{"id":955,"date":"2012-11-27T10:41:38","date_gmt":"2012-11-27T08:41:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=955"},"modified":"2012-11-27T10:41:38","modified_gmt":"2012-11-27T08:41:38","slug":"retrologievon-markus-heidingsfelder27-11-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2012\/11\/27\/retrologievon-markus-heidingsfelder27-11-2012\/","title":{"rendered":"Retrologievon Markus Heidingsfelder27.11.2012"},"content":{"rendered":"<p>Postmodern<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">1.<\/p>\n<p>Selten hat ein Buch \u00fcber Pop f\u00fcr derart hohe Aufmerksamkeitsgewinne gesorgt wie <em>Retromania<\/em> von Simon Reynolds, das nun auch in der deutschen \u00dcbersetzung vorliegt.<a title=\"\" href=\"#_edn1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a> Die darin formulierte These lautet kurz gefasst: Die Popmusik der Gegenwart ist von einem Vergangenheitsfuror infiziert, der jede Weiterentwicklung blockiert und sie letztlich in ihrer Existenz bedroht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\" align=\"center\">Wir k\u00f6nnen offenlassen, ob der Befund Realit\u00e4t greift, ob Pop zurzeit tats\u00e4chlich von einem krankhaft heraufgestimmten, sinn- und planlosen, immer schneller werdenden Zitieren und Referieren durchdrungen ist und auf eine \u201ekulturell-\u00f6kologische Katastrophe\u201c zusteuert.<a title=\"\" href=\"#_edn2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a> Die Frage nach der Realit\u00e4t retromanischer Formen ist die Frage danach, ob sie beobachtet werden, und genau das ist der Fall. Doch was steckt dahinter? An die Stelle eines fragw\u00fcrdigen Auswertungsverfahrens setzen wir im Folgenden die Suche nach den Pr\u00e4missen dieser Verallgemeinerung.<a title=\"\" href=\"#_edn3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a> Welche Annahmen laufen unhinterfragt mit? Welche Mechanismen liegen ihr zugrunde?<\/p>\n<p style=\"text-align: center\" align=\"center\">2.<\/p>\n<p>Die von mir unter der Bezeichnung Retrologie zusammengefassten Reflexionsformen konstatieren eine Z\u00e4sur, die man mit dem Begriff der Postmoderne zu bezeichnen pflegt.<a title=\"\" href=\"#_edn4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a> Nach Kunst und Architektur ist damit auch Pop offiziell in der Nachgeschichte angekommen, sprich: was einst durch Tradition gebunden war, kann nun frei verwendet werden. Womit sich die Frage stellt, ob es frei verwendet werden <em>darf<\/em>, ob Pop-Formen f\u00fcr beliebige, kontextfreie Kombinationen zur Verf\u00fcgung stehen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Die Antwort lautet: Nein, d\u00fcrfen sie nicht. Retrologie will die Mehrheit der unterschiedlichen Zugriffsm\u00f6glichkeiten auf Pop-Vergangenheit unterbinden. Zu diesem Zweck unterscheidet sie den guten \u2013 kritischen, reflexiven, in \u00e4lterer Terminologie: \u201asentimentalischen\u2018 \u2013 Wiederaufgriff vom schlechten: unkritischen, naiven oder restaurativen. Jedes Zur\u00fcck hat zu reflektieren, dass es aus einer anderen Zeitlage heraus beobachtet, und es muss diese Reflexion wiederum beobachtbar machen, sie also nicht nur vollziehen, sondern in neue Altformen \u00fcbersetzen. Etwa indem man mit Burial die \u201everlorene Zukunft\u201c betrauert \u2013 jene Zukunft, die einem in den 90er Jahren vor allem die Dance Music verhei\u00dfen hatte: Jungle, Garage, 2-Step \u2013 und eine alternative Geschichte der Verlierer schreibt.<a title=\"\" href=\"#_edn5\"><sup><sup>[5]<\/sup><\/sup><\/a> Denn nur wenn man die Gegenwart mit Hilfe der Vergangenheit in Frage stellt, kann man die erhofften antimanischen Effekte erzielen, kann man die Wirkung der verschiedenen, die Retromanie f\u00f6rdernden Sozialtransmitter vermindern und dem Patienten \u201eWege aus dem Retro-Dilemma\u201c (Sawatzki) weisen.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte wiederum von den Retrologen fordern, dass ihre Forderung nach einer Geschichte der Verlierer reflexiv wird und das Infragestellen in Frage stellen: Warum soll Pop \u00fcberhaupt etwas? Warum \u00fcberl\u00e4sst man ihn nicht einfach sich selbst?<a title=\"\" href=\"#_edn6\"><sup><sup>[6]<\/sup><\/sup><\/a> Warum erinnern \u201ean vergangene M\u00f6glichkeitsr\u00e4ume\u201c, an das, \u201ewas beim Siegeszug der Popkultur am Pop selbst verloren gegangen ist\u201c?<a title=\"\" href=\"#_edn7\"><sup><sup>[7]<\/sup><\/sup><\/a> Das setzt nicht zuletzt voraus, dass man zwischen \u201aPop selbst\u2018 und \u201aPopkultur\u2018 zu unterscheiden wei\u00df. Um auch das Unpassende, den nostalgisch motivierten Wiederaufgriff diskriminieren zu k\u00f6nnen, postuliert man eine zeitlose, identit\u00e4re Koh\u00e4renz, ein Pop-Ideal, das die Konstanz der Wesensformen und Elemente garantiert. Alle Korrumpierungen lassen sich so auf einen nicht popnotwendig feststehenden Variationsspielraum beziehen.<a title=\"\" href=\"#_edn8\"><sup><sup>[8]<\/sup><\/sup><\/a> Pop als feste Seinsfigur, die unver\u00e4nderlich allem Wechsel zugrunde liegt, die selbst nicht verunreinigt, verschmutzt werden kann. Es geht ja lediglich um Kontaminationen bzw. Variationen auf Ereignisebene! Man kann sich auf Zukunftskonzepte, Verlierkonzepte zur\u00fcckziehen, die Unersch\u00fctterlichkeit, das Festhalten am richtigen Pop empfehlen und aus der Geschichte lernen, denn an \u201aPop selbst\u2018 muss niemand zweifeln. Wahrer oder guter Retro-Pop w\u00e4re dann jener, der Pop zu seiner idealen Form, seiner Bestform verhilft.<a title=\"\" href=\"#_edn9\"><sup><sup>[9]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Problematisch ist die Gegenwartskultur als Vergangenheitskultur, wenn sie formal bestimmte Stilmittel der Vergangenheit nachvollzieht, ohne der Gegenwart gerecht zu werden \u2013 als ein Schwelgen im Damals, das vom Heute nichts wissen will. Retrologie ist bem\u00fcht, das zukunftsvolle, \u201apositive\u2018 Element vom r\u00fcckst\u00e4ndigen, \u201anegativen\u2018 zu sondern \u2013 die guten von den schlechten Zeiten. Allerdings ohne wiederum wie von Walter Benjamin gefordert dem \u201evorab ausgeschiedenen Teile von neuem eine Teilung zu applizieren, derart, da\u00df, mit einer Verschiebung des Gesichtswinkels \u2026 auch in ihm von neuem ein Positives und ein anderes zu Tage tritt als das vorher bezeichnete\u201c.<a title=\"\" href=\"#_edn10\"><sup><sup>[10]<\/sup><\/sup><\/a> Der von Benjamin als unendlich gedachte Prozess wird nach dem ersten Schritt gestoppt, denn gerade die Unendlichkeit der Bezugnahmen ist es ja, die den Retrologen Sorgen bereitet. Ein Wechsel der Blickrichtung ist nicht vorgesehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">3.<\/p>\n<p>Die Diagnose vom manisch gewordenen Pop wird mit einer Kausalerkl\u00e4rung gekoppelt, die \u2013 aus einer Vielzahl m\u00f6glicher Ursachen \u2013 das Internet bzw. die digitale Technologie als dominanten Faktor ausw\u00e4hlt. Die enorm erweiterte Speicherf\u00e4higkeit des Popged\u00e4chtnisses sorge f\u00fcr ein archivarisches Delirium.<a title=\"\" href=\"#_edn11\"><sup><sup>[11]<\/sup><\/sup><\/a> Das \u201eendless digital now\u201c (Gibson), die durch das Netz gegebene gleichzeitige Verf\u00fcgbarkeit zeitverschiedener Formen, der dadurch erm\u00f6glichte wahlfreie Zugriff auf den historischen Vorrat sei verantwortlich f\u00fcr die Losl\u00f6sung von der Sequentialit\u00e4t und Periodizit\u00e4t der Geschichte.<\/p>\n<p>Damit steht f\u00fcr die Historiker nicht weniger als die Existenz der eigenen Disziplin auf dem Spiel, was die Dramatik der Wortwahl \u2013 Retromanie als <em>death knell<\/em> usw. \u2013 erkl\u00e4rt. Denn wenn sich keine Reihenfolgen mehr herstellen lassen, f\u00e4llt damit auch das Er-Z\u00e4hlen, die Engf\u00fchrung auf ein Nacheinander voneinander unterscheidbarer und aufeinander bezogener Momente aus.<a title=\"\" href=\"#_edn12\"><sup><sup>[12]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Nur hie\u00df erz\u00e4hlen immer schon: dieses Nacheinander <em>erzeugen<\/em>. Wer erz\u00e4hlen will, muss einen Anfang bezeichnen, der ein bestimmtes Ende in Aussicht stellt.<a title=\"\" href=\"#_edn13\"><sup><sup>[13]<\/sup><\/sup><\/a> Das geschieht, indem man Ursachen und Wirkungen identifiziert, wobei als Ursachen in der Regel einzelne Mitteilungshandlungen bzw. Mitteilungshandelnde dienen. Sie erm\u00f6glichen Sequenzialisierung und machen so das eigentlich Nicht-Erz\u00e4hlbare erz\u00e4hlbar: Erst Elvis, dann die Beatles. Erst die Beatles, dann die Stones.<\/p>\n<p>Genau diese Erz\u00e4hlung sei heute nicht mehr m\u00f6glich, so Reynolds, da Pop keine \u201eimmanente Entwicklungslogik\u201c mehr aufweise. Im atemlosen, blinden Spiel des <em>21st Century Pop<\/em> lassen sich Ursachen zuletzt nicht mehr von Wirkungen unterscheiden, die Einzelmomente nicht mehr aufeinander beziehen. Kaum beginnt ein Profil, wird es schon wieder in der Kreisbewegung verwirbelt, deren Tempo stetig zuzunehmen scheint: ein Sound, ein Stil, ein Star vorbeigesendet \u2026 Die R\u00e4der der Maschine stehen also keineswegs still, Pop geht hin und eilt sich, aber er kreist und dreht sich nur noch. Die Buntheit, die Rasanz und die F\u00fclle der Ph\u00e4nomene verh\u00fcllen nur eine grunds\u00e4tzliche Starrheit: dass die Bewegung nicht nach vorw\u00e4rts geht.<a title=\"\" href=\"#_edn14\"><sup><sup>[14]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Aber warum geht es nicht nach vorw\u00e4rts \u2013 weil die Musiker, die auf die alten Sch\u00e4tze zugreifen, nicht am Wogegen einstiger Innovationen, an Entstehungskontexten, historischen Motiven usw. interessiert sind? Weil die Vielfalt dessen, was Popmusik hervorgebracht hat, von den meisten Produzenten wie H\u00f6rern nur noch als Verschiedenheit betrachtet und dadurch nivelliert wird?<a title=\"\" href=\"#_edn15\"><sup><sup>[15]<\/sup><\/sup><\/a> Genau das ist ja im genauen Sinne postmodern: das sinnlos gewordene Insistieren auf Neuheit des Einzelwerks weicht der Freiheit im Kombinieren alter Formen, die durch Identifikation aus ihren Kontexten herausgezogen, <em>f\u00fcr sich<\/em> als wiederholenswert konfirmiert werden \u2013 und in welcher Form das geschieht, ist beliebig.<a title=\"\" href=\"#_edn16\"><sup><sup>[16]<\/sup><\/sup><\/a> Von daher ist die Frage, inwiefern von hier aus historisch der n\u00e4chste Schritt m\u00f6glich ist, mehr als legitim. Doch das Postulat einer \u201aimmanenten Entwicklungstendenz\u2018 arbeitet mit Kausalit\u00e4tsunterstellungen, die der Komplexit\u00e4t der popinternen Prozesse kaum gerecht werden.<a title=\"\" href=\"#_edn17\"><sup><sup>[17]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">4.<\/p>\n<p>Offenbar hat man Pop lange Zeit gleichzeitig \u00fcber- und untersch\u00e4tzt.<a title=\"\" href=\"#_edn18\"><sup><sup>[18]<\/sup><\/sup><\/a> \u00dcbersch\u00e4tzt hat man sein politisches Potential und seine innovativen F\u00e4higkeiten; untersch\u00e4tzt hat man die evolution\u00e4re Dynamik, das Tempo, in dem sich die Ver\u00e4nderungen als eigengesetzliches, autonomes Geschehen vollziehen.<\/p>\n<p>Denn Pop ist nicht \u201eimmer auch mal\u201c (M\u00fcller) zirkul\u00e4r. Er weist grunds\u00e4tzlich eine zirkul\u00e4re \u2013 rekursive \u2013 Struktur auf. Die Geschichte der Popmusik kann deshalb nicht als blo\u00dfe Kausalkette gedacht werden. Auch das Internet ist lediglich ein Moment, das von Pop aufgegriffen und benutzt wird. Seine Eigendynamik folgt nur einer Logik, jener der Evolution \u2013 und die ist nicht zielgerichtet.<\/p>\n<p>Dass das Tempo, in dem Pop auf sich selbst reagiert, zugenommen hat, ist offensichtlich \u2013 ein Ph\u00e4nomen, das auf rudiment\u00e4re Weise auch in den Songs selbst reflektiert wird und das sich direkt auf die Ausdifferenzierung des Systems Mitte der 50er Jahre zur\u00fcckf\u00fchren l\u00e4sst. Dabei legen die als Retro beobachteten Formen den Akzent zwar auf die Wiederholung alter Formbest\u00e4nde. Aber selbst die blo\u00dfe Wiedervorlage \u2013 wozu im strengen Sinne nur Re-issues z\u00e4hlen \u2013 legt ja nicht dasselbe vor, weil das Wiedervorlegen an einer anderen Zeitstelle geschieht und die Neu-Auflage derart notwendig und automatisch mit Sinn anreichert. Selbst in den \u201ezitatseligsten Ausw\u00fcchsen von Retrobewegungen\u201c (Dath) wird deshalb Gegenwart kommuniziert.<a title=\"\" href=\"#_edn19\"><sup><sup>[19]<\/sup><\/sup><\/a> Auch der vermeintliche Stillstand muss ja in der Zeit stabilisiert werden, auch Stagnation ist Reproduktion, auch sie vollzieht sich als abweichende. Reproduktion kann nicht als blo\u00dfe Replikation gedacht werden, als Kreisbewegung, Endlosschleife. Es reicht nicht, dass ein Song immer weiter wiederholt wird.<a title=\"\" href=\"#_edn20\"><sup><sup>[20]<\/sup><\/sup><\/a> Auch wenn nicht die Informationskomponente der ausschlaggebende Faktor ist, Popmusik setzt nicht zwingend \u00dcberraschung voraus. Doch irgendwann ist auch mit der <em>heavy rotation<\/em> des erfolgreichsten Titels oder Programms aller Zeiten Schluss. Dann muss etwas anderes, Neues angeschlossen werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_974\" style=\"width: 295px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2012\/11\/foto-wolfgang-burat-von-dirk-scheuring-in-der-Pinakothek-1982.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-974\" class=\"wp-image-974 \" title=\"Foto\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2012\/11\/foto-wolfgang-burat-von-dirk-scheuring-in-der-Pinakothek-1982-879x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"285\" height=\"331\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2012\/11\/foto-wolfgang-burat-von-dirk-scheuring-in-der-Pinakothek-1982-879x1024.jpg 879w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2012\/11\/foto-wolfgang-burat-von-dirk-scheuring-in-der-Pinakothek-1982-258x300.jpg 258w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2012\/11\/foto-wolfgang-burat-von-dirk-scheuring-in-der-Pinakothek-1982-768x894.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 285px) 100vw, 285px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-974\" class=\"wp-caption-text\">Dirk Scheuring in der Pinakothek, 1982. Foto: Wolfgang Burat<\/p><\/div>\n<p>Dabei l\u00e4uft alle Reproduktion im Pop zun\u00e4chst auf die Reproduktion einer \u2013 und nur einer \u2013 Differenz hinaus, der Differenz von Wirklichkeit und M\u00f6glichkeit, Aktualit\u00e4t und Possibilit\u00e4t. Hier das aktual Gegebene, dort der Horizont weiterer M\u00f6glichkeiten, das, was man auch noch aktualisieren k\u00f6nnte. Die Einheit dieser Differenz nennen wir: Sinn.<a title=\"\" href=\"#_edn21\"><sup><sup>[21]<\/sup><\/sup><\/a> Der Sinn des Sinns ist es, alles, was im Pop geschieht, vor einem Horizont anderer M\u00f6glichkeiten erscheinen zu lassen. Diese Differenz von jeweils aktualisiertem Sinn und M\u00f6glichkeitshorizont wirkt wie ein Katalysator, der immer neue Differenzen anregt, und sei es Fragen wie: Warum hat die Dance Music ihre gro\u00dfspurigen Versprechen nicht eingel\u00f6st? Warum haben sich die Hoffnungen in die Pop-Zukunft nicht erf\u00fcllt? Doch alles erfolgt selektiv, auch das Nichtber\u00fccksichtigte, Nichtrealisierte wird st\u00e4ndig mitreproduziert. Weshalb wir mit Reynolds sagen k\u00f6nnen: <em>The future is still out there<\/em>.<a title=\"\" href=\"#_edn22\"><sup><sup>[22]<\/sup><\/sup><\/a> Nur dass es sich um keine Glaubensfrage handelt. Nat\u00fcrlich hat sich die Zukunft nicht erledigt, nur weil es anders gekommen ist, als Reynolds et al. gehofft hatten. Auch zukunftsbegeisterter Pop ist als potenzialisierte M\u00f6glichkeit nach wie vor vorhanden. Evolution bedeutet, dass aus einem permanent produzierten \u00dcberschuss an M\u00f6glichkeiten das ausgew\u00e4hlt wird, was sich eignet. Und was eignet sich? Das, was zur Reproduktion beitr\u00e4gt, im Falle von Pop: das, was die Funktion der Reflexionsblockade bedient.<a title=\"\" href=\"#_edn23\"><sup><sup>[23]<\/sup><\/sup><\/a> Retroreflexive Formen sind dazu per definitionem nur bedingt in der Lage.<\/p>\n<p>\u00dcberschussproduktion und Repression gehen also Hand in Hand. Ein Beobachter wie Reynolds kann dann zwar darauf verweisen, dass etwas nicht h\u00e4tte geschehen m\u00fcssen. Doch ganz gleich, was im Pop geschieht, es weist stets \u00fcber das gerade Aktualisierte hinaus. Durch eine Band wie Kitty, Daisy &amp; Lewis werden automatisch andere Bandm\u00f6glichkeiten mitreproduziert, andere M\u00f6glichkeiten der Interpretation, des Looks usw. Man kann einen bestimmten Song bejahen oder verneinen, kann an einen Sound anschlie\u00dfen oder eben: genau nicht. Die Pop-Praxis hinterl\u00e4sst Spuren (im buchst\u00e4blichen Sinne: <em>tracks<\/em>), reaktivierbare M\u00f6glichkeiten. Pop kann sich so verfeinern, diversifizieren \u2013 immer abh\u00e4ngig von dem, was vorher war, denn das Vorher ist es ja, das Differenzen etabliert, die dann als Fundament nachfolgender Differenzen dienen. Deshalb ist jeder Pop-Song immer beides: Wiederholung und Neuheit zugleich.<\/p>\n<p>Intentionen spielen in diesem Prozess nur am Rande eine Rolle.<a title=\"\" href=\"#_edn24\"><sup><sup>[24]<\/sup><\/sup><\/a> Das System reproduziert sich einfach so, zwangsl\u00e4ufig, gedankenlos, denn Pop ist nicht identisch mit den Pop-Akteuren, mit Kitty, Daisy &amp; Lewis, den Cool Kids oder Simon Reynolds. Es geht nicht um die Absichten der Akteure (\u201eIch wollte an vergangene M\u00f6glichkeitenr\u00e4ume erinnern!\u201c), sondern um den Erhalt einer Grenze. Trotz laufender Selektion bleibt diese Grenze, bleibt die sinnkonstituierende Differenz von Aktualit\u00e4t und Possibilit\u00e4t bestehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\" align=\"center\">5.<\/p>\n<p>Zur Mitproduktion abweichender M\u00f6glichkeiten kommt es dann, wenn der Unterschied von aktuell\/potenziell in unterschiedliche Sinndimensionen eingebaut, die Differenz von aktualem Sinn und Sinnhorizont unterschiedlich bearbeitet werden kann. Innerhalb der Sinndimension geht es um die Differenzierung von Innen- und Au\u00dfenhorizont, innerhalb der Sozialdimension um die Differenz von Ego\/Alter, innerhalb der Zeitdimension um die Trennung von fr\u00fcher und heute. Diese Gegenwart verf\u00fcgt wiederum \u00fcber eigene Zukunfts- und Vergangenheitshorizonte, in denen sich wiederum zuk\u00fcnftige oder vergangene Gegenwarten mit entsprechenden Zukunfts- und Vergangenheitshorizonten zeigen.<a title=\"\" href=\"#_edn25\"><sup><sup>[25]<\/sup><\/sup><\/a> Sprich: Zukunft gibt es immer nur in der Gegenwart, genau wie die Vergangenheit, weshalb sich <em>beide<\/em> st\u00e4ndig \u00e4ndern.<a title=\"\" href=\"#_edn26\"><sup><sup>[26]<\/sup><\/sup><\/a> Die als \u00dcberforderung erfahrene Komplexit\u00e4t dieser Temporalit\u00e4ten verf\u00fchrt dann dazu, sie allzu simplistisch zu reduzieren, etwa durch den R\u00fcckgriff auf Werte: hier gute Popmusik, die die Gegenwart in Frage stellt, dort schlechte, die sie bejaht.<a title=\"\" href=\"#_edn27\"><sup><sup>[27]<\/sup><\/sup><\/a> Vor allem aber macht diese durch \u201a3-D\u2018 m\u00f6gliche Strukturbildung Entt\u00e4uschungen wahrscheinlich, weil sie Erwartungen erzeugt. Man l\u00e4sst sich von Pop nicht mehr einfach \u00fcberraschen. Man unterstellt der Vergangenheit eine ganz bestimmte Zukunft \u2013 um entt\u00e4uscht zu sein, wenn sich diese Zukunft, die einem in den 90er Jahren Drum &amp; Bass versprochen hatte, nicht einstellt. Erwartungen fungieren wie Testinstrumente, mit McLuhan: wie Sonden. Niemand wei\u00df, was passieren wird, aber nur wer utopischen Pop erwartet, kann am Ende entt\u00e4uscht sein, wenn er sich als nostalgisch erweist. Dabei gibt es genau zwei M\u00f6glichkeiten, mit Erwartungen umzugehen, wenn sie entt\u00e4uscht werden. Entweder man erkennt die Erwartungsentt\u00e4uschung an und korrigiert sich: \u201eSollte zwar sein, aber hat nicht sollen sein. Pop ist kein Ponyhof und kein Wunschkonzert.\u201c Oder aber man h\u00e4lt kontrafaktisch, normativ an seinen Erwartungen fest: \u201ePop hat uns zwar schon wieder entt\u00e4uscht, aber davon lassen wir uns nicht beeindrucken. Wir halten fest am Glauben an die angemessene Vergegenw\u00e4rtigung von Vergangenheit.\u201c<\/p>\n<p>Retrologie reagiert normativ. Sie setzt Bedingungen f\u00fcr eine unbekannte Richtung der Evolution, die ja gerade wahrnehmbar wird in Differenz zu dem, was \u201eprogressive Projektionen\u201c (Luhmann) verhei\u00dfen hatten. Der massiv erweiterte Raum kombinatorischer M\u00f6glichkeiten wird mit einem Mal bestimmbar. Anything goes? Eben nicht: Pop darf nicht alles, was er kann. Was er selbst l\u00e4ngst realisiert hat, das \u2013 in den Augen der Retrologen: verantwortungslose, manische \u2013 Experimentieren mit Polykontexturalit\u00e4t und Multistilistik, wird auf der Ebene der Selbstbeschreibung zur\u00fcckgewiesen. Das Resultat ist eine Kluft zwischen Anpruchsniveau und Realit\u00e4t.<a title=\"\" href=\"#_edn28\"><sup><sup>[28]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Doch in dieser Realit\u00e4t ist alles in jedem Moment mitgegeben, auch wenn gerade etwas anderes gegeben ist. Pop ist immer mehr, als er gerade ist. Das Nichtreproduzierte reproduziert ihn mit, das Nichtverwirklichte ist Teil seiner Wirklichkeit. Es ist dieser \u00dcberschuss des Nichtverwirklichten, der als Bedingung der M\u00f6glichkeit evolution\u00e4rer Komplexit\u00e4t fungiert. Das, was als Wirklichkeit gesetzt ist, schr\u00e4nkt diese M\u00f6glichkeiten schon auf der operativen Ebene ein. Pop kann gar nicht alle M\u00f6glichkeiten realisieren, zumindest nicht gleichzeitig.<a title=\"\" href=\"#_edn29\"><sup><sup>[29]<\/sup><\/sup><\/a> Auch wenn alles im endlosen digitalen Jetzt jederzeit verf\u00fcgbar ist, so kann in diesem Jetzt doch nicht alles gleichzeitig aktualisiert werden. Der Zugriff ist notwendig ein selektiver. Es g\u00e4be weder Pop noch ein Retro-Ph\u00e4nomen, verhielte es sich anders. Wobei die Bedingungen f\u00fcr M\u00f6gliches und Unm\u00f6gliches von \u201aPop selbst\u2019 festgelegt werden, keinem sonst. Und da er zuletzt nichts anderes ist als ein System anschlussf\u00e4higer Kommunikationen, muss sich die mit dem Computer und dem Internet verbundene \u00c4nderung in den Kommunikationsmitteln notwendig auf die eigenen Strukturen auswirken.<a title=\"\" href=\"#_edn30\"><sup><sup>[30]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>In diesem Sinne lie\u00dfe sich Retro als Versuch begreifen, im Pop neue Formen des Umgangs mit den durch Computer bzw. Internet bewirkten Irritationen zu entwickeln.<a title=\"\" href=\"#_edn31\"><sup><sup>[31]<\/sup><\/sup><\/a> Denn wie kommt man in einer solchen Situation zu neuen, dem Medium angemessenen Formen? Indem man auf die Nichtverwirklichungen, auf das durch Nichtverwirklichung Potenzialisierte zur\u00fcckgreift. Das gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr bereits verwirklichte und\u00a0 mittlerweile verabschiedete Programme.<a title=\"\" href=\"#_edn32\"><sup><sup>[32]<\/sup><\/sup><\/a> Wobei l\u00e4ngst nicht alles, was re-aktualisiert wird, sich auch bew\u00e4hrt. Der Sixties-Soul einer Amy Winehouse oder der Pop-Swing eines Robbie Williams haben sich als \u00fcberaus anschlussf\u00e4hig erwiesen.<a title=\"\" href=\"#_edn33\"><sup><sup>[33]<\/sup><\/sup><\/a> Offenbar l\u00e4sst sich mit vielen alten Formen etwas anfangen. Und weil es sie schon gibt, muss man sie nur erneut zum Leben erwecken (\u201aManier\u2018). Nicht nur im Hinblick auf den Wiedergewinn alten K\u00f6nnens an Hand bestimmter Formatvorlagen, sondern auch\u00a0 im Hinblick auf andere M\u00f6glichkeiten, denn die durch diese Re-Aktualisierungen mitreproduzierten Sinn\u00fcbersch\u00fcsse k\u00f6nnen anschlie\u00dfend f\u00fcr die Einf\u00fcgung neuer Formen genutzt werden: f\u00fcr weniger perfekten, zuk\u00fcnftigen, retroreflexiven oder feministischen Pop. Das Nachahmen selbst sorgt somit daf\u00fcr, dass es weitergeht.<\/p>\n<p>Popmusik kann im Nostalgie-Modus oder im Utopie-Modus operieren, sie kann reflexiv oder gedankenlos operieren, kann die Gegenwart in Frage stellen oder als Antwort begreifen. Sie kann sich also dank des Verweisungs\u00fcberschusses so oder anders konditionieren lassen. Zuletzt muss sie nur eines tun: selektiv verfahren.<a title=\"\" href=\"#_edn34\"><sup><sup>[34]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\" align=\"center\">6.<\/p>\n<p>Mit dem Auftreten von Computer und Internet ver\u00e4ndert sich auch die Rolle der Kritik. Das bisherige, zeitlich gestaffelte Auswahlverfahren der Popgeschichte profitierte nicht nur von der Strenge der Kriterien, sondern auch von deren Andersartigkeit. Gerade das, was die Mitwelt oft \u00fcbersah, was es nicht zum Hit schaffte, sondern floppte, wurde dann der Nachwelt anempfohlen: Die Monks! Alex Chilton! Gang Gang Dance! Nun haben nicht mehr die Experten, sondern die H\u00f6rer selbst das (vorerst) letzte Wort. Ist Retrologie also zuletzt nicht mehr als die Abwehrhandlung einer Schicht von Pop-Historikern, die bef\u00fcrchten, sozial funktionslos zu werden?<a title=\"\" href=\"#_edn35\"><sup><sup>[35]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Auch f\u00fcr eine These stellt sich die Frage nach ihrem Erfolg. Die Selektion \u201aPop ist retromanisch\u2018 hat sich bew\u00e4hrt, nicht zuletzt dank der freundlichen Unterst\u00fctzung durch die Massenmedien. Das k\u00f6nnte damit zu tun haben, dass uns Retrologie eine Beobachterposition zur Verf\u00fcgung stellt, von der aus wir die zersplitterte Pop-Landschaft \u2013 ein allerletztes Mal? \u2013 auf einen Blick erfassen und bestimmen k\u00f6nnen. Pop wird mit einem Narrativ ausgestattet, das vorgibt, keines zu sein, und das es erlaubt, den nicht mehr erz\u00e4hlbaren Zusammenhang wieder erz\u00e4hlbar zu machen. Die Funktion dieser Erz\u00e4hlung ist die Integration. Die un\u00fcbersichtliche Vielfalt des gegenw\u00e4rtigen Pop-Geschehens l\u00e4sst sich so erneut zur Einheit zusammenschlie\u00dfen \u2013 im Blick auf die Disparatheit dessen, womit Popstars, Fans und Experten heute konfrontiert werden.<a title=\"\" href=\"#_edn36\"><sup><sup>[36]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Damit erweist sich Retrologie selbst als Symptom. Mit ihrer Hilfe soll semantisch gerettet werden, was sozialstrukturell l\u00e4ngst unm\u00f6glich geworden ist.<a title=\"\" href=\"#_edn37\"><sup><sup>[37]<\/sup><\/sup><\/a> Das erkl\u00e4rt die trotzige Trauer, die \u00fcber der Einsicht in den postmodernen Charakter der Popmusik liegt \u2013 eine Trauer, \u201edie wenigstens stimmungsm\u00e4\u00dfig noch festh\u00e4lt, was man verloren wei\u00df\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn38\"><sup>[38]<\/sup><\/a> \u2013 und diese Trauer auch von der Musik selbst verlangt. Dieser Zukunftskonservativismus ist der blinde Fleck der Retrologie oder ihr Apriori.<a title=\"\" href=\"#_edn39\"><sup><sup>[39]<\/sup><\/sup><\/a> \u00a0Denn dass sie im Nostalgie-Modus operieren und sich am Vergangenen laben, wenn sie den Zukunftswillen von Jungle und 2-step verkl\u00e4ren, ist den Retrologen offenbar nicht bewusst. Man insistiert auf Einl\u00f6sung bestimmter Hoffnungen, als progressiv erscheint absurderweise nun das Konservieren einstiger Anspr\u00fcche. Die Retrorede muss diese Grundlagen latent halten, soll das Gerede fortgesetzt, der Zwiespalt zwischen Vergangenheit und Gegenwart weiterhin als Konflikt erfahren werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_972\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2012\/11\/foto-wolfgang-burat-von-beate-bartel-november-1981.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-972\" class=\" wp-image-972 \" title=\"Foto\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2012\/11\/foto-wolfgang-burat-von-beate-bartel-november-1981-1024x664.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"292\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-972\" class=\"wp-caption-text\">Beate Bartel, November 1981. Foto: Wolfgang Burat<\/p><\/div>\n<p>Wie aber ist die historische Neu-Periodisierung und Selbstcharakterisierung von Pop angesichts der Komplexit\u00e4t des Gegenstands m\u00f6glich? Nur, indem man das Neue selbst zum Ma\u00dfstab nimmt. Retrologie ist von Neuheitserwartungen gepr\u00e4gt, der Fortschrittsgedanke ist ihr Leitmotiv. Sie geht von der Pr\u00e4misse aus, dass das Neue besser ist als das Alte.<a title=\"\" href=\"#_edn40\"><sup><sup>[40]<\/sup><\/sup><\/a> Pop soll sich in Richtung auf bessere Zust\u00e4nde bewegen, er w\u00e4re perfektibel, verbesserbar. Jedes Zur\u00fcck muss als ein Vorw\u00e4rts begriffen werden k\u00f6nnen, indem die zeitliche Differenz zwischen Altem und Neuem explizit wird, wenn Geschichte und Zeitgenossenschaft zusammenfallen (\u201aAnverwandlung\u2018). Man nimmt das Programm einer <em>Phuture Music<\/em> f\u00fcr bare M\u00fcnze, als sei es Jungle und 2-step tats\u00e4chlich um ein Morgen gegangen \u2013 und nicht darum, das einstige Heute mit ad\u00e4quaten Kl\u00e4ngen und Themen auszustatten.<a title=\"\" href=\"#_edn41\"><sup><sup>[41]<\/sup><\/sup><\/a> Ohne es zu bemerken, desavouiert Retrologie damit die gesamte vorliegende Popmusik. Sie l\u00e4sst sich nicht nach neu\/alt codieren \u2013 und auch als Programmformel hilft Neuheit kaum weiter: Nicht alles, was neu ist, ist auch Pop.<\/p>\n<p>Dabei ist die Forderung nach Neuheit alles andere als neu. Sp\u00e4testens seit Mitte der 60er Jahre \u2013 nicht umsonst setzt Reynolds hier die ersten Retro-Ph\u00e4nomene an \u2013 muss auch Popmusik zeitorientiert hergestellt werden, als neue Popmusik. Seitdem ist auch hier die Forderung: Neu muss es sein. Anders!<a title=\"\" href=\"#_edn42\"><sup><sup>[42]<\/sup><\/sup><\/a> Selbst das Cover, also die Kopie eines Songs, muss sich nun deutlich unterscheiden und gegen\u00fcber dem Original durch Originalit\u00e4t auszeichnen.<a title=\"\" href=\"#_edn43\"><sup><sup>[43]<\/sup><\/sup><\/a> Der dadurch eingetretene \u201eFormverbrauchseffekt\u201c (Luhmann) macht sich mittlerweile bemerkbar. Man hatte sich strukturell auf Neuheit eingestellt \u2013 auf mehr Neuheiten, als realistisch gesehen vorkommen konnten. Heute muss auch Pop Grenzen des Wachstums in Rechnung stellen.<a title=\"\" href=\"#_edn44\"><sup><sup>[44]<\/sup><\/sup><\/a> In diesem Sinne l\u00e4sst sich die Zunahme der Retro-Ph\u00e4nomene durchaus als eine Art S\u00e4ttigungseffekt begreifen. Aber nur f\u00fcr die Retrologen wird Zukunft deshalb zum Problem. Denn wenn nur Neues Geschichte machen kann, aber das Neue ausbleibt, dann bleibt folglich auch Geschichte aus. Aber kann wirklich nur Neues Geschichte machen? Wenn die Geschichte der Popmusik tats\u00e4chlich beendet ist, dann hat sie vermutlich gerade die st\u00e4ndige Forderung nach Neuheit beendet.<a title=\"\" href=\"#_edn45\"><sup><sup>[45]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\" align=\"center\">7.<\/p>\n<p>Systemtheorie kann und will keine Theorie sein, die eine bestimmte Entwicklung kausal erkl\u00e4rt. Aber sie kann den Historikern ein theoretisches Schema f\u00fcr ihre Untersuchungen zur Verf\u00fcgung stellen, das dann m\u00f6glicherweise zur Einschr\u00e4nkung bestimmter kausal relevanter Ursachen f\u00fchrt.<a title=\"\" href=\"#_edn46\"><sup><sup>[46]<\/sup><\/sup><\/a> Die Analyse sollte dabei von spezifischen Situationen ausgehen, denn dieses Schema \u2013 Variation-Selektion-Restabilisierung \u2013 ist zirkul\u00e4r gebaut. Wenn wir das Sp\u00e4tere durch das Fr\u00fchere erkl\u00e4ren wollen, m\u00fcssen wir also anhand einer konkreten historischen Situation herausarbeiten, wie es verwendet wurde. Wo finden sich markante Diskontinuit\u00e4ten? Gibt es ein Ereignis, das als Z\u00e4sur begriffen werden kann und das es m\u00f6glich macht, die Ausbildung neuer Strukturen theoretisch zu spezifizieren?<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich l\u00e4sst sich zu Beginn der 70er Jahre eine solche einschneidende Z\u00e4sur im Sinne einer Vorher-Nachher-Differenz beobachten.<a title=\"\" href=\"#_edn47\"><sup><sup>[47]<\/sup><\/sup><\/a> Es ist dieser Zeitpunkt, den Pop als Gelegenheit zur Struktur\u00e4nderung nutzt \u2013 und zwar mit Hilfe jener als \u201aRetro\u2018 markierten R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung.<\/p>\n<p>Pop-Geschichte war lange Zeit eine Geschichte der Erwartungen, die weit \u00fcber die neuer, aufregender musikalischer Formen hinausging. Darin gleicht sie erstaunlicherweise der Geschichte des Christentums, aber anders als die Christen rechneten die Pop-J\u00fcnger nicht mit dem Weltende, der Letztzeit, sondern mit dem Anbruch der Jetztzeit: \u201ekeinen Krieg mehr, und alle Menschen lieben sich\u201c.<a title=\"\" href=\"#_edn48\"><sup><sup>[48]<\/sup><\/sup><\/a> Bis man Anfang der 70er Jahre alle Hoffnung fahren lie\u00df: \u201eZum Verzweifeln. Ultimative Permissivit\u00e4t. Willy Brandt, Lebensqualit\u00e4t bis an den Hals. Und trotzdem immer noch die ganze restriktive, kapitalistische Schei\u00dfe, der weniger denn je beizukommen war \u2026 \u201c<a title=\"\" href=\"#_edn49\"><sup><sup>[49]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Popmusik hatte sich selbst \u00fcberboten, hatte dieses Sich-Selbst-\u00dcberbieten wiederum reflektiert und in die Songs mit eingebaut. Mit all dem stiegen auch die Anspr\u00fcche an die H\u00f6rer, in der Pop-Produktion selbst beg\u00fcnstigte es die Entwicklung neuer Arten des K\u00f6nnens (Polyrhythmik, Konzeptalben, Einbindung von Klassik und Jazz usw.). Doch zur klassenlosen Gesellschaft hatte er nicht gef\u00fchrt, nicht einmal die Rassismen und den Phallogozentrismus konnte er beenden. Seine politischen Potenzen hatten sich ersch\u00f6pft bzw. wurden eingebunden oder neutralisiert, was man mit Marcuses Begriff der \u201erepressiven Toleranz\u201c zu erkl\u00e4ren versuchte.<a title=\"\" href=\"#_edn50\"><sup><sup>[50]<\/sup><\/sup><\/a> Die Rolling Stones \u00fcbersetzten die entt\u00e4uschten Erwartungen in einen Song: <em>You Can&#8217;t Always Get What You Want<\/em>.<a title=\"\" href=\"#_edn51\"><sup><sup>[51]<\/sup><\/sup><\/a> Rock\u2019n\u2019Roll konnte man zwar immer noch bekommen, mehr denn je sogar. Die Erkenntnis, die so wehtat: es war <em>nur<\/em> Rock\u2019n\u2019Roll. Doch exakt dieser Rock\u2019n\u2019Roll \u2013 im Sinne eines spezifischen Programms und nicht als Synonym f\u00fcr Rockmusik schlechthin \u2013 war es, der Pop ein Weitermachen erm\u00f6glichen sollte. Dabei d\u00fcrfte von entscheidender Bedeutung gewesen sein, dass er den <em>take off <\/em>allererst erm\u00f6glicht hatte.<a title=\"\" href=\"#_edn52\"><sup><sup>[52]<\/sup><\/sup><\/a> Durch die Wiederauflage dieses Programms im Glam Rock konnte die Zukunft wieder ins System hineingeholt werden<em>.<\/em><a title=\"\" href=\"#_edn53\"><sup><sup>[53]<\/sup><\/sup><\/a> Das Ende der Revolutionshoffnung bedeutete nicht auch das Ende seiner Selbstreproduktion. Pop konnte erneut zu dem werden, der er ist: <em>weil er es war<\/em>. Er hatte versagt, dennoch konnte es weitergehen. Die dank der Aufzeichnungsmedien gegebene Wiederholbarkeit war in der Lage, diese Funktion abzusichern.<\/p>\n<p>Mag Retrologie auch an der Originalit\u00e4t von Popmusik interessiert sein, so stellt sich doch die Frage: Woran ist Pop interessiert? In seiner Rezension (Wiederbegutachtung) von <em>Retromania <\/em>vermutet Sukhdev Sandhu: \u201ePops appeal doesn\u2019t just lie in its ability to shock and surprise; it can also be a source of safety and succour, especially when life \u2013 life under capitalism \u2013 feels concussive, brutalising.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn54\"><sup><sup>[54]<\/sup><\/sup><\/a> Dabei l\u00e4sst sich die Attraktivit\u00e4t des Alten auf psychischer Seite vor allem auf die Erfahrung der Erwartungsentlastung zur\u00fcckf\u00fchren. Wir haben zwar immer schon bestimmte Erwartungen an die neuen Songs von Coldplay oder Jack White, an das, was kommt, aber ob und in welcher Form sie erf\u00fcllt oder entt\u00e4uscht werden, ist offen. Je neuer das Neue, desto gr\u00f6\u00dfer wird die zu bearbeitende Differenz von Erwartung und Erf\u00fcllung. Anders die Begegnung mit ihren alten, uns bereits bekannten Songs. Auch sie enthalten noch die an sie gerichteten leeren Erwartungen, die durch eine\u00a0 Wiederbegegnung erneuert werden \u2013 aber das erneute H\u00f6ren von <em>Yellow<\/em> oder <em>Seven Nation Army<\/em> erneuert ja auch die Erwartungen, die sich \u2013 und sei es durch Entt\u00e4uschung \u2013 bereits erf\u00fcllt haben.<a title=\"\" href=\"#_edn55\"><sup><sup>[55]<\/sup><\/sup><\/a> Die unbestimmte Wahrnehmung weicht einer bestimmten, einer, die wei\u00df, \u201awo es langgeht\u2018, die unbestimmte Zukunft wird <em>ein St\u00fcck weit<\/em> bestimmbar. Diese Bestimmung kann wie bereits erw\u00e4hnt immer nur von hier aus erfolgen, das Anderssein (mit Husserl: das Nichtsein) ist offen. Wir erfahren dasselbe notwendig und zwangsl\u00e4ufig anders, n\u00e4mlich jetzt \u2013 und nicht damals. Mit Sido: Die Platte von gestern ist immer nur die Platte von gestern <em>jetzt<\/em>.<a title=\"\" href=\"#_edn56\"><sup><sup>[56]<\/sup><\/sup><\/a> Das hei\u00dft nicht, dass wir an der Selbigkeit von <em>Yellow<\/em> Zweifel h\u00e4tten, es hei\u00dft, dass wir den Song als wiedererkennbar erleben, als vertraut. Kraftwerk und Led Zeppelin, Jungle, Rock\u2019n\u2019Roll und Sixties Soul best\u00e4tigen, statt zu \u00fcberraschen. Auf diese Weise k\u00f6nnen, mit Luhmann: die Beobachtungssequenzen \u201eangenehme Redundanzen aufbauen\u201c und derart zur Stabilisierung der Reproduktion beitragen.<a title=\"\" href=\"#_edn57\"><sup><sup>[57]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Retro-Pop bestreitet die Alleinherrschaft des Gebots, neu sein zu m\u00fcssen. Nebenbei macht er darauf aufmerksam, dass kein Pop-Song ganz und gar neu ist, dass er immer schon im gleichen Moment, wenn auch zu unterschiedlichen Anteilen, Variet\u00e4t und Redundanz vermitteln muss, soll etwas \u00fcberhaupt als neu (als Variation) erkannt werden.<a title=\"\" href=\"#_edn58\"><sup><sup>[58]<\/sup><\/sup><\/a> Traditionen werden immer schon mitgef\u00fchrt \u2013 im Sound, im Look, den Texten. Auch die dezidiert jetzige Musik einer Band wie der Kings of Leon transportiert R\u00fcckbez\u00fcge, Referenzen (CCR, The Grateful Dead), die aber nicht explizit werden. Nichts ist nur neu \u2013 man w\u00e4re gar nicht in der Lage, es als neu zu identifizieren.<a title=\"\" href=\"#_edn59\"><sup><sup>[59]<\/sup><\/sup><\/a> Tats\u00e4chlich kann das, was als neu auftaucht, ja nur deshalb auftauchen, weil es \u2013 prinzipiell \u2013 schon vorher m\u00f6glich war.<\/p>\n<p>An die Stelle des Neuheitsgebots und der \u00dcberbietungsgesten tritt im \u201aPost-Pop\u2018 das Kombinationsgebot, tritt die Freiheit der Kombination alter Formen, tritt entweder das Zitat bzw. die Kombination heterogener Stilmomente oder der Versuch, die an Pop gerichteten Erwartungen zu entt\u00e4uschen \u2013 fr\u00fcher \u00fcberwiegend in Form von Avantgarde-Experimenten: new forms, heute zunehmend in Form von R\u00fcckw\u00e4rtsgewandtheit: old forms. Oder wie in den Mashups als bemerkenswerte Kombination von hoher Redundanz und Variet\u00e4t. Es ist der Versuch, eine <em>requisite variety<\/em> im Sinne Ashbys zu schaffen, die pluralistische Umwelt in das System hineinzukopieren, sich die Heterogenit\u00e4t der Geschmacksrichtungen und Stilerwartungen einzuverleiben \u2013 wobei man zwischen den Erwartungen der Pop-Elite (zu denen auch die Retrologen geh\u00f6ren) und denen der Pop-Masse unterscheiden sollte.<a title=\"\" href=\"#_edn60\"><sup><sup>[60]<\/sup><\/sup><\/a> Das von der Retrologie bef\u00fcrchtete Ende der Popmusik muss also keineswegs Stillstand bedeuten. Auch wenn sie heute weniger einem linienhaft flie\u00dfenden Gew\u00e4sser gleicht, sondern eher \u00c4hnlichkeiten mit einer kompakten, reich gegliederten Wassermasse namens Meer aufzuweisen scheint.<a title=\"\" href=\"#_edn61\"><sup><sup>[61]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left\" align=\"center\">Pop reproduziert sich von Moment zu Moment. Er benutzt dabei Strukturen oder benutzt sie nicht, \u00e4ndert sie oder \u00e4ndert sie nicht, bedarf also im Prinzip gar keiner Geschichte. Er ben\u00f6tigt nur den n\u00e4chsten Song!<a title=\"\" href=\"#_edn62\"><sup><sup>[62]<\/sup><\/sup><\/a> Die Gef\u00e4hrdung von Pop durch Pop, von der die Retrologie ausgeht, liegt somit durchaus im Rahmen der evolution\u00e4ren M\u00f6glichkeiten. Es ist denkbar, dass Pop so auf seine Umwelt einwirkt, dass er zuletzt die eigenen Lebensgrundlagen zerst\u00f6rt, denn die prim\u00e4re Zielsetzung ist immer das Weiter-so, wenn auch nicht im Sinne eines \u201eAdvancement\u201c (Granovetter), ist die Fortsetzung der Selbstreproduktion, und zwar ohne R\u00fccksicht auf Verluste.<a title=\"\" href=\"#_edn63\"><sup><sup>[63]<\/sup><\/sup><\/a> Pop ist in all seinen Strukturen darauf eingestellt, den jeweils n\u00e4chsten Schritt zu tun. Jeder neue Song kann als ein solcher Schritt in einem prinzipiell unsicheren Terrain begriffen werden, das durch das Internet kaum sicherer geworden ist.<a title=\"\" href=\"#_edn64\"><sup><sup>[64]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\" align=\"center\">8.<\/p>\n<p>Wer wei\u00df, vielleicht ist Pop tats\u00e4chlich an Retromanie erkrankt. Dann h\u00e4tten wir es mit einer Art psychosozialem Tatbestand zu tun: das System hat die gesamte Vergangenheit in einen Topf geworfen und auf gro\u00dfe Flamme gesetzt \u2013 \u201eund nun brodelt dieses unkalkulierbare Gebr\u00e4u \u00fcber den Rand hinaus.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn65\"><sup><sup>[65]<\/sup><\/sup><\/a> Nicht umsonst geh\u00f6ren gehobene Stimmung, Mitteilungsdrang und krankhaft gesteigerte Aktivit\u00e4t seit jeher zum Erscheinungsbild. Hier die mitrei\u00dfende Heiterkeit, die Gl\u00fcckseligkeit, der unbegr\u00fcndete, aber strahlende Optimismus der Beatles, dort die gereizte Missstimmung und aggressiven Durchbr\u00fcche der Rolling Stones. Man denke an das \u00fcberzogene Selbstwertgef\u00fchl vieler Stars, an die Texte: locker aneinandergereihte Einf\u00e4lle, oder an die Songs selbst, das Unbeschwerte, \u00dcberm\u00fctige, Humorvolle, spritzig Schalkhafte, Ausgelassene vieler Titel. Oder daran, dass die moderne Psychotherapie Manie als \u201aJugendbewegung\u2018 beschreibt.<a title=\"\" href=\"#_edn66\"><sup><sup>[66]<\/sup><\/sup><\/a> Aber worin liegt die <em>differentia specifica<\/em>, der besondere Unterschied, der Retromanie von Manie unterscheidet? Wie genau kommt der Vergangenheitsbezug zur Geltung?<\/p>\n<p>Vielleicht als der Versuch, die harte Konsens-Wirklichkeit der an Fortschritt und Weiterentwicklung orientierten Pop-Beschreibungen f\u00fcr einen Moment au\u00dfer Kraft zu setzen, um sich eine Aus-Zeit zu nehmen von den st\u00e4ndigen Innovationsforderungen.<a title=\"\" href=\"#_edn67\"><sup><sup>[67]<\/sup><\/sup><\/a> Mit einem Mal gelten die be- und vorschreibenden Regeln nicht mehr: \u201eEndlich ist Feiern keine Arbeit mehr und die \u00e4sthetisch Denkfaulen d\u00fcrfen hip sein wie nie.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn68\"><sup><sup>[68]<\/sup><\/sup><\/a> Es w\u00e4re dann gerade die st\u00e4ndige Forderung nach fortschrittlichen Pop, die zum Gegenteil f\u00fchrt: zu r\u00fcckschrittlicher, nostalgischer oder restaurativer (vorrevolution\u00e4rer) Musik. Retromanie sollte dann aber positiv gesehen werden, nicht als Zeichen einer St\u00f6rung oder als ein Grund zur Beunruhigung.<\/p>\n<p><a title=\"Markus Heidingsfelder\" href=\"http:\/\/www.germanistik.uni-muenchen.de\/personal\/ndl\/lehrbeauftragte\/heidingsfelder_marku\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dr. Markus Heidingsfelder<\/a><br \/>\nLehrbeauftragter am Institut f\u00fcr Deutsche Philologie, LMU M\u00fcnchen<\/p>\n<div>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref1\">[1]<\/a>\u00a0\u00a0 Simon Reynolds. Retromania. Warum Pop nicht von seiner Vergangenheit lassen kann. Mainz: Ventil Verlag 2012.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref2\">[2]<\/a>\u00a0\u00a0 Reynolds verwendet den Begriff nur als Metapher (wie in \u201a\u00c4gyptomanie\u2018). Nimmt man ihn w\u00f6rtlich und l\u00e4sst sich auf das Experiment ein, gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse mit dem Instrumentarium der Psychotherapie zu traktieren, lie\u00dfe sich Retromanie als \u201asoziale Explosion\u2018 begreifen. Im Schutze dieses Zustands kann Pop endlich samplen und zitieren, soviel er will. Und da er sich in Bezug auf das, was war, alles erlaubt, kommt er genau dadurch in den Zwang, auf alle Reize der Vergangenheit zu reagieren. Was \u201agerade-eben-jetzt\u2018 war, ist mit einem Mal: schon wieder. Das Resultat ist ein chaotischer Wirbel von R\u00fcckbez\u00fcgen, Referenzen und Zitaten; enthemmt, unf\u00e4hig zu Distanz oder Pause, verliert sich Pop in der Vergangenheit, ist ihr schutzlos ausgeliefert. Vgl. Klaus D\u00f6rner \/ Ursula Plog. Irren ist menschlich. Lehrbuch der Psychiatrie, Psychotherapie. Bonn: Psychiatrie-Verlag 1996, S. 177ff.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref3\">[3]<\/a>\u00a0\u00a0 \u201eUnd erscheint recht zu haben\u201c, notiert etwa Die Zeit und z\u00e4hlt auf: Kitty, Daisy &amp; Lewis, Adele, Hurts, The XX. <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/musik\/2011-10\/retromania-simon-reynolds\">http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/musik\/2011-10\/retromania-simon-reynolds<\/a>. Dabei scheitert die empirische \u00dcberpr\u00fcfung schon an der Unsch\u00e4rfe des Begriffs. Reynolds selbst bemerkt das Problem, wenn er bei seiner Recherche bereits in den 60er Jahren auf Retro-Ph\u00e4nomene st\u00f6\u00dft. Darin liegt die gro\u00dfe Chance f\u00fcr die Massenmedien, denn nun k\u00f6nnen \u00fcberall R\u00fcckw\u00e4rtsformen gesichtet werden, die dann als Einzelepisoden einer gro\u00dfen Fortsetzungsgeschichte erscheinen \u2013 von b\u00e4rtigen Bands \u00fcber den \u201ePop-Hype Lana del Rey\u201c bis hin zum Einzelhandel (das \u201ePixelparadies von Akihabara\u201c). Vgl. <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/thema\/retromanie\/\">http:\/\/www.spiegel.de\/thema\/retromanie\/<\/a><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref4\">[4]<\/a>\u00a0\u00a0 Vgl. Jean-Francois Lyotard. Das postmoderne Wissen. Ein Bericht. Hg. v. Peter Engelmann. Graz: Edition Passagen 1986, S. 13. Siehe auch Niklas Luhmann. Die Gesellschaft der Gesellschaft: Frankfurt am Main: Suhrkamp 1997, S. 114ff.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref5\">[5]<\/a>\u00a0\u00a0 Retro als Dekonstruktion, als Kritik an der Herrschaft der Hits. Vgl. Aram Lintzel. \u201eMit einer reflexiven Retrohaltung l\u00e4sst sich die Gegenwart in Frage stellen.\u201c taz, 12.07.11. <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/archiv\/digitaz\/artikel\/?ressort=ku&amp;dig=2011%2F07%2F12%2Fa0106&amp;cHash=a14ce18974\">www.taz.de\/1\/archiv\/digitaz\/artikel\/?ressort=ku&amp;dig=2011%2F07%2F12%2Fa0106&amp;cHash=a14ce18974<\/a>\u00a0 Siehe auch Olaf Karnik. \u201eGeister der Vergangenheit. Das Konzept der \u201aHauntology\u2018 und die britische Elektro-Musik der Gegenwart.\u201c NZZ, 11.02.2011. <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/nachrichten\/kultur\/pop_und_jazz\/geister_der_vergangenheit_1.9464827.html\">http:\/\/www.nzz.ch\/nachrichten\/kultur\/pop_und_jazz\/geister_der_vergangenheit_1.9464827.html<\/a><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref6\">[6]<\/a>\u00a0\u00a0 Mit Rameaus Neffen: Warum Pop nicht gehn lassen, wie er Lust hat? Er geht ja schon gut, die Menge ist damit zufrieden. Vgl. Denis Diderot. Rameaus Neffe. Frankfurt am Main: Insel 1996, S. 21.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref7\">[7]<\/a>\u00a0\u00a0 Vgl. Aram Lintzel. \u201eReflexive Retrohaltung\u201c. Hervorhebung von mir, M.H.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref8\">[8]<\/a>\u00a0\u00a0 In der entsprechenden Terminologie: nicht auf Substanzen, sondern auf Akzidenzen. Soviel zur Aktualit\u00e4t von Wesensdefinitionen \u2013 oder handelt es sich vielleicht um reflexiv gefederte Nostalgie? Aus evolution\u00e4rer Sicht ergibt sich das genau umgekehrte Bild: Es sind die Akzidenzen, die zuletzt f\u00fcr die Ausbildung eines \u201aPop-Wesens\u2018 verantwortlich zeichnen. Am ehesten macht der Rekurs auf ein transzendentales Pop-Selbst aus unserer Sicht noch in Bezug auf das Medium Sinn, das \u2013 immateriell, invariant und unsichtbar \u2013 in allen Pop-Formen mitreproduziert wird, die es variieren und sichtbar machen. Vgl. Heidingsfelder, System Pop, S. 83ff.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref9\">[9]<\/a>\u00a0\u00a0 Wozu f\u00fcr Aram Lintzel nicht nur musikalische, sondern auch andere, ungerechterweise untergegangene und bisher nicht re-aktualisierte Formen wie der Feminismus geh\u00f6ren. Lintzel wirft Reynolds denn auch die Beschr\u00e4nkung seiner \u00dcberlegungen auf Popmusik vor: \u201eDas Berliner Stadtschloss kommt nicht vor.\u201c Vgl. Aram Lintzel, \u201eReflexive Retrohaltung\u201c. Aus unserer Sicht eine sinnvolle methodische Engf\u00fchrung, auch wenn das \u201aPopkultur\u2019 im Untertitel der englischen Fassung nat\u00fcrlich anderes verhei\u00dft. Vgl. <a href=\"http:\/\/de-bug.de\/mag\/8499.html\">http:\/\/de-bug.de\/mag\/8499.html<\/a> Die von Reynolds beschriebenen Retro-Ph\u00e4nomene k\u00f6nnen ganz grunds\u00e4tzlich als Beleg f\u00fcr die Autonomie von Pop gedeutet werden, als Beweis f\u00fcr ein eigengesetzliches Geschehen, das sich gut gegen\u00fcber anderen \u201aRe-Formen\u2018 \u2013 Berliner Schloss, Tea Party, Hipstamatic \u2013 abgrenzen l\u00e4sst.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref10\">[10]<\/a> Vgl. Walter Benjamin. Gesammelte Schriften. Bd. V-1. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1982, S. 22f.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref11\">[11]<\/a> Reynolds spricht denn auch vom \u2018anarchive\u2018. Derrida bedient sich des gleichen Wortspiels, setzt aber an dieser Stelle den Todestrieb ein, da die Wiederholung bzw. der Wiederholungszwang sich laut Freud vom Todestrieb nicht trennen lasse. \u201eKonsequenz: selbst in dem, was die Archivierung erm\u00f6glicht und bedingt, werden wir niemals etwas anderes finden als das, was der Destruktion aussetzt und wahrlich mit Destruktion bedroht &#8230; Das Archiv arbeitet allzeit und a priori gegen sich selbst.\u201c Vgl. Jacques Derrida. Dem Archiv verschrieben. Eine Freud&#8217;sche Impression. Berlin: Brinkmann und Bose 1997, S. 24 und 26. Bodo Mrozek vermutet, die Historiker selbst k\u00f6nnten am von ihnen konstatierten Niedergang ihren Anteil haben: indem sie den Musikern die Relativit\u00e4t des eigenen Tuns vor Augen halten, hemmen sie deren \u201esch\u00f6pferische Impulse\u201c. Eine Retro-These, die Nietzsche samplet. Vgl. Bodo Mrozek. \u201eVerschwindet Pop in den Archiven?\u201c <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/gesellschaft\/0,1518,783978,00.html\">http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/gesellschaft\/0,1518,783978,00.html<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref12\">[12]<\/a> Vgl. Peter Fuchs. Das System Selbst. Eine Studie zu der Frage: Wer liebt wen, wenn jemand sagt: \u201eIch liebe Dich!\u201c? Weilerswist: Velbr\u00fcck 2011, S.\u00a0 78.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref13\">[13]<\/a> Vgl. Peter Fuchs, Das System Selbst, S. 78.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref14\">[14]<\/a> Ich beziehe mich auf \u00dcberlegungen Arnold Gehlens, der die ungeheure Beschleunigung der kulturellen Prozesse, die Buntheit, F\u00fclle und Wandelbarkeit der kulturellen Formen als Stillstand gedeutet hatte. Vgl. Arnold Gehlen. \u201e\u00dcber kulturelle Kristallisation\u201c. Studien zur Anthropologie und Soziologie. Neuwied 1971, S. 293ff. Baudrillard wird diese \u00dcberlegungen auf die Spitze treiben: \u201eDie Zukunft ist schon angekommen, alles ist schon angekommen, alles ist schon da. Es ist keine \u00dcbertreibung, wenn wir sagen, alles sei schon eingetreten.\u201c Und tats\u00e4chlich: auch diese These ist ja l\u00e4ngst da. Baudrillard, z.n. Heidrun Hesse (Red.). Der Tod der Moderne. Eine Diskussion. T\u00fcbingen: Konkursbuchverlag Claudia Gehrke 1983, S 103.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref15\">[15]<\/a> Vgl. Niklas Luhmann. Die Kunst der Gesellschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1995, S. 85.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref16\">[16]<\/a> Vgl. Niklas Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 482.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref17\">[17]<\/a> Zwar muss es auch f\u00fcr uns darum gehen, diese Komplexit\u00e4t zu bearbeiten \u2013 aber sicher nicht darum, sie aufzuheben. Vgl. Niklas Luhmann. Soziale Systeme, S. 10ff.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref18\">[18]<\/a> Mit George W. Bush: Eine Kopplung von misunder- und misoverestimation.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref19\">[19]<\/a> Vgl. Dietmar Dath. \u201eDas Jahrhundert der Jugend als Echokammer. Zukunft in Popmusik und Science-fiction\u201c. In: Tom Holert \/ Mark Terkessidis, Mainstream der Minderheiten. Pop in der Kontrollgesellschaft. Berlin: Edition ID-Archiv 1996, S. 149.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref20\">[20]<\/a> Vgl Niklas Luhmann, Die Kunst der Gesellschaft, S. 85.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref21\">[21]<\/a> Luhmanns Einschr\u00e4nkung lautet: Diese Bestimmung sei letztlich eine ph\u00e4nomenologische, und zwar die Lehre vom Erscheinen dieser Differenz. Vgl. Niklas Luhmann. Ideenevolution. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2008, S. 15. Peter Fuchs hat auf die problematischen Implikationen dieser ph\u00e4nomenologisch inspirierten Rede hingewiesen: \u201eIn keiner Aktualit\u00e4t ist (gleichsam unsichtbar) eine Possibilit\u00e4t oder Virtualit\u00e4t neben das gestellt, was geschieht, weil nur geschieht, was geschieht, und nicht geschieht, was nicht geschieht.\u201c Peter Fuchs. Moderne Kommunikation. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1993, S. 66f. Sinn sei nicht punktuell gegeben, Wirklichkeit und M\u00f6glichkeit erschienen nicht gleichzeitig: als Selektion und Horizont. Fuchs schl\u00e4gt deshalb vor, vom Differenzeffekt operativer Geschwindigkeiten zu sprechen. Der Umstand, dass das Bewusstsein schneller laufe als die gerade aktuelle Kommunikation, k\u00f6nne kommunikativ als \u201aVirtualisierung\u2018 genutzt werden. Vgl. Fuchs. Moderne Kommunikation, S. 69.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref66\">[22]<\/a> \u00a0Retromania als Remake einer alten, dem Fortschrittgedanken verpflichteten Erz\u00e4hlung: \u201eDoch die Erfahrung von viertausend Jahren sollte unsere Hoffnung st\u00e4rken und unsere Sorgen vermindern.\u201c Vgl. Gibbon, Untergang, S. 328.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref23\">[23]<\/a> Vgl. Heidingsfelder, System Pop, S. 63ff.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref24\">[24]<\/a> Und das schon deshalb, \u201eweil es keiner Intention, wie s\u00e4uberlich sie auch herauspr\u00e4pariert werde, verb\u00fcrgt ist, da\u00df das Gebilde sie verwirkliche\u201c. Vgl. Theodor W. Adorno. \u00c4sthetische Theorie. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1970, S. 226.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref25\">[25]<\/a> Vgl. Luhmann, Ideenevolution, S. 21.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref66\">[27]<\/a> \u00a0Kosellecks Begriff der \u201evergangenen Zukunft\u201c bringt diesen Umstand auf den Punkt. Vgl. Reinhart Koselleck. \u201eVergangene Zukunft der fr\u00fchen Neuzeit\u201c. Vergangene Zukunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1989, S. 17-37.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref27\">[27]<\/a> Mehr als nur ein Nebeneffekt, wom\u00f6glich einer der wichtigsten Beweggr\u00fcnde f\u00fcr die Unterscheidung von retromanischen und retroreflexiven Formen, l\u00e4sst sich dieser R\u00fcckgriff innerhalb des Sozialrahmens doch f\u00fcr Distinktionsgewinne im Sinne Pierre Bourdieus nutzen: Man kann sich nicht nur auf der moralisch richtigen, sondern auch auf der Kenner-Seite placieren. Reynolds kennt sich aus, und dieses Auskennen wiederum wird ihm innerhalb der Dom\u00e4ne hoch angerechnet. So lobt die Spex: Es handle sich bei ihm keineswegs um einen \u201ealternden Platzverweiser\u201c, sei er doch mit den aktuellen Str\u00f6mungen bestens vertraut. Vgl. Tobias M\u00fcller. \u201eDie Zukunft ist drau\u00dfen. Retromania von Simon Reynolds\u201c. Spex #334, S. 57. Ein ernstzunehmender Hinweis auf den K\u00f6rperbezug des Systems: Alter gilt auch auf der Ebene der Reflexion als problematisch. Vgl. Heidingsfelder, System Pop, S. 393ff.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref28\">[28]<\/a> Und die interne Anpassung an Erf\u00fcllung bzw. Entt\u00e4uschung nennen wir: Gef\u00fchl. Vgl. Niklas Luhmann. Soziale Systeme. Grundri\u00df einer allgemeinen Theorie. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 364.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref29\">[29]<\/a> \u201eNur sehr weniges kann jeweils aktuell im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen bzw. ein aktuell behandeltes Thema der Kommunikation sein; alles \u00fcbrige und schlie\u00dflich die Welt im ganzen wird durch Verweisungen heran assoziiert und ist dann nur sequentiell und nur selektiv m\u00f6glich: Man kann nur der einen oder der anderen M\u00f6glichkeit nachgehen, und jeder Schritt schafft wiederum mehr weitere M\u00f6glichkeiten, als im Folgenden aufgegriffen werden k\u00f6nnen.\u201c Niklas Luhmann. \u00d6kologische Kommunikation. Kann die moderne Gesellschaft sich auf \u00f6kologische Gef\u00e4hrdungen einstellen? Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften 2008, S. 29.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref30\">[30]<\/a> Das Ergebnis l\u00e4sst sich mit Niklas Luhmann als eine neue Kulturform begreifen. Vgl. Niklas Luhmann, Gesellschaft der Gesellschaft, S. 405ff. Siehe auch den kurzen Hinweis in Die Wissenschaft der Gesellschaft, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1990, S. 597ff. Dirk Baecker geht in seinen Studien zur n\u00e4chsten Gesellschaft der Frage nach, um welche Form es sich im Falle des Computers handeln k\u00f6nnte. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2007.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref31\">[31]<\/a> Allerdings: Gab es Retro-Ph\u00e4nomene bereits vor dem Internet. Das k\u00f6nnte ein Hinweis darauf sein, dass es sich bei der von Reynolds vorgeschlagenen Neu-Periodisierung in erster Linie um eine Form der Selbstbeschreibung handelt.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref32\">[32]<\/a> Und gerade Jungle bzw. \u201eDrum &amp; Base\u201c (Schwanitz) entwickelte sich in einem derart hohen Tempo, dass viele M\u00f6glichkeiten nur angedeutet werden konnten.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref33\">[33]<\/a> Genau wie die These vom vergangenheitsbesessenen, todgeweihten Pop! Sie bew\u00e4hrt sich ja schon dadurch, dass Autoren f\u00fcr Zeitungsartikel bezahlt werden, in denen sie den \u201eEndlosschleifenpop von heute\u201c (Thomas Gro\u00df) anprangern, dass sich Hefte bzw. Webseiten mit Retro-Specials f\u00fcllen lassen, die ansonsten dem Gang der pop\u00fcblichen Berichterstattung gefolgt w\u00e4ren.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref34\">[34]<\/a> In den Worten Edward Gibbons: Die Qualit\u00e4t der Pop-Produkte mag mal steigen, mal sinken, aber diese begrenzten Ereignisse k\u00f6nnen \u201e &#8230; dem allgemeinen Zustand [des Systems] nicht wirklich schaden\u201c.Vgl. Gibbon, Untergang, S. 323. Hinzuf\u00fcgung in Klammern von mir, M.H.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref35\">[35]<\/a> Retrologie als eine Art sozialer Reflex. Durch die Notwendigkeit, zwischen progressiver und regressiver Nostalgie zu unterscheiden, ist man mit einem Mal wieder im Spiel. Vgl. Arnold Gehlens \u00dcberlegungen in \u201eDas Ende der Pers\u00f6nlichkeit?\u201c Studien zur Anthropologie und Soziologie. Neuwied 1971, S. 302.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref36\">[36]<\/a> In einer Formulierung von Arnold Gehlen: Es lassen sich nur mehr \u201eInseln von Zusammenhang\u201c herstellen. Und weiter: Es sei \u201ekein Bewu\u00dftseinsort denkbar, von dem aus man alles in den Blick bek\u00e4me\u201c. Vgl. Gehlen, \u201eKulturelle Kristallisation\u201c, S. 295.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref37\">[37]<\/a> Vgl. Armin Nassehi. Die Zeit der Gesellschaft. Auf dem Weg zu einer soziologischen Theorie der Zeit. Neuauflage mit einem Beitrag \u201eGegenwarten\u201c. Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften 2008, S. 335. Mit Arnold Gehlen k\u00f6nnte man Retrologie als sp\u00e4te Erscheinungsform der \u201egro\u00dfen Schl\u00fcsselattit\u00fcde\u201c begreifen. Vgl. Gehlen, \u201eKulturelle Kristallisation\u201c, S. 286f.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref38\">[38]<\/a> Vgl. Niklas Luhmann \/ Peter Fuchs. Reden und Schweigen. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1989, S. 10.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref39\">[39]<\/a> Vgl. Luhmann \/ Fuchs. Reden und Schweigen, S. 10. Siehe auch Heinz von Foerster. Sicht und Einsicht: Versuche zu einer operativen Erkenntnistheorie. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme-Verlag 2005.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref40\">[40]<\/a> In der Kunst galten Abweichung und die damit verbundene \u00dcberraschung sp\u00e4testens seit dem 17. Jahrhundert als Selbstwert, der keiner zus\u00e4tzlichen Rechtfertigung mehr bedarf. Siehe Niklas Luhmann. Schriften zu Kunst und Literatur. Hrsg. v. Niels Werber. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2008, S. 148. Im Pop geh\u00f6rt die radikale Abweichung von Anfang an dazu, sp\u00e4testens seit dem Rock\u2019n\u2019Roll gilt Devianz hier als Qualit\u00e4tsmerkmal. Dabei muss die Abweichung nicht notwendig in musikalischer Form geschehen, sie kann sich auch auf bestimmte Inhalte, Outfits etc. beziehen. Genau wie in der Kunst kommt es in der Folge auch im Pop zu einem \u201eNeuheitsschwund\u201c (Luhmann), denn nat\u00fcrlich wird das Neue zwangsl\u00e4ufig alt und kann dann nur noch als altes Neues verehrt werden.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref41\">[41]<\/a> Mit Dietmar Dath: Popmusik spricht zwar von der Zukunft, meint aber eigentlich die Gegenwart. Laut Dath neben Pop auch das Privileg von Science-fiction. Vgl. Dietmar Dath. \u201eEchokammer\u201c, S. 140.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref42\">[42]<\/a> Vgl. Niklas Luhmann, Kunst der Gesellschaft, S. 327.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref43\">[43]<\/a> Dadurch wurde der Popmusiker von einem Handwerker, der nach Regeln verfuhr, zunehmend in die Rolle des an Originalit\u00e4t interessierten K\u00fcnstlers gedr\u00e4ngt \u2013 und Popmusik zu einem Medium, in das sich fortan der Zeitgeist einschrieb. Siehe hierzu auch Stanley Crouchs Klage in \u201eMan in the Mirror\u201c. In: Yo! Hermeneutics. Hrsg. v.\u00a0 Diedrich Diederichsen. Berlin: Edition ID-Archiv, S. 154. Luhmann hat darauf aufmerksam gemacht, dass gerade die Form \u201aStil\u2018 es erlaubt, das Neue zu verarbeiten. Weshalb manche Musiker die Stilbezeichnung von vornherein mitliefern, um den Sinn- und Selektionsbedarf zu befriedigen, der mit jeder Neu-Erscheinung verbunden ist. Vgl. Luhmann, Kunst der Gesellschaft, S. 211. Beispiele aus dem Bereich des Jazz sind die Albentitel Cool Jazz von Miles Davis oder Free Jazz von Ornette Coleman. Man beachte auch die Texte auf Alben wie New Forms, die vor allem damit besch\u00e4ftigt sind, den H\u00f6rer \u00fcber den neuartigen Charakter der auf ihnen pr\u00e4sentierten Formen zu informieren: \u201eNew configuration, new riff and new structure\/Built on the frame that\u2019ll hold the room puncture &#8230; When we apply the breaks, there\u2019ll be no skids\/Just more elements to continue as we glide\u201c (Reprazent feat. Roni Size, Brown Paper Bag). Vgl. auch Rapper&#8217;s Delight: \u201eNow what you hear is not a test &#8230;\u201c Sondern eine neue Form.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref44\">[44]<\/a> Vgl. Mark Granovetter. \u201eThe Idea of \u201aAdvancement\u2018 in Theories of Social Evolution and Development\u201c. In: American Journal of Sociology 85\/1979, S. 489-515.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref45\">[45]<\/a> Vgl. Luhmann, Schriften, S. 348.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref46\">[46]<\/a> Vgl. Luhmann, Gesellschaft der Gesellschaft, S. 570.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref47\">[47]<\/a> Diedrich Diederichsen spricht in diesem Zusammenhang von \u201eSecond Order Hipness\u201c bzw. der \u201eEinf\u00fchrung von Historizit\u00e4t als Waffe\u201c. Vgl. Diedrich Diederichsen. Sexbeat. K\u00f6ln: Kiepenheuer und Witsch 1985, S. 18. Aus unserer Sicht geht es eher darum, die eigene Gegenwart als Resultat einer unab\u00e4nderlichen Geschichte zu begreifen, um den Zustand Anfang der 70er Jahre im Unterschied zu fr\u00fcheren Zust\u00e4nden charakterisieren zu k\u00f6nnen. Entsprechen die laufenden Operationen dem, was Pop als seine Realit\u00e4t konstruiert? Dieser Re-entry dient keinem \u201aWeiter\u2018 im Sinne eines Fortschritts oder theoretisch instruierter Kampfhandlungen, sondern schlicht dem Weiter-so der Selbstreproduktion.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref48\">[48]<\/a> Brummb\u00e4r, z.n. Ingeborg Schober. Amon D\u00fc\u00fcl. Tanz der Lemminge. Augsburg: Sonnentanz Verlag 1994, S. 39. Siehe auch Gehlens \u00dcberlegungen zu einer Verweltlichung der urspr\u00fcnglich christlichen Kombination von Weltentwurf und Handlungsanweisung, die den Marxismus \u2013 neben Evolutionstheorie und Psychoanalyse \u2013 als atheistische Ersatzreligion begreift. Vgl. Gehlen. \u201eKulturelle Kristallisation\u201c, S. 285. Das Befreiungspotential, das Herbert Marcuse in Studenten, Hippies, Drop-outs schlummern sah \u2013 der k\u00fcnftigen \u201eNeuen Arbeiterklasse\u201c \u2013 lie\u00df die zuvor ermatteten Hoffnungen auf revolution\u00e4re Ver\u00e4nderungen wieder erstarken, wirkte im Raum der neomarxistischen Theorieans\u00e4tze also selbst potenzierend und wurde schlie\u00dflich zu einem elementaren Bestandteil der sogenannten Kritischen Pop-Theorie. Vgl. Markus Heidingsfelder. \u201eSub-Pop \u2013 oder: Von unten herab.\u201c <a href=\"http:\/\/medienobservationen.lmu.de\/artikel\/kontrovers\/heidingsfelder_pop.pdf\">http:\/\/medienobservationen.lmu.de\/artikel\/kontrovers\/heidingsfelder_pop.pdf<\/a>. Siehe auch J\u00fcrgen Habermas et al. (Hrsg.). Gespr\u00e4che mit Herbert Marcuse. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1987, insbesondere S. 121ff.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref49\">[49]<\/a> Vgl. Diederichsen, Sexbeat, S. 18.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref50\">[50]<\/a> Vgl. Marcuse, Herbert. \u201eRepressive Toleranz.\u201c In: Ders. \/ Robert Paul Wolff \/ Barrington Moore. Kritik der reinen Toleranz. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1968, S. 93-128.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref51\">[51]<\/a> Zumindest wurde es so beobachtet. Etwa von Greil Marcus: \u201eGimmie Shelter and You Can&#8217;t Always Get What You Want both reach for reality and end up confronting it, almost mastering what&#8217;s real, or what reality will feel like as the years fade in. It&#8217;s a long way from Get Off My Cloud to Gimmie Shelter, a long way from I Can&#8217;t Get No Satisfaction to You Can&#8217;t Always Get What You Want.\u201c Interessanterweise fallen ausgerechnet diese beiden Songs von Let It Bleed auf der musikalischen Ebene am \u00fcberzeugendsten f\u00fcr ihn aus: \u201eThe music of these two songs is just that much stronger than anything else on the album &#8230;\u201c Vgl. <a href=\"http:\/\/www.rollingstone.com\/music\/albumreviews\/let-it-bleed-19691227#ixzz2DJH9vp8R\">http:\/\/www.rollingstone.com\/music\/albumreviews\/let-it-bleed-19691227#ixzz2DJH9vp8R<\/a><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref52\">[52]<\/a> Siehe auch Moritz von Uslar: \u201eIm Jahr 1956, in dem der Pop erfunden wurde &#8230; \u201c Z.n. Zeit-Magazin Nr. 11., 8.3.2012, S. 18. Auch die eingangs erw\u00e4hnten historischen Fakten sind nat\u00fcrlich vor allem als Hinweis auf das Tun (facere) der Historiker zu lesen: als sich tats\u00e4chlich gebende Fiktionalit\u00e4t. Vgl. Fuchs, Moderne Kommunikation, S. 126.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref53\">[53]<\/a> Der Glam Rock \u2013 f\u00fcr Reynolds der paradigmatische Fall einer retromanischen Form \u2013 k\u00fcndigt sich bereits mit dem erstaunlichen, f\u00fcr merkw\u00fcrdige Kontrasteffekte sorgenden Auftritt von \u201cSha Na fucking Na\u201d (Jake Brown) in Woodstock an. Elizabeth E. Guffey hat die Rolle der Band in ihrem Buch Retro: The Culture of Revival genauer untersucht. London: Reaktion Books 2006. Sie macht darauf aufmerksam, dass bereits dieses vermeintlich r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte, nur-nostalgische Retro-Ph\u00e4nomen mit Gegenwartsbez\u00fcgen aufgeladen war und die 50er Jahre nicht etwa re-, sondern konstruierte: Busby Berkeley statt Joe McCarthy. Es ging demnach weniger um ein Bedienen sentimentaler Bed\u00fcrfnisse nach der guten alten Zeit als vielmehr um eine vom Camp inspirierte \u00dcberpointierung bestimmter formaler Aspekte der \u00c4ra \u2013 kurzum: um ebenjene von den Retrologen geforderte reflexive Nostalgie.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref54\">[54]<\/a> Sukhdev Sandhu,<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.guardian.co.uk\/books\/2011\/may\/29\/retromania-simon-reynolds-review\">http:\/\/www.guardian.co.uk\/books\/2011\/may\/29\/retromania-simon-reynolds-review<\/a><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref55\">[55]<\/a> Vgl. Edmund Husserl. Vorlesungen zur Ph\u00e4nomenologie des inneren Zeitbewu\u00dftseins. Hrsg. v. Martin Heidegger. T\u00fcbingen: Niemeyer 1980, S. 410f.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref56\">[56]<\/a> Paul Hartnoll von Orbital \u00fcber Kraftwerks Computer World: \u201eZu der Zeit, als ich das h\u00f6rte, kamen mir Platte und Song noch k\u00fchl und schroff vor. Nach heutigen Soundstandards klingt der Track aber warm und reichhaltig. Verr\u00fcckt, wie sich die Perspektive gewandelt hat.\u201c Z.n. Intro # 202 Mai 2012, S. 34.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref57\">[57]<\/a> Vgl. Luhmann, Kunst der Gesellschaft, S. 210.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref58\">[58]<\/a> Vgl. Luhmann, Kunst der Gesellschaft, S. 481. Und auch die Neuheit des Neuen ist ja redundant, \u201eda man aus der Erfahrung mit Neuheiten immer schon wei\u00df, um was es sich handelt &#8230; \u201c Vgl. Luhmann, Gesellschaft der Gesellschaft, S. 1007.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref59\">[59]<\/a> Paul Val\u00e9ry: \u201eDas wirklich Neue w\u00e4re vollst\u00e4ndig unausdr\u00fcckbar.\u201c Ich grase meine Gehirnwiese ab. Paul Val\u00e9ry und seine verborgenen Cahiers. Ausgew\u00e4hlt und mit einem Essay von Thomas St\u00f6lzel. Frankfurt am Main: Eichborn 2011, S. 165.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref66\">[60]<\/a> \u00a0Stellt sich nur die Frage, wie ein Song unter diesen Bedingungen noch seine eigene Einheit behaupten, sich gegen die eigene requisite variety durchsetzen kann. \u201eKann man\u201c, fragt Rikus Hillmann in der Debug, \u201edurch Hommagen, Zitate einen Style pr\u00e4gen?\u201c Vgl. <a href=\"http:\/\/www.de-bug.de\/share\/debug50.pdf\">www.de-bug.de\/share\/debug50.pdf<\/a>. Die Grenze setzt auch hier die Funktion. Vgl. Heidingsfelder, System Pop, S. 63 ff. Genau deshalb kommt es auch zu keinem Anything-goes. Bestimmte Kombinationen sind einfach nicht \u201adrin\u2018. Anders als in der Kunst kann Reflexivit\u00e4t im Pop deshalb auch nicht hei\u00dfen: dass der H\u00f6rer sich einen Song nur vorstellen soll.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref61\">[61]<\/a> Vgl. Luhmann, Kunst der Gesellschaft, S. 480. Siehe auch Ennis, der vom Rock&#8217;n&#8217;Roll als \u201eseventh stream\u201c spricht. Philip H. Ennis. The Seventh Stream. The Emergence of Rock&#8217;n&#8217;Roll in American Popular Music. Hanover: Wesleyan University Press 1992. Musikritiker Joachim Hentschel empfindet das \u201aOzeanische\u2018 des neuen Zustands nicht als beunruhigend: \u201eFr\u00fcher mussten verschiedene Musiken sich um eine sehr beschr\u00e4nkte Zahl von Kan\u00e4len mit beschr\u00e4nkten Kapazit\u00e4ten pr\u00fcgeln. Heute besteht diese Konkurrenz nicht mehr. Auf vielen verschiedenen Kan\u00e4len werden Erkennungszeichen und tribale Verhaltensmuster gepflegt, parallel, ohne Wettbewerb, trotzdem mit maximaler Pr\u00e4senz.\u201d (Email vom 10.12.11 an mich, M.H.) Von einer Umkehrung der evolution\u00e4ren Prozesse, die ja das Verschwinden bestimmter \u2013 \u201akulturell-\u00f6kologischer\u2019 \u2013 Nischen voraussetzen w\u00fcrde, kann also im Pop nicht gesprochen werden.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref62\">[62]<\/a> Vgl. Luhmann. Gesellschaft der Gesellschaft, S. 569.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref66\">[63]<\/a> \u00a0Vgl. Luhmann. \u00d6kologische Kommunikation, S. 26.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref64\">[64]<\/a> Ob sich die Popmusik des 21. Jahrhunderts deshalb nicht mehr in eine funktionale Sachordnung bringen l\u00e4sst \u2013 und man in Bezug auf die Gesamtgesellschaft von einer neuen Kulturform sprechen muss \u2013 ist eine offene Frage. Vgl. Baecker, Studien, S. 9f. Niklas Luhmann ging davon aus, dass die wichtigen Strukturen der Gesellschaft kontinuieren, so dass man trotz Computer und Internet von Postmoderne im Sinne einer epochalen Z\u00e4sur bisher nur mit Bezug auf die gesellschaftlichen Selbstbeschreibungen sprechen k\u00f6nne. Vgl. Luhmann, Gesellschaft der Gesellschaft, S. 1143. Wie bereits angedeutet scheint das Gleiche f\u00fcr Pop zu gelten, denn auch hier sind die wesentlichen Strukturen dieselben geblieben.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref65\">[65]<\/a> Arzt, z.n. Volker Faust. Manie. Eine allgemeinverst\u00e4ndliche Einf\u00fchrung in Diagnose, Therapie und Prophylaxe der krankhaften Hochstimmung. Stuttgart: Ferdinand Enke 1997, S. 40. Siehe auch Endnote 2.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref66\">[66]<\/a> Die Krankheitssystematik von D\u00f6rner \/ Plog ordnet jeder Altersstufe bestimmte Lebensaufgaben zu. Manie wird begriffen als Reaktion auf die Probleme, die sich uns am Anfang des dritten Lebensjahrzehnts stellen: \u201eDas ist die Welt der immer wieder anderen Jugendbewegung, des Wandervogels, der anti-autorit\u00e4ren Bewegung, der Hippies, Rocker und Punker &#8230; \u201c Klaus D\u00f6rner \/ Ursula Plog, Irren ist menschlich. Lehrbuch der Psychiatrie, Psychotherapie. Bonn: Psychiatrie Verlag 1996. S. 179.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref66\">[67]<\/a> \u00a0Vgl. Fritz B. Simon. Meine Psychose, mein Fahrrad und ich. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag 2006, S. 226.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref68\">[68]<\/a> Vgl. <a href=\"http:\/\/www.de-bug.de\/share\/debug50.pdf\">www.de-bug.de\/share\/debug50.pdf<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>\u00a0Adorno, Theodor W. <em>\u00c4sthetische Theorie.<\/em> Frankfurt am Main: Suhrkamp 1970.<\/p>\n<p>Baecker, Dirk. <em>Studien zur n\u00e4chsten Gesellschaft.<\/em> Frankfurt am Main: Suhrkamp 2007.<\/p>\n<p>Baudrillard, Jean. <em>Das Jahr 2000 findet nicht statt.<\/em> Berlin: Merve 1990.<\/p>\n<p>Benjamin, Walter. <em>Gesammelte Schriften. Bd. V: Das Passagen-Werk. <\/em>Frankfurt am Main: Suhrkamp 1982.<\/p>\n<p>Dath, Dietmar. \u201eDas Jahrhundert der Jugend als Echokammer. Zukunft in Popmusik und Science-fiction\u201c. In: <em>Mainstream der Minderheiten. Pop in der Kontrollgesellschaft. <\/em>Hrsg. v. Tom Holert und Mark Terkessidis. Berlin: Edition ID-Archiv, 1996, S. 139-152.<\/p>\n<p>Derrida, Jacques. <em>Dem Archiv verschrieben. Eine Freud&#8217;sche Impression.<\/em> Berlin: Brinkmann und Bose 1997.<\/p>\n<p>Diederichsen, Diedrich. <em>Sexbeat.<\/em> K\u00f6ln: Kiepenheuer &amp; Witsch 1985.<\/p>\n<p>D\u00f6rner, Klaus \/ Plog, Ursula. <em>Irren ist menschlich. Lehrbuch der Psychiatrie, Psychotherapie.<\/em> Bonn: Psychatrie Verlag 1996.<\/p>\n<p>Ennis, Philip H. <em>The Seventh Stream. The Emergence of Rock&#8217;n&#8217;Roll in American Popular Music<\/em>. Hanover: Wesleyan University Press 1992.<\/p>\n<p>Faust, Volker. <em>Manie. Eine allgemeinverst\u00e4ndliche Einf\u00fchrung in Diagnose, Therapie und Prophylaxe der krankhaften Hochstimmung. <\/em>Stuttgart: Ferdinand Enke 1997.<\/p>\n<p>Foerster, Heinz von. <em>Sicht und Einsicht. Versuche zu einer operativen Erkenntnistheorie.<\/em> Heidelberg: Carl-Auer-Systeme-Verlag 2005.<\/p>\n<p>Fuchs, Peter: <em>Moderne Kommunikation. <\/em>Frankfurt am Main: Suhrkamp 1993.<\/p>\n<p>&#8211; <em>Intervention und Erfahrung.<\/em> Frankfurt am Main: Suhrkamp 1999.<\/p>\n<p>&#8211; <em>Die Psyche. <\/em>Bielefeld: Transcript 2005.<\/p>\n<p>&#8211; <em>Die Metapher des Systems.<\/em> Weilerswist: Velbr\u00fcck 2001.<\/p>\n<p>Gehlen, Arnold: \u201e\u00dcber kulturelle Kristallisation\u201c. In: <em>Studien zur Anthropologie und Soziologie.<\/em> Neuwied 1971, S. 283-301.<\/p>\n<p>&#8211; \u201eDas Ende der Pers\u00f6nlichkeit?\u201c In: <em>Studien zur Anthropologie und Soziologie.<\/em> Neuwied 1971, S. 301-312.<\/p>\n<p>Gibbon, Edward. <em>Verfall und Untergang des r\u00f6mischen Imperiums. 6 B\u00e4nde.<\/em> Hrsg. v. Walter Kumpmann. M\u00fcnchen: Deutscher Taschenbuch Verlag 2003.<\/p>\n<p>Goethe, Johann Wolfgang. <em>Rameaus Neffe. Ein Dialog von Denis Diderot.<\/em> Frankfurt am Main: Insel Verlag 1996.<\/p>\n<p>Granovetter, Mark.\u00a0 \u201eThe Idea of \u201aAdvancement\u2018 in Theories of Social Evolution and Development\u201c. In: American Journal of Sociology 85\/1979, S. 489-515.<\/p>\n<p>Guffey, Elizabeth E. <em>Retro: The Culture of Revival. <\/em>London: Reaktion Books 2006.<\/p>\n<p>Habermas, J\u00fcrgen: <em>Der philosophische Diskurs der Moderne.<\/em> Frankfurt am Main: Suhrkamp 1985<\/p>\n<p>Habermas, J\u00fcrgen et al. (Hrsg.) <em>Gespr\u00e4che mit Herbert Marcuse.<\/em> Frankfurt am Main: Suhrkamp 1978.<\/p>\n<p>Heidingsfelder, Markus. <em>System Pop. <\/em>Berlin: Kadmos 2012.<\/p>\n<p>&#8211; \u201ePop als System\u201c. In: <em>Kommunikation im Popul\u00e4ren. Interdisziplin\u00e4re Perspektiven auf ein ganzheitliches Ph\u00e4nomen.<\/em> Hrsg. v. Roger L\u00fcdeke. Bielefeld: Transcript 2011, S. 153-172.<\/p>\n<p>&#8211; \u201eSub-Pop \u2013 oder: Von unten herab.\u201c<\/p>\n<p>http:\/\/medienobservationen.lmu.de\/artikel\/kontrovers\/heidingsfelder_pop.pdf<\/p>\n<p>Hesse, Heidrun (Red.). <em>Der Tod der Moderne. Eine Diskussion. <\/em>T\u00fcbingen: Konkursbuchverlag Claudia Gehrke 1983.<\/p>\n<p>Husserl, Edmund. <em>Vorlesungen zur Ph\u00e4nomenologie des inneren Zeitbewu\u00dftseins.<\/em> Hrsg. v. Martin Heidegger. T\u00fcbingen: Niemeyer 1980.<\/p>\n<p>James, Martin. <em>State of Bass. Jungle: The Story So Far.<\/em> London: Boxtree1997.<\/p>\n<p>Karnik, Olaf. \u201eGeister der Vergangenheit. Das Konzept der\u00a0\u00a0\u00a0 \u201aHauntology\u2018 und die britische Elektro-Musik der Gegenwart\u201c. In: Neue Z\u00fcrcher Zeitung.<\/p>\n<p>http:\/\/www.nzz.ch\/nachrichten\/kultur\/pop_und_jazz\/geister_der_vergangenheit_1.9464827.html, 11.02.2011.<\/p>\n<p>Koselleck, Reinhart. \u201eVergangene Zukunft der fr\u00fchen Neuzeit\u201c.\u00a0 Vergangene Zukunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1989, S. 17-37.<\/p>\n<p>Lintzel, Aram. \u201eMit einer reflexiven Retrohaltung l\u00e4sst sich die Gegenwart in Frage stellen.\u201c In: Taz. Die Tageszeitung.<\/p>\n<p>http:\/\/www.taz.de\/1\/archiv\/digitaz\/artikel\/?ressort=ku&#038;dig=2011%2F07%2F12%2Fa0106&#038;cHash=a14ce18974,<\/p>\n<p>12.06.2011.<\/p>\n<p>Lehmann, Maren. \u201eGrau | Gr\u00fcn: Die Kunst der Theorie.\u201c In: <em>Kunstforschung als \u00e4sthetische Wissenschaft. Beitr\u00e4ge zur transdisziplin\u00e4ren Hybridisierung von Wissenschaft und Kunst. <\/em>Hrsg. v. Martin Tr\u00f6ndle \/ Julia Warmers. Bielefeld: Transcript 2011, S. 151-167.<\/p>\n<p>Luhmann, Niklas. <em>Gesellschaftsstruktur und Semantik. Studien zur Wissenssoziologie der modernen Gesellschaft. Band 1. <\/em>Frankfurt am Main: Suhrkamp 1980.<\/p>\n<p>&#8211; <em>Soziale Systeme. Grundri\u00df einer allgemeinen Theorie. <\/em>Frankfurt am Main: Suhrkamp 1984.<\/p>\n<p>&#8211; <em>Die Kunst der Gesellschaft. <\/em>Frankfurt am Main: Suhrkamp 1995.<\/p>\n<p>&#8211;<em> Die Gesellschaft der Gesellschaft.<\/em> Frankfurt am Main: Suhrkamp 1997.<\/p>\n<p>&#8211; <em>\u00d6kologische Kommunikation. Kann die moderne Gesellschaft sich auf \u00f6kologische Gef\u00e4hrdungen einstellen? <\/em>Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialenwissenschaften 2008.<\/p>\n<p>&#8211; \u201eSinn, Selbstreferenz und soziostrukturelle Evolution.\u201c In: <em>Ideenevolution<\/em>. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2008, S. 7-71.<\/p>\n<p>&#8211; <em>Schriften zu Kunst und Literatur.<\/em> Hrsg. v. Niels Werber. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2008.<\/p>\n<p>Luhmann, Niklas \/ Fuchs, Peter. <em>Reden und Schweigen.<\/em> Frankfurt am Main: Suhrkamp 1989.<\/p>\n<p>Lyotard, Jean-Francois. <em>Das postmoderne Wissen.<\/em> Ein Bericht. Hrsg v. Peter Engelmann. Graz: Edition Passagen 1986.<\/p>\n<p>Marcuse, Herbert. \u201eRepressive Toleranz.\u201c In: Ders. \/ Robert Paul Wolff \/ Barrington Moore. <em>Kritik der reinen Toleranz.<\/em> Frankfurt am Main: Suhrkamp 1968, S. 93-128.<\/p>\n<p>Meadows, Dennis. <em>Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit<\/em>. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt\u00a0 1972.<\/p>\n<p>M\u00fcller, Tobias. \u201eDie Zukunft ist drau\u00dfen. Retromania von Simon Reynolds\u201c. In: Spex #334, S. 55-58.<\/p>\n<p>Nassehi, Armin. <em>Die Zeit der Gesellschaft. Auf dem Weg zu einer soziologischen Theorie der Zeit. Neuauflage mit einem Beitrag &#8222;Gegenwarten&#8220;. <\/em>Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften 2008.<\/p>\n<p>&#8211; <em>Der soziologische Diskurs der Moderne.<\/em> Frankfurt am Main. Suhrkamp 2006.<\/p>\n<p>Pauen, Michael. <em>Pessismus: Geschichtsphilosophie, Metaphysik und Moderne. <\/em>Berlin: Akademie Verlag 1997.<\/p>\n<p>Platon. \u201eStufen des Seins und Erkennens\u201c aus: der VII. Brief, 341b-343b. In: Platon. <em>Mit den Augen des Geistes. Nachwort und Anmerkungen von Bruno Snell. <\/em>Frankfurt am Main: Fischer 1955, S. 199-202.<\/p>\n<p>Reynolds, Simon. <em>Retromania. Pop Culture&#8217;s Addiction to Its Own Past. <\/em>London: Faber &amp; Faber 2011.<\/p>\n<p>&#8211; <em>Retromania. Warum Pop nicht von seiner Vergangenheit lassen kann<\/em>. Mainz: Ventil Verlag 2012.<\/p>\n<p>Sandhu, Sukhdev. \u201eRetromania: Pop Culture&#8217;s Addiction to its Own Past by Simon Reynolds \u2013 review.\u201c In: The Guardian.<\/p>\n<p>www.guardian.co.uk\/books\/2011\/may\/29\/retromania-simon-reynolds-review, 29.05.2011.<\/p>\n<p>Schober, Ingeborg. <em>Amon D\u00fc\u00fcl. Tanz der Lemminge. <\/em>Augsburg: Sonnentanz Verlag 1994.<\/p>\n<p>Simon, Fritz B. <em>Meine Psychose, mein Fahrrad und ich. <\/em>Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag 2006.<\/p>\n<p>Tilgner, Wolfgang. <em>Elvis Presley. <\/em>Berlin: Lied der Zeit 1987.<\/p>\n<p>Val\u00e9ry, Paul. <em>Ich grase meine Gehirnwiese ab. Paul Val\u00e9ry und seine verborgenen Cahiers<\/em>. Ausgew\u00e4hlt und mit einem Essay von Thomas St\u00f6lzel. Frankfurt am Main: Eichborn 2011.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Postmodern<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[1309,1315,1461,1816,1986,2589],"class_list":["post-955","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-kritik","tag-kultur","tag-markus-heidingsfelder","tag-pop","tag-retrologie","tag-zeitschrift"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/955","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=955"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/955\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=955"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=955"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=955"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}