{"id":9354,"date":"2019-07-01T08:32:17","date_gmt":"2019-07-01T06:32:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=9354"},"modified":"2019-07-01T08:32:17","modified_gmt":"2019-07-01T06:32:17","slug":"storysvon-annekathrin-kohout1-6-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2019\/07\/01\/storysvon-annekathrin-kohout1-6-2019\/","title":{"rendered":"Storysvon Annekathrin Kohout1.6.2019"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber ein Social-Media-Format<!--more--><\/p>\n<p>[aus: <a href=\"https:\/\/www.transcript-verlag.de\/978-3-8376-4455-5\/pop\/?c=312000158\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pop. Kultur und Kritik<\/a>, Herbst 2018, Heft 13, S. 22-29]<\/p>\n<p>In \u00bbBerliner Kindheit um neunzehnhundert\u00ab, in den 1930er Jahren geschrieben und posthum 1950 ver\u00f6ffentlicht, beschreibt Walter Benjamin ein besonderes Klingeln. Es schlug immer an, wenn im Kaiserpanorama ein Bild gewechselt wurde. Jedes Mal versetzte es ihn in eine \u00bbwehmutsvolle Abschiedsstimmung\u00ab und brachte ihn zu der \u00dcberzeugung, \u00bbda\u00df es unm\u00f6glich sei, die Herrlichkeiten in dieser einen Sitzung auszusch\u00f6pfen.\u00ab Das Klingeln erinnerte Benjamin offenbar jedes Mal an das bevorstehende Verschwinden des bereits gesehenen Bildes \u2013 nicht aber an das Auftauchen des neuen Bildes. Da im Kaiserpanorama \u2013 einer zylindrischen Holzvert\u00e4felung, hinter der sich ein Umlauf befand, der ungef\u00e4hr eine halbe Stunde lang automatisch Bilder transportierte, die sich bis zu 25 Personen gleichzeitig durch ein Guckloch anschauen konnten \u2013 ganze Serien zu einem bestimmten Thema gezeigt wurden, liegt eigentlich die Vermutung nahe, das Klingeln erzeuge Neugier, nicht Wehmut. Oder ist das nur aus heutiger Sicht so?<\/p>\n<div id=\"attachment_9359\" style=\"width: 730px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9359\" class=\"size-full wp-image-9359\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/06\/Bildschirmfoto-2019-06-30-um-16.38.50.png\" alt=\"\" width=\"720\" height=\"462\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/06\/Bildschirmfoto-2019-06-30-um-16.38.50.png 720w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/06\/Bildschirmfoto-2019-06-30-um-16.38.50-300x193.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><p id=\"caption-attachment-9359\" class=\"wp-caption-text\">August Fuhrmann-Kaiserpanorama, 1880<\/p><\/div>\n<p>Wer sich in den Sozialen Netzwerken sog. Storys ansieht (statt 25 Personen k\u00f6nnen sie Millionen gleichzeitig betrachten), wird gewiss nicht schwerm\u00fctig, wenn die Bilder oder Videos in maximal 15-sek\u00fcndigen Abst\u00e4nden wieder verschwinden. Im Gegenteil: Man wird durch das automatische Ablaufen verschiedener Aufnahmen in eine permanente Erwartungshaltung versetzt. Was kommt als n\u00e4chstes? Ist das, was bevorsteht, besser als das bisher Gesehene? Die Neugier ist derart gro\u00df, dass man, wenn nicht innerhalb weniger Millisekunden etwas Spannendes oder Krasses passiert, den Bildschirm ber\u00fchrt und damit den n\u00e4chsten Inhalt l\u00e4dt. Langweilig? Weiter. Langsam? Weiter. Schon auf einem anderen Profil gesehen? Weiter.<\/p>\n<p>Mittlerweile bieten neben Snapchat (seit 2013) auch Instagram (seit 2016) und Facebook (seit 2017) eine Story-Funktion an. Eine Story besteht aus aneinandergereihten Bildern und\/oder kurzen Videosequenzen in unterschiedlich gro\u00dfem Umfang, die sich nach 24 Stunden von selbst l\u00f6schen. Wurden in den Kaiserpanoramen haupts\u00e4chlich exotisch-ferne Reiseziele und Landschaften gezeigt, teilen Nutzer*innen in den Storys meistens ihren Alltag oder weisen \u2013 wenn sie Blogger*innen oder Influencer*innen sind \u2013 auf andere Instagram-Accounts oder Seiten im Netz hin, auf denen dann ihre Texte oder die pr\u00e4sentierten Produkte zu finden sind. Bestenfalls kommt alles zusammen: Sehr bekannte Instagram-Influencerinnen wie Courtney Trop (@alwaysjudging) oder die Zwillinge Reese und Molly Blutstein (@double3xposure und @accidentalinfluencer) produzieren t\u00e4glich bis zu 50 kurze Videos oder Bilder, versehen mit Hinweisen zu Modemarken, Hotels oder anderen Influencer*innen. Woraus besteht eine Story? Ein Bild, auf dem m\u00f6glichst viel (Schuhe, Ringe, Hemd und Hose) beworben werden soll \u2013 um das alles gleicherma\u00dfen gut sichtbar zu pr\u00e4sentieren, muss man sich allerdings ziemlich verrenken \u2013, wird selbstironisch mit \u00bbIt\u2019s called yoga\u00ab beschriftet. Dann folgen Filmaufnahmen von einem Shooting, ein abfotografierter Computer (auf dem die beim Shooting entstandenen Bilder ge\u00f6ffnet sind), ein Screenshot zu einem Artikel bei \u00bbVogue\u00ab (\u00bbSwipe up to read!\u00ab), Videos beim Aussuchen von Ohrringen, ein Foto mit den gekauften Ohrringen, ein Video bei der Geburtstagsfeier einer anderen bekannten Influencerin (@madelynnfurlong), ein Foto vom Abendessen usw.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-9358\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/06\/Bildschirmfoto-2019-06-30-um-16.39.13.png\" alt=\"\" width=\"385\" height=\"688\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/06\/Bildschirmfoto-2019-06-30-um-16.39.13.png 385w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/06\/Bildschirmfoto-2019-06-30-um-16.39.13-168x300.png 168w\" sizes=\"auto, (max-width: 385px) 100vw, 385px\" \/><\/p>\n<p>W\u00e4hrend Benjamin die durch den Bildwechsel entstandene Pause scheute, wirkt die gleiche zwischen zwei Story-Einheiten verhei\u00dfungsvoll. Wie das Schellen eines Weckers den Schlaf beendet, weckte auch das Klingeln bei einer Kaiserpanorama-Abfolge die Betrachter*innen aus einem bestimmten Zustand \u2013 aus jenem Zustand der Versenkung in ein Bild, durch die sie f\u00fcr eine gewisse Zeit von der Teilnahme an dem, was sie tats\u00e4chlich umgab (etwa andere Besucher*innen, die ebenfalls in Guckl\u00f6cher schauen, den Raum betreten oder verlassen) befreit wurden. Ein Zustand, oder besser: eine Erfahrung, die Lambert Wiesing in seiner ph\u00e4nomenologischen Abhandlung \u00bbDas Mich der Wahrnehmung\u00ab (2009) als \u00bbPartizipationspause\u00ab bezeichnet hat.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Eine Partizipationspause ist, so Wiesing, ein \u00bbAusnahmezustand der Wahrnehmung\u00ab. Bei der Bildbetrachtung ist man von der \u00bbleibliche[n] Teilnahme am wahrgenommenen Geschehen\u00ab befreit. Man muss z.B. nicht handeln, wenn auf dem Bild ein Unfall dargestellt ist. Man muss auch nicht anderweitig auf das Bild reagieren, es sei denn, man gibt gerade eine F\u00fchrung oder ist Kunstkritiker*in. Die Bildwahrnehmung ist insofern hoch zu sch\u00e4tzen, als sie von der Partizipation am sonstigen Geschehen f\u00fcr einen mehr oder weniger langen Moment entlastet, die Betrachter*innen von der \u00bbanstrengenden Daueranwesenheit der wahrgenommenen Welt\u00ab befreit. Die Versenkung in ein stillstehendes, ruhiges Bild tr\u00e4gt zur Entspannung bei. Diese These best\u00e4tigt sich bei Benjamin, wenn er das Kaiserpanorama mit dem sp\u00e4teren Film vergleicht. Im Kino ert\u00f6nte Musik, was nach Benjamins Beobachtung im Gegensatz zum entspannenden Betrachten des Kaiserpanoramas \u00bberschlaffend\u00ab war, weil die Musik den Betrachter auch physisch involvierte und wegen der Beanspruchung mehrerer Sinne immersiv wirkte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Nun k\u00f6nnte man anhand dieser \u00dcberlegungen die Frage stellen, ob die vielerorts diagnostizierte \u203aBilderflut\u2039 gar nicht so bedrohlich und \u00fcberw\u00e4ltigend ist, wie Kulturpessimisten gemeinhin vermuten. Befindet man sich vielleicht sogar in permanenter Partizipationspause und gleitet vollends entspannt durch den von Bildern dominierten digitalen Alltag? Sind all die Selfies, Meme, Gifs, Snaps oder Emojis gar die pure Entspannung? Die Skepsis gegen\u00fcber einer solchen Hypothese ist berechtigt. Die Bilder und Videos im Netz sind n\u00e4mlich manchmal kaum mehr als solche zu bezeichnen. Vor allem aber besitzen sie einen anderen Status. Das wird selten so deutlich wie bei den Storys.<\/p>\n<p>Ein besonderes Merkmal der Bildbetrachtung ist, so Wiesing, dass man \u00bbim Gegensatz zur Wahrnehmung einer Sache [\u2026] f\u00fcr die im Bild sichtbare Welt prinzipiell unsichtbar\u00ab bleibt. Nur ein Bild kann man \u00bbvollkommen distanziert und g\u00e4nzlich schamlos\u00ab ansehen, umgekehrt aber nicht von ihm gesehen werden. F\u00fcr die Bilder einer Story gilt das zumindest nicht ohne Einschr\u00e4nkungen. Denn mit jedem Blick bzw. Klick (besser: Touch) hinterlassen die Betrachter*innen unweigerlich Spuren auf dem Bild, die zumindest von den Macher*innen gesehen werden k\u00f6nnen. Wer eine Story ver\u00f6ffentlicht, dem werden f\u00fcr jedes einzelne Bild oder Video all jene in einer Liste angezeigt, die es abgespielt haben. Betrachter*innen werden in diesem Moment also von Bildproduzent*innen \u2013 die selbst oder deren Alltagswelt oft zugleich Bildobjekt sind \u2013 angesehen. Weil sie um ihre Sichtbarkeit wissen, k\u00f6nnen sie die Storys nicht distanziert, schon gar nicht schamlos ansehen. Die Betrachtung einer Story erm\u00f6glicht keine Partizipationspause, weil sie erstens nicht von einer Partizipation befreit und zweitens eine soziale Interaktion darstellt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-9355\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/06\/Bildschirmfoto-2019-06-30-um-16.40.04.png\" alt=\"\" width=\"990\" height=\"644\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/06\/Bildschirmfoto-2019-06-30-um-16.40.04.png 990w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/06\/Bildschirmfoto-2019-06-30-um-16.40.04-300x195.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/06\/Bildschirmfoto-2019-06-30-um-16.40.04-768x500.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 990px) 100vw, 990px\" \/><\/p>\n<p>Wiesing identifiziert noch eine weitere Folge der Bildbetrachtung: die Befreiung von der Zumutung einer individuellen Verortung. W\u00e4hrend man einen realen physischen Gegenstand von verschiedenen Seiten betrachten kann, gew\u00e4hrt das Bild nur eine einzige Perspektive, die alle gleicherma\u00dfen sehen \u2013 egal wo sie stehen. \u00bbDas Bild weist seinem Betrachter einen Standort der Ansicht zu \u2013 und zwar: jedem denselben\u00ab, hei\u00dft es bei Wiesing. Hinzu kommt die Entlastung von der Partizipation an der Zeitlichkeit des Bildes: \u00bbAlles, was wahrgenommen wird, ist [\u2026] ein alterndes Objekt zu einem bestimmten Zeitpunkt \u2013 nur das Bildobjekt nicht!\u00ab Das bedeutet f\u00fcr Betrachter*innen, dass sie sich das gleiche Bild immer wieder ansehen k\u00f6nnen, ohne dass es sich ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Bei der Betrachtung einer Story liegt wiederum eine ganz andere Situation vor: Allein schon ihre Verg\u00e4nglichkeit hat zur Folge, dass man sie nicht zu jeder Zeit sehen kann, wenngleich sich zumindest einzelne Teile der Story in dieser Zeit nicht ver\u00e4ndern \u2013 die Story tut dies allerdings schon, etwa wenn sie erweitert wird oder einzelne Teile verschwinden. Sie hat keinen definierten Anfang oder Ende, bleibt immer unabgeschlossen. Durch die Personalisierung der Sozialen Netzwerke kann man einzelne Bildinhalte zwar nicht physikalisch aus verschiedenen Perspektiven betrachten, wohl aber das, was Kontext und Situation ausmacht. W\u00e4hrend dem einen eine bestimmte Story am Nachmittag beim Warten auf den Bus unmittelbar nach einer Story mit Meldungen angezeigt wird, trifft dieselbe bei einem anderen am sp\u00e4ten Abend kurz vor dem Einschlafen ein, nachdem gerade ein YouTube-Video auf demselben Ger\u00e4t angesehen wurde.<\/p>\n<p>So wird immer deutlicher, dass bei den Storys von reiner Betrachtung eigentlich keine Rede sein kann. Man erlebt gerade keine Partizipationspause, sondern ist Teilnehmer*in an den allt\u00e4glichen Situationen anderer. Das bedeutet auch, dass man bei den Inhalten der Bildgeschichten auf Instagram, Facebook oder Snapchat kaum noch von \u203aBildern\u2039 sprechen kann. Zumindest nicht von solchen, die unbeweglich an der Wand eines Museums oder hinter dem Stereoskop in einem Kaiserpanorama h\u00e4ngen. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass einen die Aufnahmen vermeintlich unmittelbarer allt\u00e4glicher Szenen der Bildproduzent*innen direkt in den eigenen v\u00f6llig verschiedenen Alltags- und Lebenssituationen antreffen. Anders als die Galerie, in der ein Bild h\u00e4ngt, oder das Kino, in dem ein Film gespielt wird, und die man zur Betrachtung jeweils eigens aufsuchen muss, was eine Partizipationspause vielleicht sogar erst erm\u00f6glicht, ist das Smartphone mobil. Die Bilder der Sozialen Netzwerke kommen zu ihren Betrachter*innen, wo auch immer sich diese gerade befinden: bei der Arbeit, im Bett, am Strand oder im Bad.<\/p>\n<p>Auch formale und \u00e4sthetische Konventionen, die Bilder und Videos bisher ausgebildet und bedient haben, werden von den Storys zumeist ignoriert. W\u00e4hrend Filme meist im Querformat aufgenommen und gezeigt werden, nimmt man sie, der Handhabung folgend, mit dem Smartphone im Hochformat auf. Und da es sich stets als unpraktisch erweist, das Handy w\u00e4hrend einer Story zu drehen, wird das bereits bei der Ver\u00f6ffentlichung weitgehend vermieden. Oft werden konventionelle Bildformate innerhalb einer Story auch dadurch aufgebrochen, dass ein Foto etwas kleiner ins Bild gesetzt und dann mit verschiedenen digital animierten Stickern \u00fcber den Bildrand hinaus versehen wird. Das Rechteck ist die Kulturform f\u00fcr Bilder schlechthin, darum wird durch seine Aufl\u00f6sung auch die Wirkung einer nat\u00fcrlichen Lebendigkeit erzeugt. Mit Stickern, Emojis oder Text wird die jeweilige Aufnahme zudem inhaltlich kommentiert, sie verleihen ihr Ironie oder markieren sie mit einem Augenzwinkern, wodurch sie spontan und situativ wirkt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9356\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/06\/Bildschirmfoto-2019-06-30-um-16.39.40.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"541\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/06\/Bildschirmfoto-2019-06-30-um-16.39.40.png 379w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/06\/Bildschirmfoto-2019-06-30-um-16.39.40-166x300.png 166w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9357\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/06\/Bildschirmfoto-2019-06-30-um-16.39.24.png\" alt=\"\" width=\"303\" height=\"539\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/06\/Bildschirmfoto-2019-06-30-um-16.39.24.png 384w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2019\/06\/Bildschirmfoto-2019-06-30-um-16.39.24-168x300.png 168w\" sizes=\"auto, (max-width: 303px) 100vw, 303px\" \/><\/p>\n<p>Anders als die fest im Profil installierten und sp\u00e4ter in den Feeds angezeigten Bilder und Videosequenzen lassen sich jene f\u00fcr die Story direkt in der App beschriften, bemalen oder mit Stickern versehen \u2013 man ben\u00f6tigt keine eigene Software dazu. Diese Ann\u00e4herung oder Gleichzeitigkeit von grafischen und fotografischen Elementen hat eine \u00c4sthetik hervorgebracht, die aus Poesie- oder Notizb\u00fcchern bekannt ist. Storys wirken dadurch fast immer gebastelt und \u2013 anders als die mittlerweile sehr perfekten Instagram-Bilder \u2013 nicht professionell. Insofern erzeugt Instagram mit den zwei verschiedenen M\u00f6glichkeiten der Publikation eine gewisse Dialektik zwischen solchen Bildern, die (gemeinhin und durch Medienberichte befeuert) als inszeniert oder mindestens gesch\u00f6nt gelten, und den Storys, die in ihrem Gebasteltsein einerseits einen authentischen Eindruck vermitteln und andererseits habituell an die analoge Welt erinnern.<\/p>\n<p>In der tats\u00e4chlichen, analogen Welt wirkt beim Betrachten einer Story oft eine Ironie des Schicksals: Den Impuls, zuerst die jeweilige App, dann die erste Story zu \u00f6ffnen, bekommt man meistens dann, wenn man gerade pausiert. Die Partizipationspause dauert nur einen Moment an oder bleibt eine blo\u00dfe Erwartung: Man sitzt gerade in einem \u00fcberf\u00fcllten Bus und wendet den Blick von der Umwelt und all ihren Zumutungen auf die digitale Welt. Doch dann wird man auf eine Art hineingezogen, die zu noch mehr Interaktion und Partizipation anregt, als es die Mitfahrenden im Bus verm\u00f6gen. Endet eine Story, wird sofort die n\u00e4chste abgespielt. Sich die vielen Storys anzusehen, manche nur halb, andere beschleunigt (auf einige wirft man nur einen kurzen ersten Blick), ist sogar dem Fahren im \u00fcberf\u00fcllten Bus oder dem Gang durch eine belebte Stra\u00dfe sehr \u00e4hnlich. Hier wie dort, analog wie digital, kann man dann zum Boden sehen und sich den Blicken und Zumutungen der Welt \u2013 so gut es geht \u2013 entziehen. Oder man flaniert, verfolgt einzelne Menschen und Dinge eingehend, oder fotografiert sogar: indem man einen Screenshot macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/sofrischsogut.com\">Annekathrin Kohout<\/a> ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Germanistischen Seminar der Universit\u00e4t Siegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber ein Social-Media-Format<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[193,317,1082,1092,1189,1347,1742,2159,2164,2189,2190,2243,2498],"class_list":["post-9354","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-annekathrin-kohout","tag-berliner-kindheit","tag-instagram","tag-internetkultur","tag-kaiserpanorama","tag-lambert-wiesing","tag-partizipationspause","tag-snapchat","tag-social-media","tag-soziale-medien","tag-soziale-netzwerke","tag-story","tag-walter-benjamin"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9354","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9354"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9354\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9354"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9354"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9354"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}