Queering Jewishness – Jewish Queerness. Diskursive Konstruktionen kultureller jüdischer Identität(en) in (audio-)visuellen Medien.

Wie werden geschlechtlich codierte kulturelle jüdische Identität(en) in unterschiedlichen Medienkonstellationen hergestellt und verhandelt? Anhand konkreter Beispiele untersuche ich in diesem Projekt die zeitgenössische Repräsentation kultureller jüdischer Identität(en) in (audio-)visuellen Formen aus der interdisziplinären Perspektive der Jewish Visual Culture Studies. Neben dem wechselseitigen Ineinandergreifen verschiedener ordnungsstiftender sowie identitätspolitischer Kategorien wie Ethnizität, Religion, Gender, Klasse oder Körper, lege ich im Rahmen des Forschungsvorhabens einen besonderen Fokus auf die vielschichtige Verbindung zwischen Jewishness und Queerness, welche spätestens im 19. Jahrhundert in der weit verbreiteten Vorstellung einer durch Jüd_innen verkörperten transgressiven, abweichenden Sexualität ihren Ausdruck findet. Primärer Analysegegenstand sind die US-amerikanische Amazon Originals-Serie TRANSPARENT (2014-2019), ausgewählte (auto-)biografische Werke der jüdisch-amerikanischen Comickünstlerin Aline Kominsky-Crumb sowie die internationalen Kinofilmproduktionen DIE BLUMEN VON GESTERN (A/D/F 2017), CALL ME BY YOUR NAME (I/F/BRA 2017) und DISOBEDIENCE (IRL/UK/USA 2017). In all diesen Beispielen wird ‚Jüdischsein’ nicht nur als ‚Andersein’ sondern auch als Form der Queerness inszeniert und problematisiert.

Davon ausgehend, dass (audio-)visuelle Repräsentationen stets im Kontext ihres (sozio-) kulturellen sowie gesellschaftspolitischen Hintergrundes betrachtet werden müssen, besteht das zentrale Anliegen des Projektes darin, das auf Hierarchisierung basierende hegemoniale Prinzip der ‚jüdischen Differenz‘ (vgl. Silverman 2011) in den Blick zu nehmen und dessen Konstitution sowie (Re-)Produktion einer gleichermaßen medienästhetischen wie -kritischen intersektionalen Analyse zu unterziehen. Dabei lässt sich das Forschungsvorhaben von der grundlegenden Annahme leiten, dass es sich sowohl bei populären Bildmedien – wie etwa Comic, Film und Fernsehen – als auch bei (kulturellen) identitätsstiftenden Strukturen um kontextabhängige diskursive Konzepte handelt, die durch ihre performative, d.h. dynamische, prozesshafte und nicht-essenzielle Verfasstheit gekennzeichnet sind.

Im Vordergrund der Beispielanalysen steht somit jeweils die Frage, wie zeitgenössische Comic-, Film- und Fernsehproduktionen an hegemonialen Ausgrenzungsverfahren und Normalisierungsprozessen teilhaben. Wie kann der bedeutungskonstituierende Charakter (audio-) visueller Medien mit Blick auf die medial-diskursive (Selbst-)Dokumentation, (Selbst-)Inszenierung und (Selbst-)Konstitution von ‚Jüdischsein‘ beschrieben und problematisiert werden? Indem ein besonderes Augenmerk auf die materielle und formal-ästhetische Disposition ausgewählter populärer Bildmedien gelegt wird, trägt mein Forschungsprojekt dazu bei, Ausschließungs- und Machtstrukturen aufzuspüren, sichtbar zu machen und ihre gesellschaftspolitische sowie mediale Form der (Re-)Produktion einer differenzierten Betrachtung und kritisch-reflexiven Analyse zu unterziehen.

Dieses Projekt wird von Véronique Sina durchgeführt.