{"id":8992,"date":"2019-01-18T11:21:37","date_gmt":"2019-01-18T09:21:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=8992"},"modified":"2019-01-18T11:21:37","modified_gmt":"2019-01-18T09:21:37","slug":"tokio-popvon-annekathrin-kohout18-1-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2019\/01\/18\/tokio-popvon-annekathrin-kohout18-1-2019\/","title":{"rendered":"Tokio, Pop!von Annekathrin Kohout18.1.2019"},"content":{"rendered":"<p>Pop, Kunst, Tierbabys und Spielhallen<\/p>\n<p><!--more--><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-8997\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7319-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"464\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7319-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7319-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7319-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/p>\n<p>Das ist Tokio vom Kaiserpalast aus betrachtet, der leeren, da nicht \u00f6ffentlich betretbaren, Stadtmitte. Das Foto ist keinesfalls bearbeitet; dass die B\u00e4ume anstatt mit Wasser mit gr\u00fcner Farbfl\u00fcssigkeit gesprenkelt wurden, halte ich aber f\u00fcr wahrscheinlich. In Tokio liebt man es, wenn das Nat\u00fcrliche so aussieht, als sei es vollkommen k\u00fcnstlich. Ja, das K\u00fcnstliche besitzt einen sehr hohen Stellenwert und steht keinesfalls \u2013 wie bei uns \u2013 f\u00fcr das Unechte, Manipulierte, Nichtauthentische etc.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Man sieht es zwar nicht gut auf dem Foto, aber der perfekt getrimmte saftgr\u00fcne Rasen reicht exakt bis zum Baumstamm: Da ist kein St\u00fcck Erde, geschweige denn ein kleiner H\u00fcgel ringsherum zu sehen! Dadurch wirken die B\u00e4ume, als seien sie gezielt auf der Fl\u00e4che platziert worden \u2013 und nicht, als h\u00e4tte sich Natur brutal ihren Weg ans Tageslicht gebahnt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-9009\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_0894-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"464\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_0894-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_0894-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_0894-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/p>\n<p>Diese wundersch\u00f6nen Trauben kosten jeweils 17.280 Yen. Das sind 140,48 Euro! Daf\u00fcr besitzt keine der Trauben auch nur EINEN kleinen br\u00e4unlichen Fleck und schon gar keinen Riss, aus dem Fl\u00fcssigkeit herausl\u00e4uft und durch den Schimmel droht. Ad\u00e9 Naturprodukt, dass du so unbeherrschbar und fehlerhaft bist! Diese Traube hingegen ist schlichtweg perfekt, als sei sie aus Glas oder Kunststoff. Im Geschmack unterscheidet sich das makellose Obst angeblich nicht von seinen Artverwandten. Unter wohlhabenden Japanern sind die Trauben ein typisches Gastgeschenk: Nach dem Essen werden sie von der Tischgesellschaft gemeinschaftlich bestaunt und dann verspeist.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-9018\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF6796-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"464\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF6796-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF6796-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF6796-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/p>\n<p>Japan ist bekannt f\u00fcr seine Plastikgerichte, die sich \u00fcblicherweise in der Auslage fast aller Restaurants befinden. Damit wird f\u00fcr das angebotene Essen geworben: Je realistischer es aussieht, umso mehr zieht es die Passanten in das Lokal. Weil sie so teuer sind, gelten die Plastikgerichte aber auch als Statussymbol f\u00fcr die Restaurants, manche haben fast die gesamte Speisekarte dreidimensional umgesetzt.<\/p>\n<div class=\"tumblr-post\" data-href=\"https:\/\/embed.tumblr.com\/embed\/post\/t:nGGPqYeF9waU8NRbOdW7nQ\/182055545608\/v2\" data-did=\"da39a3ee5e6b4b0d3255bfef95601890afd80709\"  ><a href=\"https:\/\/www.tumblr.com\/nytokio0807\/182055545608\">https:\/\/www.tumblr.com\/nytokio0807\/182055545608<\/a><\/div>\n<p><script async src=\"https:\/\/assets.tumblr.com\/post.js?_v=38df9a6ca7436e6ca1b851b0543b9f51\"><\/script><\/p>\n<p>Nat\u00fcrliches wird auch als indiskret oder gar als Zumutung empfunden. Da selbst die Japaner bisher nichts gegen den menschlichen Stoffwechsel unternehmen konnten, haben sie ihre Toiletten dergestalt eingerichtet, dass direkt neben der Klobrille eine ganze Palette an Kn\u00f6pfen installiert ist, mit denen man Ger\u00e4usche, meist Sp\u00fclger\u00e4usche, ausl\u00f6sen kann. Man bet\u00e4tigt die Kn\u00f6pfe, bevor das Gesch\u00e4ft beginnt, um es zu \u00fcbert\u00f6nen. Dabei kommt es erstaunlicherweise, obwohl Tokio eine der gr\u00f6\u00dften St\u00e4dte der Welt ist, ohnehin nur selten vor, dass mehrere Menschen zugleich in einem Toilettenraum sind. Ich wei\u00df einfach nicht, wie, aber die Japaner schaffen es stets, sich unsichtbar zu machen. Sie sind immer und zu jeder Zeit diskret und zur\u00fcckhaltend; es ist nie sehr laut (au\u00dfer im Restaurant, wo geschl\u00fcrft und geschmatzt wird), und einzelne Menschen beanspruchen fast keinen Raum f\u00fcr sich.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-9002\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/E0D2C9FA-AC4A-42AE-A79D-46A8991C5005-1024x755.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"512\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/E0D2C9FA-AC4A-42AE-A79D-46A8991C5005-1024x755.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/E0D2C9FA-AC4A-42AE-A79D-46A8991C5005-300x221.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/E0D2C9FA-AC4A-42AE-A79D-46A8991C5005-768x567.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/p>\n<p>Die Tokioter U-Bahnen sind \u00fcbrigens \u2013 \u00dcberraschung! \u2013 bis auf wenige Sto\u00dfzeiten auch hin und wieder v\u00f6llig leer. Und wie sauber es ist! Das gilt f\u00fcr ganz Tokio \u2013 obwohl es nirgends M\u00fclleimer gibt; und wenn, sind sie geleert. Ich hege die Vermutung, dass es Undercover-Stra\u00dfenreiniger gibt. Einmal habe ich, nach circa einer dreiviertelst\u00fcndigen Suche zu Fu\u00df, einen M\u00fclleimer entdeckt, das Papier von meinem Matcha-Eis darin entsorgt, pl\u00f6tzlich bewegte sich ein Mann neben mir (seit wann hatte er da gestanden?) automatisch und wie in einem Computerspiel zum Papierkorb, entnahm meine entsorgte Verpackung und verschwand damit.<\/p>\n<div class=\"tumblr-post\" data-href=\"https:\/\/embed.tumblr.com\/embed\/post\/t:nGGPqYeF9waU8NRbOdW7nQ\/182055620040\/v2\" data-did=\"da39a3ee5e6b4b0d3255bfef95601890afd80709\"  ><a href=\"https:\/\/www.tumblr.com\/nytokio0807\/182055620040\">https:\/\/www.tumblr.com\/nytokio0807\/182055620040<\/a><\/div>\n<p><script async src=\"https:\/\/assets.tumblr.com\/post.js?_v=38df9a6ca7436e6ca1b851b0543b9f51\"><\/script><\/p>\n<p>In Tokio sind gef\u00fchlt alle Tiere Babys und s\u00fc\u00df. Bei uns gibt es ja durchaus auch h\u00e4ssliche Tiere, viele sogar, und wenig Babys, aber in Tokio sind die Tiere so perfekt wie das Obst \u2013 und oftmals zudem gut gekleidet. Es gibt ganze L\u00e4den nur mit Tierbabys, andere f\u00fcr ihre Kleidung. Zoohandlungen kann man die exklusiven Gesch\u00e4fte einfach nicht nennen. In tiptop gereinigten Glask\u00e4sten befinden sich DURCHWEG die niedlichsten und makellosesten Tierbabys, die man jemals gesehen hat. Im Hintergrund l\u00e4uft instrumentale Entspannungsmusik, wie hierzulande beim Frauenarzt. Alles ist so relaxed, sauber (nat\u00fcrlich war in keinem der Katzenklos Kot\u2026), so frei von Sorgen, dass man es kaum aush\u00e4lt, nicht zu kaufen und zu kuscheln.<\/p>\n<p>Japan ist wahrscheinlich das Niedlichkeitszentrum der Welt, und da das Niedliche mittlerweile weit \u00fcber die Landesgrenzen hinaus (und nicht nur der Meinung von Sianne Ngai nach) zu einer der bedeutendsten \u00e4sthetischen Kategorien geworden ist, erweist sich das Land einmal mehr als Trendsetter.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-8998\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF6996-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"464\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF6996-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF6996-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF6996-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/p>\n<p>Obwohl die Tokioter Taxis Glauben machen, man bef\u00e4nde sich in den 1970er Jahren\u2026<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-9008\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7086-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7086-683x1024.jpg 683w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7086-200x300.jpg 200w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7086-768x1152.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/p>\n<p>Es muss in Japan deutlich mehr Tier-Influencer geben als hierzulande. Wer Tieren auf Instagram folgt, ich inklusive, empfindet die Kost\u00fcme und daraus entstehenden Gags meist ganz kurzweilig und witzig. In echt sind die kleinen Anz\u00fcge aber nicht sehr glamour\u00f6s. Auch die Entstehungsbedingungen zu sehen, macht weniger Freude.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-9000\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7061-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"464\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7061-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7061-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7061-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/p>\n<p>Wenn die Tiere nicht verkauft wurden und keine Karriere als Influencer gemacht haben, arbeiten sie offenbar in einem der \u00e4u\u00dferst popul\u00e4ren Tier-Caf\u00e9s (es gibt f\u00fcr s\u00e4mtliche Tierarten Caf\u00e9s in Tokio: f\u00fcr Katzen, Igel, Eulen etc.). Tiersch\u00fctzer brauchen sich (im Gegensatz zu den Fotoshootings der Tier-Influencer) dar\u00fcber keine Sorgen machen, ich habe es selbst \u00fcberpr\u00fcft, die Katzen werden nicht nur \u2013 offensichtlich \u2013 gut gepflegt, sondern auch vor kuschelgierigen und grabschenden Tourist*innen non stop besch\u00fctzt. Trotzdem: Bei all dem tauchen auch schon mal kulturpessimistische Gedanken auf und man kommt kaum umhin, etwaige k\u00fcchenpsychologische Thesen aufzustellen: Ist das kontrollierte Kuscheln nicht ein Ausgleich f\u00fcr fehlende K\u00f6rperkontakte im Alltag, hilft es nicht gegen die Einsamkeit des Lebens in einer Megastadt? NAT\u00dcRLICH NICHT. Vielleicht nicht. Jedenfalls sind dort nur Touristen zugegen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-9004\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF6972-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"464\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF6972-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF6972-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF6972-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/p>\n<p>Als Au\u00dfenstehende l\u00e4sst sich \u00fcber Tokio oder Japan kaum ein Urteil f\u00e4llen. So diskret, fokussiert und spirituell vieles auf der einen Seite ist, auf Aufmerksamkeit und Kontemplation bedacht (z.B. bei einer Teezeremonie), so laut, schnell und dezentriert ist es auf der anderen Seite. Wie die Stadt selbst nicht Zentrum und Peripherie besitzt \u2013\u00a0so sind unsere St\u00e4dte ja meistens organisiert \u2013, gibt es auch ein Nebeneinander und eine Gleichzeitigkeit von Laut und Leise, Schnell und Langsam, Konsum und Religion, Pop und Klassik. In den Tempeln kommt beides immer sehr sch\u00f6n zusammen, wie im Bild zu sehen ist (der Tempel befindet sich hinter den Buden).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-8999\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7035-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"464\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7035-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7035-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7035-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/p>\n<p>Es gibt ihn wirklich, den Friedhof der Kuscheltiere, und er befindet sich direkt in einem der gr\u00f6\u00dften und bedeutendsten Schreine in Tokio: dem Meiji-Schrein. Tausende Kuscheltiere, alte wie neue, traditionelle wie popkulturelle, stapeln sich an mehreren Orten der gut besuchten Anlage. Auf erkl\u00e4renden Schildern steht \u201eThanks Dolls\u201c. Gro\u00dfe T\u00fcten voller Puppen geben Japaner (keine Touristen) an einer Sammelstelle des Tempels ab. Von Zust\u00e4ndigen, die wei\u00dfe Kittel tragen und damit den abgenutzten Sachen eine gewisse Sterilit\u00e4t verleihen, wird das Mitgebrachte dann mit gro\u00dfer Sorgfalt im Kuscheltierfriedhof platziert. Aber warum nur? Profan ausgedr\u00fcckt, legitimiert die Sammelstelle das Ausmisten gebrauchter Gegenst\u00e4nde. Nicht nur Puppen, sondern auch alte Kleidung oder K\u00fcchenutensilien k\u00f6nnen \u2013 in anderen, weniger repr\u00e4sentativen Tempeln \u2013 abgegeben werden. Dahinter steckt die spirituelle Idee, dass alle Gegenst\u00e4nde eine Seele haben: Werden sie aber nicht mehr verwendet, wird aus der guten Seele ein b\u00f6ser Geist. Deshalb m\u00fcssen alte Dinge ausgemistet werden (au\u00dferdem sind die japanischen Wohnungen sehr klein, gleichzeitig wird sehr, sehr viel konsumiert). Und da Ausmisten keine leichte Angelegenheit ist, wie wir von Marie Kond\u014d gelernt haben, kann man alte Sachen den G\u00f6ttern zum Geschenk machen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-9005\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF6982-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"464\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF6982-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF6982-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF6982-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/p>\n<p>In Tempeln muss man Geld, Liebe, Gesundheit nicht erbeten, sondern kann sie sich in Form von Gl\u00fccksbringern kaufen. Auch Zukunftsprognosen k\u00f6nnen erworben werden. Falls sie einem nicht zusagen sollten, gibt es keinen Grund zur Panik: Man kann sie einfach an eine daf\u00fcr vorgesehene Wand knoten (siehe Bild) und sich eine neue Prognose holen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-9017\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF6967-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"464\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF6967-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF6967-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF6967-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/p>\n<p>Deutlich mehr Menschen suchen ihr Gl\u00fcck allerdings nicht in Tempeln, sondern in Spielhallen: der gr\u00f6\u00dfte Anbieter ist Pachinko &amp; Slot, seine mehrst\u00f6ckigen Hallen befindet sich beinahe an jeder Stra\u00dfenecke und sind rund um die Uhr besucht. Unz\u00e4hlige Automaten stehen in langen Reihen, vor ihnen sitzen meist M\u00e4nner in Anz\u00fcgen. Die Ger\u00e4uschkulisse aller Automaten ergibt ein fast unertr\u00e4glich lautes Rauschen. Patchinko ist kein junges Ph\u00e4nomen, schon in Roland Barthes \u201eReich der Zeichen\u201c (1970) erh\u00e4lt der Spielbetrieb ein eigenes Kapitel, in dem es hei\u00dft: \u201eMan sagt, der Umsatz der Patchinko sei ebenso gro\u00df wie der Umsatz s\u00e4mtlicher Kaufh\u00e4user Japans. (Oder sogar noch gr\u00f6\u00dfer.)\u201c Nat\u00fcrlich hat man in den letzten Jahrzehnten versucht, die illegalen Spielhallen mit strengeren Gesetzen unter Kontrolle zu bringen. Deshalb kann man auch kein Geld mehr gewinnen, sondern lediglich merkw\u00fcrdig aussehende Schnitzfiguren. Zwei H\u00e4user weiter k\u00f6nnen diese dann an einen \u201eSammler\u201c weiterverkauft werden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-9006\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7101-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"464\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7101-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7101-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7101-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/p>\n<p>Alle Erwachsenen spielen in Tokio. Neben Patchinko &amp; Slot gibt es unz\u00e4hlige Spielhallen, die beinahe ausschlie\u00dflich aus Greifarm- und\/oder Capsule-Automaten bestehen. Diese sind mit den verschiedensten Gewinnen best\u00fcckt: Von Kuscheltieren, gruseligen Masken bis hin zu technischen Ger\u00e4ten. Zudem gibt es Spielzeuggesch\u00e4fte, angesichts deren Duncan&#8217;s Spielzeugladen aus \u201eHome Alone 2\u201c mickrig aussieht. Siebenst\u00f6ckig und bis zur Decke voll mit allerlei Figuren und Spielen, alle bewegen sich und geben Laute von sich, die noch lange nach dem Besuch im Gesch\u00e4ft im Kopf weitersummen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-9007\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7095-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"464\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7095-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7095-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7095-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/p>\n<p>Dieses Foto zeigt das Tor zum Stadtteil Akihabara, dem \u201eMekka\u201c der Mangakultur. Hier habe ich gelernt, dass Popkultur und Porno in Japan sehr eng miteinander verbunden sind. Daran macht sich bemerkbar, dass es keine emanzipatorischen Bewegungen gegeben hat. Wenn man sich nichtsahnend und in Erinnerung an die Kindheit schwelgend Sailor-Moon-Spielfiguren ansieht, dann glaubt man pl\u00f6tzlich, der Kampfspruch \u201eIm Namen des Mondes werde ich dich bestrafen!\u201c k\u00f6nnte auch aus \u201eFifty Shades of Grey\u201c stammen \u2013 f\u00e4llt der Blick doch auf direkt daneben platzierten Sexspielzeuge und Hardcorepornos.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9012\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/11D4B8D7-DBA9-4D7C-A805-72E672CBD1DE-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"439\" height=\"586\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/11D4B8D7-DBA9-4D7C-A805-72E672CBD1DE-768x1024.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/11D4B8D7-DBA9-4D7C-A805-72E672CBD1DE-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 439px) 100vw, 439px\" \/><\/p>\n<p>Tokio ist nicht nur das Niedlichkeitszentrum der Welt, sondern dort befindet sich auch ein bedeutendes Popkulturzentrum: der Nakano Broadway. Entwickelt wurde die Anlage w\u00e4hrend des Wirtschaftswachstums 1966, als ein idealer Wohnkomplex, der in den unteren Geschossen Gesch\u00e4fte, Restaurants und Dienstleistungen aller Art integrierte, au\u00dferdem Luxusapartments, und auf dem Dach G\u00e4rten, Poolanlagen und Parkpl\u00e4tze bereitstellte. Zudem war die Errichtung des Nakano Broadway getragen und mitfinanziert durch die erfolgreichen Olympischen Spiele von 1964 und stellte eine Zukunftsvision des urbanen Lebens dar. Die Wirtschaftskrise in den 1970er Jahren wirkte sich auch auf den Nakano Broadway aus; erst w\u00e4hrend der Bubble Economy in den sp\u00e4ten 1980er Jahren gelangte der Komplex zu seinem heutigen Erscheinungsbild: einem Paradies f\u00fcr sogenannte Otakus (Nerds\/fanatische Fans).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9003\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/FEA1D7EB-20D4-41E4-A6B7-9733C390C7A0-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/FEA1D7EB-20D4-41E4-A6B7-9733C390C7A0-768x1024.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/FEA1D7EB-20D4-41E4-A6B7-9733C390C7A0-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-9021\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/Bildschirmfoto-2019-01-16-um-11.59.54-1024x488.png\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"331\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/Bildschirmfoto-2019-01-16-um-11.59.54-1024x488.png 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/Bildschirmfoto-2019-01-16-um-11.59.54-300x143.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/Bildschirmfoto-2019-01-16-um-11.59.54-768x366.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/Bildschirmfoto-2019-01-16-um-11.59.54.png 1151w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/p>\n<p>Auf vier sagenhaft gro\u00dfen Etagen gibt es Gesch\u00e4fte f\u00fcr japanische Mangas, Animes, Comics, Video Games, Idols, Cosplay, Capsule Toys \u2013 aber auch L\u00e4den mit Fan-Produkten aus der internationalen Popkultur, nicht nur der Gegenwart, sondern ebenso der Geschichte. In Retro- und Pop-Antik-Gesch\u00e4ften findet man originale Merchandise-Artikel vom Filmstart von E.T. aus dem Jahr 1982 \u2013 zum Beispiel. Oder M&amp;M-Aufsteller aus den 1950ern (da gab es das Produkt noch nicht einmal in Europa!). Oder die erste Elvis-Barbie. Oder Mickey Maus-Figuren s\u00e4mtlicher Jahrzehnte. Oder die allerersten Star-Wars-Spielfiguren, die von Kenner 1977\u201385 produziert wurden. Oder, oder, oder.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-8995\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_1011-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"464\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_1011-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_1011-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_1011-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-8996\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_1010-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"464\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_1010-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_1010-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_1010-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/p>\n<p>Einer der gr\u00f6\u00dften Anbieter von gebrauchten Anime- und Manga-Produkten in Tokio ist Mandarake. In unterschiedlichen, jeweils anders spezialisierten L\u00e4den bietet das Unternehmen historische Sammlerst\u00fccke, VHS-Kassetten, DVDs, CDs, gebrauchte Mangas, Spielzeug und eine gro\u00dfe Anzahl von D\u014djinshi (von Amateuren im Selbstverlag herausgegebene Mangas) an. Mandarake steht daneben aber auch f\u00fcr japanische Subkultur; in eigenen L\u00e4den werden die Arbeiten japanischer, wie soll man dazu sagen, \u201eMonster-K\u00fcnstler\u201c angeboten. Die Figuren von <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/zhangsheng1234\/\">kaijutan<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/izumonster\/\">izumonster<\/a> werden in den entsprechenden Gesch\u00e4ften in gut beleuchteten Vitrinen ausgestellt und als Kunstwerke behandelt \u2013 sind aber zugleich Teil japanischer Popkultur. Kunst und Pop referieren nicht gegenseitig aufeinander, sondern sind ein- und dasselbe.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-9020\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/EB0D24AC-AE2F-42D7-AB84-95FF8D2B20EE-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"521\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/EB0D24AC-AE2F-42D7-AB84-95FF8D2B20EE-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/EB0D24AC-AE2F-42D7-AB84-95FF8D2B20EE-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/EB0D24AC-AE2F-42D7-AB84-95FF8D2B20EE-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-9001\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/816711C9-ECDE-4C44-A409-C38A0A4BEC4F-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"521\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/816711C9-ECDE-4C44-A409-C38A0A4BEC4F-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/816711C9-ECDE-4C44-A409-C38A0A4BEC4F-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/816711C9-ECDE-4C44-A409-C38A0A4BEC4F-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/p>\n<p>Deshalb ist es auch ganz und gar nicht befremdlich, dass Takashi Murakami Ausstatter eines Caf\u00e9s im Nakano Broadway ist. Dort werden seine lustigen Blumen nicht nur auf Hamburger getoastet oder auf den Milchschaum eines Cappuccinos gest\u00e4ubt, sondern auch Fanartikel (oder sind es schon Multiples?) seiner Kunst in Form von Stofftieren, Kissen oder Stickern zum Verkauf angeboten. Ganz wie in einer Galerie steht der Preis nicht an den Objekten, sondern es muss ganz diskret eine Preisliste an der Theke erfragt werden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9013\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_0997-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"660\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_0997-683x1024.jpg 683w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_0997-200x300.jpg 200w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_0997-768x1152.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 100vw, 440px\" \/><\/p>\n<p>In Japan haben K\u00fcnstler echte Fans, was nat\u00fcrlich daran liegt, dass es so tolle Fanprodukte zu kaufen gibt\u2026<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-8993\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_1141-665x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"678\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_1141-665x1024.jpg 665w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_1141-195x300.jpg 195w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/IMG_1141-768x1183.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 100vw, 440px\" \/><\/p>\n<p>In Tokio gibt es nicht nur kein Problem mit K\u00fcnstlichkeit, sondern auch kein Problem mit Kopien, Reproduktionen, Wiederholungen. Nat\u00fcrlich leben auch in Tokio coole Kunststudent*innen, die wissen dann angeblich nicht, dass zu den zwei Hauptattraktionen ihrer Stadt eine Kopie des Eiffelturms (der sogenannte \u201eTokyo Tower\u201c) und eine Kopie der Freiheitsstatue z\u00e4hlen. (Sie wissen es vermutlich auch deshalb nicht, weil es kein \u201acamp\u2019 gibt und nicht so einen starken ironischen Umgang mit Trash). Aber ansonsten\u2026Hier stelle ich ein Foto von John Lennon vor der echten Freiheitsstatue nach.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-9015\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7169-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"464\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7169-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7169-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7169-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-9016\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7087-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"464\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7087-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7087-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/01\/DSF7087-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/p>\n<p>Ich kann diesen Reisebericht nicht enden lassen, ohne \u00fcber das Beste zu sprechen, das Japan zu bieten hat: Essen. Japanisches Essen ist das k\u00f6stlichste Essen der Welt, fein und leicht, weshalb man auch immerzu essen kann und sich kaum m\u00e4\u00dfigen muss. Ich esse auch sehr gern mit St\u00e4bchen, zumindest hierzulande, aber in Japan ist das eine deutlich gr\u00f6\u00dfere Herausforderung, da vieles, was man an Gerichten vorgesetzt bekommt (selbst in Tokio gibt es kaum englischsprachige Speisekarten, nur bebilderte, und man zeigt dann wahllos auf irgendetwas), Konsistenzen hat, die, naja, eben wabbelig und flutschig sind. Wenn man derartige Speisen in die St\u00e4bchen einzuspannen versucht, dann schwabbeln sie davon \u2013 und deshalb ist man stets versucht, die wabbeligen Formen mit den St\u00e4bchen aufzuspie\u00dfen. Aber wehe! Einmal erlaubte ich mir in einem Restaurant diesen Fehler und der Dame neben mir sind die Fischged\u00e4rme im Halse stecken geblieben und die Augen fast herausgesprungen! Sie erkl\u00e4rte mir, dass man zwei Dinge mit St\u00e4bchen NIEMALS machen darf: Essen auf St\u00e4bchen aufspie\u00dfen und Essen mit St\u00e4bchen weitergeben. Weil \u2013 und mit dieser aus unserer Perspektive wohl etwas makabren Geschichte endet dieser Beitrag \u2013 eine traditionelle Beerdigung in Japan wie folgt verl\u00e4uft: Die verstorbene Person wird einge\u00e4schert, allerdings bei einer Temperatur, die ausreichend Knochenreste hinterl\u00e4sst; Asche und Knochen werden in eine Schale gef\u00fcllt und die Hinterbliebenen gruppieren sich darum; schlie\u00dflich holt man mit den St\u00e4bchen jeden einzelnen Knochen aus der Asche und gibt ihn reihum. Die Prozedur dauert so lange, bis alle Knochen aus der Asche sind, zum Abschluss werden die St\u00e4bchen in die Asche gespie\u00dft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pop, Kunst, Tierbabys und Spielhallen<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[100383,1329,1432,1578,1614,1729,1734,1816,2201,2348],"class_list":["post-8992","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-akihabara","tag-kunst","tag-mandarake","tag-murakami","tag-nakano-broadway","tag-otaku","tag-pachinko-slot","tag-pop","tag-spielhallen","tag-tierbabys"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8992","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8992"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8992\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8992"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8992"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8992"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}