{"id":9437,"date":"2019-08-28T08:38:36","date_gmt":"2019-08-28T06:38:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=9437"},"modified":"2019-08-28T08:38:36","modified_gmt":"2019-08-28T06:38:36","slug":"goodbye-viva-hello-igtvvon-annekathrin-kohout28-8-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2019\/08\/28\/goodbye-viva-hello-igtvvon-annekathrin-kohout28-8-2019\/","title":{"rendered":"Goodbye VIVA, hello IGTVvon Annekathrin Kohout28.8.2019"},"content":{"rendered":"<p>Social Media, Pop, Ereignis<!--more--><\/p>\n<p>[aus: \u00bbPop. Kultur und Kritik\u00ab, <a href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2018\/09\/24\/heft-13-pop-kultur-und-kritik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Heft 13<\/a>, Herbst 2018, S.49-58]<\/p>\n<p>Am 24. Juni 2018 wird auf dem Instagram-Profil von Taylor Swift eine kurze, siebenteilige Story hochgeladen. Ihre Fans wissen sicherlich, dass es sich bei den Aufnahmen um ihr Konzert im Londoner Wembley-Stadion handelt. Swift sitzt am Klavier, ihr blondes Haar weht leicht im Wind, die Melodie setzt ein, man erkennt sie sofort: \u00bbI sit and wait\u00ab. Es ist der Song \u00bbAngels\u00ab von Robbie Williams, das Publikum tobt und Swift grinst. Der Effekt sitzt. Im zweiten Clip der Story erscheint pl\u00f6tzlich vor dem Piano \u2013 er wird durch ein Loch im B\u00fchnenboden hochgefahren \u2013 Robbie Williams, das Original. Jetzt geht der dritte Clip los, Swift spielt Klavier, ihr Lachen wird breiter, Williams singt. Er tr\u00e4gt ein T-Shirt, das f\u00fcr die Reputation-Tour von Swift wirbt, auf der er sich gerade selbst befindet. Swift wird eingeblendet: Sie kann ihr Gl\u00fcck kaum fassen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-9453\" src=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Swift1-1024x657.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"446\" \/><\/p>\n<p>Fr\u00fcher w\u00e4ren solche Aufnahmen nur im (Musik-)Fernsehen gezeigt worden. Diese Zeiten sind seit zehn Jahren vorbei. Dem (Musik-)Fernsehen wird \u2013 wie den Printmedien \u2013 darum seit ungef\u00e4hr einer Dekade der Untergang prognostiziert. Beim deutschsprachigen Musikkanal VIVA, den es seit 1993 gibt, erf\u00fcllt sich die Vorhersage tats\u00e4chlich in naher Zukunft, er stellt am 31. Dezember 2018 den Sendebetrieb ein. Der Grund daf\u00fcr liegt auf der Hand: die Erfolge Sozialer Medien, insbesondere von YouTube und Instagram, auf denen Fans selbstbestimmt, mobil und jederzeit auf die Videos oder Bilder ihrer Stars zugreifen k\u00f6nnen. <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>2003 \u2013 einige Jahre vor der Durchsetzung Sozialer Medien \u2013 stellte die Filmwissenschaftlerin Michaela Kr\u00fctzen in ihrem Essay \u00bbFernsehen, Pop, Ereignis\u00ab das Musikfernsehen am Beispiel von MTV auf eine Weise dar, wie man heute Instagram charakterisieren w\u00fcrde. Mehr noch als jeder andere Sender sei MTV \u00bbein Medium der Wiederholung, der Vorank\u00fcndigung, der Zerstreuung, der Unterhaltung, der Geschichtslosigkeit, der Fragmentierung und des Flusses.\u00ab Ersteres versteht sich von selbst, denn Popmusik ist ein \u203acontent\u2039, der die Wiederholung beg\u00fcnstigt und gleicherma\u00dfen ben\u00f6tigt. Ein Popsong ist ein umso gr\u00f6\u00dferer Hit, je \u00f6fter er wiederholt wird. Deshalb, so Kr\u00fctzen, \u00bbkann MTV sein Angebot schneller recyceln als jeder andere Sender.\u00ab Sieht man sich den \u203acontent\u2039 an, der von Popstars bzw. ihren Social-Media-Verantwortlichen auf Instagram eingestellt wird, muss man die Plattform geradezu als Recycling-Hof bezeichnen. Unz\u00e4hlige Perspektiven des gleichen Konzertauftritts oder Fotoshootings und verschiedene Ausschnitte von Musikvideos werden manchmal direkt nacheinander, oder in angemessenen Abst\u00e4nden, wieder und wieder ver\u00f6ffentlicht. Auf einem Event werden Bilder f\u00fcr die n\u00e4chsten drei Jahre gesichert; dass es sich dann irgendwann um alte Bilder handelt, bemerken nur aufmerksame Follower oder Fans. Und wieviel Aufmerksamkeit kann man als User einem einzelnen Account schon widmen, wenn man hunderten folgt? Wiederholung ist sogar unabdingbar, will man, dass ein Auftritt bei m\u00f6glichst vielen Nutzern im Feed erscheint; ohne Wiederholungen w\u00fcrde ein Algorithmus bei den meisten Nutzern den Clip gar nicht platzieren.<\/p>\n<p>Instagram dient ebenfalls als Medium der Vorank\u00fcndigung. Solche Ank\u00fcndigungen werden unterschiedlich in Szene gesetzt: als Making-of-Foto mit dem Kommentar \u00bbComing Soon\u00ab, als Story mit dem Hinweis \u00bbSwipe up\u00ab (woraufhin sich eine Seite mit der Aufl\u00f6sung \u00f6ffnet) oder mit r\u00e4tselhaften Postings, die so sehr aus dem \u00fcblichen Feed herausfallen, dass sie eine Bedeutung besitzen m\u00fcssen und sich die Betrachter unweigerlich fragen, welche das sein k\u00f6nnte \u2013 etwa als Katy Perry drei Tage lang kurze Videosequenzen von animierten 50er-Jahre-Motiven postete, die f\u00fcr einen fiktiven Freizeitpark mit dem Namen \u00bbOblivia\u00ab warben; wie sich im Nachhinein herausstellte, k\u00fcndigte sie damit ihr Musikvideo \u00bbChained to the Rhythm\u00ab an, das in jenem Park spielt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-9452\" src=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Perry-1024x659.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"447\" \/><\/p>\n<p>So geeignet bereits das Musikfernsehen war, um st\u00e4ndig neue Erwartungshaltungen durch Vorank\u00fcndigungen, aber auch durch das Format selbst zu erzeugen (Kr\u00fctzen weist darauf hin, dass man bei den kurzen Musikvideos immer schon ihr Ende mitdachte und das Warten auf das n\u00e4chste, noch unbekannte Video gro\u00dfe Verhei\u00dfungen ausl\u00f6ste), so ist diese Wirkung bei Instagram deutlich verst\u00e4rkt. Nicht nur dass Bilder mit kurzen Kommentaren schneller erfasst werden und Clips oder Storys mit einer Maximaldauer von 15 Sekunden wesentlich k\u00fcrzer sind als ein Musikvideo \u2013 der \u203aInfinite Scroll\u2039 h\u00e4lt die Erwartungen auf das Neue, noch nicht Bekannte immerzu aufrecht. Hinzu kommt, dass man selbst bestimmen kann, wie schnell man scrollt, was man \u00fcberscrollt oder wo man anh\u00e4lt und verharrt. \u00c4hnlich bei den Storys: Mit einem simplen Tippen erscheint das n\u00e4chste Video, mit einem kurzen Wischen die n\u00e4chste Story.<\/p>\n<p>Wie sieht es mit der Zerstreuung aus? Kr\u00fctzen meinte, das Musikfernsehen laufe immer nebenbei. Die Zuschauer b\u00fcgelten oder \u00e4\u00dfen w\u00e4hrend des Fernsehens; kurze St\u00fccke, die sich abwechseln und keinen Zusammenhang, keine Narration ergeben, eigneten sich hervorragend als Nebenbesch\u00e4ftigung. Wenn man sich heute auf Instagram bewegt, ist man im Gegensatz zum Fernsehen zwar immer aktiv (man gelangt nur durch Klicken, Scrollen oder Wischen zu den verschiedenen Inhalten), trotzdem geht auch mit der Nutzung der App eine gewisse Zeit\u00f6konomie einher: Sie wird h\u00e4ufig in jenen Momenten aufgerufen, in denen man sonst Zeit verschwenden w\u00fcrde, zum Beispiel beim Warten. Oft wird auch w\u00e4hrend des Fernsehens gescrollt, nicht selten auch nur wegen der Aktivit\u00e4t selbst (ohne sich dabei auf die Inhalte zu konzentrieren).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ohne Zweifel dient Instagram wie ehedem MTV oder VIVA vor allem der Unterhaltung. Man k\u00f6nnte zwar einwenden, dass bei Instagram ein schier unermessliches Repertoire existiert, w\u00e4hrend ein TV-Sender immer einem von wenigen Personen zusammengestellten Programm folgt. Aber auch wenn es viele Instagram-Profile gibt, die sich traditionelle Bildungsziele setzen, gilt das jedoch nicht f\u00fcr die popul\u00e4ren Accounts. Popul\u00e4r ist, wer viele Follower hat und was viele Likes und Kommentare erh\u00e4lt \u2013 was fast immer auf unterhaltende Inhalte zutrifft. Lange verf\u00fcgte Taylor Swift \u00fcber die meisten Follower unter allen angemeldeten Nutzern, mittlerweile ist Selena Gomez die \u203aQueen of Instagram\u2039\u00a0mit 138 Millionen Followern (Stand: 26.6.2018).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-9451\" src=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Gomez-1024x492.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"334\" \/><\/p>\n<p>Hinsichtlich des Merkmals der Geschichtslosigkeit scheint sich Instagram wiederum als Nachfahre des Musikfernsehens zu erweisen. \u00bbMTV is the triumph of pure presence\u00ab, schrieb David J. Tetzlaff im \u00bbJournal of Communication Inquiry\u00ab von 1986. Kr\u00fctzen best\u00e4tigte das: Jeder Bericht laufe auf \u00bbgegenw\u00e4rtige Triumphe hinaus\u00ab \u2013 und bringt damit zwei Dinge zusammen, die auch Instagram auf virtuose Weise vereint: die Suggestion von Gegenwart \u2013 meist durch Alltagsdarstellungen \u2013 und die Inszenierung von Erfolg. Eine \u00bbmoderne Form der Hofberichterstattung\u00ab attestierte Kr\u00fctzen darum MTV zus\u00e4tzlich. Instagram hingegen berichtet nicht nur blo\u00df \u00fcber den Hof, sondern direkt aus dem Hof heraus (besonders gut nachzuvollziehen auf dem Profil von Britney Spears, wo ein Gro\u00dfteil der Beitr\u00e4ge in ihrer h\u00e4uslichen Villa spielt). Kaum ein Soziales Netzwerk wird deshalb so stark daf\u00fcr kritisiert, nur Reichtum und Lifestyle zu pr\u00e4sentieren, wie Instagram.<\/p>\n<p>Von seiner Verwendung her ist Instagram zweifellos ein Medium der Gegenw\u00e4rtigkeit. Viele Bilder werden \u00fcber den pers\u00f6nlichen Feed lediglich ein einziges Mal, n\u00e4mlich wenn sie neu hinzukommen, betrachtet. Noch mehr aber erf\u00fcllt sich die Gegenwartsbezogenheit in den Storys, weil diese sich nach 24 Stunden von selbst l\u00f6schen. Dennoch gibt es ein Archiv, dessen Bedeutung gerade f\u00fcr Fans nicht zu untersch\u00e4tzen ist. Bei \u00e4lteren Profilen von Popstars, die viel auf Instagram ver\u00f6ffentlichen, ist es zu einer regelrechten Herausforderung f\u00fcr die Fans geworden, bis zum ersten Eintrag herunterzuscrollen und ein Datum zu hinterlassen, so als h\u00e4tten sie einen Berg erklommen. Nur weil das Archiv f\u00fcr viele weiterhin von Bedeutung ist, fiel der Effekt so gro\u00df aus, als Taylor Swift mit einem Mal alle Eintr\u00e4ge auf Instagram (ebenso auf Twitter und Facebook) l\u00f6schte (nicht ohne Pathos: am Tag der Sonnenfinsternis), um im Anschluss mit drei r\u00e4tselhaften Videos einer Schlange ihr neues Album anzuk\u00fcndigen, das nat\u00fcrlich nicht zuf\u00e4llig \u00bbReputation\u00ab hei\u00dft. Die Diagnose der Geschichtslosigkeit trifft auf Instagram also (noch) nicht vollst\u00e4ndig zu. Sie erfasst aber auch die Eigenart von MTV keineswegs vollst\u00e4ndig, wie man im Nachhinein erkennen kann, waren es doch gerade die Musiksender, die mit Dokumentationen und R\u00fcckschauen an der Historisierung von Popmusik mitgewirkt haben.<\/p>\n<p>Nicht nur die kurzen Zeiteinheiten kennzeichnen MTV als \u00bbSt\u00fcckwerk\u00ab, hielt Kr\u00fctzen fest. Das Musikfernsehen hat\u00a0mehr noch als n-tv, N24 oder CNN \u2013 die Laufschriften in ihre Monitoransicht integrierten \u2013 den Bildschirm in kleine Felder eingeteilt, wo neben Chartplatzierungen und SMS-Nachrichten auch mal zwei Videos sich abl\u00f6send nebeneinandergestellt wurden. Das \u00bbbedeutet eine permanente Neuorientierung; die Zuschauer m\u00fcssen sich im Minutentakt auf neue Bilder einstellen. Dies f\u00fchrt nun aber nicht zu einer Wahrnehmung des Programms als st\u00fcckhaft. Charakteristisch [\u2026] ist vielmehr die Wahrnehmung des Gebotenen als flie\u00dfend.\u00ab Einmal mehr liest sich Kr\u00fctzens Charakterisierung des Musikfernsehens wie eine Beschreibung von Instagram. Was w\u00e4re spezifischer f\u00fcr das Soziale Netzwerk als die Aufteilung des Bildschirms in kleine Quadrate, die aber in ihrer Verwendung \u2013 durch das Scrollen und Verfolgen von Profilen \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum \u2013 als \u203aflow\u2039 empfunden werden?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Auch die Inhalte, mit denen Popstars ihre Profile f\u00fcllen oder f\u00fcllen lassen, kn\u00fcpfen an Traditionen der Musiksender an. Wo bei MTV das Musikvideo zu \u00bbOops! \u2026 I Did It Again\u00ab abgespielt wurde und anschlie\u00dfend Britney Spears in einem Werbeclip f\u00fcr Pepsi tanzte (und zwei Wochen sp\u00e4ter eine Homestory in ihrer Villa gemacht wurde etc.), sieht man auf dem Instagram-Profil von Spears nun in einem vergleichbaren Verweissystem eine Abfolge von Konzertsequenzen, Werbebilder f\u00fcr Kenzo, Selfies im hauseigenen Fitnessstudio. Man sieht aber noch viel mehr \u2013 allerdings unterscheidet sich der Auftritt von Britney Spears hier deutlich von dem anderer Popstars: Sie gew\u00e4hrt \u00fcberaus intime Einblicke in ihr Privatleben und das ihrer Kinder. Das ist auf eine Art gewagt, weil sie sich damit angreifbar macht, andererseits auch interessant, weil sich ihr Instagram-Verhalten als Akt der Selbstbestimmung ansehen l\u00e4sst, als Emanzipation von der fremdbestimmten Darstellung durch fr\u00fchere journalistische Medien oder Paparazzi.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-9450\" src=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Britney-1024x753.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"511\" \/><\/p>\n<p>Britney Spears macht auf Instagram, was sie will. Dass sie die M\u00f6glichkeit dazu hat, verdeutlicht, auf welche Weise sich Instagram von einem Ahnvater wie dem Musikfernsehen unterscheidet. Man kann es nutzen, wie einem beliebt. Man kann (bis auf Genitalien und Gewaltdarstellungen) alle Bilder zeigen, die man m\u00f6chte. Man muss keine Narration erzeugen, sondern besitzt die M\u00f6glichkeit, sie st\u00e4ndig zu brechen. M\u00f6chte man es positiv formulieren, haben Popstars die Chance, ihr Image selbst zu gestalten \u2013 nat\u00fcrlich mit der Gefahr, dass sie dabei an Popularit\u00e4t verlieren. Deshalb gibt es immer weniger Prominente, die ihre Accounts selbst bespielen, es sei denn, der Authentizit\u00e4t wegen, um hin und wieder ein Selfie zu posten. Ihre Social-Media-Manager richten sich bei der Gestaltung des Profils an der Optimierung von Followerzahlen aus, zudem m\u00f6chten sie viele Likes und Kommentare erzielen. Darum halten sie nicht nur die formalen Regeln stoisch ein (wie h\u00e4ufig und zu welchen Zeiten etwas ver\u00f6ffentlicht wird), sondern erf\u00fcllen auch einige inhaltliche Standards (welche Bildtypen und -Motive verwendet werden und in welcher Abwechslung diese auf dem Profil erscheinen).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Lange blieb Miley Cyrus die <a href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2015\/12\/11\/social-media-dezembervon-annekathrin-kohout11-12-2015\/\">Ausnahme von der Regel<\/a> konventioneller und professioneller Bilderproduktion auf Instagram. Mit \u00fcberraschenden, lustigen, provokativen und unverst\u00e4ndlichen Bildern und Collagen irritierte sie Zuschauer und Fans stets aufs Neue, konfrontierte sie mitunter sogar mit Abgr\u00fcnden. So manch eine Nacht sendete sie mehr oder minder un\u00fcberlegt Bilder aus dem Bett, einen Joint rauchend. Fotos von abendlichen Abst\u00fcrzen mit prominenten Kollegen waren auch g\u00e4ngig. Ihre Fans sahen es ihr nicht immer nach, trauerten in den Kommentarspalten \u00fcber den Verlust der \u00bbalten Miley Cyrus\u00ab alias Hannah Montana \u2013 von der aber alle Spuren auf Instagram beseitigt (gel\u00f6scht) waren. Mit ihrem Musikvideo zu \u00bbMalibu\u00ab, \u00e4nderte sich Cyrus\u2019 Instagram-Account im Mai 2017 pl\u00f6tzlich. \u00bbIt\u02bcs a brand new start&#8230; a dream come true&#8230; in Malibu\u2026\u00ab kommentiert sie das Cover des \u00bbBillboard\u00ab-Magazins, auf dem sie im rosa R\u00fcschenkleid abgebildet ist (und nicht, wie wenige Jahre zuvor, nackt auf einer Abrissbirne) \u2013 zugleich das Foto, das die Ver\u00e4nderung ihres Instagram-Profils einleitet. \u00bbHannah Montana is back\u00ab, lautete ein Kommentar. Seitdem scheint Miley Cyrus kaum noch selbst auf Instagram zu posten. Die dort ver\u00f6ffentlichten Bilder machen beinahe ausschlie\u00dflich den Eindruck \u00f6ffentlicher Werbe- und Presseaufnahmen. Damit reiht sie sich ein in die Professionalisierung des Sozialen Netzwerks, in dem immer weniger experimentiert wird und immer weniger \u00fcberraschend \u203aPrivates\u2039 von Popstars zu erwarten ist. Zwar hat Beyonc\u00e9 im Juni 2018 ein sehr erfolgreiches Instagram-Bild (das sie mit Jay-Z bei einem Ausflug in den Louvre zeigt) zum Anlass f\u00fcr ein ganzes Musikvideo genommen (\u00bbApeshit\u00ab), doch ist auch ihr Instagram-Account unpers\u00f6nlich und folgt lediglich den g\u00e4ngigen Strategien: In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden wechseln sich Bilder und kleine Videoausschnitte von Musikvideos, Konzerten oder Werbeaufnahmen sowie Collagen des immer selben Typs ab. Es gibt keine Profilbeschreibung, und die Bilder werden fast nie kommentiert. Erst recht werden keine Kommentare beantwortet.<\/p>\n<p>Der Instagram-Account von Beyonc\u00e9 interpretiert den Starberuf sehr klassisch als glamour\u00f6sen Lifestyle. Ganz anders Taylor Swift: Sie inszeniert das Star-Sein als Arbeit. Ihr Profil dominieren Bilder von Proben und Vorbereitungen auf Konzerte, Musikvideos und \u00f6ffentliche Termine. Auch dahinter steckt ein Konzept, das den Fotos einen Status zuweist: Die Bilder bei Vorbereitungen oder beim Training sind \u00fcberwiegend schwarz-wei\u00df, Auftritte vor Publikum, Musikvideos, Werbeshoots sind farbig. Manchmal wird das Einstudieren einer Choreografie der Ausf\u00fchrung im fertigen Musikvideo gegen\u00fcbergestellt. Das fl\u00f6\u00dft Respekt ein. Und wenn doch einmal eine eher private Aufnahme im Feed auftaucht, etwa wenn Swift mit ihrer Katze im Bett kuschelt, kommentiert sie: \u00bbJust over here daydreaming about playing Manchester tomorrow&#8230;\u00ab Doppeltes Herzchen. Ein Foto ihrer Katze in einer Yoga-artigen Pose kommentiert sie mit: \u00bbWe are all stretching to prep for that tour choreo.\u00ab<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-9454\" src=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Swift2-1024x754.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"512\" \/><\/p>\n<p>Indem Swift die professionellen Standards ihres Jobs selbst thematisiert, schafft sie es, weiterhin ein Gef\u00fchl von Nahbarkeit und Gleichheit bei ihren Fans hervorzurufen, ohne dabei an Authentizit\u00e4t einzub\u00fc\u00dfen, obwohl \u2013 oder gerade weil \u2013 sie die Kommentarfunktion ausgestellt hat und sich damit als \u203amenschliches Wesen\u2039 offenbart, das auf positive Kommentare verzichtet, um den Hasskommentaren zu entgehen. Darum geht es schlie\u00dflich seit der Anfangszeit des Sozialen Netzwerks: Der Erfolg von Instagram ist nicht zuletzt der vermeintlichen Glaubw\u00fcrdigkeit und Allt\u00e4glichkeit der Bilder zu verdanken, die nicht mehr \u2013 wie in fr\u00fcheren fotografischen Darstellungen von Stars \u2013 Unnahbarkeit ausstrahlen (um die Auserw\u00e4hltheit des Stars zu betonen), sondern eine pers\u00f6nliche N\u00e4he und Gleichheit zu den Fans herstellen.<\/p>\n<p>Das gelingt noch immer vielerorts besonders deshalb so gut, weil Fans und Stars mit Instagram das gleiche Medium bedienen und die gleichen M\u00f6glichkeiten von Publikation und Rezeption haben. Dadurch wird die sonst eigens inszenierte Hierarchie zwischen Star und Fan aufgeweicht. Hinzu kommt die Sichtbarkeit der Vernetzung. Klickt man auf das Profil eines Popstars, sieht man, wem seine Seite gef\u00e4llt. Dort werden gleichwertig nebeneinander angezeigt: ein alter Schulkamerad, die Schauspielerin einer Serie, die man gerade schaut, andere Popstars, eine gute Freundin usw. Wer bisher nicht geglaubt hat, dass Prominente \u203aauch nur Menschen sind\u2039, wird auf Instagram insofern eines Besseren belehrt. Gegenw\u00e4rtig findet allerdings eine Hierarchisierung innerhalb der Plattform statt: So k\u00f6nnen etwa bei Instagram-TV (IGTV) nur jene Nutzer l\u00e4ngere Videos (bis zu 60 Minuten) produzieren und hochladen, die mehr als 10.000 Follower haben. F\u00fcr kleinere Accounts sind Videos nur bis zu einer L\u00e4nge von 10 Minuten m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Apropos Vernetzung: Nat\u00fcrlich gilt auch weiterhin die Regel, dass sich die Popularit\u00e4t eines Popstars besonders gut steigern l\u00e4sst, wenn er sich an der Seite anderer Popstars zeigt. Das kann auf Instagram vielf\u00e4ltig bewerkstelligt werden. Der einfachste Weg d\u00fcrfte das gemeinsame Selfie sein: \u00bbI\u2019m grateful for those I surround myself with\u00ab, schreibt Selena Gomez unter ein Backstage-Foto, auf dem sie mit Taylor Swift kuschelt \u2013 und es vereinen sich 138 Millionen Follower mit 109 Millionen Followern. Da klickt nicht nur Taylor Swift \u00bbGef\u00e4llt mir\u00ab, sondern auch andere Prominente liken das Foto, wie zum Beispiel Blake Lively. Das regt den Betrachter wiederum zu Spekulationen \u00fcber das Verh\u00e4ltnis zwischen den Stars an und steigert die Bedeutung des Postings. \u00dcberhaupt: So wenig Popstars auf die \u00fcblichen User-Kommentare reagieren \u2013 wie auch, es sind schlie\u00dflich tausende \u2013, so oft sieht man doch Kommentare von ihnen unter den Postings anderer Stars.<\/p>\n<p>Und die Musik? Sie muss von den Usern weitgehend dazugedacht werden. Zwar tauchen immer wieder kurze Sequenzen im Feed (mit Musik unterlegte Bilder und Videoausschnitte) oder in einer Story auf \u2013 sie ist also fester Bestandteil\u00a0des Feeds \u2013, aber sie anzuh\u00f6ren ist, wenn man ehrlich ist, kein gro\u00dfer Genuss. Die siebenteilige Story von Taylor Swift und Robbie Williams wird alle 15 Sekunden von einer kurzen Pause unterbrochen, in der sich das n\u00e4chste 15-Sekunden-Video l\u00e4dt. Das ist nur bei solchen Titeln auszuhalten, die sehr popul\u00e4r und so bekannt sind, dass man sie automatisch im Kopf weitersingt. Doch bleibt abzuwarten, wie die Musikindustrie IGTV f\u00fcr sich nutzbar machen wird. Da ist viel denkbar, von Outtakes \u00fcber Backstage-Stories bis zu eigens angepassten Musikclips. Vor allem wird es wohl viel \u203aReality-TV\u2039 geben, wie sich jetzt schon andeutet: Auch dabei treten die Star- und Lifestyle-Profile in die Fu\u00dfstapfen des Musikfernsehens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Social Media, Pop, Ereignis<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[383,740,1050,1082,1211,1574,1588,2243,2288],"class_list":["post-9437","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-britney-spears","tag-fernsehen","tag-igtv","tag-instagram","tag-katy-perry","tag-mtv","tag-musikfernsehen","tag-story","tag-taylor-swift"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9437","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9437"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9437\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9437"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9437"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9437"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}