{"id":8894,"date":"2018-12-17T11:08:37","date_gmt":"2018-12-17T09:08:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=8894"},"modified":"2018-12-17T11:08:37","modified_gmt":"2018-12-17T09:08:37","slug":"zum-ausdruck-von-agency-und-widerstand-in-beyonces-formationvon-selina-hoefner17-12-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2018\/12\/17\/zum-ausdruck-von-agency-und-widerstand-in-beyonces-formationvon-selina-hoefner17-12-2018\/","title":{"rendered":"Zum Ausdruck von Agency und Widerstand in Beyonc\u00e9s Formationvon Selina H\u00f6fner17.12.2018"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"Apple-converted-space\">Wie politisch kann popkultureller Widerstand<\/span><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>sein?\u00a0<!--more--><\/p>\n<p>Am 6. Februar 2016 ver\u00f6ffentlichte Beyonc\u00e9 ein Musikvideo mit dem Titel <i>Formation<\/i>.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Sie spielt im Songtext sowie der Inszenierung des Videos auf rassistische Diskriminierung und Benachteiligung Schwarzer<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Menschen in den USA an und \u00fcbt Kritik an der herrschenden Polizeigewalt.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Beyonc\u00e9 - Formation (Official Video)\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/WDZJPJV__bQ?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Durch den Einsatz diverser historischer Settings und R\u00e4ume, die Inszenierung von Style und den Fokus auf eine <i>Black Expressive Culture<\/i><a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> positioniert sich Beyonc\u00e9 in <i>Formation <\/i>als Schwarz. Durch die vielschichtigen Inszenierungen gelingt es, diskursives Wissen im Kontext von Sklaverei und Kolonialzeit zu irritieren, Handlungsm\u00f6glichkeiten aufzuzeigen und subversive K\u00f6rperpraktiken darzustellen. Text, Bild und Ton irritieren, provozieren und fordern ein kritisches Hinterfragen rassistischer Gesellschaftsstrukturen heraus.<\/p>\n<p>Der Song, dessen Performance sowie das zugeh\u00f6rige Musikvideo brachten kontroverse Reaktionen in Beyonc\u00e9s H\u00f6rerschaft, aber auch in anderen Bereich der \u00d6ffentlichkeit hervor. Einige Menschen w\u00fcrdigten die politischen Statements der S\u00e4ngerin und stimmten ihrer Gesellschaftskritik zu. Andere reagierten emp\u00f6rt \u00fcber Beyonc\u00e9s Positionierung im Song als \u201eSchwarz\u201c, da sie von einem Teil des Publikums offensichtlich als<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>\u201ewei\u00df\u201c gelesen wird.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Als Reaktion auf die Kritik an der Polizeigewalt rief die Polizeigewerkschaft von Miami zum Boykott von Beyonc\u00e9s Konzerten auf.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Der Song wurde w\u00e4hrend des \u201eBlack History Month\u201c in den USA ver\u00f6ffentlicht.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Am 7. Februar 2016 performte Beyonc\u00e9 <i>Formation<\/i> au\u00dferdem in der Halbzeitpause beim Super-Bowl.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Damit erreichte <i>Formation<\/i> eine breite globale \u00d6ffentlichkeit. Bekleidet in Kost\u00fcmen, die stark an das \u00e4u\u00dfere Erscheinen der Black Panther Party erinnern, l\u00e4utete Beyonc\u00e9 damals die Halbzeitpause mit dem Satz \u201eOkay ladies now let\u2019s get in Formation\u201c ein.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Beyonc\u00e9 - Formation (Super Bowl 2016)\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/uqGwekWZeRI?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Die Hintergr\u00fcnde der Ver\u00f6ffentlichung, die Inszenierung des Videos, der Songtext sowie die vielf\u00e4ltigen Reaktionen auf<i> Formation<\/i> bilden einen spannenden Rahmen zur analytischen Auseinandersetzung. Das Video wirft viele Fragen auf zum Thema Repr\u00e4sentation, Authentizi\u00e4t, Zugeh\u00f6rigkeit, <i>Race<\/i>, <i>Class<\/i> und <i>Gender<\/i>.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Der Terminus <i>Formation<\/i> k\u00f6nnte als Ausdruck einer Schwarzen politischen und gesellschaftlichen Handlungsf\u00e4higkeit verstanden werden, der seine St\u00e4rke und Macht gerade durch die Berufung auf eine <i>Black Expressive Culture <\/i>und damit einhergehendes kollektives Denken und F\u00fchlen entfaltet. Es l\u00e4sst sich als Aufruf zu einer Gegenbewegung oder Gegenkultur interpretieren: In <i>Formation<\/i> werden kulturelle Praktiken und Ausdrucksformen miteinander in Beziehung gesetzt und als eine spezifisch Schwarze \u00c4sthetik hervorgehoben und zelebriert. <i>Formation<\/i> subsumiert Menschen unabh\u00e4ngig ihrer Differenzen und Differenzierungen und stellt durch den Bezug auf ebendiese Schwarze \u00c4sthetik eine Verbindung zwischen ihnen her. Beyonc\u00e9 ruft zum Zusammenschluss auf, zu einer <i>Formation<\/i>, welche die Grundlage des Schwarzen politischen Handelns bildet.<\/p>\n<p>Beyonc\u00e9 ver\u00f6ffentlichte mit <i>Formation <\/i>einen politischen Standpunkt, der f\u00fcr das \u201esubversive Potential\u201c von popkulturellen Medien sprechen k\u00f6nnte. Dennoch ist Beyonc\u00e9 eine S\u00e4ngerin der Popkultur, die \u201emassenhaft\u201c Musik produziert, sodass die \u00f6konomische Dimension ihres Wirkens nicht ausgeblendet werden darf.<\/p>\n<p>Wie kommt Widerstand und Agency in <i>Formation<\/i> auf Ebenen des Textes und Bildes zum Ausdruck? Verf\u00fcgt Formation \u00fcber ein subversives Potential, oder l\u00e4sst sich dem Musikvideo eine reine Vermarktungsstrategie unterstellen?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Um m\u00f6gliche Antworten auf diese Fragestellungen zu finden, muss innerhalb des Videos der Einsatz von bestimmten (modischen) Stilmitteln, kulturellen Praktiken und historischen Settings kritisch betrachtet werden. All diese Elemente werden in bestimmten R\u00e4umen dargestellt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Vor allem der \u00f6ffentliche Raum wird in <i>Formation <\/i>in besonderer Weise zur Geltung gebracht und bildet anscheinend ein konstitutives Element f\u00fcr Protest und Widerstand. Die Philosophin Judith Butler besch\u00e4ftigt sich in \u201eNotes Toward a Performative Theory of Assembly\u201c mit der Bedeutung von Protest und Versammlung in \u00f6ffentlichen R\u00e4umen.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Insbesondere besch\u00e4ftigt sie sich mit dem Zusammenhang zwischen K\u00f6rpern, Versammlung und Performativit\u00e4t sowie der diskursiven Besetzung von bestimmten Orten.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Interessanterweise greift Beyonc\u00e9 im Musikvideo zu <i>Formation<\/i> einige bedeutungsvolle Orte auf. Gleich eingangs ist sie kniend auf einem Polizeiauto mit der Aufschrift \u201eNew Orleans\u201c zu sehen. Das Auto geht in einer \u00fcberfluteten Landschaft langsam unter. Im Hintergrund sind durch Wind und Wasser zerst\u00f6rte, versunkene H\u00e4user zu erkennen. In der gleichen Szene h\u00f6rt man eine Person fragen: \u201eWhat happened at the New Orleans?\u201c. Kurz danach verk\u00fcndet die gleiche Stimmte: \u201eBitch, I\u2019m back by popular demand\u201c.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8900 alignnone\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.10.12.png\" alt=\"\" width=\"887\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.10.12.png 887w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.10.12-300x135.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.10.12-768x345.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 887px) 100vw, 887px\" \/><\/p>\n<p>Beyonc\u00e9 besetzt auf diesem Bild einen kontroversen gesellschaftspolitischen Raum und f\u00fchlt sich wohlm\u00f6glich dazu angerufen, \u00f6ffentlich Position zu beziehen: politisch, \u00f6konomisch, sozial und kulturell. Mal sitzend, mal liegend, positioniert sich Beyonc\u00e9 provokant auf dem Polizeiauto, das im weiteren Verlauf des Videos fast vollst\u00e4ndig unterzugehen scheint. Das einpr\u00e4gsame Bild bewirkt sofort Assoziationen mit den verheerenden \u00f6konomischen und sozialen Folgen, die der Hurricane Katrina mit sich brachte und deren prek\u00e4re Auswirkungen aufgrund staatlichen Nicht-Eingreifens immer noch f\u00fcr die Bewohner*innen<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> der S\u00fcdstaaten sp\u00fcrbar sind. Durch die Inszenierung des Bildes gelingt es, eine daraus resultierende Gesellschaftskritik sichtbar zu machen. Warum es Beyonc\u00e9 gelingt, diese Kritik zum Gegenstand ihres Videos zu machen, l\u00e4sst sie uns erfahren, sobald sie sich aus ihrer knienden Position erhebt, ihre Arme ausbreitet und verk\u00fcndet \u201eI just might be a black Bill Gates in the making\u201c\u2014 was nicht nur ihre \u00f6konomischen Erfolge betont sondern eindeutig zum Ausdruck bringt, welche Macht und Einflussm\u00f6glichkeiten sie als S\u00e4ngerin der heutigen Popkultur besitzt.<\/p>\n<p>Das beschriebene Bild beinhaltet auch ein weiteres Statement: Beyonc\u00e9 positioniert sich als Schwarze Frau auf dem in den Fluten untergehenden Polizeiauto. Aus feministischer Perspektive ist dies im Kontext der h\u00e4ufig \u201em\u00e4nnlich*\u201c konnotierten Institution Polizei sehr eindrucksvoll. Beyonc\u00e9s Position auf dem Polizeiauto ruft au\u00dferdem Assoziationen zu Szenen der Polizeigewalt in den USA hervor und l\u00e4sst an die Ohnmacht einer Schwarzen Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber institutionellem Rassismus denken. Beyonc\u00e9 legt sich irgendwann auf dem Auto nieder, verschlie\u00dft die Augen und geht mit diesem in der \u00fcberfluteten Umgebung unter. Einerseits wird damit eine Kritik an der staatlichen Polizeigewalt \u2014 der Gewalt im \u00f6ffentlichen Raum \u2014 zum Ausdruck gebracht, die in dieser Szene am Ende des Videos aber andererseits darauf hinausl\u00e4uft, dass der Schwarze (weibliche*) K\u00f6rper ebendieser Gewalt ausgesetzt ist \u2014 und schlie\u00dflich mit dem Auto untergeht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>In Anspielung auf die Folgen von Hurricane Katrina im Jahre 2005 stellt Butler die These auf, dass prek\u00e4re Verh\u00e4ltnisse Protest und Widerstand hervorbringen. Prekarit\u00e4t ist ein Zustand, welcher bestimmten Gruppen in einer Gesellschaft elementare Rechte verwehrt und der Ungleichheiten und soziale Wirklichkeiten erzeugt. Gleichzeitig kann sie machtvolle Protestformen und Widerstand hervorbringen:<\/p>\n<p>\u201eSo these plural sets of right, rights we must see as collective and embodied, are not modes of affirming the kind of world any of us should be able to live in; rather, they emerge from an understanding that the condition of precarity is differentially distributed, and that the struggle against, or the resistance to, precarity has to be based on the demand that lives should be treated equally and that they should be equally livable. That also means that the form of resistance itself, that is, the way communities are organized to resist precarity, ideally exemplifies the very values for which those communities struggle.\u201c<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n<p>Judith Butler pl\u00e4diert f\u00fcr die Formierung von Allianzen, um der Prekarit\u00e4t zu widerstehen und zwar \u00fcber ihre Diversit\u00e4t hinaus.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Agency wird durch das In-Erscheinung-Treten (\u201ethe Right to Appear\u201c<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a>) in Form von Versammlungs-K\u00f6rpern (\u201eBodies in Alliance\u201c<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a>) in \u00f6ffentlichen R\u00e4umen erlangt. Der \u00f6ffentliche Raum bzw. die Besetzung dessen spielt also eine grundlegende Bedeutung im Kontext von Protest und Widerstand.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> Er sei \u201epart of any account of bodily public action\u201c.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> \u00d6ffentliche R\u00e4ume sind konstitutiv f\u00fcr Protest und Widerstand und gleichzeitig das, um was verhandelt und gek\u00e4mpft wird. So schreibt Butler:<\/p>\n<p>\u201eThe material supports for action are not only part of action, but they are also what is being fought about, especially in those cases when the political struggle is about food, employment, mobility, and access to institutions. To rethink the space of appearance in order to understand the power and effect of public demonstrations for our time, we will need to consider more closely the bodily dimensions of action, what the body requires, and what the body can do [\u2026].\u201c<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a><\/p>\n<p>\u00d6ffentliche Pl\u00e4tze sind ein wichtiger Bestandteil von <i>Formation<\/i>: Stra\u00dfen, Parkpl\u00e4tze und andere R\u00e4ume werden immer wieder kollektiv angeeignet und irritiert. In einer Szene performt Beyonc\u00e9 gemeinsam mit anderen T\u00e4nzer*innen auf einem Parkplatz, m\u00f6glicherweise inszeniert als Aufnahme einer \u00dcberwachungskamera, die Handlungen im \u00f6ffentlichen Raum aufzeichnet und \u00fcberwacht. Provokant reihen sich die T\u00e4nzer*innen vor der Kamera auf und besetzen den Raum mit einer Performance. Die repressive Charakteristik des \u00fcberwachten Raumes wird verkehrt: er wird zur B\u00fchne angeeignet und der Parkplatz in seiner r\u00e4umlichen Funktion umgedeutet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8901 alignnone\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.16.28.png\" alt=\"\" width=\"893\" height=\"396\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.16.28.png 893w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.16.28-300x133.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.16.28-768x341.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 893px) 100vw, 893px\" \/><\/p>\n<p>In einer anderen Szene tanzt ein kleiner Junge auf der Stra\u00dfe, positioniert vor einer starr wirkenden Reihe Polizist*innen. Die Schutzausr\u00fcstung sowie Aufstellung der Polizist*innen sorgt f\u00fcr eine bedr\u00fcckende Atmosph\u00e4re. Konfrontiert mit der Polizei performt der Junge ungest\u00f6rt weiter. Pl\u00f6tzlich erhebt er seine Arme, als deute er damit eine Geste der Ergebung an, und ruft eine unerwartete Reaktion hervor: Die Polizist*innen machen es ihm nach.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Das Betreten der Stra\u00dfe und das In-Erscheinung-Treten durch eine (Tanz-) Performance entzerrt die angespannte Situation pl\u00f6tzlich zur Irritation des*der Zuschauer*innen, f\u00fcr welche die Stra\u00dfe kein grunds\u00e4tzlich gewaltfreier Raum ist.<\/p>\n<p>Auf einem weiteren Bild ist ein Graffiti zu sehen: Der Schriftzug \u201eStop shooting us\u201c erscheint auf einer Wand, nachdem die Polizist*innen ihre Arme erhoben haben, und st\u00f6\u00dft Assoziationen zur \u201eBlack Lives Matter\u201c-Bewegung an. In Bildern wie diesen werden vor allem Fragen der Repr\u00e4sentation behandelt. Schwarze Menschen werden aus \u00f6ffentlichen R\u00e4umen und dem \u00f6ffentlichen Bewusstsein, wie im Kontext des Hurricane Katrina, verdr\u00e4ngt. <i>Formation<\/i> ruft dazu auf, in Erscheinung zu treten und wichtige politische R\u00e4ume wieder anzueignen, um gesellschaftliche Ungleichheiten sichtbar zu machen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8902 alignnone\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.18.37.png\" alt=\"\" width=\"939\" height=\"383\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.18.37.png 939w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.18.37-300x122.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.18.37-768x313.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 939px) 100vw, 939px\" \/><\/p>\n<p>Neben den erl\u00e4uterten Beispielen wird in <i>Formation<\/i> auch eine Vielzahl anderer R\u00e4ume dargestellt und destabilisiert. Es wird auf besondere historische Momente der <i>Black Expressive Culture <\/i>hingewiesen. Die Erfahrung der Diaspora, die gewaltsame Entwurzelung, die \u00f6konomische Ausbeutung, die psychische und physische koloniale Unterdr\u00fcckung wird in den wiederkehrenden Bildern des Musikvideos aufgegriffen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Beyonc\u00e9 betritt diese R\u00e4ume, eignet sie sich in spezifischer Weise an und irritiert sie durch die (De-) Platzierung bestimmter Elemente und Stilmittel. Es findet gewisserma\u00dfen eine Form der Dekonstruktion von R\u00e4umen innerhalb des Videos statt \u2014 Destabilisierungen durch irritierende Bildkonstruktionen. Es findet eine provokante Gegenschreibung der Geschichte (post)kolonialer Gewalt und Unterdr\u00fcckung statt.<\/p>\n<p>Eine Szene zeigt Beyonc\u00e9 stehend auf der Veranda einer S\u00fcdstaaten-Villa. Sie ist im Zentrum des Bildes platziert und wird von f\u00fcnf M\u00e4nnern* umrahmt. Alle dargestellten Personen tragen Kleidung im Stil des sp\u00e4ten 18. und 19. Jahrhunderts.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-8903\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.20.07.png\" alt=\"\" width=\"888\" height=\"379\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.20.07.png 888w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.20.07-300x128.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.20.07-768x328.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 888px) 100vw, 888px\" \/><\/p>\n<p>Die Szene erinnert an die Zeit der Plantagen\u00f6konomie in den USA. Die koloniale Unterdr\u00fcckungserfahrung wird in dem dargestellten Bild verkehrt: Schwarze Menschen, im Zentrum eine Frau*, stehen in hochwertiger Kleidung und prunkvollem Schmuck vor einer Villa, dessen Bewohner*innen sie zu sein scheinen. Sie wirken wohlhabend. Auch die Geschlechterverh\u00e4ltnisse erfahren an dieser Stelle eine Destabilisierung. Durch ihre Positionierung wirkt Beyonc\u00e9 wie die machtvollste Person im Bild. Sie zeigt kein Gesicht, da es von einem gro\u00dfen Hut bedeckt ist. Irgendwann erhebt sie ihren Kopf und h\u00e4lt ihre Mittelfinger provokant in die Kamera w\u00e4hrend sie singt \u201eWhen he fuck me good I take his ass to Red Lobster\u201c und demonstriert damit ihre sexuelle Selbstbestimmung sowie ihre \u00f6konomische Macht als Frau*. All diese Szenen spiegeln die Aneignung von R\u00e4umen wider. Sie erz\u00e4hlen Gegengeschichten und bewegen Schwarze (weibliche*) Subjekte aus ihrer historischen und kulturellen Position der Ohnmacht und Unterdr\u00fcckung heraus. Sie erm\u00e4chtigen sich selbst, nehmen R\u00e4ume und machtvolle Positionen ein und wirken im Kontext kolonialer sowie patriarchaler Ordnung autonom und selbstbestimmt. Dadurch wird eine bestimmte kulturelle Identit\u00e4t und Zugeh\u00f6rigkeit konstruiert, welche die Basis eines kollektiven Widerstands gegen hegemoniale Machtstrukturen bildet. Ebendiese kulturelle Identit\u00e4t wird als widerst\u00e4ndig und subversiv inszeniert, wodurch Agency konstituiert wird.<\/p>\n<p>Auseinandersetzungen im Spannungsfeld von Macht und Widerstand wurden nicht nur r\u00e4umlich ausgetragen, sondern fanden auch auf Ebene des Schwarzen K\u00f6rpers statt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>In ihrem Buch \u201eStylin\u2019 \u2013 African American Expressive Culture from its Beginnings to the Zoot Suit\u201c besch\u00e4ftigen sich die beiden Theoretiker*innen Shane White und Graham White mit bestimmten Momenten der<i> Black Expressive Culture<\/i>, in deren Fokus der K\u00f6rper steht: \u201eIn freedom, as in slavery, the black body could become a surface on which the struggle between black and white was often cruelly etched, and on which the record of that struggle may be read\u201c.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a><\/p>\n<p>Im Folgenden soll aufgezeigt werden, inwiefern im Spannungsverh\u00e4ltnis von Fremd- und Selbstbestimmung subversive K\u00f6rperpraktiken entstanden, die auch in <i>Formation <\/i>zum Ausdruck gebracht werden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Wie bereis erw\u00e4hnt, ist die Vielzahl von Ausschnitten von Stra\u00dfen und \u00f6ffentlichen R\u00e4umen im Musikvideo sehr auff\u00e4llig. In einigen Szenen werden Ausschnitte einer Stra\u00dfenparade gezeigt. Es k\u00f6nnte sich dabei um Ausschnitte der <i>Mardi Gras Festivities <\/i>handeln, die historisch in New Orleans entstanden sind und dort j\u00e4hrlich stattfinden.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> Das besondere an Bildern wie diesen ist die Verbindung von K\u00f6rpern und dem \u00f6ffentlichen Raum, der anscheinend zum Austragungsort von Performances wird: \u201eThrough the medium of the parade, New Orleans blacks turned the streets of their city into performance space.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-8904\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.22.47.png\" alt=\"\" width=\"875\" height=\"381\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.22.47.png 875w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.22.47-300x131.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.22.47-768x334.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 875px) 100vw, 875px\" \/><\/p>\n<p>Die Besonderheit an der Entstehung von Paraden erkennen die Autor*innen in ihrer Funktion, den Schwarzen K\u00f6rper an Orten sichtbar zu machen, in denen er aufgrund hegemonialer Machtstrukturen weitestgehend unsichtbar war oder nicht repr\u00e4sentiert wurde (\u201epresenting the body in former white controlled spaces\u201c<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a>). Zu Beginn des 19. Jahrhunderts etablierten befreite Sklav*innen \u201eafro-amerikanische\u201c Stra\u00dfenparaden. Trotz der politischen und rechtlichen Entwicklungen im Kontext der Sklav*innenbefreiung war ein rassistisches Gesellschaftssystem vorherrschend, welches die Schwarze Bev\u00f6lkerung aus den meisten Sph\u00e4ren des \u00f6ffentlichen Lebens und \u00f6ffentlicher Bereiche ausgrenzte. Paraden etablierten sich so als eine Art und Weise, Raum anzueignen und der Schwarzen Bev\u00f6lkerung Zugang zu \u00fcberwiegend wei\u00df markierten Orten zu schaffen.<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a><\/p>\n<p>Paraden entstanden historisch in den S\u00fcdstaaten und gewannen im Laufe des 20. Jahrhunderts an zunehmender Bedeutung. Sie wurden \u201ean established feature of the southern urban landscape\u201c und stellten bezogen auf die Sklav*innenbefreiung und B\u00fcrgerrechtsbewegung ein Zeichen von Freiheit, Selbstbestimmung und politischem Empowerment dar.<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a> In diesem Zusammenhang wurde New Orleans einer der bedeutungsvollsten Austragungsorte von Paraden.<\/p>\n<p>Schwarze Menschen in auff\u00e4lligen bunten Kost\u00fcmen sind in <i>Formation<\/i> tanzend und feiernd auf der Stra\u00dfe zu sehen. In der Parade verbinden sich bestimmte K\u00f6rperpraktiken zu einer besonderen Performance: \u201eVibrant and provocative displays of color, pattern breaking variations in movement, and a general privileging of improvisation and love of surprise not only exemplify the ,velocity and changefulness\u2019 of black artistic performance but celebrate an aesthetic that, appearing intermittently in slave clothing and textile design and more conspicuously in black quilting, dress, music and dance, lies at the heart of African American style.\u201c<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a><\/p>\n<p>Die Parade wird von Shane White und Graham White zu einer spezifisch Schwarzen (in diesem Kontext: afro-amerikanischen) Tradition erhoben, die historisch hervorgebracht wurde und Praktiken wie Style, Musik und Tanz in einen wirkm\u00e4chtigen Zusammenhang bringt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Die K\u00f6rperpraktiken, die in der Parade zum Ausdruck kommen, m\u00fcssen in ihrer historischen Entstehungsgeschichte betrachtet werden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Seit dem Beginn der globalen Kolonisierungsprozesse wurde \u00fcber Schwarze K\u00f6rper fremd verf\u00fcgt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>K\u00f6rper wurden gewaltvoll unterdr\u00fcckt, k\u00f6rperlich misshandelt oder verst\u00fcmmelt, durch die Einbringung von Initialen markiert, durch \u00f6konomische Ausbeutung sowie die Verschleppung und Entwurzelung in einen Zustand von Passivit\u00e4t und Fremdbestimmung gebracht.<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a> Die koloniale Gewalt f\u00fchrte zu einer Ohnmachtssituation- welcher dennoch mit Formen des Widerstands begegnet werden konnte, die im Folgenden aufgezeigt werden sollen.<\/p>\n<p>Es gab viele brutale Formen, die Selbstbestimmung \u00fcber den eigenen K\u00f6rper zu erhalten. Einige Sklav*innen begegneten der Unterdr\u00fcckungssituation mit der Kontrolle und Gewalt \u00fcber den eigenen K\u00f6rper: Selbstverletzung, Selbstverst\u00fcmmelung oder sogar Selbstmord wurden Mittel und Wege, sich der kolonialen Gewalt aktiv zu widersetzen, sich \u00f6konomisch \u201eunverwertbar\u201c zu machen oder der Situation sogar ganz zu entfliehen- und damit die Kontrolle \u00fcber das eigene Schicksal zu bewahren.<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a><\/p>\n<p>Schwarze K\u00f6rper wurden auch durch die Regulierung des \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbildes so z.B. von Kleidung und Kleidungsstil kontrolliert und fremdbestimmt. Vor allem seit der Zeit der Plantagenwirtschaft im 18. Jahrhundert wurde versucht, gesellschaftliche Machtstrukturen durch die stellenweise gesetzliche Kontrolle des Tragens und Nicht-Tragens bestimmter Kleidung aufrechtzuerhalten.<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a>\u00a0Dies weitete sich ebenfalls auf den Bereich der Haare aus.<\/p>\n<p>Beide Aspekte stehen neben vielen weiteren im Fokus von <i>Formation<\/i>. Der Einsatz bestimmter Kleidungsst\u00fccke und Kleidungsstile, das Tragen und Pr\u00e4sentieren bestimmter Frisuren sowie die Darstellung bestimmter Tanzstile heben subversive Strategien der k\u00f6rperlichen Selbstbestimmung im Musikvideo hervor. Angelehnt an die Ausf\u00fchrungen in der Dissertation zu \u201eStyle Politics\u201c<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a> von Philipp Dorestal, der u.a. zur afro-amerikanischen Geschichte forscht, sollen diese Aspekte unter dem Terminus Style zusammengefasst werden.<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\">[32]<\/a><\/p>\n<p>Dorestal legt Wert auf die Differenzierung zwischen Style und Kleidung bzw. Modeerscheinungen.<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\">[33]<\/a> Eine Abgrenzung sei notwendig, da Style als ein Zusammenspiel mehrerer Techniken zu verstehen sei, als ein Ensemble stofflicher Accessoires, Gegenst\u00e4nde oder K\u00f6rperteile, die eine bestimmte Identit\u00e4t performierten.<a href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\">[34]<\/a> Indem er Judith Butlers Performativit\u00e4tstheorie anwendet, weitet Dorestal diese Definition weiter aus:<\/p>\n<p>\u201eEin bestimmter Style wird n\u00e4mlich erst wirkm\u00e4chtig durch das Tragen und \u00fcber die entsprechende Performanz, die ihn als einen m\u00e4nnlichen oder weiblichen Style, jugendlich oder gesetzt, rassifiziert als ,Black Style\u2019 oder ,White Style\u2019 erkennbar werden l\u00e4sst. Deshalb schlage ich vor, die Performanz von Style als Styling zu fassen. Begrifflich macht dies deutlich, dass es nicht nur um eine Ansammlung von Kleidungsst\u00fccken geht, sondern Style performt werden muss; Style hat also immer nur bei bestimmten Tr\u00e4ger\/innen und in bestimmten Kontexten eine spezifische Wirkung. Dieses Styling mithilfe von Kleidungsst\u00fccken, durch Frisiertechniken oder durch Alteration der Hautfarbe kann nicht ohne den spezifischen K\u00f6rper selbst gedacht werden.\u201c<a href=\"#_ftn35\" name=\"_ftnref35\">[35]<\/a><\/p>\n<p>Auch wenn Dorestal sich in einigen Punkten von Style-Definitionen der Cultural Studies abgrenzt, bleibt beiden Auslegungen gemeinsam, dass sich durch Style ein wiederst\u00e4ndiges Potential entfaltet, indem durch die Rekontextualisierung, die Kombination und Anordnung bestimmter Kleidungsst\u00fccke eine Reaktion auf hegemoniale Machtverh\u00e4ltnisse erfolgt.<a href=\"#_ftn36\" name=\"_ftnref36\">[36]<\/a> Style ist damit nicht nur ein \u201eephemeres Ph\u00e4nomen\u201c, sondern auch Tr\u00e4ger politischer Aussagen und Ausdruck gesellschaftlicher Positionen.<a href=\"#_ftn37\" name=\"_ftnref37\">[37]<\/a> F\u00fcr Dorestal werden Strukurkateogrien wie <i>Race<\/i>, <i>Class<\/i> und <i>Gender<\/i> \u00fcber K\u00f6rper, deren Element auch Style sei, artikuliert.<a href=\"#_ftn38\" name=\"_ftnref38\">[38]<\/a><\/p>\n<p>Die Forschungen zu Styling von Shane White und Graham White heben die genannten Charakteristika besonders hervor und belegen sie historisch: Die strenge Regulation von K\u00f6rpern und Kleidung f\u00fchrte zu einer Form der Gegenbewegung. Sklav*innen entwickelten durch un\u00fcbliche Kombinationen von Kleidungsst\u00fccken eine besondere Form von Agency.<a href=\"#_ftn39\" name=\"_ftnref39\">[39]<\/a> Sie etablierten ihren eigenen Stil und lie\u00dfen die Bem\u00fchungen ihrer Besitzer*innen, K\u00f6rper und Kleidungsstile zu regulieren, au\u00dfer Kontrolle geraten.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Einige Sklav*innen begannen au\u00dferdem, sich durch Diebst\u00e4hle die Kleidung ihrer Besitzer*innen anzueignen, und irritierten damit eine Gesellschaftsordnung, in welcher bestimmte Kleidungsst\u00fccke zu distinktiven Merkmalen sozio\u00f6konomischer Positionen erhoben wurden.<a href=\"#_ftn40\" name=\"_ftnref40\">[40]<\/a> White und White stellen diesbez\u00fcglich fest: \u201eSuch actions disturbed the nuanced social order that clothing was supposed to display, blurring the borderlines between black and white, slave and free.\u201c<a href=\"#_ftn41\" name=\"_ftnref41\">[41]<\/a> Durch die Aneignung von Style lie\u00dfen sich Grenzen verwischen und Machtverh\u00e4ltnisse destabilisieren.<\/p>\n<p>In vielen Szenen des Musikvideos wird vermutlich auf die Zeit der Plantagen\u00f6konomie angespielt. Dies wird \u00fcberwiegend durch den Einsatz historischer Kleidung des 18. und 19. Jahrhunderts dargestellt. Wie bereits angedeutet, sind dies Mittel, um die Bilder und Vorstellungen, die mit dieser Zeit assoziiert werden, zu irritieren. Wie einige Szenen zeigen, sind Beyonc\u00e9 und die mit ihr abgebildeten Personen in hochwertiger Kleidung zu sehen\u2014 sie tragen H\u00fcte, Spitze, Anz\u00fcge, F\u00e4cher und andere Stilelemente, die einen bestimmten gesellschaftlichen Status erahnen lassen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-8905\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.25.03.png\" alt=\"\" width=\"873\" height=\"386\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.25.03.png 873w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.25.03-300x133.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.25.03-768x340.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 873px) 100vw, 873px\" \/><\/p>\n<p>Geschichtlich betrachtet sind die in <i>Formation<\/i> repr\u00e4sentierten Kleidungsst\u00fccke Objekte, die den Sklav*innen- und Plantagenbesitzer*innen zugeordnet werden und geben Anhaltspunkte \u00fcber jene widerst\u00e4nden Praktiken, die White\/White herauszuarbeiten versuchten. Wie in Bezug auf Philipp Dorestal angedeutet, ist in Zusammenhang mit Style besonders auf den Aspekt der Haare oder des Hairstyles aufmerksam zu machen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>So schreibt Dorestal:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>\u201eAfroamerikanisches Hairstyling wurde zum Austragungsort von Machtk\u00e4mpfen um Repr\u00e4sentation, in denen sich der Wille der Sklav\/innen, \u00fcber ihren K\u00f6rper selbst verf\u00fcgen zu k\u00f6nnen, mit Sklavenhalter\/innen konfrontiert sahen, die ihre Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber African Americans als ihren Besitz auch \u00fcber die Regulierung und das Verbot bestimmter Hairstyles demonstrierten.\u201c<a href=\"#_ftn42\" name=\"_ftnref42\">[42]<\/a><\/p>\n<p>\u201eHair styling practices\u201c<a href=\"#_ftn43\" name=\"_ftnref43\">[43]<\/a> stellten ein wichtiges Instrument zur Herausbildung eines eigenen, irritierend Styles heraus. White\/White bezeichnen die Haare als Medium, durch welches kulturelle und soziale Botschaften \u00fcbermittelt werden konnten.<a href=\"#_ftn44\" name=\"_ftnref44\">[44]<\/a>\u00a0Das Styling von Haaren ist ein Merkmal, welches in <i>Formation<\/i> besonders hervorgehoben wird. In fast jeder Szene sind die Haare von Beyonc\u00e9 oder anderer Personen im Bild als besonderes Charakteristikum herausgestellt. Aufwendige Flechtfrisuren, bunte Haare, Afros oder Rastaz\u00f6pfe werden in den Fokus des Bildes gesetzt. Die wichtige Bedeutung von Hairstyle als M\u00f6glichkeit zu Rebellion und Widerstand wird so besonders zum Ausdruck gebracht.<\/p>\n<p>In einer anderen Szene sind drei junge, in wei\u00df gekleidete M\u00e4dchen zu sehen, die Afros tragen und sich stolz der Kamera pr\u00e4sentieren. Das Bild wird mit dem Text: \u201eI Like my baby heir with baby hair and afros\u201c kombiniert und markiert noch einmal das provokante Statement hinter dem Hairstyle des Afros. In vielen weiteren Szenen des Musikvideos tragen auch Beyonc\u00e9s T\u00e4nzer*innen alle Afros und wirken durch ihren Hairstyle fast \u201euniformiert\u201c.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-8906\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.26.34.png\" alt=\"\" width=\"898\" height=\"383\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.26.34.png 898w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.26.34-300x128.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.26.34-768x328.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 898px) 100vw, 898px\" \/><\/p>\n<p>Obwohl der Afro schon fr\u00fcher popul\u00e4r wurde, wird er sinnbildlich h\u00e4ufig als Symbol f\u00fcr die Black Power Bewegung betrachtet.<a href=\"#_ftn45\" name=\"_ftnref45\">[45]<\/a> Das liegt unter anderen Aspekten daran, dass viele Musiker*innen der Popkultur den Hairstyle trugen, um ihre Solidarit\u00e4t gegen\u00fcber der B\u00fcrgerrechtsbewegung und anderen sozialpolitischen Bewegungen auszudr\u00fccken.<a href=\"#_ftn46\" name=\"_ftnref46\">[46]<\/a> Es fand eine Verkn\u00fcpfung zwischen dem Hairstyle und Schwarzsein statt\u00a0\u2014 der Afro wurde zum Ausdruck f\u00fcr Schwarzsein erhoben.<a href=\"#_ftn47\" name=\"_ftnref47\">[47]<\/a> Philipp Dorestal weist in seiner Dissertation darauf hin, dass diese Assoziation gerade in Zusammenhang mit Gender und Sch\u00f6nheitsidealen im Spannungsverh\u00e4ltnis von Politik und Style nicht frei von Ambivalenzen war.<\/p>\n<p>In jedem Fall kann die Fokussierung auf Haare im Musikvideo zu <i>Formation<\/i> als politische Botschaft verstanden werden: Beyonc\u00e9 positioniert sich als Schwarz. Auf der Textebene wird dies ebenfalls in spezifischer Weise ausgedr\u00fcckt:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><i>\u201eMy daddy Alabama, Momma Louisiana\/You mix that negro with that Creole make a Texas bama\/I Like my baby heir with baby hair and afros\/I like my negro nose with Jackson Five nostrils\/Earned all this money but they never take the country out me.\u201c<\/i><\/p>\n<p>Die vorangegangenen Bilder werden hier um den Bezug auf Ethnizit\u00e4t, Sprache, Herkunft und Zugeh\u00f6rigkeit erg\u00e4nzt und konstruieren eine Schwarze Identit\u00e4t. In einigen Punkten weist der Text auch Parallelen zu Lyrics von Nina Simone auf, die sich \u00fcber ihre Musik und ihren Style mit der Schwarzen B\u00fcrgerrechtsbewegung in den 1960ern solidarisierte.<a href=\"#_ftn48\" name=\"_ftnref48\">[48]<\/a> Nachdem Simone Zeilen singt wie \u201eAin\u2019t got no culture\u201c oder \u201eAin\u2019t got no country\u201c, stellt sie diesen eine Vielzahl von Aussagen entgegen: <i>\u201eI got my hair, got my head \/ Got my brains, got my ears \/ Got my eyes, got my nose \/ Got my mouth \/ I got my smile\/ I got my tongue, got my chin \/ Got my neck, got my boobs \/ Got my heart, got my soul \/ Got my back \/ I got my sex.\u201c<\/i><a href=\"#_ftn49\" name=\"_ftnref49\">[49]<\/a><\/p>\n<p>Die dort gemachten Bez\u00fcge sind, \u00e4hnlich wie in <i>Formation<\/i>, identit\u00e4tsstiftend und konstruieren Schwarzsein. Solche Identit\u00e4tsentw\u00fcrfe werden aber nicht nur \u00fcber die bereits herausgearbeiteten K\u00f6rpertechniken und Text bzw. Sprache artikuliert, sondern ebenfalls \u00fcber das Medium der Musik an sich sowie K\u00f6rperbewegungen und T\u00e4nze, die dazu stattfinden. Zahlreiche Tanzaufnahmen sind in <i>Formation<\/i> abgebildet und repr\u00e4sentieren diese K\u00f6rpertechnik als konstitutiv f\u00fcr Schwarzsein.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Bedeutung von Musik und Tanz im Kontext von Subversion und Widerstand ist aufgrund ihrer Ausdruckskraft besonders hervorzuheben.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Der postkoloniale Theoretiker Paul Gilroy schreibt dazu: \u201eThe power of music in developing of black struggles by communicating information, organizing consciousness, and testing out or deploying the forms of subjectivity which are required by political agency, whether individual or collective, defensive or transformational, demands attention to both the formal attributes of this expressive culture and its distinctive moral basis.\u201c<a href=\"#_ftn50\" name=\"_ftnref50\">[50]\u00a0<\/a>Musik stellt demnach nicht nur ein Medium zur Kommunikation und dem Transfer von Informationen und eines bestimmten Wissen dar, sondern bildet einen wichtigen Bezugsrahmen f\u00fcr die Konstitution von Subjektivit\u00e4t und Agency.<\/p>\n<p>Die Entstehung von Musik und Tanz als Formen widerst\u00e4ndiger Praktiken l\u00e4sst sich bis auf die Zeit der Sklaverei zur\u00fcckverfolgen. Musik und Tanz boten die M\u00f6glichkeit eines aktiven Handelns im Zustand k\u00f6rperlicher Passivit\u00e4t und Fremdbestimmung. Europ\u00e4ische Tanzstile wurden angeeignet, abgewandelt und parodiert; um improvisierte K\u00f6rperbewegungen erg\u00e4nzt und mit ihnen kombiniert, sodass der Tanz eine M\u00f6glichkeit war, soziale Grenzen auszutesten, zu verwischen und zu destabilisieren.<a href=\"#_ftn51\" name=\"_ftnref51\">[51]<\/a> Daraus entwickelten sich dann zum Beispiel spezifisch Schwarz konnotierte Tanzstile wie der sogenannte \u201eCakewalk\u201c<a href=\"#_ftn52\" name=\"_ftnref52\">[52]<\/a>.<\/p>\n<p>Gerade in Hinblick auf die historischen Entstehungsbedingungen dieser Praktiken muss ihr subversiver Charakter nochmal betont werden: Hegemoniale gesellschaftliche Machtstrukturen schlossen die meisten Sklav*innen von einem Zugang zu Bildung und Alphabetisierung aus. In seinen Arbeiten hebt Paul Gilroy deshalb die Rolle von Musik als Medium des Wissenstransfers besonders hervor. Wissenschaft oder gesellschaftliches Wissen sei nicht nur in Sprache und Schrift zu finden oder zu erfassen:<\/p>\n<p>\u201eThe typos of unsayability produced from the slaves\u2019 experiences of racial terror and figured repeatedly in nineteenth-century evaluations of slave music has other important implications. It can be used to challenged the privileged conceptions of both language and writing as preeminent expressions of human consciousness. The power and significance of music within the black Atlantic have grown in inverse proportion to the limited expressive power of language.\u201c<a href=\"#_ftn53\" name=\"_ftnref53\">[53]<\/a><\/p>\n<p>Wie Gilroy zurecht betont, m\u00fcssen kulturelle Praktiken wie Musik und Tanz daher Eingang in wissenschaftliche Diskurse erhalten \u2014 und zwar \u00fcber das Feld der postkolonialen Theorie hinaus. \u201eBlack Music\u201c und \u201eBlack Dance\u201c bieten eine Vielzahl von Gegenschreibungen zu hegemonialen Abbildungen einer westlich oder eurozentristisch gepr\u00e4gten Geschichtsschreibung. Gilroy schreibt dazu: \u201eApart from the music and the musicians themselves, we must also take account of the work of those within the expressive culture of the black Atlantic who have tried to use its music as an aesthetic, political, or philosophical marker in the production of what might loosely be called their critical social theories.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><a href=\"#_ftn54\" name=\"_ftnref54\">[54]<\/a><\/p>\n<p>Wie dargestellt, geht es in <i>Formation<\/i> vor allem um die Aneignung bestimmter Styles sowie die Abbildung eines spezifischen \u201eBlack Styles\u201c. Ich m\u00f6chte an dieser Stelle betonen, dass ich mich Dorestals Argumentation anschlie\u00dfe, dass die Verwendung solcher Termini kritisch reflektiert werden muss, da damit im Kontext dieser Arbeit nicht die \u201erassische Existenz\u201c einer bestimmten Art, sich zu stylen, ausgedr\u00fcckt werden soll.<a href=\"#_ftn55\" name=\"_ftnref55\">[55]<\/a> Zurecht stellt Dorestal in Frage, ob Style rassifizierbar sei bzw. ob sich \u00fcber Style \u201eSchwarzsein\u201c bzw. \u201eBlackness\u201c ausdr\u00fccken k\u00f6nne.<a href=\"#_ftn56\" name=\"_ftnref56\">[56]<\/a><\/p>\n<p>Es lassen sich jedoch einige Styles erforschen, die historisch im Kontext bestimmter hegemonialer Machverh\u00e4ltnisse hervorgebracht wurden und deren Entstehung in einem unmittelbaren Zusammenhang mit <i>Race<\/i> zu verstehen ist. Style in seiner identit\u00e4tsbildenden Funktion k\u00f6nnte im Zusammenhang mit Macht und Widerstand Ausdruck eines strategischen Essentialismus sein. Wie ich zu Beginn dieser Arbeit anhand des Terminus <i>Black Expressive Culture<\/i> anzumerken versuchte, sollten Begriffe wie Style oder \u201eBlack Style\u201c immer ambivalent betrachtet und kritisch verwendet werden.<\/p>\n<p>In fast jeder Szene des Musikvideos werden Style bzw. ein spezifischer \u201eBlack Style\u201c durch den Einsatz und die Kombination bestimmter Kleidungsst\u00fccke, Frisuren und anderen Elementen im Bild inszeniert. Sei es in Verbindung mit Stilelementen aus dem HipHop, bestimmter Markenkleidung oder anderer Konsumobjekte. All diese Zeichen sind kulturell mit Bedeutungen aufgeladen und werden durch ihre Rekontextualisierung und Kombination als spezifisch Schwarz hervorgebracht. Dies l\u00e4sst sich auf viele weitere Bilder des Videos ausweiten, sei es im Zusammenhang mit spezifischen Kultur des Essens, Sport oder Religion.<\/p>\n<p>In einer anderen Szene h\u00e4lt ein Mann* einen Zeitungsartikel \u00fcber Martin Luther King hoch mit dem Titel \u201eMore than a Dreamer\u201c \u2014 im selben Moment singt Beyonc\u00e9 \u201eI dream it\u201c und delegiert sich damit selbst als Repr\u00e4sentantin und Sprecherin ihrer widerst\u00e4ndigen \u201eFormation\u201c.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-8907\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.35.11.png\" alt=\"\" width=\"836\" height=\"386\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.35.11.png 836w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.35.11-300x139.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-11.35.11-768x355.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 836px) 100vw, 836px\" \/><\/p>\n<p>In <i>Formation<\/i> werden diverse Elemente, die sich unter Style zusammenfassen lassen, im Format des Musikvideos miteinander auf komplexe Art miteinander verflochten. Aufgeladen mit einer Vielzahl an Bedeutungen und Symbolen avanciert <i>Formation<\/i> so zu einem politischen Statement: Beyonc\u00e9 positioniert sich durch den Einsatz verschiedenster Techniken, Objekte und Styles auf Ebenen des Textes und Bildes als Schwarz und nutzt dies als Grundlage ihrer provokanten gesellschaftlichen Kritik.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Begriffe wie Schwarzsein, Identit\u00e4t oder Kultur bewegen sich in einem hybriden Feld, werden allerdings oftmals essentialisiert, homogenisiert und naturalisiert, was dazu f\u00fchrt, dass Diskurse \u00fcber die rassifizierten Anderen belebt werden. Der Wunsch nach Zugeh\u00f6rigkeit und Authentizit\u00e4t l\u00e4sst Konzepte von vorgestellten Gemeinschaften z.B. im Kontext von Nationalismus wieder aufbl\u00fchen.<a href=\"#_ftn57\" name=\"_ftnref57\">[57]<\/a> Die Reproduktion der Ideen \u00fcber \u201eeinheitliche Identit\u00e4ten\u201c und kulturelle Abgrenzung verursacht neue, machtvolle Ausschl\u00fcsse.<\/p>\n<p>Dieser Aspekt spiegelt sich beispielsweise in der Performance zu <i>Formation<\/i> beim Super-Bowl 2016 wieder, wie eingangs angedeutet wurde. Die Outfits der T\u00e4nzer*innen sind deutlich an das Auftreten der Black Panther Party angelehnt, eine bedeutsame Gruppe innerhalb der Black Power Bewegung, welche Militanz und \u201eCultural Nationalism\u201c repr\u00e4sentierte.<a href=\"#_ftn58\" name=\"_ftnref58\">[58]<\/a><\/p>\n<p>Warum im Feld Schwarzer Widerstandsbewegungen trotzdem auf solche Entw\u00fcrfe zur\u00fcckgegriffen wird, erkl\u00e4ren sich postkoloniale Theoretiker*innen beispielsweise mit einer Strategie, die Paul Gilroy. \u201eflexible essentialism\u201c<a href=\"#_ftn59\" name=\"_ftnref59\">[59]<\/a> oder \u201ecultural protectionism\u201c<a href=\"#_ftn60\" name=\"_ftnref60\">[60]<\/a> nennt. Wie aufgezeigt, kann den vielf\u00e4ltigen kulturellen Praktiken, die w\u00e4hrend des 18., 19. und 20. Jahrhunderts entstanden sind, ein subversiver Charakter unterstellt werden. Paradoxerweise wurden ebendiese Praktiken, die hegemoniale Machtverh\u00e4ltnisse und Gesellschaftsstrukturen kritisierten und destabilisierten, stellenweise von einer wei\u00dfen Popul\u00e4rkultur angeeignet. Sei es in Bezug auf Hairstyles, wie den Afro, oder im Zusammenhang mit Musik wie z.B. Hip-Hop \u2014 der \u201eUnterhaltungswert\u201c oder \u201eWarenwert\u201c dieser \u201eProdukte\u201c wurde erkannt und popkulturell beansprucht. Als Folge bildeten sich zeitweise h\u00f6chst rassistische Formen dieser \u201ekulturellen Aneignung\u201c aus, wie Gilroy und White\/White beispielsweise anhand der Minstrelsy aufzuzeigen versuchen.<a href=\"#_ftn61\" name=\"_ftnref61\">[61]<\/a> Aufgrund dieser Versuche entwickelte sich der Wunsch nach Authentizit\u00e4t: Schwarzsein wurde als neue Ethnizit\u00e4t hervorgebracht.<a href=\"#_ftn62\" name=\"_ftnref62\">[62]<\/a> Im Zuge dessen wurden bestimmte kulturelle Praktiken als spezifisch Schwarz deklariert, obwohl ihnen, wie z.B. Paul Gilroy exemplarisch in Bezug auf Hip-Hop zeigt, ein hybrider Charakter zugrunde liegt.<a href=\"#_ftn63\" name=\"_ftnref63\">[63]<\/a><\/p>\n<p>\u201eThis subculture often appears to be the intuitive expression of some racial essence but is in fact an elementary historical acquisition produced from the viscera of an alternative body of cultural and political expression that considers the world critically form the point of view of its emancipatory transformation.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><a href=\"#_ftn64\" name=\"_ftnref64\">[64]<\/a><\/p>\n<p>Eine Vielzahl Vertreter*innen der postkolonialen Theorie verweist auf den hybriden Charakter solcher Identit\u00e4tskonstruktionen und warnt gleichzeitig vor partikularistischen Konzepten kultureller Differenz: \u201eWether these people were of African, Caribbean, or Asian descent, their commonality was often defined by its reference to the central, irreducible sign of their common racial subordination \u2014 the colour black. More recently, though, this fragile unity in action has fragmented and their self-conception has separated into its various constituent elements. The unifying notion of an open blackness has been largely rejected and replaced by more particularistic conceptions of cultural difference.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><a href=\"#_ftn65\" name=\"_ftnref65\">[65]<\/a><\/p>\n<p>Momente der Wiederentdeckung einer gemeinsamen \u201eKultur\u201c und gemeinsamer Erfahrungen wurde dennoch zu einem wichtigen politischen Mittel zur Konstitution von Subjektivit\u00e4t und Agency. Schwarzsein bildete die Grundlage eines kollektiven politischen Handelns. Hip-Hop als eine neuartige Identit\u00e4tsformation sei beispielsweise einer der machtvollsten und ausdrucksvollsten Informations- und Kommunikationstr\u00e4ger, der \u00fcber nationale Grenzen hinweg die Bildung einer globalen Schwarzen Jugendbewegung in Gang setzte.<a href=\"#_ftn66\" name=\"_ftnref66\">[66]<\/a><\/p>\n<p>Und dennoch schreibt Gilroy: \u201eThe hybridity which is formally intrinsic to hip hop has not been able to prevent that style from being used as an especially potent sign and symbol of racial authenticity.\u201c<a href=\"#_ftn67\" name=\"_ftnref67\">[67]<\/a> Auf Grundlage dieser Argumentation kann gezeigt werden, dass <i>Formation<\/i>, musikalisch angesiedelt zwischen R\u2019n\u2019B und Hip-Hop, ambivalente Lesarten zul\u00e4sst. An dieser Stelle soll auf Ph\u00e4nomene wie Sexismus verwiesen werden, die im Hip-Hop stellenweise stark vertreten sind. Aus feministischer Perspektive bildet <i>Formation<\/i> ein spannendes Pendant zu der sonst stark m\u00e4nnlich* dominierten Hip Hop-Szene.<\/p>\n<p>Es lassen sich weitere Problemstellungen in Zusammenhang mit \u201eSchwarzsein\u201c formulieren: Eine (hybride) Schwarze Identit\u00e4t habe keineswegs alle anderen, lokalen Identit\u00e4ten ersetzt.<a href=\"#_ftn68\" name=\"_ftnref68\">[68]<\/a> Mit ihrer Herausbildung wurden Vereinfachungen gemacht und unterschiedliche Subjektpositionen unter einem Terminus zusammengefasst. Spezifische Erfahrungen von Menschen aus Asien werden beispielsweise innerhalb dieser Kategorie ausgeblendet.<a href=\"#_ftn69\" name=\"_ftnref69\">[69]<\/a> Auch nicht alle Menschen wollen oder k\u00f6nnen sich mit einer Schwarzen kollektiven Identit\u00e4t identifizieren. Hall macht hierbei darauf aufmerksam, dass diese Kategorie Dimensionen und vertikale Identit\u00e4ten wie Class, Gender oder sexuelle Orientierung einfach \u00fcberdeckt.<a href=\"#_ftn70\" name=\"_ftnref70\">[70]<\/a> Diese Perspektive nimmt auch bell hooks, eine der bedeutendsten feministischen Vertreter*innen innerhalb der postkolonialen Theorie, ein. So schreibt sie \u00fcber Beyonc\u00e9:<\/p>\n<p>\u201eHer vision of feminism does not call for an end to patriarchal domination. It\u2019s all about insisting on equal rights for men and women. In the world of fantasy feminism, there are no class, sex, and race hierarchies that breakdown simplified categories of women and men, no call to challenge and change systems of domination, no emphasis on intersectionality.\u201c<a href=\"#_ftn71\" name=\"_ftnref71\">[71]<\/a><\/p>\n<p>Intersektionale Differenzierungen werden in <i>Formation<\/i> anscheinend ausgeblendet. Beyonc\u00e9 schl\u00e4gt eine politische Bewegung vor, deren Zugangsbedingungen unklar sind. Wenn sie zum Widerstand aufruft, spricht sie offensichtlich Frauen* allgemein an (\u201eOk ladies\u201c) und suggeriert damit ein kollektives Bewusstsein. \u201eSisterhood\u201c- Gedanken sind, wie schon bell hooks feststellte, nicht weitreichend genug da intersektionale Perspektiven auf Frau*-Sein oft ausgeblendet werden. So behauptet hooks: \u201eAs long as women are using class or race power to dominate other women, feminist sisterhood cannot be fully realized\u201c.<\/p>\n<p>Wer kann tats\u00e4chlich an <i>Formation<\/i> partizipieren? Richtet sich Beyonc\u00e9s Aufruf beispielsweise auch an Transgender-Frauen? Spricht Beyonc\u00e9 auch lesbische Frauen* an? Sexuelle Vielfalt wird innerhalb von <i>Formation<\/i> nicht repr\u00e4sentiert. Die intersektionale Diskriminierung und damit die besondere Benachteiligung dieser Personengruppen bleibt unbehandelt. K\u00f6nnen auch Schwarze, behinderte Frauen* partizipieren? Wie kann politische, sexuelle und \u00f6konomische Emanzipation f\u00fcr Frauen* diverser Erfahrungshintergr\u00fcnde erm\u00f6glicht werden? Beyonc\u00e9 nennt darauf eine klare Antwort: \u201eI work hard, I grind \u2018til I own it\u201c und schlie\u00dflich: \u201eSometimes I go off (I go off) \/ I go hard (I go hard) \/ Get what\u2019s mine (take what\u2019s mine) \/ I\u2019m a star (I\u2019m a star)\u201c. Hier spricht Beyonc\u00e9 aber direkt an, was sie zu ihrer politischen, sexuellen und \u00f6konomischen Emanzipation bef\u00e4higt: Sie befindet sich als eine der erfolgreichsten S\u00e4nger*innen der Popkultur in einer gesellschaftlichen Machtposition, die ihr Zugang zu gleichberechtigten Lebensweisen verschafft. Beyonc\u00e9 stellt den Weg zur Emanzipation sehr vereinfacht dar, wenn sie ihre Zuh\u00f6rerschaft anruft: \u201eYou just might be a black Bill Gates in the Making\u201c. Ist Beyonc\u00e9s L\u00f6sung, dass jede* Frau* nur angestrengt genug sein und ausreichend arbeiten muss, um politisch, sexuell und \u00f6konomisch erfolgreich zu sein? Kann sich jede* Frau* erlauben, ihrer* Umwelt die Mittelfinger zu zeigen? Welche Frauen* haben wirklich die Kraft, ihrem Aufruf zu folgen (\u201eOkay, ladies now let\u2019s get in formation (cause I slay) \/ Prove to me you got some coordination (cause I slay) \/ Slay trick or you get eliminated\u201c)? Beyonc\u00e9 \u00e4u\u00dfert eine neoliberale Perspektive auf Emanzipation, die f\u00fcr eine <i>Formation<\/i>, die etwas ver\u00e4ndern und bewegen m\u00f6chte, auf vielen Ebenen problematisch ist und offene Fragen aufwirft.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Im gleichen Zusammenhang soll an dieser Stelle nochmals der Umgang und die Repr\u00e4sentation von K\u00f6rpern und weiblicher* Sexualit\u00e4t aufgegriffen werden. Obwohl ich anhand der Darstellungen \u00fcber Style gezeigt habe, welches widerst\u00e4ndige Potential sich in diesen K\u00f6rpertechniken verbirgt, bietet <i>Formation<\/i> viele kontroverse Bilder und Vorstellungen von K\u00f6rpern und Sexualit\u00e4t an. Im Fokus des Musikvideos stehen vor allem weibliche* Schwarze K\u00f6rper. Fast alle dargestellten Frauen* entsprechen medial zirkulierenden Idealen \u00fcber Sch\u00f6nheit. <a href=\"#_ftn72\" name=\"_ftnref72\">[72]<\/a><\/p>\n<p>Schwarze weibliche* K\u00f6rper unterliegen in <i>Formation<\/i> bestimmten, fragw\u00fcrdigen Repr\u00e4sentationstechniken.Wie bereits angedeutet, bleibt sexuelle und k\u00f6rperliche Vielfalt unterrepr\u00e4sentiert. Und dennoch werden Sexualit\u00e4t und K\u00f6rper in <i>Formation<\/i> zum Austragungsort f\u00fcr den Kampf um Emanzipation und Selbstbestimmung gemacht. Theoretiker*innen wie bell hooks oder Stuart Hall setzen sich mit Repr\u00e4sentationsformen Schwarzer K\u00f6rper in der Popkultur differenziert auseinander und zeigen, an welche rassifizierenden Diskurse diese anschlie\u00dfen.<a href=\"#_ftn73\" name=\"_ftnref73\">[73]<\/a> Der Schwarze K\u00f6rper reproduziert Vorstellungen und Wissen \u00fcber die sexualisierten, rassifizierten und exotisierten \u201eAnderen\u201c. Bestimmte Darstellungstechniken und die Verwendung ausgew\u00e4hlter Styles bringen den Schwarzen K\u00f6rper als animalistisch, exotisch und faszinierend hervor. Der weibliche* Schwarze K\u00f6rper wird Objekt sexueller Phantasien und sexuellen Begehrens. Diese Gedanken sollen exemplarisch darauf hinweisen, in welche machtvollen rassistischen und sexistischen Diskurse der Schwarze K\u00f6rper und die Schwarze Sexualit\u00e4t verstrickt ist und wie ebendiese Diskurse und Vorstellungen in popkulturellen Medien in spezifischer Weise reproduziert werden. <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Aus feministischem Blickwinkel ist <i>Formation<\/i> auch Ausdruck sexueller Selbstbestimmung. Die weibliche* Sexualit\u00e4t wird als machtvoller Ort dargestellt, an dem Vergn\u00fcgen und Lust konventionelle Vorstellungen von romantischer Liebe \u00fcberschreiten. Wenn Beyonc\u00e9 aber singt <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>\u201e<i>When he fuck me good, I take his ass to Red Lobster (cause I slay) \/ When he fuck me good, I take his ass to Red Lobster (cause I slay) \/ If he hit it right, I might take him on a flight on my chopper (cause I slay) \/ Drop him off at the mall, let him buy some Js, let him shop up (cause I slay)\u201c<\/i>, demonstriert sie damit nicht nur ihre sexuelle Macht und die M\u00f6glichkeit ihrer sexuellen Selbstbestimmung, sondern handelt ihre Sexualit\u00e4t als Ware; Vergn\u00fcgen wird mit Materialit\u00e4t gleichgesetzt.<a href=\"#_ftn74\" name=\"_ftnref74\">[74]<\/a> Hier er\u00f6ffnet sich eine \u00f6konomische Dimension, die <i>Formation<\/i> beinhaltet. bell hooks schreibt in Bezug auf Beyonc\u00e9s Album <i>Lemonade<\/i>, auf dem <i>Formation<\/i> ver\u00f6ffentlicht wurde:<\/p>\n<p>\u201e<i>Lemonade<\/i> offers viewers a visual extravaganza\u2014a display of black female bodies that transgresses all boundaries. It\u2019s all about the body, and the body as commodity. This is certainly not radical or revolutionary. From slavery to the present day, black female bodies, clothed and unclothed, have been bought and sold. What makes this commodification different in <i>Lemonade<\/i> is intent; its purpose is to seduce, celebrate, and delight\u2014to challenge the ongoing present day devaluation and dehumanization of the black female body. Throughout <i>Lemonade<\/i> the black female body is utterly-aestheticized\u2014its beauty a powerful in your face confrontation. This is no new offering.\u201c<a href=\"#_ftn75\" name=\"_ftnref75\">[75]<\/a><\/p>\n<p>Schwarze weibliche* Sexualit\u00e4t und K\u00f6rper werden vermarktet \u2014 oder, wie hooks schreibt: \u201e [\u2026] commodities produce bodies\u201c.<a href=\"#_ftn76\" name=\"_ftnref76\">[76]<\/a> Kulturelle Differenz wird in den Warenmarkt integriert. <i>Otherness<\/i> wird verwertet und vermarktet. Dieser Aspekt ist besonders vor dem Entstehungshintergrund von <i>Formation<\/i> interessant und wird im Schlussteil dieser Arbeit nochmals aufgegriffen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte die Kritik bez\u00fcglich einer \u00f6konomischen Dimension von <i>Formation<\/i> im Folgenden ausweiten. Schwarze politische K\u00e4mpfe und Aushandlungsprozesse um Freiheit, Emanzipation und Gerechtigkeit, ver\u00e4nderten sich im Laufe der Zeit. Paul Gilroy spricht in diesem Zusammenhang von drei verschiedenen Phasen politischer Bewegungen.<a href=\"#_ftn77\" name=\"_ftnref77\">[77]<\/a> Gilroy folgend, lag der Fokus der ersten Phase auf der politischen Befreiung von Sklav*innen sowie deren gesellschaftlicher Emanzipation. Er spricht auch von einem Kampf um den Eintritt oder die Aufnahme in die nationale Gemeinschaft Amerikas. Die zweite Phase war gepr\u00e4gt von K\u00e4mpfen um B\u00fcrgerrechte: Angesichts anhaltender rassistischer Diskriminierungen wurden all jene Rechte und Freiheiten, welche die nationale Gemeinschaft Amerikas versprach, eingefordert. Gilroy fasst diese ersten beiden Phasen als K\u00e4mpfe um Staatsb\u00fcrgerschaft zusammen. Die dritte Phase politischer K\u00e4mpfe kann als Phase der Abgrenzung beschrieben werden, nachdem der illusion\u00e4re Charakter der amerikanischen Versprechungen sich offenbarte. Es wurden K\u00e4mpfe um Repr\u00e4sentation und Anerkennung gef\u00fchrt. Ein unabh\u00e4ngiger, autonomer Raum wurde eingefordert, in welchem sich eine Schwarze Community bilden und entwickeln konnte, die ihre eigenen Interessen und Ziele verfolgt. Die Auflistung dieser Phasen ist deshalb interessant, weil sich ihre Inhalte, vor allem seit der dritten Phase, im Laufe der Zeit transformierten. Dies ist auf den Beginn der Globalisierung sowie die Entstehung kapitalistischer Wirtschaftssysteme zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Eine Szene zeigt Beyonc\u00e9 mit blonden Rasta-Z\u00f6pfen, die sich in einem wei\u00dfen Pelzmantel bekleidet auf ihrem R\u00fccken aus dem Fenster eines fahrenden blauen Autos lehnt und in die Kamera schaut. Indem sie ihre Haare anhebt und in den Fahrtwind fallen l\u00e4sst, betont Beyonc\u00e9 ihren Hairstyle. Bei dem fahrenden Auto handelt es sich vermutlich um ein teures Oldtimer-Modell, welches durch die hervorstechende blaue Farbe im Fokus des Bildes steht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-8909\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-12.53.19.png\" alt=\"\" width=\"915\" height=\"378\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-12.53.19.png 915w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-12.53.19-300x124.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/Bildschirmfoto-2018-12-12-um-12.53.19-768x317.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 915px) 100vw, 915px\" \/><\/p>\n<p>Konsumg\u00fcter wie Autos sind f\u00fcr die Analyse von <i>Formation <\/i>im Kontext einer Schwarzen \u00c4sthetik bedeutungsvoll, da sich in ihnen widerspr\u00fcchliche Agency-Strategien verbergen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Autos haben sich zu gesellschaftlichen Statussymbolen entwickelt, die Freiheit und Wohlstand suggerieren. Neben der r\u00e4umlichen Mobilit\u00e4t bietet der Besitz eines Autos die M\u00f6glichkeit sozialer und gesellschaftlicher Mobilit\u00e4t. Der Besitz eines Autos oder anderer Statussymbole hat erhebliche Auswirkungen auf die gesellschaftliche Wahrnehmung und Position von Menschen, unabh\u00e4ngig davon, wie diese tats\u00e4chlich \u00f6konomisch situiert sind. Dabei spielt neben bestimmten Marken und Modellen auch die Pr\u00e4sentation im \u00f6ffentlichen Raum eine bedeutende Rolle. Autos erm\u00f6glichen gesellschaftliches Prestige. Globale kapitalistische Wirtschaftsstrukturen haben eine Vielzahl von Lebensweisen und Handlungsm\u00f6glichkeiten hervorgebracht, die politische K\u00e4mpfe um Freiheit und Gleichheit ma\u00dfgeblich beeinflussen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Paul Gilroy zeigt in seinem Aufsatz \u201eGet Free or Die Tryin\u2019\u201c<a href=\"#_ftn78\" name=\"_ftnref78\">[78]<\/a> wodurch die komplexen Verstrickungen zwischen Agency und einer an Konsum orientierten Lebensweise hervorgebracht wurden und welche Bedeutung dies f\u00fcr politisches Handeln im Kontext des <i>Black Atlantic<\/i><a href=\"#_ftn79\" name=\"_ftnref79\">[79]<\/a> hat.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Der Konsum von Statussymbolen und Prestigeobjekten bietet, neben den strapazi\u00f6sen gesellschaftlichen K\u00e4mpfen um Freiheit, Gleichheit und Anerkennung durch die Forderung von B\u00fcrgerrechten und anderen politischen Rechten, eine bequeme M\u00f6glichkeit, in einer bestimmten Weise Freiheit und Anerkennung zu erlangen. Freiheit \u2014 zumindest in Teilbereichen des Lebens \u2014 kann durch die Pr\u00e4senz kapitalistischer M\u00e4rkte und ihrer Waren einfach konsumiert werden.<a href=\"#_ftn80\" name=\"_ftnref80\">[80]<\/a> Dies f\u00fchrt Gilroy zufolge in letzter Konsequenz dazu, dass sich der eigentliche antirassistische Kampf um politische Emanzipation im Kontext Schwarzer Bewegungen verschiebt. Gilroy appelliert an die Menschen des <i>Black Atlantic,<\/i> nicht auf diese konsumistische Logik hereinzufallen und die Anrufung als Konsument*innen stets zu hinterfragen.<\/p>\n<p>Gilroy macht diesbez\u00fcglich auch auf eine historische Absurdit\u00e4t aufmerksam. Im Kontext der Sklav*innenbefreiung stellt er eine paradoxe Umkehrung gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse fest: Menschen, die selbst einmal als Waren gehandelt wurden, versuchen durch den Konsum bestimmter G\u00fcter, Freiheit und Anerkennung zu erlangen. Im kapitalistischen Warenmarkt sei eine vorher nicht existente, universelle Freiheit \u201eeinfach\u201c zu erkaufen.<a href=\"#_ftn81\" name=\"_ftnref81\">[81]<\/a> Dieses (Konsum-) Verhalten reproduziert spezifische Machtverh\u00e4ltnisse und Machtmechanismen, die nicht nur einen konsumistischen Lebensstil und damit ungleiche soziale Verh\u00e4ltnisse reproduzieren, sondern weiterhin nicht dazu beitragen, die politische Emanzipation von Schwarzen Menschen durchzusetzen \u2014 ganz im Gegenteil erwecken Gilroys Gedanken den Eindruck einer Resignation politischer Bem\u00fchungen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><a href=\"#_ftn82\" name=\"_ftnref82\">[82]<\/a><\/p>\n<p>In vielen Szenen innerhalb von <i>Formation<\/i> wird der Konsum oder Besitz von \u201ebegehrenswerten\u201c Waren zelebriert. Sei es durch die Fokussierung der Kamera auf Markenprodukte, das Tragen luxuri\u00f6ser Kleidung und Schmucks oder durch die Zurschaustellung von Prestige-Objekten wie Autos. Das Auto taucht in <i>Formation<\/i> h\u00e4ufiger auf und spiegelt in einem besonderer Weise eine Form von Freiheit und (gesellschaftlicher) Mobilit\u00e4t wieder.<\/p>\n<p>Der kapitalistische Warenmarkt und damit einhergehend der Erwerb \u201euniverseller Freiheiten\u201c ist jeder Person, unabh\u00e4ngig von <i>Race<\/i>, <i>Class<\/i>, <i>Gender<\/i> oder sexueller Orientierung zug\u00e4nglich. Sie alle werden als Konsument*innen angerufen. Das Auto er\u00f6ffnet neuartige M\u00f6glichkeiten der gesellschaftlichen Anerkennung, Partizipation und Gleichbehandlung \u2014 die aber trotzdem auf den Bereich des Warenmarktes beschr\u00e4nkt bleiben.<a href=\"#_ftn83\" name=\"_ftnref83\">[83]<\/a> Der Widerspruch, der sich daraus ergibt, ist die Verbindung dieser Anrufungen mit der Vorstellung, subversiv zu handeln. So schreibt Gilroy diesbez\u00fcglich: \u201eTheir histories of racial terror, brutal confinement, and coerced labour must have given them additional receptivity to the pleasures of auto-autonomy as a means of escape, transcendence, and, perhaps fleetingly, also of resistance.\u201c<a href=\"#_ftn84\" name=\"_ftnref84\">[84]<\/a> Konsum suggeriert in komplexer Weise eine widerspr\u00fcchliche Form des Widerstandes. Agency durch Konsum wird in <i>Formation<\/i> als eine m\u00f6gliche Strategie in der Auseinandersetzung und den Bem\u00fchungen um Emanzipation dargestellt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Dass diese Vorstellungen von Freiheit und Emanzipation sowie Subjektkonstitution von Konsumobjekten determiniert werden, bleibt in <i>Formation<\/i> unhinterfragt. Indem Konsumg\u00fcter dort au\u00dferdem zum Bestandteil einer Schwarzen Identit\u00e4t gemacht werden, manifestieren sich die widerspr\u00fcchlichen Strategien des \u201eWiderstands\u201c.<\/p>\n<p>Im Folgenden soll die Bedeutung des \u00f6ffentlichen Raumes noch einmal rekontextualisiert werden. Durch den Konsum von Autos findet, laut Gilroy, eine Verlagerung ins Private statt. So schreibt er:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>\u201eThe outcome represents a diminution of citizenship, and it is associated with a privatization that confiscates the possibility of collective experience, synchronized suffering, and acting in concert. In these circumstances, the automobile becomes the instrument of segregation and privatization, not an aid to their overcoming.\u201c<a href=\"#_ftn85\" name=\"_ftnref85\">[85]<\/a><\/p>\n<p>Der \u00f6ffentliche Raum wird dadurch weniger oft betreten und politisch genutzt. Wie ich anhand von Judith Butler zu zeigen versuchte, ist das In-Erscheinung-Treten im \u00f6ffentlichen Raum aber notwendig, um sich gegen hegemoniale Machtverh\u00e4ltnisse zu erheben. Dagegen argumentiert Butler gleichzeitig, dass eine strikte Trennung von \u00f6ffentlichem und privatem Raum nicht m\u00f6glich ist. Protest und Widerstand kann auch im privaten Raum stattfinden.<a href=\"#_ftn86\" name=\"_ftnref86\">[86]<\/a> Die Anerkennung des privaten Raums als einem Ort des Politischen ist aus feministischer Sicht besonders bedeutsam.<\/p>\n<p>Anlehnend an Rosa Parks und den Bus Boycott betont auch Gilroy die Wichtigkeit \u00f6ffentlicher R\u00e4ume und dem \u201epublic transport\u201c. Es sind R\u00e4ume, in denen enormes widerst\u00e4ndiges Potential steckt; die aber durch konsumistische Lebensweisen transformiert werden.<a href=\"#_ftn87\" name=\"_ftnref87\">[87]\u00a0<\/a>\u201eAutomobiles transformed the life of black communities everywhere and would help to produce the polar opposition of ghetto and suburb. Inside the former, they fostered a new conception of the street as a place of danger and violence rather than of community, creativity, and mutuality.\u201c<a href=\"#_ftn88\" name=\"_ftnref88\">[88]<\/a><\/p>\n<p>Wie sich schlie\u00dflich zeigt, ist die \u00f6konomische Dimension, die in <i>Formation<\/i> abgebildet wird, h\u00f6chst problematisch im Kontext von Subversion und Widerstand. Durch das Ankn\u00fcpfen an konsumistische Ideale verliert <i>Formation<\/i> in vielen Aspekten seine subversive Kraft und sollte kritisch gelesen werden.<\/p>\n<p>Hegemoniale gesellschaftliche Machtverh\u00e4ltnisse werden in <i>Formation<\/i> einerseits auf interessante und ansprechende Weise aufgebrochen und destabilisiert, auf der anderen Seite erfahren sie in vielen Punkten eine Reproduktion. Anschlie\u00dfend an die Theorien zur Medienrezeption der Cultural Studies h\u00e4ngt die Art und Weise, wie Formation letztlich gelesen wird, stark von der eigenen Perspektive und Positionierung ab.<a href=\"#_ftn89\" name=\"_ftnref89\">[89]<\/a><\/p>\n<p>bell hooks hat f\u00fcr die k\u00fcnstlerischen Bem\u00fchungen Beyonc\u00e9s im Kontext des Albums Lemonade, auf welchem Formation erscheint, ein klares Urteil: \u201eEven though Beyonc\u00e9 and her creative collaborators make use of the powerful voice and words of Malcolm X to emphasize the lack of respect for black womanhood, simply showcasing beautiful black bodies does not create a just culture of optimal well being where black females can become fully self-actualized and be truly respected.\u201c<a href=\"#_ftn90\" name=\"_ftnref90\">[90]<\/a><\/p>\n<p>hooks folgend, geht die in <i>Formation<\/i> artikulierte Kritik sowie die Anrufung Schwarzer Frauen* an deren sozialen Wirklichkeiten vorbei. Beyonc\u00e9s Vorschlag einer <i>Formation<\/i> ist nicht weitreichend genug und reproduziert, wie ich darzustellen versuchte, auf strukturellen Ebenen Ausschl\u00fcsse. Ausgrenzende Repr\u00e4sentationstechniken f\u00fchren zu einer eindimensionalen Darstellung weiblicher* K\u00f6rper. Des Weiteren bedient <i>Formation<\/i> eine Vielzahl rassistischer Stereotype und Vorstellungen \u00fcber K\u00f6rper, Sexualit\u00e4t und Subjektivit\u00e4t im machtvollen Diskurs \u00fcber die Schwarzen \u201eAnderen\u201c. Entw\u00fcrfe und M\u00f6glichkeiten von Agency, die allen Menschen der Schwarzen Diaspora zug\u00e4nglich sind, bietet <i>Formation<\/i> nicht an. Schwarzsein wird homogenisiert und f\u00fcr Beyonc\u00e9s <i>Formation<\/i> instrumentalisiert, ohne die Reproduktion von Machtverh\u00e4ltnissen, die damit einhergeht, zu reflektieren.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Der weibliche* Schwarze K\u00f6rper im Zentrum ihres Aufrufes wird sexualisiert, exotisiert und als faszinierend \u201eanders\u201c in Warenform hervorgebracht. Konsumistische Vorstellungen von \u201eFreiheit\u201c \u00fcberschatten die gesellschaftliche Realit\u00e4t \u2014 institutioneller Rassismus wird zwar inhaltlich behandelt, doch bleibt fraglich, wie Beyonc\u00e9s \u201esubversive Strategien\u201c diesem entgegenwirken sollen.<\/p>\n<p>Beyonc\u00e9s als Figur der Popkultur ist auf vielen weiteren Ebenen kritikw\u00fcrdig. Eine Besch\u00e4ftigung mit ihren ver\u00f6ffentlichten Medien muss immer auch in Zusammenhang mit ihrem Gesamtwerk betrachtet werden. Beyonc\u00e9 bewegt sich seit ihrer Jugend in der Sph\u00e4re der Popkultur und wurde durch wirkm\u00e4chtige Mechanismen und Strategien als Schwarze \u201ePop-Ikone\u201c hervorgebracht. Bei n\u00e4herer Betrachtung ihres Styles vor Ver\u00f6ffentlichung von <i>Formation <\/i>wird deutlich, dass der im Musikvideo als widerst\u00e4ndig konnotierte Style kein konstitutiver Bestandteil ihrer Figur als K\u00fcnstlerin ist. Beyonc\u00e9 passt sich westlichen (wei\u00dfen) Sch\u00f6nheitsidealen an, sei es in Bezug auf ihre Kleidung oder auf das Tragen ihrer h\u00e4ufig gegl\u00e4tteten, blond gef\u00e4rbten Haare.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Der Publizist und Journalist Roger Behrens besch\u00e4ftigt sich in vielen seiner wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit der Frage, wie subversiv Produkte der Popkulturindustrie, wie er den Bereich der Popkultur nennt, im Kontext eines kapitalistischen Warenmarktes sein k\u00f6nnen. Die Popkultur ist f\u00fcr ihn der \u201everl\u00e4ngerte Arm\u201c der Kulturindustrie und daher in all seinen Facetten an die Struktur eines kapitalistischen Marktes angepasst.<a href=\"#_ftn91\" name=\"_ftnref91\">[91]<\/a> Dieser Argumentation folgend, ist Beyonc\u00e9s <i>Formation<\/i> reines Produkt dieser Industrie \u2014 und kann aufgrund seiner Entstehungsbedingungen niemals subversiv oder widerst\u00e4ndig sein.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Widerstand wird, wie Subkultur oder andere Ph\u00e4nomene, die als gesellschaftlich \u201eabweichend\u201c deklariert werden, in den Warenmarkt integriert und dort verwertet.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Die Vermarktung von Widerstand l\u00e4sst <i>Formation<\/i> als \u00f6des Produkt im angepassten Markt der Popkulturindustrie erscheinen. Die politischen Statements Beyonc\u00e9s, die Inszenierung einer Schwarzen Identit\u00e4t und der Aufruf zu einer <i>Formation<\/i> lassen sich, dieser Argumentation anschlie\u00dfend, als Strategien der Vermarktung und des \u00f6konomischen Gewinns enth\u00fcllen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Beyonc\u00e9 genie\u00dft mittlerweile eine Fangemeinde von mehr als 63 Millionen \u201eFollower\u201c auf Facebook, 118 Millionen Abonnenten auf Instagram, 15 Millionen auf Twitter (Stand: 15.10.2018). Diese Zahlen belegen entgegen der vorangegangenen Argumentationsweise ihre Reichweite. Wenn sie sich also politisch positioniert, so muss davon ausgegangen werden, dass ihre Statements global gestreut werden und einen gro\u00dfen Teil dieses Publikums und eine Vielzahl anderer Menschen erreicht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><i>Formation<\/i> sein widerst\u00e4ndiges Potential abzuerkennen bleibt auch im Kontext der kontroversen \u00f6ffentlichen Reaktionen, die das Musikvideo auch auf Seiten des feministischen Spektrums, hervorgerufen hat, fragw\u00fcrdig.<a href=\"#_ftn92\" name=\"_ftnref92\">[92]\u00a0<\/a>Entgegen der Argumentation Behrens m\u00f6chte ich au\u00dferdem auf einen anregenden Aspekt hinweisen, den Judith Butler in \u201e<i>Notes Toward a Performative Theory of Assembly\u201c<\/i> anschneidet.<\/p>\n<p>Eine interessante Perspektive, die Butler darlegt, ist der Zusammenhang zwischen dem \u00f6ffentlichen, politischen Raum und diversen Medien.<a href=\"#_ftn93\" name=\"_ftnref93\">[93]<\/a> Butlers \u00dcberlegungen folgend, bringt <i>Formation<\/i> als Medium der Popkultur einen besonderen politischen Raum hervor \u2014 einen zeitlosen, von \u00fcberall zug\u00e4nglichen und nicht-lokalisierbaren Raum, der vielf\u00e4ltige Formen der Partizipation erlaubt.<\/p>\n<p>Die \u00f6ffentliche Referenz im Zusammenhang mit Formation, auf die einleitend hingewiesen wurde, untermauert diese These weiter. Das Musikvideo und der Auftritt beim Super-Bowl riefen kontroverse Reaktionen hervor und er\u00f6ffneten, vor allem in sozialen Netzwerken, einen gesellschaftlichen Diskurs. Filme wie \u201eWaiting for B\u201c<a href=\"#_ftn94\" name=\"_ftnref94\">[94]<\/a> belegen dar\u00fcber hinaus, welchen weitreichenden Einfluss das Werk der S\u00e4ngerin auf heutige Jugendbewegungen (des \u201eglobalen Nordens\u201c sowie des \u201eglobalen S\u00fcdens\u201c) hat.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Waiting for B | Trailer Oficial - document\u00e1rio de Paulo C\u00e9sar Toledo e Abigail Spindel\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Wb5rxUd5N8w?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Gerade im Kontext der Ver\u00f6ffentlichung, der verheerenden Folgen von Hurricane Katrina, der anhaltenden Polizeigewalt, der bestehenden rassistischen Diskriminierung auf allen gesellschaftlichen Ebenen der US-amerikanischen Gesellschaft, im Kontext von sozialen Bewegungen oder Jugendbewegungen erfasst <i>Formation<\/i> gemeinsame Erfahrungen, die sozial wirksam sind. Bestimmte soziale Wirklichkeiten werden in <i>Formation<\/i> angesprochen und finden dadurch hohen Anklang in vielen Teilen Beyonc\u00e9s Publikum. <i>Formation<\/i> kann dieser Sichtweise folgend nicht auf seine Warenf\u00f6rmigkeit innerhalb der Popkulturindustrie reduziert werden, auch wenn viele Aspekte des Musikvideos hinterfragt werden m\u00fcssen. <i>Formation<\/i> hat es zumindest geschafft, einen gro\u00dfen Raum zur Diskussion zu er\u00f6ffnen.<\/p>\n<p>\u00dcber der vorliegenden kritischen Analyse schwebt die Frage, wie politisch Formation letztendlich ist. Dies kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden. <i>Formation<\/i> ist ein interessanter Versuch, den Bereich der Popkultur f\u00fcr eine gesellschaftliche Kritik nutzbar zu machen. Welche Gestalt muss Protest annehmen und welche R\u00e4ume einnehmen, um als politisch (und widerst\u00e4ndig) anerkannt zu werden? Diese Fragestellung kann schlie\u00dflich weiter diskutiert und reflektiert werden, um eine umfassende Bewertung in Bezug auf <i>Formation<\/i> oder anderer popkultureller Ph\u00e4nomene der heutigen Zeit vorzunehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Formation von Beyonc\u00e9: https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=WDZJPJV__bQ (letzter Zugriff: 15.10.2018).<br \/>\nLyrics by Asheton Hogan, Mike WiLL Made-It, Swae Lee, Beyonc\u00e9.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Orientiert an der Selbstbezeichnung der Initiative Schwarzer Menschen Deutschland (ISD) wird im Folgenden die Schreibweise \u201eSchwarz\u201c genutzt, um hervorzuheben, dass es sich um keine adjektivische Beschreibung handelt, sondern eine politische Selbstbezeichnung.<br \/>\n\u201eSchwarz wird gro\u00dfgeschrieben, um zu verdeutlichen, dass es sich um ein konstruiertes Zuordnungsmuster handelt, und keine reelle\u00a0\u201eEigenschaft\u201c, die auf die Farbe der Haut zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. So bedeutet Schwarz-sein in diesem Kontext nicht nur, pauschal einer\u00a0\u201eethnischen Gruppe\u201c zugeordnet zu werden, sondern ist auch mit der Erfahrung verbunden, auf eine bestimmte Art und Weise\u00a0wahrgenommen zu werden\u201c. Website des ISD:<br \/>\n(http:\/\/isdonline.de\/uber-schwarze-menschen-in-deutschland-berichten\/ letzter Zugriff: 15.10.2018). <a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Rassismus in den USA siehe: Jennifer Jee-Lyn Garc\u00eda: \u201eBlack Lives Matter: A Commentary on Racism and Public Health\u201c. American Journal of Public Health | August 2015, Vol 105, No. 8.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Der Terminus Black Expressive Culture wird in dieser Arbeit angelehnt an den Begriff und die Textsammlungen von Gena Dagel Caponi zu einer \u201eAfrican American Expressive Culture\u201c und in Anlehnung an Stuart Halls Begriff einer \u201eBlack Popular Culture\u201c verwendet. Der Terminus Black Expressive Culture soll eine bestimmte \u00c4sthetik beschreiben, welche diverse kulturelle und k\u00fcnstlerische Ausdrucksformen, Praktiken und Styles, die als Schwarz hervorgebracht verstanden werden k\u00f6nnen, zusammenfassen soll. Gleichzeitig soll aber auf die Ambivalenz dieses Begriffs mit Verweis auf Ans\u00e4tze zu kultureller Identit\u00e4t und Hybridit\u00e4t hingewiesen werden. Vgl. Caponi, Gena (1999): signifyin(g), sanctifyin\u2019, &amp; slam dunking. A Reader in African American Expressive Culture. Massachusetts: The University of Massachusetts Press S.7-8, Vgl. Hall, Stuart (2009): What is this \u201cblack\u201d in black popular culture? in Popular culture and cultural theory: A reader. 4th ed. by Storey, J.\u00a0Essex: Pearson.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. hierzu z.B.: \u201eDer Tag, an dem das wei\u00dfe Amerika in Panik geriet\u201c. Zeit-Online: http:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2016-02\/beyonce-video-superbowl-saturday-night-live-formation (letzter Zugriff: 15.10.2018).<br \/>\n<a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl. \u201ePolice union calls for law enforcement labor to boycott Beyonce&#8217;s world tour\u201c. CNN: http:\/\/edition.cnn.com\/2016\/02\/19\/us\/beyonce-police-boycott\/index.html (letzter Zugriff: 15.10.2018).<br \/>\n<a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> \u201eJedes Jahr im Februar wird in zahlreichen L\u00e4ndern der Black History Month (BHM) gefeiert. Diese Tradition geht auf das Jahr 1926 zur\u00fcck, als der Historiker Carter G. Woodson eine Veranstaltungsreihe initiierte, um die breite \u00d6ffentlichkeit in den USA \u00fcber Schwarze Geschichte und die kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leistungen der afro-amerikanischen Bev\u00f6lkerung aufmerksam zu machen\u201c. Website des ISD: http:\/\/isdonline.de\/black-history-month\/ (letzter Zugriff: 15.10.2018).<br \/>\n<a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Vgl. \u201eBeyonc\u00e9 &amp; Bruno Mars Crash the Pepsi Super Bowl 50 Halftime Show\u201c | NFL: https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=SDPITj1wlkg (letzter Zugriff: 15.10.2018).<br \/>\n<a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Vgl. Dorestal, Philipp (2012): Style Politics. Mode, Geschlecht und Schwarzsein in den USA, 1943-1975. Bielefeld: transcript Verlag, S. 185 Abbildung 4.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Die englischen Begriffe Race, Class und Gender werden anlehnend an eine anglophone Forschungstradition als analytische Strukturkategorien verwendet, die erm\u00f6glichen sollen, gesellschaftliche Ausgrenzungsmechanismen und Machtverh\u00e4ltnisse aufgrund von Ethnizit\u00e4t, \u00f6konomischer Position oder des biologischen (sex) und sozialen (gender) \u201eGeschlechts\u201c fassen zu k\u00f6nnen. Der Begriff Race wird au\u00dferdem verwendet, um, angelehnt an Philipp Dorestal, zu betonen, dass menschliche \u201eRassen\u201c als konstruiert und nicht tats\u00e4chlich existent verstanden werden m\u00fcssen (vgl. Dorestal 2012, S. 53). Trotzdem haben soziale Rassifizierungsprozesse Auswirkungen auf die gesellschaftliche Realit\u00e4t.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Butler, Judith (2015): Notes Toward a Performative Theory of Assembly. London\/Cambridge: Harvard University Press.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> In der vorliegenden Arbeit wird entgegen heteronormativer Schreibweisen eine gendersensible Sprache benutzt. Das Sonderzeichen \u201e*\u201c soll die soziale Konstruktion bin\u00e4rer Vorstellungen von Geschlecht hervorheben und steht weiterhin f\u00fcr die M\u00f6glichkeit, dass dort \u201ean Stelle\u201c eine Vielzahl diverser Zeichen und Bedeutungen einr\u00fccken kann &#8211; Leser*innen soll damit erm\u00f6glicht werden, beliebig Position zu beziehen.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Butler 2015: S. 67.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Vgl. Butler 2015: S. 27, S. 68.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Butler 2015: S. 24ff.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Butler 2015: S. 66ff.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Vgl. Butler 2015: S. 34, S. 45.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Butler 2015: S. 72.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Butler 2015: S. 73.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Vgl. Miller, Monica L. (2009): Slaves to Fashion. Black Dandyism and the Styling of Black Diasporic Identity. Durham&amp;London: Duke University Press, S.54 Abb. 4, S. 75 Abb. 8, S.106-107 Abb. 13-16.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> White, Shane\/White, Graham (1998): Stylin\u2019. African American Expressive Culture from Its Beginnings to the Zoot Suit. Ithaka: Cornell University Press, S. 126.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Vgl. White\/White 1998: S. 138, vgl. auch ebd. S. 148 Abbildung 23.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Vgl. White\/White 1998: S. 147.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Vgl. White\/White 1998: S. 129.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Vgl. White\/White 1998: S. 95,96.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Vgl. White\/White 1998: S. 133, vgl. auch S. 149.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> White\/White 1998: S. 152.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Vgl. White\/White 1998: S. 40, 41.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Vgl. White\/White 1998: S. 125.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> Vgl. White\/White 1998: S. 14.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> Dorestal (2012): Style Politics. Mode, Geschlecht und Schwarzsein in den USA, 1943-1975. Bielefeld: transcript Verlag.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> Vgl. Dorestal 2012: S. 28.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref33\u201c name=\">[33]<\/a> Vgl. Dorestal 2012: S. 34, 35.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref34\u201c name=\">[34]<\/a> Vgl. Dorestal 2012: S. 36.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref35\u201c name=\">[35]<\/a> Dorestal 2012: S. 38.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref36\u201c name=\">[36]<\/a> Vgl. Dorestal 2012: ebd.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref37\u201c name=\">[37]<\/a> Vgl. Dorestal 2012: S. 33f.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref38\u201c name=\">[38]<\/a> Vgl. Dorestal 2012: ebd.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref39\u201c name=\">[39]<\/a> Vgl. White\/White 1998: S. 10, vgl. auch S. 36.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref40\u201c name=\">[40]<\/a> Vgl. White\/White 1998: S. 12, 13, 14.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref41\u201c name=\">[41]<\/a> White\/White 1998: S. 16.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref42\u201c name=\">[42]<\/a> Dorestal 2012: S. 145.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref43\u201c name=\">[43]<\/a> White\/White 1998: S. 41.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref44\u201c name=\">[44]<\/a> Vgl. White\/White 1998: ebd.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref45\u201c name=\">[45]<\/a> Vgl. Dorestal 2012: S. 145.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref46\u201c name=\">[46]<\/a> Vgl. Dorestal 2012: S. 146.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref47\u201c name=\">[47]<\/a> Vgl. Dorestal 2012: S. 149.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref48\u201c name=\">[48]<\/a> Vgl. Dorestal 2012: S. 146.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref49\u201c name=\">[49]<\/a> Vgl. &#8222;Ain&#8217;t Got No, I Got Life\u201c &#8211; Song performt von Nina Simone, 1968: RCA Records.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref50\u201c name=\">[50]<\/a> Gilroy, Paul (1993): The Black Atlantic. Modernity and Double Consciousness. London: Verso, S. 36.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref51\u201c name=\">[51]<\/a> Vgl. White\/White 1998: S. 72-75.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref52\u201c name=\">[52]<\/a> Vgl. Kusser, Astrid (2013): Arbeitsfreude und Tanzwut im (Post-Fordismus). Body Politics 1 (2013), Heft 1, S. 41-69.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref53\u201c name=\">[53]<\/a> Gilroy 1993: S. 74.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref54\u201c name=\">[54]<\/a> Gilroy 1993: S. 79.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref55\u201c name=\">[55]<\/a> Vgl. Dorestal 2012: S. 54.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref56\u201c name=\">[56]<\/a> Vgl. Dorestal 2012: S. 53.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref57\u201c name=\">[57]<\/a> Vgl. Hall, Stuart (1994): Die Frage der kulturellen Identit\u00e4t. In: ders.: Rassismus und kulturelle Identit\u00e4t. Hamburg: Argument Verlag, S. 180-222. Vgl. auch Gilroy 1993: S. 33, 97.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref58\u201c name=\">[58]<\/a> Vgl. Dorestal 2012: S. 159ff, siehe auch S. 185 Abbildung 4.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref59\u201c name=\">[59]<\/a> Gilroy 1993: S. 96.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref60\u201c name=\">[60]<\/a> Gilroy 1993: S. 99.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref61\u201c name=\">[61]<\/a> Vgl. Gilroy 1993: S. 87-96. Vgl. auch White\/White 1998: S. 116.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref62\u201c name=\">[62]<\/a> Vgl. hierzu Hall, Stuart (1994): Neue Ethnizit\u00e4ten. In: ders.: Rassismus und kulturelle Identit\u00e4t. Hamburg: Argument Verlag, S. 15-25.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref63\u201c name=\">[63]<\/a> Vgl. Gilroy 1993: S. 33, S. 110.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref64\u201c name=\">[64]<\/a> Gilroy 1993: S. 39.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref65\u201c name=\">[65]<\/a> Gilroy 1993: S. 86.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref66\u201c name=\">[66]<\/a> Vgl. Gilroy 1993: S. 33.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref67\u201c name=\">[67]<\/a> Gilroy 1993: S. 107.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref68\u201c name=\">[68]<\/a> Vgl. Hall 1994: S. 82.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref69\u201c name=\">[69]<\/a> Vgl. Hall 1994: S. ebd.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref70\u201c name=\">[70]<\/a> Vgl. Hall 1994: S. 83.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref71\u201c name=\">[71]<\/a> hooks, bell (2016): Moving Beyond Pain. http:\/\/www.bellhooksinstitute.com\/blog\/2016\/5\/9\/moving-beyond-pain (letzter Zugriff: 15.10.2018).<br \/>\n<a href=\"#_ftnref72\u201c name=\">[72]<\/a> Vgl. hierzu hooks 2015, S. 34,35.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref73\u201c name=\">[73]<\/a> Vgl. hooks, bell (1992): Selling Hot Pussy. In dies.: Black Looks. Race and Representation. New York: Routlede, S. 61- 68. Vgl. Hall, Stuart (2004): Das Spektakel des &gt;Anderen&lt;. In: ders.: Ideologie, Identit\u00e4t, Repr\u00e4sentation. Hamburg: Argument Verlag, S. 108- 168.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref74\u201c name=\">[74]<\/a> Vgl. hierzu hooks 1992, S. 127.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref75\u201c name=\">[75]<\/a> Vgl. hooks, bell (2016): Moving Beyond Pain. http:\/\/www.bellhooksinstitute.com\/blog\/2016\/5\/9\/moving-beyond-pain (letzter Zugriff: 15.10.2018).<br \/>\n<a href=\"#_ftnref76\u201c name=\">[76]<\/a> Vgl. hooks 1992: S. 128.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref77\u201c name=\">[77]<\/a> Gilroy 1993: S. 122, 123.<br \/>\nhttp:\/\/www.bellhooksinstitute.com\/blog\/2016\/5\/9\/moving-beyond-pain (letzter Zugriff: 15.10.2018).<br \/>\n<a href=\"#_ftnref78\u201c name=\">[78]<\/a> Gilroy, Paul (2010): Get Free or Die Tryin\u2019. In: ders.:Darker than blue: on the moral economies of Black Atlantic culture. Cambridge (USA) : Belknap Harvard, S. 4-54.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref79\u201c name=\">[79]<\/a> Als Black Atlantic bezeichnet Gilroy eine hybride Formation, welche (ethnische, nationale, kulturelle) Grenzziehungen zu \u00fcberschreiten versucht und die Basis einer Kulturkritik sowie politischer K\u00e4mpfe bildet. Der Black Atlantic beschreibt ein Spannungsfeld zwischen bestimmten Dualismen und bildet einen hybriden Zwischenraum, in dem postkoloniale Subjekte handlungsf\u00e4hig sind. Vgl. Gilroy 1993: S. 19.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref80\u201c name=\">[80]<\/a> Vgl. Gilroy 2010: S. 6.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref81\u201c name=\">[81]<\/a> Vgl. Gilroy 2010: ebd.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref82\u201c name=\">[82]<\/a> Vgl. Gilroy 2010: S. 26.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref83\u201c name=\">[83]<\/a> Vgl. Gilroy 2010: S. 22.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref84\u201c name=\">[84]<\/a> Gilroy 2010: S. 20.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref85\u201c name=\">[85]<\/a> Gilroy 2010: S. 22.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref86\u201c name=\">[86]<\/a> Vgl. Butler 2015: S. 75.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref87\u201c name=\">[87]<\/a> Vgl. Gilroy 2010: S. 13.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref88\u201c name=\">[88]<\/a> Gilroy 2010: S. 29f.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref89\u201c name=\">[89]<\/a> Vgl. Hall, Stuart (2004): Kodieren\/Dekodieren. In: ders.: Ideologie, Identit\u00e4t, Repr\u00e4sentation. Hamburg: Argument Verlag, S. 66-80.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref90\u201c name=\">[90]<\/a> hooks, bell (2016): Moving Beyond Pain. http:\/\/www.bellhooksinstitute.com\/blog\/2016\/5\/9\/moving-beyond-pain (letzter Zugriff: 15.10.2018).<br \/>\n<a href=\"#_ftnref91\u201c name=\">[91]<\/a> Vgl. Behrens, Roger (2010): Die Diktatur der Angepassten? Wie subversiv ist Popkultur, wie<br \/>\nerwachsen ist die Pop-Industrie? Aus: Kulturpolitische Mitteilungen Nr. 128, I\/2010, S. 42-45.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref92\u201c name=\">[92]<\/a> Vgl. hierzu: Adelman, Lori (2016): A Black feminist Roundtable on Bell Hooks, Beyonc\u00e9 and \u201eMoving Beyond Pain\u201c. http:\/\/feministing.com\/2016\/05\/11\/a-feminist-roundtable-on-bell-hooks-beyonce-and-moving-beyond-pain\/ (letzter Zugriff: 15.10.2018).<br \/>\n<a href=\"#_ftnref93\u201c name=\">[93]<\/a> Vgl. Butler 2015: S. 91.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref94\u201c name=\">[94]<\/a> Paulo Cesar Toledo, Abigail Spindel (2015): Waiting for B.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Literatur<\/p>\n<p>Behrens, Roger (2003): D<i>ie Diktatur der Angepassten. Texte zur kritischen Theorie der Popkultur.<\/i> Bielefeld: transcript Verlag<\/p>\n<p>Behrens, Roger (2010): D<i>ie Diktatur der Angepassten? Wie subversiv ist Popkultur, wie<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/i><\/p>\n<p><i>erwachsen ist die Pop-Industrie?<\/i> Aus: Kulturpolitische Mitteilungen Nr. 128, I\/2010, S. 42-45<\/p>\n<p>Berland, Jody (2012): <i>Sound, Image and Social Space: Music Video and Media<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/i><\/p>\n<p><i>Reconstruction. <\/i>Sound and vision: the music video reader. Ed. Frith, Simon. London: Routledge<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Butler, Judith (2015): <i>Notes Toward a Performative Theory of Assembly. <\/i>London\/Cambridge: Harvard University Press.<\/p>\n<p>Dagel Caponi, Gena (1999): <i>signifyin(g), sanctifyin\u2019, &amp; slam dunking. A Reader in African American Expressive Culture.<\/i> Massachusetts: The University of Massachusetts Press S.1-41<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Dorestal, Philipp (2012): <i>Style Politics. Mode, Geschlecht und Schwarzsein in den USA, 1943-1975<\/i>. Bielefeld: transcript Verlag<\/p>\n<p>Gilroy, Paul (1993): <i>The Black Atlantic. Modernity and Double Consciousness<\/i>. London: Verso<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Gilroy, Paul (2010): <i>Darker than blue: on the moral economies of Black Atlantic culture<\/i>. Cambridge (USA) : Belknap Harvard<\/p>\n<p>Ha, Kien Nghi (2010): <i>Unrein und Vermischt. Postkoloniale Grenzg\u00e4nge durch die Kulturgeschichte der Hybridit\u00e4t und der kolonialen &gt;&gt;Rassenbastarde&lt;&lt;.<\/i> Bielefeld: transcript Verlag<\/p>\n<p>Hall, Stuart (1992): What is this \u201eBlack\u201c in Black Popular Culture? In: Dent, Gina: Black Popular Cutlure. Seattle: Bay Press<\/p>\n<p>Hall, Stuart (1994): <i>Rassismus und kulturelle Identit\u00e4t. Ausgew\u00e4hlte Schriften 2<\/i>. Hamburg: Argument Verlag<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Hall, Stuart (2004): <i>Ideologie Identit\u00e4t Repr\u00e4sentation. Ausgew\u00e4hlte Schriften 4<\/i>. Hamburg: Argument Verlag<\/p>\n<p>hooks, bell (1992): <i>Selling Hot Pussy<\/i>. In dies.: <i>Black Looks. Race and Representation<\/i>. New York: Routledge<\/p>\n<p>hooks, bell (2015): f<i>eminism is for everybody. passionate politics. <\/i>New Yorck: Rutledge<\/p>\n<p>hooks, bell (2016): <i>Moving Beyond Pain.<\/i> <a href=\"http:\/\/www.bellhooksinstitute.com\/blog\/2016\/5\/9\/moving-beyond-pain\">http:\/\/www.bellhooksinstitute.com\/blog\/2016\/5\/9\/moving-beyond-pain<\/a> (letzter Zugriff: 15.10.2018)<\/p>\n<p>Kusser, Astrid (2013): <i>Arbeitsfreude und Tanzwut im (Post-Fordismus)<\/i>. Body Politics 1, Heft 1, S. 41-69<\/p>\n<p>Miller, Monica L. (2009): <i>Slaves to Fashion. Black Dandyism and the Styling of Black Diasporic Identity.<\/i> Durham&amp;London: Duke University Press<\/p>\n<p>Tuason, Ma. Teresa G.\/G\u00fcss\/C. Dominik\/Caroll, Lynne (2012): <i>The disaster continues: A qualitative study on the experiences of displaced Hurricane Katrina survivors.<\/i> In:<i> Professional Psychology: Research and Practice <\/i>43.4, S. 288\u2013297<\/p>\n<p>Tulloch, Carol (2016): <i>The Birth of Cool. Style Narratives of the African Diaspora. <\/i>London: Bloomsbury<\/p>\n<p>White, Shane\/White, Graham (1998): <i>Stylin\u2019. African American Expressive Culture from Its Beginnings to the Zoot Suit.<\/i> Ithaka: Cornell University Press<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie politisch kann popkultureller Widerstand\u00a0sein?\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[329,733,1167,1596,1757,1845,2534],"class_list":["post-8894","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-beyonce","tag-feminismus","tag-judith-butler","tag-musikvideo","tag-performance","tag-popkultur","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8894","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8894"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8894\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8894"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8894"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8894"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}