{"id":9231,"date":"2019-04-29T10:00:58","date_gmt":"2019-04-29T08:00:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=9231"},"modified":"2019-04-29T10:00:58","modified_gmt":"2019-04-29T08:00:58","slug":"popmusik-fruehlingvon-hendrik-otremba29-4-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2019\/04\/29\/popmusik-fruehlingvon-hendrik-otremba29-4-2019\/","title":{"rendered":"Popmusik Fr\u00fchlingvon Hendrik Otremba29.4.2019"},"content":{"rendered":"<p>Blood Orange,\u00a0Yves Tumor, Amanda Lear,\u00a0Jungst\u00f6tter,\u00a0Soap&amp;Skin,\u00a0P.A. H\u00fclsenbeck,\u00a0Scott Walker<!--more--><\/p>\n<p>Mein zweiter Roman erscheint im August diesen Jahres beim Hamburger Verlag Hoffmann &amp; Campe. W\u00e4hrend ich ihn geschrieben habe, bin ich um die Welt gereist. Der Roman hat eigentlich nichts mit Pop zu tun, zumindest nicht direkt, aber auf den Reisen bin ich nat\u00fcrlich auch auf Konzerte und in Plattenl\u00e4den gegangen. Als meine Freundin mich in New York besuchen kam, hat sie mich auf ein Blood Orange-Konzert im Central Park eingeladen. Man konnte Dev Hynes ansehen, dass er selbst kaum glauben konnte, dort zu stehen. Das passiert nicht so oft: Jemand auf der B\u00fchne strahlt eine Euphorie und Ergriffenheit aus, die sich aufs Publikum \u00fcbertr\u00e4gt. Selbst mit diesen merkw\u00fcrdigen New Yorkern schien das an diesem Abend m\u00f6glich.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Blood Orange - Chewing Gum (feat. A$AP Rocky and Project Pat) (Official Video)\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Q0gG0DtbPcY?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Vor Dev Hynes spielte Yves Tumor. Er hatte schlechte Laune. Das Konzert musste wegen einer Unwetterwarnung fr\u00fcher beginnen, weshalb die Leute gerade erst in das Park-Areal str\u00f6mten, w\u00e4hrend er zu spielen beginnen musste, au\u00dferdem war er mit dem Sound nicht zufrieden. So brach er beinahe jedes St\u00fcck ab, w\u00e4hrend er einem Derwisch \u00e4hnlich \u00fcber die B\u00fchne fegte, mit Cowboyhut und wehendem Hemd. Trotz dieser widrigen Umst\u00e4nde und der Selbstsabotage in seiner Performance \u2013 oder gerade deshalb? \u2013 ist mir dieses Konzert stark in Erinnerung geblieben, und ich kaufte mir zur\u00fcck in Deutschland seine Alben, entdeckte seinen Bezug zu Throbbing Gristle, seine Zusammenarbeit mit den d\u00e4nischen Noise-K\u00fcnstlerin Puce Mary und begriff, dass Yves Tumor n\u00e4her an Musik wie der von Ariel Pink ist, als ich noch im Central Park vermutete. Das St\u00fcck hier ist einfach ultraheftig und ich hoffe, niemand kommt auf die Idee, es am verdammten Handy oder auf dem Laptop zu h\u00f6ren. Sp\u00e4testens wenn der Bass einsetzt, braucht man fette Boxen.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Yves Tumor - Lifetime (Official Video)\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/E7Al0RGkPFA?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>In New York flammte auch dieses St\u00fcck wieder in mir auf. Da ist Disco richtig geil, treibend und hedonistisch, gleichzeitig sehns\u00fcchtig und von Melancholie behaftet. Der Roman spielt haupts\u00e4chlich \u00fcber einen Zeitraum von den 1970er Jahren bis in die 1990er Jahre (eigentlich beginnt er viel fr\u00fcher und ragt bis in die Zukunft, aber das w\u00e4re jetzt zu kompliziert), und f\u00fcr ein paar Augenblicke k\u00f6nnte das hier der Soundtrack sein:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Amanda Lear - Follow Me (Official Video)\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/b9YyPIiT2pM?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Am Wochenende habe ich das erste Mal Soap&amp;Skin live gesehen. Das Konzert er\u00f6ffnete einer der begnadesten Songwriter zur Zeit, mein Freund Fabian Alt alias Jungst\u00f6tter. Hier sind die beiden zusammen zu sehen, in einer wundersch\u00f6nen Version des triefenden &#8218;Wound Wrapped In Song&#8216;. Jeder in dieser Band ist so gut: Philipp H\u00fclsenbeck (s.u.) an der Gitarre etwa oder der Schlagzeuger Manu Chittka, der viele Jahre auch in meiner Band Messer spielte. Von hier aus l\u00e4sst sich auch eine sch\u00f6ne Linie zeichnen, um diese Liste weiter zu spinnen.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Jungst\u00f6tter feat. Soap&amp;Skin - Wound Wrapped In Song [Live]\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/ScocCgsWr08?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Nach ihm spielte Anja Plaschg, und ich habe selten ein Konzert gesehen, das allein durch die Kraft der Musik eine solche Intensit\u00e4t erzeugt hat. Ich bin immer noch ganz aufgekratzt. Das hat einfach richtig Bock gemacht. Der Spannungsbogen dieses St\u00fcckes zeichnet in etwa den des Konzerts nach. Auch hier gilt: bitte ad\u00e4quat wiedergeben, ok?<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Soap&amp;Skin - Surrounded (official audio)\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/SY4tyr68p6I?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Und hier nun erw\u00e4hnter P.A. H\u00fclsenbeck, der mit Garden Of Stone das f\u00fcr mich sch\u00f6nste Album des letzten Jahres ver\u00f6ffentlicht hat. Der Mitmusiker von Fabian Altst\u00f6tter, der seit Jugendjahren bereits mit diesem in Sizarr gespielt hatte, zeigt hier nicht nur, was f\u00fcr ein feinsinniger Songwriter er ist, sondern macht im Musikvideo greifbar, das Klang auch eine Sache des K\u00f6rpers ist.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"P.A. H\u00fclsenbeck \u2014 A Serpent Of Velour (Official Video)\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/CEx1_EbhUv8?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Und zum Abschluss, weil alle hier genannten K\u00fcnstler ihn (bestimmt bzw. sicher) sehr verehren und er ohnehin der gr\u00f6\u00dfte ist und schmerzlich vermisst wird: Scott Walker. Ich empfehle das schreckliche Interview anzuschauen und dann lieber das Album Climate Of Hunter auf Vinyl zu kaufen, statt es hier in dieser crappy Youtube-Version zu h\u00f6ren. Was sich allerdings lohnt: Das Video zu Track 3, das zwischen Bergmann und Tarkovski aufzeigt, was Walker f\u00fcr ein Cineast war.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Scott Walker on The Tube\/Music Vid for &quot;Track 3&quot;\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/3e8vpoj0lDs?start=358&#038;feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Hendrik Otremba\u00a0ist Musiker, Autor und bildender K\u00fcnstler. Sein erster Roman \u2013 &#8222;\u00dcber uns der Schaum&#8220; \u2013 erschien 2017.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Blood Orange,\u00a0Yves Tumor, Amanda Lear,\u00a0Jungst\u00f6tter,\u00a0Soap&amp;Skin,\u00a0P.A. 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