{"id":8926,"date":"2018-12-31T10:40:43","date_gmt":"2018-12-31T08:40:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=8926"},"modified":"2018-12-31T10:40:43","modified_gmt":"2018-12-31T08:40:43","slug":"social-media-dezembervon-matthias-a-j-dachwald31-12-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2018\/12\/31\/social-media-dezembervon-matthias-a-j-dachwald31-12-2018\/","title":{"rendered":"Social Media Dezembervon Matthias A. J. Dachwald31.12.2018"},"content":{"rendered":"<p>Distribution und Inszenierung von Nachrichten im Web 2.0<!--more--><\/p>\n<p>50 Jahre sind vergangen, seitdem der kanadische Kommunikationswissenschaftler Marshall McLuhan nicht nur das globale Dorf prognostizierte, sondern auch erstmals verbalisierte, dass das Medium die Botschaft sei. Wenn also Smartphone, Laptop und Tablet die eigentliche Botschaft sind, was sind dann ihre Kernaussagen?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Das Web 2.0 und die Sozialen Medien sind als eine neue Spielart der Massenmedien zu interpretieren. Deren Entstehung f\u00e4llt mit der Industrialisierung und dem aufkommenden Kapitalismus zusammen<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>: Weder die Industrialisierung noch die Massenmedien k\u00f6nnen ohne den Kapitalismus gedacht werden, und f\u00fcr eine umfassende Analyse der massenmedialen Wirkung muss diese immer auch im Kontext ihrer profitgesteuerten Existenz betrachtet werden.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Alle Massenmedien sind an Informationen gebunden <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3],<\/a>\u00a0die zumeist in Form von Nachrichten<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> weitergegeben werden. Was als Nachrichten in den Massenmedien Verbreitung findet, wurde bislang durch Medienvertreter*innen definiert, die in ihre Entscheidungen das Konsumverhalten ihres jeweiligen Zielpublikums miteinbeziehen.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Massenmedien sind unmittelbar an handelnde Akteure, an Narrationen, an Schlagzeilen und Bildmaterial gebunden. Bei der Analyse wird man also den Dreiklang von Wort, Bild und deren Reproduzierbarkeit immer im Auge behalten m\u00fcssen, wobei unter dem Gesichtspunkt des gegenw\u00e4rtigen Paradigmenwechsels der Massenmedien sich die Reproduzierbarkeit auf die \u00dcbermittlung bzw. die Distribution erweitert hat: \u201eWar das Ethos der analogen Fotografie von der Reproduzierbarkeit bestimmt, so ist das mobile, vernetzte Bild von der \u00dcbermittelbarkeit bestimmt; [\u2026].\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Massenmedien sind durch einige Kernelemente definiert, mit denen wir uns unabl\u00e4ssig konfrontiert sehen: Schlagzeilen oder Teaser als Aufh\u00e4nger der Geschichte, Informationsvermittlung, Emotionalisierung durch Bild und Ton sowie die anschlie\u00dfende Verbreitung der Nachricht. In diesem Kontext begegnet uns im Web 2.0 alles, was wir aus den traditionellen Massenmedien \u2013 Zeitung, Fernseher oder Radio \u2013 bereits kennen. In letzter Zeit konnte eine erh\u00f6hte Affizierung des Bildes durch die Sozialen Medien nachgewiesen werden.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Allerdings ist dieser Effekt nicht unbedingt neu in Bezug auf die Wirkung von Bildern. Bereits Susan Sontag hat immer wieder die Wirkungsmacht von Fotografie untersucht und abgebildet. Die Reportagefotografien vieler Magnum-Fotograf*innen belegen exemplarisch und auf eindr\u00fcckliche Weise, dass die Emotionalisierung und Affizierung durch Bilder kein neues, durch die Sozialen Medien erzeugtes Ph\u00e4nomen ist, wenngleich es durch diese definitiv potenziert wird.<\/p>\n<p>Umgekehrt ist auch das Wort in diesem Zusammenhang von elementarer Bedeutung: \u201eWeniger als 100 Jahre nach Benjamins Beobachtung (dass das fotografische Bild mit der Sprache mithalten kann, Anm. d. Verf.), kann heute behauptet werden, dass, seit Einf\u00fchrung der Hashtag-Funktion, Sprache immer mehr mit Bildern mithalten kann.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>Schon Zeitungen funktionierten in erster Linie \u00fcber das Prinzip des Marktschreiens. Nicht nur, dass ehedem der Zeitungsverk\u00e4ufer genau das war: ein Marktschreier. Auch waren Schlagzeilen das gew\u00e4hlte Mittel, um auch den wenig Lesege\u00fcbten einen Zugang zum Thema zu erm\u00f6glichen. Die Schlagzeile war und ist Anreiz, einen Artikel zu lesen, und fungiert gleichzeitig als Themensetzung, denn all jene, die \u00fcber den Titel stolpern, haben das Thema bereits aufgenommen. Vor allem dann, wenn es sich noch mit einem einpr\u00e4gsamen Foto verbinden l\u00e4sst. Der Versuch, in 140 bzw. 280 Zeichen ein Thema zu setzen, wie es beispielsweise bei Twitter der Fall ist, ist also nicht neu, sondern als nachrichtenverbreitendes Prinzip lange einstudiert.<\/p>\n<p>Der Erfolg der traditionellen Massenmedien \u2013 Zeitung, Radio, Fernsehen \u2013 beruht nicht nur auf ihrer technischen Reproduzierbarkeit, sondern auch auf der entsprechenden Inszenierung. Als die Fotografie zunehmend in Nachrichtentexte eingewoben wurde, wuchs ihr Erfolg. Das Bild als vermeintliche Wiedergabe der Realit\u00e4t wurde bald auch zu Werbezwecken genutzt und setzte eine h\u00f6chst produktive, aber auch folgenreiche Entwicklung in Gang, die bis in die Gegenwart andauert.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Werbung als Verf\u00fchrung und Nachricht als Information treffen sich im fotografischen (und filmischen) Bild.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Unterhaltung, Fernsehformate wie Spielshows, Serien gepaart mit popul\u00e4rer Musik (Popmusik), Mode und Werbung definierten das Individuum endg\u00fcltig als Konsument*innen. Dabei muss zwischen zwei grundlegenden Verst\u00e4ndnissen dieser Ph\u00e4nomene, im weiteren Sinne: der Popkultur, unterschieden werden. Einerseits steht sie f\u00fcr Jugendkultur, gesellschaftliche Liberalisierung, Drang nach Freiheit und Fortschritt. Andererseits unterst\u00fctzt sie kapitalistische Interessen, die zwangsl\u00e4ufig f\u00fcr das Gegenteil steht: Kommerzialisierung, Konsum, Manipulation. Allein das Merkmal der Partizipation kann auf beide Wesensz\u00fcge \u00fcbertragen werden. Die Auswirkungen der Popkultur jedoch waren und sind immens, definiert sie doch die Massenmedien von beiden Enden her neu. Das bedeutet, dass alle Ph\u00e4nomene popkultureller Erscheinung in der Produktion und im Marketing der traditionellen Massenmedien auftauchten und weitgehend bestimmend wurden und sie gleichzeitig zur Entstehung neuer Massenmedien wie dem Web 2.0 entscheidend beitrugen!<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Seit 2014 betreibt die Schweizer K\u00fcnstlerin Irene Chabr ein privates Selfie-Archiv, mit dessen Hilfe sie g\u00e4ngige Bildtypen identifiziert und in Installationen mit dem Titel \u201eWandernde Gesten\u201c ausstellt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.station21.ch\/ausstellungen\/images-in-circulation\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-8928\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/FLB20150917_005-1024x700-1024x700.jpg\" alt=\"\" width=\"556\" height=\"380\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/FLB20150917_005-1024x700.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/FLB20150917_005-1024x700-300x205.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2018\/12\/FLB20150917_005-1024x700-768x525.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 556px) 100vw, 556px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Darin verweist sie durchaus auch auf jenen Zusammenhang, den Andy Warhol zu Beginn des popkulturellen Zeitalters schon prophezeite: dass jeder Mensch f\u00fcr 15 Minuten ber\u00fchmt werden kann. Die Arbeit Wandernde Gesten zeigt aber noch etwas anderes, vielleicht Wichtigeres: Mit Hilfe popkultureller Theorie, Praxis und Technik lassen sich \u00fcber das Web 2.0 Nachrichten verbreiten und Wirkungen erzeugen, die wom\u00f6glich tats\u00e4chlich unmittelbar sind. Die Selfies aus unterschiedlichen Protestkampagnen wie beispielsweise #metoo, demonstrieren eindr\u00fccklich, wie heute popkulturelle Inszenierung unter politischen Gesichtspunkten in Echtzeit funktioniert, wobei das Medium Smartphone die traditionellen Medien wenn nicht abgel\u00f6st, so aber doch \u00fcberwunden hat.<\/p>\n<p>Eine weitere \u201eRevolution\u201c ereilte die Massenmedien mit der Umstellung der Sendetechnik auf Satelliten, Anfang der 1990er Jahre. Nicht von ungef\u00e4hr fiel dieses Ereignis mit dem Zweiten Golfkrieg von 1990\/91 zusammen. Der Krieg war auch die wichtigste Initialz\u00fcndung des ersten 24-Stunden-TV-Nachrichtenkanals Cable News Network (CNN). Dessen Sitz befindet sich in Atlanta, wo w\u00e4hrend des ersten Irakkrieges auch der Gefechtsleitstand f\u00fcr Raketenabwehr-Raketen stationiert war. Der Zweite Golfkrieg war der erste Krieg, der in Echtzeit durch CNN \u00fcbertragen wurde.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Mit dieser \u201eRevolution\u201c begannen alle medientheoretischen Fragestellungen, mit denen wir uns heute im Zeitalter des Web 2.0 konfrontiert sehen. Paul Virilio weist diesem Krieg in Echtzeit eine entscheidende Rolle zu. Er beschreibt eindr\u00fccklich, dass die Echtzeitmedien die \u201eBeherrschung der Zeit\u201c erm\u00f6glichen: \u201eDie unmittelbare Information wird zur Ultima ratio der Nationen, die \u00dcberinformation wird zur Abschreckung durch Bomben, Panzer oder Raketen.\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> In seinem Buch <i>Krieg und Fernsehen <\/i>gemahnte er die internationale Presse bereits 1997: \u201e[das] Zeitalter der versetzten Zeit der Masseninformation, m\u00fcsste dringlichst dem Zeitalter der Echtzeit angepasst werden.\u201c<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n<p>Zu Beginn der 1990er Jahre war es vor allem die Popkultur, mithilfe der sich die Revolution verk\u00fcndete. Crossover als Mix der Stile, Techno als digitaler Vorbote, Computer ersetzten Musik-Instrumente, die technische Umstellung von der LP zur CD. Das Nachrichtenbild unternahm den Schritt in die Digitalit\u00e4t und mutierte zum Computerbild. Vor allem Fotografen wie Thomas Ruff oder Filmemacher wie Harun Farocki erkannten fr\u00fch den sich vollziehenden Wechsel der Bildsprachen. Die neuen Bilder des Zweiten Golfkrieges zur Befreiung Kuwaits aus der irakischen Besatzung durch die von den USA gef\u00fchrte westliche Milit\u00e4rallianz sind die bekannten klinischen Bilder aus den Flugzeugen oder Satelliten, die im Modus eines Nachtsichtger\u00e4tes einen vermeintlich kuwaitisch-irakischen W\u00fcstenboden im Fadenkreuz zeigen, auf dem es dann durch \u201esmarte Waffen\u201c zu einer Explosion kommt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/p>\n<p>Mit Beginn der Proteste bei den Pr\u00e4sidentschaftswahlen im Iran 2009 tauchen zum ersten Mal Videos und Fotos von Prosumer*innen<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> in den Sozialen Netzwerken auf, die direkt aus dem Zentrum der Proteste zu uns vordrangen. Das Smartphone-Video von Neda, einem M\u00e4dchen, welches bei diesen Protesten von Sicherheitskr\u00e4ften ermordet wurde, tauchte bei YouTube, Facebook und Twitter auf.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Damit wird das Nachrichtenbild der \u201eOne Way\u201c-Massenmedien zum ersten Mal mit Bildern der \u201eAll-to-all\u201c-Distribution konfrontiert. Noch w\u00e4hrend der Proteste erschienen weitere vermeintliche Dokumentationen, die das brutale Vorgehen der Staatsgewalt gegen die Demonstrant*innen beweisen sollten.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/p>\n<p>In dem Musik-Video \u201eAnother Brick in the Wall, Part 2 (Hey Ayatollah, leave those kids alone)\u201c \u2013 ein Remake des Pink Floyd-Klassikers \u2013 der Londoner Gruppe Blurred Vision wird der Paradigmenwechsel von den klassischen Nachrichtenmedien hin zum Web 2.0 vermutlich zum ersten Mal popkulturell thematisiert.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Blurred Vision - Another Brick In The Wall (Hey Ayatollah, Leave Those Kids Alone) 2010\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/OIP38eq-ywc?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Das Smartphone steht im Zentrum des Pop-Videos, welches auch Sequenzen der Originalaufnahmen der brutalen Polizeieins\u00e4tze verwendet. Zur manifesten Konkurrenz der klassischen Massenmedien, die bis dahin das Nachrichtenmonopol innehatten, wurde das Smartphone in Folge der iranischen Pr\u00e4sidentschaftswahl sowie des Arabischen Fr\u00fchlings <a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> und der Occupy-Wall-Street-Bewegung. Obwohl aktuell meistens Fragestellungen zum Revolutionspotenzial der Sozialen Medien in diesem Zusammenhang untersucht (und entlarvt <a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a>) werden, geht die eigentliche Medienrevolution der Ereignisse an der allgemeinen Aufmerksamkeit weitgehend vorbei: die Revolution der Nachrichten\u00fcbermittlung sowie die Rolle und die Funktion von Bild, Wort und Inszenierung innerhalb der neuen technologischen Transformatoren.<\/p>\n<p>Durch die ver\u00e4nderten Distributions- und Kommunikationswege der Sozialen Medien m\u00fcssen unter der von McLuhan postulierten Erkenntnis, dass das Medium die Botschaft ist, das Bild in den Nachrichten und die Nachricht im Bild untersucht werden. Damit kommen wir zu einem relativ neuen Ph\u00e4nomen, dem Selfie: \u201eDas Neue an Selfies ist, dass die \u00dcbertragung von Bildern instantan m\u00f6glich ist, sie sind quasi in Echtzeit im \u00f6ffentlichen Raum verbreitbar. Dadurch k\u00f6nnen sie auch potenziell leicht Skandale in der \u00d6ffentlichkeit herstellen.\u201c<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> Mithilfe von Selfies und auf Plattformen wie Facebook oder Instagram ist jede Nachricht an ein individuelles Profil gebunden: \u201eDie Person schwingt als kontinuierlicher Subtext in Form von Likes, Emojis und Kommentaren mit. Informationen in Social Media-Feeds gehen immer auf ein \u201aIch\u2018 zur\u00fcck.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a><\/p>\n<p>Diesen Gedanken konsequent zu Ende gedacht, ist das Selfie die popkulturelle Nachricht des digitalen Zeitalters schlechthin. Zur\u00fcckkommend auf die Arbeit von Irene Chabr sehen wir genau diese Fokussierung. Im Mittelpunkt des Selfies steht immer eine Person, dennoch wird diese durch den politischen Kontext, der sich schriftlich im Bild oder als Hashtag formiert, auf eine andere, politische Ebene gehoben.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> In der Arbeit von Irene Chabr sehen wir demnach sich etwas Neues manifestieren, n\u00e4mlich ein Ich hinter der Nachricht. Das Ich in den Medien ist allerdings innerhalb der Popkultur mit einer hohen Pr\u00e4senz an Subjektivit\u00e4t gekoppelt. Es ist nicht mehr ein \u201elyrisches Ich\u201c wie in der Literatur oder ein \u201eobjektiviertes Ich\u201c wie z.B. bei journalistischen Texten, sondern tats\u00e4chlich ein \u201ehybrides Ich\u201c, das zwischen \u201eselbstbezogenem Ich\u201c und \u00f6ffentlicher (politischer) Botschaft changiert.<\/p>\n<p>Ebenso wie die Fernsehnachrichten einem klassischen Inszenierungsschema folgen, weisen die Twitter-, Facebook- und You-Tube-Botschaften Inszenierungsmuster auf, die medienanalytisch noch weiter untersucht werden m\u00fcssen. Das Neue an den Sozialen Medien und ihrer Wirkungsmacht ist auf unterschiedlichen Ebenen festzustellen. So werden Hashtag-Funktion, Schlagzeilen-Tweets, Clickbaiting und Affizierungsbilder zu einer Gesamterscheinung, die aufgrund der massenhaften Echtzeitverbreitung ihre Wirkung erzielt. Dabei ist zu konstatieren, dass der Kumulation der Geschwindigkeiten, Gleichzeitigkeit und Gleichwertigkeiten der Ereignisse (Kumulationseffekt der Beschleunigung) eine besondere Rolle zukommt. Gerade durch den Kumulationseffekt der Beschleunigung geraten wir analytisch und reflexiv ins Hintertreffen und k\u00f6nnen nur mehr reagieren. Auch wenn wir als Prosumer*innen agieren, so ist doch zu vermuten, dass der Impuls auf eine Aktion reflexhaft ist und durch vorherige (Netz-)Information provoziert ist. Waren wir bis vor kurzem noch passive Zuschauer*innen eines Welttheaters der massenmedialen Inszenierung, so sind wir mit dem Einzug des Web 2.0 durchaus zu einem aktiven Teil geworden, der jedoch m\u00f6glicherweise auch k\u00fcnftig keine allzu gro\u00dfe Bedeutung besitzt, da es immer noch Protagonist*innen gibt, die qua finanzieller oder (wiedererlangter)<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> politischer M\u00f6glichkeiten die Distribution und damit die massenmediale Aufmerksamkeit auf sich lenken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dass das Web 2.0 derzeit noch Themen aus der Mitte der Gesellschaft oder sogar deren vermeintlichen R\u00e4ndern setzen kann, l\u00e4sst sich an der #metoo- und der #metwo-Debatte ablesen. Dennoch sollten wir nicht allzu blau\u00e4ugig in die Zukunft blicken: Der amtierende amerikanische Pr\u00e4sident reduziert seine offiziellen Auftritte vor der Presse seit seiner Amtseinf\u00fchrung, um die Welt mit seinen t\u00e4glichen Tweets in Atem zu halten. Der italienische Innenminister und Vorsitzende der rechtsradikalen Lega Nord verk\u00fcndet im Sommer 2018 offizielle Regierungspolitik w\u00e4hrend der Seenotrettung von Fl\u00fcchtlingen im Mittelmeer \u00fcber seinen privaten Facebook-Account, und ein Fu\u00dfballspieler der deutschen Nationalmannschaft l\u00f6st bei seinem 2018 bekanntgegebenen R\u00fccktritt per Twitter eine viel diskutierte Debatte \u00fcber Rassismus in der deutschen Gesellschaft aus. All diese Beispiele haben eins gemeinsam: Sie verlassen den tradierten Weg vom Repr\u00e4sentant in die \u00d6ffentlichkeit. Nicht die Presse wird zuerst informiert, sondern die Follower*innen in den Sozialen Medien erhalten die Meldungen exklusiv und sollen im Weiteren f\u00fcr deren Verbreitung sorgen.<\/p>\n<p>Mit diesem Agieren ist man nicht nur narzisstisch gepr\u00e4gter Themensetzer und Akteur, da auf eine dazwischengeschaltete und aufs Einordnen spezialisierte Instanz bewusst verzichtet wird, zwangsl\u00e4ufig wird auch das jahrzehntelang einstudierte Spiel zwischen Medien und Politik desavouiert, da das journalistische Nachfragen und eine Bewertung durch die Medien\u00f6ffentlichkeit unterbunden wird. Hier erleben wir derzeit einen elementaren Paradigmenwechsel: Wenn die \u00d6ffentlichkeit via Journalist*innen das Regierungshandeln nicht mehr hinterfragen kann und dies zwangsl\u00e4ufig zu einer fehlenden Bewertung durch daf\u00fcr vorgesehene Medien wie Zeitung, Fernsehen und Radio f\u00fchrt, muss zuk\u00fcnftig jeder\/jede Nachrichtenkonsument*in journalistischer Vollprofi oder Politolog*in sein, um zu einer objektiv ausgewogenen Beurteilung von Facebook-News und Tweets zu gelangen. Die gegenw\u00e4rtige Diskussion um Fake News und Filterblasen ist vor diesem Hintergrund durchaus erkl\u00e4rbar und solange das Web 2.0 keine Antwort auf die Frage findet, wie die Einordnungen politischer Handlungen und damit die Ausbildung einer gesellschaftlicher Verst\u00e4ndigung, bzw. eines politischen Diskurses k\u00fcnftig erfolgen kann, droht eine Erosion demokratischer Gesellschaften. Seit der Antike gab es mit der Agora einen Platz des Austausches und der Bewertung, auf dem vor allem Philosophen, Rhetoriker und Politiker agierten. Die tradierten Medien im Zeitalter der Massenkommunikation \u00fcbernehmen diese Funktion (nicht perfekt aber) ansatzweise, die identit\u00e4tsstiftende Agora des Web 2.0 ist derzeit dagegen noch nirgends auszumachen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u201eDie Entwicklung der Massenpresse im 19. Jahrhundert ist im Kontext allgemeiner, \u00fcbergreifender Entwicklungen zu sehen: Industrialisierung, Urbanisierung sowie gesellschaftliche Liberalisierung auch in Bezug auf Informations- und Pressefreiheit. [\u2026] 1835 wurde die weltweit erste Nachrichtenagentur gegr\u00fcndet, [\u2026]. Die heute weltweit f\u00fchrende Agentur Associated Press (AP) wurde im Mai des europ\u00e4ischen Revolutionsjahrs 1848 in New York City als Harbour News Association ins Leben gerufen.\u201c, https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Funktionen_der_Massenmedien, abgerufen am 01.07.2018.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> \u201eF\u00fcr jedes einzelne Medium besteht die betriebswirtschaftliche Rationalit\u00e4t in der Sicherung des gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Marktanteils [\u2026].\u201c Thomas Meyer, Mediokratie \u2013 Die Kolonisierung der Politik durch die Medien, Frankfurt a. M., 2001, S. 45.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> \u201eEs dauerte nicht lange, da hing das Schicksal der Zeitungen nicht mehr von der Qualit\u00e4t oder N\u00fctzlichkeit der Meldungen ab, die sie lieferten, sondern davon, wie viele Informationen sie aus welchen Entfernungen in welchem Tempo herbeischaffen konnten. [\u2026] Nur vier Jahre nachdem Morse am 24. Mai 1844 die ersten Telegraphenverbindungen er\u00f6ffnet hatte, wurde Associated Press gegr\u00fcndet und Nachrichten aus dem Nirgendwo, ohne bestimmte Adressaten, begannen kreuz und quer im ganzen Land umzulaufen. Kriege, Verbrechen, Unf\u00e4lle, Feuersbr\u00fcnste, \u00dcberschwemmungen [\u2026] bildeten von nun an den Inhalt, was man \u201aTagesnachrichten\u2018 nannte.\u201c Neil Postman, Wir am\u00fcsieren uns zu Tode, Frankfurt a. M. 1985, S. 86f. Damit hat Postman bereits darauf verwiesen, dass eine unsortierte Informationswiedergabe ohne Kontextualisierung keinen Informationsgewinn darstellt. Diese Kontextualisierung \u00fcbernahmen bei den traditionellen Massenmedien die Nachrichtenredaktionen. Die Frage ist nun: Wer \u00fcbernimmt sie bei Twitter, Facebook und Co.? Zu Postmans s\u00fcffisanter Einordnung wusste Niklas Luhmann erg\u00e4nzend zu sagen: \u201eWas wir \u00fcber unsere Gesellschaft, ja \u00fcber die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.\u201c Niklas Luhmann, Die Realit\u00e4t der Massenmedien, Opladen 1996 (2. erw. Auflage), S. 9.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> \u201eAm deutlichsten ist der Programmbereich Nachrichten und Berichte als Erarbeitung\/Verarbeitung von Informationen erkennbar. In diesem Bereich verbreiten die Massenmedien Ignoranz in der Form von Tatsachen, die st\u00e4ndig erneuert werden m\u00fcssen, damit man es nicht merkt. Wir sind an t\u00e4gliche Nachrichten gew\u00f6hnt, aber man sollte sich trotzdem die evolution\u00e4re Unwahrscheinlichkeit einer solchen Annahme vor Augen f\u00fchren. Gerade wenn man mit Nachrichten die Vorstellung des \u00dcberraschenden, Neuen, Interessanten, Mitteilungsw\u00fcrdigen verbindet, liegt es ja viel n\u00e4her, nicht t\u00e4glich im gleichen Format dar\u00fcber zu berichten [&#8230;].\u201c Luhmann, Ebd., S. 53.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> \u201eDie angesichts der unendlichen F\u00fclle von Ereignissen der politischen Wirklichkeit stets extreme Begrenzung der Vermittlungskapazit\u00e4t der Massenmedien zwingen zu einer drastischen Auswahl dessen, was sie bringen und wie sie es darstellen wollen.\u201c Thomas Meyer, vgl. Fu\u00dfnote 8, S. 45.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Adam Levin, Das vernetzte Selbst \u2013 Codes, Knoten und Rhizome, in: Alain Bieber (Hg.), Ego Update \u2013 Die Zukunft der digitalen Identit\u00e4t, Ausst.-Kat. NRW-Forum D\u00fcsseldorf, D\u00fcsseldorf 2016, S. 108.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> \u201eInsbesondere wenn Bilder als Vehikel der Kommunikation genutzt werden, nimmt die Frequenz dieses Dialoges rasant an Fahrt auf. Bilder mit ihrem hohen Affizierungspotential spielen geradezu virtuos auf der Klaviatur der Gef\u00fchle und l\u00f6sen spontane Reaktionen bei ihren Adressat*innen aus. [\u2026] Bilder sind zu einer Art \u201aW\u00e4hrung\u2018 des Affektiven geworden und haben nicht ausschlie\u00dflich dokumentarischen Charakter, sondern avancieren selbst zu Instrumenten der politischen Teilhabe [\u2026].\u201c Julia H\u00f6ner, Kerstin Schankweiler, Affect Me \u2013 Social Media Images in Art, Ausst.-Kat. KAI 10, D\u00fcsseldorf, Leipzig 2017, S. 15, 27.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Brooke Wendt, Dissemination: Die Hashtag-Funktion und Identit\u00e4t, in: Alain Bieber, vgl. Fu\u00dfnote 6, S. 94.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Auf beide Felder trifft zu, was Cl\u00e9ment Ch\u00e9roux \u201eInterikonizit\u00e4t\u201c nennt. Der Begriff fragt nach der Beziehung zwischen Darstellung und dargestelltem Ereignis, nach der Bildtradition und \u00fcber \u201ewelche, das Einzelbild eines konkreten Ereignisses hinausgehenden Inhalte dadurch thematisiert werden.\u201c Patrizia Dander, Bild gegen Bild, K\u00f6ln 2012, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> \u201eEiner der Vorl\u00e4ufer der Selfie-Bilderproduktion ist auch in der von Andy Warhol stark gef\u00f6rderten Polaroid-Bewegung zu sehen. Warhol wollte, dass das Bild zirkuliert, ver\u00f6ffentlicht und vermittels sozialer Netzwerke geteilt wird. Er hat mit seinen Star-Polaroids die Demokratisierung visueller Reproduktion und \u00dcberlieferung stark in den Vordergrund ger\u00fcckt, denn das Format war billig und stand nicht f\u00fcr Kunstfotografie. Damit hat Warhol nicht nur die Amateur\u00e4sthetik des Low-Tech-Selfies vorweggenommen, sondern auch ihre Verbreitungslogik durch Social Media.\u201c, Ram\u00f3n Reichert, Selfie Culture Kollektives Bildhandeln 2.0, In: POP. Kultur und Kritik, Heft 7, 2015, transcript, S. 95.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> \u201eErinnern wir daran, dass Atlanta ebenfalls Sitz von Cable News Network ist, dem Fernsehersender Ted Turners, der mit Zustimmung des Pentagon die vollst\u00e4ndige Kontrolle [\u2026] sicherstellte, dasselbe Pentagon, das \u00fcber drei riesige Fernseh\u00fcbertragungssatelliten vom Typ TDRS verf\u00fcgt, die sich in ca. 36 000 Kilometer H\u00f6he auf einer Umlaufbahn um die Erde befinden. Diese Satelliten haben die Aufgabe, permanent die Sendesignale der anderen milit\u00e4rischen Satelliten nach Washington zu \u00fcbertragen.\u201c Paul Virilio, Krieg und Fernsehen, Frankfurt a. M. 1997, S. 127.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Ebd., S. 63.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Ebd., S. 64.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> \u201ePikanterweise sickerte nach dem Ende des Golfkrieges durch eine undichte Stelle im US\u2013Informationsministerium durch, dass diese Bilder nicht einmal authentisch waren. Die Raketensysteme, die einen sauberen kosmetisch-chirurgischen Eingriff suggerieren sollten, waren bei Testversuchen auf amerikanischen St\u00fctzpunkten aufgenommen, teilweise sogar computeranimiert worden.\u201c Julian Rosefeldt, Nekrolog, in: Rosefeldt\/Steinle, News. Eine Videoinstallation von Julian Rosefeldt und Piero Steinle, Heidelberg 1989,, S. 90.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> &#8222;Prosumer&#8220; ein Neologismus aus den beiden Begriffen producer und consumer.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Kerstin Schankweiler, Videos von Polizeigewalt in den Sozialen Medien, http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2018\/01\/08\/social-media-januarvon-kerstin-schankweiler08-01-2018\/, abgerufen am 02.06.2018.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> \u201eAus heutiger Perspektive k\u00f6nnten man f\u00fcr die vergangenen beiden Jahrzehnte \u2013 grob vereinfachend \u2013 neben den ersten Irakkrieg von 1990-1991 die Anschl\u00e4ge auf das World Trade Center und das Pentagon am 11. September 2001, sowie die Ereignisse des Arabischen Fr\u00fchlings im Jahr 2011 als wichtige Katalysatoren im medialen Geschehen benennen.\u201c, Dander, vgl. Fu\u00dfnote 9, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Vgl. hierzu Miha Poredo\u0161, Role of social media in social movements: Egyptian Revolution and Occupy Wall Street, Freie Universit\u00e4t Berlin, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/mediaanthro\/student-presentations\/role-of-social-media-in-social-movements-egyptian-revolution-and-occupy-wall-street\/, abgerufen am 26.06.2018.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Ram\u00f3n Reichert, Selfie Culture Kollektives Bildhandeln 2.0, in: POP. Kultur und Kritik, Heft 7, 2015, transcript, S. 87.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Melanie B\u00fchler, Fotografie heute: Private Public Relations. Eine Ausstellungsreihe zur k\u00fcnstlerischen Fotografie im digitalen Zeitalter, Ausst.-Kat. Pinakothek der Moderne M\u00fcnchen, M\u00fcnchen 2018, S. 7.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> \u201eEine eigent\u00fcmliche Kehrtwende vollziehend sind Selfies nicht mehr Aspekte von Individuen, sondern vielmehr sind Individuen Aspekte von Selfies und der erh\u00f6hten Netzwerk-Dichte, die sie unterst\u00fctzen.\u201c Adam Levin, Das vernetzte Selbst \u2013 Codes, Knoten und Rhizome, In: Alain Bieber, vgl. Fu\u00dfnote 6, S. 130.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Wenn wir anerkennen, dass f\u00fcr einen kurzen Moment zwischen 2010 und 2012 die politisch M\u00e4chtigen und Staatstragenden durch die neuen M\u00f6glichkeiten der Echtzeittechnologie via Smartphone ausgehebelt wurden, so m\u00fcssen wir mittlerweile konstatieren, dass die alten M\u00e4chte sich ihre Macht und damit ihr Gewaltmonopol wieder zur\u00fcckgeholt haben \u2013 \u00fcbrigens genau mit den gleichen Echtzeitmedien bzw. der Kontrolle \u00fcber diese.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">[Die Kolumne geht auf einen Essays im Ausstellungskatalog zur Ausstellung \u201eNEWS FLASH #message #social media #artists\u201c im Kunsthaus N\u00fcrnberg zur\u00fcck, erschienen im September 2018]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Matthias A. J. Dachwald<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>ist freier <a href=\"https:\/\/www.liter-art.de\/deutsch\/\u00fcber-mich\/curiculum-vitae\/\">Autor<\/a> und leitender <a href=\"https:\/\/www.kunstkulturquartier.de\/kunsthaus\/ausstellungen\/archiv\/ausstellung\/news\/news-flash-message-social-media-artists\/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=9901b9851ed4ab5d7d98fb5d9ef8ac10\">Ausstellungskurator<\/a> im Kunsthaus im KunstKulturQuartier N\u00fcrnberg. Schwerpunktm\u00e4\u00dfig besch\u00e4ftigt er sich mit Fotografie und gesellschaftskritischen Themen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Distribution und Inszenierung von Nachrichten im Web 2.0<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[779,1609,1665,2164,2189],"class_list":["post-8926","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-fotografie","tag-nachrichten","tag-news","tag-social-media","tag-soziale-medien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8926","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8926"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8926\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8926"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8926"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8926"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}