{"id":9796,"date":"2020-02-10T09:42:16","date_gmt":"2020-02-10T07:42:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=9796"},"modified":"2020-02-10T09:42:16","modified_gmt":"2020-02-10T07:42:16","slug":"die-inszenierung-der-geschlechterlosigkeitvon-sarah-eliasz10-2-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2020\/02\/10\/die-inszenierung-der-geschlechterlosigkeitvon-sarah-eliasz10-2-2020\/","title":{"rendered":"Die Inszenierung der Geschlechterlosigkeit<br><small><i>von Sarah Eliasz<\/i><\/small><br><small>10.2.2020<\/small>"},"content":{"rendered":"<p>\u201aGenderless\u2018 als Ph\u00e4nomen der Kleidungs-Mode und ihres Marketings<!--more--><\/p>\n<p>Wenn sich Rollenmuster ver\u00e4ndern, hat das Auswirkungen auf alle Bereiche. Die Aufhebung der strikten Geschlechtergrenzen macht sich aber vor allem in der Modeindustrie bemerkbar, denn Kleidung fungiert als eines der wichtigsten Instrumente der Geschlechterdarstellung. Folgerichtig steht geschlechtsspezifische Kleidung nicht mehr so stark im Mittelpunkt wie zuvor.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Seit Jahrzehnten versuchen Modesch\u00f6pfer Geschlechtergrenzen zu \u00fcberwinden. W\u00e4hrend dies fr\u00fcher und teilweise auch noch heute durch androgyne Mode, die Gender-Codes umkehrt oder verschmelzen l\u00e4sst, versucht wurde und wird, inszenieren immer mehr Modemarken, wie beispielsweise die schwedische Modemarke Acne genderneutrale Kleidung, die weder m\u00e4nnlich noch weiblich konnotiert ist.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Designer wie Vivienne Westwood, Alessandro Michele f\u00fcr Gucci, Nicolas Ghesquiere f\u00fcr Louis Vuitton und erschwingliche Marken wie Zara, H&amp;M und Asos haben Kollektionen entworfen, die die Geschlechtergrenzen in Frage stellen.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Das britische Luxuskaufhaus Selfridges pr\u00e4sentierte im M\u00e4rz 2015 sogar eine Unisex-Kampagne namens Agender, die sowohl online als auch gro\u00dffl\u00e4chig auf drei Etagen einer Londoner Filiale genderneutral pr\u00e4sentiert wurde. Angeboten wurden verschiedene Unisex-Kollektionen der Eigenmarke wie auch von Labels, die f\u00fcr ihren \u201eungendered Look\u201c bekannt sind, darunter beispielsweise Comme des Garcons und Boy London.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Zudem er\u00f6ffnete im M\u00e4rz 2019 im Museum of Fine Arts in Boston die Ausstellung \u201eGender Bending\u201c. Dort waren unter anderem die Werke des kanadischen Designers Rad Hourani ausgestellt, der im Januar 2013 als erster Designer \u00fcberhaupt eine Unisex-Couture-Kollektion pr\u00e4sentierte.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Die ersten Versuche mit geschlechtsneutraler Mode wurden von Pierre Cardin Ende der 1960er Jahre unternommen. Cardins futuristische Kreationen der Kollektion \u201eCosmocorps\u201c waren inspiriert von Raumfahrtprogrammen der USA und der Sowjetunion. Sie erinnern an Panzerungen und wirken, als w\u00e4ren es Skulpturenentw\u00fcrfe f\u00fcr das Weltraumzeitalter, die nicht an den menschlichen, geschweige denn an einen spezifisch geschlechtlichen K\u00f6rper angepasst sind. Im Katalog zur Ausstellung \u201ePierre Cardin: Future Fashion\u201c im Brooklyn Museum in New York betont Cardin, dass er beim Entwerfen der Mode kein Geschlecht vor Augen gehabt habe. Vielmehr gehe es darum, Kreationen zu entwerfen, die vom Geschlecht unabh\u00e4ngig seien, sodass sich der K\u00f6rper seiner Mode anpassen m\u00fcsse.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Doch wie genau wird Geschlechtsneutralit\u00e4t, bzw. Geschlechterlosigkeit durch Mode inszeniert und konstruiert? Welche Formen und Schnitte werden daf\u00fcr verwendet? Welche (Mode-)K\u00f6rper werden gezeigt und welche Posen eingenommen? Gibt es Unterschiede zwischen Unisex-Kampagnen und Kollektionen der High Fashion, der Mode des Mittelpreissegments und des Niedrigpreissegments?<\/p>\n<p>Um dies herauszufinden, werden im Folgenden modische Artefakte, deren Verh\u00e4ltnis zum K\u00f6rper sowie Posen, Mimik und Setting untersucht\u00a0\u2013 am Beispiel der H&amp;M-Kampagne \u201eBorderless\u201c, der Closed-Kampagne \u201eEQL\u201c und der Unisex-Couture-Kollektion von Rad Hourani. Um zu einem aussagekr\u00e4ftigen Ergebnis zur Geschlechterlosigkeit in der Modebranche zu gelangen, wird sich die Analyse also mit drei verschiedenen Sparten der Branche befassen: mit einer Haute-Couture-Kollektion der High Fashion, einer Kampagne des Mittelpreissegments und einer des Niedrigpreissegments. Um einen Unterschied bzw. einen Vergleichswert zwischen spezifisch geschlechtlicher und genderneutraler Inszenierungsformen zu ermitteln, wird zuvor kurz darauf eingegangen, wie Weiblichkeit auf traditionelle Weise in Mode-Kampagnen inszeniert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Werbekampagnen<\/p>\n<p>Mode wird auch weiterhin in Fotostrecken, Kampagnen und Modenschauen oftmals traditionell weiblich oder m\u00e4nnlich pr\u00e4sentiert. Weiblichkeit wird in der Mode bis heute \u00fcber ein verbindliches, wiederkehrendes Repertoire von zeichenhaften Elementen inszeniert, die von einem bin\u00e4ren, heteronormativen Geschlechterverh\u00e4ltnis ausgehen.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Zu diesen Elemente geh\u00f6ren u.a. die \u201eSilhouette, Pose, Fragmentierung des weiblichen K\u00f6rpers durch \u00d6ffnung der Kleidung (Dekollet\u00e9s, Schlitze, Ausschnitte etc.), \u00dcberformung durch die textilen H\u00fcllen (Schn\u00fcrungen, Raffungen etc.) und die Wahl der Bildausschnitte, \u00fcber Kontextualisierung in \u201aweiblich\u2018 konnotierten Settings und \u00fcber die Fetischisierung einer Auswahl von Accessoires (High-Heels, hohe Kragen, Handschuhe, Korsagen, Nahtstr\u00fcmpfe etc.).\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Im Modebild zeigt ein Modek\u00f6rper, der im Augenblick seiner Erscheinung mit erotischer Bedeutung aufgeladen wird, durch seine Inszenierung Geschlecht und Sexualit\u00e4t. Hier wird deutlich, dass Mode \u2013 um als solche zu gelten \u2013 immer ein zweites Medium ben\u00f6tigt, das ihr modischen Sinn verleiht: einen K\u00f6rper, der die Mode tr\u00e4gt.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>W\u00e4hrend Roland Barthes in seinem 1963 erschienenen Aufsatz zur Modefotografie prim\u00e4r die Zurschaustellung der modischen Kleidung als ausschlaggebend betont, ist es heute der Modek\u00f6rper, der im Mittelpunkt von Modekampagnen steht.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Auch Lehnert betont den Zusammenhang von K\u00f6rper und Kleid in ihren Arbeiten. Der Modek\u00f6rper existiere ausschlie\u00dflich in einer zeitlich begrenzten Verschmelzung der beiden Elemente. Aus dieser Verschmelzung entstehe ein Drittes, das trotz seiner Fl\u00fcchtigkeit Identit\u00e4t erzeugt:<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>\u201eAffirmation, Dekonstruktion, Subversion, Protest, das Unterlaufen von Normen: M\u00f6glichkeiten der Konstruktion und Modulation von Identit\u00e4t, die immer auch eine Geschlechtsidentit\u00e4t ist und als solche gelesen wird. [\u2026] Der Modek\u00f6rper wird gelesen, und als Geschlechtsk\u00f6rper gelesen. Wir werden deshalb lesbar, weil wir Kleider tragen und weil wir sie auf bestimmte, geschlechtlich kodierte Weise tragen.\u201c<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>Antje Osterburg f\u00fchrt in ihrer Arbeit \u201e\u2026 &amp; queer stories\u201c an, dass auch die modische Inszenierung von Crossdressing oder Androgynie durch das Brechen von m\u00e4nnlich und weiblich definierten Kleidercodes geschlechtliche Identit\u00e4t betont. Eine erotische Spannung werde dabei beispielsweise wegen der Reibung m\u00e4nnlicher und weiblicher Bekleidungsstrategien durch einen weiblich inszenierten Protagonisten und eine m\u00e4nnlich inszenierte Protagonistin erreicht. Durch diese Maskerade bleibe die heteronormative Grundannahme der Bildinszenierung erhalten, trotzdem werde das vorgef\u00fchrte Spiel mit Geschlechtern lesbar gemacht.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Durch diese zugespitzte, inszenierte Form scheinbarer Heteronormativit\u00e4t kann die Grenze zwischen bin\u00e4ren Geschlechtern als Konstrukt entlarvt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Unisex-Couture-Kollektion von Rad Hourani<\/p>\n<p>Der kanadische Designer Rad Hourani pr\u00e4sentierte im Januar 2013 die erste Unisex-Couture-Kollektion auf der Pariser Fashion Week.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Bekannt ist Hourani f\u00fcr seine geschlechtsneutralen Modekreationen, die er erstmals im Jahre 2007, im Zuge der Gr\u00fcndung seiner Unisex-Marke, in einer Ready-to-wear-Kollektion pr\u00e4sentierte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><div id=\"attachment_9802\" style=\"width: 434px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9802\" class=\" wp-image-9802\" src=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Bildschirmfoto-2020-02-06-um-15.44.45-1024x758.png\" alt=\"\" width=\"424\" height=\"314\" \/><p id=\"caption-attachment-9802\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 1: Unisex-Couture-Kollektion 2013\/14 von Rad Hourani, w\u00e4hrend der Pariser Fashion Week im Januar 2013. Ausgew\u00e4hlte Styles.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/p><\/div>Die Kleidung konzentriert sich formell auf harte geometrische, fast architektonisch wirkende Schnitte und klare Linien. Materialien wie glattes Leder und dickes Crepe lassen die Models beinahe wie Statuen erscheinen. Die Beine, insbesondere Waden und Schienbeine, werden durch anschmiegsames Leder betont. Die Oberschenkel hingegen werden durch l\u00e4ngere Oberteile und Jacken oder durch gerade, bis zu den Knien gehende Hosen verdeckt. So werden die Geschlechtsorgane verschleiert.<\/p>\n<p>Die geradlinigen, schlichten Jacken und Shirts lassen den Oberk\u00f6rper unspezifisch erscheinen, denn weder Taille noch Brust werden betont. Eine Fragmentierung des weiblichen oder m\u00e4nnlichen K\u00f6rpers findet nicht statt. Es werden keine erotisierenden Schlitze oder Ausschnitte gezeigt. Die Oberteile haben ausnahmslos Rundhals-Ausschnitte. Nackte Haut ist bei manchen Outfits lediglich ab den Schultern sichtbar. Die einzigen Ornamente sind Stofflagen und Faltungen, die teilweise durch H\u00fcftg\u00fcrtel fixiert sind.<\/p>\n<p>Die K\u00f6rper der Models sind schlank, knabenhaft und gr\u00f6\u00dftenteils geschlechtlich unspezifisch. Durch die nackten Arme werden jedoch teilweise Muskeln sichtbar, die auf einen m\u00e4nnlichen K\u00f6rper verweisen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_9803\" style=\"width: 436px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9803\" class=\" wp-image-9803\" src=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Bildschirmfoto-2020-02-06-um-15.44.56-1024x789.png\" alt=\"\" width=\"426\" height=\"328\" \/><p id=\"caption-attachment-9803\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 2: Unisex-Couture-Kollektion Fall\/Winter 2013\/14 von Rad Hourani. Links: Nackte Arme. Rechts: Stofflagen und Faltungen.<\/p><\/div>\n<p>Geschlechterlosigkeit im Sinne eines \u201aWeder noch\u2018 wird zudem durch die Zur\u00fccknahme klassischer Inszenierungsstrategien betont: Das Make-up ist unsichtbar oder fehlt ganz, und die Frisuren sind bei jedem Model gleich oder sehr \u00e4hnlich. Die Haare liegen streng am Kopf an, der Scheitel befindet sich auf der linken Seite. Auf Accessoires, mit Ausnahme einiger funktionaler G\u00fcrtel, wird g\u00e4nzlich verzichtet.<\/p>\n<div id=\"attachment_9804\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9804\" class=\" wp-image-9804\" src=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Bildschirmfoto-2020-02-06-um-15.45.06-746x1024.png\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"371\" \/><p id=\"caption-attachment-9804\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 3: Runway-Anweisungen Rad Houranis.<\/p><\/div>\n<p>Die K\u00f6rperhaltung beim Laufsteg-Gang ist bewusst unpr\u00e4tenti\u00f6s, auf das Posieren wird verzichtet. Ein Plakat (s. Abbildung 3) zeigt die Anweisungen Rad Houranis, an die sich die Models w\u00e4hrend der Modenschau halten sollen. Aus dem Wunsch nach Neutralit\u00e4t entstehen nicht nur die Vorgaben f\u00fcr das Design, sondern auch f\u00fcr die Pr\u00e4sentation. Ein gleichm\u00e4\u00dfiger Gang, der inszenierte Nichtinszenierung pr\u00e4sentiert, wird mit Reinheit und Geschlechterlosigkeit in Verbindung gebracht. Das Setting unterstreicht die Geradlinigkeit der pr\u00e4sentierten Kleidung und der Performance. Die Umgebung ist sehr symmetrisch und besteht aus horizontalen und vertikalen Linien und rechteckigen Formen.<\/p>\n<p>Die K\u00f6rper kommen lediglich als Tr\u00e4ger der Kleidung ins Bild, scheinen aber selbst nicht pr\u00e4sent zu sein und wirken dadurch schwer greifbar. Die Kleidung bedeckt mit ihrer neutralisierenden Schnittf\u00fchrung die Modek\u00f6rper und macht sie so zu unbestimmten Dritten.<\/p>\n<p>Am Ende der Modenschau verh\u00fcllen wei\u00dfe Masken die Gesichter der Models und lassen so ein weiteres Erkennungsmerkmal ihrer Geschlechtlichkeit verschwinden (s. Abbildung 4).<\/p>\n<div id=\"attachment_9805\" style=\"width: 398px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9805\" class=\" wp-image-9805\" src=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Bildschirmfoto-2020-02-06-um-15.45.13-1024x581.png\" alt=\"\" width=\"388\" height=\"220\" \/><p id=\"caption-attachment-9805\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 4: Maskierte Modelle am Ende der Modenschau von Rad Hourani.<\/p><\/div>\n<p>In einer Branche, die das Weibliche lange Zeit ornamentiert und das M\u00e4nnliche funktionalisiert hat, widersetzt sich Hourani allen Geschlechtercodes und stellt Kleider her, die nicht von Geschlechterkategorien und Rollen bestimmt sind.\u00a0Das bedeutet, dass er geschlechtsneutrale Kleidung produziert, die nichts mit einer Umkehrung oder Aneignung von Gender-Zeichen zu tun haben:<\/p>\n<p>\u201eWas ich mache, hat nichts mit Androgynit\u00e4t zu tun. Yves Saint Laurent hat einen M\u00e4nneranzug genommen und daraus einen Anzug f\u00fcr Frauen gemacht. Er ist also f\u00fcr einen Frauenk\u00f6rper geschneidert, M\u00e4nner k\u00f6nnen ihn nicht tragen. Ich m\u00f6chte neutrale Kleidungsst\u00fccke machen.\u201c<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Trotz einer gewissen Einheitlichkeit der Kollektion, die durch die Gleichmachung m\u00e4nnlicher und weiblicher Kleidungsst\u00fccke erreicht wird, findet keine Uniformierung der Tr\u00e4ger statt. Vielmehr geht es darum, universelle Kleidungsst\u00fccke zu entwerfen, die individuellen Stilen angepasst werden k\u00f6nnen. Hourani betont: \u201eIch mag es, wenn Frauen meine Kleidung nehmen und sie extrem feminin kombinieren. Oder wenn jemand sie sportlich tr\u00e4gt, mit Jeans und Turnschuhen.\u201c<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Unisex-Kollektion \u201eEQL\u201c von Closed<\/p>\n<p>In Kooperation mit der deutschen Marke Closed haben Topmodell Toni Garrn und ihr Bruder Niklas im Jahr 2016 eine Unisex-Kollektion mit dem Namen \u201eEQL\u201c entworfen. Die Abk\u00fcrzung steht f\u00fcr \u201eEquality\u201c (Gleichberechtigung). Das Statement \u201esame same not different\u201c, das auf einige Kleidungsst\u00fccke der Kollektion gedruckt ist, aber auch als Hashtag in den sozialen Netzwerken fungiert, wie auch das mathematische Gleichzeichen, das als Logo eingesetzt wird, best\u00e4rken die Botschaft der Kollektion.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_9806\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9806\" class=\" wp-image-9806\" src=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Bildschirmfoto-2020-02-06-um-15.45.32-695x1024.png\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"332\" \/><p id=\"caption-attachment-9806\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 5: Statement Shirts und schwarze Hose der Unisex Kollektion von Toni und Niklas Garrn, in Kooperation mit der Marke Closed, 2016.<\/p><\/div>\n<p>Die Kleidung der Kollektion besteht haupts\u00e4chlich aus klaren, funktionalen und sportlichen Basisformen, die nicht zwischen einem Schnitt f\u00fcr M\u00e4nnern und einem f\u00fcr Frauen unterscheiden. Schlichte Basics wie T-Shirts (s. Abbildung 5), Bomberjacken (s. Abbildung 6), Wollm\u00e4ntel, gerade Stoffhosen und Jeans und weite Kapuzenpullover (s. Abbildung 7) bedecken den K\u00f6rper, ohne bestimmte K\u00f6rperpartien zu betonen. So wird eine Neutralisierung des K\u00f6rpers erreicht. Auch die verwendeten Farben sind neutral.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die K\u00f6rper der beiden Models, die gleichzeitig auch die Designer dieser Kollektion sind, wirken schmal und geradlinig und k\u00f6nnen durch die neutralisierende Schnittf\u00fchrung der Kleidung nicht eindeutig bestimmt werden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_9807\" style=\"width: 705px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9807\" class=\"size-large wp-image-9807\" src=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Bildschirmfoto-2020-02-06-um-15.46.13-1024x648.png\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"440\" \/><p id=\"caption-attachment-9807\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 6 (links): Bomberjacken der EQL-Kollektion;\u00a0Abbildung 7 (rechts): Wollm\u00e4ntel der EQL-Kollektion<\/p><\/div>\n<p>Die K\u00f6rper sind meist einander zugewandt, ber\u00fchren sich und wirken vertraut. Trotzdem ist keine erotische Spannung wahrnehmbar. Ihr Verh\u00e4ltnis wirkt vielmehr famili\u00e4r und freundschaftlich.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Posen sind sehr gelassen, nat\u00fcrlich und wirken nicht inszeniert, obwohl die Models auf einigen Fotos direkt in die Kamera blicken. Im Bewegungsablauf einer Geste oder w\u00e4hrend des Gehens eingefangen, erwecken die Posen den Eindruck eines zuf\u00e4lligen Schnappschusses. Die Fotos werden somit als etwas Uninszeniertes und damit Authentisches vorgef\u00fchrt. Mit Ausnahme zweier Fotos sind alle gezeigten Posen grunds\u00e4tzlich gender-unspezifisch. In Abbildung 5 und Abbildung 7 lehnt sich die Frau an die Schulter des Mannes. Dieser Akt betont die heteronormative Geschlechterordnung der unterw\u00fcrfigen Frau und des starken Mannes und damit auch die Zweiteilung der Ge schlechter.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_9808\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9808\" class=\" wp-image-9808\" src=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Bildschirmfoto-2020-02-06-um-15.46.22-1024x679.png\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" \/><p id=\"caption-attachment-9808\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 8: Kampagnenbild zur Unisex-Kollektion \u201eEQL\u201c von Closed.<\/p><\/div>\n<p>Das Make-up ist nicht sichtbar und die Haare scheinbar unfrisiert. Im Gegensatz zu Houranis Models haben die Geschwister eine starke, pr\u00e4sente Ausstrahlung und fungieren nicht nur als Tr\u00e4ger der Kleidung. Vielmehr bringen sie ihre Pers\u00f6nlichkeit mit ins Bild.<\/p>\n<p>Das Aussehen, die Posen, die K\u00f6rper und die Gesichtsausdr\u00fccke der Models \u00e4hneln sich sehr und betonen so die Gleichheit der Kleidung. Zugleich erwecken sie aber auch den Eindruck einer Gleichheit <i>durch<\/i> Kleidung. Die Kleidung selbst kommt eher beil\u00e4ufig ins Bild und soll durch die Art der Pr\u00e4sentation nat\u00fcrlich und authentisch wirken. Auch das l\u00e4ndliche Setting der Kampagnenbilder verst\u00e4rkt den Eindruck von Nat\u00fcrlichkeit.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Diese zweckgerichtete Inszenierung von Authentizit\u00e4t und Nat\u00fcrlichkeit durch das Setting, das Styling und die K\u00f6rperhaltung soll im Sinne eines strategischen Storytellings direkt auf die Kleidung und das \u00fcbergeordnete Konzept der Neutralit\u00e4t und Gleichheit \u00fcbertragen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Unisex-Kollektion \u201eBorderless\u201c von H&amp;M<\/p>\n<p>Unter dem Motto \u201eMode kennt keine Grenzen\u201c brachte die schwedische Modekette H&amp;M im M\u00e4rz 2017 die Unisex-Kollektion \u201eBorderless\u201c auf den Markt. Das Design der Kollektion wurde sowohl f\u00fcr M\u00e4nner als auch f\u00fcr Frauen entworfen und soll die Grenzen der geschlechtsspezifischen Mode \u00fcberwinden.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_9797\" style=\"width: 298px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9797\" class=\" wp-image-9797\" src=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Bildschirmfoto-2020-02-06-um-15.46.29-675x1024.png\" alt=\"\" width=\"288\" height=\"437\" \/><p id=\"caption-attachment-9797\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 9: Unisex-Kollektion \u201eBoderless\u201c von H&amp;M.<\/p><\/div>\n<p>Die Denim-Kollektion besteht aus schlichten T-Shirts, weiten Kapuzenpullovern, gerade geschnittenen Shorts und Hosen, Sneakern und \u00fcbergro\u00dfen Jeansjacken. Auch hier reduziert sich die Kleidung auf klare und sportliche Formen. Alle Kleidungsst\u00fccke sind durch den geradlinigen Oversize-Schnitt, der keine K\u00f6rperteile betont, gender-unspezifisch. Es werden nur die als neutral geltenden Farben grau, wei\u00df, schwarz und Denimblau verwendet.<\/p>\n<p>Der K\u00f6rper der Models ist schlank und zwischen m\u00e4nnlichen und weiblichen Zuschreibungen wechselnd. Das Make-up ist sehr dezent, fast unsichtbar. Die Haare der Frau sind unfrisiert oder zu einem l\u00e4ssigen Dutt hochgesteckt. Die Posen wirken beinahe theatralisch (s. Abbildung 10), im Gegensatz zu den nat\u00fcrlichen Posen der Closed-Kampagne. Auff\u00e4llig ist auch hier wieder, dass beide Models die gleichen Posen einnehmen, die diesmal jedoch mehr als gleich sind \u2013 sie wirken beinahe identisch.<\/p>\n<div id=\"attachment_9798\" style=\"width: 370px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9798\" class=\" wp-image-9798\" src=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Bildschirmfoto-2020-02-06-um-15.46.36-1024x685.png\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"241\" \/><p id=\"caption-attachment-9798\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 10: Unisex-Kollektion \u201eBorderless\u201c von H&amp;M, theatralische Posen der Models vor einem rosa Setting.<\/p><\/div>\n<p>Der fl\u00e4chige und einfarbige Hintergrund, der die Aufmerksamkeit des Betrachters auf die Models lenkt, verst\u00e4rkt den Eindruck von Unnat\u00fcrlichkeit. Die eingenommenen Posen wirken dadurch sehr pr\u00e4tenti\u00f6s, aber selbstbewusst. Auff\u00e4llig ist die Farbe des Hintergrunds. Diese wechselt zwischen den Farben Grau-Beige (s. Abbildung 9), Rosa (s. Abbildung 10) und Blau (Abbildung 11). W\u00e4hrend Grau und Beige neutrale Farbe sind, werden die Farben Rosa und Blau in der westlichen Gesellschaft jeweils einem Geschlecht zugeschrieben \u2013 Rosa f\u00fcr M\u00e4dchen, Blau f\u00fcr Jungen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Warum aber werden dann genau diese Farben als Setting f\u00fcr ein Shooting einer Unisex-Kampagne verwendet? Es wirkt, als spiele die Kampagne mit diesen Codes. Denn vor dem rosa Hintergrund ist nicht nur eine Frau zu sehen, sondern auch ein Mann. Die Gleichheit beider Geschlechter wird durch die Kleidung, die Pose und das Setting betont. Au\u00dferdem wird das \u00dcberschreiten der Geschlechtergrenzen durch die \u00dcberwindung der geschlechtsspezifischen Farben verbildlicht, indem die Farbe Blau f\u00fcr die Frau und die Farbe Rosa f\u00fcr den Mann zug\u00e4nglich gemacht wird.<\/p>\n<div id=\"attachment_9799\" style=\"width: 370px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9799\" class=\" wp-image-9799\" src=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Bildschirmfoto-2020-02-06-um-15.46.43-1024x683.png\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"240\" \/><p id=\"caption-attachment-9799\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 11: Unisex-Kollektion \u201eBoderless\u201c von H&amp;M, identische Posen vor einem blauen Setting.<\/p><\/div>\n<p>Durch die Gleichheit der Posen, der Kleidung und die Einheitlichkeit des Settings wirken die K\u00f6rper \u2013 trotz deutlicher Verschiedenheit der Gr\u00f6\u00dfe und der Gesichter \u2013 gleich. Es scheint, als w\u00e4re der eine K\u00f6rper das Spiegelbild des anderen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Durch die Verwendung von Accessoires in Abbildung 9 und 11 sowie durch den Einsatz von Absatzschuhen f\u00fcr die Frau in Abbildung 11 wird eine spezifisch weibliche Komponente ins Bild gebracht, die au\u00dferdem als erotisch-fetischisierend gilt.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> Diese heteronormativen Komponenten stehen der restlichen genderlosen Inszenierung kontr\u00e4r gegen\u00fcber.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Trotz einer Gleichmachung m\u00e4nnlicher und weiblicher Kleidungsst\u00fccke findet keine Uniformierung statt. Vielmehr geht es darum, universelle Kleidungsst\u00fccke zu entwerfen, die nach individuellem Geschmack angeeignet werden k\u00f6nnen. Diese k\u00f6nnen wie in Abbildung 11 durch Accessoires und Absatzschuhe feminin inszeniert oder durch das Styling mit Sneakern genderneutral pr\u00e4sentiert werden, wie in Abbildung 10.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Zwischenbilanz: Unisex als Inszenierungsform von Geschlechterlosigkeit<\/p>\n<p>F\u00fcr die Darstellung genderneutraler Mode im Niedrigpreissegment werden \u00fcberwiegend einfache geometrische Formen verwendet. Auch die Nutzung von \u00dcbergr\u00f6\u00dfen, durch die eine Betonung von Gliedma\u00dfen und Geschlechtsteilen ausbleibt, ist hier ein oftmals vorkommendes Mittel zur Aufl\u00f6sung der Geschlechtergrenzen. Funktionale Kleidung, die nicht mit sexuellen Reizen spielt, sondern prim\u00e4r den Zweck hat, den K\u00f6rper vor Umwelteinfl\u00fcssen zu sch\u00fctzen, gleichzeitig aber auch eine Verbindung zur Natur aufzeigen soll, nimmt bei der geschlechtlich unspezifischen Gorpcore-Mode eine wichtige Rolle ein.<\/p>\n<p>In der High Fashion werden unter anderem au\u00dfergew\u00f6hnliche geometrische Formen verwendet, die unabh\u00e4ngig vom weiblichen und m\u00e4nnlichen K\u00f6rper sind. Au\u00dferdem findet hier ein Spiel mit den Gr\u00f6\u00dfen und L\u00e4ngen der Kleidungsst\u00fccke statt: W\u00e4hrend unerotische K\u00f6rperteile, wie beispielsweise die Waden, durch anschmiegsame Materialien betont werden, werden die Geschlechtsorgane von \u00fcbergro\u00dfen Kleidungsst\u00fccken verdeckt.<\/p>\n<p>Gemeinsam ist allen in dieser Arbeit behandelten Kampagnen die Verwendung neutraler Farben sowie die Inszenierung von Gleichheit durch die Posen der Models. W\u00e4hrend die Kampagne \u201eEQL\u201c von Closed viel Wert auf den Eindruck von Nat\u00fcrlichkeit der Posen legt, zeigen die Anweisungen Rad Houranis zum Laufsteggang der Models und auch die Kampagnenfotos von H&amp;M f\u00fcr die Unisex-Kollektion \u201eBorderless\u201c einerseits extrem zur\u00fcckhaltende Posen (s. Abbildung 2), andererseits extrem konstruierte und unnat\u00fcrliche (s. Abbildung 10). Alle drei Varianten verwenden jedoch keine typisch m\u00e4nnlichen oder weiblichen Inszenierungsformen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Borderless-Kampagne zeigt keine vollst\u00e4ndige Gleichheit m\u00e4nnlicher und weiblicher Kleidungsst\u00fccke. Durch Accessoires wie Ohrringe und durch Schuhe mit Absatz werden Unterschiede zwischen den Geschlechtern beibehalten und nicht g\u00e4nzlich aufgel\u00f6st. Fraglich ist dabei, ob diese mit Gender-Codes verbundenen Kleidungsst\u00fccke tats\u00e4chlich zu der Kollektion geh\u00f6ren oder ob sie lediglich genutzt wurden, um verschiedene Kombinationsm\u00f6glichkeiten und Optionen der Aneignung zu pr\u00e4sentieren. Diese Mischung aus femininen Codes und geschlechtsneutraler Mode kreiert dennoch kein eindeutiges Bild einer weiblichen Geschlechtsidentit\u00e4t, sondern erstellt hybride Geschlechterbilder.<\/p>\n<p>Die futuristische Unisex-Couture-Kollektion Rad Houranis zeigt, wie Geschlechterlosigkeit durch die Erschaffung von etwas Neuem konstruiert werden kann. So wird durch eine unnat\u00fcrliche, beinahe architektonische Form, die weder mit M\u00e4nnlichkeit noch mit Weiblichkeit assoziiert wird, ein Durchbruch der Gender-Codes erreicht.<\/p>\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich feststellen, dass Unisex-Mode versucht, durch die Aufl\u00f6sung typisch weiblicher und m\u00e4nnlicher Attribute geschlechtlich neutrale Bekleidung zu schaffen. Geschlechtlichkeit im Sinne von k\u00f6rperlichen und sexuellen Reizen wird von der Unisex-Mode durch die Verbindung von K\u00f6rper und Kleid negiert. W\u00e4hrend Kleidung traditionell durch Form und Material f\u00fcr bestimmte K\u00f6rper konstruiert ist und die Verschmelzung von Kleid und passendem K\u00f6rper das Geschlecht offenbart, ist Unisex-Mode so konstruiert, dass sie weder dem m\u00e4nnlichen noch dem weiblichen K\u00f6rper \u201aschmeicheln\u2018 muss. Ganz im Gegenteil: Sie macht jegliche K\u00f6rperteile, die das Geschlecht enth\u00fcllen k\u00f6nnten, uneindeutig. Mit Unisex-Mode wird der K\u00f6rper zu einem \u201aEs\u2018 konstruiert. Ein neuer spezifischer, geschlechtlich nicht festgelegter Modek\u00f6rper, der weder dem m\u00e4nnlichen noch dem weiblichen Erscheinungsbild des Menschen entspricht, wird erschaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Aneignung von Unisex-Mode am Beispiel von Dad-Sneakern<\/p>\n<p>Eines der deutlichsten Beispiele f\u00fcr die gesellschaftliche Aneignung von Unisex-Mode sind die \u201eDad Sneaker\u201c, auch \u201eChuncky Sneaker\u201c genannt. Der Trend wurde durch Kreativdirektor und Designer Demna Gvasalia f\u00fcr das franz\u00f6sische Modeunternehmen Balenciaga mit der Fr\u00fchjahr-Sommer-Kollektion 2018 ins Leben gerufen.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_9800\" style=\"width: 253px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9800\" class=\" wp-image-9800\" src=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Bildschirmfoto-2020-02-06-um-15.46.54-677x1024.png\" alt=\"\" width=\"243\" height=\"368\" \/><p id=\"caption-attachment-9800\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 12: Balenciagas Fr\u00fchjahr-Sommer-Kollektion 2018 f\u00fcr M\u00e4nner.<\/p><\/div>\n<p>Der Modetrend \u201eDadcore\u201c ist der Nachfolger der Normcore- und Gorpcore-Mode. Er besteht aus einer Kombination von Basics und bequemer, funktionaler, an den 1990er Jahren orientierter Herrenkleidung.<\/p>\n<p>Beim Modetrend \u201eNormcore\u201c, der aus der Unisex-Mode entsprungen ist, geht es um Anpassungsf\u00e4higkeit, nicht um Exklusivit\u00e4t, wie die Autoren der Streitschrift \u201eYouth Mode\u201c, durch die der Begriff im Jahre 2013 gepr\u00e4gt wurde, erkl\u00e4ren.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> Tr\u00e4ger der Normcore-Mode kleiden sich bewusst unauff\u00e4llig. \u00dcber gut sichtbare Marken vermittelt die Kleidung dennoch Ansehen. Normcore kann als Reaktion der Kunden verstanden werden, die sich wegen der \u00dcbers\u00e4ttigung durch die Kurzlebigkeit von Modetrends an zeitlosen Klassikern orientieren.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a><\/p>\n<p>Der Normcore-Trend wurde schlie\u00dflich durch den Gorpcore-Trend abgel\u00f6st. Dieser zeichnet sich durch funktionale Kleidung aus, die eine Verbindung mit und eine Sehnsucht nach Natur aufzeigt. Die Gorpcore-Mode repr\u00e4sentiert also einen kulturellen und politischen Bereich, zum Beispiel die Klimaschutzbewegung. Regen- und Fleecejacken erm\u00f6glichen den Aufenthalt in der Natur bei jeglichen Wetterverh\u00e4ltnissen und stellen somit eine tiefe Verbindung mit der Umwelt dar (s. Abbildung 13).<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> Geschlecht spielt<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>bei der Normcore- und Gorpcoremode keine Rolle.<\/p>\n<div id=\"attachment_9809\" style=\"width: 347px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9809\" class=\" wp-image-9809\" src=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Bildschirmfoto-2020-02-06-um-15.47.01.png\" alt=\"\" width=\"337\" height=\"339\" \/><p id=\"caption-attachment-9809\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 13: A$AP Rocky in Gorpcore-Mode.<\/p><\/div>\n<p>Obwohl der Name \u201eDadcore\u201c darauf schlie\u00dfen l\u00e4sst, dass die Mode f\u00fcr V\u00e4ter und somit ausschlie\u00dflich f\u00fcr M\u00e4nner gedacht ist, bestehen Key-Pieces des \u201eDadcore\u201c zu einem gro\u00dfen Teil aus genderneutralen Kleidungsst\u00fccken. Ein Beispiel hierf\u00fcr sind die \u201eDad Sneaker\u201c (s. Abbildung 14).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_9810\" style=\"width: 352px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9810\" class=\" wp-image-9810\" src=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Bildschirmfoto-2020-02-06-um-15.47.09-1024x678.png\" alt=\"\" width=\"342\" height=\"226\" \/><p id=\"caption-attachment-9810\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 14: Dad Sneaker \u201eTriple S\u201c von Balenciaga.<\/p><\/div>\n<p>Diese klobigen Sportschuhe mit dicker und nach hinten abstehender Sohle haben es nicht nur in die High Fashion geschafft, sondern werden von den verschiedensten Marken zum Kauf angeboten. Der Sneaker \u201eTriple S\u201c von Balenciaga gilt dabei als wegweisender Vorreiter, den Marken wie Ash und Bronx, Zara und H&amp;M imitieren. Auch die Luxuslabels Louis Vuitton (s. Abbildung 15) und Chanel (s. Abbildung 16) haben Versionen des Dad Sneakers im Sortiment.<\/p>\n<p>Die futuristische Form dieses Trend-Schuhs ist besonders ausgefallen. Modelabel Balenciaga beschreibt das eigene Modell \u201eTriple S\u201c als \u201eOversized Sneaker\u201c. Die gebogene, markante Plateau-Sohle, die bei dem Modell \u201eArchlight\u201c von Louis Vuitton besonders ausgepr\u00e4gt ist, verleiht dem Schuh etwas \u00dcbernat\u00fcrliches.<\/p>\n<div id=\"attachment_9811\" style=\"width: 481px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9811\" class=\" wp-image-9811\" src=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Bildschirmfoto-2020-02-06-um-15.47.43-1024x508.png\" alt=\"\" width=\"471\" height=\"233\" \/><p id=\"caption-attachment-9811\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 15 (links): Dad Sneaker \u201eArchlight\u201c von Louis Vuitton;\u00a0Abbildung 16 (rechts): Dad Sneaker von Chanel.<\/p><\/div>\n<p>Der Trend wird von einem breiteren Publikum aufgenommen: Unter dem Hashtag \u201edadsneakers\u201c auf der Social-Media-Plattform Instagram sind \u00fcber 27.000 Fotos zu finden, die diesen Trendschuh abbilden.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> Darunter befinden sich aber auch Fotos von Prominenten wie Kylie Jenner<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> oder von bekannten Influencerinnen wie Xenia Adonts.<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a><\/p>\n<p>Kombiniert wird der Schuh oftmals genderneutral mit einer gerade geschnittenen Jeanshose und einem Basic-Shirt. Es werden aber auch Stilbr\u00fcche unternommen, indem die markanten Schuhe mit einem feinen Rock oder einem Kleid feminin oder mit einem Anzug maskulin kombiniert werden.<\/p>\n<p>Doch was macht diesen Schuh zu einem genderneutralen Kleidungsst\u00fcck? Sportschuhe jeglicher Art wurden im fr\u00fchen 20. Jahrhundert durch Jugendliche als Freizeitschuh vereinnahmt. W\u00e4hrend Gesch\u00e4ftsm\u00e4nner mit der Einf\u00fchrung des Casual Fridays in Nordamerika ihre Uniform zur\u00fccklassen durften und begannen, Sneaker auch im B\u00fcro zu tragen, wurde die idealisierte Weiblichkeit stets von einer Frau in High Heels verk\u00f6rpert.<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a> Lange Zeit wurden Sneaker speziell f\u00fcr Frauen designt. Die Schuhe orientierten sich dabei stets an den m\u00e4nnlichen Modellen. Auch die historischen \u201eChucks\u201c (Allstars) der Marke Converse oder die \u201eSuperstars\u201c von Adidas waren in erster Linie Schuhe f\u00fcr M\u00e4nner, die dann von Frauen angeeignet wurden.<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a><\/p>\n<p>Die heutigen \u201eDad Sneaker\u201c haben ihren Ursprung in den 1990er Jahren. Damals wurden klobige Turnschuhe mit dicken Sohlen aufgrund ihrer Bequemlichkeit in erster Linie von amerikanischen Familienv\u00e4tern getragen und galten als Inbegriff der \u201eAnti-Mode\u201c.<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a> Heute werden viele Sneaker, wie auch der \u201eDad Sneaker\u201c, nicht mehr speziell f\u00fcr M\u00e4nner oder Frauen designt, sondern kommen als Unisex-Schuh auf den Markt. Durch die beliebig wechselbaren und sich mit der Zeit ver\u00e4ndernden Geschlechtercodes wurden aus den funktionalen M\u00e4nnerschuhen geschlechtsunspezifische Unisex-Sneaker.<\/p>\n<p>Die \u201eDad Sneaker\u201c wurden zwar zun\u00e4chst auf Balenciagas Menswear-Modenshow pr\u00e4sentiert, gingen jedoch als Unisex-Schuh auf den Markt und wurden von Beginn an gleicherma\u00dfen von M\u00e4nnern und Frauen getragen. Zudem sind sie durch ihre au\u00dfergew\u00f6hnliche Silhouette, die die nat\u00fcrliche Form des Fu\u00dfes \u2013 egal ob m\u00e4nnlich oder weiblich\u00a0\u2013 deformiert und zu etwas Neuartigem formt, geschlechterlos. Durch die Verschmelzung von K\u00f6rper und Kleidung entsteht somit ein Modek\u00f6rper, der geschlechtlich unspezifisch erscheint.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Schluss<\/p>\n<p>Mode war bisher stets von einem Dualismus, von st\u00e4ndig wechselnden weiblichen und m\u00e4nnlichen Moden bestimmt. Der gegenseitige Bezug von femininer und maskuliner Mode aufeinander l\u00e4sst sich in dieser Hinsicht als affirmative kulturelle Praxis deuten. In dieser Mode ging es haupts\u00e4chlich darum, Merkmale der M\u00e4nnermode an die Frauenkleidung anzupassen und zu \u00fcbertragen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Wende hin zu geschlechtsneutraler Mode ist hingegen erst seit einiger Zeit zu beobachten und scheint sich erst jetzt zu etablieren. Einige Kritiker dieser Unisex-Mode sind jedoch weiterhin davon \u00fcberzeugt, dass geschlechtsneutrale Mode nicht existiert, sondern dass diese lediglich androgyn ausfallen k\u00f6nne. So \u00e4u\u00dfert sich beispielsweise Barbara Vinken in ihrem Buch \u201eAngezogen. Das Geheimnis der Mode\u201c zu der vermeintlichen Funktion von Mode, Geschlechterlosigkeit zu konstruieren. Zwar beobachte sie seit einigen Jahren die Angleichung der Bekleidung von Mann und Frau, sie schlussfolgert jedoch, dass trotz des Trends zum Unisex typische Merkmale weiblicher und m\u00e4nnlicher Mode existierten und sich grundlegend voneinander unterschieden.<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a> Die Einteilung in Geschlechter werde durch die Mode nicht beeinflusst oder aufgehoben.<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a> Vinken vertritt die These, dass Unisex-Mode nicht zum Verschleiern der K\u00f6rperumrisse gef\u00fchrt habe, sondern dass die erotisch m\u00e4nnliche Zone in die Damenmode \u00fcbertragen worden sei. So sei die weibliche Silhouette, trotz Unisex-Mode, stets neu inszeniert worden.<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\">[32]<\/a> Vinken h\u00e4lt geschlechtsneutrale Kleidung also f\u00fcr eine Illusion.<\/p>\n<p>Auch Gertrud Lehnert sieht das \u00e4hnlich. Sie behauptet, dass Geschlechterverh\u00e4ltnisse zwar in Bewegung seien, das dominante Konzept der Zweigeschlechtlichkeit und damit einhergehend auch die Heteronormativit\u00e4t jedoch kulturell und auch in der Mode nach wie vor weitgehend ungebrochen.<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\">[33]<\/a><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Bei Unisex-Mode geht es jedoch nicht um eine Umkehrung, Aneignung oder eine \u00dcbertragung von Geschlechtercodes, wie Vinken annimmt, diese sind ganz im Gegenteil v\u00f6llig unbedeutend. Eine Betonung eines weiblichen oder m\u00e4nnlichen K\u00f6rpers findet nicht statt, die Silhouette ist geschlechtlich unspezifisch, wodurch auch der Modek\u00f6rper im Moment der Inszenierung geschlechterlos erscheint.<\/p>\n<p>Nicht mehr die modischen Attribute, die entweder mit M\u00e4nnlichkeit oder Weiblichkeit assoziiert werden, sind von zentralem Interesse, sondern vielmehr die Bedeutungen, die durch die Erschaffung eines unspezifischen Modek\u00f6rpers offenbart werden. Geschlechtergrenzen werden auf diese Weise durch geschlechtlich unspezifische und neutralisierende Mode aufgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Es stellt sich darum nicht mehr die Frage, ob geschlechterlose Mode existiert oder nicht, sondern vielmehr, ob es sich bei geschlechtsneutraler Kleidung um eine Mode oder ein Zeichen f\u00fcr eine weiter reichende soziokulturelle Entwicklung handelt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Heute vermarkten viele Hersteller zunehmend genderneutrale Produkte, bei denen die eigentliche Funktion oder eine abstrakte \u00c4sthetik im Vordergrund steht, statt sich in bin\u00e4ren, geschlechtsspezifischen Form-Klischees zu ersch\u00f6pfen.<a href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\">[34]<\/a> Dies bedeutet aber nicht, dass alle Menschen androgyner werden, sondern dass Vorlieben, die fr\u00fcher einem Geschlecht zugeschrieben wurden, allen Geschlechtern er\u00f6ffnet werden und damit unabh\u00e4ngig von Geschlecht existieren. Das Individuum ist durch sein Geschlecht nicht mehr auf bestimmte Moden, Hobbys, Berufe oder Verhaltensweisen festgelegt. Beim genderneutralen Lebensstil werden s\u00e4mtliche Lebensbereiche nach Interessen, Funktionalit\u00e4t und Geschmack gestaltet.<a href=\"#_ftn35\" name=\"_ftnref35\">[35]<\/a><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>In der traditionellen Geschlechterordnung schlie\u00dfen sich beide Geschlechter wechselseitig aus, \u201eFrau-Sein\u201c ist gleichbedeutend mit \u201eNicht-Mann-Sein\u201c und umgekehrt. Beide Seiten werden mit Stereotypen besetzt, die traditionell Bestandteil der Kulturen sind und von einer Generation an die nachfolgende weitergegeben werden. Heute ist dies nicht mehr der Fall. Dem begrenzten Konzept wird eine Vielfalt an Geschlechtern entgegengesetzt.<\/p>\n<p>Auch die genderneutrale Mode \u00fcbt Kritik an der Heteronormativit\u00e4t und verfolgt einen pluralistischeren Ansatz. Beim Wandel zu einer allinkludierenden Gesellschaft in Sachen Geschlecht geht es nicht darum, Grenzen zu verwischen, um ein neues Spektrum zu erschaffen. Vielmehr geht es darum, von den Begriffen, die die Grenzen dieses Spektrums bezeichnen (m\u00e4nnlich und weiblich), loszukommen.<a href=\"#_ftn36\" name=\"_ftnref36\">[36]<\/a><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Anmerkungen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. Natasha Binar: Unisex-Trend. Alles f\u00fcr Alle, in: Handelsblatt Online, https:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/handel-konsumgueter\/unisex-trend-maennlich-und-weiblich-sind-kategorien-die-keinen-sinn-ergeben\/ 11423098-3.html (11.09.2019)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. Liam Freeman: Gender Neutral Fashion. Braucht die Mode noch Geschlechtergrenzen?, in: Vogue Online, https:\/\/www.vogue.de\/mode\/artikel\/geschlechtsneutrale-mode (11.09.2019).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. Vgl. Max B\u00f6hnel: Pierre Cardin Ausstellung in New York. Erfinder der futuristischen Mode, in: Deutschlandfunk Kultur, https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/pierre-cardin-ausstellung-in-new-york-erfinder-der.1013.de.html (12.09.2019).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl. Antje Osterburg: \u2026 &amp; queer stories. Zu queeren Bildstrategien in der Modefotografie am Beispiel der Fotostrecke THE GAZE\/&amp; other stories, in: Ist Mode queer?, hrsg. v. Gertrud Lehnert u. Maria Weilandt, transcript Verlag, Bielefeld 2016, S. 181-196, hier S. 190.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl. ebd., S. 190.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Vgl. ebd., S. 188.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Vgl. ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Vgl. ebd., S. 190.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Gertrud Lehnert: Mode. Theorie, Geschichte und \u00c4sthetik einer kulturellen Praxis, transcript Verlag, Bielefeld 2013, S. 42.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Vgl. ebd., S. 190 f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> FashionTV: Rad Hourani Unisex Couture Collection Fall\/Winter 2013-2014, https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=IDzmP6Ov5Ak (11.09.2019).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Alle Quellen der folgenden Abbildungen sind im Abbildungsverzeichnis aufgelistet.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Vgl. Frauke Fentloh: Unisex-Couture. Halb Mann, halb Frau, ganz Mode, in: Zeit Online, https:\/\/www.zeit.de\/lebensart\/mode\/2014-04\/rad-hourani-paris-chambre-syndicale\/seite-2 (11.09.2019).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Vgl. ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Vgl. Lea Gross: Unisex Kollektion. #SameSameNotDifferent: Toni und Niklas Garrn x Closed, in: Vogue Online, https:\/\/www.vogue.de\/mode\/mode-news\/unisex-kollektion-samesamenotdifferent-toni-und-niklas-garrn-x-closed (15.09.2019).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Vgl. Julia Malysch: H&amp;M launcht Unisex-Denim-Kollektion, in: Vogue Online, https:\/\/www.vogue.de\/mode\/mode-news\/hm-unisex-denim-kollektion (11.09.2019).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Vgl. Osterburg, S. 119.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Vgl. Ugly Sneaker. Der Monstertruck f\u00fcr den Fu\u00df, in: https:\/\/www.zeit.de\/zeit-magazin\/mode-design\/2018-09\/ugly-sneaker-balenciaga-raf-simons-modenschau-mailand (28.09.2019)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Vgl. Youth Mode, a report on freedom: http:\/\/khole.net\/issues\/youth-mode\/ (01.08.2019).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Vgl. ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Vgl. Jason Chen: First came Normcore. Now get ready for Gorpcore: https:\/\/www.thecut.com\/2017\/05\/new-fashion-trends-normcore-gorpcore.html (01.08.2019)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Hashtag \u201eDadsneakers\u201c auf Instagram: https:\/\/www.instagram.com\/explore\/tags\/dadsneakers\/?hl=de (11.09.2019).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Vgl. Kylie Jenner, Instagram-Post: https:\/\/www.instagram.com\/p\/B0fPeXSHwv9\/ (11.09.2019).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Vgl. Xenia Adonts, Instagram-Post: https:\/\/www.instagram.com\/p\/B1TKH0PAoS-\/ (11.09.2019).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Vgl. Christina Rietz: Evolution des Sneakers. Der Turnschuh macht den Mann, in: Spiegel Online, https:\/\/www.spiegel.de\/stil\/turnschuhe-sneaker-kultur-und-die-geschichte-des-hype-darum-a-1045002.html (12.09.2019).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Vgl. ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Vgl. Trend oder Kult? Dadsneaker revolutionieren die Modewelt, in: https:\/\/www.43einhalb.com\/blog\/klobig-im-trend-ugly-dad-sneaker\/2018\/07\/ (28.09.2019)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> Vgl. Barbara Vinken: Angezogen. Das Geheimnis der Mode, Klett-Cotta, 8. Aufl., Stuttgart 2014, S. 32.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> Vgl. ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> Vgl. ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref33\u201c name=\">[33]<\/a> Vgl. Getrud Lehnert: Mode. \u00c4sthetische Praxis und Doing Gender, in: Handbuch interdisziplin\u00e4re Geschlechterforschung, hrsg. v. Beate Kortendiek, Birgit Riegraf u. Katja Sabisch, Springer VS, Wiesbaden 2019, S. 1405-1414, hier S. 1406.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref34\u201c name=\">[34]<\/a> Vgl. Lena Papasabbas: Ungendered Lifestyle. Rollenmuster verlieren ihre Relevanz, in: Zukunftsinstitut (Hrsg.), https:\/\/www.zukunftsinstitut.de\/artikel\/ungendered-lifestyle-rollenmuster-verlieren-ihre-relevanz\/ (11.09.2019).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref35\u201c name=\">[35]<\/a> Vgl. ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref36\u201c name=\">[36]<\/a> Vgl. Freeman (Fn. 1).<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Abbildungsverzeichnis<\/p>\n<p>Abbildung 1: Unisex-Couture-Kollektion 2013\/14 von Rad Hourani, w\u00e4hrend der Pariser Fashionweek im Januar 2013. Ausgew\u00e4hlte Styles, in: https:\/\/trendland.com\/rad-hourani-unisex-couture-collection-11\/<\/p>\n<p>Abbildung 2: Unisex-Couture-Kollektion Fall\/Winter 2013\/14 von Rad Hourani. Links: Nackte Arme. Rechts: Stofflagen und Faltungen, in: https:\/\/trendland.com\/rad-hourani-unisex-couture-collection-11\/<\/p>\n<p>Abbildung 3: Runway-Anweisungen Rad Houranis, in: http:\/\/youstrikemyfancy.com\/rad-hourani-unisex-couture-show\/<\/p>\n<p>Abbildung 4: Maskierte Modelle am Ende der Modenschau von Rad Hourani, in: https:\/\/www.fr.de\/ratgeber\/mode-loest-sich-geschlechterklischees-11056961.html<\/p>\n<p>Abbildung 5: Statement Shirts und schwarze Hose der Unisex Kollektion von Toni und Niklas Garrn, in Kooperation mit der Marke Closed, 2016, in: https:\/\/www.vogue.de\/gallery-1512652522832<\/p>\n<p>Abbildung 6: Bomberjacken der EQL-Kollektion, in: https:\/\/www.vogue.de\/gallery-1512652522832<\/p>\n<p>Abbildung 7: Wollm\u00e4ntel der EQL-Kollektion, in: https:\/\/www.vogue.de\/gallery-1512652522832<\/p>\n<p>Abbildung 8: Kampagnenbild zur Unisex-Kollektion \u201eEQL\u201c von Closed, in: https:\/\/www.vogue.de\/gallery-1512652522832<\/p>\n<p>Abbildung 9: Unisex-Kollektion \u201eBoderless\u201c von H&amp;M, in: https:\/\/www.vogue.de\/gallery-1512652958291<\/p>\n<p>Abbildung 10: Unisex-Kollektion \u201eBorderless\u201c von H&amp;M, theatralische Posen der Models vor einem rosa Setting, in: https:\/\/www.vogue.de\/gallery-1512652958291<\/p>\n<p>Abbildung 11: Unisex-Kollektion \u201eBoderless\u201c von H&amp;M, identische Posen vor einem blauem Setting, in: https:\/\/www.vogue.de\/gallery-1512652958291<\/p>\n<p>Abbildung 12: Balenciagas Fr\u00fchjahr-Sommer-Kollektion 2018 f\u00fcr M\u00e4nner, in: https:\/\/www.vogue.com\/article\/balenciaga-mens-spring-2018-dad-style<\/p>\n<p>Abbildung 13: A$AP Rocky in Gorpcore-Mode, in: https:\/\/www.thecut.com\/2017\/05\/new-fashion-trends-normcore-gorpcore.html<\/p>\n<p>Abbildung 14: Dad Sneaker \u201eTriple S\u201c von Balenciaga, in: https:\/\/www.fashionboxx.net\/dad-shoes\/<\/p>\n<p>Abbildung 15: Dad Sneaker \u201eArchlight\u201c von Louis Vuitton, in: https:\/\/images.app.goo.gl\/AonJZYqoarjbRZN69<\/p>\n<p>Abbildung 16: Dad Sneaker von Chanel, in: https:\/\/images.app.goo.gl\/t3JHQQenCKhuXoyw7<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201aGenderless\u2018 als Ph\u00e4nomen der Kleidungs-Mode und ihres Marketings<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[112464,112465,862,112466,923,1541,112467,112468,112469],"class_list":["post-9796","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-closed","tag-dadcore","tag-geschlecht","tag-geschlechterlosigkeit","tag-hm","tag-mode","tag-pierre-cardin","tag-rad-hourani","tag-unisex"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9796","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9796"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9796\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9796"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9796"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9796"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}