Convergence Culture, Participatory Culture, Prosumer Culture

Convergence Culture, Participatory Culture, Prosumer Culture

Von Michaela Alberter

Die sozialen Netzwerke boomen, 727 Millionen Menschen loggen sich täglich bei Facebook ein, laden im Schnitt jede Minute 100 Stunden Videomaterial bei YouTube hoch und verfassen 500 Millionen Tweets pro Tag*. Grund genug dieses Phänomen aus wissenschaftlicher Sicht genauer zu betrachten.

Convergence Culture

„Convergence culture is the future, but it is taking shape now. Consumers will be more powerful within convergence culture – but only if they recognize and use that power as both consumers and citizens, as full participants in our culture.“  – Henry Jenkins [2006a: Seite 248]

Henry Jenkins; http://pressroom.usc.edu/files/2013/05/henry-jenkins.jpg

Henry Jenkins**

Der amerikanische Professor, Buchautor und Direktor des Comparative Media Studies Program des MIT (Massachusetts Institute of Technology) Henry Jenkins prägte in seiner gleichnamigen Monographie den Begriff einer “convergence culture“. Darunter versteht er eine Annäherung von altbewährten Medien wie Printmedien und neuen Medien (Bsp.: Internet). Der Fokus liegt dabei nicht auf dem technologischen Verknüpfungsprozess, sondern vielmehr geht es um den „cultural shift“: Diese kulturellen, sozialen und industriellen Veränderungen sind – genau wie die zunehmende Emanzipation der Konsumenten/Rezipienten – abhängig vom Sender/Produzenten und dessen Inhalt. Jenkins sieht den aktiven Rezipienten als Schlüsselfigur für künftige Entwicklungen und bezeichnet dessen aktive Teilnahme und Interaktion mit Medienschaffenden als entscheidendes Element.

Participatory Culture

Für diese Kultur der Partizipation, die sich durch die verstärkte Teilhabe der Rezipienten (aufgrund der digitalen Medien) auszeichnet, verwendet Jenkins den Begriff einer „participatory culture“:

  • „with relatively low barriers to artistic and civic engagement
  • with strong support for creating and sharing one’s creations with others
  • with some type of informal mentorship whereby what is known by the most experienced is passed along to novices
  • where members believe that their contributions matter
  • where members feel some degree of social connection with one another (at least they care what other people think about what they have created)“ [Jenkins 2006b]

An dieser Form der Gemeinschaft kann jeder aktiv teilhaben. Vor allem jüngere Konsumenten zeichnen sich durch starkes Engagement aus, indem sie sich sozialen Netzwerken anschließen, an Geschäftsprozessen aktiv teilnehmen und eigene Beiträge leisten. Diese zunehmende Bereitschaft zur Mitgestaltung und Mitarbeit hat vor allem durch neue Informations- und Kommunikationstechnologien einen starken Aufschwung erfahren. Paradebeispiele für participatory culture sind Portale wie Wikipedia und YouTube – die folgenden Beispiel-Videos verdeutlichen, auf welch vielfältige Weise die User sich einbringen (können).

Prosumer Culture: Amateure/Nutzer als Teil des Produkts

Beispiel 1: Bei dieser Zusammenarbeit der Telekom mit den Fantastischen Vier konnten User Videos hochladen, die im endgültigen Video zusammengefügt wurden.

Beispiel 2: Der Wahlwerbe-Clip der IG Metall besteht aus verschiedenen Fernsehausschnitten und YouTube-Clips, die auf der Plattform zuvor gehypt wurden (= typisches participatory culture-Phänomen):

Beispiel 3: Gleichzeitig versuchen Profis diese neue Entwicklung zu nutzen, indem sie die Ästhetik von Amateurcontent aufgreifen:

Während diese Entwicklung in der Literatur häufig negativ betrachtet wird – besonders die „niedrige Qualität auf Videoportalen“ wie YouTube wird kritisiert – ist Jenkins überzeugt, dass diese Entwicklung ein großes Potenzial für die Zukunft bietet: „The potentials of a more participatory media culture are also worth fighting for.“ (Jenkins 2006a: Seite 248)

Einhergehend mit dem Begriff der participatory culture entstand der Neologismus „Prosumer“: Geprägt wurde dieses Wortspiel aus „producer“ (Produzent) und „consumer“ (Konsument) bereits 1980 von Alvin Toffler in seinem Werk „The Third Wave“. Nach dem Erscheinen des Buches wurde der Begriff jedoch lange Zeit in der Forschung kaum beachtet. Erst seit etwa 2008 wird der Begriff des Prosumenten in Zusammenhang mit User-Generated-Content verwendet. Die bisher passiven Konsumenten werden nach eigenen Präferenzen aktiv und produzieren beispielsweise Remakes von professionellen Videos/Filmen. Auf YouTube finden sich so z.B. die sogenannten sweded-Videos: Fans stellen u.a. Trailer von bekannten Filmen mit einfachen Mitteln nach; hier z.B. den Trailer des Marvell-Blockbusters „The Avengers“.

Quellen:

Jenkins, Henry (2006a): Convergence Culture. Where Old and New Media Collide. New York University Press.

Jenkins, Henry (2006b): http://henryjenkins.org/2006/10/confronting_the_challenges_of.html, zuletzt aufgerufen am 23.07.14

http://henryjenkins.org/

* eigene Angaben von Facebook (http://newsroom.fb.com/Key-Facts), YouTube (http://www.youtube.com/yt/press/de/statistics.html) und Twitter (https://about.twitter.com/company); Stand 26.01.2014.

** Quelle: http://pressroom.usc.edu/files/2013/05/henry-jenkins.jpg; mit freundlicher Genehmigung von Henry Jenkins