{"id":8974,"date":"2019-02-04T10:30:46","date_gmt":"2019-02-04T08:30:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=8974"},"modified":"2019-02-04T10:30:46","modified_gmt":"2019-02-04T08:30:46","slug":"the-bold-type-der-weg-nach-oben-von-maren-lickhardt04-02-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2019\/02\/04\/the-bold-type-der-weg-nach-oben-von-maren-lickhardt04-02-2019\/","title":{"rendered":"\u00bbThe Bold Type. Der Weg nach oben\u00ab\u00a0von Maren Lickhardt4.2.2019"},"content":{"rendered":"<p>Ein feministisches Manifest?!<!--more--><\/p>\n<p>Das wird jetzt richtig h\u00e4sslich werden. Um ehrlich \u00fcber die relativ neue Freeform-Serie <i>The Bold Type. Der Weg nach oben<\/i> (2017ff.)<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> schreiben zu k\u00f6nnen, wird es unumg\u00e4nglich sein, ziemlich viel Zynismus und Garstigkeit auszusch\u00fctten. Ein Blick auf Serienkritiken im Netz zeigt, dass ich mit dieser Reaktion durchaus nicht allein da stehe, aber es bleibt zu hoffen, dass die wissenschaftliche Ausbildung der Verfasserin sowie der professionelle Rahmen des Textes dazu anhalten, das Ganze analytisch zu durchdringen und doch etwas Profunderes zu liefern als die Hasstirade, die einem aus der Feder flie\u00dfen wollte, h\u00e4tte man nicht gelernt, sich in einem positiven Sinn zu disziplinieren. Man wird am Ende verstehen, worauf ich anspiele, selbst wenn dieses Unterfangen vielleicht nicht ganz gelingen sollte.<\/p>\n<p>Dass <i>Sex and the City<\/i> in Serie gehen w\u00fcrde, war klar, und ich meine damit die Serien nach der Serie, die durch das erste Artefakt angesto\u00dfen wurden. Dass die Serie sich au\u00dferdem \u00fcber ihre eigene Serialit\u00e4t hinaus selbst reproduzieren und am besten nie enden w\u00fcrde, war auch klar, und zwar in ewigen Transformation durch die Kinofilme, derer es angeblich ja immer noch einen weiteren geben soll, sowie das Spin Off <i>The Carrie Diaries<\/i>.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Als popul\u00e4rkulturelles Artefakt unterliegt <i>SATC<\/i> den Marktbedingungen, und das Wort ist durchaus nicht negativ gemeint. Vielmehr sind hier R\u00fcckkopplungseffekte wirksam. Es zeigt sich,<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> wovon wir einfach nicht genug bekommen k\u00f6nnen, und davon ist ja bei Weitem nicht alles sch\u00e4dlich.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Serialit\u00e4t wird zu Recht u.a. von Frank Kelleter,<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Moritz Ba\u00dfler und Jochen Venus als konstitutives Merkmal des Popul\u00e4ren betont, das sich auf Basis ebendieser R\u00fcckkopplung mit dem Publikum, also dem leicht messbaren kommerziellen Erfolg, einstellt.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> \u201eWann immer die Pop\u00e4sthetik einen Aufmerksamkeitserfolg erzielt, kristallisiert an diesem Erfolg sofort ein Konvolut \u00e4hnlicher Produkte.\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Niels Werber engt das Ph\u00e4nomen mit Blick auf Pop \u2013 und unter Bezugnahme auf Venus \u2013 ein: Andy Warhols Siebdrucke von Marilyn Monroes popul\u00e4rem Portr\u00e4t verdichten es zu Pop, weil das, was hier in Serie geht, die Form des Siebdrucks ist, die sich nun auch auf jedes andere Gesicht \u00fcbertragen l\u00e4sst, weil diese Form in erster Linie immer wieder spektakul\u00e4r auf sich selbst verweist, also bei aller Variation eine \u00e4sthetische oder aisthetische Einheit garantiert.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p>Es ist wichtig, die formale Verdichtung von Pop gegen\u00fcber dem Popul\u00e4ren zu betonen, weil den Ausf\u00fchrungen vorangestellt werden soll, dass <i>SATC<\/i> poppig und <i>TBT<\/i> popul\u00e4r ist, was die Serien letztlich in gewisser Hinsicht inkommensurabel macht. Trotzdem hat der Vergleich einen heuristischen Wert und dr\u00e4ngt sich au\u00dferdem durch Setting und Figurenarsenal direkt auf. Thomas Hecken hat immer wieder \u00fcberzeugend betont, dass Pop nicht nur nicht im Popul\u00e4ren aufgeht, sondern noch nicht einmal zwingend popul\u00e4r sein muss. Dagegen zeichnet sich Pop durch Artifizialit\u00e4t aus.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Es entstehen im Kontext von Pop, so Ba\u00dfler, u.a. Collagen aus metonymischen Versatzst\u00fccken, die hyperrealistisch auf die Pop-Kultur verweisen und damit gleichzeitig intertextuell auf eine immer schon fiktionale Umwelt als solche.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Und manchmal entsteht statt einer Collage auf diese Weise auch ein Daumenkino.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>N\u00e4mlich im Fall von<i> SATC<\/i>. Dass die Protagonistin und Stimme aus dem Off Carry Bradshaw eine Kolumne f\u00fcr den fiktiven <i>New York Star<\/i> schreibt, in der sie alles thematisiert, was sie mit ihren Freundinnen erlebt, stellt oberfl\u00e4chlich betrachtet eine epische Gl\u00e4ttung dar, die dem Setting einen psychologisch-realistischen Anstrich verleiht \u2013 also das, was man oftmals als Tiefe zu bezeichnen geneigt ist und was Romane aus dem 18. und 19. Jahrhundert nachhaltig als Erwartungshorizont hinterlegt haben. Gleichzeitig liegt in diesem Verfahren aber auch ein reflexiver Hinweis auf die intermedial-artifizielle Gestaltung der Serie, den dezidiert nicht-psychologischen, nicht-realistischen Zug, denn die Serie simuliert das Bl\u00e4ttern in einer Zeitschrift, also eine mediale Erfahrung, indem sich eine Aneinanderreihung von Unwahrscheinlichem vollzieht, die sich in so harten Schnitten und Kontrasten nur in Frauenzeitschriften findet:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Das Editorial auf der ersten Seite durch die Stimme aus dem Off, die vier Charaktertypen wie in Psychotests \u2013 sexy, romantisch, sachlich, witzig \u2013, die sogar vier verschiedene Haartypen f\u00fcr Frisurentipps repr\u00e4sentieren, drastische M\u00e4nnerbegegnungen und M\u00e4nnergeschichten wie im Ratgeberteil und der Kurz- oder Fortsetzungsgeschichte, gewagte, durchkomponierte Outfits von bekannten Designern wie auf Werbeseiten und Fotostrecken, Restaurantkritiken, Clubbesprechungen, gyn\u00e4kologische Informationen von Vulvodynie \u00fcber tr\u00e4ge oder aggressive Eierst\u00f6cke und Fruchtbarkeitsproblemen bis hin zu Brustkrebs usw. usf.<\/p>\n<p>Der <i>New York Star<\/i> ist keine Begleiterscheinung aller Begebenheiten, sondern umgekehrt entsprechen die Begebenheiten einer Bewegung von Zeitschriftenbildern, einem Daumenkino. Jede Folge dynamisiert das Konglomerat einer Zeitschriftenausgabe, verhandelt bewusst und oft auch ironisch Stereotype und Klischees, das schon Gesagte, Geschriebene, Fixierte, popul\u00e4rkulturell Geb\u00fcndelte. Jede Kameraeinstellung, und sei es lediglich die, dass Carry Bradshaw ihre F\u00fc\u00dfe auf den Asphalt setzt, wenn sie ihre Wohnung verl\u00e4sst, ist ein Bild f\u00fcr sich selbst, weil sie dabei sichtbar und kommentiert nicht irgendwelche Schuhe tr\u00e4gt, sondern bevorzugt Manolo Blahniks. Die Szene wird f\u00fcr die Schuhe geschaffen, nicht umgekehrt, und es sind die Schuhe, die die eigentliche Geschichte erz\u00e4hlen. Das bedeutet, dass es immer noch eine weitere Folge von <i>SATC<\/i> geben k\u00f6nnte, solange es ein neues Modell von Manolo Blahnik geben wird.<\/p>\n<p>Warum wiederhole ich, was ich an anderer Stelle schon einmal geschrieben habe?<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Vor allem weil sich in <i>TBT<\/i> alles um die Redaktion einer Mode-Lifestyle-Zeitschrift dreht. Was die drei Freundinnen Jane, Kat und Sutton verbindet, ist die Tatsache, dass sie Kolleginnen aus verschiedenen Bereichen bei <i>Scarlet<\/i> sind. Hier wird also immanentisiert und fiktionalisiert, was in <i>SATC<\/i> stilistisches Mittel der Oberfl\u00e4chengestaltung ist. Da hei\u00dft, dass diese Anlage eine Geschichte erh\u00e4lt, narrativiert wird, wodurch sich psychologisch motivierte Handlungscluster ergeben, w\u00e4hrend <i>SATC<\/i> mehr auf der Ebene der Erz\u00e4hlung, Darstellung, Stilisierung mit dem Zeitschriftenthema spielt. Bedeutet: Popul\u00e4r vs. Pop.<\/p>\n<p>Ich erinnere daran, dass es eine anhaltende Debatte dar\u00fcber gab, wie realistisch <i>SATC<\/i> war, also nat\u00fcrlich genauer gesagt: wie unrealistisch <i>SATC<\/i> war. Das war es nat\u00fcrlich nur f\u00fcr diejenigen, die zum Abgleich tats\u00e4chlich ihren Kleiderschrank ge\u00f6ffnet haben und feststellen mussten, dass sie nicht ganz so viele Designerkleider besitzen wie die Protagonistinnen. Wer unsere pop-kulturelle Medienrealit\u00e4t als Realit\u00e4t akzeptiert, hat eine <i>Vogue<\/i> danebengelegt und gesehen, dass sich darin genauso viel High Fashion finden l\u00e4sst wie in der Serie. Man k\u00f6nnte all diese Vergleiche aber auch ganz zur\u00fcckstellen und genie\u00dfen, wie kunstvoll die Serie strukturiert ist, denn es geht um das Arrangement der sch\u00f6nen Bilder und das Implementieren unserer entsprechenden pop-kulturellen Bewertungskultur.<\/p>\n<p>Wenn Realismus eingefordert wird, bezieht sich dies vor allem auf zwei Aspekte: auf die authentische Geschichte oder authentifizierende Strategie, also auf eine pers\u00f6nliche und individualisierende Narrativierung; und auf eine m\u00f6glichst hohe Diversit\u00e4t der Aspekte und Komplexit\u00e4t der Themen, was recht schwer als Wertungskategorie zu verteidigen ist, muss mal einmal genauer darlegen, was man darunter eigentlich versteht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Um zun\u00e4chst einmal auf den Hauptaspekt oder das Dauerthema der Diskussion zu sprechen zu kommen, sei \u201ader\u2018 Feminismus eingeworfen. Die Frage, ob <i>SATC<\/i> gerade oder gerade nicht feministisch sei, wurde oftmals gew\u00e4lzt,<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> und es ist nach all den Jahren nicht mehr sehr originell, darauf hinzuweisen, dass dies nicht er\u00f6rtert werden kann, wenn man nicht auch Klasse, Nationalit\u00e4t, Ethnie, Hautfarbe etc. in den Blick nimmt, und dass es sich um eine unscharfe Debatte handelt, wenn man die Variable des biologischen Geschlechts allzu stark fokussiert.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Einigen wenigen schien die Serie zu stereotyp, flach-eindimensional, unterkomplex, obwohl Stereotype ja oft das Authentischste sind, <i>eine<\/i> Dimension eine wunderbare Oberfl\u00e4che ergibt, Pr\u00e4gnanz zu loben ist. Die Einschaltquoten zeugen davon, dass die meisten die Serie geliebt haben, so wie sie ist. Aber die 90\/00er sind vorbei, und jetzt kommen als RezipientInnengruppe die dann Geborenen, die Millennials.<\/p>\n<p><i>TBT<\/i> scheint angetreten zu sein, um es \u00e4hnlich und doch ganz anders zu machen als <i>SATC<\/i>. Avneet Sharma bringt es in einer Rezension auf den Punkt, wobei ich gleich anmerken muss, dass ich beim Lesen der \u00dcberschrift glaubte, dies k\u00f6nne nur ironisch gewesen gemeint sein. War es aber nicht. Das ist einer dieser Momente, in denen einem im Gespr\u00e4ch ein \u201aJa klaaar. \ud83d\ude09.\u2018 entfleucht und man einen Bruchteil einer Sekunde sp\u00e4ter betreten oder betroffen, vielleicht auch mitleidig in das ernste Gesicht seines\/r Gegen\u00fcber\/s blickt. War also Ernst gemeint von Sharma: \u201eThe Bold Type is the best political show on television right now. The nuanced portrayal of female friendship, office dynamics, and complex political topics is commendable.\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> L\u00e4sst man die hier implizit zugrunde liegenden Kriterien \u00fcberhaupt gelten, k\u00f6nnte man einwenden, dass <i>House of Cards<\/i>, <i>Breaking Bad<\/i>, <i>Better Call Saul<\/i>, <i>The Walking Dead<\/i>, <i>Dark<\/i>, <i>The Rain<\/i>,<i> Homeland<\/i>,<i> Chaos City<\/i>, <i>Madam Secretary<\/i> und sogar <i>Designated Survivor<\/i> und <i>Dear White People<\/i> bessere politische Serien sind, und ich mache mit der Aufz\u00e4hlung an dieser Stelle nur Schluss, weil sonst die Zeile \u00fcberspringt und der Absatz zu lang wird.<\/p>\n<p>Woran erkennt man nun das Politische in <i>TBT<\/i>? Man muss wirklich sagen, dass sich die Serie um Diversity bem\u00fcht. Fast direkt zum Auftakt \u2013 und das ist schon irgendwie cool und witzig, weil Melora Harding eine exzellente Schauspielerin ist \u2013 tritt Jacqueline Carlyle \u2013 im Folgenden genannt: die Chefin \u2013, deren Gestaltung angeblich auf der ehemaligen Chefredakteurin der US-<i>Cosmopolitan<\/i> basieren soll, in den Meetingraum der Vorstandsvorsitzenden des Verlagshauses und bemerkt: \u201eI am so happy to see all your bright, shining, young, ethnically, sexually and gender-diverse faces this morning so we can hammer out the issues that really matter to today\u2019s woman.\u201c (s1e1, 4:40)<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"The Bold Type | Official Trailer | Freeform\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/q9Evo8pJTV0?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Im Raum sind ziemlich viele wei\u00dfe Personen m\u00e4nnlichen Geschlechts und gehobenen Alters not amused. Eigentlich kann ich das Gerede vom alten, wei\u00dfen Mann absolut nicht ausstehen, aber die Serie schafft es, einem visuell vorzuf\u00fchren, dass man als Frau in einer Welt funktionieren muss, die, rein statistisch betrachtet, von denjenigen regiert wird, die andere soziodemographische Variablen aufweisen als man selbst. Andererseits setzt die Szene diese Variablen zementierend voraus, dass man sich als junge Frau mit anderen jungen Frauen identifiziert und dass sich keiner der alten M\u00e4nner im Herzen jung und weiblich f\u00fchlen kann, was auch immer diese Kategorien eigentlich alles implizieren sollen.<\/p>\n<p>In Bezug auf die Serie kann ich zumindest von mir behaupten, dass ich mich mit keiner der weiblichen Figuren auch nur im Entferntesten identifizieren kann, sondern dass wenn \u00fcberhaupt nicht weniger als drei der m\u00e4nnlichen Figuren f\u00fcr mich daf\u00fcr in Frage k\u00e4men. Und es sei vorausgeschickt, dass es unter der Voraussetzung, dass man die Serie ernst nimmt, einer Katastrophe gleichkommt, was hier als \u201aweiblich\u2018 propagiert wird.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur Diversity: Im Gegensatz zu <i>SATC<\/i> hat <i>TBT <\/i>die AfroamerikanerInnen nicht vergessen, ohne es zu vers\u00e4umen, hinzuzuf\u00fcgen, dass Protagonistin Kat sich damit auch nicht gemeint f\u00fchlen kann, weil sie eine wei\u00dfe Mutter hat. Selbige entdeckt sehr schnell ihre Neigung zu Frauen und verliebt sich in eine lesbische Muslimin. Man kann das ja gut finden, muss sich aber fragen, ob mit dieser \u00dcbertreibung nicht doch ein Othering vorgenommen wird, das jeder normalen sowohl ethnisch als auch hinsichtlich ihrer sexuellen Orientierung nicht ganz festgelegten Frau ein Stirnrunzeln entlocken w\u00fcrde, wobei ich das nat\u00fcrlich nicht so genau wissen kann. Aber weil Komplexit\u00e4t ja offenkundig gut ist und gut zu Diversit\u00e4t passt, wurden Kat in der Gestaltung wohlhabende Eltern mitgegeben, die ihr einst den Praktikumsplatz in der Redaktion besorgt hatten, wodurch sie sich eine ganze Folge lang gegen\u00fcber Jane, die zwar wei\u00df ist, aber aus einer armen Familie stammt, verteidigen muss. Das Spiel mit den Variablen, von dem die Serie im Wesentlichen zehrt\u2026<\/p>\n<p><i>TBT<\/i> r\u00e4umt dann allerdings tats\u00e4chlich in den seltenen guten Momenten mit ein paar Klischees auf, die dem Weiblichen ganz hartn\u00e4ckig anhaften und die durch ihre permanente Reproduktion in der Popul\u00e4rkultur tradiert, gelehrt und erlernt werden. Von den drei Frauen Jane, Kat und Sutton wird viel mehr von ihrem beruflichen Engagement gezeigt und sie sind bei Weitem nicht so stark auf M\u00e4nner fixiert wie ihre Vorg\u00e4ngerinnen aus <i>SATC<\/i>; und sie schaffen es auch zumeist, ganz einfach mit den PartnerInnen, die sie lieben oder begehren, zu sprechen, also ganz einfach zu sagen, was sie denken: \u201eI don\u2019t want to change you, but I don\u2019t want to change either.\u201c (s1e7, 36:48)<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Das nimmt der Serie ein paar wohl bekannte M\u00f6glichkeiten der Plotgestaltung. Das Drama des Ups-ich-habe-zu-ihm-aus-Versehen-gesagt-dass-ich-ihn-liebe-und-er-hat-nicht-geantwortet-Was-mach-ich-jetzt taucht nur am Rande auf, und das potentielle Drama des Ich-wei\u00df-genau-dass-ich-etwas-anderes-will-als-er-trau-mich-aber-nicht-es-ihm-zu-sagen bleibt, wie oben zitiert, sogar v\u00f6llig aus, und man vermisst es auch ganz und gar nicht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>In Sachen weiblicher Solidarit\u00e4t k\u00f6nnte man von der Serie lernen. \u2013 Man k\u00f6nnte. Zur triefenden Darstellung und zu den problematischen Implikationen komme ich noch. \u2013 Es soll gezeigt werden, wie Frauen einen unterst\u00fctzenden Umgang miteinander pflegen oder um einen solchen ringen, wie also female bonding funktionieren kann. Weibliche Vorbilder werden z.B. dadurch als solche vorgef\u00fchrt und gefeiert, dass sie in der Zeitschrift inszeniert werden \u2013 ohne dass die M\u00e4nner ausgeblendet werden! \u2013 \u201eI\u2019m starting with a series called \u2018Feminist Army\u2019. It\u2019s gonna showcase millennial women who are changing the world.\u201c (s2e1, 4:35) \u00dcbertr\u00e4gt man das aber nun auf die Funktion der Serie, die ihre Protagonistinnen m\u00f6glicherweise als zu feiernde Vorbilder zeigen will, sei h\u00f6chste Vorsicht angeraten. \u2013 Auch dazu komme ich noch. \u2013<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u00dcberhaupt haben wir es ja beim Setting mit einer Zeitschriften-Redaktion zu tun, und die Serie wird nicht m\u00fcde, das Modemagazin, um das sich alles rankt, als feministisches Sprachrohr vorzuf\u00fchren. Es ist der Ort, um Bodypositivity zu inszenieren, Frauen f\u00fcr eine politische Karriere einzukleiden und f\u00fcr Eizelleneinfrieren als Selbsterm\u00e4chtigungsmittel einzutreten. Ganz wichtig ist auch, dass \u00fcber Brustkrebsgene, Menstruationstassen und Nippelfreiheit gesprochen wird. Was Frauen halt so umtreibt. Der K\u00f6rper ist eben nicht einfach nur sch\u00f6n, sondern bedroht, abjektig-eklig und diskursiv \u00fcberschrieben. Das ist gaaaanz wichtig, dass wir das nicht vergessen und uns ja nicht nur an den Modestrecken erfreuen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><i>SATC<\/i> l\u00e4sst Mode Mode sein. Und die Qualit\u00e4t der Serie liegt in der raffinierten Inszenierung, der spielerischen \u00c4sthetisierung, der lustvollen Visualisierung, der reflexiven Kommunikation und des Wissens darum, dass sich im pop-kulturellen, massenmedialen Kommunikationsprozess ein \u201ecoparticipating in a semiotic production in which they are mutually complicious in the exaltation of an iconic image\u201c<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> einstellt. Im Wesentlich liegt eine punktuelle, metonymische Struktur vor, die f\u00fcr Pop eben ganz typisch ist.<\/p>\n<p>Aber diese ist nicht von den Themen abh\u00e4ngig. Interessanterweise ragt das thematische Spektrum in <i>TBT<\/i> nicht \u00fcber das von <i>SATC<\/i> hinaus. <i>SATC<\/i> vermag das Thema Brustkrebs sogar wie viele der anderen Themen auch en passant zwischen das Russen-Bashing und eine mit einer Bratpfanne erschlagene Maus zu kleben. <i>TBT<\/i> tut sich damit schwerer, weil das alles ja noch \u201arichtig\u2018 narrativiert werden muss, also neben den pers\u00f6nlichen Handlungstr\u00e4gerInnen eine zeitliche Tiefendimension, also Vorgeschichte und Nachwirkung braucht.<\/p>\n<p>Der Fairness halber sei an der Stelle eine positive Stimme zur Serie zitiert: Maggie Fremont konstatiert, <i>TBT<\/i> spreche \u201etough issues\u201c an, n\u00e4mlich \u201esexual assault, immigration, and breast cancer, to name a few\u201c. Dadurch sei die Serie \u201efabulously feminist, and still remaining fun and flirty\u201c.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> \u2018Ja klaaar. \ud83d\ude09\u2019 Ach nein, das war ja wieder ernst gemeint: Harte Themen zeugen von Qualit\u00e4t und Brustkrebs von Feminismus.<\/p>\n<p>Wenn eine Frau Brustkrebs hat, ist das zweifelsohne tough, aber im Sinne der statistischen Wahrscheinlichkeit und Verteilung \u2013 und das exerziert die Serie ja durch \u2013 nicht so realistisch, wie wenn sie in einer un\u00e4sthetischen, freudlosen Welt vor Langeweile stirbt. Nun kann man aus Langeweile vermutlich nicht sterben, an Brustkrebs schon \u2013 das soll nicht verharmlost werden oder sich zur metonymischen Dauerzielscheibe f\u00fcr meinen Sarkasmus einstellen! \u2013, aber von Langeweile, Monotonie, Witzlosigkeit, Sinn-lich-losigkeit etc. d\u00fcrften schon mehr Menschen auf der Welt betroffen sein als von Brustkrebs, und ich glaube, das trifft statistisch betrachtet auch dann noch zu, wenn wir die Kategorie Menschen auf die Kategorie Menschen weiblichen biologischen Geschlechts eingrenzen, und da bed\u00fcrfte es doch keiner Pseudo-Legitimation durch <i>tough issues<\/i>, wenn man einfach nur unterh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Und: Man sollte erw\u00e4gen \u2013 und der Gedanke ist jetzt wirklich schlicht und nicht weit hergeholt \u2013, ob Brustkrebs dort, wo er zur massenmedialen Agenda wird, nicht vielleicht eher zur Sensationalisierung instrumentalisiert wird, als es wirklich um Unterst\u00fctzung und Pr\u00e4vention geht. So werde ich mich sicher immer daran erinnern, dass Sylvie van der Vaart\/Meis einmal Brustkrebs hatte, wie es aber um die Krankenkassen-technische Versorgung bei Brustkrebs im Zuge der Nachbehandlung bestellt ist, wei\u00df ich schlicht nicht. Wenn man <i>tough issues<\/i> ernst nimmt und deren Vorhandensein zum Qualit\u00e4tskriterium einer Serie erkl\u00e4rt, w\u00e4re es nur folgerichtig zu erwarten, dass auch nach Letzterem gefragt wird.<\/p>\n<p>Nun wundert es mich zuletzt noch, dass nicht Janes Vater an Brustkrebs gestorben \u2013 was theoretisch m\u00f6glich w\u00e4re \u2013, spielt die Serie doch so gerne mit der wilden Mischung der Variablen und Wahrscheinlichkeiten in einem Figuren- und Handlungstableau, das sich \u2013 ich muss es noch einmal betonen \u2013 neben der starken psychologisch-realistischen Motivierung auch noch als Experimentierfeld f\u00fcr statistische Verteilungen beschreiben l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zu oder neben der angeblichen thematischen Breite suggeriert <i>TBT<\/i>, dass hier alles differenzierter, gr\u00fcndlicher, tiefer verhandelt wird als in ihrer Vorg\u00e4nger-Mittdrei\u00dfigerinnen-Version. Junge Menschen dr\u00e4ngt es ja immer so nach Authentizit\u00e4t, und es sind schlie\u00dflich die explizit immer als solche bezeichneten Millennials, um die es hier geht. Wie bereits gesagt: Strukturell wird das Ernste und Echte dar\u00fcber zu transportieren versucht, dass <i>TBT<\/i> ganz dezidiert eine Re-Narrativierung vornimmt \u2013 man k\u00f6nnte auch sagen: eine Ent-Poppung. Es soll ganz forciert immer wieder um pers\u00f6nliche Geschichten hinter der Fassade und unter der Oberfl\u00e4che, um komplexe Realit\u00e4ten gehen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Konzept von <i>Scarlet <\/i>in einer reflexiven Spiegelung der Serie explizit dieserart funktioniert \u2013 am besten basieren die Artikel auf pers\u00f6nlichen Erfahrungen, zielen vermeintlich auf Individuen als solche und braucht jeder Artikel den Namen der SchreiberIn als validierenden Authentifizierungsnachweis und pers\u00f6nliche Projektionsfl\u00e4che \u2013, wird den Protagonistinnen jeweils die billigste Vorgeschichte angedichtet, die man zur vermeintlich psychologisch-realistischen Fundierung nur bem\u00fchen kann. Irgendwie sind sie alle mehr oder weniger durch ihre Eltern traumatisiert. Kats Eltern sind n\u00e4mlich Psychologen und neigen dazu, alles zu zerreden und zu rationalisieren. Suttons Mutter war Alkoholikerin. Und Janes Mutter ist, es muss jetzt leider noch mal gesagt werden, an Brustkrebs verstorben, als jene noch ein kleines Kind war.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Um bei Jane zu bleiben: Nat\u00fcrlich m\u00f6chte sie sich als politische Journalistin etablieren, denn was w\u00e4ren Sex, Liebe, Kosmetika und Mode, w\u00fcrde man es nicht schaffen, immer auch ein gesellschaftliches Anliegen daran zu kn\u00fcpfen. W\u00e4hrend Jane im Zuge ihres kurzzeitigen Intermezzos beim <i>Insight<\/i>-Magazin erfahren muss, dass Polit-Journalismus b\u00f6\u00f6se, weil tendenzi\u00f6\u00f6s und sensati\u00f6\u00f6s sein kann, ist Scarlet nat\u00fc\u00fcrlich vielseitig und feinf\u00fc\u00fchlig, und das wird als Qualit\u00e4\u00e4tskriterium ausgewiesen, w\u00e4\u00e4hrend nur sch\u00f6\u00f6n, gl\u00e4\u00e4nzend, fabul\u00f6\u00f6s nat\u00fc\u00fcrlich nicht re\u00fc\u00fcssiert. Dass die poetische Funktion \u2013 wenn man Jakobson bem\u00fc\u00fchen wollen w\u00fc\u00fcrde<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> \u2013 das Prinzip der \u00c4\u00e4quivalenz von der Achse der Selektion auf die Achse der Kombination projiziert, wodurch Sinnlichkeit vor Thema geht, weil die Materialit\u00e4t der Zeichen als solche in den Vordergrund r\u00fcckt, scheint <i>TBT <\/i>nicht kommunizieren zu wollen, obwohl die Serie visuell wirklich sehr gelungen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">New York-Bild<\/p>\n<p>Nun haben wir es bei <i>TBT<\/i> mit New York und auch mit Mode zu tun. Aber der Trick, dass in fast jeder Folge wenigstens einmal bemerkt wird, dass etwas f\u00fcr die Protagonistinnen zu teuer ist, soll zu einer Verwahrscheinlichung f\u00fchren und damit zu einer totalen Identifikation und Immersion. \u2013 Bitte nicht, liebe sechszehnj\u00e4hrige Zielgruppe, die dies hier leider nicht liest. Schaut doch lieber die letzten zwei drei Staffeln <i>Criminal Minds<\/i>, die so unpr\u00e4tenti\u00f6s, cool und l\u00e4ssig ein diverses Team von FBI-SpezialistInnen unter weiblicher F\u00fchrung pr\u00e4sentiert, oder halt <i>SATC<\/i>. \u2013 W\u00e4hrend <i>SATC<\/i> sich avantgardistischer Verfahren bedient, die als solche ganz k\u00fchl goutiert werden k\u00f6nnen, suggeriert <i>TBT<\/i> permanent die Illusion eines realistischen Substrats, um dann aber diesen Realismus m\u00f6glichst heimlich wieder einzukassieren.<\/p>\n<p>Ausgerechnet auf cosmopolitan.de findet sich \u2013 man glaubt es kaum \u2013 eine positive Bewertung, die sich auf den Realismus der Serie bezieht: \u201eEine unterhaltsame Story \u00fcber drei M\u00e4dels in der Medienwelt, gepaart mit einer ordentlichen Portion Feminismus und Girl-Power \u2013 daf\u00fcr lieben wir \u2018The Bold Type\u2018&#8230; [\u2026] Die Geschichte ist nicht frei erfunden. Produzentin der Serie ist die ehemalige Chefredakteurin der US-Cosmopolitan Joanna Cole. [\u2026] [D]ie Geschichte [r\u00e4umt] endlich mit den Oberfl\u00e4chlichkeiten der Magazin-Branche auf[..] (klar, ein bisschen Kitsch braucht die Serie nat\u00fcrlich trotzdem)! [\u2026] Versteht mich nicht falsch, ich finde \u2018Der Teufel tr\u00e4gt Prada\u2018 auch echt lustig und unterhaltsam &#8211; nur spiegelt dieser Film die Realit\u00e4t \u00dcBERHAUPT nicht wieder. \u2018The Bold Type\u2018 verpasst euch einen Crashkurs in Sachen Gegenwart, die Umbr\u00fcche in der hektischen und komplizierten Medienwelt im Jahr 2018 werden gut verdeutlicht. Themen wie Sexualit\u00e4t, Rassismus und Feminismus werden gro\u00dfartig thematisiert, mit vielen Tabu-Themen wird hier super offen umgegangen.\u201c<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Ja, klaaar. \ud83d\ude09<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Katie Heaney und Lisa Ryan konstatieren dagegen: \u201ethe show has a \u2026 let\u2019s say, tenuous grasp on what working in media really looks like.\u201c<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> Oder man k\u00f6nnte Rachel Syme zitieren: \u201eThe Bold Type is, as ever, a Hollywood vision, filmed in Canada, of what New York magazines are like. [\u2026] She [the boss] is the kind of editor you read about in legend; she who would kill for her staffers, and who teaches them lessons in the art of living honorably just by existing.\u201d<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> Aber Heaney, Ryan und Syme arbeiten ja auch nicht bei der <i>Cosmopolitan<\/i>\u2026 Dann kann man das auch nicht verstehen. Man scheint \u00fcberhaupt erst zu wissen, was Familie ist, wenn man bei der <i>Cosmopolitan<\/i> gearbeitet hat \u2013 ich meine nat\u00fcrlich bei der <i>Scarlet<\/i>.<\/p>\n<p><i>Scarlet<\/i> inszeniert oder vermarktet sich in der Serie explizit als die gro\u00dfe Schwester kleiner M\u00e4dchen. Jane res\u00fcmiert in der ersten Folge sich auf den fr\u00fchen Tod ihrer Mutter beziehend: \u201eIt would have been nice to have some female energy around. It\u2019s kind of why I fell in love with <i>Scarlet<\/i>, \u2018cause when I needed it, it was like getting advice from an older sister that I always wished I had.\u201c (s1e1, 25:08) Die Chefin sagt in der gleichen Folge in einer Rede: \u201e<i>Scarlet<\/i> will always be the older sister.\u201c (s1e1, 3941) Wenn es die Chefin sagt, wird klar, was in der Substitution im ersten Zitat schon anklingt: Eigentlich ist <i>Scarlet<\/i> die Mutter, die man immer gerne gehabt h\u00e4tte. Das sollte nat\u00fcrlich metaphorisch verstanden werden, als Personifikation der Rat-gebenden und Trost-spendenden Funktion dieser Magazine. Letztlich fungiert die Chefin aber auch konkret als Serien-Mama \u2013 vor allem f\u00fcr \u201eTiny Jane\u201c, wie Allison Shoemaker die nervt\u00f6tendste der drei Protagonistinnen bezeichnet,<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> who is \u201eacting like a baby at work\u201c, so Heather Schwedel.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a><\/p>\n<p>Wie viele Katastrophen darf man eigentlich auf der Arbeit anrichten, bevor man gefeuert wird? Hoffentlich eine gewisse Menge, denn das mag zwar individuell problematisch sein, zeugt aber strukturell von guten Arbeitsschutzgesetzen. Nun wissen wir, dass es die in den USA nicht in ausgepr\u00e4gtester Form gibt. Also: Wie viele Katastrophen darf man eigentlich auf der Arbeit anrichten, bevor man in einem Land mit wenig ausgepr\u00e4gten Arbeitsschutzgesetzen und einem attraktiven Beruf mit hohem Konkurrenzdruck gefeuert wird?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich will es das Gesetz der Serie, dass es aus dramaturgischen Gr\u00fcnden unendliche Katastrophen gibt, und dieses strukturelle Erfordernis ist \u2013 f\u00fcr die Millennials \u2013 p\u00e4dagogisch wahrhaft wertvoll.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Lektion 1: Wenn Beyonc\u00e9 Knowles anruft und die Chefin pers\u00f6nlich sprechen m\u00f6chte, weist diese die S\u00e4ngerin sofort ab, wenn sie das besorgt heruntergezogene Kinn einer jungen Redakteurin erblickt. Wenn letztere noch ein Problem hat, soll Beyonc\u00e9 eben warten (s1e1, 36:06).<\/p>\n<p>Lektion 2: Wenn man statt des abgesprochenen Artikels einen ganz anderen schreibt, weil man frech und keck denkt, wie originell man ist, und es au\u00dferdem so sehr auf der Seele brennt, liest die Chefin ihn und sagt: \u201eIt\u2019s excellent.\u201c (s1e1, 44:10) <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Lektion 3: Wenn man als Journalistin von einer beschriebenen Person verklagt wird und dann noch gegen jeden juristischen Rat Kontakt zur Kl\u00e4gerin aufnimmt, diese damit noch mehr in Rage bringt, und es nur ganz m\u00fchsam mit einem Vergleich endet, sagt die Chefin, dass man ruhig auch mal versagen darf, denn das \u201emeans to be a professional writer.\u201c (s1e5, 26:40)<\/p>\n<p>Lektion 4: Wenn man im B\u00fcro komplett die Nerven verliert und vor versammelter Mannschaft die Chefin anschreit und runtermacht, r\u00e4t die Chefin in ganz ruhigem, m\u00fctterlich-strengem Ton zu einem Spaziergang (s1e6, 18:40).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Lektion 5: Wenn das Anschreien mit dem Vorwurf einher geht, die Chefin w\u00fcrde von den Angestellten in den Artikeln das Einbringen der Pers\u00f6nlichkeit fordern, sich selbst aber zur\u00fcckhalten und wenig von sich Preis geben, l\u00e4dt die viel besch\u00e4ftigte Chefin einen zur privaten Prime-Time, also zum Abendessen mit Mann und Kindern ein, um die Asymmetrie zu beseitigen (s.o.).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Prinzipiell gilt: Wenn man sich verbei\u00dft, verrennt, quengelt und heult, beratungsresistent ist und fehlertr\u00e4chtig arbeitet, gewinnt man das Herz der Vorgesetzten. Und wenn man k\u00fcndigt, wird man nur deshalb nicht wieder eingestellt, weil es der pers\u00f6nlichen Reifung dient, aber nat\u00fcrlich ist in einem New Yorker Fashion-Magazin sofort ein Arbeitsplatz frei, der einem dann auch ungefragt wieder angeboten wird, wenn man innerlich wieder so weit ist \u2013 was die m\u00fctterliche Chefin nat\u00fcrlich zu beurteilen imstande ist. Zum Anspruchsdenken von Jane geh\u00f6rt es, verbl\u00fcfft dar\u00fcber zu sein, dass sie nicht direkt beim ersten Anlauf wieder eingestellt wurde, nachdem sie es war, die das Magazin verlassen hatte.<\/p>\n<p>Wenn das das Bild ist, dass in der Popul\u00e4rkultur von weiblicher Solidarit\u00e4t entstehen soll, handelt es sich um das gr\u00f6\u00dfte Eigentor, dass die Creator Sarah Watson nur schie\u00dfen konnte. Was der Serie aber vor allem entgeht, ist die totalit\u00e4re Arbeitsideologie, die Neoliberalismus und Kapitalismus in die Tasche spielt. Man kann das schon wollen, aber muss wenigsten merken, was man da macht. Die Serie hat hier aber ihren gr\u00f6\u00dften blinden Fleck. Wenn der Arbeitsplatz als Familie bezeichnet wird, und die gro\u00dfe Schwester sowie die Mutter abwechselnd nicht nur auf die Zeitschrift als Produkt f\u00fcr die LeserInnen, sondern auch auf die Redaktion projiziert wird, verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben. Jeden Akt der Chefin kann man ebenso als gro\u00dfherzig wie als \u00fcbergriffig bezeichnen, aber hat man sie erst einmal als Mutterfigur akzeptiert und somit das Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis privatisiert, st\u00f6\u00dft die Chefin kaum noch auf Grenzen.<\/p>\n<p>So f\u00fchlt sich die im biologischen Sinn mutterlose Jane nach ihrer Wiedereinstellung an ihrem neuen Schreibtisch unwohl. Nat\u00fcrlich tut sie das sofort ihrer Chefin kund, die nur kurz wissend zu l\u00e4cheln braucht, damit auch Jane l\u00e4chelt, weil Jane sich dar\u00fcber freut, besser verstanden zu werden, als sie sich selbst versteht. Die Gedanken der Chefin lesend, spricht Jane es aus: Ich soll aus meiner pers\u00f6nlichen Komfortzone heraus, um mich weiter zu entwickeln und zu wachsen. Danke daf\u00fcr, dass Du so viel mehr \u00fcber mich wei\u00dft als ich, und ich mich nun an meinem Arbeitsplatz nicht wohl f\u00fchlen darf (s2e7). Serie will sagen: Gute Vorgesetzte fordern ihre MitarbeiterInnen. Sagt aber eigentlich: Gute Vorgesetzte d\u00fcrfen mit psychologischen \u00dcbertragungsmechanismen arbeiten und damit MitarbeiterInnen bevormunden. Aber w\u00e4re man irgendwo wirklich zu Hause, w\u00fcrde man sich schon an den Platz setzen, an dem man sitzen will. Jedenfalls w\u00fcrde man die Sache anders ausdiskutieren. Das ist das Problem, wenn die Chefin wie die Mutter ist, aber eben nicht die Mutter ist.<\/p>\n<p>Auf das, was nun an Jane so pubert\u00e4r-t\u00f6chterlich ist, wird noch zur\u00fcckzukommen sein. Zun\u00e4chst einmal sei das Verh\u00e4ltnis zwischen Sutton und ihrem neuen Chef Oliver in den Blick genommen. Meiner Wahrnehmung nach verbockt sie ihre Aufgaben nicht ganz so h\u00e4ufig wie Jane, aber vielleicht bin ich auch gn\u00e4diger, wenn es nicht ums Schreiben, sondern die Mode-Fotografie-Assistenz geht. Auch Sutton macht Alleing\u00e4nge und profiliert sich vornehmlich durch Eigensinn, was bis zu einem gewissen Grad sicherlich ratsam und positiv ist, aber gleichzeitig ist Sutton abh\u00e4ngig vom Urteil des Chefs: \u201eSutton: I know it isn\u2019t what you originally pitched. [\u2026] Oliver: I never said I disagreed. They\u2019re captivating. And they fit the real people, body positivity theme of this issue.\u201c (2,3, 35:32) Nat\u00fcrlich ist sie das in existentieller, also \u00f6konomisch-finanzieller Hinsicht sowieso, aber auch dies wird als emotionale Bindung an eine Vaterfigur inszeniert.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Denn einen Vater scheint Sutton ja nicht so richtig gehabt zu haben. Jedenfalls spricht sie einige wenige Male davon, dass sie sich um ihre alkoholkranke Mutter k\u00fcmmern musste. Damit unterlegt die Serie das Verh\u00e4ltnis implizit einmal mehr mit einer schlichten psychoanalytischen Erkl\u00e4rung, aber das tut sie nicht offen genug, als dass man davon ausgehen k\u00f6nnte, dies w\u00fcrde dekonstruiert oder der Dekonstruktion anheimgegeben werden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>In Paris wird aber das aktuelle Vater-Tochter-Verh\u00e4ltnis als solches offenbar. Sutton erz\u00e4hlt Oliver, dass sie f\u00fcr ihre Karriere ihre gro\u00dfe Liebe geopfert hat. Sie wollte nicht \u00f6ffentlich zu einer Aff\u00e4re mit einem Vorstandsmitglied stehen, weil es nicht danach aussehen sollte, als habe sie sich hochgeschlafen. Oliver h\u00e4lt dies zun\u00e4chst f\u00fcr klug, behauptet dann aber doch, dass Suttons Talent \u00fcber alle Zweifel erhaben sei. Und obwohl in Paris Fashion Week ist, und Sutton dort als seine Assistentin arbeiten soll, sind alle diese Verpflichtungen letztlich sogar aus Olivers Perspektive peripher, denn es geht ja um die gro\u00dfe Liebe seiner Mitarbeiterin, die keine f\u00fcnf weiteren Tage Zeit hat, und die auch nicht \u00fcbers Telefon geregelt werden kann, obwohl ja sonst alles \u00fcbers Telefon geregelt werden kann: \u201eOliver: Go, get him back.\u201c (s2e9, 27:42)<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck ist der entz\u00fcckende Richard aber in der Zwischenzeit auf die Idee gekommen, Sutton hinterher zu reisen, sodass sie sich nicht entscheiden muss. Als die beiden dann turtelnd \u00fcber den roten Teppich laufen, l\u00e4chelt Oliver ger\u00fchrt. Sutton schaut in seine Richtung, f\u00e4ngt seinen Blick ein und l\u00e4chelt ebenfalls, denn sie freut sich \u00fcber sein Freuen, seinen Segen (s2e10, 39:10). Wenn das mal nicht v\u00e4terlich ist, denn die Szene ist nicht komplett, indem man nun den Traummann im Arm h\u00e4lt, sondern indem dieses Gl\u00fcck vom Vorgesetzten\/Vater gespiegelt wird.<\/p>\n<p>Eigentlich offenbart das Verh\u00e4ltnis zwischen Sutton und Oliver aber ein anderes Problem, das man noch nicht einmal wirklich als Problem bezeichnen kann: Sutton schafft es, Oliver ohne formelle Qualifikation davon zu \u00fcberzeugen, sie einzustellen, weil sie es k\u00f6nne, einen frischen Blick einbr\u00e4chte etc. Qualit\u00e4t scheint sich g\u00e4nzlich ohne Qualifikation durchzusetzen. Die Serie wirft dieses Thema nicht differenziert auf, sondern feiert, dass hier jemand ohne College-Abschluss Karriere machen kann, dass \u00fcbergangslos Laien zu Profis, KonsumentInnen zu ProduzentInnen werden. Haben wir ja in den Sozialen Medien gelernt, aber dazu sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>\u201eSutton: I have no fashion background at all. I never even worked in a mall. But I\u2018ve devoured fashion magazines, since I was a kid, and I have impeccable taste. I want this more than I\u2019ve wanted anything in my entire life, and I would work my ass off for you.\u201c Nat\u00fcrlich hat Sutton am Vorabend als Bewerbungsmappe eine Collage gebastelt, die die Verschr\u00e4nkung von Mode und Kindheitstraum zum<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Ausdruck bringen soll,<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> und die nun \u00fcberreicht wird: \u201eHere\u2019s everything else you need to know about me.\u201c (s1e4, 32:30)<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Dieser Szene ist eine korrekte Bewerbung vorausgegangen, und Sutton hat bereits als B\u00fcroassistentin in der Redaktion organisatorische F\u00e4higkeiten etc. unter Beweis gestellt. Aber dennoch wird hier das Bild vermittelt, dass Modemagazinebl\u00e4ttern, Schneiden und Kleben, Stilbewusstsein und Begeisterung ausreichen, um bei einem f\u00fchrenden Mode-Magazin eine begehrte Stelle in der Fashion-Fotografie zu erhalten. Selbstverst\u00e4ndlich muss man nicht unter Beweis stellen, dass man profunde Kenntnisse \u00fcber Materialien, Herstellungsprozesse und Marktbedingungen oder in der Fotografie hat usw. usf. Was aus Sicht Olivers einzig fehlt, ist die Tatsache, dass Sutton noch nicht so gut vernetzt ist, weshalb er ihr r\u00e4t, h\u00e4ufiger auf die richtigen Partys zu geben.<\/p>\n<p>Es ist tragisch, dass sich Sutton kein Fashion-Diplom leisten konnte, weil ihre Mutter Alkoholikerin war, aber die Serie nimmt sich f\u00fcr das Ausma\u00df dieser Konstellation fast genauso wenig Zeit, wie ich f\u00fcr das Tippen dieser Aussage brauche. Statt n\u00e4mlich dem strukturellen Problem nachzugehen \u2013 an anderer Stelle tr\u00e4gt die Serie das in zwei S\u00e4tzen nach \u2013 und \u00fcber politische und volkswirtschaftliche Solidarit\u00e4t nachzudenken, wird lieber in Aussicht gestellt, dass man ganz zuf\u00e4llig den einen schon finden wird, der es ebenfalls vom Tellerw\u00e4scher zum Million\u00e4r gebracht hat und sich deshalb nicht exklusiv verh\u00e4lt bzw. mit dem man gemeinsam eine neue Form der Exklusivit\u00e4t etablieren kann.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Letztlich stellt sich hier n\u00e4mlich wieder das m\u00f6glicherweise auf der individuell-menschlichen Ebene kaum hintergehbare Ph\u00e4nomen der homosozialen Kooptation ein, denn Oliver erkennt, wie geeignet Sutton ist, weil er selbst einst entdeckt wurde und nicht den formalen Ausbildungsweg gegangen ist. Oliver verk\u00f6rpert nach eigenen Angaben \u201esmall town Oklahoma. No fancy fashion degree. No Ivy Leage College.\u201c (s1e4, 33:50) \u201eI was serving coffee to models at a Versace shoot. But one of those models was Naomie Campbell. She took one look at my ensemble [\u2026]. And she said \u2018Why are you wasting your talents making coffee and not working in fashion?\u2018\u201c (s2e5, 6:28)<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Nun kenne ich mich in der Modebranche nicht aus. Vielleicht funktioniert das ja so. Die Serie kommuniziert als positive Botschaft, dass sich echtes Talent durchsetzt und dass Talent Talent erkennt. Die morgendliche Wahl eines einzigen Outfits kann eine profunde Ausbildung kompensieren. Das gilt insbesondere f\u00fcr Personen, die aufgrund irgendeiner Variable zun\u00e4chst einmal exkludiert waren oder sind. Merken Sie sich, falls Sie als AfroamerikanerIn aus einer Kleinstadt kommen, dass Diplome \u00fcbersch\u00e4tzt werden.<\/p>\n<p>Wie gesagt: Dass es sich dabei um ein strukturelles Problem und nicht eine pers\u00f6nliche Geschichte handelt, wird ziemlich invisibilisiert, wodurch auch strukturelle L\u00f6sungsans\u00e4tze, wie beispielsweise umfassende Investitionen in das \u00f6ffentliche Schulsystem, staatliche Krankenverpflegung etc. ausbleiben. Vergessen wird, dass nur punktuell etwas gewonnen ist, wenn sich zuf\u00e4llig mal die richtigen treffen, die sich erkennen und sich miteinander identifizieren. Und das entwertet den impliziten Seitenhieb auf die alten, wei\u00dfen M\u00e4nner zum Auftakt der Serie, den ich aber ohnehin nur haarscharf als potentiell wertvoll stehen lassen kann, weil er explizit so nicht ausgedr\u00fcckt wird.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Nun erwarte ich von einer guten Serie ja nicht im Entferntesten, dass sie all das umsetzt, was ich zu bedenken gebe, aber die Serie will ja so wahrgenommen werden, als ob sie das tut, und ein paar wenige positive Rezensionen sitzen dem auf und loben, wie zitiert, die politische Komplexit\u00e4t und den Mut, dr\u00e4ngende Probleme anzusprechen. Dem muss man dann ja mal nachgehen.<\/p>\n<p>Kommen wir nun endlich zu unserer Vorzeige-Millennial Kat, ihres Zeichens Verantwortliche f\u00fcr Soziale Medien. Sie soll den\/die richtigeN AssistentIn einstellen. Ausgerechnet Oliver r\u00e4t ihr, sich auf die Suche nach einem \u201aRohdiamanten\u2018 zu begeben, was Kat auf die Idee bringt, eine Twitter-Insta-Ausschreibung zu starten, in der sie die Twitter-Insta-Expertise potentieller KandidatInnen nicht nur durch Antwort-Tweets und -Bilder, sondern auch \u00fcber deren Accounts ermitteln kann. Eine junge Frau mit lateinamerikanischem Hintergrund und aus einem bildungsfernen Milieu macht das Rennen, denn ihre \u201eengagement range is huge\u201c.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a><\/p>\n<p>Der Vorstand lehnt die Kandidatin aus dem plausiblen Grund ab, dass sie das College Degree Requirement nicht erf\u00fcllt. Ist aber auch wirklich eine b\u00f6se Barriere zu verlangen, dass man f\u00fcr einen h\u00f6chst verantwortungsvollen und potentiell folgenreichen Job in der \u00f6ffentlichen Kommunikation eine gute Ausbildung braucht. Mag sein, dass ich jetzt b\u00f6se bin, aber ich gebe zu bedenken, dass gute \u00f6ffentliche Grundschulen und soziale Familienhilfeeinrichtungen finanziert aus den Steuermitteln einer Solidargemeinschaft und nicht \u00fcber freiwillige und zuf\u00e4llige Charity-Projekte das Problem an der Wurzel packen w\u00fcrden. Dass inszeniert wird, dass man an dem Punkt anfangen soll, durchl\u00e4ssig zu werden, an dem es wirklich kritisch werden kann, halte ich f\u00fcr eine fragw\u00fcrdige Entprofessionalisierungsphantasie, die nebenbei \u00f6konomisches Verwertungsdenken radikalisiert, aber keineswegs zu funktionaler und nachhaltiger Diversity f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Auf des Vorstands Ablehnung folgt Kats Nachhilfe f\u00fcr den Juristen aus dem Vorstand, n\u00e4mlich dass hier strukturelle Diskriminierung am Werk sei, weil sich Angela Flores aufgrund ihrer Herkunft formal nie h\u00e4tte qualifizieren k\u00f6nnen. Mit dieser \u2013 absolut zutreffenden \u2013 Argumentation erringt Kat f\u00fcnf Minuten Redezeit vor dem Vorstand. Diese f\u00fcnf Minuten werden mit Zahlen gef\u00fcllt: Flores hat 16,458 Follower auf Twitter und eine Engagement Rate von 76%, womit sie als Individuum \u00fcber der Zahl und der Rate der Zeitschrift liegt. Was die Lieduntermauerung durch die so amerikanisch anmutende Zeile \u201eAnything\u2019s possible\u201c explizit verschweigt, aber impliziert, ist, dass man sich eben \u00fcberall einkaufen kann, wenn man \u00fcber eine gro\u00dfe Menge dessen verf\u00fcgt, was als W\u00e4hrung anerkannt wird. Und hier sind es Follower, Likes, Favs, eben Aufmerksamkeit, die sich \u00f6konomisch verwerten, also in die W\u00e4hrung Geld tauschen l\u00e4sst, die aber tats\u00e4chlich zeitgen\u00f6ssisch auch einen hohen Eigenwert hat.<\/p>\n<p>Nun bin ich nat\u00fcrlich altmodisch und konservativ, wenn es mit nicht gef\u00e4llt, dass Menschen ohne Bildung, ohne Ausbildung in einer Disziplin, Auspr\u00e4gung von kritischem Reflexionsverm\u00f6gen etc. nicht nur zu Influencern werden \u2013 das hat vielleicht noch was \u2013, sondern auch traditionelle Berufe besetzen und deren Qualifikationsprofil hintergehen. Klar, dass ich hier etwas verteidige, was man ebenso hinterfragen kann und soll, aber letztlich geht es in der Serie ja nicht darum, gr\u00fcndlich die Vor- und Nachteile von Einstellungspraktiken zu reflektieren, sondern reflexartig zuzuschlagen, wenn die Zahlen stimmen. Das gef\u00e4llt nur, solange es gef\u00e4llt, bis es also nicht mehr gef\u00e4llt, weil sich die politischen Flaggen leicht austauschen lassen, w\u00e4hrend man auf dieser Welle schwimmt. Immerhin wird gezeigt, dass Jane mit ihren politisch engagierten Beitr\u00e4gen selbst in Bedr\u00e4ngnis kommt, weil die Likes und Shares \u201elow\u201c sind (s1e8, 5:35).<\/p>\n<p>Manchmal erscheint es mir doch ganz wichtig, nicht einfach nur ganz schnell eine Meinung und Neigung zu haben, und viele Berufe zeichnen sich dadurch aus, dass man sich seiner Meinung und Neigung sogar ganz enthalten kann. Effektive JuristInnen brauchen kein Gerechtigkeitsempfinden; erfolgreiche NeurochirugInnen keine Begeisterung f\u00fcr glibberige Masse; gute JournalistInnen keine Meinung und Neigung zum Thema. Meine Meinung und Abneigung entfalte ich nun auf Professions-fremden Terrain, aber meiner guten Ausbildung habe ich zu verdanken, dass ich nicht die Hasstirade schreibe, die ich wirklich im Kopf habe. Sie ahnen ja gar nicht, was ich in diesem Text schon alles aus professionell geschulter Umsicht gel\u00f6scht habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Smartphones<\/p>\n<p>Insgesamt geh\u00f6rt die Einbindung der Sozialen Medien eigentlich zu den wenigen starken Seiten der Serie. Es geht fast permanent um Shitstorms und Aufmerksamkeitserfolge, Skandale und effektive politische Mobilisierung, Trollen und Best\u00e4rken auf und durch Twitter, Insta, Facebook usw. usf. Erfrischend und angenehm ist, dass diese Dynamiken nicht per se als gut oder schlecht behandelt werden, so wie man dies auch nicht pauschal von pers\u00f6nlicher Kommunikation behaupten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Aber nicht nur der Umgang mit Sozialen Medien als Abstrakta f\u00e4llt auf, sondern auch die Pr\u00e4senz von Smartphones. Wir erinnern uns an Carrie Bradshaw, die das Handy benutzt hat, als sei es ein Steuerungsinstrument f\u00fcr Raketentechnik. Unsere Millennials halten das Handy st\u00e4ndig in der Hand, als sei es ein Teil des K\u00f6rpers. Das ist nun einer der wenigen absolut realistischen Momente der Serie, denn ich kenne kaum jemanden, der sich entspannen kann, wenn er\/sie das Handy nicht in Reichweite hat. Und es ist auch schon lange nicht mehr sehr ungeh\u00f6rig, das Handy bei einem Treffen auf den Tisch zu legen, w\u00e4hrend einer Konversation Nachrichten abzurufen, in der U-Bahn eine Voice-Nachricht aufzusprechen etc. Es ist auch nicht mehr unbedingt als Schn\u00fcffeln verp\u00f6nt, mal zu schauen, ob andere Online sind, Nachrichten gelesen haben etc. Ganz normale kulturelle Praktiken, die in <i>TBT<\/i> aber fremder und verfremdeter, irrealer wirken als der Mythos vom Tellerw\u00e4scher zum Million\u00e4r.<\/p>\n<p>Das liegt zum einen daran, dass letzteres eine Geschichte ist. Man kann den Halbsatz tats\u00e4chlich im erz\u00e4hltheoretischen Sinn als Narration deklarieren, denn hier geht ein Zustand in einen anderen \u00fcber oder ein Zustand aus einem anderen hervor. Die Handy-Praktiken sind aber Kommunikationen, die man nur in die Geschichte einbetten kann, wenn eine Figur paraphrasiert, was sie auf dem Handy gelesen hat. Will man die Kommunikation direkt einbringen, muss man entweder auf das Display zoomen, was dann aber die ganze Szene ausblendet, oder man kann die Nachrichten als Collagen inszenieren, was die Realistik des Bildes bricht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-8979\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_3023-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"521\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_3023-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_3023-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_3023-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-8978\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_3018-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"521\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_3018-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_3018-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_3018-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-8980\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_3024-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"521\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_3024-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_3024-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_3024-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/p>\n<p>Diese \u00c4sthetik ist nicht neu. Ich meine sie in <i>Sherlock<\/i> das erste Mal gesehen zu haben, aber \u00e4hnliches gab es sicher vorher und danach ohnehin immer wieder. Auffallend ist in <i>TBT<\/i> aber die Penetranz von deren Pr\u00e4senz. Die erste Szene der Serie zeigt die drei Freundinnen beim Betreten des Verlagsgeb\u00e4udes nachdem Jane frisch bef\u00f6rdert wurde, wo sie ein Selfie machen und damit den Eingangsverkehr aufhalten. Auf eine Beschwerde sagt bezeichnenderweise Kat: \u201eExcuse me, my friend is having a moment.\u201c (s1e1, 1:47) Moment geht nat\u00fcrlich nicht ohne Bild. Gleich zu Beginn wird \u00fcberdeutlich auf die Integration von Smartphone-Praktiken hingewiesen, sodass sp\u00e4ter auffallen muss, in welch hoher Frequenz es zu Einstellungen wie den oben gezeigten kommt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Hier wird eine Visualisierungsform f\u00fcr eine kulturelle Praktik gew\u00e4hlt, bei der wir wahrnehmen, was die Figuren wahrnehmen, die, indem sie Medieninhalte wahrnehmen, Allt\u00e4gliches tun. Das hei\u00dft, es wird quasi \u00fcber die externalisierende Visualisierung der Nachrichten eine interne Fokalisierung vollzogen, weil wir nun die gelesenen Bewusstseinsinhalte der Figuren kennen, die noch vor wenigen Jahren, wenn sie nicht in Dialogen kommuniziert wurden, Leerstellen gebildet haben und Raum f\u00fcr Enth\u00fcllungsplots lieferten. Dar\u00fcber hinaus ergeben sich ganz neue dramaturgische M\u00f6glichkeiten, weil sich \u00fcber die Smartphones abwesende KommunikationspartnerInnen in Situationen einbringen k\u00f6nnen, sei es durch einen Anruf oder einen Tweet.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Smartphones werden in ihrer Agency gezeigt. Die Smartphones erlauben Verschr\u00e4nkungen von Situationen, Handlungsstr\u00e4ngen und Dialogen. Interessanterweise erlaubt eine realistische Alltagspraxis und deren Aufgreifen in der Fiktion das, was fr\u00fcher in teilweise harten Schnitten montiert werden musste, n\u00e4mlich das Ineinanderschalten verschiedener Handlungsstr\u00e4nge und Orte, aber dennoch haftet dem Verfahren etwas Irreales an, denn w\u00e4hrend alles andere fiktionsimmanent gegl\u00e4ttet wird, wird in Bezug auf die Smartphones darauf verzichtet, deren Informationswerte realistisch in Dialoge einzubauen, sondern hier findet die einzige Collage statt, die \u2013 auch \u2013 auf der Ebene der Gestaltung und nicht nur auf der Ebene der Geschichte wirksam wird. Damit stehen die Smartphones f\u00fcr das einzige wirkliche Pop-Element der Serie.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Schluss<\/p>\n<p>Zum Schluss hin wird es dann noch schwierig und heikel. Psychologisierung \u2013 das wurde bereits erw\u00e4hnt \u2013 bildet insbesondere seit dem 19. Jahrhundert das Kriterium f\u00fcr Komplexit\u00e4t. Hier trifft Innerlichkeit auf Geschichte, weil sich erste in letzterer entfaltet oder letztere auf erstere einwirkt. Nat\u00fcrlich kann man in dem Kontext auch ins 18. Jahrhundert zur\u00fcckgehen und an Blanckenburg denken. Die zeitgen\u00f6ssische Serienproduktion scheint auffallend h\u00e4ufig die billigste Variante einer Psychologisierung zu bevorzugen, in der Innerlichkeit und Geschichte zusammengef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, n\u00e4mlich das Trauma oder die Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung (PTSD). Das k\u00f6nnen DarstellerInnen leicht spielen, die Desorientierung l\u00e4sst sich gut durch die Kameraf\u00fchrung in Szene setzen, die Flashbacks durch Schnitte\/R\u00fcckblenden unkompliziert einbringen, und in der Differenz der zwei Zeithorizonte spannt sich eine Geschichte auf, ohne sie konkret ausgestalten und erz\u00e4hlen zu m\u00fcssen. <i>Babylon Berlin<\/i> hat das genutzt, aber auch Serien, die ich liebe, wie <i>Jessica Jones<\/i> leben in gro\u00dfem Ma\u00df davon.<\/p>\n<p>Mich w\u00fcrde die H\u00e4ufigkeit der Verwendung dieses Mittels bezogen auf das Produktionsland interessieren. Ich habe den Eindruck, dass es sich hier um ein typisches Verfahren amerikanischer Serien handelt. Das mag vielleicht noch auf den Vietnam-Krieg zur\u00fcckzuf\u00fchren sein \u2013 und die deutsche Variante einer PTSD in <i>Babylon Berlin<\/i> steht nicht umsonst in Bezug zum ersten Weltkrieg. Was aber eigentlich wirklich ernst ist, verselbstst\u00e4ndigt sich nun in einer stark abgeschw\u00e4chten Variante zu einem \u2013 ich muss es so tautologisch formulieren \u2013 abgegriffenen Topos, um \u2013 und nun habe ich nach einem Synonym f\u00fcr ein Wort gesucht, das hier sehr passen w\u00fcrde, das ich aber ganz und gar nicht verwenden kann, weil es so gravierend sexistisch und medizingeschichtlich problematisch ist \u2013 etwas in Szene zu setzen, das man als \u00fcbertriebene Erregbarkeit oder auch emotionale \u00dcberreaktivit\u00e4t bezeichnen k\u00f6nnte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Jane ist nervt\u00f6tend-\u00fcbererregbar. Und sie instrumentalisiert recht h\u00e4ufig das, was sie als Art Trauma wahrnimmt und durchlebt. Sie spricht auch w\u00f6rtlich oft von ihren Traumata, wobei man da nat\u00fcrlich mitbedenken muss, dass das Wort im Amerikanischen insgesamt vermutlich niederschwelliger und h\u00e4ufiger verwendet wird als im Deutschen. Nun kann man nicht einfach sagen, dass Jane schrecklich ist, sondern sie ist ja nun einmal als Figur so entworfen. Das macht es aber noch schlimmer, denn Menschen, die so sind, haben nicht die Wahl zu sein, wie sie sind, aber DrehbuchschreiberInnen haben die Wahl, Figuren zu charakterisieren, wie sie sie charakterisieren. Und die DrehbuchschreiberInnen der Serie haben es glatt geschafft, eine weibliche Figur als dezidiert solche zu entwerfen, die * ist. Dass das als Frauenbild propagiert werden soll, und zwar im positiven Sinn von einer weiblichen Creator und einer Produzentin, irritiert mich, denn es liefert die Vorlage f\u00fcr negative Reaktionen, die man b\u00f6swillig auf das Geschlecht projizieren k\u00f6nnte, weil ja die Figuren vor allem hinsichtlich dieser Variable ausgestellt werden.<\/p>\n<p>Wenn Jane etwas nicht passt, wird sie zieeemlich emotional, und sie hat dann auch gleich die passende Erinnerung parat, die diese Reaktion legitimiert. So st\u00f6\u00dft sie sich an der offenkundigen Religiosit\u00e4t ihres neuen Freundes Ben. Es entspannt sich eine leicht konfliktu\u00f6se Situation, in der der insgesamt als sehr besonnen und rational entworfene Ben seinen Glauben verteidigt und tolerant mit ihrem Nicht-Glauben umgeht. Er m\u00f6chte aber wissen, warum seine religi\u00f6se Haltung Jane so st\u00f6rt. Und nun mache ich mal einen Versuch, ein gutes Argument zu finden: Man k\u00f6nnte sagen, dass man keine Wertegemeinschaft bildet, wenn man in der Frage nicht \u00fcbereinstimmt, dass Beziehungen aber idealerweise Wertegemeinschaften darstellen, dass man dem anderen in wichtigen Situationen hinsichtlich seiner Entscheidungen nicht vertrauen kann, wenn sie sich axiologisch anders herleiten. Und man kann das bestimmt auch Serien-tauglich formulieren.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Jane ist als Figur entworfen, die das vermutlich noch nicht mal denken kann, die aber auch in dem Fall noch von ihren Gef\u00fchlen \u00fcberrannt w\u00fcrde. Sie erz\u00e4hlt vom Tod ihrer Mutter und von den verharmlosenden Worten des Pfarrers auf der Beerdigung (s2e4, 35:55). Ihr Kinn zieht sich ein wenig nach unten. Man kennt das schon. Ich w\u00fcrde das als Persistentes Infantilisierungssyndrom (PIS) bezeichnen. Aber nat\u00fcrlich versteht Ben das und tr\u00f6stet sie. Sie hat unter diesen Umst\u00e4nden jedes Recht auf Traurigkeit und auf Trost. Nat\u00fcrlich hat sie au\u00dferdem jedes Recht, nicht an Gott zu glauben. Dass sie das aber auch h\u00e4tte, wenn sie keine schlimme Erinnerung aufzuweisen h\u00e4tte, sondern Atheismus argumentativ verteidigen w\u00fcrde, wird in der Situation aber ebenso ausgeblendet wie Bens Recht darauf, seinen Glauben m\u00f6glicherweise teilen zu wollen. Die infantilste aller Lektionen in <i>TBT<\/i> lautet: Wer weint oder zumindest emotional betroffen ist, hat immer Recht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Nun gibt es da noch diese Folge, in der ein gro\u00dfer Streit zwischen Jane und Sutton ausgetragen wird, und zwar anl\u00e4sslich von Suttons Besitz einer Schrotflinte namens Betsy (s2e7). Warum in aller Welt eine Serie, die es nicht drauf hat, sich dieses Themas annimmt\u2026 Aber klar: Man will ja politisch und aktuell sein und sich den <i>tough issues<\/i> widmen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon, wie man zu Waffenbesitz steht, kommt man nun nicht umhin zu konstatieren, dass es der Serie nur haarscharf gelingt die Position zu kommunizieren, dass man keine Waffen besitzen sollte. Man kann sich ebenso gut in Jane hineinversetzen, dass die Waffe der Mitbewohnerin in den eigenen vier W\u00e4nden \u00c4ngste ausl\u00f6sen kann, wie man sich in Sutton hineinversetzen kann, dass eine Waffe keine \u00c4ngste ausl\u00f6st, wenn sie die eigene ist, mit der man verantwortungsvoll umgeht und deren Munition man weit verbannt wei\u00df. Beim Thema Waffenbesitz zeigt sich einmal mehr, dass sich das strukturelle Problem eines tiefgreifenden kulturellen Dissens\u2018 in einer Verfassungsgemeinschaft nicht so leicht personifizieren l\u00e4sst bzw. dass es wenig bringt, dies zu tun, wobei in der Folge durchaus deutlich wird, welche Gem\u00fctslagen sich hinter den unvereinbaren Haltungen verbergen.<\/p>\n<p>Jane greift die Diskussion f\u00fcr einen Artikel auf, in dem sie u.a. anf\u00fchrt, wie viele Personen t\u00e4glich in den USA erschossen werden. Das ist ohne Frage das beste Argument, wenn es um den Ansto\u00df zu einer Ver\u00e4nderung im amerikanischen Waffengesetz gehen soll (20:13). Aber abgesehen davon, dass in der Serie selbst Zahlen und Fakten nur en passant gestreift werden, muss man sich \u00fcber Janes JournalistInnen-Ethos doch wundern. Denn dieser Artikel geh\u00f6rt zu den wenigen, den die Chefin in der ersten Version ablehnt, weil er zu einseitig sei. Dramaturgisch ergibt diese Schleife Sinn, denn dadurch kann man Janes wiederholtes Ringen um Verst\u00e4ndnis nachvollziehen, was ihre schlussendlich ablehnende Haltung gegen\u00fcber Waffen im Sinne der Serie legitimiert.<\/p>\n<p>Merkw\u00fcrdig ist aber, dass Jane ausgerechnet hier die Kinnlade herunterf\u00e4llt, obwohl sie doch sonst so eifrig annimmt, was die Chefin fordert. Wie kann es sein, dass die Chefin nicht gut findet, was sie geschrieben hat? Sie hat doch geschrieben, dass sie Waffen be\u00e4ngstigend findet! Also fragt sie mal nach, ob die Chefin ver\u00e4rgert sei. Als die Chefin antwortet, das sei sie keinesfalls, sie erwarte aber eine ausgewogene Berichterstattung, regt sich erneut das Kinn der Protagonistin (19:00). Schlie\u00dflich ist es ja die unumst\u00f6\u00dfliche Wahrheit, dass Waffen bei ihr \u00c4ngste ausl\u00f6sen. Das Thema Waffen soll im vorliegenden Kontext gar nicht als solches beachtet werden, sondern die Anlage der Episode, dass \u00c4ngste mit der Wirklichkeit verwechselt, zum Beweggrund des Handelns erkl\u00e4rt sowie zur Verifikation der Gef\u00e4hrlichkeit des ausl\u00f6senden Gegenstandes benutzt werden. Das ist ein populistischer Mechanismus. Man merkt das, wenn man Waffe mal durch Gefl\u00fcchtete ersetzt. <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund strenger und \u00e4u\u00dferst differenzierter Waffengesetze in Deutschland und in \u00d6sterreich kann man es sich leichter machen und au\u00dferdem Jagdschein und Waffenschein differenzieren. F\u00fcr die USA gilt das nicht. Aber dennoch geht in einer Kette von logischen Kausalit\u00e4ten ein Punkt an Sutton, als sie anmerkt, dass sie ja eigentlich keine richtige Waffe, sondern eine Jagdwaffe bes\u00e4\u00dfe. Es ist verst\u00e4ndlich, dass das f\u00fcr Jane keinen Unterschied macht. \u00dcberzeugender klingt Suttons Hinweis darauf, dass Jane keine Vegetarierin sei. Wenn man das weiterdenkt, muss man hinzuf\u00fcgen, dass Jane nicht nur keine Vegetarierin ist, sondern auch ehemals empfindungsf\u00e4hige Lebewesen isst, die f\u00fcr ihren billigen Konsum in rationalisierten T\u00f6tungsapparaten H\u00f6llenqualen erleiden, und nicht Tiere, die bis zuletzt artgerecht gelebt haben. Kein Argument f\u00fcr ungeregelten und unausgebildeten Waffenbesitz! Aber ein Hinweis auf Janes inkonsistentes, inkonsequentes, unausgereiftes, unreflektiertes Weltbild, die sich n\u00e4mlich auf diese Diskussion nicht einlassen mag (13:24).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Nun ist es von Sutton auch nicht besonders schlau, Jane das Erlebnis des Schie\u00dfens vermitteln zu wollen. Denn dass sie dabei pers\u00f6nlich gro\u00dfe emotionale Befriedigung und Befreiung empfindet, stellt ebenso wenig ein Argument f\u00fcr Waffenbesitz dar, wie Janes pers\u00f6nliche Angst gegen einen solchen. Die Inszenierung von Janes nervlichen Problemen auf dem Schie\u00dfstand lassen allerdings den Gedanken aufkommen, dass die Serie gar nicht auf der Seite von Jane sein kann (22:24). Wenn aber doch \u2013 und davon gehe ich ja eigentlich aus \u2013, dann unterl\u00e4uft ihr der gro\u00dfe Fehler, dass sie in Bezug auf dieses sehr komplexe Thema einmal mehr kommuniziert, dass das Kinn nur wieder ein bisschen zittern, die Prinzessin nur wieder eine <i>crise<\/i> haben muss, um sich ins Recht zu setzen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Zuvor hatte Sutton in der Wohnung versucht, Jane die Funktionen des Gewehrs genauer zu erl\u00e4utern, und es war bereits zu einer starken emotionalen Reaktion gekommen, die wieder einmal mit dem Erkl\u00e4rungs- und Begr\u00fcndungsmuster des Traumas einher geht: Jane war in der N\u00e4he von Columbine aufgewachsen und musste erleben, dass der Sohn ihrer Lehrerin erschossen worden war. \u201eI was traumatized by the whole thing. [\u2026] So what do you think?\u201d (15:14ff.) Die Frage geht nat\u00fcrlich an Sutton, aber was ich nun als erstes denke? Was ist mit den Millionen von Menschen, die nicht in der N\u00e4he von Columbine waren, als der Amoklauf stattgefunden hat, und die niemanden kannten, der als Opfer betroffen war? Die m\u00fcssen ja auch Argumente finden, wenn sie Waffenbesitz ablehnen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Dass Sutton auf Janes Betroffenheitsnummer nicht eingeht, erscheint verst\u00e4ndlich. Aber dass Sutton bei aller Anteilnahme jegliche Verantwortung von sich weist, ist auch viel zu kurz gedacht, denn Verantwortlichkeit ergibt sich sehr wohl \u00fcber das Konsumverhalten, z.B. dem Kauf von Munition zwar nicht f\u00fcr vergangene, aber f\u00fcr zuk\u00fcnftige Amokl\u00e4ufe. Man k\u00f6nnte nun \u00fcber die \u00f6konomischen Grundlagen der Waffenindustrie und ihre Einbettung in kapitalistische Systeme diskutieren, aber Jane glaubt nachhaltig, die entscheidenden Argumente seien ihre pers\u00f6nliche Angst und die Tatsache, dass sie irgendwo in Colorado s\u00fcdlich von Denver ausgewachsen ist.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Jane folgt der Un-Logik eines Kindes an der Supermarktkasse. Man wirft sich weinend zu Boden, um zu bekommen, was man will. Und wenn Janes Versuch erfolglos geblieben ist, schlussfolgert sie, dass sie dies eben zwei bis zw\u00f6lf Mal wiederholen muss. Dann wird es schon klappen. Das ist ebenso infantil-egozentrisch wie ihre Reaktion auf die auf Differenzierung dr\u00e4ngenden Chefin: Bist Du b\u00f6se auf mich oder warum verlangst Du als Chefredakteurin, dass ich als Journalistin verschiedene Perspektiven einnehmen muss?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Am Ende siegt Jane, indem sie Sutton k\u00fcchen-psychoanalysiert. Nat\u00fcrlich geht es erneut um die Eltern und ein Kindheitstrauma. Sutton war immer schie\u00dfen, nachdem sie ihre alkoholkranke Mutter versorgt hatte. Das hat ihr das Gef\u00fchl der Kontrolle und Sicherheit gegeben, die sie von ihren Eltern nie erfahren hatte (34:00). Jane \u00fcberzeugt die erwachsene Sutton, dass sie die Waffe nun nicht mehr brauche, um sich sicher zu f\u00fchlen, und Sutton l\u00e4sst Betsy einschmelzen. <i>TBT<\/i> hat da wirklich eine Idee. Wir psychoanalysieren jetzt 22% der AmerikanerInnen,<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> und dann stimmen alle f\u00fcr ein restriktiveres Waffengesetz.<\/p>\n<p>Das Waffenthema ist im deutschen oder \u00f6sterreichischen Kontext nicht so heikel und muss eigentlich gar nicht so hoch geh\u00e4ngt oder breitgewalzt werden, aber es zeigen sich in der Folge besonders deutlich zwei gef\u00e4hrliche Tendenzen der Serie, die aber an einer Konstruktion h\u00e4ngen. Hier werden Frauen explizit als weibliche Rollenvorbilder entworfen und dabei penetrant als Emotions-getrieben dargestellt. \u2013 Tats\u00e4chlich trifft das auf Sutton insgesamt am wenigsten zu. \u2013 Man muss zugestehen, dass dies eben ein effektives dramaturgisches Mittel darstellt, um eine Serie oder diese Serie am Laufen zu halten, aber dennoch: Hier werden Frauen explizit als weibliche Rollenvorbilder entworfen und dabei penetrant als Emotions-getrieben dargestellt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig vom Geschlecht werden die <i>tough issues<\/i> der Serie gerade zu ihrem Schwachpunkt, indem sie an diese Dramaturgie gekn\u00fcpft werden. Diese taugt nicht f\u00fcr <i>tough issues<\/i>. Es ist \u00fcbel, aber man w\u00fcrde sich angesichts der dargestellten Diskussionskultur, die absolut nicht funktionieren w\u00fcrde, w\u00e4ren die beiden Figuren nicht seit langem beste Freundinnen und k\u00f6nnten sie sich nicht jederzeit einfach umarmen, um einen Konsens herzustellen, w\u00fcnschen, Jane und Sutton w\u00fcrden sich \u00fcber die Farbe ihres Nagellacks streiten, und indem sie Serie diesen Wunsch aufkommen l\u00e4sst, ist sie hochgradig sexistisch. Ich behaupte jedenfalls dezidiert, dass es nicht an mir liegt, dass man den beiden nicht nur nicht zutraut, die Welt zu regieren, sondern sich noch nicht mal vorstellen kann, sie k\u00f6nnten sich \u00fcber Autos streiten.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> In Deutschland auf Amazon Prime zur Zeit umsonst abrufbar.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Henry Jenkins\u2019 Beobachtungen zum Transmedia Storytelling und der transmedialen Expansion popul\u00e4rkultureller Franchise-Produkte geh\u00f6ren bei dem Thema mittlerweile zu den Klassikern.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Ba\u00dfler, Moritz: Leitkultur Pop? Popul\u00e4re Kultur als Kultur der R\u00fcckkopplung. In: Kulturpolitische Mitteilungen 148 (2005), Nr. 1, S. 34-39.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Kelleter, Frank: Popul\u00e4re Serialit\u00e4t. Eine Einf\u00fchrung. In: Frank Kelleter (Hrsg.): Popul\u00e4re Serialit\u00e4t. Narration, Evolution, Distinktion. Zum seriellen Erz\u00e4hlen seit dem 19. Jahrhundert. Bielefeld 2012.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Ba\u00dfler, Moritz: Leitkultur Pop? S. 34, 38; Werber, Niels: Ausnahmen des Pop. In: LiLi 46 (2016), S. 321-332.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Venus, Jochen: Die Erfahrung des Popul\u00e4ren. Perspektiven einer kritischen Ph\u00e4nomenologie. In: Marcus S. Kleiner, Thomas Wilke (Hrsg.): Performativit\u00e4t und Medialit\u00e4t Popul\u00e4rer Kulturen. Theorien, \u00c4sthetiken, Praktiken. Wiesbaden 2013, S. 49-74, hier S. 67.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Werber: Ausnahmen des Pop.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Hecken, Thomas: Pop-Konzepte der Gegenwart. Auf: www.uni-m\u00fcnster.de\/Ejournals\/ index.php.pop\/article\/view\/755\/720 (Letzter Zugriff: 03.01.2018).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Ba\u00dfler, Moritz: Der deutsche Pop-Roman. Die neuen Archivisten. M\u00fcnchen 2002; Ba\u00dfler, Moritz: Moderne und Postmoderne. \u00dcber die Verdr\u00e4ngung der Kulturindustrie und die R\u00fcckkehr des Realismus als Phantastik. In: Literarische Moderne. Begriff und Ph\u00e4nomen. Hrsg. von Sabina Becker und Helmuth Kiesel. Berlin 2007, S. 435-450.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2017\/08\/17\/irmgard-keun-crosses-the-border-and-closes-the-gap-avant-pop-in-der-weimarer-republikvon-maren-lickhardt17-8-2017\/<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Z.B. zusammengefasst in Meyer, Michaela D.E.: The Fantasy of Sex and the City. A Post-Colonial Critique of the Romantic Imaginery, Consumerism, and Globalization. In: Women\u2019s Studies 43\/4 (2014). 425-439.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> https:\/\/thevarsity.ca\/2018\/10\/21\/the-bold-type-is-the-best-political-show-on-television-right-now\/<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> MacCannell, Dean: Sights and Spectacles. In: Iconicity. Essays on the Nature of Culture. Hrsg. von Paul Bouissac u.a. T\u00fcbingen 1986, S. 421-435, hier S. 426.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> https:\/\/www.vulture.com\/2018\/06\/the-bold-type-8-reasons-why-you-should-watch.htmlIt<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Jakobson, Roman: Linguistik und Poetik. In: Roman Jakobson: Poetik. Ausgew\u00e4hlte Aufs\u00e4tze 1921-1971. Hrsg. von Elmar Holenstein und Tarcisius Schlebert. Frankfurt am Main 1979, S. 83\u2013121, hier S. 94.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> https:\/\/www.cosmopolitan.de\/amazon-prime-serie-the-bold-type-diese-serie-ist-viel-besser-als-sex-and-the-city-84209.html<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> https:\/\/www.thecut.com\/2018\/08\/bold-type-best-moments-season-two.html<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> https:\/\/newrepublic.com\/article\/150293\/tough-issue-bold-type-wont-tackle-season-2-review<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> https:\/\/tv.avclub.com\/the-bold-type-bites-off-exactly-as-much-as-it-can-chew-1827666320<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> https:\/\/slate.com\/culture\/2018\/07\/the-bold-type-season-2-is-a-big-improvement-but-jane-still-sucks.html<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Die Verfasserin gibt zu, dass sie diesen Essay schreibt, w\u00e4hrend sie eine Lehr-Fortbildung besuchen muss und ihre n\u00e4chste Lehrveranstaltung als Collage basteln soll. Beweisfoto: Tweet vom 17.12.2018. Das erkl\u00e4rt und entschuldigt hoffentlich die \u00dcbellaunigkeit des Textes.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Kat selbst hat ihre Stelle \u2013 das gibt sie zu \u2013 nach ihrem College-Abschluss erhalten, weil ihre Eltern ihr ein Praktikum in der Redaktion verschafft hatten. Hier wird also das Muster der sich selbst erhaltenden Privilegierten vorgef\u00fchrt, und Kat hat auch den entsprechenden Habitus. Ich bin mir nicht sicher, ob es nicht vielleicht rassistisch ist, dass auffallen soll, dass es sich hierbei um eine Figur mit afroamerikanischem Vater handelt, und dass dagegen die wei\u00dfe Jane als arm dargestellt wird.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> https:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/usa-ein-land-unter-waffen-in-sieben-grafiken-1.3694023<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"website lickhardt\" href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/germanistik\/mitarbeiter\/lickhardt_maren\/publikationen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Maren Lickhardt<\/a> ist Assistenzprofessorin am Institut f\u00fcr Germanistik der Leopold-Franzens-Universit\u00e4t Innsbruck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein feministisches Manifest?!<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[733,2118,2308],"class_list":["post-8974","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-feminismus","tag-sex-and-the-city","tag-the-bold-type"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8974","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8974"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8974\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8974"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8974"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8974"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}