aus in der Liveview erfassten Szenarien dynamisch Farbkombinationen extrahieren. Die derart isolierten abstrakten Farbschemata dienen im Anschluss \u00fcblicherweise als Grundlagen f\u00fcr weitere Layout- bzw. Designarbeiten. Vgl. https:\/\/www.adobe.com\/mt\/\u2028products\/color.html (zuletzt aufgerufen am 01.06.2018).<br \/>\nUm das signifikante Farbthema des jeweiligen Grafikfilters zu erhalten, wurden die einzelnen Testbilder, welche aus Anwendung der Grafikfilter (Instagram \u2013 Version 7.3.0) auf Referenzbild III resultieren (vgl. Abb. 20), nacheinander in die kostenlose App Adobe Color CC \u2013 Version 1.1 importiert. Ein mithilfe von Adobe Color CC generiertes Farbprofil ist auf insgesamt f\u00fcnf diskrete Farbwerte beschr\u00e4nkt. Wei\u00df umrandete Kreise markieren die Bildstellen, an denen die Farbinformationen entnommen wurden. Jene f\u00fcnf Farbwerte, die schlussendlich Eingang in das Farbschema finden, lassen sich nach verschiedenen Kriterien definieren: Farbig, Hell, Stumm, Tief, Dunkel und Benutzerdefiniert. Zur Weiterarbeit wird nachfolgend die Voreinstellung Farbig verwendet, da diese die f\u00fcnf Farbwerte nach gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Differenz ausw\u00e4hlt; auf solche Weise l\u00e4sst sich folglich das am breitesten gef\u00e4cherte Farbspektrum erzielen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref37\u201c name=\">[37]<\/a> Vgl. Schwer: Produktsprachen, S. 217. Zur Begriffspr\u00e4gung prosumer vgl. Toffler, Alvin: The Third Wave, London [u.a.] 1980, S. 11.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref38\u201c name=\">[38]<\/a> Vgl. hierzu auch die u.a. in Kapitel 3.1.3 skizzierte Trendwende in der visuellen Gestaltung grafischer Benutzeroberfl\u00e4chen und deren Elemente weg vom skeuomorphistischen Designstil hin zu einer abstrakten Bildsprache, die ma\u00dfgeblich \u00fcber zweidimensionale Farbfl\u00e4chen arbeitet.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref39\u201c name=\">[39]<\/a> Maillet, Arnaud: The Claude Glass. Use and Meaning of the Black Mirror in Western Art, New York 2004, S. 141.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref40\u201c name=\">[40]<\/a> https:\/\/us.tenslife.com\/ (zuletzt aufgerufen am 01.06.2018). Vgl. auch Tens: Filter Your World (2016, tens), 1:17 min., https:\/\/www.youtube.com\/ vom 31.03.2016, https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=DhCJmfw3xEk (zuletzt aufgerufen am 01.06.\u20282018).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref41\u201c name=\">[41]<\/a> Kap. 9, Txt. 25, S. 420 f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref42\u201c name=\">[42]<\/a> Vgl. hierzu Buck, Susanne: Der gesch\u00e4rfte Blick. Eine Kulturgeschichte der Sonnenbrille seit 1850, Frankfurt a.M. 2006 sowie Hartewig, Karin: Der verh\u00fcllte Blick. Kleine Kulturgeschichte der Sonnenbrille, Marburg 2009.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref43\u201c name=\">[43]<\/a> Kap. 9, Txt. 25, S. 420.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref44\u201c name=\">[44]<\/a> Bez\u00fcglich der genannten Farbassoziationen vgl. bspw. Heller, Eva: Wie Farben auf Gef\u00fchl und Verstand wirken, M\u00fcnchen 2000.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref45\u201c name=\">[45]<\/a> Vgl. Hartewig: Der verh\u00fcllte Blick, S. 9.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref46\u201c name=\">[46]<\/a> Vgl. Buck: Der gesch\u00e4rfte Blick, S. 50.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref47\u201c name=\">[47]<\/a> Bspw. Projecteo \u2013 The Tiny Instagram Projector (https:\/\/www.getprojecteo.com\/) \u2028oder die Socialmatic Camera (http:\/\/shop.social-matic.com\/). Alle Internetquellen zuletzt aufgerufen am 01.06.2018.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref48\u201c name=\">[48]<\/a> \u201ePrepare for a non-stop vacation. Buy tens today and experience a cellular free summer. Filter users are down, tens users are up. What the fuck is Instagram anyway.\u201c \u2028Instant Summer Vision \u2013 VHS INFOMERCIAL (2015, tens), 2:30 min, https:\/\/vimeo.com vom 14.05.2015, https:\/\/vimeo.com\/127855240, ab 1:17 min (zuletzt aufgerufen am 01.06.2018).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref49\u201c name=\">[49]<\/a> Kap. 9, Txt. 25, S. 421.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref50\u201c name=\">[50]<\/a> Vgl. Maillet: The Claude Glass, S. 32.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref51\u201c name=\">[51]<\/a> A.a.O.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref52\u201c name=\">[52]<\/a> Baltru\u0161aitis, Jurgis: Aberrations. An Essay on the Legend of Forms, Cambridge\/Mass. [u.a.] 1989, S. 157 zit. n. ebd., S. 140.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref53\u201c name=\">[53]<\/a> Gilpin, William: Particularly the Highlands of Scotland (= Observations, Relative Chiefly to Picturesque Beauty, Made in the Year 1776, on Serveral Parts of Great Britain, Band 1), London 1789, S. 124 zit. n. ebd., S. 34; Herv. K.G.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref54\u201c name=\">[54]<\/a> Vgl. Maillet: The Claude Glass, S. 139.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref55\u201c name=\">[55]<\/a> \u201e[P]ictorial gaze\u201c in der engl. Fassung des franz. Originaltexts. Ebd., S. 141.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref56\u201c name=\">[56]<\/a> Vgl. ebd., S. 141 f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref57\u201c name=\">[57]<\/a> Beispielsweise hinsichtlich Farbton, S\u00e4ttigung und Helligkeit.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref58\u201c name=\">[58]<\/a> Zum Beispiel Mondlicht, Mittags- oder Abendsonne usw.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref59\u201c name=\">[59]<\/a> Maillet: The Claude Glass, S. 142.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref60\u201c name=\">[60]<\/a> Vgl. Eine Kurzbeschreibung auf der Homepage des Victoria and Albert Museums in London, N.N.: Drawing Techniques. The Claude Glass, http:\/\/www.vam.ac.uk, o.D., http:\/\/www.vam.ac.uk\/content\/articles\/d\/drawing-techniques\/ (zuletzt aufgerufen am 01.06.2018).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref61\u201c name=\">[61]<\/a> Vgl. Maillet: The Claude Glass, S. 141.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref62\u201c name=\">[62]<\/a> Vgl. ebd., S. 167.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref63\u201c name=\">[63]<\/a> \u201e[D]ocumentary vision\u201c im engl. Originaltext. Jurgenson, Nathan: Life Becomes Picturesque. Facebook and the Claude Glass, http:\/\/thesocietypages.org vom 25.07.\u20282011, http:\/\/thesocietypages.org\/cyborgology\/2011\/07\/25\/life-becomes-picturesque-fa\u2028cebook-and-the-claude-glass\/ (zuletzt aufgerufen am 01.06.2018).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref64\u201c name=\">[64]<\/a> Vgl. a.a.O.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref65\u201c name=\">[65]<\/a> A.a.O.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref66\u201c name=\">[66]<\/a> Vgl. a.a.O.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref67\u201c name=\">[67]<\/a> Maillet weist darauf hin, dass die Bezeichnung Claude-Glas f\u00fcr zwei verschiedene optische Instrumente verwendet wird, die bis heute verwechselt bzw. irrt\u00fcmlicherweise f\u00fcr ein und dasselbe gehalten w\u00fcrden. Hierbei handelt es sich um die bereits beschriebenen f\u00e4cherartig angeordneten wie verschiedenfarbigen Claude-Gl\u00e4ser sowie um den \u2013 von Jurgenson gemeinten \u2013 Claude-Spiegel. Dieser habe, ebenfalls im 18. Jahrhundert, wiederum als Hilfsmittel zur Umsetzung von Landschaftsgem\u00e4lden gedient, da er Ernst Gombrich zufolge \u201edie Umwandlung von Lokalfarbe [\u2026] in eine Serie abgestufter Tonwerte\u201c erleichterte. Gombrich, Ernst H.: Kunst und Illusion. Zur Psychologie der bildlichen Darstellung, 2. Aufl. der 6. dt. Ausg. von 2002, Berlin 2004 [2002], S. 40 (dt. Erstausgabe von 1967, Berlin [u.a.]).<br \/>\nDer Blick in den handlichen Spiegel, dessen Name ebenfalls Claude Lorrain huldigt, sollte es Malern erm\u00f6glichen, eine landschaftliche Szenerie unmittelbar vor Ort auf ihre Bildf\u00e4higkeit hin zu \u00fcberpr\u00fcfen, d.h. sie direkt als Gem\u00e4lde sehen und derart vorab ihre pittoreske Eignung unter \u00e4sthetischen Gesichtspunkten beurteilen zu k\u00f6nnen. Zentrales Qualit\u00e4tsmerkmal dieses bildgebenden Instruments ist laut Maillet das Reflexionsverm\u00f6gen des eingelassenen Spiegels, dessen tiefschwarze Oberfl\u00e4che zur Vermeidung von unerw\u00fcnschten Doppelspiegelungen so opak und makellos hochgl\u00e4nzend wie m\u00f6glich zu sein hatte. Vgl. Maillet: The Claude Glass, S. 16.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref68\u201c name=\">[68]<\/a> Jurgenson ordnet diese einer \u201aNostalgie f\u00fcr die Gegenwart\u2018 zu und stellt sich die Frage, ob das zeitgen\u00f6ssische Streben nach der idealisierten Repr\u00e4sentation des eigenen Lebens die Menschen von selbigem entfremde. \u201e[N]ostalgia for the present\u201c im engl. Originaltext. Jurgenson: Life Becomes Picturesque, o.S.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref69\u201c name=\">[69]<\/a> Maillet: The Claude Glass, S. 143.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref70\u201c name=\">[70]<\/a> Jurgenson: Life Becomes Picturesque, o.S.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref71\u201c name=\">[71]<\/a> Vgl. hierzu Temkin, Ann: Color Chart. Reinventing Color \u2013 1950 to Today, New York 2008, S. 16-27.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">[zuerst in: Katja Gunkel: \u00bbDer Instagram-Effekt.\u00a0Wie ikonische Kommunikation in den Social Media unsere visuelle Kultur pr\u00e4gt\u00ab, Transcript Verlag, Bielefeld 2018.]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.uni-frankfurt.de\/66329176\/personen42\">Katja Gunkel<\/a> (Dr. phil.), geb. 1981, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Neue Medien am Institut f\u00fcr Kunstp\u00e4dagogik der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt am Main.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>#instamood<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[757,999,1082,1405,1796,2164],"class_list":["post-8870","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-filter","tag-hipstamatic","tag-instagram","tag-lomografie","tag-polaroid","tag-social-media"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8870","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8870"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8870\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8870"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8870"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8870"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}