NOTBURGA KARL

NOTBURGA KARL
Universität Bamberg

Zwischen Praxis und Didaktik

Was professionsbedingt oft zusammengedacht wird, möchte ich zunächst einzeln betrachten: Kunst – als autonome Praxis meines Denkens, Fühlens und Handelns, mit ihrer eigenen Geschichte – und die Didaktik der Kunst: die Anleitung zu und mit und über Kunst als meine Gabe für andere (ebenfalls mit ihrer eigenen Geschichte). Beides ist schön, macht aber viel Arbeit. Dabei soll mir das Eine jeweils zur Kontrastfolie des Anderen werden: Die Arbeit im Atelier zeigt, wie künstlich die Situation des angeleiteten Lernens sein kann, wie vorbestimmt und unhinterfragt Inhalte gefasst sein können, wie wenig Zeit zur Reife vorgesehen ist. Umgekehrt zeigt die Didaktik der Kunst, wie kurzlebig Diskurse – auch der Kunst – sein können, was passiert, wenn Autopoesis verwechselt wird mit Egoismus – als elitäre abgeschottete Subkultur, ihre Kurzlebigkeit und Gefräßigkeit, die Relativität von kreativem Chaos. Sie zeigt, was in der Kunst verdeckt, weil vermeintlich selbstverständlich ist: Wie sich Selbstwirksamkeit anfühlt, aber auch, welche Ökonomisierungsstrategien von Zeit, Raum und Ressourcen den Elan austreiben.

Von Aby Warburg bis Didi-Hubermann gilt der Zwischenraum als Ort der Erkenntnis. Diesen gilt es auszuloten. Welche Einsichten und Anregungen gewinne ich zwischen künstlersicher Praxis und Didaktik? Dazu operiere ich mit eigenen ästhetischen Versuchsanordnungen und Fremdbeobachtung und will mir selbst ein Fallbeispiel sein.