{"id":9317,"date":"2019-06-11T09:00:07","date_gmt":"2019-06-11T07:00:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=9317"},"modified":"2019-06-11T09:00:07","modified_gmt":"2019-06-11T07:00:07","slug":"markierte-markenvon-moritz-bassler11-6-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2019\/06\/11\/markierte-markenvon-moritz-bassler11-6-2019\/","title":{"rendered":"Markierte Markenvon Moritz Ba\u00dfler11.6.2019"},"content":{"rendered":"<p>Autos im deutschen Pop<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">[aus: Moritz Ba\u00dfler: Western Promises: Pop-Musik und Markennamen, Transcript Verlag, Bielefeld 2019]<\/p>\n<p>Die Nennung der Automarke wird in amerikanischen Songs (und z.T. in ihren britischen Entsprechungen) nicht als Fremdk\u00f6rper empfunden, sie geh\u00f6rt offenkundig zum Thesaurus des Pop. Wohlgemerkt gibt es daneben auch zahlreiche Popsongs, in denen nur die generische Bezeichnung (car) und kein Marken-Eigenname gebraucht wird, vermutlich ist dies sogar in der Mehrzahl der F\u00e4lle so. Dennoch ist die Automarke der mit Abstand h\u00e4ufigste Typ von brand name in der amerikanischen Popmusik. Genannt werden amerikanische und deutsche Marken, nicht aber solche aus Frankreich oder Japan, ein weiterer Hinweis darauf, dass es hier um Status und weniger um Gebrauchswert geht.<\/p>\n<p>In der deutschsprachigen Pop-Musik dagegen spielt die Autobahn zwar fr\u00fch eine Rolle, doch erfahren wir weder in Udo Lindenbergs Trampersong <i>Daumen im Wind<\/i> (1972) noch im Klassiker von Kraftwerk <i>Autobahn<\/i> (1974), mit welcher Marke sie jeweils befahren wird.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Erst in der Neuen Deutschen Welle \u00e4ndert sich das ein wenig: Zwar bleibt ungesagt, mit welchem Typ von \u201eneuem Caravan\u201c in Ideals <i>Hundsgemein<\/i> angegeben wird, doch allein, dass eine halbtechnische Bezeichnung wie \u201eCaravan\u201c Eingang in die Lyrics findet, wirkte damals komisch. Das Wort wird \u00fcbertrieben amerikanisch ausgesprochen, obwohl es sich eigentlich nur in deutscher Aussprache auf \u201egibst du an\u201c reimen w\u00fcrde, und wird dadurch als Fremdk\u00f6rper markiert.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Komisch wirkt auch der auf deutschen Autobahnen immerhin erwartbare Volkswagen in Trios <i>Nur ein Traum<\/i> (\u201eUnser VW war alt und klapprig \/ Das machte uns nichts aus \/ Dein Haar roch nach Gr\u00fcnem-Apfelshampoo\u201c), der den deutschen Traum von Freiheit als Schwundstufe des amerikanischen in Szene setzt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=sGdEzkh4U1g\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=sGdEzkh4U1g<\/a><\/p>\n<p>In Richtung Klamauk gehen dann schon die Spa\u00df-Punk-<i>Opel<\/i>-Lieder von den Toten Hosen und den \u00c4rzten. Hier wird der komische Aspekt der Marke zum Modus des ganzen Songs. <i>Opel-Gang<\/i> (1983), die Deb\u00fct-LP der Toten Hosen, zeigt auf dem Cover die Bandmitglieder mit einem komplett in seine Einzelteile zerlegten Opel Rekord. Der Song, als Single mit <i>Eisgek\u00fchlter Bommerlunder<\/i> zusammen ver\u00f6ffentlicht, war laut S\u00e4nger Campino gemeint als \u201eeine totale Verarsche auf die Opel\u2013Prolls, die mit ihren tiefergelegten Karren durch die Gegend heizten\u201c:<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> \u201eDen Arm aus dem Fenster, das Radio voll an, \/ Drau\u00dfen h\u00e4ngt ein Fuchsschwanz dran\u201c. Um 1990 entwickelt sich diese \u201aVerarsche\u2018 der deutschen boy racers zu einem eigenen Genre von Witzen, Filmen und Songs, die sich um das Halbstarken-Proll-Modell von Opel, den Manta, drehen.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Aus dem Umfeld der \u00c4rzte entsteht der Song <i>Wir fahren Manta Manta<\/i> zur Kom\u00f6die <i>Manta Manta<\/i> von Bernd Eichinger (1991, in den Hauptrollen Til Schweiger als Bertie und Tina Ruland als Uschi).<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Die \u00c4rzte - Wir fahren Manta Manta\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/3t_ls7AJVVs?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Hosen-Song die prollige Ich-Perspektive w\u00e4hlt \u2013 wodurch im Verlauf der Rezeptionsgeschichte dann auch eine beiderseitige Identifikation erwachsen konnte \u2013 macht <i>Wir fahren Manta Manta<\/i> sich mit dem Mittel der klassischen Ironie \u00fcber die gleiche Klientel lustig: \u201eWir haben Geschmack, wir haben Stil\u201c, oder, noch etwas deutlicher:<\/p>\n<p>Wir h\u00f6ren Bach, lesen Brecht<br \/>\nAb und zu mal was von Goethe<br \/>\nImmer nur Quantenphysik<br \/>\ndas w\u00e4r uns echt zu bl\u00f6de<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Im Refrain freilich, in unmittelbarer N\u00e4he zum Markennamen, kommen auch die Autobahn und der gute alte Kraftwerk-Reim noch einmal zu Ehren:<\/p>\n<p>Lasst uns die Autobahn<br \/>\nDann k\u00f6nn\u00b4 wir weiter fahr\u00b4n<br \/>\nDenn wir fahren nun mal gerne Manta Manta<\/p>\n<p><i>Manta Manta<\/i> sowie der einen Monat fr\u00fcher erschienene, damals noch erfolgreichere <i>Manta \u2013 der Film<\/i> von Peter Timm<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> (1991, in den Hauptrollen Sebastian Rudolph als Fred und Nadeshda Brennicke als Tina) walzen das Image einer deutschen Sportwagenmarke, wie es sich bereits in einer Gattung von Witzen kristallisiert hatte, zur Spielfilmdiegese aus. Der Opel Manta hat nicht dieselbe (Preis-) Klasse wie, sagen wir, ein Porsche oder das Form- und Namensvorbild, die amerikanische Corvette Sting Ray, und gilt daher als M\u00f6chtegern-muscle car, als Angeber-Auto junger, prolliger M\u00e4nner aus der Unterschicht. Topisch sind das Basteln am Auto (Tuning, Spoiler, tiefergelegt), die Bildungsferne der Fahrer (\u201eBoh ey!\u201c), die blonde Friseuse auf dem Beifahrersitz, Fuchsschwanz an der Antenne, Ellenbogen aus dem Fenster und illegale Rennen. Beide Filme sind im Ruhrgebiet angesiedelt und zeigen viel Lokalkolorit, die Mantafahrer sind in Clubs organisiert (Feindbild: Golf GTI), die V\u00e4ter der Helden z\u00fcchten Brieftauben, die Rennen finden in der N\u00e4he aufgelassener Industrieanlagen statt, Discos und Pommesbuden sind wichtige Locations, auch t\u00fcrkische bzw. russische Einwanderer spielen eine Rolle. Beide Filme sind dabei im Kern kom\u00f6diantisch, feiern letztlich den Zusammenhalt der Manta-Gangs und verbinden im Plot eine Liebesgeschichte mit einem finalen Rennen zwischen einem Manta und einem Mercedes bzw. Golf.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>In unserem Zusammenhang ist interessant, dass sich im Kontext dieser sozusagen im Modus des Marken-Witzes aufgespannten Filmwelten ein herausgehobener Ort f\u00fcr Pop-Musik ergibt. Beide Filme haben ausf\u00fchrliche Soundtracks aus Pop-Musik-Titeln, die auch als Einzelalben vertrieben wurden. Der Soundtrack von <i>Manta \u2013 der Film<\/i> etwa ist von Andreas Dorau kuratiert und enth\u00e4lt \u2013 neben den eigentlichen Manta-Songs \u2013 ein breites Spektrum zeitgen\u00f6ssischer Musik von Marianne Rosenberg und Matthias Reim bis zu den Lassie Singers und den Fantastischen Vier, neben Auftritten von Helge Schneider (als DJ Johnny Flash<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a>) und Dieter Thomas Heck (als Chef eines Autohauses, der allerdings nicht singt). Auch der Score von <i>Manta Manta<\/i> hat es in sich, neben gleich drei Manta-Songs sind etwa Seal, Yello und Katrina and the Waves zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fG1EAwxZEtk\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fG1EAwxZEtk<\/a><\/p>\n<p>Gleich zu Beginn lauschen Bertie und Tina im Auto einem Radiosender, in dem Mantawitze erz\u00e4hlt werden. Bertie will den Sender daraufhin wechseln, aber Tina sagt, dieser habe die beste Musik \u2013 und anschlie\u00dfend ert\u00f6nt denn auch kein Euterpop,<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> sondern <i>You Really Got Me<\/i> von den Kinks, Mod-Rock der ersten Stunde (1964). Mantawitze (von denen auf diese Weise eine ganze Reihe im Film selbst erz\u00e4hlt werden<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a>) und (gute!) Popsongs liegen hier also auf der gleichen Ebene, worauf auch der obligatorische Kenwood-Aufkleber auf der Heckscheibe hinweist \u2013 und die Mod-Verbindung situiert diese im Milieu junger Arbeiter. Sowohl Bertie als auch Fred kennen sich nicht nur mit der Technik ihrer Autos aus und schrauben an ihnen herum, sie verf\u00fcgen auch bereits \u00fcber selbstverdientes Geld, das sie einsetzen k\u00f6nnen: Bertie legt 5000 DM in bar f\u00fcr seine Rennwette auf den Tisch, die eigentlich f\u00fcr die Einbauk\u00fcche bestimmt waren, Fred will sich von seinen angesparten 10.000 DM einen Golf kaufen, doch sein Vater legt das Geld f\u00fcr ihn an, und so muss er wider Willen den Manta nehmen, den seine Mutter f\u00fcr ihn bei einem Preisausschreiben gewinnt. Geld, Auto und Frau (Beziehung, Sex) liegen hier also metonymisch eng beieinander und beschw\u00f6ren gerade darin die basale Situation fr\u00fcher Pop-Musik \u2013 man beachte nur das Anlassen des Motors, mit dem beide Filme und zahlreiche Popsongs beginnen! Brr\u00f6mm brr\u00f6mm\u2026<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Filme und ihr Kult-Potential zehren von der in all dem codierten Energie des Rock \u2019n\u2019 Roll und fr\u00fchen Power-Pop,<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> und auch narrativ liegen ja letztlich alle Sympathien bei den schlichten, aber herzensguten Mantafahrern, doch ist eine Feier dieser Kultur eben in Deutschland nur in den Anf\u00fchrungszeichen jener Vorbehaltlichkeit m\u00f6glich und goutabel, die der Modus des gestreckten Witzes vorgibt. Die Filme wollen sozusagen gleichzeitig \u201eBoh ey!\u201c<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> sagen und \u00fcber die lachen, die das tun. Das kommt sehr gut in <i>Manta Manta<\/i> zum Ausdruck, als eine emphatische \u00c4u\u00dferung Berties zum tollen Gef\u00fchl des Manta-Fahrens heimlich von einer Radioreporterin mitgeschnitten und sp\u00e4ter gesendet wird: Im Kontext der Nicht-Identifikation wird das eigentlich nicht komische, sondern authentische Erlebnis des Prolls zum Witz (was auch ein Element des Verrats beinhaltet). Einen \u00e4hnlich distanzierenden Effekt hat ja im Grund bereits der Re-Entry der Manta-Witze in die eigenen Langversion (inklusive der Reaktion durch die Betroffenen). Und noch ein weiterer Punkt ist erw\u00e4hnenwert: 1991, zur Hochzeit der Witze und Filme, wird der Opel Manta schon seit drei Jahren nicht mehr gebaut. In <i>Manta \u2013 der Film<\/i> wird das sehr ausdr\u00fccklich zum Thema, denn Fred gewinnt, zur Freude seiner zuk\u00fcnftigen Freunde vom Manta-Club, den allerletzten vom Band gelaufenen Manta B., offenbar der Ladenh\u00fcter des Autohauses. Zu den Anf\u00fchrungszeichen des Komischen gesellen sich also noch solche des Retro, ein Hauch von Nostalgie, als ob anhand der verschworenen Ruhrgebiets-Clique der Manta-Fahrer noch einmal mit einer und vor allem \u00fcber eine Pop-und Marken-Kultur gelacht werden kann, die bereits im Untergang begriffen ist. Das hei\u00dft aber, dass der Lebensentwurf der Manta-Fahrer, obwohl innerhalb der Film-Narrative positiv gewertet, nicht wirklich mehr zu den Optionen geh\u00f6rt, die der deutsche Pop in Form der Manta-Filme, -Songs und Soundtracks den Rezipienten hier Anfang der Neunziger anbietet. Angeboten (und gern genommen) wird statt dessen der spezifisch \u00e4sthetische Modus zwischen Sich-lustig-Machen, Nostalgie und Affirmation selbst, jenes Register produktiv-alberner Vorbehaltlichkeit, in dem der gesamte Manta-Komplex steht und in das auch der von Helge Schneider aka Johnny Flash (deutlich im Playback) performte Schlager <i>Ladiladiho<\/i> passt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Zur Frage der Mythisierbarkeit<\/p>\n<p>Ganz generell gibt es in Musik, die in Richtung Kabarett oder Comedy tendiert, deutlich mehr Markennamen als in anderer Pop-Musik. So findet sich im Titelsong von <i>Manta \u2013 der Film<\/i>, <i>Manta<\/i> (1989) von Norbert und die Feiglinge, ein ganzer Katalog konkurrierender Fahrzeuge und auch der Name des Tuning-Unternehmens Irmscher. Um ein anderes Beispiel zu geben: selbst ein reiner Katalogsong wie <i>We Didn\u2019t Start the Fire<\/i> von Billy Joel (auf: <i>Storm Front<\/i>, Columbia Records 1989) enth\u00e4lt keine echten Marken, in Otto Waalkes\u2019 Parodie <i>Wir haben Grund zum Feiern<\/i> jedoch, wo die historischen Namen des Originals durch die alkoholischer Getr\u00e4nke ersetzt werden, kommen zahlreiche Markennamen vor.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Otto Waalkes: &quot;Grund zum Feiern&quot; oder &quot;Affentittengeiler Song&quot;\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/dkz_w1kLBYs?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Man kann also sagen: Je mehr die Musik in Richtung \u201aSpa\u00df\u2018 geht, desto eher ist die Marke erwartbar, beispielsweise die des Angeber-Wagens in <i>Ich will Spa\u00df<\/i> von Markus, das zum prototypischen Spa\u00dflied der Neuen Deutschen Welle geworden ist:<\/p>\n<p>Mein Maserati f\u00e4hrt 210<br \/>\nSchwupps! Die Polizei hat\u2019s nicht gesehn<br \/>\nDas macht Spa\u00df<br \/>\nIch geb Gas, ich geb Gas<\/p>\n<p>Ein Ausdruck wie \u201eSchwupps!\u201c ist im Pop allenfalls in dicken Anf\u00fchrungszeichen erlaubt, und genau das ist der Modus, in dem dann auch die Markennamen stehen. In der dritten Strophe wird noch deutlicher, dass die italienische Nobelmarke<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> hier nicht, wie der Luxusschlitten im amerikanischen Kontext, f\u00fcr einen positiv konnotierten Traum steht, sondern allein als hyperbolische Antithese zum deutschen Kleinwagenalltag fungiert:<\/p>\n<p>Ich schubs die Enten<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> aus dem Verkehr<br \/>\nIch jag die Opels vor mir her<br \/>\nIch mach Spa\u00df<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Markus - Ich will Spass &#039;95 (Official Video) (EPK)\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/nMWgXn3G2BA?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Wo deutschsprachige Pop-Musik dagegen mit Ernst und Anspruch auftritt, etwa in der Hamburger Schule, werden Markennamen vermieden. Selbst in den textlastigen Songs der fr\u00fchen Blumfeld, die bereits unter dem Eindruck von HipHop entstehen, findet man sie nicht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Dass die blo\u00dfe Nennung von Marken oder Fast-Marken (Maserati, Caravan) schon f\u00fcr Komik sorgt, ist ein auff\u00e4lliger Gegensatz zum englischsprachigen Pop. Es steht auch im Gegensatz zu popul\u00e4ren visuellen Medien wie dem Film. Will man dort verbergen, welches Flaschenbier getrunken und welche Zigarettenmarke geraucht wird, so erfordert das bereits aktiven Einsatz \u2013 was ja nur belegt, dass wir im realen Leben eben Jever oder Lucky Strikes konsumieren und nicht blo\u00df Bier oder Zigaretten. Bei Autos ist im Film aber nun schlechterdings nicht zu verhindern, dass man die Marke erkennt und die entsprechenden Assoziationen dazu abruft. Und selbstverst\u00e4ndlich macht es einen Unterschied, ob Lover, Detektiv oder Gangster in eine Ente, einen Opel Manta, einen Aston Martin DB5 oder einen (fliegenden) Citro\u00ebn DS steigen. Insgesamt gilt: Weder Auto- noch andere Marken werden, wenn sie im Film vorkommen, als Bruch mit erwartbaren diegetischen Frames wahrgenommen. Bei allzu auff\u00e4llig in Szene gesetzten Marken k\u00e4me hier allenfalls der Verdacht auf ein von der Firma bezahltes Product Placement auf, nicht aber Komik.<\/p>\n<p>Die Komik, die durch die Nennung von Marken im deutschen Pop entsteht, ist Resultat einer Differenz, Effekt einer Heteroglossie. Die Markennamen wirken im Deutschen stets wie aus einer anderen Sph\u00e4re hereinzitiert und bleiben in ihrem neuen Ko-text, dem Pop-Song, auff\u00e4llig, wie in einfache Anf\u00fchrungszeichen gesetzt; \u201ees gen\u00fcgt ja, die Bedingtheit des stilisierten Wortes nur wenig zu pointieren, um ihm den Charakter leichter Parodie, Ironie, Vorbehaltlichkeit zu verleihen: das sage eigentlich nicht ich \u2013 ich h\u00e4tte es wohl auch anders gesagt.\u201c<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> Dass selbst die Automarken im Kontext deutschsprachiger Pop-Musik nicht naturalisierbar scheinen, signalisiert also, dass sie offenbar einem anderen kulturellen Rahmen angeh\u00f6ren als dem in Popmusik g\u00e4ngigen und erwartbaren. \u201aEigentlich\u2018 sagt deutsche Pop-Musik so etwas nicht. Warum ist das so?<\/p>\n<p>Da sind zun\u00e4chst, sozusagen auf der historischen Sachebene, die Autos selbst. Bis heute wirkt ein amerikanischer Stra\u00dfenkreuzer auf deutschen Stra\u00dfen aufsehenerregend, w\u00e4hrend selbst die h\u00f6herklassigen Modelle deutscher Autobauer in Deutschland lange Zeit eher einen Ruf des Biederen, Erfolgreich-Soliden mit sich f\u00fchrten, der mit Pop nicht gut zusammenging. 1948, als K.C. Douglas vom Mercury tr\u00e4umte, baute Ford in Deutschland zun\u00e4chst einmal ein Vorkriegsmodell weiter, den sogenannten \u201aBuckeltaunus\u2018. Auch die sp\u00e4ter gebauten Mittelklassewagen erlangten einen halbwegs coolen Status erst als Oldtimer. In Br\u00f6sels Comic Strip <i>Besser is das!<\/i> (1987) packt die Werner-Gang einen alten Ford 20M TS f\u00fcr eine Urlaubsreise voll, ein damals zwanzig Jahre altes Modell, das 1967 zwar obere Mittelklasse war, nun aber eher wie ein St\u00fcck Schrott vom Hof wirkt.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> Unterwegs treffen sie auf einen Oldsmobile 98 Regency, einen 70er-Jahre Luxusschlitten, der zum Verkauf steht (\u201eIch werd verr\u00fcckt \u2018n V8-Schiff\u201c. \u2013 \u201eDas isses!\u201c). Die unerh\u00f6rte Begebenheit liegt nur darin, dass der Verk\u00e4ufer umgekehrt von ihrem Ford-Modell schw\u00e4rmt (\u201eIck war\u2018 verr\u00fcckt \u2018n ouln Ford V-6!\u201c), \u201eund sie tauschten die Autos schlicht um schlicht\u201c.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> Das ist witzig, und der Witz entsteht durch die schiere Inkommensurabilit\u00e4t der Modelle, die nicht allein in ihrer Optik und ihren technischen Daten, sondern im Kern in ihrer Mythisierbarkeit besteht. Der beh\u00e4bige, wenig glamour\u00f6se deutsche Mittelklassewagen mit dem Namen eines ebenso biederen deutschen Mittelgebirges ist vermutlich zu keiner Zeit der Traum eines jungen, pop-affinen Menschen gewesen, wogegen schon ein Name wie Oldsmobile Ninety Eight Regency einen exotischen Glamour verstr\u00f6mt. Im Schlussbild des Werner-Bandes steht das Gef\u00e4hrt mit vorgebundenen gekreuzten Knochen und einem stilisierten Stiersch\u00e4del im Schein der tiefstehenden Sonne blinkend in einer Art amerikanischem Westen<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> \u2013 Ikone des American Dream, der inzwischen zur internationalen lingua franca geworden ist, mit den Konnotationen Freiheit, Gr\u00f6\u00dfe und Unabh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p>Diese Differenz amerikanisch\/deutsch = mythisch\/nicht mythisierbar, die in derselben Bildgeschichte auch noch durch die Konfrontation des Oldsmobile mit einem VW Golf unterstrichen wird, in dem vier Popper sitzen, ist dieselbe, die unnachahmlich bereits im Trio-Song <i>Nur ein Traum<\/i> gestaltet ist: Die zun\u00e4chst englischsprachigen Lyrics erz\u00e4hlen den amerikanischen Traum (\u201eYou by my side \/ Here in my car\u201c), bis die deutschsprachigen Einw\u00e4nde (\u201eNur ein Traum\u201c) sich sprachlich wie inhaltlich durchsetzen: \u201edie Fahrt von Holzminden nach Oldenburg\u201c stellt die Mythisierbarkeit der deutschen Lebenswelt \u2013 und damit die M\u00f6glichkeit von Pop \u2013 durch ihre schiere Partikularit\u00e4t und Provinzialit\u00e4t radikal in Frage (\u201eum die Wahrheit zu sagen, hat sie nie neben mir gesessen. \/ Was bleibt, ist die Autobahn, der alte VW \/ Und ich, allein, die Hand an der Kn\u00fcppelschaltung.\u201c). Dass die Autobahn und der alte VW in amerikanischen Zusammenh\u00e4ngen durchaus mythisierbar w\u00e4ren \u2013 man denke nur an die Band \u201eSick Dick and the Volkswagens\u201c in Thomas Pynchons <i>The Crying of Lot 49<\/i> (1965), bei der der Markenname geradezu f\u00fcr die Staffelstab\u00fcbergabe popmusikalischer Dominanz nach Europa steht, oder Neil Youngs <i>Long May You Run<\/i> \u2013, kommt in Deutschland nicht zum Tragen.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> Das Wirtschaftswunderauto VW K\u00e4fer wird erst im amerikanischen Kontext zum Hippie-Love Bug,<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> erneut ein Beispiel f\u00fcr die transatlantischen Aspekte von Pop.<\/p>\n<p>Kraftwerk, die mit einer Single-Version von <i>Autobahn<\/i> (1974) auch in den USA bekannt werden, pr\u00e4sentieren auf dem LP-Cover von Bandmitglied und D\u00fcsseldorfer Schule-K\u00fcnstler Emil Schult eine Autobahn-Landschaft \u201eim n\u00fcchtern-idealisierenden Stil von Reklamezeichnungen aus der Zeit des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wirtschaftswunder\">Wirtschaftswunders<\/a>\u201c,<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> die wie eine \u201arealistische\u2018 R\u00fcck\u00fcbersetzung des Autobahn-Verkehrsschilds wirkt, das das Inlay ziert. W\u00e4hrend links moderne Strommasten zu sehen sind, findet sich rechts der Autobahn eine Baum-Felsen-Gruppe vor untergehender Strahlensonne, die an Caspar David Friedrichs <i>Kreuz im Gebirge<\/i> erinnert \u2013 was das Album zwischen Technik und Romantisierung verortet. Wie im Film ist auch in der Grafik kaum vermeidbar, dass man die Marken der dargestellten Autos erkennt: Rechts entfernt sich ein VW K\u00e4fer, links f\u00e4hrt eine Mercedes-Benz 300 SE-Limousine aus dem Bild, ein Modell aus den fr\u00fchen 60er Jahren. Beide wirken dabei weder poppig noch irgendwie glamour\u00f6s oder futuristisch, sondern eher wie nostalgische Hinweise auf das zur\u00fcckliegende Wirtschaftswunder, dessen Star-Produkt der K\u00e4fer ja war. Ich erinnere mich, dass wir den Song Mitte der 70er Jahre auch eher dadaistisch-albern fanden (\u201eWir fahr\u2018n, fahr\u2018n, fahr\u2018n \/ Auf der Autobahn\u201c \u2013 also bitte!) \u2013 die Mythisierung Kraftwerks als Ursprung des Elektropop, die mit einer \u00e4u\u00dferst ernsthaften Rezeption einherging, fand wohl auch erst retrospektiv und auf dem Umweg \u00fcber die internationale Anerkennung statt.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Kraftwerk- Autobahn\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/gChOifUJZMc?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Die deutschen Autos \u2013 ob Opel, Ford, Mercedes oder VW \u2013 waren in Deutschland jedenfalls eher mit Papas Wirtschaftswunder, mit Broterwerb, Familienurlaub und Mittelklasse konnotiert als mit Sex, Freiheit oder Pop. Der Autobesitzer taugt hier nicht zum jugendlichen Role Model, denn, mit Ton Steine Scherben gesprochen: \u201eIch will nicht werden was mein Alter ist\u201c (auf <i>Warum geht es mir so dreckig?<\/i>, 1971). Und das gilt gerade f\u00fcr die Luxuswagen, um die es in amerikanischer Musik ja meist geht: \u201eWieviel liegen in der Sonne und betr\u00fcgen die Welt? \/ Fahren dicke Autos von unserem Geld?\u201c \u2013 Autobesitzer spielen erfolgreich das Spiel des Kapitalismus, und damit will man nichts gemein haben.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> Die Unabh\u00e4ngigkeit, die das Automobil anderswo schon allein als Fortbewegungsmittel versprach, verk\u00f6rperte sich f\u00fcr deutsche Jugendliche in den 60er und 70er Jahren eher im Trampen (<i>Daumen im Wind<\/i>), sp\u00e4ter dann auf Demos oder durch das Besetzen von H\u00e4usern. In keiner dieser Pop-I-Szenen spielten (eigene) Autos eine besondere Rolle. Der Status, dessen Symbole sie sind, ist f\u00fcr die ersten Pop-Generationen in Deutschland \u2013 anders als in den USA \u2013 nicht erstrebenswert.<\/p>\n<p>Die Manta-Beispiele zeigen freilich, dass es dabei auch eine Klassen-Differenz gab, wobei die Musik der \u201aProlls\u2018, also Jugendlicher ohne Gymnasialbildung, die sogar selbst an Autos herumschrauben konnten, eben in den 1970er und 80er Jahren eher der Schlager war. Hier, und nur hier, im Bereich der aufgemotzten Opel Mantas und Ford Capris (\u201eWenn bei Capri die rote Sonne\u2026\u201c), findet sich im Deutschen jene Engf\u00fchrung von Auto und Sexualobjekt, von frisiertem Auto und Friseuse, die im amerikanischen Pop, wie wir sahen, beinahe der Regelfall ist (ya ya\/la la). Deutscher Pop im engeren Sinne macht sich dar\u00fcber immer schon lustig, erfasst diese Sph\u00e4re als ein Milieu, das ihm \u00e4u\u00dferlich bleibt. Dieses kann mit seinen Konnotationen von Prolligkeit und Herrenwitz dann auch ins Rotlichtmilieu \u00fcbergehen, wie in <i>Oh, Margarethe<\/i> (1978) von Marius M\u00fcller-Westernhagen, wo das Rollen-Ich eines Zuh\u00e4lters spricht:<\/p>\n<p>Ich habe meine Ausgaben<br \/>\nDie Rolex ist kaputt, ich brauch nen neuen Daimler Benz<br \/>\nIch mu\u00df nen neuen Anzug von Cerutti haben<br \/>\nUnd mim Werner fahr ich n\u00e4chste Woche nach Florenz<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a><\/p>\n<p>Der Befund bleibt gleich: Nur in diesem \u201alustigen\u2018 Modus fallen die Markennamen, nicht im Schlager selbst und nicht im \u201aernsten\u2018 Pop.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=sbNKNC6KAoE\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=sbNKNC6KAoE<\/a><\/p>\n<p>Wo aber schon die metonymische Engf\u00fchrung zwischen Fahrzeug und M\u00e4dchen schwach ist, kommt es erst recht nicht zur Substitution. Obwohl die bekannteste deutsche Automarke \u2013 Mercedes \u2013 den Namen eines M\u00e4dchens tr\u00e4gt, wird sie nie mit einem solchen assoziiert und bleibt m\u00e4nnlich konnotiert. Im deutschen Pop wird man Statements wie <i>I\u2019m in Love with My Car<\/i> nicht h\u00f6ren. Der prototypische Deutsche liebt zwar sein Auto und putzt es jeden Samstagnachmittag zur Bundesliga-Radiokonferenz, aber er h\u00f6rt und produziert keinen (Deutsch-) Pop. Entsprechend schmal ist hier die Materialbasis. <i>Porsche Girl<\/i>, ein Song der Time Twisters, bekannter geworden in der Version von Bernd Begemann (beide stammen aus dem Bad Salzuflener Fast Weltweit-Umfeld, der Wiege der Hamburger Schule), probiert die metonymische \u00dcbertragung des Luxus-Status vom Markenauto auf das M\u00e4dchen im Medium des deutschen Independent Pop aus, und das Ergebnis ist, sagen wir, prek\u00e4r. Das lyrische Ich outet sich als Kadett-Fahrer und imaginiert folgende Gedanken seiner m\u00e4nnlichen Konkurrenten (auf der Stra\u00dfe und (also) um das M\u00e4dchen):<\/p>\n<p>Jetzt steh ich hier<br \/>\nIn meinem 6-Zylinder oder 8-Zylinder<br \/>\nUnd dieser Typ hinter mir (er meint mich!)<br \/>\nIm Kadett<br \/>\nHat ein Porsche Girl, wie ich gern eins h\u00e4tt<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a><\/p>\n<p>So, im countryesken Modus des \u2018he said\u2018 (bzw. \u201eer denkt sich so bei sich\u201d), w\u00e4re das noch unproblematisch, weil die Verdinglichung zum Porsche Girl dem anderen Mann zugeschrieben wird, der mit seinem Auto protzen will. Aber vorher wie nachher besingt auch das Ich voller Inbrunst sein Porsche Girl und erf\u00fcllt damit eine nicht weniger chauvinistische Rolle, freilich in Begemanns deutlich als ironisch markiertem Modus (\u201eDu-hu-hu bist mein Porsche Girl\u201c), zu dem auch das Gitarrensolo und der schunkelnde Sechsachteltakt beitragen.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Die Time Twisters \u2013 Porsche-Girl (snippet) by Tapete Records\" width=\"625\" height=\"400\" scrolling=\"no\" frameborder=\"no\" src=\"https:\/\/w.soundcloud.com\/player\/?visual=true&#038;url=https%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F388884318&#038;show_artwork=true&#038;maxheight=938&#038;maxwidth=625\"><\/iframe><\/p>\n<p>Die zahlreichen Anf\u00fchrungszeichen, in die hier die Engf\u00fchrung von Marke und M\u00e4dchen gesetzt ist (und selbst so soll es gelegentlich noch zu feministischen Protesten gekommen sein), belegen einmal mehr, dass im deutschen Pop Auto und Love Interest (bzw. Sex), anders als in den Pop-Mutterl\u00e4ndern, weder metonymisch noch metaphorisch nah beieinander liegen. Diese grunds\u00e4tzliche Entkopplung schwingt auch in der Begr\u00fcndung daf\u00fcr mit, weshalb sie \u201etrotzdem\u201c (also trotz Kadett) mit ihm f\u00e4hrt: \u201edenn ich singe dir meine Songs\u201c \u2013 der Sex liegt im Pop selbst, und den hat der 8-Zylinder-Typ in Deutschland eben nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">O Lord, won\u2019t you buy me\u2026<\/p>\n<p>Die im Deutschen so auff\u00e4llige heteroglossische \u201aleichte Vorbehaltlichkeit\u2018 (oder auch plumpe \u201aWitzischkeit\u2018) bei der Nennung von Automarken ist in den englischen und amerikanischen Vorbildern nicht in gleicher Weise zu bemerken. Ein seltenes Beispiel findet sich im grandiosen Song <i>A Different Bob <\/i>(1987) von der Colorblind James Experience: \u201eMy Baby was run over by a truck \/ It was a Dodge\u201c.<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a> Dass hier das Modell des Unfallfahrzeugs nachgereicht wird, wirkt komisch, verbindet sich jedoch mit der Bedeutung von \u201ato dodge\u2018 (= \u201aabhauen\u2018) zu einem Wortspiel \u2013 es war ein Dodge und vermutlich Fahrerflucht. So etwas ist, wie gesagt die Ausnahme; doch deutet die insgesamt feststellbare Seltenheit von Markennamen auch im englischsprachigen Pop in eine \u00e4hnliche Richtung, und diese gilt, wie gesagt, selbst f\u00fcr textlastige Pop-Poeten. In Bob Dylans Song <i>Union Sundown<\/i> (auf <i>Infidels<\/i>, 1983) geht es geradezu um Probleme \u00f6konomischer Globalisierung, um die Abwanderung der amerikanischen Industrie in Billiglohnl\u00e4nder, aber auch hier wird wieder nur eine Automarke erw\u00e4hnt: \u201eThe car I drive is a Chevrolet \/ It was put together down in Argentina\u201c.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Bob Dylan - Union Sundown\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/LQb2hkhrcnI?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Allenfalls hier, im kapitalismuskritischen Kontext, scheint aufzublitzen, was sonst im Diskurs des klassischen Pop verborgen bleibt: dass sich seine Communities \u201eum k\u00e4ufliche Gegenst\u00e4nde herum\u201c bilden (Diederichsen), zu denen letztlich auch die Pop-Musik selbst geh\u00f6rt. \u00dcberall dort, wo sie im Ernst den Mythos des amerikanischen Freiheitstraums transportiert, zu dem, wie wir sahen, auch das Auto geh\u00f6rt,<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a> ist das jedoch nicht sagbar. Wenn die Tatsache, dass es hier immer auch um Waren und also um Geld geht, \u00fcberhaupt einmal durchkommt, dann eben nicht im mythischen Tramper-Song <i>Me and Bobby McGhee<\/i> (\u201eFreedom\u2019s just another word \/ For nothing left to lose\u201c), sondern in einem Ditty wie Janis Joplins <i>Mercedes Benz<\/i>, dem heute vielleicht bekanntesten Auto-Song der Popgeschichte.\u00a0Schon durch seine schiere K\u00fcrze (1:45 min), die A-Cappella-Darbietung, die ironische Ank\u00fcndigung (\u201eI&#8217;d like to do a song of great social and poetical import. It goes like this\u201c) und das abschlie\u00dfende Gel\u00e4chter steht der Song in deutlicher Differenz zu den anderen Titeln ihres posthum erschienenen Albums <i>Pearl<\/i> (1971). Joplin singt hier in Anf\u00fchrungszeichen, die Nummer ist \u00fcberdeutlich als ephemerer Novelty Song markiert, der in Richtung Satyrspiel geht; dazu passt auch die Legende, er sei als Improvisation in einer Kneipe entstanden.<\/p>\n<p>Das preislich als Antiklimax gestaltete Paradigma der erhofften Waren in den drei Strophen lautet: einen Mercedes Benz, einen Farbfernseher und einmal sch\u00f6n Ausgehen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>O Lord, won\u2019t you buy me<br \/>\nA Mercedes Benz<br \/>\nMy friends all drive Porsches<br \/>\nI must make amends<\/p>\n<p>Ein solches Sto\u00dfgebet w\u00e4re in Deutschland, wie gesagt, niemals von einem Hippie gekommen, sondern allenfalls von einem Zuh\u00e4lter, der, wie in Westernhagens <i>Oh, Margarethe<\/i>, statusm\u00e4\u00dfig mit seinen Konkurrenten mithalten will. W\u00e4hrend es im klassischen Blues aber durchaus noch ungebrochen m\u00f6glich war, das tolle Auto (z.B. einen Mercury 49) zu ersehnen und dabei auch den Herrn anzurufen, steht dieser Sprechakt nun in Anf\u00fchrungszeichen. Im Originalgedicht von Michael McClure, einem Autor aus dem Umfeld der Beat Poets, waren diese vermutlich kapitalismus- und medienkritisch zu verstehen \u2013 eine \u201egro\u00dfe soziale und poetische Bedeutung\u201c ist dabei in der Tat angestrebt. In der zweiten Strophe geht es ums \u201ecolor TV\u201c, das in der Kitchen Debate zwischen Nixon und Chruschtschow immerhin noch als Argument f\u00fcr die avancierte amerikanische Industrie im Kalten Krieg getaugt hatte. Hier nun wird es nur gebraucht, um \u00fcber die kommerzielle Fernsehshow <i>Dialing for Dollars<\/i> Geld zu gewinnen.<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a> McClures Text imitiert also eine kleinb\u00fcrgerliche Haltung zum Konsum und macht sich \u00fcber sie lustig. Der Beat Poet k\u00f6nnte sich zwar auch keinen Mercedes Benz leisten, ersehnt dies aber selbstverst\u00e4ndlich auch gar nicht. Das Schl\u00fcsselwort, das das falsche Bewusstsein als Konsumentenreligion, als neues Opium f\u00fcrs Volk codiert, hei\u00dft: \u201ebuy\u201c.<\/p>\n<p>Janis Joplin dagegen kreiert ihren Song w\u00e4hrend einer ausgelassenen \u201enight on the town\u201c und ist zu diesem Zeitpunkt l\u00e4ngst Porsche-Fahrerin. Ihre Ank\u00fcndigung eines Werkes von \u201egreat social and poetical import\u201c ist offenkundig ironisch zu verstehen, anstelle moralischer und semiotischer Schwere folgt ein Spa\u00df. Obwohl Joplin sich im gleichen hippiesken Umfeld bewegt wie McClure, der ein Freund Jim Morrisons war, schleicht sich hier also eine Differenz ein, die mit der Warenf\u00f6rmigkeit (und dem kommerziellen Erfolg) des Pop selbst zu tun hat. Der Beatnik, der Linke, der intellektuelle Konsumkritiker verachtet in snobistischer Manier die kapitalistischen Waren und Werte, die er hier besingt.<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a> Joplin, das Pop-Subjekt, verachtet sie nicht \u2013 sie will selbstverst\u00e4ndlich in Kneipen Spa\u00df haben, Fernsehen gucken (auch: ins Fernsehen kommen) und, wenn\u2019s geht, auch Porsche fahren. Die Tr\u00e4ume des Kleinb\u00fcrgers, die der Poet verachtet, sind durchaus die ihren, werden in ihren H\u00e4nden aber von ihrer Kleinb\u00fcrgerlichkeit befreit, hinein in einen neuen, hedonistischen Modus von Pop-Konsum, wie er sich u.a. in Joplins \u201ecustomized\u201c (was in diesem Fall hei\u00dft: in lustigem psychedelischen Hippie-Design lackierten) 1964er Porsche 356c Cabriolet manifestiert \u2013 und in ihrer heiteren Performance von <i>Mercedes Benz<\/i>.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Janis Joplin-Mercedes Benz(original)\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Qev-i9-VKlY?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Erneut haben wir es hier mit jener Differenz im Verh\u00e4ltnis zu Konsum und Medien zu tun, jener Grenze, die nicht nur zwischen dem Selbstverst\u00e4ndnis der Beat Generation und Pop verl\u00e4uft \u2013 der Name des erfolgreichsten Acts ever, The Beatles, suggeriert hier eine tr\u00fcgerische N\u00e4he \u2013, sondern in den sp\u00e4ten 60ern auch durch die Pop-Formation selbst. Im Dokumentarfilm <i>Janis: Little Girl Blue<\/i> (2015, Regie: Amy J. Berg) wird berichtet, dass Big Brother and the Holding Company bei ihrem Auftritt auf dem Monterey International Pop Music Festival 1967 (legend\u00e4r u.a. f\u00fcr seine Auftritte von Otis Redding, The Who und Jimi Hendrix) sich nicht von D.A. Pennemaker filmen lassen wollten, weil ihnen das zu kommerziell vorkam (aus demselben Grund wollten sp\u00e4ter auch die Grateful Dead nicht im Film erscheinen). Schon der Name der Band kombiniert ja die Kritik an den Medien (Orwells \u201eBig Brother\u201c) mit der am Kapitalismus \u2013 Holding Companies sind geradezu Inbegriff eines verselbst\u00e4ndigten Kapitals, sie wurden erfunden, um fr\u00fche Anti-Trust-Gesetze zu umgehen.<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\">[32]<\/a> Als jedoch deren S\u00e4ngerin Janis Joplin nach ihrem furiosen Auftritt von der Sache erfuhr, geriet sie in Rage: Sie wollte unbedingt in den Film, und ihre enorme Durchsetzungskraft f\u00fchrte dazu, dass Big Brother als einzige Band zwei Sets auf dem Festival spielen durften. Das zweite wurde dann Teil des Pennemaker-Films <i>Monterey Pop<\/i> (1968) und Joplin dessen Poster-Girl \u2013 der Beginn ihrer Weltkarriere, aufgrund derer sie sich bald auch einen Porsche leisten konnte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Nun steht Janis Joplin sicherlich nicht im Verdacht, ihre Hippie-Wurzeln verraten zu haben. Erfolg, Reichtum und Porsche hinderten sie beispielsweise nicht daran, noch 1970, im Jahr ihres fr\u00fchen Drogentodes, allein durch Brasilien zu trampen. Indem sie jedoch keine Differenz einzieht zwischen der Sph\u00e4re authentischen Hippietums und der ihres medialen und kommerziellen Erfolgs inklusive exzessiven Konsums von allem, was Spa\u00df macht (;live fast, love hard, die young\u2018), verk\u00f6rpert auch der vermeintlich gegenkulturelle Popstar weniger Pop I als das urspr\u00fcnglichere Konzept, das wir oben als Pop 0 bezeichnet haben. Von \u201eSex, Dope and Cheap Thrills\u201c<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\">[33]<\/a> sind eben zumindest die beiden letzteren zumeist warenf\u00f6rmig \u2013 und dabei nicht zwangsl\u00e4ufig immer illegal; und die Medien-Kan\u00e4le, die Pop konstituieren, wollen auch bedient werden. Pop-Glamour und popkultureller Konsum stehen dabei nicht l\u00e4nger f\u00fcr eine bek\u00e4mpfte Sph\u00e4re kapitalistisch gepr\u00e4gter Konsumkultur und sie markieren auch keine soziale Differenz mehr \u2013 weder zu den Reichen noch zu den unaufgekl\u00e4rten Kleinb\u00fcrgern mit den falschen Tr\u00e4umen (Boy racer, Farbfernsehen, etc.). Pop lehnt die Gl\u00fccksversprechen der Konsumgesellschaft nicht ab, sondern fordert konsequent ihre Einl\u00f6sung ein \u2013 und widersetzt sich derselben dann auch nicht, wenn sie tats\u00e4chlich mal eintritt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>1968 \u201ewas the first time any of us had any money to spend\u201d, erinnert sich Mitch Mitchell von der Jimi Hendrix Experience, \u201eso Jimi ordered a Corvette Stingray and Noel ordered a Mercury Cougar\u201d.<a href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\">[34]<\/a> Jim Morrison fuhr einen wundersch\u00f6nen Ford Mustang Shelby GT500 (namens \u201eThe Blue Lady\u201c), und John Lennon lie\u00df seinen Rolls Royce Phantom V \u00e4hnlich psychedelisch bemalen wie Janis Joplin ihren Porsche \u2013 das Beste ist hier gerade gut genug, gerade weil man um die falschen Versprechen der Konsumindustrie wei\u00df: \u201eDon\u2019t do nothing that is cut price [\u2026] \/ They will try their tricky device \/ Trap you with the ordinary,\u201c wie es in der konsequenten Fortschreibung von \u201eSex, Dope and Cheap Thrills\u201c hei\u00dft, in Ian Durys <i>Sex &amp; Drugs &amp; Rock\u2019n\u2019Roll<\/i> (1977). Die Devise lautet: \u201eGet your teeth into a small slice \/ The cake of liberty\u201d. Zu diesem Freiheits-Kuchen geh\u00f6ren definitiv die Errungenschaften der westlichen Warenwelt; Erf\u00fcllung hei\u00dft auch: sich was kaufen k\u00f6nnen \u2013 O Lord, won\u2019t you buy me\u2026 Und wie man sieht, nimmt bei Dury schlie\u00dflich der Rock\u2019n\u2019Roll selbst die Systemstelle der Cheap Thrills ein.<a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Ian Dury - Sex &amp; Drugs &amp; Rock &amp; Roll\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/sfp8xrNAS6I?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u00dcbrigens auch nicht im sehr viel sp\u00e4teren Eigentlich wollte ich nicht nach Hannover von Bernd Begemann, wo das Trampen aus Fahrerperspektive Thema wird, auf: Rezession, Baby!, Rothenburg (EFA) 1993. \u2013 Auf dem Cover von Kraftwerks Autobahn sind ein Mercedes und ein VW K\u00e4fer zu erkennen: Zu T\u00fcr- und Startger\u00e4usch am Beginn des Zweiundzwanzig-Minuten-Tracks folgt hier die Expertise eines anonymen Fachmanns, f\u00fcr dessen Vermittlung ich Leonhard Herrmann danke: \u201eNach dem ersten H\u00f6ren m\u00f6chte ich meinen, dass es sich um keinen PKW handelt. Die T\u00fcr geht mir dabei zu blechern zu. Ich denke, es ist ein Lieferwagen oder ein kleiner LKW. Bei den PKWs und seien sie auch aus den 60 oder 70ern, ist doch ein wenig mehr Gummi dazwischen. Das Zuschlagen von eigenen K\u00e4fert\u00fcren habe ich gut in Erinnerung. K\u00e4fer kann definitiv ausgeschlossen werden. Das Getriebe ist unsynchronisiert und so gut zu h\u00f6ren, dass es auch gegen einen PKW spricht. Selbst bei bei den schlecht Schall ged\u00e4mmten Karossen der alten Karren ist ein Getriebe so deutlich nicht zu h\u00f6ren gewesen. Ob es ein Diesel ist, bin ich mir auch nicht sicher. Entweder es ist ein sch\u00f6n warm gelaufener Diesel mit guter Laufkultur (was es bei PKWs damals selbst bei Mercedes nicht gab), der au\u00dfergew\u00f6hnlich wenig nagelt, oder es ist ein oller, etwas rasselnder Benziner. Das halte ich f\u00fcr wahrscheinlicher. Mein Tip: Opel Blitz.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Im gleichnamigen Song von Van Morrison bezeichnet der Caravan einen Wohnwagen. Mit dem Namensteil \u00bbVan\u00ab (und mit Bezug auf das \u00e4sthetische Konzept des Camp) treibt dann der Name der amerikanischen Independentband Camper Van Beethoven sein Spiel.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Trio, Nur ein Traum, auf: Trio, Mercury Records 1982. Vgl. dazu Moritz Ba\u00dfler, \u00bb\u203aWatch out for the American subtitles!\u2039 Zur Analyse deutschsprachiger Popmusik vor angels\u00e4chsischem Paradigma\u00ab, in: Text + Kritik (10\/2003), Sonderband: Pop-Literatur, hg. v. Heinz Ludwig Arnold, J\u00f6rgen Sch\u00e4fer, M\u00fcnchen 2003, S. 279-292.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Campino im Gespr\u00e4ch mit unclesally*s (2002), zit. n. https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Opel-Gang (7.3.2016).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Der Klassiker: Mantafahrer bremst neben T\u00fcrken und fragt: \u201eWo geht\u2019s hier nach Aldi?\u201c Der T\u00fcrke: \u201eZu Aldi!\u201c Mantafahrer: \u201eWat, schon halb sieben?\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Wir fahren Manta Manta stammt genau genommen von der Berliner Punkband King K\u00f8ng unter dem Pseudonym \u201eDie Motoristen\u201c. King K\u00f8ng l\u00f6ste sich 1993 zugunsten der Neugr\u00fcndung von Die \u00c4rzte auf. Der Song ist nicht zu verwechseln mit dem Titellied des Films, Manta! Manta!, das von J\u00f6rg Evers unter dem Pseudonym \u201eManni Ickx\u201c geschrieben wurde.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Der Regisseur war im selben Jahr bereits mit der Automarken-Kom\u00f6die Go Trabi Go erfolgreich gewesen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Andere Marken kommen nur am Rand vor: Kenwood- und Yokohama-Aufkleber an der Heckscheibe, J\u00e4germeister; Manta \u2013 der Film erfindet sogar ein No-Name-Bier f\u00fcr einige Szenen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Schneider hatte die Rolle des aufstrebenden Schlagers\u00e4ngers Johnny Flash erstmals 1987 in dem gleichnamigen Ruhrgebiets-Film von Werner Nekes gespielt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Zum Klischee der Manta-Frauen passt ja die damals so bezeichnete Musik von Samantha Fox, die auch in den Lyrics eines Songs (Manta von Norbert und die Feiglinge) genannt wird.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> In Manta \u2013 der Film werden die Witze u.a. beim Aufnahmeritual in den Manta-Club erz\u00e4hlt, wobei der Kandidat nicht lachen darf.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Dazu passen auch die Lyrics des Abspann-Songs Du darfst in Manta Manta, deren Logik sich an die von Blue Suede Shoes anlehnt, nur dass die Schuhe hier durch den Wagen ersetzt sind, nach dem Motto: \u201aDu darst alles tun, aber \u201eAlter nimm die Hand da \/ Weg von meinem Manta\u201c.\u2018<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> So hei\u00dft auch der Abspann-Song von Manta \u2013 der Film. Darin wird eine m\u00e4nnliche Stimme, die den Blues zu singen versucht (\u201eWoke up this morning\u2026\u201c) gefragt, ob sie nicht statt dessen \u201eBoh ey\u201c kenne.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Vgl. die fetischisierte Thematisierung des Maserati Quattroporte in Der Tatortreiniger (Staffel 1, Folge 3, 2011). Die technischen Daten, die Schotti hier aufz\u00e4hlt, gelten allerdings erst f\u00fcr den Quattroporte V, w\u00e4hrend im Hof eindeutig ein IVer Modell zu erkennen ist. Die Maseratis um 1980 fuhren in der Tat Spitzengeschwindigkeiten um 210 km\/h. \u2013 In einer sp\u00e4teren Tatortreiniger-Folge geht es auch um den Song Sexy Maserati von der Platte Babyman 2.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> \u00bbEnte\u00ab ist der deutsche Spitzname f\u00fcr den Citro\u00ebn 2 CV, der eine zeitlang in der BRD ein Kultauto war wie in den USA der VW K\u00e4fer, wenn auch eher f\u00fcr die Frankreich-Fraktion (Jazz, Existenzialismus, franz\u00f6sisches Kino) als f\u00fcr die Pop-Fraktion. Vgl. auch den Schlager Im Wagen vor mir von Henry Valentino. Im Film Manta Manta f\u00e4hrt die Studentin eine gr\u00fcne Ente.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Markus, Ich will Spa\u00df, auf: Kugelblitze und Raketen, CBS Records 1982.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Michail M. Bachtin, Die \u00c4sthetik des Wortes, hg. v. Rainer Gr\u00fcbel, Frankfurt\/M. 1979, S. 322.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Br\u00f6sel ist bei der Darstellung des Modells inkonsistent. Auf Bild 6 sieht man hinten den Schriftzug \u201eTAUNUS\u201c auf dem Wagen, den aber die 17M bzw. 20M-Modelle erstmals nicht mehr f\u00fchrten. Auf Bild 8 steht dann hinten stattdessen die korrekte Typenbezeichnung.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Br\u00f6sel: Besser is das! In: Br\u00f6sel: Werner, normal, ja! Kiel 1987 [unpaginiert].<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> In der Diegese befindet sich der Wagen auf einer Mittelmeerinsel, jedoch ist alles getilgt, was gegen den amerikanischen Westen spricht: das Meer ebenso wie das Kieler Kennzeichen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Eine \u00e4hnliche Differenz ist die zwischen Seattle und Hamburg in Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk von Tocotronic. Die amerikanische Hauptstadt des Grunge ist mythisch und unerreichbar; dass aus Sicht des Amerikaners wom\u00f6glich Hamburg die glamour\u00f6sere, mythischere Stadt sein k\u00f6nnte, kommt nicht in den Blick. Regnen tut es beiderorts.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Vgl. den Film Love Bug (1968, Regie: Robert Stevenson, dt.: Ein toller K\u00e4fer). Zum US-Erfolg des K\u00e4fers tr\u00e4gt nicht unerheblich die Werbecampagne der j\u00fcdischen Agentur Doyle Dane Bernbach bei, die dem ehemaligen NS-\u201eVolks\u201c-Wagen ein neues Image verpasst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Autobahn_(Album) (6.3.2016).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Ton Steine Scherben: Der Kampf geht weiter. Auf: Warum geht es mir so dreckig? Indigo 1971.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Marius M\u00fcller-Westernhagen: Oh, Margarethe. Auf: Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz. WEA 1978. In der Folgestrophe werden noch ein (Porsche) Targa und ein Iso (Grifo) erw\u00e4hnt, die Luxuswagen anderer Zuh\u00e4lter, mit denen das Ich konkurrieren muss. Ferner f\u00e4llt im Song das pop-ferne und daher im Zusammenhang komische Wort \u201eLebenshaltungskosten\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Das Prollige wird auf neue Weise stylish in Retro-Bewegungen wie Rockabilly, die auf die 50er Jahre zur\u00fcckverweisen. Tolle, Lederjacke, Kamm in der Tasche, dazu passen dann auch der Roller oder das aufgemotzte Fahrzeug. Markus zitiert diesen Look kaum zuf\u00e4llig auch auf dem Cover von Kugelblitze und Raketen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Bernd Begemann, Porsche Girl, auf: Jetzt bist du in Talkshows, Begafon Tontr\u00e4ger 1996, und zwar als Hidden Track.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Colorblind James Experience: A Different Bob. Auf: Colorblind James Experience. Fundamental Music 1987.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> \u201e[T]he majority of Americans, both now and in the past, have seen it as representative of the American dreams of success, mobility, freedom, power, sex, and the good life through the triumph of technology.\u201c (Wright: Croonin\u2019 About Cruisin\u2019, S. 109f.).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> In Dialing for Dollars wurde w\u00e4hrend der Sendung ein Passwort genannt, anschlie\u00dfend wurden aus der Sendung heraus Zuschauer angerufen. Konnte der Angerufene das Passwort nennen, gewann er die Geldsumme. Ein Schwarzwei\u00df-Ger\u00e4t t\u00e4te es hier also auch.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> \u201cMcClure&#8217;s song may have become a TV commercial for Mercedes, but he&#8217;s never seen it and would never drive one.\u201d (Sam Whiting: The Beat Goes On\/Poet Michael McClure finds plenty of inspiration in Butters Canyon. In: SFGate, 16.3.2003; http:\/\/www.sfgate.com\/ bayarea\/article\/The-Beat-Goes-On-Poet-Michael-McClure-finds-2662770.php, 12.3.2016). Immerhin konnte sich der \u201eBeat bon vivant\u201c, wie man aus demselben Artikel erf\u00e4hrt, von den Song-Tantiemen ein Haus kaufen, w\u00e4hrend seine Lyrik sonst eher brotlose Kunst blieb.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> Au\u00dferdem versteckt sich hier noch eine Drogen-Referenz (\u201eAre you holding?\u201c).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref33\u201c name=\">[33]<\/a> So sollte das erste Major-Label-Album von Big Brother and the Holding Company eigentlich hei\u00dfen (es erschien dann 1968 als Cheap Thrills auf Columbia).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref34\u201c name=\">[34]<\/a> Mitch Mitchell: The Hendrix Experience (zit. n. http:\/\/phscollectorcarworld. blogspot.de\/2012\/05\/lost-star-cars-jimi-hendrix-corvettes.html, 17.3.2016).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autos im deutschen Pop<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[],"class_list":["post-9317","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9317","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9317"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9317\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9317"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9317"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9317"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}