{"id":9131,"date":"2019-03-19T11:09:44","date_gmt":"2019-03-19T09:09:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=9131"},"modified":"2019-03-19T11:09:44","modified_gmt":"2019-03-19T09:09:44","slug":"social-media-maerzvon-daniel-hornuff19-3-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2019\/03\/19\/social-media-maerzvon-daniel-hornuff19-3-2019\/","title":{"rendered":"Social Media M\u00e4rzvon Daniel Hornuff19.3.2019"},"content":{"rendered":"<p>Die weinerlichen M\u00e4nner und ihr schwedisches M\u00e4dchen<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9143\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.32.35-795x1024.png\" alt=\"\" width=\"501\" height=\"645\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.32.35-795x1024.png 795w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.32.35-233x300.png 233w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.32.35-768x990.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.32.35.png 984w\" sizes=\"auto, (max-width: 501px) 100vw, 501px\" \/><\/p>\n<p>Sie sei \u201eeine Radikale\u201c, schreibt ein Twitter-User \u2013 und reagiert damit auf ein Bild-Posting, das eine schwedische Klimaaktivistin mit der deutschen Bundeskanzlerin physiognomisch \u00fcberblenden will \u2013 begleitet vom Versuch, ein nebengestelltes Zitat als m\u00f6gliche Aussage der jeweils beiden Figuren erscheinen zu lassen. Der Anlass ist klar: Offenbar werden inzwischen beide Personen gleicherma\u00dfen als Projektionsfl\u00e4chen gesehen, gegen die mindestens der gesunde Menschenverstand zu verteidigen ist.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Greta Thunberg geh\u00f6rt zu den meistbeachteten Figuren unserer Tage. Nahezu weltweit interessieren sich Massenmedien f\u00fcr sie als Person im doppelten Sinne: Als Repr\u00e4sentantin eines kollektiven, politischen Anliegens einerseits; und andererseits als Mensch, dem man entweder gro\u00dfv\u00e4terlich besorgt, hobbypsychologisch gestimmt oder gar ferndiagnostisch ambitioniert auf die Schliche kommen m\u00f6chte. So war es nur eine Frage der Zeit, bis sich vermeintliche Medizinautorit\u00e4ten berufen f\u00fchlten, das Ph\u00e4nomen im Grunds\u00e4tzlichen auszulesen \u2013 formvollendet vorgetragen etwa in der <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/psychiater-im-interview-wie-wir-alle-von-greta-thunberg-lernen-koennen-16093170.html\">FAZ<\/a>: \u201eVon sich selbst sagt Greta Thunberg, sie sehe die Welt schwarz und wei\u00df. Der Psychiater vom Max-Planck-Institut erkl\u00e4rt, wie das mit ihrem Autismus zusammenh\u00e4ngt.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 \u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Hermeneuten des Klima-Seelischen geh\u00f6ren in diesem Fall allerdings zu den harmloseren Randerscheinungen. Wesentlich dominanter \u2013 und f\u00fcr die \u00f6ffentliche Wahrnehmung ungleich folgenreicher \u2013 wirken insbesondere M\u00e4nner, die in Greta Thunberg ganz offenbar eine reelle Gefahr f\u00fcr Kultur, Nation und ihre jeweiligen Wertpr\u00e4ferenzen erkennen. Wie anders sollen die abertausenden, meist von reflexhafter Feindseligkeit, offen gezeigter Abscheu oder mythologisierender Verteufelung getr\u00e4nkten Verlautbarungen auf Twitter, Facebook und Instagram zu erkl\u00e4ren sein?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Seit Thunberg im Dezember 2018 auf der UN-Klimakonferenz in Katowice an Politiker*innen und \u00d6ffentlichkeit appellierte \u2013 und damit ein Anliegen pointierte, das sie bereits seit August 2018 durch Schulstreik-Aktionen verfolgt hatte \u2013, wurde sie nicht nur schlagartig zum Vorbild einer jungen, (umwelt)politisch engagierten Generation; zugleich avancierte sie zum gemeinsamen Hassobjekt nationalistischer, klimawandelleugnender, rechtsextremistischer und verschw\u00f6rungstheoretischer Gruppierungen. <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Dabei entz\u00fcnden sich pauschal-abwertende \u00c4u\u00dferungen gegen\u00fcber Thunberg im Grunde nie an ihren inhaltlichen Positionen. Das ist erstaunlich. Schlie\u00dflich k\u00f6nnte es einem emp\u00f6rten Menschen als besonders naheliegende \u00dcbung erscheinen, mit der angenommenen Reife des Erwachsenen ein vermeintliches Mehr- und Besserwissen zur Widerlegung der 16-J\u00e4hrigen auszuspielen \u2013 um mit einer solchen \u201aKorrektur\u2018 die Durchsetzung einer als richtig empfundenen Ordnung zu demonstrieren.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Diese Logik weitergedacht, g\u00e4be es sogar eine strategische Notwendigkeit zur inhaltlichen Auseinandersetzung. Denn erst durch sie lie\u00dfe sich die \u2013 offenkundig<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>gew\u00fcnschte \u2013 \u00dcberlegenheitsgeste mit dem scheinbaren Nimbus des Souver\u00e4nen verbinden. Wem also an der Festigung hegemonial-patriarchaler Strukturen gelegen ist, m\u00fcsste der nicht auch ein Interesse daran haben, gegen\u00fcber der eigenen Community als inhaltlich unbestechlich aufzufallen?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Vermeidung inhaltlicher Besch\u00e4ftigungen bei gleichzeitiger Erh\u00f6hung der Emp\u00f6rungserregung erzeugt stabile Muster in den Formen der Diffamierung. Strukturell lassen sich \u2013 \u00e4hnlich vielen anderen Hass-Projektionen in den Sozialen Medien \u2013 eine textliche und eine bildliche Dimension unterscheiden. Diese wirken allerdings nicht getrennt voneinander, im Gegenteil: Oft liefern sprachlich verfasste Hass\u00e4u\u00dferungen die Stichworte, aus denen bestimmte Bildarrangements hervorgehen, die ihrerseits dann wieder dazu motivieren, sich auf der Ebene des Textes auszulassen. Dort sind dann auch mindestens f\u00fcnf typische Abwertungsmechanismen zu identifizieren:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Intelligenzdefizit<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span class=\"Apple-converted-space\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9142\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.32.44.png\" alt=\"\" width=\"502\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.32.44.png 972w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.32.44-300x128.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.32.44-768x327.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 502px) 100vw, 502px\" \/>\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Wer die Tiefebenen der inhaltlichen Besch\u00e4ftigung entweder scheut oder aber l\u00e4ngst hinter sich gelassen hat, neigt zur normativen Einordnung. Aus dem unterstellten intellektuellen Defizit wird die Notwendigkeit zur Wiedereingliederung in das Bildungssystem abgeleitet. Auff\u00e4llig \u2013 und absolut typisch! \u2013 ist die Verschr\u00e4nkung von attestierter Blau\u00e4ugigkeit bzw. himmelschreiender Unerfahrenheit, angenommenem Intelligenzmangel und Alter. Dieser Kurzschluss unterschiedlicher Eigenschaften eignet sich entsprechend Gewillten wunderbar zur Stabilisierung einer als nat\u00fcrlich aufgefassten Ordnung.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Weltanschaulicher Missbrauch<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span class=\"Apple-converted-space\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9141\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.32.50.png\" alt=\"\" width=\"501\" height=\"262\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.32.50.png 960w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.32.50-300x157.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.32.50-768x402.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 501px) 100vw, 501px\" \/>\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/span><\/p>\n<p>Herabw\u00fcrdigung kann in besonders effektiver Weise durch Absprechen von Selbstbestimmtheit herbeigef\u00fchrt werden. Thunberg \u2013 einmal mehr als \u201eKind\u201c adressiert \u2013<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>wird als Opfer eines gewaltaus\u00fcbenden Systems dargestellt, ein System, das, so die Unterstellung, nicht davor zur\u00fcckschreckt, die Schw\u00e4chsten zur Ausweismarke der eigenen Weltanschauung zu machen (\u2013 so erscheint Thunberg<a href=\"https:\/\/twitter.com\/NorbertBolz\/status\/1104811054985555971\"> anderen Usern<\/a> als \u201eSymbol des \u00d6kostalinismus\u201c, als \u201eIdol von vollkommenen Idioten\u201c, als \u201eMarionette des linken Mainstreams\u201c oder sogar als \u201eSymbol der Ochlokratischen Republik Deutschland (ORD)\u201c).<\/p>\n<p>Der insinuierte Missbrauch wird folglich weniger Personen denn einer bestimmten Gruppe (\u201e<a href=\"https:\/\/twitter.com\/Steinhoefel\/status\/1089078655920324608\">Mit dem Missbrauch Minderj\u00e4hriger kennen sich die Gr\u00fcnen aus<\/a>\u201c) oder gleich einer ganzen \u201eIdeologie\u201c angelastet. Im vorliegenden Fall wird diese zus\u00e4tzlich pathologisiert, wodurch das Gef\u00e4lle zwischen einem irgendwie indisponierten System und seinem Opfer ins Monstr\u00f6se gesteigert wird. Gleichzeitig soll damit ein Signal von pers\u00f6nlicher Besorgtheit gesetzt werden, wird dem \u201eKind\u201c doch scheinbar beigesprungen mit dem Ziel, die vermutete Krankheit als Auseinanderklaffen zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu deuten: Gutmenschen predigen ihr Einstehen f\u00fcr die Schwachen \u2013 und beuten diese umgehend aus, wenn es um das Bewerben ihrer Weltsicht geht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 \u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Symptom eines totalit\u00e4ren Infantilismus<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9140\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.32.56.png\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"241\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.32.56.png 970w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.32.56-300x145.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.32.56-768x371.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p>Die Klimaaktivistin beim Vornamen zu nennen, dient Fans und Mitstreiter*innen als Form der N\u00e4hebekundung. \u00c4hnlich einer Beziehung zu einer Marke, wird diese \u00e4u\u00dferst intensiv ausgelegt und -gelebt. Andererseits eignet sich die Adressierung beim Vornamen dazu, einmal mehr die scheinbare Kindlichkeit negativ hervorzuheben \u2013 dies insbesondere dann, wenn nicht nur die Aktivistin als unerwachsen dargestellt, sondern im g\u00e4ngigen kulturkritischen Duktus gleich ein allgemeiner Infantilisierungszusammenhang aufgezeigt werden soll.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Und auch hier kommt es regelm\u00e4\u00dfig zu einer Depersonalisierung: In der Rede davon, mit \u201eGreta [\u2026] nur ein Symptom\u201c vor sich zu haben, manifestiert sich wiederholt die Annahme einer blo\u00dfen Fremdbenutzung. Abgestellt wird auf eine \u201ezunehmend\u201c grassierende Gef\u00fchligkeit von \u201ePolitik\u201c, wobei \u201eFakten\u201c anscheinend vor allem eine Sache erwachsener Menschen sein sollen. Gleichzeitig wird zum Ausdruck gebracht, dass der R\u00fcckzug ins Kindliche einer Realit\u00e4tsverweigerung entspringt. Kaum verwunderlich also, dass ein solcher Tweet denn auch einen sp\u00fcrbar angestrengten Stilehrgeiz verr\u00e4t, darauf hoffend, einen \u00fcberlegen-realistischen Blick auf die allgemeine Lage nachweisen zu k\u00f6nnen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Knopfdruckl\u00f6sungen<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9139\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.03.png\" alt=\"\" width=\"501\" height=\"430\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.03.png 976w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.03-300x258.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.03-768x659.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 501px) 100vw, 501px\" \/>\u00a0<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 \u00a0<\/span><\/p>\n<p>Unfreiwillig komisch wird es gleich auf mehreren Ebenen, wenn ein Twitter-User Thunberg dazu benutzt, seiner Klage gegen\u00fcber Instagram-Usern zum Ausdruck zu bringen. Verwunderlich ist die kurze Wegstrecke, die von der \u201eGeneration Instagram\u201c (wer auch immer das sein mag) zur \u201eInsta-Politik\u201c (was auch immer das sein mag) zur\u00fcckgelegt wird. In jedem Fall scheint in beiden F\u00e4llen eine \u201eKnopfdruck\u201c-Mentalit\u00e4t vorherrschend \u2013 was insofern einen performativen Selbstwiderspruch erzeugt, als der Tweet ebenfalls darauf setzt, durch eine Art Knopfdruck-Anweisung das Problem beheben zu k\u00f6nnen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Damit wird aber zugleich ersichtlich, wie umfassend Projektionen auf Thunberg ausfallen: Sowohl in diesem Tweet als auch in der kommentierenden Reaktion auf ihn geht es l\u00e4ngst nicht mehr um Klimafragen. Eher scheint es, als sei wieder einmal ein letztlich willk\u00fcrlicher Anlass gefunden worden, dem eigenen \u00dcberlegenheitsanspruch mit ein paar Worten Geltung zu verschaffen. Genretypisch daran ist, dass der Blick auf Thunberg mit eigenen Aversionen gegen\u00fcber einer Jugend angereichert wird, die sich ja, wie allseits bekannt, in erster Linie durch blo\u00dfes \u201eWeiterwischen\u201c auszeichne.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Personalwechsel<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9138\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.09-1024x507.png\" alt=\"\" width=\"501\" height=\"248\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.09-1024x507.png 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.09-300x149.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.09-768x380.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.09.png 1030w\" sizes=\"auto, (max-width: 501px) 100vw, 501px\" \/><\/p>\n<p>Verschw\u00f6rungstheoretische Neigungen sind oft dann zu beobachten, wenn Personen in direkte Bedingungsverh\u00e4ltnisse zueinander gestellt werden. Eine Clausewitz-Anleihe bem\u00fchend, wird die schwedische Klimaaktivistin als \u201eFortsetzung\u201c des Co-Vorsitzenden einer u.a. im deutschen Bundestag vertretenen Partei eingestuft (Robert Habeck ist in diesen Konstellationen freilich v\u00f6llig austauschbar; im Grunde kann seine diesbez\u00fcgliche Rolle an jede und jeden des Systems vergeben werden).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Der Hinweis auf die \u201eanderen Mittel\u201c suggeriert eine versteckt agierende Macht im Sinne einer steuernden Kraft hinter den Personen, so dass diese umso mehr als blo\u00dfe Erf\u00fcllungsgehilfen \u2013 eben als \u201eMittel\u201c \u2013 eines Systemzwangs erscheinen. Gleichwohl werden sie in unmittelbare Wirkungsbeziehung zueinander gebracht, f\u00fchre \u201eGreta\u201c im Grunde doch nur weiter aus, was auch \u201evon Habeck\u201c erwartet werde.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Folglich \u00fcbernehmen solche Tweets die Funktion, diffuse Verdachtsmomente durch wiederholtes Vortragen im Stile einer Aussage als empirische Tatsache ins Bewusstsein zu heben. Der Hinweis auf die \u2013 vermutete \u2013 Verschw\u00f6rung folgt somit selbst der Logik einer Verschw\u00f6rung, in dem sie sich als entlarvend gegen\u00fcber einer kollektiven Verblendung positioniert \u2013 und dabei unerw\u00e4hnt l\u00e4sst, aus welchen Quellen dieses vermeintliche Wissen gezogen wird.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Zu den Bildern<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9137\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.30-764x1024.png\" alt=\"\" width=\"501\" height=\"672\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.30-764x1024.png 764w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.30-224x300.png 224w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.30-768x1029.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.30.png 982w\" sizes=\"auto, (max-width: 501px) 100vw, 501px\" \/><\/p>\n<p>An die textsprachlichen Verschw\u00f6rungsexegesen schlie\u00dft sich eine ganze Reihe bildlicher Nachweisversuche an. Typischerweise geht es dabei immer wieder darum, durch eine Art Stammbaumverzweigung Beziehungen, Einfl\u00fcsse und Abh\u00e4ngigkeiten plausibel zu machen. Wilde Mischungen synchroner und diachroner Ahnen- und Verwandten-, Freundes- und G\u00f6nnerforschungen werden aufgeboten, wobei generell ein neutraler (schwarzer) Hintergrund analytische Unaufgeregtheit suggerieren soll. Vor diesem wird das als verd\u00e4chtig identifizierte Personal in Stellung gebracht und mit simplen Strichf\u00fchrungen als untereinander irgendwie verbunden dargestellt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u00dcber allen \u2013 gewisserma\u00dfen als Endprodukt \u2013 positioniert sich ein farbiges Portr\u00e4t Thunbergs, das sich wiederum auf eine Art \u2013 schwarzwei\u00df dargestellten \u2013 systemrelevanten Urahn zur\u00fcckf\u00fchren l\u00e4sst. Der begleitende, rhetorisch fragende Stakkato-Text erscheint als Versuch eines evidenzbasierten Zusammenrechnens angeblich brisanter Neuentdeckungen. Welche konkret beg\u00fcnstigenden Rollen darin die \u201eber\u00fchmte Operns\u00e4ngerin\u201c und der \u201em\u00e4chtige Unternehmer in der Medienwelt\u201c spielen sollen \u2013 und welchen Interessen sie jeweils folgen \u2013, bleibt ebenso nebul\u00f6s wie die vermuteten Einflussaktivit\u00e4ten der aufgef\u00fchrten Personen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9136\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.42-747x1024.png\" alt=\"\" width=\"501\" height=\"686\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.42-747x1024.png 747w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.42-219x300.png 219w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.42-768x1053.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.42.png 986w\" sizes=\"auto, (max-width: 501px) 100vw, 501px\" \/><\/p>\n<p>Durch Zusammenstellung von Fotografien, die w\u00e4hrend Thunbergs \u00f6ffentlichen Auftritten entstanden sind, lassen sich Vorhaltungen gegen die als Systemvertreter*innen gewerteten Repr\u00e4sentant*innen in nochmals pr\u00e4gnanterer Weise lancieren. In diesem Fall steht eine inzwischen tausendfach verbreitete, Triptychon-\u00e4hnliche Fotocollage im Zentrum, die, in Leserichtung geordnet, wom\u00f6glich die \u00fcbertriebene Ehrerbietung eines der prominentesten EU-Kommissare beispielhaft belegen soll.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Als entsprechend gro\u00df erweist sich die Ausl\u00f6sewirkung auf die Plattform-User, wird die scheinbar \u201asprechende\u2018 Collage doch mit immer neuen h\u00e4mischen bis h\u00f6hnischen Kommentaren belegt. Die gezielte Absenkung von Thunbergs Alter soll die Generationendifferenz zu Juncker sp\u00f6ttisch erh\u00f6hen, wobei zus\u00e4tzlich auf eine fr\u00fchere Begr\u00fc\u00dfungsszene angespielt wird, um zumindest die Andeutung eines quasi-p\u00e4dophilen Settings in die Welt zu setzen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Diese versteckten, aber gerade deshalb wirkungsvollen Suggestionen erweisen sich als semantische Mittel zur Herabsenkung rhetorischer Hemmschwellen. Ein direkt folgender Kommentar nutzt dann auch den Post, um zun\u00e4chst und bewusst diffus das Thema der Behinderung ins Spiel zu bringen \u2013 um damit sowohl erneut auf Thunbergs angeblichen Autismus anzuspielen als auch Ger\u00fcchte um Junckers Gesundheitszustand zu bedienen. Zudem insinuiert der Kommentar erg\u00e4nzend zur kindesmisshandelnden Unterstellung eine umfassende, wiederum sexuell konnotierte Bereitwilligkeit Thunbergs (\u201ef\u00fcr einen \u00d6ko Bonbon macht die ja alles\u201c).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Deutlich wird, wie sich aus dem Ineinander von Text und Bild ein kommunikatives Klima erzeugen l\u00e4sst, in dem es vielen erstaunlich leicht f\u00e4llt, assoziative Zur\u00fcckhaltungen schrittweise aufzugeben. Wohlgemerkt geht es dabei nicht darum, die Grenzen des Sagbaren auszudehnen; sondern es geht darum, solche Grenzen erst gar nicht mehr als Grenzen kenntlich zu machen. Folglich wird eine Form der Hassbekundung perfektioniert, in der das Spiel mit Andeutungen ausreicht, um moralisch gefasste oder ethisch fundierte Hemmungen zu kaschieren und ein Eintreten f\u00fcr Differenzierungen und Abw\u00e4gungen zu erschweren.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9135\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.52-761x1024.png\" alt=\"\" width=\"501\" height=\"674\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.52-761x1024.png 761w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.52-223x300.png 223w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.52-768x1033.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.33.52.png 992w\" sizes=\"auto, (max-width: 501px) 100vw, 501px\" \/><\/p>\n<p>Oft gen\u00fcgen den sich so Verst\u00e4ndigenden weitere Bild-Postings, um sich der gemeinsamen Auffassung wechselseitig zu versichern. Geschrieben wird dabei kaum mehr und allenfalls noch darauf hingewiesen, mutma\u00dflich zur Umgehung einer bef\u00fcrchteten \u201aZensur\u2018 textsprachlich hier \u201eja nix dazu\u201c beitragen zu k\u00f6nnen. Umso mehr verlegt man sich auf&#8217;s Bilderbearbeiten \u2013 so geschehen in diesem Fall, indem auf das Thunberg-Juncker-Triptychon mit einer weiteren Fotografie dieser Begegnung reagiert wird.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Erneut sollen simpelste Beziehungs- oder sogar Blickpfeile Geheimbotschaften zur Best\u00e4tigung der urspr\u00fcnglichen Einlassung beitragen. So kommuniziert man in einem Bild-Text-Gemisch, wobei der quantitative R\u00fcckgang der Textnachrichten mit einem qualitativen Aufschwung der Bildbotschaften einherzugehen scheint. Je weniger im Verlauf der Kommunikation geschrieben wird, desto mehr attestiert man den Bildern ein propositionales Verm\u00f6gen. <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span class=\"Apple-converted-space\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9134\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.34.01-882x1024.png\" alt=\"\" width=\"501\" height=\"582\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.34.01-882x1024.png 882w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.34.01-258x300.png 258w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.34.01-768x892.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.34.01.png 994w\" sizes=\"auto, (max-width: 501px) 100vw, 501px\" \/>\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Dass gerade diese Fotografie dabei v\u00f6llig bedeutungsoffen bleibt \u2013 sich also keineswegs allein f\u00fcr Abwertungsbekundungen eignet \u2013, beweisen Postings, die sich neutral bis affirmativ zu Thunberg \u00e4u\u00dfern. Sie stufen die bildlich festgehaltene Szene als irref\u00fchrende Momentaufnahme ein: Habe zun\u00e4chst eine Begegnung unter Austausch von H\u00f6flichkeiten stattgefunden, sei der Eindruck von Gl\u00fcck mit Beginn der Rede verflogen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Das Rebloggen des welt.de-Artikels wird in diesem Fall als M\u00f6glichkeit zum Verweis auf eines im Bild selbst nicht ersichtlichen Ereignisses genutzt \u2013 wobei das Bild inszenatorisch nicht unwichtig wird, im Gegenteil: Das kommende Ereignis wird gerade deshalb als besonders brisant gewertet, weil das Bild (noch) eine ganz andere Stimmung zu vermitteln scheint.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Gleichzeitig wird damit Thunbergs Rede in ihrer Bedeutung gest\u00e4rkt, scheint es ihr nach Meinung des Users doch gelungen zu sein, einen derart erfahrenen Polit-Profi wie Juncker zu einer verr\u00e4terischen (mimischen) Reaktion verleitet zu haben. Folglich wird die zun\u00e4chst mit einem sexualisierten Gewalt\u00fcbergriff assoziierte Szene nun tendenziell in ihr Gegenteil verkehrt, so dass schlie\u00dflich Thunberg die Rolle einer (zumindest situativ) Machtaus\u00fcbenden zugesprochen wird.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9133\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.34.12-929x1024.png\" alt=\"\" width=\"501\" height=\"552\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.34.12-929x1024.png 929w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.34.12-272x300.png 272w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.34.12-768x846.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/03\/Bildschirmfoto-2019-03-19-um-09.34.12.png 1022w\" sizes=\"auto, (max-width: 501px) 100vw, 501px\" \/><\/p>\n<p>Ger\u00e4t hierbei also Junckers Aussehen zum Thema, ergehen sich auch die meisten visuellen Hasskommentare gegen Thunberg darin, ihren K\u00f6rper zu verhandeln. Gegen\u00fcberstellungen mit Tieren, Monstern, verurteilten Straft\u00e4tern und \u2013 immer wieder \u2013 Diktatoren sollen \u00e4u\u00dferliche Merkmals\u00e4hnlichkeiten aufzeigen. Mit dem intendierten Verlachen ihres K\u00f6rpers soll ihre Person entmenschlicht und als entweder animalisch, verbrecherisch, unterdr\u00fcckend oder sonst wie grotesk-abartig auffallen. Angewandt werden derbste rassistische Muster, die in \u00e4u\u00dferen Erscheinungen innere Eigenschaften entdecken und daf\u00fcr sorgen wollen, dass die Erscheinung mit der unterstellten Eigenschaft unaufl\u00f6sbar verbunden wird.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Aktiviert wird demnach die uralte Vorstellung vom geborenen Verbrecher. In ihm lebt das als \u00fcberwunden geglaubte Tierisch-B\u00f6se wieder auf. Diese atavistisch-physiognomische Hoffnung, im K\u00f6rper des Menschen die Signaturen seines gef\u00e4hrlichen Wesens identifizieren zu k\u00f6nnen, diese Hoffnung kommt in hasserf\u00fcllten \u00c4u\u00dferungen besonders unverstellt zum Tragen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Nein, die Bilderwelten der Sozialen Medien sind hier keineswegs als Ursache auszumachen. Aber sie bieten all jenen M\u00f6glichkeiten, die klug genug sind, ihren Rassismus (zun\u00e4chst) im \u00e4sthetisch Extremen auszufalten.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eDie Emp\u00f6rung ist eine europ\u00e4ische S\u00fcnde, ein negativer Narzissmus\u201c, bemerkt die franz\u00f6sische Philosophin Julia Kristeva 2013 in einem <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/bilder-und-zeiten\/interview\/julia-kristeva-im-gespraech-sprich-ueber-deine-schatten-12171496-p2.html?printPagedArticle=true#pageIndex_1\">Interview<\/a>. Exakt darin k\u00f6nnte der Hebel zum Umgang mit derartigen Praktiken liegen: So sehr Emp\u00f6rung in Hass umschlagen und dieser auf andere gerichtet sein mag, so stark ist er von der Faszination am Eigenen angetrieben. Dass dieses Eigene aber immer auch nur ein Bild ist, ja notwendig zum Bild werden muss, um \u00fcberhaupt erfahren werden zu k\u00f6nnen, verr\u00e4t die kontingente Fragilit\u00e4t der Hass-Postings.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ihre Abh\u00e4ngigkeit von den Umst\u00e4nden ist also viel gr\u00f6\u00dfer, als es ihre behauptete St\u00e4rke glauben machen m\u00f6chte. Wohl deshalb sind die weinerlichen M\u00e4nner derzeit von kaum jemandem derart fasziniert wie von ihrem schwedischen M\u00e4dchen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"cc-m-14224288122\" class=\"j-module n j-text \">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.daniel-hornuff.de\">Daniel Hornuff<\/a> ist Vertretungsprofessor f\u00fcr Theorie und Praxis der Gestaltung an der Kunsthochschule in der Universit\u00e4t Kassel.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"cc-m-14224295322\" class=\"j-module n j-spacing \">\n<div class=\"cc-m-spacing-wrapper\"><\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die weinerlichen M\u00e4nner und ihr schwedisches M\u00e4dchen<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[908,2407],"class_list":["post-9131","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-greta-thunberg","tag-twitter"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9131","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9131"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9131\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9131"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9131"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9131"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}